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Kitabı oku: «Reinhard Flemmings Abenteuer zu Wasser und zu Lande», sayfa 7

Heinrich Seidel
Yazı tipi:
 
»Im Wald und auf der Heide,
Da such‘ ich meine Freude,
Ich bin ein Jägersmann!«
 

Als ich mich unsrer Hütte näherte, sah ich von ferne schon das Feuer durch die Stämme der Bäume scheinen und bereitete mich auf ein recht effektvolles Auftreten vor. Ich nahm den Hasen an den Hinterläufen in die Hand, schulterte die Flinte und ging mit möglichst dick aufgetragener Gleichgültigkeit auf das Feuer zu.

Adolf, der mich kommen hörte, aber vom Feuer geblendet mich nicht sehen konnte, rief: »Na, wonach hast du vorbeigeschossen?« und hielt zugleich einen sehr stattlichen Barsch, den er soeben ausgenommen hatte, in die Höhe, dass er im Lichte des Feuers blitzte.

»Die Büchse Freitags«, sagte ich in erhabenem Tone, »spricht nicht umsonst. Der starke Büffel zittert, wenn er ihren Ton vernimmt, und der blutgierige Jaguar schleicht sich still ins Dickicht, wo es am finstersten ist. Ich war auf der Prairie des Sonnenuntergangs und sorgte für den Sonntagsbraten.«

Damit warf ich Adolf mit einer Miene erhabener Gleichgültigkeit den Hasen vor die Füsse.

Ich glaube fast, Adolf war neidisch, soweit sein biederes Gemüt diese Empfindung zuliess. Jedenfalls empfand er es als eine Ungerechtigkeit, dass das, wonach er all die Abende vergeblich ausgegangen war, nun dem Neuling von selber in den Schoss fiel. »Na«, meinte er, »mein Vater sagte immer, die Anfänger haben den besten Anlauf, das muss doch wahr sein. Hast noch nie ‚ne Flinte auf ein Stück Wild abgedrückt und dann gleich so ‚n Kapitalhase. Na, es wird wohl auch so ‚n Ururgrossvater sein, der sich aus Lebensüberdruss hat totschiessen lassen.«

Und damit griff er mit der Miene eines gewiegten Kenners nach dem einen Löffel des Hasen und versuchte ihn der Länge nach einzureissen. Es ging ganz leicht.

»Jung ist er auch noch«, sagte Adolf dann, »wie kann nur ein Mensch so ‚n Glück haben!« Ich aber, von hohem Stolze geschwellt, stieg auf einen Stuhl und hing meine Beute an das Dach unsrer kleinen Vorhalle, und als ich nun während unsrer Abendmahlzeit von meinem Jagdabenteuer ganz genauen Bericht abstatten musste, verfehlte ich nicht, mich von Zeit zu Zeit liebevoll nach ihr umzusehen.

Als ich in der Nacht zufällig einmal aufwachte, fiel mir sogleich wie ein grosses Glück mein Jagderlebnis wieder ein. Draussen schien der Mond, und ich konnte es nicht lassen, ich musste noch einmal nach meinem Hasen sehen. Zugleich hörte ich draussen ein leises Geräusch, das ich mir nicht zu erklären vermochte. Ich erhob mich vorsichtig und sah durch das Fenster hinaus. Dort hing er noch immer, schwarz und stattlich im hellen Mondschein sich abzeichnend. Da plötzlich schoss etwas Dunkles gegen den Hasen vom Boden empor, berührte ihn fast und fuhr dann wieder zurück. Ich richtete mich höher auf, um auf den Boden sehen zu können, und bemerkte dort ein Tier, das wie ein Hund auf den Hinterbeinen sass und sehr aufmerksam zu dem Hasen emporäugte. Aber Hunde gab es ja gar nicht auf der Insel, wahrhaftig, das konnte nur ein Fuchs sein. Nun sprang das Tier wieder mit einem mächtigen Satze empor, dass es mit der Schnauze den Hasen berührte und dieser ein wenig hin und her schwankte. Bei diesem Sprunge sah ich die buschige Lunte des Tieres und war nun meiner Sache gewiss. Der Hase war nur lose aufgehängt, und wenn der Fuchs ihn nur einmal richtig fasste, dann riss er ihn herunter; deshalb musste ich den roten Räuber sofort verjagen und den Hasen sicherer unterbringen. Als ich mich leise hinausschleichen wollte, fiel mein Auge auf die Flinte, die Adolf am vorigen Abend ordnungsmässig wieder geladen und an die Wand gehängt hatte. Da kam mir erst der einzig richtige Gedanke. Ich nahm, so leise ich konnte, das Gewehr von der Wand, stellte mich so aufrecht wie möglich auf mein Heubett, zielte sorgfältig, so gut es bei dem mangelhaften Lichte ging, auf das Blatt des Fuchses, der wieder in sitzender Stellung voller Begier zu dem Hasen aufäugte, und schoss. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, war der Fuchs verschwunden.

Adolf aber fuhr mit einem lauten Schrei aus dem tiefsten Schlaf hervor. »Sind die Eingeborenen da?« rief er und starrte entsetzt in den dämmerigen Raum, in dem er mich kaum erkennen konnte.

»Beruhige dich, Robinson«, sagte ich, »dein Freitag wacht für dich! Ich schoss eben nur einen Fuchs, der sich den Hasen holen wollte.«

»Ach, du träumst«, sagte Adolf, »dir ist dein Jagdglück zu Kopf gestiegen.«

Trotzdem aber standen wir auf, zogen uns Stiefel an und gingen hinaus.

Alles war draussen still und einsam und trotz des hellen Mondscheins nichts Verdächtiges zu sehen. Ich suchte nach Schweissspuren, konnte aber keine finden. Adolf war ärgerlich, machte schnöde Bemerkungen über Mondsucht und Gespensterseherei und kroch bald verdriesslich wieder in sein Heu.

Ich that es ihm nach, aber einschlafen konnte ich nicht wieder, denn dies nächtliche Abenteuer wollte mir nicht aus dem Sinn. Glücklicherweise war der Morgen nicht mehr weit, und als es so hell geworden war, dass man im Innern der Hütte alles erkennen konnte, stand ich sachte auf und schlich mich hinaus. Im Osten war schon eine grosse Helle, und zarte, rötliche Wolken schwammen darüber in der blassen Luft; von den Blättern der Bäume tropfte der Tau, und allerlei Vogelstimmen waren schon vernehmlich. Über den hellen Himmel hinweg flogen die Krähen von ihren nächtlichen Schlafplätzen zu den fernen Feldern, auf denen sie während des Tages ihrem Erwerbe nachgehen. Als der erste Sonnenstrahl durch die Stämme blitzte, begann ich meine Nachsuche. Die Stelle, wo der Fuchs seine Sprünge gemacht hatte, war an den Spuren leicht kenntlich, doch Schweiss fand ich an diesem Orte nicht. Das stimmte mich sehr bedenklich, doch umging ich nun sorgfältig diesen Ort in immer grösseren Kreisen und suchte weiter. Doch nichts fand sich, und ich wollte schon betrübt meine Nachforschungen aufgeben, als ich plötzlich auf einem Wegerichblatt einen roten Blutstropfen bemerkte. Und von dort ab fand sich eine deutliche Schweissspur, die zu einem dichten Gestrüpp von wilden Himbeeren führte. Ich umging das Gestrüpp von allen Seiten, allein die Spur kam nicht wieder zum Vorschein. In einer seltsamen Angst wagte ich mich eine ganze Weile gar nicht an das Gebüsch heran, in der Furcht, es leer zu finden. Endlich fasste ich Mut, bog die Büsche an einer mir geeignet erscheinenden Stelle auseinander und erschrak furchtbar, denn dort auf einem kleinen, von Buschwerk freien Fleck lag der rote Räuber verendet seine Seher waren schon verglast, und aus dem Anschuss gerade über dem Ansatz des Vorderlaufes sickerte der Schweiss. Auf die kurze Entfernung hatten die Schrote so zusammengehalten, dass man davon fast den Eindruck eines Kugelschusses hatte. Da ich das sogenannte Einhessen damals noch nicht kannte, so schnürte ich dem Fuchs die Hinterläufe mit einer Weidenrute zusammen und hing ihn ganz sachte dem Hasen zur Gesellschaft hin. Dann zog ich mich aus, schoss, um die Freude über mein Jagdglück etwas zu dämpfen, erst einige Male auf der nassen Wiese Kobold und lief dann zu dem gewohnten Morgenbade in den See. Nach einer Weile kam auch Adolf in puris naturalibus über die Wiese daher und sah finster und unzufrieden aus. Ich stand im Wasser in der Nähe des Ufers und erwartete ihn. Er kam wie ein Rachegeist auf mich zu und boxte mich, wozu er allerlei anzügliche Redensarten ausstiess von unverschämtem Torkel und den Dummen, die das Glück haben. Ich freute mich zwar sehr über diese hohe Anerkennung, hatte aber doch das Gefühl, ich müsse den Göttern ein Opfer bringen, damit sie mir mein Glück nicht neideten. Ich streckte ihm darum, wie es isern Hinrich zu thun pflegte, den Oberarm entgegen, was er ganz in Ordnung zu finden schien und mir mit den spitzen Knöcheln der verwendeten Hand drei feierliche und sehr wohlgemeinte Schläge auf den Biceps beibrachte. Damit war der Drang seiner Seele gestillt, und ich musste erzählen.

Als wir wieder zu unsrer Hütte zurückgekehrt waren und uns angezogen hatten, standen wir eine ganze Weile vor unsrer primitiven Wohnung und schwelgten in ihrem Anblick, denn das Ganze sah nun erst für uns unbeschreiblich echt und wie eine richtige Jägerniederlassung aus. Wir beschlossen, den Fuchs, dessen Balg um diese Zeit doch nicht brauchbar war, dort als prachtvolles Ornament so lange hängen zu lassen, als es ging, den Hasen aber noch an diesem Abend zu braten mit allem Raffinement der Kochkunst, das uns zu Gebote stand. Wir begaben uns dann auf die Suche nach geeigneten Steinen, denn wir wollten diesen Hasen zubereiten nach den Regeln der Wilden auf den Südsee-Inseln, in einer Erdgrube mit heissen Steinen, von welchem Verfahren wir so verlockende Beschreibungen gelesen hatten. Wir fanden auch am Seeufer bald so viele wir brauchten und gerieten dann in einen wissenschaftlichen Streit, denn jeder von uns hatte eine verschiedene Meinung darüber, wie der Hase gestreift werden müsse, und da wir uns darüber gar nicht einigen konnten, so hing er noch am Nachmittag in seiner schönen, warmen Jacke da, denn keiner von uns wollte sich so recht an dieses Geschäft heranwagen. Während wir nun vor unsrer Hütte sassen und darüber zum so und so vielsten Male deliberierten, sauste plötzlich ein Rohrpfeil zwischen uns beiden hindurch in die offene Thür. Ein zweiter folgte, der in einer Ritze der Hüttenwand stecken blieb, und dann erschallte aus dem gegenüberliegenden Gehölz hinter der kleinen Wiese ein furchtbares Indianergeheul. »Huiih, huiih!«

»Die Indianer, die Indianer!« riefen wir, stürzten sofort in die Hütte, griffen nach unsern Bogen und Pfeilen, steckten jeder einen unsrer hölzernen Tomahawks in den Gürtel und suchten zur Abwehr dieses Angriffes draussen vor der Hütte Deckung. Die Pfeile flogen nun hin und wider. Der Feind schoss nur sparsam, aber desto verschwenderischer ging er mit seinem Kriegsgeheul um, das bald von hier, bald von dort markerschütternd und grässlich erschallte. Er hielt sich hinter den Büschen gedeckt, und es schien mir, als sähe ich durch eine Lücke bald etwas Rotes nach der einen Seite huschen, worauf von hier das Geheul ertönte, bald nach der andern, worauf sofort auch von dort das grässliche Geschrei vernommen ward. Zahlreich konnten die Feinde nicht sein, jedenfalls waren es nicht mehr als zwei, und da wir bald unsre Pfeile verschossen hatten, so griffen wir zum Tomahawk und schickten uns an, über die kleine Wiese hinweg zum Angriff vorzugehen. Doch in diesem Augenblick teilte sich das Buschwerk, und hervor trat ein Indianer in fürchterlicher Kriegsbemalung, der einen grünen Zweig zum Zeichen des Friedens in der Hand trug. Die eine Hälfte seines Gesichts war rot, die andre schwarz gemalt und um die Augen zwei schreckliche weisse Ringe. Auf seinem Haupte prangten rote und schwarze Federn, und sein Anzug bestand aus Sackleinwand, mit vielen grellbunten Ornamenten benäht. Er trug einen Wampungürtel um den Leib, drin ein Tomahawk steckte; ein Medizinbeutel hing daran und viele Skalpe erschlagener Feinde. Seine Füsse waren mit Mokasins bekleidet, die aber leider eine allzugrosse Ähnlichkeit mit Onkel Philipps alten Morgenschuhen hatten, worüber einige phantastische indianische Zusätze nicht hinwegtäuschen konnten.

Langsam und feierlich schritt dieser prachtvolle Indianer auf uns zu, und als er ganz nahe war, streckte er uns auf eine uns wohlbekannte Weise den Oberarm entgegen. Jetzt erst erkannten wir unter der Entstellung dieser fürchterlichen Bemalung isern Hinrich und begrüssten ihn in der gebräuchlichen Weise.

»Fäubohl ibock gobomiboch!« sagte er mit indianischem Gleichmut.

Das war die Bo-Sprache, die uns bekannt war und nun als Indianerdialekt herhalten musste.

»Iboseborn Hibonriboch?« fragte Adolf.

»Jabowoboll!« Die Bo-Sprache entstellt dadurch, dass an jede Silbe, die mit einem Vokal endigt, ein »bo« angehängt und vor den Schlusskonsonanten einer Silbe ein solches eingefügt wird. Lässt man »bo« weg, hat man das richtige Wort. antwortete der Indianer.

Wir brachen in ein mächtiges Gelächter aus, denn dies erschien uns als ein herrlicher Spass. Wir betrachteten isern Hinrich bewundernd von allen Seiten und beneideten ihn fast um sein prachtvolles Kostüm und seine vortreffliche Ausrüstung.

»Herr Simonis«, sagte isern Hinrich, »hett mi so fein utkleedt un so gruglich anmalt. Sin Mamsell hett dat Tüg neiht, und dei Skalps dei hett hei sülwst makt ut ‚n olles Zägenfell. Un dat Kriegsgeschrei, wir dat nich fein? Dat bett hei mi ok inöwt. Dat ganze Dörp hett sick grugt, als wir dorbi wiren un oll Mudder Boltsch hett glöwt, dei Franzosen keemen.«

Wir gingen dann zu unserer Hütte und weideten uns an seinem Erstaunen über unsre reiche Jagdbeute. Ich musste natürlich erzählen, kürzte dies aber so viel wie möglich ab, um »der alten Wunde unnennbar schmerzliches Gefühl« bei Adolf nicht zu sehr hervorzurufen, und brachte isern Hinrich bei Zeiten auf die Frage, wie dies Wild am besten zu streifen sei.

»Dat ‚s Spass vor mi«, sagte isern Hinrich, holte sein Taschenmesser hervor, das er einen echten Kneif nannte, und auf das er sehr stolz war, hing sich den Hasen richtig auf, und in kurzer Zeit hatte er das Tier seines warmen Ueberziehers entledigt, schnitt ihm den Kopf und die Vorderläufe ab, stutzte die Hinterläufe, kürzte mit dem Beil auf dem Haublock die Rippen, und fing an, ihm sorgfältig seine Häute abzuziehen.

»So, nu möt hei spickt warden«, sagte er dann, »hewwt ji Speck un ‚ne Spicknadel?«

Speck war noch da, aber eine Spicknadel fehlte. Isern Hinrich war so leicht nicht in Verlegenheit zu bringen. Er besann sich eine Weile, und dann fiel ihm ein, dass er vorhin auf der anderen Seite der Wiese einen Spindelbaum am Waldrand gesehen hatte. Er lief hin, schnitt sich einen graden Zweig von diesem harten und zähen Holze und schnitzte sich eine Spicknadel draus, die er am stumpfen Ende ein wenig spaltete. In diesen Spalt steckte er die Speckstreifen und spickte so den Hasen sauber und sachgemäss.

Wir hatten unterdes eine passende Grube ausgehoben, sie mit Steinen ausgepflastert und darauf ein mächtiges Feuer angemacht. Andre Steine erhitzten wir auf unsrer gewöhnlichen Feuerstelle.

Als isern Hinrich mit seinem Hasen fertig war, waren auch unsre Feuer niedergebrannt und die Steine glühend heiss. Isern Hinrich sagte nun: »So, nun möt hei an ‚n Spitt bradt warden; ick warr hengahn un einen snieden.«

»Ne«, sagte Adolf, »wi will‘n em up südseeinsulansch braden.«

»Hä? Woans?« fragte isern Hinrich.

Wir erklärten ihm das, er aber wollte nichts davon wissen. »Dat hewwt ji nu wedder in jug dwatschen Bäukers läst,« sagte er; »passt up, ji ward jug den ganzen schönen Hasen verrungenieren.«

Da wir aber fest blieben, sagte er: »Mit dei oll utlandsch Braderie heww ick nix in ‚n Sinn. Gewt mi dei Läwer und dei beiden Vörlöp, dei brad‘ ick mi inne Pann,. un denn makt, wat ji Lust hewwt.«

Wir räumten nun Kohlen und Asche von den Steinen unsrer Grube hinweg, wickelten den Hasen in einige Sonnenblumenblätter, legten ihn hinein, packten dann die anderen heissen Steine darauf und füllten die Grube mit Erde wieder zu.

»Unklauk lett grüssen!« sagte isern Hinrich, der dieser Prozedur mit Kopfschütteln und ironischem Grinsen zugesehen hatte. Danach machte er sich behaglich daran, seinen Anteil zu braten und nachher mit viel Brot zu verzehren. Dabei bemerkte er, dass auf diesem schon jenes Pflänzchen wuchs, von dem das Hebelsche Rätsel sagt:

 
»Den Reichen trägt das Tierlein
durch den Kot,
Der Arme isst das Pflänzchen
auf dem Brot.«
 

Dies regte ihn offenbar zum Philosophieren an. »Wat tau mall is, is tau mall!« sagte er. »Tau Hus känt ji in feine Berren slapen mit Swanendunen, und hier liggt ji in sonne Ort Zägenstall up Heu und deckt jug mit ‚ne oll Pierdeck tau. Hut giwwt dat up‘ n Hoff frische Stuten (Semmel) un ‚ne feine Kalwsbrar von so ‚n vierteljährig Säutmelkkalw, un ji frät‘t hier verschimmelt Groffbrot, un is doch gistern up ‚n Hoff ierst backt. Un känt tau Hus allens hebben, ward jug farig up ‚n Disch sett‘, Eierrühr un Pannkauken un suer Klümp un Rindfleisch mit Plummen un Ries, un hier maracht ji jug sülwst mit dei Kakerie af, wat doch warraftig kein Vergnügen is. Un wenn ji nu würklich mal ‚n Hasen hewwt, denn grawt ji em up ‚ne unchristliche Ort inne Ierd un schampfiert em mit gläunige Stein‘. Na, ick segg man, wer unklauk warden will, dei kriegt dat ümmer tauierst in ‚n Kopp!«

Endlich war die Stunde vergangen, die ein Hase nach isern Hinrichs Angabe braten musste, und wir räumten mit grosser Spannung die Erde und die oberen Steine weg, die noch ziemlich heiss waren. Als wir die versengten Sonnenblumenblätter abnahmen, schlug uns ein köstlicher Duft entgegen. »Rüken deiht he good«, sagte isern Hinrich, der diesem Schauspiel mit grosser Spannung zusah. Wir legten den Braten dann auf ein ungeheures Klettenblatt, das uns als Schüssel dienen musste, schnitten ihn an und fanden ihn zart und saftig und von köstlichem Wohlgeschmack. Diesmal hatten wir das Glück gehabt, alles richtig zu treffen, was uns unserm Gaste gegenüber mit nicht geringem Stolze erfüllte. Dieser, obwohl schon schön satt, wie er sagte, leistete trotzdem noch Unglaubliches, so dass von dem Hasen wenig übrig blieb. Wir kamen überein, dass so ein Braten auf südsee-insulanisch eine gute Sache sei.

Unterdes war es Abend geworden, und wir sassen nach dem Essen um das wieder angefachte Feuer und schwatzten.

»Driebenkiel«, sagte isern Hinrich, »wahnt ja nu in Neddemin up de anner Siet von ‚n See, äwer männigmal kümmt hei noch räwerführt, un denn möt ick gliek Jochen Nehls halen. Wat Driebenkiel und Jochen Nehls vörhebben, dor kann ick nich ut klauk warden. Gistern wiren sei wedder in uns‘ Gaststuw un tuschelten un muschelten mit ‚n anner, un as ick achtern Aben seet un dehr, as wenn ick slapen dauhn dehr, dor hett mi Driebenkiel rutjagt un seggt, hei wull woll up ‚n Disch ballern, wenn hei mi brucken dauhn dehr. Wat ick nu äwer so af un an mal verstahn dauhn dehr von ehr Getuschel, dat keem mi ümmer so gruglich vör, denn eins heww ick verstahn, wo Driebenkiel sär: »Dodt will ‚n wi em jo nich maken!« un ‚n annermal: »Dei Ollsch kriegt ok ‚n Knebel in ‚t Mul!« Ick wir jo denn ok nieglich un harr gor tau giern mihr hürt. Nu ward jo uns‘ Stubenaben von dei Käk ut bött un hett dor ‚ne grote isern Döhr, dat dat Bäukenblankholt un dei Torf dor ok ollig dörchkänen. Dor bün ick rin krapen un heww horkt. Sei snackten jo nu ok nich so liesing mihr, doch dei ollen Kacheln wiren woll tau dick, un ick künn gor nich recht wat hüren. Blot einmal verstünn ick, dat Jochen Nehls seggen dauhn dehr: »Aewer dei Hund, dei Hund!« »Ach wat, dei Hund!« sär Driebenkiel, »dei Hund kennt mi.« Un donn kregen sei wedder dat Tuscheln, un nahst baller Driebenkiel up ‚n Disch, dat ick man maken müsst‘, dat ick ut den ollen Aben wedder rut kamen dauhn dehr. Un Driebenkiel wull jo nu betahlen, un as bei mi tau seihn kriegen dehr, donn sär bei: »Jung, wo sühst du ut, du büst jo ganz swart.« Ick stickte mi jo nu rot an un sär, ick harr mi woll inne Käk swart makt. Driebenkiel keck nu äwer hellschen veniensch un sär: »Kiek den infamigten Jung, dei bett gewiss sin Mudder ehr Wust revidiert, dei dor in ‚n Schostein bammelt. Son ‚n Spitzbauw!« Na, ick let em dor jo nu bi, dat hei man blot nich dor achter kamen süll, dat ick in ‚n Aben wäst wir. Nasten, as hei Jochen Nehls Adschüs seggen dehr, donn sär hei noch tau em: »Also Friedag abend Klock nägen an den bewussten Urt!« Wat dei beiden woll blot vörhebben? Aewer nu möt ick na Hus, un ierst möt ick mi dei Kriegsbemalung afwaschen un denn bi Herrn Simonis min sündagsch Tüg wedder an trecken. Süss, wenn dei Oll mi so tau seihn kriegt, versahlt hei me ossig dat Ledder.«

Wir begleiteten ihn in der Dämmerung an den Fischerkahn, den er zum Uebersetzen benutzt hatte, und sahen ihm nach, wie er über den glatten See nach Steinhusen fuhr.

V.

Von unsern ferneren Abenteuern auf der Insel ist nicht viel zu melden, denn unser Leben spann sich jetzt mit einer gewissen Einförmigkeit weiter. Dass Adolf von nun ab jeden Abend auf den Anstand ging, um auch einen Hasen zu schiessen, ist selbstverständlich. Ich hätte ihm wohl gegönnt, dass es ihm geglückt wäre, und doch war es keine unangenehme Empfindung für mich, wenn er Abend für Abend verdriesslich und mit leeren Händen zurückkam. Am Donnerstagabend trat Regenwetter ein, und wir fanden es sehr behaglich in unserm engen Häuschen, als wir frühzeitig in unsre Betten gekrochen waren und ich Adolf beim Scheine eines Talglichtes aus den mitgebrachten Büchern vorlas, während ein unablässig strömender Regen auf dem Dache und auf den Blättern trommelnd herniederging und allerlei Wassermusik, Plätschern, Rauschen, Gurgeln und klingendes Tropfen um uns war. Wir liessen uns dann von dieser Musik in den Schlaf singen, schliefen auch herrlich, bis ich plötzlich davon aufwachte, dass mir ein dicker Wassertropfen gerade auf die Nase fiel. Ich rückte beiseite und horchte. Das Geräusch des draussen unablässig strömenden Regens war noch ebenso, aber neue Töne hatten sich dazu gesellt, die nicht von draussen, sondern aus dem Innern der Hütte kamen. Hie und da ging es: »Tapp, tapp, tapp!« und zuweilen »Pirrr!« wie von schnell fallenden Tropfen, und dann wieder: »Tapp, tapp, tapp!« an verschiedenen Stellen, zum Beispiel auf meiner Bettdecke. Ich griff dorthin und fand sie schon ziemlich nass. Zugleich fiel ein Tropfen klatschend auf meine Hand. Unser so mühsam und kunstvoll konstruiertes Dach schien solchen Naturereignissen doch nicht gewachsen zu sein. Unterdes rührte es sich auch schon im Nachbarsbett, und Adolf fragte: »Du, regnet es bei dir auch durch?«

»Sehr!« sagte ich.

Ich schlug nun Feuer und machte Licht und wir besahen den Schaden. Bei Adolf war es nur eine Stelle, die leckte, bei mir zwei; die übrigen thaten uns keinen Schaden, da der Tropfenfall unsere Betten nicht traf. Adolf, findig wie immer, sprang plötzlich heraus, holte sich den Tisch, lehnte ihn schräg gegen die Wand, so dass er ein Schutzdach für ihn bildete, und das Wasser unschädlich ablaufen konnte. Dann kroch er behaglich wieder unter und blinzelte unbeschreiblich schlau auf mich hin.

Ja, er war nun schön heraus, was sollte ich aber machen mit meinen zwei Leckstellen, die unablässig weitertropften? Plötzlich kam es mir wie eine Erleuchtung. Ich stellte unsere zwei Stühle mit der Lehne gegen mein Bett. Dann riss ich die Leinwand, mit der die Seitenwand benagelt war, unten und an den Seiten los, liess sie nur oben an der Decke fest und spannte sie wie ein Zelt über mein Bett, indem ich sie mit einigen Steinen auf den Stühlen festlegte. Diese beschwerte ich dann mit unserm Koffer und rückte sie ein wenig ab, dass sich die Leinwand recht stramm spannte, und kroch dann mit vergnügtem Schmunzeln, von Adolfs bewundernden Blicken verfolgt, unter mein improvisiertes Zelt. Wir schliefen bald ein und verbrachten den Rest der Nacht ungestört.

Der andre Tag war recht trübselig, denn es regnete unablässig weiter, und unser Dach leckte wie ein Sieb. Zwar verstärkten wir den Schutz über den Betten, so gut wir konnten, doch eröffneten sich neue Tropfstellen, und wenn es so weiter regnete, konnte die Nacht lieblich werden. Am nächsten Tage, am Sonnabend, war unsre Zeit abgelaufen, aber wegen des bischen Regens heute schon zurückzukehren, war gegen unsre Ehre. Wir streiften trotz des Wetters ziemlich trübselig auf der Insel herum. Das hohe, nasse Gras liess seine tropfenbeschwerten Rispen hängen, auf allen Blättern trommelte es unablässig, und alle Zweige weinten dicke Thränen. Im Uferrohr raschelte der endlose Regen, der graue See war ein einziges wimmelndes Gehüpfe, und jede Fernsicht war im Regenschleier verschwunden; nur blass und verschwommen waren die waldbedeckten Uferberge noch sichtbar. Gegen Nachmittag liess der Regen nach und hörte schliesslich ganz auf, doch düstre Wolkenberge im Westen zeigten, dass dies nur eine Gnadenfrist war und für den Abend und die Nacht neuer Regen zu erwarten stand. Wir waren zu dieser Zeit gerade im Walde, in der Nähe des Ufers, wo wir bemüht waren, möglichst trockenes Holz für unser Abendfeuer zu lesen, als es heller wurde und sogar die Sonne für einen Augenblick hervorbrach. Wo wir waren, öffnete sich eine Waldlücke auf den See, und in diesem lag gerade an dieser Stelle die kleine Insel mit der alten, verfallenen Fischerhütte, die wir immer das Hexenhaus nannten. Wir sahen in einem Rahmen von Waldwipfeln das kleine Eiland mit seiner Umrandung von Schilf und Buschwerk, mit seinem mächtigen Weidenbaum und dem alten, grauen Häuschen darunter wie ein Bild in hellem Sonnenscheine daliegen. Dahinter erhob sich dunkel der Uhlenberg. Da hatte ich plötzlich einen Einfall.

»Du«, sagte ich zu Adolf, »der Regen kommt doch noch wieder, und dann weichen wir ganz auf in der Nacht. Ich weiss was. Wir machen eine Entdeckungsreise nach der Fischerinsel, und wenn wir sie gehörig entdeckt haben, da gehen wir in das Hexenhaus und machen uns ein Feuer an und essen unser Abendbrot. Und nachher steigen wir auf den Heuboden und schlafen dort die Nacht. Da regnet es nicht durch, denn das Dach ist im vorigen Jahre erst geflickt worden.

»Feine Idee,« antwortete Adolf.

Da wir nun kein Holz mehr brauchten, liessen wir es liegen, gingen nach unsrer Hütte, verproviantierten uns aus den Resten unsrer Vorräte, steckten Stein und Stahl und Zunder zu uns, setzten uns in unser Kanoe und ruderten an dem Schilfstreifen entlang, der die beiden Inseln fast verband und nur in der Nähe der Fischerinsel durch einen Kanal tiefern Wassers unterbrochen war. Als wir die Insel nahe vor uns sahen, wollte Adolf in diesen Kanal einbiegen, um den freien Landungsplatz zu gewinnen, der an der andern Seite der Insel vor dem Hexenhause lag; ich aber sagte: »Wo denkst du hin? Dies ist ja eine geheimnisvolle Expedition in ein unbekanntes Land. Hast du je gelesen, dass die Wilden oder die Waldleute und Jäger ihre Kanoes offen liegen lassen bei solcher Gelegenheit? Nein, sie verstecken sie unter überhängendem Gebüsch, in geheimnisvollen Felsenhöhlen oder in hohlen Bäumen.«

Das leuchtete Adolf ein, und wir fuhren nun langsam um die Insel herum und suchten nach einem geeigneten Platz. Fast überall aber wuchs das Rohr weit in den See hinaus, bis endlich eine Stelle kam, wo das Ufer wohl steiler abfiel und nur ein schmaler Rohrstreifen das Inselchen umsäumte. Dahinter erhob sich ein stattlicher Weidenbusch. Dieser Ort erschien uns geeignet, wir trieben unser schmales Fahrzeug ins Rohr und suchten es durch Fortstossen mit den Rudern am Grunde so nahe als möglich an Land zu schieben. Da es nun durch das Rohr festgehalten und zugleich nach unsrer Ansicht genügend verborgen war, so sprangen wir an das Land und fingen an, es zu entdecken. Von seiner geliebten Flinte hatte sich Adolf heute zu seinem Leidwesen trennen müssen, da wir fremdes Jagdgebiet betraten, denn die Insel gehörte zu einem anderen Dorfe, und so waren wir nur mit Bogen und Pfeilen bewaffnet und trugen unsre hölzernen Tomahawks im Gürtel.

Die kleine Insel war bald erforscht; sie bestand nur aus einer nicht zu grossen Wiese, am Rande von einzelnem Buschwerk und einem breiten Rohrgürtel umgeben. An ihrem höchsten Punkte erhob sie sich etwa zwei Meter über den Wasserspiegel, und dort lag ganz in der Nähe des hier von Rohr befreiten Ufers die alte, verlassene Fischerhütte.

Es war unbeschreiblich nass auf der Wiese, allein wir hatten die Buschrangerhosen in unsre wasserdichten Schmierstiefel gesteckt und machten uns wenig daraus. Schliesslich fing es aber ganz sachte wieder an zu regnen, und da wir oberwärts schon ziemlich durchfeuchtet waren, so suchten wir unter Dach zu kommen. Die Hütte war prachtvoll, und wir bedauerten eigentlich, dass wir nicht eher auf die Idee gekommen waren, ihr einen Besuch abzustatten. Wie sie so dalag, unter der alten, mächtigen Weide, mit ihrem geflickten Rohrdach, das mit Moos und andern Pflanzen bewachsen war, und wie sie mit zwei kleinen, schwarzen, scheibenlosen Fenstern tückisch auf uns hinstarrte! Die alte schiefe Thür, die nicht mehr zu schliessen war, hatte etwas von einem bösen, zahnlosen Grinsen an sich, das zu sagen schien: »Kommt nur herein, ihr feinen Knaben; hier könnt ihr was erleben, wenn der Menschenfresser nach Hause kommt um Mitternacht.« Neben der Thür stand ein mächtiger Holunderbaum, über und über bedeckt mit grossen Beerentellern, die sich schon zu schwärzen anfingen. Auch er hatte etwas Düsteres und Geheimnisvolles an sich, als sei sein üppiger Wuchs aus blutgedüngtem Boden aufgeschossen. Ringsum war eine dichte Wildnis von Kälberkropf, Kletten, Disteln und mannshohen Nesseln. Inwendig hatte die Hütte nur einen einzigen Raum. In einer Ecke war ein aus Ziegeln roh gemauerter Herd mit einem Rauchfang darüber, daneben lehnte eine Leiter, die durch ein Loch in der Decke auf den Heuboden führte. Bei dem Herde war etwas trockenes Holz aufgestapelt, da die Leute beim Heumachen sich hier ihr Essen zu wärmen pflegten; sonst war ausser einer ganz roh gezimmerten Bank, einer leeren Kiste und einem Haublock nichts in diesem Raume als eine Anzahl von Flaschenkorken, die sich hier im Laufe der Jahre angesammelt hatten und bei wechselndem Luftzuge auf dem morschen Fussboden bald hierhin, bald dorthin rollten. Solche Hütten waren es, die in den Geschichten vorkamen, die wir gelesen hatten, solche Hütten waren es, in denen immer die seltsamsten und aufregendsten Abenteuer stattfanden. Man wurde darin entweder von den Wilden belagert, oder wenn man dort vor einem Unwetter Schutz suchte, fanden sich zu gleichem Zwecke einige bis an die Zähne bewaffnete unheimliche Gesellen ein, mit denen nicht gut zu verkehren war. Diese Hütten bildeten die gelegentlichen Unterschlupfe von Räubern, Mördern, kinderstehlenden Zigeunern, entlaufenen Sträflingen und ähnlichen interessanten Persönlichkeiten aus den Randgebieten der menschlichen Gesellschaft.

Wir versuchten nun zunächst ein Feuer auf dem Herde zu entzünden, um uns den Raum, in dem es schon dunkelte, behaglicher zu gestalten. Bei den Abenteuern der letzten Nacht aber war unser Zunder nass geworden, was wir bis jetzt nicht gemerkt hatten, und obwohl wir fast eine halbe Stunde abwechselnd Feuer pinkten, das Zeug wollte nicht Funken fangen. Das war betrübend, denn wir hatten es uns sehr romantisch vorgestellt, in der alten, verlassenen Hütte um das Feuer zu sitzen, unsre mitgebrachten Vorräte zu verzehren und uns Jagdgeschichten und Abenteuer zu erzählen. So assen wir denn unser Abendbrot trübselig im Dunkeln, auf den Regen horchend, der draussen unablässig niederrieselte, und zum ersten Male ward uns klar, wie unvollkommen das menschliche Leben ist, wenn man Feuer und Licht entbehren muss.

Yaş sınırı:
12+
Litres'teki yayın tarihi:
30 ağustos 2016
Hacim:
190 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain