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Kitabı oku: «Der Graf von Monte Christo», sayfa 27

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Achtes Kapitel.
Simbad der Seefahrer

Am Anfang des Jahres 1838 befanden sich in Florenz zwei junge Leute, welche der elegantesten Gesellschaft von Paris angehörten: der eine war der Vicomte Albert von Morcerf, der andere der Baron Franz d’Epinay. Es war unter ihnen verabredet worden, den Carneval desselben Jahres in Rom zuzubringen, wo Franz, der seit beinahe vier Jahren in Italien lebte, Albert als Cicerone dienen sollte. Da es nun aber keine geringfügige Angelegenheit ist, den Carneval in Rom zuzubringen, besonders wenn man nicht auf der Piazza del popolo oder auf dem Forum romanum schlafen will, so schrieben sie an Meister Pastrini, den Eigenthümer des Hotel de Londres auf dem spanischen Platze, und baten ihn, eine bequeme Wohnung für sie aufzubewahren. Meister Pastrini antwortete, er hätte nur noch zu ihrer Verfügung zwei Zimmer und ein Cabinet al secondo piano gelegen, und er böte ihnen diese Wohnung um den mäßigen Preise von einem Louisd’or für den Tag. Die zwei jungen Leute willigten ein. Albert wollte die Zeit, die er noch vor sich hatte, benutzen und reiste nach Neapel ab. Franz blieb in Florenz. Als er einige Zeit das Leben, welches die Stadt der Medici bietet, genossen hatte, als er sattsam in diesem Eden umherspaziert und bei den glanzliebenden Wirthen, genannt Corsini-Montfort oder Poniatowski empfangen worden war, kam es ihm in den Kopf, da er Corsica, die Wiege von Bonaparte bereite besucht hatte, auch die Insel Elba, diese große Station von Napoleon zu sehen.

Eines Abends also machte er eine Barchetta von dem eisernen Ringe los, an welchem sie in dem Hafen von Livorno befestigt war, legte sich in seinen Mantel gehüllt darin nieder, und sagte zu den Schiffern nur die Worte: »Nach der Insel Elba!« Die Barke verließ den Hafen, wie der Meervogel sein Nest verläßt, und landete am andern Tage in Porto-Ferrajo. Franz ging quer durch die kaiserliche Insel, nachdem er alle Spuren verfolgt, welche der Tritt des Riesen darauf zurückgelassen hatte, und schiffte sich in Marciana wieder ein. Zwei Stunden später stieg er in Pianosa, wo ihn, wie man ihn versicherte, zahllose Ketten von Rothühnern erwarteten, abermals an das Land. Die Jagd war schlecht, Franz schoß mit großer Mühe einige magere Rebhühner, und kehrte übler Laune, wie alle Jäger, welche sich vergebens abgemühet haben, in seine Barke zurück.

»Oh! wenn Euere Exzellenz wollten, sagte der Patron zu ihm, »könnte sie eine schöne Jagd machen.«

»Wie dies?«

»Sehen Sie jene Insel?« sprach der Patron den Finger gegen Süden ausstreckend und auf eine conische Masse deutend, welche in den schönsten Indigotinten mitten aus dem Meere aufstieg.

»Nun, was für eine Insel ist dies?« fragte Franz.

»Die Insel Maule Christo,« antwortete der Livornese.

»Ich habe keine Erlaubnis, dort zu jagen.«

»Eure Exzellenz bedarf dessen nicht; die Insel ist öde.«

»Ah! eine öde Insel im mittelländischen Meere, das ist bei Gott sonderbar!«

»Und ganz natürlich, Exzellenz. Diese Insel ist eine Felsenbank, und auf ihrer ganzen Ausdehnung findet sich vielleicht kein Morgen anbaufähiges Land.«

»Mein gehört sie?«

»Toscana.«

»Was für Wildbret werde ich dort finden?«

»Tausende von wilden Ziegen.«

»Welche davon leben, daß sie an den Steinen lecken?« versetzte Franz mit einem ungläubigen Lächeln.

»Nein, daß sie das Heidekraut, die Myrten und die Braunbeerstauden, welche an den Zwischenräumen der Felsen wachsen, abweiden.«

»Aber wo soll ich schlafen?«

»Auf der Erde, in den Grotten oder an Bord in Ihrem Mantel. Auch können wir, wenn es Euere Exzellenz so haben will, unmittelbar nach der Jagd wieder abgehen, sie weiß, das wir bei Nacht wie bei Tag fahren und in Ermangelung von Segeln Ruder haben.«

Da Franz noch Zeit genug blieb, um wieder zu seinem Gefährten zurückzukehren, und da er sich nicht mehr um seine Wohnung in Rom zu bekümmern hatte, nahm er den Vorschlag, sich für seine erste Jagd zu entschädigen, an. Auf seine bejahende Antwort tauschten die Matrosen mit leiser Stimme ein paar Worte unter sich aus.

»Nun,« fragte er, »was gibt es Neues? sollte eine Unmöglichkeit eingetreten sein?«

»Nein,« erwiderte der Patron; »aber wir müssen Euere Exzellenz darauf aufmerksam machen, daß die Insel in Contumaz steht.«

»Was soll das heißen?«

»Da Monte Christo unbewohnt ist und zuweilen den Schmugglern und Seeräubern, welche von Corsica, Sardinien oder Afrika kommen, als Ruheplatz dient, so werden wir, wenn irgend ein Zeichen unsern Aufenthalt auf der Insel verrät, genötigt sein, bei unserer Rückkehr nach Livorno eine Quarantäne von sechs Tagen zu machen.«

»Teufel! das ändert den Stand der Dinge gewaltig! Sechs Tage! gerade so viel hat Gott gebraucht um die Welt zu erschaffen. Das ist ein wenig lang meine Kinder.«

»Aber wer wird es sagen, daß Euere Exzellenz auf Monte Christo gewesen ist?«

»Ich nicht!« erwiderte Franz.

»Wir auch nicht!« riefen die Matrosen.

»Also vorwärts nach Monte Christo!«

Der Kapitän gab Befehl zu dem geeigneten Manoeuvre; man legte sich gegen die Insel und die Barke fing an in der Richtung derselben zu schwimmen. Franz ließ die Operation vollenden, und als man den neuen Weg eingeschlagen hatte, als das Segel von dem Winde angeschwellt war und die vier Matrosen ihre Plätze, drei am Vorderteil, einer am Steuerruder, eingenommen hatten, knüpfte er das Gespräch wieder an.

»Mein lieber Gaetano,« sprach er zu dem Patron, »Ihr habt mit, glaube ich, gesagt, die Insel Monte-Christo diene als Zufluchtsort für Schmuggler und Seeräuber, was mir ein ganz anderes Wildbret zu sein scheint, als wilde Ziegen.«

»Ja, Exzellenz, und das ist die reine Wahrheit.«

»Daß es Schmuggler gibt, wußte ich wohl, aber ich dachte, seit der Einnahme von Algier bestehen die Seeräuber nur noch in den Romanen von Cooper und Kapitän Marryat.«

»Einem Exzellenz täuscht sich; es gibt Seeräuber, wie es Banditen gibt, von denen man glaubte. sie wären von Papst Leo XII. ausgerottet worden, während sie jeden Tag Reisende bis unter den Thoren Roms anhalten. Haben Sie nicht gehört, daß der französische Geschäftsträger beim heiligen Stuhle vor ungefähr sechs Monaten kaum sechshundert Schritte von Velletri ausgeplündert worden ist?«

»Allerdings.«

»Wenn Euere Exzellenz, wie wir, in Livorno wohnte, so würde sie von Zeit zu Zeit sagen hören, ein kleines mit Waaren beladenes Schiff oder eine hübsche englische Yacht, die man in Bastia, Porto-Ferrajo oder Civita Vecchia erwartete, sei nicht angekommen, man wisse nicht, was aus derselben geworden, und sie sei ohne Zweifel an einem Felsen gescheitert. Der Felsen aber, auf den sie gestoßen sein soll, ist eine niedrige, schmale Barke, bemannt mit etwa sechs Burschen, welche das Schiff in einer finstern, stürmischen Nacht an der Krümmung einer wilden, unbewohnten kleinen Insel überfallen und geplündert haben, wie die Banditen eine Postchaise an der Ecke eines Waldes anhalten und ausplündern.«

»Doch wie kommt es,« fragte Franz beständig in seiner Barke ausgestreckt, »wir kommt es, daß diejenigen, welchen ein solcher Unfall begegnet, sich nicht beklagen? warum rufen sie über diese Seeräuber nicht die Rache der französischen, sardinischen oder toscanischen Regierung herbei?«

»Warum?« versetzte Gaetano lächelnd.

»Ja, warum?«

»Einmal schafft man von dem Schiffe oder der Yacht Alles, was gut zu nehmen ist, auf die Barke; dann bindet man die Equipage an Händen und Füßen, befestigt an dem Halse jedes Mannes einen Vierundzwanzigpfünder, macht ein Loch von der Größe einer Tonne in den Kiel des gekaperten Schiffes, steigt wieder auf das Verdeck, verschließt die Luken und kehrt auf die Barke zurück. Nach Verlauf von zehn Minuten fängt das Schiff an zu seufzen und zu stöhnen. Allmälig sinkt es. Zuerst taucht eine Seite unter, dann die andere, dann erhebt es sich wieder, dann sinkt es abermals und immer tiefer. Plötzlich ertönt ein Geräusch wie ein Kanonenschuß, es ist die Luft, welche das Verdeck zerreißt. Das Schiff bewegt sich wie ein Ertrinkender, der sich gegen die Gewalt der Wellen sträubt, und bei jeder Bewegung wird es unbehilflicher. Bald dringt das Wasser, in den hohlen Räumen zu sehr gepreßtes aus den Öffnungen hervor, flüssigen Säulen ähnlich, welche ein riesiger Pottfisch aus seinen Luftröhren auswerfen würde. Endlich stößt es ein letztes Geröchel aus, macht es eine letzte Wendung um sich selbst, versinkt, indem es in den Abgrund einen weiten Trichter gräbt, der einen Augenblick wirbelt, und verschwindet sofort gänzlich, so daß man nach fünf Minuten das Auge Gottes haben müßte, um in der Tiefe dieses ruhigen Meeres das zu Grunde gegangene Schiff zu suchen. Begreifen Sie nun,« fügte der Patron lächelnd bei, »begreifen Sie, warum das Schiff nicht in den Hafen zurückkehrt, und warum die Mannschaft nicht klagt?«

Hätte Gaetano die Sache erzählt, ehe Franz die Expedition vorgeschlagen, so würde dieser sich wohl zweimal besonnen halten, aber die Barke schwamm in der Richtung der Insel, und ein Zurückweichen dünkte ihm eine Feigheit. Er war einer von den Menschen, welche der Gefahr nicht nachlaufen, die aber, wenn sie ihnen entgegenkommt, eine unstörbare Kaltblütigkeit bewahren, um sie zu bekämpfen; er war einer von denen, welche eine Gefahr im Leben nur wie einen Gegner im Duell betrachten, welche dessen Bewegungen berechnen, seine Kraft studieren, mit der gehörigen Gewandtheit zu Werke gehen, um Luft schöpfen zu können, und endlich, mit einem Blicke alle ihre Vorteile ersehend, auch mit einem Stoße töten.

»Bah!« versetzte er, »ich habe Sicilien und Callabrien durchreist, ich bin zwei Monate auf dem Archipel umhergefahren, und habe nie einen Schatten von einem Banditen oder Freibeuter gesehen.«

»Ich sagte dies Euerer Exzellenz auch nicht, damit sie auf ihr Vorhaben Verzicht leisten möchte, sie fragte mich, und ich antwortete.«

»Ja. mein lieber Gaetano, Euer Gespräch ist mir auch sehr interessant, und da ich mir diesen Genuß solange als möglich verschaffen will, so steuern wir immerhin nach Monte Christo!«

Man näherte sich indessen rasch dem Ziele der Reise; es wehte ein frischer Wind, und die Barke machte sechs bis sieben Meilen in der Stunde. Je näher man der Insel kam, desto mehr trat sie wachsend aus dem Schooße des Meeres hervor, und durch die klare Atmosphäre der letzten Strahlen des Tages unterschied man, wie die Kugeln in einem Arsenal, die Masse der aufeinander gehäuften Felsen, in deren Zwischenräumen das röthliche Heidekraut und die grünenden Bäume sichtbar wurden. Obgleich die Matrosen vollkommen ruhig zu sein schienen, so war doch offenbar ihre Aufmerksamkeit erregt, und ihr Blick befragte den weiten Spiegel, dessen Horizont nur durch einige Fischerbarken mit ihren weißen Segeln, die sich wie Möwen auf der Höhe der Wellen schaukelten, bevölkert war.

Sie waren noch ungefähr fünfzehn Meilen von Monte Christo entfernt, als die Sonne hinter Corsica, dessen Berge rechts zum Vorschein kamen, unterzugehen anfing, wobei sie ihr düsteres Gezacke am Himmel abschnitt und noch das äußerste Ende dieser Steinmasse beleuchtete, welche, dem Riesen Adamastor ähnlich, vor der Barke emporragte. Allmälig stieg der Schatten vom Meere auf und schien den letzten Reflex des nun erlöschenden Tages vor sich herzu jagen; endlich wurde der leuchtende Strahl bis zum Gipfel des Kegels zurückgetrieben, wo er einen Augenblick stille stand, wie der entflammte Helmstutz eines Vulkans; beständig emporsteigend, bemächtigte sich der Schatten der Höhe, wie er sich der Base bemächtigt hatte, und die Insel erschien nur noch wie ein grauer, immer brauner werdender Berg. Eine halbe Stunde nachher herrschte völlige Finsternis.

Zum Glücke waren die Schiffer in einer Gegend, die sie bis auf den geringsten Felsen des toscanischen Archipels kannten, denn inmitten der Dunkelheit, welche die Barke umhüllte, wäre Franz nicht ganz ruhig gewesen. Corsica war verschwunden, die Insel Monte Christo war ebenfalls unsichtbar geworden, aber die Matrosen schienen. wie der Luchs, die Fähigkeit zu besitzen, in der Finsternis zu sehen, und der Lotse am Steuerruder gab nicht das geringste Zögern zu erkennen.

Es war ungefähr eine Stunde seit Sonnenuntergang vorüber, als Franz auf eine Viertelmeile links eine dunkle Masse zu erblicken glaubte: doch es ließ sich durchaus nicht unterscheiden, was es war, und er schwieg, weil er einige schwebende Wolken für festes Land haltend die Heiterkeit der Matrosen zu erregen befürchtete. Plötzlich zeigte sich ein scharfer Schimmer; das Land konnte einer Wolke gleichen, doch das Feuer war kein Meteor.

»Was bedeutet jenes Licht?« fragte Franz.

»Stille!« sprach der Patron. »es ist ein Feuer.«

»Ihr sagtet doch, die Insel wäre unbewohnt?«

»Ich sagte, sie hätte keine bestimmte Bevölkerung, teilte Ihnen aber auch mit, sie sei ein Aufenthaltsort für Schmuggler.«

»Und für Seeräuber?«

»Und für Seeräuber,« fuhr Gaetano die Worte von Franz wiederholend fort; »deshalb habe ich Befehl gegeben, daran vorbeizufahren, denn das Feuer ist, wie Sie sehen, nunmehr hinter uns.«

»Mir scheint dieses Feuer eher Sicherheit zu gewähren, als Unruhe zu begründen, Leute, welche gesehen zu werden befürchteten, hätten kein Feuer angezündet.«

»Oh! das will nichts sagen,« entgegnete Gaetano; »wenn Sie in der Dunkelheit die Lage der Insel zu beurteilen vermöchten, so würden Sie sehen, daß dieses Feuer auf der Stelle, wo es sich findet, weder von Corsica noch von Pianosa, sondern nur von der offenen See bemerkt werden kann.«

»Ihr befürchtet also, das Feuer kündige uns schlimme Gesellschaft an?««

»Darüber muß man sich Gewißheit verschaffen,« erwiderte Gaetano, die Augen beständig auf das irdische Gestirn geheftet.

»Wie kann man dies?«

»Sie werden es sehen.«

Hiernach berathschlagte Gaetano mit seinen Gefährten, und nach einer Unterredung von fünf Minuten führte man stillschweigend ein Manoeuvre aus, mittelst dessen in einem Augenblick das Schiff gewendet war; dann verfolgte man den Weg, den man bereits gemacht hatte, und in einigen Sekunden, nachdem man die Richtung verändert, verschwand das Feuer durch eine Bewegung des Terrain verborgen. Dann gab der Lotse dem kleinen Fahrzeug, das sich sichtbar der Insel näherte und bald nur noch fünfzig Schritte davon entfernt war, eine neue Richtung. Gaetano zog das Segel ein, und die Barke blieb stehen.

Alles dies war in der größten Stille vor sich gegangen, und man hatte seit der Veränderung des Weges keine Sylbe an Bord gesprochen. Gaetano, der die Expedition vorgeschlagen, hatte auch die ganze Verantwortlichkeit übernommen. Die drei andern Matrosen wandten kein Auge von ihm, während sie die Ruder richteten und sich offenbar bereit hielten, mit Hilfe von diesen zu entfliehen, was bei der großen Dunkelheit durchaus nicht schwierig war. Franz untersuchte seine Gewehre mit seiner gewöhnlichen Kaltblütigkeit; er hatte zwei Doppelflinten und eine Büchse; nachdem er sie geladen, versicherte er sich der Batterien und wartete.

Mittlerweile legte der Patron seinen Caban und sein Hemd ab, befestigte seine Hose um die Hüften, und da er barfuß war, hatte er weder Schuhe noch Strümpfe auszuziehen. Ja diesem Costume legte er einen Finger auf die Lippen, wodurch er Stillschweigen empfehlen wollte, ließ sich in das Meer hinabgleiten, und schwamm mit solcher Vorsicht nach dem Ufer, daß es nicht möglich war, auch nur das geringste Geräusch zu hören. Man konnte seine Spur nur an der phosphoreseirenden Furche verfolgen, welche seine Bewegungen verursachten. Bald verschwand auch diese Furche; Gaetano hatte offenbar das Land erreicht.

Eine halbe Stunde lang blieb Jedermann aus dem Schiffe unbewegliche nach Verlauf dieser Zeit sah man dieselbe leuchtende Furche wieder erscheinen und sich der Barke nähern. In einigen Zügen war Gaetano wieder bei der Barke.

»Nun?« fragten gleichzeitig Franz und die drei Matrosen.

»Es sind spanische Schmuggler; sie haben nur zwei corsische Banditen bei sich.«

»Und was machen diese zwei corsischen Banditen bei den spanischen Schmugglern?«

»Ei! mein Gott, Exzellenz, erwiderte Gaetano mit einem Tone tiefen christlichen Mitleids, »man muß sich wohl gegenseitig unterstützen. Häufig werden die Banditen auf dem Lande von den Gendarmen und Carabinieren etwas bedrängt; nun! da finden sie eine Barke und in der Barke gute Jungens wie wir sind. Sie verlangen von uns Gastfreundschaft in unserem schwimmenden Hause. Kann man einem armen Teufel der verfolgt wird, seinen Beistand verweigerte? Wir nehmen ihn auf und gehen zu größerer Sicherheit in die offene See. Das kostet uns nichts und rettet das Leben oder erhält wenigstens die Freiheit einem unseres Gleichen, welcher bei vorkommender Gelegenheit den Dienst, den wir ihm geleistet haben, dadurch anerkennt, daß er uns eine gute Stelle angibt, wo wir unsere Waaren ausschiffen können, ohne von Neugierigen gestört zu werden.«

»Oh!« rief Franz, »Ihr seid also selbst ein wenig Schmuggler, mein lieber Gaetano?«

»Was wollen Sie, Exzellenz,« entgegnete dieser mit einem Lächeln, das sich nicht beschreiben läßt, »man treibt Alles ein wenig, denn man muß leben.«

»Also seid Ihr mit den Leuten bekannt, welche Monte Christo in diesem Augenblick bewohne?«

»So ungefähr. Wir Seeleute sind wie die Freimaurer, wir erkennen uns an gewissen Zeichen.«

»Und Ihr glaubt, wir hätten nichts zu befürchten, wenn wir uns ebenfalls ausschiffen würden?«

»Durchaus nichts; die Schmuggler sind keine Räuber.«

»Aber die corsischen Banditen?« versetzte Franz, zum Voraus alle Wechselfälle der Gefahr berechnend.

»Ei, mein Gott! es ist nicht ihre Schuld, daß sie Banditen sind, es ist der Fehler der Behörde.«

»Wie dies?«

»Allerdings!l man verfolgt sie, weil sie eine Haut gemacht haben, und nichts Anderes, als ob es nicht in der Natur des Corsen läge, sich zu rächen!«

»Was versteht Ihr unter dem Worte, eine Haut gemacht haben? Einen Menschen ermordet haben?« fragte Franz in Fortsetzung seiner Forschungen.

»Ich Verstehe darunter, einen Feind getötet haben, was etwas ganz Anderes ist.«

»Nun wohl,« sprach der junge Mann, »wir wollen Gastfreundschaft von diesen Schmugglern und Banditen verlangen. Glaubt Ihr, daß sie uns dieselbe gewähren werden?«

»Ohne allen Zweifel.«

»Wie viel sind es?«

»Drei, Exzellenz, und die zwei Banditen, das macht fünf.«

»Wohl! das ist gerade unsere Zahl; wir haben, falls die Herren schlimme Absichten kundgeben sollten, gleiche Kräfte und sind folglich im Stande, ihnen Widerpart zu halten. Zum letzten Male also, nach Monte Christo.«

»Ja, Exzellenz; doch Sie werden mir ohne Zweifel erlauben, daß ich einige Vorsichtsmaßregeln nehme?«

»Wie, mein Theuerer? seid weise wie Nestor und klug wie Ulysses. Ich erlaube es Euch nicht nur, sondern ich ermahne Euch dazu.«

»Stille also!« sprach Gaetano. Jedermann schwieg.

Für einen Mann, wie Franz, der alle Dinge aus dem wahren Gesichtspunkte betrachtete, ermangelte die Lage der Dinge, ohne gefährlich zu sein, nicht gerade eines gewissen Ernstes. Er befand sich in der tiefsten Finsternis mitten auf dem Meere mit Schiffern, welche ihn nicht kannten und keinen Grund hatten, ihm ergeben zu sein, welche wußten, daß in seinem Gürtel einige tausend Franken enthalten waren, und wenigstens zehnmal, wenn nicht mit Lüsternheit, doch mit Neugierde seine wirklich schönen Gewehre untersucht hatten. Sodann sollte er ohne ein anderes Geleite, als diese Menschen auf einer Insel landen, welche einen religiösen Namen führte, aber mit ihren Schmugglern und Banditen Franz keine andere Gastfreundschaft zu bieten schien, als die, welche die Schädelstätte Christus bot; auch kam ihm die Geschichte der versenkten Schiffe, welche er bei Tage für übertrieben gehalten hatte, bei der Nacht wahrscheinlicher vor. Zwischen diese doppelte, vielleicht eingebildete, vielleicht wirkliche Gefahr gestellt, verließ er seine Leute nicht mit den Augen, seine Flinte nicht mit der Hand.

Die Matrosen hatten indessen ihre Segel wieder aufgehißt und die bereits von ihnen gegrabene Furche zum zweiten Male eingeschlagen. Durch die Finsternis unterschied Franz, der sich bereits ein wenig an die Dunkelheit gewöhnt hatte, den Granitriesen, au welchem die Barke hinfuhr; abermals die Ecke eines Felsen umsteuernd, erblickte er sodann das Feuer noch viel glänzender als zuvor, und um dieses Feuer vier bis fünf sitzende Personen. Der Wiederschein des Herdes erstreckte sich auf etwa hundert Schritte in das Meer hinaus. Gaetano fuhr längs dem Feuer hin, wobei er jedoch die Barke in dem nicht beleuchteten Teile hielt: als er sich endlich gerade vor dem Herde befand, richtete er das Vorderteil seines Fahrzeuges gegen diesen und fuhr mutig in den beleuchteten Kreis, wobei er ein Fischerlied anstimmte, dessen Refrain seine Gefährten im Chor wiederholten.

Bei dem ersten Worte des Liedes erhoben sich die um das Feuer sitzenden Menschen und näherten sich der Anlände, die Augen auf die Barke geheftet, deren Stärke zu beurteilen und Absicht zu erraten sie sich sichtbar anstrengten. Bald schienen sie hinreichend geprüft zu haben, und sie setzten sich, einen Mann ausgenommen, welcher am Ufer stehen blieb, wieder um das Feuer, an welchem eine ganze junge Ziege briet.

Als das Schiff bis auf zwanzig Schritte zum Land gelangt war, machte der Mann am Ufer maschinenmäßig mit seinem Karabiner das Zeichen einer Schildwache, welche eine Patrouille erwartet, und rief in sardinischem Patois: »Wer da?«

Franz spannte kaltblütig seine Doppelflinte.

Gaetano wechselte mit dem Manne am Ufer ein paar Worte, von denen der Reisende nichts verstand, welche aber offenbar seine Person betrafen.

»Will Seine Exzellenz sich nennen oder ihr Incognito beibehalten?« fragte der Patron.

»Mein Name muß diesen Leuten völlig unbekannt bleiben.« antwortete Franz; »sagt ihnen ganz einfach, ich sei ein Franzose, der zu seinem Vergnügen reise.«

Als Gaetano diese Worte an das Gestade befördert hatte, gab die Schildwache einem von den an den am Feuer sitzenden Männern einen Befehl; dieser stand sogleich auf und verschwand in den Felsen. Es herrschte tiefe Stille. Jeder schien mit seinen Angelegenheiten beschäftigt: Franz mit dem Ausschiffen; die Matrosen mit ihren Segeln; die Schmuggler mit ihrer jungen Ziege, doch mitten unter dieser scheinbaren Sorglosigkeit beobachtete man sich gegenseitig.

Der Mann, welcher sich durch die Felsen entfernt hatte, erschien plötzlich wieder von der entgegengesetzten Seite; er machte der Schildwache mit dem Kopfe ein Zeichen, diese wandte sich um und sprach nur die Worte: »s’accommodi.«

Das italienische s’accommodi läßt sich nicht übersetzen. Es bedeutet zugleich: Kommt, tretet ein, seid willkommen, tut, als ob Ihr zu Hause wäret, Ihr habt zu gebieten. Das s’accommodi ist die türkische Phrase von Molidre, welche seinen Bourgeois gentilhomme durch die Menge von Dingen, die sie enthielt, so sehr in Erstaunen setzte. Die Matrosen ließen sich das nicht zweimal sagen, mit vier Ruderschlägen berührte die Barke das Land. Gaetano sprang an das Ufer, wechselte leise noch ein paar Worte mit der Schildwache, seine Gefährten stiegen ebenfalls nach einander aus, und die Reihe kam an Franz.

Er trug eine von seinen Flinten am Bandelier, Gaetano hatte die andere, einer von den Matrosen hielt seine Büchse. Seine Tracht hielt die Mitte zwischen dem Künstler und dem Dandy, was den Wirthen keinen Verdacht und folglich keine Unruhe einflößte. Man band die Barke am Ufer an und ging einige Schritte vorwärts, um einen bequemen Bivonac zu suchen; aber ohne Zweifel entsprach die Stelle, wo man suchte, nicht der Ansicht des Schmugglers, welcher den Posten einer Wache versah, denn er rief Gaetano zu: »Nein, nicht dort, wenn#s beliebt!«

Gaetano stammelte eine Entschuldigung und schritt ohne Widerspruch in entgegengesetzter Richtung fort, während zwei Matrosen, um den Weg zu beleuchten, Fackeln am Herde anzündeten. Man machte ungefähr dreißig Schritte und hielt auf einem freien Platze an, der ganz mit Felsen umgeben war, in welche man eine Art von Sitzen, kleinen Schilderhäuschen ähnlich, gegraben hatte. In der Umgebung waren in Adern vegetabilischer Erde einige Zwergeichen und dichte Myrtenbüsche sichtbar. Franz senkte eine Fackel und erkannte an einem Aschenhaufen, daß er nicht der Erste war, dem das Bequeme dieser Örtlichkeit einleuchtete, und daß es eine von den gewöhnlichen Stationen der Insel Monte Christo sein mußte.

Die Erwartung von Ereignissen hörte bei ihm auf. Sobald er einmal den Fuß auf die Erde gesetzt und die, wenn nicht gerade freundschaftliche, doch wenigstens gleichgültige Stimmung seiner Wirthe wahrgenommen hatte, verschwand bei ihm jede Unruhe, und der Geruch der an dem benachbarten Bivonac bratenden Ziege verwandelte seine Unruhe sogar in Appetit.

Er berührte mit zwei Worten diese neue Erscheinung gegen Gaetano, der ihm erwiderte, es gäbe nichts Einfacheres, als ein Abendbrot, wenn man, wie sie, in der Barke Brot, Wein, sechs Feldhühner und ein gutes Feuer zum Braten besäße.

»Überdies,« sagte er bei, »wenn Eure Exzellenz den Geruch der Ziege so verführerisch findet, so kann ich hingehen und unsern Nachbarn zwei von unsern Vögeln für eine Schnitte von ihrem Vierfüßigen bieten.«

»Thut das, Gaetano,« sprach Franz; »Ihr seid offenbar mit dem Unterhandlungsgenie geboren.«

Während dieser Zeit hatten die Matrosen Arme voll Heidekraut ausgerissen und Bündel von Myrten und grünen Eichen gemacht, woran sie Feuer legten, was bald einen sehr ansehnlichen Herd bot. Franz erwartete, beständig den Geruch der jungen Ziege einatmend, die Rückkehr des Patrons, als dieser wiedererschien und mit sehr unruhiger Miene auf ihn zuging.

»Nun,« fragte Franz, »was Neues? Man weist unser Anerbieten zurück?«

»Im Gegenteil,« erwiderte Gaetano, »der Anführer, welchem man gesagt hat, Sie wären ein junger französischer Edelmann, ladet sie zum Abendbrot zu sich ein.«

»Gut! dieser Anführer ist ein sehr gebildeter Mann, und ich weist nicht, warum ich seiner Einladung nicht entsprechen sollte, um so mehr, als ich meinen Teil zum Abendbrot mitbringe.«

»Oh! das ist es nicht, denn es findet sich dort genug zum Abendbrot; aber er stellt eine sonderbare Bedingung, unter der er Sie bei sich empfangen will.«

»Bei sich!« versetzte der junge Mann; »er hat sich also ein Haus bauen lassen?«

»Nein, er besitzt aber darum nichtsdestoweniger ein sehr behagliches Bei sich, wenigstens wie man mich versichert hat.«

»Ihr kennt also diesen Anführer?«

»Ich habe von ihm sprechen hören.«

»Im Guten oder im Schlimmen?«

»Auf beiderlei Art.«

»Und wie heißt die Bedingung, die er mir stellt?«

»Sie sollen sich die Augen verbinden lassen und die Binde nicht eher abnehmen, als bis er sie selbst dazu auffordert.«

Franz erforschte so viel als möglich den Blick von Gaetano, um zu erfahren, was hinter diesem Vorschlage verborgen sein dürfte.

»Ah! bei Gott,« sprach dieser, den Gedanken von Franz erwidernd, »ich weist wohl, die Sache verdient Überlegung.«

»Was würdet Ihr an meiner Stelle tun?« fragte der junge Mann.

»Ich, der ich nichts zu verlieren habe, ginge.«

»Ihr würdet einwilligen?«

»Ja, und wäre es nur aus Neugierde.«

»Es ist also etwas Merkwürdiges bei diesem Anführer zu sehen?«

»Hören Sie« sprach Gaetano, die Stimme dämpfend, »ich weiß nicht, ob das was man sagt, wahr ist.« (Er schwieg und schaute umher, ob ein Fremder ihn behorchte.)

»Und was sagt man?«

»Man sagt, dieser Anführer besitze einen unterirdischen Palast, mit welchem verglichen der Palast Pitti nur etwas Geringes sei.«

»Welch ein Traum!« rief Franz.

»Oh! es ist kein Traum, es ist eine Wahrheit. Cama, der Lotse des Ferdinando, ist einmal darin gewesen, er kam voll Verwunderung zurück und sagte, dergleichen Schätze finden sich nur in den Feenmärchen.«

»Ei! wißt ihr denn auch, daß Ihr mich mit solchen Worten in die Höhle von Ali Baba hinabzusteigen bewegen könntet?«

»Ich sage Ihnen, was man mir gesagt hat, Exzellenz.«

»Ihr rathet mir also, den Vorschlag anzunehmen?«

»Oh! nein: Euere Exzellenz mag ganz nach ihrem Gutdünken handeln; ich möchte ihr bei einer solchen Veranlassung keinen Rath geben.«

Franz dachte einen Augenblick nach, er begriff, daß ein so reicher Mann gegen ihn, der nur ein paar tausend Franken bei sich hatte, nichts im Schilde führen konnte; und da er in allem Dem nur ein vortreffliches Abendbrot erblickte, so willigte er ein. Gaetano überbrachte seine Antwort.

Franz war indessen, wie gesagt, klug; er wollte so viel als möglich Einzelheiten über seinen seltsamen, geheimnisvollen Wirth in Erfahrung bringen, wandte sich deshalb gegen den Matrosen um, der während dieses Gespräches mit dem Ernste eines auf seine Functionen stolzen Mannes die Feldhühner gerupft hatte, und fragte ihn, worin diese Leute hätten landen können, da weder Barken noch Speronaren, noch Tartanen sichtbar wären.

»Das beunruhigt mich nicht,« antwortete der Matrose, »ich kenne das Schiff, worauf sie fahren.«

»Ist es ein hübsches Schiff?«

»Ich wünsche Euerer Exzellenz ein ähnliches, um damit die Reise um die Welt zu machen.«

»Von welcher Größe?«

»Von ungefähr hundert Tonnen. Es ist übrigens ein Phantasie-Fahrzeug, eine Yacht, wie die Engländer sagen, aber so gebaut, daß es sich bei jedem Wetter auf der See halten kann.«

»Wie ist es gebaut worden?«

»Ich weiß es nicht, doch ich glaube in Genua.«

»Und wie kann es ein Anführer von Schmugglern wagen, eine für sein Gewerbe bestimmte Yacht in Genua bauen zu lassen?«

»Ich sagte nicht, der Eigenthümer dieser Yacht wäre ein Anführer von Schmugglern.«

»Nein, aber Gaetano hat es gesagt, wie mir scheint.«

»Gaetano hat das Schiffsvolk von ferne gesehen, aber noch mit Niemand gesprochen.«

»Doch was ist denn dieser Mensch, wenn er kein Anführer von Schmugglern ist?«

»Ein reicher Herr, der für sein Vergnügen reist.«

»Bei so verschiedenartigen Aussagen wird diese Person immer geheimnisvoller,« dachte Franz. »Und wie heißt er?« fragte der junge Mann den Matrosen.

»Wenn man fragt, so sagt er, er heiße Simbad der Seefahrer, doch ich bezweifle, daß dies sein wahrer Name ist« .

»Simbad der Seefahrer?«

»Ja.«

»Und wo wohnt dieser Herr?«

»Auf dem Meere.«

»Aus welchem Lande ist er?«

»Ich weiß es nicht.«

»Habt Ihr ihn gesehen?«

»Einige Male.«

»Was für ein Mann ist es?«

»Euere Exzellenz wird dies selbst beurteilen.«

»Und wo wird er mich empfangen?«

»Ohne Zweifel in dem von Gaetano erwähnten unterirdischen Palaste.«

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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
1870 s. 17 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain