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Kitabı oku: «Der Pastor von Ashbourn», sayfa 27

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III.
Das vermauerte Zimmer

Wie es dreizehn Jahre vorher die Nachbarin gemacht, so erzählte der Bergmann das, was er gesehen hatte.

Die graue Dame hatte ihn nicht angeredet; es war ihm keine Verschwiegenheit von einer menschlichen oder von einer übermenschlichen Macht auferlegt: er hatte daher keinen Grund, zu verschweigen, was ihm begegnet war.

Ebenso nun, wie man richtig geschlossen, daß die erste Erscheinung die Geburt der Zwillinge prophezeit, so schloß man, daß die zweite Erscheinung den Tod des einen oder des anderen verkünde.

In der That gegen das Ende desselben Monats September sah man eines Abends das eine der beiden Kinder ganz erschreckt, ganz bleich und ganz in Thränen nach Haus zurückkehren.

Einen Augenblick nachher hörte man in dem Pfarrhause laute Ausbrüche des Schmerzes.

Dann öffnete sich die Thür; der Pastor und seine Frau erschienen, indem sie ausriefen: »zu Hilfe!« und indem sie wie Sinnlose nach dem kleinen Flusse liefen, von dem ich Ihnen bereits gesprochen habe.

Die Geschichte trug sich auf folgende Art zu: Der älteste der beiden Zwillinge war allein ausgegangen, da er seine Aufgaben früher als sein Bruder beendigt hatte.

Sein Bruder hatte versprochen zu ihm zu kommen, sobald er seine Aufgaben gleichfalls beendigt hätte.

Die beiden Brüder liebten sich so sehr, daß es selten war, wenn sie ihre Erholungsstunden nicht mit einander genossen.

Der Schauplatz dieser Erholungsstunden war fast immer entweder das Ufer des kleinen Flusses, oder der Berg, der ihn überragt, und von dessen Höhe man ungefähr zwölf Meilen der Küste und den dunkeln, unendlichen Ozean erblickt, der zu gewissen Zeiten ganz von weißen Segeln durchfurcht ist, die bei der Entfernung gleich Seemöven erscheinen, die auf der Oberfläche des Wassers zu spielen scheinen.

Der zuerst Angekommene hatte ungefähr den dritten Theil des Berges erstiegen.

Dort belustigte er sich damit, Steine den schroffen Abhang herunterrollen zu lassen.

Die Steine, nachdem sie einen Augenblick lang je nach den Vorsprängen des Bodens gerollt oder gesprungen waren, gelangten endlich an einen Ort, wo der Berg abgeschnitten war. wie als ob ein Luftgeist den Felsen mit einem riesenhaften Beile gespalten hätte. Die abgerissenen Theile des Felsens fanden sich in ungeheuren Blöcken in dem Flusse wieder, der unten dahin eilte.

Als der zweite Sohn des Pastors seine Aufgaben beendigt, eilte er aus dem Hause, um seinen Bruder wieder einzuholen.

Aber der sich krümmende Fußpfad des Berges war für seine Ungeduld zu lang; er versuchte, was er übrigens schon zwanzig Male gethan hatte, ihn geraden Weges zu erklettern.

Der Aeltere entwurzelte eben einen Felsblock, den er in den Abgrund zu stürzen gedachte, wie er bis dahin kleinere Steine hinabgerollt hatte.

Der Felsen hatte lange widerstanden; indessen nach der Arbeit von einer Viertelstunde bewegte er sich in dem rings umher ausgehöhlten Raume, wie ein halb ausgebrochener Jahn in seiner Höhle wackelt; endlich gab er unter den Bemühungen des jungen Titans nach, und rollte gänzlich entwurzelt dem Abgrunde zu.

Ein von dem Sieger ausgestoßener Freudenschrei begleitete ihn.

Aber in dem Augenblicke, wo der Felsblock auf dem steilen Abhange verschwunden, war, antwortete ihm ein schrecklicher, mit Entsetzen, Angst und Schmerz vermischter Schrei.

Der älteste der beiden Knaben erkannte die Stimme seines Bruders und blieb regungslos, entsetzt, stumm, indem er mit den Händen in seine vor Schrecken gesträubten Haare fuhr.

Ein zweiter Schrei folgte dem ersten.

Dieser war ein Todesschrei: er erschallte aus der Tiefe des Abgrundes!

Nun drang das Getöse zweier schwerer, eine Secunde nach einander in das Wasser fallender Körper bis auf die Anhöhe, auf welcher der unwillkürliche Brudermörder, der unschuldige Kain stand.

Dieser erste und zweite Schrei, – dieses doppelte, rasch auf einander folgende Getöse, Alles das war für den unglücklichen Knaben klar, sichtbar, gewiß, und dennoch zweifelte er, wie an jedem unerwarteten, schrecklichen, unerhörten Unglücke.

Auf die Gefahr hin, sich selbst hinunterzustürzen, stieg er rasch bis an den Ort hinab, wo der Felsen steil abgeschnitten war, klammerte sich an einen Wachholderstrauch, und neigte sich über den Abgrund.

Er sah den Körper seines unglücklichst Bruders, welcher, nachdem er einen Augenblick lang dem schlangenförmigen Laufe des Flusses folgend geschwommen, durch einen Felsendamm aufgehalten war, der sein Bett durchschnitt.

Nun, da er nicht mehr zweifelte, lief er nach dem Pfarrhause und brachte seinen Eltern die schreckliche Nachricht.

Diese stürzten, wie man gesehen hat, aus dem Hause, und eilten nach dem Damme, wo sie die Leiche ihres gegen den Felsen geschleuderten Kindes wiederfanden.

Ein Theil der Dorfbewohner war ihnen gefolgt, denn der Pastor und seine Frau waren vortreffliche Leute, die bei der ganzen Gemeinde in gutem Andenken geblieben sind, barmherzig und tröstend für die Anderen.

Die Mutter kniete an dem Ufer des Flusses nieder; der Vater wagte sich mit fünf oder sechs Landleuten auf die durchbrochene, feuchte und schlüpfrige Brücke, deren Grundlage beständig von dem schäumenden Strome gepeitscht wurde, den man seine Wogen schäumend über den Damm von Granit sich ergießen sah.

Mit Hilfe von Baumzweigen und Stricken gelang es endlich, die Leiche aus dem Wasser zu ziehen, und die Landleute, welche sie auf ihre Schultern geladen hatten, trugen sie so an’s Ufer, und legten sie zu den Füßen der in Thränen zerfließenden Mutter.

Der zweite Sohn, welcher begriff, daß in diesem Momente sein Anblick ein Schmerz wäre, hatte sich hinter einen Felsen zurückgezogen, wo er, am Boden liegend, der Verzweiflung hingegeben, weinte.

So lange als sie Thränen hatte, – und die Mütter haben deren viel, – erschöpfte die arme Frau ihren Schmerz an der Leiche ihres Kindes.

Dann als ihre Augen trocken und brennend wurden und sie das Bedürfniß neuer Thränen fühlte, blickte sie um sich und suchte ihren zweiten Sohn.

Man mußte ihn lange rufen, bevor er sich zeigte; das unglückliche Kind wußte nicht, daß es, die Quelle des Schmerzes, zu gleicher Zeit eine Quelle der Freude werden würde; daß die Liebe einer Mutter niemals verloren gehen kann, und daß alle die Liebe, welche die arme Niobe für den gestorbenen Sohn empfand, sich auf den liebenden Sohn übertragen würde.

Die Mutter fand also neue Thränen, und hielt den Einzigen Uebriggebliebenen mit geschlossenen Augen, um nur noch durch das Herz zu sehen, an ihre Brust gedrückt.

Man benutzte diesen Augenblick, um die Leiche zu entfernen. Der Vater war es, der sie selbst bis nach dem Pfarrhause trug, wie er ihn ehedem, in Schlaf versunken, wegzutragen pflegte, und die Mutter ihm, den andern tragend, folgte.

Man wusch die Leiche des armen Kleinen, man verband seine Wunden, als ob er nicht todt, und legte ihn auf sein Bett, wie als ob dieser traurige Tod nur ein sanfter Schlummer gewesen wäre.

Zwei Tage nachher verrichtete der Vater sein letztes Gebet über dem Todten in Gegenwart aller Dorfbewohner ward sein Sarg in ein Grab gesenkt, über welchem man noch heut zu Tage einen kleinen, an der Ecke zerbrochenen Stein mit umstehender Inschrift sieht:

»Hier liegt
John Benters,
zweiter Sohn des Pastor Edgar Benters
und der Elisabeth Egburn
Er starb, erst 13 Jahr alt, durch einen Unglücksfall,
am 22. Juni 1737
Wanderer, bete für seine unschuldige Seele!
Die graue Dame hat seine Geburt und seinen
Tod prophezeit.«

In den drei Jahren, welche dieser Katastrophe folgten, starben der Pastor und seine Frau.

Die Frau, weit tiefer getroffen, weil sie Mutter war, starb zuerst; der Pastor nachher.

Der junge Clarenz Benters verschwand, und seit seinem Verschwinden hörte man in dem Dorfe Waston niemals wieder von ihm sprechen.

Da nun aber die Landleute alle diese Unglücksfälle – denn ich habe Ihnen nur den letzten erzählt – dem Einflusse der grauen Dame zuschrieben, so erbot sich ein Maurer, die Thür zuzumauern, durch welche sie dieses Zimmer verließ, das man verödet wußte und das beständig verschlossen blieb, indem es sich nur für die Erscheinungen öffnete.

Zu diesem Zimmer hatte übrigens kein Pastor jemals den Schlüssel gehabt, und seit Menschengedenken hatte es Niemand gewagt, es zu öffnen oder es öffnen zu lassen.

Das Anerbieten des Maurers wurde angenommen. Man ließ den Pastor des benachbarten Dorfes kommen, um der Feierlichkeit einen gewissen religiösen Charakter zu geben, und die Thür wurde unter Gebeten vermauert.

Das geschah im Jahre 1741, vierzehn Jahre vor der Zeit, zu welcher wir ankamen.

Während dieser vierzehn Jahre bewohnte ein einziger Pastor das Pfarrhaus; er war Wittwer, und hatte nur einen Sohn gehabt, welcher in der Schlacht bei Fontenoy geblieben war.

Er hatte fünf Jahre seiner Gemeinde gedient; dann war er gestorben, in dem Herzen seiner Pfarrkinder ein gutes Andenken zurücklassend.

Seit vier Jahren aber war die Pfarre unbesetzt geblieben, und Niemand hatte es gewagt, sie anzunehmen.

Auf die Klage der Einwohner, welche durch die Verlassenheit des Pfarrhauses sich des göttlichen Wortes beraubt sahen, waren die Einkünfte der Stelle daher verdoppelt worden.

Trotz dieser Erhöhung, welche aus der Pfarre eines armen kleinen Dorfes eine Pfarre ersten Ranges machte, hatte sich Niemand um dieselbe bis zu dem Augenblicke beworben, wo Ihr würdiger Bruder, mein lieber Petrus, mir dieselbe anbot, ein Anerbieten, das ich in der Noth, in der ich mich befand, mit allem Danke annahm.

Außerdem sehen Sie, daß ich seit meiner Ankunft meine Zeit nicht verloren habe, und daß alle Erkundigungen, die ich habe einziehen können, eingezogen worden sind.

Zu den Ihnen vorgetragenen Thatsachen fügt die Einbildungskraft der Landleute noch Folgendes hinzu:

Ueber das Erscheinen der grauen Dame, über die Veranlassungen und Ergebnisse dieser Erscheinung bleibt kein Zweifel übrig, und in dieser Beziehung ist die Ueberzeugung der Landleute eine unumstößliche geworden.

Sie sagen, – aber Sie begreifen wohl, mein lieber Petrus, daß diese Voraussetzungen den unbestimmten Charakter der Sage tragen. – sie sagen, daß die graue Dame die Wittwe eines ehemaligen Pastors zur Zeit des Anfangs der Reformation sei, welche durch häusliche Zwiste mit dem Nachfolger ihres Gatten aufs Aeußerste getrieben, sich selbst das Leben nahm.

Bei Ausführung dieser That schleuderte die Unglückliche einen schrecklichen Fluch über die Pfarre.

Sie kennen die Wirkungen dieses Fluches, über welche ihre unstäte Seele wacht.

Endlich zeigt man zur Unterstützung dieser Meinung in der dunkelsten, feuchtesten und einsamsten Ecke des Friedhofes ein kleines steinernes Kreuz mit einigen verwischten Buchstaben, welche mir, indem ich sie wieder zusammensetzte, den Vornamen Anna und den Namen Goldsmith gegeben zu haben scheinen.

Der Todtengräber behauptet überdies, und sagt, daß er das von seinem Vorgänger, wie dieser es von dem seinigen wisse, dieses verlorene, einsame, vergessene, aber in seinem Vergessen schreckliche Grab sei wirklich das der unglücklichen Selbstmörderin.

Der Maurer, der die Thür des Zimmers zugemauert hat, lebt noch und kam selbst, um mir Auskunft darüber zu geben. Diese Thür befindet sich in dem zweiten Stocke zwischen einem Speicher und einer Waschkammer.

An der Wand bemerkt man noch die Gränze zwischen dem neuen und dem alten Kalke und kann dadurch leicht die Form einer Thür unterscheiden.

Auf der äußeren Facade deuten zwei verschlossene und verfallende Läden die beiden Fenster des verfluchten Zimmers an.

Ich muß Ihnen gestehen, mein lieber Petrus, daß alle diese Erzählungen, so phantastisch und so unglaublich sie auch sein mögen, Jenny und mich nicht gleichgültig gelassen haben.

Wir sind so weit gekommen, – was wir niemals geglaubt hätten, – Gott dafür zu danken, daß Jenny zu der Unfruchtbarkeit der Sara, ohne deren Alter zu haben, verdammt zu sein scheint!

IV.
Der Zustand des Hauses

Sie werden sich wundern, mein lieber Petrus, daß ich Ihnen noch nichts über unseren Einzug in das Pfarrhaus gesagt habe, und daß die phantastische Seite unserer Wohnung uns so sehr seine materielle Seite hat aus dem Gesicht verlieren lassen.

Ach! diese materielle Seite habe ich Ihnen in einigen Worten bereits als traurig und finster geschildert, aber zuverlässig noch weniger traurig und finster, als sie es in der Wirklichkeit ist.

Das Pfarrhaus hat das Vorrecht der verfluchten Häuser: ohne Zweifel waren die Pastoren, welche darin gelebt haben und darin gestorben sind, nicht alle verlassene Wesen; sie hatten Verwandte und dem zu Folge Erben. Aber wie groß die Habgier dieser Verwandten oder dieser Erben auch gewesen sein mag, nicht ein einziger kam jemals, um ein einziges Stück von den Möbeln der Verstorbenen zu fordern.

Die einzigen Erben der Pastoren von Waston sind also die Pastoren, welche ihre Nachfolger sind.

Das wird Ihnen, mein lieber Petrus, einen Begriff von dem Schrecken geben, den dieses traurige Haus einflößt.

Das Mobiliar ist auf diese Weise eine sonderbare Mischung von Möbeln aller Zeiten und Geräthschaften aller Art; die meisten dieser verstümmelten und dienstunfähigen Möbeln schienen mir allein aus einem abergläubischen Grunde erhalten zu sein.

Da nun ein solcher Grund mich nicht bestimmen konnte, das Haus mit all diesem Plunder überfüllt zu lassen, so beauftragte ich den Magister, sich in dem Dorfe zu erkundigen, ob irgend Jemand einen Anspruch in Bezug auf Möbeln zu machen hätte, oder auch wohl irgend ein armer Landmann die Gegenstände für sich zu benutzen wünschte, die mir überflüssig schienen; in diesem Falle würde ich mir ein wahres Vergnügen daraus machen, ihm die besten unter diesen von mir zur Zerstörung verdammten Möbeln zu überlassen.

Niemand forderte etwas; Niemand nahm mein Anerbieten an.

Da nun seit der Zerstörung der Wälder durch die Könige von England, welche fürchteten, daß dieselben den Geächteten zur Zufluchtsstätte dienen möchten, das Holz ziemlich selten in der Gegend war, so schleppte ich selbst die gesprungenen Truhen, die wackelnden Tische, die wurmstichigen Stühle mitten auf den Hof, und that selbst, was die Zeit zu thun im Begriffe stand, ich zerbrach sie vollends, und häufte alle ihre Trümmer als Holzvorrath für den Winter in einem ungeheuren Holzstalle auf, der die ganze Länge der Mauer einnahm, die meine Wohnung von dem Friedhofe trennt.

Als das vollzogen und das Haus theilweise ausgeräumt war, blieb nur noch übrig, unter allen Zimmern des Hauses diejenigen auszuwählen, die wir bewohnen wollten.

Fünfzehn Personen konnten bequem in diesem Pfarrhause unterkommen, und Jenny und ich waren allein.

Ich hatte eine Magd nehmen wollen, aber Jenny hatte sich dem widersetzt. Nach ihrer Meinung konnten wir weder zu sparsam sein, noch schnell genug unserem Wirthe, dem Kupferschmied, die fünfzig Pfund Sterling zurückzahlen, die er uns auf eine so zarte Weise geliehen hatte.

Außerdem hatten wir, mit Recht bedenkend, daß wir bei unserer Einrichtung einige unumgänglich notwendige Ausgaben zu machen hätten, die zwölf Pfund Sterling angenommen, welche Herr und Madame Smith uns von dem für uns entliehenen Gelde angeboten hatten, das sie uns nach Nottingham brachten, als wir ihnen auf dem Wege begegneten.

Es wurde daher beschlossen, statt einer im Hause wohnenden Magd uns mit einer Aufwärterin zu begnügen, die gegen zwei Pence täglich in dem Hause alle grobe Arbeit verrichten sollte, welche Jenny nicht thun könnte.

Das war ein Grund mehr, um unsere Wohnung einzuschränken.

Wir begnügten uns daher unten mit einem kleinen Vorzimmer, ganz von selbst durch eine Art von Corridor gebildet, der nach einer hölzernen Treppe führte, die bis oben in das Haus ging und nach fünfzehn sich drehenden Stufen auf den Vorplatz des ersten Stockes führte, dann steil und gerade wie eine Leiter von dem ersten zum zweiten Stock, nach einem zweiten Vorplatze aufstieg, auf welchem sich ehedem drei Thüren und jetzt zwei befanden.

Links war die Thür des Speichers, rechts die der Waschkammer; die von dem Maurer zugemauerte, dazwischen liegende Thür, war die des verfluchten Zimmers.

So nannte man dieses Zimmer vor uns, und wir fuhren fort, es so zu nennen.

Von dem zweiten Stocke hatten wir durchaus nichts nöthig. Außerdem schien die Treppe, die schon von dem Erdgeschosse in den ersten Stock in ziemlich schlechtem Zustande war, indem sie auf jeder Stufe unter den Füßen krachte, von dem ersten Stocke in den zweiten noch mehr verfallen.

Es war daher unnöthig. sich ihrer zu bedienen und zugleich vorsichtig, sie nicht zu benutzen.

Ich begnügte mich damit, das Dach von dem Dachdecker untersuchen zu lassen, der überall Ziegeln anbrachte, wo sie fehlten, und der auf diese Weise zwei oder drei Oeffnungen beseitigte, durch die an Regentagen oder bei Thauwetter das Wasser seinen Lauf in den Speicher nahm, und längs desselben gleich den Tröpfchen, welche aus dem Felsen bei der Akazie auf die Moosbank des Gartens fielen, durch den Fußboden drang.

Der erste Stock war also, wenn nicht vor Feuchtigkeit, doch vor dem Regen ziemlich bewahrt.

In diesem ersten Stocke wählten wir ein Zimmer für Jenny und mich. Es wurde noch ein großes Toilettencabinet hinzugefügt; und das war Alles, was wir an Wohnung nöthig hatten; dann verschloß und verriegelte man die Thüren des Schlafzimmers und des Toilettencabinetes, welche auf die anderen Zimmer gingen.

Der Corridor unten, – wie Sie sehen, mein lieber Petrus, gehen wir von oben nach unten, – der Corridor unten, von dem ich sagte, daß er nach der Treppe führte, hatte zwei Thüren. Die eine führte in einen Speisesaal, einen großen Salon und eine Küche; die andere gegenüber in ein Zimmer von mittlerer Größe, das ich mir als Arbeitszimmer wählte, und das Schlafzimmer der Wittwe ersetzen sollte.

Mit allen übrig gebliebenen Möbeln des Hauses versahen wir den Speisesaal, den Salon und das Arbeitszimmer; aber da ich vor Allem wollte, daß Jenny gut eingerichtet und ihr Zimmer gesund und sauber sei, so wandten wir, oder wandte ich vielmehr, ohne daß Jenny es wußte, zwölf Pfund Sterling dazu an, ihr Zimmer tapeziren und es mit neuen, oder beinahe neuen, in Milfort gekauften Möbeln versehen zu lassen.

Diese Möbeln waren ein vollständiges Bett, vier Sessel und ein mit Kattun überzogenes Kanapee, ein Tisch, zwei Stühle und drei oder vier Kissen oder Tobourets.

Mittelst dieser Ausgabe hatte Jenny’s Zimmer einen gewissen Luxus, und der übrige Theil des Hauses – ich verstehe darunter den bewohnten Theil – war ziemlich anständig möblirt.

Eins machte mir großen Kummer: nämlich daß wir gezwungen gewesen waren, Jenny’s Klavier in Ashbourn zurückzulassen; es war zuvörderst eine ungeheure Entbehrung für sie, keine Musik zu haben; dann hatte sie dieses Klavier von ihrem Vater erhalten und es war ihr dadurch doppelt kostbar.

Aber der Transport eines solchen Möbels durch einen so großen Theil von England hätte uns zu viel Geld gekostet, ohne zu rechnen, daß es auf den Wegen, die wir eingeschlagen hatten, leicht gänzlich zerbrochen hätte ankommen können.

Wir hatten von dieser Schwierigkeit mit Herrn Smith gesprochen, der in seiner doppelten Liebe als Vater für seine Tochter und als Lehrer für seine Schülerin, noch untröstlicher zu sein schien, daß Jenny nicht allein diese herrliche Zerstreuung zarter Seelen, die Musik, entbehren sollte, sondern auch ihre Fertigkeit darin verlieren möchte.

Dann setzte Herr Smith immer den Fall voraus, daß wir Kinder bekommen würden, und da er nicht da sein konnte, um seinen Enkeln oder Enkelinnen Unterricht zu ertheilen, wie er ihn Jenny ertheilt hatte, so hätte er wenigstens gewünscht, daß diese bei seiner männlichen oder weiblichen Nachkommenschaft hierin seine Stelle vertreten könnte.

Dem zu Folge hatte er sich anheischig gemacht, das Klavier zu verkaufen und uns das Geld dafür zu übersenden, damit ich entweder in Milfort oder in Pembroke ein anderes kaufen könnte.

Aber ich hatte nur nöthig gehabt, durch diese beiden Städte zu kommen, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß man in solchen Löchern keine Jenny’s Talent würdigen Klaviere finden würde.

Ich hatte daher Herrn Smith geschrieben, für irgend ein anderes Mittel zu sorgen.

Herr Smith hatte es gethan.

Eines Morgens wurden wir benachrichtigt, daß ein von dem Hause Samuel Barlow und Comp, in Liverpool an die Adresse des Hauses Baring abgesandter Ballen in Milfort angekommen wäre, mit der Weisung, große Vorsicht auf den genannten, als sehr gebrechlich angegebenen Ballen zu verwenden und mir Nachricht von seiner Ankunft zu geben.

Die Nachricht war mir, wie ich so eben gesagt, auf der Stelle zugekommen.

Ich begab mich gleichfalls sofort nach Milfort und meldete mich in dem Comtoir des Herrn Baring.

Man ließ mich den Ballen sehen.

Es war eine ungeheure Kiste, deren Aeußeres ganz mit Stroh umgeben war. Man hätte sie für irgend einen Elephanten, irgend einen Mastodon, irgend ein vorsindfluthliches Thier ansehen können, das von dem zoologischen Museum der Hauptstadt einem Museum der Provinz übersandt wäre.

Ich hatte nur nöthig, einen Blick auf den ungeheuern Ballen zu werfen, um zu erkennen, was er enthalte.

Es war augenscheinlich das Klavier Jenny’s, das uns unter dem Schutze Gottes zur See, wie der Frachtbrief lautete, und unter der Bürgschaft der Häuser Samuel Barlow und Baring zukam.

Ich freute mich im Voraus bei dem-Gedanken an das Vergnügen, welches diese Ueberraschung Jenny verursachen würde, und mit Hilfe der Commis des Herrn Baring gelang es mir, die Kiste auf einen Wagen laden zu lassen, der ziemlich sanft in Federn hing, so daß ich hoffen konnte, sie glücklich bis nach Waston zu bringen.

Zwei Stunden nachher hielt der Wagen vor der Thür des Pfarrhauses.

Jenny erkannte eben so schnell, als ich den Inhalt der Kiste, und empfing wie ich diesen alten Freund, der uns in unserer Einsamkeit zu besuchen kam, mit einem Freudenschrei.

Es blieb noch zu wissen übrig, ob Alles in gutem Zustande sei.

Davon versicherten wir uns auf der Stelle, indem wir die Stricke aufknüpften und die Packleinwand aufschnitten.

Inmitten seines gepolsterten Panzers befand sich wie ein Kern in einer Pfirsich das kostbare Instrument, der Melodiebewahrer für unsere langen Wintertage. über dessen Tasten den Hoffnungen des guten Herrn Smith gemäß nicht allein die behenden und geübten Finger Jenny’s, sondern auch die kleinen und ungeschickten Hände unserer Kinder eilen sollten, – kleine fleischige Hände, deren Grübchen Vater und Mutter so gern küssen!

In einem Augenblicke befand sich das Klavier auf seinen vier Füßen; Jenny fuhr rasch mit ihren Fingern von der höchsten bis zur tiefsten Note über die Tasten; jede von ihnen gab ihren Ton, es war kein bedeutender Seeschaden zu fürchten.

Nur war das Klavier ein wenig verstimmt.

Aber das war die Sache Jenny’s.

Sie verließ das Instrument nicht eher, als bis es gänzlich im Stande war, und bevor sie nicht mit einem Ausdrucke, den ich zwar bereits an ihr kennen mußte, der mir aber in unserer tiefen Verbannung ganz neu schien, die Fabel gespielt hatte, die ihr Vater für sie gedichtet und deren Text und Composition er ihr zu gleicher Zeit mit dem Klavier an ihrem Geburtstage gesandt hatte.

Sie vermögen sich keinen Begriff von dem Widerspruche zu machen, mein lieber Petrus, den dieser dunkle Saal mit seinen nicht zu einander paffenden und wurmstichigen Möbeln, mit seinen finstern und geschwärzten Wänden, und diese liebliche aus dem eleganten Klavier erschallende Musik, diese frische, aus den rosigen Lippen hervorgehende Stimme bildete. Es schien mir, als ob ich das Porzellan auf dem Schenktische, die Bilder in ihren Rahmen, die Flamme in dem Kamine von Erstaunen ergriffen sähe. Das Fenster stand offen, um die letzten Strahlen der Herbstsonne eindringen zu lassen, welche dem flüchtigen Jahre bis zu dem Ende des Oktobers gefolgt zu sein schienen, und durch diese Oeffnung verbreitete sich die Harmonie nach außen, wie durch die Risse einer Vase ein Wohlgeruch ausdunstet, – In diesem Augenblicke ging ein Landmann vorüber, der wie gebannt stehen blieb.

Ar Gorrigan! rief er aus, indem er einen seiner Kameraden rief.

Dieser eilte herbei.

Die Fee! sagte er zu ihm.

Dann kam ein Dritter, ein Vierter, ein Fünfter; und nach Verlauf von zehn Minuten war das halbe Dorf vor dem Pfarrhause versammelt.

Als Jenny geendigt hatte, blieben sie voll Erwartung stehen, schweigend aber in der Hoffnung, ihr stummes Verlangen noch befriedigt zu sehen.

Nun bat ich Jenny, mit Gesang und Spiel fortzufahren.

Sie verstanden das, und alle riefen einstimmig aus: c’houaz! C’houaz! (noch! noch!) .

Jenny lächelte und sang, so lange sie es wollten.

Da aber endlich die Nacht hereinbrach, stand sie auf und grüßte sie; Alle klatschten nun in die Hände, und der alte Barde, von dem ich bereits gesprochen habe, trat hervor und sprach folgende zwei Verse eines galischen Liedes:

Hag ann adar, agan eur c’han
Ker kaer, ma tav ar mor ledan!

Was in die gewöhnliche Sprache übersetzt bedeutet I

Der Vogel sang ein so liebliches Lied,
Daß selbst das große Meer schwieg!

Und Alle entfernten sich, indem sie sagten:

Die Frau des neuen Pastors hat eine in einen großen Kasten eingesperrte Schaar Nachtigallen; sie läßt sie singen, wenn man sie darum bittet, selbst wenn die Bittenden arm sind. . .

Gott bewahre die Frau des neuen Pastors vor dem Fluche der grauen Dame!

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
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Litres'teki yayın tarihi:
10 aralık 2019
Hacim:
780 s. 1 illüstrasyon
Telif hakkı:
Public Domain