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Kitabı oku: «Der Secretair der Marquise Du-Deffand», sayfa 28

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– Und was wird die Welt dazu sagen?

– Die Welt wird acht Tage davon sprechen und dann zu einer Anderen übergehen.

– Und meine Freunde?

– Die Spröden und die Frömmlerinnen werden Ihnen den Rücken wenden, wenn Sie Geist zeigen, werden sie Ihnen später nachlaufen.

Wir lachten wie wahnsinnig und waren noch in diesem Zustande, als ein Brief von Herrn Du-Deffand ankam. Hier ist er, ich habe ihn aufbewahrt, und er erregt noch zuweilen Gewissensbisse in mir:

»Madame, ich wollte Ihnen die Hand küssen, ehe ich abreiste, aber ich habe den Muth nicht dazu. Ich fürchte bei Ihnen zu bleiben, wenn ich zu Ihnen gehe; ich fürchte, daß Sie mich selber zurückhalten werden, und daß es Ihnen später leid sein wird. Empfangen Sie also hier mein Lebewohl. Ich kehre zu meinem Vater zurück, zu dem ich lieber sogleich hätte gehen sollen, um Sie nicht zu langweilen. Sein Sie ruhig, ich denke nicht daran, Sie unglücklich zu machen, ich erkenne an, daß wir nicht für einander geschaffen sind, und ich werde mich von Ihnen fern halten, bis zu dem Tage, wo Sie mir sagen werden, daß ich Sie nicht mehr langweile. Dies wird niemals der Fall sein, und ich wünsche, daß Sie mit der Freiheit, die ich Ihnen zurückgebe, zufrieden sind.«

Ich empfand ein wahrhaftes Bedauern; ich glaube, wenn ich allein gewesen wäre, würde ich ihn zurückgerufen haben. Frau von Parabère ersparte mir diese Thorheit, denn ich würde ihn am folgenden Tage wieder fortgeschickt haben. Ich ließ an meiner Thür sagen, daß ich krank sei, daß ich Niemand empfange, und die Marquise schickte, ohne mich davon in Kenntniß zu setzen, einen von meinen Bedienten ab und ließ den Herrn von Meuse rufen.

Als wir am Abend in lebhafter Unterhaltung waren, wurde meine Thür geöffnet und er trat ein. Ich stieß einen Schrei der Ueberraschung und Freude aus,

– Ja, rief sie, er ist es!

Er zeigte sich bezaubernd, entzückt, liebenswürdig. Das Souper war köstlich, ich hatte meinen Geist vollständig wieder gefunden, ich fühlte mich so frei von aller Verlegenheit! Er entfernte sich mit Frau von Parabère, indem er ankündigte, daß er am folgenden Tage wiederkommen werde.

Ich blieb allein zu Hause und wagte nicht, Jemand zu besuchen; er erschien nicht und auch nicht am folgenden Tage. Ich begann unruhig zu werden, zeigte es aber nicht und ging nicht aus dem Hause. Die Marquise wollte hier wieder einen Streich ihres Handwerks spielen, aber ich verhinderte sie daran. Er schrieb endlich am dritten Tage, und hier ist der Brief. Ich habe sie noch alle:

»Ich danke Ihnen, Madame, für das reizende Souper von neulich Abends, und ich mache Ihnen meine Entschuldigungen, daß ich nicht die Ehre gehabt habe, Sie seitdem wiederzusehen. Ich bin in diesem Augenblick sehr beschäftigt; ich habe freilich keinen Mann, aber ich habe tausend Geschäfte, tausend Vergnügungen, die mir nicht mehr gestatten, wie ehemals, den vergessenen Weg zu verfolgen. Uebrigens, Madame, lassen die Gegenwart eines Mannes während zweier Monate und eine lange Abwesenheit Spuren zurück, die sich nicht auslöschen lassen. Man findet die Menschen nicht mehr, wie man sie verlassen hat; sie sind nicht mehr dieselben, weder für unsere Augen noch auch für ihre eigenen. Es ist ein Unglück, wofür ich empfindlicher bin, als ein Anderer, dem ich aber nicht abzuhelfen weiß. Wenn ich einen freien Augenblick habe, werde ich mich beeilen, Ihnen den Hof zu machen. Rechnen Sie mich gefällig zu der Zahl Ihrer Freunde; halten Sie sich von meiner Erkenntlichkeit und von dem Eifer, Ihnen zu danken, überzeugt. Madame, ich lege meine ergebensten Dienste zu Ihren Füßen nieder.«

Dies war die Ohrfeige, die ich erhielt, weil ich einen bösen Rath angenommen und weil ich meinen Feind, meinen tödtlichen und erbitterten Feind nicht zu besiegen gewußt hatte. Wir haben immer die Ursache unseres Unglücks in uns selber und wissen sie nicht zu entfernen.

Ich kann nicht schildern, was ich empfand, ich kann die Scham, die Traurigkeit und den Zorn nicht beschreiben, die sich meiner bemächtigten. Ich sah, was daraus erfolgen mußte, und was daraus erfolgte. Es war ein Zetergeschrei, Frau von Luynes an der Spitze, die mich so sehr gebilligt hatte und die sich über diese Rückkehr zur Pflicht erfreute.

Fräulein Aissé, Frau von Fériol, Frau von La Vallière, Alle schrien aus vollem Halse, und man entschied sich fast dafür, mir den Rücken zu wenden. Frau von Parabère vertheidigte mich gegen Alle. Ich hegte jede Verpflichtung gegen sie und vergaß es niemals.

Frau von Staal kam eines schönen Tages, um mich zu der Herzogin von Maine abzuholen, und dies machte diesen Häkeleien ein Ende.

Siebentes Kapitel

Die Herzogin von Maine hatte bekanntlich viel Geist: Wie alle mächtigen und reichen Leute war sie sehr egoistisch; sie wollte unterhalten sein, und ich unterhielt sie. In diesem Augenblick war es ein Glück für mich. Sie hörte erzählen, was vorging, wurde von Kränkungen in Kenntniß gesetzt und trug der Frau von Staal auf, mich zu ihr zu rufen.

– Wenn sie einmal in Sceaux ist, fügte sie hinzu, bedarf sie dieser Frauen nicht mehr, die nicht so viel werth sind wie sie und die sie quälen. Ich weiß, was Langeweile ist, ich kenne sie, ich habe eine schreckliche Furcht davor, und ich begreife ihren Zustand.

Man wird leicht einsehen, daß ich mich nicht bitten ließ. Ich beeilte mich, sehr schnell die Reise anzutreten.

Ehe ich nach Sceaux abreiste, wollte ich umziehen und in Paris eine Wohnung nehmen, die meinem Vermögen und meinen Gewohnheiten entsprach. Man hatte mir in der Rue de Beaune ein hübsches kleines Haus angedeutet, sehr versteckt und wohl versehen nicht mit Möbeln, wohl aber mit schönem Täfelwerk und Spiegeln, kurz mit Allem, was den Luxus des Innern bildet. Es war ein hübscher Garten dabei, der mir gefiel; ich war damals noch nicht blind und sah gern die Vögel auf den Zweigen und die Blumen in den Beeten; ich liebte den Rasen mit den Gänseblümchen, die mich an meine Kindheit, an das Dorf und Schloß Chamrond erinnerten, wo ich meine besten Tage verlebte.

Sobald ich meine Möbeln in meiner Wohnung untergebracht hatte, wollte ich der erhaltenen Einladung entsprechen. Frau von Staal kam mehrmals im Auftrage Ihrer Hoheit zu mir und gab mir die Versicherung, daß ich in Sceaux nicht ein vorübergehendes Asyl, sondern eine Wohnung haben werde; daß die Prinzessin mich bitten lasse, mich dort als zu Hause zu betrachten und so oft wie möglich dorthin zu kommen, um dort so lange zu bleiben, wie ich könne.

Sceaux war nicht mehr so glänzend wie ehemals, es war nicht mehr der Glanz, wovon ich die letzten Strahlen gesehen hatte. Seit der Verschwörung Cellamares, seit seiner Gefangenschaft empfing die Herzogin von Maine nicht mehr so zahlreiche Gesellschaften; die Lection war gut gewesen, denn sie machte keine Verschwörungen mehr.

Ich habe nichts von diesem großen, unbesonnenen Unternehmen gesagt, weil sich der Bericht darüber in allen Büchern findet. Es giebt keinen Rapierkratzer, der nicht der entferntesten Nachkommenschaft darüber Rechenschaft abgelegt hätte. Ich habe auch nichts von meinem Bedauern über den Tod des Regenten gesagt, und dies fällt mir ein. Ich empfand indessen wahrhaftes Bedauern, welches ich aber nicht zu erkennen gab, um nicht unter die Zahl seiner Beweinerinnen gerechnet zu werden.

Er war sehr gut gegen mich gewesen. Ich hatte ihm keine Vorwürfe zu machen, selbst nicht die, welche die Frauen an alle Männer richten können, nämlich die der Undankbarkeit.

Er war immer geneigt, mich auf jede Weise zu verpflichten, und zeigte sich verhältnißmäßig verschwiegen. Unser Umgang wurde nicht bekannt; man sprach davon, ohne dessen gewiß zu sein; ich aber gestand ihn niemals ein. Er dauerte nur so kurze Zeit, daß er in dem verliebten Leben dieses Prinzen, in welche so viele Kapitel nach einander vorüberzogen, nicht mitzählte.

Als ich einmal meine Anordnungen getroffen hatte, reiste ich mit dem Präsidenten, welcher anfing sich auf ernsthafte Weise mit mir zu beschäftigen und welcher einer der eifrigsten Tafelgenossen der Frau Maine war, nach Sceaux. Das Schloß von Sceaux war köstlich, wie ich schon erzählt habe. Der Park, die Gärten, die Gewässer, Alles war reizend. Als ich hier ankam, fühlte ich, daß ich hier glücklich sein und meinen Kummer vergessen würde.

Man lebte dort nur im Geiste, und der Geist ist mein Gott. Ich ziehe und zog immer, besonders damals, den Geist allen Dingen vor.

Der Hof der Prinzessin bestand aus ganz besonders geistreichen Personen, aus einem Dutzend Leute, die sich nicht von dort entfernten, und außerdem aus den Leuten des Hauses: aus Frau von Charost, Frau von Luynes, aus der Marquise von Lambert, aus dem Cardinal von Polignac, dem ersten Präsidenten von Mê

Die Herzogin von Maine war die Seele des Zirkels. Ihr Gemahl hatte vielleicht mehr Geist, als sie, aber er zeigte nicht so viel. Die Gewohnheit, von seiner Frau beherrscht zu werden, nöthigte ihn, Alles in sich einzuschließen. Wenn sie nicht da war, wurde er liebenswürdiger.

Ich erinnere mich an ein Wort, welches ich von ihm gehört habe, und welches mir sehr auffallend gewesen ist.

– Nur eine einzige Person auf der Welt hat mich genau gekannt. Ich bin niemals wirklich ich selber gewesen, als bei ihr.

Ich glaube, daß er hierin die Wahrheit sagte.

Die Herzogin von Maine bewahrte ungeachtet ihrer Bedrängnisse dieselbe Heiterkeit, denselben Durst nach Vergnügen. Es war unmöglich, mehr Beredsamkeit, mehr Scherzhaftigkeit, mehr wahre Höflichkeit zu besitzen, aber sie ließ ihre Gnade durch eine Ungerechtigkeit, durch einen Stolz und eine Tyrannei ohne Beispiel erkaufen. Man mußte ihr durchaus gehorchen: man durfte kein anderes Geschäft haben, als sie zu unterhalten.

Unter dieser Bedingung billigte sie und ließ alles Uebrige hingehen.

Auch als ich nach meinem Bruche ganz zerknirscht bei ihr ankam, rief sie mir aus der Ferne, sobald sie mich erblickte, zu:

– Man sagt, daß Sie traurig sind, Madame, ich hoffe, das ist nicht der Fall, nicht wahr?

– Wenn ich traurig gewesen wäre, Madame, würde ich die Traurigkeit bei Ihrer Hoheit vergessen.

– Ist das gewiß?

– Ja, Madame, und Ihre Hoheit thun mir Unrecht, wenn Sie mich zweimal fragen.

– Nun, Präsident, Sie, der Sie sie hierher geführt haben, ich hoffe, Sie haben sie von ihrem Bedauern geheilt. Sie bedauern einen Langweiligen, Marquise! Ah! das würde ich Ihnen nicht verzeihen.

– Oh! Madame, versetzte ich, es ist vielleicht kein Langweiliger, den ich bedaure, sondern ein Gelangweilter.

– Was das betrifft, Madame, das haben wir alle zu erwarten, es ist das Ende von Allem.

Man schmeichelte mir, man empfing mich wie den verlornen Sohn. Larnage war auch da. Wir hatten uns seit langer Zeit nicht gesehen. Er liebte mich noch immer, und ich liebte ihn jedesmal, wenn mich nicht eine gefährliche Neigung von seiner Seite wegführte. Dieser Jüngling war mein guter Genius. Wenn ich ihn geheirathet hätte, wäre ich die rechtschaffenste und glücklichste Frau von der Welt gewesen. Dies konnte dem Anscheine nach nicht sein, und mein Weg war anders vorgezeichnet. Man gab mir ein Zimmer nach meinem Geschmack neben der Frau von Staal, die seit ihrer Gefangenschaft in der Bastille keine von ihren Functionen im Haushalte der Prinzessin erfüllte. Indessen beklagte sie sich sehr über ihre Herrin, und so viel ist gewiß, daß sie sie nicht behandelte, wie eine Person, die so viel gelitten und sich so ergeben gezeigt, ein Recht hat, es zu fordern.

An demselben Abend war ich bei einer Art von Komödie zugegen, und man kündigte uns noch andere an. Voltaire, der lange sein Leben bei der Marschallin zugebracht hatte, in die er verliebt war, kam zuweilen nach Sceaux. Gerade an diesem Tage geschah es auch, und die Herzogin bestellte ein Stück bei ihm, welches er nicht nur zu machen, sondern auch zu spielen versprach.

Ich fand gleichfalls den Grafen von Toulouse bei seinem Bruder. Nach dem Tode des Regenten hatte er seine Ehe mit der Marquise von Gondrin, Fräulein Noailles, erklärt, die er seit mehreren Jahren liebte und die er insgeheim geheirathet hatte. Dies war eine schöne Liebe. Frau von Gondrin besaß tausend gute Eigenschaften, unter welchen sich besonders die des Herzens auszeichneten.

Was den Grafen von Toulouse betrifft, der war ein redlicher Mann und ein großer Seigneur im vollen Sinne des Worts. Er hatte keinen ausschweifenden Geist, wie sein Bruder, dagegen hatte er eine Loyalität, eine Rechtschaffenheit und Ritterlichkeit, ebenso unverwundbar wie die der alten Helden. Er hatte vom Könige Alles, was er Gutes an sich hatte, und nur wenig von seiner Mutter, außer dem bezaubernden Lächeln der Mortemarts.

Er wohnte gewöhnlich in Rambouillet, wohin der König ohne Aufhören ging, auch sah man ihn sehr wenig in Sceaux: Es war ein außerordentlicher Aufenthalt. Er bat beständig den Herzog und die Herzogin von Maine, zu ihm zu kommen, aber es geschah auf solche Art, daß sie es ausschlugen, da der König sie nicht gern sah und der Cardinal eine solche Zusammenkunft fürchtete. Er fürchtete ihre Intriguen, ihr beständiges Verlangen nach Macht, den Durst nach dem Throne, der sie verzehrte. Frau von Maine sagte in den Tagen ihres Vertrauens völlig richtig:

– Ich würde nie einen Bastard geheirathet haben, wenn ich nicht gehofft hätte, daß er oder seine Kinder eines Tages Ansprüche an die Krone haben würden. Er ist am Ende doch der Sohn des verstorbenen während unser kleiner Ludwig der Fünfzehnte vielleicht der Sohn eines Nangis oder eines Malezieu ist. Die Herzogin von Burgund war noch nicht so sicher.

– Niemals wurde ein Wort von dem Herzog von Maine vor irgend einer Person in dieser Hinsicht ausgesprochen. Er war die persönliche Verstellung und Zurückhaltung. Er war nicht immer bei den großen Festen zugegen, aber er fehlte nicht bei den kleinen. Wer ihn nicht kannte, hätte bei seinem sanften Wesen, bei der Schwäche seines. unentschlossenen Charakters seine Tiefe, seine Pläne und seinen verzehrenden Ehrzeiz nicht errathen lassen.

Frau von Etaal hat mir erzählt, daß er ganze Nächte damit hingebracht, wie ein Wüthender im Park umherzuwandern, seine Mutter und den König zu verfluchen, der ungeachtet seiner Macht seine Stellung nicht unantastbar machen konnte, und unaufhörlich die Worte ausgerufen:

– Bastard! Ich bin ein Bastard!

Niemand war Zeuge von diesen Scenen, und wenn man ihn zufällig so reden hörte, hütete man sich wohl, es ihn errathen zu lassen.

Ich hatte meinen Tag schlecht gewählt, denn am Tage nach meiner Ankunft reiste man nach Sorel und Anet ab, zwei der hübschesten Oerter in der Welt, wohin sich der Hof von Sceaux bei der großen Sommerhitze begab. Frau von Ribé

Sie hatte sich sehr erkältet und war fieberhaft, aber darum kümmerte sie sich nicht, sie ging doch überall hin. Die Fürsten haben eigens gebildete Körper. Wenn sie wie wir gebaut wären, würden sie keine so unglaubliche Heldenthaten verrichten können, wie sie es thun. Frau von Maine, so groß wie ein Kind von zehn Jahren, war stärker als ein Mann von sechs Fuß.

Am Tage nach unserem Platzregen fand eine große Jagd im Walde statt, wozu man sich entschließen mußte. Wir erlebten zwei Gewitter nach einander. So lange der Donner währte, verbarg sich Ihre Hoheit in der Hütte eines Wildhüters; wenn es aber blos regnete, blieb sie in ihrem Wagen, ungeachtet dieser Erkältung, und ließ sich bis auf die Haut durchnässen, indem sie herzlich lachte. Ich lachte nicht, denn ich fand wenig Gefallen an dieser Unterhaltung.

So hatten wir mehrere Tage lang, Wasserpartien und sehr heitere Soupers, wobei Frau von Maine leidenschaftlich spielte. Ich war sehr unglücklich darin und floh den Tisch, wobei sie mich immer zurückhielt. Man mußte ihr immer ihren Willen thun, welcher derselbe auch sein mochte, und wenn man sich ihr gleich widersetzte.

Eines Abends wann wir beschäftigt, die Vorlesung eines hübschen Gedichts in Versen von einem ungenannten Verfasser anzuhören, und die Herzogin suchte uns zu dem Glauben zu bringen, daß sie oder der Herzog von Maine dieser ungenannte Verfasser sei. Ich muß gestehen, daß es reizend war. Man brachte einen Brief, den ein gestiefelter und von der Reise sehr beschmutzter Courier eben abgegeben und um eine Antwort gebeten hatte.

– Ah! sagte die Prinzessin, er ist von Herrn von Voltaire. Was will er?

Ich habe versäumt zu sagen, daß er uns nicht nach Anet begleitet hatte, und daß er in Sceaux geblieben, das heißt nach Paris zurückgekehrt war.

– Er wird kommen, fügte sie hinzu, nachdem sie gelesen hatte, wird Madame du Châ

Sie gab der Frau von Staal ein Zeichen, die ihr als Secretair diente, und ertheilte ihr Befehle.

Die Vorlesung wurde fortgesetzt; es war später nur von Voltaire und von der schönen Emilie die Rede., Es war der Anfang ihrer Liebe, flammend, göttlich und astronomisch, wie sie war. Sie hatte ihrem Geiste Gewalt angethan und er hatte sich mit ihr in die Wolken erhoben, um in Gesellschaft den Mond und die Sterne anzusehen. Sie stiegen dennoch auf die Erde herunter, wenn es ihnen gefiel, und dann benahmen sie sich seltsam genug, wie wir sogleich, sehen werden.

In den folgenden Tagen beschäftigte man sich noch mit diesen beiden Personen, und als sie dann nicht erschienen, waren die Eindrücke nicht von langer Dauer an diesem Hofe, und man dachte nicht mehr an sie. Die geringste Kleinigkeit, die sich ereignete, machte, daß man die vorhergehende vergaß.

Plötzlich, in dem Augenblick, als man nicht daran dachte und sich von der Tafel entfernte, sah man sie wie zwei Gespenster mit dem Geruche einbalsamirter Leichen erscheinen. Es war Mitternacht. Eine hübsche Stunde, sich bei einer solchen Gelegenheit zu zeigen. Aber sie sind immer so außerordentlich gewesen; Voltaire hatte das Wesen und Benehmen seiner Emilie angenommen. Vor allen Dingen will ich nicht verfehlen, ihr Portrait zu zeichnen. Ich habe es nach der Natur entworfen, und es ist von einer Ähnlichkeit, wovon alle Welt betroffen war.

»Man stelle sich eine große und trockene Frau mit geröthetem Teint, eckigem Gesicht und spitzer Nase vor; das ist die Figur der schönen Emilie, mit welcher sie so zufrieden ist, daß sie Alles aufwendet, um sie geltend zu machen: Federn, Quasten, Glasperlen, Edelsteine, Alles ist in Ueberfluß vorhanden; da sie aber der Natur zum Trotz schön und dem Vermögen zum Trotz reich gekleidet sein will, ist sie genöthigt, das Nothwendige, als Hemden und andere Kleinigkeiten, aufzugeben, um sich dieses Ueberflüssige zu verschaffend.

»Sie hat ziemlich viel natürlichen Verstand. Das Verlangen, noch mehr zu haben, macht, daß sie das Studium der abstrusesten Wissenschaften den angenehmen Kenntnissen vorzieht. Durch diese Seltsamkeit glaubt sie einen größeren Ruf und eine entschiedene Ueberlegenheit über alle Frauen zu erlangen.

Sie hat sich nicht auf diesen Ehrgeiz beschränkt, sie hat Prinzessin sein wollen; sie ist es geworden – nicht durch die Gnade Gottes, nicht durch die des Königs, sondern durch ihre eigene. Diese Lächerlichkeit hat man ihr hingehen lassen, wie die anderen; man hat sich gewöhnt, sie wie eine Theaterprinzessin anzusehen, und man hat fast vergessen, daß sie eine Frau von Stande ist.

»Madame ist mit so vieler Anstrengung bemüht, zu scheinen, was sie wirklich ist. Selbst ihre Fehler sind ihr vielleicht nicht natürlich; man konnte sie ihren Ansprüchen, ihrer geringen Rücksicht und ihrem Stande als Prinzessin, ihre Magerkeit ihrem Berufe als Gelehrte und ihre Unverschämtheit ihrer Rolle als elegante Frau zuschreiben.

»So berühmt auch Madame du Châtelet sein möchte, würde sie doch nicht zufrieden sein, wenn sie nicht gefeiert würde, und dahin ist sie gekommen, indem sie die erklärte Freundin des Herrn von Voltaire geworden. Er ist es, der ihrem Leben Glanz verleiht, und, ihm wird sie die Unsterblichkeit verdanken.«

Dieses Portrait wurde gerade bei der Herzogin von Maine entworfen, wo es die allgemeine Billigung erhielt. Man nahm von allen Seiten Abschriften davon, ohne daß aber eine davon zu Voltaire oder zu Madame du Châtelet bei Lebzeiten dieser gelangte. Nach ihrem Tode zeigte d'Argental, der eine Abschrift davon aufbewahrt hatte, dieses Meisterstück dem trostlosen Wittwer, der es aufmerksam las und in bedächtigem Tone zu seinem Engel sagte:

– Madame Du-Deffand ist eine Malerin; sie hatte meiner Treu Recht.

Und er sprach von anderen Dingen.

Um auf diese Reise und auf ihre Ankunft zurückzukommen, das war ein Theatercoup. Sie bedurften eines Abendessens, sie bedurften der Betten, und dafür war nicht gesorgt. Der Portier mußte aufstehen, und mehrere Personen wurden in ihrer Ruhe gestört. Es fand ein Umzug statt und es wurden Klagen erhoben, welche tausend Stürme erregten.

Madame du Châtelet machte selber ihr Bett, so sehr waren die Leute beschäftigt, auch that sie es, um sich eine Miene der gefälligen Einfachheit zu geben. Sie machte es so gut, daß sie sich nicht hineinlegen konnte, und am folgenden Morgen hielt sie uns lange Vortrage über die Proportionen und über das Niveau und was weiß ichs; ich verstand nichts davon und die Andern eben so wenig.

Man hatte ihr nur vorläufig ein Zimmer gegeben; der Marschall von Maillebois ging nach Paris und sollte ihr das überlassen, welches er inne hatte. Am folgenden Morgen verlangte sie ein anderes, dann wieder ein anderes und so versuchte sie es mit vieren nach einander. Das Schöne dabei war, daß sie aus jedem die Tische mitnahm, welche sich darin befanden, um sie endlich in diesem letzte gewählten zu vereinigen; sie bedurfte Tische von allen Formen: für ihre Reisenecessaire, für ihre Papiere, für ihre Bücher, für ihre Quasten und Troddeln und für ihre Pomaden.

Sie machte einen Lärm, so daß sie die Siebenschläfer hätte erwecken können, wegen einer Tintenflasche, die über ihre Rechenexempel ausgeschüttet worden; sie beklagte sich über den Lärm, doch hatte sie selber die seltsamsten Tollheiten.

Frau von Staal trat eines Morgens wie eine Wahnsinnige lachend in mein Zimmer und sagte:

– Meine Königin, können Sie errathen, was Madame du Châtelet gegenwärtig macht?

– Wahrscheinlich beschäftigt sie sich mit Ziffern und Planeten.

– Durchaus nicht: sie macht eine Uebersicht ihrer Grundsätze. Es ist eine Uebung, die sie jedes Jahr wiederholt, sonst könnten sie ihr entwischen und so weit fortgehen, daß man keinen einzigen wiederfinden würde.

– Ich glaube es wohl! Ihr Kopf ist ein Gefängniß für jene; es ist nicht der Ort ihrer Geburt, und man muß sie sorgfältig überwachen.

Weder sie noch Voltaire zeigten sich anders, als bei anbrechender Nacht. Sie arbeiteten den ganzen Tag, und man bemerkte sie nur beim Abendessen; sonst servirte man ihnen in ihrem Zimmer.

– Wenn Mademoiselle de Breteuil sich in der Madame du Châtelet, auf diese Weise gesattelt, sehen könnte, würde sie es nimmer glauben, sagte,die Herzogin von Maine, die dieses regelwidrige Benehmen nicht leiden konnte und dessen überdrüssig zu werden begann.

Sie wiederholten und ließen eine Art Posse wiederholen, die Voltaires unwürdig war, die sie uns vorstellten und die wir in Sirey wiederfinden werden. Die Schauspieler waren erträglich, Voltaire vortrefflich, und die schöne Emilie hielt sich dadurch, daß man ihr immer wiederholte, daß sie klein und korpulent sei, was einen seltsamen Gegensatz zu dieser laugen und dürren Stange bildete.

Sie spielte die Rolle eines Mädchens Namens Mademoiselle de la Cochonniere. Man trug mir die Rolle ihrer Gouvernante Barbe an, aber ich lehnte diese Ehre ab. Ein gewisser Vanture, den Frau von Maine immer Bonaventure nannte, spielte Boursouflé. Da er nun aber selber sehr aufgeblasen war, so stellte er die Aufgeblasenheit zu natürlich dar und war durchaus nicht unterhaltend. Da der Gegenstand im höchsten Grade forcirt war, so mußte auch Alles wie der Gegenstand sein. Ein gewisser Herr Pins, Intendant der Herzogin von Estrées, stellte einen Dieb im kleinen Maßstabe, Namens Mandrin, als einen ehrlichen Mann dar. Die übrigen Rollen waren dem Ganzen untergeordnet; als Posse war es nicht übel, aber es that mir leid, daß sie dem großen Namen Voltaires zugeschrieben wurde. Er veredelte denselben ein wenig durch ein Sprichwort, welches er selber mit Madame Dutour, der Narbe der Mademoiselle de la Cochonniere, aufführte. Man war mit dem Abend sehr zufrieden, man lachte ziemlich viel, und man unterhielt sich, wie man sich an diesem Hofe unterhielt, indem man viel über Andere spottete.

Die besten Personen unter denen, die sich dort befanden, waren die Herzogin von Saint-Pierre und die Herzogin von Estrées. Man erwies ihnen alle Aufmerksamkeiten. Man hielt sich darüber auf, daß Herzoginnen in Sceaux der Herzogin von Maine den Hof machten! Diese unglückliche Bastardin hatte unter der vorhergehenden Regierung und zu Anfang der Regentschaft so viele Abenteuer gehabt! Der Herzog, von Saint-Simon und andere Emporkömmlinge hatten sich wegen dieser Würde auf so hohe Stelzen erhoben, weil der Hof von Sceaux, sie dorthin rief, um sie zu einem Gegenstande des Gelächters zu machen.

Am Tage nach der Komödie verließen uns Voltaire und seine Urania, und der Herzog von Richelieu wollte sie sehen, ehe er sich nach Genua begab. Beim Scheiden erzählten sie mir, daß sie nach Lothringen abreisten, um sich dort niederzulassen.

– Wir entsagen der Welt, Madame; wir wollen uns in der Einsamkeit niederlassen, um uns den Künsten und der Freundschaft zu widmen. Sie werden, uns besuchen, nicht wahr?

– Gewiß, antwortete ich, sehr neugierig, dieses tête-à-tête und ein von diesen beiden Geschöpfen geleitetes Haus zu sehen.

– Wir laden wenigstens nicht alle Welt ein; wir sind sehr difficil und werden es immer sein. Man wird uns bitten, dorthin kommen zu dürfen, zweifeln Sie nicht daran.

– Ich zweifle nicht daran, und ich danke Ihnen, Madame. Was Sie betrifft, Herr von Voltaire, Sie kennen meine Bewunderung für Sie.

Sie reisten sehr früh ab, und man sah sie nicht wieder. Dann fand ein Concert von Kritiken auf ihre Rechnung statt, welches erst in fünf oder sechs Tagen ein Ende nahm. Frau von Maine konnte nicht darüber schweigen.

– Ich lasse Voltaire dies Alles hingehen, er kann nicht dafür; er ist der Sohn eines Notars, und unsere Lebensweise ist ihm unbekannt; aber Madame du Châtelet, Mademoiselle de Breteuil!

– Madame, versetzte ich, es ist gerade deshalb. Herr von Breteuil hat sein Fräulein Tochter in den Gewohnheiten der Intendanten der Provinz und der Magistratur von Paris unterrichten können, aber mit denen des Hofes ist er unbekannt.

Er hat ihn wenigstens aus der Dachluke angesehen. Er hat offenbar sein ganzes Leben lang gute Gesellschaft empfangen und gesehen. Reden Sie mir nicht davon, ich werde nimmermehr dieses Wesen und Benehmen als Göttin der Bourgeoisie verdauen. Der Geist Voltaires dient ihr als Regenschirm; man hat nichts darüber zu sagen, ich wiederhole es, er würde sich auf den Tisch setzen, was ich ihm hingehen lassen würde, aber ihr nichts!

Frau von Maine konnte Madame du Châtelet nicht leiden. Uebrigens war es überall gleich, und der größte Geist des Jahrhunderts hatte hierin einen seltsamen Geschmack. Das Schlimmste war, meiner Meinung nach, daß sie lächerlich und langweilig war.

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06 aralık 2019
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