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Kitabı oku: «Memoiren einer Favorite», sayfa 41

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Dreizehntes Capitel

Zum Unglücke stachelten die äußern politischen Ereignisse diese energische Seele, die nicht ohne Leidenschaften leben konnte und von dem Bedürfnisse zu lieben oder zu hassen, verzehrt ward, bald wieder zu der Wut an, die nur einen Augenblick vom eigenen Schmerz gelindert worden war.

Die Reaktion des 9. Thermidor, welche diejenigen vernichtete, die am meisten zur Hinrichtung Ludwig des Sechzehnten und Marie Antoinettes beigetragen, hatte Marie Karolinen eine momentane Erleichterung gebracht.

Diese Reaktion schien jedoch den revolutionären Armeen ein Signal zur Verdoppelung ihrer Energie zu sein. Meine Notiztafeln tragen noch heute das Datum der Siege der republikanischen Generale, welche Siege ich verzeichnete, so wie mir von denselben Kunde erhielten und uns dieselben in Erstaunen setzten, denn da Frankreich rings von Feinden umgeben war, so schien es uns leicht besiegbar.

Die Österreicher, die in das Innere Frankreichs gedrungen waren, ließen sich am 16. August vom General Scherer die Festung Guesnoy und am 27. August vom General Pichegru die Stadt Valenciennes wieder nehmen. Am 30. öffnete Condé den französischen Armeen wieder seine Tore. Landrecies war schon am 30. April wieder genommen worden, so daß von vier, von den Armeen des Kaisers eroberten Orten diesem auch nicht einer mehr blieb.

An der Grenze Spaniens standen die Sachen wenig besser. Fontrabie und St. Sebastian wurden von dem General Mancey besetzt und das Fort Bellegarde war soeben in die Hände des Generals Dugommier gefallen.

Der General Jourdan, welcher die Armee der Sambre und Maas befehligte, machte seinerseits Fortschritte, die uns in große Unruhe versetzten. Nachdem er sich zum Herrn von Aachen gemacht, hatte er am 2. Oktober die Schlacht von Aldenhoven gewonnen, am 3. hatte er Julliers genommen, hierauf nach der Reihe Andernach, Coblenz, Mastricht, Köln und dies alles, während Pichegru Nymwegen nahm und Amsterdam, aus welchem der Statthalter entfloh, besetzte und sich der holländischen Flotte bemächtigte, die zwischen dem Eis des Texel gefangen lag.

Endlich ward ein Friedensvertrag am 9. Februar 1795 zwischen Frankreich und Toscana geschlossen, wodurch der französischen Republik Aufnahme in das politische System Europas zugestanden ward.

Die Königin ließ den General Acton eine Tabelle der französischen Heere zu Anfang des Jahres 1795 aufsetzen, und aus dieser Tabelle ging hervor, daß Frankreich am 1. März acht Landarmeen hatte: die Nordarmee, die vom General Moreau befehligt ward, die Armee der Sambre und Maas, vom General Jourdan befehligt, die Mosel- und Rheinarmee unter dem General Pichegru, die Armee der Alpen und Italiens unter Kellermann; die der östlichen Pyrenäen unter Scherer; die Armee der Westküsten unter Cancloux und endlich die Armee der Küsten von Brest und Cherbourg unter Hoche.

Diese furchtbare Haltung brachte an dem spanischen Hofe noch eine größere Wirkung hervor, als am neapolitanischen, denn König Carl der Vierte, der Bruder des Königs Ferdinand, beschloß mit Frankreich in Unterhandlung zu treten und am 22. Juli 1795 ward der Friede unterzeichnet.

Einen Monat vorher von diesem Abfall Carl des Vierten durch die Königin unterrichtet, teilte Sir William Hamilton seinerseits die Nachricht der englischen Regierung mit, so daß diese in Voraussehung dieser Feindseligkeiten die nötigen Schritte tun konnte.

Plötzlich kam die Nachricht vom Tage des 13. Vendemiaire – ich bediene mich dieser revolutionären Bezeichnung, weil die Geschichte sie geheiligt – hat nach Neapel und nannte zum zweiten Male den Namen Bonapartes.

Nur war der Bataillonschef seit dem 19. Dezember 1794 bis zum 4. November 1795 General geworden.

Bonaparte rettete den Convent, indem er die Sectionen auf den Stufen der Kirche St. Roch niederschmetterte.

Dieser Sieg über den Bürgerkrieg und die Gunst des Generals Barras verschafften ihm in wenigen Monaten den Oberbefehl über die italienische Armee.

Der Hof zu Wien hielt Frankreich für wahnsinnig, daß es sein Schicksal einem jungen Mann von sechsundzwanzig Jahren anvertraute, der erst durch zwei Siege, die er über Franzosen davongetragen, bekannt geworden.

Die Königin erhielt einen Brief von ihrem Neffen. Alle alten Generale Österreichs lachten vor Mitleid, als sie das Kind sahen, welches man ihnen, den ausgezeichnetsten Kriegsmännern, entgegenstellte!

Und was war auch der Ruhm des Generals Bonaparte neben dem Ruhm eines Beaulieu, eines Wurmser, eines Alvinzi und eines Prinzen Carl!

Wir erwarteten mit Ungeduld den Beginn des Feldzuges. Österreich hatte fünf Armeen, also ungefähr achtzigtausend Mann. Bonaparte rückte mit sechsunddreißigtausend Mann über Savone Beaulieu entgegen, der ihm seinerseits mit fünfzigtausend Österreichern entgegenmarschierte.

Fast zu derselben Zeit erhielten wir die Nachricht von den Schlachten bei Mottenotte, Millesimo und Dego.

Unsere Bestürzung war groß, denn Beaulieu war in jedem dieser drei Treffen geschlagen worden. Er hatte sechstausend Tote und achttausend Gefangene und zehn oder zwölf Kanonen verloren.

Noch schlimmer aber war es, als man erfuhr, daß die sardinische Armee, von der österreichischen getrennt, ihrerseits bei Mondovi geschlagen worden war, daß 10 000 Österreicher mit 18 Kanonen auf der Brücke zu Lodi von 2000 Franzosen, die ebenfalls von Bonaparte befehligt wurden, bezwungen und in die Flucht geschlagen worden, daß der General Massena in Mailand eingezogen und daß in Paris zwischen der französischen Republik und dem König von Sardinien ein Vertrag geschlossen worden, in welchem der König Savoyen, Nizza und Tenda an die Republik abtrat, den Armeen derselben Durchzug durch seine Länder gestattete, ihr seine festen Plätze überließ und in die Zerstörung von Susa und Brunette willigte.

Wie man sich leicht denken kann, ist es meine Absicht nicht, diesem Feldzug in seinen Einzelheiten zu folgen. Ich will einfach die Tatsachen nennen und eine schwache Schilderung der Wirkung geben, die sie hervorbrachten. Wurmser, der Beaulieu folgte, ward bei Castiglione, Roveredo, Bassano geschlagen und gezwungen, sich in Mantua einzuschließen. Alvinzi, den man ihm zu Hilfe schickte, ward bei Arcole und Rivoli geschlagen. Und endlich erlitt Prinz Carl, der ihnen folgte, überall, wo er hinkam, ebenfalls Niederlagen.

Dies alles in einem Jahre.

Toscana und Sardinien hatten bereits Frieden mit Frankreich geschlossen. Dies taten nun auch der Herzog von Modena und der Papst. Venedig, welches die Franzosen bereits vor seinen Toren sah, befahl dem Bruder des Königs, der seit dem Tode des Dauphins den Titel Ludwig der Achtzehnte angenommen, Verona und die Staaten der Republik zu verlassen.

Von diesem Augenblicke an folgten die Ereignisse mit erschreckender Schnelligkeit aufeinander. Der General Massena nahm Klagenfurt, Hauptstadt von Kärnthen, der General Bernadotte nahm Laibach, Hauptstadt von Krain. Endlich rückte Augereau in Venedig ein, stürzte die alte Regierung und setzte an ihre Stelle eine demokratische Municipalität ein.

Die Situation war um so ernster für uns ich sage uns, so sehr hatte ich mich mit der Königin identifiziert und so sehr bildeten der König und Sir Hamilton eine Person die Situation war um so ernster für uns, als der Hof von Neapel nicht aufgehört hatte, den Sieger zu reizen, indem man Österreich Hilfe schickte, was jedoch nichts zu bedeuten gehabt hätte, wenn man nicht außerdem furchtbare Manifeste gegen Frankreich erlassen hätte.

Bei diesen Manifesten tat der König gewöhnlich weiter nichts, als daß er seinen Namen darunterschrieb und oft drückte man nur, anstatt seiner Unterschrift, den Stempel darauf, der dieselbe ersetzen sollte. Diese Manifeste wurden von dem General Acton, dem Fürsten Castelcicala und der Königin ausgearbeitet, und da die Königin ziemlich schlecht schrieb, so führte ich fast immer die Feder.

Ich habe mehrere dieser Manifeste aufbewahrt und nach der Heftigkeit derselben wird man die gefährliche Stellung, in welche der Hof von Neapel sich der französischen Regierung gegenüber gebracht, beurteilen können.

»Nichts kann vor unseren Augen Gnade für diese Franzosen finden lassen, die ihren König gemordet, ihre Tempel verwüstet, ihre Priester verbannt und getötet, ihre besten und größten Bürger umgebracht, kurz, die nicht nur alle Gesetze der menschlichen Gesellschaft, sondern auch alle Gesetze der Gerechtigkeit umgestoßen haben, und die, mit ihren eigenen Verbrechen nicht zufrieden, sie auch zu den Besiegten oder den Nationen, die leichtgläubig genug gewesen sind, sie als Freunde aufzunehmen, verpflanzt und zur Blüte gebracht haben.

Die seinerzeit ermatteten Völker aber haben sich nun erhoben, um sie zu vernichten. Ahmen wir das Beispiel dieser gerechten und mutigen Verteidiger nach; vertrauen wir auf die göttliche Hilfe und unsere Waffen, und in allen Kirchen sollen Gebete gehalten werden. Und Ihr, fromme Neapolitaner, betet zu Gott um Frieden im Königreiche, höret die Stimme eurer Priester, folget ihrem Rate, sei es, daß sie denselben von der Kanzel herab oder im Beichtstuhl verkündigen.«

»Und da in allen Gemeinden Listen für Freiwillige ausliegen, so mögen alle Waffenfähigen ihre Namen auf diese Ehrenregister schreiben. Bedenkt, daß es die Verteidigung des Vaterlandes, des Thrones, der Freiheit, der dreimal heiligen christlichen Religion gilt! Bedenkt, daß es sich um eure Frauen, eure Kinder, eure Güter, die Freuden des Lebens, die väterlichen Sitten, die Gesetze eurer Ahnen handelt! Ich werde der Genosse eurer Gebete und Kämpfe sein. Wer würde nicht den Tod einem Leben vorziehen, welches man nur auf Kosten der Freiheit und Gerechtigkeit erkaufen kann!«

Dann wendete sich der König oder vielmehr die, welche in seinem, Namen schrieben, an die Bischöfe, Pfarrer, Beichtväter und Missionare folgendermaßen:

»Unser Wille ist, daß in allen Kirchen beider Königreiche vierzigstündige Gebete und Bußpredigten gehalten werden sollen, um von Gott den Frieden unserer Staaten zu erflehen und deshalb sollt ihr am Altar, von der Kanzel, im Beichtstuhl den Neapolitanern und Einwohnern unseres Landes ihre Christen- und Untertanenpflichten ins Gedächtnis zurückrufen, damit sie Gott ein reines Herz und dem Vaterland einen Arm darbieten können, der für die Verteidigung der Religion und des Thrones gerüstet ist.

Zeiget euren Beichtkindern die Irrtümer, in welche die Franzosen geraten sind, die Lügen der Tyrannei, die sie Freiheit nennen, die Ketzereien und noch schlimmeren Verbrechen der französischen Armeen und endlich die allgemeine Gefahr. Regt das Volk durch Prozessionen und andere heilige Zeremonien auf und schildert allen auf deutliche Weise, daß eine Revolution, welche die menschliche Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert, die Pfeiler derselben, die Kirche und den Thron, vernichtet.«

Diese Proklamation ward unter Trompetenschall in allen Straßen und Kreuzwegen Neapels verlesen, an allen Mauern angeschlagen, in allen Kirchen weiter ausgelegt. Die vierzigstündigen Gebete wurden im ganzen Königreich verkündigt und begannen sogleich in der Hauptkirche, nämlich in der des heiligen Januarius.

Die Priester, das muß man sagen, unterstützten die Königin in ihren Absichten, sei es nun aus Überzeugung, sei es aus Fanatismus, auf das Beste. Der König und die Königin begaben sich unter großem Pomp in die Kathedrale, von den Ministern, den Höflingen, den Magistratspersonen, kurz von allen Personen begleitet, die auf irgend eine oder die andere Weise von der Regierung abhingen.

Das Volk folgte dem ihm gegebenen Beispiel und die Kirchen waren so mit Menschen überfüllt, daß es unmöglich war, die Straßen zu passieren, da es ja nur wenig Straßen in Neapel gibt, in denen keine Kirche sich befindet, so daß die Menschen, die nicht mehr in die Kirchen konnten, vor den Türen beteten.

Von diesem Augenblicke an wurden die Franzosen den Neapolitanern als Diebe, Mörder, Räuber, Ketzer und vom Bannstrahle Getroffene geschildert, gegen die man weder Treu noch Glauben zu halten brauchte, die man wie Geächtete verfolgen, von hinten überfallen, am Herd der Gastfreundschaft vergiften, während ihres Schlafes worden, kurz wie tolle Hunde umbringen könnte.

So weit führt die Verblendung der Leidenschaft, daß auch ich die Wut gegen eine Nation teilte, die ich später um ein Asyl anflehte und die es mir gewährte, während England, für welches ich so viel getan, mir ein Stück Brod verweigerte!

Übrigens wird der Leser meine Gefühle aus einigen Briefen von mir erkennen, die ich anführen und an denen ich kein Wort ändern werde.

Eine Klasse der Gesellschaft in Neapel aber gab es, die diesen Haß gegen die Franzosen nicht teilte und folglich auch nicht in die Gebete einstimmte, die man gegen die Franzosen zum Himmel schickte.

Es war dies die freie, unabhängige, unterrichtete Klasse des sogenannten Mezzo ceto, das heißt die Juristen, Ärzte, Philosophen, Advokaten und Dichter. Und die Königin, welche die Reue vergaß, die sie nach dem Tode der ersten Opfer, besonders nach dem des Fürsten Caramanico, empfunden, war die erste Person, welche die Staatsjunta reorganisierte und den drei Männern, welche man die Sbirren oder Häscher der Königin nannte, nämlich Vanni, Guidobaldi und Castelcicala, abermals Beschäftigung gab.

Von neuem füllten sich die Gefängnisse und diesmal wurden die ersten Namen von Neapel auf der Liste der Gefangenen verzeichnet.

Inmitten dieser Vorbereitungen nicht nur zu einem Defensiv-, sondern auch zu einem Offensivkriege versetzte uns der Waffenstillstand von Brescia, welcher dem Vertrag von Tolentino mit Pius dem Sechsten voranging, wie ich bereits gesagt habe, in die größte Verlegenheit. In dem Vertrag von Tolentino trat der heilige Vater Bologna, Ferrara und die Romagna an Frankreich ab, wobei den abgetretenen Ländern das Recht zuerteilt ward, republikanische Verfassungen anzunehmen, was sie auch sogleich taten, nachdem ihre Abtretung erfolgt war.

So rückte die Gefahr, welche die Königin für fern gehalten, immer näher. Die Franzosen wichen zwar zurück, die revolutionären Prinzipien aber machten einen Schritt vorwärts, der Gedanke, stärker als die Menschen, faßte Wurzel an den Orten, die sie verließen.

Der General Acton und die Königin sahen ein, daß kein Augenblick zu verlieren war. Sie mußten, daß das Direktorium in Bonaparte drang, an dem Königreich beider Sizilien Rache zu nehmen und daß dieser geantwortet hatte:

»Jetzt sind wir noch nicht mächtig genug, um dieser Rache die nötige Furchtbarkeit zu verleihen; es wird aber ein Tag kommen, wo Neapel seine vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Schändlichkeiten bezahlen muß, und ich stehe dafür, daß der König Ferdinand und die Königin Karoline nichts dadurch verlieren werden, daß sie ein wenig haben warten müssen.«

Diese Antwort war dem Hofe von Neapel wörtlich mitgeteilt worden, und obgleich die Rache noch einige Zeit aufgeschoben ward, so fürchtete sich der König doch so vor diesem Damoklesschwert, welches über seinem Haupte schwebte, daß er den Prinz Belmonte mit dem Auftrag an Bonaparte schickte, um jeden Preis einen Friedensvertrag abzuschließen.

Am 11. Oktober ward der folgende Vertrag von den Bevollmächtigten der beiden Mächte unterzeichnet.

Ich führe denselben hier an, damit der Leser beurteilen kann, in welchen Zustand der Abhängigkeit die Furcht den neapolitanischen Hof der französischen Republik gegenüber versetzt hatte.

Je tiefer man in den Sumpf kommt, desto mehr füllt er sich mit Wasser und je tiefer man das Herz der Königin erniedrigte, desto mehr erfüllte es der Haß. Die Bedingungen des Vertrags waren durchaus nicht zweideutig und folgendermaßen:

»Neapel wird, indem es sich von seinen anderen Verbündeten trennt, neutral bleiben und seine Häfen allen Schiffen derjenigen Mächte, die gegen Frankreich Krieg führen, verschließen.

Höchstens sollen vier der französischen Republik feindselige Schiffe Aufnahme finden.

Man soll allen Franzosen, die aus irgendeiner politischen Ursache gefangen sein könnten, die Freiheit wieder geben.

Es sollen ernstliche Nachforschungen zur Entdeckung der Personen angestellt werden, welche die Papiere des Ministers Mackau gestohlen haben.

Die Franzosen haben die Freiheit, die verschiedenen Kulte auszuüben, zu denen sie sich bekennen.

Mit der französischen Republik werden Handelsverträge unterzeichnet, durch welche Frankreich in den sizilianischen Häfen dieselben Rechte erhält, wie die begünstigten Nationen.

Die batavische Republik wird anerkannt und in diesen Frieden mit inbegriffen betrachtet.«

Außerdem sollte ein Artikel dieses Vertrages geheim bleiben und nur den Unterzeichnenden bekannt werden. Es war der folgende:

»Der König muß der französischen Republik acht Millionen Francs (zwei Millionen Dukaten) bezahlen. Ihrerseits werden die Franzosen, ehe sie sich mit dem Papste verständigen, nicht über die Festung Ancona vordringen, und weder moralisch noch materiell die militärischen Bewegungen Süditaliens unterstützen.«

Vierzehntes Capitel

Die Verhältnisse hatten sich in einem Jahre sehr geändert.

Jener kleine General Bonaparte, über den alle Welt spottete, war nach einem siegreichen Feldzuge, den man den größten Heldentaten eines Alexander, Hannibal oder Cäsar an die Seite stellen konnte, von dem Direktorium »der Mann der Vorsehung« genannt worden und die französische Republik hatte ihm eine Fahne geschenkt, auf welcher mit goldenen Lettern geschrieben stand: »Der General Bonaparte hat fünf Armeen vernichtet, in achtzehn großen Schlachten und siebenundsechzig kleineren Kämpfen gesiegt, hundertsechsundsechzigtausend feindliche Soldaten zu Gefangenen gemacht, hundertsechzig Fahnen zum Schmucke der militärischen Gebäude, tausendhundertachtzig Kanonen für unsere Arsenale, zweihundert Millionen in den Staatsschatz, einundfünfzig Kriegsschiffe in unsere Häfen, Meisterwerke der Kunst zur Verschönerung unserer Galerien und Museen und kostbare Manuskripte für unsere Bibliothek nach Frankreich geschickt und außerdem achtzehn Völker befreit.«

Man wird begreifen, wie sehr diese Ehrenerweisungen, die man unserem Feinde darbrachte, den Hof von Neapel, Sir William und mich erbitterten mich, da ich als Freundin der Königin alle ihre Sympathien und ihren Haß, teilte, und Sir William als englischen Gesandten.

An dem Tage, an welchem die neapolitanische Regierung gezwungen ward, die cisalpinische Republik anzuerkennen, verfiel die Königin in einen Wutanfall, wie ich noch nie gesehen.

Der Friede von Campo-Formio, der zwischen Frankreich und Österreich geschlossen worden, war von großer Wichtigkeit. Frankreich erstreckte nun seine Grenzen von den Alpen bis zum Rhein; Österreich verlor zwar Land, aber gewann an Untertanen; an der Stelle der sich neuerhebenden cisalpinischen Republik fiel die Republik von Venedig und ward das Eigentum des Kaisers.

Der Frieden schien gesichert, Sir William aber lachte in seiner diplomatischen Weise, wenn man von der Dauer dieses Friedens sprach.

»So lange England noch Krieg führt,« sagte er, »kann in der Welt, besonders aber in Frankreich nicht Ruhe werden.«

Die Königin, welche diesen Frieden ebenfalls nicht ernster zu nehmen schien, als Sir William, benutzte die Gelegenheit, um die Hochzeit des Erbprinzen mit der Erzherzogin Clementine zu feiern. Ich werde von diesem Prinzen wenig zu sprechen haben, denn er spielte während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes in Rom eine mehr als untergeordnete Rolle, während ich von der Prinzessin gar nichts sagen werde, denn diese spielte gar keine Rolle.

Der Prinz war damals ein ziemlich großer junger Mann von einundzwanzig Jahren, sehr dick, sehr rosig, sehr geschickt, sehr unterrichtet, sehr listig und sehr schweigsam. Die Augen auf Europa geheftet, verlor er keine der Einzelheiten des großen historischen Dramas, welches sich daselbst abspielte, und dennoch schien er nichts zu sehen. Durch die Heftigkeit seiner Mutter erschreckt, gewöhnte er sich, obgleich er alt und verständig genug war, seine Meinung abzugeben, allen sich darbietenden Fragen fremd zu bleiben, mochten sie auch von der größten Wichtigkeit für den Thron von Neapel und folglich auch für ihn sein, da er der Erbe war. Gleichwie der König inmitten aller dieser Wirren sich mehr mit einer Jagd bei Astrom oder Persano als mit dem Fall oder dem Erstehen einer Republik zu beschäftigen schien, schien der Prinz sich mehr mit den Entdeckungen Meßmers, Montgolfiers und Lavoisiers als mit dem Waffenstillstand von Brescia oder mit dem Vertrag von Tolentino zu beschäftigen. Seine Mutter liebte ihn nicht sehr und erklärte ihn im Vertrauen für ebenso dumm wie seinen Vater.

Der Liebling Marie Karolinens war der Prinz Leopold, der zu dieser Zeit acht oder neun Jahre alt war. Er war auch wirklich ein reizender Knabe, voll von Geist und Witz.

Der dritte Prinz war ein Kind von sechs Jahren, namens Albert, und sehr schwächlich. Wie ich später erzählen werde, hatte ich den Schmerz, diesen Knaben nicht nur sterben, sondern ihn auch in meinen Armen verscheiden zu sehen.

Ein neapolitanisches Geschwader holte die junge Erzherzogin von Triest und führte sie nach Manfredonia, wo sie der Prinz Franz erwartete, obgleich die Hochzeitsfeierlichkeiten erst in Foggia, also fünf bis sechs Meilen weiter im Lande, stattfinden sollten.

Der König und die Königin hatten ihren Sohn begleitet, natürlich war ich auch dabei. Sir William Hamilton war in Neapel geblieben.

Ich war neugierig, die Braut zu sehen, die man mir übrigens als ziemlich unbedeutend schilderte. Das wäre wahr gewesen, wenn eine Blässe, die sich niemals mit dem geringsten Rot färbte, und eine tiefe Melancholie das Gesicht der Prinzessin nicht sehr interessant gemacht hätten. Woher kam diese Traurigkeit und diese Blässe wohl? Nie hat ein Mensch das erfahren. Vielleicht von einer verlassenen, aber nicht vergessenen Liebe am Hofe der Cäsaren, vielleicht war sie auch nur das verhängnisvolle Zeichen, welches denen auf die Stirn gedrückt worden, die jung sterben müssen.

Die Hochzeit ward in der zweiten Hälfte des Monats Juni gefeiert und große Gnaden wurden bei dieser Gelegenheit gewährt. Acton, der erste Minister, ward zum Generalkapitän ernannt. Vierundvierzig vakante Bischofssitze wurden mit vierundvierzig neuen Bischöfen besetzt und damit brachte der König ein großes Opfer, denn so lange die Sitze unbesetzt waren, bezog der König die Einkünfte derselben. Grade und Ordenszeichen wurden den Offizieren verliehen, die sich in dem italienischen Krieg gegen Frankreich erklärt.

Endlich wurden viele Einwohner von Foggia zum Marquis erhoben, hauptsächlich aus dem Grunde, weil man sie für die enormen Kosten belohnen wollte, die sie zur Feier der Hochzeit des Kronprinzen aufgewendet.

Ich habe mich verleiten lassen, dieser Hochzeit bis zu Ende zu folgen, wie unwichtig dieselbe auch für das öffentliche Leben, wie auch für das Privatleben des Prinzen Franz gewesen, und ich habe mich dadurch von den ernsten Ereignissen entfernt, die am römischen Hofe vorgefallen waren und deren Rückwirkung der neapolitanische Hof ein Jahr später erfahren sollte.

Ich meine nämlich die Ermordung des französischen Generals Duphot.

In meiner Stellung konnte mir keine Einzelheit eines solchen Vorfalls unbekannt oder dunkel bleiben.

Ich werde denselben etwas ausführlich erzählen, denn in Folge dieses Vorfalls besetzten die Franzosen Rom, worauf die römische Republik proklamiert ward.

Jetzt, wo ich fern von diesen Ereignissen und dem Haß jener Epoche schreibe, hoffe ich in meiner Erzählung die Unparteilichkeit eines Geschichtschreibers, wenn auch nicht die eines Richters, zu besitzen.

Man wird leicht begreifen, daß, seitdem man die Römer ermächtigt, eine republikanische Verfassung anzunehmen, sich in Rom eine republikanische Partei gebildet hatte.

Diese Partei bestand besonders aus französischen Künstlern, die in der Stadt wohnten. Diese hätten es geradezu für eine Verletzung ihrer Pflichten als Patrioten angesehen, wenn sie nicht durch alle Mittel versucht hätten, für das Regierungssystem, dem sie huldigten, Proselyten zu gewinnen.

Der Bruder Napoleon Bonapartes (Joseph Bonaparte) war Gesandter in Rom. Die Familie war schnell gestiegen, da sie von der mächtigen Hand des Mannes der Vorsehung, wie ihn das Direktorium nannte, unterstützt ward.

Joseph Bonaparte, in dem wir nie den zukünftigen Usurpator des neapolitanischen Thrones vermutet hätten, tat alles, was in seiner Macht stand, um die Republikaner zurückzuhalten, indem er ihnen sagte, daß der günstige Augenblick noch nicht gekommen sei.

Trotz seiner Anstrengungen aber benachrichtigten sie ihn am 26. Dezember 1797, daß eine Bewegung sich vorbereite. Er verabschiedete sie, indem er sie wie immer bat, sich vorderhand dieser Bewegung, wenn sie könnten, noch zu widersetzen.

Sie zogen sich zurück, indem sie versprachen, nach seinen Worten zu tun. Am folgenden Tage benachrichtigte der Chevalier d'Azara, der spanische Minister, Joseph Bonaparte selbst von der beabsichtigten Demonstration.

Und wirklich fand am 23. Dezember diese Demonstration auch statt. Von den Dragonern angegriffen, während eine Kompagnie Infanterie Feuer gab, flüchteten die Republikaner unter die Portale des Palais Corsini, welches der Gesandte bewohnte.

Da das Ereignis, welches hierauf folgte, auf sehr verschiedene Weise erzählt worden ist, so werde ich mich begnügen, hier den amtlichen Bericht Joseph Bonapartes wiederzugeben. Man schickte uns eine Kopie dieses Berichts, und nach demselben schildere ich das Folgende. Da dieses Aktenstück gar nicht oder doch nur sehr wenig bekannt ist, so wird es hoffentlich dem Leser von gewissem Interesse sein.

Ich beginne die Erzählung des Gesandten, wo ich die meinige unterbrochen habe.

». . . . Ein eben ankommender französischer Künstler benachrichtigte uns, daß der Zusammenlauf immer stärker würde, daß er in der Menge wohlbekannte Spione der Regierung unterschieden hätte, welche lauter als die andern geschrieen: ›Es lebe das römische Volk! es lebe die Republik!‹, daß man mit vollen Händen Piaster ausstreue, daß die Straße verstopft sei. Ich trug ihm auf, sogleich hinunterzugehen und den Aufwieglern meinen Willen kund zu tun. Die französischen Militärs in meiner Umgebung fragten, ob sie den Zusammenlauf durch Gewalt zerstreuen sollten und bewiesen mir dadurch ihre Ergebenheit. Ich nahm jedoch die Insignien meines Amtes und bat die Offiziere, mir zu folgen. Ich zog es vor, selbst mit den Aufrührern, deren Sprache ich redete, zu sprechen.

»Als wir mein Kabinett verließen, hörten wir eine längere Salve. Eine Abteilung Kavallerie war, ohne mich davon zu benachrichtigen, in das unter meiner Jurisdiktion stehende Gebiet eingedrungen, hatte dasselbe im Galopp durchritten und in die drei großen Portale des Palais hineingefeuert. Hierauf war die Menge in die Höfe und auf die Treppen gestürzt. Ich kam an Sterbenden, Fliehenden, Tollkühnen und solchen Leuten vorüber, die man bezahlt hatte, damit sie die Demonstration erregen und dann die Teilnehmer angeben sollten. Eine Abteilung Füsiliere war den Reitern gefolgt. Sie begegneten mir auf den Korridoren. Bei meinem Anblick blieben sie stehen. Ich suchte den Chef, er war jedoch in den Reihen versteckt, so daß ich ihn nicht herausfinden konnte. Ich fragte die Soldaten, auf welchen Befehl sie in die Jurisdiktion Frankreichs eingedrungen seien, und forderte sie auf, sich zurückzuziehen, was sie auch taten. Da ich glaubte mit dieser Partei nun fertig zu sein, so wendete ich mich zu den Aufrührern, welche sich in das Innere der Höfe geflüchtet hatten. Bereits rückten einige in demselben Maße auf die Truppen los, in dem diese sich entfernten. In entschiedenem Tone sagte ich ihnen, daß der Erste, der es wagte, die Mitte des Hofes zu überschreiten, es mit mir zu tun haben würde; und zu gleicher Zeit zogen der General Duphot, Scherlack, zwei andere Offiziere und ich den Degen, um diesen unbewaffneten Haufen, in dem man kaum einige Pistolen und Dolche sah, zurückzuhalten. Während wir aber hier beschäftigt waren, gaben die Füsiliere, die sich nur auf Schutzweite zurückgezogen hatten, alle Feuer. Mehrere tödliche Kugeln trafen die Personen der letzten Reihen. Wir, die wir in der Mitte standen, wurden verschont, und die Kompagnie zog sich zurück, um von neuem zu laden.

»Ich benutze diesen Augenblick, ich bitte den Oberst Beauharnais, Adjutanten des Generals Bonaparte, der sich zufällig auf der Rückreise von einer Mission in der Levante bei mir befand, und den Generaladjutanten Arrighi mit dem Degen in der Hand, diese Truppe, die von verschiedenen Gefühlen bewegt ward, zurückzuhalten. Ich selbst nähere mich mit dem General Duphot und dem Generaladjutanten Scherlack den Anführern, um diese zu überreden, den Platz zu verlassen und das Feuer einzustellen. Ich fordere sie auf, die Jurisdiktion Frankreichs zu verlassen, indem ich ihnen sage, daß der Gesandte es übernähme, die Aufrührer bestrafen zu lassen; daß sie zu diesem Zwecke nur in den Vatikan, zu ihrem General, dem Gouverneur von Rom, dem Senator oder sonst einem Beamten zu schicken brauchten, und die Sache dann ohne Blutvergießen beendet werden würde.

»Der allzu mutige General Duphot, der gewohnt war, stets zu siegen, stürzte vor. Mit einem Sprung steht er zwischen den Bajonetten der Soldaten, die er zu beruhigen sucht. Der General Scherlack und ich, wir folgten ihm aus nationalem Instinkt.

»Von dem Strom mit fortgerissen, kommt Duphot bis an ein Stadttor namens Settimiana. Ich sehe, wie ein Soldat seine Muskete auf ihn abfeuert. Er sinkt in die Brust getroffen, erhebt sich aber wieder, indem er sich auf seinen Säbel stützt. Ich rufe ihn, er will zu mir. Da streckt ihn ein zweiter Schuß auf das Pflaster nieder und mehr als fünfzig Schüsse feuert man noch auf seinen Leichnam ab! Scherlack ist nicht getroffen. Er zeigt mir einen Umweg, der uns nach den Gärten des Palais führt und den Schüssen der Mörder Duphots entzieht, zu denen noch eine andere Kompagnie stößt, die von der anderen Seite der Straße Feuer gibt. Von dieser zweiten Kompagnie vertrieben, schließen sich die beiden Offiziere uns an. Wir müssen eine neue Gefahr ins Auge fassen: die zweite Abteilung Soldaten konnte ja frei in den Palast dringen, aus dem meine Gemahlin und meine Schwester, die den nächsten Tag die Gattin des braven Duphot werden sollte, soeben erst mit Gewalt von meinen Sekretären und zwei jungen Künstlern geschafft worden.

Türler ve etiketler

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Litres'teki yayın tarihi:
30 kasım 2019
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