Kitabı oku: «Tausend und Ein Gespenst», sayfa 24
Der Haifisch war todt.
Nun erschien der Neger gleichfalls wieder, nahm seinen Sohn aus meinen Armen, und setzte sich mit ihm an den Fuß des Mastes.
Der Wundarzt eines französischen Schiffes, das sich in der Bai von Colombo befand, machte dem armen Abel die Amputation, und der Unternehmer der Fischerei überließ dem Vater den ganzen Antheil der Austern, die er gefischt hatte.
Indem ich den Haifisch betrachtete, der wieder auf die Oberfläche des Wassers gekommen war, und seine drei und sechszig Wunden zählte, von denen zwei das Herz durchbohrten, hatte ich folgende Betrachtung angestellt; nämlich, da man sich wohl gegen einen Haifisch vertheidigt, da man wohl mit einem Haifische fertig wird, man sich wohl auch gegen eine Frau vertheidigen, und mit einer Frau fertig werden kann, wäre es auch ein Meerweibchen. Ich schämte mich daher über meine Feigheit, und da der Antheil der Perlaustern der beiden Neger während der zehn Tage der Fischerei auf mehr als zwölf Tausend Franken geschätzt ward, so fühlte ich mich von dem Gedanken gequält, mein Glück zu machen, so daß bei dem ersten Male, wo mein Chingulese uns einen Besuch abstattete, was er alle vier bis fünf Tage zu thun nicht ermangelte, ich als eine Gunst von ihm verlangte, meine Stellung als Patron der Barke gegen die eines einfachen Tauchers zu vertauschen.
Dieses Verlangen schien ihm unangenehm zu sein.
– Olifus, sagte er auf Holländisch zu mir, es ist mir leid, daß Ihr das von mir verlangt, Ihr seid einer meiner guten Patrone, und wenn es nur dessen bedarf, Euren Sold zu verdoppeln, um Euch zu behalten, so will ich ihn verdoppeln.
– Sie sind sehr gütig, antwortete ich ihm, aber sehen Sie, ich bin von bretagnischem Ursprunge und dazu noch zum Holländer okulirt; wenn mir etwas in den Kopf kömmt, so setzt es sich so fest darin, daß ich selbst es nicht herauszubringen vermag. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, Perlen zu fischen, dem ist so und dem wird so sein, es kann nicht anders sein.
– Verstehst Du zum Mindesten zu tauchen?
– O! ich bin in Dänemark, dem Vaterlande der Seehunde, geboren.
– Wohlan! laß sehen, was Du zu machen verstehst. – O! was das anbetrifft, sagte ich, das wird nicht lange dauern.
In einem Nu zog ich mich ganz nackend aus, befestigte mir einen Stein von zehn Pfund an den Füßen, nahm ein Netz in die linke Hand, wie ich es die andern Taucher machen sah, vergaß nicht, ein mit einem guten Stiele versehenes Messer, das ich in meinen Gürtel steckte, ließ mich an der Stelle des armen kleinen Abel anbinden, und sagte mir: – A bah! meiner Treue, um so schlimmer, wenn die Buchold da ist, so wird man sie sehen, und ich sprang in das Meer.
Es war ohngefähr sieben Faden tief, ich sank ziemlich rasch auf den Grund, schlug dann die Augen auf und blickte um mich, das war der Augenblick der Angst.
Keine Buchold, aber Austern, um sie mit der Schaufel aufzuraffen.
Ich füllte mein Netz und zog die Schnur, damit man mich wieder hinaufzöge. Ich war bei dem ersten Male zehn Sekunden unter dem Wasser geblieben.
Ich leerte das Netz zu den Füßen unseres Unternehmers aus.
– Da, sagte ich zu ihm, was sagen Sie dazu?
– Daß Du ein geschickter Taucher bist, daß Du in der That Dein Glück machen kannst, und daß ich nicht, das Recht habe, Dich daran zu verhindern.
Diese Bereitwilligkeit, das zu thun, was ich wünschte, verlieh mir ein wenig Scham. Ich verglich das Verfahren des Patrons der Fischerei mit dem des Patrons der Barke. Ich hatte nicht die glänzende Seite.
– Indessen, sagte ich zu ihm, da Sie mich als Patron, und nicht als Taucher angenommen haben, so haben Sie das Recht, mehr von mir, als von den Andern zu verlangen.
– Nein, sagte er, wir werden das auf eine andere Weise, und hoffentlich zur Zufriedenheit von Jedermann einrichten. Du bist ein guter Patron und ein guter Taucher. Die Taucher haben das Recht auf das Zehntel ihres Fanges; da Du mir Dienste erweisest, so gebe ich Dir den achten Theil der deinigen; das heißt, daß Du sieben Tage Patron, und am achten Tage Taucher sein wirst. Wohlverstanden, daß das Ganze dessen, was Du an diesem achten Tage fischest, Dein sein wird. Bist Du damit zufrieden?
– Ich glaube wohl, daß ich damit zufrieden bin.
– Wohlan denn! jetzt, da die Fischzeit bereits seit einigen Tagen angefangen hat, so nimm an, daß unsere Uebereinkunft seit sieben Tagen geschlossen ist, und fange morgen an.
Es war dagegen Nichts zu sagen, als ihm zu danken. Ich ergriff seine Hand und küßte sie.
Das ist die Art und Weise in diesem Lande zu danken.
Ich erwartete den folgenden Tag voll Ungeduld.
XVIII.
Nahi-Nava-Nahina
Ich hatte mich nicht geirrt, fuhr der Vater Olifus fort, nachdem er von dem Ratafia zu dem Rum übergegangen war. Die Fischerei war vortrefflich; während der sechs Tage, in denen ich mich dieser Arbeit widmete, fischte ich ohngefähr für sieben Tausend Franken Perlen, und ich sah weder Haifisch, noch Buchold.
Die Zeit der Fischerei war beendigt; ich dankte meinem Chingulesen, indem ich ihm meine Dienste für das folgende Jahr anbot, und nachdem ich meinen Gewinn in Geld umgesetzt, zog ich mich nach Negomdo zurück, einem reizenden, mit Wiesen umgebenen und mit Zimmetwäldern beschatteten Dorfe.
Ich hatte die Absicht, alle die Monate, welche zwischen den beiden Jahreszeiten der Fischerei verstießen mußten, zu irgend einem Handel zu verwenden, sei es nun mit Zimmetrinde, oder mit Shawls, oder mit Stoffen. Das konnte mir nicht schwer werden, da die vorherrschende Bevölkerung von Colombo, eine der Hauptstädte der Insel, die nur einige Stunden von Negomdo entfernt ist, noch heut zu Tage aus Holländern besteht.
Ich fing damit an, in Negomdo ein Haus zu kaufen; das ist keine große Ausgabe; für drei Hundert Franken hatte ich eines der hübschesten des Dorfes, Es war eine allerliebste Hütte von Bambusrohr, die mit Stricken aus den Fasern des Kokosnußbaumes verbunden waren, und hatte nur ein Stockwerk und drei Zimmer; aber drei Zimmer, das war Alles, was ich bedurfte. Mittelst fünf Hundert Franken hatte ich eine der bequemsten Haushaltungen der Insel. Sie bestand aus einem Bette, vier Matten, einem Mörser, um den Reis zu stoßen, sechs irdenen Schüsseln, und einem Reibeisen für die Cokosnuß.
Ich hatte bereits die Art des Handels beschlossen, den ich treiben wollte; er bestand darin, europäische Stoffe in Colombo zu kaufen, und Tauschhandel mit den Bedaths zu treiben.
Ich will Ihnen sagen, was die Bedaths sind.
Die Bedaths ist ein Stamm, der sich in den Wäldern verbirgt, der unabhängig lebt, der keinen König hat und der sich durch seine Jagd ernährt. Diese Schelme haben nicht einmal nöthig Häuser zu kaufen, da sie weder Städte noch Dörfer, nicht einmal eine einfache Hütte haben. Ihr Bett ist der Fuß eines mit dornigen Zweigen umgebenen Baumes; wenn irgend ein Elephant, irgend ein Löwe, irgend ein Tiger durch die Hecke zu dringen versucht, die sie gemacht haben, so weckt sie das Geräusch, sie klettern auf ihren Baum, und lachen von dort aus die Tiger, die Löwen und die Elephanten aus. Was die Schlangen anbetrifft, mögen es nun die Cobra di Capellos, die Caravillas, die Ti Polongas oder die Bodrou Panis sein, vier Schufte von Schlangen, welche einen Menschen wie eine Fliege tödten, so spaßen sie darüber, wie über den Trommelschlag der Schweizer, da sie Zaubermittel gegen ihre Bisse haben; es gibt also nur die Pembera, die freilich kein Gift hat, aber einen Menschen verschlingt, wie wir eine Auster verschlingen, über die sie sich zu beunruhigen haben; aber, wie Sie begreifen werden, sind Insecten von fünf und zwanzig bis dreißig Fuß Länge nicht gewöhnlich. Kurz, sie haben also keine Häuser, und sie kommen ohne sie zurecht.
Die Art und Weise, mit ihnen Handel zu treiben, ist folgende; wenn sie irgend einen fabricirten Gegenstand, wie Eisen oder Stoff bedürfen, so nähern sie sich den Städten oder den Dörfern, hinterlegen an einem verabredeten Orte Wachs, Honig oder Elfenbein, schreiben in schlechtem Portugiesisch auf ein Baumblatt das, was sie dagegen wünschen, und man überbringt es ihnen.
Ich setzte mich daher mit den Bedaths in Verbindung, und trieb mit ihnen Tauschhandel gegen Elfenbein.
Inzwischen hatte ich mir eine Gesellschaft gebildet. Ich ging besonders mit einem wackeren Chingulesen um, einem rasenden Damenbretspieler, welcher Handel mit Zimmet trieb. Zehn Male hatte er sich im Spiele zu Grunde gerichtet, und zehn Male hatte er sein Vermögen wieder hergestellt, um sich nochmals zu Grunde zu richten. Er war der Mann, der sich vielleicht am besten von Allen auf der Insel auf Gewürze verstand, und bei dem bloßen Anblicke eines Zimmetbaumes sagte er: – Gut! das ist wahrer Courouundou, das heißt, das ist, was es Bestes gibt. Ich muß Ihnen sagen, daß es in Ceylon zehn Arten von Zimmetbäumen gibt, und daß die Erfahrensten sie nicht zu unterscheiden wissen; er irrte sich darin niemals. Woran erkannte er das? etwa an der Form des Blattes, welches dem des Orangenbaumes gleicht? an dem Dufte der Blüthe? oder an seiner kleinen gelben Frucht, ohngefähr von der Größe einer Olive? ich weiß es nicht, so viel ist gewiß, daß er die Hand an einen Zimmetbaum legte, ihm seine erste Borke nahm, die zweite spaltete, sie trocknen ließ, sie in Cokosnußleinwand rollte, seinen Namen auf den Ballen schrieb, und alles war abgemacht; man verlangte nicht einmal die Probe zu sehen.
Sobald er sein Geld in der Tasche hatte, ließ er es klingen, und wer Damenbret spielen wollte, hatte seinen Spieler bereit.
Nun aber wissen Sie oder wissen es nicht, daß die Chingulesen rasend auf das Spiel versessen sind. – Wenn sie kein Geld mehr haben, so spielen sie um ihre Möbeln; – wenn sie keine Möbeln mehr haben, verspielen sie ihre Häuser; – wenn sie keine Häuser mehr haben, setzen sie einen, zwei, drei Finger. . .
– Wie! einen, zwei, drei Finger? unterbrach ich ihn.
– Genau so! der Verlierende legt seinen Finger auf einen Stein, der Gewinnende hat ein kleines Beil, mit Welchem er ihm sehr geschickter Weise das übereingekommene Glied abhaut. Sie werden begreifen, daß man nicht genöthigt ist, den ganzen Finger auf ein Mal zu setzen, man setzt ein Glied; der, welcher verloren hat, taucht seinen Finger in siedendes Oel, was die Wunde brennt, und er fährt fort zu spielen. Mein Nachbar Vampounivo hatte an der linken Hand drei Finger weniger; er war bei dem Daumen und dem Zeigefinger stehen geblieben, aber ich bürge nicht dafür, daß sie jetzt nicht zu den Andern gegangen sind.
Wie Sie begreifen werden, kam es zwischen ihm und mir niemals so weit, ich achte meine Person zu sehr; ich spielte eine Perle oder einen Elephantenzahn gegen eine Partie Zimmet. Ich verlor oder ich gewann, gut! es hatte eine Ende.
Eines Abends, als wir unsere Partie Damenbret machten, sah ich plötzlich auf der Schwelle eine schöne junge Frau erscheinen, welche eintrat und sich Vampounivo um den Hals warf.
Es war seine Tochter; sie war sechszehn Jahre alt, und war erst fünf Mal verheirathet gewesen.
Ich muß Ihnen sagen, daß man sich in Ceylon trennen kann, nachdem man sich auf Probe genommen hat; das auf Probe-Nehmen weicht von vierzehn Tagen bis zu drei Monaten ab. Nun aber hatte die schöne Nahi-Nava-Nahina, so nannte sich die Tochter Vampounivos, fünf Proben gemacht, und, immer unzufrieden mit ihrem Gatten, war sie immer wieder in das väterliche Haus zurückgekehrt.
Ich sah, daß sie über Familienangelegenheiten zu sprechen hatten, und verließ sie bescheidener Weise.
Am folgenden Tage besuchte mich Vampounivo. Seine Tochter hatte ihn zwei bis drei Male gefragt, wer der Europäer sei, der Damenbret mit ihm spielte, wenn sie eingetreten wäre, und er wollte mich ihre Bekanntschaft machen lassen.
Ich habe Ihnen bereits gesagt, daß Nahi-Nava-Nahina ein köstliches Weib war; sie hatte mich auf den ersten Blick überrascht, ich hatte denselben Eindruck auf sie hervorgebracht. Daß es auf Ceylon so leicht ist, sich auf Probe zu nehmen und sich wieder zu trennen, wenn man sich nicht gefällt, verführte mich vor Allem; nach Verlauf von acht Tagen waren wir einverstanden, sie eine sechste Probe, und ich eine zweite anzustellen.
Die Verheirathung ist bei den Chingulesen etwas Schnelles und leicht Auszuführendes; man verhandelt die Mitgift, ein Astrolog bestimmt den Tag der Hochzeit, die Familien der beiden Ehegatten versammeln sich, man setzt sich um einen Tisch herum, in dessen Mitte sich eine Pyramide von auf Cokosnußblätter gestelltem Reis erbebt. Jeder schöpft mit vollen Händen von der Pyramide. Nach diesem Zeugnisse der Vertraulichkeit nähert sich die Verlobte dem Verlobten; beide haben drei bis vier Kugeln von Reis und Cokosnuß gemacht. Man tauscht diese Kugeln aus, welche man wie Pillen verschluckt. Der Verlobte bietet der Verlobten ein Stück weißes Zeug an, und Alles ist abgemacht.
Die Angelegenheit war bald beendigt. Ich gab meinem Schwiegervater für mein Theil vier Elephantenzähne, er gab mir einen Ballen Zimmet. Ein Astrolog bestimmte den Tag unserer Hochzeit. Als der Tag gekommen, aßen wir Reis mit vollen Händen, worauf ich zwei Kugeln verschluckte, welche die reizende Nahi-Nava-Nahina mir zubereitet hatte. Ich schenkte ihr ein Stück schneeweißes Zeug, und wir waren verheirathet.
Der Gebrauch in Ceylon ist, daß die Gatten abgesondert in das Hochzeitszimmer zurückgeführt werden; die Frau zuerst, der Gatte nachher. Dieses Geleit geschieht bei dem Klange von Rasseln, Trommeln und Tamtams mit einem Theile der Bevölkerung, welche die Verheiratheten begleitet.
Ich hatte das Hochzeitszimmer nach meinen besten Kräften zurecht machen lassen. Um zehn Uhr Abends kamen die jungen Mädchen, die schöne Nahi-Nava-Nahina abzuholen, welche nach dem Hause zuging, indem sie mir einen letzten Blick zuschleuderte.
O! welchen Blick!
Ich starb vor Begierde ihr zu folgen; aber ich mußte den jungen Mädchen Zeit lassen die Verheirathete nach ihrem Bette zu führen, und sie in dasselbe zu legen.
Ich blieb daher noch ohngefähr eine halbe Stunde bei meinem Schwiegervater; er bot mir eine Partie an, um die Zeit zu vertreiben.
Ah! ja doch! ob ich bei alledem wohl Lust hatte zu spielen!
Endlich kam an mich die Reihe. Ich machte mich mit einer Eile auf den Weg, daß meine Begleiter alle Mühe von der Welt hatten, mir zu folgen. Auf der Schwelle fand ich die jungen Mädchen, welche tanzten, sangen, kurz Teufelspossen trieben.
Sie wollten mich verhindern vorüber zu gehen. Ah! ja doch! ein ganzes Bataillon hatte mich nicht zurückgehalten.
Ich ging in das Zimmer hinauf; alles Licht war ausgelöscht, aber ich hörte ein leises, wie ein frischer Wind sanftes Atemholen, das aus dem Alkoven kam. Ich verriegelte die Thür, entkleidete mich und legte mich zu Bett.
Ich fand, daß die fünf ersten Gatten der Nahi-Nava-Nahina sehr schwer zu befriedigende Schelme wären, als ich plötzlich eine Stimme hörte, die mir einen Schauder durch den ganzen Körper rieseln ließ.
– Ah, äußerte zuvörderst diese Stimme, indem sie einen Seufzer ausstieß.
– He! antwortete ich, indem ich mich auf den beiden Fäusten erhob.
– Nun denn, ja! ich bin es, sagte dieselbe Stimme.
– Wie, sie, die Buchold?
– Ohne Zweifel.
Gerade in diesem Augenblicke fiel ein Schein des Mondes durch das Fenster, mein Herr, und leuchtete uns wie ein Lichtspiegel.
– Mein Freund, fuhr die Buchold fort, ich komme, Ihnen zu sagen, daß Sie seit zwei Monaten einen Sohn haben, den ich nach dem Namen des Heiligen des Tages, an welchem ich entbunden bin, Joachim genannt habe.
– Ich habe einen Sohn seit zwei Monaten? rief ich aus. Aber wie kömmt das? wir sind erst seit neun Monaten verheirathet.
– Sie wissen, mein Freund, daß es frühzeitige Entbindungen gibt, und daß die Aerzte anerkennen, daß die Kinder, welche mit sieben Monaten geboren werden, lebensfähig sind.
– Hm! äußerte ich.
– Ich habe ihm, fuhr sie fort, den Bürgermeister Van Clief zum Pathen gewählt, bei welchem ich, wie Sie wissen, drei Monate vor unserer Verheirathung zugebracht habe.
– Ah! äußerte ich.
– Ja, und der versprochen hat, ihn zu erziehen.
– Ah! ah!
– Was wollen Sie damit sagen?
– Nichts! es ist gut, es sei für Herrn Joachim; was geschehen ist, ist geschehen. Aber warum zum Teufel mischen Sie Sich in das, was sich in Ceylon zuträgt, da ich mich nicht in das mische, was sich in Monikendamm zuträgt?
– Undankbarer, sagte sie, auf diese Weise nehmen Sie also die Beweise von Liebe auf, welche man Ihnen gibt! Haben Sie viele Frauen gesehen, welche vier Tausend Meilen zurücklegen, um eine Nacht mit ihrem Gatten zuzubringen?
– Ah! Sie kommen also nur, um eine einzige Nacht mit mir zuzubringen? fragte ich ein wenig besänftigt.
– Leider! nicht mehr, antwortete sie, wie könnte ich diesen armen Unschuldigen verlassen, der sich dort befindet?
– Das ist wahr.
– Der nur mich hat.
– Sie haben Recht.
– Und Sie empfangen mich so, Undankbarer!
– Aber ich meine, daß ich Sie nicht zu schlecht empfangen habe.
– Ja, weil Sie mich für eine Andere hielten.
Ich kratzte mir den Kopf. Was war aus dieser Anderen geworden? Das beunruhigte mich ein wenig; was mich aber für den Augenblick, ich gestehe es, am meisten beunruhigte, war die Buchold.
Da sie nicht von dem Schlage mit dem Feuerblocke sprach, so meinte ich, daß es das Beste wäre, gleichfalls nicht davon zu sprechen; da sie kein Wort von der Muskatnuß äußerte, hielt ich es gleichfalls für das Beste, über diese Sache zu schweigen; da sie endlich versprach mit Tagesanbruche abzureisen, war es wohl das Beste, so liebenswürdig gegen sie zu sein, als ich es vermogte, so lange als es Nacht war.
Als ich diesen Entschluß gefaßt, fand kein Wortwechsel zwischen uns mehr statt.
Gegen drei Uhr Morgens schlief ich ein.
Als ich erwachte, blickte ich um mich, – ich war allein.
Nur machte man einen großen Lärm vor der Thür.
Das war der Vater der schönen Nahi-Nava-Nahina, der mit allen seinen Verwandten kam, um mir Glückwünsche über meine Hochzeitsnacht abzustatten.
Sie werden begreifen, daß, bevor ich aufmachte, es meine erste erste Sorge war, mich um das zu bekümmern, was aus der schönen Nahi-Nava-Nahina geworden wäre. Wie ich die Buchold kannte, war ich nicht zu sehr über das Schicksal der armen Frau beruhigt.
Da ich nicht laut zu rufen wagte, so rief ich leise: Nahi-Nava-Nahina!!! schöne Nahi-Nava-Nahina!!! reizende Nahi-Nava-Nahina!!! und es schien mir, als ob mir ein Seufzer antwortete.
Dieser Seufzer kam aus einem kleinen Kabinette, das an das Schlafzimmer stieß.
Ich machte das kleine Kabinet auf, und ich fand die arme Nahi-Nava-Nahina an Händen und Füßen gebunden, einen Knebel in dem Munde und einfach und allein auf eine Matte gelegt.
Ich stürzte auf sie zu, ich knüpfte ihre Bande auf, ich nahm ihr den Knebel ab, ich wollte ihr die Sache erklären; aber ich fand eine wüthende Frau, wie Sie wohl begreifen werden. Sie hatte zwar nicht verstanden, was die Buchold und ich mit einander gesprochen hatten, weil wir Holländisch sprachen, aber sie hatte nichts desto weniger errathen.
Was ich auch thun mogte, es war keine Möglichkeit sie zu besänftigen. Sie erklärte ihrer Familie, daß sie mit ihrem sechsten Versuche noch weit unzufriedener wäre, als mit den fünf andern; daß die europäischen Gatten gegen ihre Frauen weit schlimmere Manieren hätten, als die Chingulesen, und daß sie ein Haus verlassen wollte, in welchem man sie die erste Nacht ihrer Hochzeit gebunden und geknebelt auf einer Matte zubringen ließe, während ihr Gatte, zur Seite. . . Kurz. . . gleichviel.
So viel ist gewiß, daß sie Vater, Brüder, Neffen, Vettern, Nachgeschwister, Kinder gegen mich aufhetzte, und daß ich, da ich die Unmöglichkeit einsah, die für mich stattfände, nach einem solchen Abenteuer in Negomdo zu bleiben, den Entschluß faßte, dem Vater seinen Ballen Zimmet zurückzusenden, indem ich ihm dabei meine vier Elephantenzähne ließ, und in einem andern Theile von Indien mein Glück zu suchen.
Ich beeilte mich daher, mein kleines Vermögen zu Geld zu machen, das sich auf zehn bis zwölf Tausend Franken belief, und da ich ein Schiff gefunden hatte, das nach Goa unter Segel ging, so schiffte ich mich auf ihm acht Tage nach meiner zweiten Verheirathung ein, eine zweite Verheirathung, welche, wie Sie sehen, eine so seltsame Wendung genommen hatte.
Der Vater Olifus stieß einen Seufzer aus, welcher das unvergeßliche Andenken bewies, das die schöne Nahi-Nava-Nahina in ihm zurückgelassen hatte, und nachdem er ein Glas Rum ausgetrunken, fuhr er fort.
