Kitabı oku: «Rette die Welt»

Yazı tipi:


Igudesman & Joo

Rette die Welt

Alle Rechte vorbehalten

© 2019 edition a, Wien

www.edition-a.at

Coverfoto: Julia Wesely

Covergestaltung: Isabella Starowicz

Satz: Lucas Reisigl, Isabella Starowicz

Projektassistenz: Valentina Bobi

Beteiligte KünstlerInnen: Adrien Brody,

Andrew Melvin, Annamaria Kowalsky, Daniel

Dornig, Felicia Önder-Gulda, Julia Wesely,

Lina Joo, Leo Joo, Magdalena Hoffmann, Maria

Chalela, Maria Kreyn, Nadja Maleh, Sabina

Hasanova, Sean Lennon, Terry Gilliam

ISBN 978-3-99001-356-4

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

INHALT

Vorwort von Terry Gilliam

Einleitung von Igudesman & Joo

Kreativität ist für jeden

Spiel mir das Lied vom Leben

Lass Kreativität fließen

Kreative Kommunikation

Spaß mit Routinen

Kreativität atmen lassen

Mit Sorgfalt zum Ziel

Kreative Leidenschaft

Das kreative Herz

Verbessern durch Kreativität

Die Magie der Fehler und die Musik des Zufalls

Kritik, Elektronik und gebrochene Regeln

Lach, und die Welt gehört dir

Du bist ein „Music Traveler”

Wie wir dieses Buch diese Banane geschrieben haben

Appendix aller Künstler in dieser Banane

Dank an …

Nachwort von Kevin Jones

Hyung-ki: Durch Kreativität kann man …

Aleksey: Kann man was?

Hyung-ki: Blätter noch eine Seite weiter.

VORWORT VON TERRY GILLIAM



EINLEITUNG VON IGUDESMAN & JOO

Hyung-ki: Liebste Leser,

hallo! Das ist, nebenbei gesagt, immer eine nette Art, ein Gespräch oder ein Treffen zu beginnen. Es mag offensichtlich scheinen, aber manchmal vergessen wir die offensichtlichen Dinge im Leben.

Wir kennen einander noch nicht, aber dennoch glauben wir, dass selbst wenn du gleich jetzt aufhörst, dieses Buch zu lesen, wir unsere jeweiligen Leben doch in irgendeiner Weise gegenseitig beeinflussen werden.

Das beginnt schon damit, dass du unser Leben beeinflusst hast, indem du unsere kreativen Bestrebungen beim Schreiben dieses Buches anerkannt hast. Allein die Tatsache, dass du es in Betracht ziehst, dieses Buch zu lesen oder zu kaufen, gibt uns das Gefühl, dass unsere Bemühungen nicht ganz umsonst waren.

Du hältst dieses Buch in deiner Hand. Ja, genau du.

Wir meinen dich.

Du bist derjenige, der dieses Buch in seiner Hand hält.

Digitale Bücher gelten auch: Du bist es, der das hier liest.

Anders formuliert, in diesem Buch geht es um dich.

Es liegt an dir zu entscheiden, was du aus diesem Buch mitnimmst, was du davon hältst oder nicht hältst.

Aleksey: Aber was, wenn das die Hörbuch-Version ist?

Hyung-ki: Naja, dann kann man sich das Halten des Buches ja mit etwas Kreativität vorstellen, oder?

Aleksey: Mit einer Menge Kreativität!

Hyung-ki: Manche Sachen, lieber Leser, werden bei dir keinen Widerhall finden.

Oder erst zu einem späteren Zeitpunkt. Vielleicht aber auch nie. Aber gib ihnen eine Chance. Wir haben viele kleine und manche größere Weisheiten hier niedergeschrieben, zusammen mit einigen Spielen, die dir hoffentlich neue Perspektiven öffnen.

Hyung-ki: Möglicherweise wird irgendetwas in diesem Buch – ein Wort, ein Satz, sogar etwas, mit dem du nicht einverstanden bist – dich auf einen Pfad führen, der zu anderen Pfaden führt, aus denen eine Reise entsteht. Dann wirst du auf deine eigene Weise etwas geschaffen haben, das ein kleines Stück der Welt rettet.

Am Ende liegt es ganz allein an dir, was du mit dieser Information anfängst. Dieses Buch wird dein Leben nicht verändern. Nur du kannst dein Leben verändern. Nur du kannst die Welt retten.

Die Welt kann nicht für dich gerettet werden.

Aleksey: Du bist unser Freund. Wir sind nicht die Autoren. Wir sind deine Freunde. Wir können dich verstehen, weil wir du sind. Du bist einzigartig. Wir sind einzigartig. Aber wir fühlen mit dir. Wir alle teilen den gemeinsamen Schmerz, der in uns ist.

Die gemeinsame Lust.

Den Humor.

Den Wunsch nach mehr.

Aleksey: Und vor allem teilen wir diese unglaubliche Kreativität, die aus uns strömt. Wir versuchen alle ständig herauszufinden, was wir damit machen können. Diese Kreativität hat einen Namen. Man nennt sie Leben.

Denn Leben ist Kreativität.

DAS IST KEIN BUCH.

Hyung-ki: Fangen wir damit an, dem hier einen Namen dafür zu geben, was es nicht ist:

Pinguin,

Raumschiff,

Schlagsahne,

seismisches Messverfahren,

ein Dieb …

(trag deine eigenen Vorschläge ein)


Aleksey: Das ist kein Buch. Das ist eine Banane.


Ja, du liest gerade eine Banane mit deinen eigenen Ohren. Das ist alles, was du wissen musst.

Und aus.

„Was meinst du damit?”, hören wir dich mit deinem Fuß flüstern.


Aleksey: Keine Sorge, es wird alles erklärt werden. Vielleicht.

Naja, du wirst es dir selber erklären.

Aber darauf kommen wir noch zurück.

Hyung-ki: Aleksey, warum erklärst du nicht, wie man diese Banane liest?


Aleksey: Lies diese Banane auf kreative Weise. Eigentlich solltest du diese Banane gar nicht lesen, sondern spielen. Spring von einem Kapitel zum nächsten. Und wieder zurück. Lies Dinge mehrmals. Markier sie. Stell sie in Frage. Und bleib dabei immer aufgeschlossen. Zeichne Bilder. Ja, zeichne ein Bild.

Jetzt sofort!


Hyung-ki: Hier ein Bild, das Andrew Melvin, ein Freund von uns, gezeichnet hat:


WIR HABEN DIESE BANANE AUF KREATIVE ART GESCHRIEBEN.

Aleksey: Zuerst haben wir monatelang Brainstorming gemacht und dabei jede Idee aufgeschrieben, die uns eingefallen ist. Ab einem gewissen Punkt hat jeder von uns seine eigenen Beiträge verfasst und sie dann sofort an den anderen weitergeleitet, der sie nach Belieben bearbeitet und ausgeschmückt hat.

Hyung-ki: Dann haben wir uns gemeinsam hingesetzt und darüber diskutiert, wie wir daraus ein Buch, ich meine eine Banane, formen und sie strukturieren und mit der Form rumspielen können.

Aleksey: Wir haben unsere eingestreuten Dialoge gemeinsam geschrieben.

Hyung-ki: … manchmal aber auch alleine.

Aleksey: … und dabei die Antwort des anderen teilweise nachgeahmt, entweder weil wir genau wussten, was der andere sagen würde …

Hyung-ki: … oder um so zwei Seiten des vorliegenden Themas zu illustrieren.

Aleksey: Deshalb ist fast alles in dieser Banane ein Amalgam unserer aneinanderschlagenden Köpfe,…

Hyung-ki: … und während manche Passagen in der ersten Person gehalten sind und eindeutig Aleksey…

Aleksey: … oder Hyung-ki…

Hyung-ki: … zugeordnet werden können, haben wir beide so viel zu den Ideen des anderen beigetragen, dass das Ergebnis eine hybride Chimäre und eine symbiotische, bisoziative Kollaboration geworden ist.


Hyung-ki: Falls du zu den 1,6 Milliarden Menschen gehörst, die Alekseys Handschrift nicht lesen können und vielleicht auch Englisch nicht perfekt beherrschen, findest du auf Seite 24 ein Transkript, das seine seismographischen Hieroglyphen entziffert.

Aleksey: Schon in Ordnung, wir müssen die handschriftliche Version wirklich nicht im Buch haben, wenn du sie zu unordentlich findest.

HyUn6-kii: Aber schreiben wir dieses Buch nicht, um die Einzigartigkeit jedes Menschen zu feiern und zu fördern?

Schließlich ist jede Handschrift einzigartig.

AkXXL%$5y: Ja, aber wir wollen die Menschen auch motivieren, besser zu werden, und nicht unbedingt zeigen, dass wir immer noch die Handschrift eines Sechsjährigen haben.

hYuckee: Ah ja, da ist was dran.

LXSwissAir: Sollen wir es trotzdem mit reinnehmen?

HKongPhooey: Ja, es lässt das Buch gewichtiger erscheinen.

disLeXia: Naja, in diesem Fall sollten wir das Transkript dieses Gesprächs auch drin lassen.

YoungKey: Das klingt wirklich sehr redundant.

ALX1552: Genau.

Redakteur: Meine Herren, das wird gerade etwas dumm und verwirrend, und die Layouter haben Schwierigkeiten mit euren Namen. Lasst uns ab jetzt ein Kürzel für jeden von euch verwenden, Aleksey ist LX, und Hyung-ki ist HK.

LX: Warum bin ich LX? Ich meine, wo ist denn da die Logik? Mein Name beginnt nicht mit einem L und es ist überhaupt kein X darin enthalten!

HK: Und was ist mit meinem Namen? Die Leute werden alle glauben, dass das Land Hong Kong gemeint ist.

LX: Naja, technisch gesehen ist Hong Kong kein Land. Es ist eine spezielle administrative Region der Volksrepublik China.

Redakteur: Leute, eure Gedanken strömen über wie Flüsse.

Darf ich um ein bisschen Fokus bitten, eure Leser warten auf euch.

Like A River

(Wie ein Fluss)

(abgedruckt für die 1,6 Milliarden Menschen, die Alekseys Handschrift nicht lesen können und Englisch nicht so gut verstehen)

Unser Geist fließt wie ein Fluss

Jeder Gedanke der Ast eines Baumes

Jeder Moment eine Wolke am Himmel

Die vorüberzieht und dann verschwindet

Unser Körper ist wie eine Skulptur

Jedes Bein eine Wurzel in der Erde

Jeder Finger ein Pfeil in die Luft

Der seine Energie Richtung Sonne schießt und dann verdunstet

Wir sind die Erde.

Wir sind die Sonne.

Wir sind das Universum.

WER GLAUBEN WIR EIGENTLICH, WER WIR SIND?

HK: Aleksey hat ein ganzes episches Kapitel namens „Wer glauben wir eigentlich, wer wir sind” als eine Art „Ursprungsgeschichte” geschrieben.

LX: Aber der Herr Redakteur war der Meinung, dass es für die Druckversion dieser Banane zu lang ist.

HK: Dennoch ist es ein wichtiges Kapitel, das den Bogen unserer Reise von unserer ersten Begegnung bis zu diesem Buch beschreibt, und zeigt, wie viel Kreativität es brauchte, um bis hierher zu kommen.

LX: Und das nicht nur von uns, sondern auch von einigen unserer großartigen Mentoren, wie Kevin Jones, Simon Parkin, Malcolm Singer, Peter Norris, Boris Kuschnir, Nina Svetlanova, Yehudi Menuhin, Gidon Kremer und vielen Anderen.

HK: Diejenigen von euch, die herausfinden wollen, wer wir glauben, wer wir sind, können die komplette Version des Kapitels online auf unserer Homepage lesen: www.igudesmanandjoo.com/savetheworld



DU MUSST NICHT GUT DARIN SEIN, UM KREATIV ZU SEIN

„Versuch nicht, der Beste zu sein – sei der Erste.”

– Jack Ma (Gründer von Ali-Baba)

„Wenn nur die besten Vögel sängen, bliebe der Wald still.”

– Henry van Dyke Jr.

Man kann jemand anderen nicht dazu zwingen, kreativ zu sein.

Das Einzige, was wir tun können, ist, den kreativen Geist selbst zu leben, ein positives Beispiel zu sein und, besonders wichtig, Menschen zu ermutigen, nicht in absoluten Kategorien zu denken.

Vergiss Ja oder Nein, nur Schwarz oder Weiß, Positiv oder Negativ.

Wir müssen mehr Wege für Lösungen und Antworten schaffen, mehr lateral, unkonventionell und außerhalb des Rahmens denken.


Als ich aufwuchs, brachte mir mein Vater bei, dass man auf eine Frage immer mit beiden Antworten rechnen sollte.

Das ist ein Stück Weisheit, das ich schon viele Jahre mit mir trage, und es hat mir geholfen, nicht enttäuscht zu sein und positiv zu bleiben, weil ich es mir selten gestattet habe, die Antwort zu erwarten, auf die ich gehofft habe.

Aber im Rückblick denke ich, mein Vater wäre noch klüger gewesen, hätte er mir den Rat gegeben, immer mit jeder nur denkbaren Antwort zu rechnen.

Sobald wir uns selbst von der obligatorischen Ja-oder- Nein-Fessel befreit haben, sind wir in alle Richtungen frei. Es könnte uns sogar an einen Ort verschlagen, der uns falsch oder unmöglich erscheint.

Weder Aleksey noch ich denken, dass Dinge jemals wirklich falsch sind.

Dinge entwickeln sich anders, als wir es geplant oder erwartet haben, aber wir glauben an die Magie der Fehler.

Du kannst jetzt entweder zum Kapitel Die Magie der Fehler und die Musik des Zufalls oder Shit happens, und das ist gut so blättern oder dieses hier weiterlesen. Oder eine Banane essen. Falls du aber denkst, dass dieses Buch eine Banane ist, dann iss dieses Bananen-Buch lieber nicht. Es ist schwer verdaulich. Im Magen zumindest.

Wenn man eine Frage stellt, sollte man immer mit jeder Antwort rechnen.

Kreativität ist lehrbar. Unter dem Einfluss des richtigen Lehrers, des richtigen Mentors, können wir lernen, kreativer zu sein.

„Kreativ worin?”

„Muss ich etwas schaffen, um kreativ zu sein?”

„Ich bin nicht der künstlerische Typ.”

„Ich bin ein ganz normaler Mensch.”

„Ich hatte noch nie Talent dafür, irgendetwas herzustellen.”

• Du musst nichts herstellen, um dich kreativ zu fühlen.

• Du musst nichts erfinden, um kreativ zu sein.

• Du musst kein Genie oder Künstler sein, um etwas zu erschaffen.

• Bei Kreativität geht es um den Prozess.

• Kreativität ist eine Art zu denken. Und ich würde sogar so weit gehen zu sagen:

• Kreativität ist eine Art zu fühlen. Man kann also ein „kreatives Herz” haben.

Kreativität manifestiert sich nicht in irgendeinem Objekt, Ereignis oder Resultat.

Du kannst ganz ohne Resultate kreativ sein, ohne am Ende etwas in der Hand zu haben.

Kreativität muss man nicht beweisen.

Du kannst einfach so als Selbstzweck kreativ sein, nur zu deiner eigenen Freude. Und dafür musst du kein Picasso, keine Martha Graham, kein Oscar Wilde und auch kein Elon Musk sein.

Du kannst auf jede Weise kreativ sein, die dir gefällt, auf jede Weise, die du dir vorstellen kannst.

Du kannst bei allem und jedem kreativ sein: Beim führen eines Unternehmens, beim Aufräumen deines Zimmers, beim Essen eines Hotdogs, beim Joggen gehen, beim Lehren, beim Kochen, beim Studium der Quantenmechanik.

Kreativität ist auf kein Tätigkeitsfeld beschränkt, und dem kreativen Geist ist egal, wen er befällt. Er unterscheidet dabei nicht.


ORIGINELL UND WERTVOLL FÜR DICH

Die einzige Regel für Kreativität ist, dass du auf eine originelle Weise denken und etwas schaffen solltest, das Wert hat.

Diesen Wert kannst nur du alleine definieren.

Und diese Denkweise muss zumindest für dich originell sein.

Deine Idee muss nicht die größte seit der Erfindung der Bratkartoffel sein, und sie könnte sogar darin bestehen, Kartoffeln auf eine spezielle Art zu braten, solange diese Idee wirklich von dir stammt.

Ich habe mich immer gefragt, warum der Mensch so lange gebraucht hat, um den vierrädrigen Koffer zu erfinden? Während die Wright-Brüder die Schwerkraft bezwangen und zum Himmel aufstiegen, waren Koffer immer noch schwere Kisten mit Griffen und ohne Räder.

Ich kann mich immer noch daran erinnern, wie ich als Teenager darunter gelitten habe, schwere Koffer schleppen zu müssen, und wie ich dabei für Räder gebetet habe.

Wo hatte sich die kreative Person mit den originellen Ideen versteckt, die den Einfall haben würde, Räder hinzuzufügen? Wenn ich damals nur meinen kreativen Hut aufgehabt hätte, dann wäre ich heute vielleicht der König der Koffer.

Eine Menge an kreativen Ideen entsteht aus Unbequemlichkeit.

Manchmal muss man nur zwei unoriginelle Ideen kombinieren, um eine originelle Idee zu erschaffen. Mein neunjähriger Sohn hat das sehr gut mit seiner Apfel-Teekanne bewiesen.

Du musst nicht gut in irgendetwas sein, um dich kreativ zu fühlen oder es zu sein.

Wenn meine vierjährige Tochter eine gute Stunde damit verbringt, ein Haus zu zeichnen, schafft sie damit etwas Neues.

Für sie ist das eine originelle Idee.

Haben wir schon gezeichnete Häuser von Kindern gesehen? Unzählige Male.

Sieht das Bild aus wie Velázquez’ „Las Meninas”?

Nein.

Bringt dieses hingekritzelte Haus irgendwem etwas? Vielleicht nicht, aber es hat enormen Wert für meine Tochter.

Ich weiß, dass es so ist, wenn ich das Lächeln auf ihrem Gesicht sehe, während sie ihr jüngstes Werk betrachtet und es stolz präsentiert.


LX: Ich persönlich finde es sehr kreativ.

HK: Danke, werde ich ihr weitersagen.

LX: Wer braucht schon Velázquez!

Joo kontra Shakespeare

Erlaube mir, ein Gedicht mit dir zu teilen, das ich geschrieben habe, als ich ungefähr 15 Jahre alt war.

Das Sonnenfrühstück

Der Himmel, eine Cornflakes-Packung, mit

Der in die Ecke gedruckten Sonne;

Langgezogene gepunktete Linien sind darübergenäht,

Verklingen während Düsenflieger-Scheren vorbeischneiden,

Der Himmel kippt um, und ein Flockenregen fällt


Ist es Shakespeare?

Nein.

Hat es Wert für mich?

Ja.

Es hat mir enormes Vergnügen bereitet, es zu schreiben, und es erfüllt mich noch heute mit einem gewissen Stolz, dass ich dabei einen Weg gefunden habe, mit Worten kreativ zu sein, was sonst nicht eine meiner Stärken ist.

LX: Ich finde, da verkaufst du dich unter Wert, Hyung-ki.

HK: In welcher Hinsicht?

LX: Du sagst, es ist nicht Shakespeare.

HK: Ist es ja auch nicht.

LX: Ja, aber es bist du. Und es ist Joo. Das ist eine Währung für sich. Eine eigene Marke. Es klingt ein bisschen, als ob du dich dafür entschuldigst, nicht Shakespeare zu sein. Und dass das Gedicht nur für dich gut ist. Ich finde es ziemlich genial und bin der Meinung, dass du mehr Gedichte über Cornflakes schreiben solltest.


HK: Danke, AIeksey. Du hast Recht, ich kann aktiver stolz auf mich sein, nehme ich an.

LX: Entschuldige dich nicht dafür, dass du nicht jemand anderer bist. Meistens würde ich persönlich lieber Joo als Shakespeare lesen. Ich hätte gerne, dass du mehr Gedichte schreibst und ein „Cerealistischer Poet” wirst. Das fänden alle sicher „amüslisant”.

Jeder hat enormes Potential für Kreativität. Wir brauchen nur einen kreativen Blitzschlag.

WIR SIND DIE GÖTTER DES INNEREN „CALMA”

Wir Menschen – wir sind eigentlich wie Götter.

Wir können uns neu erfinden, wir können uns verwandeln und können sozusagen sogar von den Toten zurückkehren.

Das heißt jetzt nicht, dass wir wie Zombies herumlaufen, nachdem wir sterben. Es ist einfach eine Analogie.

Wir fühlen uns oft tot. Todmüde. Innerlich tot.

Manche von uns begehen „sozialen Selbstmord”, indem wir zum Beispiel zu einer Party etwas Falsches anziehen oder auf einer Beerdigung etwas Falsches sagen.

Ich glaube, dass das Falsche zur richtigen Zeit tun, das Beste ist, was man machen kann.

Unsere Fehler und unser Versagen zu zelebrieren, unsere Untergänge und sogar unsere vielen „Tode” zu akzeptieren, macht uns sofort glücklicher und zufriedener.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Man braucht dafür jahrelanges Training.

Aber das Training ist auch ein Teil des Weges.

Um ehrlich zu sein, alles ist ein Teil unseres Weges.

Wir vergessen oft, dass das Leben holistisch ist.

HK: Aleksey, es tut mir leid, dich hier zu unterbrechen, aber zu sagen, dass das Leben holistisch ist, ist redundant. Es ist tautologisch.

LX: Naja, Hyung-ki, redundant und tautologisch zu sagen, ist auch redundant. Überflüssig. Pleonastisch, um genau zu sein.

HK: Du kannst zum Nachtisch haben, was du willst, aber es ist immer noch tautologisch.

„Das Leben ist holistisch” bedeutet, dass jeder Teil des Lebens „das Leben” ist.

Der Schlaf.

Das Lernen.

Die Zeiten, in denen wir versagen.

Die Zeiten, in denen wir erfolgreich sind.

Die Zeiten, in denen wir glücklich sind und die Zeiten, in denen wir es nicht sind.

Nur die Gesamtheit all dieser Dinge macht unser Leben zu dem, was es ist.

Dagegen kämpfen wir oft an.

Wir versuchen, das Schlechte und das Negative auszuschalten oder zu ignorieren.

Und dieser innere Kampf vergiftet uns und unser kreatives Potential.

Ohne schwierige Zeiten, ohne Zeiten, in denen wir uns wie tot fühlen, ohne Krankheit und Leid, sind wir nicht vollständig und dadurch nicht in der Lage, unsere volle Kreativität auszuschöpfen.

Wenn wir dies akzeptieren, kommen wir einer Sache näher, die ich als „Calma” bezeichnen möchte. Dies ist ein Wort, das ich buchstäblich gerade erfunden habe.

Das „Calma” ist der schöne Zustand, in dem wir unsere Kreativität frei fließen lassen.

Wir fühlen uns, als ob jeder Gedanke etwas wert sei.

Unsere Ideen sprudeln nur so aus unseren Köpfen und bringen uns vor Freude und Glück zum Lächeln.

Können wir diesen Zustand dauerhaft erreichen?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht müssen wir das auch gar nicht.

Aber es lohnt sich, es immer wieder zu versuchen.

Und auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Zustand immer und immer wieder zu erleben.


ICH BIN EIN LEERES BUCH MIT EINER MILLION BILDERN

Wann immer ich mich hinsetze, um ein neues Stück zu schreiben, mir einen Sketch auszudenken, eine neue Filmidee niederzuschreiben – sogar jetzt, während ich dieses Buch schreibe –, bin ich selbst ein leeres Buch.

Und das ist schön.

„Aber weiche sollen wir denn auswählen?”, höre ich dich fragen.

Naja, wenn du es ihnen erlaubst, dann werden sie dich auswählen.

Die Ideen werden zu dir kommen. Sind es gute Ideen?

Ich weiß nicht. Und es ist auch egal.


Die Ideen wählen dich aus und geben dir das glückselige Gefühl, dein wahres Potential zu nutzen.

Manche Leute nehmen vielleicht gleich die erste Idee und machen etwas daraus.

Andere nehmen die zweite Idee.

Wieder andere werden ihren Geist, ihre Gedanken, ihren Kopf durchforsten und gleich mit einem ganzen Haufen Ideen zurückkehren.

Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Sobald du aus deinem leeren Buch mit Millionen Bildern und Geschichten etwas ausgewählt hast, geht es einfach nur darum, es in die reale Welt zu transportieren und diesem Etwas Struktur zu geben.

Das dauert meistens am längsten.

Was nicht heißt, dass es weniger Spaß machen muss.

Es kann die Form eines Gedichts annehmen, eines Buches, einer Komposition, eines Gemäldes, es kann aber auch eine einfache Idee dafür sein, wie du eine Aufgabe, die dich gerade beschäftigt, besser bewältigen kannst.

Oder sogar, wie du netter zu den Leuten rund um dich sein, eine schwierige Situation bewältigen oder ein bekanntes weltweites Problem lösen kannst.

Ideen sind schnell und zahlreich, und sie werden zu dir kommen, das verspreche ich dir.

Die Ideen zu realisieren, braucht Zeit und ist eine Herausforderung. Die Umsetzung in die Tat ist aber das Wesentliche. Aber es gibt keine größere Freude, als wenn deine Träume in Erfüllung gehen und deine kreativen Ideen wahr werden, in welcher Form es auch immer sein mag.


DAS GLAS MIT INSPIRATION FÜLLEN

Das leere Buch unseres Lebens wird ständig mit Eindrücken gefüttert. Mit Bildern.

Bildern, die aus dem echten Leben stammen, Bildern von Mülltonnen, von schönen Bergen, von hässlichen Häusern, von Filmen, die wir sehen, Spielen, die wir spielen, Leuten, denen wir begegnen. All diese Bilder geben uns Information, die wir verarbeiten.

Manche Bilder vergessen wir, oder glauben es zu tun, andere hüten wir lebenslang wie einen Schatz. Aber all das macht uns zu hoch kreativen Individuen, weil all diese Bilder und Eindrücke uns jederzeit zur Verfügung stehen und uns helfen, auf kreative Weise wir selbst zu sein.

Wir füllen unser Glas mit Eindrücken. Und dann leeren wir es durch Kreativität.

„Aber so kreativ bin ich nicht!”, höre ich einen von euch in sich hinein murmeln.

Doch, bist du. Einfach dadurch, dass du einen beliebigen Satz sagst, sofern du ihn nicht auswendig gelernt hast, bist du schon kreativ.

Wir „lernen” vielleicht zu sprechen oder zu kommunizieren, aber in der Art, wie wir es tun, sind wir beim Sprechen immer kreativ. Wir improvisieren, wir denken uns Dinge aus. Und je mehr wir es tun, umso mehr Spaß haben wir und umso mehr genießen wir es. Vor allem ist aber die Sprache, die Kreativität und eigentlich alles, was wir tun, ein Spiel.


SPIEL DAS SPIEL

Am besten kann man durch das Spielen lernen. Um genau zu sein, kann man nur durch Spielen lernen. Und dabei so viel Spaß haben, dass man die Zeit vergisst. Auch die sogenannte Arbeit ist in Wirklichkeit ein verstecktes Spiel. Aber lass uns die Wörter „Arbeit” und „Lernen” erst einmal analysieren.

Was Menschen „Arbeit” nennen, ist reine Fiktion. Es existiert eigentlich gar nicht.

Wenn deine „Arbeit” zum Beispiel darin besteht, Autos zu verkaufen, dann verkaufst du eigentlich etwas. Und jegliche sogenannte Arbeit lässt sich leicht in ein lustiges Spiel verwandeln.

Jetzt lass uns das „Lernen” analysieren. Zu „lernen” bedeutet, unser Wissen auf eine Art und Weise zu erweitern. Aber kann das nicht auch auf eine lustige und vergnügliche Weise geschehen? Sollten wir nicht außerdem andauernd und jeden Tag lernen?

Die besten Lehrer lernen permanent von ihren eigenen Schülern und aus ihrem eigenen Unterricht. Diese Lehrer agieren spielerisch und ermutigen ihre Schüler zu spielerischem Lernen. Falls du ein Musiker bist, versuch so weit wie möglich auf das Wort „üben” zu verzichten. Wir spielen. Sogar, wenn wir langsam und ganz präzise spielen, um eine Passage zu verbessern, macht es Spaß, sobald wir ein Spiel daraus machen. „Üben” klingt dagegen nach mühsamer Wiederholung.

Kreativität rettet den Tag

Hurra, hurra, ich muss schon sagen,

nur kreativ lässt sich der Tag ertragen!

Ganz in der Früh auf einem langen Flug

War ich so einsam, dass ich schwer dran trug

Vorm Fenster: Regen, wie aus einem Krug.

Ich nehm den Stift, fang an, etwas zu schreiben —

Damit lässt jede Wolke sich vertreiben

Und ich krieg Lust, noch länger hier zu bleiben

Hurra, hurra, ich muss schon sagen,

Nur kreativ lässt sich der Tag ertragen!



MONAT DES LIEDES

Ich habe dieses Spiel als eine einfache Form der „kreativen Fitness” für die Ferien erfunden, aber mit der Zeit ist daraus viel mehr geworden. Inzwischen habe ich Hefte veröffentlicht, Konzerte gespielt und Soundtracks geschrieben, die aus Material bestehen, das dieses Spiel mir geliefert hat.

Es gibt eine sehr einfache Regel, die du gerne brechen kannst, solange du dich an sie hältst.

HK: Etwas zu brechen, solange man sich daran hält, ist aber echt ein Widerspruch in sich.

LX: Naja, so hab ich’s gemeint.

HK: Das macht es nicht wirklich klarer, aber was soll’s.

Während des „Monat des Liedes” schreibt man jeden Tag ein neues Stück, den ganzen Monat lang. Man setzt sich ein Zeitlimit von circa sechzig Minuten pro Tag.

Das „Lied” sollte am Ende des Tages fertiggeschrieben sein. Bewerte es nicht, sei nicht unglücklich damit. Und sei umgekehrt aber auch nicht überglücklich. Schreib es einfach.

Beim ersten Mal habe ich tatsächlich täglich ein Lied mit Text geschrieben, was eine große Herausforderung war. Aber andere Male habe ich zum Beispiel einfach ein kurzes Flöten-Solostück geschrieben. Oder ein Stück für ein anderes Instrument.

Habe ich mich die ganze Zeit erfolgreich an die Regeln gehalten, ohne zu schummeln? Natürlich nicht. Aber darum geht es nicht. Wenn du an einem Tag nicht fertig wirst, kannst du am nächsten Tag weitermachen. Du darfst ein wenig hinterherhinken. Aber nur ein wenig. Wenn du zu langsam bist, schummle.

Schreib an einem Tag ein Stück, das nur eine Seite oder noch kürzer ist.

Aber schreib es.

Vergiss nicht: Du bestimmst immer die Regeln. Wenn du das Gefühl hast, dass du in deinem Monat des Liedes für ein Stück zwei Tage benötigst, auch wenn es ein kurzes Stück ist, dann nimm dir dafür zwei Tage.

Wenn du elektronische Musik schreibst und das Programmieren ein bisschen länger braucht, dann nimm dir sogar drei Tage. Worum es geht, ist, dass du nicht den ganzen Tag damit verbringst, es zu perfektionieren. Du sollst deine Kreativität frei fließen lassen, ohne dich selbst zu beurteilen.

WIR SIND SCHWINDLER UND BETRÜGER

Selbstverurteilung ist eines der größten Hindernisse für Kreativität.

„Ich bin nicht gut genug.” Aber wer ist das schon? Und was bedeutet „gut genug”?

„Ich bin ein Schwindler, ein Betrüger.” Sind wir das nicht alle? Und liegt nicht darin die Magie? Solange wir damit davonkommen!

Ich persönlich spüre jeden Tag Selbstzweifel. Aber anstatt die Zweifel entweder die Kontrolle übernehmen zu lassen oder gegen sie anzukämpfen, betrachte ich sie, akzeptiere sie, lebe mit ihnen und heiße sie willkommen als einen zwar nervigen, aber manchmal sehr nützlichen Freund. Lass diesen nervigen Freund nicht zu oft und nur zur richtigen Zeit in dein Haus eintreten.

Sobald du deinen Monat des Liedes abschließt und du zehn, zwanzig oder sogar dreißig Musikstücke hast, die fertig sind, beginnt der detaillierte Prozess. Es ist dann an der Zeit, deinen inneren Kritiker einzuladen, einen kurzen Blick darauf zu werfen.

Sich nur selbst zu feiern und ganz ohne Selbstreflexion zu lieben, was man tut, ist nämlich auch nicht sehr produktiv. Kreativität hat viele Phasen. Die Phase nach dem Abschluss dieses kreativen Monats ist der Frage gewidmet, was sich mit dem Material anfangen lässt.

Selbstverurteilung ist eines der größten Hindernisse für Kreativität.

Manche Lieder sind vielleicht Gold wert. Und andere nur Blei. Aber auch aus Blei lassen sich sehr schöne Dinge herstellen.

HK: Superman kann nicht durch Blei sehen.

LX: Superman ist eine fiktive Figur.

HK: Vielleicht für dich!

Und es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Wähl ein paar Stücke aus und fang an, an ihnen zu feilen, sie länger oder kürzer zu machen, ihre Form zu erweitern und ins Detail zu gehen. Vielleicht gefällt dir an einem Stück nur ein kleiner Teil. Dann kann aus diesem Teil ein völlig neues Stück entstehen.

HK: Der Bildhauer Rodin hat gesagt: „Ich wähle ein Stück Marmor aus und schlage dann alles ab, was ich nicht brauche.”

LX: Er hat auch gesagt: „Nichts ist Zeitverschwendung, wenn du die Erfahrung weise nutzt.”

HK: Mein Lieblingszitat von Rodin lautet aber: „Ich erfinde nichts. Ich entdecke es wieder.” Außerdem mag ich Rodin, weil ihn nur ein Buchstabe von Robin trennt.

LX: Wegen Robin Hood?

HK: Nein, wegen Robin aus Batman und Robin!

LX: Schon wieder ein fiktiver Superheld.

HK: Heilige

Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung!!!!! Du bist so ein Spielverderber!

Wenn dir ein Lied besonders gefällt, kannst du dir die Zeit nehmen, es zu verfeinern, bis du das Gefühl hast, dass es fertig ist. Sogar deine selbstzweifelnde innere Stimme wird murrend zugeben müssen, dass es gar nicht so schlecht ist.

Die Formel für den „Monat des Liedes” kannst du anwenden, worauf du möchtest:

• einen Monat der Gedichte

• einen Monat der Rezepte

• einen Monat des Tanzes

• ein neuer Tanz-Move pro Tag

• einen Monat der Parks (du gehst jeden Tag in einen Park, hast Termine in einem Park, erkundest einen neuen Park, joggst oder machst ein Picknick im Park)

• ein Plastilin-Modell pro Tag

• ein Origami pro Tag

(trag deine eigenen Vorschläge ein)


• falls du dich selbst überhaupt nicht als Künstler siehst (glaub mir, du liegst damit falsch, sofern du zur Spezies homo sapiens gehörst), dann kannst du jeden Tag eine Idee aufschreiben, wie du deine Arbeit verbessern kannst,

• oder deinen Tag,

• oder dein Leben.



Alternativ dazu kannst du auch einfach täglich eine Seite Tagebuch schreiben. Aber wenn du das tust, versuch dabei in die Tiefe zu gehen.

Tiefer als „Ich bin aufgewacht und auf die Toilette gegangen”. Das kannst du auch schreiben, aber gib mir einfach ein bisschen mehr.

Gib mir: „Ich bin heute grundlos mit einem Gefühl der Erregung aufgewacht.

Das könnte daran liegen, dass ich dringend auf die Toilette musste.

Die Erleichterung danach war mindestens so groß, wie nachdem ich unlängst diesen großen Auftrag erledigt hatte. Gibt es eine Parallele zwischen dem, was ich tue, und dem Gang auf die Toilette? Anscheinend schon.”

Oder so etwas in der Art. Bau es aus.

Kreativität kann aus einer einfachen Idee bestehen. Diese Idee aber von allen verschiedenen Seiten zu erforschen und ihre Vielfalt und Schönheit zu sehen (sogar, wenn du dafür auf die Toilette gehen musst), darin liegt das Magische.

Und Kreativität ist die Magie des Lebens.

Kreativität fängt mit einer Idee an und hört niemals au…

SEI EIN SUPERHELD DER SCHLECHTEN IDEEN


Genauso wichtig wie gute Ideen sind schlechte Ideen. Schlechte Ideen, wenn sie respektvoll behandelt werden, können zu guten oder großartigen Ideen werden. Eine schlechte Idee sollte angeschaut und geprüft werden, genauso wie eine gute Idee bewässert werden sollte, bis sie blüht. Wenn du nach einer guten Idee suchst, die Quelle der Inspiration aber gerade nicht „sprudelt”, versuch nach einer schlechten Idee zu suchen. Normalerweise ist es einfacher, eine schlechte Idee zu haben.

Vergiss nicht, dass Kreativität ein Prozess ist, eine Art zu denken und zu fühlen. Deswegen muss man die kreativen Säfte zum Fließen bringen. Indem du dir eine schlechte Idee ausdenkst, erreichst du folgende Dinge: Du schaltest deinen kreativen Denkprozess ein, sobald dein Gehirn schlechte Ideen hervorbringen muss. Vielleicht hast du sogar Spaß dabei. In jedem Fall fällt der Druck weg, da du ja nicht jede schlechte Idee, die dir einfällt, umsetzen musst. Außerdem startest du den wichtigen Eliminationsprozess. Der Prozess des Verwerfens von Ideen, die nicht funktionieren werden, ist der Schlüssel zu der für dein Vorhaben passenden, guten Idee.

Hier einige schlechte Ideen von großartigen Erfindern:

1. Ein Schaf mit sechs Nippeln.

Die Idee stammt von Alexander Graham Bell, der das Telefon erfunden hat.

2. Eine Geisterjäger-Maschine.

Diese „tolle Idee” war von Thomas Edison, dem Erfinder der Glühbirne.

3. Nicht lesen.

Sokrates und andere griechische Philosophen glaubten, dass Lesen die Erinnerung schwächen und die Leute langweiliger machen würde.

Hier einige meiner eigenen schlechten Ideen:

1. Ein Klavierstuhl, der gleichzeitig als Toilette fungiert. Ich könnte so viel Zeit sparen und mein Geschäft erledigen, während ich mein Geschäft erledige. (Da ich Pianist bin, ist es ein Klavier-Stuhl, aber es könnte genauso gut eine andere Art von Sessel sein.)

2. Ein Ordnungssystem für Spam-Mails, welches sie in verschiedene Kategorien sortiert und alphabetisch ordnet.

3. Der Rain-Man-Zähler – eine App, die scannt und zählt, wie viele Zahnstocher oder Streichhölzer vorhanden sind, wenn diese auf den Boden fallen.

Jetzt denk du dir ein paar schlechte Ideen aus:


SCHENKSCHLECHTEN IDEEN ZEIT UND VERTRAUEN

Warte! Mach langsam! Verwirf eine schlechte Idee nicht so schnell.

Bist du sicher, dass es eine schlechte Idee ist? Warum bist du dir da so sicher?

Und was, wenn es die schlechte Idee von jemand anderem wäre? Vielleicht siehst nur du nicht, dass es eine gute Idee ist.

Vielleicht erscheint dir die Idee nur schlecht, weil du glaubst, dass sie nicht umsetzbar ist. Aber kannst du dir vorstellen, dass es doch eine gute Idee sein könnte? Kann es sein, dass diese schlechte Idee, mit der du konfrontiert bist, in Wirklichkeit eine gute Idee ist, die lediglich Menschen braucht, die sie verstehen und für andere nützlich machen können?

Wenn wir mit anderen kreativ zusammenarbeiten und dabei Probleme lösen wollen, dann müssen wir ihnen das Gefühl geben, dass ihre Idee nicht sofort beurteilt wird. Menschen sind gehemmt, wenn sie den Eindruck haben, beurteilt oder ausgelacht zu werden. Wenn man eine Idee sofort abschießt, dann wirkt das wie ein Verhütungsmittel gegen Kreativität.

Versuche dem Impuls, jemandem zu widersprechen, zu widerstehen und vermeide es, Dinge wie „Nein”, „Das ist furchtbar”, „Ich hasse das” und „Was für eine dumme Idee” zu sagen. Probier stattdessen, positiv und ermutigend zu sein, aber auch bescheiden in Bezug auf deine eigenen Ideen. Schaff eine Atmosphäre, in der alles möglich ist, ein Paradies, in dem keine Idee schlecht ist. Erzeuge ein Umfeld zügelloser Freiheit.

Mag sein, dass du hundert brillante Ideen hast, aber vielleicht hat dein Partner zu einer davon genau das Körnchen, das dir fehlt. Wenn du die Ideen oder die Leute, die sie haben, im Keim erstickst, wirst du dein Problem nicht lösen können. Hör also immer zu. Sei immer dankbar. Und hör nie auf, zuzuhören.

Wenn man eine Idee sofort abschießt, dann wirkt das wie ein Verhütungsmittel gegen Kreativität.

Sei mutig und risikofreudig mit deiner schlechten Idee. Deine schlechte Idee könnte in den richtigen Händen das nächste große Ding werden! In den 1890er-Jahren war Radfahren in Amerika sehr populär.

Nur ein Jahrzehnt später war es aus der Mode und Kritiker meinten, es sei ein vorübergegangener Trend – „die Popularität des Rads ist dem Untergang geweiht”, schrieb das Magazin The Post – und heute ist Radfahren eines der am weitesten verbreiteten Transportmittel und eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten.

1917 kam flüssiger Nagellack auf den Markt. Das Vogue- Magazin stellte in Frage, wie sicher er sei, die New York Times nannte ihn eine Modeerscheinung und andere bezweifelten seine Nachhaltigkeit. Nagellack ist immer noch da! Sogar Edisons Glühbirne wurde von Henry Morten abgelehnt, der damalige Präsident des Stevens Institute of Technology nannte sie 1879 einen „offensichtlichen Reinfall”.


WIE DU EIN SUPERHELD DER SCHLECHTEN IDEEN WIRST

Denk an einen Superhelden aus Comics. Eine Eigenschaft, die viele Superhelden eint, ist, dass sie bereit sind, öffentliche Erniedrigungen auf sich zu nehmen, um ein größeres Ziel – nämlich die Rettung der Welt vor dem Bösen – zu erreichen. Häufig bleiben ihre Taten unbelohnt, während sie ihr eigenes Leben riskieren, um andere zu retten.

Nun, du musst nicht dein Leben aufs Spiel setzen, aber mitunter deinen eigenen Stolz für das große Ganze überwinden und die eine oder andere schlechte Idee opfern. Nehmen wir an, du gehst mit Freunden aus und ihr diskutiert darüber, was ihr essen wollt. Du bemerkst, dass niemand den ersten Schritt machen und etwas vorschlagen will. Vielleicht haben alle eine „Restaurant-Aussuch-Blockade”. Zaubere in diesem Moment deinen Schlechte-Ideen-Umhang hervor und ruf: „McDonald’s!”

Die McDonald’s-Theorie von Jon Bell besagt, dass, wenn niemand eine Idee hat, wo man essen gehen soll, man immer „McDonald’s” sagen sollte. Dadurch sind alle sofort angewidert und versuchen rasch, eine bessere Alternative zu finden.

Wir verurteilen dich nicht dafür, wenn du Junk Food isst, wir selbst haben uns in großen Mengen von McDonald’s ernährt, aber in den letzten Jahren haben wir realisiert, wie viel Freude es macht, frisches, biologisches Essen zu sich zu nehmen, und wir fühlen uns viel besser. Wir können nicht oft genug dazu ermutigen, sich gesund zu ernähren, vor allem weil Junk Food einem die Stimmung vermiest und Kreativität nicht begünstigt.

Durch richtige, gesunde Ernährung wirst du eine Verbesserung deiner Haut, deiner Verdauung, deiner Fitness, aber auch deiner Schlafqualität bemerken und… ja, du hast es erraten, du wirst dich kreativer fühlen und kreativer sein.

Sei in jedem Fall der Erste, der einen Vorschlag bringt, einen ersten, schlechten Entwurf, eine furchtbare Lösung. Das Wichtige ist, dass du den ersten Schritt gemacht hast, denn der erste Schritt ist häufig der schwierigste.

Andererseits, wenn du bemerkst, dass jemand anderer der Schlechte-Ideen-Superheld ist, verurteile ihn nicht und mach ihn nicht runter. Wir brauchen diese Keim-Spender, die das Risiko auf sich nehmen, etwas in Gang zu bringen, denn diese Keime können zu Innovationen sprießen. Nimm die schlechte Idee und wirf sie herum wie einen Pfannkuchen in der Bratpfanne.

Servier die schlechte Idee jemandem anderem. Spiel Ping-Pong mit einem Ball, der nicht ganz funktioniert. Hast du das jemals wirklich versucht? Natürlich ist es blöd und es ist kein eigentliches Tischtennis-Match, aber es macht immensen Spaß, vor allem, weil der Ball auf seine eigene Art springt (oder eben auch nicht springt). Wenn jemand eine Chance haben will, ihn zurückzuschlagen, braucht er schnelle Reflexe.

Aleksey und ich verwenden das Bild des Ping-Pong-Spielens oft, um unseren kreativen Prozess zu beschreiben. Einer von uns hat eine Idee, und wir servieren sie zu dem anderen rüber, der schießt zurück, verleiht dem Ball jedoch einen solchen Spin, dass er vollkommen die Richtung verändert. Manchmal fliegt ein Ball zur Seite oder ins Out, aber diese Ideen (wenn wir bei der Metapher bleiben) können neue Ideen hervorbringen, Neben-Ideen, welche dann ein Eigenleben entwickeln können.



LASS UNS EINEN PAPAGEI HINZUFÜGEN

Wenn wir als Igudesman & Joo Szenen schreiben, fügen wir häufig „einen Papagei hinzu”. Diese Bezeichnung stammt von einer bekannten Monty-Python-Szene, dem Dead Parrot Sketch. Ursprünglich ging es in diesem Sketch um einen Autohändler, der seinem Kunden gegenüber leugnet, dass etwas mit dem Auto nicht stimmt, obwohl es offensichtlich kaputt ist.

Ein Mitglied der Monty Pythons, Graham Chapman, schlug vor, dass anstatt eines kaputten Autos ein toter Papagei zurückgebracht werden sollte. So versucht am Ende der Szene der Kunde einen toten Papagei zurückzubringen, nachdem er entdeckt hat, dass er ihm tot und angenagelt im Käfig verkauft wurde. Der Ladenbesitzer leugnet, dass der Papagei tot ist, obwohl er sich offensichtlich nicht bewegt.

Eine vollkommen absurde, jedoch genial lustige Situation.

Als Igudesman & Joo fragen wir uns oft, wie wir eine Idee einen Schritt weiter denken und einen „toten Papagei hinzufügen” können.


DIE WICHTIGKEIT DES UMSCHWENKENS

Denken wir noch einmal an all die Wissenschaftler und Erfinder, deren Ideen zu ihren Lebzeiten als lächerlich abgestempelt wurden, mittlerweile jedoch akzeptiert sind.

Und dann vor allem an jene Ideen, die als eine bestimmte Sache begannen, nur um sich dann zu etwas ganz anderem zu entwickeln.

Wusstest du, dass YouTube ursprünglich eine Video-Dating Seite war?

Und Instagram als eine „Ortungs-App” startete?

Ihre Schöpfer hatten die Fähigkeit, von ihrer ursprünglichen Idee ausgehend umzuschwenken und sie zu verändern.


Es gibt keinen geraden Weg für Kreativität.

Kreativität ist nicht linear.

Deswegen muss man auch zur Seite treten, um die Ecke denken, oder sich im Zick-Zack bewegen.

Es ist eher wie Zeitreisen, im Weltraum umherhüpfen, oder dimensionales Teleportieren.

Um von A nach B zu kommen, kann es sein, dass du an Folgendem vorbei musst:

• X, Y, K

• Die Nummer drei

• Orangen und Zitronen

• Eine Partie Schach

• Und dann noch eine Katze den Baum hinaufjagen

Es kann sogar sein, dass du bei Punkt B ankommst und bemerkst, dass es nicht B ist, was du eigentlich willst und dir dann – Heureka! – dämmert, dass du in Wirklichkeit W zum Quadrat mal der Kraft der Aprikose gesucht hast!

[(W2)Aprikose].

LX: Hei, das ist wirklich genau das, wonach ich gesucht habe!

HK: Schön, dass ich dir helfen konnte.

LX: Du bist der Beste.

HK: Ich weiß.

LX: Ja, leider tust du das.

Manchmal ist eine Idee nicht unbedingt schlecht, aber die Art und Weise, wie sie formuliert ist, wird ihr nicht gerecht.

Nimmt man das berühmte halbe Glas Wasser, dann wird man – abhängig davon, welcher Persönlichkeitstyp man ist – sagen, dass es entweder halb voll oder halb leer ist.

Indem du dieses halbe Glas in einen Kontext bringst, in den sich jemand anderer einfühlen kann, kannst du steuern, wie deine Idee aufgenommen wird.

Das Glas selbst verändert sich nicht, egal, ob es halb leer oder halb voll ist. Aber du kannst beeinflussen, wie es wahrgenommen wird, indem du es auf unterschiedliche Weise präsentierst.


HAST DU EIN BAUCHGEFÜHL?

Menschen, die ein glückliches Leben führen, folgen ihren Instinkten, ihrem Bauchgefühl.

Oft ist der erste Gedanke, der dir kommt, der beste.

Trau deinem Unterbewusstsein zu, die Führung zu übernehmen.

Nimm deine Ideen in der Sekunde auf, in der du sie hast, entweder als Sprachmemo, oder schreibe sie in ein Ideenbuch. Manchmal habe ich mitten im Schlaf eine Idee, oder direkt beim Aufwachen.

Mir kommt dann vor, dass diese Idee so klar und brillant ist, dass ich sie nie vergessen werde. Kaum ist eine halbe Stunde um, kann ich mich ums Verrecken nicht an sie erinnern.

Deswegen mache ich mir jetzt die Mühe, mit meiner rauchigen Stimme in ein Diktiergerät zu sprechen; sogar wenn ich im Halbschlaf bin, nehme ich meine Ideen für die Ewigkeit auf! Ab und zu höre ich mir dann alles an und gehe meine Ideen durch.

Viele davon sind schlechte oder sinnlose Ideen, aber es macht eine Menge Spaß, sie sich anzuhören. Im schlimmsten Fall gönne ich mir damit ein wenig Unterhaltung.

Ich kichere und lache, manchmal sogar laut. Es ist gut zu lachen, das werden wir an anderer Stelle in dieser Banane – ich meine, in diesem Buch – entdecken.


Hast du das kleine Wesen entdeckt, das an manchen Ecken lebt?

Das ist ommo. ommo lebt an Ecken und ist die Erfindung von Sabina Hasanova. Unsere Freundin Sabina ist eine Pianistin mit vielen Talenten.

Bleib für alle Ideen offen. Du weißt nie, wohin sie dich führen.



KOMMUNIZIERE UND RETTE DIE WELT

Kommunikation ist der Schlüssel zu jeder Beziehung. Eigentlich ist Kommunikation sogar der Schlüssel dafür, dass jede Gesellschaft funktioniert. Und die Welt. Wenn wir die Kommunikation auf der ganzen Welt verbessern würden, dann könnten wir alle Probleme lösen. Und alle Konflikte und Kriege beenden. Wäre das nicht schön?

Aber jede Art von Kommunikation braucht Kreativität. Wir müssen dafür einen kreativen und offenen Geist haben. Wir mögen uns Dinge ausdenken, aber wir müssen auch zuhören und aufnehmen, was sich die anderen ausdenken. Dann beginnen wir, ein wunderschönes Duett zu spielen, ein Lied zu singen oder sogar Kammermusik zu machen, wenn mehrere Leute anwesend sind.

Okay, nicht buchstäblich, das ist nur ein Vergleich. Aber so funktioniert Musik. Wir spielen und wir hören zu. Und das Zuhören ist mindestens so wichtig wie das Spielen, wenn nicht sogar wichtiger. Sogar das Zuhören verlangt Kreativität.

Wenn wir mit jemandem sprechen, wissen wir nicht immer, was wir sagen werden. Es ist nicht nur wichtig zuzuhören, was die andere Person sagt, wir müssen uns auch bemühen, die Nachricht wirklich zu verstehen, die uns der andere übermitteln möchte.

Nicht einfach nur die Worte, sondern die tatsächliche Bedeutung der Worte. Die Bedeutung dieser Worte für diese Person. Was bedeuten die Worte im Kontext? Gibt es einen Subtext? Und falls ich zwischen den Zeilen lesen soll: Was will man mir in Wirklichkeit mitteilen?

Wenn wir unsere Kreativität einsetzen, gelangen wir immer öfter hinter den Sinn der Worte. Eigentlich sogar immer. Was bedeuten würde, dass wir die Meinung von jedem verstehen könnten. Indem wir verstehen, geben wir Menschen das Gefühl, wirklich gehört worden zu sein, und wir versetzen uns in die Lage, auf unsere kreative Art antworten zu können. Wenn dann auch unsere Worte in derselben Weise aufgenommen werden, beginnt die echte, wahre Kommunikation – ein sehr seltenes Phänomen. Auch wenn Meinungen auseinandergehen: Mit dieser Art der Kommunikation können Unterschiede überwunden und sogar gefeiert werden.

HK: Wissen, akzeptieren, verstehen.

LX: Wie bitte?

HK: Naja, wenn du mir etwas kommunizierst, dann weiß ich, was du meinst. Danach muss ich es in irgendeiner Weise akzeptieren, die Tatsache annehmen, dass du so empfindest, es deine Sichtweise ist, dass du das ausdrücken willst, und dann muss ich einen Weg finden, es zu verstehen.

LX: Und nicht nur aus deiner, sondern auch aus meiner Perspektive. Empathie.

HK: Ja, denn Empathie ist der Schlüssel für Kreativität. Darüber spreche ich im Kapitel „Das kreative Herz”.

LX: Wow, ausnahmsweise einmal streiten wir nicht.

HK: Weil wir einander ausnahmsweise einmal wirklich zuhören.

HÖR ZU, UND DIE WELT GEHÖRT DIR

Die Kunst des Zuhörens bei Konversationen, in der Musik, in Streitgesprächen und im täglichen Leben ist wohl der wichtigste Teil jedes Versuches, die Welt zu retten. Lasst uns einen kurzen Blick auf den Unterschied zwischen passivem Hören von Musik und aktivem Hören der Musik beim Musizieren werfen.

Musik hören:

Es gibt verschiedene Arten, Musik zu hören. Und verschiedene Arten, sich beim Musizieren gegenseitig zuzuhören. Lasst uns zunächst versuchen, den Unterschied zu verstehen.

Wenn wir Musik hören, bedeutet das, dass wir als Außenstehender zuhören.

Vielleicht sind wir Konzertbesucher, oder wir hören einfach zuhause oder auf einer Reise mit unseren Kopfhörern Musik.

Wenn wir beim Musizieren zuhören, dann tun wir das als aktive Musiker, sei es in einer Gruppe, im Orchester oder sogar als Dirigent. Diese Art des Zuhörens ist dem Zuhören während eines Gesprächs sehr ähnlich.

„Ein Streichquartett ist eine Unterhaltung zwischen vier vernünftigen Leuten.”

– Goethe

Aber zurück zum sozusagen „passiven” Zuhören. Es gibt auch da mehrere verschiedene Arten, Musik zu hören, je nachdem, welche Art von Musik es ist und wer der Komponist ist.

Manche Komponisten schreiben meditative Musik, die man am besten genießt, indem man die „Atmosphäre” spürt. Dann gibt es die Kompositionen, die einen zum Tanzen verleiten, also einen physischen Aspekt haben. Und die dritte Kategorie sind Werke, die uns aufrütteln und überraschen.

Natürlich gibt es auch Musik, die genau zwischen diese Sparten fällt. Man kann zum Beispiel argumentieren, dass Minimal Music im Bereich der klassischen Musik meditativ und atmosphärisch ist. Wenn man sich dann aber bestimmte Werke von John Adams anhört, wird man sie eher dynamisch und überraschend finden.

Wenn wir zuhören, sollten wir immer aktiv und niemals passiv zuhören.

Meine persönlich bevorzugte Art, Musik zu genießen, ist das „erwartungsvolle” Hören. Das funktioniert zum Beispiel mit Beethoven besonders gut. Ohne dabei zu technisch klingen zu wollen: Bestimmte Akkordfolgen ergeben Sinn, auch wenn man nichts über Harmonik weiß. Das heißt, Musik hat oft eine in sich logische, natürliche Abfolge.

Es ist einfach, zu erraten, was als nächstes kommen wird. Aber Beethovens Musik und eine Menge anderer guter Musik, egal welcher Sparte, wird dich bei jeder Gelegenheit überraschen. Ob es die Harmonik ist, die Melodie, der Rhythmus, Beethovens Musik ist immer unerwartet und deshalb immer aufregend. Hör einfach zu und versuch zu erwarten, was als nächstes kommt. Ludwig wird dich jedes Mal überraschen.

Das Zweite, was passiert, wenn du erwartungsvoll zuhörst, ist, dass sich deine Ohren öffnen. Es ist sehr einfach, Musik zu hören (und da verhält es sich in Gesprächen nicht anders), ohne wirklich zuzuhören. Hören, ohne dass man die Sachen wirklich aufnimmt, die man hört. Wenn wir zuhören und versuchen zu erahnen, was als Nächstes kommt oder was die Person als Nächstes sagen wird, werden wir öfter als wir denken überrascht sein.

Das wiederum wird uns zum Nachdenken bringen, und das kreative Uhrwerk in unserem Gehirn wird sich zu bewegen beginnen. Ist das in diesem Stück Musik wirklich gerade passiert? Hat er oder sie das wirklich gerade gesagt? Was bedeutet das? Das ist ein aufregender Prozess, und zwar ein eher aktiver als passiver.

Wenn wir zuhören, sollten wir versuchen, aktiv statt passiv zu hören. In dem Moment, in dem wir unseren Geist und unser Gehirn beim Zuhören abschalten, „spüren” wir die Musik nur noch. Daran ist nichts Falsches. Es ist eine großartige Methode, meditative Musik aufzunehmen, die auf andere Weise beruhigend für die Seele sein kann. Ob Satie oder Philipp Glass, Trance oder New-Age-Musik, sofern die Musik gut ist, hat sie andere Funktionen.

Dann gibt es „angenehme” aber trotzdem bedeutungsvolle Musik, wie vieles von Mozart und Chopin. Ihre Werke können aber auch überraschend und aufregend sein. Man kann sie auf verschiedenen Ebenen genießen. In gewisser Weise ist ihre Musik eine Mischung zwischen angenehm und überraschend.


Und zu guter Letzt gibt es physische Musik, die dich motiviert, dich zu bewegen und zu tanzen. Das kann Rock-Musik oder Hip-Hop sein, aber auch klassische Musik trägt dieses Element in sich. Barock-Musik hat manchmal diese tanzfreudigen Elemente, aber selbstverständlich auch der Walzerkönig Johann Strauß.

Beim Musizieren zuhören:

Wenn wir aktiv Musik machen, in welcher Form von Ensemble auch immer, ist noch eine andere Ebene des Zuhörens erforderlich. Es ist eine Kombination daraus, einerseits zu erwarten, was die andere Person sagen wird, es aber auch schon zu wissen. Man weiß auch, was man selber sagt.

Zugleich aber sollte man davon überrascht sein und zuhören, als ob man es zum ersten Mal hört. Denn die Art, auf die es dein Musikerkollege sagen wird, wird jedes Mal anders sein.

Die Noten oder Wörter mögen gleich scheinen, aber Zeit und Ort, an denen sie gespielt oder gesagt werden, werden sie immer anders klingen lassen. Es könnte sich sogar die Bedeutung ändern. Wenn wir beim Musizieren wirklich zuhören, anstatt nur zu versuchen, unsere Noten zu spielen, dann wird die Musik so viel mehr Sinn für uns ergeben. Sie wird allen mehr Genuss bereiten und die Kreativität gedeihen lassen. Und das gilt ebensosehr für Barock- wie für Rock-Musik oder für einen Schauspieler in einem Theaterstück.

In einer Unterhaltung kann man natürlich Spaß haben. Nicht jedes Gespräch muss die Welt ändern oder retten. Aber wenn du mit Menschen sprichst und über etwas diskutierst, dann ist das Zuhören das Wichtigste. Nur wenn du wirklich zuhörst, kannst du den anderen ehrlich verstehen und seine Sichtweise akzeptieren.



DAS ZUHÖRSPIEL

Ruf jemanden an, von dem du weißt, dass er über eine Sache eine andere Meinung hat als du. Bitte die Person darum, am Telefon darüber zu sprechen, oder noch besser: triff sie persönlich.

Wenn ihr dann über das Thema redet, stell nur Fragen.

Frag die Person, warum sie so denkt, wie sie denkt.

Frag nach Details. Versuch zu verstehen.

Frag so lange, bis du den Standpunkt der Person wirklich verstanden hast.

Wenn die Sichtweise der Person eher banal oder einfach falsch ist, dann wirst du wahrscheinlich bemerken, dass sie beginnen wird, sich selbst zu widersprechen, wenn du nur lange genug die richtigen Fragen stellst. Vielleicht wird die Person sogar selber merken, dass sie falsch liegt. Das könnte passieren, ohne dass du selbst auch nur ein einziges Wort zur Verteidigung deiner Position äußern musst.

Sobald du den Blickwinkel der Person wirklich verstanden hast, bedank dich für die Erläuterung. Gib deinem Gegenüber das Gefühl, ihm oder ihr zugehört und verstanden zu haben. Mach der Person ein Kompliment dafür.

Anstatt deine Sichtweise durch Fakten und Aussagen zu präsentieren, stell weitere Fragen, wie zum Beispie:

• Hast du schon einmal daran gedacht, dass…?

• Was denkst du über…?

• Könnte es deiner Meinung nach auf diese andere Art funktionieren…?

• Was wäre das Problem daran, wenn…?

• Was könnten positive Aspekte der gegensätzlichen Sichtweise sein…?

Die einfachste Methode, ein Argument vorzubringen, besteht darin, es dein Gegenüber für dich tun zu lassen.

Lass den anderen zuhören und für sich selbst denken.

Lass ihn zu denselben Schlüssen wie du kommen, indem du deinen eigenen Standpunkt hinterfragst. Auf diese Weise wird der andere deine Sichtweise am Ende verstehen. Ohne mit dir übereinstimmen zu müssen. Oder du wirst vielleicht feststellen, dass der Standpunkt des anderen der Wahrheit tatsächlich näher ist als deiner.

Wie auch immer: Mit dieser Art von Debatte lässt sich immer eine Lösung finden.

Ergo: Ein Schritt näher an der Rettung der Welt.

Kommunikation ist der Schlüssel, um jede Beziehung gesund zu halten und die Welt zu retten.


WENN DIE KREATIVITÄT ZUSCHLÄGT

Kreativität kann jederzeit zuschlagen.

Während eines Morgenlaufs, beim Schwimmen, unter der Dusche, vor dem Einschlafen oder beim Aufwachen. Sie manifestiert sich mal als vage, mal als detaillierte Idee. Manchmal mag sie albern sein, aber eine Idee ist trotzdem eine Idee.

Deine Idee kann alles sein: Wie man eine Dose Bohnen effizienter öffnet, wie du deinen Partner dazu überredest, nicht zur Arbeit zu gehen, um bei dir im Bett zu bleiben, oder weniger Wichtiges, wie zum Beispiel, wie man die Welt rettet, indem man ein Buch über Kreativität schreibt.

Deine Idee kann eine Melodie sein, die du noch nie gehört hast und die dir jetzt im Kopf herumschwirrt.

Es kann eine Idee für ein Musikstück, ein Theaterstück, einen Film oder das Menü für das nächste Abendessen daheim sein.

Oder aber ein einfacher Satz oder Vorsatz, der dein Leben in irgendeiner Weise besser macht.

Wir alle haben schon diese plötzlichen Ideen und Inspirationen erlebt, und wir alle wissen, wie flüchtig sie sein können. Schreib sie nieder und beurteile sie nicht zu früh.

Die Magie liegt nämlich in der Ausführung.



DREI TAGE NOTIZEN

Schreib die nächsten drei Tage jede noch so kleine oder auch große Idee nieder, die dir in den Kopf kommt – und zwar von genau jetzt an.

Du kannst ein kleines Notizbuch mit Stift verwenden, oder aber einfach dein Handy oder deinen Computer. Manche werden sagen, dass Handschrift dafür besser ist als Elektronik.

Ich habe beides probiert und war mit beiden Ergebnissen zufrieden. Aber glaub mir das nicht blind, sondern mach es so, wie es für dich am besten funktioniert.

Ich würde sogar sagen, versuch es drei Tage lang mit Papier. Und danach drei Tage lang mit Handy/Tablet/Laptop.

Vergleich die Qualität und wie sich das Schreiben jeweils angefühlt hat. Schreib die Notizen so einfach oder komplex, wie du möchtest.

Beim Schreiben wirst du womöglich feststellen, dass dir mehr Details zu deinen Ideen einfallen und das wiederum neue Ideen auslöst.

Zum Beispiel könnte es passieren, dass du gerade darüber nachdenkst, wie du all deine Plastiktüten durch Baumwolltüten ersetzen könntest, um die Umwelt zu schützen, und dir dabei einfällt, dass du das eigentlich auf Plastikflaschen ausdehnen könntest.


WIE FINDET MAN EINE GUTE KREATIVE IDEE?

Wie schon erwähnt, glaube ich nicht an schlechte Ideen. Und Hyung-ki tut es auch nicht.

Jede Idee kann uns zu einer weiteren inspirieren, und die wieder zu einer neuen.

Und technisch betrachtet ist jede Idee kreativ.

Sie ist aus deinem eigenen Geist gekommen, und es war pure Kreativität, die sie hervorgebracht hat.

Schätze sie. Schreib sie nieder.

Nach den drei Tagen der Niederschrift all deiner Ideen auf Papier und den drei Tagen am Handy/Computer/Laptop leg einen Ruhetag ein, und dann lies alles, was du geschrieben hast. Plötzlich wird dir einiges klar werden.

Du wirst realisieren, woran du weiterarbeiten willst, worin du dich vertiefen willst und was dich dazu inspiriert, etwas anderes zu tun. Du wirst vermutlich nicht eine einzige Idee finden, die nutzlos ist. Alles wird seinen Platz und seinen Zweck haben. Der nächste wichtige Schritt ist die Weiterentwicklung dieser kreativen Ideen.

WIR KÖNNEN ALLES SCHAFFEN

Ich glaube, dass wir alles schaffen können. Aber natürlich haben wir nur ein Leben, sodass wir uns Dinge aussuchen und Prioritäten setzen müssen. Deshalb ist es wichtig, die Ideen hin und wieder zu sortieren und zu schauen, aus welchen wir etwas Größeres machen wollen.

Du kannst dir auch einen Zeitplan dafür machen, wann du welche Idee weiterentwickeln willst. Aber sorge dafür, dass du die Ideen archivierst, die du nicht gleich benutzt.

Jede Idee ist ein Geschenk.

Es gibt Menschen und Bücher, die dir sagen, dass du „eine Sache” und „nur diese eine Sache” tun sollst, wenn du erfolgreich sein willst. Ein Spezialist zu sein und dich auf eine Sache oder einen Teil deines Lebens zu fokussieren, wird dir vielleicht finanziellen Erfolg bescheren.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass du dafür weniger glücklich bist, wichtige Teile deiner Persönlichkeit und eine Menge Kreativität links liegen lassen musst, ist ziemlich hoch.

Und während du vielleicht mehr Geld und äußerlichen Erfolg hast (wobei selbst das in keiner Weise garantiert ist), wirst du immer das Gefühl haben, etwas zu verpassen.

Teile deiner selbst werden dir fehlen. Teile deiner Persönlichkeit.

Feiere deine Vielseitigkeit! Finde heraus, worin du gut bist. Entwickle deine Stärke.

Aber bleib offen und folge deinen Träumen und Launen.

Glaub mir, du kannst alles haben!


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