Kitabı oku: «GAMES OF DISGUISE», sayfa 2

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Kapitel 3

„Sie dürfen nichts mit reinnehmen.“

Die Justizbeamtin hält mir demonstrativ eine Plastikbox hin. Ergeben lege ich Handy, Schlüssel, Geldbörse, einen Tampon und was ich sonst noch in meiner Jackentasche habe, in die Box.

„Das auch?“ Ich reiche ihr ein Kreuzworträtselheft, in dem ein Kuli klemmt und blicke sie unschuldig an. Sie mustert mich, nimmt den Kuli ab, blättert durch die Seiten, schüttelt das ganze Heft und legt es ebenfalls in die Box mit dem Kuli.

Shit! Dieser Plan ist direkt in die Hose gegangen. Ich hatte gehofft, dass ich mich auf diesem Weg heimlich mit meinem Vater austauschen kann, ohne dass es jemand mitkriegt.

Sie winkt mich weiter durch einen Körperscanner. Ich kann nur beten, dass diese Geräte rein auf Metallgegenstände reagieren. Sekunden später bin ich auf der anderen Seite und atmete wieder aus. Das Ding hat keinen Alarm ausgelöst. Anschließend werde ich von einer dicken kleinen Frau in Uniform abgetastet. Ihre klobigen Finger wandern über meinen Körper, während sie keine Miene verzieht. Ich halte den Atem an und bete, dass sie nichts merkt. Ich blicke auf ihr Gesicht, sehe die leichte Behaarung auf über ihrer Oberlippe, fühle wie sich ihre Hände auf meine Brüste pressen. Sie schaut mich an, Begehren in ihrem Blick. Auch das noch. Eine Lesbe in Uniform. Ich drehe den Kopf zur Seite, damit sie erst gar nicht auf irgendwelche Gedanken kommt. Sekunden später winkt sie mich durch. Erleichtert atmete ich auf und laufe ein wenig langsamer und ungelenker als sonst zu einer der Wartebänke. Die gefakten Bodyteile aus Latex, die ich um meinen Bauch und Hintern trage, fühlen sich ungewohnt und sperrig an. Sie verwandeln meinen schlanken und gut gebauten Körper in eine unsportliche Gestalt mit ausgeprägten Fettpolstern. Meine Kopfhaut schwitzt unter der Perücke aus schulterlangem, glattem schokobraunem Haar. Es hat mich einige Mühe gekostet, meine langen, dunkelblonden Haare so unter die Perücke zu quetschen, dass es nicht auffällt. Die Kontaktlinsen habe ich in Dunkelbraun, passend zu meiner Haarfarbe gewählt. Über meine Vorderzähne habe ich um ein paar Nuancen dunklere Zahnimitate geschoben, so wie sie im Theater oder beim Film verwendet werden. Kaum zu glauben, was Zähne ausmachen. Ich sehe einfach nur gruselig damit aus. Wie eine Vogelscheuche. Immerhin hat dieses Outfit schon mal bewirkt, dass ich meinen Vater heute wenigstens für zehn Minuten sehen darf. Der Direktor hat mir ausführlich erklärt, dass erst ein Besucherantrag ausgefüllt und bestätigt werden müsste. Danach erst dürfte ich meinen Vater einmal im Monat für eine Stunde besuchen. Daraufhin habe ich in seinem Büro eine Oscar reife Szene abgeliefert, zu der mich meine Mum sicherlich beglückwünscht hätte. Ich habe die unschuldige und völlig am Boden zerstörte Tochter gespielt, die gerade von einem anstrengenden Flug aus den Staaten angekommen ist, um ihren Vater zu sehen. Der Direktor wollte sich erst gar nicht erweichen lassen. Als ich jedoch in Tränen ausgebrochen bin und einen hysterischen Nervenzusammenbruch vom Allerfeinsten hingelegt habe, hat er dann doch noch ein Auge zugedrückt und mir ganze zehn Minuten gewährt. Ich denke mehr, um mich loszuwerden, als aus Mitleid.

Zwei Justizbeamte führen mich einen langen Gang entlang, der mit grellem Neonlicht ausgestrahlt ist und bringen mich in einen Raum, der durch eine dicke Scheibe getrennt ist. Auf meiner Seite stehen zwei Justizbeamte, auf der anderen Seite ebenfalls. Der Raum wird außerdem mit Kameras überwacht. Ich muss mich auf einen Stuhl setzen und warten. Es dauert einige Zeit, ehe mein Vater auf der anderen Seite des Raumes mit Handschellen hereingeführt wird. Ich zucke zusammen, als ich ihn sehe. Er trägt graue Gefängniskleidung und so grau wie der hässliche Anzug ist auch sein Gesicht. Es zerreißt mir das Herz, meinen Vater so zu sehen. Er stutzt unmerklich, als er mich sieht und ich glaube, im ersten Moment hat er keine Ahnung, wer da sitzt. Er nimmt ebenfalls Platz, starrt mich durch die Scheibe an. Ich beuge mich zu dem kleinen Quadrat, durch das man sprechen muss.

„Hi Pappa.“

Wenn er über mein Aussehen geschockt ist, lässt er sich nichts anmerken, außer einem winzigen und flüchtigen Anflug von Lächeln.

„Robbel.“ Seine Stimme klingt tief und fest wie immer. „Du solltest nicht hier sein!“ Der Vorwurf ist unüberhörbar.

„Du erst Recht nicht.“, kontere ich und entlocke ihm damit ein kurzes Lächeln.

„Wie geht’s dir, Pappa?“

Saublöde Frage, aber mit zwei Aufpassern im Rücken und die Kameras auf einem gerichtet, ist es ziemlich schwierig, belanglose Konversation zu führen und gleichzeitig wichtige Informationen auszutauschen, die keiner mitbekommen soll. Außerdem sind zehn Minuten viel zu wenig. Ich hab‘ grad keine Ahnung, wie ich an die Infos rankommen soll, die ich brauche, ohne dass es auffällt. Aber mein Vater ist smart. Auch er will die wenige Zeit, die wir haben, sinnvoll nutzen. Sein Blick wandert zu den Kameras und weiter zu den Justizbeamten, die an der Tür stehen. Ich kapiere. Er wird hier nichts preisgeben und sehr vorsichtig sein. Offenbar vertraut er dem Gefängnispersonal nicht.

„Was macht dein Freund?“

Ich habe zurzeit keinen festen Freund. Das weiß auch mein Vater.

„Welchen von beiden meinst du?“, hake ich nach.

„Dorian Fullham.“

Der Name sagt mir überhaupt nichts, aber offenbar ist er wichtig für meinen Vater.

„Läuft ganz gut.“

„Vergiss den anderen Looser. Fullham ist ein Gewinner. Genau der Mann, den du brauchst.“, erklärt mein Vater und starrt mich durchdringend an. Ich nicke leicht. Wer immer Dorian Fullham ist, offenbar will mein Vater, dass ich mit diesem Mann Kontakt aufnehme.

„Was ist wirklich passiert?“, frage ich dann leise.

Er zuckt die Schultern. Hoffnungslosigkeit steht in seinen Augen.

„Ich kann mich an nichts erinnern. Totales Blackout.“

Während er das sagt, tippt er mit dem Zeigefinger an seinen Nacken, so als würde er sich kratzen. Dabei schaut er mich nachdrücklich an. Wie hypnotisiert verfolge ich seinen Finger, der immer noch einen kleinen Kreis an seinem Nacken beschreibt. Ich hab‘ keine Ahnung, was das bedeuten soll.

„Ich muss in deine Wohnung. Meine ganzen Zeugnisse sind dort. Die brauche ich, um mich hier für einen Job zu bewerben.“

Das ist natürlich gelogen. In Wahrheit brauche ich jemand, der mir falsche Papiere besorgt. Mein Vater kennt sie alle, die Hehler, die Urkunden- und Geldfälscher. Ich hoffe, er versteht, worauf ich hinaus will.

„Die Wohnung ist versiegelt. Deine Sachen sind bei Onkel Rolfie.“

Zum Glück hat er es kapiert. Rolle-Rolfie ist nicht mein Onkel, sondern einer seiner Mitarbeiter im Volve Club.

Mein Blick fällt auf die Uhr. Die zehn Minuten sind gleich um. Danach kann ich meinen Vater erst wieder in drei Wochen besuchen.

„Brauchst du irgendetwas?“, frage ich ihn. „Soll ich dir das nächste Mal was mitbringen?“

„Danke. Die haben mir hier ein exklusives Einzelzimmer mit All-inklusive-Service gegeben.“ Seine Stimme trieft vor Ironie.

Einer der Justizbeamten kommt und deutet auf die Uhr. Widerwillig stehe ich auf.

„Sag‘ Dorian, er hat mein vollstes Vertrauen.“, ruft mir mein Vater noch zu.

„Darauf kannst du dich verlassen.“, erwidere ich und werfe ihm noch einen Kuss durch die Scheibe zu, während er ebenfalls aufsteht.

„Und geh‘ deinem Onkel Mick nicht auf die Nerven!“

Obwohl ich mir nichts anmerken lasse, macht mich dieser letzte Satz stutzig. Was zum Teufel meint er damit? Es hört sich fast an wie eine Warnung. Aber das macht absolut keinen Sinn. Onkel Mick ist sein Bruder und engster Vertrauter. Oder will er mir – genauso wie Onkel Mick – damit einfach sagen, dass ich mich aus all dem raushalten soll? Dummerweise kann ich das meinen Vater vor laufenden Kameras nicht wirklich fragen. Ich schaue ihm nach, wie er gerade aus dem Raum geführt wird. Nachdenklich verlasse ich die Justizvollzugsanstalt und gehe zu Fuß durch die Stadt zurück in mein Hotel.

Kapitel 4

Graue Wolken hängen über der Stadt, als ich am nächsten Morgen durch das Frankfurter Westend in den Grüneburgweg laufe. Die Luft ist schwül und es sieht nach Gewitter aus. Ich habe mich wieder für das Gruseloutfit entschieden, nachdem das gestern im Gefängnis so gut funktioniert hat. Wenn ich so erscheine, wie ich wirklich bin und sage, dass Laurenz Bogner mein Vater ist, wird gnadenlos das Urteil über mich gefällt. Man hält mich sofort für die zwar gut aussehende, aber verwöhnte Tochter eines Bordellbesitzers, die meint, mit dem Geld ihres Vaters die halbe Welt kaufen zu können. Keiner wird mich ernst nehmen. Keiner wird sich die Mühe machen, hinter die Fassade zu schauen. Menschen haben nun mal Vorurteile, egal ob gerechtfertigt oder nicht. Also bleibt mir gar nichts anderes übrig, als die unscheinbare, verzweifelte Tochter zu spielen, die von den Geschäften ihres Vaters keine Ahnung, geschweige denn etwas damit zu tun hat, und jetzt aus Amerika zurückgekommen ist, um ihm zur Seite zu stehen und ihm zu helfen.

Kurze Zeit später stehe ich vor einem villenähnlichen Anwesen, das schätzungsweise aus der Jahrhundertwende stammt und aufwendig saniert wurde. Da das Eingangstor nicht richtig verschlossen ist, trete ich ein, ohne zu klingen. Der Vorgarten ist sauber angelegt, ein mit Basaltsteinen gepflasterter Weg führt zu einer breiten Sandsteintreppe und hinauf zum Eingang. Neben der massiven, dunklen Eichentür hängt das silberfarbene Firmenschild einer Anwaltskanzlei. Ich kann Anwälte nicht leiden. Die meisten, die ich bisher auf irgendwelchen Partys kennengelernt habe, waren nichtssagende, blasse Typen, zum Gähnen langweilig, aber trotzdem mit einer Arroganz behaftet, die in diesem Berufsstand anscheinend unabdingbare Voraussetzung ist. Ich schaue kurz auf das silberne Schild. Hier residiert er also, Dorian Fullham, seines Zeichens Anwalt und Strafverteidiger.

Der Gewinner, der meinen Vater raushauen soll.

Aber warum hat er ihm dann nicht gleich das Mandat übertragen?

Und warum ausgerechnet Fullham?

Außer der Internetseite seiner Anwaltskanzlei habe ich nichts aber auch gar nichts über Dorian Fullham im Netz gefunden. Kein Artikel über geführte oder gewonnene Prozesse, kein Foto, kein Facebook, kein Twitter. Wahrscheinlich ist er so alt wie mein Vater oder sogar noch älter. Auf jeden Fall gehört er anscheinend noch zu der Generation, die von Google und Social Media keinen blassen Schimmer hat.

Wieder einmal bin ich froh, dass ich nicht ich, sondern Ussel-Robina, die Unscheinbare und Brave, bin.

Ich drücke auf die Klingel und Sekunden später öffnet sich die Tür. Ein großer, gediegener Eingangsbereich mit einem langen Flur liegt vor mir. Ich laufe den Flur entlang, vorbei an den Besuchertoiletten und gehe eine breite Wendeltreppe hinauf in den ersten Stock. Als ich die letzte Stufe erklommen habe, sehe ich ein großes, offenes Büro, dahinter eine verschlossene, breite Flügeltür. An dem gläsernen Schreibtisch sitzt eine Sekretärin. Sie trägt ein eng sitzendes, dunkles Kostüm mit weißer Bluse, aus der der Ansatz ihrer vollen Brüste deutlich herausragt, hochhackige Schuhe und ihre dunkelblonden Haare sind zu einem strengen Knoten gezüchtigt. Auf dem silberfarbenen Namensschild vor ihr auf dem Tisch steht ihr Name, Celina Müller. Als ich näher trete, schaut sie auf und mustert mich herablassend.

„Ja, bitte?“

„Guten Morgen. Mein Name ist Robina Goodman. Ich möchte gerne zu Dorian Fullham.“

Meine Stimme hat einen ganz leichten, amerikanischen Slang.

Sie blickt kurz in ihren Computer. „Sie haben aber keinen Termin, soweit ich das hier sehe.“

Auch wenn sie versucht, hochdeutsch zu sprechen, der Frankfurter Dialekt ist unüberhörbar.

„Deshalb bin ich ja hier, weil ich gerne einen Termin hätte.“, erwiderte ich höflich und füge in Gedanken „Du Intelligenzbestie“ hinzu.

„Sie müssen vorher anrufen.“

„Hören Sie, es ist wirklich dringend.“

„Er ist noch gar nicht im Haus.“

„Dann warte ich eben.“

„Das geht so nicht. Sie müssen telefonisch einen Termin vereinbaren.“, wiederholt sie starrsinnig.

Was zur Hölle soll dieses Theater? Warum soll ich anrufen, wenn ich doch jetzt sowieso schon hier bin?

„Herr Fullham macht seine Termine selbst.“, fügt sie dann leicht verärgert hinzu.

Aha! Daher weht der Wind. Klarer Fall von Kompetenzbeschneidung.

„Wann kann ich ihn telefonisch erreichen, um einen TERMIN ZU VEREINBAREN?“, wiederhole ich ungeduldig und muss mich bremsen, damit ich sie nicht nachäffe.

„Heute Nachmittag.“

„Gut, dann melde ich mich telefonisch. Kann ich seine Durchwahl haben?“

„Nein. Die darf ich nicht rausgeben.“

Hätte ich mir gleich denken können. Seufzend drehe ich mich um und laufe die Treppe wieder hinunter zur Eingangstür. Ich öffne die Tür, lass sie laut ins Schloss krachen und renne auf Zehenspitzen in die Damentoilette zurück und schließe leise die Tür zu. Zuerst schalte ich das Handy lautlos und suche im Internet die Nummer von der Kanzlei. Es klingelt sechs Mal, bis sie endlich abhebt.

„Kanzlei Fullham. Was kann ich für sie tun?“

„Fahrradkurier. Ich hab‘ eine Sendung für Dorian Fullham abzugeben.“, antworte ich in einem näselnden Ton.

„Und warum klingen Sie nicht einfach?“, raunzt sie mich an.

„Hab‘ ich ja schon drei Mal.“

„Versuchen Sie’s nochmal, dann drücke ich auf den Öffner.“

Himmel! Kann die faule Nuss nicht einfach aufstehen und runtergehen?

„Haben Sie’s jetzt gehört?“, erkundige ich mich.

„Nein. Anscheinend ist die Klingel kaputt. Warten Sie, ich komme raus.“

Na endlich! Erleichtert atme ich auf und presse mein Ohr an die Tür. Kurz darauf höre ich das Klacken ihrer Absätze auf dem Flur. Vorsichtig öffne ich die Tür und sehe, wie sie aus der Eingangstür rausgeht. Jetzt muss es schnell gehen.

Kaum ist sie hinter der Tür verschwunden, schlüpfe ich aus der Toilette und renne die Treppe hinauf zu der Flügeltür. Sekunden später bin ich in Dorian Fullhams Büro und schaue mich um. Der Schreibtisch ist pedantisch aufgeräumt. Außer einem Terminkalender und einem großen Mac-Bildschirm liegt nichts auf der glatten Glasoberfläche. Rechts hinter der Tür stehen zwei schwarze Ledersofas und ein Glastisch. Ich suche vergeblich irgendwelche persönlichen Gegenstände, die etwas über Dorian Fullham verraten würden. Neugierig werfe ich einen Blick auf den Terminkalender. Die Seiten sind so gut wie leer. Für heute dreizehn Uhr ist nur ein großes V eingetragen und für morgen Abend um elf ein G. Er scheint ja nicht gerade sehr ausgebucht zu sein. Und dann macht die dusselige Kuh von Sekretärin so einen Aufriss! Ich setze mich auf eines der Sofas und kann jetzt nur noch hoffen, dass Dorian Fullham bald ins Büro kommt, und zwar, bevor Celina Müller hier hereinschneit.

Zehn Minuten vergehen, da wird die Tür aufgerissen und ein großer, gut gebauter Typ im Anzug stürzt rein, knallt die Tür wieder zu und rennt, scheinbar komplett in Gedanken versunken, an mir vorbei an seinen Schreibtisch. Er hat ein ziemlich breites Kreuz und einen gut proportionierten Hintern, soweit man das durch eine Anzughose erkennen kann. Ich stutze, da ich eigentlich einen behäbigen, grauhaarigen Mann im Alter meines Vaters erwartet hatte.

„Hi.“, sage ich laut.

„FUCK!“ Er fährt jäh zusammen und dreht sich um.

Ich erstarre, als ich ihn plötzlich wieder erkenne. Es ist der Typ aus dem Gerichtssaal. Diesmal im ordentlichen Outfit, aber immer noch mit verstrubbelten Haaren.

„FUCK!“ Das kommt diesmal von mir.

Wie festgenagelt sitze ich plötzlich auf dem Sofa, unfähig mich zu rühren. Mir ist gleichzeitig heiß und kalt.

„Wer zur Hölle sind Sie und was machen Sie in meinem Büro?“

Seine Stimme klingt tief, rau und ausgesprochen erotisch. Und er hat einen leichten britischen Akzent. Ich nehme an, dass er genau wie ich, zweisprachig aufgewachsen ist. Noch immer kann ich es nicht fassen, wer mir da gegenübersteht.

Oh Laurenz! Das ist so unfair!

Bei dem Gedanken an meinen Vater fällt mir wieder ein, warum ich ja eigentlich hier bin.

„Mein Name ist Robina Goodman. Ich muss Sie dringend sprechen.“, erkläre ich, stehe auf und schenke ihm ein strahlendes Lächeln.

Was natürlich nicht erwidert wird.

Siedend heiß fällt mir ein, dass ich ja nicht ich, sondern Ussel-Robina mit den Fettpolstern und den ungepflegten Zähnen bin. Kein Wunder, dass mein Lächeln an ihm abprallt. Stattdessen starrt er mich finster an. Genau so finster wie an dem Tag im Gerichtssaal.

„Schon mal was von Telefon gehört? Oder brechen Sie immer heimlich in Büros von anderen Leuten ein?“

„Tut mir leid.“, entschuldige ich mich brav. „Aber es ist sehr dringend und ihre Sekretärin wollte mir keinen Termin geben.“

Er mustert mich schweigend von Kopf bis Fuß. Wieder geht mir dieser Blick direkt unter die Haut. Ich wünschte, ich könnte ihm zeigen, wer ich wirklich bin. Und mit ihm Flirten. Nur so ein bisschen.

„Okay. Ich gebe Ihnen fünf Minuten.“, erklärt er dann und deutet mit dem Kopf auf das Sofa. Aufatmend setze ich mich wieder hin.

„Es geht um meinen Vater. Er sitzt im Gefängnis und möchte, dass Sie das Mandat für ihn übernehmen?“

„Wie heißen Sie nochmal?“, erkundigt er sich argwöhnisch.

„Robina Goodman. Ich bin die Tochter von Laurenz Bogner.“

Ohne eine Miene zu verziehen, springt er hoch und reißt die Tür auf.

„Raus hier!“

„Was? Aber…“, stammele ich verwirrt.

„Verschwinden Sie aus meinem Büro.“ Sein Ton hat einen drohenden Unterton. Scharf und kalt.

„Die fünf Minuten sind doch noch gar nicht um!“, erwidere ich und bleibe trotzig sitzen.

„Hauen Sie ab! Sofort!“

Er kommt langsam näher auf mich zu. Seine Kiefermuskeln zucken angespannt und in seinen Augen steht ein gefährliches Funkeln. Ist vielleicht doch besser, wenn ich ihn nicht weiter provoziere. Zögernd erhebe ich mich.

„Sie haben mir ja nicht mal zugehört!“, beschwere ich mich dennoch enttäuscht.

„Ich werde weder ein Mandat für Ihren Vater noch für irgendjemand anderen aus ihrer Familie übernehmen. Ende der Ansage.“

Grob packt er mich am Ärmel und zieht mich aus seinem Büro. Celina Müller fällt die Kinnlade fast bis auf ihre großen Möpse, als sie mich sieht. Dorian wirft ihr einen äußerst wütenden Blick zu. Obwohl er groß ist und eine muskulöse Figur hat, könnte ich mich ja wehren, was ich bei jedem anderen, der mich so grob anpackt auch sofort tun würde, aber das passt nicht zu Ussel-Robina. Also spiele ich mit und lasse mich von ihm die Treppe herunterzerren. Ich fühle seine harten Finger, die sich in meinen Arm bohren. Atme seinen Duft wieder ein. Es ist der gleiche, wie damals im Gerichtssaal. Sekundenlang geistert die Vorstellung durch meinen Kopf, wie es wäre, wenn er mich jetzt so in sein Bett anstatt zur Tür zerren würde. Er hat eindeutig etwas Charismatisches und Unberechenbares an sich, was mich total fasziniert. Doch noch ehe ich diesen Gedanken weiterspinnen kann, lande ich unsanft vor der Tür, die mit einem lauten Knall hinter mir zufliegt. Verwirrt reibe ich über die schmerzende Stelle an meinem Oberarm, in die er seine Finger gedrückt hat.

Na super! Außer ein paar blauen Flecken hat mir diese Aktion gerade Null gebracht. Aber ich werde nicht aufgeben. Vor allen Dingen muss ich rauskriegen, was Dorian Fullham gegen meine Familie hat. Ich könnte Onkel Mick fragen. Dann fällt mir aber wieder der Satz von Laurenz ein: „Geh‘ deinem Onkel nicht auf die Nerven!“ Grundsätzlich höre ich nicht auf andere Menschen. Da aber meine innere Stimme gerade leise Alarm schlägt, beschließ ich spontan, das erst einmal auf eigene Faust herauszufinden. Dann kann ich ja immer noch Onkel Mick nerven.

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