Kitabı oku: «Mars - Roter Stern», sayfa 3

Yazı tipi:

7. Die Menschen

Der Gewichtsverlust wurde immer spürbarer. Das Gefühl der Leichtigkeit war nicht mehr angenehm. Dazu kamen Unsicherheit und eine vage Unruhe. Ich ging in meine Kajüte und legte mich ins Bett.

Zwei Stunden in entspannter Lage bei angestrengtem Nachdenken ließen mich einschlafen. Als ich erwachte, saß Netti an meinem Tisch. Mit einer recht heftigen Bewegung erhob ich mich und schlug, wie von einer unsichtbaren Kraft emporgeschleudert, mit dem Kopf an die Decke.

„Wer weniger als zwanzig Pfund wiegt, sollte vorsichtiger sein“, bemerkte Netti in gutmütig-philosophischem Ton.

Er war gekommen, um mir alle notwendigen Hinweise über die „Seekrankheit“ zu geben, die bei mir wegen der Schwerelosigkeit begann. In der Kajüte war eine Klingel zu seinem Zimmer, mit der ich ihn rufen konnte, falls ich seiner Hilfe bedurfte.

Ich nutzte die Gelegenheit, um mich mit dem jungen Arzt zu unterhalten. Mich zog es unwillkürlich zu diesem sympathischen, hochgebildeten, aber auch sehr fröhlichen Burschen. Ich fragte ihn, warum von allen Besatzungsmitgliedern außer Menni allein er meine Muttersprache beherrsche.

„Das ist sehr einfach“, erklärte er. „Als wir einen Menschen suchten, nahm mich Menni mit in Ihr Land, und wir verbrachten dort über ein Jahr, bis wir Sie gefunden hatten.“

„Das heißt, andere >suchten< in anderen Ländern?“

„Natürlich, bei allen wichtigen Völkern der Erde. Aber wie Menni vorausgesehen hatte, konnten wir am ehesten in Ihrem Land erfolgreich sein, weil dort das Leben am kraftvollsten und deutlichsten voranschreitet und die Menschen am weitesten vorausblicken. Als wir unseren Menschen gefunden hatten, benachrichtigten wir unsere Kameraden, sie kamen aus allen Ländern zurück, und nun fliegen wir heim.“

„Was meinen Sie eigentlich damit, wenn Sie sagen, dass Sie >einen Menschen gesucht, einen Menschen gefunden< hätten? Es ging doch um eine Person, die sich für eine bestimmte Rolle eignen würde, wie mir Menni erklärt hat. Für mich ist es sehr schmeichelhaft, dass Sie mich ausgewählt haben, doch ich möchte gern wissen, wie ich zu dieser Ehre komme.“

„Das kann ich Ihnen sagen. Wir brauchten einen Menschen, der gesund, intelligent, aufgeschlossen und arbeitsam ist. Es durfte kein Individualist sein, und ihn sollte möglichst wenig Privates an die Erde binden. Unsere Physiologen und Psychologen meinen, der Übergang von den Lebensbedingungen Ihrer Gesellschaft, die durch ewigen Kampf zerrissen ist, zu den Bedingungen unserer organisierten — oder, wie Sie sagen, — sozialistischen — Ordnung sei für einen einzelnen Menschen sehr schwierig und erfordere besonders günstige Anlagen. Menni fand Sie von allen am besten geeignet.“

„Und Mennis Meinung genügte Ihnen allen?“

„Ja, wir vertrauen seiner Urteilskraft. Er ist ein Mann von überdurchschnittlichen Geistesgaben, und er irrt sich sehr selten. Zudem besitzt er von uns die meisten Erfahrungen im Umgang mit Erdenmenschen, denn er hat als erster Kontakte aufgenommen.“

„Hat er herausgefunden, wie man zu anderen Planeten fliegen kann?“

„Nein, das ist das Werk vieler, nicht eines Einzelnen. Die Minus-Materie ist schon vor mehreren Jahrzehnten hergestellt worden. Aber anfangs waren es nur winzige Mengen, und es bedurfte der Anstrengungen vieler Forscher, um ein Verfahren zur Produktion in großem Maßstab zu finden. Danach mussten die Fördertechnik und die Verfahren zur Spaltung radioaktiver Stoffe vervollkommnet werden, um einen passenden Motor für Sternschiffe zu entwickeln. Das bedurfte ebenfalls großer Anstrengungen. Viele Schwierigkeiten ergaben sich aus den Bedingungen im interplanetaren Raum, wo die schreckliche Kälte und die sengende Sonnenhitze nicht von einer Lufthülle gemildert werden. Die Berechnung der Flugbahn war ebenfalls nicht leicht, dabei traten Fehler auf. Kurz — bei früheren Expeditionen zur Erde sind alle Teilnehmer umgekommen, bis es Menni gelang, den ersten erfolgreichen Flug zu unternehmen. Und nun, wo wir seine Methoden nutzen, sind wir unlängst sogar zur Venus vorgedrungen.“

„Darin ist Menni ein wahrhaft großer Mann“, bemerkte ich.

„Ja, wenn Sie einen Menschen, der viel und gut gearbeitet hat, so bezeichnen wollen.“

„Das meinte ich nicht. Viel und gut arbeiten kann jeder Mensch. Menni ist offensichtlich etwas ganz anderes: Er ist ein Genie, ein schöpferischer Mensch, der Neues schafft und die Menschheit vorwärts bringt.“

„Wir denken anders darüber. Jeder Arbeiter ist ein schöpferischer Mensch, denn in jedem Arbeiter wirken Menschheit und Natur. Steht Menni nicht die gesamte Erfahrung vorangegangener Generationen und zeitgenössischer Forscher zu Gebote, und ist er nicht bei jedem Schritt in seiner Arbeit von dieser Erfahrung ausgegangen? Und stammen nicht seine Ideen von der Natur selbst? Gehen vom Kampf der Menschheit mit der Natur nicht alle Anreize zum Forschen aus? Jeder Mensch ist eine Persönlichkeit, aber sein Werk ist unpersönlich. Früher oder später stirbt er mit seinen Freuden und Leiden — doch sein Werk bleibt im grenzenlos wachsenden Leben. Darin besteht kein Unterschied zwischen den einzelnen Arbeitern, unterschiedlich ist lediglich die Größe dessen, was sie geschaffen haben, und dessen, was im Leben bleibt.“

„Aber der Name eines Mannes wie Menni stirbt nicht mit seinem Körper und bleibt im Gedächtnis der Menschheit bewahrt, während zahllose andere Namen spurlos verschwinden.“

„Der Name jedes Menschen bleibt erhalten, solange diejenigen leben, die ihn geliebt und gekannt haben. Aber die Menschheit braucht kein totes Symbol einer Persönlichkeit, wenn diese nicht mehr da ist. Unsere Wissenschaft und unsere Kunst bewahren ganz unpersönlich, was von allen geschaffen wurde. Namen der Vergangenheit sind für das Gedächtnis der Menschheit nutzloser Ballast.“

„Sie mögen Recht haben, aber unser Gefühl empört sich gegen eine solche Logik. Für uns sind die Namen von Größen des Geistes und der Tat lebendige Symbole, ohne die unsere Wissenschaft, unsere Kunst und unser gesamtes gesellschaftliches Leben nicht auskommen. Im Kampf der Kräfte und Ideen sagt ein Name oft mehr als eine abstrakte Losung. Und die Namen von Genies sind kein nutzloser Ballast für unser Gedächtnis.“

„Bei Ihnen ist eben das Werk der Menschheit noch kein einheitliches, gemeinsames Werk. In Illusionen zersplittert, die im Kampf zwischen einzelnen Menschen entstehen, erscheint es als Werk von Menschen und nicht als Werk der Menschheit. Mir ist es auch schwergefallen, Ihren Standpunkt zu begreifen.“

„So oder so, Unsterbliche gibt es nicht auf unserem Sternschiff. Doch die Sterblichen sind wahrscheinlich die Exzellentesten, nicht wahr? Sie gehören sicher zu denen, die >viel und gut gearbeitet haben<, wie Sie sich ausdrücken?“

„Das mag sein. Menni hat die Mannschaft unter vielen Tausenden ausgewählt, die mitfliegen wollten.“

„Und der Größte nach ihm ist wohl Sterni?“

„Ja, wenn Sie unbedingt die Menschen messen und miteinander vergleichen wollen. Sterni ist ein bedeutender Gelehrter, allerdings auf einem ganz anderen Gebiet als Menni. Er ist ein Mathematiker, wie es wenige gibt. Eine ganze Reihe von Fehlern in den Berechnungen, nach denen alle vorigen Expeditionen zur Erde geflogen sind, ist von Sterni entdeckt worden, und er hat bewiesen, dass jeder einzelne Fehler genügte, um das Unternehmen scheitern zu lassen. Er hat neue Methoden für solche Berechnungen gefunden, und bisher haben sich seine Ergebnisse als richtig erwiesen.“

„Sie bestätigen den Eindruck, den ich von Sterni habe. Trotzdem — ich verstehe es selber nicht, warum sein Anblick in mir bange Gefühle weckt, eine unerklärliche Unruhe, eine geradezu grundlose Antipathie. Doktor Netti, wissen Sie eine Erklärung dafür?“

„Sehen Sie, Sterni ist sehr klug, aber ein Mann mit kühlem und vor allem analytischem Verstand. Er zergliedert alles, unerbittlich und konsequent, und seine Schlussfolgerungen sind oft einseitig, manchmal sogar zu streng, weil die Analyse der Teile nicht ein Ganzes ergibt, sondern weniger als ein Ganzes. Sie wissen, dass das Ganze stets mehr ist als die Summe seiner Teile; die menschliche Gesellschaft beispielsweise ist mehr als eine Ansammlung von Individuen. Sterni ist also kaum imstande, Stimmungen und Gedanken anderer Menschen zu erfassen. Er wird Ihnen stets gern helfen, wenn Sie sich an ihn wenden, aber er wird nie spüren, ob Sie etwas brauchen. Daran hindert ihn natürlich auch der Umstand, dass er fast immer in seine Arbeit vertieft ist, sein Kopf ist ständig voll von irgendwelchen schwierigen Aufgaben. Menni ist ganz anders, er sieht immer alles, was um ihn herum geschieht, und manchmal weiß er sogar besser als ich, was ich will, was mich beunruhigt, was mein Verstand und mein Gefühl suchen.“

„Dann muss sich Sterni uns Erdenmenschen gegenüber ziemlich feindselig verhalten. Wir sind schließlich voller Widersprüche und Unzulänglichkeiten.“

„Feindselig? Nein, dieses Gefühl ist ihm fremd. Aber er ist wohl skeptischer als notwendig. Sterni hatte erst ein halbes Jahr in Frankreich verbracht, da telegraphierte er Menni: >Hier brauchen wir nicht zu suchen.< Vielleicht hatte er recht, denn auch Letta hat dort keinen geeigneten Menschen gefunden. Aber Sterni beurteilt die bedeutenden Menschen dieses Landes viel rigoroser als Letta, und natürlich sind Sternis Charakteristiken viel einseitiger, obwohl sie nichts direkt Falsches enthalten.“

„Wer ist Letta, den Sie eben erwähnt haben? Ich erinnere mich nicht an ihn.“

„Ein Chemiker, ein Gehilfe Mennis. Er ist der Älteste auf dem Sternschiff. Zu ihm werden Sie leicht Kontakt finden, und das wird Ihnen sehr nützen. Letta hat eine weiche Natur und besitzt viel Verständnis für fremde Seelen, obwohl er kein Psychologe ist wie Menni. Gehen Sie zu ihm ins Labor, er wird sich darüber freuen und Ihnen viel Interessantes zeigen.“

Da fiel mir ein, dass wir uns schon weit von der Erde entfernt hatten. Ich wollte meine Heimat noch einmal sehen. Wir begaben uns in einen Nebenraum mit großen Fenstern.

„Fliegen wir nicht am Mond vorbei?“, fragte ich Netti.

„Nein, der Mond liegt weit abseits von unserer Bahn, und das ist schade. Ich hätte den Mond auch gern näher betrachtet. Von der Erde aus kam er mir so merkwürdig vor. Groß, kalt, behäbig, rätselhaft still, ganz und gar nicht wie unsere beiden kleinen Monde, die am Himmel dahineilen und rasch ihr Antlitz verändern wie lebhafte, launische Kinder. Allerdings ist Ihr Mond viel heller und sein Licht recht angenehm. Heller ist bei Ihnen auch die Sonne, hier sind Sie von der Natur bevorzugt. Ihre Welt ist doppelt so hell wie unsere, deshalb brauchen Sie auch nicht solche riesigen Augen, um die schwachen Strahlen einzufangen.“

Wir saßen am Fenster. Die Erde erschien in der Ferne als gigantische Sichel. Zu erkennen waren der Westen Amerikas, der Nordosten Asiens und ein Teil des Stillen Ozeans als trüber Fleck und des Nördlichen Eismeers als heller Fleck. Der gesamte Atlantische Ozean und die Alte Welt lagen im Dunkeln und waren nur hinter dem verschwommenen Sichelrand zu erraten, weil der unsichtbare Teil der Erde die Sterne als ein Stück schwarzer Himmel verdeckte. Unsere Flugbahn und die Erdumdrehung hatten diesen Bildwechsel bewirkt.

Ich schaute hinüber, und mir wurde traurig zumute, weil ich nicht mein Heimatland sah, wo es so viel Kampf und Leiden gab, wo ich noch tags zuvor in den Reihen der Genossen gestanden hatte und wo jetzt auf meinem Platz ein anderer stehen musste. In meiner Seele regten sich Zweifel.

„Dort unten wird Blut vergossen“, sagte ich, „und hier befindet sich ein Revolutionär in der Rolle eines stillen Beobachters.“

„Das Blut wird um einer besseren Zukunft willen vergossen“, erwiderte Netti, „aber für den Kampf selbst muss man die bessere Zukunft auch kennen. Wegen dieser Aufgabe sind Sie hier.“

In unwillkürlicher Rührung drückte ich Nettis kleine, fast kindliche Hand.

8. Die Annäherung

Die Erde entfernte sich immer mehr, und als ob sie vor Trennungsschmerz abmagerte, verwandelte sie sich in eine mondartige Sichel, die von der winzigen Sichel des echten Mondes begleitet wurde. Gleichzeitig wurden wir alle im Sternschiff zu phantastischen Akrobaten, die ohne Flügel bequem im Raum umherfliegen konnten, in waagerechter, senkrechter oder schräger Lage, ganz nach Belieben. Allmählich wurde ich mit meinen neuen Kameraden näher bekannt, und ich fühlte mich freier.

Schon am zweiten Tag nach dem Abflug (wir behielten diese Zeitrechnung bei, obwohl es für uns keine echten Tage und Nächte mehr gab) zog ich mir aus eigenem Antrieb einen Marsanzug an, um weniger aufzufallen. Allerdings gefiel mir dieser Anzug auch, er war einfach, bequem, ohne alle nutzlosen konventionellen Teile wie Krawatte und Manschetten, und er bot größte Bewegungsfreiheit. Die einzelnen Teile waren durch Verschlüsse miteinander verbunden, so dass sich die Ärmel oder das Oberteil leicht abknöpfen und ausziehen ließen, wenn man das wollte. Die Manieren meiner Mitreisenden ähnelten diesem Anzug: Einfachheit, Verzicht auf alles Überflüssige und Konventionelle. Sie begrüßten und verabschiedeten sich niemals, dankten nicht, zogen ein Gespräch nicht aus Höflichkeit in die Länge, wenn das Wesentliche gesagt war, zugleich gaben sie mit großer Geduld jede gewünschte Erklärung, wobei sie sich meinem Auffassungsvermögen anpassten und meine Mentalität berücksichtigten, wie fremd sie ihnen auch sein mochte.

Selbstverständlich begann ich vom ersten Tage an, die Marssprache zu erlernen, und alle übernahmen mit größter Bereitwilligkeit die Rolle eines Lehrers, am häufigsten von allen Netti. Die Sprache ist sehr originell, und trotz der einfachen Grammatik und Wortbildung gibt es in ihr Besonderheiten, die mir schwer eingingen. Die Regeln kennen überhaupt keine Ausnahme, man unterscheidet keine männlichen, weiblichen und sächlichen Substantive, alle Bezeichnungen von Gegenständen und Eigenschaften aber werden nach Zeitformen abgewandelt.

„Welchen Sinn haben diese Formen?“, fragte ich Netti.

„Begreifen Sie das nicht? In Ihren Sprachen kennzeichnen Sie Substantive als männlich und weiblich, was sehr unwichtig ist und bei unbelebten Gegenständen sogar ziemlich komisch wirkt. Um wie viel wichtiger ist der Unterschied zwischen Gegenständen, die existieren, und anderen, die es nicht mehr gibt oder die erst entstehen sollen. Die Russen halten ein Haus für einen Mann und ein Boot für eine Frau, bei den Franzosen ist es umgekehrt — und der Gegenstand selbst ändert sich nicht im mindesten. Aber wenn Sie von einem Haus sprechen, das abgebrannt ist oder das Sie bauen wollen, gebrauchen Sie das Wort in derselben Form, in der Sie von dem Haus sprechen, in dem Sie wohnen. Gibt es denn einen größeren Unterschied als zwischen einem Menschen, der lebt, und einem Menschen, der gestorben ist? Sie brauchen Wörter und ganze Sätze, um diesen Unterschied auszudrücken — ist es nicht besser, das einfach zu kennzeichnen, indem man einen Buchstaben an das Wort anfügt?“

Mit meinem Gedächtnis war Netti zufrieden, und da die Lehrmethode meiner Mentoren vorzüglich war, verstand ich bald die Marssprache. Das half mir, meinen Reisegefährten näher zu kommen — ich bewegte mich mit immer größerer Sicherheit im Sternschiff, ging in die Kajüten und Laboratorien und fragte nach allem, was mich bewegte.

Sternis Gehilfe, der junge Astronom Enno, ein munterer und fröhlicher Bursche, war fast noch ein Kind. Er zeigte mir viele interessante Dinge, wobei er sich nicht so sehr an den Messungen und Formeln begeisterte, die er wie ein echter Meister beherrschte, als vielmehr an der Schönheit der beobachteten Himmelskörper. Mir war wohl ums Herz bei dem jugendlichen Astronomen und Poeten, und das natürliche Bedürfnis, sich im Weltraum zu orientieren, ließ mich viel Zeit bei Enno und seinen Teleskopen verbringen.

Einmal zeigte mir Enno den winzigen Planeten Eros, dessen Umlaufbahn teils zwischen Erde und Mars verläuft und teils im Gebiet der Asteroiden liegt. Obwohl der Eros einhundertfünfzig Millionen Kilometer von uns entfernt war, ähnelte die Fotografie unter dem Mikroskop einer Mondkarte. Natürlich ist der Eros ebenso öde wie der Mond.

Ein andermal fotografierte Enno einen Meteoritenschwarm, der mehrere Millionen Kilometer entfernt an uns vorbeizog. Die Aufnahme zeigte verständlicherweise nur ein Nebelgebilde. Bei der Gelegenheit erzählte mir Enno, dass ein Sternschiff, das zur Erde fliegen wollte, in einen solchen Schwarm geraten war. Die Astronomen, die das Sternschiff durch die stärksten Teleskope verfolgten, hatten nur gesehen, wie sein elektrisches Licht erlosch.

„Wahrscheinlich haben mehrere Meteoriten mit riesiger Geschwindigkeit die Wände des Sternschiffs durchbohrt. Die Luft ist ausgeströmt, und die Weltraumkälte hat die bereits toten Körper der Besatzung gefroren. Jetzt fliegt dieses Sternschiff auf einer Kometenumlaufbahn, es entfernt sich von der Sonne, und das Ende dieses Gespensterschiffs voller Leichen ist ungewiss.“

Bei diesen Worten drang die Kälte der ätherischen Wüsten bis in mein Herz. Mir wurde bewusst, dass unser Sternschiff eine winzige bewohnte Insel inmitten eines grenzenlosen toten Ozeans war. Ohne jeglichen Halt bewegte sie sich mit schwindelerregender Schnelligkeit durch die schwarze Leere. Enno erriet meine Gedanken.

„Menni ist ein verlässlicher Steuermann“, sagte er, „und Sterni macht keine Fehler. Und der Tod ... Sie sind ihm in Ihrem Leben wahrscheinlich schon begegnet ... ist nur der Tod, nicht mehr.“

Sehr bald sollte die Stunde kommen, in der ich mich unter quälendem seelischem Schmerz an diese Worte erinnern würde.

Der Chemiker Letta war ein besonders sanfter und feinsinniger Mensch. Wie Netti gesagt hatte, besaß er enorme Kenntnisse auf einem Gebiet, das mich fesselte — dem Bau der Materie. Allein Menni war noch kompetenter als Letta, aber ich bemühte mich, diesen großen Mann nicht zu behelligen, da seine Zeit zu kostbar für die Wissenschaft wie für die Expedition war, als dass ich das Recht besessen hätte, ihn von seiner Arbeit abzuhalten. Der gutmütige alte Letta zeigte angesichts meiner Unwissenheit eine schier unerschöpfliche Geduld; mit größter Liebenswürdigkeit und sogar sichtbarer Zufriedenheit erklärte er mir die Anfangsgründe seines Fachs, so dass ich mich niemals geniert fühlte.

Letta hielt für mich als einzigen Hörer eine Reihe von Vorlesungen, in denen er den Bau der Materie behandelte. Die Ausführungen wurden stets mit Experimenten illustriert. Viele hierher gehörende Versuche musste er jedoch auslassen, da sie in Form einer Explosion verlaufen wären.

Einmal kam Menni während eines solchen Vortrags ins Laboratorium. Letta hatte gerade ein sehr interessantes Experiment beschrieben und wollte es nun demonstrieren.

„Seien Sie vorsichtig“, warnte ihn Menni. „Dieses Experiment hat bei mir einmal ungut geendet. Wenn der Stoff, den Sie zerlegen, nur die kleinste Unreinheit aufweist, kann er beim Erhitzen explodieren.“

Letta wollte auf das Experiment verzichten, aber Menni, der mir gegenüber stets entgegenkommend war, bot seine Hilfe an. Beide prüften sorgfältig den Stoff, und das Experiment gelang vortrefflich.

Am nächsten Tag wollte Letta mit dem gleichen Stoff experimentieren. Er nahm ihn aus einem anderen Behälter. Als er die Retorte ins Elektrobad stellte, sagte ich ihm das. Beunruhigt ging er zu dem Schrank mit den Reagenzien, schaltete jedoch das Etektrobad nicht aus. Es stand auf einem Tisch an der Wand, die gleichzeitig die Außenwand des Sternschiffs war.

Plötzlich ertönte ein betäubendes Krachen, gefolgt von einem durchdringenden Pfeifen und metallischem Klirren. Wir wurden beide an die Schranktür geschleudert. Die gewaltige Kraft eines Hurrikans zog mich zur Außenwand. Automatisch packte ich einen Griff, der am Schrank befestigt war, und hing nun, vom Luftstrom gehalten, waagerecht. Letta erging es ebenso.

„Halten Sie sich fest“, rief er mir zu. In dem Rauschen hörte ich seine Stimme kaum. Schneidende Kälte durchdrang meinen Körper.

Letta blickte sich schnell um. Sein Gesicht war totenbleich, aber die Fassungslosigkeit verwandelte sich rasch in klares Denken und feste Entschlossenheit. Er sagte nur zwei Worte — ich konnte sie nicht hören, erriet aber, dass das ein Abschied für immer war —, und seine Hände lösten sich vom Griff.

Ein dumpfer Schlag, und das Heulen des Hurrikans verstummte. Ich spürte, dass ich den Griff loslassen konnte, und blickte mich um. Der Tisch war zertrümmert, und Letta stand steif da, den Rücken an die Wand gepresst. Seine Augen waren weit geöffnet, das Gesicht war erstarrt. Ich sprang zur Tür und öffnete sie. Ein Schwall warmer Luft warf mich zurück. Eine Sekunde später kam Menni ins Laboratorium und ging schnell zu Letta.

Bald war der Raum voller Menschen. Netti schob alle beiseite und stürzte zu Letta. Alle umringten uns in aufgeregtem Schweigen.

„Letta ist tot“, sagte Menni. „Durch die Explosion wurde die Außenwand durchschlagen, und Letta hat das Loch mit seinem Körper abgedeckt. Der Luftdruck hat die Lungen zerrissen, der Tod ist sofort eingetreten. Letta hat unseren Gast gerettet - sonst wären beide gestorben.“ Netti schluchzte leise.

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
190 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783754172452
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi: