Kitabı oku: «Scarlet Cheeks: Verhängnisvolle Hingabe»

Yazı tipi:

Alexis Kay

Scarlet Cheeks 2: Verhängnisvolle Hingabe

© 2015/2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

info@plaisirdamourbooks.com

© Covergestaltung: Sabrina Dahlenburg

(www.art-for-your-book.de)

© Coverfoto: Shutterstock.com

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-518-1

ISBN eBook: 978-3-86495-519-8

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses eBook darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Widmung

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Epilog

Autorin

Widmung

Im Jahr 2020 sind Mutter und Sohn zusammen 47 Jahre alt …

Ojemine!

Langsam komme ich in ein Alter, in dem man nicht mehr so gerne offen und ehrlich darüber spricht. Also verschone ich euch, meine treuen Leser*innen, mit dieser Matheaufgabe …

Och, wie schade?

Natürlich!

Jetzt hätte das Altersrätsel einen gewissen Reiz …

Ich hoffe, die Fortsetzung von Scarlet Cheeks kann euch über die fehlende Rechnung hinwegtrösten …

Viel Vergnügen!

Apropos Rechnung:

Alex,

mit dir habe ich damals wirklich nicht mehr gerechnet. Du bist mein kleines – mittlerweile schon etwas größeres – Wunder.

Ich liebe dich!

Prolog

Ich schlage meine Augen auf und bin zunächst etwas orientierungslos.

Es ist stockdunkel.

Nacht.

Wo bin ich?

Meine Hand streicht übers seidig weiche Laken den Rand des Bettes entlang …

Nicht meine gewohnte Seite! Nicht mein Bett!, stelle ich in einem Anflug von Panik fest. Wessen Bett ist das? Und wie bin ich überhaupt ins Bett gekommen?

Ich drehe mich auf den Rücken und vernehme nah an meinem linken Ohr regelmäßige tiefe Atemzüge, durchzogen von leisen Schnarchlauten.

Unverkennbar … Alain.

Beim erleichterten Aufatmen steigt mir auch ein vertrauter Geruch in die Nase: sein Aftershave. Als ich meinen Kopf ins Kissen betten, meinen Arm um ihn schlingen will, um friedlich weiterzuschlummern, denn bei ihm fühle ich mich sicher und geborgen, zieht sich Schmerz durch meine linke Gesichtshälfte. Ich zische auf, rolle mich wieder auf die andere Seite. Tastend suche ich nach einer Lampe auf dem Nachttisch, finde einen Schalter und endlich flutet Licht den Raum.

Es ist Alains Zimmer! Gott sei Dank!

Zerstreut sehe ich mich um. Alain schläft tief und fest neben mir. Die rechte Hand, die, wie’s scheint, verarztet wurde, ist umwickelt mit einer sauberen weißen Bandage und liegt neben seinem Kopf auf dem Kissen.

Was ist passiert? Wie hat er sich verletzt?

Ein lautes Grunzen. Bourbon. Der Husky pennt an seinem gewohnten Platz auf dem Teppich vor meiner Betthälfte, denn sein Herrchen lässt ihn partout nicht ins Bett, und da ich das schwächere Geschlecht bin, dem Hund vieles durchlasse, ihn laut Alain gar verhätschele, hält dieses gerissene Vieh sich vielmals an mich und kocht mich mit seinen Huskyaugen weich. Wie aufs Stichwort öffnet Bourbon die Augen, hebt den Kopf von den Vorderpfoten und blickt mich erwartungsvoll an.

„Pssst. Nächstes Mal bei mir daheim“, flüstere ich mit dem Zeigefinger auf dem Mund, und Bourbon bettet schnaubend den Kopf wieder auf die Pfoten, als hätte er meine Worte verstanden. Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und da durchzuckt mich abermals Schmerz. Sachte schmiege ich meine linke Hand an meine Wange, fühle die erhitzte Haut und wie es unter meiner Handfläche drängend pocht.

Knall auf Fall kehrt die Erinnerung zurück. Ich sehe Ryans Gesicht vor mir, wie er schmierig grinste, sich gierig die Lippen leckte, als ich mich vor ihm entblößen musste. Ich bilde mir ein, seine schwieligen Hände noch immer irgendwo auf meinem Körper zu spüren und das Nikotin, das an seinen Fingern haftete, auf meiner Zunge zu schmecken …

Übelkeit wallt in mir auf. Ich begebe mich ins angrenzende Bad, versuche, den Brechreiz erst einmal wegzuatmen, jedoch vergeblich. Trockenes Würgen erschüttert meinen Körper, denn das Fünf-Gänge-Menü hat bereits im Hotel den Rückweg angetreten.

Ich putze mir die Zähne und verspüre das dringende Bedürfnis zu duschen. Alains Shirt, das er mir wohl übergezogen hat, während ich geschlafen habe, landet durchgeschwitzt auf dem Boden, und noch bevor mir kalt wird, stelle ich mich unter den Wasserstrahl. Das lauwarme Wasser plätschert über meinen Kopf, träufelt in meinen Mund und ich genieße es, wie es nach und nach meinen Körper einhüllt. Gewöhnt sich meine Haut an die Temperatur, schiebe ich den Hebel der Armatur weiter nach links, regle das Wasser noch etwas wärmer. Grad für Grad. Eine Spielerei, die mir eine Gänsehaut nach der anderen über die Haut jagt. Ob sie vom Schmerzreiz herrührt, der ins Nervensystem geleitet wird, oder vom Wohlgefühl, weiß ich nicht …

Ich stehe bestimmt schon fünf Minuten unter der Dusche, als plötzlich Alain verschlafen durch den Türspalt linst. „Irina. Darf ich reinkommen?“

„Natürlich … Sorry. Habe ich dich geweckt?“

Er schüttelt den Kopf und tritt ein. „Ich habe mir Sorgen gemacht. Das Wasser rauscht schon seit einer Weile. Bist du in Ordnung, Liebes?“

„Ich … ich musste einfach duschen … Es war wie ein Zwang … Ich wollte mich abkühlen …“

Alain nähert sich, bleibt unmittelbar vor der begehbaren Glasdusche stehen und streckt die unverletzte Hand nach dem Wasserstrahl aus, zieht sie aber sofort zurück. „Nach einer Abkühlung fühlt sich das nicht an. Das Wasser ist zu heiß, Irina. Dein Rücken ist feuerrot. Du verbrühst dich doch.“ Kurzerhand dreht er das Wasser ab. „Soll das eine Art Ritual sein? Willst du dich reinwaschen? Dich selbst durch Schmerz zurückholen?“ Er betrachtet mich argwöhnisch.

„Alain. Bitte. Interpretier da nichts hinein. Es ist bloß eine blöde Angewohnheit, die ich mir als Kind angeeignet habe, um zu sehen, wie viel ich ertragen kann …“ Ich beginne zu schlottern, meine Zähne klappern, da ich der Wärme beraubt wurde. Die Raumtemperatur fühlt sich arktisch kalt an im Vergleich zum Duschwasser, das mich vor Sekunden noch umgeben hat.

Alain hüllt mich in seinen Bademantel, drückt mich an sich und hält mich einfach nur fest. An seine Brust gepresst kann ich sein kräftiges Herz schlagen hören, seine Körperwärme fühlen … Er schenkt mir Geborgenheit. Seine Sanftmut dringt tief in mein Innerstes, erwärmt mein Herz und es scheint mir, als würde sich mein Herzrhythmus seinem anpassen, eins mit ihm werden …

Doch ich will mehr! Auf eine andere Art eins mit ihm werden … will vergessen …

Alain küsst mich auf die Stirn und ich sehe zu ihm auf.

Sind das Tränen auf seiner Wange oder stammen die Tropfen von meinen nassen Haaren?

Seine belegte Stimme deutet auf Ersteres. „Irina. Bitte sprich mit mir darüber, vertrau dich mir an …“

Doch mir ist nicht nach Reden zumute. „Bitte, Alain, zeig mir, wie sehr du mich liebst. Ich will deine sanften Hände auf mir spüren, will, dass du mich überall berührst, mich von dem Gefühl seiner schwieligen Klauen auf meinem Körper befreist … Ich brauche dich, Alain, lass mich vergessen … liebe mich!“

Alain hebt mich auf seine Arme, doch wider mein Erwarten trägt er mich nicht ins Bett, sondern zur Badewanne. Er hat meine Worte völlig falsch interpretiert.

„Alain. Nein. Ich habe doch gerade geduscht …“

Die frei stehende Badewanne wurde bereits mit Wasser gefüllt.

Ach, deshalb wurde mein Duschwasser allmählich immer kälter. Also muss er sich auch nicht wundern, dass ich nachregeln musste …

Alains Zimmer duftet jetzt herrlich nach Rosen und ein Hauch von Rhabarber fließt mit ein.

Er lässt mich sachte zu Boden gleiten. „Vielleicht wirst du dich besser fühlen, wenn ich dich wasche. Und glaube mir, ich mache meine Sache gründlich.“ Ein verheißungsvolles Grinsen schleicht sich auf seine Lippen.

Er hat mich also doch verstanden, wird mit mir schlafen …

„Ich werde dir auf diese Art zeigen, wie sehr ich dich liebe, indem ich mich um dich kümmere, dich verwöhne … Jedoch schlafen werde ich mit dir heute Nacht nicht. Du brauchst Zeit, um das alles zu verarbeiten … Ich werde meine Liebe lediglich in Worte fassen …“

Ich streife den Bademantel ab, steige schmollend in die Wanne. Das Wasser hat genau die richtige Temperatur, mollige 37 Grad zeigt das Thermometer an, und sein Duft entführt mich in einen Rosengarten. Ich schließe die Augen, entspanne mich allmählich … und nur wenige Sekunden darauf spüre ich, wie sich Tränen ankündigen. Sie finden einen Weg unter meinen geschlossenen Augenlidern heraus und kullern über meine Wangen.

Alain nimmt mich in den Arm, hält mich einfach nur fest. „Irina. Endlich. Es hat mir richtig Angst gemacht, wie du das Geschehene im ersten Moment verdrängt hast. Liebes. Du kannst mir vertrauen. Ich bin für dich da, wenn du Probleme hast, wenn du reden möchtest. Ich bin da, um dich zu stützen, dir zu helfen, wenn du nicht mehr weiterweißt. Ich liebe dich, Irina.“

Ich öffne meine Lider und versinke in seinen gletscherblauen Augen, die entgegen der Farbe der Iriden pure Wärme ausstrahlen. „Ich liebe dich auch“, wispere ich.

Obwohl wir in dieser Nacht keinen Sex haben werden, könnte sie nicht vollkommener sein, denn sein Liebesschwur berührt mein Herz. Trotz seines anfänglichen Skrupels ist er in der Lage, eine Beziehung zu führen, und dieser steht jetzt nichts und niemand mehr im Wege.

Ich liebe diesen Mann über alles und möchte ihn in meinem Leben nicht mehr missen.

Für mein Glück brauche ich nur ihn.

Durch ihn bin ich vollkommen.

Kapitel 1

Ryan ist hinter Schloss und Riegel. Die Aussage gegen ihn kostete mich einiges an Überwindung, aber mit Alains tatkräftiger Unterstützung, mit ihm an meiner Seite, ist es mir gelungen, die äußerst unangenehme Angelegenheit ohne größeren emotionalen Schaden abzuwickeln.

Aufatmen ist angesagt!

Eigentlich sollte unserem Glück jetzt nichts mehr im Wege stehen, möchte man meinen, doch seit einer geschlagenen Woche hat Alain mich nicht mehr angerührt. Kaum zu glauben, dass folgende Worte noch vor Kurzem in meinem Kopf herumspukten: Obwohl wir in dieser Nacht keinen Sex haben werden, könnte sie nicht vollkommener sein … Ich möchte mich selbst dafür ohrfeigen! Wie konnte ich nur so blauäugig sein? Wenn ich von vornherein gewusst hätte, dass noch acht weitere keusche Nächte folgen würden, hätte ich das wohl nicht behauptet.

Verdammt! Ich hungere nach ihm, nach seinem Körper, nach seiner Zuneigung. Zärtlich ist Alain nach wie vor und äußerst einfühlsam, aber ich verzehre mich danach, seine starken Hände, seine feuchte, warme Zunge auf meinem Körper zu spüren, noch mehr dürste ich nach der Reizüberflutung, die eintritt, wenn sie im Zusammenspiel jede noch so kleine Pore erkunden. Ich vermisse Alains Liebesgeflüster, das Piksen seines Dreitagebarts auf meiner Haut, seine Liebesbisse, das neckische Knabbern an meinen Ohrläppchen, an meiner Unterlippe, an meinem Hals, an den empfindlichen Knospen meiner Brüste und an meiner Klit. Mir fehlt sein lüsterner Blick, in dem sich sein Hunger und seine Gier nach mir widerspiegeln. Eine unstillbare Glut, die mir das Gefühl gibt, die begehrenswerteste Frau der Welt, noch besser, des ganzen Universums zu sein. Wie könnte er es angemessener ausdrücken als mit einer Erektion, die er an mir reibt, die er tief in mir versenkt …

Allein die Gedanken daran und die Vorstellung erregen mich schon ungemein, verursachen dieses verheißungsvolle Kribbeln in meinem Unterleib und lassen ein drängendes Pochen zwischen meinen Schenkeln entstehen … sorgen für manch feuchtes Höschen. Künstlich schüre ich meinen Hunger, bausche ihn immer weiter auf … ein verdammter Teufelskreis!

Doch anstatt meinem Sehnen nachzukommen, anstatt dieses Feuer, das wild in mir tobt, zu löschen, packt Alain mich in Watte!

Irina. Ich möchte dir Zeit lassen, das Geschehene zu verarbeiten. So hat er es ausgedrückt, als ich wiederholt einen Versuch startete, mit ihm zu schlafen. Die Abweisung tat weh, und seither habe ich es nicht mehr probiert, das heißt, nicht mehr mit offensichtlichen Avancen, sondern mit kleinen Leckerbissen wie einem Negligé, neckischen Dessous, Strings, ja sogar nackt habe ich mich ins Bett gelegt. Statt Alain hat sich dann plötzlich Bourbon an mich gekuschelt. Der Husky hatte wohl Angst, ich könnte mitten in einer schwülen Sommernacht erfrieren. Doch das übertriebene Kauen und das Geschmatze des Hundes machten mich stutzig, und tatsächlich fand ich am Morgen danach Krumen auf dem Kissen, Überbleibsel eines Leckerlis.

Na warte, Alain! Die Quittung dafür wirst du noch bekommen, den armen Hund als Liebestöter zu gebrauchen.

Aber diese verzweifelte Tat und das unentwegt rauschende Duschwasser nebenan zeigen mir auch, wie sehr er mit sich zu kämpfen hat …

Mein Umfeld hüllt sich in eisernes Schweigen. Es wägt jedes einzelne Wort sorgfältig ab. Nur Travis lässt sich von seinem besten Freund keinen Maulkorb verpassen. Unsere Telefonate sind weiterhin relativ unverblümt, und vor allem habe ich ihn mit meinem Verdacht konfrontiert …

Dem Büro hätte ich, laut Alains Ansage, mindestens eine Woche fernbleiben sollen. Seine freudigen Luftsprünge blieben aus, als er mich dienstags nach seiner Kaffeepause, wo ich dachte, er wäre außer Haus, am Schreibtisch vorfand. Alains einzige Bemerkung dazu: ein Augenrollen, das so viel bedeutete wie: Genauso gut hätte ich Bourbon von einem Cervelat fernhalten können, der gepellt zu Hause auf dem Esstisch liegt, und auch ungeschält, gar noch in Folie verpackt, hätte er ihm nicht widerstehen können. Ganz nach dem Sprichwort: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch! Tatsächlich fiel Alains Blick auf den Husky im Hundekorb hinter dem Bürotisch, der im Schlaf geschmatzt hatte, weil er wohl von einer leckeren Wurst träumte …

Nichtsdestotrotz werde ich das Gefühl nicht los, dass Alain mit dieser kurzfristig geplanten Reise sein schlechtes Gewissen mir gegenüber beruhigen möchte, und tief in mir hege ich Hoffnung, dass er spätestens auf neutralem Boden meinen noch etwas unausgereiften Verführungskünsten erliegt. Doch die Reise geht nicht in die Stadt der Liebenden, nach Paris, sondern nach London, die Stadt von Alains experimentierfreudigem Studentenleben, und somit ist sie keineswegs neutral …

So sitze ich hier mit ihm in einer Limousine auf dem Weg ins Hilton London Metropole.

„Ich fass es nicht. Ich bin in London.“ An der getönten Fensterscheibe drücke ich mir die Nase platt. Sekunden später falle ich Alain überschwänglich um den Hals und bedanke mich bestimmt zum tausendsten Mal mit einem verzückten Kuss. Meine Euphorie ist nicht zu bremsen.

„Überraschung gelungen?“, murmelt er an meinen Lippen. Seine blauen Augen, umgeben von feinen Lachfältchen, strahlen mich an.

„Und wie! Was machen wir heute noch?“, frage ich aufgekratzt, während sich meine Finger in seinem Nackenhaar vergraben und ihn zärtlich kraulen. Alain bekommt eine Gänsehaut.

„Gegen 20 Uhr gehen wir essen“, antwortet er nüchtern.

„Und die vier Stunden davor?“ Ich schmiege mich aufreizend an ihn. „Wir könnten uns doch …“ … im Hotelbett vergnügen.

Aber meine Hoffnung darauf wird mit folgenden Worten einfach zerschlagen: „Ich hab mit den Jungs noch was Geschäftliches zu klären …“

Nicht wahr!

Schmollend gebe ich ihn aus der Umarmung frei, rutsche von seinem Schoß und blicke gekränkt aus dem Fenster. Meine Stimmungsschwankungen in letzter Zeit stehen seinen in nichts nach.

„… doch morgen und übermorgen gehöre ich dir“, versucht er mich zu besänftigen, streichelt mit dem Daumen zärtlich über meinen Handrücken.

Wer’s glaubt!, schnaube ich innerlich. Ich wage einen kurzen unauffälligen Blick zum Augenwinkel heraus und lasse mich von seinem treuen Hundeblick, mit dem selbst Bourbon nicht mithalten kann, erweichen. Resigniert seufze ich auf.

Alain Foster, versprich nicht etwas, was du nicht halten kannst!

Die Koffer liegen ausgebreitet vor uns auf dem Hotelbett. Meine Klamotten verfrachte ich stapelweise in den Schrank. Alain ergreift seinen Kulturbeutel und mein Reisenecessaire und räumt beides ins Bad.

„Zimmerservice?“, frage ich Alain, als es plötzlich klopft.

„Ich habe nichts bestellt“, ertönt seine gedämpfte Stimme aus dem Bad.

Bestimmt ist es, aufgeregt öffne ich die Tür, Travis.

Doch es sind nicht Travis’ smaragdgrüne Augen, die mich anstrahlen. Es steht eine wunderschöne und schlanke Blondine im Türrahmen. Dem berühmt-berüchtigten Londoner Wetter entsprechend, hat sie sich einen grauen Trenchcoat angezogen. Ein schwarzes Seidentuch schlingt sich um ihren Hals, was ich persönlich nur trage, wenn ich etwas zu verbergen habe, zum Beispiel einen Knutschfleck. Die Fremde lächelt freundlich, sodass ihre blauen Augen funkeln. Der blonde Pony bedeckt ihre Stirn, ihr Zopf ragt über die linke Schulter und die Sommersprossen auf ihrer Nase fallen einem sofort ins Auge, vor allem wenn sie sie, wie jetzt gerade, vor Verwunderung krauszieht.

„Schatz, wer ist … Liz?“ Alain schreitet mit schnellen Schritten auf diese Femme fatale zu und drückt ihr einen Kuss auf die Wange.

Ich bin geplättet vom vertrauten Umgang der beiden und fühle tief in meinem Innern Eifersucht aufkeimen. Ihr Name ist mir geläufig, aber trotzdem sollte er mich endlich mit der Dame bekannt machen.

Ein ungutes Gefühl beschleicht mich, dass mir mit dieser Reise vielleicht mehr offenbart wird, als mir lieb ist. Dass ich Gefühle kennenlerne, die ich bisher ganz gut unter Kontrolle hatte und die jetzt plötzlich drohen, an die Oberfläche zu dringen …

„Irina. Darf ich vorstellen, Liz Stone, Daniels Freundin. Liz, Irina Meyer, meine Freundin.“

Ich reiche ihr die Hand.

Das ist also die Frau, deren Knebel und Hogtie ich getragen habe? Dans Sub. Alain habe ich jedoch über mein Wissen noch nicht in Kenntnis gesetzt.

„Freut mich, dich kennenzulernen, Irina.“ Liz schenkt mir ein aufrichtiges Lächeln.

Im ersten Moment bin ich überrascht, dass sie die deutsche Sprache so einwandfrei und akzentlos beherrscht. Sie spricht Hochdeutsch. Doch da kommt mir die Unterhaltung mit Daniel wieder in den Sinn. Er hat davon gesprochen, dass seine Freundin halb Deutsche, halb Engländerin ist …

„Ich freue mich auch, Eliz…“

Liz lässt mich nicht ausreden. „Meine Mutter ist Sissi-Fan, also nix mit Queen Elizabeth … Sie ist die Einzige, die mich bei vollem Namen ruft oder die verhasste Abkürzung Sissi verwendet. Boah! Selbst wenn ich es ausspreche, schüttelt’s mich durch. Das hört sich für mich so an, wie wenn jemand mit den Fingernägeln über Tontöpfe kratzt. Also bitte, bitte nenn mich Liz“, fleht sie mich an.

Schon allein beim Gedanken an Fingernägel und Blumentöpfe bekomme ich eine unangenehme Gänsehaut. „Liz“, wiederhole ich, reibe mir nebenbei die nackten Arme, bis der Schauder von mir ablässt.

Sie lächelt zufrieden und ihre strahlend weißen Zähne blitzen hervor.

„Wo ist Daniel? Ich dachte, wir treffen uns alle erst später zum Essen?“ Alain klingt skeptisch.

„Mas…“ Liz fühlt sich von Alains kaltem Blick eingeschüchtert, gerät ins Stocken und korrigiert sich. „Daniel wartet unten im Wagen. Er findet, dass ich Irina ein wenig Gesellschaft leisten könnte, während ihr euch euren Geschäften widmet.“ Verschwörerisch zwinkert sie mir zu, deutet mit dem Kinn zur Jacke.

Es geht raus! London, ich komme!

„Das ist ja toll.“ Entschlossen nehme ich meinen schwarzen Trenchcoat vom Garderobenhaken. Ich bin Feuer und Flamme, Alain hingegen scheint von der Idee nicht begeistert, noch weniger, als er rafft, dass es nach draußen geht.

„Wo willst du hin?“

„Mir mit Liz die Zeit vertreiben.“

„In diesem Outfit?“ Er zeigt auf den kurzen Mini, mit dem ich ihn damals in der Bar überrascht habe, und reibt sich provokativ die Hände. Sein Blick sagt: Bei wie viel sind wir wohl stehen geblieben?

Ich denke an seine Worte zurück: Beim nächsten Mal, wenn du so einen kurzen Rock anziehst, werden es zwei Hiebe sein und das Mal darauf drei … Und immer so weiter … Ich kann deinem hübschen Hintern einfach nicht widerstehen. Also, wenn du die Züchtigung nicht scheust, reize mich nur weiter mit solch breiten Gürteln …

„Alain. Wir gehen nur in die Mall. Shoppen“, versucht Liz ihn zu besänftigen.

Alain hat das Nachsehen, steigt mit uns in den Lift und lässt es sich nicht nehmen, dass Daniels Wagen uns zur Mall fährt. Die Begrüßung mit Dan fällt relativ kühl aus, wahrscheinlich die besagte Ruhe vor dem Sturm. Ich möchte nicht wissen, was die beiden diskutieren, wenn wir aus dem Wagen steigen. Wird wohl ziemlich hitzig werden, vermute ich, denn Dan hat Alains Pläne gnadenlos durchkreuzt und so was kann mein Kontrollfreak gar nicht leiden.

Ich setze mich Alain gegenüber in die Limousine, schlage ladylike die Beine übereinander und wundere mich über Liz’ Haltung. Sie sitzt Daniel anmutig mit leicht geöffneten Schenkeln gegenüber, die Hände auf den Knien. Wenn sie kein Höschen tragen würde, hätte Daniel freie Sicht auf ihre Scham.

Ach herrje! Mir wird heiß und ich fächere mir mental Luft zu.

Daniel bemerkt meine Verlegenheit, haben mich doch meine tiefroten, erhitzten Wangen verraten. Er grinst schelmisch und fragt äußerst scheinheilig: „Irina. Wie war der Flug?“

„Ähm …“ Ich ordne meine Gedanken und schiebe das gerade Gedachte weit nach hinten. „First Class. Ich bin schon einmal mit meinen Eltern nach Paris geflogen, jedoch Economy, und das ist etliche Jahre her“, antworte ich wahrheitsgetreu, aber heiser.

„Paris?“ Dan versucht, mich in ein Gespräch zu verwickeln.

„Disneyland.“ In Erinnerungen schwelgend lächle ich. „Ich war neun Jahre alt. Der Besuch bei den Großeltern und meinem Patenonkel war eher Nebensache … Und dann, mit fünfzehn, war ich noch einmal in der Stadt der Liebe, jedoch lediglich auf Klassenfahrt. Wir reisten mit dem TGV, dem Hochgeschwindigkeitszug, nach Paris und haben die Sehenswürdigkeiten, insbesondere den Louvre, besichtigt …“

„Du hast Verwandte dort?“ Alains Augen blitzen erstaunt auf. „Du bist zum Teil Französin?“

„Zu einem Viertel. Oma, mütterlicherseits. Du hast auch deine kleinen Geheimnisse, Alain Foster …“ … und ich bin gerade dabei, die letzten Puzzleteile zusammenzufügen!, ergänze ich in Gedanken und zwinkere ihm zu.

„Darauf werden wir noch zurückkommen, Mademoiselle Meyer“, bemerkt Alain und grinst spitzbübisch.

Ich weiß genau, worauf er anspielen möchte, und befeuchte lasziv meine Lippen.

„So, Ladies. Wir sind da.“ Daniels Stimme unterbindet unseren Flirt.

„A plus tard, ma chérie!“ Mit diesen Worten, begleitet von einem Augenzwinkern, verabschiedet sich mein sprachbegabter Freund von mir.

„Eh! Falsche Sprache, Kumpel …“, empört sich Dan.

„Bis später, Schatz.“ Ich drücke Alain einen scheuen Kuss auf den Mund und steige aus.

Nach einem kurzen ernsten Blickwechsel mit ihm, wohl eine stumme Warnung, folgt mir Liz und hakt sich bei mir unter. „Lass uns Spaß haben und bei Ann Summers vorbeischauen!“

Die Mall, ein Shopping-Paradies für Frauen. Etliche Geschäfte und Restaurants auf etwa fünfundzwanzig Fußballfeldern verteilt. Jedoch liebäugelt Liz nur mit einem Laden.

„Oh.“ Meine einzige Bemerkung, als ich mit hochrotem Kopf und wild klopfendem Herzen den Sexshop betrete. Ich blicke mich verstohlen um. Doch niemand scheint sich für die peinlich berührte Touristin, die den allerersten Fuß in eine echte Sexboutique setzt, zu interessieren. Huch! Gedanklich wische ich mir den Schweiß von der Stirn.

Ach herrje! Irina! Benimm dich nicht wie ein verklemmtes Huhn!

„Komm! Hier gibt’s exquisite Lingerie.“

„Natürlich, unter anderem“, bemerke ich sarkastisch.

„Du tust ja gerade so, als wäre dies dein erster Besuch in …“ Sie verstummt und sieht mich prüfend an. Ihre blauen Augen weiten sich vor Erstaunen. „Ach du meine Güte! Du bist Alains Freundin!“

„Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“, frage ich schnippisch.

„Ach nichts. Lass uns den Laden erkunden.“ Liz ergreift meine Hand und zieht mich von Regal zu Regal.

Etwas Passendes ist bald gefunden: ein Torselett in Beige und Schwarz, mit Spitzen-Ornament über dem Bauch, ein Höschen mit Schleifchen und Rüschchen und natürlich halterlose Strümpfe.

Liz führt mich weiter zu den Sextoys. Einige Dinge schrecken mich ab, andere hingegen wecken schon beim Betrachten ein leises Kribbeln in meinem Unterleib. Nichtsdestotrotz wird mein Gesicht noch eine Nuance röter, als Liz einen verpackten, wie ein S-geschwungenen Vibrator in den Farben Fuchsia und Violett in meinen Einkaufskorb legt. „Den will ich dir wärmstens ans Herz legen, falls Alain einmal nicht zur Stelle sein sollte.“

„Liz!“ Ich schnappe empört nach Luft. Doch die quirlige Blondine fährt munter fort und geleitet mich zum nächsten Regal.

Mich trifft fast der Schlag. Alle Farbe weicht aus meinem Gesicht. Handschellen, Handfesseln und Fußfesseln im Set. Es geht mir nicht darum, was ich alles sehe, sondern … Etwas gröber als beabsichtigt ergreife ich ihr Handgelenk. Ein verwirrter, beinahe erschrockener Ausdruck liegt auf ihrem Porzellangesicht. „Wie intim kennst du meinen Freund, Liz?“

Erst blickt sie mich entsetzt an und schluckt trocken, ob aus Furcht vor mir oder vor Alain, der ihren Verrat bestimmt nicht ungesühnt lässt, weiß ich nicht. Doch gleich darauf legt sie mir selbstbewusst ein Paar schwarze Ledermanschetten mit lilafarbenem Leopardenfutter, eine Schlafmaske und Kondome in den Korb.

Oh Scheiße! Die Erkenntnis trifft mich wie ein Faustschlag in die Magengrube. Eine Antwort erübrigt sich.

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, die Sachen zu kaufen und mich mit Liz in ein Café zu setzen, um zu reden.

Kein Teufel, die Vernunft!

„Es ist nicht, wie du denkst, Irina.“ Sie blickt mich betrübt an.

„Ja, klar …“, wende ich spöttisch ein. Mit zitternder Hand führe ich das Glas mit dem nach Zimt duftenden Chai Latte zum Mund. Doch ich fühle mich eingeschnürt. In meiner Brust brodelt es. Wenn ich jetzt einen Schluck davon trinken würde, käme alles retour. Ich stelle das Glas wieder ab und atme tief durch.

„Irina. Ich kann dir leider nicht alles haarklein erläutern, aber wenigstens so viel zum Thema: Dan und ich sind seit mittlerweile acht Jahren ein Paar. Ich liebe ihn. Ich gehöre ihm.“ Liz löst den Knoten ihres Seidentuchs. Wie ich vermutet habe, hat sie darunter tatsächlich etwas versteckt. Ein goldenes Halsband kommt zum Vorschein. Sehr extravagant.

Allerdings überrascht mich das Schmuckstück nicht, da ich doch über die Art Beziehung der beiden im Bilde bin. „Ich kenne die Bedeutung. Ich habe in einem Roman darüber gelesen …“ Die Trockenheit meines Mundes verlangt nach einem Schluck Tee.

„Natürlich. Lektüre aus diesem Genre ist zurzeit der Renner. Aber was ich sagen wollte, Dan und ich, wir beziehen auch andere in unsere Sessions mit ein, wie zum Beispiel Ala… Travis! Schön, dich zu sehen.“

„Beauty, Liz!“

Beauty. Dieses Kosewort, das Travis für mich verwendet, verursacht bei mir jedes Mal eine Gänsehaut. Ein Wunder, dass Alain das duldet. Aber Travis, dieser Schuft, macht das bestimmt nur, um mich zu necken …

Doch hier habe ich ihn nicht erwartet. Ich zucke zusammen. Erschrocken stelle ich mein Glas Tee einen Tick zu laut auf den Tisch und drehe mich langsam zu der dunklen Stimme um, die ich die letzten Tage nur übers Telefon etwas verfälscht wahrgenommen habe.

„Travis“, räuspere ich mich. Er hat unser Gespräch belauscht.

„Ich lass euch dann mal kurz allein.“ Liz entschuldigt sich und zieht sich diskret zurück.

„Was machst du denn hier?“, frage ich verwundert.

Travis bedenkt mich mit einem Lächeln und setzt sich auf den von Liz vorgewärmten Stuhl.

„Ich dachte, Alain, Daniel, James und du, ihr hättet was Geschäftliches miteinander zu bereden.“

„Ich schwänze. Alain wird nicht begeistert sein, wenn er“, Travis guckt auf die Uhr, „in genau zwanzig Minuten bemerkt, dass ich nicht auftauchen werde. Irina. Nach dem Telefonat mit dir, als du mich verzweifelt gebeten hast, dir die Wahrheit zu sagen …“

Doch ich unterbreche ihn: „Travis. Ich weiß, du willst Alain nicht in den Rücken fallen, aber du musst zugeben, ihr vier seid euch in gewissen Dingen schon frappierend ähnlich.“

Er lehnt sich gelassen zurück, umfasst mit Daumen und Zeigefinger sein stoppeliges Kinn, lässt mich zappeln. Wohl die Strafe dafür, dass ich ihn nicht ausreden ließ.

„Sag doch was!“, flehe ich. „Ich will doch nur wissen, ob ich Alain genüge. Wir hatten seit geschlagenen zehn Tagen keinen Sex mehr.“ Der letzte Satz kam nur noch flüsternd daher.

Travis seufzt, als könne er mein Dilemma nachempfinden. „Zerbrich dir nicht deinen hübschen Kopf darüber. Alain liebt dich, das weiß ich mit Sicherheit, und was den Sex angeht, will er dir vermutlich Zeit lassen, Ryans Übergriff zu verarbeiten.“

„Aber genüge ich ihm oder braucht er eine Frau wie … Liz?“ Endlich ist es raus!

„Ach. Daher weht der Wind! Alain braucht dich, Irina, und was bei dominanten Menschen noch hinzukommt, die Kontrolle. Er braucht die Kontrolle über dich, aber er ist keineswegs sadistisch veranlagt. Glaub mir, Beauty, ich weiß, wovon ich rede. Wie ich hat auch Alain während der Studienzeit viel experimentiert. Er hat an einigen Sessions teilgenommen …“

Wieder falle ich ihm ins Wort. „Lässt sich das klar abgrenzen? Das mit den Handschellen kommt doch nicht von ungefähr, und was hatte er mit Liz am Start?“

„Alain hat bald gemerkt – und wir auch –, dass er nicht so tief in der Tinte steckt, wie wir anderen, gelinde gesagt. Was die Sessions anbelangt, Liz liebt es zu spielen, Sex jedoch …“

„Mein Schmuckkästchen bleibt allein Master Daniel vorbehalten.“ Liz lächelt zuckersüß und setzt sich zu uns an den Tisch. „Wie lange noch, Travis?“

„Fünf Minuten“, antwortet dieser knapp.

„Was ist in fünf Minuten?“, frage ich neugierig.

„Alains Frist läuft ab …“

„Welche Frist?“, unterbreche ich ihn, sichtlich verwirrt.

„Irina. Du musst lernen, die Leute erst ausreden zu lassen. Ich wollte es dir eigentlich zuvor schon erklären. Ich habe Alain nichts von unseren Telefonaten erzählt, auch nicht, dass du weißt, dass die Utensilien, die dieser Dreckskerl Ryan benutzt hat, aus Daniels Gepäck stammen. Ich habe ihm sozusagen die Pistole auf die Brust gesetzt, er solle dir doch endlich von unserem …“

Mein Handy klingelt. Scheiße! Ich stelle es auf Vibrieren und bitte Travis, fortzufahren.

„Geh ran! Das wird Alain sein. Die Frist ist noch nicht um. Er wird wissen wollen, ob ich hier bin.“ Travis wirkt unbeeindruckt.

Ich nehme den Anruf mit einem scheinheiligen „Ja?“ entgegen.

„Liebes, ist Travis bei dir?“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

„Jaaaa“, antworte ich etwas gedehnt.

Alain atmet tief durch. „Hör zu! Meine Freunde zu Hause und gar meine Familie wissen nichts davon …“

„Schatz. Wovon sprichst du?“

„Gut. Travis hat es dir also noch nicht verraten … Vertraust du mir, Kleine?“

„Ja. Das tue ich.“ Dennoch bricht mir der kalte Schweiß aus, denn das, was er mir offenbar sagen möchte, erhält durch seine belegte Stimme und sein Zögern bleiernes Gewicht. Es ist also verdammt ernst.

„Und ich vertraue dir.“

Es herrscht eine bedrückende Stille und ich beginne, unruhig auf dem verchromten Bistrostuhl hin und her zu rutschen. Bald halte ich es nicht mehr aus und hake nach: „Alain, dich bedrückt doch etwas. Du weißt, dass wir deine Vergangenheit hinter uns lassen. So war es abgemacht.“

Heuchlerin! Zuvor hast du Liz noch eine Szene gemacht.

„Dieses Kapitel gehört nicht meiner Vergangenheit an, Irina. Es ist noch präsent.“

„Oh.“ Ich spüre, wie mir alle Farbe aus dem Gesicht weicht. Das Rot vom Besuch im Sexshop und der Schmuckkästchendiskussion mit Travis und Liz verblasst.

„Ich werde dich heute Abend einweihen, dich in eine etwas andere Welt entführen.“

„O…okay“, stottere ich und mir wird flau im Magen.

„Erinnerst du dich an die Anspielung, die ich über deine Ballettstange gemacht habe?“

„Hmmm. Du dachtest an Poledance, Tabledance.“ Ich gebe Liz und Travis ein kurzes Zeichen und suche mir eine ruhige Ecke, denn es wird wohl eine Aussprache folgen … Obwohl ich bei Travis kein Blatt vor den Mund zu nehmen brauche, Liz eigentlich auch sexuell relativ aufgeschlossen ist, habe ich dennoch noch etwas Mühe, mit ihr warm zu werden …

„Wärst du bereit, für mich zu tanzen? Für mich allein, versteht sich.“

„Hmmm.“ Ich sehe mich verstohlen um, und erst als ich mir sicher bin, dass mich niemand belauscht, frage ich: „Werden wir danach Sex haben?“

Alain kichert ins Telefon. „Du fragst mich das so unsicher. Warum?“

„Weil du Nein sagen könntest. Die ganze Woche über hast du mich verschmäht …“

„Irina. Ich wollte dich doch bloß schonen.“

„Ich dachte, du findest mich nicht mehr begehrenswert.“

„Wie kommst du auf so etwas Absurdes?“

„Montagnacht trug ich ein schwarzes Negligé, Dienstag rote Reizwäsche … Herrgott noch mal, Freitag lag ich nackt da und du hast Bourbon mit Leckerlis zwischen uns aufs Bett gelockt und bist ins Badezimmer verduftet …“, rede ich mir meinen Frust von der Seele.

„Und als ich wiederkam, hast du selig geschlafen. Du hast so friedlich ausgesehen. Die ersten Nächte nach dem Übergriff wurdest du von Albträumen geplagt.“

„Alain. Ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als dass du mich in den Arm nimmst und mich leidenschaftlich liebst. Ich wollte dich!“

Meine Worte entringen ihm einen tiefen Seufzer. „Du kriegst mich! Heute Nacht! Ich will uns beide nicht länger quälen.“

„Keine kalten Duschen mehr?“

„Liebes. Halte mir nichts vor. Ich konnte deine Wonne, dein Stöhnen heut am Morgen unter der Dusche bis ins untere Stockwerk hören.“

Ich ziehe scharf Luft in meine Lungen. „Ich … ich dachte, du müsstest kurz ins Büro“, sage ich dennoch erstickt. Ich war derart aufgeladen, besonders nach dem erotischen Traum, der mich letzte Nacht heimgesucht hat, dass ich einfach nicht mehr widerstehen konnte und mir selbst Erlösung verschaffen musste, weil Alain mich ja unbedingt schonen wollte. „Ich … ich hab dabei an dich gedacht …“ Mit ihm vor meinem inneren Auge und dem Klang seiner Stimme in meinem Kopf hat mein Orgasmus nicht lange auf sich warten lassen …

„Dad ist mir im Fahrstuhl begegnet und hat die Akten gleich mit sich genommen, darum war ich auch gar nicht weg … Irina. Ich nehm dir das Solospiel nicht übel und du brauchst dich dafür auch nicht zu schämen … Ich würde gerade zu gern dein Gesicht sehen, deine roten Wangen streicheln … Eigentlich hätte ich dir ja liebend gerne unter die Arme gegriffen, doch ich wollte dich diese Erfahrung, sozusagen bewusst, machen lassen. Wie war’s?“

Alain spielt auf meinen feuchten Traum an, der mich in der ersten Nacht in meinem neuen Daheim regelrecht überfallen hat. Ich habe ihm gestanden, dass er darin die Hauptrolle spielte und ich mich im Schlaf selber zum Orgasmus gestreichelt habe …

„Bei Weitem nicht so schön, wie wenn du es tust“, flüstere ich verschämt.

„Das will ich aber hoffen … Also, kleine Planänderung, Liebes. Das Essen fällt aus, besorgt euch einen Snack. Liz und Travis werden, was dich betrifft, einige Anweisungen erhalten. Hinterfrage sie nicht. Dan, James und ich holen euch in einer Stunde ab. Und, Irina, lass dir von Travis nicht die Überraschung verderben.“

„Werd ich nicht.“ Mein Herz schlägt vor Vorfreude einen Takt schneller. Ich lege auf und begebe mich wieder zu Travis und Liz an den Tisch.

„Also, Beauty, wo war ich stehen geblieben? Alain …“

„Travis. Lass gut sein. Ich will nichts davon hören.“

„Ich hab’s nur gut gemeint, Irina. Er sollte endlich dazu stehen …“

„Und du, Travis, bekenn dich endlich zu Hannah!“, blaffe ich ihn an.

Travis sieht mich verdattert an. Liz’ Augen werden groß. Doch keiner sagt ein Wort. Die Stille wird durch das Klingeln ihrer Handys unterbrochen.

Die prophezeiten Anweisungen!

Liz und Travis entschuldigen sich und nehmen ihre Gespräche entgegen. Mein Handy vibriert ebenfalls.

Alain, 18. Juni, 20:35

Evanescence - Bring me to Life

Im ersten Moment weiß ich nicht, was er mir mit dieser Nachricht sagen möchte, doch dann wird mir klar, dass es das Lied ist, zu dem ich heute Nacht für ihn tanzen werde … Die ersten Klänge des Piano-Intros spuken schon in meinem Kopf herum und bescheren mir eine Gänsehaut …

Bibbernd, nicht nur vor Kälte, weil ich unter meinem Trenchcoat lediglich noch Reizwäsche trage – keine von Alains Anweisungen, meine eigene spontane Idee –, sondern auch vor Nervosität, stehe ich zwischen Liz und Travis draußen. Eine schwarze Stretch-Limousine, wie man sie aus diesen berühmten amerikanischen Abschlussball-Filmen kennt, fährt vor und ist unser Taxi zur nächsten Station.

Aber wo genau geht’s hin?

Daniel öffnet die Wagentür und winkt uns herein. Drinnen erwarten mich ein geräumiger Innenraum, ausgestattet mit luxuriösem Interieur: Bar, Flatscreen, anthrazitfarbene Lederpolster, hellgraue Teppiche, und ein nach Nähe und Zärtlichkeit hungernder Alain. Er zieht mich direkt auf seinen Schoß, küsst mich so heiß und begierig vor angestautem Verlangen, dass mir beinahe schwindlig wird und ich fast all die Fragen vergesse, die ich mir in meinem Kopf bereitgelegt habe …

Es dauert einen Moment, bis ich mich fange, wieder zu Atem komme. „Alain, was verbirgst du vor mir?“ Ich schlinge meinen Arm um seinen Nacken, mein Blick bohrt sich in seinen. Er kann mir nicht ausweichen. Aber anstatt endlich mit der Sprache herauszurücken, drückt er mir noch einen Kuss auf den Mund. Allerdings gewähre ich ihm diesmal keinen Aufschub mehr, löse mich kurz darauf wiederum von seinen Lippen. „Alain. Komm schon. So schlimm kann’s doch gar nicht sein. Jedenfalls nicht schlimmer, als mit drei Vollblutsadisten einen Wagen zu teilen, sei es auch eine Limo.“

Alain sieht mich einen Augenblick lang entgeistert an.

Der Innenraum füllt sich mit Liz’ Gekicher. „Irina. Der war gut … und bei den drei Exemplaren hier im Wagen hast du voll ins Schwarze getroffen, jedoch behalte im Hinterkopf, nicht jeder Dominante ist gleich Sadist … Steck sie bitte nicht alle in dieselbe Schublade … Das beste Beispiel hast du vor d…“

Travis räuspert sich und Liz verstummt. Dennoch nehme ich mir ihre Erklärung zu Herzen und werde die Worte nächstes Mal bedachter wählen … Alain torpediert Travis und Liz mit bitterbösen Blicken. Er nimmt wohl an, dass seine Freunde ihn verraten hätten.

Zeit, die Farce aufzulösen!

„Hey, Schatz.“ Ich umfasse Alains Gesicht mit beiden Händen und zwinge ihn, mich anzusehen. „Lass mich erklären: Bei Travis ist es mir, wie du weißt, unfreiwillig zu Ohren gekommen, als er Hannah im Hotelzimmer nebenan gespankt hat. Wahrscheinlich bin ich bei unserem ersten Zusammentreffen, dem Vorstellungsgespräch, noch zu naiv gewesen, um seine Neigung zu erkennen. Ich dachte lediglich an einen strengen Klavierlehrer mit Zollstock …“ Ein kleinlautes, scheues Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als ich Travis dabei ansehe.

„Gar nicht so abwegig, Beauty.“ Anerkennung schwingt in Travis’ Stimme mit und er ermutigt mich, fortzufahren …

„Bei Dan fiel mir das Puzzleteil per Zufall in den Schoß. Die Fesselung und der Knebel, die Ryan benutzt hat, stammten aus Dans verschwundenem Koffer. Ryan ließ es sich nicht nehmen, damit zu prahlen, bevor …“ Ich schlucke, breche ab und sehe schüchtern rüber zu James. „Bei James hab ich mich gerade nur sehr weit aus dem Fenster gelehnt“, umschreibe ich es vorsichtig. Wahrhaftig habe ich die Erregung in seinem Blick gesehen, geschweige denn, die Beule in seiner Hose übersehen, als er in den Fitnessraum gestürmt ist. Erst nach und nach im Traum, wo sich der ganze Horror immer wieder abgespielt hat, ist mir die Szene letztendlich bewusst geworden. An Prestons schuldbewusstem Gesichtsausdruck lässt sich erkennen, dass es nicht bloß Einbildung war. Kein Hirngespinst meiner Fantasie. Meine Nackenhärchen richten sich auf, mein Gefahrensensor, den ich nicht außer Acht lassen sollte, der mir sagt: Halt dich von dem Typen fern!

Ich reiße mich von James und den düsteren Gedanken los und blicke liebevoll zu Alain. „Und jetzt zu dir, Liebster.“ Ich küsse ihn zärtlich auf den Mund. „Bei dir, Schatz … Du besitzt gewisse Züge, doch sind sie bei dir nicht so ausgeprägt wie bei den anderen. Jedoch stellst du sie mit deinem autoritären Verhalten alle in den Schatten.“

„Darauf würde ich nicht wetten, Beauty“, fordert Travis mich heraus.

Alain lacht laut auf. „Fühlst du dich in deiner Ehre verletzt, White? Liebes, du hast den Master noch nie in Action erlebt … und mit Travis zu wetten, ist gefährlich, also lass dich bloß nicht dazu hinreißen.“

„Sorry.“ Ich lächle verlegen. „Also, was genau habt ihr Jungs miteinander zu schaffen?“

„Ganz schön tough, die Kleine“, meint James.

„Alain, Süßer. Rück endlich mit der Sprache raus!“, stachelt Liz ihn an.

Alain gesteht mir nach einem tiefen Atemzug: „Irina. Ich besitze Anteile an einem Club im Londoner Vergnügungsviertel.“

Herrje! „Ooookay. Ich nehme mal an, wir reden nicht von einer Disco?“ Ich mustere einen nach dem anderen und bleibe an Alains bedeppertem Gesichtsausdruck hängen. „Bei einer Dreiviertelmehrheit kann ich mir schon denken, um was für eine Art Club es sich handelt. Also lag ich falsch. Es gibt freilich etwas Schlimmeres. Ein ganzer Club voll …“ Wähle die Worte mit Bedacht! „… Dominanter und Master.“ Woher nehme ich bloß den Mut? Oder ist es Leichtsinn? Ich lache hysterisch auf.

„Irina. Du vergisst den Gegenpart.“ Liz verbeugt sich.

„Beauty. Der Club ist, der britischen Rechtslage wegen, geheim, privat und nur für Mitglieder zugänglich. Mach dir also keine Gedanken. Es herrschen strikte Regeln.“

„Ihr fahrt aber jetzt nicht etwa mit mir dorthin?“ So leicht stecke ich es dann allerdings nicht weg. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich will mich schon von Alains Schoß stehlen, doch er ergreift meine Hände, hält sie auf seiner Brust gefangen.

„Irina, Liebes. Vertrau mir.“ Er sieht mich bittend an. Ein winziger Hoffnungsschimmer flackert in seinen Augen auf und bannt mich.

„Ich vertraue dir“, flüstere ich. Daraufhin lässt er meine Hände los.

„Ich werde dich nicht enttäuschen … Liz, deinen Seidenschal, bitte … Travis? … Kleines, ich lasse dir die Augen verbinden, um dich nicht zu überfordern.“

„Alain. Ich bin nicht …“ … aus Zucker … Glas … was auch immer!, versuche ich zu widersprechen, aber er erstickt meine Widerworte mit einem unendlich zärtlichen Kuss. Alain hält mich fest umschlungen, presst seinen Mund auf meinen, versucht, mich milde zu stimmen. Jedoch als Travis mir dann unerwartet die Augen verbindet, gebe ich einen erschrockenen Laut von mir.

„Schsch, Beauty. Vertrau deinem Liebsten, er wird auf dich achtgeben.“

Ich merke, wie mir Hitze über meinen Hals hinauf in die Wangen steigt. Mein Herz pocht wie wild in meinem Brustkorb, und doch hat das alles irgendetwas Erregendes, nicht zu wissen, was auf einen zukommt.

„Irina. Du weißt, wie besitzergreifend ich sein kann, also mach dir keine Gedanken darüber, dass dich ein anderer unsittlich anfassen könnte …“

„Man wird mich auslachen, mit der Augenbinde …“, jammere ich kläglich.

„Irina.“ Travis redet mit einer beruhigenden Stimme auf mich ein und ergreift meine rechte Hand. „Glaub mir, die Augenbinde wird dort keine Aufmerksamkeit erregen, sondern einzig und allein deine Schönheit.“

Seine Worte zaubern mir zwar ein scheues Lächeln auf die Lippen, erhitzen mich aber noch mehr.

„Sei nicht so schüchtern. Heb dein Kinn. Ein wenig Haltung, Süße.“ Die Worte müssen von James stammen.

Wenn Alain nicht in diesem Moment meine Lippen versiegelt hätte, meine Mundhöhle mit seiner Zunge erkunden würde, hätte ich mich gegen Preston aufgelehnt.

„Wir sind da!“, lässt Liz aufgeregt verlauten.

Die Limousine hält und es dauert nicht lange, da schlägt mir frische Luft entgegen. Alain nimmt meine Hände und hilft mir, den Wagen unbeschadet zu verlassen. Etwas zittrig stehe ich auf meinen Beinen und klammere mich an meinen Freund, meinen Rettungsanker.

„Mr Preston, Mr Parker, Mr White, Mr Foster, Miss Stone and Miss Meyer …“ Eine furchtbar tiefe Stimme heißt uns willkommen und stammt wahrscheinlich vom Türsteher. Fehlt nur noch ein dunkles, markerschütterndes Muahahahah, und ich hätte das Gefühl, mich im Entrée einer Geisterbahn zu befinden. Mein Puls erreicht ungeahnte Höhen. Meine Knie werden noch weicher …

„Vorsicht, Stufen.“ Alain schlingt den Arm um meine Hüften und führt mich die Treppe hinunter, direkt in die Hölle …

Der Duft von Holz, Leder und Opiumräucherstäbchen kriecht in meine Nase. Es ist warm, um nicht zu sagen höllisch heiß. Die Musik ist nicht besonders laut und man kann sich ohne zu schreien verständigen. Ich vernehme englische Gespräche, gar ein leises Glöckchen und sonstige undefinierbare, gedämpfte Geräusche.

Ein Glöckchen? Wo zum Teufel sind wir? Ich hab eine verdammte Katzenallergie!

Ich fasse mir an den Hinterkopf und mache mich am Knoten zu schaffen. Meine Hand jedoch wird abgeblockt, aber nicht von Alain, denn der hält mich noch immer fest umschlungen. Seine Hände auf meinem Körper zu spüren, vermitteln mir ein Gefühl der Sicherheit …

„Geduld, Irina!“, knurrt Travis.

„Ich bin neugierig …“

„Liebes, wir werden uns später an der Bar einen Drink genehmigen. Lass mich dir deinen Mantel abnehmen.“ Alain löst einen Knopf nach dem anderen.

Aber erst nach drei Knöpfen werde ich mir meiner Freizügigkeit wieder bewusst und wehre seine Hand ab. „Nicht doch! Ich trage lediglich Reizwäsche.“

Seine Hand schlüpft unverfroren unter meinen Trenchcoat und schmiegt sich an meinen nackten Rücken. Mit einem Ruck presst Alain mich an sich und flüstert mir verführerisch ins Ohr: „Liebes. Ich muss in dir sein. Ich kann nicht länger warten, sonst verliere ich den Verstand. Zehn Tage sind definitiv zu lange. Reine Folter!“

„Na, na, nicht so ungeduldig!“ Ich wackle mit dem Zeigefinger, und das hoffentlich vor seiner Nase. „Du hast um einen Tanz gebeten und ich fürchte, die paar Minuten wirst du noch durchhalten müssen.“

„Freches Luder!“

Ich kreische auf, als ich aus dem Nichts den Boden unter den Füßen verliere und plötzlich über seiner Schulter baumle. Mein verfluchter Neandertaler trägt mich mit schnellen Schritten fort. Sein Atem kommt stoßweise. Vor Anstrengung oder vor Erregung? Wahrscheinlich Letzteres, und vor noch ungestillter Vorfreude. Eine Tür fällt ins Schloss und ich bin mit meinem Höhlenmenschen, so hoffe ich doch, allein.

Alain stellt mich auf ein Podest. Er schält mich ratzfatz aus dem Mantel, führt meine rechte Hand zur Poledance-Stange und ehrt mich mit einem anerkennenden Pfiff durch die Zähne: „Ein bezaubernder Anblick!“

„Darf ich die Augenbinde abnehmen?“ Ungeduld schwingt in meiner Stimme mit.

„Warte auf die Musik, Liebes.“

Gespannt verharre ich und lausche. Ich warte und warte, werde immer zappeliger … Was macht er bloß?

Die ersten Klänge von Bring me to Life erfüllen den Raum und all die kleinen, feinen Härchen auf meinen Armen richten sich auf. Vorsichtig löse ich den Seidenschal und finde mich auf einem beleuchteten Podest wieder, im Rücken die Poledance-Stange.

Alain sitzt mit nacktem Oberkörper vor mir auf einer großen, roten, halbrunden Ledercouch, keine zwei Meter entfernt.

Wie lange wird er wohl auf dem Polster ausharren können, ehe er vom Verlangen übermannt wird und seine Lust an mir stillen muss? Bestimmt hält er nicht bis zur Hälfte des Songs durch, denn die Gier in seinen Augen ist unverkennbar …

Ich lasse meinen Blick durch den Raum schweifen. Schwere barocke Spiegel zieren die Wände, gedimmtes Licht flutet das Zimmer, doch alles, was mich interessiert, ist: Sind wir wirklich allein?

Tatsächlich! Nur er und ich!

So fange ich an, mich äußerst verführerisch zur Musik zu bewegen, lasse sie auf mich wirken und verliere mich in ihr. Ich lehne mich gegen die Stange. Das kühle Metall folgt meinem Rückgrat, lässt mich erschaudern und beschert mir eine Gänsehaut. Ich strecke die Arme hoch, berühre die Eisenstange und meine Finger schließen sich drum. Waren meine Hände zuvor noch kalt vor Nervosität, so erhitzen sie sich rasch und es quietscht unter den feuchten Flächen, als ich in die Hocke rutsche.

Lasziv spreize ich die Beine und genieße Alains begehrlichen Blick, der mir sagt, dass meine Bewegungen eins zu eins rüberkommen … Ich gönne ihm aber nur eine kleine Kostprobe und ziehe mich wieder hoch. Meine linke Hand hält das Sportgerät fest umschlungen, und mit ein wenig Schwung, sexy Hüftbewegungen tänzle und schlängle ich mich herum.

Die Stange in der Kniekehle, beide Hände fest verankert, biege ich den Rücken durch und werfe sinnlich den Kopf in den Nacken. Ich sehe Alain nun auf den Kopf gestellt … Er sitzt nicht mehr so lässig da. Die Arme auf den Knien abgestützt beugt er sich nach vorn. Blanke Begierde spiegelt sich auf seinem Gesicht wider, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass mein Busen bei dieser Pose zur Geltung kommt.

Sein lüsterner Blick spornt mich an. In einer fließenden Bewegung ziehe ich mich wieder hoch, nur um mich ruckartig noch tiefer fallen zu lassen. So tief, dass ich seinen stockenden Atem vernehme, meine Haarspitzen sacht mein Kreuz kitzeln und mir das Blut in die Wangen schießt.

Ich richte mich abermals auf, gleite um die Stange und gehe in die Hocke. Die Kälte zwischen meinen Schenkeln entfacht meine Lust, zieht sich prickelnd durch mein Geschlecht, das sich mit lustvollen Kontraktionen und Nässe darauf vorbereitet, mich mit ihm zu vereinen. Erregt lasse ich den Kopf in den Nacken fallen und ein leises Stöhnen tritt aus meinem leicht geöffneten Mund, als kribbelnde Vorfreude meinen Körper durchflutet …

Ich verharre einen Augenblick, bevor ich mich, die geschwollene Scham fest an die Eisenstange gepresst, darunter das begierige Pochen meiner Klit, die endlich Reizung erfahren möchte, daran hochschmiege, mich drumherum schlängle und vor Alain schwer atmend wieder in die Hocke gehe, das kalte Metall nun wiederum im Rücken.

Ich kann es kaum noch erwarten … Mein Verlangen treibt mich an, lässt mich jede Zurückhaltung vergessen …

Meine Hände befinden sich auf meinen Schenkeln. Ich übe etwas Druck aus und öffne mich ihm, spreize meine Beine. Meine Lider flattern zu, während ich mit den Fingerspitzen sachte meine bedeckte Spalte entlangstreichle, die Hitze und die Nässe, die in mein Höschen gesickert ist, auf den Kuppen spüre. Stöhnend stoße ich mich nach oben ab. Als ich wieder aufrecht stehe, die Lider öffne, blicke ich direkt in Alains mit Lust getränkte Augen, keine zehn Zentimeter von mir entfernt.

Ganze zwei Minuten hat er ausgehalten! Diese Erkenntnis erfüllt mich mit Stolz.

Unerbittlich nagelt Alain mich mit seinem Körper an die Stange. „Ich. Kann. Nicht. Länger. Warten“, presst er stoßweise hervor.

Keine zehn Sekunden später trage ich nur noch das Höschen. Wieder und wieder saugt er sich an meinem Hals fest und neckt mich mit köstlichen Liebesbissen, die mein Innerstes in Aufruhr versetzen, mir wohlige, genüssliche Laute entlocken, als sie sich, als stimulierende Impulse getarnt, durch meine Nervenbahnen schleichen und sich pulsierend zwischen meinen Schenkeln bündeln. Sie wecken den Drang in mir, mich Alain entgegenzurecken, mehr zu fordern, indem ich meine Arme um ihn schlinge …

„Behalt die Hände oben!“, raunt er mir ins Ohr und führt meine Hände über dem Kopf zusammen. Sein Mund wandert zu meinem Busen. Warm und sachte umschließen seine weichen Lippen die rechte Brustwarze, die sich ihm schon gierig entgegenreckt. Während er an der einen saugt, reibt er die andere zwischen Daumen und Zeigefinger und zupft sie neckisch.

Ich werde noch feuchter und das verlangende Pochen meiner Klit nimmt erst noch an Intensität zu, als er die erigierte Knospe mit den Zähnen zu traktieren beginnt. Die Liebkosung gelangt so tief, dass ich aufkeuche und versuche, meine erhitzten Wangen, mein Gemüt am kalten Metall der Poledance-Stange zu kühlen.

Abermals dränge ich mich Alain entgegen, in der Hoffnung, diese Glut in meiner Mitte zu stillen. Er sieht schmachtend zu mir auf. Nur seine beinahe schwarzen Augen verraten mir, wie sehr er sich zügeln muss. Davon angetan vergesse ich die Aufforderung, meine Hände oben zu behalten, umarme ihn gierend nach seiner Nähe und stehle mir einen Kuss …

Doch aus seiner Kehle dringt ein Knurren. „Du lässt mir keine andere Wahl. Ich muss dich fesseln …“

Als hätte er tatsächlich darauf verzichten können!

Alain greift hinter seinen Rücken, holt die schwarz-pinken Ledermanschetten hervor, die er wohl, wie ein Polizist seine Handschellen, am Gürtel aufbewahrt hielt.

Weich umschließen die gepolsterten Manschetten meine Handgelenke. Alain fixiert meine Hände über meinem Haupt, indem er die lange Verbindungskette einmal klirrend um die Eisenstange schlingt, und hakt den Karabiner in die zweite Manschette ein. Meine Hände befinden sich nun wieder am ursprünglichen Ort, nur diesmal widerwillig, was heißkalte Schauer meinen Rücken entlangrieseln lässt.

„Du wirst mir doch sagen, wenn es dir zu viel wird?“ Alains bohrender Blick beharrt auf meine Zustimmung, die er durch ein bedächtiges Nicken meinerseits bekommt. „Und zu guter Letzt …“ Er lässt das elastische Band der Schlafmaske um den Zeigefinger schweifen und zieht sie mir dann vorsichtig über den Kopf.

Ich murre gespielt, doch Alain bedeckt meine Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss und stimmt mich milde. Seine Hände gleiten von meinem Becken aufwärts, streicheln über meinen Bauch, den Busen, den Hals und über die Arme bis zu den Fingerspitzen. Meine Haut prickelt unter seiner sachten, tief dringenden Berührung. Der warme Atem an der Kuhle hinter meinem Ohr beschert mir eine Gänsehaut und schürt meine Sehnsucht, denn ich möchte ihn noch ganz woanders spüren. Seine Liebkosung sowie sein Kuss wirken auf mich viel intensiver, als wenn ich im Besitze all meiner Sinne wäre.

„Irina. Du bist wunderschön und tapfer“, wispert er mir ins Ohr, bevor sein Mund nach unten wandert, als hätte er meine Gedanken gelesen. Seine raue Zunge leckt über die Sehne meines Halses, über meine harten Nippel und zieht eine feuchte Spur zu meinem Bauchnabel. Zeitgleich gleiten seine Hände über meine Flanken, was mich erzittern lässt, denn ich bin furchtbar kitzlig, und bleiben schlussendlich an meiner Taille ruhen. Ich vermute, er hält sich an mir fest, um vor mir auf die Knie zu sinken.

Ich spüre Hitze durch den Stoff meines Höschens sickern … Bläst er dagegen?

„Ich kann deine Erregung wittern, Irina. Du riechst betörend und ich werde gleich von dir kosten …“

Seine Worte, sein rauer Atem jagen ein Kribbeln durch meinen Körper. Schiere Vorfreude. Sie lässt mich erbeben, meine Lippen vor Spannung bibbern, und das Herz in meiner Brust flattert vor Aufregung und Erregung.

Alains Finger haken sich in mein Höschen und streifen es mir von den Hüften. Er hilft mir, mich davon zu befreien, fädelt meine High Heels durch die engen Schlaufen. Sein warmer Atem prallt gegen meine Scham und zieht sich prickelnd und kühlend durch jede noch so kleine Furche meines erhitzten Geschlechts. Ich verspüre ein unbändiges Verlangen, von ihm berührt, geleckt zu werden, und recke mich ihm fordernd entgegen.

Ich höre, wie er einen tiefen Atemzug nimmt, wohl den Duft meiner Erregung auf sich wirken lässt. Mit den Daumen legt er meine geschwollene Perle frei und ich heiße seine gierige Zunge mit einem spitzen Schrei willkommen. Blitze schießen durch mich hindurch, wecken elektrisierend jede noch so kleine Zelle meines Körpers. Gespannt warte ich auf den nächsten Zungenschlag, doch es bleibt bei einer Kostprobe. Ungeduldig dränge ich Alain meinen Schoß entgegen, aber er umfasst meine Hüften und presst meinen Arsch zurück gegen die kühle Stange, was mich nach Luft schnappen lässt.

Ich höre die Ungeduld aus seinen Worten heraus. „Ich kann mich nicht länger zurückhalten. Ich muss in dir sein!“, knurrt er und die Gürtelschnalle schlägt auf dem Boden auf.

Ich vernehme ein mir bekanntes Geräusch. Das Reißen von Folie.

Hmmm! In zwei Wochen werden wir die lästigen Kondome womöglich los sein. Nächste Woche habe ich einen Termin beim Gynäkologen, um mir die Pille verschreiben zu lassen. Vielleicht ein weiteres Eingeständnis seinerseits? Noch habe ich ihn nicht eingeweiht.

„Schwarz? Eine interessante Farbwahl. Zu schade, dass du nicht sehen kannst, wie gut sie mir steht. Ich glaube, die zusätzliche Stimulation mit den Noppen hättest du dir sparen können, so erregt und nass, wie du schon bist.“ Seine Worte bringen meine Wangen zum Glühen. „Knie dich hin!“

Ich tue mich schwer, seinem Befehl nachzukommen. Mit beiden Händen versuche ich die Stange zu umfassen, doch die Kette lässt mir zu wenig Spielraum und es gelingt mir nur mit einer Hand. Noch dazu nimmt mir die Maske den Mut, um mich einfach so fallen zu lassen. „Alain. Bitte. Hilf mir. Es geht so nicht.“

Seine Hände schmiegen sich an meine Taille und ziehen mich langsam auf seinen Schoß. Sein erigierter Penis zuckt unter meiner Scham und ich verzehre mich danach, ihn in mir zu spüren. Meine inneren Muskeln ziehen sich aufs Köstlichste zusammen und ich fühle, wie Feuchtigkeit aus mir heraussickert, sich auf seiner Länge verteilt …

Alain führt meine Beine hinter seinen Rücken, wo ich auch seine vorfinde. Er kniet. Ich lehne mich gegen die Stange und kann es mir nicht verkneifen, ihm einen neckischen Schubser gegen seinen Knackarsch zu verpassen. Was so viel heißen soll, wie: Ich bin bereit!

Er knurrt, richtet sich unter mir auf und dringt mit einem einzigen heftigen Stoß in mich ein. Ich stöhne auf, benebelt von der Lust, die mich erobert, zusammen mit seinem harten Schaft, der mich so herrlich ausfüllt, mein Sehnen endlich stillt.

Alains Stöhnen flaut zu einem Zischen ab, als er die Zähne zusammenbeißt und um Beherrschung ringt. „Ich will, dass du mich dabei ansiehst“, presst er hervor. Er reißt mir die Maske vom Gesicht und mein Blick trifft auf die wohl schwärzesten und hungrigsten Augen, in die ich jemals gesehen habe. Die Pupillen verschlucken beinahe alles vom eisigen Blau der Iriden. Alain umfasst mein Kinn, er presst seinen Mund auf meinen und küsst mich unersättlich, reagiert sich auf diese Weise ab, denn seine Hüften hält er still.

Sein Kuss heizt mir ein, doch ich brauche mehr. So kann ich dem Drang nicht mehr widerstehen und fange an, mich auf ihm zu bewegen. Ich reibe mich an ihm, besonders die kleine pochende Perle zwischen meinen Schenkeln erfährt die raue Struktur der Härchen, die seinen Schwanz umgeben, und wird mit Reizen überflutet.

Alain vergräbt seine Finger in meine Schenkel, hält mich in Position und beginnt, mich von unten herauf zu stoßen. Jedoch im Gegensatz zum Hunger in seinem Blick, zum Peitschen seiner Zunge in meinem Mund, sind seine Stöße eher bedächtig. Er hält sich im Zaum.

„Halt dich nicht zurück, Alain. Gib mir mehr …“, keuche ich wollüstig.

Ein Grollen dringt aus seiner Kehle. Es hört sich an wie das Grollen eines wilden Tieres, das entfesselt wird. Alain kommt die Beherrschung abhanden. Er stillt mit einer unbändigen Gier sein Verlangen an mir, nimmt mich hart und unerbittlich, katapultiert mich mit seiner schier ungezügelten Art meiner Erlösung entgegen.

Ich halte mich an der Eisenstange fest, um seiner Wucht standzuhalten und dem Gefühl entgegenzuwirken, das schon jetzt meinen Körper mit einem Kribbeln zu erobern versucht …

Ich will auf ihn warten!

Alain schließt die Augen und ergibt sich mit einem animalischen Schrei seiner Lust. Meine Lider flattern auf und ich beobachte fasziniert, wie der Orgasmus über ihn hereinbricht. Ich kann mich gar nicht an ihm sattsehen. Sein Kopf liegt im Nacken, der Mund von seinem Schrei noch leicht geöffnet. Mein Blick wandert über seinen verschwitzten, bis zum Bersten angespannten Körper, zu der Stelle, wo wir eins werden … Alain steckt in den letzten Zügen seines Höhepunkts und verdammt tief in mir. Seine Finger vergraben sich ins weiche Fleisch meines Hinterns und er hält mich fest an sich gepresst, während er sich pulsierend in mir entlädt.

Sein Anblick ist hocherotisch und befördert auch mich über die Klippe. Jede Faser, jeder Muskel fängt unwillkürlich an zu zucken und scheint zu zerbersten. Kleine lustvolle Detonationen erobern jeden Winkel meines zitternden und schwitzenden Körpers, powern mich aus. Ich stöhne seinen Namen, während ich bebend meinen Höhepunkt erlange.

Die Kette klappert gegen die Eisenstange, als meine zusätzliche Stütze, mein Griff erschlafft. Alain hält mich fest, löst einen der beiden kleinen Karabinerhaken und drückt mich beschützend gegen seine Brust. Er streichelt mir liebevoll übers Haar. Sein Geruch, seine Zärtlichkeit und sein Herzschlag fangen mich auf. Ich liege schwer atmend in seinen starken Armen und genieße zusammen mit ihm den letzten Funken, das Nachglühen eines unglaublichen Orgasmus.

„Kleine. Ist alles in Ordnung? Bist du okay?“ Alain nimmt mein verschwitztes Gesicht in seine Hände und bringt mich dazu, ihn anzusehen. „Habe ich dir wehgetan? Ich hatte mich nicht …“

Meine Lider flattern auf und ich blicke in seine eisblauen Augen, die mich voller Sorge und schuldbewusst mustern. Doch ein gekeuchtes „Alain, ich liebe dich!“ zaubert ihm ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen, die mich anschließend mit einem innigen Kuss belohnen.

„Bereit? Du darfst mich alles fragen, Liebes, und wenn du gehen möchtest, dann scheu dich nicht, mir das zu sagen.“ Alain streichelt zärtlich meine gerötete Wange, während er mich mit einem liebevollen Blick bedenkt. Ich nicke stumm, zittere innerlich vor Aufregung. Er beäugt mich noch einmal kurz, äußerst argwöhnisch, und rückt mir den seidenen schwarzen Kimono zurecht. Ich sehe ihn mit zusammengekniffenen Augen an, wundere mich über sein so plötzlich sittsames Verhalten. „Ich bin immer noch derselbe, Irina.“ Und bestärkt dies mit einem besitzergreifenden „Alles meins“, welches er mir ins Ohr knurrt und damit mein Innerstes kurzerhand in Schutt und Asche legt.

Seine Worte, ein wahrer Brandbeschleuniger!

Erst als der Kimono richtig sitzt, öffnet Alain die Tür.

Ach, daher weht der Wind. Seine Kontrollsucht bricht mal wieder durch, diesmal gespickt mit etwas Eifersucht.

Wir spazieren einen langen, menschenleeren Korridor entlang. Die Wandleuchten flackern und geizen mit Licht. Die schweren Holztüren sind wie Hoteltüren mit goldenen, geschwungenen Zahlen gekennzeichnet. Der bordeauxrote Teppich unter meinen High Heels verschluckt das sonst so laute Klacken meiner Absätze. Alain nimmt mich bei der Hand, um mir Halt zu geben, und stößt die mächtige Tür am Ende des Gangs auf.

Die verruchte Atmosphäre raubt mir beinahe den Atem. Der Raum wird dominiert von einer großen Bar, die sich über die gesamte rechte Seite erstreckt.

Äußerst treffende Wortwahl, Irina! – dominiert … dominant …

Aber noch besser würde diese Bezeichnung zu dem bulligen Typen passen, der neben Travis am Tresen steht.

Himmel Herrgott! Was futtert der Kerl? Koteletts zum Frühstück? Und wie hält er sich fit? Mit Sklavinnen stemmen?

Unbewusst bin ich stehen geblieben, starre unverblümt auf das Muskelpaket in schwarzer Lederhose und Shirt mit abgetrennten Ärmeln, das seine geballte Kraft noch unterstreicht.

Travis hat meinen erschrockenen Blick bemerkt, versucht kläglich, ein Grinsen zu unterdrücken, und rammt seinem Nebenmann den Ellbogen in die Seite.

Bestürzt und voller Bange reiße ich mich von seinem Anblick los. „Alain. Bitte lass es uns an einem Tisch gemütlich machen.“ Hastig hake ich mich bei meinem Rettungsanker unter und ziehe ihn auf das Podest mit den Tischen und den mit rotem Leder überzogenen Bänken und Stühlen.

„Nimm Platz, Liebes.“ Alain deutet auf die Bank und setzt sich neben mich. „Travis wird uns später bestimmt noch Gesellschaft leisten.“

Unruhig rutsche ich auf der weich gepolsterten Bank hin und her. „Aber bitte ohne den Schrank“, bibbere ich.

Er zieht seine rechte Augenbraue hoch. „Den Schrank?“ Doch der ehrfürchtige Blick zur Bar verrät mich. „Oh. Du hast Travis’ Vetter entdeckt. Das ist Master Dave.“ Seine Mundwinkel zucken und das offensichtliche Amüsement in seiner Stimme ist kaum zu überhören.

„Den Kerl kann man nicht übersehen. Die halb nackten Frauen machen regelrecht einen Bogen um ihn …“ Nervös zupfe ich an meinem kurzen Kimono. „Und ich dachte schon, ich sei zu leicht bekleidet.“ Von den Männern hingegen sieht man hie und da mal einen nackten Oberkörper, Hosen tragen sie allerdings alle. Ich stöhne frustriert auf. „Das ist ja so unfair“, entschlüpft es mir.

Alain ist mein durchforstender Blick nicht entgangen und er weiß haargenau, was ich zu bemängeln habe. „Einen nackten Mann würdest du hier nur antreffen, wenn Roxy spielt. Jedoch wage ich zu bezweifeln, dass du Gefallen daran finden würdest.“

Ich zucke mit den Schultern und gebe unverblümt zu: „Es hat mir gefallen, dich zu fesseln, als wir Sex in deinem Wagen hatten, und trotzdem hast du die Oberhand behalten. Aber dich in einer unterwürfigen Haltung zu erleben, damit könnte ich mich überhaupt nicht anfreunden …“

„… und dennoch hat er es ausprobiert!“ Travis gesellt sich zu uns an den Tisch. „So wie wir alle in jungen Jahren mit Mistress Roxanne.“

Ich schlucke schwer. „Okay. Das ist jetzt definitiv mehr, als ich wissen wollte. Ich brauche einen Drink.“

Alain hebt die Hand und ordert drei Whiskys, die daraufhin zügig serviert werden.

Ich brenne den Kloß in meinem Hals mit einem Schluck Single Malt aus. Ein linderndes „Aaaah“ dringt aus meiner Kehle, kurz darauf die brisante Frage: „Wie seid ihr eigentlich an diese Lokalität gelangt?“ Ich bin neugierig.

„Wir haben nach einer Wohnung Ausschau gehalten, Liebes, mit der Absicht, eine WG zu gründen. Bevor du mich jetzt entgeistert fragst, warum in diesem Viertel: Einfach deshalb, weil wir nach einem Ausgleich zum langweiligen, viel zu vernünftigen, prüden Studentenleben suchten …“

„Und statt einer Wohnung habt ihr kurzerhand einen Club gekauft?“

„Wir haben uns beides unter den Nagel gerissen, Beauty. Club und Wohnung. Und obwohl wir alles eigenhändig renoviert haben, hat uns diese Immobilie eine schöne Stange Geld gekostet …“

Hört sich ganz nach einer Kurzschlussreaktion an, hervorgerufen durch die Langeweile reicher Studenten. Ein maßlos übertriebenes Resultat, wenn der Reichtum einem schon in die Wiege gelegt wurde. Einfach nur grotesk.

„… Im oberen Stockwerk befindet sich die WG; fünf Zimmer, zwei Bäder, eine Küche und ein Gemeinschaftsraum. Auf dieser Etage die Bar und sieben Themenzimmer. Unter uns erstreckt sich der Kerker.“

Ich verschlucke mich.

Der Kerker? Oder hat sich Travis in der Übersetzung geirrt und wollte eigentlich Keller sagen?

Das Nicken der beiden bestärkt mich darin, dass ich mich nicht verhört habe. „Im Gegensatz zum Kerker wirkt der Raum, in dem ich war, wohl eher harmlos …“

„Oh Alain. Sie hat nicht alle Raffinessen entdeckt …“ Dieser nickt schmunzelnd. „Beauty. Du musst etwas aufmerksamer sein.“

Eine Hitzewelle erfasst meinen Körper. Der Kimono klebt an mir wie eine zweite Haut. Ich fächere mir Luft zu.

„Ist dir nicht gut, Liebes?“, fragt Alain besorgt und umfasst meine eiskalte Hand.

„Ich vertrage den Alkohol nicht.“ Ich rücke das noch beinahe volle Glas Whisky zu ihm rüber. „Außerdem ist es heiß hier.“

Er streicht mir eine schweißnasse Haarsträhne hinters Ohr und seufzt: „Du solltest dich von einem Arzt durchchecken lassen. Diese Hitzewallungen hast du in letzter Zeit öfters.“

Travis lässt vom Barkeeper einen alkoholfreien Vitamincocktail kommen. „Vielleicht solltest du mehr trinken, Beauty.“ Fürsorglich schiebt er das Glas mit der geballten Ladung gepresster Früchte vor mich.

Nach der Stärkung gestehe ich Alain: „Schatz. Ich hab nächste Woche einen Termin.“

„Bei unserem Dorfarzt?“

„Nein. Ich will mir die Pille verschreiben lassen und habe für Montag einen Termin bei der Frauenärztin in der Stadt vereinbart. Ob du dann auf Kondome verzichten möchtest, das sei dir überlassen …“

Alain sieht mich verblüfft an. „Wow! Ich bin überrascht. Ehrlich gesagt habe ich mir auch schon Gedanken darüber gemacht …“

„Wieder ein Eingeständnis?“, frage ich vorsichtig.

Alain nickt stolz.

„Hannah verhütet ebenfalls mit der Pille“, bemerkt Travis nebenbei.

Alain und ich sehen ihn verdutzt an, nicht hinsichtlich der Info, sondern allein der Erwähnung ihres Namens wegen, aus einem banalen Zusammenhang heraus. Wenn ich daran denke, wie eingeschnappt er war, als ich ihn in der Mall auf sie angesprochen habe.

Nervös fährt sich Travis mit der Hand durch sein dunkelblondes, leicht gekräuseltes Haar und zieht es etwas in Mitleidenschaft. „Was ist? Ich hatte seit Wochen keinen richtigen Sex mehr, und die Tatsache, dass ich jetzt weiß, wie sie auf Schmerz reagiert, lässt mich noch mehr nach ihr gieren. Es ist wie verhext! Die letzten zwei Wochen ohne sie kommen mir vor wie eine verdammte Ewigkeit!“ Wütend und auch niedergeschlagen verschränkt er die Arme vor der Brust.

Ein Sadist, der offenbar leidet.

Ich werfe einen kurzen, besorgten Blick zu Alain, suche seine Zustimmung, und als er nickt, umarme ich Travis freundschaftlich. „Bekenn dich doch endlich zu ihr.“

„Und dann führe ich was, eine Fernbeziehung mit Telefonsex? Ich will mir nicht auch noch den Strick um den Hals legen!“, knurrt er.

Erschrocken über seinen Koller, seine sich entladenden Emotionen, gebe ich ihn frei und ersuche stumm Hilfe bei Alain.

„Du bist unausgeglichen und launisch, White!“, wirft dieser ihm vor. „Du musst etwas dagegen unternehmen, sonst könnte es sein, dass du Hannah nächstes Mal überforderst, ihr gar …“

Travis hat genug gehört und unterbricht ihn: „Alain, was schlägst du vor? Ich bin offen für alles!“ Er klingt resigniert.

Die Diskussion wird auf Englisch fortgeführt. Zuerst versuche ich noch, dem Gespräch zu folgen, doch nach einer Weile lässt meine Konzentration nach. Mein Hirn ist nicht mehr imstande, die englischen Worte in deutsche umzuwandeln. Die Reise, der Sex, die ganzen neuen Eindrücke, die ich von Alain bekommen habe, haben mich ermüdet. Gähnend lehne ich mich gegen seine Schulter und irgendwann müssen mir dann auch die Augen zugefallen sein.

Geruckel und Schwerelosigkeit locken mein neugieriges Wesen und mein Bewusstsein kurz zurück an die Oberfläche, jedoch lasse ich meine Augen geschlossen.

„Bring sie nach oben in dein Zimmer.“

„Ich werde kürzertreten, Travis.“

„Das bist du doch schon. Du hast dich, seit du sie kennst, nicht mehr hier blicken lassen.“

„Ich denke sogar daran, meine Anteile zu verkaufen. Ich bin auf die Einkünfte nicht angewiesen.“

„Das ist keiner von uns.“

„Ich bin nur eingesprungen, da euch ein vierter Mann fehlte und weil ihr dachtet … Hmmm … Was, wenn sie jetzt dasselbe von mir denkt?“

„Das tut und das wird sie nicht, Alain. Sie hat es dir sogar auf der Fahrt hierher erläutert …“

Kapitel 2

„Irina!“ Liz späht durch den Türspalt. Ihre Stimme ist ein leises Flüstern und doch habe ich sofort darauf reagiert und die Augen aufgeschlagen. Ich brauche einen Augenblick, bis ich mich zurechtfinde. Alains Studentenzimmer.

Alain selbst schläft tief und fest neben mir. Ein seltener Anblick. Normalerweise bin ich der Morgenmuffel und er der Frühaufsteher.

Liz’ Zeigefinger gelangt kurz an ihren Mund. Ein lang gezogenes „Pssssssst!“ dringt zwischen ihren verführerisch vollen Lippen hervor. Gleich darauf bewegt sich ihr Finger zu einem Komm her! Ein breites Grinsen schleicht sich auf ihr sommersprossiges, ungeschminktes Gesicht. Doch sie wirkt in natura nicht minder bezaubernd.

Bedacht darauf, keinen Mucks von mir zu geben und mich nicht allzu heftig zu bewegen, schlüpfe ich unter Alains Arm und unter der Decke hervor.

Mein Brummbär gibt im Schlaf ein missmutiges Schnauben von sich, murmelt etwas Unverständliches, schnarcht dann aber zufrieden weiter.

Ich ziehe mir den schwarzen Seidenkimono über, der auf dem Nachtschrank liegt, und schleiche mich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer.

„Wie spät ist es?“, frage ich Liz gähnend, als ich die Tür leise hinter mir geschlossen habe.

„Acht. Bei euch zu Hause schon neun und du bist noch so verschlafen“, wirft sie mir grinsend vor.

„Ich habe Ferien!“, rechtfertige ich mich und stemme gespielt empört die Fäuste in die Hüften.

„Komm …“ Liz hakt sich bei mir unter und führt mich in die Küche. „Wir überraschen die Jungs mit einem Frühstück.“

„Sag bloß, du erledigst hier tagtäglich die ganze Hausarbeit und die faulen Macker lassen sich bedienen?! Welche Paschas!“

„Pssssssst. Leise. Dieses Haus hat Ohren. Nein, Irina. So ist es keinesfalls. Ich mach das gerne. Kochen ist sozusagen mein Hobby, lieber aber backe ich Kuchen, Muffins, Brownies und sonstige Leckereien. Ich steh mehr auf Süßes, denn ich bin gelernte Pâtissière.“ Ihre Augen strahlen. „Ansonsten hat hier jeder sein Ämtchen zu verrichten!“ Liz zeigt auf die Pinnwand und zwinkert mir zu.

„Oooooh. Wenn das so ist, wie kann ich behilflich sein?“

„Würdest du im Gemeinschaftszimmer den Tisch decken? Da du barfuß bist, würde ich dir nicht gerade den Herd empfehlen. Fettspritzer.“ Sie deutet auf das Tablett mit Tellern, Besteck, Tassen und Gläsern.

Ich nicke und zähle unbewusst die Anzahl Tassen, vergleiche sie mit den Tellern und dem Besteck. „Sieben?“

Travis, James, Liz, Daniel, Alain und ich. Das sind sechs. Also wer ist der Siebte?

Liz nickt nur abwesend. Sie ist ganz in ihre Leidenschaft, das Kochen, versunken.

Mit zitternden Fingern trage ich das Tablett in den angrenzenden Raum. Nur noch wenige Schritte trennen mich vom großen Marmortisch.

„Na, welch süße Versuchung haben wir denn hier?“, ertönt es auf Englisch. Die dunkle, brummige Stimme, der von Travis sehr ähnlich, dringt mir bis ins Mark und lässt mich erschrocken zusammenfahren.

Der siebte Mann: Master Dave!

„Alains sündige Versuchung!“

James!

Das Tablett entgleitet meinen plötzlich schweißnassen Fingern und landet auf dem teuren Parkett. Der Aufschlag verursacht einen Heidenlärm und das Geschirr zerspringt in tausende Teile.

Starr und schwer atmend, paralysiert wie ein Reh im Scheinwerferlicht, bleibe ich stehen. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Ich wage es nicht mehr, mich nur einen Millimeter zu rühren, denn rund um meine nackten Füße verteilen sich lauter kleine Scherben.

„Halt still, Süße. Bloß nicht bewegen, du könntest dich verletzen.“ Davids Stimme ist unverhofft sanft und beruhigend und passt keineswegs mehr zu dem bulligen Kerl, den ich gestern an der Bar im Club erblickt habe.

Von der Neugier gepackt, wage ich einen Blick über meine Schulter. Die falsche Seite, denn ich erblicke James. Ein Zittern erobert meinen Körper, meine Beine schlottern und drohen nachzugeben.

Auf der anderen Seite vernehme ich das knirschende Geräusch von Scherben unter Gummisohlen. Ich kann einen überraschten Aufschrei nicht unterdrücken, als starke Arme meine Taille umschlingen und mich ruckartig hochheben. Master Dave, Travis’ stämmiger Vetter, trägt mich aus der Gefahrenzone.

Der ohrenbetäubende Lärm riss wohl auch Alain jäh aus dem Schlaf, und er kann die Lage noch nicht richtig einschätzen. „Was zum Teufel! Dave, lass sie sofort …“ Doch sein Blick wandert auf den Boden. Er scheint die Situation zu begreifen und verstummt abrupt.

„Was geht denn hier ab?“ Travis steht verschlafen und splitterfasernackt im Türrahmen. Er kratzt sich am Hinterkopf. Seine Nacktheit macht ihn in keiner Weise verlegen. Warum sollte sie auch?

Jesus, Maria und Josef! Es ist wie verhext. Ich kann meine Augen nicht von ihm lassen, dem großen kleinen Travis. Der Vergleich hinkt etwas, aber es ist wie bei einem grässlichen Autounfall. Ich werde von meiner Neugier getrieben und starre unverschleiert, keineswegs heimlich, auf seine gewaltige … ich schlucke trocken … Männlichkeit.

Selbst Alain entgehen meine Stielaugen nicht. „Zieh dir was über! Ich bekomm sonst Komplexe!“, knurrt er eher im Scherz und verpasst seinem Kumpel einen Seitenhieb.

Für einen kurzen Augenblick habe ich tatsächlich vergessen, in wessen Armen ich liege. David stellt mich sachte vor Alain wieder auf die Füße. „Ich hol dann mal Besen, Handfeger und Staubsauger. Schließlich bin ich schuld an der Misere. Sorry, Kleines, dass ich dich erschreckt habe.“ Er macht auf dem Absatz kehrt, doch ich ergreife beherzt seinen Arm.

„Warte … Danke, Master David“, sage ich schüchtern und wage es nicht, den Kopf zu heben.

Sein Zeigefinger gleitet unter mein Kinn und er hebt es behutsam an. Ich muss meinen Kopf ganz schön in den Nacken legen, um einen Blick in seine smaragdgrünen Augen zu werfen. Der blonde Hüne überragt mich bei Weitem. „David. Für dich nur David, Kleines. Oder Dave.“

David! Seine Eltern haben bei seiner Geburt eindeutig die falsche Namenswahl getroffen. „Goliath“ wäre ihm gerecht geworden.

Sein von blonden Bartstoppeln umgebener Mund verzieht sich zu einem Lächeln. Selbst die grünen Augen unter den buschigen, blonden Augenbrauen funkeln belustigt.

„Ich hab mal wieder laut gedacht“, seufze ich.

Alains Arm schlingt sich um meine Taille, und er zieht mich besitzergreifend näher zu sich. Ob aus Furcht vor ernsthafter Konkurrenz oder Befürchtung, David könnte plötzlich doch noch in den Master-Modus verfallen, weiß ich nicht.

„Alain. Keine Sorge. Die Freundin eines Freundes ist für mich tabu. Im Gegensatz zu manch anderen halte ich mich strikt daran. Außerdem weißt du genau, dass mein Interesse nur devoten Frauen gilt, mit einem Hang zum Masochismus. Einer Frau wie Liz. Unsere Lizzy hätte sich, übertrieben gesagt, auf die Knie sinken lassen, trotz der Scherben oder gerade deswegen, nur um ihrem Master zu gefallen …“

Wenn man vom Teufelchen spricht …

„Jeez! Wir müssen heute wohl mit dem Picknickgeschirr vorliebnehmen.“ Liz platzt herein, die Wangen verdächtig gerötet.

„Sieht fast so aus, Muffin.“ Daniel grinst und legt den Arm um Liz’ Taille.

„Deckst du den Tisch, Liebster? Irina, greifst du mir unter die Arme, während die Herren der Schöpfung das Chaos beseitigen? Jungs? Worauf wartet ihr?“

Ein Kichern dringt aus meiner Kehle, als die Herren wie Pantoffelhelden synchron nicken und sich an die Arbeit machen. „Liz, ich hab dich ja völlig falsch eingeschätzt.“ Ich folge ihr in die Küche. „Du heizt den Jungs ganz schön ein.“

Alains lautes Räuspern, gefolgt von einem „Liebes, hüte deine Zunge!“, dringt aus dem Zimmer nebenan.

Liz schließt grinsend die Tür hinter sich und lehnt sich dagegen. „Irina. Ich weiß, wir hatten gestern nicht gerade einen idealen Start. Hmmm … Ich wollte einfach nur, dass nichts zwischen uns steht.“

„Es tut mir leid. Ich war nur so überrascht, hier ebenfalls eine Zoé vorzufinden … Ich … ich meine, eine Frau, die mit Alain … wie soll ich das nennen … Intimitäten teilte?“

„Eine Zoé? Das klingt wie ein Schimpfwort.“

„Im Grunde stimmt das auch, doch du bist so ganz anders … Du bist nett …“ Ich suche verzweifelt nach den richtigen Worten.

„Irina. Ich kann dich verstehen. Ich wollte dich eigentlich schon letztes Wochenende treffen. Grundsätzlich bin ich für Offenheit, darum habe ich mich auch mit Hannah getroffen, nicht zuletzt auch, weil Travis mich drum bat. Er wollte, dass ich ihr unsere Sitten etwas näherbringe. Die Vorwarnung, sie könnte eifersüchtig reagieren, hat sich nicht bewahrheitet, doch stattdessen hat er mir die Hölle heißgemacht, weil ich sie James in die Arme laufen ließ. Also. Wer von den beiden ist der Eifersuchtsbolzen? Travis hat gar damit gedroht, er würde James schon zeigen, wo der Hammer hängt …“

Schon allein bei Travis’ Namen wird sich in nächster Zeit wohl immer wieder dieses Bild in meine Gedanken schleichen: Wie er so nackt, wie Gott ihn schuf, im Türrahmen stand.

Herrje! Kann ich ihm jemals wieder in die Augen sehen?

Doch sein Name und das Wort Hammer in ein und demselben Satz, das ist eindeutig zu viel des Guten. Ich kann mich nicht mehr beherrschen und gackere drauflos. Ich krümme mich vor Lachen, halte mir den Bauch, Tränen rinnen mir aus den Augenwinkeln.

„Irina?“ Liz lässt sich ihre letzten Worte noch einmal durch den Kopf gehen und stimmt in mein Lachen mit ein. „Du bist ja keinen Deut besser als ich. Genauso versaut …“

Unsere Gemüter haben sich beruhigt und Liz spricht mich auf ein heikles Thema an. „Ich habe meinen Würgereflex eigentlich im Griff, doch bei Travis’ Kaliber … keine Chance. Was ist mir dir, Irina? Alains Schwanz ist ja auch nicht ohne …“ Seelenruhig nimmt sie die Würstchen aus der Vakuumverpackung und gibt sie ins heiße Öl. Ein zischendes Geräusch hallt durch die Küche. Der Dampf wird vom Abzug über dem Herd verschluckt.

Mein Gesicht ist vom Lachanfall bereits gerötet, doch ich vermute, dass ich nach dieser Frage mit einer überreifen Walderdbeere konkurrieren könnte.

„Oh mein Gott. Sag bloß, du hast Alain noch keinen geblasen … Kannst du Eier aufschlagen?“

Bitte?

Liz schiebt grinsend eine Schüssel vor mich und eine Zehnerschachtel mit rohen Eiern.

Ach so!

„Einem anderen Kerl? Deinem Ex vielleicht?“, bohrt sie weiter.

„Alain hat mich entjungfert. Ich habe mit ihm meine ersten Erfahrungen gemacht“, gestehe ich verlegen.

Liz’ Kinnlade klappt auf. „Das ist so Alain-untypisch. Eine Jungfrau? Wow! Du musst unseren überzeugten Junggesellen ganz schön um den kleinen Finger gewickelt haben. Wow! Schon allein, dass du hier stehst, er dir sein kleines Geheimnis offenbart hat, spricht für dich.“

„Liz, darf ich dich etwas fragen?“

„Natürlich.“

„Wie gehe ich am besten vor?“

„Das Ei auf den Schüsselrand schlagen, mit beiden Daumen in den Riss dringen und auseinanderziehen.“ Sie grinst wie ein Honigkuchenpferd, als sie mein perplexes Gesicht bemerkt. „Ach! Du willst von mir eine Blowjob-Anleitung?“, schließt sie daraus.

„Gerne.“

„Lecken, saugen, lutschen. Alles bis auf die Zähne ist erlaubt. Ach, und bitte den Begriff Blasen nicht wörtlich nehmen, nur so am Rande bemerkt.“ Liz verteilt den Speck in der vorbereiteten Bratpfanne.

„Gegen sanftes Knabbern ist nichts einzuwenden!“, dringt Dans gedämpfte Stimme durch die verschlossene Tür und das dunkle Lachen der anderen Jungs.

Vor Schrecken bleibt mein Herz beinahe stehen. Ich fasse mir an die Brust und sehe entsetzt zu Liz.

„Ich sagte doch, dieses Haus hat Augen und Ohren. Also, wo war ich stehen geblieben?“, fährt sie etwas leiser fort. „Da sich die Jungs doch relativ ähnlich sind, würde ich dir raten, dich nackt vor ihm hinzuknien. Alain hingegen sollte noch vollkommen bekleidet sein … Frag ihn um Erlaubnis.“

„Bitte? Ich habe mich wohl verhört. Ich soll um Erlaubnis bitten?“

„Glaub mir, solche Kleinigkeiten sind das Tüpfelchen auf dem i.“

„Oh.“

„Halte immer wieder Blickkontakt. Seine Lust wird sich auf seinem Gesicht widerspiegeln und dich bestimmt auch nicht kalt lassen … Und nun zu den Eiern.“

Rot wie eine Tomate reiche ich ihr die Schüssel.

„Ich meinte doch nicht …“

„Hmhmhmhm!“ Ein dunkles Räuspern dringt samt Alain in die Küche. „Lizzy. Setzt du meiner Kleinen Flausen in den Kopf?“ Er schlingt den Arm um meine Taille.

„Mein lieber Alain-Alain. Ich glaube, meine Flausen werden dir zugutekommen.“ Sie zwinkert mir verschwörerisch zu.

„Typisch, unsere Lizzy!“

Unsere Lizzy? Diese liebevolle Bezeichnung aus Alains Mund zu hören, versetzt mir einen brennenden Stich.

„Liebes. Nicht alles, was Liz von sich gibt, ist gut gemeint. Sie ist ein Biest und sehnt so manche Züchtigung regelrecht herbei.“

Ich starre Alain immer noch entsetzt an. Nicht wegen der Worte, sondern weil Liz und er so intim sind.

„Irina. Keine Sorge. Keiner will ihr was Böses. Wie du dich immer um andere sorgst …“

Er nimmt immer nur das Beste von mir an.

Ich bekomme ein schlechtes Gewissen und wage es kaum mehr, ihm in die Augen zu sehen. So kommt sein Überfall äußerst plötzlich und ich kreische auf, als er mich ruckartig hochhebt und davonträgt.

„Hey! Was soll das?“

„Ich werde dich an deinen Platz tragen. Dave hat zwar Staub gesaugt, doch ich vertraue seinen haushälterischen Fähigkeiten nicht so ganz.“

Am Frühstückstisch herrscht eine lockere Atmosphäre. Keineswegs steif oder angespannt. Die Herren lassen auch in keiner Weise den Master heraushängen, also nicht bildlich gesehen. Wahrscheinlich halten sie sich mir zuliebe zurück.

Ein üppiges englisches Frühstück liegt auf meinem Plastikteller. Knuspriger Frühstücksspeck, Rührei, Würstchen und warme weiße Bohnen in Tomatensauce.

Ich erinnere mich an das Frühstück im Gallery und frage Alain: „Schatz. Du hast nicht zufälligerweise einen Helikopterrundflug für heute geplant?“

Seine weißen Zähne blitzen hervor, als er wissend grinst. „Nein, Liebes. Du kannst beherzt schlemmen.“

Mmmmh. Das lass ich mir nicht zweimal sagen …

Ein Gespräch über Liz’ Kochkünste kommt in die Gänge. So weit, so gut! Daran gibt es wahrlich nichts auszusetzen. Doch dieses unsere Lizzy hier, unsere Lizzy dort, ist nicht auszuhalten, vor allem, wenn es von Alains Lippen kommt.

In mir brodelt es. Bisher konnte ich meine Eifersucht immer sehr gut, ja gar vorbildlich verbergen, aber diesmal droht sie mich eiskalt zu übermannen. Ich kann nur hilflos dabei zusehen, wie mir die Beherrschung nach und nach abhandenkommt. Wie meine Wangen zu glühen beginnen, mein Dekolleté mit roten Flecken übersät wird, während das Herz heftig und schmerzvoll in meiner Brust pocht. Die Gabel in meiner linken Hand zittert. Der Speck, den ich bereits runtergeschluckt habe, verätzt meine Kehle. Doch es ist nicht der Speck, sondern bittere Galle, die in mir hochkommt.

„Unsere Lizzy macht die besten Pancakes der Stadt. Vielleicht kann sie uns morgen zum Frühstück welche zaubern. Mit Schokoladensauce, Ahornsirup, Zimtzucker …“ Diese Schwärmerei und Alains Schmunzeln hinterher bringen das Fass zum Überlaufen.

Meine Beherrschung geht flöten. „Alain. Hörst du dir eigentlich mal selber zu?“, schreie ich.

Alain sieht mich mit großen Augen an. Der Bissen ist ihm wohl gerade im Halse stecken geblieben.

Und plötzlich sind alle Augen auf mich gerichtet, doch ich lasse mich davon keineswegs beeinflussen. Ich mache meinem Ärger Luft und wie durch ein Wunder gerate ich auch nicht ins Stottern. „Seit einer geschlagenen Stunde höre ich beinahe in jedem zweiten Satz: unsere Lizzy …“, äffe ich die Herren nach. „Bei den Jungs stört es mich nicht im Geringsten. Allein Daniel muss damit klarkommen. Aber bei dir, mein lieber Alain“, meine Stimme trieft vor Spott, „geht es mir gehörig gegen den Strich! Ich krieg gleich das große Kotzen!“

Ich sehe nur Unverständnis in seinen Augen. Kein einziges Wort dringt mehr über seine Lippen. Alain ist sprachlos und macht ein Gesicht, als hätte er sein Spiegelei versehentlich gezuckert statt gesalzen.

Ich stehe auf und spüre, wie sich mir ein Glassplitter in die Ferse bohrt. Doch der Schmerz wird von meiner ungezügelten Wut gedämpft, die auch nicht unwesentlich daher rührt, dass mir wieder im ungünstigsten Moment die Tränen in die Augen treten. Humpelnd und voller Scham flüchte ich in Alains Studentenzimmer, wo ich ihnen ungehindert freien Lauf lassen kann.

Dieses Haus hat Ohren!

Und so dringt die Unterhaltung, die die Sippe im Esszimmer führt, bis ins Zimmer.

„Ach du heilige Scheiße! Ist sie etwa eifersüchtig oder liege ich falsch?“

„Alain. Muss man dich mit der Nase drauf stoßen. Hast du’s denn immer noch nicht begriffen? Meinen Wink hast du wohl auch nicht verstanden …“

„Welchen Wink, Liz?“

„Ich hab dir mehrmals mit einem Kopfschütteln angedeutet, dass du es lassen sollst, mich so zu nennen. Das macht man in der Anwesenheit seiner Freundin nicht. Vor allem ist sie unsere Sitten noch nicht gewohnt.“

„Sogar mir ist es aufgefallen. Irinas Beben ist mir nicht entgangen.“

„Und wie sie ihre Gabel gehalten hat, fest umklammert, als hätte sie dich damit aufspießen wollen.“

„Und ihr Blick. Brrr. Ihre Augenfarbe verstärkt die Wirkung noch …“

„So kenne ich meine Kleine ja gar nicht …“

„Wie lange seid ihr jetzt schon zusammen?“

„Drei Monate, Dan.“

„Sie wird dich noch ein paarmal überraschen.“

„Es ist halt nicht wie bisher. Sonst hast du dir genommen, was du brauchtest und am anderen Morgen warst du einfach verschwunden. Es ist ein Geben und Nehmen.“

„Oh, welch feinfühlige Worte, Liebling. Außerdem, Alain …“

„Jetzt wird Foster gleich sein Fett wegbekommen!“

„… wirst du in Zukunft auch ihre schlechten Launen ertragen müssen. Wir Frauen sind unausstehlich und zickig, wenn wir unsere Tage bekommen. Also, ich vor allem.“

„Oh ja. Wir anderen sind die Leidtragenden …“

„Ihre Brüste sind dann hypersensibel.“

„Dan! Das hat jetzt weiß Gott nichts mit den Launen einer Frau zu tun.“

„Ich wollte doch nur die Stimmung etwas heben.“

„Nichtsdestotrotz hättest du dich etwas zurückhalten müssen, Kumpel.“

„Aber Travis, mich stört’s doch auch nicht, wenn du sie Beauty nennst …“

„Bei mir verträgst du außerordentlich viel, Alain. Würde das ein anderer machen, allein sie nur schon zu berühren …“

„Ja, Foster. Mach Irina keine Vorwürfe. Du bist nicht minder eifersüchtig. So wie du mich vorhin angesehen hast, als ich deine Kleine in den Armen hielt. Ich wollte doch bloß, dass sie sich keine Scherbe einfängt.“

„Außerdem fand ich diese Scharade so dermaßen übertrieben. Als würdet ihr mich sonst immer so auf Händen tragen, meine Herren. Das war ja schon gruselig. Irina hätte weitaus weniger heftig reagiert, wenn ihr auch etwas derber mit mir umgesprungen wärt. Ich mag es nicht, wenn ihr mich dermaßen verhätschelt. Das Softie-Gehabe steht euch nicht!“

„Na warte, du freches Biest! Morgen wirst du auf Knien den Boden aufwischen!“

Liz’ Kichern dringt ins Zimmer. „Weniger ist manchmal mehr, Master Dave. Apropos, Jungs. Eure Hausarbeit braucht ihr auch nicht außerordentlich zu loben. Ihr habt beim Saubermachen gänzlich versagt!“

„Liz. Provokation ist gerade fehl am Platz.“

„Seht ihr denn die Blutspur nicht?“

„Bloody hell!“

„Ach du Scheiße!“

„Die Kleine hat sich ja überhaupt nichts anmerken lassen.“

„Irina?!? Letztes Wochenende ist sie beim Anblick von Blut zusammengebrochen … Irina?!?“ Schleifen von Stuhlbeinen auf Parkettboden ist zu hören.

„Hat die Kleine eine Blutphobie?“

Die Eifersucht, die wie Adrenalin durch meinen Körper jagte, hat meinen Schmerz betäubt. Doch je ruhiger ich werde, desto heftiger spüre ich das Pochen in meiner rechten Ferse. Das Taschentuch, welches ich dagegen presse, ist schon ganz durchnässt. Mit meinen langen Fingernägeln versuche ich, den Glassplitter herauszuziehen. Doch keine Chance! Ich kriege ihn nicht zu fassen.

„Irina. Liebes. Warum hast du nicht Bescheid gesagt?“ Als ich die Sorge in Alains Stimme höre, sehe ich zu ihm auf. Sein Blick bohrt sich in meinen. Er schreitet besorgt auf mich zu, kappt keine Sekunde die Verbindung, die er zu mir aufgebaut hat, bis er mich in den Armen hält. „Es tut mir leid, Liebes.“ Seine blauen Augen fesseln und beruhigen mich.

Sein warmes Timbre und sein liebevoller Blick lassen mich meinen Ausraster bereuen. „Ich habe meine verdiente Strafe erhalten …“

„Irina. Ist alles in Ordnung?“ Liz ist Alain mit einer Pinzette, Desinfektionsmittel, Pads, Salbe und Pflaster hinterhergeeilt.

„Oh, Liz. Es tut mir so leid. Ich schäme mich ja so dafür … für meine Eifersucht“, entschuldige ich mich reumütig.

„Irina. Vergeben und vergessen. Lass dich von Alain verarzten. Ich lass euch dann mal allein.“ Sie legt die Instrumente auf den Nachttisch und verlässt mit einem mitfühlenden Lächeln auf dem Gesicht das Zimmer.

„Irina. Als du mein Rufen nicht erwidert hast, dachte ich, du wärst erneut zusammengebrochen.“

„Bei meinem Blut passiert mir das nicht. Erinnerst du dich noch, als du meine Schulter verarztet hast? Ich hab doch dabei zugesehen …“

„Ich weiß, aber dennoch wollte ich mich vergewissern, dass du okay bist …“ Alain drückt mir einen Schmatzer auf die Stirn. „Und jetzt lass mich die Wunde mal ansehen. Leg dich flach aufs Bett!“ Ich tue, wie mir aufgetragen, während er die Utensilien vom Nachttisch nimmt und sich im Schneidersitz neben mir aufs Bett setzt. Mit Bedacht zieht er mein rechtes Bein auf seinen Schoß, legt ein Kissen unter meinen malträtierten Fuß.

„Nicht! Ich blute alles voll …“

„Still. Es hört gleich auf zu bluten, wenn ich ihn hochlagere.“

Ein Zischen dringt durch meine fest zusammengebissenen Zähne, als er die Wunde säubert und desinfiziert.

„Ich seh den Splitter. Beiß auf die Zähne. Er ist gleich draußen.“

„Schnschschnnn“, sollte so viel heißen wie: Mache ich schon von Beginn an!

„Voilà! Aufatmen, ich hab ihn.“ Alain präsentiert mir das glitzernde Korn in der Größe eines kleineren Kieselsteins, während er mit seiner Linken ein Pad auf den Schnitt drückt.

„So winzig?“

„Irina. Kennst du die Sage von Androklus und dem Löwen?“

Ich nicke bedächtig. „Dem Löwen steckte ein Dorn in der Tatze.“

Derweil Alain mir die Sage näherbringt, reinigt und desinfiziert er abermals die Wunde und verschließt sie letztendlich mit einem hautfarbenen Pflaster.

„Liebes. Sei meine Löwin und sei mir treu ergeben.“ Er beugt sich raubtierhaft über mich, reibt seine Erektion an meiner Scham, die dabei von einem wohlig warmen Prickeln durchflutet wird.

„Im Tierreich kennst du dich wohl nicht besonders gut aus, Liebster!“, necke ich ihn liebevoll und schmiege meine Hand sachte an seine Wange. Die Bartstoppeln piksen unter meinen Fingerkuppen, auf meiner Haut, als er sich in meine Handfläche kuschelt.

„Ach. Du meinst der Stellung wegen. Du liegst im Handumdrehen auf dem Bauch!“ Alains Augen funkeln lüstern, ja geradezu animalisch.

Jetzt ahne ich, was mir gleich blühen wird. Vor freudiger Erwartung beginnt mein Körper zu kribbeln, aber so einfach will ich es ihm dann trotzdem nicht machen. „Wenn ich mich nicht täusche, bestimmt allein das Weibchen den Zeitpunkt der Paarung.“ Ich grinse herausfordernd.

„Du willst mich doch nicht etwa am ausgestreckten Arm verhungern lassen?“ Gespielt entsetzt schnellen seine Augenbrauen nach oben. Seine bestürzte Miene entlockt mir ein Kichern, und um ihn noch mehr zu reizen, zucke ich gleichgültig mit den Achseln. „Du Biest!“, raunt er. Sein warmer Atem streichelt über meinen Nasenrücken, kitzelt an meiner Nasenspitze. Er ködert mich, entfacht in mir eine Gier nach seinen Lippen, doch ich kann gerade noch widerstehen, ihm mein Kinn entgegenzurecken … Sachte lässt er seinen Mund auf meinen sinken. Seine Zunge stupst meine neckisch an und motiviert sie zum Mitmachen. Im Stillen resignierend, denn ich bekomme ja genau das, was ich will, schlinge ich die Arme um Alains Nacken und gebe mich ihm willig hin. Unser Kuss vertieft sich und strotzt letztendlich nur so vor Verlangen.

Mein großer, starker Löwe lässt seine Tatze zwischen meine Schenkel in mein Höschen gleiten. Ich dränge mich ihr gierig entgegen und heiße sie wohlig seufzend willkommen. Seine Fingerspitzen durchforsten die gestutzten Härchen auf meinem Venushügel, Zeige- und Ringfinger führen den Weg über die äußeren Schamlippen fort. Wärme rieselt durch sie hindurch und ich kann fühlen, wie sie anschwellen. Sein Mittelfinger schiebt sich sachte dazwischen, entringt mir ein Wimmern, als er kurz meinen Kitzler streift. Zart zeichnet Alain meine inneren Schamlippen nach, führt den Finger zur feuchten Pforte und dringt in mich ein. Meine Mitte zieht sich lustvoll zusammen, schließt sich um seinen Finger. Er verteilt die Feuchtigkeit aus der sengend heißen Öffnung bis auf meine empfindsamste Stelle und massiert sanft meine sehnsüchtig pochende Klit. Erotisch prickelnde Wellen finden den Ursprung unter seinem Mittelfinger, breiten sich immer weiter aus, erobern meinen Körper.

„So wie ich die Körpersprache meiner Löwin deute, ist sie gerade rollig und äußerst bereit“, bemerkt Alain heiser.

Oh ja. Doch ich werde mich ihm keinesfalls entblößen und zugeben, wie recht er damit hat.

Abrupt entzieht er mir die Reizung. Empört fauchend schnappe ich mir seine Unterlippe, halte sie zwischen meinen Zähnen gefangen.

„Deiner Angriffslust werde ich gleich Einhalt gebieten“, nuschelt er, denn seine Lippe gehört noch immer mir, so lange, bis er mich in einen Nippel kneift. Meine Entrüstung und das daraus resultierende Keuchen geben ihn frei … Mein Körper bäumt sich auf, als der Nachhall in meinen Unterleib jagt und sich in der pochenden kleinen Perle konzentriert.

Alain lacht diabolisch und befördert mich kurzerhand auf den Bauch.

„Heeeeee!“, protestiere ich. Kläglich versuche ich wegzurobben, mich gegen ihn aufzulehnen, wehre mich mit Händen und Füßen, während er mir das Höschen von den Hüften zerrt und mir den Kimono praktisch vom Leibe reißt.

Unser Machtgerangel erregt mich. Das Herz in meiner Brust schlägt zum Zerbersten schnell. Er muss es ebenfalls spüren, denn er liegt auf mir, hält mich unter seinem Körper gefangen. Sein Atem geht rau und schwer, prickelt in meinem Nacken. Mein Hals ist äußerst empfindlich und diese Schwachstelle weiß er auszunutzen. Alain liebkost meine erogene Zone, versucht, mich milde zu stimmen. Meine halbherzige Gegenwehr lässt nach. Er lacht tief, siegesgewiss, als sich meine Härchen aufrichten und mein Körper mit einer Gänsehaut übersät wird.

Seine Zähne streifen meinen Hals entlang, kratzen an der zarten Haut. „Du verhältst dich wie eine Löwin, die ihrem Gefährten erliegt“, murmelt er in die Härchen.

Er wird doch nicht das volle Programm aus dem Tierreich durchziehen und mich beiß…

Der neckische Biss in meinen Nacken, entringt mir ein erregtes Keuchen, fegt wie ein Blitz durch meinen Körper und hallt in meinem Unterleib wider. Lindernd leckt er über die gepeinigte Stelle.

Mmmmh! Ich entspanne mich wieder.

Alain spreizt meine Beine und kniet sich zwischen meine Schenkel. Seine starken Hände umfassen meine Hüften und bugsieren meinen Hintern in die Höhe, während mein Oberkörper flach auf der Matratze liegen bleibt.

Plötzlich wird mir klar, welch ungeheuer obszöne Aussicht ich meinem Liebsten da gewähre.

Nicht. Doch nicht so …

Bevor auch nur ein Protestlaut aus meiner Kehle dringen kann, drängt sich ein entzücktes Stöhnen davor, als seine flinken Finger mein Geschlecht erkunden, sein Daumen über die sensible, pochende Perle reibt, die schon lange mit meinem Herzschlag wetteifert.

Seine Linke streichelt zärtlich mein Rückgrat entlang, treibt einen wohligen Schauer voran. Alain knetet mit Druck meine Pobacken. Ich schmelze unter seinen kundigen Händen förmlich dahin.

„Oh, Irina. In dieser Perspektive wirst du mir noch viel Freude bereiten. Du hast einen äußerst verführerischen Hintern. Irgendwann werde ich ihn mit einem Swarovski-Kristall versehen …“ Er lässt seinen Daumen meine Pospalte entlanggleiten, übt sanften Druck auf die besagte verruchte Zone aus, doch ich verspanne mich augenblicklich, ziehe meine Pobacken zusammen. „… doch nicht heute“, haucht er.

„Du fällst aus der Rolle, Clarence! Löwenmännchen lassen sich für gewöhnlich nicht so viel Zeit“, fordere ich ihn heraus. Der Drang, ihn in mir zu spüren, ist kaum mehr auszuhalten. Ich reize ihn und wackele ungeduldig mit dem Po.

Ein provozierendes Knurren dringt aus Alains Kehle.

Hoppla! Der schielende, träge Löwe aus Daktari scheint ihm wohl geläufig.

Ich vernehme, wie er sich die Jogginghose von den Hüften streift, ebenso das Knistern der Kondomverpackung. Ein Hauch von künstlicher Erdbeere weht in meine Richtung und kriecht in meine Nase.

Ich schnappe erschrocken nach Luft, als Alains Hände auf meinen Hintern klatschen und die Fingerspitzen sich gnadenlos in mein weiches Fleisch bohren. Keine Sekunde später steckt sein Schwanz bis zum Anschlag in meinem nassen Geschlecht, füllt mich ganz und gar aus, was ich mit einem lauten Stöhnen bekunde. „Ooooh, Alain!“

„Zufrieden?“, presst Alain zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und versenkt den kräftigen Schaft immer wieder aufs Neue in mir, treibt meine Lust voran. Wimmernd recke ich mich ihm entgegen, um den jeweils nächsten Stoß zu empfangen. Meine Finger krallen sich in das seidige Laken, um nicht wegzurutschen, um seiner Wucht standzuhalten.

Doch plötzlich hält er inne. „Sag, Irina, ist mein Schwanz dir groß genug oder sehnst du einen größeren herbei?“, fragt er mich spöttisch, während er seine rechte Hand auf meine Scham legt, die Fingerkuppen den empfindlichen Kitzler stimulieren.

Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, bin nicht fähig zu sprechen und vergrabe meinen Kopf stöhnend im Laken. Wie heiße Lava strömt das Blut durch meine Adern und jede Zelle meines Körpers setzt sich in Alarmbereitschaft …

Gleich … gleich ist es so weit! Ich werde kommen …

Doch Alain entzieht mir die Hand, verweilt regungslos in mir. Es bleibt ein hitziges Pochen zurück, das sich nicht entfalten kann und mich unzufrieden jammern lässt.

„Irina. Sag es mir!“, befiehlt er.

Ich überwinde meine Schüchternheit und meinen Frust und gestehe: „Dein Schwanz füllt mich so wunderbar aus.“

Seine Hand gleitet mein Rückgrat entlang, findet Rast zwischen meinen Schulterblättern. Er beugt sich über mich. „Ich liebe dich, Irina“, wispert Alain dicht an meinem Ohr. „Du bist mein, so wie ich dein bin.“

„Ja, Alain. Ich liebe dich auch. Aber … bitte … mehr …“ Ich dränge mich ihm entgegen.

Zufrieden räuspert er sich: „Baby. Ich werde dir geben, wonach du dich sehnst …“

Er richtet sich wieder auf. Umklammert mit stählernem Griff meine Hüften, während er stetig das Tempo steigert, es seinem Atemrhythmus anpasst, bis er seinen Schwanz hart und unerbittlich in mich hineinpumpt. Mit jedem Zurückziehen schließen sich meine inneren Muskeln enger um ihn, als wollten sie ihn festhalten. Meine Finger krallen sich ins Bettlaken und ich stöhne abermals hinein, dämpfe meine obszönen Laute, als die Erregung stark in mir anschwillt. Ich bin buchstäblich zum Zerbersten nah an meiner Erlösung, doch wieder verwehrt er sie mir und hält plötzlich in der Bewegung inne.

„So nicht, meine Liebe. Ich will dich schreien hören. Erheb dich auf alle viere!“, knurrt Alain. Seine Arme schlingen sich um meinen Körper und er hilft mir dabei, mich aufzurichten. Allein wäre ich dazu wohl nicht mehr imstande gewesen …

Er stellt mich auf die Probe … reizt mich weiter. Die Finger, die gekonnt über meine Klit reiben, das Pulsieren und die Hitze zwischen meinen Schenkeln weiter schüren, gar unerträglich machen, treiben mich schier in den Wahnsinn. Doch das Stöhnen, das sich in meiner Kehle ankündigt, degradiere ich mit Mühe zu einem Wimmern. Denn: Dieses Haus hat Ohren!

„Irina!“, brummt er und ich erkenne die Warnung in seiner Stimme.

Alain umfasst meine Taille und hält mich eisern fest. Es gibt kein Entrinnen. Keuchend empfange ich jeden seiner Stöße, die mich erbarmungslos immer wieder aufs Neue erobern. Sein Atem geht rau und schnell, seine Beherrschtheit neigt sich dem Ende zu. Zügellos stöhne ich meine Lust in den Raum, als dieses kribbelnde Gefühl in jede noch so kleine Zelle meines Körpers dringt, mich beflügelt und mir den Schweiß aus den Poren treibt. Meine Beine zittern, mein Atem überschlägt sich, mein Sichtfeld verschwimmt. Alains animalischer Aufschrei, der dem eines Löwen wohl in nichts nachsteht, nehme ich nur noch so am Rande wahr, denn ich breche erschöpft und befriedigt unter ihm zusammen.

„Liebes?“ Alains zärtliches Flüstern dringt an mein Ohr.

„Hmmm“, summe ich zufrieden und schmiege mich an ihn. Seine Hand gleitet über meine weiblichen Kurven, ruht schlussendlich auf meiner Scham. „Mmmmh!“, seufze ich wohlig, reibe mich an seiner wachsenden Erektion, als er mein Kätzchen krault.

„Kätzchen“, gluckse ich und denke schmunzelnd an unser Liebesspiel zurück.

„Willst du den ganzen Tag verschlafen, Kätzchen?“

Ich wollte mir nur ins Fäustchen lachen, doch ein Kichern entschlüpft mir trotzdem. Eigentlich sollte mir nach Weinen zumute sein, denn wieder ist mir das Gedachte einfach so rausgerutscht.

„Oh. Ich verstehe, da hab ich wohl was missverstanden.“ Das Lachen, das sich in seine Stimme schleicht, vermittelt einen unheilvollen Klang.

Mein Schrei hallt durchs Zimmer, als Alain mich abrupt auf den Rücken dreht, sich auf meine Oberschenkel setzt und mich gehörig durchkitzelt.

„N…n…nicht k…kitzeln!“ Ich schnappe nach Luft.

„Du kleines, versautes Luder!“

„Ich habe dich zum Vorbi…iiild genommen … Aufhören. Biiiiiitte … Doch nicht unter dem Hals …“ Tränen rinnen mir aus den Augenwinkeln. Ich kann nicht mehr und jammere kläglich. Mein Brustkorb hebt und senkt sich heftig, als er mir eine kurze Verschnaufpause gönnt.

„Glaubst du, du bist in der Position, um dir solche Frechheiten zu erlauben?“ Alain grinst diabolisch und startet einen erneuten Übergriff, diesmal auf meine Achselhöhlen.

Ich kreische auf, schlage um mich, versuche, mich aufzurichten, um mich gegen ihn zur Wehr zu setzen. Doch er wehrt meinen Angriff ab. Als letzte Chance, einer weiteren Folter zu entgehen, vergrabe ich meine Fingernägel in seine angespannten Oberschenkel.

„Aua!“ Ein tiefes empörtes Knurren dringt aus seiner Kehle.

Entsetzt blicke ich in seine glühenden Augen. Es scheint mir, ich habe das Gegenteil erreicht.

Alain schwört auf Rache. „Na warte!“ Er ergreift meine Handgelenke, führt sie über meinem Kopf zusammen und umklammert sie mit seiner rechten Hand. Jetzt hat er leichtes Spiel und dessen ist er sich bewusst. Sein herausfordernder Blick brennt sich in meinen.

Ich funkele ihn böse an.

„Hat das Kätzchen denn noch nicht genug? Zügle deinen Unmut!“ Die Warnung zeigt Wirkung.

Ich schließe einen Moment lang die Augen und atme tief durch. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu betteln, wenn ich einer weiteren Folter entrinnen möchte. „Alain. Bitte. Ich kann nicht mehr!“, keuche ich. Ich bin immer noch völlig außer Atem. „Bitte nicht mehr kitzeln.“ Alain erweicht unter meinem bittenden Blick. Das Klimpern mit den Wimpern und das zuckersüße Lächeln erledigen den Rest.

Er seufzt resigniert und gibt mich frei, bleibt aber weiterhin über mich gebeugt.

Fordernd recke ich ihm mein Kinn entgegen. Küss mich! Eine stumme Bitte, die meinerseits keiner weiteren Worte mehr bedarf.

„Du kämpfst mit unfairen Mitteln, Kätzchen. Du weißt, dass ich deinem Charme hoffnungslos erlegen bin.“ Alains Augen funkeln gierig, doch er sträubt sich noch immer dagegen. So schnell will er nicht klein beigeben.

Zärtlich schmiege ich meine Hände an seine stoppeligen Wangen und lasse meinen Daumen kaum merklich über die Narbe auf seiner linken Seite gleiten. Alain erschaudert unter der Liebkosung und schließt genießerisch die Augen. Ich ziehe ihn näher, sodass seine Lippen meine berühren, die ich sogleich mit einem Kuss verschließe. Ein widerwilliger Seufzer, das letzte zaghafte Aufbegehren, bevor er meinen Kuss leidenschaftlich erwidert.

Scheinheiliges, leises Klopfen lässt Alain aufhorchen und rasch handeln. Geistesgegenwärtig bedeckt er meinen nackten Körper mit der Decke. Keine Sekunde zu früh, denn Travis platzt ins Zimmer.

„Hey, ihr beiden.“ Travis verschränkt die Arme vor der Brust und lehnt sich lässig gegen den Türrahmen. Er mustert mich intensiv und als er meine hochroten Wangen entdeckt, zucken seine Mundwinkel.

Alain antwortet mit einem bedrohlichen Knurren, heftet seinen Blick auf ihn.

Travis fährt mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, von Alains Warnung sichtlich unbeeindruckt, fort: „Ich kann euch beim besten Willen nicht verstehen. Ihr vergnügt euch hier oben auf einer Studentenpritsche, während euch einen Stock tiefer sieben Zimmer zur Auswahl stehen, in denen ihr eure Fantasien ausleben könnt, geschweige denn vom Kerk…“

„Scher dich aus meinem Zimmer, White!“

„Liz hat mich gebeten, euch zum Abendessen zu rufen. Es gibt deine heiß geliebten Pancakes, Alain, heute ausnahmsweise einmal abends.“

„Ach herrje! Hab ich den ganzen Tag verschlafen? Aber Schatz, ich wollte doch noch ins Gruselkabinett, denn morgen fliegen wir schon wieder nach Hause. Warum hast du mich nicht geweckt?“, schmolle ich.

„Du hast so friedlich geschlafen, Liebes.“ Alain streicht mir zärtlich ein paar widerspenstige Strähnen hinters Ohr. „Außerdem halte ich den Dungeon für dich eher ungeeignet. Ganz viel fremdes Blut, wenn auch künstliches.“

„Aber Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett.“ Ich setze mich auf, die Decke fest vor meine Brust gepresst, und sehe Alain bedauernd an.

„Wir werden es nächstes Mal nachholen. Ich versprech’s.“ Seine Hand schmiegt sich an meine Wange. Der Daumen streichelt sie sanft.

„Jammerschade!“

„Beauty, wenn du einen Kerker und eine Folterkammer sehen willst, bist du hier an der Qu…“

„Travis! Will you shut up!“, unterbricht Alain seinen Freund forsch.

„Schatz.“ Ich nehme all meinen Mut zusammen. „Ich würd mir gerne einmal den Club ansehen, Zimmer für Zimmer. Ganz unverbindlich, versteht sich. Wenn ich darf?“ Ich blicke von einem warmen smaragdgrünen Augenpaar in ein kaltes eisblaues. Alain scheint von der Idee gar nicht begeistert zu sein, wie unschwer zu erkennen ist. Er funkelt Travis zornig an.

Doch dieser grinst munter weiter. „Foster, denk an Raum Nummer sieben“, sagt Travis verheißungsvoll mit einem Singen in der Stimme. Er zwinkert Alain verschwörerisch zu und macht auf dem Absatz kehrt.

„So! Aus den Federn!“

Alain stöhnt entnervt auf, als Liz im Türrahmen erscheint und Travis ablöst. „In dieser Bude hat man keine Privatsphäre.“

„Ihr Turteltäubchen benehmt euch wie ein Paar in den Flitterwochen.“

Alain steht genervt auf und schlüpft in seine Boxershorts. „Liz, hör mir auf mit Hochzeit. Mein Bruder heiratet nächsten Samstag und ist gestresst wie noch nie in seinem Leben. Marc hat in einer Sterneküche in Paris gearbeitet. Er weiß also, was Stress heißt.“

Muss er mir denn immer wieder seine Richtlinien vor Augen halten?

Seine verbohrte Einstellung bringt mich einmal mehr auf den Boden der Tatsachen zurück.

Alains Lächeln gefriert, als er meinen zerknirschten Gesichtsausdruck bemerkt. „Irina?“, flüstert er und streckt die Hand nach mir aus.

„Alain. Du wirfst mir in letzter Zeit öfters vor, ich verstehe es, die Stimmung von einer Sekunde auf die andere zu kippen. Ooooh! Diese Eigenschaft weist du ebenfalls auf. Unsere Stimmungsschwankungen stehen einander in nichts nach. Wir beide sind uns verdammt ähnlich, bis auf diese …“ … unterschiedlichen Zukunftsansichten! Du verdammter Egoist!, schreie ich ihm innerlich noch entgegen.

Gott sei Dank bin ich zur richtigen Zeit verstummt, denn dieses Thema überhaupt anzusprechen, wäre fatal. Hochzeit, Kinder, all die schönen Dinge, die eine verheißungsvolle Zukunft mit ihm bedeuten würden – eine Klein-Mädchen-Fantasie, die tief in mir verankert ist, jedoch nüchtern, erwachsen betrachtet, kein Garant für ewige Liebe ist –, sind für Alain ein rotes Tuch. Er würde mich wieder mit eisernem Schweigen und Ignoranz strafen. An einem fremden Ort, an dem es keine Ausweichmöglichkeiten gibt, wir, wie zwei Magnete, immer wieder aufeinandertreffen, stumm und kühl, kann ich das Risiko nicht eingehen. An die Rückreise mit dem Flugzeug und die vier Stunden Fahrt im Mercedes mag ich gar nicht erst denken.

Doch abermals kommt dieses bittere Gefühl in mir hoch. Was wir zusammen haben, ist eine Romanze. Nein, dieses Wort ist zu positiv für die melancholische Stimmung, in welche ich gerade verfalle. Nennen wir es ernüchternd: eine Beziehung auf Zeit!

Tick, tack, tick, tack …

Ist das Ticken einer Uhr, die fünf vor zwölf anzeigt, nicht viel lauter, als wenn Stunden- und Minutenzeiger auf einer anderen Ziffer stehen? Genau dieses monotone, laute Ticken einer alten Standuhr habe ich im Hinterkopf. Es wird von Sekunde zu Sekunde lauter, bis gleich das letzte Stündlein schlägt. Man erwartet den Glockenschlag mit jeder Sekunde, in der der Zeiger näher rückt, und doch zuckt man erschrocken zusammen, wenn es dann so weit ist.

Ein eisiger Schauer jagt meinen Rücken runter. Entsetzt über die düsteren Gedanken, die meinen Verstand trüben und meinem Herzen ein bleiernes Gefühl verschaffen, schlinge ich die Sommerdecke um meinen nackten Körper. Ich ergreife Alains Hand nicht, darf ihm nicht einmal in die Augen sehen, denn ich schäme mich für mein undankbares Gehabe.

Alain trägt mich auf Händen, liest mir jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllt jedes noch so kleine Begehren, sofern es möglich ist und nicht gegen seine Prinzipien verstößt.

Nicht schon wieder! Warum kann ich mich nicht damit zufriedengeben? Nicht er ist der Egoist, sondern ich bin es!

Ich muss flüchten, sonst platze ich oder ich bekomme schon wieder eine Heulattacke. Eine kalte Dusche! Alains Medizin gegen ungestillte Erregung. Meine, um die lästigen Gedanken in meinem Kopf zu vertreiben.

„Liz. Kannst du mir vielleicht ein paar Klamotten leihen?“, frage ich, solange ich mich noch einigermaßen im Griff habe, und schwinge mich auf der gegenüberliegenden Seite aus dem Bett. „Ich hab meinen Koffer im Hotel und ich würd mich gern frisch machen.“ Ein verräterisches Zittern schleicht sich in meine Stimme.

„Natürlich. Mach dir keinen Kopf. Fühl dich wie zu Hause. Zahnbürsten und Einwegrasierer findest du im Spiegelschrank. Die Kleider lege ich dir ins Bad. In einer halben Stunde gibt’s Abendessen.“

Ich wispere ein „Danke“ und gehe duschen. Auf dem Weg zum Bad bekomme ich noch eine Aneinanderreihung von Fluchworten mit und den Anfang eines Gesprächs.

„… Fuck!!! Was habe ich denn nun schon wieder verbrochen? Ich versuche alles Menschenmögliche, um sie glücklich zu machen. In einem Moment liegt sie mir happy in den Armen, ihre Augen strahlen vor Freude, und ehe ich mich versehe, glitzern darin Tränen. Keine Freudentränen! Auch ihre Stimmungsschwankungen, für mich eine wahre Gratwanderung! Immer die Klippe, den Abhang im Hinterkopf und in den Augenwinkeln …“

Meine Tränen vermischen sich mit dem Duschwasser. Diese innere Unruhe tief in mir kündigt etwas Unheilvolles an. Sie lässt mich nicht aus ihren Klauen und droht mich innerlich zu zerreißen. Seit Mamas Tod vor sechs Jahren habe ich mich nicht mehr so elend gefühlt.

Und da wird mir schlagartig klar, was mich derart plagt. Ich empfinde Angst. Verlustangst. Ich fürchte mich davor, Alain zu verlieren …

Ich regle das Wasser auf kalt und versuche, damit meine Gedanken zu betäuben. Mit Erfolg. Das Klappern meiner Zähne übertönt einfach alles, selbst meine innere Stimme.

Bibbernd trockne ich mich ab und schlüpfe in den schwarzen Damenbody aus edlem Tüll und weicher Spitze, welchen Liz auf dem Waschtisch für mich bereitgelegt hat. Bis auf die Knöpfe im Schritt und das für meinen Geschmack etwas zu transparente Material erinnert er mich an die Bodys, die ich zum Ballett getragen habe. Über Nylons oder Leggins versteht sich, jedoch niemals so. Ich fühle mich nackt.

Aber auf jeden Fall eine Idee wert! So beugt Liz wohl zerrissenen Slips vor, falls sie denn welche trägt. Ich bezweifle es.

Allerdings kann Liz doch unmöglich verlangen, dass ich so vor ein Rudel hungriger Wölfe trete? Außer dem Body und meinen High Heels habe ich nichts im Bad vorgefunden.

Ich öffne die Tür einen Spaltbreit und will Alain zu Hilfe rufen. Doch er wartet bereits auf mich, lehnt sich lässig an die Wand gegenüber und starrt nachdenklich auf sein Handy. Wahrscheinlich beantwortet er wieder irgendwelche E-Mails. Typisch! Auch im Urlaub kann er nicht abschalten.

Jedoch kann ich dem Abhilfe verschaffen.

„Alain“, flüstere ich und öffne die Tür ganz. Sofort wird mir seine gesamte Aufmerksamkeit zuteil und das Handy verschwindet in der Hosentasche seiner schwarzen Jeans. Ich muss schmunzeln. Wenn er mich weiterhin so anschmachtet, wird es wohl etwas eng darin werden.

Alain räuspert sich. „Dieses durchtriebene Biest! Dacht ich’s mir doch.“ Er schreitet zügig auf mich zu. „So willst du mir doch nicht etwa vor die Meute treten?“ Erst jetzt erblicke ich den Kimono, den Alain über dem Arm trägt. Er hält ihn mir hin, damit ich bequem hineinschlüpfen kann. „Wollen wir das Essen nicht überspringen?“, wispert er mir verheißungsvoll ins Ohr.

„Schatz, du hast mir so von Lizzys Pancakes vorgeschwärmt, die möchte ich mir wirklich nicht entgehen lassen …“

„Jetzt bekomme ich wohl die Quittung für heute Morgen?“, brummt er.

„Nein. Ich habe ungelogen einen Bärenhunger.“ Und wie aufs Stichwort knurrt mein Magen.

„Liebes. Was war denn vorhin los?“ Alain hält mich am Arm zurück und betrachtet mich besorgt.

„Corinne stresst mich ebenfalls mit der Hochzeit. Es gibt noch so viel vorzubereiten und sie hält mich und Tante Marie ganz schön auf Trab“, flunkere ich.

„Hmmm. Wie wär’s, wenn du dir nächste Woche freinimmst?“

„Wäre eine Überlegung wert.“

Alain nimmt mich in den Arm und drückt mir einen kurzen Kuss aufs Haar, bevor wir zusammen das Esszimmer betreten.

„Mmmmh. Liz. Die sind unübertrefflich!“, lobe ich die Köchin mit noch vollem Mund. „Sorry.“ Ich schlucke den Bissen runter. „Mmmmh.“ Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Sogar David, der neben mir sitzt, staunt nicht schlecht, als ich den vierten Pfannkuchen auf meinen Teller verfrachte. Er sieht ungläubig zu Alain, welcher mich ebenfalls mit großen Augen anstarrt. Sie fragen sich bestimmt: Wo steckt sie das denn alles hin?

„Was ist? Du, Alain, hast mit Lizzys Pancakes geprahlt und magst gerade mal zwei Stück essen und du, David, drei. Und ich habe gedacht, du würdest Koteletts zum Frühstück verspeisen.“

Alle brechen in schallendes Gelächter aus, selbst David. Erst als wieder Ruhe einkehrt, vernehme ich das Klingeln von Alains Handy. Ich sehe ihn fragend an, als er einen Blick aufs Display wirft. Das kurze, kaum merkliche Zucken seiner Mundwinkel macht mich stutzig.

Er zwinkert mir verschwörerisch zu, als er den Anruf entgegennimmt. „Hauptmann Meyer, wie geht es Ihnen?“

Ein entsetzter Aufschrei löst sich aus meiner Kehle und verstummt abrupt, da mir der letzte Bissen des Pfannkuchens im Halse stecken bleibt. „Mein Dad“, hüstle ich, als sich alle Augen auf mich richten. „Alain. Bitte. Lass mich mit ihm sprechen. Ich werde ihn besänftigen.“

Doch Alain winkt ab. „Herr Meyer. Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Ich habe Ihre Tochter spontan nach London entführt.“ Amüsement schwingt in seiner Stimme mit. Er erhebt sich vom Stuhl und schreitet lachend davon. „Morgen Nachmittag werden wir die Heimreise antreten. Ich versichere Ihnen …“ Die Tür fällt hinter ihm ins Schloss.

„Keine Sorge. Alain hat seine Kniffe und Tricks, Leute um den Finger zu wickeln. Spätestens nach fünf Minuten frisst dein Dad ihm aus der Hand.“ Travis legt mitfühlend seine Hand auf meinen Arm.

Bange Minuten des Wartens und des Bibberns liegen vor mir, bis Alain grinsend den Raum wieder betritt. Wortlos reicht er mir das Handy.

„Hauptmann!“, begrüße ich Paps.

„Tochter. Ich habe vernommen, dass du das Land verlassen hast?“

„Ich bin in London“, antworte ich kleinlaut.

„Du weißt, dass ich über solche Angelegenheiten gerne informiert werde.“

„Paps. Es kam ziemlich plötzlich. Alain hat mich mit der Reise überrascht.“

„Ich weiß. Er hat dich gekonnt verteidigt. Der Junge hat sich prächtig entwickelt …“

Junge? Wie war das jetzt gemeint? Paps muss Alain wohl noch von früher in Erinnerung haben. Ein Dorf, wo jeder jeden kennt. Gar nicht so abwegig, der Gedanke.

„Irina? Bist du noch da?“ Mein Vater holt mich aus meinen Gedanken.

„Ja, Paps.“

„Ich habe gehört, du arbeitest jetzt für Foster?“

„Hmhmhm“, summe ich.

„Es ist besser, Berufliches und Privates zu trennen. Dieses Arrangement ist ziemlich heikel. Foster senior ist ein gebranntes Kind, musst du wissen. Es verwundert mich, dass er sich darauf eingelassen hat. Aber wir werden ein andermal in Ruhe darüber sprechen. Genieße deinen restlichen Aufenthalt.“

„Danke, Paps. Werd ich machen. Wir sehen uns nächstes Wochenende zu Corinnes und Marcs Hochzeit. Hab dich lieb.“

Alain grinst wie ein Honigkuchenpferd, als ich auflege.

„Wie machst du das bloß?“, frage ich ihn verblüfft. Anerkennung mischt sich in meine Stimme.

„Wir haben einen gemeinsamen Nenner, Irina. – Dich!“

Kapitel 3

Nach einem geradezu harmlosen Gymnastikraum, einer kleinen Turnhalle, wie ich sie noch aus meiner Schulzeit und dem Turnunterricht kenne, ausgestattet mit Sprossenwand, Bock, Barren, Matten, Klettertau und Stange – nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich mir vorstellen können, was man damit alles anstellen kann –, zeigen Travis und Alain mir das Burgzimmer …

Ein Bett, dem eines Königs gleich: groß, stattlich, mit dicken, verschnörkelten Bettpfosten, dominiert den Raum. Ein Himmelbett. Doch so unschuldig dieses Zimmer im ersten Moment wirkt, werde ich eines Besseren belehrt, als ich genauer hinsehe und an jedem der Pfosten eine schwere silberne Eisenkette entdecke.

Ich schlucke trocken.

Das Bett ist wohl genau nach Alains Geschmack. Ich spüre, nein, ich weiß, dass er sich vor seinem inneren Auge gerade ausmalt, wie ich angekettet auf diesem Bett liege oder wie er mich an einen der Pfähle fesselt. Nicht mit einem Seil, nein, ich vermute, die tiefen Kerben oberhalb der zwei Bettpfosten am Fußende sind dafür vorgesehen, dass man die Ketten darüberwerfen kann und sie in den Furchen verankert bleiben.

Auch bei mir setzt sich eine Art Kopfkino in Gang und ich fühle im Geiste schon, wie sich das kalte Metall um meine Handgelenke schmiegt, das lackierte Holz, die Verzierungen sich auf meinem nackten Rücken abzeichnen und Alains warme, feuchte Lippen über meine Haut wandern, meine Sinne wach kitzeln und meinen Körper aufs Köstlichste verwöhnen.

Mmmmh! Ich presse meine Lippen und meine Schenkel zusammen.

Alain betrachtet jede noch so kleine Regung meines Gesichts und deutet meine Gestik. „Was in deinem hübschen Köpfchen wohl vorgehen mag?“ Er lächelt wissend, ist er doch ein Meister der Körpersprache.

Ich blinzle unter meinen langen, schwarzen Wimpern hervor und schenke ihm ein verliebtes Lächeln. Doch als ich im rechten Augenwinkel den beleuchteten Glasschrank erblicke, fange ich an, mich zu verspannen. Travis muss die Spots darin gerade erst eingeschaltet haben. Peitschen, Gerten, Rohrstöcke und Paddel stehen, ich vermute mit System geordnet, in der Vitrine. Meine Lust bekommt einen gewaltigen Dämpfer.

„Travis. Bitte etwas mehr Feingefühl“, ermahnt Alain seinen Freund.

Weiter wandert mein Blick zur schweren Kommode direkt daneben. Ihr Inhalt lässt sich nur erahnen, aber mit ziemlicher Sicherheit kann ich sagen, dass dort kleiner Krimskrams gehortet wird, der wohl jedes Sklavinnenherz höherschlagen lässt, wie schon zuvor bei den Schlaginstrumenten.

„Irina. Beim nächsten Urlaub möchte ich mit dir in diesem Zimmer ein paar lustvolle Stunden verbringen.“ Ich atme tief ein, möchte etwas erwidern, doch da Alain meinen panischen Blick zuvor bemerkt hat, fügt er rasch hinzu: „Keine Sorge. Der Schrank bleibt fest verschlossen. Weder du noch ich würden daran Gefallen finden.“

„Und die Kommode?“, frage ich mit einem großen Kloß im Hals nach.

„Darin sind doch bloß Sextoys, Beauty. Vibratoren, Dildos, Nippelklemmen, Plugs, aber auch Handschellen, Knebel und, und, und.“ Travis grinst breit und verpasst Alain einen Seitenhieb.

Die Tür wurde doch ganz klar mit einer goldenen Zwei gekennzeichnet, oder irre ich mich? War vorhin nicht von Zimmer Nummer sieben die Rede?

Verwirrt sehe ich in Alains hungrige Augen. Er ist sichtlich angetan, scheint aber mit sich zu hadern. „Nein.“ Vehement schüttelt er den Kopf. „Heute habe ich etwas anderes für uns vorgesehen. Travis wird uns für eine Weile Gesellschaft leisten.“ Er zwinkert ihm verschwörerisch zu.

Was planen diese Teufel bloß?

Meine Kinnlade klappt auf. Nein! Mein Herz gerät ins Stocken. Er kann doch nicht … Er würde doch nicht …

Nein! Alain ist, bis auf die Hautfarbe, Shakespeares Othello in Person. Rasend eifersüchtig. Allerdings scheint er Travis gegenüber immer ein wenig milder gesinnt … Nach meiner heutigen Eifersuchtsszene beim Frühstück sollte ich wohl besser meinen Mund halten und nicht über Alains große Schwäche urteilen.

Es ist bloß wieder eines seiner kleinen Spielchen, versuche ich mich zu beruhigen. Das flaue Gefühl im Magen bleibt jedoch.

„Sieh nur, Alain! Siehst du, wie sich die Rädchen in ihrem hübschen Kopf drehen?“ Travis’ Mundwinkel zucken belustigt.

„Travis. Jemanden absichtlich im Unwissen lassen, ist eine böse Folter“, schimpft Alain gespielt. Er schlingt den Arm um meine Hüften und zieht meinen zitternden Körper näher an sich.

„Du weißt genauso Bescheid wie ich, Alain. Erlöse sie!“

Alain legt den Zeigefinger unter mein Kinn und zwingt mich, ihm in die Augen zu sehen. „Vertraust du mir, Liebes?“ Er bedenkt mich mit einem liebevollen Blick.

„Ja, Alain“, wispere ich.

„Dann werde ich deiner Fantasie keinen Einhalt gebieten. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.“ Sein schelmisches Grinsen wiederum verunsichert mich.

Das macht er mit Absicht!

Die Führung geht weiter. Zwei Themenzimmer waren besetzt und nach dem Kerker und dem Folterkeller, auf beiden Schwellen rann es mir eiskalt den Rücken runter, dachte ich mir, dass es nicht noch schlimmer werden könnte, bis Travis die Tür zum Arztzimmer aufschließt.

Ich traue meinen Augen nicht. Stocksteif stehe ich im Türrahmen und betrachte ungläubig den weiß gefliesten Raum, so steril wie eine Arztpraxis. Mitten im Zimmer befindet sich ein weiß gepolsterter Gynäkologenstuhl. An den Vorrichtungen für die Füße und an den Armlehnen befinden sich schwarze Ledermanschetten. Eine verchromte Behandlungszeile mit etlichen Schubladen, wahrscheinlich auch mit integriertem Kühlschrank und Sterilisator, erstreckt sich an der Wand hinter dem Stuhl.

Möchte ich wissen, was sich hinter den Fronten verbirgt? … Wohl kaum!

Alles in allem eine originalgetreue Nachbildung einer Frauenarztpraxis, würde ich meinen, jedoch hoffe ich, die meiner Gynäkologin ist nicht so nüchtern, klinisch gehalten, sondern vermittelt auch etwas Wärme und Behaglichkeit …

„Beauty. Willst du den Sessel nicht ausprobieren, so als kleine Vorbereitung für nächsten Montag?“, fordert Travis mich heraus.

Doch ich gehe nicht auf seine Sticheleien ein. Ich habe mit meiner plötzlichen Übelkeit zu kämpfen. Es sieht nicht nur aus wie das Behandlungszimmer eines Gynäkologen, sondern es riecht auch noch so. Dieser beißende, abscheuliche Geruch nach Putz- und Desinfektionsmittel schürt meinen Unwillen und bringt mir beinahe die Pfannkuchen retour.

„Alain. Das stößt an meine Grenzen. Ich kann diesem Raum wirklich nichts Lustvolles abgewinnen. Ich hab schon Bammel, wenn ich nur an Montag denke. Du … du hast doch nicht … oder doch?“

„Nein, Liebes. Das ist James’ Reich.“ Alain schließt Tür Nummer fünf wieder zu.

Gott sei Dank! Erleichtert lasse ich den angehaltenen Atem entweichen.

Die letzten Meter des Korridors lege ich zurück, als würde ich zu meiner eigenen Hinrichtung gerufen. Die goldene Sieben, die bei mir allein beim bloßen Anblick Kopfzerbrechen, Bauchkrämpfe und Angstschweiß hervorruft, prangt unheilvoll an der Holztür.

„So, Beauty. Raum sechs hast du ja gestern Nacht schon kennengelernt …“

Der Rest von Travis’ Worten wird überdeckt vom wilden Pochen meines Herzens und dem ohrenbetäubenden Rauschen des Blutes in meinen Ohren.

„Ruhig Blut, Liebes! Steigere dich nicht zu sehr rein.“ Ermutigend drückt Alain meine Hand.

Travis grinst breit und enthüllt mit einer übertriebenen Geste, wie ein Quizmaster alter Schule, Tor Nummer sieben.

Wasser blubbert. Der Raum ist in azurblaues Licht gehüllt. Mondscheinfeeling.

„Ein Jacuzzi?“

Darf ich mich freuen oder kommt wieder etwas Unvorhergesehenes?

Skeptisch blicke ich von einem zum anderen. Die Mienen bleiben jedoch undurchdringlich.

„Ihr sadistischen Teufel!“, beschimpfe ich die beiden.

Ein Jacuzzi. Innerlich atme ich erleichtert auf. Keine Streckbank, kein Spanischer Bock, kein Galgen, keine Guillotine; allerhöchstens Wasserfolter steht mir bevor.

Dennoch mache ich meinem Ärger Luft, verpasse einem nach dem anderen einen Seitenhieb. „Wie könnt ihr es wagen. Ich war einem Herzinfarkt nahe.“

Doch die verheißungsvollen Gesichter der beiden verraten, meine Pein ist noch nicht zu Ende. Sie haben noch so einiges in petto.

Plötzlich wird mir heiß. Höllisch heiß. Ich quetsche mich zwischen ihnen hindurch, fächere mir Luft zu, als ich den schwarz gefliesten Raum betrete. Das brodelnde Ungeheuer befindet sich in der Mitte und bietet Platz für vier Personen. Champagner, Gläser und sogar ein Schälchen mit Kondomen stehen auf dem Beckenrand bereit.

Travis wird uns für eine Weile Gesellschaft leisten!, rufe ich mir Alains Worte nochmals in Erinnerung. Also. Wie bade ich? Nackt oder mit Body, nackt oder mit Body, nackt oder mit Body … Nackt!

Während Travis und Alain immer noch im Türrahmen stehen, miteinander diskutieren, nähere ich mich dem Sprudelbad. Der Kimono gleitet von meinen Schultern und landet achtlos auf dem Boden. Ich fasse mir zwischen die Schenkel, löse die drei kleinen Druckknöpfe und schäle mich souverän aus dem Body. Das Gespräch ist weiterhin im Gange. Ich drehe mich kurz zu den Jungs um und werfe Alain das überflüssige Kleidungsstück vor die Füße. Die Unterhaltung verstummt abrupt.

Genießt die Peepshow! Ich lache mir ins Fäustchen.

Mir meiner Nacktheit bewusst, aber keineswegs verlegen, streife ich mir seelenruhig die High Heels von den Füßen und gehe die zwei Stufen empor. Ich tunke die Zehenspitzen meines rechten Fußes ins Wasser, teste die Temperatur, so viel Zeit muss sein, erst dann steige ich in die Wanne. Das warme, sprudelnde Wasser hüllt meinen Körper ein, schwappt über meine empfindlichen, harten Nippel, als ich mich setze, den Blick direkt zur Tür gerichtet.

Wie zwei Ölgötzen stehen sie da. Augen und Mund weit aufgerissen, als hätten sie noch nie zuvor im Leben eine nackte Frau gesehen.

„Alain und Travis, ausziehen! Wagt es nicht, mit Boxershorts oder Badehosen in den Whirlpool zu steigen“, instruiere ich sie forsch. Mit einem selbstgefälligen Lächeln auf den Lippen lehne ich mich zurück und genieße die bevorstehende Show.

„Du kleines, freches Biest!“, presst Alain zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Na warte!“ Er schreitet vehement auf mich zu, entledigt sich Jeans und Boxershorts und steigt mit einem gewaltigen Versprechen ins brodelnde Wasser.

„Sie fasst es besser auf, als du es dir gedacht hast, Alain. Soll ich euch noch immer Gesellschaft leisten oder hast du es dir anders überlegt?“ Travis macht bereits kehrt.

Doch ich antworte an Alains Stelle: „Travis. Du willst doch nicht etwa kneifen?“, und fordere ihn damit heraus.

„Du nimmst den Mund ganz schön voll, Beauty.“

Alain versperrt mir die Sicht, was mir ein gespielt empörtes Stöhnen entringt. Er baut sich vor mir auf, nimmt mich knurrend in die Mangel, stützt beide Hände neben meinem Kopf vorbei auf dem Beckenrand ab und beugt sich zu mir herunter. Meine Lippen verziehen sich zu einem schuldbeladenen Lächeln.

„Hmmm“, seufzt Alain bedrohlich, mustert mich eindringlich. „So, du kleiner Nimmersatt. Was hast du dir in deinem hübschen Köpfchen ausgemalt?“ Sein warmer Atem kitzelt an meiner Nasenspitze. Ein herausforderndes Funkeln tritt in seine Augen, während sein gieriger Blick mich gefangen nimmt.

Ich räuspere mich. „Wie war das gemeint, als du damals sagtest, du möchtest nicht, dass mich eine andere Frau vor deinen Augen anrührt, küsst, befriedigt, geschweige denn ein anderer Mann?“

„Die Dreier-Diskussion?“ Alain hebt überrascht die Augenbraue.

„Du bist dabei, deine Regeln zu brechen“, werfe ich ihm vor.

„Hmmm. Wenn ich mich recht entsinne, hast du die Regeln schon bei deinem eher unfreiwilligen, aber provozierenden Kuss mit Hannah gebrochen. Doch dir sei vergeben.“ Er stupst mich mit der Nase an und verschließt meine Lippen mit einem kurzen, züchtigen Kuss.

„Ich wusste es doch, dass du mir das noch irgendwann vorhalten wirst. Aber, Alain, ich habe meine Moralvorstellungen und ich würde weder dich betrügen noch Hannah hintergehen. Sie liebt ihn und er …“

„Irina!“

„Dieser Ort vernebelt dir die Sinne, Liebster!“

„Irina. Ich hatte nicht vor, dich mit Travis zu teilen!“

Gott sei Dank! Innerlich stoße ich einen Seufzer der Erleichterung aus.

„Erinnerst du dich an gestern Nacht? Ich habe dir den Kimono zurechtgerückt und gesagt, dass ich immer noch derselbe bin. Die Dinge haben sich also nicht geändert. Du bist mein, Irina! Ich bin nicht gewillt, dich zu teilen, und sei es auch mein bester Freund.“

„Oh. Dann war Nacktbaden also nicht vorgesehen?“ Bestimmt werde ich blass um die Nase.

„Nicht, solange Travis uns Gesellschaft leistet“, antwortet Alain trocken und setzt sich auf den Sitz daneben.

„Oh!“ Meine Ausschweifung – und damit meine ich meinen Striptease – wird ein Nachspiel haben! Bestimmt! Seine ernste Miene verrät es.

„Dein frivoles Verhalten gibt mir zu denken. Als Travis die brenzlige Situation erkannte und sich diskret zurückziehen wollte, hast du ihn gebeten … falsch, regelrecht herausgefordert, sich zu uns zu gesellen. So war das keineswegs vorgesehen, Irina. Und ich werde dich auch nicht ungeschoren aus dieser Situation entlassen. Die Peepshow war zu viel des Guten! Strafe muss sein!“

„Du genießt es sichtlich, immer alles zu deinem Vorteil auszulegen, nicht wahr?“, reize ich ihn bis aufs Blut.

„Vielleicht gefällt dir die Strafe ja. Nutze das kurze Zeitfenster, das ich dir gönne!“

„Dafür müsste ich zuerst wissen, was meine Strafe ist!“

Alain zwinkert Travis verschwörerisch zu, der schon Platz genommen hat und unser Wortgefecht amüsiert beobachtet. „Du wirst Travis zu einem Höhepunkt verhelfen …“

Mein Herz bleibt stehen. „Alain!“ Sein Name klingt wie ein Schimpfwort.

„Lass mich erst ausreden, Liebes. Du wirst für ihn kommen, ihm diesen glückseligen Gesichtsausdruck schenken, den ich so liebe, für ihn schreien, und er darf sich an deinem Körper ergötzen. Alles von einer gesunden Distanz aus. Travis wird sich selbst Erleichterung verschaffen, während er dir zusieht.“

Nervös blicke ich zu Travis. Dann wieder zu Alain. „Wer bist du und was hast du mit meinem Freund gemacht?“

„Alain. Was, wenn es ihr gefällt? Hast du das bedacht? Dann hat die Strafe ihr Ziel verfehlt.“

„Das Risiko gehe ich ein.“ Er mustert mich schmunzelnd.

„Darf ich verhandeln?“, melde ich mich heiser zu Wort.

„Tut mir leid. Ich gewähre keinen Verhandlungsspielraum.“

Da spricht er, der skrupellose Geschäftsmann. Alain, wie er leibt und lebt.

Anstatt endlich mit der angedrohten Maßregelung zu beginnen, ja, eine Bestrafung, denn ich glaube kaum, dass ich es genießen werde, spannen Alain und Travis mich auf die Folter.

Diese Teufel!

Die langweilige Diskussion über Sportwagen versus Geländewagen, ein banales Thema, das mich keineswegs interessiert und darum wohl bewusst gewählt wurde, schürt meine Ungeduld. Könnte ich wenigstens mitreden, würde es mich ablenken und die wirren Gedanken in meinem Kopf ausbremsen, gar stilllegen. Ich könnte meinem Kopfkino eine verdiente Pause gönnen.

Doch dieser Luxus wird mir nicht zugesprochen. Wenn ich nachmittags nicht geschlafen hätte, würde ich den Schlaf jetzt nachholen. Allerdings bin ich zu aufgedreht. Ich rutsche unruhig auf meinem Platz hin und her und kann das Sprudelbad gar nicht genießen. Aus Langeweile sichtlich unterfordert oder doch überfordert mit der Situation, muss ich mich auf andere Gedanken bringen. Ich halte es nicht mehr aus. Meine Fantasie geht langsam mit mir durch.

PS-Zahlen, Preise, Hubraum, Sekundenzahlen. Zahlen über Zahlen werden einander zugeschmettert …

Zahlen. Das ist es!

Ich fasse den Entschluss, meinen Tauchrekord von 48 Sekunden aus der Schulzeit zu brechen und werde unter Wasser die Sekunden zählen. Ich halte mir die Nase zu, fülle meine Lungen mit Sauerstoff, blähe meine Backen auf, Reserve kann gewiss nicht schaden, schließe zu guter Letzt meine Augen und tauche ab.

1, 2, 3, 4 … Nach und nach werden meine wirren Gedanken von Zahlen verdrängt … 25, 26, 27 … Das Wasser um mich herum wird unruhiger und plötzlich gehen die Düsen aus … 30, 31, 32. Ich werde von beiden Seiten an den Armen gepackt und aus dem Wasser gezogen.

„Verdammt! Irina!“

Meine Lungen füllen sich mit Sauerstoff. Ich inhaliere tief und grinse in die zwei völlig verstörten Gesichter. Alains Augen sind vor Schreck geweitet, das Gesicht kreidebleich.

„Beauty! Also, das ist mir bis jetzt noch nie untergekommen. Dachtest du wirklich, du könntest dich ertränken und so deiner Strafe entrinnen?“ In Travis’ Stimme höre ich ein gewisses Amüsement. Auch die Mundwinkel, die kaum merklich zucken, verraten, dass er mich durchschaut hat.

„32 Sekunden!“ Abermals nehme ich ein paar tiefe Atemzüge und trotzdem ersticke ich beinahe vor Lachen. „17 Sekunden länger und ich hätte meinen damaligen Rekord gebrochen“, keuche ich.

Alain blickt mich fassungslos an, löst den Schraubzwingengriff um meinen Arm und lässt sich kopfschüttelnd auf seinen Sitz sinken. Er versteht die Welt nicht mehr.

„Alain. Du solltest dein Gesicht sehen“, pruste ich.

Travis bedenkt mich mit einem warnenden Blick.

„Oh, du Biest! Du wirst gleich aufs Neue nach Atem ringen“, knurrt Alain, steht wiederum auf und zieht mich an seine Brust.

Unerbittlich nimmt er meine Lippen gefangen, seine Hand stützt meinen Hinterkopf und er schiebt mir gierig die Zunge in Mund. Stöhnend und mit weit aufgerissenen Augen setze ich mich gegen seine rabiate Art zur Wehr, schlage, stemme mich gegen seine starke Brust und versuche, ihn von mir zu stoßen. Doch ich komme gegen seine geballte Kraft nicht an. Mit einem resignierten Seufzer ergebe ich mich ihm, schließe die Augen und lasse mich erobern. Unsere Zungen liefern sich einen wilden Kampf. Ich bekomme kaum noch Luft.

Als die Lungen ihr Recht fordern, umfasst Alain meine Schultern und bringt mich mit mildem Druck dazu, mich umgekehrt auf seinen Schoß zu setzen. Scheu blicke ich dabei in Travis’ Augen, die mich lüstern anfunkeln. Er hat uns gegenüber Platz genommen, lehnt sich zurück, den Kopf relaxt auf seinen Arm gebettet, die andere Hand unter Wasser. Weder Schaum noch Bläschen verdecken seine Blöße und mir wird schlagartig klar, dass ihm ebenso wenig von mir verborgen bleibt.

Ich schlucke trocken. Vorhin noch selbstbewusst einen Striptease geboten, nimmt mein Gesicht jetzt die Farbe eines gekochten Hummers an, wie passend.

Was für ein riesengroßer Kochtopf!

Nur hätte ich gegen ein paar Bläschen, die das Wasser aufbauschen, einen Sichtschutz bieten, nichts einzuwenden, im Gegensatz zum Hummer, denn für ihn bedeutet brodelndes Wasser den sicheren Tod.

Alain legt eine Hand auf meinen Bauch, die andere auf mein Dekolleté und hält mich fest. Ich lehne mich gegen seinen muskulösen Oberkörper und schmiege meine Wange an seine. Die feinen Stoppeln piksen, als er sein Gesicht an meinem reibt.

„Ruhig Blut, Liebes. Dein Herz schlägt so schnell, als würde es gleich aus deinem Brustkorb springen“, flüstert er dicht an meinen Lippen. Er lockt mich, verführt mich, indem er sanft meinen Mundwinkel küsst. Sinnlich suchen seine Lippen den Kontakt zu meinen. Sein zügelloser Kuss lässt mich alles rundherum vergessen, hüllt mich in einen Kokon. In meinem Kopf existieren nur noch Alain und seine unbändige Leidenschaft.

Ich schlinge meinen Arm um seinen Nacken, vergrabe die Finger in seinem Haar und dränge mich gegen ihn. Alain seufzt in meinen Mund und ich spüre sein zuckendes Glied an meinem Rücken. Es schwillt an, wird noch härter. Prickelnde Wärme breitet sich in meinem Schoß aus und meine Mitte zieht sich lustvoll zusammen, lechzt nach seinen Fingern, mehr noch nach seinem Schwanz. Mein Unterleib kribbelt vor Vorfreude, als Alains Hand zwischen meine Schenkel gleitet. Ungeduldig erwarte ich seine Berührung. Doch die Hand bleibt reglos und schützend auf meiner Scham liegen.

Zappelig rutsche ich auf seinem Schoß hin und her, reibe meinen Hintern an seiner Erektion. Er stöhnt, löst sich von meinen Lippen und ich schnappe gierig nach Luft.

Der Kokon reißt und ich werde mir Travis’ Präsenz wieder bewusst. Verstohlen sehe ich zu ihm hinüber. Sein wollüstiger Blick verschlingt meinen, bringt mein Blut in Wallung und stachelt mich an. Doch obwohl er mich erregt, kann ich ihm nicht standhalten. Verschämt vergrabe ich mein Gesicht in Alains Halsbeuge, necke ihn mit zärtlichen Liebesbissen.

Alains Fingerspitzen streicheln meinen gestutzten Venushügel, schieben sich zwischen meine geschwollenen Schamlippen. Er streift die verlangend pulsierende Perle, den Ursprung der aufkeimenden Lust, gleitet die inneren, rosigen Lippen entlang, ehe er mit dem Mittelfinger in mich eindringt. Wieder und wieder stößt er zu, während sein Daumen kleine Kreise auf meiner Klit zeichnet …

Ich winde mich auf seinen Schoß, ahme seine Bewegungen nach und kreise mit den Hüften. Meine Lust schwillt rasch an. Wie meine Lungen nach Sauerstoff gieren, hat sich auch sein Atem beschleunigt und dringt rau an mein Ohr. Mein Körper bäumt sich auf. Wärme durchflutet mich und seine kundigen Finger treiben mich bald einmal einem Orgasmus entgegen. Meiner Kehle entschlüpft ein obszönes, erregtes Stöhnen, das sich aber schlagartig in ein Wimmern wandelt, als dieser gottverdammte Schuft mir die Erlösung verwehrt, mir die Reizung entzieht.

So einfach will er es mir also nicht machen …

Ich vernehme Travis’ rauen Atem und das Schwappen des Wassers. Neugierig, aber verstohlen sehe ich zu ihm. Er hat die Augen geschlossen, sein aalglatter Brustkorb hebt und senkt sich heftig. Seine langen Finger halten den harten, dicken Schaft fest umklammert, pumpen triebhaft auf und ab. Die andere Hand hat sich in der Zwischenzeit ebenfalls dazugesellt und er massiert damit, reichlich unverfroren, sich nicht der geringsten Scham bewusst, seine Hoden.

Hitze schießt mir in die Wangen. Mein Atem hat sich nach einer anfänglichen Unterbrechung beschleunigt. Von seinem buchstäblich handfesten Schauspiel sichtlich angetan, habe ich nicht bemerkt, wie Travis die Augen wieder aufgeschlagen hat und mich ungeniert mustert. Dieses herausfordernde Funkeln in seinen Augen verursacht einen weiteren Atemstocker. Blanke Erregung durchzuckt meinen Körper. Erschrocken darüber suche ich Alains Nähe und wende den Blick von Travis ab.

Das darf es nicht! Es darf mich nicht dermaßen erregen! Es ist falsch.

Obwohl Alain bei mir ist, mich in seinen Armen hält, habe ich plötzlich das Gefühl, ihn zu hintergehen. Unsere Blicke treffen sich. Beschämt schließe ich die Augenlider.

Alains Hand schmiegt sich an meine Wange. Sein warmer Atem kitzelt an meinem Ohr. Er wispert verführerisch: „Liebes. Ich werde dir die Augen verbinden. Es wird dich etwas beruhigen.“

Doch das Einzige, was mich wirklich beruhigen kann, was mein schlechtes Gewissen lindern kann, ist … Ich drehe mich zu Alain um, setze mich ihm rittlings auf den Schoß und beuge mich zu ihm vor. Liebevoll berühre ich seine Wange. Meine Lippen suchen den Kontakt zu seinen und zwischen einzelnen kurzen Küssen sage ich leise: „Alain. Ich muss … ich brauche deine Nähe. Ich möchte mit dir zusammen diesen Weg beschreiten, will, dass wir gemeinsam zum Höhepunkt gelangen.“ Mein flehender Blick spricht Bände.

Alain holt scharf Luft. Travis’ anerkennendes Raunen hallt durch den Raum. Es scheint mir, als hätten die Jungs in keinster Weise damit gerechnet. Alain steht die Überraschung ins Gesicht geschrieben. Seine Mundwinkel zucken leicht, seine weißen Zähne blitzen hervor und er schenkt mir ein atemberaubendes Lächeln.

Zärtlich lasse ich meinen Daumen über die kleine Furche in der Wange gleiten. Wie ich diesen noch so kleinen Makel an ihm liebe.

„Liebes. Ich werde dir diesen Wunsch nur zu gern erfüllen.“ Alain erhebt sich aus dem Wasser. Tropfen werden von der Schwerkraft angezogen, perlen von seinem Oberkörper, bilden sich zu kleinen Rinnsalen und bahnen sich einen Weg nach unten. Mit einem bereitgelegten Handtuch trocknet er seine Lenden. Er nimmt ein Kondom aus der Schale, zerreißt die Folie und streift den Gummi über seine ansehnliche Erektion. Sein Blick schweift durch den Raum, fällt auf meinen Kimono. Er hebt ihn auf und zieht die breite, seidene, schwarze Schleife aus den Laschen.

Ich stehe mitten im Jacuzzi. Das Wasser schwappt knapp über meine Scham, als mein Schatz hineinsteigt. Seine Hände schmiegen sich an meine Taille, üben sanften Druck aus, dirigieren mich. Bereitwillig folge ich Alain zu unserem Platz.

„Dreh dich um, Liebes.“ Er streicht mir liebevoll eine lose Haarsträhne hinters Ohr.

Während ich mich wende und scheu zu Travis blicke, setzt sich Alain hin. Der Griff um meine Taille wird fester. Ich umschließe seine Hände mit meinen. Er bringt mich in Position, drängt seine Knie zwischen meine Schenkel. Willig öffne ich mich ihm, lasse mich von ihm führen und senke mich bedächtig auf seinen Schoß. Die Spitze seines harten Schafts drängt sich begierig gegen meine Mitte. Ich beiße mir auf die Unterlippe, blicke Travis schüchtern in die Augen, als ich mich quälend langsam auf Alains Schwanz herablasse, ihn Zentimeter für Zentimeter in mich aufnehme, bis er mich voll und ganz ausfüllt. Mit einem erregten Stöhnen heiße ich ihn willkommen. Alain lässt seinen Atem durch die zusammengebissenen Zähne entweichen und reibt das stoppelige Kinn an meiner Schulter. Ich liebe es, wenn er das tut. Seine Hände wandern zu meinen Brüsten, wiegen und kneten meine Fülle sanft, während sein warmer Atem in meinem Nacken kitzelt und mir eine Gänsehaut beschert.

Mmmmh. Meine Lider flattern zu.

„Und jetzt verabschiede dich mit einem kurzen Blick von Master White“, flüstert mein Liebster mir ins Ohr.

Ich öffne meine Augen. Das Letzte, was ich zu Gesicht bekomme, bevor die Welt im Dunkeln versinkt, ist Travis’ sonderbar hungriger Ausdruck. In seinen smaragdgrünen Augen lodert ein tiefes Sehnen nach Erlösung. Dann wird es schwarz um mich herum.

Alain lässt die Fingerspitzen kaum merklich über meinen Hals gleiten, jedoch folgt auf diese sanfte Liebkosung ein grober Griff in mein nasses Haar und er zwingt meinen Kopf in den Nacken. Das Brennen auf meiner Kopfhaut entringt mir ein Wimmern, bald aber wird es von einem Prickeln abgelöst.

Alain bettet mein Haupt auf seine Schultern. Seine Zähne streifen mein Ohr und knabbern zärtlich an meinem Ohrläppchen. Während sich seine Hände sanft um meine Brüste wölben, klemmt er meine harten, geschwollenen Brustwarzen zwischen Zeige- und Mittelfinger ein und massiert sie fordernd. Meine Nippel pulsieren unter seiner süßen Folter, mein Kitzler pocht, meine Vaginalmuskeln ziehen sich enger um seinen harten Schwanz, der tief in mir ist, mich ausfüllt. Alain stöhnt kehlig auf, reagiert auf jedes kleine Zucken.

„Löse mich ab, massiere deine Brüste!“ Er umfasst meine Hände und bringt sie in Position. Zögerlich beginne ich mit der Stimulation. Das „Fester!“, das er mir ins Ohr haucht, lässt mich erbeben und spornt mich an.

Eine Hand schlingt sich um meine Kehle, die andere drückt er gegen meinen Venushügel, teilt meine Schamlippen entzwei, legt die pochende Perle frei und lässt die Finger darüberkreisen.

Ich keuche auf, beiße mir auf die Unterlippe, um das angekündigte Stöhnen zu unterdrücken. Alain versetzt mir warnend einen Biss in den Nacken und entlockt mir den geforderten Laut. Ich jammere kläglich, als er sich an meinem Hals festsaugt und mich zeichnet. Er ist dabei grob und sanft zugleich. Das Wechselspiel der beiden Eigenschaften, und ich weiß nie, welche er gerade anwenden will, lässt meinen Körper erwartungsvoll kribbeln. Die reinste Reizüberflutung …

Ungeduldig winde ich mich auf seinem Schoß. Das Bedürfnis, mich zu bewegen, ihn zu reiten, steigert sich, jedoch lässt er es nicht zu. Ebenso ist er der Meister meiner Lust. Er entfacht die kleine Flamme in mir, bringt sie zum Lodern, doch bevor sie sich zu einem alles verschlingenden Feuer entfalten kann, lässt er sie abrupt erlöschen. Dem Feuer entzieht er den Sauerstoff, indem er mir die nötige Reizung verwehrt. Ich wimmere frustriert. Meine Fingernägel bohren sich in das weiche, straffe Fleisch meiner Brüste.

Travis stöhnt brünstig auf.

Alain umfasst meine Hände, zwingt mich dazu, den Griff zu lockern. „Stütz deine Hände auf meinen Knien ab und reit mich, Kleine!“, raunt er mir atemlos ins Ohr. Er beugt sich zusammen mit mir etwas vor, meine Hände sind noch in seinen gefangen und er platziert sie auf seinen Knien.

Der Drang, mich zu bewegen, steigert sich ins Unermessliche und ich gebe ihm schlussendlich nach. Ich lege einen bedächtigen Rhythmus vor, der sich allmählich erhöht. Immer wieder aufs Neue hebe ich mein Becken an, lasse seinen Penis bis auf die Spitze aus mir herausgleiten, um ihn dann abermals genüsslich in mich aufzunehmen. Das Wasser macht unsere Körper geschmeidig, und ich vergrabe meine Fingernägel in seine gespannten Oberschenkel, damit ich nicht abrutsche.

Alain jault auf, verfällt jedoch rasch wieder in lautes Atmen und Stöhnen, das mir zeigt, wie weit fortgeschritten seine Erregung schon ist. Doch noch etwas anderes findet mein Gehör. Travis’ rauer Atem und sein Ächzen. Beides vereint, treibt meine Gier nach Erlösung voran.

Ich muss sie stillen!

Ich steigere mein Tempo, werde getrieben von der Lust, die wild in mir tobt. Die ersten Anzeichen eines gewaltigen Höhepunkts machen sich bemerkbar.

Alains Hände umfassen meine Taille, heben mein Becken etwas an und er beginnt, mich von unten herauf ungestüm zu stoßen. Sein Gesicht schmiegt sich an meinen Rücken, sein stoppeliges Kinn reibt über meine empfindliche Haut. Sein Atem, der sich beinahe überschlägt, bläst mildernd über die gereizten Stellen.

Es sind alle Faktoren zusammen, seien sie noch so klein, so unbedeutend, die mich über die Klippe befördern. Ich komme augenblicklich, laut und zügellos. Das Feuer der Lust prescht durch meine Venen und ich erliege dem prickelnden Gefühl in mir, das mich heiß erobert. Alles in mir verkrampft sich lustvoll, entzieht meinem Körper die Kraft und lässt ihn schlussendlich in sich zusammensacken.

Während ich in meiner Erschöpfung noch von leichten Nachbeben erschüttert werde, mit Alains Bewegungen mitgehe, verliert auch er seine Beherrschung. Ich spüre seinen Schwanz tief in mir, wie er unaufhörlich pulsiert. Alain schreit seine Erlösung in den Raum, als sich sein Körper unter mir restlos anspannt und er sich zuckend in mir entlädt. Ebenso hallt Travis’ Lustschrei zu mir herüber.

Alain schlingt schützend die Arme um mich, hält mich an sich gepresst, derweil wir unser gemeinsames Nachglühen genießen, sich unsere Körper regenerieren und wir unseren Atemrhythmus allmählich wiederfinden. Meinen Kopf auf seine Brust gebettet, umgeben von Dunkelheit, lausche ich seinem Herzschlag.

Ich vernehme plätscherndes, in Wallung geratenes Wasser. Es muss von Travis stammen, denn Alain unter mir rührt sich nicht. Es klingt danach, als würde er aus dem Jacuzzi steigen. Nasse, schwere, immer lauter werdende Schritte auf Fliesen deuten an, dass er sich nähert. Er scheint ein paar flüsternde, englische Worte an Alain zu richten, denn ich spüre, wie dieser sich verspannt und höre das Grollen in seiner Brust.

Der Knoten an meinem Hinterkopf wird sachte gelöst. Neugierig blinzle ich unter meinen langen, schwarzen Wimpern hervor. Travis beugt sich zu mir, seine smaragdgrünen Augen strahlen mich an. „Beauty. Ich danke dir. Du bist wahrlich entzückend. Nächstes Mal ohne Augenbinde?“ Er streicht mir eine nasse Haarsträhne hinters Ohr und bedenkt mich mit einem hoffnungsvollen Blick.

„Travis. Es wird kein nächstes Mal geben!“, antwortet Alain knurrend an meiner Stelle.

„Du hast dich wacker geschlagen, Kumpel.“ Travis tätschelt Alains Wange. „Wir treffen uns morgen zum Mittagessen.“ Er zieht sich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht zurück.

Travis’ Worte machen mich stutzig, und sobald Alain sich des Kondoms entledigt hat, mich wieder in seine Arme zieht und sich entspannt, spreche ich ihn darauf an: „Schatz. Die Augenbinde. War die dir zuliebe oder mir zuliebe?“ Ich richte mich auf, eine Hand auf seinen Oberkörper gestützt, und blicke ihm tief in die Augen.

Das verlegene Grinsen, das sich um seine Mundwinkel ausbreitet, ein klares Schuldeingeständnis, entfacht die Gier nach seinen Lippen abermals. Ich muss ihn erneut schmecken. Ich befeuchte meine Lippen und drücke meinen Mund auf seinen, um mein Verlangen zu stillen. Wir versinken buchstäblich in einem leidenschaftlichen Kuss.

Kapitel 4

„Sehr dezent, Kleine. Du willst heute wohl keine Aufmerksamkeit erregen?“ Alain grinst schelmisch und nimmt mich an der Hand.

Ich trage einen kurzen weißen Mini, der durch zwei breite Träger über den Schultern gehalten wird, eine Art Latzmini, darunter einen schwarzen Rollkragenpullover, eine schwarze, beinahe blickdichte Seidenstrumpfhose und geschlossene, hochhackige Schuhe. Meine verschlafenen Augen verstecke ich hinter meiner Sonnenbrille.

„Tu nicht so scheinheilig! An meinem Hals prangt ein riesengroßer Knutschfleck!“, tadle ich ihn.

„Du hast deine Krallen ausgefahren, Kätzchen.“ Er bleibt auf der Treppe zum Restaurant stehen und reibt sich wehleidig beide Knie. Alain sieht genauso mitgenommen aus wie ich. Seine dunklen Augenringe sind wie so oft hinter seiner Ray Ban verborgen.

„Oooch, mein armer Löwe. Dir ist wohl nicht geläufig, dass Weibchen ihren Männchen einen Prankenhieb verpassen, wenn sie zu ruppig vorgehen“, ziehe ich ihn liebevoll auf. Ich fasse in sein Haar und verwuschle seine Mähne, da sie sich gerade äußerst verlockend in Griffnähe befindet.

Alain richtet sich knurrend wieder auf. Er nimmt die Brille ab und klemmt sie an den Kragen seines Shirts. Sein hungriger Blick sagt mir: Jetzt bist du fällig! Mein Verstand ermahnt mich: Nimm die Beine in die Hand und lauf! Ich blicke auf meine Füße; weit werde ich mit den High Heels nicht kommen, doch ich wage es trotzdem, nehme kurzerhand den ersten Schritt und erreiche schon bald die Tür zum Restaurant. Aber Alain holt mich zügig ein. Ich kreische vergnügt auf, als er meine Taille umfasst, mich an sich zieht und meinen Schrei mit seiner Zunge erstickt, mich hart und unnachgiebig küsst.

„Hmhmhmhmmm!“ Ein dunkles Räuspern lässt mich erschrocken die Augen aufschlagen. Mein Mund ist noch immer auf Alains gepresst und ich blicke dabei in die Augen eines angesäuerten Maître d’hôtel. „Sir. Solch anzügliches Verhalten wird hier nicht geduldet. Wir sind ein anständiges Restaurant und kein Stundenhotel. Würden Sie sich bitte dementsprechend benehmen!“ Ein furchtbar versnobter Kerl, mit einer noch aufgeblaseneren englischen Ausdrucksweise.

Sachte löst sich Alain von meinen Lippen und bauscht sich vor dem Restaurantleiter auf.

„Alain. Nicht!“ Ich nehme seine rechte Hand, die sich bedrohlich samt Zeigefinger erhoben hat, in die meine. Seufzend schmiege ich mich an ihn, hake mich bei ihm unter und streichle über seinen Arm.

Ungewohnter Anblick: Alain im kurzärmligen Shirt. Aber für den bevorstehenden Flug bestimmt angenehmer als ein Hemd, jedoch äußerst unpassend für dieses edle Lokal … Wir müssen uns benehmen, damit uns überhaupt Zutritt gewährt wird, denn klamottentechnisch sind wir ganz klar durchgefallen.

Alain schluckt die Bemerkung, die ihm auf den Lippen brannte, souverän hinunter.

Wider Erwarten bittet uns der Maître d’hôtel dann doch ins Restaurant und hält uns vornehm die Tür auf. Ich nicke dankend, während wir uns an ihm vorbeizwängen.

„Den Quickie auf dem Klo können wir hier vergessen. Wir haben schon zu viel Aufmerksamkeit erregt“, flüstere ich Alain scherzhaft ins Ohr. Bevor er ein Murren von sich geben kann, schmiege ich meine rechte Hand an seine Wange, bringe ihn dazu, mich anzusehen, und drücke ihm einen züchtigen Kuss auf den Mund.

„Na, ihr beiden. Ihr seid spät dran.“ Daniel, Travis, James und Liz begrüßen uns mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, als könnten sie ahnen, dass wir heute Morgen doch noch unser Hotelbett verwüstet haben, als wir zurückfuhren, um unsere Koffer zu holen.

Wir setzen uns zu ihnen an den Tisch.

„So, Irina, erzähl mal, wie viel von der City hat Alain dir gezeigt?“ Dan zwinkert mir zu.

Liz verpasst ihm einen Seitenhieb. „Als ob du das nicht wüsstest, Schatz. Irina, Alain, das nächste Mal holen Dan und ich euch aus den Federn und wir werden die Stadt und die Sehenswürdigkeiten gemeinsam erkunden. Schäm dich, Alain.“

„Wir hatten einiges nachzuholen.“ Alain zuckt entschuldigend mit den Achseln. „Doch ich werde Ende Juli eine ganze Woche dafür einplanen. Ich kann es doch nicht verantworten, dass meine Freundin meine zweite Heimat nicht kennt …“ Er sieht mich durchdringend an.

Ich nippe etwas lustlos an meinem Weißwein, denn ich bin immer noch enttäuscht darüber, wie wenig ich von der Stadt eigentlich gesehen habe und Dan musste ja obendrein in meinem Leid herumstochern.

Unsere Blicke treffen sich und Alain scheint eine Antwort, eine Reaktion von mir zu erwarten. Doch was hat er gesagt? Ich lasse mir seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen.

Ende Juli. Eine ganze Woche. London. Die Stadt besichtigen …

Ich bin ganz aus dem Häuschen. Euphorisch springe ich auf, setze mich zu ihm auf den Schoß, meine Hände schmiegen sich an sein Gesicht und ich küsse ihn zum Dank wohl etwas zu impulsiv.

„I hear wedding bells“, seufzt Liz wohlig, erlaubt sich damit ein Späßchen.

Und dann vernehme ich wieder dieses notorische, strenge Räuspern von vorhin. Der Restaurantleiter steht mit vor der Brust verschränkten Armen vor uns, die Miene grimmig, und er tappt ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden.

Eine Entschuldigung murmelnd und mit hochrotem Kopf erhebe ich mich. Doch Alain ergreift meine Hand und hält mich zurück. Ich setze mich brav wieder auf seinen Schoß und schlinge den Arm um seinen Nacken. Das Beben seiner Lippen zeigt mir, wie nahe er dran ist, seine Beherrschung zu verlieren. Nur ich halte ihn noch davon ab, meine Nähe und meine Liebkosungen besänftigen ihn.

Alain wirft einen verschwörerischen Blick zu Dan und dieser scheint ihn auch ohne Worte zu verstehen. „Jungs, seid ihr damit einverstanden, wenn wir unser Mittagessen woanders einnehmen? Dieser steife Lackaffe erinnert mich zu sehr an Neill, den Butler meines Elternhauses“, bemerkt Dan ernst, als er den Restaurantleiter von oben bis unten mustert.

Die Herren brechen in lautes Gelächter aus, und Daniel zückt seine schwarze AmEx-Card, die dem Maître d’hôtel eine plötzliche Blässe ins Gesicht ruft.

„Wie wär’s mit Burgern und Fritten? Ich habe auf der anderen Straßenseite einen Burger King entdeckt“, frage ich etwas scheu und gebe mein Schulenglisch zum Besten.

Liz kichert, Daniel ist immer noch dabei, den Restaurantleiter zu durchleuchten, Travis, James und Alain sind einverstanden. Butler Neill bleibt der Mund offen stehen.

„Dieser Blick ist unbezahlbar. Dein Menu geht schon mal auf mich, Irina.“ Daniel klatscht in die Hände. „Lasst uns gehen.“

Nach einem Burger, Pommes und einem Dessert auf Daniels Kosten folgt die Verabschiedung. Liz steckt mir ihre Nummer und Mailadresse zu. „Irina. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Grüß Hannah von mir.“ Sie umarmt mich.

„Spätestens in einem Monat. Hannah wird sich freuen, von dir zu hören, Liz.“ Nebenbei bemerke ich Travis’ wehleidigen Blick.

„Es war eine willkommene Abwechslung, mit dir zu plaudern, vor allem wieder einmal in meiner Muttersprache, und die Herren haben sich diesmal zurückgehalten und nicht nur über Geschäftliches und Autos gesprochen. Vergiss nicht, mir zu berichten, wie meine Tipps angekommen sind.“ Sie beult mit der Zunge ihre Wange aus.

Oh ja. Die Blowjob-Anleitung. Ich muss kichern.

„Von was redet ihr eigentlich?“, mischt Dan sich dazwischen, Alain und Travis hören auch ganz genau hin, spitzen ihre Lauscher.

Nun könnte ich mit einer ausgereiften Tomate konkurrieren, und zu allem Überfluss entspannt sich Liz’ Kiefer erst jetzt.

„Irina, Irina. Du bist wie ein offenes Buch.“ Alain küsst mich neckisch auf die Nasenspitze und legt einen Arm um meine Taille.

„Apropos Buch“, räuspert sich Travis. „Alain. Du solltest eventuell die Lektüre deiner Freundin studieren.“ Er boxt seinem Kumpel in die Seite.

„He!“ Mit einem gezielten Schlag auf den Nerv am Oberarm verpasse ich Travis einen elektrisierenden Impuls, der schmerzhaft durch seinen Arm jagt. Ein Zischen dringt durch seine zusammengebissenen Zähne. Mit der anderen Hand reibt er über die brennende Stelle. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, sodass er mir schon wieder leidtut. „Sorry, sorry, Travis. Bei Alain treffe ich den Punkt nie.“ Meine Zielgenauigkeit überrascht mich.

„Stimmt. Bei mir verfehlt sie die empfindliche Stelle, an der der Deltamuskelansatz von Bi- und Trizeps eingerahmt wird, immer. Travis. Das legt sich gleich wieder.“

„Ohohohoh, Beauty, das wird ein Nachspiel haben.“ Dieses diabolische Grinsen, das sein Gesicht einzunehmen droht, verheißt nichts Gutes. Bei Travis bleibt nichts ungesühnt. Nach letzter Nacht sollte ich das eigentlich wissen. „Gib mir noch ein paar Minuten mit deiner Liebsten, Alain.“ Travis’ Grinsen wird noch breiter.

„Sie gehört dir für fünf Minuten und in Sichtweite!“ Alain tritt zur Seite.

Ehe ich weiß, wie mir geschieht, begleitet von einem lauten Aufschrei, wirft Travis mich über seine Schulter, schleppt mich wie ein Neandertaler ein paar Meter davon. In Sichtweite, doch gerade so weit weg, dass niemand unser Gespräch belauschen kann.

Gespräch? Bestimmt. Nach dem Desaster mit Hannah kann er’s sich sicherlich nicht leisten, am helllichten Tag an einem öffentlichen Platz …

„An was denkst du, Beauty?“ Er stellt mich vor sich sicher wieder auf die Füße.

„Dass du dir eine Maßregelung auf offener Straße nicht leisten kannst.“

„Du hast recht. Allein dein Gekreische hätte mir zum Verhängnis werden können. Beauty, ich möchte, dass du Hannah etwas von mir überreichst.“ Er drückt auf den Funkschlüssel, den er aus seiner Hosentasche holt. Die Lampen des zitronengelben Mini Coopers neben uns leuchten auf. Travis nimmt einen Umschlag und eine Schachtel vom Beifahrersitz.

Ich breche in schallendes Gelächter aus. „Ist das dein Wagen? Master Yellow!“, hüstle ich.

Travis wartet geduldig, bis ich mich beruhigt habe, lässt die Beleidigung außer Acht. „Der Wagen meiner Schwester. Meiner steht immer noch in Alains Garage.“

„Sorry.“ Ich schlucke den letzten Pruster runter.

Travis reicht mir den Umschlag und die Schmuckschachtel.

„Du wirst mir zeigen müssen, was du dort drinnen versteckt hältst. Ich will mir beim Zoll keinen Ärger einhandeln.“

Widerwillig öffnet er den Deckel. Zwei breite, glänzende, gelbgoldene Armspangen, gebettet in schwarzem Samt, glitzern mir entgegen.

Nur mit Mühe kann ich meinen Mund wieder schließen. Ich räuspere mich. „Die müssen ein Vermögen gekostet haben.“

„Ich habe sie auf Hannah abgestimmt anfertigen lassen. Bitte nimm sie nicht aus der Schachtel. Einmal geschlossen lassen sie sich nur von mir wieder öffnen.“

Da fällt es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen und ich realisiere, mit was ich es da zu tun habe. Sklavenarmbänder. „Travis. Das sieht mir aber verdammt nach Verpflichtung aus. Eine Verpflichtung ihrerseits“, werfe ich ihm vor.

„Wie darf ich das verstehen?“ Sein durchdringender Blick bohrt sich in meinem. Widerworte scheint er nicht gewohnt.

„Diese Armreifen an ihren dünnen Handgelenken haben in etwa dieselbe Wirkung wie ein riesengroßer Knutschfleck an ihrem Hals. Du willst sie damit als die Deine markieren.“

„Was für ein lächerlicher Vergleich.“ Travis gibt ein verächtliches Schnauben von sich.

„So wie Liz’ Halsband Daniels Besitz kundtut. Dann nennen wir es eben beim Namen, Travis. Das sind Sklavenarmbänder. Zähle mir einen einzigen triftigen Grund auf, warum ich das tun sollte.“ Brüskiert stemme ich die Hände in die Hüften.

Und nun endlich rückt er mit der Sprache heraus: „Hannah ist James letztes Wochenende zufällig vor die Linse gehüpft. Er schwärmt geradezu von einer rothaarigen, blauäugigen, schönen und eindeutig devoten Frau um die zwanzig, mit der er so einiges anstellen möchte und wohl noch eine Rechnung zu begleichen hat. Dir zuliebe gehe ich nicht ins Detail, Irina. Ich kann ihr nicht verbieten, sich auf ihn einzulassen, das heißt, momentan nicht. Ich will keine Fernbeziehung. Außerdem halte ich mich an die U20-Regel, im Gegensatz zu Preston, denn ich habe meine Prinzipien.“

„Die hatte Alain auch und sieh dir an, wie viele er für mich über Bord geworfen hat. U20-Regel? Hat Alain die für mich auch gebrochen?“

„Die Regel gilt nur für Subs. Du bist keine Sub.“

„Okay. Ich werde Hannah die Armspangen überreichen, doch ich kann sie zu nichts zwingen.“

„Sie wird nicht eine Sekunde zögern, sie anzulegen.“ Travis nickt mir dankend zu und überreicht mir die Schachtel.

„Du bist dir deiner Sache ja ziemlich sicher, Master White“, spotte ich.

„Fünf Hiebe extra auf deinen hübschen Arsch, Beauty. Wir stehen bei zehn, wenn ich recht behalte. Zögert Hannah nur eine Sekunde, erlasse ich dir die gesamte Strafe.“

Meine Atmung gerät ins Stocken. „Womit habe ich die ersten fünf verdient?“

Travis deutet wortlos auf seinen Oberarm.

„Okay. Ich bin einverstanden.“

Um die Wette zu besiegeln, reichen wir uns die Hände.

Das seltsame Glitzern in Travis’ grünen Augen verrät mir, dass er mehr weiß, als er preisgibt. Sein Mund verzieht sich zu einem siegessicheren Lächeln.

Mit Travis zu wetten, ist gefährlich, also lass dich bloß nicht dazu hinreißen!, rufe ich mir Alains Warnung in Erinnerung.

Verdammte Scheiße!

Meine Hand in der seinen beginnt zu zittern. Er bemerkt es und sein Grinsen wird noch breiter.

„Beauty, gewöhn dich daran, denn das werden sie jetzt bei jedem meiner Besuche tun. Dein Körper wird vor Furcht beben, bis ich meinen Wetteinsatz bei dir einlöse. Hach, wie ich das genießen werde“, raunt er mir zu und lässt nun endlich auch meine Hand los.

Alain lehnt sich im First-Class-Polstersitz zurück und schließt erschöpft die Augen.

Wie kann er jetzt schlafen?

Ich bekomme kein Auge zu, sitze wie auf Nadeln neben ihm im Sitz. Ich brauche etwas Ablenkung.

„Alain?“ Ich lege meine Hand auf seine und streichle sachte mit dem Daumen über seinen Handrücken.

Er gähnt. „Ich brauche wohl Urlaub vom Urlaub“, bemerkt er leise, lässt seine Augen geschlossen. Wieder atmet er tief und gleichmäßig. Er döst abermals weg.

„Ich habe mit Travis gewettet“, flüstere ich dicht an seinem Ohr. Mit größter Wahrscheinlichkeit kann er es doch nicht hören, und ich hab’s endlich ausgesprochen. Allerdings habe ich mich in der Annahme, auf taube Ohren zu stoßen, geirrt.

„Du hast was getan?“ Alain ist plötzlich hellwach. Er richtet sich samt Sitz wieder auf und wendet sich mir zu.

„Travis und ich haben eine Wette abgeschlossen“, sage ich kleinlaut und erläutere ihm alles bis ins klitzekleinste Detail.

„Hmmm. Du hast meine Warnung ignoriert, Liebes. Diesmal musst du wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und dich über Master Whites Schoß legen. Auch wenn es mir nicht gefällt. Wettschulden sind Ehrenschulden. Ich kann ihn höchstens dazu überreden, dass du zumindest dein Höschen, vielleicht aber auch deine Jeans anbehalten darfst, falls der Master einen guten Tag hat.“

Mein Herz gerät ins Stolpern. Das ist wohl ein Scherz, oder?

Doch Alain lacht nicht. Nicht einmal seine Mundwinkel zucken.

„Hmmm. Kann ja sein, dass dir das Spanking gefallen wird.“ Alain zwinkert mir zu, lehnt sich im Sessel zurück und mir scheint, dass er nur mit Mühe das dümmliche Grinsen unterdrücken kann, das sein Gesicht einzunehmen droht.

„Alain!“, quieke ich.

Dieser Schuft schließt seine Augen und lächelt vor sich hin, labt sich an meinem Leid.

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Litres'teki yayın tarihi:
29 ağustos 2024
Hacim:
420 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
9783864955198
Telif hakkı:
Bookwire
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