Kitabı oku: «Handbuch Bio-Gemüse»

Inhalt
Vorwort Beate Koller
Vorwort Andrea Heistinger
Dank
Einleitung
Über dieses Buch
Über das Gärtnern
Über die Vielfalt
Über den Boden
Über das Düngen
Über die Samen

Kulturarten
Baldriangewächse – Valerianaceae
Vogerlsalat, Feldsalat, Nüsslisalat
Basellgewächse – Basellaceae
Malabarspinat, Indischer Spinat
Doldenblütler – Umbelliferae
Karotte, Möhre
Petersilie
Sellerie, Eppich
Pastinake
Knollenfenchel, Gemüsefenchel
Zuckerwurzel
Kerbelrübe
Eiskrautgewächse – Aizoaceae
Neuseeländer Spinat
Eiskraut, Kristallkraut
Fuchsschwanzgewächse – Amaranthaceae
Amarant, Chinesischer Spinat
Gänsefußgewächse – Chenopodiaceae
Spinat
Rote Rübe, Rote Bete
Mangold, Krautstiel
Gartenmelde
Guter Heinrich
Hülsenfrüchtler – Fabaceae
Gartenbohne: Stangenbohne und Buschbohne
Feuerbohne, Prunkbohne, Käferbohne
Spaghettibohne und Augenbohne
Bohnen für Experimentierfreudige
Puffbohne, Ackerbohne, Pferdebohne, Saubohne, Dicke Bohne, Fave
Erbse
Kichererbse
Linse
Knöterichgewächse – Polygonaceae
Ampfer
Rhababer

Korbblütler – Asteraceae
Salat: Kopfsalat und Krachsalat Bindesalat, Pflücksalat und Spargelsalat
Endivie: Escariol und Frisée
Zichorien-Salate: Radicchio, Zuckerhut, Catalogna, Chicorée und Wurzelzichorie
Artischocke
Kardone, Cardy
Haferwurzel
Schwarzwurzel
Speiseklette, Große Klette
Speisechrysantheme, Salatchrysantheme, Kronen-Wucherblume
Topinambur, Erdbirne
Yacon
Kreuzblütler – Crucifereae
Kopfkohl, Weißkraut, Rotkraut und Wirsing
Karfiol, Blumenkohl und Brokkoli
Sprossenkohl, Rosenkohl
Grünkohl, Palmkohl und Markstammkohl
Kohlrabi
Herbstrübe und Speiserübe: Mairübe, Broccoletto und Rübstiel
Chinakohl und Pak Choi
Kohlrübe, Steckrübe, Wruke
Radieschen und Rettich
Asia-Salate
Weißer Senf, Gelbsenf
Rukola, Salatrauke, Ölrauke
Meerkohl
Gartenkresse
Kren, Meerrettich
Winterkresse, Barbarakresse, Barbarakraut
Brunnenkresse, Wasserkresse
Löffelkraut, Löffelkresse
Kürbisgewächse – Cucurbitaceae
Gurke
Kürbis
Zucchini, Zucchetti
Lagenarien, Flaschenkürbis, Kalebassenkürbis
Zuckermelone und Honigmelone
Wassermelone

Lauchgewächse – Alliaceae
Küchenzwiebel, Speisezwiebel
Familienzwiebel, Schalotte
Etagenzwiebel, Luftzwiebel, Johanniszwiebel
Winterheckezwiebel, Winterzwiebel
Lauch, Porree
Perlzwiebel
Knoblauch
Schnittlauch
Schnittknoblauch, Knolau, Chinesischer Schnittlauch
Lippenblütler – Lamiaceae
Knollenziest
Malvengewächse – Malvaceae
Krause Gemüsemalve
Nachtschattengewächse – Solanaceae
Melanzani, Aubergine, Eierfrucht
Paprika und Chili
Paradeiser, Tomate
Tomatillo
Andenbeere, Kapstachelbeere
Erdapfel, Kartoffel
Portulakgewächse – Portulacaceae
Sommerportulak, Gemüseportulak
Riedgrasgewächse – Cyperaceae
Erdmandel
Sauerkleegewächse – Oxalidaceae
Oca, Knolliger Sauerklee
Spargelgewächse – Asparagaceae
Spargel
Süßgräser – Poaceae
Zuckermais und Popcorn
Service-Teil
Über die Herausgeber und AutorInnen
Weiters haben am Buch mitgewirkt
Biologische Züchtungsfirmen, deren Sorten im Buch angeführt sind
Verfügbarkeit der beschriebenen Sorten
Verwendete Literatur und Quellen sowie Literaturempfehlungen
Bezugsquellen für Saatgut und Zubehör
Organisationen, die Kulturpflanzenvielfalt erhalten
Biologisches Saatgut – Züchtung, Vermehrung und Handel
Handel mit biologischem Saatgut
Organisationen, die sich politisch für Kulturpflanzenvielfalt engagieren
Informationen über ökologisches Saatgut im Internet
Informationen über Gentechnik in der Landwirtschaft
Informationen und Untersuchungen zu Pflanzengesundheit
Kulturpflanzen-Schaugärten
Werkzeug und Biodünger für Biogärtner
Nützlinge und Bestäuberinsekten
Gärtnereibedarf (Kulturschutzgitter, Abdeckvlies, Rankgitter u.a.)
Bezug von und Information zu biologisch-dynamischen Präparaten
Fruchtfolge – was ist das eigentlich?
Wenn Pflanzen zu früh in Blüte gehen: Das Schossen
Wie kommt der Stickstoff im biologischen Anbau in den Boden? Leguminosen und ihre Helferleins
Nitrat – kann auch im Hausgarten ein Problem werden
Das Hügelbeet – ideal für Starkzehrer in neu angelegten Gärten
Das Hochbeet
Kuhlenkompost und Rollkompost
Schnecken im Bio-Garten
Mistbeet: Darf’s ein bisserl wärmer sein?
Anleitung für einen Minitunnel
Wie warm ist mein Boden? Vom Nutzen eines Bodenthermometers


Liebe Gartenfreundin, lieber Gartenfreund!
Es ist ein besonderes Vergnügen, das Vorwort für ein bald erscheinendes Buch verfassen zu dürfen – zumal, wenn es sich um ein so lange erwartetes Werk wie das Handbuch Bio-Gemüse handelt.
Für mich ist diese Publikation ein Symbol für die Wirkungsweise des ARCHE NOAH Netzwerks, das seit der Gründung der ARCHE NOAH vor 20 Jahren beständig weiter gewachsen ist. Es besteht aus vielen Menschen, die ideell und auch ganz praktisch die Vielfalt fördern und mit unseren Nahrungspflanzen respektvoll zusammenarbeiten. Viele dieser ARCHE NOAH ErhalterInnen haben ihre Erfahrungen für dieses Buch zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken – auch bei der Autorin Andrea Heistinger, die alle Angaben auf Grundlage ihres eigenen umfangreichen Gartenwissens zusammengestellt und in Form gebracht hat.
Wir hoffen, Ihnen mit dem Handbuch Bio-Gemüse ein Werk zur Verfügung stellen zu können, das fundiert den Stand des Wissens wiedergibt, gleichzeitig aber auch dem lebendigen Erfahrungswissen den ihm zustehenden Stellenwert einräumt. Wenn das Buch dazu beiträgt, dass viele Menschen in ihren Gärten und auf ihren Äckern die Vielfalt unserer Kulturpflanzen kultivieren, erhalten und entwickeln und daraus Nutzen und Genuss hervorgehen – dann ist unser Ziel erreicht.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem Buch!
Beate Koller
ARCHE NOAH Geschäftsführerin
Ein Gartenbuch schreiben ... oder vom Netzwerken und Teamworken
Vorwort und Dank der Autorin
Mit diesem Buch habe ich versucht, mein Verständnis und meinen Zugang zu Gärten in Buchform umzusetzen: Für mich sind Gärten Freiräume jenseits eines unmittelbaren Verwertungszwanges; Orte, die voller inspirierender Widersprüche und Kontinuen sind. Gärten sind produktiv; das Gärtnern macht den Kopf frei und gibt gleichzeitig Denkanstöße. Gärtnern ist manchmal lustvoll, manchmal anstrengend, immer ist man beim Gärtnern in Bewegung.
Dieses Buch war Teamwork. Teamwork im besten Sinne. Als Autorin war ich die Choreographin des Buches. Doch ein Gartenbuch mit dem Ziel, Vielfalt zu porträtieren, kann niemand alleine schreiben. Peter Zipser, Franziska Lerch von Arche Noah und Peter Lassnig, erfahrener Biogärtner aus der Gärtnerei Ochsenherz bei Wien, haben die Texte gegengelesen und ihre eigenen Erfahrungen eingebracht. Einzelne Texte haben Kooperationspartner der Arche Noah gegengelesen – vielen Dank für Euer Engagement und Eure unterstützende Kritik, auch in Zeiten, in denen ihr alle Hände voll zu tun hattet. Für dieses Buch habe ich viele Gemüsegärtner und -gärtnerinnen auf die Bühne der Texte gebeten, habe vieles recherchiert, viele Informationen aus dem Fundus und den Datenbanken der Arche Noah zusammengetragen. Ich verstand meine Aufgabe darin, die einzelnen Beiträge zu einem Ganzen zu ordnen und eine innere Logik in das Gesamtstück zu bringen. Doch was ist Inhalt ohne Form? Was ist das faszinierendste Gartenbuch ohne eine Lektorin, die genau liest, ohne eine engagierte Verlagsbetreuung, ohne klare und freundliche Grafik? Auf dem letzten Stück des Weges haben viele noch tatkräftig mitgeholfen – ein herzliches Dankeschön!
Ich hoffe, es ist mir und uns geglückt, ein Buch auf die Welt zu bringen, das gleich viel Nutzen wie Freude stiftet und bei aller Orientierung, die es geben möchte, auch Freiräume schaffen kann für neue Wege des Gärtnerns und trotz aller Antworten auch zu neuen Fragen inspiriert.
Die Arbeiten an diesem Buch wären nicht möglich gewesen ohne die große Unterstützung meines Mannes Gebhard Kofler und unseres Sohnes Fortunat. Die Texte entstanden zum Großteil während seines siebenten bis vierzehnten Lebensmonates. Dass er nichtsdestotrotz Gemüse liebt – als Spielzeug und auf dem Teller – erscheint mir gar nicht so selbstverständlich. Einige Fotos in diesem Buch zeugen davon. Auch allen anderen in unserem familiären und freundschaftlichen Netzwerk, die uns in der intensiven Phase des Schreibens unterstützt haben, sei herzlich gedankt, allen voran meiner Mutter Margret Heistinger.
Andrea Heistinger
Dank an
• Pat und Marcus Meier, die das Entstehen dieses Buches ermöglicht haben
• Markus Hatzer und seinem Team vom loewenzahn verlag, insbesondere Eva Simeaner für ihr kritisches, neugieriges und ermutigendes Gegenlesen der Texte und Anita Winkler für die tolle und geduldige Betreuung sowie Judith Eberharter für die feine und klare Gestaltung des Buches
• Franziska Lerch, Peter Lassnig und Peter Zipser für ihr kritisches Fachlektorat neben all der anderen Arbeit, die in dieser Zeit angefallen ist den vielen Arche Noah-ErhalterInnen, die mit
• den vielen Arche Noah-ErhalterInnen, die mit ihrem Erfahrungswissen zu diesem Buch beigetragen haben
• allen, in deren Gärten und Äckern wir fotografieren durften und die uns Gemüse zur Verfügung gestellt haben
• allen, die Rezepte für einzelne Gemüse beigesteuert haben
• dem Gemüseberatungsteam von Bio-Austria, insbesondere Elfriede Stopper für das Zur- Verfügung-Stellen zahlreicher Erfahrungsberichte aus dem Bio-Gemüsebau in Österreich
• Reinhild Frech-Emmelmann, Wolfgang Palme und Thomas Gladis, die uns viele gemüsebauliche Fragen und Fragen der botanischen Systematik beantwortet haben und dies stets umgehend
• vielen weiteren KollegInnen und PartnerInnen, die uns mit Rat und Tat beim Schreiben unterstützt haben, insbesondere Birgit Vorderwülbecke und Michael Suanjak vom Arche Noah Sortenarchiv
• Stefan Emmelmann und Markus Zuber für ihren Einsatz, die Pflanzen mit Zeichenstift und Kamera zu porträtieren
• den Gärtnerinnen und Gärtnern der Vergangenheit, welche die Sortenvielfalt hervorgebracht haben, von der dieses Buch handelt
Früchte für die Sortenfotos haben uns zur Verfügung gestellt
Reinhild Frech-Emmelmann, Bernd Horneburg, Peter Lassnig, Wolfgang Palme, Johann Peitl, Reinhard Seitner, Karl Schardax, Erich Stekovics, Monika und Walter Stockenhuber, Amadeus Tschunke
Die Aufnahmen entstanden in folgenden Gärten und Anlagen
• Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Schönbrunn, Außenstelle Zinsenhof, Österreich
• Schaugarten der Arche Noah, Schiltern, Österreich
• Vermehrungsgarten der Arche Noah, Langenlois, Österreich
• Gärtnerei Ochsenherz, Gänserndorf, Österreich
• Saatzucht ReinSaat, St. Leonhard am Hornerwald, Österreich
• Paradeishof Stekovics, Frauenkirchen, Österreich
• Saatzucht Sativa, Rheinau, Schweiz
• Schlossgarten Wildegg, Wildegg, Schweiz
• Schlossgarten Prangins, Prangins, Schweiz
• Samengärtnerei Zollinger, Les Evouettes, Schweiz
• Edith und Robert Bernhard, Vinschgau, Italien
• Soizig Paget, Diendorf am Kamp, Österreich
• Andrea Heistinger und Gebhard Kofler, Schiltern, Österreich
• Traude Strohhofer, Schiltern, Österreich
• Marc Bosse, Schiltern, Österreich

Hausgärten – wo Gemüse wächst, kann man auch die Seele baumeln lassen.
Rezepte haben beigesteuert
Karina Bartmann, Andrea Heistinger, Margret Heistinger, Nadia Karimy, Hans Reisinger, Eva Simeaner, Gärtnerei Ochsenherz, Nottl, Karl Volgger, Edith Wallner, Ludwig Watschong, Irene Weinfurter, Peter Zipser
Erfahrungen aus ihrer Gartenpraxis haben uns geschrieben
Traude Banek, Edith Bernhard, Ermelinde Elixhauser, Erich Gerencser, Thomas Gladis, Martina Haselsberger, Gerlinde Hochreiter, Annegret Hottner, Annette Hofmann, Gregoria Hötzer, Claudia Kaufmann, Margit Lamm, Klaus Lang, Peter Lassnig, Franziska Lerch, Anja Meckstroth, Walter Scharler, Helmut Schönthaler, Reinhard Seitner, Raimund Sobotka, Walter Stockenhuber, Norbert Ullrich, Frank van Keirsbilck, Edith und Marlies Wallner, Roland Wüst

Über dieses Buch
Dieses Buch erscheint aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Vereins Arche Noah. Seit 20 Jahren wird im Netzwerk Arche Noah die Vielfalt samenfester Sorten in den Gärten und auf den Äckern der Mitglieder angebaut, gepflegt, weitervermehrt, ausgetauscht, zu köstlichen und frischen Gerichten aus dem Garten zubereitet und auf Märkten jenen Menschen angeboten, die keinen Garten ihr Eigen nennen.
Der Verein Arche Noah wurde 1990 auf Initiative von Hausgärtnerinnen und Hausgärtnern sowie Bäuerinnen und Bauern gegründet, die damit konfrontiert waren, dass Sorten, die sich im Anbau bewährt hatten, nicht mehr erhältlich waren. Es war eine Zeit, in der kleine Saatgutfirmen ihre Pforten schlossen und der Fortschrittsmythos Einzug hielt in das Sortiment der größeren Saatgutfirmen. Eine Zeit, in der regional bewährte Sorten zügig durch Hybridsorten und andere Hochleistungssorten für den Erwerbsanbau ersetzt wurden und von den Sortenlisten gestrichen wurden. Nancy Arrowsmith und andere ergriffen die Initiative und gründeten die Sortensammlung der Arche Noah, die seit 1994 im Schaugarten der Arche Noah in Schiltern – an der Grenze zwischen Waldviertel, Weinviertel und der Wachau – angebaut wird.
Seither hat nicht nur die Idee, Sortenvielfalt zu erhalten, viele Menschen angezogen. Für viele Gärtnerinnen und Gärtner sind die Sammlung, die Beratungstätigkeit und das Engagement der Arche Noah zur Basis ihres eigenen Gärtnerns, ihres eigenen landwirtschaftlichen Betriebes oder ihres Kochens – sowohl in der eigenen Küche wie auch in der Gastronomie – geworden.
Viele dieser Menschen haben in der einen oder anderen Form einen Beitrag für dieses Buch geleistet. Die Sammlung der Arche Noah und die Erfahrungen der Arche Noah GärtnerInnen sind auch die Basis für dieses Buch. Arche Noah Gärtnerinnen und Gärtner haben uns Früchte für die Sortenfotos zur Verfügung gestellt, haben uns besondere Erfahrungen mit einzelnen Sorten oder auch aus ihrer Bio-Gartenpraxis geschrieben, haben Rezepte für die Zubereitung zur Verfügung gestellt. Ihnen allen sei auch an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.
Das Buch entstand im kurzen Zeitraum von zwei Jahren. In dieser Zeit haben wir versucht, die Vielfalt von annähernd 100 Gemüsearten und den biologischen Anbau im Hausgarten in Bild und Wort zu beschreiben. Ein Zeitraum, der viel zu kurz erscheint, um das Wissen um die Vielfalt zusammenzufassen. Wir können in diesem Buch hunderte von Gemüsesorten in Wort und Bild zeigen. Und trotzdem: Findige Gärtnerinnen und Gärtner, die Experten für die eine oder andere Kulturart sind, werden da und dort auch Lücken entdecken. Und das ist gut so. Denn Kulturpflanzenvielfalt lässt sich nicht auf den einen richtigen und vor allem nicht auf den einen endgültigen Punkt bringen. Kulturpflanzenvielfalt ist widerspenstig, nie vollständig und immer in Veränderung, solange sie von Menschen in Kultur genommen, gehütet und verwandelt wird. Letztlich lässt sie sich nicht in zwei Buchdeckel pressen. Auch das ist gut so. Doch wir haben eine klare Vision vor Augen: Dass dieses Buch einen Beitrag dazu leisten kann, dass ausgehend von den Gärten dieser Welt samenfeste Sorten und biologischer Anbau weiter in die Welt getragen werden. Das eine bedingt das andere – keine samenfesten Sorten ohne biologischen Anbau und kein Bio-Anbau ohne samenfeste Sorten.
Wo finde ich was
Das Buch ist in einen Einleitungsteil, einen Kernteil und den Serviceteil gegliedert.
Die Kapitel zu den einzelnen Gemüsearten folgen einem einheitlichen Aufbau: Einem Kurzporträt der Kulturpflanze folgt ein Steckbrief, wann ausgesät, gepflanzt und geerntet werden kann. Dann folgen die wichtigsten Angaben zu den Ansprüchen an Boden, Wasser, Nährstoffen, Pflanzengesundheit und Pflege der Pflanzen, Hinweise zur Kultivierung auf dem Balkon, Tipps und Erfahrungen von Arche Noah GärtnerInnen, die Beschreibung der Sortenvielfalt sowie Sortenbeschreibungen und schließlich Rezepte und allgemeine Hinweise zum biologischen Anbau im Hausgarten. Bei den Sortenbeschreibungen sind jene Sorten, die mittels Foto im Buch anschaulich gemacht werden, mit einem * gekennzeichnet.
Die botanische Terminologie wurde übernommen aus Zander: Handwörterbuch der Pflanzennamen (1993) und Mansfeld’s World Database of Agricultural and Horticultural Crops.
Alle Sorten, die wir beschreiben, sind auch erhältlich – entweder im Netzwerk der Arche Noah oder bei einer anderen Initiative, die biologische und samenfeste Sorten anbietet. Die meisten Sorten stammen aus Österreich (Firma ReinSaat, Gärtnerei Ochsenherz), Deutschland (Bingenheimer Saatgut, Verein Dreschflegel) und der Schweiz (Sativa Rheinau, Pro Specie Rara und Samengärtnerei Zollinger). In Ausnahmefällen haben wir auch Sorten von Firmen aus dem angloamerikanischen Raum angegeben, die über das Internet bestellt werden können.
Hinweis zu den Arche Noah Sorten
Alle Sorten, die wir beschreiben, sind samenfeste Sorten. Wir beschreiben historische Sorten und Sorten aus der jüngeren biologischen Züchtung, die für den Anbau im Hausgarten interessant sind. Viele der Sorten aus dem Arche Noah Sortenarchiv haben wieder zurück in das Angebot von Saatgutfirmen gefunden, bei diesen Sorten ist sowohl Arche Noah wie auch die Saatgutfirma, bei der bestellt werden kann, angegeben. Nicht alle Arche Noah Sorten sind direkt im Büro der Arche Noah erhältlich. Viele von ihnen werden im Arche Noah-Netzwerk vom einen oder der anderen Gärtnerin angebaut und über das Arche Noah Sortenhandbuch (sortenhandbuch.arche-noah.at) angeboten. Diese Sorten können direkt bei den einzelnen AnbieterInnen bestellt werden. Dann gibt es Sorten, die im Sortenarchiv der Arche Noah eingelagert sind und immer dann wieder angebaut und vermehrt werden, wenn es notwendig ist, um die Keimfähigkeit der Sorte zu erhalten. Von diesen Sorten wird dann im Jahr der Vermehrung überschüssiges Saatgut abgegeben. In anderen Jahren kann es sein, dass kein Saatgut verfügbar ist.
Über das Gärtnern
Es gibt viele Aspekte und Facetten des Gärtnerns, auf die wir in diesem Buch aus Platzgründen nicht eingehen können. Doch auf den kommenden Seiten beschreiben wir einige Grundlagen des biologischen Gemüsegärtnerns. Viele weitere Hinweise haben wir bei den einzelnen Kulturarten eingearbeitet.
Es ist eine der schönsten Seiten des Gärtnerns, dass man eigentlich einfach losstarten kann, die Fragen stellen sich dann von selber mit der Zeit, einige recht unmittelbar, andere später. Ein genaues Beobachten der Pflanzen, der Gartentiere und des Bodens und der Wechselwirkung zwischen ihnen, das ist eine der schönsten Herausforderungen des Gärtnerns. Stets jedoch ist ein Garten flexibel, er verzeiht kleine Nachlässigkeiten und größere Missgeschicke. Je besser man den eigenen Garten kennt und je länger man ihn biologisch kultiviert, umso lebendiger wird der Garten und umso größer seine Selbstregulierungskraft. Ein belebter Garten lässt viele Probleme gar nicht erst recht groß werden – sei es, dass Marienkäfer innerhalb weniger Tage einer Blattlaus-Population den Garaus machen, sei es, dass ein reichliches Bodenleben Schadpilze erst gar nicht aufkommen lässt oder ein humusreicher Garten uns GärtnerInnen einen Teil der Gießarbeit abnimmt, weil Humus besonders viel Wasser speichern kann.
Biologisch gärtnern, was sonst?
Für viele HausgärtnerInnen ist es selbstverständlich, dass sie ihren Garten biologisch bewirtschaften, auch wenn sie dies nicht extra betonen. Erfahrene Bio-Gärtnerinnen und Bio-Gärtner wissen, dass biologisches Gemüse frisch aus dem Garten unvergleichlich gut schmeckt. Viele Studien, die konventionelles und biologisches Obst und Gemüse verglichen haben, bestätigen diese Erfahrungen: Biologisch kultiviertes Gemüse hat deutlich mehr Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Da Bio-Gemüse nicht mit chemisch-synthetischen Düngemitteln getrieben wird, schmeckt es intensiver und ist haltbarer (z.B. Rote Rüben und Erdäpfel um bis zu 50 %). Bio-Gemüse speichert deutlich weniger Nitrat, enthält weniger Schwermetalle und hat keine Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. In der Schweiz gibt es seit beinahe 30 Jahren einen Langzeitversuch, der die biologische und die biologischdynamische Wirtschaftsweise mit der konventionellen vergleicht (den so genannten DOKVersuch). Ein klares Ergebnis dieses Versuchs ist auch, dass der biologisch-dynamische Landbau die größte Bodenfruchtbarkeit hervorbringt. Ein Vergleich der Erträge ergab 20 % geringere Erträge bei ökologischen Anbausystemen gegenüber konventionellen, obgleich der Einsatz von Düngemitteln und Energie um 34–53 % und der von Pestiziden um 97 % geringer war. Man rechnet im Bio-Landbau durchschnittlich mit 20 % weniger Ertrag verglichen mit dem konventionellen Landbau. Doch neben den vielen genannten Geschmacks- und Inhaltsstoff-Aspekten muss man sagen, dass im Bio-Landbau rund 50 % weniger Dünger und fossile Energie eingesetzt werden. Bio-Landbau ist daher auch aus der Perspektive des Energie-Einsatzes die effizienteste Methode, Land zu bebauen. Biologisch kultivierte Pflanzen können das Bodenleben gut als Ressource nutzen, sie gehen Symbiosen mit Rhizobien-Bakterien und Mykorriza-Pilzen ein, die gezielt Nährstoffe für sie erschließen können. So kann Stickstoff in einem Bio-Garten auf dreierlei Art und Weise für die Pflanze verfügbar werden: Durch Einträge aus der Atmosphäre, durch die Stickstoff-Fixierung durch Leguminosen und durch die laufende Mineralisation der organischen Substanz – so wird aus jeder abgestorbenen Pflanze wiederum die Nahrungsgrundlage für die Pflanzen, die gerade im Garten wachsen. Die Arbeit der Regenwürmer, Bodenpilze, Bakterien und übrigen Mikroorganismen geht Hand in Hand. Da diese Organismen in Bio-Böden aktiver sind, werden zugeführte Nährstoffe (z.B. in Form von Kompost oder Ernterückständen) rascher wieder abgebaut und pflanzenverfügbar und es wird gleichzeitig Humus aufgebaut. In Bio-Böden leben um 50–80 % mehr Regenwürmer als in konventionell bewirtschafteten Böden. Das ist nur eine Zahl aus einer Fülle von Untersuchungen, die belegen, dass Bio-Landbau die Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit fördert.
Kräuter, Blumen und Gemüse ergänzen einander.
Der Kulturpflanzenforscher Peer Schilperoord postuliert, dass Pflanzen ein Recht darauf hätten, biologisch kultiviert zu werden. Er konnte in einigen Arbeiten zeigen, dass der Einsatz von stickstoffhaltigem Kunstdünger dazu führt, dass die Differenzierungs- und die Reifeprozesse der Kulturpflanzen sich nicht voll entfalten können.
Ich und mein Garten – einige Hinweise für NeogärtnerInnen
Wer einen Garten neu anlegt, braucht zunächst vor allem eines: Geduld. Gerade in den ersten Jahren ist es sehr wichtig, den Standort des Gartens gut kennen zu lernen und die Vorrausetzungen des Gärtnerns einschätzen zu können. Wichtig ist es zunächst, ein Gespür für den Boden zu bekommen – ist er leicht und sandig oder eher schwer, steinig oder tiefgründig (→ Über den Boden). Es kann auch sein, dass es kleine oder große Unterschiede in der Beschaffenheit des Bodens innerhalb des Gartens gibt. Ein Gemüsegarten sollte an der sonnigsten Stelle im Garten angelegt werden, gleichzeitig möglichst nahe am Haus und leicht erreichbar.

Schaugarten der Arche Noah in Schiltern (Niederösterreich)
Wer einen Gemüsegarten – z.B. nach dem Neubau eines Hauses – neu anlegen will, sollte darauf achten, dass während der Bauphase Erdhügel nicht unabgedeckt sind. Auf dem offenen Boden keimen innerhalb kürzester Zeit Unkräuter, die sich wiederum rasch versamen. Und „Unkraut-vergehtnicht“: Die Samen vieler Unkräuter bleiben über Jahre, manche bis Jahrzehnte keimfähig im Boden. Wer neu ins Gärtnern einsteigt, ist gut beraten, einmal kleiner anzufangen und dann von Jahr zu Jahr die Anbauflächen zu vergrößern. Es braucht Zeit, bis man den Boden und die eigenen Vorlieben kennen lernt, bis man ein Gespür dafür bekommt, welche Kulturarten an diesem Standort gut gedeihen und welchen es hier nicht behagt, welche und wie viel Pflege die einzelnen Kulturarten brauchen, wann der Garten viel Aufmerksamkeit benötigt und wann weniger. Wenn man einen Garten neu anlegt, kann man auch einen Teil der Beete mit einer einjährigen oder zweijährigen Gründüngung einsäen, die den Boden gut durchwurzelt und belebt. Ebenso eine gute Kultur, um eine Wiese in Gartenland umzuwandeln sind Erdäpfel (allerdings nicht für Beete, auf denen im Folgejahr Paradeiser angebaut werden sollen). Was die Witterung anbelangt, ist man gut beraten, Bäuerinnen und Bauern der Gegend zu befragen.
Wie groß soll mein Gemüsegarten sein?
Es gibt einige Richtwerte, wie viel Anbaufläche man im Durchschnitt braucht, damit der ganzjährige Gemüsebedarf einer Person teilweise, weitestgehend oder vollständig aus dem Garten gedeckt werden kann. Erfahrungswerte für die Größe eines Nutzgartens sind in untenstehender Tabelle zusammengefasst. Doch letztlich ist die Fruchtbarkeit des Gartens entscheidend, wie viel Gemüse pro Fläche geerntet werden kann. Und daneben gibt es das subjektive Maß, wie viel Gemüsegarten genug für mich ist: Wie viel Arbeit macht mir Spaß? Bis wann ist die Gartenarbeit eine wohltuende Bereicherung und ab wann wird sie zur Belastung? Dies kann von Jahr zu Jahr genauso verschieden sein wie in einzelnen Lebensphasen. Und wenn man oder frau gerade das Haus voller kleiner Kinder hat, ist frisches Gemüse aus dem Garten zwar gerade besonders gefragt und auch Kinder haben ihre Freude, wenn sie im Gemüsegarten herumtollen und ernten können … trotzdem: Viele der üppigen und wunderschönen Gemüsegärten werden von Frauen und Männern bewirtschaftet, deren Kinder schon außer Haus sind und die gerade auch viel Zeit haben, sich dem Garten zu widmen.
Checkliste für einen Bio-Gemüsegarten
• Welchen Boden habe ich?
• Wann ist mit den letzten Frösten im Frühling zu rechnen?
• Wann mit den ersten Frösten im Herbst?
• Wie verlaufen die Tages-, wie die Nachttemperaturen im Laufe des Gartenjahres?
• Wie hoch sind die durchschnittlichen Jahresniederschläge?
• Gibt es für die Region typische Trockenzeiten und wie verteilen sich die Niederschläge über die Monate?
• Wie gieße ich den Garten? Kann ich mit Regentonnen Dachwasser sammeln?
• Wer gießt den Garten, wenn ich auf Urlaub fahre – die Nachbarn oder eine automatische Bewässerung?
• Hat sich die Witterung in der Region in den letzten Jahren verändert?
• Soll der Gemüsegarten den Großteil des Bedarfs an Gemüse, Obst und Kräutern decken oder einen kleineren Teil?
• Wie viel Zeit habe ich fürs Gärtnern?
• Habe ich eine Bezugsquelle für Mist und/ oder Kompost?
• Braucht mein Garten einen Zaun?
• Habe ich die Möglichkeit, Jungpflanzen vorzuziehen?
• Haben Nützlinge genügend Unterschlupfmöglichkeiten in meinem Garten?
• Habe ich gutes Gartenwerkzeug?
| Größe des Nutzgartens pro Kopf und Nase | |
| teilweise Selbstversorgung: Gemüse und Kräuter, Beeren und Obst inklusive Wege und Kompostflächen | 25 m2 pro Person |
| weitgehende Selbstversorgung | 70 m2 pro Person |
| vollständige Selbstversorgung | 170 m2 pro Person. Davon 20 m2 Gemüse für den Frischverzehr, 40 m2 Lagergemüse und Erdäpfel, 100 m2 für Beeren, Äpfel, Birnen, Nüsse etc. und 10 m2 für Wege und Kompostflächen. |
Quelle: Natur im Garten 2000
Aussäen … in Vorkultur oder direkt ins Freiland
Die Vorkultur von Pflanzen kann aus einigen Gründen wichtig sein: Viele Pflanzen haben sehr hohe Keimtemperaturen, die wir ihnen in unseren Gärten gar nicht bieten können – oder erst zu einem viel späteren Zeitpunkt. Die Jungpflanzenanzucht im Haus oder im Gewächshaus ermöglicht eine Vorkultur der Pflanzen und die Pflanzen haben so einen Wachstumsvorsprung und können rascher beerntet werden. Einige Kulturarten wie Melanzani oder Paprika können bei uns ausschließlich über die Jungpflanzenzucht angebaut werden. Bei einer Aussaat im Freiland wäre ihre Kulturdauer so lange, dass die ersten Fröste früher als die ersten reifen Früchte dran wären. Viele Kulturpflanzen wie Salat oder Fenchel können vorgezogen oder direkt gesät werden. Beides hat Vorund Nachteile. Als Vorteil ist immer die Ernteverfrühung zu nennen. Weiters können so manche Schädlinge den bereits größeren Pflanzen nicht mehr so leicht zu Leibe rücken: Etwa Drahtwürmer bei Salatpflanzen oder auch Schnecken bei bereits größeren Gurken- oder Kürbispflanzen. Weiters werden einige vorgezogene Pflanzen wie Sellerie oder Fenchel 1- bis 2-mal pikiert (siehe unten), was jeweils ihr Wurzelwachstum anregt. Andererseits ist das Vorkultivieren eine zusätzliche Arbeit, benötigt einen hellen und warmen Platz, die Pflanzen müssen einige Tage vor dem Auspflanzen abgehärtet werden – also untertags ins Freie und in der Nacht wieder eingeräumt werden – und das Aussetzen ist für die Pflanze ein kleiner Kulturschock. Anders, wenn sie im Freiland von der Keimung an heranwachsen. Diese Pflanzen konnten sich von klein auf an niedrige Nachttemperaturen, an den Wind und an intensive Sonneneinstrahlung gewöhnen. Und: Sie bilden ein anderes – tiefer gehendes – Wurzelsystem aus und sind weniger auf die Gießfreudigkeit der Gärtnerin oder des Gärtners angewiesen. So reichen die Wurzeln von direkt gesätem Salat bis zu 60 cm in die Tiefe, jene von gesetztem nur ca. 30 cm (→ Zeichnung). Aus diesem Grund stresst direkt gesäte Pflanzen Trockenheit nicht so schnell und sie sind schossfester. Die Direktsaat ist bei den meisten Kulturarten nur auf unkrautarmen Böden möglich. Nur Schnellstarter können, wenn sie bereits bei tieferen Temperaturen rasch wachsen können, dem Unkraut davon wachsen. Die Vor- und Nachteile der Vorkultur und Direktsaat sind bei den einzelnen Kulturarten angegeben.
Kleines 1 x 1 der Vorkultur
Die Aussaat
• Jede Kulturpflanze hat eine optimale Keimtemperatur und eine Mindestkeimtemperatur. Bei der optimalen Keimtemperatur keimen die Samen am raschesten und viele Auflaufkrankheiten (meist Pilze, die die kleinen Pflänzchen befallen und rasch hinwegraffen), haben keine Chance, die Pflanzen wachsen ihnen einfach davon. Unterhalb ihrer Mindestkeimtemperatur keimen Samen nicht. Einfache Hilfsmittel, um den Samen genügend Wärme für die Keimung bereitstellen zu können: Aufstellen der Aussaatschalen über einer Wärmequelle wie einem Heizkörper oder einem Kachelofen (allerdings Vorsicht vor dem Austrocknen – am besten mit einer Sprühflasche immer wieder leicht befeuchten). Im Fachhandel erhältlich sind Heizmatten für die Jungpflanzenanzucht, die man genau regulieren kann. Für Pflanzen mit besonders hohen Keimtemperaturen wie Melonen oder Melanzani tun diese Matten gute Dienste (ebenso Heizmatten aus dem Zoofachhandel für Haustiere).
• Neben der Temperatur braucht ein Samen zunächst Feuchtigkeit, damit die Keimprozesse in Gang kommen können. Ein keimendes Samenkorn darf niemals austrocknen, es darf aber auch nicht zu lange im Wasser liegen, sonst erstickt es.

Wer Platz sparen muss, kann Paradeiser auch dicht säen, aber jetzt rasch pikieren.
• Es gibt Samen, die nur keimen, wenn sie am Licht liegen, andere, die nur in der Dunkelheit keimen, und eine dritte Gruppe, die sowohl im Licht, wie auch in der Dunkelheit keimen kann. Ausgesprochene Lichtkeimer sind Salat, Kresse und Basilikum.
• Samen benötigen zum Keimen keinen Dünger. Die Nährstoffe, die sie brauchen, um den Keimprozess am Laufen zu halten, haben sie selbst gespeichert. Im Gegenteil: Keimlinge sind äußerst empfindlich gegen ein Substrat mit zu hohen Düngergaben, diese Salzkonzentration verätzt die feinen Würzelchen und bringt sie rasch zum Absterben oder verursacht Kümmerwuchs. Aussaaterde ist daher stets ungedüngt, Jungpflanzenerde hingegen schon leicht gedüngt.
• Viele Pflanzen können auch im Gewächshaus oder im Frühbeet in Saatkisten ausgesät werden.
• Die optimale Keimtemperatur gilt jeweils nur bis zur Keimung, danach müssen die Pflanzen kühler gestellt werden (auch diese Temperaturen sind bei den einzelnen Kapiteln angegeben). Schließlich müssen die vorgezogenen Pflanzen ja bald mit den kühleren Temperaturen im Freiland zurechtkommen (vor allem mit den größeren Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht).
• Wenn die Nährstoffe im Substrat aufgebraucht sind, müssen die Pflanzen zügig ins Beet gesetzt werden. Müssen die Pflanzen dann noch im Topf bleiben, werden sie „überständig" – sie zeigen Nährstoffmangelsymptome wie aufgehellte und vergilbte Blätter und neigen zum Schossen. Einige Pflanzen wie Gurken oder Melonen sind hier besonders empfindlich und erholen sich ein ganzes Pflanzenleben lang nicht mehr.
• Alle näheren Angaben siehe die einzelnen Kulturarten.

In die Aussaatschale wird zunächst Erde gefüllt, diese gut angepresst und mit einem feinen Strahl befeuchtet. Nach der Aussaat werden Dunkelkeimer leicht mit Erde übersiebt und Erde sowie Samen gut angedrückt, damit die Samen guten Kontakt zum Substrat haben.
Paprika Jungpflanzen reif zum Pikieren

Mit dem Pikierstab ein Loch in die Erde stupfen, die Wurzeln einkürzen und die Pflanze setzen; dann kommt das nächste Pflänzchen an die Reihe.

Paprika Jungpflanzen pikieren
Das Pikieren
• Die Jungpflanzen der meisten Gemüse werden pikiert. Als Werkzeug braucht man einen Pikierstab (→ Foto). Ein breiter Kugelschreiber oder eine alte, runde Nagelfeile können auch gute Dienste tun. Die kleinen Pflänzchen werden in Quickpots oder direkt in kleine Töpfe pikiert, die man bereits mit Jungpflanzenerde gefüllt hat.
• Die meisten Pflanzen können bereits 7-10 Tage nach dem Keimen pikiert werden – sie müssen jedenfalls pikiert werden, bevor sie sich gegenseitig Konkurrenz machen.
• Schwächere Pflanzen werden nicht pikiert, sondern kommen auf den Kompost. So ist das Pikieren auch gleichzeitig eine Auslese auf starkwüchsige und kräftige Pflanzen.
Und so wird’s gemacht:
• Pflanzen müssen zügig pikiert werden, keinesfalls dürfen sie aus der Erde genommen und dann an der Sonne liegen gelassen werden. Daher immer nur einige Pflanzen aus der Erde heben und diese gleich pikieren.
• Wie hoch oder tief die Pflanzen pikiert werden, hängt von der Kulturart ab: Salat, Fenchel und Knollensellerie dürfen keinesfalls zu tief pikiert werden, sie dürfen leicht umfallen. Alle Pflanzen, die am Stamm noch Wurzeln ausbilden können, werden tiefer gesetzt. Wichtig ist dies bei Paprika und Paradeiser. Durch das Pikieren bekommen die Pflanzen mehr Standraum und können sich ober- und unterirdisch kräftiger entwickeln. Zusätzlich wird durch das Einkürzen der Würzelchen das Wurzelwachstum angeregt. Besonders wichtig ist das bei Sellerie.
• Kürbisgewächse werden nicht pikiert, sondern direkt in größere Töpfe gesät. Bei frischem, gut keimfähigem Saatgut 1 Korn pro Topf, bei etwas älterem Saatgut 2–3 Korn und nur das Pflänzchen, das am raschesten gekeimt hat, stehen lassen.
• Nach dem Pikieren die Pflanzen gut angießen und nicht in die pralle Sonne stellen, idealerweise 2-3 Tage schattieren.

Reihensaat

Breitsaat

Horstsaat

1. Aussäen in den gelockerten Boden

2. Einrechen, danach gießen

Aussaat Karotte mit Schnüren und Platzhalter
Kleines 1 x 1 der Direktsaat
Eine Direktsaat von Gemüse ist nur auf unkrautarmen Flächen möglich. Durch eine Bearbeitung des Bodens ca. 2 Wochen vor der geplanten Aussaat kann man die im Boden wartenden Unkrautsamen zur Keimung anregen und die bereits gekeimten Unkräuter dann unmittelbar vor der Saat z.B. mit einer Pendelhacke in den Boden einarbeiten.
Es gibt drei verschiedene Formen, wie man Saatgut in die Beete ausbringen kann: als Breitsaat, als Horstsaat oder als Reihensaat (→ Zeichnungen). Die Unkrautbearbeitung ist bei Aussaaten in Reihen oder Horsten leichter möglich als bei einer Breitsaat. Die Aussaat in Horsten ist bei rankenden Pflanzen üblich, die z.B. um eine Stange herum ausgesät werden.
Und so wird’s gemacht:
• Saatbeet tief lockern
• mit dem Rechen einebnen
• Samen breitwürfig aussäen
• Samen einrechen und angießen (oder auf den Regen warten)
Kleines 1 x 1 des Auspflanzens von Jungpflanzen
Jungpflanzen werden idealerweise an einem schattigen Tag ausgesetzt. Dann verdunsten die Blätter automatisch weniger Wasser. Dort wo es möglich ist, entfernt man unmittelbar vor dem Setzen einen Teil der Blätter oder kürzt die Blätter um ein Drittel ein (z.B. bei Salat), um die Verdunstungsfläche zu reduzieren. Dies ist besonders wichtig bei Pflanzen, die aus einer Saatschale oder einem Saatbeet mit nackten Wurzeln in die Erde kommen. Vor dem Setzen werden die Ballen der Jungpflanzen noch einmal gut angegossen oder am besten gleich in ein Wasserbad gestellt. Starkzehrer stellt man am besten in eine (noch junge) Pflanzenjauche ein (→ Dünger aus dem eigenen Garten). Nach dem Setzen müssen die Wurzeln gut eingeschlemmt, also üppig gegossen werden.

Mit einem Pflanzholz ein ausreichend tiefes Setzloch im Beet vorbereiten. Die Jungpflanze aus dem Topf nehmen, setzen und zügig angießen.

Wenn in den Reihen die Pflanzen versetzt zueinander angebaut werden, kann man den Platz im Beet am besten ausnutzen.

Die Wurzeln des direkt gesäten Salats (rechts) gehen weiter in die Tiefe als bei gepflanztem Salat (links).

Pflanzen brauchen über und unter der Erde genügend Standraum, um gut gedeihen und gute Erträge liefern zu können. Beim Säen und Setzen scheinen die Pflanzabstände oft zu groß, doch weniger an Pflanzen heißt oft mehr an Ertrag.

1. Ziehen der Reihen

2. Auslegen der Jungpflanzen

3. Einsetzen der Jungpflanzen

4. Angießen
Über das Gießen
Zur Versorgung der Pflanzen mit Wasser kann man fast genauso viel sagen wie über das Düngen. In den einzelnen Kapiteln ist daher diesem Thema auch jeweils ein eigener Absatz gewidmet. An dieser Stelle nur das Wichtigste: Das beste Gießwasser ist Regenwasser, dieses ist weiches Wasser und es versorgt die Pflanzen auch in der freien Natur. Am besten lässt es sich mit Regentonnen sammeln oder, wer die Möglichkeit hat, in Zisternen. Die Pflanzen freuen sich, wenn das Wasser nicht eiskalt, sondern bereits luftwarm ist. Besonders gilt das für kälteempfindliche Pflanzen wie z.B. Paprika. Nach dem Ansetzen müssen Jungpflanzen kräftig eingeschlämmt werden, damit sich rasch Feinwurzeln bilden können. Gesetzte Pflanzen so lange gut mit Wasser versorgen, bis sie einen ersten deutlichen Wachstumsschub machen – ein Zeichen, dass sie nun auch gut eingewurzelt sind. Dann zurückhaltender gießen, damit die Pflanzen angeregt sind, sich selbst mit Wasser aus dem Boden zu versorgen und ein kräftiges Wurzelsystem auszubilden. Aus diesem Grund gilt auch für alle Pflanzen: Besser weniger und dafür ausgiebiger gießen – meist ist zweimal die Woche ausreichend. Idealerweise so gießen, dass das Wasser langsam im Boden versickert (verrieselt) – auch hier ist der Regen das beste Vorbild. Bulgarische Gemüsebauern, die ab den 1950er Jahren den Gemüsebau ins Burgenland und nach Wien brachten, waren nicht nur für ihre guten Sorten bekannt, sondern auch für ihre ausgeklügelten Bewässerungssysteme. Dazu gehörte ein Anbau auf Beeten, die rundherum von einem Wall umgeben waren, der das Wasser zurückhielt. Auf diese Art wird keine Erde weggeschwemmt und das Wasser kann langsam verrieseln. Es dringt also so in den Boden ein, wie Regen in den Boden eindringt und versickert langsam. So werden die Wurzeln angeregt, dem Wasser nachzuwachsen. Wichtig ist eine ausreichende Wasserversorgung, wenn man Kompost oder Mist einbringt – dieser kann nur dann von den Bodenorganismen in den Boden eingearbeitet und umgesetzt werden, wenn der Boden ausreichend feucht ist. Sollte der Boden im Frühling trocken sein, vor dem Ausbringen des Düngers ausreichend gießen. Auch Gründüngung sollte bewässert werden, wenn der Regen ausbleibt. Sie bewurzelt dann den Boden intensiver und bildet mehr organische Masse.
Schließlich gehört zum Thema Gießen auch noch der Hinweis, dass Wasser besser im Boden bleibt, wenn der Boden regelmäßig gehackt wird. Dies mag aufs Erste erstaunlich klingen. Doch erfahrene Gärtnerinnen nennen dieses Phänomen: Einmal gehackt ist zweimal gegossen (→ Kohlrabi).
Gerade in Regionen mit geringen Niederschlägen ist eine Mulchschicht sehr empfehlenswert – sie hält das Wasser im Boden zurück und verhindert, dass Regen direkt auf dem Boden aufprasselt und der Boden erodiert. Auf schweren Böden muss sparsamer gegossen werden. Dies gilt vor allem für Gärtnerinnen und Gärtner, die automatische Bewässerungssysteme installiert haben: Wenn es regnet und es wird zusätzlich bewässert, kann es zu Staunässe kommen, die Pflanzen erleiden eine Wachstumsstock (weil ihre Wurzeln im Wasser stehen und nicht mehr atmen können).
Wer ein Gewächshaus im Garten hat, sollte dieses im Winter bewässern, auch hier, damit das Bodenleben ausreichend Feuchtigkeit hat. Im Herbst und über den Winter ist es ideal so zu wässern, dass es in etwa den Freilandbedingungen entspricht. Also wenn es draußen regnet, auch im Haus bewässern, dementsprechend wird im Herbst stark bewässert. Vor der ersten Bodenbearbeitung im Frühjahr ebenfalls den Boden langsam durchfeuchten und erst dann Mist oder Kompost einbringen.

Umgraben lockert den Boden, braucht viel Kraft und die Bodenorganismen müssen sich wieder neu ordnen.
Wenden oder nicht wenden – eine Grundsatzfrage der Bodenbearbeitung im Bio-Garten
Zur Frage, wie Gartenbeete idealerweise bearbeitet werden sollen, gibt es verschiedene Betrachtungsweisen. Während beim Umstechen des Gartens mit dem Spaten der Boden gewendet wird, bleibt die Bodenschichtung beim Lockern mit dem Sauzahn oder mit der Grabgabel erhalten. Dadurch wird auch das Bodenleben nicht durcheinander gebracht und so der Boden möglichst wenig in seinen Auf- und Abbauprozessen gestört. Kompost, Gründüngung und Ernterückstände werden maximal oberflächlich eingearbeitet, damit sie nicht unter Luftabschluss geraten und zu faulen beginnen, sondern durch Verrottungsprozesse in der obersten Bodenschicht (den obersten 5 cm, der sogenannten Rotteschicht) abgebaut und in der Folge in der Humusschicht wieder in den Boden eingebracht werden. Gleichzeitig dienen sie als Futter für die Regenwürmer. Seit ca. 20 Jahren gibt es immer mehr Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern, die ihre Äcker ohne Pflug bearbeiten. Diese Anbaumethode heißt auch „Minimale Bodenbearbeitung“. Wer allerdings einen schweren Boden hat und/ oder einen hohen Unkrautdruck, stößt mit einer nicht-wendenden Bodenbearbeitung an Grenzen. Schwere Böden sollten ab und zu umgegraben und mit kompostiertem Mist oder Kompost versorgt werden. Bei der nicht-wendenden Bodenbearbeitung im Garten wird der Boden mit der Grabgabel gelockert und danach mit einer Mulchschicht in den Winter geschickt. Im Frühling kommt dann unter der Mulchschicht ein feinkrümeliger Boden hervor, der sehr leicht zu bearbeiten ist.

Das Lockern mit der Grabegabel braucht weniger Kraft, der Boden wird nicht gewendet und das Bodenleben nur geringfügig gestört.

Der Sauzahn lockert bis in ca. 20 cm Tiefe.

Zuerst ein Beet längs, in einem zweiten Arbeitsgang quer lockern

Die Pendelhacke lockert den Boden und arbeitet Unkraut flach in den Boden ein.
Wer die Beete umgräbt, sollte dies erst spät im Jahr tun, wenn sich bei den dann niedrigen Temperaturen die Regenwürmer bereits in tiefere Bodenschichten zurückgezogen haben. Ist der Boden dabei sehr nass, wird gewartet, bis er leicht gefroren ist. Auch wenn viele Schnecken im Garten vorkommen, wird erst nach den ersten Frösten umgegraben (durch das Umstechen entstehen tiefe Spalten, die den Schnecken als Rückzugsort dienen können).
Werkzeuge im Bio-Garten
Das Thema Werkzeug im Bio-Garten ist insofern ein wichtiges, als gutes Werkzeug leider gegenwärtig nicht leicht erhältlich ist. Vieles, was angeboten wird, zum Teil auch hochpreisiges Werkzeug, ist entweder unpraktikabel oder kurzlebig oder völlig überflüssig. Gutes Werkzeug ist – bei entsprechender Pflege – langlebig, leicht und gleichzeitig robust und es muss nicht teuer sein. Wir beschreiben im Folgenden die Grundausstattung eines Bio-Gartens, mit der man aber vermutlich über viele Jahre gut über die Runden kommt.
Der Sauzahn
Der Sauzahn lockert den Boden, ohne die Bodenschichten des Mutterbodens umzudrehen, er erspart Zeit- und Arbeitsaufwand, dringt leicht und mit wenig Kraftaufwand in den Boden ein. In kürzester Zeit sind die Beete zur Neubestellung hergerichtet oder der Boden zwischen den Gemüsereihen oder auch in den Reihen gelockert. Der Sauzahn durchlüftet den Boden und regt die Bodenbelebung sowie die Nährstoffmineralisierung an. Auch Kompost und Zwischendüngung können oberflächig eingebracht werden. Er lässt Tau tiefer eindringen und durch die tiefer gehende Wurzelbildung werden festliegende Bodenmineralien aufgeschlossen.

Die Rad-Pendelhacke ist besonders bei größeren Anbauflächen im Einsatz.

Bis dicht an die Kulturen kann gearbeitet werden.

Ein traditionelles und bewährtes Gartengerät: die „Scher“
Die Pendelhacke
Das Gerät, das in keinem Bio-Garten fehlen sollte – es lockert gleichzeitig den Boden, jätet das Unkraut und arbeite das Unkraut oberflächlich in den Boden ein, so dass es gleichzeitig als Nahrung für die Bodenorganismen aufbereitet wird. Die Hacke besteht aus einem zweiseitig geschärften Messer, das waagrecht zum Boden montiert ist, allerdings nicht fix, sondern in einem Pendelgelenk. So arbeitet die Pendelhacke sowohl bei stoßender wie auch bei ziehender Arbeitsrichtung. Sie dringt dabei nur wenig in den Boden ein.
Bei wissenschaftlichen Untersuchungen an der Technischen Hochschule Zürich zeigte sich, dass mit der Pendelhacke unter geringstem Kraftaufwand der Boden gelockert werden kann: Im weichen Boden konnte bei gleichem Energieverbrauch der Versuchsperson eine rund zweimal so große Bodenfläche bearbeitet werden wie bei Verwendung einer Schlaghacke (Gartenhaue). Auch im harten Boden bleibt die Pendelhacke überlegen. Schwierig ist der Einsatz der Pendelhacke bei sehr steinigen Böden oder in Kombination mit einer Mulchdecke. Diese muss für den Bearbeitungsgang entfernt werden, außer es liegt nur noch eine dünne Schicht auf, dann kann diese oberflächlich mit der Pendelhacke eingearbeitet werden. Pendelhacken gibt es in verschiedenen Breiten und in einer weiteren Version: als Rad-Pendelhacke. Diese eignet sich für größere Anbauflächen von Gemüse. Im Hausgarten ist die einfache Pendelhacke ausreichend. Pendelhacken wurden für den Gemüse-Erwerbsanbau entwickelt und sind im Hausgarten ein wichtiges Werkzeug. Pendelhacken sind zudem langlebige und sehr günstige Arbeitsgeräte.

Pendelhacke groß (16 cm), klein (12 cm) und Schere

Dreizack, Gartenhaue und Sauzahn aus Kupfer (von PKS-Gartengeräte)

Bei gemulchten Kulturen lassen sich Unkräuter sehr leicht entfernen, am besten mit einer Handhaue.
Die Handhaue oder „Schere“
Es gibt verschiedene Formen von Handhauen. Die zwei wichtigsten Eigenschaften sind, dass sie leicht und scharf sind. Ähnlich wie bei der Pendelhacke arbeitet die Haue Unkräuter oberflächlich in den Boden ein und lockert gleichzeitig den Boden. Dazu muss die Haue so geformt sein, dass sie mit möglichst wenig Widerstand durch den Boden gleitet. Das Blatt muss daher möglichst schmal sein und ist zum Stiel leicht schräg gestellt. Handhauen sind mit verschieden großen Blättern erhältlich. Umgangssprachlich werden sie in Ostösterreich auch als „Scher“ bezeichnet, in Anlehnung an die Form der Bodenbearbeitung – der Boden wird oberflächlich „aufgeschert“.
Die Feldhaue
Die Feldhaue ist das Standardgerät im Hausgarten. Feldhauen sind aus Eisen oder Kupfer erhältlich. Eine gute Feldhaue sollte leicht sein (unter 1 kg), einen Stiel haben, der gut in der Hand liegt und ca. 120 cm lang ist. Mit der Feldhaue wird der Boden oberflächlich gelockert, werden größere Pflanzen, können verschiedene Substrate gut gemischt werden, Saatrillen gezogen werden und vieles mehr.

Eine Grabgabel tut auch beim Ernten gute Dienste.

Spaten und Grabgabel

Ein handliches Allround-Gerät: der Soil Scoup
Der Gartenspaten
Spaten sind wichtig, auch wenn man den Boden nicht immer umgräbt: Zum Pflanzen von Sträuchern, Stauden und Bäumen oder zur Kompostarbeit. Ein guter Spaten zeichnet sich durch einen kräftigen Schmiedestahl aus, der aus einem Stück geschmiedet wird, und: ein guter Spaten muss gleichzeitig leicht sein und eine scharfe Arbeitskante haben. Spaten gibt es in verschiedenen Ausführungen – schmälere Spaten, die weniger Krafteinsatz benötigen, sind im Handel oft als „Damenspaten“ erhältlich.
Die Grabgabel
Auch eine Grabgabel ist ein wichtiges Werkzeug im Bio-Garten. Mit der Grabgabel kann man Wurzelgemüse vorsichtig und ohne es zu verletzen ernten, den Boden lockern (einen festeren Boden auch umgraben) und den Kompost umsetzen. Gute Dienste leistet sie auch, wenn man Wurzelunkräuter aus dem Boden entfernen will.
Der Rechen
Einfache Rechen braucht man zum Herrichten (Einebnen) der Aussaatbeete, zum Zusammenrechen von Grasschnitt für eine Mulchdecke und sie eignen sich auch sehr gut, um Reihenaussaaten zu verdichten, damit die Samen gut Bodenanschluss haben (dazu den Rechen beinahe senkrecht in die Hand nehmen. So, dass die Zinken nicht den Boden lockern können, sondern nach oben zeigen.
Die Sense
Eine einfache Sense ist ein wichtiges Arbeitsgerät im Hausgarten. Auf den ersten Blick mag dieses Arbeitsgerät im Gemüsegarten überflüssig erscheinen. Aber wer einmal größere Mengen an Brennnessel für eine Jauch ernten oder eine Gründüngung mähen will, wird dankbar sein für das Gerät. Das Mähen mit der Sense ist einfach – vorausgesetzt die Sense ist scharf. Und: Sensen eignen sich sehr gut zum Mähen von Wiesen. Die Nachbarinnen und Nachbarn werden ihnen diese lautlose Art zu mähen danken. In Österreich gibt es mittlerweile Initiativen, die sich darum bemühen, das traditionelle Mähen mit der Sense und das Dengeln der Sense wieder vielen Menschen vertraut zu machen, siehe www.sensenmaehen.at.

Felco-Gartenschere

Handschaufel

Gartenhaue aus Kupfer (von PKS-Gartengeräte)
Der Soil Scoop
Der „Soil Scoop“ ist ein kleines, handliches Allround-Gerät, das aus den USA stammt (Scoop heißt soviel wie Schaufel oder Schöpfkelle). Der Soil Scoop hat einen kurzen Stiel, das Arbeitsblatt ist halbrund gewölbt, mit Spitze und gezahnten Seiten. Mit ihm kann man mühelos Pflanzlöcher graben oder aber auch gut in größeren Töpfen arbeiten. Die Spitze kann den Erdesack aufreißen, das Wurzelwerk der Pflanze von Erde säubern aber auch Unkraut jäten, Saatrillen ziehen, Erde zerklopfen etc. Und die gezahnten Seiten können den Wurzelballen abschneiden. Der Soil Scoop bewährt sich auch vorzüglich bei der Befüllung von Töpfen, da sich seine Rundung gut der Topfwandung anpasst und keine Erde daneben fällt. Außerdem kann man mit ihm Dünger streuen, Blumenzwiebel setzen usw.
Die Gartenschere
Eine gute Gartenschere braucht man auch im Gemüsegarten. Bei einer guten Gartenschere ist der Schnitt absolut scharf und die Klingen können jederzeit nachgeschliffen oder ausgetauscht werden. Ebenso wichtig ist, dass alle Ersatzteile nachbestellbar sind. Gute Gartenscheren sind bei einiger Pflege beinahe unverwüstlich. Die Bypass-Scheren (bei denen die Klinge beim Schneiden an der Gegenklinge bzw. -backe vorbeigleitet) sind ergonomisch und relativ leicht. Und: LinkshänderInnen brauchen eigene Gartenscheren, auch diese sind im Fachhandel erhältlich.

Weitere „Kleinigkeiten“ für die Gartenarbeit: Schere und Schnur kann man immer brauchen.
Die Kleinhaue
Eine Kleinhaue hat einen kurzen Stiel und ist neben der Gartenhaue das zweite Standartgerät vieler HausgärtnerInnen. Mit der Kleinhaue setzt man Jungpflanzen, zieht man Saatrillen, verdichtet nach der Aussaat die Saatrille (indem man sie umdreht) und kann in kleinen Beeten oder auch in Hochbeeten den Boden lockern.
Die Gartenhippe
Leichte, klappbare Messer mit schmaler, nur wenig gebogener Klinge. Ideal zur Veredelung, zum Säubern von Baumwunden, zum Blumenschneiden, Kräuterernten und für die Jause im Garten.
Das Thermometer
Wichtig fürs Frühbeet: Ein Maxima-Minima-Thermometer: zeigt an, wie kalt die Nacht und wie heiß der Tag war.
Der Regenmesser
Ein Regenmesser ist ein einfaches und praktisches Gerät: Allzu leicht lässt man sich von der gefallenen Regenmenge täuschen. Ein Regenmesser schärft das Auge dafür, wie viel Regen tatsächlich gefallen ist und ob der Garten bewässert werden muss oder nicht. Trotzdem ist es wichtig zu kontrollieren, ob der Boden ausreichend feucht ist. Gerade nach längeren Trockenzeiten braucht es einen lang anhaltenden Regen, damit das Wasser wirklich in tiefere Bodenschichten vordringt. Bei leichten Sommerregen ist der Boden oft nur oberflächlich feucht, aber die Pflanzenwurzeln stehen unter Umständen im Trockenen.
Zwei Gießkannen
Gewächshausgießkanne: Eine Gewächshausgießkanne bzw. Gießkanne für die Jungpflanzenanzucht ist klein und leicht und hat ein langes Gießrohr. Dadurch kommt das Wasser nur in einem feinen Strahl und nicht zu schwungvoll aus der Kanne, was bei noch kleinen Pflanzen wichtig ist. Das lange Gießrohr erleichtert das Gießen in weiter entfernten Bereichen oder nach oben. Eine Brause mit sehr feinen Löchern eignet sich besonders gut für das Angießen von Aussaat oder Jungpflänzchen. Eine besonders einfache und günstige Gießkanne für Aussaaten und Jungpflanzen kann man einfach selbst herstellen: Im Saatguthandel sind kleine Brauseköpfe aus Plastik erhältlich (meist unter der Bezeichnung „Flaschen-Bewässerungs-Hilfe“). Die Brauseköpfe einfach auf gebrauchte Pet-Flaschen schrauben.
Eine normale Gießkanne mit Aufsatz: Eine gute Gießkanne ist leicht. Idealerweise aus Kupfer oder auch aus einem festen Hartplastik.

Kulturschutznetze halten Schädlinge von den Kulturpflanzen ab.
Die Pflege der Gartengeräte
Wer länger Freude an seinen Geräten haben will, pflegt seine Gartengeräte: Nach jedem Gartentag von Erde säubern, wenn Erdklumpen an den Geräten haften, diese abwaschen. Ein bis zweimal im Jahr sollen die Geräte mit einem Pflegemittel eingelassen werden, idealerweise am Ende der Gartensaison, wenn die Geräte eingewintert werden. Ein sehr gutes und günstiges Pflegemittel ist Ballistol. Das Mittel ist vielseitig einsetzbar, vollständig biologisch abbaubar, verharzt nicht, pflegt, schmiert, desinfiziert und schützt vor Rost. Eine einfache Möglichkeit der Gerätepflege ist, einen Mauertrog Sand mit einem Schuss Öl zu mischen. Darin z.B. einmal im Monat die Geräte säubern. Der Sand entfernt die Erde, das Öl pflegt die Geräte.
Was im Garten sonst noch hilfreich ist:
• Aussaatschalen
• Schnüre
• Gartenvlies
• Kulturschutznetze
• Küchenschere
• Stecketiketten und Bleistift
• Schere
• Alte Regentonnen, Plastikeimer (für die Herstellung von Pflanzenjauchen)
• Federstahlstäbe
• Holzstäbe
• Rankgitter
• Bodenthermometer
• Scheibtruhe (Schubkarre)
Kulturschutznetze
Gegen viele Schädlinge gibt es im Bio-Garten ein ideales Mittel: Die Kulturpflanzen werden je nach Schädling gleich nach der Aussaat/dem Pflanzen oder spätestens ab einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Kulturschutznetz abgedeckt. Diese Kulturschutznetze sind im biologischen Erwerbs-Gemüsebau seit vielen Jahren erprobt und bewährt. Sie hindern Insekten daran, die Pflanzen anzusaugen, zu beißen oder auf ihnen ihre Eier abzulegen. Es gibt sie in drei verschiedenen Maschenweiten. Ein Kulturschutznetz, mit dem sich viele Schädlinge vom Gemüse abhalten lassen, hat eine Maschenweite von 0,8 mm und ein Gewicht von 85 g/m2. Bei einem Kulturschutznetz mit diesen Eigenschaften ist auch eine gute Belüftung der Kultur und eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit gewährleistet. Auch Vliesabdeckungen halten Schädlinge vom Gemüse ab, jedoch bringen sie auch eine Erwärmung mit sich. Vliese sind daher auf eine Anwendung im Frühjahr und Spätherbst beschränkt. Die Netze werden am Rand gut befestigt (Erdanker, Steine, Sandsäckchen). Ein Nachteil ist, dass das Kulturschutznetz für Pflege- und auch Erntearbeiten abgenommen und danach wieder gut befestigt werden muss. Ein Kulturschutznetz darf nicht zu fest gespannt sein, damit sich die Pflanzen unter dem Netz gut entwickeln können. Für kleine Flächen im Hausgarten haben sich auch feinmaschige (Maschen-weite 1 mm) und leichte (10 g/m2) Kulturschutznetze bewährt. Diese sind aber empfindlicher.
| Kulturart | Schädling | Maschenweite ≤ |
| RadieschenRettichRukola | Kohlerdfloh | 0,8 mm |
| BrokkoliKrautSteckrüben | KohlweißlingKohleule | 5 mm |
| Kohlgewächse | Kohlfliege | 2 mm |
| BrokkoliKarfiol | Kohldreherherzmücke | 0,8 mm |
| Zwiebelgemüse | LauchmotteZwiebelfliege | 2 mm |
| Lauchminierfliege | 0,8 mm | |
| Bohnen | Bohnenfliege | 1,8 mm |
| Karotte | Karottenfliege | 1,5 mm |
| SalatFeldgurke | Blattläuse | 0,5 mm |
Übersicht der Schädlinge, die mit einem Kulturschutznetz abgehalten werden können, und der erforderlichen Maschenweite (Quelle: Eigene Zusammenstellung nach Kühne et al. 2006.)
Kulturschutznetze halten die Feuchtigkeit besser am Boden, was in trockenen Gebieten/Perioden ein Vorteil sein kann, aber auch Krankheiten fördern kann. Bei Kohl kann das Kulturschutznetz etwa zur Mitte der Kulturdauer abgenommen werden, da die Schädlinge da bereits ihre Eier abgelegt haben. Bei bedecktem und kühlem Wetter im Spätsommer/Herbst das Netz jedenfalls abnehmen.
Dünger & Pflanzenstärkungsmittel aus dem eigenen Garten
Im Bio-Garten bewähren sich seit vielen Jahren verschiedene Pflanzen, die zur Stärkung der Widerstandskraft der Kulturpflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge sowie zur Düngung der Pflanzen eingesetzt werden können. Während Jauchen als Dünger verwendet und auf den Boden aufgebracht werden (außer im jungen Stadium, siehe unten), werden Tees direkt auf die Pflanzen aufgesprüht. Jauchen dürfen nur auf den feuchten Boden aufgebracht werden, damit sie die Wurzeln nicht verätzen.
Welche Pflanzen kann man zu Pflanzenjauchen verarbeiten?
Die ideale Pflanze ist die Brennnessel – sie hat sowohl eine starke Düngerwirkung wie auch eine schädlingsvertreibende Wirkung. Beinwell wirkt etwas langsamer, kann aber aus diesem Grund sehr gut mit Brennnessel gemischt werden. Ebenso können die Blätter von Löwenzahn, Schafgarbe, Kohlarten, aber auch andere Wildkräuter untergemischt werden.
Wie setzt man eine Pflanzenjauche an?
Man benötigt ein Gefäß aus Holz oder Plastik, füllt es halbvoll mit Kräutern und füllt es mit Wasser auf. Am besten eignet sich dazu Regenwasser, aber Brunnenwasser oder Leitungswasser ist auch möglich. Die Gefäße maximal bis 10 cm unter den Gefäßrand füllen. Die Kräuter vergären nun – und zwar abhängig von der Temperatur. Der Gärprozess setzt nach 1–2 Tagen ein und ist nach 10–20 Tagen abgeschlossen. Im Hochsommer ist eine Pflanzenjauche schneller fertig als im Frühjahr. Zuerst trübt sich die Flüssigkeit, allmählich nimmt sie eine dunkelbraune Farbe an und im letzten Stadium ist sie eine dunkle Brühe mit schon vergehender Pflanzensubstanz. Wenn die Jauche nicht mehr schäumt, ist dies das Zeichen, dass sie fertig vergoren und reif für die Ausbringung ist. Im Verlauf der Gärung entwickelt die Pflanzenjauche einen starken Geruch. Wen dieser Geruch stört, der bindet ihn mit einer Hand voll Steinmehl oder Kompost. Die Jauche riecht allerdings nur dann, wenn sie bewegt oder ausgebracht wird. Der Geruch ist nur schwer von den Händen abzuwaschen. Am besten daher beim Ausbringen Handschuhe tragen.
Brennnessel – die ideale Bio-Düngerpflanze

Im Biogarten reift der selbstgemachte biologische Flüssigdünger – Pflanzenjauchen – in Fässern.
Grundrezept Pflanzenjauche: Zur Bereitung einer Jauche werden die Pflanzen immer in kaltes Wasser eingeweicht. Faustregel: 1 kg frische oder 150 g getrocknete Pflanzen auf 10 l Wasser. 2–3 Wochen stehen lassen und gelegentlich umrühren.

Kräuter und Blumen im Garten ziehen Nützlinge magisch an.
Wie verwendet man Pflanzenjauchen?
Die noch junge Pflanzenjauche kann man zum Stärken der Jungpflanzen verwenden: Die Jungpflanzen vor dem Auspflanzen kurz in die Jauche einstellen. In diesem frühen Stadium kann man die Pflanzenjauche auch zur Abwehr von Blattläusen verwenden und die Jauche auf Pflanzen ausbringen. Je weiter die Pflanzenjauche vergoren ist, desto stärker muss man sie für diesen Zweck mit Wasser verdünnen. Wenn die Kräuter schließlich vollständig verjaucht sind (also die Brühe dunkelbraun ist), darf sie nicht mehr über Pflanzen gegossen werden, sie würde die Blätter verätzen. Dann dient sie als Dünger, der auf den Boden aufgebracht wird.
Ackerschachtelhalmjauche ist das bewährteste Mittel zur Stärkung der Pflanzen gegen alle Pilzkrankheiten. Ackerschachtelhalm zeichnet sich durch einen extrem hohen Kieselsäuregehalt (bis zu 10 %) aus. Kieselsäure festigt das Gewebe der Pflanzen und erhöht dadurch ihre Widerstandskraft gegen Pilzinfektionen (Mehltau, Rost, Blattfleckenkrankheiten, Schorf, Kraut- und Knollenfäule, Monilia sowie Spinnmilbe und Lauchmotte). Wer Ackerschachtelhalm im Garten oder in der Umgebung nicht wild sammeln kann, bekommt ihn auch in der Apotheke. Sobald Jungpflanzen im Garten gesetzt sind, alle zwei Wochen jeweils drei Tage hintereinander Schachtelhalmjauche 1:10 verdünnt in den frühen Morgenstunden auf die Pflanzen aufbringen – am besten auf die Blattunterseite spritzen, wo die Flüssigkeit über die Spaltöffnungen besonders gut ins Blatt eindringen kann. Gespritzt wird bei bedecktem Wetter – bei Sonnenschein kann die Brühe Brandschäden auf den Blättern verursachen und bei Regen ist sie wirkungslos, da der Regen die Brühe sofort abwäscht. Manche Bio-Gärtnerinnen spritzen auch Jauchen mit folgenden Pflanzen vorbeugend gegen Pilzkrankheiten: Knoblauch und Kren (Meerrettich), Bärlauch, Zwiebel, Schnittlauch – hier wirken Schwefelverbindungen und Senfölglykoside.
Pflanzentees
Im Gegensatz zur Jauche wird die Brühe immer durch Abkochen hergestellt. Um die Wirkstoffe besser auszunutzen, werden die Pflanzen – am einfachsten mit einer Gartenschere – zerkleinert. Auch hier: 1 kg frische oder 150 g getrocknete Pflanzen in 10 l Wasser 24 Stunden einweichen und mindestens 30 Minuten köcheln lassen. Anschließend lässt man den Tee abkühlen, wobei der Topf stets bedeckt sein soll. Danach wird abgesiebt und der Tee ist gebrauchsfertig. Die Kräuterreste finden als Mulchmaterial Verwendung. Zum Ausbringen 1:5 verdünnen. Pflanzentees werden entweder mit einer Rückenspritze oder in kleineren Gärten mit Spritzflaschen auf die Pflanzen aufgesprüht.
Beispiele für Tees und Einsatzmöglichkeiten
(ausführliche Rezepte siehe Schnitzer 2006)
• Kamille: Grauschimmel bei Erdbeeren, als Saatgutbeize
• Rainfarn/Ackerschachtelhalm: Feuerwanzen
• Baldrian: Blattdüngung für blüten- und fruchtbringende Gemüse, Blumen und Beeren
Rund um die Gemüsebeete
Ein guter Platz für einen Gemüsegarten ist umgeben von einem belebten Garten, aus dem rasch Nützlinge einwandern können, sobald Schadinsekten an den Gemüsepflanzen nagen. Hier kann eine Hecke gute Dienste leisten. Für viele Nützlinge ist sie Brut- und Nistplatz, aber auch Nahrungsquelle und Schutz vor Feinden. Und: Sie bremst den Wind und schafft ein günstigeres Kleinklima. Ebenso günstig sind Staudenbeete rund um den Gemüsegarten mit vielen blühenden Pflanzen. Besonders viele Nützlinge ziehen Korbblütler, Lippenblütler und Doldenblütler an (z.B. Kugeldistel, Astern, Ysop, Salbei, Rosmarin, Gewürzfenchel). Ein blühender Garten ist auch wichtig, um Insekten anzuziehen, die die Pflanzen bestäuben können – viele Fruchtgemüse bilden keine schönen Früchte, wenn sie nicht gut bestäubt sind.
Weiterführende Literatur:
• Velimirov, Alberta/Werner Müller 2003: Die Qualität biologisch erzeugter Lebensmittel. Ergebnisse einer umfassenden Literaturrecherche, Wien (www.ernte.at)
• Fortmann, Manfred 2007: Das große Buch der Nützlinge, Stuttgart
• Schnitzer, Arthur 2006: Gärtnern ohne Gift. Ein praktischer Ratgeber, Wien
• Natur im Garten 2000: Grundlagen naturnahen Gärtnerns. Teil 1: Gemüsebau im Hausgarten, St. Pölten (www.naturimgarten.at)
• FIBL 2000: Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt. Erkenntnisse aus 21 Jahren DOK-Versuch, Frick (www.fibl.at)
Über die Vielfalt
Mit diesem Buch möchten wir einen Einblick in die Vielfalt samenfester Sorten bieten. Für viele Nicht-GärtnerInnen stellt sich an dieser Stelle vielleicht die Frage, was samenfeste Sorten sind. Kurz gesagt ist es jene Form der Pflanzenzüchtung, welche die Vielfalt der Kulturpflanzen hervorgebracht hat. Die ermöglicht hat, dass Samen mit Menschen wandern und sich an neue Orte anpassen. Jene Form der Züchtung, die Kulturpflanzen wandel- und veränderbar hält. Denn samenfeste Sorten geben ihre Eigenschaften in einem kontinuierlichen Erbstrom an ihre Nachkommen weiter. Die Pflanzen, die wir aus samenfesten Samenkörnen ziehen, ähneln jenen Pflanzen, an denen die Samen gereift sind, den Mutterpflanzen. Doch genetisch sind sie nicht 100 % ident mit ihren Mutterpflanzen, stets bleiben samenfeste Sorten leicht variabel. Stets setzen sich jene Pflanzen aus einem Bestand durch, die unter den Umwelt- und Kulturbedingungen am besten gedeihen. Das können in einem Jahr jene Pflanzen sein, die mit der herrschenden Frühjahrstrockenheit am besten zurechtgekommen sind. Im nächsten Jahr jene, die sich gut gegen die Pilzkrankheit zur Wehr setzen konnten, welche sich im feuchten Sommer ausgebreitet hatte. Und in einem dritten Jahr jene Pflanzen, deren Früchte zur Abreife gelangten, obwohl die ersten Fröste im Herbst besonders früh eingebrochen waren. Solchermaßen kommuniziert eine Sorte mit der sie umgebenden Welt oder umgekehrt die Umwelt mit der Sorte. Dazu zählen auch die vom Menschen geschaffenen Kulturbedingungen – ob und in welcher Form Äcker oder Beete mit Düngemittel versorgt sind, wie belebt die Böden sind, in welcher Form bewässert wird. Solchermaßen können auch wir Gärtnerinnen und Gärtner mit samenfesten Sorten kommunizieren und sie an unsere Geschmäcker und Ansprüche anpassen, jene Formen anbauen, welche die für uns günstigsten Nutzungseigenschaften haben. Und während der eine gerne säuerliche Paradeiser isst, bevorzugt die andere milde Früchte mit wenig Säure. Während die eine feste, knackige Salatblätter schätzt, mag der andere ausschließlich buttrig weiche Blätter. Auch diese unterschiedlichen Geschmäcker sind Quellen der Vielfalt – sowohl individuelle Vorlieben, wie auch jene, die gemeinschaftlich geprägt sind. So sind auch die kulturellen und sozialen Aneignungsprozesse spannend und vielfältig. Viele Kulturpflanzen wurden zu „typischen“ oder „traditionellen“ Ingredienzien von Nationalspeisen und lokal typischen Gerichten – sei es der steirische Ölkürbis oder die Erdäpfel, die in den vergangenen 200–300 Jahren großflächig Einzug gehalten haben. Und was wäre die italienische Küche ohne Saucenparadeiser, die sich so gut zu Sugos einkochen lassen?
Auch gegenwärtig gibt es immer wieder Pflanzen, die neu in unsere Gärten gelangen. Einige Beispiele: Seit wenigen Jahren wird Kiwi in Österreich erwerbsmäßig angebaut – und seit langem schon in Hausgärten. Auch die Gruppe der Asia-Salate (Pak Choi, Senfkohl, Mizuna und andere, die wir in diesem Buch beschreiben) ist relativ neu bei uns. Der Chinakohl, auch ein Asia-Salat, wird hingegen durch den Jahrzehnte langen Anbau in der Steiermark schon als „heimisches“ Gemüse empfunden. Migrantinnen und Migranten brachten und bringen Kulturpflanzen und -sorten aus aller Welt zu uns mit. Durch Gastarbeiter aus Bulgarien kam übrigens auch der Paprika ins Burgenland und die Expertise der bulgarischen Gärtner im Gemüsebau wurde von den österreichischen Erwerbs-Gemüsebauern lange Zeit hoch geschätzt. Der Gemüsebau im Seewinkel, eines der in Österreich gegenwärtig bedeutendsten Gemüseanbaugebiete, geht maßgeblich auf bulgarische Gärtner zurück, die sich ab den 1950er Jahren in der Region ansiedelten.
Ein Beispiel gärtnerischer Vielfalt
Ein Beispiel, das die Zunahme der Formenvielfalt durch gärtnerische Pflanzenzüchtung eindrucksvoll vor Augen führt, ist die Kohlart Brassica oleracea: Weißkraut, Rotkraut, Kohlrabi, Brokkoli, Karfiol, Kohlsprossen und Grünkohl gehören alle zur selben botanischen Art. Durch die unterschiedliche Nutzung und Auslese verschiedener Teile der Pflanze – Blatt, Stamm, Knospenanlage – entstanden diese verschiedenen Gemüse zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten, stets im Kontext einer bäuerlichen/gärtnerischen Kulturpflanzenzüchtung. Die Formen mit losem Blattwerk zählen zu den ältesten Kulturformen – Formen wie der Palmkohl waren bereits römischen Gärtnern und Gärtnerinnen bekannt. Die typischen Kopfkohlformen entstanden im frühen Mittelalter in Mitteleuropa, Kohlrabi ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt, Karfiol erst seit Beginn der Neuzeit und Kohlsprossen sind die jüngste Kinder der Brassica-oleracea-Gruppe und kamen erst im Jahr 1785 in Belgien erstmals auf den Markt.

Paradeiser zeigen eindrücklich, was Vielfalt heißen kann.
Anbauen und Züchten
In dieser bäuerlichen und gärtnerischen Pflanzenzüchtung sind Züchten und Anbauen nicht zwei voneinander getrennte Tätigkeiten, sie sind eng miteinander verzahnt und beeinflussen sich wechselseitig: In diesem Verständnis züchtet jeder Mensch, der Pflanzen kultiviert und ihre Früchte und Samen erntet. Das Selbstverständnis, dass Bäuerinnen und Bauern Kulturpflanzen züchten, findet sich in vielen Dialekten und bäuerlichen Alltagssprachen wieder – z.B. in Südtirol im Wort „Zîgeln“. Der Hinweis: „Sie züchtet in ihrem Garten Zucchini“, meint nicht, dass eine Gärtnerin professionelle Pflanzenzüchterin ist, sondern dass sie in ihrem Garten Zucchini anbaut. In einem Zeitraum von etwa 30 Jahren kann sich eine Sorte an einem neuen Standort soweit verändert haben, dass eine „neue“ Lokalsorte entstanden ist. Doch auch in viel kürzeren Zeiträumen können Züchterinnen und Züchter Sorten durch starke Auslese verändern und neue Eigenschaften ausprägen. Ein bedeutender Aspekt der bäuerlichen Pflanzenzüchtung ist, dass Pflanzen, wenn sie an einem Standort angebaut und vermehrt werden, sich auch den an diesem konkreten Standort auftretenden Krankheiten und Schädlingen anpassen können. Der Forschungszweig der „Bio-Kommunikation“, der chemischen Ökologie, ist noch ein sehr junger. Doch man weiß mittlerweile, dass Pflanzen bestimmte Abwehrmechanismen gegen Schädlinge entwickeln können oder z.B. Nützlinge durch Duftsignale aktiv gegen einen Schädlingsbefall zu Hilfe holen können – und diese Eigenschaften kann man durch die Auslese solcher robusterer Pflanzen für den Samenbau fördern.

Der US-amerikanische „Amateurzüchter“ Tom Wagner züchtete in den 1970er Jahren die samenfeste Sorte ‚Green Zebra‘. Bis heute schwört er auf samenfeste Sorten, reist durch die Welt, hält Züchtungsvorträge und meint: „My seeds are your seeds!“
Der Getreidezüchter Peter Kunz bezeichnet diese Mechanismen, die Pflanzen entwickeln können, als „Nachhaltige Resistenzen“, die auf dem Prinzip des „Lebens und Leben-Lassens“ basieren. Bei dieser Art von Resistenz findet z.B. ein Schadpilz zwar eine gewisse Verbreitung, die Pflanzen sind jedoch so robust, dass der Pilz nicht oder kaum ertragsmindernd wirken kann. In der „modernen“ professionellen Pflanzenzüchtung hat diese Form der Co-Evolution von Pflanze und Krankheit kaum einen Platz, da hier die meisten Züchtungsschritte der Resistenz-Züchtung im Labor stattfinden. Eine Co-Evolution von Pflanzen und Schädlingen hingegen braucht den Anbau der Pflanzen auf den Äckern und kann nicht ins Labor verlagert werden. Der Pflanzenzüchter Raoul A. Robinson propagiert die Züchtung von Kulturpflanzen in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit von PflanzenzüchterInnen und BäuerInnen in Form von „plant breeding clubs“.
Pflanzen passen sich auch der Art und Weise, wie sie mit Dünger und Wasser versorgt werden, an. Wird z.B. eine Pflanze ausschließlich mit leicht wasserlöslichen, chemisch-synthetischen Düngern gedüngt und mit intensiver Bewässerung versorgt, besteht für die Pflanzen kein Anreiz, ein starkes Wurzelsystem auszubilden – und so kann auch keine Auslese in diese Richtung erfolgen. Sorten, die auf eher kargen Böden wachsen, bilden über Generationen ein stärkeres Wurzelsystem aus, denn jene Individuen gedeihen am besten, die gut aktiv Nährstoffe und Wasser aus dem Boden erschließen können.
Vielfalt wurde kleiner
In den letzten 100 Jahren sind viele Sorten der bäuerlichen und gärtnerischen Züchtung verloren gegangen. Laut Schätzung der UN-Welternährungsorganisation FAO sind weltweit seit Beginn des 20. Jahrhunderts 75 % der Kulturpflanzenvielfalt unwiederbringlich verschwunden. Die Gründe dafür waren – wenn wir die Landwirtschaft weltweit betrachten – mehrschichtig:
• die Industrialisierung und Spezialisierung der Landwirtschaft
• die Einführung von Hochleistungssorten, viele davon Hybridsorten
• die Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt und die Veränderung „traditionell” wirtschaftender Betriebe, der starke Rückgang der Selbstversorgungswirtschaft
• die Verwendung von Sorten aus professioneller Züchtung statt eigenen Lokalsorten
• die Umwidmung und Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen
• Kriege und Hungersnöte
Vielfalt in unseren Gärten
Wenn man in die mitteleuropäischen Gemüsegärten blickt, nimmt man in den letzten Jahrzehnten eine andere Entwicklung wahr: Während die Anzahl der unterschiedlichen Kulturarten auf den Äckern vielerorts abgenommen hat, ist die Anzahl der verschiedenen Kulturarten in den Gärten gestiegen. Kulturpflanzen sind neu hinzugekommen: Paradeiser und Paprika, Zucchini, Melanzani und Andenbeeren sind hierfür genauso Beispiele wie Speisekürbisse oder die Klettenwurzel.
Ein Beispiel für neue Vielfalt – Paradeiser
Tomaten oder Paradeiser sind in Österreich, der Schweiz, aber auch in Südtirol noch „junge“ Kulturpflanzen. Erst im Laufe der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden sie nach und nach bekannt. So erinnern sich viele ältere Menschen in Südtirol, dass sie die Früchte anfangs nicht gerne aßen. Der Gaumen musste sich wohl erst an den damals fremden und ungewöhnlichen Geschmack gewöhnen. Die ersten Sorten, die verbreitet waren, waren nach ihren Erzählungen Sorten mit runden, roten Früchten. Der bekannteste Sortenname war in Südtirol ‚Bozener Markt‘, die als Lokalsorte mit großen, glatten und runden, roten Früchten beschrieben wird. Eine andere Sorte, an die sich viele ältere BäuerInnen erinnern, ist der geschmackvolle Fleischparadeiser ‚Ochsenherz‘. Cocktailparadeiser, Buschparadeiser, Pelati-Paradeiser und andere Sortentypen kamen erst viel später in Umlauf. Seit einigen Jahren wird vielerorts eine große Sortenfülle angeboten und so lernen viele erstmals weißfleischige, orange oder violette Paradeiserfrüchte kennen. Ein Paradeiserzüchter, der die Vielfalt in den letzten Jahren stark geprägt hat, ist der US-Amerikaner Tom Wagner. Er selbst blieb relativ unbekannt, doch seine Züchtungen sind mittlerweile von New York bis Amsterdam, Wien und Hannover bekannt: Etwa die grüngelb gestreifte ‚Green Zebra‘, die Tom Wagner Anfang der 1970er Jahre züchtete, die gelbe ‚Banana Legs‘ oder die dunkle ‚Schimmeig Creg‘. Alle diese Sorten entstanden durch gezielte Kreuzungen zwischen verschiedenen samenfesten Sorten und anschließender Auslese. Tom Wagner hat übrigens nie einen Sortenschutz oder Patente auf die von ihm gezüchteten Sorten beansprucht. „My seeds are your seeds“, mit dieser Botschaft hat er sich 2009 auf eine Vortragsreise durch Europa gemacht und seine Züchtungen allen Interessierten zur Verfügung gestellt.
„Neue“ und „alte“ Kulturpflanzen in unseren Gärten: Zucchini und Andenbeere, Paradeiser und Tomatillo
Hybridsaatgut
Hybridsorten sind „Einmalsorten“. Sie können im Hausgarten nicht sinnvoll weiter vermehrt werden und müssen jährlich neu gekauft werden. Wird eine Hybridsorte weiter vermehrt, spaltet sie in verschiedene Formen auf; die Sorte als solche ist nicht beständig. Darin liegt ein Vorteil für die Firmen. Die Hybridtechnik kann als eingebautes „copyright“ einer Sorte bezeichnet werden. Rechtliche Sortenschutz-Systeme sind auf gesetzliche Verankerung und auf deren Überprüfung angewiesen, der „biologische Sortenschutz“ hingegen nicht.
Zurzeit werden viele samenfeste Sorten von den Sortenlisten gestrichen, der Anteil der gelisteten Hybridsorten steigt rasant. Z.B. waren im Jahr 1985 204 hybride Karottensorten im gemeinsamen EG-Sortenkatalog gelistet (das sind 43 % aller Karottensorten), im Jahr 1999 lag der Anteil bereits bei 366 Sorten und 73 %. Bei Paradeiser, Paprika oder Chinakohl liegen die Anteile mittlerweile bei ca. 80 %.
Hybridsaatgut steht am Ende eines mehrere Schritte umfassenden Vermehrungszyklus. Am Beginn steht das Erstellen von Inzuchtlinien. Einzelne Pflanzenindividuen werden mit sich selbst gekreuzt, um reinerbige (homozygote) Linien zu erhalten. Da die meisten Gemüse-Kulturarten Fremdbefruchter sind, muss die Pflanze für diese „erzwungene Selbstbefruchtung“ überlistet werden. Dies geschieht bei manchen Kulturarten mittels Einsatz biotechnologischer Methoden in den Labors der Züchtungsfirmen.
Hybridsorten bieten keine Grundlage für eine weitere Entwicklung der Kulturpflanzen und der Sortenvielfalt. Durch die Hybridzüchtung wird die Spezialisierung und damit auch die Abhängigkeit zwischen Züchtung und landwirtschaftlicher Produktion fortgeschrieben. Und schließlich kann der großflächige Anbau der sehr homogenen Hybridsorten auch ökologische Probleme mit sich bringen (Schädlingsdruck, Krankheitsdruck).
Woran erkenne ich samenfeste Sorten?
Einem Samenkorn ist die Technik, mit der es gezüchtet wurde, äußerlich nicht anzusehen. Auch, ob es sich um eine samenfeste Sorte oder um Hybridsaatgut handelt, kann man am Samenkorn selbst nicht erkennen. Bei folgenden Sorten kann man davon ausgehen, dass sie samenfest und somit auch im Hausgarten vermehrbar sind:
Land-, Lokal- oder Hofsorten
Sorten, die über einen langen Zeitraum auf einem Hof oder in einem Garten angebaut und vermehrt wurden. Viele dieser Sorten haben keinen Eigennamen, sie werden einfach als „der Paradeiser“ oder „die Bohne “ bezeichnet. Viele Landsorten weisen eine typische Variabilität zwischen den einzelnen Pflanzen auf.
Alte gärtnerische Zuchtsorten
Manche Sortennamen waren bereits unseren Großmüttern und Großvätern bekannt. Der Karfiol ‚Erfurter Zwerg‘ z.B. oder der Kopfsalat ‚Maikönig‘, der im Jahr 1902 als Neuheit vorgestellt wurde. Viele dieser Sorten tragen den Namen des Gemüsebaugebiets, in denen sie gezüchtet wurden: So das Weißkraut ‚Stuttgarter Filderkraut‘, das Rotkraut ‚Erfurter Schwarzkopf‘ oder der Kohlrabi ‚Wiener blauer Glas‘. Andere ältere, gärtnerische Sorten haben malerische Namen wie der bereits genannte ‚Maikönig‘, oder ‚Wunder der vier Jahreszeiten‘.
Neue Sorten aus biologischer Züchtung
Die biologische und insbesondere die biologischdynamische Züchtung arbeitet mit samenfesten Sorten. Die biologische Landwirtschaft strebt ein System der geschlossenen Kreislaufwirtschaft an. Umgelegt auf die Pflanzenzüchtung bedeutet dies, dass Sorten eine natürliche Reproduktionskraft und eine hohe Vitalität haben müssen, um wiederum fruchtbare Samen hervorbringen und sich somit einem Standort anpassen zu können. Viele dieser Sorten sind erst in den letzten Jahrzehnten entstanden. In Deutschland, der Schweiz und Österreich arbeitet eine wachsende Gruppe biologisch-dynamischer Züchterinnen und Züchter an der Neuzüchtung verschiedenster Gemüsesorten. Viele dieser Sorten sind Züchtungen des Vereins Kultursaat e.V. (siehe www.kultursaat.org).
Von folgenden Kulturarten sind derzeit nur samenfeste Sorten am Markt, weil die Hybridzüchtung entweder züchtungstechnisch schwer möglich oder die Kulturarten kaum eine Bedeutung im Erwerbsanbau haben: Salat, Gartenbohne, Erbse, Petersilie.
Die Ent-Privatisierung der Kulturpflanzen
In den letzten Jahrzehnten wurden private Eigentumsrechte an Sorten von Pflanzenzüchtungsunternehmen immer mehr durchgesetzt. Sorten, die durch Sortenschutz oder Patente geschützt oder als Hybrid-Sorten „biologisch patentiert“ sind, sind nicht mehr Gemeingut, das von anderen Bäuerinnen und Bauern, Züchterinnen und Züchtern frei für ihre Zwecke verwendet werden kann. Die Vielfalt an Kulturpflanzen ist aber gerade durch diese freie Verfügbarkeit entstanden. Samen gelangten mit Menschen an neue Orte, fanden neue Standortbedingungen vor, wurden nach anderen Gesichtspunkten ausgelesen und veränderten sich. Vor allem Bäuerinnen und Bauern der Länder des Südens wissen, was es bedeutet, wenn Saatgut kein frei verfügbares Gemeingut mehr ist, wenn Sorten durch Patente mit Eigentumsrechten versehen werden, wenn aus dem lebendigen Samenkorn eine leblose Ware gemacht wird. Viele Menschen in den Ländern des Südens reagieren mit Empörung, wenn Sorten patentiert werden, wenn Gemeingut privatisiert wird, oder wenn Sorten dahingehend manipuliert werden, dass sie ihre Fruchtbarkeit verlieren.
„Keine Kulturpflanzen ohne Fruchtbarkeit“ – auf diesen Kurzsatz lässt sich die Entstehung der Kulturpflanzen aus Wildpflanzen reduzieren. Ebenso konnte die Vielfalt der Kulturpflanzenarten und -sorten nur über lange Zeiten und an verschiedenen Orten in den Händen von Bäuerinnen und Bauern entstehen. Somit lässt sich die Aussage auch transformieren in: Keine Vielfalt ohne Fruchtbarkeit.
Ausblicke
Gärten sind Experimentierflächen, Versorgungsflächen, Rückzugsflächen – sowohl für Menschen als auch für Pflanzen. Gärten sind nicht nur Orte, an denen Pflanzen Wurzeln schlagen können, für viele Menschen sind Gärten auch jene Freiräume, in denen sie an neuen Orten Wurzeln schlagen können. Viele Gärtnerinnen und Gärtner sind Amateure und dies im positivsten Sinne des Wortes: Im Wort steckt die lateinische Wurzel „amare“. Amateurinnen und Amateure sind Menschen, die lieben, was sie tun. Jack Harlan, einer der Pioniere der systematischen Sammlung und Erhaltung von Kulturpflanzensorten, prophezeite vor vielen Jahren, dass, wenn die Vielfalt der Kulturpflanzen erhalten bleiben soll, es letztlich die Amateure sein werden, die sie retten – Menschen, die ihre Saaten lieben. Und er fügte hinzu, dass „es in der gesamten Menschheitsgeschichte immer Amateure gewesen seien, die Vielfalt bewahrt hätten.“ In den Hausgärten haben viele „alte“ Sorten überlebt, gleichzeitig sind gerade die Hausgärten immer wieder offen für neue Kulturpflanzen. Welche Pflanzen wohl in 100 Jahren auf diesen kleinen, eingehegten und umhegten Fleckchen Einzug halten werden?
Das Manifest zur Zukunft des Saatguts
Weltweit haben Menschen begonnen, sich gegen die Privatisierung ihrer Kulturpflanzen zur Wehr zu setzen. In Indien schließen sich Frauen zusammen, um in regionalen, selbst verwalteten Pflanzenbörsen ihre lokale Pflanzenwelt für ihre Dorfgemeinschaften zu erhalten. Sie haben die Vertretungen der multinationalen Saatgutkonzerne aus ihrer Region vertrieben. In Mexiko protestieren die Bauern und Bäuerinnen gegen die Patentierung ihrer traditionellen Maissorten durch USKonzerne. In Mali hat die Versammlung der Bauern beschlossen, keine gentechnisch veränderten Pflanzen in ihrem Land zuzulassen und die einheimischen Kulturpflanzen als Grundlage ihrer Ernährungssouveränität zu schützen. In Europa mehren sich die Initiativen zur Rekultivierung so genannter „alter“ Landsorten, Bauern und Bäuerinnen fordern ihr uraltes Recht ein, die Samen der von ihnen angebauten Pflanzen wieder aussäen und frei untereinander tauschen zu dürfen.
Die indische Aktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva engagiert sich seit drei Jahrzehnten für die Rechte der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Unterstützt von zahlreichen engagierten Menschen hat sie gemeinsam mit dem Präsidenten der Region Toskana, Claudio Martini, die „Internationale Kommission zur Zukunft der Lebensmittel und der Landwirtschaft“ gegründet. Diese hat im Frühjahr 2007 das „Manifest zur Zukunft des Saatguts“ verfasst – ein Aufruf zum freien Austausch von Saatgut unter Bäuerinnen und Bauern:
„Saatgut ist ein Geschenk der Natur, vergangener Generationen und unterschiedlicher Kulturen. Wir haben die Verantwortung, es zu schützen und an zukünftige Generationen weiter zu geben. Saatgut steht am Anfang der Nahrungskette, ist Ausdruck der biologischen und kulturellen Vielfalt und Ausgangspunkt künftiger Entwicklung und Evolution. Seit der Neolithischen Revolution vor etwa 10.000 Jahren arbeiteten Bäuerinnen und Bauern in ihren Gemeinschaften und Gemeinden an der Verbesserung der Erträge, des Geschmacks und der Ernährungsqualität der Kulturpflanzen. Sie entwickelten sich bald zu Expertinnen für den gesundheitlichen Wert und die Heilkraft ihrer Pflanzen, aber auch für deren Wachstumsbedingungen und ihre wechselseitige Wirkung mit anderen Pflanzen, Tieren, Boden und Wasser. Seltene und oft zufällige Kreuzungsereignisse führten bei einzelnen Pflanzenarten rasch zu einer weiten Verbreitung in ihren primären Ursprungszentren (z.B. beim Weizen in Mesopotamien, beim Reis in Indien und Indochina, bei Mais und Kartoffel in Zentralamerika), und später über die ganze Welt.
Der freie Austausch von Saatgut unter Bauern war die Grundlage für die Erhaltung und Entwicklung von Vielfalt und Ernährungssicherheit. Er beruht auf Zusammenarbeit und Wechselseitigkeit und dem Austausch unter Gleichen. Diese Freiheit geht weit über den reinen Austausch von Samen hinaus: Es geht auch um den freien Austausch von Ideen, Wissen, Kultur und Traditionen.
Diesen Wissens- und Erfahrungsschatz haben unzählige Generationen von Bauern und Bäuerinnen durch Beobachtung im eigenen und in Nachbars Garten und Acker angehäuft. Die kulinarische, kulturelle und religiöse Bedeutung einer Pflanze, die Kenntnisse über ihre Widerstandskraft gegen Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge, über ihre Pflege und Lagerungsfähigkeit und vieles mehr formen das gemeinschaftliche Wissen über Anbau und Nutzen bestimmter Kulturpflanzen.
(…) Die Freiheit der Saat und die Freiheit der Bauern und Bäuerinnen werden durch neue Formen von Eigentumsrechten und neue Technologien bedroht. Saatgut droht von einem Gemeinschaftsgut der Bäuerinnen und Bauern in einen Rohstoff verwandelt zu werden, dessen Nutzen und Handel von einigen wenigen Konzernen monopolisiert wird. Das Aussterben unzähliger Kulturpflanzenarten und Sorten, bei gleichzeitiger Entwicklung von geschützten Hybridsorten und Züchtungen mit unfruchtbaren Samen („Terminatortechnologie“), gefährdet die Zukunft des Saatgutes und unsere Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln. (…) Es bedarf heute der Entwicklung neuer Systeme von Rechten und Pflichten, die sowohl die kollektiven Rechte lokaler Gemeinden und Gemeinschaften und die Saatgutsouveränität der Bauern und Bäuerinnen anerkennen, als auch die globale wechselseitige Abhängigkeit unterschiedlicher Kulturen und Nationen berücksichtigen.“
Quelle: www.arche-noah.at und im Englischen Original www.navdanya.org.
Weiterführende Literatur:
• Heistinger, Andrea 2008: „Wenn der Samen nicht mehr keimt, hat er keine Seele mehr“. Fruchtbarkeit von Kulturpflanzen im Kontext bäuerlicher und professioneller Pflanzenzüchtung. In: Gottwald, Franz-Theo et al.: Fruchtbarkeit unter Kontrolle? Zur Problematik der Reproduktion in Natur und Gesellschaft, Frankfurt
• Robinson, Raoul 1996: Return to Resistence. Breeding Crops to Reduce Pesticide Dependence, Davis, California
• Kunz, Peter 2002: Gesunde Kulturpflanzen – eine Herausforderung, Hornbrechtikon (siehe auch www.peter-kunz.ch)
Über den Boden
Pflanzen wurzeln im Boden. Das ist zunächst nichts Neues. Doch wie intensiv Pflanzen den Boden bewurzeln, wie intensiv ihr Austausch mit dem „Organismus Boden“ ist, das ist entscheidend für ein gesundes und frohes Wachstum, gerade im biologischen Hausgarten. Im Verständnis des biologischen Landbaus ist der Boden nicht einfach nur ein Standort. Die Beschaffenheit des Bodens, seine Eigenschaften, sei es die über viele Jahrhunderte und Jahrtausende entstandene Bodenart, aber auch Eigenschaften, die wir als Gärtnerinnen und Gärtner durch unsere Kulturmaßnahmen direkt herstellen, all dies beeinflusst das Gedeihen der Kulturpflanzen. Boden und Pflanzen stehen in einer engen Beziehung. Aus diesem Grund ist dem Thema Boden und der Pflege des Bodens in diesem Buch ein umfangreiches Kapitel gewidmet.
Vielerorts gehen Böden verloren: Sie werden versiegelt, zu Straßen und Bauland umgewandelt. Auch in der konventionellen Landwirtschaft gehen Böden verloren. In den letzten 50 Jahren – seit die Intensivlandwirtschaft großflächig Einzug gehalten hat – ist weltweit rund ein Drittel der fruchtbaren Ackerböden verloren gegangen. Seit der weltweiten Einführung des Kunstdüngers vor ca. 50 Jahren sind die Humusgehalte in den Ackerböden um 7 % (!) zurückgegangen, wobei am Beginn des Kunstdüngereinsatzes der jährliche Humusabbau am höchsten war. Aus der Klima-Perspektive kann man sagen, dass die Bodenerosion zu den wichtigen CO2-Verursachern gehört – ein Teil des Humus wird zu CO2veratmet. Umgekehrt steigert der biologische Landbau die Humusgehalte im Boden und bindet somit wieder CO2, doch dazu später.
Aus dem Organismus Boden wurde in den letzten Jahrzehnten faktisch, sprachlich und metaphorisch ein Standortfaktor, durch Verdichtung mit schweren Maschinen haben Bodenorganismen nicht genügend Luft zum Atmen, durch die Einbringung von leichtlöslichen Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln wird das Bodenleben immer wieder ge- oder zerstört. Die Folgen sind hohe Belastungen der Oberflächen- und Sickerwässer mit unerwünschten Stoffen, reduzierte Humusgehalte, verdichtete Böden, Erosion durch Wind und Wasser. Auf solchen leblosen Böden sind Pflanzen darauf angewiesen, mit leichtlöslichen Nährstoffen (Mineraldünger) versorgt zu werden. In lebendigen Böden mit einem hohen Humusanteil ist ein ständiger Nährstoff-Kreislauf im Gang und Pflanzen können durch Wurzelausscheidungen die Freisetzung von Nährstoffen auch selbst steuern. Pflanzen können mit dem Organismus Boden kommunizieren – vorausgesetzt, es ist da jemand, der sie „hört“. Pflanzen können vielfältige Signale absenden. Der junge Forschungszweig der Biokommunikation ist in diesen Fragen gerade in den letzten Jahren zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen gekommen. Doch Pflanzen können diese Fähigkeit auch wieder „verlernen“, sie werden stumm und werden abhängig von der Gärtnerin und dem Gärtner. Ein Beispiel ist die Maispflanze. Ein in Europa neuer Schädling, der im Erwerbs-Maisanbau seit einigen Jahren zu einem großen Problem wurde, ist der Maiswurzelbohrer. Forscher aus der Schweiz konnten nun nachweisen, dass Maispflanzen, wenn sie von den Larven des Maiswurzelbohrers angeknabbert werden, Signal-Lockstoffe erzeugen, mit denen sie die natürlichen Feinde ihres Schädlings anlocken: Nematoden. Sie wiesen auch nach, dass Mais-Hochleistungssorten diese Fähigkeit verloren haben. Sie können nicht mehr mit ihrer Umwelt kommunizieren und sich damit selbst helfen. Ein anderes Beispiel ist die Limabohne. Sie erkennt am Speichel der Insekten, ob sie von Spinnmilben oder Raupen angeknabbert wird. Sind es Spinnmilben, sendet sie spezielle Duftstoffe, mit denen sie die natürlichen Feinde der Spinnmilben herbeilockt: die Raubmilben. Wird sie von Raupen angeknabbert, lockt sie mit einer etwas anderen Parfumvariante einen Feind der Raupen herbei: Schlupfwespen. Anders gesagt: Pflanzen sind sensibel und kommunikativ. Pflanzen, die über viele Jahre in lebendigen Böden kultiviert werden, sind selbst lebendiger, können bei einem Befall mit Krankheiten oder Schädlingen Hilfe herbeirufen, können die Nährstoffe, die sie gerade brauchen, im Boden selbst mobilisieren. Das mag alles ein wenig nach Zauberei klingen. Doch Menschen, die seit vielen Jahren und Jahrzehnten biologisch wirtschaften, bestätigen diese Erfahrungen und sehen sich umgekehrt durch die Erkenntnis der Forschungen aus der Pflanzenkommunikation bestätigt. Eine dieser Erfahrungen ist, dass in neu angelegten, biologisch bewirtschafteten Gärten, die Erträge von Jahr zu Jahr besser werden und die Pflanzen von Jahr zu Jahr weniger Pflege und Aufmerksamkeit brauchen. Gerade in Hausgärten haben wir Spielräume – jenseits eines unmittelbaren ökonomischen Verwertungszwangs. In Hausgärten wurden einerseits viele biologische Bewirtschaftungsmethoden bewahrt, andererseits entstehen in Hausgärten immer wieder neue Methoden des biologischen Gärtnerns.

Gelockerter Boden


Bodenarten und Bodeneigenschaften

Der Boden ist eine Art Grenzschicht zwischen luftiger Atmosphäre und festem Gestein. Luft und Licht, Wärme und Wasser sowie die Ausgangsgesteinsart sind die Grundelemente der Bodenbildung. Unter bestimmten Klimabedingungen entstehen charakteristische Bodentypen.
Böden, die durch langjährige, oft jahrzehntelange, intensive und einseitige Bewirtschaftung vom Organismus Boden zum Standortfaktur Boden wurden, können durch biologische Bewirtschaftung auch „wiederbelebt“ werden. Das ist eine der guten Nachrichten, für alle, die auf einem zunächst unwirtlichen Stück Land zu gärtnern anfangen.
Biologisch gärtnern heißt den Boden pflegen
Einfach gesagt, ist der Boden die oberste Schicht der Erde. Wie eine dünne Haut überzieht der Boden den Globus. Diese Haut ist lebendig und wandelbar, sie ist ein lebendiger Organismus. Je stärker der Boden belebt ist, umso wohler fühlen sich Kulturpflanzen, umso besser gedeihen sie. Die obersten 10–30 cm dieser Haut sind die so genannte Humusschicht, der Mutterboden. Die oberste Bodenschicht entstand über viele Jahrtausende und kann bei falscher Bewirtschaftung innerhalb kürzester Zeit zerstört werden, vor allem, wenn der Boden so bewirtschaftet wird, dass das Bodenleben ständig gestört wird – durch den Einsatz von schweren Geräten, durch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Herbizide, durch leichtlösliche Mineraldünger und durch Monokultur, die die Böden einseitig auslaugt. Diesen Mutterboden können wir direkt durch Kulturmaßnahmen beeinflussen: Warmer, lockerer, nährstoffreicher Humus ist der Traum jeder Kulturpflanze und damit jeder Gärtnerin und jedes Gärtners. Dieser humusreiche Gartenboden wird durch biologisches Gärtnern von Jahr zu Jahr mehr. Und: Humusreiche Böden sind in der Lage, Regenwasser und Nährstoffe zu speichern.
Biologisch gärtnern heißt jedoch mehr als einfach „ohne Chemie“ zu gärtnern, vor allem in der Düngungs-Strategie und in der Form des Pflanzenschutzes unterscheidet sich der Bio-Landbau von der konventionellen Landwirtschaft. Das Ziel im Bio-Gartenbau ist es, so zu gärtnern, dass die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und der Selbst-Regenerationskraft des Bodens gestärkt werden. Das Prinzip ist einfach: Es wird so gegärtnert, dass der Boden nicht verdichtet, das Bodenleben und damit die Nährstoff-Umsetzung für die Pflanzen gefördert werden. Ein Boden ist dann fruchtbar, wenn er gut Wasser speichern kann, wenn er gut belüftet ist und den Bodenorganismen gute Lebensbedingungen bietet. So entwickelt sich im Boden ein Gleichgewicht zwischen Krankheitserregern und deren natürlichen Gegenspielern – Pilze, die mit Pflanzen Symbiosen eingehen und so ihre Abwehrkräfte stärken. Ein fruchtbarer und schonend bearbeiteter Boden ist so die Grundlage für die laufende Umsetzung der organischen Substanz im Boden und für die Vitalität der Kulturpflanzen. Das ist eine der schönsten und faszinierendsten Seiten des biologischen Gärtnerns: Die Ernten nehmen von Jahr zu Jahr zu, obwohl der Garten nicht größer wird.
Und: Bio-Landbau ist Klimaschutz. Da biologisches Gärtnern den Humusgehalt der Böden erhöht, wird das schädliche Klimagas CO2 in der Biomasse des Bodens wieder gebunden.
Die Bodenart
Die Bodenart kann man sich zunächst einmal nicht aussuchen, sie ist vom Standort abhängig. Die Bodenart war also schon vor uns GärtnerInnen da und ist die Basis für unsere gärtnerischen Tätigkeiten. Je nachdem, welchen Boden wir vor uns haben, müssen wir die gärtnerischen Pflegearbeiten im Garten ausrichten. Aus der Ausgangsgesteinsart entstehen durch Verwitterung und Mineralisation über Jahrhunderte und Jahrtausende die unterschiedlichen standortspezifischen Bodentypen. Die Bodenart hängt im Wesentlichen von der Größe der Partikel im so genannten Feinboden ab. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton: Sandkörnchen sind zwischen 0,063–2 mm groß, Schluffkörnchen 0,002–0,063 mm und Tonkörnchen kleiner als 0,002 mm. Die Bodenart gibt zunächst also nur die Korngrößen des Mineralbodens an, trotzdem sagt diese bereits sehr viel über die gärtnerischen Eigenschaften des Bodens aus. Die Bezeichnung „leicht“ und „schwer“ bezieht sich jeweils auf die Bearbeitbarkeit. Leichte Böden lassen sich mit wenig Kraftaufwand bearbeiten.
Leichter Sandboden
Sandböden lassen Wasser sehr gut durchrieseln, sind gut durchlüftet und lassen sich leicht bearbeiten. Sandböden erwärmen sich im Frühling sehr rasch. Allerdings trocknen sie auch leicht aus, können Wasser nicht gut halten und Nährstoffe können leicht ausgewaschen werden, daher ist bei Sandböden die so genannte „Lebendverbauung“ besonders wichtig: Durch das Einarbeiten von Kompost und kompostiertem Mist werden auch aus Sandböden gute Gartenböden.
Mittelschwerer Lehmboden
Lehmböden bestehen aus einer Mischung der verschiedenen Korngrößen Sand, Schluff und Ton. Sie sind ideal für das Gärtnern: Sie können Wasser und Nährstoffe gut halten, erwärmen sich aber auch relativ rasch und sind durch den Sandanteil relativ locker und leicht, können also von den Pflanzen gut durchwurzelt werden. Mittelschwere Lehmböden gehören zu den fruchtbarsten Böden.
Schwerer Tonboden
Müssen besonders sorgsam kultiviert werden. Sie neigen stets zu Verdichtungen und damit zu einer schlechten Durchlüftung des Bodens. Man kann in diese Böden etwas Sand einarbeiten, grundsätzlich gilt, dass Gründüngungspflanzen und organischer Dünger die Bodenstruktur entscheidend verbessern.
Was bedeutet die Bodenart fürs Gärtnern?
Die Bodenart, die ich in meinem Garten habe, entscheidet darüber, welche Kulturmaßnahmen wann und in welchem Ausmaß wichtig und sinnvoll sind. Deshalb ist es so wichtig, dass wir GärtnerInnen unseren Boden kennen. Was auf dem einen Standort gut funktioniert, kann auf einem anderen Standort ganz und gar nicht zum Erfolg führen. Ein einfaches Beispiel: Immer wieder ist davon zu lesen und zu hören, dass man, wenn man einen Naturteich anlegen möchte, einfach ein tiefes Loch graben müsse, den Boden stark verdichten, Wasser einlassen und fertig. Alle, die einen schweren Tonboden haben, werden dies bestätigen. Alle, die einen leichten Sandboden haben, können den Boden mit noch so schweren Geräten verdichten – er bleibt durchlässig für Wasser und der Teich wird in kurzer Zeit trocken fallen. Ähnlich gilt fürs Gemüse-Gärtnern: Auf schweren Böden kann zuviel Bewässerung zu Staunässe führen – die Pflanzen verkümmern, weil ihre „Füße“ im Wasser stehen. Auf leichten Böden versickert Wasser rasch und man muss öfter gießen oder noch besser für eine gute Mulchschicht sorgen, damit das Bodenwasser nicht verdunsten kann. Sandböden sind gut durchlüftet und erwärmen sich rasch, sind also die idealen Böden um bereits früh im Frühjahr loslegen zu können. Pflanzen können diese Böden leicht durchwurzeln, für uns GärtnerInnen sind sie leicht bearbeitbar, dafür haben sie eine geringe Fähigkeit, Nährstoffe zu halten. Umgekehrt sind schwere Tonböden schwerer zu bearbeiten, für Pflanzen schwerer zu durchwurzeln, sie erwärmen sich schlechter, können dafür aber Nährstoffe besser halten. Beide Extreme sind keine idealen Gartenböden. Das Ideal – der mittelschwere Lehmboden liegt in der Mitte. Die gute Nachricht: Auch wenn wir die Ausgangsgesteinsart durch das Gärtnern selbst nicht verändern können – durch das biologische Wirtschaften steigt der Humusgehalt und die Bildung von Ton-Humus-Komplexen wird gefördert. Diese puffern beide Extreme ab und machen sowohl Sandböden wie auch Tonböden über die Jahre fruchtbarer und leichter zu bewirtschaften.

Wie setzt sich ein gut belebter Gartenboden zusammen? (nach v. Heynitz und Merckens 1980)
Die Fingerprobe – Wie erkenne ich, welchen Boden ich habe?
Die Bodenart kann man relativ leicht mit einer Fingerprobe bestimmen: Dazu ein etwa haselnussgroßes Stückchen Boden etwas durchkneten (wenn der Boden sehr trocken ist, mit Wasser anfeuchten) und dann zwischen den Handtellern rasch zu einer bleistiftdicken Wurst ausrollen.
Ist der Boden nicht ausrollbar und zerfällt, handelt es sich um einen leichten Sandboden.
Ist die Probe ausrollbar, ist der Boden ein sandiger Lehmboden, ein mittelschwerer Lehmboden oder ein toniger, schwerer Lehmboden.
Ein leichter Sandboden kann so noch genauer bestimmt werden: Wenn sich die Probe zwischen Daumen und Zeigefinger krümelig zerreiben lässt, ist der Boden nicht bindig, es ist ein Sandboden. Dieser kann dann noch weiter unterschieden werden: Die Probe zwischen den Handflächen zerreiben: Wenn toniges Material sichtbar ist (kleine, glitzernde Partikel), dann ist der Boden ein schwach lehmiger Sand, ist kein toniges Material sichtbar, ein reiner Sandboden. Ist er bindig (nicht krümelig), wenn man ihn zwischen Daumen und Zeigefinger zerreibt, ist er ein stark lehmiger Sandboden.
War bei der ersten Unterscheidung die Probe gut ausrollbar, kann ebenso noch weiter unterschieden werden: Lässt sich die Wurst noch weiter ausrollen, bis sie nur noch halb so dick wie ein Bleistift ist? Wenn nein, ist der Boden ein stark sandiger Lehmboden. Wenn ja, ist es ein schwererer Boden. Wenn er zwischen Daumen und Zeigefinger in Ohrnähe gequetscht wird und man hört ein starkes Knirschen, ist es ein sandiger Lehmboden. Kein oder nur ein schwaches Knirschen deutet auf einen schweren Lehm- oder Tonboden hin. Sind die Gleitflächen, die beim Reiben entstanden stumpf, handelt es sich um einen Lehmboden. Wenn sie glänzen, um einen Tonboden.
Der pH-Wert des Bodens
Der pH-Wert des Bodens hängt in erster Linie von der Ausgangsgesteinsart ab. Je höher der Kalkgehalt des Bodens ist, umso basischer (alkalischer), also umso weniger sauer, ist der Boden. Der pHWert zeigt an, ob der Boden sauer, neutral oder basisch reagiert. Vom pH-Wert hängt wesentlich ab, ob die Pflanzen viel oder wenig Nährstoffe aufnehmen können. Bei einem tiefen pH-Wert sind die meisten Nährstoffe leichter löslich und somit besser pflanzenverfügbar. Sandige Böden haben einen geringeren Kalkbedarf als lehmige Böden, der pH-Wert darf daher auch niedriger sein als bei einem schweren Boden. In der Regel sinkt der pH-Wert durch Auswaschung langsam ab. Regelmäßige Kalkungen (z.B. alle 3–4 Jahre) verhindern ein Absinken des pH-Wertes und tragen auch zu einer guten Bodengare bei. Ein Boden mit einer guten Bodengare hat eine gute Krümelstruktur, die nicht verschlämmt. Ist der pH-Wert zu niedrig, kann keine gute Bodenstruktur entstehen. Die meisten Pflanzen bevorzugen einen schwach sauren Boden (pH-Wert zwischen 6 und 7). Der ideale pH-Wert beträgt bei schweren Böden 6,5– 7, bei mittelschweren Böden 6 und bei leichten Sandböden 5,5.
Den pH-Wert kann man mit etwas Sorgfalt relativ einfach auch selbst bestimmen: Im Fachhandel sind dazu einfache Test-Sets erhältlich (diese bestehen aus so genannten Calcitest-Tabletten, einfachen Glasröhrchen und destilliertem Wasser).
Zusammensetzung des Bodens
Nicht nur die Größe der Gesteinspartikel charakterisiert den Boden. Ein guter Gartenboden besteht zur Hälfte aus Luft und Wasser. Die andere Hälfte des Bodenvolumens besteht zu 95 % aus mineralischer Substanz und idealerweise zu mindestens 5 % aus organischer Substanz. Diese organische Substanz besteht wiederum zu 85 % aus Humus, zu 10 % aus Pflanzenwurzeln und zu 5 % aus verschiedenen Organismen. Und der Großteil der Bodenorganismen sind kleinste Lebewesen, die nur unter dem Mikroskop sichtbar werden: 80 % machen Pilze, Algen, Bakterien und Aktinomyzeten aus. 12 % sind Regenwürmer und 8 % weitere Bodentiere (siehe nebenstehende Darstellung).
Der geringere Anteil an festen Bestandteilen ist die organische Substanz. In diesem Beispiel des Wiesenbodens liegt der Anteil bei 5 %. Doch diese relativ kleine Menge verändert den Boden entscheidend. Auch eine gute Gartenerde sollte mindestens 5 % organische Masse enthalten. Im Idealfall ist der Anteil 6–10 %. Wichtig ist aber jedenfalls, dass der Anteil von Jahr zu Jahr zunimmt. Den Großteil der organischen Substanz macht der Humusgehalt aus. Dieser ist entscheidend für die Bodenfruchtbarkeit. Humus nimmt Feuchtigkeit wie ein Schwamm auf und gibt sie langsam an die Pflanzen wieder ab und wirkt auch Auswaschungen und Erosion entgegen. Böden mit einem hohen Humusgehalt sind dunkel gefärbt, erwärmen sich dadurch rascher und können im Frühjahr zeitiger bearbeitet werden. Der Humusanteil wird durch konsequentes biologisches Gärtnern von Jahr zu Jahr gesteigert: durch Gründüngung, Einbringen von Kompost und Mulchen.
Im bereits angesprochenen DOK-Versuch zeigte sich, dass die Biomasse und Anzahl der Regenwürmer in den ökologischen Parzellen 1,3- bis 3,2-mal höher waren als in den konventionellen Parzellen.
Humusreiche Böden speichern mehr und länger Wasser, was insbesondere bei längeren Trockenheiten im Sommer höhere Erträge ermöglicht. Daher enthalten biologisch bewirtschaftete Böden erwiesenermaßen in den obersten 15 cm wesentlich mehr Wasser und Pflanzen können daher wesentlich besser gedeihen. Dies konnte im Hitzesommer 2003 europaweit beobachtet werden.
„Der liebe Gott weiß, wie man fruchtbare Erde macht, und er hat sein Geheimnis den Regenwürmern anvertraut.“, meinte ein Sprichwort aus Frankreich.
Helferleins im Boden – Regenwürmer und andere Bodentiere
Regenwürmer sind die bekanntesten Bodentiere, doch neben ihnen keucht und fleucht unzähliges größeres, aber auch kleineres Getier: Milben, Asseln, Springschwänze, Larven, Käfer, Algen, Pilze und Bakterien. Diese Organismen sind im Dunkel der Erde ununterbrochen tätig und vollbringen einen Verdauungsprozess, der Rotte genannt wird. Feuchte Pflanzenteile werden von Insekten und anderen kleinen Tierchen zerkleinert und von Bakterien, Pilzen sowie anderen Mikroorganismen bis in ihre kleinsten Bestandteile zersetzt. So regeln kleinste Mikroorganismen die vielfältigen Nährstoffumsetzungsprozesse im Boden. Prozesse, die im Übrigen noch lange nicht bis ins kleinste Detail untersucht sind. Viel zu wenig hat sich die Agrarforschung in den letzten Jahrzehnten mit dem Biotop Boden auseinandergesetzt. Jedes Bodentierchen ist auf eine ganz bestimmte Aufgabe spezialisiert und nur unter ganz bestimmten Lebensbedingungen lebensfähig (pH-Wert, Feuchtigkeit, Nährstoffe, Luft etc.). Ändern sich diese Lebensbedingungen, stirbt der Mikroorganismus ab und wird selbst wiederum Nahrung für andere.

Neubildung von Ton-Humus-Komplexen
Ein paar Regenwurm-Hardfacts:
• in einem 10 m2 großen, belebten Beet leben ca. 3 kg Regenwürmer; sie produzieren Wurmkot, in dem alle wichtigen Düngerstoffe enthalten sind
• Würmer arbeiten innerhalb von 10 Jahren die Erde bis zu 1 m tief um
• ein Regenwurm produziert pro Tag Kot in der Menge seines halben Körpergewichts
• ein Wurm hat im Jahr bis zu 500 Nachkommen
• Regenwürmer machen eine kurze Sommerund Winterruhe
• Regenwürmer ernähren sich ausschließlich von abgestorbenen Pflanzenteilen
Entscheidend für die Bodenfruchtbarkeit ist die Bildung von so genannten „Ton-Humus-Komplexen“ (→ Zeichnung). Diese entstehen hauptsächlich durch Vermischung und Verknetung im Darm des Regenwurms. Regenwürmer verarbeiten Bodenteilchen mit ihrer Pflanzennahrung zu den Ton-Humus-Komplexen. Tonminerale entstehen durch Verwitterung aus dem Gestein, Humusstoffe durch Verrottung aus Pflanzen, gemeinsam bilden sie dann Ton-Humus-Komplexe, an denen sich gelöste Salze anlagern können. Diese Ton-Humus-Komplexe werden dann durch Bakterien weiter zu Bodenkrümel verbaut. Bakterien verkleben sie mit den von ihnen abgesonderten Schleimstoffen zu festen Teilchen. Auch Pilzhyphen oder feine Haarwurzeln bilden Bodenkrümel. Diese Vorgänge werden auch als „Lebendverbauung“ bezeichnet. Die Oberfläche eines solchen Bodenkrümels überzieht ein dünner Wasserfilm, so wie das Meer unsere Erde. Die Krümelbildung führt letztlich zu einem stabilen Bodengefüge. Ein Boden mit einer guten „Bodengare“ hat ein gutes Wasserspeichervermögen, erwärmt sich optimal und ist gut durchlüftet. Diese Bodenkrümel haben ein gutes Verhältnis von Grobporen, die Luft und Wasser führen, und Mittelporen, die Wasser führen (→ Zeichnung).

Schematischer Krümelaufbau: Bodenkrümel haben ein günstiges Verhältnis von Feinporen (in die Wasser fest eingebunden ist), Mittelporen (wasserführend) und Grobporen, die Luft und Wasser führen können.
Was ist Humus?
Humus besteht aus organischer Substanz. Mit freiem Auge erkennbare Teile sind Streu, Anteile, die nur unter dem Mikroskop erkennbar sind, Huminstoffe. Diese bestehen zu einem hohen Anteil aus Aminosäuren, den Bausteinen des Eiweißes, Aminozuckern und Zuckern. In den oberen 20 cm Ackerboden haben wir bei 2 % Humus ca. 15.000–20.000 kg Eiweißtrockenmasse. Um Humus aufzubauen, müssen deshalb große Mengen an Aminosäuren und Aminozuckern in den Boden eingespeichert werden. Besonders eiweißreich sind die Wurzeln der Feldfutterleguminosen. Sie enthalten 4- bis 7-mal mehr Eiweiß als Getreide- und Gräserwurzeln, zudem haben sie eine wesentlich größere Wurzelmasse. Ein Mist, der besonders viele wertvolle Humusbausteine liefert, ist Rindermist. Er gilt daher als wertvollster Dünger unter den verschiedenen Mistarten (zur Wirkung der einzelnen Mistarten → Mist als Dünger). Gleichzeitig fördert Rindermist den Aufbau von Makroaggregaten, das sind die stabilen Bodenkrümel, in denen das pflanzenverfügbare Wasser gespeichert wird. In diesen Makroaggregaten findet ein vorwiegender Aufbaustoffwechsel statt, das heißt, es wird mehr von der zugeführten Pflanzensubstanz eingebaut und weniger veratmet. In den Mikroaggregaten, die besonders durch den Mineraldünger gefördert werden, ist es umgekehrt. Rindermist verändert den Bodenstoffwechsel in Richtung Aufbau, fördert den Humusaufbau, die Enzymaktivitäten, die Bildung stabiler Bodenkrümel und fördert damit die Wasserspeicherkapazität der Böden.
Ist mein Gartenboden fruchtbar?
Diese Frage lässt sich mit einem Blick auf die Pflanzen, die in diesem Boden wachsen am besten beantworten: Wenn die Pflanzen gesund und wüchsig sind, ist dies das beste Zeichen für einen fruchtbaren Boden. Pflanzen haben so etwas wie gemeinsame Wachstumsansprüche (z.B. gedeiht keine Gemüsepflanze auf staunassem Boden gut), die Kulturen unterscheiden sich aber auch in ihren Standortansprüchen: Wurzelgemüse reagiert äußerst empfindlich auf verdichtete Böden, Weißkraut gedeiht auf schweren Böden besonders gut. Wollen die Pflanzen nicht recht gedeihen, kann dies folgenden Grund haben (oft auch eine Kombination aus mehreren Gründen):

Von links nach rechts: festes Gestein ohne Mutterboden-Horizont, humoser, aber flachgründiger Boden, humoser Mutterboden und tiefgründige Verwitterungsschichten, staunasser Boden.
Der Boden ist überdüngt: Vor allem Hausgärten, die seit Jahren und Jahrzehnten mit Stallmist gedüngt werden, sind häufig überdüngt. Dann wird Gemüse anfällig für Krankheiten und Schädlinge und Wurzelgemüse gedeiht überhaupt nicht, weil die hohe Salzkonzentration im Boden das Wurzelwachstum ständig schädigt.
Stickstoffmangel: Bei einer guten Bodenstruktur hängt die Wüchsigkeit der Gemüsepflanzen im Wesentlichen von der Stickstoffversorgung in den entscheidenden Wachstumsphasen ab. Stickstoffmangel äußert sich in Zwergwuchs, klein bleibenden Blättern, hellen Blättern, schlechter Bewurzelung und einer schnellen Reife (Notreife) der Pflanzen.
Der Boden ist zu seicht: Pflanzen brauchen genügend Wuchsraum, um sich ausbreiten und mit dem Boden gut verwachsen zu können. Wenn das Tiefenwachstum der Wurzeln durch einen verdichteten Unterboden, durch festes Gestein, anstehendes Grundwasser oder mangelnde Belüftung begrenzt wird, reagieren auch die Stiele und Blätter der Pflanzen mit einem Wachstumsstopp.
Der Boden ist zu trocken oder zu nass: Nicht nur die Pflanzen, auch Bodenorganismen benötigen Wasser. Der Boden nimmt dieses Wasser im Idealfall wie ein Schwamm auf und gibt es langsam wieder ab. Leichte Sandböden lassen Wasser schnell versickern und können es nicht speichern, in schweren Lehmböden hingegen kann Wasser kaum versickern, diese Böden neigen zu Staunässe und dürfen nicht zu viel bewässert werden.
Der Boden ist verdichtet: Die Wurzeln der Pflanzen müssen genauso wie Bodenorganismen atmen können und das CO2, das die Wurzeln bilden, muss aus dem Boden entweichen können. Die Grobporen führen Luft. Ist der Boden verdichtet oder staunass, gelangt kein Luft-Sauerstoff an die Wurzeln und die CO2-Konzentration erhöht sich. Die Wurzeln sterben ab und im Extremfall auch die ganze Pflanze. Pflanzen, die einen verdichteten Boden anzeigen sind: Quecke, Ampfer und Ackerkratzdistel.
Der Boden ist zu kalt: Fruchtbare Böden sind dunkle Böden. Diese erwärmen sich rascher als helle. Nasse Böden sind zudem durch die ständig entstehende Verdunstungskälte auch noch gekühlt, sie können aber eindringende Wärme besser speichern als trockene Böden. Daher sind trockene Böden (besonders wenn sie in Mulden liegen), besonders durch Spätfröste gefährdet.
Der Boden ist zu sandig oder tonig: An der Struktur des Bodens kann man am besten den Zustand des Bodens erkennen. Ein Boden mit einer guten „Bodengare“ ist feinkrümelig und lässt sich gut bearbeiten. Strukturschwache Böden neigen besonders zu Verschlämmungen und in Hanglagen dazu, ausgewaschen zu werden. Tonige Böden quellen, wenn sie nass sind, und lassen dann keine Luft eindringen. Wenn sie wieder austrocknen, bilden sich steinharte Klumpen.

Mulchen tut dem Boden und den Pflanzen gut.
Mulchen ist Bodenpflege
Mulchen ist ein Abdecken der Bodenoberfläche mit abgemähten Gründüngungspflanzen, Grasschnitt (beide idealerweise angewelkt oder getrocknet) oder auch mit anderen Pflanzen: zerkleinerte Unkräuter (die noch keine Samen gebildet haben!), grob zerkleinerte Brennnessel oder Beinwell-Blätter oder auch Stroh. Das Mulchen erfüllt viele Zwecke: Der Boden ist bedeckt und beschattet und das Wasser bleibt im Boden. Somit können Bodenorganismen bis in die oberste Schicht aktiv sein, da der Boden nicht austrocknet. Weil die Bodentiere aktiv sind, bleibt der Boden locker. Und aus der Mulchschicht holen sich vor allem Regenwürmer ihre Nahrung. In einem belebten Gartenboden ist eine dünne Mulchschicht innerhalb weniger Wochen in den Boden eingearbeitet und somit zu Dünger für die Gemüsepflanzen umgewandelt. Unkraut sitzt unter einer Mulchschicht locker und lässt sich leicht entfernen. Stroh und andere Materialien, die einen niedrigen Stickstoffund einen hohen Kohlenstoffgehalt haben, dürfen nur über wenige Monate (keinesfalls über mehrere Jahre!) auf einer Fläche verwendet werden. Sie entziehen dem Boden und damit den Pflanzen beim Verrotten Stickstoff.

Wie wird der Nährstoffbedarf der Kulturen gedeckt?
Über das Düngen
Das wichtigste Düngungs-Prinzip im ökologischen Landbau ist, dass nicht die Pflanze, sondern der Boden, genauer gesagt die Bodenlebewesen gedüngt werden. Düngen im Bio-Garten heißt Humus aufzubauen – über Kompost, Ernterückstände, Gründüngung und Mulch. Und Düngung bedeutet im ökologischen Landbau Rahmenbedingungen für einen vitalen „Boden-Pflanzen-Organismus“ zu schaffen, der zur Eigenaktivität und Selbstgestaltung seiner Umgebung befähigt wird. Optimales Wachstum gewähren heißt in diesem Sinne, die Selbstregulierungskräfte des Systems Boden-Pflanze zu erhöhen. Die Fähigkeit der Pflanze, sich durch einen optimalen Bodenaufschluss mit Nährstoffen und allen anderen Wuchsstoffen zu versorgen, soll gestärkt werden. Grundlage für diesen Vorgang ist eine sorgfältige Pflege des Bodenlebens zur Erhaltung und Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit. Ein aktiver Boden mit einer guten Struktur und die organische Düngung sind daher die wichtigsten Voraussetzungen für ausreichend ernährte und gesunde Kulturpflanzen (keine Verdichtung, keine Überdüngung, keine Beeinträchtigung des Bodenlebens durch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel etc.).
Das Nährstoff-Pool im Boden wird beeinflusst von Standort-Eigenschaften (Bodentyp, Klima und Witterung), der Fruchtfolge (Reihenfolge der Kulturen, Gründüngung, Ernterückstände), Kulturmaßnahmen (Bodenbearbeitung, Hacken, Bewässerung), und dem Dünger (Kompost, Mist).
Wie viel Dünger brauchen Pflanzen?
Kulturpflanzen benötigen unterschiedlich viele Nährstoffe. Die verbreitete Einteilung in Schwachzehrer, Mittelzehrer und Starkzehrer sagt aus, wie viel Stickstoff eine Kulturpflanze bis zur Reife benötigt. Diese Menge ist in erster Linie abhängig von der Kulturdauer, von der Pflanzenmasse, die die Kulturpflanze bis zur Reife ausbildet und davon, ob die Pflanze Stickstoff selber aus der Luft ernten kann – alle Leguminosen benötigen kaum eine Stickstoffversorgung und zählen zu den Schwachzehrern. Die Wüchsigkeit der Kulturpflanzen hängt von einer guten Bodenstruktur und im Wesentlichen von der Stickstoffversorgung in den entscheidenden vegetativen Phasen ab. Stickstoffmangel-Symptome sind: Zwergwuchs, kleine Blätter, schlechte Bewurzelung, geringes Triebwachstum, die Früchte bleiben klein und die Pflanzen sind hellgrün. In Folge ist auch die Fähigkeit der Pflanze, sich Phosphor, Kali und andere Spurenelemente anzueignen, stark eingeschränkt. Wesentlich häufiger als ein Stickstoffmangel ist allerdings das Gegenteil: eine Stickstoff-Überversorgung. Stickstoff-Überschuss ist erkennbar an sehr dunkelgrünen Pflanzen, bewirkt ein schwammiges Pflanzengewebe, eine hohe Krankheits- und Schädlingsanfälligkeit und eine schlechte Lagerfähigkeit.
| Kulturart | kg/m2 | l/m2 |
| Schwachzehrer | 1–2 | 3–5 |
| Mittelzehrer | 2–3 | 5–7 |
| Starkzehrer | 3–5 | 8–12 |
| Obstbäume | 2–3 | 5–7 |
| Blumenbeete | 1–2 | 3–5 |
| Rasen | 1–2 | 3–5 |
Jährliche Kompostgaben bei verschiedenen Kulturarten. Quelle: Arthur Schnitzer
Stickstoff-Ansprüche
• Schwachzehrer: Petersilie, Bohnen, Erbsen, Feldsalat, Radieschen, Kresse, Kräuter
• Mittelzehrer: Schwarzwurzel, Spinat, Karotte, Erdäpfel, Kopfsalat, Rettich, Kohlrabi, Schnittlauch, Rote Rüben, Mangold, Fenchel, Knoblauch, Erdbeeren, Zwiebel
• Starkzehrer: Endivien, Kohlarten, Sellerie, Paradeiser, Gurken, Zuckermais, Lauch, Rhabarber, Zucchini, Kürbis
Von Februar bis April sind die Temperaturen im Boden noch zu gering, um eine genügend hohe Mineralisierung aus den Bodenvorräten zu ermöglichen. Frühgemüse mit einem höheren Nährstoffbedarf muss daher mit leicht zersetzbarer, organischer Substanz versorgt werden, um die Mineralisierung anzuregen. Im Hausgarten baut man allerdings um diese Zeit meist noch keine Starkzehrer an. Ab Mai, wo man dann Starkzehrer wie Paradeiser oder Kürbisse pflanzen kann, sind dann die Böden bereits ausreichend erwärmt, um über die Mineralisierung der Ernterückstände der früheren Gemüse, einer Gründüngung und aus der Mineralisierung des Humus den Pflanzen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.
Den Boden hacken
Gärtnerinnen und Gärtner können die natürlichen Nährstoffquellen im Boden auch durch regelmäßiges Hacken aktivieren: In humusreichen Böden werden dabei vor allem in den Monaten Juni bis Oktober große Mengen an sofort pflanzenverfügbarem Stickstoff freigesetzt. Zusätzlich wird durch das Hacken auch Wasser besser im Boden gehalten. Hacken ist also Gießen und Düngen in einem Arbeitsgang.
Kompost als Dünger
Kompost ist für die meisten Gemüsegärtnerinnen und -gärtner ein leicht verfügbarer Dünger – weil man ihn einfach im Garten selbst gewinnen kann: Ernterückstände, Gemüseabfälle, Laub, Grasschnitt, (gehäckselter) Strauchschnitt … Diese organische Substanz wird durch die Rotteprozesse im Komposthaufen umgesetzt. Kompost dient sowohl zum Humusaufbau wie auch zur direkten Nährstoffversorgung der Pflanzen. Je nach dem Bedarf an Stickstoff werden die Pflanzen mit Kom post versorgt, siehe Tabelle S. 59. Eine sehr einfache Form der Kompostierung ist der Flächenkompost. Dieser dient zur Bodenpflege: Im Herbst Grünschnitt, Laub, unfertigen Kompost, auch Küchenabfälle über die Beete streuen (nur wenig, so wie der erste leichte Schnee) und eine halbe Spatentiefe einarbeiten. Gemüsebeete mit mehr als 4 % Humusgehalt benötigen im Frühjahr lediglich eine Startdüngung, Starkzehrer werden dann im Sommer nochmals mit Pflanzen-jauchen gedüngt. Die in der Tabelle auf S. 59 angegebenen Mengen beziehen sich jeweils auf die Kompostgaben im Frühjahr. Auf Böden, die regelmäßig mit Kompost oder Mist versorgt werden, treten kaum Probleme mit einem Mangel an Spurenelementen auf.
Mist als Dünger
Gut verrotteter Stallmist ist der beste Dünger für den Garten – er lockert den Boden und trägt zur Humusbildung bei. Diese Wirkung des Stallmistes hält für 3–5 Jahre an, wobei die Wirkung von Jahr zu Jahr nachlässt. Für viele Gärtnerinnen und Gärtner ist es nicht so leicht, an Mist zu kommen. Wer jedoch selbst Tiere hält oder Nachbarn hat, die vielleicht sogar froh sind, wenn sie etwas Mist abgeben können, für den sind folgende Hinweise aus Hampels „Gartenbuch für Jedermann“ aus dem Jahr 1902 zusammengestellt:
„Von allen Dungarten ist der Stallmist für den Gemüsebau der wichtigste; er besteht aus einer Menge flüssiger und fester Ausscheidungen der Haustiere und ist nach der Tiergattung und der Art ihrer Ernährung in seinem Wert verschieden.
Wenn man nun unter den verschiedenen Dungarten die Wahl hat, so wähle man Rindermist; derselbe ist fett und kühlend, er eignet sich für jeden Boden, vorzugsweise aber für leichten Sandboden. Am vorzüglichsten wirkt er, wenn man ihn im halbzersetzten Zustande anwendet. Ist man aber genötigt, denselben frisch zu verbrauchen, so ist es vorteilhaft, ihn schon im Herbst unterzugraben, damit er sich bis zum nächsten Frühjahr, ehe das Land bestellt wird, durch die Einflüsse der Witterung zersetzt.
Der Pferdemist ist sehr hitzig und nicht für jede Kultur geeignet; sein Wert für den Gartenbau beruht hauptsächlich darin, dass er zur Erwärmung der Mistbeete dient und für dieselben unentbehrlich ist. Derselbe ist aber auch für den kalten, schweren Boden von großem Nutzen, indem er den Boden lockert und erwärmt. Am vorteilhaftesten ist seine Verwendung im zeitigen Frühjahr, für die Kultur der frühen Gemüse und zur Anzucht der Gemüsepflanzen, weil unter seiner Einwirkung selbst an kühlen Tagen die Vegetation nicht ins Stocken gerät und die Pflanzen in kalten Nächten weniger leiden.
Der Schafmist ist ebenfalls warm und trocken; er lässt sich für den Gemüsebau nur im verrotteten Zustande verwenden und eignet sich am besten für Thon- und humusreiche Böden, weil er sich auf trockenem, sandigem Boden nur schwer auflöst und als trockene Masse im Erdreich bleibt, wo er den Wurzeln mehr schadet als nützt. – der Schafmist besitzt einen doppelt so hohen Stickstoffgehalt als der Rindermist und ist, wenn er richtig angewandt wird, von großer Wirkung. Von ähnlicher Beschaffenheit ist auch der Ziegenmist.
Am wenigsten ist Schweinemist für den Gemüsebau geeignet, derselbe ist ein sehr wasserreicher und stickstoffarmer Dünger, dessen Wert von der verschiedenartigen Ernährung der Schweine abhängt. Er eignet sich am besten für warmen Sandboden, in welchem er von rascher, jedoch nur kurzer Wirkung ist.
Der Geflügelmist ist für alle Kulturen sehr wertvoll und verdient aufs sorgfältigste gesammelt zu werden. Am besten ist der Taubenmist, welcher wenig Wasser enthält, dafür aber umso mehr Stickstoff und Phosphorsäure. Derselbe ist jedoch sehr scharf und darf weder frisch noch in großer Menge Verwendung finden. Er eignet sich sehr gut als Kopfdünger oder, wenn in Wasser aufgelöst, als Beigabe des Gießwassers. Seine Wirkung ist rasch und nachhaltig.“

Die abgeernteten Gemüsepflanzen kommen auf den Komposthaufen. Und ein Jahr später kommt der Kompost wieder auf die Beete.
Pflanzen können Nährstoffe aktiv aus dem Boden lösen
Pflanzen können über Wurzelausscheidungen oder durch Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen aktiv Nährstoffe aus den unlöslichen Bodenvorräten mobilisieren. Pflanzen bilden aus bis zu 19 % der Assimilate, die bei der Photosynthese entstehen, Wurzelausscheidungen (zum Vergleich: 53–79 % gehen in den Spross). An vielen Standorten können so Pflanzen ihren Bedarf an Nährstoffen selbst decken. Diese Erkenntnisse verdanken wir vor allem einem großartigen Wissenschafter, Edwin Scheller, der die Theorien der Pflanzenernährung auf den Kopf gestellt hat und nachgewiesen hat, dass unser vorherrschendes Verständnis der Pflanzendüngung auf vielen Missverständnissen beruht – nämlich, dass Pflanzen mit Düngemittel „gefüttert“ werden müssen. Der Pflanzenernährungsforscher Edwin Scheller verstarb vor wenigen Jahren, hoch anerkannt in der Praxis und Forschung des ökologischen Landbaus, darüber hinaus jedoch relativ unbekannt. Edwin Scheller wies nach, dass der gegenwärtige Düngungsbegriff der Pflanzenernährungslehre auf einem großen Missverständnis beruht: der Mineralstofftheorie Liebigs, einer Theorie, die mittlerweile über 150 Jahre alt ist, aber nach wie vor das gängige Verständnis von Düngung prägt: Sie geht davon aus, dass Pflanzen zum Wachstum und zur Entwicklung essentielle Nährelemente wie Stickstoff, Phosphor und Kalium über die Wurzeln aufnimmt und damit der Boden an löslichen Fraktionen dieser Elemente verarmt. Düngen heißt in diesem Verständnis, dass der Boden ein Nährstoffspeicher ist, der jeweils bis zur für die Pflanze nötigen „Füllhöhe“ mit den entsprechenden Nährstoffen aufgefüllt werden muss.
Gründüngung Hafer, Wicke
Edwin Scheller wies nach, dass Pflanzen im Gegensatz dazu die Fähigkeit haben, Nährstoffe aktiv aus dem Boden zu mobilisieren. Das heißt, sie können sich selber aus dem Boden holen, was sie brauchen und fest eingebundene Nährstoffe für sich verfügbar machen. Wichtig ist das vor allem für die Hauptnährstoffe Kalium und Phosphor. Diese sind direkt in den Ton-Humus-Komplexen gebunden. Die unmittelbar verfügbaren Vorräte an Phosphor und Kalium direkt in den Böden sind um ein Vielfaches größer als jene in den Lagerstätten, die für die Erzeugung von leichtlöslichen Mineraldüngern abgebaut und zu leichtlöslichen Mineraldüngern verarbeitet werden. Erst die erwachsene Pflanze kann Nährstoffe aktiv aus dem Boden mobilisieren, Keimlinge und Jungpflanzen noch nicht. Die wissenschaftlichen Versuche, wie viele Nährstoffe eine Pflanze braucht, wurden aber immer mit Sämlingen durchgeführt. Das ist also, wie wenn man davon ausginge, dass Menschen sich nicht selbst ernähren könnten und gefüttert werden müssten, weil man bei der Bildung dieser Theorie von der Beobachtung von Säuglingen ausgegangen war!
Der mögliche Anteil einer aktiven Nährstoffmobilisierung zur Deckung des Gesamtbedarfs an Grundnährstoffen und Spurenelementen variiert sehr stark und hängt von der Wechselwirkung der Pflanze mit dem Boden und den Mikroorganismen ab.
Was brauchen Pflanzen, um Nährstoffe aktivieren zu können?
Nicht alle Pflanzen können Nährstoffe gleich gut mobilisieren. So können z.B. Buchweizen, Luzerne, Erbsen, Lupinen, Mais oder Senf Phosphate sehr gut mobilisieren und aufnehmen. Mit ihrem ausgedehnten Wurzelwerk können Gründüngungspflanzen Nährstoffe – vor allem Kalium, Magnesium und Phosphor – aus tieferen Bodenschichten lösen und in die Wurzelregion der Kulturpflanzen befördern. Auch wenn diese Gründüngungspflanzen in den Boden eingearbeitet werden, werden die von ihnen mobilisierten und aufgenommenen Nährstoffe wieder in den Kreislauf zurückgeführt.
Für eine ausreichende Nährstoffversorgung ist im Bio-Garten eine hohe aktive Nährstoffmobilisierung der Pflanzen notwendig. Dafür ist es einerseits entscheidend, dass die Sorten dem Standort – also Klima, Bodenart, Höhenlage etc. – angepasst sind. Andererseits brauchen Pflanzen ein aktives Bodenleben, einen hohen Humusgehalt und eine hohe Humusqualität der Böden und einen gut durchwurzelbaren Boden. Und schließlich ist die Fähigkeit der Pflanzen, die Hauptnährstoffe Kalium und Phosphor zu aktivieren, von ihrer Vitalität und damit von einer ausreichenden Stickstoffversorgung abhängig.
Ein aktives Bodenleben
Das Bodenleben braucht vor allem:
• einen gut strukturierten Boden, für diesen ist ein hoher Humusanteil, eine intensive Durchwurzelung und eine sorgsame Bodenbearbeitung wichtig
• einen nicht verdichteten Boden
• Boden, der auch ausreichend Wasser speichern kann (auch hier ist der hohe Humusanteil wichtig)
• möglichst ganzjährige Bodenbedeckung
• starke Durchwurzelung über vielfältige → Fruchtfolgen, gut entwickelte Kulturen und → Gründüngungen
Humusgehalt und Humusqualität
• Die Humusgehalte in Hausgärten liegen meist um die 4 %, ideal sind 6–10 %.
• Nicht ein bestimmter (absoluter) Prozentsatz ist der Maßstab für eine erfolgreiche Humuswirtschaft, sondern die Zunahme des Humusgehaltes.
• Humus erhöht das Wasser- und Nährstoffhaltevermögen und vermindert den Befall durch Krankheitserreger

Gründüngung Lupine
Ein gut durchwurzelbarer Boden
Ein Boden, den die Pflanzenwurzeln gut durchwurzeln können, ist die wichtigste Voraussetzung für dauerhaft gute Erträge. Bodenverdichtungen können im Bio-Garten nicht durch leichtlösliche Mineraldünger ausgeglichen werden, daher ist das Vermeiden von Bodenverdichtungen ganz zentral. Das bedeutet für uns Bio-GärtnerInnen, dass es besonders wichtig ist, wann und wie wir den Boden bearbeiten: Keinesfalls nasse Böden bearbeiten, sondern immer warten, bis die Böden gut abgetrocknet sind, ebenso keine Maschinen verwenden, die zwar die obersten Schichten lockern, aber den Boden darunter verdichten (Fräse, Pflug).
Düngen im Balkongarten
In geschlossen Gefäßen sind die beschriebenen Lebensprozesse, die im Mutterboden stattfinden, nicht möglich, Pflanzen sind auf die Beschaffenheit des Substrats und einer guten Nährstoff- und Wasserversorgung durch uns GärtnerInnen angewiesen. Viele Erden, die im Handel erhältlich sind, sind bereits aufgedüngt (die Anteile der einzelnen Nährstoffe sind auf den Säcken genau angegeben). BalkongärtnerInnen, die Mutterboden und Kompost zur Verfügung haben, können auch selbst Mischungen herstellen:

Gründüngung Buchweizen
• Mischung 1: 50 % gut ausgereifte, stabile Komposterde mit 30 % „ankompostierter“ Kokosfaser und/oder Rindenkompost und ca. 20 % Bims. Man kann auch etwas Muttererde beigeben.
• Mischung 2: 5 Teile Gartenerde, 2 Teile Kompost, 1 Teil Sand.
Die einzelnen Kulturarten benötigen unterschiedlich viel organischen Stickstoff-Dünger (Wie viel Dünger brauchen Pflanzen?). Wie lange die Düngewirkung anhält, hängt von der Struktur des Düngemittels ab: Hornspäne haben eine grobe Struktur, wirken langsam, aber über einen langen Zeitraum (16–24 Wochen). Sie sind günstig für Paradeiser oder Gurken. Hornflocken oder Horngriess haben eine mittlere Struktur und wirken über 10–16 Wochen. Hornmehl und Rhizinusschrot haben eine feine Struktur, wirken rasch und nur über 5–12 Wochen und können z.B. für Salate oder Fenchel verwendet werden. Weiters zur Düngung geeignet sind Regenwurmkompost und Biofert.
Wie Düngen ohne Mist und Kompost?
Gärtnerinnen und Gärtner, die einen Gemüsegarten neu anlegen, haben meist das Problem, dass sie weder Mist noch Kompost zur Verfügung haben. Zwei Dünger können wir hier empfehlen: Den Regenwurmkompost von Vermigrand (www.regenwurmfarm.at) und den Biologischen Dünger Biofert. Regenwurmkompost wird aus Luzernekompost, Pferdemist, Grüngut- und Strauchschnittkompost hergestellt und ist auch in kleinen Gebinden (15 Liter) erhältlich. Regenwurmkompost enthält nicht nur sofort wirksame Nährstoffe (bis zu 5 % Gesamtstickstoff und viele andere Haupt- und Spurenelemente), sondern auch lebendverbaute Krümelstruktur (Ton-Humus-Komplexe, wie sie für bereits belebte Böden typisch sind), eine große Menge und Vielfalt an Bodenleben, Huminsäuren und Enzyme. Darüber hinaus wirkt Regenwurmkompost auch pflanzenstärkend und beugt boden- und samenbürtigen Krankheiten vor. Regenwurmkompost hat eine 5-bis 7-fache Düngewirkung gegenüber Kompost.
Biofert ist ein biologischer Dünger, der sich ebenso sehr gut eignet. Biofert besteht zu 100 % aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen.
Bodenuntersuchungen
Eine Bodenuntersuchung in einem Labor muss im Hausgarten nicht regelmäßig gemacht werden. Allerdings ist sie sehr hilfreich, um den eigenen Gartenboden besser einschätzen zu können. Viele HausgärtnerInnen, die jahrelang mit Mist gedüngt haben, erkennen erst an einer Bodenuntersuchung aus dem Labor, wie überdüngt ihr Gartenboden ist! Einfache Bodenuntersuchungen kann man in verschiedenen landwirtschaftlichen Versuchszentren durchführen lassen. Gerade für den Bio-Hausgarten empfehlenswert ist die ausführliche Bodenuntersuchung nach Balzer. Sie beurteilt den Boden nach 4 Gesichtspunkten: Bodenphysikalische Eigenschaften (Bodenstruktur, Bodenverdichtungen, Austauschkapazität, Luft- und Wasserhaushalt, Salzgehalt, Bodenbearbeitung), Bodenchemische Eigenschaften (Nährstoff- und Spurenelement-Niveau und Verhältnisse, Phosphat-Reserve, pH-Wert, Humusgehalt), Bodenbiologische Eigenschaften: Humus-Qualität (Dynamik durch Aufbau und Abbau), Bodensäure (pH-Wert), Phosphor-Verfügbarkeit, Bodenstruktur, Bewirtschaftung und Umwelt-Aspekte: erste Hinweise auf Belastung mit Schwermetallen (Zink, Kupfer, Mangan).
Weiterführende Literatur:
• Mäder, Paul et al. 2002: Bodenfruchtbarkeit und biologische Vielfalt im ökologischen Landbau, in: ÖKOLOGIE & LANDBAU 124, 4/2002
• Koechlin, Floriane 2008: Pflanzenpalaver. Belauschte Geheimnisse der botanischen Welt, Basel
• Scheller, Edwin 1993: Die Stickstoffversorgung der Pflanzen aus dem Stickstoff-Stoffwechsel des Bodens, Weikersheim
• Niggli, Urs 2007: Emissionen senken, Kohlenstoff binden: Bio-Landbau ist gefragt, in: ÖKOLOGIE & LANDBAU 143, 3/2007
Über die Samen
Die meisten Gemüse werden aus Samen gezogen. Egal ob diese selber geerntet oder gekauft werden: Wichtig ist, dass die Samen eine möglichst hohe Keimfähigkeit haben. Je besser die Samen an der Mutterpflanze ausreifen und je besser sie nach der Ernte nachreifen konnten, umso kräftiger können sie nach der Keimung „durchstarten“, umso höher ist ihre Triebkraft und umso länger behalten sie ihre Keimfähigkeit. Mit der Zeit verlieren Samen ihre Keimfähigkeit. Bei den einzelnen Kulturarten ist jeweils im Steckbrief angegeben, wie lange die Samen ausreichend keimfähig sind. Bei günstigen Lagerbedingungen bleibt die Keimfähigkeit lange erhalten, zudem müssen die Samen vor Mäusen und anderen Schädlingen geschützt gelagert werden. Wenn nicht sicher ist, ob Saatgut noch ausreichend keimfähig ist, lohnt sich eine Keimprobe.
Gemüse vermehren
Wie die einzelnen Gemüse vermehrt werden können, haben wir bereits ausführlich beschrieben: Dies kann im „Handbuch Samengärtnerei“ nachgeschlagen werden. Seit dem Erscheinen des Handbuchs vor sechs Jahren haben viele Gärtner-Innen und Gärtner in diesem Buch Anregungen und konkrete Anleitungen für die Vermehrung von Gemüsesorten gefunden. Es hätte den Umfang dieses Buches gesprengt, wiederum auf die Auslese und Saatgutgewinnung einzugehen. Wie bereits im vorangehenden Kapitel über die Sortenvielfalt beschrieben: Aus allen samenfesten Sorten können wiederum Samen für die nächsten Jahre gezogen werden. Gemüse- und Samengärtnern sind kein Widerspruch, sondern ergänzen einander. Saatgutgewinnung braucht auch Zeit und Aufmerksamkeit und eine Lage, in der das Saatgut auch zur Ausreife gelangen kann. Aber wer beobachtet, dass die eine oder andere Sorte im eigenen Garten besonders gut gedeiht, bekommt vielleicht über kurz oder lang auch einmal Lust, die Sorte zu vermehren und bei vielen Gemüsen reifen die Samen ja auch bereits in der Frucht, die ohnehin geerntet wird. Somit möchten wir ihnen das Handbuch Samengärtnerei empfehlen, das Pendant zum Handbuch Bio-Gemüse.
Saatgut lagern
Wichtig für eine erfolgreiche Saatgutlagerung: trockenes Saatgut:
• trockenes Saatgut: Je trockener Saatgut ist, desto länger behält es seine Keimfähigkeit, optimal unter 10 %
• kühle Lagerung: Optimal sind Temperaturen zwischen 4°C und 10°C
• die Temperaturen sollen nicht kurzfristig schwanken
• dunkle Lagerung
• trockene Lagerung
• mäusesicher und mottensicher
Geeignete Aufbewahrungsgefäße sind:
• gut verschließbare Behälter wie Marmeladengläser, Aufbewahrunsgboxen aus Metall (auch alte Keksdosen), Glasflaschen mit luftdichtem Verschluss, Einkochgläser mit Gummidichtungen. Besonders bewährt haben sich mit Bügeln verschließbare Gläser.
• Platz sparend ist die Aufbewahrung von mehreren Samensäckchen in einem großen Glas.
Holzkisten, Nylon- und Plastiktüten, Pappschachteln oder Papiersäcke sind ungeeignet, da sie kein Hindernis für Feuchtigkeit und Schädlinge darstellen (außer der Raum ist absolut trocken und mäusesicher).
Keimprobe
Eine Keimprobe kann einem unliebsame Überraschungen ersparen und bringt Klarheit, ob das Saatgut noch ausreichend keimfähig ist. Bei großen Samen (Bohnen, Erbsen, Kürbissen) 10 Samen, sonst besser 20 oder mehr Samen abzählen und auf ein feuchtes Küchenpapier legen. Dieses einrollen und in einen Plastikbeutel (in den man zuvor einige kleine Luftlöcher geschnitten hat) stecken. Wichtig ist, dass der Beutel nun warm (20–25°C) liegt. Bei den meisten Gemüsearten zeigen sich, wenn die Samen keimfähig sind, die Keimlinge innerhalb weniger Tage. Samen, die nicht einmal quellen, sind sicher nicht mehr keimfähig. Ideal ist eine hohe Keimfähigkeit von über 80 % (im Erwerbsanbau sollte sie noch weit darüber liegen). Wenn die Keimfähigkeit zwischen 60–80 % liegt, ist dies für die Anbaubedingungen im Hausgarten auch noch ausreichend. Man muss dann einfach ein bisschen dichter säen. Saatgut, dessen Keimfähigkeit noch niedriger ist, sollte nicht mehr für den Anbau von Gemüse verwendet werden. Denn auch wenn einige Samen noch keimen, hat die Triebkraft soweit nachgelassen, dass die Pflanzen nur noch zögerlich wachsen und keine guten Erträge mehr liefern.

Peter Zipser zeigt einige Saatgutgläser aus dem Arche Noah Sortenarchiv.
Egal, ob groß oder klein: Gute Saatgutboxen lassen sich mäuse- und mottensicher verschließen.
Saatgut für Gründüngungen
Saatgut, das nicht mehr ausreichend keimfähig ist, kann gut für Gründüngungen verwendet werden, einfach die Sämereien der verschiedenen Gemüse mischen und dann als Gründüngung aussäen.
Beizen von Saatgut
Das Beizen von Saatgut ist eine chemische, physikalische oder biologische Saatgutbehandlung zur Abtötung von am Samen haftenden (also samenbürtigen) Krankheitserregern. Eine wirksame Methode ist die Heißwasserbeize. Sie ist altbekannt und erprobt und gewinnt seit Ende der 80er Jahre gemeinsam mit dem biologischen Landbau wieder an Bedeutung.
Entscheidend für diese Wasserbehandlungen ist, dass die Temperaturen über den gesamten Zeitraum exakt eingehalten werden. Dazu ist ein genauer Thermometer notwenig und eine Hitzequelle, die konstante und regelbare Temperaturen abgibt (nur ein sehr großer Wasserbehälter garantiert, dass es zu keinen raschen Temperaturschwankungen kommt). Die Heißwasserbeize eignet sich nur für sehr vitales und frisches Saatgut. Älteres und keimschwaches Saatgut kann bei der Wärmebehandlung kaputt gehen. Daher immer erst mit einer Kleinmenge eine Probebeizung unternehmen und danach die Keimfähigkeit des Saatguts überprüfen. Für einige Gemüse hat sich die Heißwasserbeize besonders bewährt: Vogerlsalat, Karotte, Petersilie, Sellerie und Kohl. Eine Heißwasserbehandlung bei 50°C mit einer Behandlungszeit von 30 Minuten ist gegen alle untersuchten Krankheitserreger gut bis sehr gut wirksam, ohne dass die Keimfähigkeit beeinträchtigt wird. Nach einer Heißwasserbehandlung zeigt das Saatgut einen verbesserten Aufgang, es treten weniger Krankheiten auf und die Erträge sind höher. Keinesfalls darf Saatgut über 53°C erhitzt werden, da es dabei zerstört wird.
Arche Noah und andere Saatgut-Initiativen arbeiten mit der sogenannten „Dampfbeize“. Dabei wird das Saatgut mit 65°C heißem Dampf gebeizt. Diese Methode ist sehr effektiv, allerdings sind besondere Gerätschaften notwendig.
Vogerlsalat, Feldsalat, Nüsslisalat
(Valerianella locusta)

Vogerlsalat ‚Vit‘
Vogerlsalat kann im Winter oder zeitigen Frühjahr als erstes frisches Grün geerntet werden; die Blattrosetten sind winterhart. In der alten Steinmauer in unserem Garten und in den Böschungen zwischen den Weingärten um Schiltern wächst wilder Vogerlsalat. Daher baue ich selbst keinen Vogerlsalat an. Die Wildpflanzen schmecken intensiver und brauchen kein eigenes Beet. Für alle, die keine Wildpflanzen in der Nähe haben: Er lässt sich als Herbst- oder Frühjahrssaat auch leicht im Gemüsegarten kultivieren. In der Schweiz heißt er seines Geschmacks wegen Nüsslisalat, in Österreich Vogerlsalat; eine aus der Mode gekommene Bezeichnung ist Rapunzel.
> Frühlingsaussaaten ab März bis Mitte April
> Aussaat Mitte Juli bis Mitte August für Ernte September/Oktober
> Aussaat Anfang bis Mitte September für Ernte November bis Mitte Jänner
> Aussaat im Gewächshaus bis Ende Oktober
> Samen 2–4 Jahre ausreichend keimfähig
Anbau
Vogerlsalat ist ein robuster, nussig schmeckender Salat für die Herbst-, Winter- und Frühjahrsnutzung. Am besten wird in Reihen (Reihenabstand je nach Größe der Sorte 10–30 cm) ausgesät, auf sehr unkrautarmen Flächen auch breitwürfig. Bei der optimalen Keimtemperatur von 16–18°C keimen die Samen innerhalb von 8–14 Tagen. Bei extrem niedrigen Temperaturen (um die 5°C kann die Keimung auch bis zu 3 Wochen dauern). Bei Temperaturen über 28°C keimen die Samen nicht, bereits ab Temperaturen über 20°C kommt es zu einer Keimhemmung.
Der Überwinterungsanbau ist nur in klimatisch begünstigten Lagen empfehlenswert. Im Winter gegen Kahlfröste mit Tannenreisig oder doppeltem Vlies abdecken. In kühleren Lagen bis in den Dezember beernten, da sonst mit großen Ausfällen zu rechnen ist. Überwinternde Pflanzen im Frühling zügig beernten, da sie rasch in Blüte gehen. Ein längeres Erntefenster haben die Sorten der Art Valerianella eriocarpa (→ Sortenbeschreibungen).
Anbau im Gewächshaus
Der Anbau von Vogerlsalat im Gewächshaus ist sehr empfehlenswert. Vogerlsalat kann auch im ungeheizten Gewächshaus angebaut werden. Aussaat Mitte September bis Mitte Oktober und ab Mitte Jänner. Ab 20°C das Gewächshaus lüften, ab 12°C können verschiedene Pilzkrankheiten auftreten.
Jungpflanzenanzucht
Vogerlsalat kann auch vorkultiviert werden, im Erwerbsanbau ist das Aussetzen von Presstopf-Pflanzen sehr verbreitet (Wachstumsvorsprung gegenüber Unkräutern, Hauptkultur kann länger stehen bleiben). Im Hausgarten hat man meist keine Erdpresstöpfe zur Verfügung, man kann aber auch in kleinen Quickpots (oder auch Eierkartons) aussäen: Pro Töpfchen 4–6 Samen aussäen und leicht mit Erde bedecken. Nach 3–4 Wochen können die Pflanzen gesetzt werden (Pflanzabstand 8 x 8 cm). Man kann sie auch in den Quickpots lassen und dann direkt schneiden.
Temperaturansprüche
Da Vogerlsalat eine Kulturpflanze unserer Breiten ist, kommt er auch mit niedrigen Temperaturen sehr gut zurecht und wächst auch bei Temperaturen von 5–10°C noch gut. Einzelne Sorten sind unterschiedlich winterhart (→ Sortenbeschreibungen). Winterharte Sorten überstehen Temperaturen bis –15°C. Bei Kahlfrösten sollten sie aber jedenfalls mit einem Vlies abgedeckt werden (tiefe Temperaturen in Kombination mit hoher Sonneneinstrahlung und Wind können zu erheblichen Ausfällen führen). Wilder Vogerlsalat kann geerntet werden, sobald der Schnee weg ist. Die Pflanzen sind dann noch klein, aber das verzeiht man dem ersten frischen Grün.
Düngung
Vogerlsalat benötigt wenig Stickstoff und wird im Garten nicht gedüngt. Eine Ausnahme sind die Überwinterungssaaten. Die Pflanzen können noch keinen Stickstoff mobilisieren. Da man um diese Zeit noch keine Pflanzenjauchen zur Verfügung hat, etwas Bio-Dünger dem Gießwasser zugeben (erst, wenn die Temperaturen über 5°C gestiegen sind, damit er auch umgesetzt werden kann).
Wasserbedarf
Meist wird Vogerlsalat im August gesät, hier kann die Sommertrockenheit zu erheblichen Auflaufproblemen führen, daher den Boden vor der Aussaat gut befeuchten (nicht mehr nach der Aussaat, dies kann den Boden verschlemmen).
Pflege
Auf unkrautarmen Böden braucht Vogerlsalat keine besondere Pflege, sonst ist einmaliges Hacken in der Regel ausreichend. Überwinterungskulturen im Freiland erst hacken, wenn der Boden abgetrocknet ist.
Wilder Vogerlsalat – erntereif Anfang März

Wilder Vogersalat wächst in Schiltern auf Feldrainen.
Fruchtfolge & Mischkultur
Vogerlsalat gilt als gut selbstverträglich, dennoch empfehlen wir als Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten das Beet jährlich zu wechseln. Vogerlsalat eignet sich sowohl als Nachkultur im Herbst nach Paradeisern, Gurken oder anderen Hauptkulturen mit Aussaat Mitte September bis Mitte Oktober. Er kann aber auch statt anderer Vorkulturen im Januar gesät werden. Vogerlsalat hat im Frühling eine extrem kurze Kulturdauer und dank seines feinen Wurzelwerks einen sehr guten Vorfruchtwert (er ist schneller als Radieschen, Kopfsalat oder Kohlrabi erntereif). Keinesfalls nach Hülsenfrüchten anbauen.
Pflanzengesundheit
Im Hausgarten ist Vogerlsalat eine gesunde und robuste Kulturpflanze, das gilt vor allem für die älteren Sorten. Im Glashaus können vor allem in den dunkeln Wintermonaten, die mit einer hohen Pilzgefahr verbunden sind, Krankheiten auftreten.
Zwei Krankheiten des Vogerlsalates sind samenbürtig: Die Phoma-Fäule (Phoma valerianellae) und der Falsche Mehltau (Peronospora valerianellae). Infiziertes Saatgut kann, muss aber nicht durch eine dunkle Verfärbung auffallen. Schadbild: Manchmal sterben die Keimlinge bereits kurz nach dem Keimen ab oder es bilden sich rote Striche auf Wurzeln, Blättern und Stängeln, denen braune bis schwarze Blattflecken folgen. An älteren Pflanzen sterben die unteren Blätter durch Fäulnis ab. Vorbeugung: Heißwasserbeize (30 Minuten bei 50°C, genaue Durchführung → Saatgutgesundheit). Falscher Mehltau tritt vor allem bei feuchter Witterung im Herbst auf. Schadbild: Vergilbung, Pflanzen bleiben klein und blassgrün, blattunterseits wird ein blassgraues Myzel sichtbar. Vorbeugung: In der Früh bewässern. Sorten des Wuchstyps „Dunkelgrüner Vollherziger“ sind widerstandsfähiger gegen den Falschen Mehltau. Vorbeugend zurückhaltend bewässern. Im Glashaus kann auch der Echte Mehltau vorkommen, gute Erfahrungen gibt es im Erwerbsgemüsebau mit dem vorbeugenden Einsatz des Pflanzenstärkungsmittels Milsana (ein Knöterichextrakt).
Ernte und Lagerung
Die Kulturdauer ist abhängig vom Aussaat-Zeitpunkt. Im Frühjahr ist er bereits 5–7 Wochen nach der Aussaat erntereif, bei Sommeraussaaten nach 8–10 Wochen, bei Überwinterungsanbau nach ca. 18 Wochen. Gefrorene Pflanzen nicht berühren, sondern warten, bis sie aufgetaut sind. Vogerlsalat muss möglichst frisch verbraucht werden; ist das nicht möglich, hält er am besten, wenn er gewaschen und trocken geschleudert und in ein feuchtes Tuch im Kühlschrank eingeschlagen wird (oder in einen Lochbeutel).
Vogerlsalat als Balkonpflanze
Vogerlsalat eignet sich gut für die Aussaat in Töpfen. Eine Überwinterung im Topf gelingt nur, wenn die Töpfe im Freien stehen oder unter Dach auch über den Winter feucht gehalten werden.
Sortenvielfalt
Zwei Arten werden als Vogerl- oder Feldsalat bezeichnet: Die häufigere ist Valerianella locusta, die seltenere Valerianella eriocarpa. Beide sind auch heimische Wildpflanzen, die man als Beikräuter in Weingärten und ähnlichen Standorten entdecken kann. Vogerlsalat wurde lange ausschließlich besammelt, erst um 1700 beginnt seine Geschichte als Kulturpflanze. Die Sorten unterscheiden sich in der Blattstellung, in Form, Größe und Farbe der Blätter.
Sortenbeschreibungen
• ‚Dunkelgrüner Vollherziger 2‘ (DF): klassischer, robuster, klein-rundblättriger Typ, sehr winterfest. (www.shop.dreschflegel-saatgut.de)
• ‚Verte de Cambrai‘ (DF, AN)*: französische Sorte vom Typ ‚Dunkelgrüner Vollherziger‘, für den Herbst bis Winteranbau unter Glas und teilweise Sommer im Freiland. Blätter breit, glänzend, mittelgroß und mittelfein, dunkelgrün. Starkwüchsig, guter Ertrag. Blattqualität mittelfein, widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten. (www.shop.dreschflegel-saatgut.de)
• ‚Vernor‘ (AN): kälteresistente, raschwüchsige, verbesserte Selektion von ‚Dunkelgrüner Vollherziger‘. Guter Ertrag. Blatt groß, dunkelgrün, glänzend. Bildet kompakte Rosetten. Blätter mit kurzem Stiel und breiter, ovaler Blattspreite.
• ‚Verte à coeur plen 2‘ (RS): Typ ‚Dunkelgrüner Vollherziger‘, gesund und widerstandsfähig.
• ‚Duplex‘ (ZO): kleines, dunkelgrünes, glattes Blatt, überwintert gut.
• ‚Holländischer Breitblättriger‘ (DF): längliche, große Blätter, nicht frostfest. (www.shop.dreschflegel-saatgut.de)
• ‚Etampes‘ (DF, AN): dunkelgrüne, mittelgroße Sorte, recht derbe Blätter mit hervortretenden Blattnerven, die sehr gut haltbar sind. Rand gewellt bzw. umgeschlagen. Kreuzförmige Blattstellung. Kleine, kompakte Rosette. Wächst langsam, aber gute Winterfestigkeit, im Frühling länger beerntbar.
• ‚Matovilac 2‘ (AN): schmale, zungenförmige Blätter. Relativ große Rosetten (Durchmesser bis 13 cm), ursprünglich aus Kroatien.
• ‚Vit‘ (AN, RS)*: resistent gegen Falschen Mehltau, raschwüchsig, dunkelgrün und rundblättrig. Guter Ertrag und sehr winterfest, sehr gut für Anbau unter Glas und Folie geeignet.
• ‚Kölner Palm‘ (DF, AN)*: V. eriocarpa, (Wollfrüchtiger Feldsalat), alte Kultursorte aus der Ville bei Köln. Stark längliche, vergleichsweise helle Blätter. Besonders geeignet für den Überwinterungsanbau, da er im Frühjahr ca. 2 Wochen später schosst als andere Sorten, Zunächst weniger üppig als gewöhnlicher Feldsalat, geht aber erst im Mai in Blüte und bildet noch bis April ansehnliche Rosetten. Ernte März bis Ende April. (www.shop.dreschflegel-saatgut.de)
• ‚Lisbeths Rapünzelchen‘ (DF): V. eriocarpa, alte, robuste, groß-, aber zartblättrige, spät schossende Sorte. Die Pflänzchen leuchten in einem frischen Buchenwaldgrün und bestechen durch einen sehr leckeren, kräftigen, aromatischen Geschmack, der im Winter besonders intensiv ist. Ernte Februar bis Mai.
• ‚Gekielter Feldsalat‘ (AN, DF): wilde Vogerlsalatart mit schmalen, gefurchten Samen. Wild wachsend von den Weinbergen der Mosel.
• ‚Goldherz‘ (ZO): längliche Blätter, die inneren Blätter sind gelb gefärbt, Spezialität der Samengärtnerei Zollinger.
Vogerlsalat-Kulinarik
Die Pflanzen enthalten viel Vitamin C und A und helfen, die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben. Der Salat schmeckt besonders gut mit einer Marinade aus Kürbiskernöl, Apfelessig, Knoblauch, Salz und Pfeffer, auch Hanföl oder Walnussöl passen sehr gut.
Sortenfotos
Vogerlsalat

‚Mäuseohr‘

‚Kölner Palm‘

‚Verte de Cambrai‘

‚Elan‘

Frühjahrsaussaaten gehen rasch in Blüte.
Malabarspinat, Indischer Spinat
(Basella alba)

Malabarspinat rankt gerne in die Höhe.
Malabarspinat stammt aus Indien. Bei uns ist er selten kultiviert, aber doch der bekannteste Vertreter aus der Familie der Basellgewächse. Die schöne Pflanze benötigt ein sonniges, warmes Plätzchen und ein Rankgerüst. Die jungen, dickfleischigen Blätter werden bis zu 8 cm breit, können über den Sommer, gemeinsam mit den jungen Trieben laufend geerntet werden und schmecken köstlich nach jungem Mais.
> Aussaat ab Ende März/Anfang April
> Im Weinbaugebiet im Freiland, sonst geschützter Anbau
> Auspflanzen ab Ende Mai
> Braucht Rankgerüst
> Laufend beerntbar
> Vermehrung über Samen oder Kopfstecklinge
> Samen 4–5 Jahre keimfähig
Anbau
Malabarspinat bevorzugt Böden, die Feuchtigkeit gut speichern, aber nicht zu Staunässe neigen. Auch auf Sandböden wächst die Pflanze gut, muss dann allerdings regelmäßig gegossen (oder idealerweise gemulcht) werden. Im Weinbauklima kann Malabarspinat im Freien kultiviert werden, in anderen Gebieten im Gewächshaus oder an einem geschützten Plätzchen an der Hauswand im Topf. Das tropische Gewächs ist mehrjährig, wird bei uns aber meist einjährig gezogen, da Malabarspinat-Pflanzen bei uns kaum überwintert werden. Daher wird im Frühjahr frisch gesät (siehe unten). Grundsätzlich lassen sich die Pflanzen auch über Kopfstecklinge vermehren. Malabarspinat kann direkt gesät werden, doch bewährt sich eine Vorkultur.
Jungpflanzenanzucht
Vorkultur bei Temperaturen von 24–27°C ab Ende März/Anfang April. In Töpfe von 4–6 cm Durchmesser aussäen.
Auspflanzen
Auspflanzen nicht vor Ende Mai; im Gewächshaus im April. Pflanzabstände entlang dem Rankgitter: 25–40 cm.
Temperaturansprüche
Die wilden Vorfahren der Kulturpflanze wachsen in Indien, doch auch die Kulturpflanze Malabarspinat fühlt sich bei uns nur im Sommer wohl: Die Pflanze ist sehr frostempfindlich und wärmebedürftig. Bei kühler Witterung ist Malabarspinat ganz und gar nicht wuchsfreudig und bildet nur kleine Blätter.
Düngung
Die Pflanzen kommen zwar auch mit weniger Nährstoffen zurecht, bilden aber bei Versorgung mit etwas Kompost reichlicher Blätter. Eine Kopfdüngung mit Brennnesseljauche wirkt wachstumsfördernd: ab Juni alle 2–3 Wochen.
Wasserbedarf
Gute Wasserversorgung bringt höherer Erträge. Längerer Trockenheit führt zu verfrühter Blüte und damit verringerter Blattbildung. Sonst bildet Malabarspinat Blüten im Herbst (bei weniger als 13 Stunden Tageslicht).
Pflege
Die Pflanzen lässt man am besten auf einem Spalier oder einem Bohnenrankgitter in die Höhe winden. Arche Noah verwendet Rankgitter wie bei → Gurke beschrieben. Die Pflanzen benötigen zwar nicht unbedingt ein Rankgerüst, aber so bleiben die Blätter sauber und fallen auch nicht so leicht Schnecken zum Opfer.
Fruchtfolge & Mischkultur
Wir haben bislang keine Mischkultursysteme erprobt.
Pflanzengesundheit
Malabarspinat ist gesund, uns sind bislang keine Krankheiten und Schädlinge bekannt. Die dicke Blatthaut macht es Blattläusen und anderen stechend-saugenden Insekten schwer, an den Pflanzensaft zu kommen.
Ernte und Lagerung
Die Pflanzen können im Glashaus 6–8 Wochen nach der Aussaat erstmals beerntet werden, im Freiland nach 10–12 Wochen. Ab dann können die nachwachsenden Blätter über Monate hinweg laufend beerntet werden. Eine regelmäßige Beerntung fördert die Verzweigung und den Blattansatz. Die Blätter lassen sich in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Kühlschrank für maximal 2–3 Tage lagern.

Malabarspinat kann laufend beerntet werden.
Malabarspinat als Balkongemüse
Malabarspinat gedeiht sehr gut in Töpfen, seine auffallend roten Stiele und Blattstängel und die fleischigen Blätter machen ihn zu einer schönen Zierpflanze. Vielen Balkongärtnerinnen und -gärtnern ist es fast zu schade, die Blätter zu beernten, sie eignen sich auch gut als Sichtschutzpflanzen und ranken bis 150 cm hoch. In seinem Herkunftsland erreicht Malabarspinat Längen von 3–5 Metern.
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Margret Heistinger, Arche Noah Mitglied und Balkongärtnerin, Wien: „Auf meinem Balkon baue ich jedes Jahr Malabarspinat an und lasse ihn an Schnüren in die Höhe wachsen. Ich setze sie in Töpfe mit ca. 30 cm Durchmesser. Obwohl die Pflanzen nur Abendsonne haben, gedeihen sie sehr gut und bis spät in den Herbst hinein.“
Sortenvielfalt
Verschiedene Sorten sind in Europa nicht bekannt, jedoch unterschiedliche Herkünfte mit unterschiedlich gefärbten Blättern und Stängeln. Unterschieden werden grünstielige und rotstielige Formen. Die rotstieligen Formen sind stärker verbreitet, da sie als Zierpflanzen attraktiver sind. Eine grünstielige Sorte ist z.B. ‚Baselle Blanche‘ (erhältlich bei Beaumaux) oder ‚Green Stem‘ (erhältlich bei Kitazawa Seed).
Malabarspinat-Kulinarik
Die fleischigen Blätter können roh oder gedünstet gegessen werden. Die Blätter nicht überkochen, da sie dann schleimig werden. Ihr leichter Maisgeschmack ist am stärksten ausgeprägt, wenn die Blätter roh gegessen werden, z.B. in einen Blattsalat gemischt oder als essbare Dekoration. Zwei japanische Zubereitungsarten: Die Blätter in Tempura-Teig herausbacken oder schmoren und mit Sesam-Dressing servieren. Wenn Malabarspinat gekocht wird, dann am besten nicht vermischt mit anderem Gemüse.
Malabarspinat – was er sonst noch kann
Neben der Nutzung als Gemüse werden auch die Früchte genutzt. Diese sind zunächst grüne, reif beinahe schwarze Beeren. Sie enthalten einen schwarzen Saft, der für Kosmetika und als Farbstoff für Lebensmittel verwendet wird, im alten China als Druckerschwärze. Malabarspinat gilt in der indischen Volksmedizin als entwässernd, schmerzlindernd und entzündungshemmend.
Rezept
Einkornreis mit Malabarspinat
Zutaten
• 300 g Einkornreis (alternativ Dinkelreis)
• 50–100 g Malabarspinat
• 1 kleine Zwiebel
• 4 Esslöffel Olivenöl
• frisch geriebener Parmesan
• frisch geriebene Muskatnuss, Salz, Pfeffer
Zubereitung
Einkornreis in Salzwasser ca. 20 Minuten köcheln und ausdampfen lassen Zwiebel und Malabarspinat-Blätter fein schneiden, beides im Öl leicht anschwitzen. Einkornreis unterheben, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken, mit Parmesan servieren.

Jungpflanze Malabarspinat
Knollen der Basellkartoffel

Blätter der Basellkartoffel
Andere Gemüse aus der Familie
Zu dieser Familie gehören nur wenige Gattungen und Arten. Diese sind im tropischen Amerika und in Asien beheimatet. Die krautigen Kletterpflanzen haben meist große, fleischige Blätter. Zwei Vertreter der Familie werden neben dem Malabarspinat als Gemüse genutzt: Die stärkehaltigen, schleimigen Knollen von Ulluco Ullucus tuberosus werden von vielen indigenen Gemeinschaften der Andenhochländer in Kolumbien, Peru, Bolivien und Argentinien genutzt. Die Basellkartoffel Anredera cordifolia wird in Süd- und Mittelamerika angebaut, Blätter und Knollen sind essbar. Vermehrung über Knollen, bei uns ist sie als im Winter blühende Zimmerpflanze bekannt.
Ulluco
(Ullucus tuberosus)
Ulluco ist eine mehrjährige Pflanze, die bei uns einjährig kultiviert wird. Die Pflanzen werden beinahe ausschließlich über die Knollen vermehrt, ihre Kultur ist in etwa vergleichbar mit Erdäpfeln. Die Knollen werden ab Ende März bis Ende April im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorgezogen, sie brauchen viel Licht, anfangs gut feucht halten. Die Knollen 2–5 cm tief setzen (größere Knollen tiefer, kleinere flacher). Die Pflanzen sind sehr frostempfindlich und gedeihen am besten bei mittleren Temperaturen (15–25°C), allzu große Sommerhitze behagt den Pflanzen nicht. Sie gedeihen auch im Halbschatten und benötigen nicht viel Wasser. Nach dem letzten Risiko von Spätfrösten auspflanzen. Die Pflanzen werden nicht groß, eine Pflanze benötigt 20–40 cm Platz. Die Pflanzen werden bis zu 30 cm hoch und können wie Erdäpfel etwas gehäufelt werden. Ullucus wächst beständig über den Sommer, die Knollenbildung setzt allerdings erst ein, wenn die Tage kürzer als 12 Stunden werden, also erst im Herbst. Auch aus den Blattachseln wachsen feine Sprosse in die Erde, wo sie Knollen bilden. Diese etwas anhäufeln, da die Knollen, dort wo sie dem Licht ausgesetzt sind, grün werden (allerdings bilden sie kein Solanin wie Erdäpfel). Die Pflanzen so lange wie möglich frostfrei (Vlies) halten, die Knollen erreichen ihre volle Größe erst ab November. Ullucus kann auch in größeren Töpfen gezogen werden und können so vor den ersten Frösten in Sicherheit gebracht werden. Die Knollen werden maximal 8 cm groß und werden wie Erdäpfel zubereitet: gekocht, gebacken oder püriert.

Blühender Fenchel im Arche Noah Schaugarten
Karotte, Möhre
(Daucus carota subsp. sativus)

Das Farbspektrum der Karotte: weiß, gelb, orange, rot und violett
Die Karotte ist das meist gegessene Wurzelgemüse. Diesen Status macht ihr nicht so schnell ein anderes Gemüse streitbar. Die Wurzeln sind vielseitig zu verwenden und auf vielen Standorten zu kultivieren. Doch in vielen Hausgärten gelten sie als Problemkinder und wollen nicht so recht gedeihen. Meist liegt dies daran, dass der Gartenboden für Karotten zu stark gedüngt ist oder keine ausreichende Fruchtfolge eingehalten wird. Karotten vertragen keine hohe (Dünger-) Salzkonzentration im Boden, da sie dann nur kleine, mickrige Würzelchen ausbilden.
> Aussaat Ende Jänner bis Mitte Juni (sortenspezifisch)
> Ernte Mai bis Oktober (abhängig von Sorte und Aussaatzeitpunkt)
> Auf Beete säen, auf denen in den letzten 4 Jahren keine Doldenblütler angebaut wurden
> Mäßig und nur mit reifem Kompost versorgen
> Saatgut 2–3 Jahre keimfähig
Anbau
Karotten gedeihen auf sandig-lehmigen, tiefgründigen, lockeren und steinfreien Böden besonders gut. Ungünstig sind Böden, die zur Verschlämmung neigen. Auf Standorten mit sehr schweren Böden bewährt sich der Anbau auf Dammkulturen → Dammkultur.
Früh- und Sommerkarotten für erste Ernten so früh wie möglich aussäen (sobald der Boden abgetrocknet ist). Lagerkarotten werden (abhängig von ihrer Reifedauer Mitte Mai bis Anfang Juli gesät). Aussaat in Reihen, Reihenabstand je nach Sorte zwischen 30 cm (Frühkarotten) und 45 cm (Spätkarotten). Saattiefe 1–2,5 cm. Da Karotten oft sehr lange brauchen, bis sie auflaufen, kann das Saatgut mit Radieschen gemischt werden, die rasch auflaufen und die Saatreihen markieren. Durch das Ernten der Radieschen lichtet man dann automatisch die Karotten aus.
Temperaturansprüche
Als Kulturart mit europäischen Wurzeln sind Karotten dem gemäßigten Klima sehr gut angepasst. Vor allem Lagerkarotten gedeihen in kühleren Regionen (z.B. Mittelgebirgslagen) mit ausreichenden Niederschlägen besonders gut.
Düngung
Eine gute Nährstoffversorgung (reifer Kompost) erhöht den Ertrag. Keinesfalls frischen Mist geben, er zieht Schädlinge wie die Karottenfliege magisch an. Böden, die sehr stark gedüngt sind, haben eine hohe Salzkonzentration. Starkzehrer wie z.B. Paradeiser oder Gurken können diese verwerten. Für die zarten Würzelchen der Karotte ist diese Salzkonzentration aber Gift – sie verätzt die Wurzeln und sie können sich nicht gut entwickeln. Gewissheit schafft eine Bodenanalyse. In kleinen Gärten, in denen keine ausreichende Ausweichmöglichkeit gegeben ist, hat es sich bewährt, Ackererde in das Gartenbeet einzuarbeiten und so die Gartenerde abzumagern.
Wasserbedarf
Wenn der Boden bei der Aussaat keine Winterfeuchtigkeit mehr gespeichert hat (was in Jahren mit geringen Winterniederschlägen der Fall war), muss die Aussaat bis zur Keimung durch Gießen feucht gehalten werden. Nur sehr vorsichtig und mit einem feinen Strahl gießen! Karotten haben zwar einen durchschnittlichen Wasserbedarf, gedeihen aber in Sommern mit regelmäßigen Niederschlägen besonders gut. Bei Trockenperioden von mehreren Wochen jedenfalls bewässern. Frühkarotten müssen auf leichten Böden bewässert werden (Juni/Juli). Karotten, die im Herbst geerntet werden, haben ihren Hauptwasserbedarf von Mitte Juli bis Mitte September.
Pflege
Karotten brauchen, um sich gut entwickeln zu können, einen ausreichenden Standraum (→ Zeichnung). Dazu müssen sie ausgedünnt werden (von Hand sät man eigentlich immer zu dicht), zweitens ist so bald wie möglich und bis zum Bestandschluss ein sorgfältiges Unkrautjäten notwendig zwischen den Reihen mit einer Haue oder Pendelhacke. In der Reihe kann dies bei einem hohen Unkrautdruck recht zeitintensiv sein. Karotten keimen grundsätzlich schon bei niedrigen Temperaturen (früher als z.B. Melde- oder Franzosenkraut), doch überholen die Unkräuter die anfangs sehr zarten Karottenpflänzchen recht rasch.
Da Karotten besonders empfindlich auf Verdichtungen reagieren (nämlich mit Wachstumsstörungen), den Boden nach Starkregen gut lockern oder noch besser: mulchen.

Karotten brauchen, um sich gut entwickeln zu können, ausreichend Standraum.

Radieschen markieren die Karottensaat.
Tipps aus dem Bio-Erwerbsgemüsebau
Eine neu erprobte Methode, um die Saatreihen der Karotten unkrautfrei zu halten, ist das Aufbringen einer dünnen (Unkraut-samenfreien) Kompostschicht. Bei Karotten bewirkt eine 2 cm dicke Kompostauflage in der Saatreihe eine Unkrautverminderung um 85 %. Auch bei Zwiebeln konnte man in ersten Versuchen den Unkrautdruck um 80 % reduzieren. Allerdings darf nur voll ausgereifter, fein strukturierter Kompost aufgebracht werden und die Auflage darf nicht zu dicht aufgetragen werden, 2 cm sind optimal. Auch nach dem Auflaufen der Samen bringt diese dünne Kompostschicht Vorteile: Sie setzt die Verkrustung des Bodens herab. (Quelle: Gemüse Infofax 08/08 Bio-Ernte Austria)
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Claudia Kaufmann, Arche Noah Mitglied und derzeit Balkongärtnerin, Bregenz: „Ich habe heuer Karotten in Töpfen angebaut, es hat eigentlich sehr gut funktioniert. Die Erde in den Töpfen war etwa 20 cm hoch. Ich habe das Gefühl, dass der Topf höher sein sollte, weil die Karotte kürzer wie üblich war. Also höhere Töpfe, dann klappt es super. Die Sorte war ‚Nantais 2‘, ich habe einfach eine Pflanzerde aus dem Gartenmarkt genommen und dann selbst zu Hause noch etwas Kompost dazu gemischt. Gesät habe ich Anfang Mai, geerntet habe ich etwa 3 Monate später.“
Fruchtfolge & Mischkultur
Fruchtfolge: Karotten erst nach frühestens 3, besser 5 Jahren wieder auf demselben Beet anbauen (in dieser Zeit auch keine anderen Doldenblütler). Karotten gedeihen gut auf Beeten mit wenig Unkrautdruck, wichtig sind daher Vorjahreskulturen, die den Boden gut beschattet haben. Gute Vorjahreskulturen sind Erdäpfel, Zwiebeln und Gründüngung (Phacelia, Winterroggen). Abgesehen von anderen Doldenblütlern sind Kohlarten schlechte Vorfrüchte.
Pflanzengesundheit
Die Möhrenfliege (Psila rosae) ist ein weit verbreiteter Schädling im Karottenanbau. Sie bringt zwei Generationen hervor: Die erste tritt in der Regel ab Mitte Mai auf. Starker Befall im Jugendstadium kann die Karotten absterben lassen. Die zweite Generation schlüpft ab Mitte August. Diese Generation ist die gefährlichste. Sie kann die Karotten im Winterlager weiter schädigen. Die Eier werden oberflächlich auf dem Boden abgelegt, wo sich die Maden entwickeln und in die Karotten einfressen, die Fraßgänge mit Kot füllen, die sich dann rostbraun verfärben („Eisenmadigkeit“). Vorbeugung: Kulturschutznetze verwenden; windige Lagen wählen, diese werden von den Fliegen meist gemieden, gute Fruchtfolge. Heißes und trockenes Wetter hemmt die Entwicklung der Junglarven. Mischkultur mit Zwiebelgewächsen (klassischer Mischkulturpartner) bringt unserer Erfahrung nach wenig. Die beste Vorbeugung ist der richtige Aussaattermin: Aussaaten im März/April und Juni/Juli sind weniger gefährdet. Empfehlenswert ist jedoch folgender Kulturtipp: Durch eine Untersaat von Erdklee (Trifolium subterraneum) kann der Befall beinahe gänzlich verhindert werden. Diese Form der Mischkultur ist leicht zu praktizieren und verdient Nachahmung. Erdklee ist im Saatguthandel erhältlich. Erdklee samt nicht aus und friert im Winter aus. Ebenso können eine Blattlausart (Gierschblattlaus) und Wurzelgallennematoden vorkommen. Diese Blattläuse haben allerdings in nützlingsreichen Hausgärten kaum eine Chance. Andernfalls hält ein Kulturschutznetz (Maschenweite 0,5 mm) die Läuse ab. Nematoden lassen sich nicht so leicht abhalten. Die Fadenwürmer bewirken massiv deformierte Wurzeln, die Wurzeln werden beinig und an den Feinwurzeln sind die typischen Gallen (kleine, kugelrunde Anschwellungen) gut zu erkennen. Ein Befall ist oft nestartig. Vorbeugung: Anbaupause von 4 Jahren, eine direkte Behandlung ist nicht möglich.
Probleme kann auch die samenbürtige Möhrenschwärze verursachen. Erreger sind Alternaria-Pilze (Alternaria dauci; Alternaria radicina). Um einem Befall vorzubeugen, kann Saatgut mit einer Heißwasser-Beize behandelt werden (50°C, 30 Minuten; Vorsicht: Temperatur genau einhalten, sonst verlieren die Samen ihre Keimfähigkeit). Vorbeugung: Anbau auf Dämmen und in windoffenen Lagen. Bei einem Befall entstehen zunächst kleine, punktförmige Nekrosen, dann verfärben sich zunächst einzelne Fiederblätter braun bis schwarz, die Blätter sterben in Folge frühzeitig ab, auch Flecken an der Wurzel können auftreten. Der Pilz entwickelt sich ab Juli/August besonders gut, daher sind Lagerkarotten stärker betroffen. Der Pilz kann sowohl über Saatgut wie auch über den Boden übertragen werden. Ebenfalls samenbürtig, aber seltener anzutreffen ist der Pilz Alternaria radicina. Dieser verursacht – meist erst im Lager – schwarze Flecken, die tief in das Gewebe hineinreichen. Nicht samenbürtig sind der Echte Mehltau und der Grauschimmel.
Im Lager können verschiedene Pilzkrankheiten auftreten. Meist wird die Pilz-Infektion bereits mit den Karotten ins Lager gebracht. So können mit der Lagerfäule Thielaviopsis infizierte Karotten bei der Ernte noch gesund aussehen. Nur ausgereifte, sorgsam geerntete und ungewaschene Karotten einlagern; nicht zu dichte Schichten einlagern; wenn Einlagerung in Erdmieten, diese nicht am gleichen Platz wie im Vorjahr anlegen.
Ernte und Lagerung
Lagerkarrotten erst ernten, wenn sich die Blattspitzen gelb oder rot verfärben. Bei Frischkarotten gibt es keine eindeutigen „Ich-bin-jetzt-reif“-Zeichen. Nantaise-Karotten entwickeln in der Reife ein abgerundetes Ende, werden aber oft auch schon vorher geerntet und sind dann weniger süß. Ein guter Zeitpunkt zur Einlagerung ist kurz vor der Vollreife, überreife Karotten bilden feine Haarwurzeln aus und/oder neigen zum Aufplatzen. Auch hier gibt es Ausnahmen: Die Sorte ‚Purple Dragon‘ verliert mit der Zeit ihr Laub und ruht lange im Boden ohne weiterzuwachsen. Im Kühlschrank halten junge Karotten (eingeschlagen in ein feuchtes Tuch oder einen Lochbeutel) 1–2 Wochen.
Einlagerung: Nur gesunde und vollreife Wurzeln einlagern. Unreife und beschädigte Karotten faulen im Lager rasch. Die Blätter werden ca. 3–5 cm hoch abgeschnitten, das Herz und die Wurzel selbst müssen unbeschädigt bleiben. Wichtig ist, dass Karotten vor dem Einlagern nicht gewaschen werden, die noch anhaftende Erde verhindert das Austrocknen. Lagerkarotten können bei kühler Lagerung und hoher Luftfeuchtigkeit, in Sand (oder einem Gemisch von Sägespänen und Kokosfasern) eingeschlagen für viele Monate gelagert werden. Wichtig ist, dass der Keller zwar immer wieder belüftet wird, trotzdem aber eine hohe Luftfeuchtigkeit behält, im Optimalfall über 90 % bei Temperaturen zwischen 1–5°C. Wurzelgemüse sollen zudem nicht mit Obst gemeinsam gelagert werden. Sie sind dann nicht so gut haltbar und werden zur Bildung von Bitterstoffen angeregt. Eine andere Lagerungsmöglichkeit ist, die Karotten im Garten einzugraben. Hier eignen sich eingegrabene alte Waschmaschinentrommeln (die auch Mäuse abhalten), die oben mit einem Jutesack und Stroh oder Laub bedeckt werden. In Regionen in denen die Böden im Winter meist nur über kurze Zeit gefroren sind, können Karotten mit einer Mulchschicht aus Laub oder Stroh bedeckt werden und im Boden bleiben.

Die Sorte ‚Atomic Red‘
Weitere Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Peter Lassnig, Gärtnerei Ochsenherz (www.ochsenherz.at), Gänserndorf: „Wir belassen Karotten für die Ernte im zeitigen Frühjahr auch am Feld und decken sie mit einem etwas kräftigeren Vlies ab. die Sorten sind offenbar unterschiedlich frostempfindlich. Die gelbe Sorte ‚Lobbericher‘ hat sich bei uns als am unempfindlichsten erwiesen und auch leichte Bodenfröste gut überstanden.“
Karotten als Balkongemüse
Beim Schreiben dieses Kapitels sind wir davon ausgegangen, dass Wurzelgemüse in Pflanzgefäßen generell nicht gut wächst. Claudia Kaufmann hat uns eines Besseren belehrt, siehe oben. Wer experimentieren will, dem seien jedenfalls kleinwüchsige bis runde frühe und mittelfrühe Typen empfohlen.
Sortenvielfalt
Die große Vielfalt der Karottensorten kann man aus verschiedenster Perspektive einteilen:
1) Form und Größe
Von klein und rund über stumpf und kegelförmig, schmal und lang bis lang und dick: Karotten gibt es in den verschiedensten Formen und Größen. Man kann fünf verschiedene Typen unterscheiden → Sortenzeichnungen. Sorten mit einem stumpfen Ende (z.B. ‚Nantaise‘-Typen) werden erst im Zuge der Ausreife stumpf und laufen vorher spitz zu. Je kleiner die Sorte ist, umso rascher reift sie (→ Sortenbeschreibungen).
2) Nutzung für Mensch oder Vieh
Die Karotte kann hinsichtlich ihrer Nutzung in zwei Gruppen eingeteilt werden: In die Speiseund in die Futterkarotten. Die Futtertypen sind späte, lagerfähige Sorten mit weißem oder orangem Fleisch. Viele der klassischen Futterkarotten eignen sich aber auch als Kochkarotten. Die gelben und weißen Karotten sind sehr gut für Eintöpfe und Schmorgerichte oder auch als Suppengemüse in einer Rindssuppe geeignet. Hier harmonieren sie besser mit den anderen Zutaten als orange, süße Speisekarotten. Die klassischen Speisetypen unterscheiden sich in der Reifezeit und in den Nutzungseigenschaften.
3) Ursprung = Farbe und Inhaltstoffe
Die Kulturkarotte geht vermutlich auf zwei oder drei Unterarten zurück. Die wilden Verwandten der Karotte sind ursprünglich von Europa über Vorder- bis Zentralasien verbreitet. Bei den Kulturkarotten werden ein asiatischer und ein westlicher Typ unterschieden. Der asiatische Typ dürfte in Zentralasien (Afghanistan, Pakistan, Nordindien, Tadschikistan) in Kultur genommen worden sein. Aus der dort verbreiteten Wildform wurden rotviolette und gelbe Sorten selektiert. Wegen des rot-violetten Farbstoffes wird er auch als Anthocyan-Typ bezeichnet. Das Laub dieses Typus ist meist grau-grün und behaart.
Im Unterschied dazu wurde der westliche Typ vermutlich in Anatolien in Kultur genommen. Dieser ist zweijährig und hat unverzweigte weiße, gelbe oder orange Wurzeln. Die heute weit verbreiteten Sorten mit orangen Wurzeln, die unser Bild der Karotte prägen, gehen auf holländische Züchtungen aus dem 17. Jahrhundert zurück. Der hohe Anteil am Inhaltsstoff Beta-Karotin verursacht die orange Färbung; dieser ist eine Vorstufe des Vitamins A, welches in unseren Augen „Sehpurpur“ (Rhodopsin) bildet. Vor allem in Ostasien sind rote Karottentypen gebräuchlich, die den Paradeiserfarbstoff Lycopin als Hauptfarbkomponente besitzen. Ein in Japan traditioneller Typ ist die „Kintoki“ Karotte mit langen, spitz zulaufenden Wurzeln von kräftig roter Farbe. Die rote Farbe bleibt, im Unterschied zu den Anthocyan-Typen auch beim Kochen unverändert erhalten. Die bei uns gebräuchlichen Speise-Zuchtsorten stammen meist aus Holland, England oder Frankreich. In den letzten Jahren hat insbesondere die biologischdynamische Züchtung in Deutschland einige neue, schmackhafte, samenfeste Sorten gezüchtet.
Auch geschmacklich sind die Karotten unterschiedlich: saftig, süß, leicht nussig, erdig, kräftig bis hin zu herb und bitter. Doch der Geschmack ist nicht nur sortenabhängig.
Standorteinflüsse spielen eine große Rolle, in erster Linie die Bodenbeschaffenheit, aber auch die Wasserversorgung. Vor allem bei den samenfesten Sorten ist der Geschmack sehr standortabhängig, Hybride sind einheitlicher im Geschmack und zeigen eine geringe standortspezifische Geschmacksausprägungen.

Hinsichtlich der Wurzelform werden fünf Typen unterschieden:
a) lange, große Wurzel (Futterkarotten)
b) sehr lange, spitz zulaufende Wurzel („Valery Typ“ oder „Imperator-Typ“)
c) stumpfe, zylindrische Wurzel („Nantaise Typ“)
d) stumpf kegelförmige Wurzel („Duwicker Typ“)
e) rundliche Wurzel („Pariser Markt Typ“)
Sortenbeschreibungen
Früh- und Treibkarotten
Frühkarotten eignen sich auch zum Treiben, sind rund, kreiselförmig oder länglich. Sie sind sehr rasch erntereif (60–90 Tage).
• ‚Pariser Markt‘ (AN)*: früh (60–75 Tage), rund, klein (3–4 cm), orange, knackig und süß.
• ‚Rondo‘ (AN): orange, rundlich, leicht konisch, ca. 5 cm groß.
• ‚Early Horn‘ (AN): kleine, kreiselförmige, orangerote Karotten.
• ‚Duwicker‘ (AN, DF)*: für diese sehr alte holländische Sorte (1858) wurde vom Verein Dreschflegel e.V. eine Sortenwiederzulassung erwirkt. Die kurze, kreiselförmige, hellorange und süße Frühkarotte (75–90 Tage) wird auch auf schweren Böden nicht beinig und ist leicht zu ernten. Vielfältig nutzbar durch mehrere Folgesaaten, Aussaat Ende Februar bis Ende Juli, auch für Treiberei, Rübe 8–10 cm lang, 4 cm breit, kurzlaubig.
• ‚Amsterdamer‘ (SA): sehr frühe Sorte, kurze, dünne Wurzeln, Aussaat ab Jänner, Ernte ab Mai.
Sommerkarotten/Frischverzehr
Unter dieser Gruppe fassen wir jene Formen zusammen, die eine mittelfrühe (110–120 Tage) bis mittelspäte Reife (120–140 Tage) haben. Mittelspäte Sorten können auch als Lagerkarotten verwendet werden.
• ‚St. Valery‘ (AN)*: alte Sorte (Vilmorin 1885), bis 30 cm lange, sehr geschmackvolle Sorte, konisch mit breiter Schulter, spitz zulaufend, Schale tieforange, gut durchgefärbt, ohne Herz; feste Textur, süßlich, Tendenz zum Seifigen; Blatt sehr lang gestielt, mittelhellgrün, aufrecht, Fiederung fein zerteilt.
• ‚Imperator‘ (AN): amerikanische Standard-Sorte. Orange, lange Wurzeln. Aussaat Mitte April bis Juli.
• ‚James Scarlet Intermediate‘ (AN): alte Sorte (1870), sehr lange, aber nicht allzu dicke Karotten, Farbe dunkelorange, Geschmack sehr mild, die Blätter haben eine rote Färbung.
• ‚Pfarrgarten‘ (AN)*: aus Kroatien, kurze, frühe Karotte, orange, Mischung verschiedener Formen: zylindrisch/stumpf bis kegelförmig/spitz.
• „Nantaise-Typen“ (AN, RS, BI)*: unter einem „Nantaise-Typ“ werden generell mittellange, zylindrische, schlanke, stumpfe Formen zusammengefasst (siehe Zeichnung). „Nantaise-Typen“ sind in verschiedenen Sorten vor allem als biologische Züchtungen erhältlich und viele können auch als Lagerkarotten verwendet werden. Sie sind mittelorange, lang zylindrisch und stumpf.
• ‚Laros‘ (AN)*: ursprünglich holländische Sorte, vor 1969. Orangerot, kegelförmig, spitz zulaufend. Geschmack (nach Lagerung) durchschnittlich, etwas „scharf“.
• ‚Ochsenherz‘ (AN)*: Synonyme ‚Oxheart‘ oder ‚Guérande‘, alte Sorte (1884), braucht größere Pflanzabstände (30 Pflanzen pro Laufmeter), mittelspät, Rüben hellorange, bis zu 15 cm lang und 10 cm dick, auch für schwere Böden geeignet. Sehr kräftiges Laub, saftig süß und aromatisch, auch gut als Verarbeitungskarotte (Suppe, Saft), im pannonischen Klima zur optimalen Geschmacksentwicklung nicht vor Anfang Juni aussäen. Nicht zu groß werden lassen, sie neigen zum Aufplatzen.
• ‚Rodelika‘ (RS, BI)*: biologisch-dynamische Neuzüchtung, lange Reifezeit (140 Tage), besonders glattschalig, intensiv orangerot, süß-aromatisch, hoher Trockensubstanzgehalt, gute Ergebnisse auf lehmigen Böden, weniger geeignet auf Moor und Sand. Auch sehr gute Verarbeitungskarotte.
Lagerkarotten
Lagerkarotten haben ein längere Reifedauer (140–190 Tage), sie wachsen langsamer, sind aber besser lagerfähig.
• ‚Rothild‘ (AN): leicht konisch, hohe Trockensubstanz, gut lagerfähig, sehr hohe Erträge.
• ‚Rolanka‘ (RS, BI): biologisch-dynamische Neuzüchtung, mittellange bis lange Speisekarotte, zylindrisch, runde Schulter, lange Reifezeit (160 Tage), glattschalig, tieforange, süßaromatisch.
• ‚Vates Market King‘ (AN): kräftige, kegelförmige Karotten, rotorange. Stumpfe Spitze angedeutet. Insgesamt nicht ganz einheitlich. Typ ‚Rotherz‘, 9–13 cm lang, Querschnitt 3–5 cm, aromatisch, zart, süß. Gut lagerfähig.
• ‚Lange Stumpfe‘ (AN)*: mittellange, spitz zulaufende, schmallängliche Karotte mit ausgezeichnetem Geschmack, bis 4 cm dick, kräftig dunkelorange, sehr fest, süßlich aromatisch, sehr gut lagerfähig. Speise- und Futterkarotte.
• ‚Berlikumer‘ (AN, ZO)*: lange, zylindrische Karotte, orangerot, guter Geschmack, kräftiges Laub, gute Lagerkarotte.
Weiße Karotten
• ‚Blanche à Collet Vert‘ (AN)*: lange, weiße Wurzeln mit grünem Kopf, 40 cm lang. Alte Sorte, um 1870 erwähnt, Futter- und Speisekarotte.
• ‚Küttiger Ruebli‘ (PSR, ZO)*: Landsorte aus Küttigen (Schweiz), kegelförmig mit breiter Schulter, spitz zulaufend, Geschmack sehr mild, üppiges Blatt.
• ‚Fodder White‘ (AN)*: weiße Karotte. Wurzeln lang ausgezogen, konisch, spitz zulaufend. Grünköpfig, Futter- und Speisekarotte.
Gelbe Karotten
Gelbe Karottensorten findet man in Österreich als „Gelbe Rüben“ im Handel. Sie sind unverzichtbarer Teil von „Suppengrün“ und „Wurzelwerk“. In Deutschland, aber auch in Südtirol sind unter der Bezeichnung „Gelbe Rüben“ oftmals die üblichen orangen Karotten gemeint.
Gelbe Karotten sind spätreif, liefern hohe Erträge und sind weniger süß als orange Typen.
• ‚Lobbericher‘ (AN): spätreife, lange, kegelförmige Karotte, gelborange, sehr gute Speisekarotte für Suppen und Eintopfgerichte.
‚Gelbe Pfälzer‘ (ZO): große, gelbe Karotte mit kräftigem Geschmack. Sie hält sich am Lager bis in den Frühling.
Das Laub ist kräftig und gesund, sehr gute Speisekarotte für Suppen und Eintopfgerichte.
• ‚Longue Jaune du Doubs‘ (PSR)*: alte Sorte aus der Region Doubs, lang, spitz zulaufend mit grünem Kopf, lange Kulturdauer, gut lagerfähig.
• ‚Gelber Goliath‘ (AS)*: Austrosaat-Züchtung, spätreif, sehr lange, spitz zulaufende Karotte mit breiten Schultern, Suppengemüse.
• ‚Yellowstone‘ (AS): sehr spätreif (ca. 140 Tage), sehr groß, sehr lang, starkes Laub, neigt zu grünen Köpfen, sehr gut lagerfähig, auch zum Einmieten geeignet, Futter- und Speisekarotte.
• ‚Mrkva Zuta‘ (AN)*: aus Kroatien, wird für Futterzwecke, aber auch Eintöpfe mit Erdäpfeln und Bohnen genutzt.
• ‚Gelbe aus Tabor‘ (AN): Tendenz zum Grünkragen, rechtzeitig anhäufeln. Gesund. Mittelspät bis spät, guter Ertrag, gut lagerfähig. Tschechische Handelssorte, seit 1950 im Sortiment als Futterkarotte.
Rote Karotten
• ‚Atomic Red‘ (JO)*: Lycopin-Typ, korallenrote Karotte, Farbe wird beim Kochen noch intensiver, Wuchsform „Imperator-Typ“ (sehr lang und schlank).
• ‚Red Elephant‘ (AN)*: rötlich, lang, groß, spitz.
• ‚Chantenay Rouge‘ (SA)*: groß, gedrungen fast walzenförmig, rotfleischig und süß, wächst auch in schweren, lehmigen Böden, ausgezeichnete Lagerfähigkeit. Reifezeit 70–75 Tage.
Violette Karotten
• ‚Syrische Violette‘ (AN)*: violette Wurzel, teils durchgefärbt, teils gelbes Herz. Lange, spitz zulaufende Wurzeln. Tendenz zu Nebenwurzelbildung. Blatt auffällig graugrün, behaart. Geschmack angenehm, leicht süß.
• ‚Ha-Utsch‘ (AN)*: türkische Karotte, Haut dunkelviolett, lang, spitz zulaufend. Auch der Stengel ist violett.
• ‚Gniff‘ (PSR)*: Sorte aus dem Tessin, rotlilafarbene Haut mit weiß-gelblichem Herz, wächst langsam (ca. 140) Tage und ist nicht sehr ertragsstark. Gute Lagerung. Zur Zeit Auslese bei Sativa um eine einheitlichere Durchfärbung zu erreichen.
• ‚Chantenay violet‘ (PSR)*: Chantenay-Typ mit leichter Anthocyanfärbung.
• ‚Zanahoria Morada‘: → Tipp von Beate und Klaus Ziser

Dammkultur Rheingau
Sorten-Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Beate und Klaus Ziser, Arche Noah Mitglieder und Sorten-Erhalter, Endingen: „Die Sorte ‚Zanahoria Morada‘ haben wir als Urlaubsmitbringsel aus Mallorca mitgebracht, sie ist wahrscheinlich eine Lokalsorte, auf den Märkten findet man sie nur selten. Die dunkelviolette Karotte mit gelblich-weißem bis gelblich-orangem Herz hat lange, gerade, unverzweigte Wurzeln. Auch nach dem Kochen bleibt sie violett, sie schmeckt roh und gekocht sehr aromatisch, nicht süß und ist sehr dekorativ. Bei der Aussaat im Frühjahr schießt sie rasch. Nach zweijähriger Experimentierzeit haben wir herausgefunden, dass nur wenige Pflanzen schießen, wenn man sie erst Ende Juni/Anfang Juli aussät.“
Die Dammkultur – ideal für Karotte, Schwarzwurzel & Co
Die Aussaat von Wurzelgemüse auf Dämmen ist im Bio-Erwerbsgemüsebau auf schweren Böden vielerorts schon seit vielen Jahren erprobt und bewährt. Die händische Unkrautregulierung ist auf Dämmen auch vereinfacht. Weitere Vorteile der Dammkultur sind, dass die Pflanzen besser durchlüftet sind und sich im Frühjahr der Boden rascher erwärmen kann. Ein Nachteil ist, dass der Damm schneller austrocknet (darum für trockene Böden nicht geeignet). Besonders bei Sommeraussaaten muss dann für eine regelmäßige Keimung bewässert werden. Die Dämme werden im Abstand von 50–75 cm gezogen und 30 cm hoch gehäufelt. Im Erwerbsanbau werden Dämme maschinell aufgehäufelt. Im Hausgarten werden die Dämme von Hand gezogen, am besten mit einer Gartenhaue: die Erde ca. 30 cm hoch und 15–20 cm breit anhäufeln, dann zweireihig säen. Im Erwerbsanbau werden die Dämme entweder im Spätherbst nach dem Pflügen oder im Frühjahr aufgehäufelt. Werden die Dämme bereits im Herbst (September) hergerichtet, kann im Frühling früher gesät werden – je nach Witterung im Februar.
Der Hausgarten: Ein Ort für den Anbau samenfester Sorten
Im Erwerbsgemüsebau werden in erster Linie Hybrid-Karotten angebaut. In der Karottenzüchtung ist bekannt, dass bei einer Züchtung auf hohe Massenerträge die Qualität leidet. In einer zweijährigen Wertprüfung des deutschen Bundessortenamtes wurden zwei samenfeste, biologischdynamisch gezüchtete Karottensorten (‚Rodelika‘ und ‚Robila‘) drei Hybridsorten (‚Boston‘, ‚Fayette‘ und ‚Krakow‘) und einer konventionellen samenfesten Sorte (‚Karotan‘) gegenübergestellt. Während die Sorten ‚Rodelika‘ und ‚Robila‘ im Ertrag etwas hinter den konventionellen Sorten zurückblieben, lieferten sie eine überzeugende Qualität: Sie zeichneten sich durch den höchsten Zuckergehalt (7 % ‚Rodelika‘ und 7,2 % ‚Robila‘) und den mit Abstand höchsten Trockensubstanzgehalt (13,1 % und 12,7 %) aus (→ Erfahrungsbericht vom Biohof Adamah). Auch beim Geschmackstest erhielt die Sorte ‚Rodelika‘, gefolgt von ‚Robila‘ die beste Bewertung, der Karotingehalt wurde bei beiden Sorten als hoch bewertet, hier waren die samenfesten Sorten deutlich vorne. Spannend an diesen Ergebnissen ist, dass die biologisch-dynamischen Sorten durch Geschmackauslese von Einzelpflanzen gezüchtet wurden. Mit anderen Worten: Das „Geschmackslabor“ Mund hat durch eine Bewertung der Geschmackseigenschaften (roh und gedünstet) die Auslese auf höhere Gehalte an Zucker und Trockensubstanz bewirkt.
Hofsorten für den Bio-Erwerbsgemüsebau entwickeln – Ein erster Erfahrungsbericht vom Biohof Adamah
von Jürgen Renner
Am Biohof Adamah, im Marchfeld (NÖ), hat der Anbau von Wurzelgemüse, insbesondere von Karotten, eine sehr große Bedeutung für die Direktvermarktung. Vor dem Hintergrund der bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und aus einer gewissen persönlichen Überzeugung des Betriebsleiters heraus, beschäftigt sich der Betrieb mit dem Anbau verschiedener samenfester Sorten. In Kooperation mit FiBL – Österreich und der Universität für Bodenkultur in Wien – Institut für Pflanzenzüchtung, soll eine an den Standort bestens angepasste Karotten-Hofsorte entwickelt werden. Im Zuge der mehrjährig angelegten Sortenversuche wurden und werden sowohl agronomische Merkmale als auch Attribute der äußeren und inneren Qualität unter die Lupe genommen (Renner 2009). Bei den ökonomisch relevanten Eigenschaften kamen die samenfesten Sorten nicht an die Leistung der getesteten Hybridsorte (Maestro F1) heran. Sie realisierten maximal 80 % vom geernteten Rübengesamtgewicht in vermarktungsfähige Ware, wobei der Durchschnitt bei etwa 65 % lag. Bei einigen samenfesten Sorten wurde der Ertrag an vermarktungsfähiger Ware jedoch durch starken Mausverbiss erheblich reduziert: Der Ausfall betrug teilweise bis zu 40 % des geernteten Rübengesamtgewichtes. Die Hybridsorte war unter den Mäusen nicht so beliebt – der Verbiss lag im Durchschnitt bei etwa 7 %. Unter Berücksichtigung der Verminderung der vermarktungsfähigen Ware durch Mausverbiss, kristallisierte sich ein akzeptabel hohes Leistungspotential einiger samenfester Sorten heraus. Bei den bisher durchgeführten Verkostungen wurden einige samenfeste Sorten (‚Nantaise 2 Milan‘ – Bingenheimer, ‚Nantaise 2 Beate‘ – Peter Lassnig, ‚Nantaise 2 Fanal‘ – Reinsaat) ziemlich konstant von den Konsumenten bevorzugt und ließen die Hybridsorte im hinteren Mittelfeld stehen. Auch im Nitratgehalt glänzten einige wenige samenfeste Sorten mit niedriger Konzentration. Alle anderen Merkmale der äußeren Qualität spiegeln sich in den Ertragsparametern wieder. Es besteht somit berechtigte Hoffnung, durch gezielte Selektion am Standort gute samenfeste Karottensorten für den Biolandbau zu entwickeln.
Sortenfotos
Karotte/Möhre

‚Pariser Markt‘

‚Duwicker Streit‘

‚St. Valery‘

‚Pfarrgarten‘

‚Beate Nantaise 2‘

‚Laros‘

‚Ochsenherz‘

‚Rodelika‘

‚Lange Stumpfe Arche Noah‘

‚Berlikumer‘
Weiße Karotten

‚Blanche a Collet Vert‘

‚Küttiger Rüebli‘

‚Fodder White‘
Gelbe Karotten

‚Longue Jaune du Doubs‘

‚Gelber Goliath‘
Rote Karotten

‚Atomic Red‘

‚Red Elephant‘

‚Chantenay Rouge‘
Violette Karotten

‚Syrische Violette‘

‚Ha-Utsch‘

‚Gniff‘

‚Chantenay Violet‘
Petersilie
(Petroselinum crispum)

Petersilie ‚Mooskrause‘
Blattpetersilie zählt gemeinsam mit Schnittlauch zur Standard-Kulturpflanzenausstattung der Hausgärten. Wurzelpetersilie ist weniger verbreitet, doch das geschmacksintensive Wurzelgemüse lässt sich im Hausgarten leicht kultivieren (zumindest von allen, denen auch der Karottenanbau gut gelingt) und bringt dann im Herbst und Winter feinen Petersilgeschmack in die Küche. Wird keine ausreichende Fruchtfolge eingehalten, ist Petersilie anfällig für Krankheiten und wächst nur mickrig.
Blattpetersilie
> Aussaat März bis Anfang Juli
> Ernte ab ca. 7–8 Wochen nach der Aussaat bis Spätherbst und Frühjahr
> Fruchtfolge beachten
> Saatgut 2–3 Jahre keimfähig
Wurzelpetersilie
> Aussaat März bis Ende Mai
> Ernte August bis November (Oktober) bzw. auch noch im Spätwinter
> Fruchtfolge beachten
> Mäßig und nur mit reifem Kompost versorgen
> Saatgut 2–3 Jahre keimfähig
Anbau
Wurzel- und Blattpetersilie unterscheiden sich in der Kulturführung, haben aber auch einige Gemeinsamkeiten. Sie gedeihen auf tiefgründigen Böden mit gutem Wasserhaltevermögen besonders gut und reagieren sehr empfindlich, wenn sie in Folgejahren auf dem gleichen Beet kultiviert werden (→ Fruchtfolge). Nur auf Beete mit geringem Unkraut-Druck säen. In Regionen mit unzureichenden Niederschlägen im Winter bewährt es sich, Petersilie bereits im Spätherbst auszusäen, dann können die Samen im Frühling zügig loskeimen. Die Samen benötigen bis zu 3 Wochen bis sie keimen und brauchen in dieser Zeit eine gute und gleichmäßige Wasserversorgung; diese ist in manchen Regionen im Herbst besser gegeben als im Frühjahr. Zudem reagiert Petersilie extrem empfindlich auf Verkrustung und Verschlämmung nach der Aussaat. Bewährt hat sich die dünne (2 cm) Auflage feinen, reifen Komposts (→ Karotte).
Wurzelpetersilie: Aussaat so früh als möglich, damit die Winter-Bodenfeuchtigkeit gut ausgenutzt werden kann. Aussaat bis Ende Mai, Reihenabstände 30 cm.
Blattpetersilie: erste Aussaat so früh als möglich. Folgeaussaaten bis Anfang Juli. Reihenabstand je nach Sorte 30–40 cm. Auch eine → Vorkultur ist möglich.
Jungpflanzenanzucht Blattpetersilie
Aussaat ab Mitte Jänner für eine Pflanzung im April. Die Pflanzen können dann ab Mai/Juni beerntet werden. Aussaat in Aussaatschalen (büschelweise pikieren) oder direkt in Töpfe. Petersilie keimt ab 0°C, jedoch bei höheren Temperaturen zügiger, optimal sind 25–28°C. Nach der Keimung bei kühler Raumtemperatur (14–16°C) weiterkultivieren. Die Pflanzen vor dem Setzen abhärten.
Geschützter Anbau Blattpetersilie
Für eine Ernte im Winter kann Blattpetersilie auch im Gewächshaus kultiviert werden. Dazu die Pflanzen ab Mitte Juli säen. Das Wachstum ist zwischen November und Februar gering. Selten, aber durchdringend, wässern an heißen, sonnigen Tagen lüften. Mit der ersten Frühlingswärme wachsen die Pflanzen dann zügig. Die Pflanzen gehen ab April/Mai in Blüte.
Temperaturansprüche
→ Karotte
Düngung
Blattpetersilie ist ein Schwachzehrer und benötigt keine eigene Düngung. Regelmäßige Bodenlockerung regt die Nährstoffmobilisierung an. Wurzelpetersilie → Karotte.
Wasserbedarf
Blattpetersilie wird im Hausgarten meist laufend geerntet; werden Pflanzen auf einmal zurück geschnitten, fördern eine Bewässerung und Bodenlockerung einen neuerlichen Austrieb. Sonst → Karotte.
Pflege
→ Karotte
Fruchtfolge & Mischkultur
Petersilie ist sehr fruchtfolgeempfindlich, wie alle Doldenblütler darf sie nur alle 5 Jahre auf dem gleichen Beet angebaut werden. In der Zwischenzeit auch keine anderen Doldenblütler auf dem Beet anbauen. Sonst treten vor allem Probleme mit Nematoden (Fadenwürmern) oder Pilzkrankheiten auf.

Blattpetersilie bildet lange, dünne Wurzeln aus.
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Margit Lamm, Vielfaltsgärtnerin, Allhaming bei Linz (www.fairleben.at): „Ich habe in einem meiner beiden Gewächshäuser zwischen die Paradeiserpflanzen Basilikum und Petersilie gepflanzt. Die beiden Kräuter hielten mir die Braunfäule von den Paradeiserpflanzen fern – nachdem ich in beiden Gewächshäusern Paradeiser pflanzte, hab ich den Vergleich. Das eine Gewächshaus ist viel besser durchlüftet, daher müssten die Pflanzen viel gesünder sein als im weniger durchlüfteten. Doch durch die Mischkultur im weniger durchlüfteten waren die Paradeiserpflanzen überraschenderweise dort gesünder.“
Pflanzengesundheit
Die glatte Petersilie gilt als krankheitsanfälliger als gekrauste Formen. Aufhellungen der Blätter können verschiedene Ursachen haben: Ein Nematodenschaden, ein Befall der Karottenfliege (→ Karotte), aber auch ein Mangel an Spurenelementen (Magnesium- und Molybdänmangel). In einem gesunden Gartenboden ist dies allerdings kaum zu beobachten. Rotverfärbungen der Blätter deuten auf eine andauernde zu hohe Bodenfeuchtigkeit hin. Wenn ab Juni das Laub beginnt sich rot zu verfärben, ist dies ein Zeichen für einen Nematodenbefall.
An Petersilie kann die Septoria-Blattfleckenkrankheit (Erreger Septoria petroselini) auftreten (Juni – August). Auf den Blättern bilden sich graubraune Flecken, auf denen pünktchenartig die schwarzen Sporenbehälter des Pilzes sitzen. Teile oder ganze Blätter sterben ab. Häufiger kommt diese Krankheit an Sellerie vor, da es sich hier aber um einen anderen Erreger handelt, kann Sellerie Petersilie nicht anstecken. Diese Krankheit ist häufig saatgutbürtig, die Samen können wirksam mit einer Heißwasserbehandlung pilzfrei gemacht werden (50°C und 30 Minuten). Vorkommen kann im Spätsommer/Herbst auch der Falsche Mehltau.
Ernte und Lagerung
• Blattpetersilie wird am besten frisch geerntet und verarbeitet. Meist ist ein 2- bis 3-maliger Rückschnitt der ganzen Pflanze möglich.
• Wurzelpetersilie → Karotte.
Petersilie als Balkongemüse
Blattpetersilie kann leicht im Topf kultiviert werden. Mit dem Anbau von Wurzelpetersilie in Pflanzgefäßen haben wir keine Erfahrung. Wurzelpetersilie ist wohl eine Herausforderung für besonders findige BalkongärtnerInnen. Einige Hinweise → Karotte.
Sortenvielfalt
Die Botanik fasst alle Formen mit verdickten, rübenförmigen, aber nicht verholzenden Wurzeln (convar. radicosum) als Wurzelpetersilie zusammen. Im Unterschied zur Blattpetersilie (convar. crispum), die eine verholzte Wurzel ausbildet, aber mehr oder weniger üppige Blattbildung. In der bäuerlichen/hausgärtnerischen Praxis sind viele Haussorten entstanden, die „Übergangsformen“ für Blatt- und Wurzelformen sind und zweifach genutzt werden. Daraus wurden Sorten mit einem verstärkten Wurzelwachstum ausgelesen. Die meisten gekrausten Sorten schmecken weniger aromatisch als glattblättrige.
Blattpetersilie kommt in 3 Formen vor:
• glatt & kleinblättrig
• glatt & großblättrig
• gekraust
Bei der Wurzelpetersilie gibt es Formen mit unterschiedlich langen und starken Wurzeln. In der Regel wird zwischen halblangen (bis zu 12 cm) und langen (bis zu 22 cm) Formen unterschieden. So genannte „Fakir“-Typen werden bis zu 16 cm lang. Diese Formen sind kegelförmig. Sonderformen sind Typen mit einer schmalen, langen Wurzel.
Sortenbeschreibungen
Blattpetersilie – glatt
• ‚Einfache Schnitt‘*: glattblättrig, sehr aromatisch, gesund.
• ‚Glatte‘: glattblättrig, sehr aromatisch, gesund.
• ‚Gigante d’Italia‘: großblättrig, ertragreich, ab 2.,3. Schnitt Schossgefahr, gut für Trocknung, bei Kühle empfindlich gegen Septoria, schlechte Überwinterung.
• ‚Laura‘: neue Sorte aus biologisch-dynamischer Züchtung, sehr dunkelgrün, aufrecht, kräftig wachsend, gut für Überwinterung.
• ‚Ogulin‘ (AN)*: kleinblättrige Blattpetersilie aus Kroatien, fein zerteiltes Blatt, niedrig wachsend, rasche Entwicklung. Blattstiele vereinzelt rötlich.
• ‚Admont‘ (AN): aus der Stiftsgärtnerei Admont, dunkle Färbung. Blattschnitt grob bis mittelfein, mittlere Wüchsigkeit.
Blattpetersilie – gekraust
Wird oft auch „Französische Petersilie“ genannt, weil in Frankreich diese Sorten sehr beliebt sind.
• ‚Gärtnerstolz‘ (AN): alte, bewährte Sorte mit krausem, hellgrünem Blatt. Mäßig intensives Aroma, sehr gut zum Garnieren.
• ‚Grüne Perle‘ (AN)*: dunkelgrün, dicht gefüllt, Spätaussaat (August) ohne Schossgefahr möglich, ebenso Ernte nach Überwinterung, für Freiland und Treibkultur.
• ‚Mooskrause‘*: mittel- bis dunkelgrün, stark gekraust, gesund, lange Stiele, kräftiger aufrechter Wuchs.
• ‚Georgische Petersilie‘ (AN): Blattpetersilie mit kräftigem dunkelgrünen Blatt. Aus Georgien.
Wurzelpetersilie
Die Blätter der Wurzelpetersilie können wie Blattpetersilie genutzt werden. Wer allerdings schöne Wurzeln ernten will, darf sie nur sparsam beernten.
• ‚Halblange‘ (RS, BI)*: glatte und kegelförmige Wurzel, mittlerer Ertrag, gleichmäßig starke Wurzeln.
• ‚Halblange Fakir‘: mittelspäte Sorte mit halblangen, spitzen, glatten Wurzeln, Frischmarkt und Industrie.
• ‚Lange Oberlaaer‘ (AS): Züchtung der Firma Austrosaat, bis zu 22 cm lange, glatte Wurzeln.
• ‚Lange glatte Petersilie‘ (AN)*: glatte Petersilie, frisch als Blattpetersilie.
Sortenfotos
Blattpetersilie

‚Einfache Schnitt‘

‚Ogulin‘

‚Grüne Perle‘
Wurzelpetersilie

‚Halblange‘

‚Lange glatte Petersilie
Fruchtfolge – was ist das eigentlich?
Das Thema Fruchtfolge hat im Bio-Gemüsebau eine ganz besondere Bedeutung. Gemeint ist, dass sich auf einem Beet in zeitlicher Abfolge verschiedene Gemüse- und Gründüngungspflanzen einander abwechseln. Das kann in kleinen Gärten zu einer ziemlichen Herausforderung werden. Eine gute Fruchtfolge ist die Basis für die unkomplizierte und erfolgreiche Ernte von gesundem Bio-Gemüse. Sie pflegt den Boden und ein gesunder Boden ist die Voraussetzung, dass Kulturpflanzen gedeihen und gesund bleiben.
• Die Fruchtbarkeit der Böden stärken
Eine gute Fruchtfolge erhält nicht nur die Fruchtbarkeit der Böden, sondern erhöht die Bodenfruchtbarkeit von Jahr zu Jahr, sie aktiviert und „füttert“ das Bodenleben.
• Die Böden werden nicht einseitig beansprucht
Verschiedene Gemüse brauchen verschiedene Nährstoffe und verschiedene Pflanzen sondern unterschiedliche Wurzelausscheidungen aus. So werden die Böden nicht einseitig ausgelaugt bzw. nicht einseitig mit bestimmten Stoffen angereichert.
• Vorsorgender Pflanzenschutz
Eine ausgewogene Fruchtfolge ist der beste Pflanzenschutz – Krankheitserreger können von einem aktiven Bodenleben gut abgebaut werden.
• Unkräuter regulieren
Unkräuter können besser in Schach gehalten werden, vor allem ein Anbau von Gründüngung hilft, das Wachstum von Unkräutern wirksam zu unterdrücken. Allerdings ist es dafür nötig, dass die Gründüngung ausreichend dicht angebaut wird. Wenn der Bestand nicht gut schließt und zu lange steht, können sich manche Unkräuter (wie z.B. Quecke) sehr gut vermehren.
• Gute Erträge sichern
In Langzeitversuchen konnte gezeigt werden, dass z.B. Karotten, wenn sie 4 Jahre hintereinander auf der gleichen Fläche angebaut werden, im 4. Jahr nur noch 24 % vom Ertrag des 1. Jahres bringen.
Einige Grundregeln der Fruchtfolge
(auf Basis eines Artikels von Andreas Fritzsche Martin, Bio-Berater)
Für eine ausgewogene Fruchtfolge gibt es einige Grundregeln. Wer diese einhält, wird innerhalb dieser Prinzipien ausreichende Möglichkeiten der Gestaltung einer Fruchtfolge, die dem eigenen Garten und den eigenen Bedürfnissen ideal entsprechen, finden.
• Wechsel der Familien
Also z.B.: Wachsen in einem Jahr Kohlrabi auf einem Beet, im nächsten Jahr keine anderen Kreuzblütler auf der Fläche anbauen. Sind im letzten Jahr Karotten auf dem Beet gewachsen, im Folgejahr keine Doldenblütler auf dem Beet aussäen.
• Pflanzen, die andere Pflanzen düngen...
nennt man Gründüngung (→ Über das Düngen). 20–30 % der Fruchtfolge sollten aus Gründüngung (auch mehrjährige) bestehen
• Grüne Beete im Winter
30 % der Beete sollen im Winter mit Gründüngung oder einer Kulturart begrünt sein. Der Boden ist so vor Auswaschung geschützt und die Fruchtfolge ist weiter aufgelockert.
• Hülsenfrüchte sind Pflicht
Der Anbau von Bohnen & Co. zählt zu den Pflichtübungen jedes Biogärtners und jeder Biogärtnerin. Mindestens 20 % der Fruchtfolge sollten aus Hülsenfrüchten bestehen.
• Bodenkrankheiten auskurieren
Nicht mehr als 30 % der Fruchtfolge mit Pflanzen, die von ein- und derselben Krankheit befallen werden können, bebauen, wenn diese Krankheitserreger vom Boden aus die Pflanzen infizieren können: Z.B. Sclerotinia-Krankheit, die Salat, Gurken und Bohnen befallen kann.
• Pflanzen lockern den Boden
... wenn man sie lässt. Mindestens 30 % der Fruchtfolge mit Tiefwurzlerzlern (→ Tabelle 1) bebauen. Ihre Wurzeln durchwachsen den Boden 90 cm tief (!) und erschließen Nährstoffe (z.B. Stickstoff, Phosphor) aus tiefer gelegenen Bodenschichten. Bei den Gründüngungspflanzen ist dies im Hausgarten in erster Linie Winterwicke. Werden die Ernterückstände dieser Pflanzen wieder in die Erde eingearbeitet, stehen sie auch wieder Flachwurzlern zur Verfügung.
• Den Boden pflegen heißt für Abwechslung sorgen
Kulturarten, welche die Bodengare lockern und verdichten stets abwechseln (→ Tabelle 2). Zwischen Kulturen, die einen hohen Stickstoff-Bedarf („Starkzehrer“), einen mittleren („Mittelzehrer“) und einen niedrigen Stickstoffbedarf haben („Schwachzehrer) wechseln (→ Tabelle 3). Ebenso Kulturarten, die den Boden besser oder schlechter beschatten, Gemüse, die viel oder wenig Ernterückstände hinterlassen, Gemüse, die schnell oder langsam auflaufen. Diese Form der Abwechslung verhindert nicht nur die einseitige Ausnutzung des Bodens, sondern auch die einseitige Vermehrung von Unkräutern und führt gleichmäßig organische Substanz zu.
Welche Probleme treten auf, wenn keine gute Fruchtfolge eingehalten wird?
Bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge werden gefördert, also Krankheiten, bei denen die Erreger vom Boden aus die Pflanzen befallen (z.B. Sclerotinia, Kohlhernie, Nematoden).
• durch Wurzelausscheidungen kommt es zu Wachstumsdepressionen
• Nährstoff-Ungleichgewichte entstehen
• Schädlinge wie Karottenfliegen, Kohlfliege, Kohlweißling, Erdflöhe können sich gut vermehren
• der Unkrautdruck wird größer
• die Erträge sinken
Allen, die neu zu gärtnern anfangen (aber auch allen, deren Gedächtnis nicht penibel über Jahre zurückreicht), sei empfohlen, in einem Gartenheft zu notieren, auf welchem Beet in welchem Jahr welche Kultur stand. Idealerweise auch festhalten, wann welche Kulturart besonders gut gediehen ist und welches Gemüse vorher auf dem Beet gewachsen ist oder umgekehrt, wenn ein Gemüse sich nicht gut entwickelt.
| Tiefwurzler | Mittelwurzler | Flachwurzler |
| Spargel | Kohlarten | Sellerie |
| Pastinake | Gartenbohne | Mais |
| Kürbis | Puffbohne | Endivie |
| Tomate | Karotte | Porree |
| Wassermelone | Gurke | Kopfsalat |
| Artischocke | Melanzani | Zwiebel |
| Rote Rübe | Melone | Petersilie |
| Mangold | Erbse | Kartoffel |
| Zuckerrübe | Paprika | Radieschen |
| Futterrübe | WasserrübeKohlrübe |
Tabelle 1: Gemüsekulturen und ihre Durchwurzelungseigenschaften (Quelle: Andreas Fritzsche Martin/Ökomenischer Gärtnerrundbrief 05/2008)
| Die Bodengare fördernd | Die Bodengare belastend |
| Hülsenfrüchte Zwiebelgewächse Nachtschattengewächse Salate Gurkengewächse Kohlgemüse | Wurzelgemüse Doldenblütler Mais |
Tabelle 2: Gemüsekulturen und ihr Einfluss auf die Bodengare (Quelle: Andreas Fritzsche Martin/Ökomenischer Gärtnerrundbrief 05/2008)
| Starkzehrer | Mittelzehrer | Schwachzehrer |
| Endivien | Salat | Feldsalat |
| Kohlarten | Neuseeländer Spinat | Winterportulak |
| Sellerie | Mangold | Rucola |
| Tomaten | Kohlrabi | Kresse |
| Gurken | Chinakohl | Rübstiel |
| Zuckermais | Pastinake | Radieschen |
| Porree | Rettich | Petersilie |
| Rhabarber | Steckrübe | Bohnen |
| Kürbis | Herbstrübe | Erbsen |
| Zucchini | Rote Rübe | Kräuter |
| Spargel | Fenchel | |
| Artischocke | Schwarzwurzel | |
| Cardy | Zwiebel | |
| Melone | KnoblauchKarottenKartoffel |
Tabelle 3: Nährstoffbedarf der Gemüsekulturen bezogen auf den Stickstoffbedarf (Quelle: leicht verändert nach Andreas Fritzsche Martin/Ökomenischer Gärtnerrundbrief 05/2008)
Sellerie, Eppich
(Apium graveolens)

Eine Sorte mit klingendem Namen: ‚Wiener Riesen‘
In dreierlei Gestalt kommt der Sellerie als Gemüse vor: als Knollensellerie (var. rapaceum), als Stangen- oder Bleichsellerie (var. dulce) und als Gewürzkraut wird Schnittsellerie (var. secalinum) kultiviert. Die Kultur des Knollen- und Stangenselleries verlangt etwas Fingerspitzengefühl und ausreichende Bewässerungsmöglichkeit. Während Knollen- und Schnittsellerie in unseren Gärten recht bekannt sind, hält Stangensellerie erst nach und nach Einzug in die Gärten. In Italien, Spanien, aber auch England schätzt man die aromatischen, fleischigen Blattstiele schon lange.
> Aussaat Stangensellerie Ende Februar bis Mitte Juli
> Aussaat Knollensellerie Anfang März
> Auspflanzen nach Spätfrostgefahr
> Ernte Anfang Juli bis Oktober
> Braucht regelmäßige Wasserversorgung
> Blattkrankheit Septoria kann erhebliche Ausfälle verursachen
> Saatgut 2–4 Jahre keimfähig
Anbau
Sellerie benötigt humose Böden, die eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung gewährleisten. Je fruchtbarer, umso besser. Optimal sind windoffene Lagen.
Jungpflanzenanzucht
Aussaat für die Freilandkultur Ende Februar, Anfang März in Aussaatschalen. Die Jungpflanzenanzucht von Sellerie dauert ca. 8 Wochen. Hell und warm aufstellen, am schnellsten keimt Sellerie bei 20°C. Nach dem Keimen kühler stellen, jedoch nicht unter 15°C. Zu kühle Temperaturen im Jugend-Stadium fördern später das Schossen der Pflanzen (auch wenn sie dann bereits gesetzt sind). Pikieren ist bei Sellerie besonders wichtig, um kräftige, gut bewurzelte Jungpflanzen zu erhalten. Wenn die Pflanzen 2 echte Blätter haben, pikieren, eventuell sogar ein weiteres Mal. Ab Ende April die Pflanzen abhärten (tagsüber ins Freie stellen).

Jungpflanze ‚Wiener Riesen‘
Auspflanzen
Nach der Spätfrostgefahr aussetzen, früher nur unter Vlies. Bei häufigem Vorkommen von Septoria (siehe unten) mit einem Abstand von 70 x 70 cm setzen, sonst 50 x 50 cm. Der weite Pflanzeabstand beugt einem Pilzbefall vor. Vor allem bei Knollensellerie-Pflanzen müssen ausreichend hoch gesetzt werden. Werden sie zu tief gesetzt (so dass das Herz beim Pflanzen in der Erde ist), bilden die Pflanzen zu viele Seitenwurzeln.
Temperaturansprüche
Sellerie gedeiht am besten bei mäßig warmen und feuchten Witterungsbedingungen (16–24°C) und verträgt im Herbst leichte Nachtfröste. Die Jungpflanzen reagieren auf zu tiefe Temperaturen mit Schossen (→ Vorkultur).
Düngung
Knollen- und Stangensellerie haben mittlere Nährstoffansprüche. Vor der Kultur reifen Kompost ausbringen.

Jungpflanze ‚Einfache Schnitt‘

Stangensellerie
Wasserbedarf
Knollensellerie, aber vor allem Stangensellerie braucht eine gute Wasserversorgung, bei Trockenheit besteht die Gefahr, dass die Pflanzen schossen.
Pflege
Auf verdichtete Böden reagiert Sellerie sensibel, regelmäßiges Bodenlockern aktiviert zudem die Nährstoffmobilisierung im Boden und hält Feuchtigkeit besser im Boden. Selleriepflanzen sind dankbar für eine Mulchschicht.
Fruchtfolge & Mischkultur
Sellerie oder einen anderen Doldenblütler erst wieder nach 5 Jahren auf dasselbe Beet pflanzen. Gute Vorfrüchte sind überwinternde Gründüngungen oder Winterwicke (→ Gründüngung) oder Hülsenfrüchten.
Zur Abwehr der Kohlweißlinge empfiehlt Gertrude Franck den Anbau von Knollensellerie zwischen den Kohlgewächsen, diese Pflanzen bezeichnet sie als „Schutzpflanzen“, sie werden nicht geerntet.
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Annegret Hottner, Hausgärtnerin und Arche Noah Mitglied aus Schwandorf: „Sellerie und Porree (Lauch) vertragen sich sehr gut und man kann sie wie folgt anpflanzen: Man macht in das Beet mehrere Hügelreihen. Auf die Hügel pflanzt man den Sellerie und in die Täler pflanzt man den Porree. Durch Gießen oder Regen werden die Hügel langsam abgetragen, was dem Sellerie zu gute kommt, denn er soll ja frei stehen und der Porree wird angefüllt, was die weißen Stängel fördert. Später kann man dann noch vom Sellerie weg zu Porree hin anhäufeln.“
Pflanzengesundheit
Die beiden bedeutendsten Krankheiten des Selleries können auch über Samen übertragen werden. Die Septoria-Blattfleckenkrankheit (Septoria apiicola) wird von einem Pilz verursacht; sie zeigt sich durch hellbraune bis graubraune Flecken mit schwarzen Punkten auf den Blättern (sowohl Unter- wie Oberseite), das Gewebe trocknet ein. Vorbeugung: Überlagern des Saatguts; dadurch verringert sich das Infektionsvermögen des Pilzes, Pflanzen nicht mit kaltem Wasser gießen; bei feuchter Witterung Pflanzen wiederholt mit Schachtelhalmbrühe spritzen, weiter Pflanzabstand. Wer die technischen Mittel für eine → Heißwasserbeize hat, dem sei diese empfohlen (30 Minuten 30°C). Ein Befall mit Sellerieschorf (Phoma apiicola) macht sich durch zunächst graue, später bis zu 2 mm dicke, rotbraune, borkenartige Krusten an der Knolle bemerkbar, die aufbrechen und durch die weitere Fäulnisbakterien Einlass finden. Die Pilzkrankheit kann vor allem in feuchten Jahren auftreten, ist jedoch eher selten; einzelne Sorten sind unterschiedlich empfindlich.
Sellerie als Balkongemüse
Schnittsellerie lässt sich vergleichbar wie eine starkwüchsige Blattpetersilie im Topf kultivieren.
Ernte und Lagerung
• Knollensellerie: Ernte ab Oktober, Lagerung bei möglichst hoher Luftfeuchtigkeit (95–98 % und ca. 5°C.
• Stangensellerie: ab Juli beginnt die Ernte, die Pflanzen werden im Stück geerntet. Vor dem Ernten Bleichen (siehe unten).
Sortenvielfalt
Knollensellerie: Die Knollen sind je nach Sorte unterschiedlich geformt: rund, platt, hochoval, kegelförmig, trapezförmig.
In der gewerblichen Züchtung haben sich in den letzten Jahren „schneeweiße“ Sorten durchgesetzt; dieses Züchtungsziel ist insofern paradox, als die geschmacksgebenden ätherischen Öle in den gelblichen Flecken der Knolle eingelagert sind und so der Selleriegeschmack und andere Inhaltsstoffe weggezüchtet werden.
Stangensellerie: Die Sorten unterscheiden sich in der Farbe, die von grüngelb über mittelgrün, dunkelgrün bis rötlich reich. Grundsätzlich gilt: Je heller die Sorten sind, umso krankheitsanfälliger ist die Pflanze, dunklere Sorten sind robuster.
Sortenbeschreibungen
Knollensellerie
• ‚Wiener Riesen‘ (AN)*: Züchtung der Firma Austrosaaat, seit 1948 auf der Österreichischen Sortenliste, mittelgroße, runde Knollen, dunkelgrünes, kräftiges Laub, sehr stämmig und robust. Reinweißes Fleisch, beim Kochen keine Farbänderung, schossfest, Vegetationsdauer 140 Tage.
• ‚Wiener Markt‘ (AN): alte Sorte, seit 1900, Knolle groß, unregelmäßig, mehr breitrund bis ziemlich flach, meist zahlreiche, stärkere Wülste. Relativ hoher Wurzelansatz.
• ‚Prager Riesen‘ (AN): Frischmarktsorte für Massenanbau mit guter Haltbarkeit im Lager. Beliebte Sorte, aufrecht stehendes, kräftiges Laub, mittelgroße Knollen, relativ glatte Außenhaut, reinweißes Fleisch. Vegetationsdauer 150 Tage.
• ‚Grazer Riesen‘ (AN): alte Lokalsorte, 1952–1970 auf der Österreichischen. Sortenliste, kleinknolliger, runder Sellerie mit engem Blattansatz. Blatt halbaufrecht. Wurzelansatz mittelhoch. Knollenschale mäßig glatt.
• ‚Bergers Weiße Kugel‘ (AN)*: große, hellbraune Knolle, sehr aromatisch, widerstandsfähig gegen Septoria, schwarzkochend.
• ‚Ibis‘: kugelrund, mittlere Knollengröße, schnell wachsend, Septoria-tolerant, auch für Anbau unter Folie.
• ‚Monarch‘ (RS, BI): trapezförmig, weiß kochend, trapezförmige runde Knolle, Nussgeschmack, sehr gut zum Einlagern, sehr schossfest.
• ‚Mars‘ (HI): helle, glatte, hochrunde Knolle, robust, auch für Anbau unter Folie und Vlies.
Stangensellerie
Viele Sorten kommen aus England, wo dieser seit dem 19. Jahrhundert angebaut und gezüchtet wurde („celery stalks“).
• ‚Tango‘ (AS): mittelgrün, sehr schossfest; auch Frühanbau unter Glas, im Herbst anfällig für Stängelfäulnis; gesunde, da septoria-tolerante Sorte, Reifedauer 80 Tage.
• ‚Golden Spartan‘ (HI): grüngelb, früh, lange und breite Blattstiele; schossfest, auch für Folienanbau, bewährte Stangenselleriesorte.
• ‚Solid White‘ (AN): alte Sorte, Stiele eher dünn, am Ansatz nur wenig verbreitert, hellgrün. Sehr gutes, feines Sellerie-Aroma, süßlicher Geschmack, saftig, knackig.
• ‚Lleno Blanco Verde Pascal‘ (AN): Stängel zart, lang, fleischig, gerade. Muss gebleicht werden.
• ‚Smaragd‘ (AN): Lokalsorte aus der Toscana, sehr groß (60–70 cm hoch), dunkelgrüner Sellerie mit breiten, hellgrünen Stängeln.
• ‚Tall Utah‘ (BI)*: dunkelgrün, mittelhoch, mittelspät, widerstandsfähig.
• ‚Conquistador‘ (JO): frühreife Sorte für viele Standorte, gedeiht auch in heißen Lagen und auf Böden mittlerer Fruchtbarkeit, Reifedauer 80 Tage.
• ‚Gigante Di Romagna‘ (AN): ursprünglich aus Malta, langstieliges, dichtes Laub, aufrecht und hochwüchsig. Blatt dunkelgrün. Stiele kräftig, mittelgrün.
• ‚Solid Pink‘ (AN)*: eine alte Sorte (1894), rote, dunkelrote, eher dünne Stiele. Muss gebleicht werden.
• ‚Clayworth Pink‘ (AN): eine traditionelle, viktorianische Sorte, muss gebleicht werden, der Geschmack entwickelt sich erst nach Frost.
Schnittsellerie
• ‚Einfache Schnitt‘ (AN)*: ein unentbehrliches und schmackhaftes Schnittgemüse für die Suppe, aromatisch und ertragreich; sehr feines Laub, Vegetationsdauer 80 Tage (Synonyme: ‚A couper d’Amsterdam‘, ‚A couper d’hiver‘, ‚Aromatischer‘, ‚De Dinant‘, ‚Dinantà couper‘, ‚Frisée de Huy‘, ‚Gekrulde van Hoei‘).
• ‚Kintsai‘ (AN): chinesischer Sellerie. Pflanze kleiner, Geschmack delikater als Schnittsellerie.
Parcel – Das Maultier im Gemüse
So wie Pferd und Esel fruchtbare Nachkommen zeugen können, können das auch Petersilie und Sellerie. Im Saatguthandel wird Saatgut dieser Kreuzung als ‚Parcel‘ angeboten: die Pflanzen haben ein petersilienähnliches Blatt mit deutlichem Selleriearoma.
Das Bleichen
Die meisten neueren Sorten des Stangenselleries sind selbstbleichend. Ältere Sorten müssen jedenfalls gebleicht werden, doch auch bei neueren Sorten lohnt sich der Aufwand, da die Stangen zarter werden: 7–10 Tage vor der Ernte die Pflanzen am Blattschopf zusammenbinden und mit Papier oder mit Stroh umwickeln. Immer nur so viele Pflanzen bleichen, wie geerntet werden sollen.

3 Formen Sellerie, v.l.n.r.: Wurzel-/Knollensellerie, Stangensellerie, Schnittsellerie („Suppensellerie“)
Sortenfotos
Knollensellerie

‚Bergers Weiße Kugel‘

‚Wiener Riesen‘
Stangensellerie

‚Murcia‘

‚Tall Utah‘

‚Solid Pink‘
Blattsellerie

Blattsellerie
Pastinake
(Pastinaca sativa)

‚Aromata‘ – Eine neue Sorte aus biologischer Züchtung
Die Pastinake wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff des Biogemüses – denn gerade im Biolandbau hat die Pastinake zunehmend Bedeutung erlangt. Sie ist ein ideales Gemüse für Babys und Kleinkinder und für alle, die gerne und viel Gemüse essen, und verbindet viele attraktive Eigenschaften: sie ist nitratarm, hat einen aromatischen Geschmack, ist gut lagerfähig und leicht zu kultivieren.
> Aussaat März bis Juni
> Ernte ab Anfang September oder ab Ende Oktober
> Bei langen Sorten tiefe Bodenlockerung wichtig
> Bei schweren Böden kurze Sorten auswählen
> Bei zu früher Saat unregelmäßiger Aufgang
> Saatgut nur 1 Jahr keimfähig
Anbau
Pastinaken verlangen, um lange Wurzeln ausbilden zu können, tiefgründige, gut gelockerte Böden. Günstig sind lehmig-humose Böden und humose Sandböden, auch auf Moorböden gedeihen sie gut. Die Samen benötigen sehr lange zum Keimen (bis zu drei Wochen!). Der Aussaatzeitpunkt hängt davon ab, ob die Wurzeln frisch gegessen oder als Wintergemüse eingelagert werden sollen. Für die Ernte als Frischgemüse so bald als möglich aussäen, um die Winter-Bodenfeuchtigkeit gut ausnutzen zu können (März/April) an Ort und Stelle. Diese Aussaaten sind ab September erntereif. Für die Einlagerung ist eine Aussaat Anfang Juni ideal, dann müssen die Aussaaten gut feucht gehalten werden bis zur Keimung. Diese im Juni gesäten Pastinaken können entweder im Spätherbst geerntet und eingelagert werden (→ Lagerung) oder über den Winter im Beet bleiben und laufend bei offenem Boden geerntet werden.
Eine frühe Aussaat ist vor allem bei feldmäßigem Anbau wichtig, wo meist keine Bewässerungsmöglichkeit besteht und die Winterfeuchtigkeit des Bodens ausgenutzt werden muss. Im Garten kann auch etwas später (Mitte April) gesät werden, auch Pastinaken keimen bei bereits wärmeren Temperaturen zügiger. Aussaat in Reihen, Reihenabstand 30–50 cm. In der Reihe so fein als möglich säen. Das Saatgut kann eventuell mit Salat oder Radieschen gemischt werden, um die Reihen zu markieren. Sie werden geerntet, bevor die Pastinaken mehr Wuchsraum benötigen (der Salat als → Baby-Leaf).
Die Keimfähigkeit des Pastinaken-Saatguts lässt rasch nach (wenn kein einjähriges Saatgut zur Verfügung steht, vor der Aussaat einen Keimtest machen). Pastinaken haben eine lange Kulturdauer (160–200 Tage). Pastinaken werden wie Karotten auch in größeren gärtnerischen Betrieben gerne und erfolgreich als Dammkultur (→ Karotte) angebaut. Dies ist vor allem bei langen und mittellangen Sorten sinnvoll (außer in Trockenlagen, hier eignen sich aber ohnehin kurze Sorten besser).
Temperaturansprüche
Pastinaken sind unserem Klima ideal angepasst und stellen keine besonderen Temperaturansprüche.
Düngung
Pastinaken zählen zu den Mittelzehrern, sie wachsen langsam und stetig – von März bis in den Oktober. Bei Gartenböden mit einem hohen Humusgehalt und bei passender Vorkultur benötigen sie keine extra Düngung. Sonst sind sie dankbar, wenn vor der Aussaat reifer Kompost oder abgelegener Mist ins Beet eingearbeitet wird. Frischer Mist darf keinesfalls gedüngt werden (zieht Karottenfliege magisch an!). Eine Zusatzdüngung während der Kulturphase bringt kaum Mehrerträge; im Gegenteil: auf Beeten mit zu üppiger Nährstoffversorgung entwickeln die Pflanze eine große Blattmasse, während die Wurzeln verkümmern.
Wasserbedarf
Um zu keimen benötigen Pastinaken eine gute Bodenfeuchtigkeit. Wenn diese nicht ausreicht, ist eine kontinuierliche (und vorsichtige) Bewässerung in der Keimphase notwendig. Danach wieder in der Hauptwachstumsphase (Juli – Oktober). Bei nicht ausreichenden Niederschlägen (ca. 20 mm/Monat) erhöht eine Zusatzberegnung den Ertrag.
Pflege
Sobald als möglich auf 5–10 cm ausdünnen (für den Frischverzehr können die Pflanzen enger stehen, für die Einlagerung weiter). Zwei bis vier Wochen nach der Aussaat ist eine erste – vorsichtige – Unkrautregulierung zwischen den Reihen möglich; in der Reihe erst, wenn die Pflanzen 1–2 Laubblätter zeigen. Nach Bodenverdichtungen die Beete immer wieder lockern, damit genügend Luftsauerstoff an die Wurzeln kommt und die Wurzeln gut wachsen können (verdichtete Böden sind die Hauptursache für kurzes und schlecht entwickeltes Wurzelgemüse). Sonst brauchen die Pflanzen bis zur Ernte kaum Aufmerksamkeit.
Fruchtfolge & Mischkultur
Eine ideale Vorkultur ist Gründüngung (z.B. Kleegras). Ebenso ideal ist ein Anbau nach einem Starkzehrer, der mit organischem Dünger versorgt wurde und einen möglichst unkrautfreien und tief gelockerten Boden hinterlässt: Kohlgemüse, Paradeiser.
Schlechte Vorfrüchte sind alle anderen Doldenblütler.
Pflanzengesundheit
Grundsätzlich ist die Pastinake eine gesunde und robuste Kulturpflanze, die praktisch von keinen Krankheiten oder Schädlingen befallen wird. Selten werden Pastinaken von Karottenfliegen geschädigt (→ Karotte), nach Wiesenumbrüchen auch von Drahtwürmern. Eine Ausnahme sind feucht-kühle Lagen. Hier können Nassfäulen auftreten. Vorbeugend ist eine Dammkultur (→ Karotte) empfehlenswert, um Pilzerkrankungen vorzubeugen. Bei Niederschlägen kann das Wasser so leichter abfließen. Selten können auch Viruserkrankungen auftreten.
Im Lager kann der Becherpilz (Sclerotinia sclerotiorum) auftreten, der sich durch ein dichtes, watteartiges Mycel an den Wurzeln und schwarzen Tupfen (den Sklerotien) bemerkbar macht. Eine Kopffäule verursacht der Pilz Phoma complanata. Vorbeugung: Pastinake bei Temperaturen von 0–1°C einlagern; im Lager regelmäßig kontrollieren und befallene Wurzeln entfernen.
Pastinake als Balkongemüse
Wir haben es noch nicht probiert, aber die englische Saatgutfirma Thompson & Morgan, die üblicherweise zuverlässige Angaben liefert, gibt an, dass sich einige Sorten der Pastinake auch für die Aussaat im Container auf dem Balkon eignen. Z.B. die Sorte ‚Arrow‘. Die Gefäße müssen mindestens 37 cm tief sein. Die Pastinaken werden dann bereits als „Baby-Wurzeln“ geerntet.
Ernte und Lagerung
März-Aussaaten sind ab Anfang September, spätere Aussaaten ab Oktober erntereif. Haltbarkeit der frischen Pastinaken → Karotte. Solange das Erdreich nicht gefroren ist, können die Wurzeln geerntet werden. Die Wurzeln sind frosthart, durch Frosteinwirkung werden die Wurzeln milder und geschmackvoller. Doch ist bei der Überwinterung im Freiland mit Ausfällen durch Fäulnis, Wühlmäuse oder Wild zu rechnen. Wer seine Ernte vor diesen gefräßigen Kostgehern schützen will, lagert die Wurzeln am besten ungewaschen bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit (95 %) ein; das Laub vorher entfernen. Gut geht auch ein Einschlag im Erdkeller oder einer Erdmiete (auch hier Vorsicht vor Mäusen). So sind die Wurzeln 2–6 Monate lagerfähig.
Sortenvielfalt
Je breiter die Rüben sind, umso weicher wird das Gewebe. Weiters unterscheiden sich die Sorten in der Fleischfarbe: Von weiß bis creme- oder butterfarben und selten auch bräunlich. Nach 1928 gab es in Deutschland sechs verschiedene Sorten, von denen einige für Speisezwecke, andere als Mastfutter (!) angebaut wurden. In seinem Standard-Werk zu Anbau und Vermehrung von Gemüse unterscheidet Becker-Dillingen (1938) fünf Typen: lang und weiß (bis 40 cm), lang und am Hals verdickt (ca. 40 cm lang, am Hals 6–8 cm dick; vertiefter Blattansatz), halblang und reich beblättert, halblang, kurzlaubig und frühreif (bis 15 cm lang), rund (8–10 cm lang und 12–15 cm breit) für schwere Böden.
Es gibt natürlich auch Übergangsformen der oben erwähnten Einteilung, allerdings scheinen die runden Formen verloren gegangen zu sein. Die Sorte, die das Arche Noah Archiv als ‚Runde‘ führt, hat sich auch im mehrmaligen Anbau als längliche Form erwiesen. Auf flachgründigen Böden (oder Böden, die nur oberflächlich bearbeitet sind) wachsen die Wurzeln aber generell kurz und breit und meist nicht sehr einheitlich.
Sortenbeschreibungen
• Arrow‘ (TM): schlanke, bajonettförmige Wurzeln, fast kernlos, zart und süß im Geschmack, benötigt weniger Platz als andere Sorten, auch als Kübelkultur, auf 8 cm ausdünnen.
• ‚Avonresister‘: verkehrt eiförmige Sorte, cremefarben, benötigt weniger Platz als andere Sorten, ausdünnen auf ca. 8 cm.
• ‚White King‘ (DF): halblanger Typ, große, kreiselförmige, stumpfe, cremeweiße Wurzeln, keine ausgeprägte Süße.
• ‚Halblange Weiße‘ (RS, BI): keilförmige, dicke, cremefarbene Wurzeln, keine ausgeprägte Süße, sehr ertragreich.
• ‚White Gem‘ (RS): halblanger Typ, keilförmig und breitschultrig, süße, zarte weiße Wurzeln, eignet sich für alle Böden – kann auch gut auf schwereren Böden angebaut werden.
• ‚Tender & True‘ (DB)*: alte englische Sorte (bereits 1897 erwähnt), halblanger Typ mit sehr feinem Geschmack, feine Wurzeln mit kleinem Herzanteil, breit verkehrt Wurzeln bis 24 cm lang, 7 cm Schulterbreite. Gut geeignet für sandige, aber auch für schwere Böden.
• ‚Dlouhý Bílý‘/ ‚Lange Weiße‘ (AN): alte tschechische Sorte, Wurzeln weiß und mittellang bis lang.
• ‚Hollow Crown‘ (AN)*: lange Wurzeln, weißes, zartes Fleisch.
• ‚Aromata‘ (BI)*: neue Sorte aus biologischer Züchtung (von Bernd Horneburg). Aromata wurde durch intensive Geschmacksauslese aus einer Genbank-Herkunft entwickelt. Lange schlanke, butterfarbene Wurzeln. Aussaat März bis Juni, besondere Süße und ausgeprägtes Aroma, auch hervorragend für Rohkost.
Sortenzeichnungen

Form der Rüben, die unterschieden werden:
a) schmal verkehrt dreieckig (z.B. Sorte ‚Arrow‘)
b) verkehrt dreieckig (z.B. Sorte ‚Guernsey’)
c) breit verkehrt dreieckig (z.B. Sorte ‚Tender & True‘)
d) verkehrt eiförmig (z.B. Sorte ‚Avonresister‘)
Pastinaken-Kulinarik
Pastinaken eignen sich sehr gut als Rohgemüse, zum Braten, als Suppeneinlage oder für Creme-Suppen, als Püree, Eintopf, als Babybrei und als Rohkost. Pastinaken haben eine sehr kurze Gardauer. Die Wurzeln haben einen typischen Eigengeschmack, können aber je nach Sorte süß oder weniger süß sein und ihr Geschmack kann in folgende Richtungen ausgeprägt sein: nussig, nach Maroni oder Kokos, nach Karotte oder Wurzelpetersilie.
Die Pastinake ist ideal für den Frischverzehr im Spätsommer und Herbst und ein typisches Lagergemüse für den Winter. Die ganze Pflanze wurde früher auch als Heilpflanze verwendet (sie gilt in der Volksmedizin als harntreibend, appetitanregend und verdauungsfördernd). In England, den USA und Frankreich werden Pastinaken häufig angebaut, in deutschsprachigen Ländern leider nur selten. Die Pastinake eignet sich auch hervorragend als Babynahrung dank ihres niedrigen Nitrat-Gehalts, ihrem hohen Mineralstoffgehalt und ihres feinen Geschmacks. Die Pastinake ist ein typisch europäisches Wurzelgemüse. In der asiatischen Küche ist sie kaum bekannt und auf den amerikanischen Kontinent gelangte sie erst mit den Europäern.
Drei sehr einfache Zubereitungen:
Die erste Variante ist besonders bei Kindern beliebt: Pastinaken-„Chips“. Dafür Pastinaken in Scheiben oder Streifen schneiden, mit Olivenöl beträufeln, salzen und bei 150°C im Backrohr 10 Minuten garen.
Die zweite Variante: Wurzel in gröbere Stücke schneiden, kurz über Dampf garen (sie sollen noch bissfest bleiben), mit Olivenöl, Essig, Salz & Pfeffer marinieren und lauwarm servieren.
Und drittens eine Rohkost-Variante: Die Wurzeln raspeln und als Salat anrichten (z.B. mit einem Dressing aus Zitrone und Sonnenblumenöl, Salz & Pfeffer). Die Schalen der Pastinake lassen sich hervorragend frittieren. Sie ergeben eine knusprige, hocharomatische Würze.
Vorsicht bei Pastinakenblättern
Die Pastinake enthält Cumarinverbindungen, die in Kombination mit Sonnenlicht Irritation der Haut hervorrufen können. Bei vielen Menschen kann die Berührung der Blätter – an sonnigen Tagen innerhalb von 1–2 Tagen zu Rötungen der Haut mit Blasenbildung und großem Juckreiz führen. Nach 2–4 Wochen heilen die Blasen ab und es kommt zu einer starken Pigmentierung der Hautstellen, die über viele Monate sichtbar bleiben können. Daher beim Hacken und vor allem bei der Ernte lange Ärmel, Handschuhe und lange Hosen tragen. Noch größere Vorsicht ist bei der Ernte des Saatguts geboten, die Wurzeln selbst rufen diese Reaktionen nicht hervor.
Sortenfotos
Pastinake

‚Tender and True‘

‚Hollow Crown‘

‚White Diamond‘

Pastinake im Garten
Knollenfenchel, Gemüsefenchel
(Foeniculum vulgare)

Die Fenchelsorte ‚Finale‘
Fenchel scheint die Gemüter zu teilen – während es einerseits wahre Fenchelfreaks gibt, meiden andere das verdauungsfördernde Gemüse. Vor allem die italienische Küche kennt viele Zubereitungsarten des Fenchels und viele regionale Sorten, aus denen ab den 1970er Jahren in der Schweiz und in Deutschland einige neuere Sorten gezüchtet wurden. In Bioläden und im ökologischen Anbau ist Fenchel auch bei uns unter KennerInnen sehr geschätzt – wegen seiner guten Eignung als Babygemüse (gedünstet), für Kleinkinder (roh) und als Diätgemüse. Während die meisten Lokalsorten sich nur für einen Anbau als Herbstfenchel eignen, können die neuen Sorten auch als Sommerfenchel angebaut werden.
> Aussaat ab Anfang März bis Mitte August (sortenspezifisch)
> Ernte nach 3–4 Monaten
> Direktsaat oder Vorkultur
> Sortenwahl entscheidend
> Saatgut 2–4 Jahre keimfähig
Anbau
Fenchel gedeiht am besten auf humus- und nährstoffreichen, tiefgründigen Böden. Er hat eine Entwicklungszeit von ca. 3 Monaten (Kulturdauer je nach Sorte und Anbautermin 90–120 Tage ab der Aussaat). Fenchel kann direkt gesät oder vorkultiviert werden. Bei guter Möglichkeit, die Aussaaten zu bewässern, bewährt sich die Direktsaat, meist bilden diese Pflanzen schönere Knollen. Allerdings sind bei der Direktsaat die Beete sehr gut unkrautfrei zu halten.
Entscheidend für die Ernte schöner Knollen ist die richtige Sortenwahl (→ Sortenvielfalt und → Schossen). Samenfeste Fenchelsorten können entweder sehr früh (für die Sommerernte) oder von Mitte Juni bis Mitte Juli (für die Herbsternte) angebaut werden. Für den Anbau im Frühling eignen sich nur wenige (schossfeste) Sorten.
Frühlingsanbau: Fenchel kann von Anfang/ Mitte März (mit Vliesabdeckung) gesetzt werden, ab Mai ist kein Kälteschutz mehr nötig. Für den Anbau unter Glas die Pflanze vorkultivieren (Aussaat ab Februar).
Jungpflanzenanzucht
Optimale Keimtemperatur: 20–22°C, danach 15–18°C. 4–5 Wochen nach der Aussaat wird Fenchel ausgepflanzt.

Fenchel setzen und angießen
Auspflanzen
Entscheidend für die Entwicklung von schönen Knollen ist, dass die Jungpflanzen nicht überständig sind und die Pflanzen nicht zu tief gesetzt werden. Das Anwuchsrisiko bei Fenchel ist relativ hoch, deshalb nur gut durchwurzelte Ballen setzen. Die Knolle muss jedenfalls oberhalb des Bodenniveaus sitzen. Dabei ist es kein Problem, wenn die Pflanzen anfangs liegen – sie richten sich innerhalb von 2–3 Tagen von selbst auf. Zu tief gesetzte Pflanzen bilden lange, flache Knollen aus.
Reihenabstand 40 cm, in der Reihe 30 cm; beim Anbau unter Glas kann enger gepflanzt werden: 25 x 25 bis 25 x 30 cm.
Temperaturansprüche
Temperaturen über 24°C fördern die Schosserbildung (→ Schossen).
Düngung
Fenchel zählt zu den Mittelzehrern. Bei beginnender Knollenbildung (ca. 5 Wochen nach dem Setzen) wird im Ökologischen Erwerbsgemüsebau eine Zusatzberegnung und eine Kopfdüngung empfohlen. Im Hausgarten mit einer Brennnessel-Jauche düngen (außer das Beet ist sehr nährstoffreich, dann ist dies nicht nötig). Fenchel gedeiht zwar auch auf nährstoffarmen Standorten, bildet hier allerdings nur kleine Knollen und geht leicht in Blüte.
Wasserbedarf
Zum Anwachsen der Jungpflanzen ist eine regelmäßige Bewässerung notwendig. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Wasserversorgung in der Phase der Knollenbildung.
Pflege
Fenchel wächst in den ersten zwei Monaten sehr langsam, daher ist gerade in dieser Phase eine regelmäßige Unkrautregulierung (Pendelhacke oder scheren) notwendig, bis der Bestand gut geschlossen ist. Fenchel ist auch empfindlich gehen verkrusteten Boden, durch das Scheren wird auch gleichzeitig der Boden gelockert. Ein Anhäufeln ist nicht empfehlenswert, meist fällt dadurch Erde zwischen die Blattschäfte.

Fenchel gut von Unkraut freihalten
Fruchtfolge & Mischkultur
Gute Vorfrüchte für den Sommeranbau sind Spinat, Früherdäpfel, Getreide oder Vorfrüchte mit organischer Düngung.
Gute Nachfrüchte beim Anbau im Frühling: Buschbohne, Endivie, Salat, generell schlechte Vorfrüchte sind andere Doldenblütler (Anbaupause 4 Jahre).
Pflanzengesundheit
Fenchel ist in der Regel kaum krankheitsanfällig. Fenchel ist eine beliebte Wirtspflanze für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Die resultierenden Schäden sind meist kaum erwähnenswert. Die Freude über diesen schönen und äußerst selten gewordenen Schmetterling überwiegt bei weitem. Mitunter tritt auch Falscher Mehltau (Plasmapora crustosa) auf. Schadbild: Blattoberseite bleiche, später braune Flecken; Blattunterseite grau-weißer Pilzbelag. Dieser kann über die Samen übertragen werden. Vorbeugung: weiter Pflanzabstand; Anbau in feuchten Lagen vermeiden; in ungünstigen Lagen Boden und Pflanzen mit Schachtelhalmbrühe stärken. Bei Befall Pflanzen entfernen und vernichten, mindestens 3-jährigen Fruchtwechsel einhalten.
Beim Hochsommeranbau können braune Ränder auftreten („Randen“). Verursacht wird dies hauptsächlich durch Staunässe, Hitze, Trockenheit und Kalziummangel.
Ernte und Lagerung
Für den Sommerfenchel ist eine rechtzeitige Ernte wichtig, da er sonst in Blütenbildung übergeht und verholzt. Nach der Ernte der Knollen treiben – wenn nicht zu tief geschnitten wird – wieder kleine „Nebenknollen“ aus, die nochmals beerntet werden können. Allerdings gehen diese dann rasch in Blüte. In wintermilden Gebieten (Fenchel verträgt leichte Fröste bis -1°C) können im Herbst die Hauptknolle und im Frühling die „Nebenknollen“ geerntet werden.
Herbstfenchel: Ab Oktober bis Ende November kann mit der Knollenernte (samt Wurzeln) begonnen werden. Fenchel verträgt leichte Nachtfröste, aber ab Herbst lohnt sich eine dünne Laubschicht, um ihn vor Kälte zu schützen. Wenn es wirklich kalt wird, sollten die Knollen in Sandeinschlägen im Keller oder Frühbeet eingelagert werden.
Fenchel als Balkongemüse
Gemüsefenchel empfiehlt sich nicht als Balkonpflanze. Der dekorative Gewürzfenchel gedeiht auch als Kübelpflanze gut.
Sortenvielfalt
Der Gemüsefenchel und der Gewürzfenchel (var. dulce) sind botanisch die gleiche Art und können sich daher auch verkreuzen. Der Gemüsefenchel bildet die verdickten Blattscheiden, die so genannten Fenchelknollen. Beim Gewürzfenchel werden Samen und Blätter zum Würzen von Speisen, zum Knabbern oder als verdauungsfördernder Tee genutzt.
Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale des Gemüsefenchels für den Hausgarten sind die jahreszeitliche Anbaueignung und die Form der Knolle.
• Sommerfenchel wird von Mitte Februar bis Anfang April gesät.
• Für die Ernte im Hochsommer (Aussaat Ende Mai, Anfang Juni) sind nur sehr wenige Sorten (neuere Sorten, ausschließlich Hybride) geeignet. Eine Ausnahme ist die samenfeste Sorte ‚Selma‘.
• Herbstfenchel wird ab 20. Juni bis 20. Juli gesät (sowohl in der Vorkultur wie auch in der Direktsaat).
Sortenbeschreibungen
Gärtnerische Zuchtsorten
• ‚Finale‘ (SP)*: hochrunde, feste, mittelgroße Knollen für den ganzjährigen Anbau, sehr schossfest.
• ‚Zefa Fino‘: schossfeste, rasch wachsende Sorte für den Ganzjahresanbau, Aussaat ab Februar für den frühen Anbau, ab Mai auch Direktsaat ins Freiland. Feines, mittelhohes Laub und große, flachrunde, weiße und kompakte Knolle, braucht gute Düngung und Wasser.
• ‚Fino‘ (RS, BI): Sorte für die Frühkultur. Aussaat Februar bis April. Lange, weiße, mittelgroße Knollen, rasch wachsend.
• ‚Zefa Tardo‘: Aussaaten ab 15. Juni, eignet sich nur für den Herbstanbau im Freiland, sehr ertragreich, mittelspäte Sorte. Große, flachrunde Knolle, sehr fest, weiß, mit einem Anflug von Grün.
• ‚Perfektion‘ (RS, BI): Frühjahrsanbau (Februar) und Herbstanbau (Mitte Juni bis Mitte Juli), braucht größere Platzabstände, sonst bildet er nur eine flache Knolle aus.
• ‚Selma‘ (SA): Sorte für Ganzjahresanbau, schossfester Knollenfenchel, flache, bis leicht bauchige Knollen.
Italienische Lokalsorten
Die alten italienischen Fenchelsorten neigen dazu, schnell Schosser zu bilden. Sie gehen, wenn sie zu früh angebaut werden, sehr leicht in Blüte und eignen sich daher nur für eine Aussaat ab Mitte Juni bis Mitte Juli.
Zwei Typen werden unterschieden:
• Finocchio grosso: hauptsächlich in Süd-Italien verbreitet; bildet, große, dicke Knollen aus. Z.B. die Sorten ‚Bologneser‘ und ‚Romanesco‘ (Knollen bis zu 1 kg). Diese eignen sich nur für Aussaaten ab Mitte August, haben eine lange Entwicklungszeit und sind daher für den Anbau in Mitteleuropa nicht geeignet.
• Finocchio nostrale: hauptsächlich in Mittelitalien verbreitet, bildet kleine, zarte Knollen aus. Z.B. die Sorte ‚Florentiner‘ (‚Di Firenze‘): Diese Sorte neigt bei uns bei zu frühem Anbau stark zum Schossen, während in kühleren Regionen (z.B. Großbritannien) auch ein Anbau im Mai und Juli möglich ist. ‚Pontino‘: sehr helllaubige Sorte, ebenfalls nur für den Herbstanbau.
Wenn Pflanzen zu früh in Blüte gehen: Das Schossen
Das Verhindern des „Schossens“ – also das In-Blüte-Gehen von Pflanzen, bevor sie ein erntereifes Gemüse ausgebildet haben – ist bei Fenchel eine der größten Herausforderungen. Ein anderes Gemüse, das dazu neigt, ist der Salat. Diese beschleunigte Entwicklung hat gute Gründe: Pflanzen bemühen sich unter widrigen Bedingungen rasch Samen und damit eine nächste Generation zu bilden. Alles, was die Pflanze stresst, löst ein frühzeitiges Schossen aus: Wassermangel, zu hohe Temperaturen, bei manchen Kulturen auch Nährstoffmangel. Fenchel neigt zum Schossen bei Wassermangel, bei Temperaturen über 24°C, bei zu enger Pflanzung sowie bei anderen Stressfaktoren – z.B. wenn die Feldhasen einmal die Blätter zu stark abgenagt haben.
Darüber hinaus gibt es auch Pflanzen, die tageslängenempfindlich sind – also nur zu bestimmten Zeiten im Jahr als Gemüse angebaut werden können. Fenchel ist eine Langtagspflanze: Er geht in Blüte, wenn die Tageslängen über 14 Stunden steigen. Daher werden die meisten Lokalsorten erst im Sommer angebaut, wenn die Tage in den Herbst hinein wieder kürzer werden. Ein Züchtungsdurchbruch gelang der Schweizer Forschungsanstalt Wädenswil mit der 1979 angemeldeten Sorte ‚Zefa Fino‘. Die Sorte reagiert weniger empfindlich auf die Tageslänge und kann auch im Frühling angebaut werden. Sie ist nach wie vor im Handel erhältlich und wird von biologischen Samenbaufirmen angeboten.
Rezept
Risotto mit Wildkräutern und Fenchel
Zutaten
• 1 Fenchelknolle, fein geschnitten
• 2 junge Knoblauchknollen
• 140 g Risotto-Reis
• 1/8 l trockener Weißwein
• 3/4 l heiße Gemüsebrühe
• eine Hand voll grob geschnittene Wildkräuter (z.B. Leimkraut, Hirschhornwegerich)
• Petersilie oder Koriander, fein geschnitten
• Parmesan oder Ziegenfrischkäse
• essbare Blüten
Zubereitung
Knoblauch klein schneiden und in 3 Esslöffel Butter goldbraun anschwitzen. Risotto-Reis dazugeben und unter rühren ca. 4 Minuten glasig schwitzen. Mit Weißwein aufgießen, unter ständigem Rühren immer wieder heiße Gemüsebrühe angießen. Nach ca. 15 Minuten Wildkräuter und Fenchel unterrühren und mitdünsten. Nach ca. 20 Minuten ist der Reis gar (außen cremig, innen kernig). Zum Schluss etwas Butter und Petersilie oder Koriander untermischen. Den Risotto mit Parmesan oder Ziegenfrischkäse bestreuen und mit Blüten dekorieren.
(Rezept von der Gärtnerei Ochsenherz)

Marienkäfer auf der Suche nach Blattläusen
Zuckerwurzel
(Sium sisarum)

Gewaschene Zuckerwurzel für die Küche
Viele Arche Noah GärtnerInnen kultivieren die Zuckerwurzel mit Begeisterung. Die Wurzeln schmecken angenehm süßlich und sind sehr bekömmlich und ihr Anbau gelingt im Garten sehr einfach. Über viele Jahrhunderte galt die süße Wurzel als besondere Delikatesse. Sie geriet im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in Vergessenheit, verdrängt von ertragreicheren Pflanzen – einerseits der stärkereichen Erdäpfel und andererseits importiertem Rohrzucker und später Rübenzucker. Die Zuckerwurzel ist eine ausdauernde, sehr frostfeste Pflanze.
> Aussaat oder vegetative Vermehrung möglich
> Aussaat März/April oder November
> Ernte nach den ersten Frösten
> Wächst auch im Halbschatten gut
> Ist sehr frostfest
> Saatgut maximal 2 Jahre keimfähig
Anbau
Die Zuckerwurz gedeiht gut auf feuchten, nahrhaften Böden und kann auch dort angebaut werden, wo aufgrund zu hoher Bodenfeuchtigkeit kein anderes Wurzelgemüse mehr gedeiht, z.B. auf moorigem Grund (daher wird sie auch „Wassermerk“ genannt). Ungeeignet sind trockene Lagen, wenn keine Bewässerungsmöglichkeit gegeben ist.
Zuckerwurzel kann entweder direkt gesät oder vorkultiviert werden. Zu den idealen Keimbedingungen gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Einerseits keimen Samen, die im Herbst ausgefallen sind, nach einer Frostperiode schon bei relativ niedrigen Bodentemperaturen sehr früh und üppig (also lange bevor sich der Boden richtig erwärmt). Andererseits keimen die Samen in der Vorkultur viel rascher, wenn sie in Aussaatschalen gesät und bei 20°C aufgestellt werden. Für eine Herbsternte wird im März oder bereits im November ausgesät. Die besten Erfahrungen haben wir bei Arche Noah gemacht, wenn das Saatgut im November in Aussaatschalen gesät wird und im Frühjahr die Jungpflanzen gesetzt werden.
Jungpflanzenanzucht
Zuckerwurz kann auch vegetativ über einzelne Wurzeln mit Spross vermehrt werden. Diese Pflanzen wachsen sehr rasch. Dazu werden im Frühjahr kleine Sprosstriebe mit etwas Wurzeln daran mit einem scharfen Messer abgetrennt und eingesetzt. Manche Sprosstriebe lassen sich auch einfach herausziehen oder herausbrechen. Die kleinen Wurzelschosser (→ Foto) bis zur ausreichenden Bewurzelung im Töpfchen – wie Stecklinge – vorkultivieren (ab Anfang März).
Auspflanzen
Ab April können die Pflanzen ausgesetzt werden, Pflanzabstände 35 x 20 cm. Wenn im Garten bereits im Vorjahr Zuckerwurzelpflanzen geblüht haben, gehen in der Nähe der Pflanzen im kommenden Frühjahr jede Menge kleine Zuckerwurzelpflänzchen auf. Diese können sehr einfach verpflanzt werden.
Temperaturansprüche
Die Zuckerwurzel wächst besonders gut im gemäßigten Klima, auch auf halbschattigen Stellen und ist wie gesagt sehr frostfest.
Düngung
Zuckerwurzeln sind Schwachzehrer, ihr Nährstoffbedarf ist vergleichbar mit → Karotte oder → Wurzelpetersilie.
Wasserbedarf
Zuckerwurzeln kommen auch mit wenig Wasser zurecht, danken aber regelmäßige Wassergaben besonders in heißen trockenen Sommern mit höheren Erträgen.
Pflege
Regelmäßig hacken und frei von Unkräutern halten.
Fruchtfolge & Mischkultur
Zuckerwurzeln gelten als selbstunverträglich. Eine Anbaupause von vier Jahren einhalten mit sich selbst und mit anderen Doldenblütlern. Geeignete Mischkulturpartner sind uns bislang nicht bekannt.
Pflanzengesundheit
Es treten kaum Pflanzenkrankheiten auf. Wer Mäuse im Garten hat, gräbt die Zuckerwurzeln im Herbst allerdings besser aus und lagert sie mäusesicher.
Ernte und Lagerung
Die Wurzeln wachsen bis in den November hinein. Geerntet wird ab dem Einsetzen der Fröste. Zuckerwurzel ist völlig winterhart und kann über den Winter im Boden bleiben und bei offenem Boden geerntet werden. Im Idealfall bildet eine Pflanze insgesamt bis zu 10–15 Wurzeln, die 20–30 cm lang werden können.
Da die Zuckerwurzel züchterisch in den letzten Jahrzehnten stark vernachlässigt wurde, empfehlen wir, die Pflanzen selbst zu vermehren und konsequent auf einen guten Wurzelansatz auszulesen. Die Vermehrung über Samen bringt eine größere genetische Vielfalt und eine bessere Auslesemöglichkeit. Im Herbst die Pflanzen ausgraben und jene mit den stärksten Wurzeln als Mutterpflanze für die nächstjährigen Pflanzen verwenden. Ausgegrabene Pflanzen frostfrei überwintern. Die Wurzeln lassen sich kühl und in leicht feuchte Sägespäne oder Sand eingeschlagen einige Monate lagern. Man kann die Pflanzen auch für die Küche beernten und gleichzeitig wieder als Mutterpflanze zur Vermehrung verwenden: Die stärkeren Wurzeln für die Küche abschneiden und einige lange dünne Wurzeln dran lassen und so wieder setzen.
Wenn man bereits Pflanzen hat, die viele dicke Wurzeln ausbilden, kann man sie leicht über Wurzelsprosse vermehren.
Zuckerwurzel als Balkongemüse
Was die Kultur der Zuckerwurzel als Kübelpflanze betrifft, haben wir bislang keine Erfahrungen, doch hat die Pflanze sicher ein Experimentier-Potential, zumal sie auch für schattigere Balkone geeignet ist.
Sortenvielfalt
Uns sind keine Sorten im engen Sinn bekannt, allerdings verschiedene Herkünfte. Einige Herkünfte werden schon seit einigen Jahren auf große, wenig verzweigte Wurzeln ausgelesen. Bei Arche Noah ist dies eine Herkunft aus dem Botanischen Garten in Frankfurt, die auch in Kooperation mit ReinSaat als Saatgut angeboten wird.
Sortenzeichnung

Zuckerwurzel
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Peter Lassnig, Vielfaltsgärtner, Gärtnerei Ochsenherz: „Wir setzen Jungpflanzen, die wir zeitig im Frühjahr aussäen oder machen Direktsaaten noch vor dem Winter (Dezember). Die vegetativ vermehrten Pflanzen haben meiner Erfahrung nach anscheinend stärker verholzte, weniger fleischige Wurzeln. Ich bin mir aber noch nicht sicher, woran das liegt. Ich habe den Eindruck, dass es da noch viel zu experimentieren gibt.“
Zuckerwurzel-Kulinarik
Zuckerwurzeln enthalten 4–8 % Zucker (Saccharose). Die Wurzeln sind roh oder gekocht genießbar und lassen sich ähnlich zubereiten wie Pastinaken: gedünstet, in Olivenöl angebraten, gebacken oder zu feinen Pürees oder Suppen verarbeitet. Vor der Produktion des raffinierten Zuckers aus Zuckerrüben und Zuckerrohr wurde sie als die „süßeste Wurzel“ bezeichnet. Ihr Zuckerspektrum ist für Diabetiker günstiger als das der Erdäpfel und des Weizens. Zuckerwurzeln enthalten nur sehr wenig Stärke.
Nach dem Winter bilden Zuckerwurzeln im Inneren einen starken Faserstrang, aus dem später die Blütendolde wächst. Diesen holzigen, zähen Teil entfernt man am besten vor der Zubereitung, indem man die frischen Wurzeln in der Mitte auseinander bricht. Dadurch lässt sich der fasrige Strang einfach herausziehen. Lange dünne Zuckerwurzeln sind meist auch sehr holzig. Sie können aber wie Spargel zusammengebunden als Geschmacksträger mitgekocht werden.
Das Oberirdische der Zuckerwurzel
Rezept
Zuckerwurzel-Cremesuppe
Zutaten
• 500g Zuckerwurzeln, in mundgerechte Stücke geschnitten
• 1 l Kalbsfond oder Gemüsebrühe
• einige Safranfäden, in heißer Brühe vorgeweicht
• Mehl, frischer Ingwer, Cayennepfeffer, Muskatnuss, Salz
• trockener Marsala
• 1/4 l Obers
• kalte Butterflöckchen
• Zuckerwurzelblätter oder frischer Kerbel gehackt
Zubereitung
Die Zuckerwurzelstücke mit einem Teil der Brühe knapp bedeckt bissfest garen. Für die Suppeneinlage einige Wurzelstücke entnehmen, beiseite stellen. Safranfäden (im Einweichsud) beigeben und gemeinsam mit den verbliebenen Zuckerwurzeln noch einige Zeit köcheln. Die Kochflüssigkeit reduzieren lassen. Danach mit etwas Mehl stäuben und das Wurzelwerk mit dem Stabmixer pürieren. Cayennepfeffer und den Saft von frisch geriebenem Ingwer zufügen. (Der fein geraffelte Ingwer wird durch ein Teesieb abgepresst). Die pürierte Masse mit der restlichen Brühe auf die gewünschte Konsistenz verdünnen. Alles nochmals aufkochen und einen Schuss Marsala sowie die zurückbehaltenen ganzen Zuckerwurzelstücke zugeben. Die Suppe mit Obers legieren, kalte Butterflöckchen montieren und mit Muskatnuss und Salz abschmecken. Zuletzt die Crèmesuppe mit frisch gehacktem Kerbel- oder Zuckerwurzelkraut bestreuen und mit einem Obershäubchen servieren.
(Rezept von Karina Bartmann)
Kerbelrübe
(Chaerophyllum bulbosum)

Kerbelrüben gelten als feine Delikatesse.
Die Kerbelrübe ist ein Wurzelgemüse mit ockerfarbener Haut und weißem Fleisch. Geduldigen Feinschmeckern sei der Anbau der Kerbelrübe besonders empfohlen. Der Weg von der Aussaat bis auf den Teller dauert rund 10 Monate. Dann lohnen die kleinen Würzelchen mit ihrem feinen, kastanienähnlichen Aroma. Vorausgesetzt ein Zaun hält Rehe und Hasen ab, denn auch die wissen, was gut ist.
> Aussaat September bis Dezember (ausschließlich frisches Saatgut!)
> Keinen frischen Dünger geben
> Ernte nach Vergilben des Laubs (Juni/Juli)
> Nachreife nach der Ernte 6–8 Wochen
> Saatgut nur wenige Monate keimfähig
Anbau
Die Kerbelrübe bevorzugt frischfeuchte Plätzchen, eventuell im Halbschatten und feuchte, durchlässige Böden, die möglichst unkrautfrei sind, da die kleinen Pflänzchen sehr konkurrenzschwach sind. Auf sandigen Böden gedeihen Kerbelrüben besonders gut. Die Samen der Kerbelrübe sind oft nur wenige Monate keimfähig. Daher benötigt man für die Aussaat unbedingt frisches Saatgut. (Eine Ausnahme ist sehr gut ausgereiftes und gut gelagertes Saatgut, das bis zu zwei Jahre keimfähig bleibt).
Kerbelrüben sind Frostkeimer (Frost hebt die natürliche Keimhemmung auf – z.B. 4°C während 10 Wochen): Daher am besten bereits im Herbst (September bis Dezember) säen. Aussaat in Reihen wie Karotte (flach), Reihenabstand 30 cm. Aussaat mit einem Rechen oder einer Gartenhaue andrücken. Die Samen keimen zeitig im Frühjahr. Haben die Kerbelrüben gut gekeimt, ist die größte Hürde bereits gemeistert. Zu dicht stehende Jungpflanzen auf 4–6 cm auslichten. Eine Aussaat im zeitigen Frühjahr ist auch noch möglich, allerdings keimen die Samen dann wesentlich später und oft lückenhaft. Auch ist der Arbeitsaufwand größer, da die Aussaaten bis zur Keimung feucht und beschattet gehalten werden müssen.
Im Frühjahr zeigen sich als erstes zwei länglich-schmale Keimblätter. Das Laub erinnert an Petersilie oder Karotten. Bereits im Juni beginnt das Laub zu vergilben. Bis zum vollständigen Einziehen der Blätter im Juli den Boden stets feucht und unkrautfrei halten. Die Form der Kerbelrübe ähnelt einer kurzen, kegelförmigen Karotte. Die Rüben werden 5–8 cm lang und 3–4 cm dick.
Temperaturansprüche
Kerbelrüben sind unsern Temperaturen und Jahreszeiten sehr gut angepasst. Anders als alle anderen Gemüse lieben sie halbschattige Standorte; können aber auch in der vollen Sonne angebaut werden.
Düngung
Kerbelrüben sind Schwachzehrer, keinesfalls frische Düngung ausbringen. Sonst → Karotte.
Wasserbedarf
Sehr wichtig für die Kerbelrübe ist eine gleichmäßige Bodenfeuchte.
Pflege
Regelmäßiges Hacken sorgt für Unkrautfreiheit und gleichmäßige Bodenfeuchte.
Fruchtfolge & Mischkultur
Kerbelrüben auf einem Beet anbauen, auf dem in den letzten 4 Jahren kein anderer Doldenblütler stand, sonst → Karotte.
Da die Kerbelrübe bereits früh das Beet räumt, kann das Beet noch für eine zweite Kultur genutzt werden (Radicchio, Zichoriensalate ev. Gurke oder Buschbohnen).
Pflanzengesundheit
Kerbelrüben sind sehr robust, können aber grundsätzlich von denselben Krankheiten und Schädlingen befallen werden wie → Karotten und → Sellerie.
Ernte und Lagerung
Die Knollen sollten bei niedrigen Temperaturen für 6–8 Wochen in feuchten Sand eingeschlagen werden. Erst so entwickelt sich ihr volles Aroma. Wenn man mit dem Verzehr zu lange wartet, werden die Kerbelrüben in der Kälte immer süßer, was nicht allen gut schmeckt, da die Süße dann das feine Aroma übertönt.
Kerbelrübe als Balkongemüse
Wir haben bislang keine Erfahrung mit Kerbelrüben als Topfpflanzen. Wer experimentieren will, dem sei empfohlen, das Substrat mit Sand abzumagern und die Töpfe keinesfalls austrocknen zu lassen (im Halbschatten aufstellen).
Sortenvielfalt
Die Form der echten Kerbelrübe ist je nach Sorte entweder länglich, kegelig oder kurz, rundlich-konisch (vergleichbar mit der Karotte ‚Pariser Mark‘). Bei der Kerbelrübe wurden bislang nur unterschiedliche Herkünfte unterschieden. Erst seit 1987 gibt es in Nordfrankreich eine professionelle Züchtung der Firma Royal Sluis-France, aus der durch Massenauslese die ersten neuen Sorten hervorgegangen sind: ‚Altan‘ und ‚Véga‘, die größere Rüben ausbilden und eine kürze Dormanz-Phase haben. Neben der europäischen Art C. bulbosum findet sich die Sibirische Kerbelrübe (C. prescottii). Die Rüben dieser Art sind größer, reichen geschmacklich aber nicht ganz an die echte Kerbelrübe heran. Die Sibirische Kerbelrübe wird im Frühling gesät, ansonsten gleicht ihre Kultur jener der Echten Kerbelrübe.
Kerbelrüben-Kulinarik
Auch wenn die Kerbelrübe recht unscheinbar wirkt und gegenüber anderen Wurzelgemüsen vielleicht etwas „mickrig“ erscheint, ist sie in der Küche ein wahrer Superstar: Ihr Geschmack ist leicht süßlich und erinnert an Maroni. Und die kleinen Knollen sind sehr nahrhaft. Sie enthalten etwa 3 % Eiweiß, 28 % Kohlenhydrate und nur 0,4 % Fett. Der höhere Aufwand beim Waschen und Putzen der Knollen lohnt sich, denn die Zubereitungsmöglichkeiten sind vielfältig und der Geschmack unübertroffen. Größere Knollen, die ohne viel Verlust geschält werden können, schmecken hervorragend gekocht oder gedünstet. Als Salat sind sie z.B. eine delikate Alternative zur Schwarzwurzel. Bei kleinen Knollen empfiehlt es sich, diese nur gründlich zu waschen und dann in einer Pfanne in etwas Olivenöl goldbraun zu braten.
Tipps aus dem Arche Noah Sortenarchiv
Die Kerbelrübe ist eine Kulturart, die in den letzten Jahrzehnten züchterisch stark vernachlässigt wurde. Die Kerbelrübe fand ausgehend von Russland Verbreitung; z.B. in Frankreich ist ihr Anbau seit 1846 dokumentiert. Im Sortenarchiv der Arche Noah finden sich derzeit verschiedene Herkünfte der Kerbelrübe. Seit Jahren werden Auslesen durchgeführt, um eine nutzbare Größe und Form der Rüben zu erreichen. Da sich in den letzten Jahren einige Züchter in Frankreich, aber auch in Österreich, intensiv mit der Kerbelrübe auseinandergesetzt haben, sind diese historischen Größenangaben (6–8 cm) bereits wieder erreicht oder sogar überschritten. Peter Lassnig berichtet, dass seine größten Kerbelrüben bis zu 10 cm groß sind, wobei immer noch viele kleine dabei sind. Wer Kerbelrüben anbaut, kann durch konsequente Auslesen ähnliche Ergebnisse erzielen.
Rezepte
Kerbelrüben in Butter
Zutaten
• 1 kg Kerbelrübe
• 0,12 l Hühnersuppe
• 50 g Butter
• Muskatnuss, Salz, Pfeffer
Zubereitung
Kerbelrüben schälen, waschen und abtropfen lassen, größere längs halbieren. Butter zerlassen und die Kerbelrüben darin hellgelb dünsten, würzen und die Hühnersuppe zugießen. Sobald die Suppe kocht, die Kerbelrüben zugedeckt ca. 10 Minuten garen (sie sollten noch etwas Biss haben). Zu gebratenem Fleisch servieren.
(von Veronika Haas, HBLA Sitzenberg)
Kerbelrübenpüree überbacken
Zutaten
• ca. 400 g Kerbelrüben
• ca. 300 g Kartoffeln
• 1 Zwiebel
• Salz, Pfeffer
• etwas Gemüsesuppe
• 3 Eier
• etwas Butter
Zubereitung
Kerbelrüben, Kartoffeln und Zwiebel schälen und in Stücke schneiden. In einen Topf geben, salzen, pfeffern und mit Gemüsesuppe bedecken. Weichkochen, mit dem Pürierstab mixen. Dann das Eigelb und etwas Butter unterrühren. Steifgeschlagenes Eiweiß darunterziehen.
Kerbelrübenpüree in eine feuerfeste Form geben, ein Stück Butter drauf und mit Parmesan bestreuen und im vorgeheizten Ofen bei 200°C goldgelb backen.
Das Kerbelrübenpüree kann als Beilage zu diversen Fleischgerichten verwendet werden oder als Hauptgericht mit frischem Gartensalat serviert werden.
Variation: In der feuerfesten Form einen Kegel mit Kerbelrübenpüree bauen und diesen mit Gorgonzola füllen. Dann weiter vorgehen wie oben.
(Rezept von Eva Simeaner)

Kerbelrüben blühen in zarten weißen Dolden.
Neuseeländerspinat
(Tetragonia tetragonioides)

Blätter und Blüten des Neuseeländerspinats
Der Neuseeländerspinat wächst auch bei Hitze im Sommer – wenn gerade kein Gartenspinat geerntet werden kann. Zwei bis drei Pflanzen decken den Spinatbedarf einer ganzen Familie – von einer Pflanze kann mindestens 1 kg frischer Spinat geerntet werden. Die Pflanzen sind in ihrer Heimat ausdauernd, bei uns werden sie einjährig kultiviert. Sie verzweigen sich reichlich und wachsen nieder liegend oder aufrecht mit bis zu 1 m langen Sprossen. Die dreieckigen, fleischigen Blätter können laufend beerntet werden.
> Aussaat bei Vorkultur Ende März/Anfang April
> Direktsaat ab Mitte bis Ende April
> Lange Keimdauer
> Idealer Sommerspinat
> Laufend beerntbar
> Samen 4–5 Jahre keimfähig
Anbau
Neuseeländerspinat kann direkt ins Freiland gesät oder vorgezogen werden. Direktsaat ab Mitte/ Ende April, die Keimdauer beträgt 3–4 Wochen, die Sämlinge erscheinen somit erst nach den Eisheiligen. Vliesabdeckung beschleunigt Keimung und Wachstum. In Regionen mit Spätfrostgefahr nach Mitte Mai entsprechend später aussäen oder vorkultivieren. Die Pflanzen wachsen in den ersten Wochen sehr langsam, breiten sich aber später mächtig aus und erreichen bis zu 1 m Höhe. Neuseeländerspinat kann sich in warmen Regionen auch selbst aussäen und braucht dann nur ausgedünnt oder verpflanzt werden. Auch wenn die Pflanzen die Sonne lieben: sie gedeihen auch im Halbschatten.
Jungpflanzenanzucht
Neuseeländerspinat kann ab Ende März/Anfang April in Töpfe gesät und vorgetrieben werden. Das Saatgut 24 Stunden vorquellen. Anschließend bei 24–28°C warm stellen und gut feucht halten. Entspitzen während der Anzucht fördert die Triebentwicklung. Vorgezogene Pflanzen sind früher beerntbar als direkt gesäte. Er kann ebenso im Frühbeet vorgetrieben werden.

Jungpflanze Neuseeländerspinat
Auspflanzen
Auspflanzen der gut entwickelten (und abgehärteten Pflanzen) ab Mitte Mai. Pflanzabstand 40 x 40–60 cm.
Temperaturansprüche
Die Pflanzen sind frostempfindlich und sind generell wärmebedürftiger als der echte Gartenspinat. Er gedeiht am besten auf wärmeren Standorten. Bei kühler Witterung stellt er das Wachstum fast ein.
Düngung
Der Neuseeländerspinat ist ein Schwachzehrer und braucht keine eigene Düngung. Wenn die Pflanzen häufig beerntet werden sollen, fördert eine Gabe Brennnesseljauche jeweils nach dem Schnitt den neuen Durchtrieb.
Wasserbedarf
Als ehemalige Küstenpflanze ist Neuseeländerspinat dankbar für eine hohe Luftfeuchtigkeit, daher gedeiht er in Gewächshäusern und in Regionen mit feuchter Luft besonders gut. Auch braucht er (vor allem, wenn er regelmäßig beerntet werden soll) eine gute Wasserversorgung.
Pflege
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung in den ersten 5–7 Wochen regelmäßig hacken und von Unkräutern frei halten, danach → Ernte.
Fruchtfolge & Mischkultur
Wegen seiner langsamen Jugendentwicklung kann der Platz zwischen den Reihen gut mit Salat, Radieschen oder auch gewöhnlichem Spinat oder einer raschwüchsigen Gründüngung ausgenutzt werden.
Im Arche Noah Schaugarten haben wir eine spezielle Mischkultur mit Paradeisern entwickelt: Neuseeländerspinat deckt den Boden zwischen den Paradeiserpflanzen ab und fungiert quasi als lebendige Mulchschicht. Die gute Bodenabdeckung ist gleichzeitig eine biologische Pflanzenschutzmaßnahme gegen Kraut- und Knollenfäule am Paradeiser. Die Blätter des Neuseeländerspinates verhindern bei Regen, dass das Wasser samt Pilzsporen vom Boden auf die Pflanzen spritzt. Als Schwachzehrer macht Neuseeländerspinat den Paradeisern keine Nährstoffkonkurrenz. Da man auf das Gießen der Paradeiser im Garten kaum vergisst, hat auch der Neuseeländerspinat einen Vorteil aus dieser Mischkulturgemeinschaft.
Günstige Vorfrüchte sind Salate, Kohlrabi oder Radieschen, die einen lockeren und unkrautfreien Boden hinterlassen.
Pflanzengesundheit
Bei Arche Noah haben wir bislang keine Problem-Krankheiten beobachtet. Vereinzelt treten Blattläuse auf und können das Gurkenmosaikvirus übertragen.
Ernte und Lagerung
Die Pflanzen müssen regelmäßig (alle 1–2 Wochen) beerntet werden, damit neue Triebe mit zarten Blättern nachwachsen: Die Triebspitzen mit 3–5 Blättern abschneiden. Wenn wenig geschnitten wird, werden Blätter und Triebe hart. Erste Ernten bei vorgezogenen Pflanzen Ende Juni, sonst Mitte Juli. Fortlaufende Ernte bis zum ersten Frost. Wenn die Pflanzen im Herbst mit einem Vlies geschützt werden, können sie bis weit in den Oktober hinein beerntet werden. Man verwendet die Blätter wie jene des „echten“ Spinats. Sie lassen sich eingeschlagen in ein feuchtes Tuch 2–3 Tage im Kühlschrank lagern oder falls notwendig auch einfrieren. Der Geschmack ist ähnlich dem des Gartenspinats, allerdings etwas kräftiger. Die Blätter schmecken auch sehr gut, wenn sie frisch in feine Streifen geschnitten in einen Salat gemischt werden.
Neuseeländerspinat als Balkongemüse
Neuseeländerspinat lässt sich problemlos als Kübelpflanze kultivieren.
Sortenvielfalt
In Europa sind kaum Sorten bekannt, da Neuseeländerspinat züchterisch kaum bearbeitet wurde. Eine Ausnahme ist die Sorte ‚Roter‘ (Eigenname), die vom Arche Noah Mitglied Frank Van Keirsbilck angebaut wird. Eine seltene Variante mit roten Stängeln und grünen Blättern mit rotem Rand.

Neuseeländerspinat liefert auch im Hochsommer feinen Spinat.
Eiskraut, Kristallkraut
(Mesembryanthemum crystallinum)

Der Name täuscht: Eiskraut braucht Wärme.
Eiskraut ist ein spinatähnliches Gemüse und eine wunderbar bizarre Zierpflanze. Die Pflanze verdankt ihren Namen den kristallartig aussehenden Saftzellen, die ihre Blätter und Stiele überziehen. Die Blätter schimmern so kostbar, dass manche gar nicht auf die Idee kommen, sie zu verspeisen. Eiskraut schmeckt salzig-säuerlich, knackig und erfrischend. Die Pflanzen werden 20–25 cm hoch, die dickfleischigen Blätter des Eiskrauts können 8–14 cm groß werden.
> Wärmebedürftig
> Aussaat Anfang April bis Mai
> Blüte Mai bis Oktober
> Ernte ab Ende Juni und je nach Beerntung bis zur Blüte bzw. bis in den Herbst
> Samen 4–5 Jahre keimfähig
Anbau
Eiskraut ist eine wärmebedürftige Pflanze. Ein Anbau im Freiland ist im Weinbauklima möglich, sonst nur im geschützten Anbau, jedenfalls unter Vliesabdeckung. Eiskraut verlangt einen warmen, gut wasserdurchlässigen Boden und einen vollsonnigen Standort. Eiskraut wird bei uns einjährig kultiviert. Die Direktsaat ist nicht ratsam, da das Saatgut fast staubförmig klein und teuer ist.
Jungpflanzenanzucht
Aussaat ab Anfang April und warm halten, die Aussaaterde etwas mit Sand mischen, sonst faulen die Pflanzen leicht. Nur flach säen. Die Jungpflanzen sparsam gießen. Sonst → Neuseeländerspinat und → Tipp.
Auspflanzen
Die Pflanzen können ab Mitte Mai, in kühleren Regionen ab Ende Mai ausgepflanzt werden. Reihenabstand 30 cm, in der Reihe 20 cm. Eine Vliesabdeckung in den ersten Wochen fördert das Wachstum.
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Peter Lassnig, Gärtnerei Ochsenherz, Gänserndorf (www.ochsenherz.at): „Ganz wichtig ist unserer Erfahrung nach, die pikierten Pflanzen vor dem Auspflanzen in den Pikiertöpfchen nicht überständig werden lassen. Wenn die Wurzelballen die Töpfchen schon sehr ausfüllen tun sich die Pflänzchen nach dem Aussetzen mit der Verwurzelung im Boden extrem schwer. Ein vorsichtiges Aufreißen des Ballens kann zwar vielleicht noch hilfreich sein, aber die Pflänzchen sind dann sehr empfindlich. Besser ist es sie zu setzen, wenn die Durchwurzelung des Ballens gerade richtig losgeht und die Pflanzen im Boden gleich weiterwurzeln. Behutsam einsetzen, um den Wurzelballen nicht zusätzlich zu verletzen.“
Temperaturansprüche
Die Pflanze ist in den Küstenregionen Südafrikas beheimatet, daher ihre hohen Wärmeansprüche und ihre Frostempfindlichkeit. Eiskraut wächst auch auf Böden mit hohem Salzgehalt und ist wärmebedürftiger als der Neuseeländerspinat.
Düngung
Eiskraut ist ein Schwachzehrer, doch bildet es in gut mit Kompost versorgten Böden deutlich mehr Blattmasse. Auch eine einmalige Gabe einer Pflanzenjauche (z.B. Brennnessel) fördert die Blattbildung.
Wasserbedarf
Sparsam gießen. Bei Anbau auf gut wasserspeichernden Böden (allerdings keinesfalls auf nassen kühlen Böden, hier fault Eiskraut) bildet Eiskraut mehr Blätter.
Pflege
Bis zum Bestandsschluss den Boden hacken und locker halten und/oder mulchen. Die Pflanzen ab Ende Juni/Anfang Juli regelmäßig beernten (→ Ernte). Eine zu frühe Blütenbildung kann auch Hinweis auf eine Stresssituation und gestörte Wachstumsbedingungen sein.
Fruchtfolge & Mischkultur
Wir haben bislang keine Erfahrungen zu Eiskraut als Mischkulturpflanze.
Pflanzengesundheit
Eiskraut ist eine gesunde und wohl dank ihrer Blattoberfläche robuste Pflanze.
Ernte und Lagerung
Ab Ende Juni/Anfang Juli können ähnlich wie beim Neuseelandspinat laufend die Triebspitzen beerntet werden. Das Ernten der ganzen Triebspitzen (und nicht nur einzelner Blätter) fördert die weitere Verzweigung und Weiterentwicklung der Pflanzen. Wichtig ist es allerdings, mit der Ernte nicht zu früh zu beginnen und anfangs sparsam zu beernten, sonst kann es sein, dass die Pflanzen mit einem Wachstumsstopp reagieren. Sobald die Blütenbildung einsetzt, bildet die Pflanze keine großen, beerntbaren Blätter mehr. Allerdings lässt sich die Blütenbildung durch eine regelmäßige, schonende und gleichmäßige Ernte rundherum an der ganzen Pflanze recht lange hinauszögern, im Optimalfall bis in den Herbst.
Eiskraut als Balkongemüse
Eiskraut eignet sich sehr gut als Kübelpflanze. In vielen Gegenden gedeiht es wohl nur hier gut.
Sortenvielfalt
Uns sind bislang keine verschiedenen Sorten bekannt. In Europa gibt es keine eigene Sortenzüchtung.
Eiskraut-Kulinarik
Am besten schmeckt Eiskraut, wenn es fein geschnitten mit anderen Blattsalaten gemischt wird. Die Blätter kommen auch gut zur Geltung, wenn sie gemeinsam etwa mit Karotte und Stangensellerie zu Aufstrichen als Dip-Gemüse gereicht werden. Ein Solo-Eiskraut-Salat schmeckt sehr gut mit einem Zitronendressing angerichtet (Saft einer Zitrone, 4 Esslöffel Olivenöl, frisch gemahlener Pfeffer, Salz, 1 Esslöffel Honig, Dressing erst unmittelbar vor dem Anrichten auf den Salat geben). Geräucherte Fischfilets passen ebenso gut zu Eiskraut. Ein historisches Rezept, das wir noch nicht nachgekocht haben, sei an dieser Stelle wiedergegeben. Es stammt aus dem Jahr 1913 vom Gärtnermeister Johannes Böttner: „Die Sprossen und Triebspitzen werden mit geriebener Semmel und reichlich Butter zu einem spinatähnlichem Gemüse bereitet, welches eigenartig und vielen köstlich schmeckt.“
Bei uns ist dieses Gemüse weitgehend unbekannt, in Australien, Neuseeland, aber auch im südwestlichen Europa, insbesondere Frankreich und Spanien, ist es auch auf den Märkten zu finden.
Eiskraut – was es sonst noch kann
In afrikanischen Wüstengebieten, ebenso in Kalifornien, wird die anspruchslose Pflanze zur Befestigung von sandigen Böden und Sanddünen verwendet. Auf den Kanaren und in einigen Mittelmeerländern wurde Eiskraut zur Gewinnung von Speisesoda genutzt. In Südafrika ist Eiskraut eine traditionelle Pflanze der Volksmedizin (Quelle: http://mansfeld.ipk-gatersleben.de).

Faszinierend bizarr: die kristallartig erscheinenden Saftzellen
Amarant, Chinesischer Spinat
(Amaranthus spp.)

Chinesischer Spinat (Amaranthus lividus)
Getreide-Amarant ist in den letzten Jahren in Naturkost- und Bioläden recht bekannt geworden: im Müsli, als mit Schokolade ummantelter Pausensnack oder wie Reis gekocht. Gemüse-Amarante sind weitaus weniger bekannt. Die große Farben- und Geschmacksvielfalt ihrer Blätter machen sie als Salat- und Spinatgemüse interessant. Gemüse-Amarante gehören zu verschiedenen botanischen Arten und sind vor allem in Süd(ost)asien wichtige Kulturpflanzen, aber auch in Afrika: So sind sie z.B. in Nigeria das zweitwichtigste Blattgemüse. Auch in mitteleuropäischen Gärten sind sie leicht zu kultivieren, sie vertragen mehr Hitze und Trockenheit als Kopfsalate.
> Aussaat frühestens ab Anfang Mai
> Erste Ernte nach 3–4 Wochen
> Besonders in den Sommermonaten feines Spinatgemüse
> Leichte Kultur
> Samen 6 Jahre und länger keimfähig
Anbau
Amarant ist eine wärmeliebende Pflanze, er wächst auf fast allen Böden, gedeiht auf sandig-humosen Böden besonders gut. Direktsaat im Freiland ab frühestens Anfang Mai – jedenfalls nach den letzten Spätfrösten. Aussaat in Reihen oder breitwürfig. Wenn die Pflanzen jung genutzt werden sollen, dichter säen (8–10 cm Reihenabstand), wenn sie höher werden sollen, einen Reihenabstand von 20–30 cm wählen (→ Ernte). Gekaufte Samen sind oft entspelzt und sehr fein, dann für die Aussaat eventuell mit Sand mischen. Sobald der Boden ausreichend erwärmt ist, keimt Amarant. Vliesabdeckung der ersten Aussaaten beschleunigt die Keimung und das Wachstum. Um große, kräftige Pflanzen zu erhalten: auf mindestens 15 cm vereinzeln. Amarant kann sich leicht selbst aussäen: unter Samenträgern gehen meist im kommenden Jahr üppige Bestände auf, die als Blattgemüse beerntet werden können.
Jungpflanzenanzucht
Eine Vorkultur der Pflanzen ist möglich; die Pflanzen spätestens im 2–3-Blattstadium auspflanzen, sonst kommt es zu Zwergwuchs. Der europäische Amarant ‚Roter Meier‘ kann bereits im März gesät und früher als die asiatischen Formen ausgepflanzt werden. Die Mindestkeimtemperatur ist 10°C, die optimale Keimtemperatur 20°C.
Temperaturansprüche
Getreide-Amarant ist widerstandsfähig gegen Trockenheit und kann auch auf nährstoffarmen Böden angebaut werden. Gemüse-Amarant gedeiht hingegen besser auf gut mit Wasser und Nährstoffen versorgten Böden und ist sehr wärmebedürftig; die Pflanzen gedeihen erst ab Temperaturen von 20–25°C richtig gut und sind sehr frostempfindlich. In sonnigen Regionen gedeihen die Pflanzen auch im Halbschatten.
Düngung
Gemüse-Amarant braucht in einem durchschnittlich versorgten Gartenboden keine eigene Düngung. Nach dem Rückschnitt mit Brennnessel-Jauche düngen.
Wasserbedarf
Für ein zügiges Wachstum und das Hinauszögern des Blühbeginns den Boden gleichmäßig feucht halten.
Pflege
Anfangs von Unkräutern frei halten und den Boden locker halten. Auch bei Gemüse-Amarant ist Mulchen ideal. Wenn die Pflanzen öfter beerntet werden, wachsen sie zügig nach. Im Englischen gibt es dafür den netten Begriff „Cut-andcome-again-Crop“, also frei übersetzt „Schneidund-wachs-wieder-nach-Pflanze“.
Fruchtfolge & Mischkultur
Da aus der Familie der Amarantgewächse sonst keine Gemüse stammen, bringt der Anbau von Blatt-Amarant eine tolle Abwechslung in die Fruchtfolge. Amarante sind selbstunverträglich. In Indien ist Amarant eine wichtige Mischkulturpflanze. Die NGO der bekannten Saatgut-Aktivistin Vandana Shiva „Navdanya Seeds“ („Neun Saaten“) hat den Namen einer typischen südindischen Mischkultur als Vereinsname gewählt. In dieser Mischkultur werden Lablab-Bohnen, Rizinus und verschiedene Hirsen gemeinsam angebaut, aber auch Getreide-Amarante angepflanzt. Solange sie jung sind, sind auch die Blätter der Getreide-Formen essbar. Amarant-Samen werden bei Navdanya zu anderem Saatgut in den Aufbewahrungsgefäßen gemischt, da sie verschiedenes Ungeziefer von den Samen fernhalten (Informationen zu Navdanya: http://www.navdanya.org).
Besonders in der Floristik beliebt – Celosie
Pflanzengesundheit
Amarante sind gesunde und robuste Kulturpflanzen, bei Arche Noah sind bislang keine Schädlinge oder Krankheiten aufgetreten.
Ernte und Lagerung
Die Pflanzen sind in verschiedenen Größen für verschiedene Zwecke nutzbar. Wenn sie dicht gesät werden, können sie als große Keimlinge (10 cm hoch) geschnitten werden. Für diese Nutzung wird alle zwei Wochen frisch gesät. Bei der normalen (oben beschriebenen Aussaat) können die Blätter bereits 20–30 Tage nach der Aussaat beerntet werden. Bei warmer Witterung sind die Pflanzen dann 20–30 cm hoch. Die Pflanzen stark zurückschneiden, nur die ersten Blätter stehen lassen, aus deren Blattachseln wieder neue Triebe wachsen. In diesem Stadium sind auch die Stängel noch als Gemüse nutzbar, sie werden am besten in ca. 5 cm lange Stücke geschnitten. Später können (bis zum Einsetzen der Blüte) einzelne Blätter gezupft werden. Ab Einsetzen der Blüte eignen sich die Blätter nicht mehr zur Gemüsenutzung.
Die frischen Blätter können eingeschlagen in ein feuchtes Tuch im Kühlschrank maximal 2–3 Tage gelagert werden. Sie lassen sich auch wie Spinatblätter einfrieren.
Gemüse-Amarant als Balkongemüse
Gemüse-Amarant lässt sich leicht im Topf kultivieren, am besten in länglichen Gefäßen und Reihenaussaat. Die Pflanzen können dicht gesät wie Kresse verwendet werden (→ Ernte).
Arten- und Sortenvielfalt
Die Blätter sind je nach Sorte und Art gelbgrün bis dunkelgrün, rot oder zweifärbig und unterschiedlich groß. Zu den Gemüse-Amaranten zählen A. lividus und der Dreifarben-Amarant A. tricolor, der vor allem in Süd(ost)asien angebaut wird. Amaranthus lividus ist eine in Europa bereits seit Jahrtausenden kultivierte Art. „Blitum“ oder „Meier“ sind die herkömmlichen Bezeichnungen der in Europa heimischen Arten, die häufig verwildert als Unkräuter auf Äckern und an Wegrändern wachsen. Von A. lividus gibt es einige Unterarten: Der Rote Heinrich oder Küchen-Amarant, den Gemüse-Amarant oder Chinesischen Spinat und den ‚Roten Meier‘. Letzterer hat in europäischen Hausgärten Tradition. Die Kulturformen wurden oft mit A. tricolor verwechselt, insofern muss man viele Angaben in der Literatur mit Vorsicht genießen. A. tricolor ist in Ostasien und Südasien (hauptsächlich Indien) verbreitet. Viele Sorten bilden große Massen an weichen, feinen Blättern, die sich hervorragend verarbeiten lassen. Die Blätter sind grün, gelb bis purpurrot gefärbt. Blätter und Sprossen können zu Suppen und als Kochgemüse verwendet werden. In Indien werden die frischen Triebe oder die geschälten Seitentriebe der älteren Pflanzen wie Spargel genutzt. Dunkelrote Formen von A. cruentus werden in Indien und in anderen Teilen der Welt bis heute als Färbepflanze genutzt.
Einer jener Amarante, der in Europa bereits eine längere Tradition hat, ist A. tricolor. In der Renaissance gelangte er vermutlich aus Indien nach Europa. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war der Anbau in vielen Ländern Europas sehr beliebt. In China wird die Pflanze seit Jahrtausenden kultiviert, viele Sorten sind hier entstanden. Eine gebräuchliche Zierart des Amarantes, die in europäischen Gärten bereits seit langem kultiviert wird, ist der Garten-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus). Nahe verwandt mit den Amaranten ist die prächtig bizarre Zierpflanze Celosia (auch Hahnenkamm genannt Celosia argentea f. cristata) und der ebenso einjährige, oft als Trockenpflanze genutzte Kugelamarant (Gomphrena globosa). Beide Arten lassen sich im Garten wie oben für die Gemüse-Amarante kultivieren (auf 15 cm vereinzeln). In Nigeria ist die Celosia ein beliebtes Blattgemüse („sokoyokoto“). Als Bauerngartenblume verbreitet ist der ursprünglich aus Peru und Bolivien stammende Garten-Fuchsschwanz Amaranthus caudatus. Dieser blüht in dunkelpurpurnen, überhängenden Blütenständen.
| Art | Deutscher Name | Nutzung(je nach Sorte) |
| A. lividus | Chinesischer Spinat, ‚Roter Meier‘ | Blattgemüse, Zierpflanze |
| A. tricolor (= A. gangeticus) | Dreifarben-Amarant, Papageienkraut | Blattgemüse, Zierpflanze |
| A. cruentus | Rispiger Amarant | Getreidepflanze, Blattgemüse Zierpflanze |
| A. hybridus | Bastard-Fuchsschwanz | Blattgemüse, Getreidepflanze |
Sortenbeschreibungen
• ‚Chinesischer Spinat‘ (AN)*: A. lividus, diese Art ist in Indien, Indonesien, Japan und Nordchina, aber auch Westafrika üblich und von MigrantInnen in viele anderen Regionen verbreitet. In Indien und Taiwan entstanden in den letzten Jahren in der professionellen Züchtung neue Sorten. Sehr attraktive Blätter: grün-rote Blätter und Sprosse als Kochgemüse und Suppen; junge Sprossen in Indien auch wie Spargel. In China schon seit Jahrtausenden, nach Europa erst während der Renaissance.
• ‚Chlorostachys‘ (AN): Höhe ca. 160–180 cm. Blätter grün, manche mit diffusen roten Punkten, im Alter rötlich überlaufen. Blattform lanzettartig bis ellipsoid-eiförmig. Blütenstände locker verzweigt, lang überhängend, rosa bis purpur.
• ‚Hopi Red Dye‘ (MG): Ein-Blatt-Amarant aus der Kultur der Hopi-Indianer mit leuchtend roten Blättern. Auch dekorative einjährige Blattschmuckpflanze.
• ‚White Leaf‘ (KS): ausgefallener, bittersüßer Geschmack, Blätter hellgrün, groß, und zart, werden am besten jung geerntet, Reifedauer: ca. 50 Tage.
• ‚Read Leaf‘ (KS): grün und rot gemusterte Blätter und Stängel, Reifezeit ca. 50 Tage.
• ‚All Read Leaf‘ (KS): breite, gezahnte Blätter, gute Rotfärbung schon bei den jungen Blättern, ideale Sorte für die Ernte junger Pflanzen, Reifezeit 14–50 Tage.
• ‚Roter Meier‘ (AN): 0,5 m hoch, einheimischer Spinat-Amarant, wohlschmeckend, ganze Pflanze dunkelrot, auch das Korn, Blütenstand wenig verzweigt, kurzästig, Blüten in lockeren Knäueln gruppiert.

Blühender Getreideamarant
Gemüse-Amarant-Kulinarik
Die jungen Blätter lassen sich zu bunten Blattsalaten verarbeiten. Die älteren Blätter und Stängel als Spinat. Sie werden nicht roh, sondern leicht gedünstet oder frittiert gegessen. Gemüse-Amarant ist sehr nahrhaft und zeichnet sich durch seinen hohen Gehalt an Vitamin C und hohe Mineralstoffgehalte aus; allerdings ebenso durch einen hohen Gehalt an Oxalsäure. Chinesische Küchen bevorzugen rote Sorten und verwenden sie als Suppen-Einlage. In Indien, Taiwan und Japan sind die hellen, grünen Formen beliebter.
Amarant lässt sich wie Gartenspinat verwenden, allerdings ist er rascher gar und ist rasch zerkocht. Hervorragend eignen sich die Blätter in asiatischen Gemüsepfannen oder auch gemischt mit Fleisch oder Fisch.
Tipps von Arche Noah GärtnerInnen
Franziska Lerch, Leiterin des Arche Noah Schaugartens: „Werden die Pflanzen eher in weitem Reihenabstand gesät und auf 15 cm vereinzelt, erhält man schöne große und sehr kräftige Pflanzen, die bis in den Herbst hinein eine wahre Zierde im Garten sind. Allerdings sind die einzeln stehenden Pflanzen dann sehr gefährdet, vom Wind niedergelegt zu werden. Im Schaugarten hat sich ein regelmäßiges Anhäufeln der Reihen zur Unterstützung der Standfestigkeit bewährt. Die jungen Blätter haben uns das Jahr über als frische Salatbeigabe köstlich geschmeckt.“
Sortenfotos
Amarant

Amaranthus cruentus

Amaranthus hybridus

Blatt-Amarant Aureus

Blatt-Amarant ‚Roter Dom‘
Spinat
(Spinacea oleracea)

Ungewöhnliche Blattform, ausgefallener Name: ‚Osnabrücker Rundsamiger Münsterländer‘
Spinat ist ein einjähriges Gemüse, welches bei kühl-feuchter Witterung eine schnelle Blatternte erbringt. Bei zunehmender Tageslänge und heißen Temperaturen schossen die Pflanzen extrem schnell, treiben dann Blüten statt Blätter und die wenigen Blätter schmecken herb. Um dieses Spinat-Sommer-Loch zu schließen, eignet sich der extrem hitzeverträgliche Neuseeländer Spinat, die Gartenmelde oder der Malabarspinat. Spinat ist ein interessantes Blattgemüse, das im Garten auch noch als Gründüngungspflanze gute Dienste leistet. Spinat ist als Kochgemüse bekannt, doch die Blätter eignen sich auch sehr gut für bunte Blattsalate.
> Aussaat für Überwinterung (Winter- und Frühlingsernte): Ende August bis Mitte September
> Aussaat für Herbsternte: Ende Augst bis Mitte September
> Aussaat für Frühjahrsernte: Ende Februar bis Mitte April
> Aussaat für Sommerernte: April
> Erste Ernte 6–8 Wochen nach der Aussaat
> Unkomplizierte Kulturart, fördert das Wachstum anderer Gemüse
> Samen 4–5 Jahre keimfähig
Anbau
Spinat gedeiht auf tiefgründigen, humosen Böden besonders gut. Auf sandigen Böden bleiben die Erträge etwas zurück – doch in einem guten Spinatjahr ist man ohnehin kaum imstande, die ganze Pracht zu verspeisen. Spinat reagiert sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen. Spinat gedeiht in der Vollsonne, aber auch im Halbschatten und ist eine einjährige → Langtagspflanze. Er bildet eine üppige, sattgrüne Blattrosette aus glatten, krausen oder blasigen Blättern. Manche Sorten sind nicht winterhart und eignen sich daher nur für eine Frühjahrs-Aussaat.
Spinat wird direkt gesät. Er ist ein Dunkelkeimer und muss daher gut mit Erde bedeckt werden. Aussaat in Reihen (Reihenabstände 20–35 cm) oder breitwürfig, 2–3 cm tief einarbeiten, auf schweren Böden flacher. Feuchter Boden ist Voraussetzung, damit die Samen keimen können.
Man unterscheidet Frühjahrs-, Sommer-, Herbst- und Winteranbau, für den sich jeweils unterschiedliche Sorten eignen. Für den Winteranbau wird Spinat Ende August bis Mitte September gesät; in wintermilden Regionen auch später. Die Pflanzen sind dann ab Anfang November bis (winterharte Sorten) Anfang April beerntbar. Die Pflanzen überwintern mit zwei bis vier Laubblättern am besten. Später gesäte Pflanzen können bis zum Wintereinbruch nicht mehr gut einwurzeln und sind frostempfindlich. In rauen Lagen Aussaat im Folientunnel. Frühjahrsspinat wird Ende Februar/Anfang März gesät. Diese Aussaaten können zur Verfrühung mit einem Vlies bedeckt werden. Spinat für die Sommerernte wird im April gesät. Je mehr eine Sorte zum Schossen neigt, umso früher ist sie im Frühjahr und umso später im Herbst anzusäen. Sorten, die zum Schossen neigen, haben nur ein kleines Erntefenster und gehen bereits einige Tage nach ihrer Erntereife in Blüte.
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