Kitabı oku: «Ich rocke den Lake Viktoria!»
Andrea Shija'Estrana Wobmann
Ich rocke den Lake Viktoria!
Autenthisches Afrika in Mwanza Tanzania
Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis
Titel
Inhalt
Karibu my new world Anfang April 2010
Mambo Mzungu! Mitte April
Einfach nett & goldig ... Ende April
Meine (bisherigen) permanenten Stars
Tierisches und anderes Feines…
Fights
Bukumbi und Kigongo Anfang Mai
Darwin’s Nightmare
Es weht ein Lüftchen…. Mitte Mai
2 Spitäler und 3 Paar Schuhe nach 6 Wochen…
Fliegen…
M’s Ende Mai
(Kriminelle) Gewohnheiten… Anfang Juni
Da haut es mich vom Hocker Mitte Juni
Halbzeit Mwanza! Ende Juni
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Namensgerechte Wochentage… Anfang Juli
Es fehlt an … und an so Einigem, dafür… Mitte Juli
Einladungen Gegen Ende Juli
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(Nicht) Verkehrtrum Ende Juli
Legal! Anfang August
Warten
Safari zum Ersten! Mitte August
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Safari zum Zweiten Gegen Ende August
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Safari zum Dritten? Aber natürlich!
Private Safari
Girls-Time und frische Luft Mitte September …ein bisschen andere Heimat….
…ein bisschen andere Heimat…. Auch die 2nd-Class-Sechserkabine auf der Fähre ist überraschend gut. Für die Männer war ausverkauft, Tom wird auf dem Deck freiluftschlafen, anstelle sich sitzend in die dritte Klasse zu quetschen. Das Dinner durchquasseln wir mit Powerlady Floresti Pierra. Marys jüngere Schwester lebt in London. Sie besucht Verwandte in Tanzania und fliegt allein zurück nach UK, denn ihren Dreikäsehoch Joshua lässt sie ein halbes Jahr bei Mary.
BAHATI „Glück“!
Nachgedanken
MWANZA Authentic Africa - Ich rocke den Lake Victoria!
Impressum neobooks
Inhalt

Schweizerin, Sekretärin, 37ig, möchte was Tun. Verrückt die unterschiedlichen Angebote - auf allen Kontinenten. Einfach so und so einfach. Als Volontärin ist man vielerorts willkommen, oftmals unabhängig des Backgrounds. Auf Spitäler verspüre ich keine Lust, Waisenhäuser sind schon im Repertoire, mit Tieren, naja und ein halbes Jahr Kartoffeln ernten finde ich öde. Bauchklick machte es zum alternativen Vorschlag bei Absage eines Hotelpraktikums auf Zanzibar: „Die neu gegründete Lake Victoria Cultural Tourism Association (VICTA) verfolgt das Ziel, die tansanische Küste des Viktoriasees (Regionen Kagera, Mwanza, Mara) touristisch zu fördern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Cultural-& Propoor-Tourism. Die ärmere Bevölkerung soll davon profitieren. VICTA-Leiter ist Madaraka Nyerere, Sohn des Staatsgründers, dem ersten Präsidenten von Tanzania, Julius Nyerere.“ So beginnt mein Abenteuer mit den Worten ‘Mwanza am Lake Victoria, Tanzania’ und ‘Mückenspray versus Malariaprophylaxe’. Mwanza, the Rock City am Lake Victoria, sechs Monate lang, es rollt wunderbar! Es hat seinen Reiz wie auch seine Tücken, unter einer Million Nachbarn eine Mzungu (Bleichgesicht) von Tausend zu sein. Zudem berücksichtigt, dass die Weissen gerne unter sich bleiben. Ich begegne etwa drei Handvoll davon. Zwar wohne ich modern, jedoch abgeschieden inmitten von strom- und wasserlosen Villages. Die verschiedenen Gesichter des Lebens um die Seeregion (zweitgrösster Süsswassersee der Erde), die unterschiedlichsten Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung und deren traditionelles Leben, die kontinentalen Hochs und Tiefs (auweia&juhee Regenzeit), die Freuden, Ängste, Hoffnungen - authentic Africa & more! Beim geschäftlichen Aufbau des Tourismus stosse ich auf viele (Un-)Möglichkeiten, auf schöne, schreckliche, verwunderliche und Überhaupt-Erlebnisse. Meine persönliche Entwicklung ist genauso im Gange wie das (un-)erwünschte Austesten eigener Grenzen. Keinen erlebten Tag möchte ich missen - in aktuellen Momenten verständlicherweise schon! Wie gewünscht sind Safaris (was schlicht ‘Reisen’ heisst) mit dabei. Grundsätzlich unerwartet, durchlebe ich eine Lovestory mit neuen Facetten, wie ebenso unvorhergesehen mehr als nur ein Missgeschick auf meine Kosten - damit meine ich nicht den Verkehrscrash, von dem ich selber nichts mehr weiss...
Über mich, Andrea Shija’Estrana
Ich bin eine Frau unter allen Menschen. Ich absolvierte die üblichen Schulen, schloss eine Lehre ab, arbeite(te) regulär und erfahre meine Geschichten und Nichtgeschichten. Mein Leben lebt wunderbar vielfältig - auch, weil ich durch mein offenes und fröhliches Naturell neugierig auf Vieles bleibe. Geboren wurde ich in Luzern und liebe & schätze diese Stadt. Ich gelte nicht als Klischee-Schweizerin, ich könnte genauso gut woanders auf dem Globus leben. Die Welt, ihre Menschen lassen mich täglich lernen und wachsen.
www.andrea.world info@andrea.world www.woandrea.wordpress.com

Karibu my new world Anfang April 2010
Ein Spontanentschluss war es. „Ich möcht weg.“ Einmal mehr ein Sprachaufenthalt? Nein danke. Alleine auf Reisen gehen, wo es dauerhaft ‘schön’ scheint? No. Oder bleiben? Zu spät, der Funke zündet. Durchs worldwideweb: Schweizerin, Sekretärin, 37ig, möchte was zu tun. Verrückt die unzähligen Angebote - auf allen Kontinenten. Einfach so und so einfach. Auf Spitäler verspüre ich keine Lust, Waisenhäuser sind schon im Repertoire, mit Tieren, naja und ein halbes Jahr Kartoffeln ernten finde ich öde. Bauchklick machte es zum Alternativvorschlag bei Absage eines Hotelpraktikums auf Zanzibar: „Die neu gegründete Lake Victoria Cultural Tourism Association (VICTA) verfolgt das Ziel, die tansanische Küste des Viktoriasees (Regionen Kagera, Mwanza, Mara) touristisch zu fördern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Cultural- & Propoor-Tourism. Die ärmere Bevölkerung wird davon profitieren. VICTA-Leiter ist Madaraka Nyerere, Sohn des Staatsgründers, dem ersten Präsidenten von Tanzania, Julius Nyerere.“
So beginnt mein Abenteuer mit den Worten ‘Mwanza, Lake Viktoria, Tanzania’, sowie ‘Mücken-spray versus Malariaprophylaxe’. Ich weiss nicht, was mich vor Ort erwartet, das Gefühl stimmt. Es ist richtig so & ich freu mich drauf!
Mambo Mzungu! Mitte April
Mambo Mzungu - Hello Weissgesicht! Gleich rein ins Getümmel. Ich, die heisse Temperaturen mag, habe gefühlt einen kleinen Sonnenstich. Das bei etwa 25°, welche sich über 35° anfühlen. Selbst schuld, ich war gestern elf Stunden kopfunbedeckt in der prallsonnigen City unterwegs. Doch, es geht mir gut und es gefällt mir! Wo bin ich gelandet? Ein Bisschen Hintergrund:
Die Region Mwanza liegt 1134 MüM im Norden Tanzanias, südlich am Lake Victoria und umfasst 35‘187 km2 (15‘000 davon im Wasser). Die Region besteht aus 8 Distrikten mit 33 Divisionen, 175 Stadtteilen, 714 Dörfern und 238 ’Mitaa’ (was auch immer das sein mag). Die Einwohner-zahl steht gemäss nationalem Büro für Bevölkerungsstatistik bei über dreieinhalb Millionen, davon 35‘000 mehr Frauen als Männer. 75% der Bevölkerung lebt von der Agrikultur sowie Vieh-haltung (Rinder, Ziegen, Schafe, Esel, Schweine). 56‘000 Personen fischen jährlich 335‘300 Tonnen Blubber. Die Bereiche Nahrungsmittel, Metall, Getränke, Schiffe, Transport, Leder und Technik sind industriell vorhanden. Aktiv betrieben werden Minen für Gold, Diamanten und edle Steine (der ureigene Tanzanit wurde bei ’Breakfast at Tiffanys’ berühmt).
Der grössere Umkreis Mwanza beherbergt eine Million Einwohner, der Citykern 200'000 Menschen. Die Region titelt die am schnellst wachsende, zweitgrösste Stadt im Land (nach Dar-es-Salam ‘Haus des Friedens‘ mit 2.700.000, Stand 2005). Zur Namensbedeutung rätselt man, dass es von ‘Wanza: Erste‘ herrühren könnte. Dies würde Sinn machen. Die Region Mwanza schien öfters Erstling von irgendwas, das werde ich mit der Zeit entdecken.
Der Lake Victoria hiess früher unter anderem Nalubaale-See. Er ist der grösste Süsswassersee in Afrika und der Zweitgrösste auf unserem Globus. Tür-an-Tür lebt man mit den Tieren der beiden kleinerer Nationalparks Saa Nane und Rubondo Island sowie der grossen, berühmten Schwester Serengeti. Mit ihren 14’763 Quadratkilometern Fläche ist die Serengeti ‘das endlose Land’ einer der größten Nationalparks der Welt, Teil des UNESCO Weltnaturerbes.
Zum Klima werden Durchschnittstemperaturen im Juli/August von 28° angegeben. Als ich im April lande, geht es gegen Ende regionaler Regenzeit zu. Frierend schläft es sich unter der dünnen Wolldecke bei 15°.
Über die Gesundheit gibt es zu berichten, dass es das Modell Einzel-Arztpraxen nicht gibt. Neben einigen öffentlichen und privaten Spitälern existiert eine psychiatrische Klinik; von deren fünfzig Plätzen sind knapp die Hälfte besetzt. Trotz der größeren Rehabilitierungsnachfrage von denjenigen, welche unter Alkohol und Drogenmissbrauch leiden, bleibt diese Möglichkeit bis anhin geschlossen. In Tanzania leben etwa 1.4 Mio. Menschen mit HIV/AIDS (2008). Kein Zehntel davon sind Kinder; die Rate der Infizierten zeigt sich stetig rückläufig. Der grösste Sterbegrund bei Kindern unter fünf Jahren ist Malaria.
Die Deutschen hatten die Kolonie von 1880 bis 1916 inne. Die Inder übernahmen das Land Tanganjika. Zusammengeschlossen mit Zanzibar entstand 1964 der Staat Tanzania.
‘Zuhause‘ nenn ich ein eigenes Dreizimmerhaus - einfach luxuriös! Der Garten rundherum zeigt sich bisher als der Grösste, Grünste in der neu entstehenden 800-Backsteinhäuschensiedlung der PPF (Parastatal Pension Found, halbamtliche Pensionskasse). Überall wird (an-)gebaut, werden Bäume gefällt und gackern frische Hühnerställe. Den Dorfnamen eselbrückige ich als ‘eckigen Kuss’: Kiseke. Kiseke liegt irgendwo fünfzehn Fahrminuten von Mwanza aus Richtung Flughafen rechts hinein ins Nowhere. Man fährt an schmucklosen, einstöckigen Lehmhäusern und Backsteinläden vorbei und buckelt über sieben Kilometer sandige, deformierte rote Strassen - wobei man diese kaum als Strassen bezeichnen kann, eher Wüstenpisten. Mary (zu den Mainactors später) fliegt in meiner ersten Woche geschäftlich nach Dar-es-Salam. Ich begleitete sie an den Flughafen und fahre ohne Instruktion heimwärts. Oha, meine Premieren: Linksverkehr, Vehikel ein Kopf höher als ich, breiter sowieso, überdies besagte Strassen. Huuiii, hat das Spass gemacht, es hat nur einmal durchgespult!
Mein Daheim, Kiseke PPF Nummer 255, ist das private Gästehaus der Tanzanierin Josephine, die nebenan wohnt, oder sonstwo unterwegs ist. Als ihre erste Mieterin heisst das: mein Asyl ist sozusagen völlig nackig. Aus Marys Fundus hats zur Kommode ein Himmelbett (man nennt den hellen Schleier auch Moskitonetz), afrikamustrige Vorhänge und im Nebenraum ein halbstabiler einteiliger Holzschrank. Aus Josephines Besitz zieren das Wohnzimmer zwei moderne, zwei traditionell geschnitzte Stühle, ein gusseiserner Tisch (wohlbemerkt: nur Gestell, ohne Deckplatte) und die Küche ein zweiplätziger Gaskocher und … das war’s!
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Die leckeren Abende verbringe ich chillig bei Mary. Sie wohnt vier Gehminuten von mir entfernt - Korrektur: ich von ihr. Sie bedauert, ihre Küche sei simpel, sie hätte gerne mehr Abwechslung. Also mir schmeckt es vorzüglich: Bohnen- & Bananeneintöpfe, Chicha (Spinat), Wali (Reis) oder Ugali (Maisbrei) mit Beef, Kuku oder Samakis (Fische). Davon der Tilapia mundet sehr delikat; der Fischkopf, wo Mary wonnestrahlend reinbeisst (die fettigen Augen sollen das Beste sein), den überlasse ich ihr. Im Dunkeln draussen leiste ich gerne Pura und Jadida Gesellschaft, während sie kochen. Es braucht alles seine Zeit. Polepole, langsam, werden ohne Eile in der Handfläche haltend werden die Zwiebeln, Tomaten geschnitten, die Bohnen gewaschen, der Chicha gezupft. Bis die zylindrigen Holzkohlengefässe ‘Tschakel‘ genug Hitze abgeben, braucht es ein gemütliches Weilchen, sodass zwischenzeitlich auch die frischen Dessertfrüchte behutsam geschnitzt werden. Auch ich fahre polepole runter vom europäischen Gestürm. Ich bewege mich gemächlich und organisiere Dinge und den Haushalt ohne jegliche Hektik. Tut das gut!
Wau, ich habe einen Hund. Josephine hätte einen, sofern sie da wäre. Warum nahm sie ihn aus ihrem Dorf Singida mit? Er sollte zurück zu seiner Familie. Der junge savannenfarbene Kerl hockt ganz allein, den ganzen lieben langen Tag in einem luftdurchlässigen Minibacksteinhäuschen, einem Quadratmeter! Er winselt vor sich hin und mich zum Erbarmen an. Der weisspfotige Sox ist zu Bedauern. Ich nehme ihn oft aus seinem Käfig. Übermütig freudig tollt er und fighten wir rum. Gegebenenfalls, falls Sox nun den Sinn des Holzstockes hier kapiert, werden meine langgezogenen spielerischen Beiss-, Kratzspuren an Unterarmen und Waden verschwinden.
Die Leute in Kiseke und in Mwanza-Town begegnen mir höflich zuvorkommend. Inside Hauptmarkt agieren sie fordernder - hoffnungsvoll auf ein lukratives Geschäft. Allerorts sind die Menschen schlicht schwarz. Wo ich durchgehe vernehme ich: ’Mzungu’ (Weissgesicht) oder am Markt ’Rafiki’ (Freund). Ohne dieses Mzungu, würde ich vergessen, dass ich Eine bin. Erst, wenn ich was aus meiner Tasche nehme und meine helle Haut sehe, denke ich, gar eine fade Farbe, die eines kleinen Schweinchens! So oder so, ich fühl mich einfach schon jetzt sauwohl hier!
Das Feilschen um Ware gestaltet sich heiter, wo ich (noch) kein Kiswahili kann, die Leute null Englisch. Swahili/Kiswahili (Suaheli/Kisuaheli) stammt vom arabischen sãhil ’Küste ’ oder ’Grenze ’. Diese Bantu ist die am meist verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas. Als tendenziell sprachtalentiert, sollte ich mich bald verständigen zu können.
Nsajigwa (welcher gästelockende Touren kreieren soll) präsentiert mir in der ersten Woche eines seiner Programme - er führt erst Eines, nachdem er seit bald zwei Monaten in Mwanza agiert. Er komme aus dem südlichsten Süden Tanzanias, absolvierte ein Kurznaturstudium (mehr weiss er nicht dazu) und war unterwegs als Touristenführer in Dar-es-Salam. Über die Bauten, welche ich dort sah, kennt er allerdings keine Infos dazu.
Wir fangen frühmorgens mit einer ersten Daladalafahrt an: eine halbe Stunde enges, farbiges Chaos in einem bunt beschrifteten Kleinbus! Die Tour starten wir an der Seepromenade in der Citymitte, sie misst kurz - die Promenade – und liegt einladend eindrücklich mit den Felsformationen am und im Wasser. Die erste Attraktion, der markante Granit, ufernah majestätisch erhabener Bismarck-Rock. Die Deutschen benannten den Outcrop nach Otto von Bismarck, dem ersten Reichskanzler des Deutschen Reiches. Über den Hügel Capripoint wandern wir an Herrschaftshäusern vorbei. Jetzt wird der Antrag von Eva am MTTF-Meeting klar: Sie will die Rocks unter Schutz stellen lassen. Es frieselt schaurig, wie teils die einzigartigen Felsformationen für neue Villen abgetragen werden. Man sollte diese mehr in die Häuser einbauen; genau das macht den Rock-City-Charme einzigartig.
Auf dem Weg begegnen wir einer Horde Schulkinder. Sie beäugen mich vorsichtig, vorwitzig. Die staunenden, ausgelassenen Kindergesichter bei der schüchternen Berührung meiner Haut und Haare sind kribbelnd schön. Beim Tschüss winken sie: „Mzungu, give me my money“, ich ignoriere dies lächelnd. Allerdings will ich kaum glauben, dass Nsajigwa das gut findet! Das Einzige was ich einbringen würde (mit der Zeit auch neckisch tue), ist die Aufklärung ihres Satzinhaltes „Mzungu, give me my money“. Geld, was überlegt der, Geld, für was. Ja, Mitbringsel wie Seife, Ballone, Pens, Streichhölzer und Co. Kein Bares! Jawohl Nsajigwa, zeige den Kindern, dass Wazungu (die Weissen) Geld haben; unterstütze sie, dem nachzujagen, anstatt die Schulbank zu drücken. Häufig landet das Geld in der Tasche eines aggressiven Verwandten, der es versäuft, statt Essbares zu kaufen oder Schulgelder zu bezahlen. Übrigens Nsajigwa, oftmals sind Touristen nicht auf Rosen gebettet, sie arbeiteten und sparten teils jahrelang für den Traum Afrika.
Themenwechsel zu Capripoint, dem Namen des Hügels. Erinnert an Bella Italia, ulkig nicht? Der ausladende Hügel mit den hocherhabenen Villen reicht bis an den Seeanstoss hinunter mit einheimischer kleiner querplatzierter unfarbigen Slumhäuschen belegt. Der Name entstammt einer Familie, welche in Vorkriegszeiten bis in die Sechziger auf dieser Seite Mwanzas wohnte. Der Teppichmacher und Schiffsbauer kam mit seinen fünf Söhnen aus dem italienischen Neapel.
Wir spazieren nun durch das strom- und wasserlose Slumsquartier - einfach nur eindrücklich. Die Sicht auf den weiten Lake Victoria glitzert wunderschön silbern. Die Siedlung, alles liegt steingrau und sauber zwischen runden, eckigen, grossen, kleinen Felsbrocken platziert. Farbige Kleiderleinen hängen, stille Kochnischen stehen, stauende Kinderaugen, hochgezogene Stirnen, ein Lächeln da, ein Winken dort. Ich fühle mich auf dem Durchweg schon etwas mulmig. Nein, keineswegs kriminelle Gedanken. Auch wenn Nsajigwa mit einem Bewohner im Vorfeld das Durchgehen arrangiert hat, so durchdringen wir trotzdem quasi ungefragt intimste Privatsphäre.
Am Hügelende ruft das Hotel Tilapia. Lunchtime. Im Tilapia trifft man Durchgangsreisenden an. Sie hängen am Pool oder an der Bar rum oder an ihren Wireless-Notebooks. Die ruhige Lage in der Seebucht relaxt. Der schmackhafte afrikanische Kebab bekommt meine Aufmerksamkeit wie der Nebentisch zunehmends mehr. Ich schnappe auf, wie ein Halbschwarzer zwei jungen Deutschen ein Projekt in Bukoba erklärt, und stelle mich Clemenz Mulokozi vor. Hocherfreut strahlt er. Clemenz Vater kam aus Bukoba, seine Mutter aus München. Clemenz Kleinkind wuchs in Dar-es-Salam auf. Auf einer persönlichen Recherchenreise als Erwachsener berührte ihn das Leid der Waisenkinder und Kriegsflüchtlingen sehr. Er stiess auf Bukoba Kids Sports Club, welcher 2005 gegründet wurde (unterstützt von Mary/Kiroyeratours). Das brachte ihn auf die Idee von jambobukoba.com. Deshalb will er Mary schon länger kennenlernen. Eine ausgezeichnete Organisation – Jambobukoba wie Kiroyeratours! Wir versprechen einander den aufrechten Kontakt.
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Zurück im Stadtzentrum - unnötige Umwege - macht Nsajigwa den Hauptmarkt aus. Laut, bunt, duftend, eng, knallig, chaotisch, arrangiert, vollgestopft. Ich bin sofort süchtig! Inskünftig befriedigt Mzungu Marktjunky diese Sucht wann immer möglich; auch für einen nur klitzekurzen Kick.
Am Ende unserer Tagestour fragt Nsajigwa ernsthaft, in scherzvollem Ton verpackt: „Andrea, war ich gut, habe ich es gut gemacht... dann her mit dem Trinkgeld, haha.“ Pole sana, entschuldige, die meisten Fragen blieben unbeantwortet und flexibel scheinst du weniger. Der offerierte Mittagslunch reicht. Abwarten. Aktuell habe ich eben sowieso einen Sonnenstich zum Auskurieren.
Nur flugs will ich deshalb bei uns in Kiseke Utensilien kaufen für Wäsche. Noch ungewohnt, wegbegleitend ’Mzungu Mzungu’ von Kindern und Erwachsenen angelacht und bewinkt zu werden. Überraschend entdecke ich den Shop: Mama Mzungu Hardware. Upsla, es gibt Weisse in Kiseke? Die ‘Mama Mzungu’ mit Name Neema, ist ebenmässig schwarz. Also: Martin, 60jähriger Brite, lernte durch Ingenieurarbeiten in den 80igern Tanzania kennen; Neema, seine dreissig Jahre jüngere Tanzanierin natürlich später. Der gemeinsame Sohn Christopher zählt vier Jahre. Diese Drei werde ich sehr liebgewinnen - es begann mit dem Kauf eines Wischmopps. Als günstige All-Inklusive-Variante für Geschirr&Besteck&Bekleidung&Haus lautet der Tipp: Ein herkömmliches Textil-Waschpulver. Marke Toss, Aloe Vera, es klappt glänzend! Während der Handwäsche smile ich gedankenverloren zum ersten Resümee. Mein Fotovolumen wäre verknipst ohne meine bisherigen Afrikaerfahrungen, wie fühle mich hier schon zu Hause.
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Inzwischen habe ich das Hausfrauenrefugium arbeitstauglich ausgestattet sowie das Wasser-Kochen-Zum-Entkeimen angewöhnt. Nicht gewöhnen will ich mich an die bsssss-bssss-Mücken, welche die löchrigen Mückengitter durchdringen, Rain Season. Kaum gelandet, schon gestrandet: Nach der zweiten Nacht stehe ich in einem zentimeterhohen flächendeckenden Nass! Das bisher blockierte Badlavabo machte sich während der Dunkelheit rinnsalmässig tätig. Putz Putz, dieser Wasserverschleiss! Das Leck verlangt eine komplette (Rohr-)Sanierung im Bad, wobei die neugekachelte Wand rausgespitzt wird. Momentan ruht alles, wie gewünscht, trockengelegt.
Wie war überhaupt die Reise hierher? Schwerelos! Es war ein relaxter Flug nach Dar-es-Salam. Dort ein einfaches Prozedere fürs Touristenvisum, danach weniger einfach die Verhandlung mit dem organisierten Taxifahrer Husseny. Dieser weigert sich vehement. Ich bin die Diejenige, es kommt kein Anderer, du schaust verblüfft, ja, es ist so, ja, ich bin eine Frau, hier mein Passport. Andrea gehört, wie in einigen Ländern, auch in Tanzania zu den Männernamen. Husseny gibt auf und fährt durch dickste, stickigste Abend-Rushhour zum Hotel, mitten im lebhaften Warenmarktgebiet gelegen. Eiskaltblasende Aircondition in den Griff kriegen, eine heisse Dusche geniessen, kuschelnd einrollen. Eingeschlafen bin ich bei amüsantem internationalem Geräusch von der Strasse her: Bierkonsumierende, kommentierende Männerclique beim TV-Fussball.
Am Morgen spaziere ich in der lärmigen Grossstadt am Strand entlang, binde ein paar Sehenswürdigkeiten ein und erfreue mich an den geschäftig knallbunten Märkten. Husseny-Transfer zum Flughafen. Es gibt’s kein Zurück mehr. Oh, happy! Der Flug nach Mwanza präsentiert über dem wolkenlockeren Tanzania eindrückliche Landschaftsbilder. Grüsst da der Kilimanjaro? Laufen dort Tierherden? Ein witziger Artikel in der Flugzeitschrift 'Luckily Mashine interviews Banana Zorro'. Und als es durch Wolken rumpelt, macht es den Anschein, die im gezeigten Dokumentarfilm süssen Marienkäfer praktizieren einen draufgängerischen Paarungsrhythmus.
Flughafen Mwanza - 'The Rock-City'! Ich werde abgeholt. Wer wird es sein, wo werde ich logieren? In der Abenddämmerung wartet sie: Die strahlende Mary, eine Black-Power-Lady. Es funkt und plappert zwischen uns, als sind wir uns ewig vertraut. Sie staunt, dass ich für das Halbjahr einen einzigen Koffer mithabe. Auch Frau weiss sich manchmal bescheiden zu halten (wobei die Hälfte Mitbringsel&Co sind). Bevor wir losfahren, kauft Mary Prepay-Voucher von drei verschiedenen Konkurrenten. Finanziell sollte man den Erwünschten vom selbigen Anbieter aus anrufen. Manche Tanzanier besitzen deshalb zwei oder drei mobile Telefone – private Festtelefonie erfahre ich nirgends.
Wir fahren in dunkler Finsternis zum Christmas-Tree-Hotel (gelb, nicht grün gestrichen). Ich lerne William kennen, Geschäftsführer Kiroyeratours Bukoba, ein smilender, turbohintern eifriger Mann. Nsajigwa setzt sich zum Kennenlernen dazu. Er ist der erste Tourguide für Kiroyeratours in Mwanza - ausserdem der erste und wahrhaftig in meiner kompletten Zeit der einzige Mensch in Tanzania, der stinkt! Wir begleiten William zur Nachtfähre nach Bukoba. Dabei umfährt Mary im Citykern die einzige(!) Verkehrsampel. Geschäftiges Treiben am Pier. Vielleicht buche ich mal eine Kabine so à la Minikreuzfahrt. Beim Ablegen zeigen sich die Strassen um acht Uhr abends praktisch menschenleer. Ganzjährig stehen die Menschen bei Tagesanbruch auf und ruhen früh nach dem raschen Eindunkeln. Es ist angenehm, zeitlos entsprechend der Sonnenuhr zu leben.
Die ersten beiden Nächte soll ich im hellgetünchten Greenpark schlafen, dem Erstling von Guesthouse in Kiseke. Das Bett misst ausladend breit, das Bad blinkt sauber und an den Komfort von jederzeit-bereit-stehenden blauen oder roten Plastik-Flipflops (inklusive aller Alters- und Flickversionen) gewöhnt frau sich gerne. Die erste Nacht dauert allerdings kurz. Afrikaner kennen selten musikalische Sperrstunde, mit oder ohne Gäste. Geschlafen habe ich trotzdem erholsam. Am Morgen, draussen im Hof, schmeckt mein erstes Frühstück: Zwei vitaminlose öltriefende Chapati und ein heisser zuckriger Chai (Fladenbrot und gewürzter, milchgepulverter Tee).
Mary lädt ein und auf für die Monatssitzung der 'MTTF Mwanza Tourism Task Force'. Das Hotel Isamilo ist Gastgeber. Seltsamer Name, denke ich, heisst die Besitzerin Isa, ihr Kater Milo oder bedeutet es was in Suaheli? Weder noch, das Quartier heisst Isamilo. Von einem dieser steinbrockigen Hügel ‘entdeckte’ der Pionier Speke angeblich den Lake Victoria. Von welchem Fleck aus genau, das bleibt ein unwichtiges Rätsel. Hauptsache für die Mwanzaner, dass es bei ihnen geschah. John Hanning Speke (1827-1864) war Officer in der British Indian Army. Um die Nilquelle aufzuspüren, unternahm er drei Expeditionen in Afrika. 1856 stiess er an diesem Ort auf den Lake Victoria und war sich irrtümlicherweise des Zieles sicher. Enchanté, Mister Speke - die erste ‘Persönlichkeit’, der ich begegne.
Mit dem heutigen Monatsmeeting bin ich mitten drin und erlebe, wie die 'MTTF Mwanza Tourism Task Force' funktioniert. Hoteliers, Stadtverwaltung, Reiseveranstalter, private Personen, Künstler und Weitere bemühen sich, Mwanza touristentauglich zu kreieren. Es geschieht locker, die ersten Kontakte zu knüpfen. Zum Beispiel mit John Sombi. Der Schlangentänzer und Musiker hat nächste Woche eine Aufführung hier. Eva, Andy, Kathy, Fiona, James, Delphine, Joseph, Marianne, … (alle dreissig Namen zu wissen, darf warten). Zum heutigen Tagesschluss erlebe ich erfüllt den ersten Sonnenuntergang über dem Victoriasee - wunderfarbig warm golden!
Es ist spät. Neben ein paar Floskeln Suaheli lernte ich vorher ’Chipsi-Mayai’. Selbstbewusst bestelle ich folglich im Greenpark beim Freiluft-Kitchen-Corner eine Kartoffel-Omelett. Irgendwie will der junge Mann gar nicht verstehen, der strahlt mich nur unentwegt an. Haalloooo, meine Gesten sprechen Bände! Ich grinse. Chakula, Mahlzeit. Eine Big-Mama-auf-Chapati-Take-Away-Durchweg vermittelt. Er begegne zum erstem Mal life einer Mzungu … Danke, ich will trotzdem was Essen. Supu, Rice, Chipsi? Egal was, was Rasches, irgendwie vergassen wir zu Essen heute & ich bin müde. Ndjyo, ja, er werde mir kochen – endlich! Wartend, mache ich es mir mit Buch, Trinkwasser und Moskitospray bequem wie möglich auf dem roten Gartenplastikstuhl.
Ich warte, und warte, … und warte.
Ich warte. Himmelsfeld, müssen die Kartoffeln erst gepflanzt und die Eier gelegt werden? Eine halbe Stunde, eine Stunde, eineinhalb Stunden. Irgendwie mag ich nicht Nachhaken, möchte nur gerne ins Bett trollen. Die Lektüre lenkt vom Magenknurren und den Stechmücken ab. Auch Alisha leistet kurz Gesellschaft; hübsch, die junge Kellnerin mit dem pagengeschnittenen Kunsthaar. Mit ihrem einzigen englischen Vokabular umschmeichelt sie: „I love you“. Die Crew wird zusammengerufen - zum Essen! Wie bitte, die kriegen was, wo bleibt mein Diner? Der Kellner schlendert vergnügt in meine Richtung. Chipsi-Mayai, endlich. Oh, aber was ist das? 'Kuku'! Ein ganzes halbes Huhn! Alles klar, das musste zuerst geschlachtet und gerupft werden!
Tagsdarauf ziehe ich ein, ins Häuschen Nummer 255. Chapati wird es selten zum Frühstück geben, Lunch bleibt Tagesprogramm abhängig und das Abendessen bei Mary vorprogrammiert. Die frischen Lebensmittel ergattere ich zum fröhlichen Gelächter der Frauen an den kleinen Markständen im Village. Weder Kosten noch Zahlen sind mir in Suhaeli bekannt. Ich werde überraschend feststellen, dass sie die lokalen Preise verlangen. Auf Mzungu-Profitgedanken sind diese feinen Menschen in Kiseke (noch) nicht aus. Wir verständigen uns mit Gesten oder ‘schriftlich’. Dazu gebrauchen wir weder Stift noch Papier, sondern unsere Mobiles. Mein zukünftig Frühstück-Gebrutzeltes besteht lecker aus Kochbananen salzig oder süss, (Honig-)Bananen, Rührei oder einer Schoko-, Milchpulvershake-Bombe, dazu tiefrote Tomaten und saftiggelbe Ananas.

Mein Häuschen
Einfach nett & goldig ... Ende April
Einfach nett & goldig... Zurück zum nächtlichen Überraschungs-Swimmingpool. Mein Häuschen strahlt repariert blitzeblanke, dafür gib es zwei Tage lang keinen Strom. Am dritten Morgen stoppt wiederum das Wasser, wo ich mitten meiner Dusche bin! Himmel! Nein, es bleibt trocken von oben. Also vollständig aufgeschäumt eingeseift (please, nichts in die Augen), heisst es vorsichtig auf dem Fliessenboden in die Küche, wasserschnapp, tapptapp retour und mit der einzigen Petflasche Shampoo&Seife rausbringen, eine Meisterleistung! Ein wasserreicher Folgetag. Ich koche den Morgenkaffee, ehm, möchte diesen kochen… Ich drehe den Küchenhahn auf, sssspppffsschhhhh!, knallt‘s den weg! Eine filmreife Wasserfontaine lässt mächtig Dampf ab. Ich, eine Lachhundertselschreckenssekunde mit dem aufgefangenen Hahnenknopf in der Hand, versuche diesen an seinen Platz zu drücken – no chance – zu starker Wasserdruck! Was mache ich jetzt? Ohhooo. Stehe ich schwertropfend klitschnass breitbeinig da und klemme handlings das Wasser ab - bis vielleicht per-äxgüsi Irgendjemand vor meinem Küchenfenster vorbeiläuft? Dieser Wasserstrahl, ich entleere den Viktoriasee, Himmelgrummel! Grinsknurz, ich werde das doofe Teil draufkriegen… Erscheint wirklich Keiner da draussen? Gosh... Geistesgedankenblitz, der kleine rote Drehhahn in der Erde da draussen an der Wand könnte zur Wasserleitung gehören. Et voilà! Es schletzt mich ums Eck driftend auf dem Plättliboden knapp am Hintern vorbei, doch zumindest hört es auf! Wenigstens aus dem Hahnenteil. Rundum, von den Wänden, von der Diele tropft es unablässig. Nun bin ich ein begossener Pudel mit Lachanfall. Erneute Wasserpause. Es dauert zwei Tage, bis ein Fundi repariert. Dafür gibt’s ein - wenn auch knapp zu kurzes - Hähnchen in Gold!
Mary is back. Wir fahren in unsere City. Es steht eine Sitzung an für das erste öffentliche Büro ’Info Tourismus Office’ von Mwanza. Mary kämpfte eineinhalb Jahre für den Standort. Die behördliche Bewilligung flog ein. Das Gebäude liegt perfekt eingangs Stadt zwischen der bekannten Ghandi-Hall und der auch bekannten, jedoch mittelminderbeschäftigten Feuerwehr. Der Raum stand lange leer, bzw. wird als ‘Altpapierlager’ missbraucht. Der Standort wird uns für vorerst 18 Monate zugesprochen, ab März. Es ist Mitte April! Da müssen wir uns beeilen. Beziehungsweise die Stadt soll zügig all die alten, abgelaufenen Wahlzettel entsorgen (Kistengestapel an bis sechs Metern hohen Wänden hoch). Meine Neulingsfragen generieren Ideen, Ämtli werden verteilt, Kontakte geknüpft. Wir diskutieren, witzeln, hoffen, treffen uns in zwei Wochen erneut. Was machen wir jetzt? Zuerst Nichts, ein Lunch lockt. Die einzige Pizzeria der Stadt liegt neben der privaten öffentlichen Bibliothek. Auf diesem Grund wurde 1957 mit neun Staatsoberhäuptern (Kenya, Nyasaland, Tanganyika, Uganda, Zanzibar, Rhodesien) PanAfrican Freedom Movement of East and Central Africa (PAFMECA) gegründet. Das Pizzeriagelände wie die Bibliothek gehören Indern, sie gaben es zum Restaurant frei unter der Voraussetzung, dass dieses vegetarisch betrieben wird.
Mary hat dann einen Arzttermin. Ich bleibe allein in der Stadt – erstmalig komplett allein. Allein unter all den schönen schwarzen Menschen. Fühlt sich das gut an! Da ich nur Eines einpackte, will ich ein zweites langes Kleid kaufen. Ich schlendere den ungedeckten Marktständen entlang. Mir wird überall nachgerufen - kein Wunder, so wie Mzungu aus der Masse sticht. Ich lächle in bejahende Gesichter zurück. Von Rama, bei dem ich schliesslich was Nettes kaufe, erhalte ich obenauf ein selbstverständliches Affärenangebot. Wie meinst du? Erstens bist du bestimmt über zwei Handvoll jünger als ich; zweitens, lass mir Zeit die goldigen Angebote zu durchwühlen. „Hapana, nein, warum warten“, kontert er charmant ungezwungen: „Wir sind uns auf Anhieb sympathisch, das matcht ohne mehr Umschau - ausserdem gehört sich eine Affäre einfach. “Ha, na dann... ich lehne trotzdem dankend ab. Wo käme ich hin, Jeden zu nehmen, der mir gerade ‘sympathisch’ entgegenkommt!
Nett und doch ungewollt ist, dass ein junger Mann mir auf dem äusseren Marktareal nachrennt: „Mama, Mama, there’s a thief behind you!" Ich drehe mich um. Es stimmt, nett. Dieser Typ tat vorher, als wäre er beim Testen eines Autoreifens versehentlich an mich geraten. Wartend bleibe ich stehen, schaue ihn direkt an – er verlangsamt seinen Schritt... und senkt den Blick tief, als er an mir vorbeigeht. Einige Marktfrauen bekunden laut Beifall.
Sehr nette Geste im vollen Daladala (Bus), wenn du stehst und ein sitzender Herr unaufgefordert forsch dir die Einkaufstüte wegnimmt. Er hütet diese auf seinem Schoss bis zum eigenen Aussteigen. Nett misst in diesem Gedränge der wohlgeformt umfangreiche, feste, weiche Hinterteil der vor dir stehenden Big-Mama - er bohrt sich in deinen Bauch. Weniger nett, dass du selbst keinen Millimeter rückwärts rücken kannst, da sonst der sitzende junge Mann hinter dir deinen Allerwertesten in seinem Gesicht spürt. Äusserst nett ist wiederum, wenn ich bei der Sabasaba Kreuzung Kiseke für die Weiterfahrt ein Pikipiki (Mototaxi) auswählen will, dabei ein Fahrer um die Ecke prescht, „Andrea!“ rufend auflädt und ein Dutzend verdutzte Mofafahrer zurücklässt.
Tourentesten. Mit Nsajigwa besuche ich das traditionelle Museum in Bujora Richtung Kisese. Es ist befremdlich, wie Nsajigwa sich ungelenk nach den Bussen durchfragen muss. Was unternahm er bis anhin? Lohn bezieht er verhältnismässig keinen Schlechten... mmh, Marys Angelegenheit. Die Daladala-Fahrt zeigt neue Gesichter der Stone-Town, von Coke, Fanta&Co bemalte Reklamenfelsen und -hütten, neue Slums und Steinformationen. Plus die kurze Freiluftfahrt auf dem Fahrradtaxi vergnügt: Ich muss mich nicht in der brütenden Hitze abstrampeln.
Das Bujora Cultural Center existiert seit über sechzig Jahren. Sofort verliebe ich mich in die majestätischen Telefone: mächtig brachialisch vibrierende Buschtrommeln! Das Gelände setzt einem in ein früheres Jahrhundert zurück. Zu seinen Hochzeiten erreichte es der damalige kanadische Pfarrer Davide Clement, in Bujora die missionarische Mzungu-Religion mit den traditionellen Riten zu vereinbaren. Er unterstützte, dass die Lokalbevölkerung die eigenen Traditionen, Rituale parallel zum Christentum beibehält. Zwischen den mit Phytonleder und Fetisch ausgekleideten Lehmhütten, steht ein Vorzeigebeispiel einer Kirche, überall liegen traditionelle Ahnengräber, zwischendrin westliche Grabsteine. Die Kirche, wie auch das Taufbecken oder der Altar, sind in traditionellem Sukuma-Stil stammtypisch gemustert und königlich traditionell untermalt. Die Kirchenlieder wurden 1953 in Suaheli übersetzt. Die Messen sind seit Gründungszeiten sehr gut besucht. Die Sukuma gehören zum Volksstamm in Tanzania, sie stellen dreizehn Prozent der Gesamtbevölkerung dar. Die Krieger, des Stammes Sukuma führ(t)en seit Urgedenken keine handfesten Kämpfe (sagt man); weder mit anderen Ländern, mit anderen Tribes (Stämmen) oder innerhalb der Familien. Alle Ungereimtheiten wurden und werden mittels eines Brettspieles ausgefochten. Dieses wird heute gerne überall in Afrika zum Zeitvertreib gespielt. Die Tänzer der Sukuma(-Krieger) sind über die Landesgrenze aus bekannt: Die, mit den Schlangen tanzen. Heute Abend ist die Vorführung im Isamilo. Eine ebenfalls friedliche Tradition wird uns erklärt, ich taufe sie den Housewife-Contest: Abgenutzte Mahlsteine stehen in Reih und Glied in der Wiese. Die heiratsfähigen, heiratswilligen & heiratswütigen Frauen bearbeiten das Getreide. Die angehenden Familienväter stehen davor, beobachten, wählen ihre Braut anhand ihres Handlingsgeschickes aus. Ein Auf-sie-Zukommen, ein Hand-Reichen und bei Einschlag: Besiegelte Sache!
Das war ein schöner Besuch – twende, gehen wir zurück.
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Nsajigwa lebt seit zwei Monaten in Mwanza? Ich bin das dritte Mal in der City. Sein Orientierungssinn fehlt wahrlich. Auf dem Rückweg bestimmt Nsajigwa den Ausstieg. Was hier? Da sind wir ewig vom Zentrum entfernt, soviel erkenne ich. Nsajigwa interveniert. Naja, wir laufen kilometerweise in der sengenden Hitze dem Zentrum entgegen, von Busstop zu Busstop, nett. Für zur Isamilo-Lodge hinauf steigen wir in einen Daladala, der Herr wird langsam müde. Dieses kurze, sehr ruckige Stück zickzackholderdipolter, da wären wir zu Fuss längstens oben!
Im Hotel treffe ich auf John Sombi, welcher an der letzten MTTF-Sitzung mit dabei war. Ein hochgewachsener, stolzer, sehr charismatischer Mann, ich tippe auf homosexuell. Er übergibt mir eine Digicam für die folgenden Darbietungen. Als einzige Frau lasse ich mir die Riesenschlange umlegen. Wir erfuhren in Bujora, dass die Truppe je nach Schlangen, ein Gegengift mit dabei trägt. Zudem, mit annährend Beobachtungsgabe, realisiert man, dass der Tänzer dem Reptil während den Tänzen die Gurgel zuhält. Die Klänge, das Trommeln, das Trillern, die Mooves, das macht Spass! Nsajigwa sitzt wortkarg in einer Ecke zwischen Wazungus. Davon wimmelt es. Die Wazungu arbeiten neben in Schulen hauptsächlich im allgemeinen Spital Bugando (beispielsweise durch die Organisation Interteam verpflichtet von einer handvoll Wochen bis zu drei Jahren). Ich werde feststellen, dass Seinesgleichen, wie anderswo auf dem Globus, gerne unter sich bleibt. Sie besuchen öffentliche Veranstaltungen, wenn diese von Gleichfarbigen oder westlich geprägten Charakteren organisiert sind. Ebenso wenig trifft man sie am Markt an (ich jedenfalls nie), beim Eindunkeln huschen sie in ihre vier Wände. Dass alle seit Ewigkeiten - vom ältesten Doktor bis zum jüngsten Baby - wöchentliche Malariaprophylaxe schlucken und Desinfektionsmittelchen bei sich tragen, könnte unter ‘Berufskrankheit’ laufen. Apropos, ich entschloss, keine 180 Tage lang vorbeugenden Chemiepillen zu schlucken. Fühlt man sich ‘grippig’, kann man sich praktisch an jeder Strassenecke piksen lassen, um den Malariagehalt zu testen.
Für heute: Lala Salama, gute Nacht.
Ein weiterer Tag, eine weitere Entdeckungsreise, weitere Strecken im Bus, einmalig rockige Eindrücke. Eifrig bewegen sich in der Ferne kleine Tupfer auf den tiefgrünen Feldern. Was tragen die Menschen dort für knallfarbenes Orange? Ups, Insassen: Wir durchfahren Gefängnisareal.
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Das Teacher-College in Butimba steht als erstes auf dem Programm. Eingang Schulcampus schreitet Nsajigwa grossspurig vor und trägt wichtigtuerisch mich mit ins Gästebuch ein. Der Portier zieht die Augenbrauen hoch. Ich smile schulterzuckend über das No-Go und frage: Ja, Fotobewilligung erstattet! Nsajigwa ist eingeschnappt. Das Geknipse ist teils schlechthin unerwünscht. Die Lehrer-Universität für die 1200 Studenten liegt satt grün eingebettet in einer Seenische. Grossartige Baumformen ragen zwischen Felsen hervor, ein einladendes (Picknick-)Plätz-chen begrüsst uns am Ufer. Still, gluckernd, präsentiert es sich - wenn da gewisse unkalkulierbare Lake-Flies-Schwärme nicht stressig werden können. Mary veranstaltete mal einen wichtigen Anlass am See mit ausladendstem Buffet, bei prächtigstem Wetter. Just, als die geladenen partyfreudigen Gäste eintrafen, grossformierten sich diese Minimückchen für Stunden. Ich erhasche heute ein Hauch davon. Diese Schwärme können so dicht auftreten, dass sie in alle unsere Luftlöcher eindringen – mancher Fischer sei daran erstickt. Ich denke, ein Fliegenwolkenereignis muss man selbst erleben, um es nachvollziehen zu können – ich werde annährend in den Genuss kommen. Lieblicher, grösser studiere ich die gelben Webervögel. Das sind die kleinen Flinken, welche die kunstvollen, hängenden Nester basteln. Es fällt ein solch goldenes Kleines vor meine Füsse - asante sana, vielen Dank! Die Schulleitung zeigt uns ihr Künstleratelier. Das gibt mir die Idee, zusammen für die Touristen einen Workshop zu kreieren oder Diskussionsrunden zwischen Studenten und Reisenden zu organisieren. Das College stimmt dafür.
Zurück an der Hauptbusstation Mwanza City grübelt Nsajigwa unschlüssig, welche der beiden weiteren Ziele er anpeilen soll. Dann verrat doch endlich, wo die liegen! Ach, Kageye vierzig Kilometer links oder Nyegezi/Malimbe fünfzehn Minuten rechts. Von rechts kommen wir soeben, oder? Pardon, Mitte Retourweg hätten wir statt hierher nach dorthin umsteigen sollen. Für nach links scheint es Mitte Nachmittag zu spät, dafür weiss ich die afrikanischen Fortbewegungszeiten genug abzuschätzen. Meine logischen Folgerungen missfallen, doch als praktisch veranlagte Person, schliesse ich rasch Entscheidungen. Wir fahren Richtung rechts zurück, Richtung Malimbe, woher wir herkamen (unnötiger Busticket- wie Zeitverschleiss).
Die Anlage Lavenabeach: Nett, für mich langweilig perfekt herausgeputzt. Einzig speziell gefallen mir die Schaukeln: die Gummihosen an Seilen sind Pneus längs aufgeschlitzt. Am Beach markiert Nsajigwa den grossen Herrn, er spendiert Pikipiki-Drivern und Aufseher Limonade. Ich habe keine Lust, nicht auf das Getue, nicht auf Limo. Ich schlendere allein auf Entdeckungstour ausserhalb des eingezäunten Geländes. Hey, unerwartet mystisch lieblich: Ich werde eskortiert, eingehüllt in einer schwingenden himmelfiligranen Wolke aus lilanen Libellen!
Morgens darauf, kaum hell, nehmen wir uns das Zweite der gestrigen drei Ziele vor: Kageye. Ein historischer Platz, von welchem aus Sir Henry Stanley 1875 (neunzehn Jahre nach der ‘Entdeckung’ des Lake Victoria) diesen als Erster vollständig umrundete. Victa, ein Pikipikidriver offeriert uns einen guten Preis. Da staunt der Nsajigwa, dass ich im Gegensatz zu ihm (schon) persönliche Kontakte habe.
Wir tuckern Freiluft vierzig Kilometer am Lake entlang. Filmisch ziehen die bunten, sandstaubigen Kulissen der Dörfer und Reisfelder und Mango Plantagen und Felsen und Strände an uns vorbei. Prächtige Natur pur. Victa (richtig Victor, geklungen wie Victa und ich bleib dabei) hält mittig bei der Fischerstadt Kayenze. Bis zu fünfzehn Tonnen Frischgefischtes werden täglich den Fabriken für den Export geliefert. Wir erklären uns Eingangs Fischertor beim Pförtner und haben das Gästebuch vorliegen - ich bin diesmal flinker mit Stiftkrallen für meinen Namen. Leider heisst es trotzdem draussen bleiben, wir sind zu spät für heute. Es gibt auch keine Fotobewilligung. Kleine silbernen Minifischchen liegen am öffentlichen Strand ausgebreitet auf dem Sand zum Trocknen. Dahinter warten die Marabuts geduldig auf unbrauchbare Resten. Igitt, Marabut. In meiner Vorstellung waren dies stolze Vögel. Die hier, das sind die fliegenden Strassenreiniger; ich sehe sie fast ausschliesslich auf Abfallbergen rumstochern.
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Weiterrumpeln nach Kageye zu Sir Henry Morton Stanley (geboren 1841 als John Rowlands, 1904+). Er war britisch-amerikanischer Journalist, Afrikaforscher, Buchautor. Man nannte ihn auch Bula Matari (der Steine bricht). Bekannt wurde er für seine Suche nach David Livingstone und die Erschliessung des Kongo. Seine Reisen hielt der angeblich sehr cholerische Mann akribisch fest. In Kageye, Distrikt Mwanza, befand sich ein Basislager. Ich lausche die historischen Geschichten, ein toleriertes Zusammenleben zwischen den Arabern, den Weissen und den Einheimischen. Dieses war sogar fast vollkommen friedlich. Eine einzige Mutter widersetzte vehement, dass ihr Sohn sich mit auf die gefährliche Reise begibt – sie vergiftete ihn schlussendlich. Ich entdecke die Hausfrauen-Contest-Stones sowie verschiedene ungeschliffene Steine, welche als Grabmerkmale dienen. Henry Stanley verlor auf einer Rückreise von Zanzibar ein paar der Schleppsklaven wie auch einer seiner Vertrauenshüter. Hübsche Namensinschriften trägt der einzig gravierte Stein dazu: Verstorben durch Krankheit, durch Ertrinken oder Flucht, oder ... der Letzte: Killed at Beerparty (Klartext: Alkoholkonsum).
Ich sitze bei der Sklavenhaltungsmauer, stehe in Stanleys Zelt (in Beton nachgegossen) und raste auf dem damaligen Besuchsempfangsplatz. Am Strand zapple ich freudig kleinmädchenlike mit den Füssen im Lake Victoria; wie schööön! Und gwundrig kann ich nicht widerstehen, unüblich zu Bitten, auf den hohen ausladenden verastverwinkelten Baum zu klettern. Unter diesem berat der einstige grosse Männerrat zukunftsweisend; es fühlt sich stimmig an, hier oben zu sein!
Auf dem Retourweg machen wir eine kurze Cokepause. Das Restaurant versperrt mir deren Choo. Ihr Klo sei einer Mzungu unwürdig. Es dauert ein dringendes Weilchen, bis das geeignete Pinkelhäuschen ausfindig gemacht ist: Viereckige Konstruktion aus Ästen und löchrigen Plastikplanen. Privattoilette - tut befreiendermassen gleich gut. War das wieder ein interessanter Tag!
Da vergesse ich fast, das war lustig: Auf dem gestrigen Weg auf Abfahrt, sass ich im Daladala vorne beim Fahrer wartend. Ich ergatterte durchs Fenster ein Vanilleeis. Nach einer Weile fällt ein regelmässiges tiefes aufsteigendes und verebbendes Gebrummel auf. Mmh, was sagt Frau dazu: Links entfernt sitzt eine Horde Männer im Schatten und beobachtet kommentarlaut, als wäre ich – mmh – ein Fussballspiel! Na denn! Ein paar stichelnde laute Gesten auf beiden Seiten. Ich darf hinzubemerken, dass es keinesfalls um anstössige Gedanken ging. Es war die schlichte Freude, dass eine Frau sich ein Eis gönnt! Dennoch, ausgleichend gerecht finde ich die Szene in Kageye. Während des Rundgangs stehen wir ungewollt in einer starkbefahrenen Ameisenstrasse. Mir selbst krabbeln die kleinen Wesen nicht die Mzungu-Beine herauf, sie bevorzugen dunkle Haut. Folglich tanzen vor mir drei kratzend hüpfende Männer, welche zur endgültigen Befreiung die Hosen runterlassen!
Days fly. Der Abschluss gebührt üblicherweise dem Abendessen bei Mary in Kiseke PPF. Auf dem Weg dahin erfreut mich bei dem einen Anwesen eine warme, liebevolle Stimme. Sie klingt aus dem dunkeln (N)Irgendwo; mal von rechts, mal von links. Vollmondnah erhält sie einen schemenhaften Umriss: Ein älterer hagerer Mann in langem Bubu, der mir nachtblindes Huhn irgendwas in Swahili wünscht… Asante sana na Lala salama, danke und schlaf gut.

Ein Frischwarestand
Meine (bisherigen) permanenten Stars
Mary Consolata Kalikawe-Kalemera: ein Goldschatz! Eine Fighterin, unermüdlich, grosszügig, herzlich. Die 55-jährige ist Mutter zweier leiblicher erwachsenen Kinder, welche beide Design studierten (Aaron im IT-Graphikbereich lebt momentan in den USA, Kemi designed erfolgreich mit eigenem Modelabel in Dar-es-Salam). Mary lacht gerne, lässt sich gerne zum Lachen bringen, sucht jeden Tag xmal ihre Autoschlüssel und es sprudeln unendlich Gedankenblitze aus ihr. Das haben wir gemeinsam: Das ideenreiche Mundwerk. Mit ihren hundert auferlegten Aufgaben ist Vieles im allerletzten Moment und gesetzt unwichtig, drüber perfekt fertig - eine überaus souveräne Geschäftsfrau. Auch ihr soebiges Rumrennen in Dar lohnte sich: In der nationalen Tagesschau werden von der Medienkonferenz ungeschnittene zwei Minuten ihrer Rede übertragen.
Mary gründete vor neun Jahren Kiroyeratours & Consulting. Der Name entstand als Akronym aus Ekiro und Kyere: ’Licht ins Dunkel bringen’. Das Programm Ehrensache: Propoor-, Cultural-Tourism, Wildlife Ecology and Environment Conservation, Education and Training, Event Planning, Business Skills. Kiroyeratours startete in Marys Heimatstadt Bukoba (die Fährenüberfahrt entfernt). Ihr Business gewann (inter)nationale Preise, neben Marys Nomination unter den Top 10 African Business Women PAWII Pan African Women Invent and Innovation 2005. 2006, best Cultural Tourism Company by Tanzanian Cultural Trust Found Zeze Award; 2006 the UN Habitant MILGAP award for East Africa; 2004 international Tourism Trophy in Madrid Spain, etc. Von Anfang an weible ich mit, nun in Mwanza Fuss zu fassen. Mit Mary zu diskutieren, Ideen auszutauschen, vergnügt Szenen zu kreieren und vorzusprechen, erfüllt uns beide mit enorm Power. Nach jedem Meeting, nach jeder Tour, habe ich begeisternde Gedanken. Mary sinniert bedauernd, dass ich nur sechs Monate hier sei. „Obwohl ich nach zwei Wochen die Hände rang, du könntest zurückreisen, dein erwartetes Soll ist längstens erfüllt!“
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u Pura(sidia): ‚Hausmädchen’, um die 25ig, selbst Mama. Knapp volljährig unverheiratet schwanger, übergab sie ihre Tochter Marina der Grossmutter und verliess die Familie um zu Arbeiten – nicht unüblich in Afrika. Mary beschreibt Pura als ihr Goldstück. Das ist Pura wirklich. Eine Hilfsbereitschaft aus einer natürlichen Selbstverständlichkeit heraus, wie man es selten erlebt. Amüsant mitanzusehen, wie das Goldstück bei Männerarbeiten voll mitanpackt und als Allrounder-Fundi überaus talentbestückt agiert! Werde ich sie jemals anders als in praktischen Hosen und Shirt sehen (ausser auf einem ururualten Foto)? Pura lacht laut rauh, ihr weicher Kern bleibt verborgen. Schade spricht sie kein Englisch. Ihr erstes sms „i mis yu, good neght“ werde ich sorgfältig hüten.
Jadida (Muslimin) zählt junge 19 Jahre. 13-jährig war sie, als Mary sie aufnahm und adoptiere. Die Greisin Khadija Khalfan hütete in Bukoba über 70 Kinder, allein! Kiroyera versuchte das Waisencenter zu schliessen. Die Schützlinge waren unterernährt, schmutzig, verlaust und krank. Adoptionsgesuche aus aller Welt lehnte die Hausmutter permanent ab. Sie selbst lebte gut vom Geld, welches sie für die Kinder erhielt. Mary fand zeitweise jeden Morgen bis 20 davongelaufene Kinder in ihrem Garten. Jadida konnte die regulären Schulen besuchen und macht momentan ein Sekretariatspraktikum. Im perfekten Kontrast zu Pura kleidet sie sich gerne sehr weiblich, stimmig zu ihrer soften Stimme. Jadida wird es zu was bringen; sie begleitet oft unser Business.
Theo(dora), etwa 20ig, burschikos erscheinend, hat in Jeans ewiglange Beine in den Himmel hinauf. Sie ist eine verwandte Nichte und wohnt während den Ausbildungsferien bei Mary. Sie absolviert eine Schule für Kellnerinnen. Mary bedauert, wie Theo sich scheut, englisch zu sprechen, sie könnte es. Ich bemerke, das rührt vielleicht daher, dass sie sich ‘schämt’, den Mund vor Fremden zu öffnen. Sie hat neben zwei fehlenden, zwei rötlich gefärbte Zähne (Fluormangel). Ich überrumple Theo mal und kreiere spontan die unterschiedlichsten Gasttypen in den verschiedensten Rollen. Theos englisch ist solala unbefriedigend, ihr Wille zum Versuchen-zu-Lächeln und sich zu verbessern, wächst. Wir spielen einige Abende. Theo scheint happy für meinen zwinkernden, halberhobenen Zeigefinger.
Bwana Mango: keine Ahnung warum. Am Eck bei Marys Grundstück steht ein junger Mangobaum. Ein Normaler, keine Verwinkelungen, keine Astbilder - ein normaler junger Mangobaum eben. Jedesmal beim Vorbeilaufen berühre, und grüsse ich ihn kurz. Wenn ich dies verpasse, ‘muss’ ich zurücklaufen. Merkwürdig.
Da kommen wir zu Nsajigwa, seines Zeichens ‘Freidenker’. Ich erkannte das nicht an seiner Art Mütze und bin verurteilt. Nsajigwa bedeute in seinem Dialekt ‘der Gesegnete’. Er übersetzt dies brusthebend ins arabische Suaheli: Barack. Nsajigwa zählt 46 Jahre, war nie wirklich liiert; bei vier Bibis konnte er nicht landen, bei anderen Vier war es umgekehrt. Vor zehn Jahren absolvierte er drei Monate in Japan einen Touristenguidekurs und vor fünf Jahren ebenso lang in Holland ein Philosophieseminar (suspekt, seine fehlenden Erinnerungen an beides). Er ist spindeldürr, zwei paar Hosen, drei T-Shirts wie löchrige Socken besitzend (wovon das eine Paar die Urgrossmutter nicht mehr stopfen würde). Unserer beider unterschiedlichen Jobs, laufen auch ineinander. Dabei darf ich bemerken, dass für meinen Part keine Aufgaben vorgegeben sind; ich habe absolut freie Hand und könnte auch einfach sechs Monate lang Nichts-Tun. Im Gegensatz zu Nsajigwa, er soll mit ausgeklügelten Touren guiden und für künftige Reiseleiter ein einjähriges Schulungskonzept erstellen. Seine Entwürfe beurteile ich als unbrauchbar. Kritikfähig – wehe. Am liebsten würde er sich passiv mir anhängen, um dann meine Ideen aktiv als die Seinen zu verkaufen. Das Gute am Ganzen, ich mache mich allein auf, und bin ehrlich gesagt, erfolgreicher. Mary teilt die Beobachtungen bezüglich Mister. Nsajigwa ist schlicht ein typischer Einzelgängertyp; wir werden schauen, wie/mit was/in welchem Umfang wir ihn beschäftigen (können).
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Madaraka Nyerere, eine weitere Persönlichkeit: fünfzig, jüngster Sohn des ersten Staatspräsidenten Julius Nyerere, selig. Madaraka, ein super angenehmer Mann, sein unerwartetes explodierendes Lachen ein ansteckendes Geschenk. Locker gekleidet, pilgert er für mich nach Kiseke. Butiama liegt eine Halbtagesbusfahrt entfernt. ’Das Heu liegt auf derselben Bühne’, keine Frage! Er ist begeistert von meinen Arbeiten (und mir). Er schlägt vor, einen Monat Butiama zu unterstützen. Das nationale Museum und des Vaters J. N. Mausoleum dürfte ich umgestaltungsmässig unter die Lupe nehmen. Das werden freudige Herausforderungen.
Victa: Pikipiki-Driver. Mit ihm erlebte ich die allererste Mototaxi-Fahrt über Sieben-Holterpolter-Kilometer in Kiseke hinein. Ich werde feststellen, dass er die Kiseke-Crew leitet. Eigenartig, wie stets er ums Eck driftet, egal auf welchem Streckenabteil, egal zu welcher Tageszeit. Und wenn ich am Quartierende an der Kreuzung Soko Sabasaba auf einen Bus Richtung Stadt warte, lehne ich an seinem Töff und geniesse die gestenreichen Diskussionen wie Streitgespräche unter den Drivern - und inzwischen auch meinen Bekanntheitsgrad. Der Eine, mit einem Silberblick von lieblichsten, gesellt sich jedesmal zu mir, er nimmt mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sagt, … wie gerne würde ich es verstehen… es fühlt sich umsorgt und behütet an.
Auch der einzige Nachtdriver für unser Quartier ist in sehr dunkler Stunde Zuhause genügend wach, um mich zuverlässig auf meinen Call hin abzuholen.
Eva, ausgewanderte Schwedin. Ich schätzte sie auf Ende vierzig, stimmen tut sechzig. Vor unzähligen Jahren lernte sie durch die sanitären Ingenieurarbeiten ihres Ehemannes die Region Mwanza kennen. Nach der Trennung besuchte sie Mwanza alle Jahre für ein paar Wochen, seit zwei Jahren lebt sie hier. Eva engagiert sich äusserst lebhaft für den Tourismus Mwanza, sie verliebte sich in diese Stadt - ich auch! An den freien Tagen spaziert Eva ausgiebig, hört chillig Mozart. Sie ist immer begleitet von Silale, ihrem Securityguy, ein älterer, traditionsgekleideter Masai. Oftmals sind die als sehr vertrauenswürdig geltenden Masai Türsteher, Kassenbetreiber, Wach- oder Medizinmänner.
Josephine, 53ig, Mutter von vier Kindern, meine Hauseigentümerin. Power hat sie. Musikmusikmusik, Samstag und Sonntag Dartspielen oder die Kirchenbank betanzen. Sie mag Pflanzen, ihre sehr kahle Dünn-Rasta-Frisur und ein, zwei, drei Whiskeys durch den Tag. Sie tourt in Ostafrika für Erziehungs-/Aufklärungsprogramme umher. Ich merke, dass sie der Typ Mensch ist, der alles unternimmt, solange ihr Bart geschmeichelt wird. Unfähig für jegliche Kritik, hat sie dafür umbiegendes Reden zu eigenen Gunsten umso cleverer intus. Sie verlangte die Mieten für sechs Monate im Voraus. Auf Marys Rat dealte ich fünf aus. Meine stattliche Summe verspricht sie, in die Einrichtung des Häuschens zu investieren. Leere Worte. Nach sechs Wochen hängen zumindest eine Art schnell dahingefertigter Vorhänge und zu meiner Halbzeit Mwanza liegt eine Glasplatte auf dem Tisch. Was ich vehement als allerletzte Priorität begründete, war ein Kühlschrank. Zweifelsfrei ist das neue silberne Riesenungetüm einer! Ich nütze ihn als Küchenschrank (für eine handvoll abgekochte Trinkliter brauchts kein kostspieliger Stromverschleiss). Auch vorbildlich gilt Josephine im Telefon aufhängen und Türen knallen - meine Freundin bist und wirst du nicht.
Hendry, 28ig, Lehrer und Shave-Salonbesitzer. Momentan bildet er sich an der Universität St. Augustine (SAUTI) weiter. Er büffelt seit zwei Semestern in Mwanza. Sein Tribe kommt aus Moshi, aufgewachsen ist er in Dar. Sein erster eigener Laden eröffnete er im Village Kiseke, deshalb nächtigt er zeitweise bei seiner Schwester in einem der PPF-Häuser. Dorthin eine defekte alte 450er Honda stossend, begegneten wir uns. Mit Hendry rumzutouren, auszugehen und shoppen ist Fun. Die überaus starken Booster-PC-Speakers vom Onkel waren mit 8 Schweizerfranken mit Sicherheit unter dem Einkaufspreis berechnet. Es ist aufregend, mit Hendry, sowie auch mit seinen Studentenkollegen, ausgiebig über kontinentale Unterschiede zu diskutieren. Aufpassen muss ich nur, dass sich Hendry nicht endgültig in mich verknallt.
Manraj: 29ig, Inder in der dritten Generation Mwanza, Kettenraucher (wortwörtlich), wohl-habend (offensichtlich). Seine Familie sei eine der Reichsten in der Provinz Mwanza, steckte mir Mary. Manraj Clan fliegt jährlich nach Indien, steckt er mir – don‘t forget your roots. Diese hätte er unabhängig davon fast verloren. Keiner rechnete mehr damit, dass er bald seinen Dreissigsten feiern kann. Er trank übermässig Spiritus eine ewig gefühlte Zeitperiode lang… Das Hotel Tilapia ist Familienbetrieb. Schade liegt die Anlage um weite Ecken, ich würde gerne täglich gratis den Pool benutzen. Manraj ist Mitglied der MTTF Mwanza Tourism Task Force und liiert mit Kathy (english, cozy soft). Kathy hält ein waches Auge auf ihren Liebsten. Geld scheint, zwar nicht hübscher, doch wenigstens sexy zu machen. Galant war, wie er nach der Schlangenaufführung Nsajigwa und mich auf einen (für ihn alkoholfreien) Drink in das Tilapia einlädt und uns anschliessend heimfährt. Dafür klingelt er zur tiefnächtlichen Uhrzeit den Garagenwächter wach. Der Regen grüsst kräftig. Durch die Woche verabschiedete sich eine weitere Strasse in Kiseke und Nsajigwa behauptet, der eine Weg sei richtig. Falsch... Wir steigen aus und müssen ein buckliges Stück querbeet im Regen laufen. Manraj lässt die Scheinwerfer den endlosen Weg leuchten, bis wir in der grauen Luft mystisch verschwinden. Schade, kann ich seine kurzfristigen Einladungen zur eigenen Luxuslodge in der Serengeti wegen anderen Verpflichtungen nie annehmen…
Und da sind der … und die … und … und … & es folgen … La vie est belle!!!


Mary im Ofisi & Jadida, Theo, Pura bei der Aussenküche
Tierisches und anderes Feines…
Tierisches und Feines... Es summt, brummt, neue Geräusche, neue Gestalten. Ein erster ungebetener Besuch ist eine tief purpurrote Hornisse, und nach zwei Tagen in die Fensterscheiben flirrend einfach tot. Diese Spezie sei unstechend; deshalb lasse ich draussen die Genossinnen den baumelnden Wohnblock weiterbauen. Die Farbe auch eingetauscht haben die Hummeln: In Weiss oder Knallorange vollwuschelig, hübsch und laut.
Es fressen da die unterschiedlichsten Heuschrecken und Grasshoppers: Kleine hellmaisgelbe doppelschnalzen beim Vorwärtshüpfen, kleine Grasgrüne und Braune halten rasensprengerklingend Rast und die daumengrossen beigen fetten Krickets musizieren ihr Abschlusskonzert Dezibel grenzwärtig, bevor sie von den Ameisen verschlungen werden.
Spinnen&Co? Ja, selbstverständlich krabbeln Spiders. Teils enorm platt, ich staune, so flachförmig existieren zu können. Und falls du deine Schuhe vor der Haustüre platzierst, schaue vor dem Reinschlüpfen rein: Ich erwischte soeben, hoppla, einen kinderfaustgrossen, knorrigen, wunderschönen Panzerkäfer, wie der von der Decke fallend exakt einlochte.
Neben dem Dämmerungszirpen gibt’s daily das Moskitosummen, der erste Hahnenschrei drei Uhr morgens und das nächtliche Hundegeheul auch ohne Vollmond. Ich schlafe göttlich eingebettet in dieser natürlichen Geräuschkulisse. Bis gottesfürchtig klingts dagegen aus geräuschvoller Nachbarschaft. Bei durchluftigen Glasjalousiefenstern wird kaum Geräusch gedämpft. Around sieben Uhr rufen die Stimmen der Gärtner, Handwerker sowie hausierenden Menschen ‘Habari za asubuhi’. Ebenfalls ‘Guten-Morgen’. Und zwischendurch, egal welche Tages- oder Nachtzeit, spürt Mensch das Bedürfnis nach powerhaftem Sound. Bongo-Gospel vom Feinsten schallt eine Geisterstunde lang bei Josephines Rückkehr.
Ja, Musik. Ein wahrer Genuss sind die Gezwitscher der Vögel. Manchmal vernehme ich komplett neue Kompositionen, virtuosissimo. Die Spatzen sind doppelt so bauchig wie die unsrigen. Mein gefederter Favorit ist ein männliches kanarienkleines Vögelchen, oben anthrazit, bauchig blau gefärbt, mit Rotkäppchen-Bäckchen. Genauso unterschiedlich sind die Echsenarten. Es gibt die meterlangen im Wasser – aaaii, was hüpfte ich, als es neben mir pflatscht – die fast invisiblen sandbeigen Kleinen mit lieblich schwarzen Knopfaugen, die langweilig Braunen, die flinken Grünen, die Längsgestreiften und die modebewussten Knallorange-Violetten.
Auch super schön sind die leisen Herden der Kühe. Die gemütliche Schar ist gespickt mit gedämpft meckernden Zieglein; beide Gattungen jeglichen Alters, jeglicher glatter oder gesprenkelter Farbstruktur, mit langen Hörnern, mit kurzen Stummeln. Friedlich sind sie alle und entsprechend ’polepole’ lässt man diese links, rechts streifend an sich vorbeiziehen.
Da wir bei Viechern sind: Fleisch schmeckt weniger als mehr zart, dafür garantiert Bio. Das Kuku (Huhn) gibts mager, das Mishkaki (Rindsgeschnetzeltes) mitteltrocken, das Nguruwe (grunz grunz) feiss und selten. Vegetarier haben es schwerer, Pescetarier einfacher: Samaki (Fisch), da liebe ich den Tilapia (Buntbarsch), seine Geräte sind gross und dick, damit könnte man stricken. Der ‘böse’ Victoriafisch Sangala Nilbarsch, welcher bei seiner Aussetzung im Lake Viktoria seinen über dreissig Artgenossen ratzeputz an die Flossen ging, den bevorzuge ich in der geräucherten Variante. Mein Glück, dass mangels Kühlschränke die Ware vielfach auf diese Weise frischgehalten wird. Dann gibt’s die getrockneten silbernen Frischwassersardinchen Dagaa, die erfreuen weniger meinen Geschmack, ob in Suppen oder als Snack. Oft gibt es die roten Windbohnen anstelle von Fisch oder Fleisch; sie werden ihrem Namen nicht gerecht. Besonders ausgezeichnet schmeckt mir der Kochbananeneintopf, entsprechend dem Tribe mit Erdnüssen versetzt. Wali oder Ugali (Reis oder Maisbrei) sind die täglichen Beilagen. Zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen auswärts ist Chipsi Mayai (Omelette mit Kartoffeln) beliebt; das Eigelb glänzt oftmals farblos. Bei meinem Frühstückshonig wurden als Herstellergarantie einige Produzenten mit in die Flasche gepackt. Für das geschmackvolle Gemüse und die saftigen Ananasi&Mango&Friends fand ich meinen Stammstand wie auch für die leckeren handgerollten Sesam-in-Honig-Bällchen.
Und was ist der wahrlich grösste Genuss: mit den Händen essen!
Trinken? Wasser, Wasser und Wasser, daheim abgekocht, draussen gekaufte PET-Flaschen. Bei einer Pause gönne ich mir zwischendurch eine Coke (keine zero, light oder diet, die gibt es in überteuerten Supermärkten) oder ein Tangawizi Ingwersoda. Frischer Avocadosaft entdecke ich für zwischendurch und abends schmeckt ein Bierchen – ich als Biertrinkerin, ganz was Neues!!
Apropos Köstlichkeiten Fischauge, meine Neugierde war stärker: Es schmeckt wie weiches Ossobucco-Mark in Rosmarin mariniert…

Mein wunderschöner Schuhgast

Fights
Fights. Fangen wir bei einem Kampf an, der eventuell keiner war. Vor einer Woche, an Marys Geburtstag, planen wir in der Tunza-Lodge bei farbigem Abendlicht am See zu dinieren. Lag es an unserem geschäftigen Tag, dass sich die Sonne frühzeitig verabschiedet hat? Jänu, Mary, Pura, Jadida und ich schlemmen gebratenen Fisch am hellsandigen Beach. Dazu gönnen wir uns ein, wirklich nur ein Glas Rotwein. Mary als gewohnte (Einiges-)Biertrinkerin reagiert dusselschläfrig auf die Trauben. Auf der Rückfahrt hält sie abrupt an. Die Buckelpiste gehört nun mir! Gab es Abwehr, nicht einzunicken oder mir das Vertrauen zu schenken: Alle drei schlafen selig…
Wie sich das Himmelszelt fetzt in Kiseke! Ich erwache durch herannahendes Aufbauschen und horche. Eindrucksvoller, heerischer Ansturm. Eingemummelt sitze ich hausmittig auf dem blanken Plättliboden. Durch alle vier Fensterseiten sehe, höre, schaue und staune ich dem unbeschreiblich feurigen Spektakel zu. Der Donner donnert nicht, der Blitz blitzt nicht nur. Das Donnergrollen ist eine tosende Quadrophonie, die Blitze sind himmelsdeckende, grellhellgelbe umarmende Verwinkelungen. Das Quartier leuchtet santoriniweiss, als brennen an jedem Gebäudchen tausend Glühbirnchen. Manchmal grellt es augenschliessend. Ein erleuchtender Genuss!
Ein andersartiges Aufbauschen: Friedlich wartend im Daladala sitzend Richtung Stadt donnert es: „Kontrolle“. Polizistinnen! Eine Einzelfahrt kostet 250 Schilingi, 18 Rappen. Quittungen gibt es keine. Der ’Kondakta’ hievt Leute rein und kassiert während der Fahrt. Was zankt er sich mit der stämmigen, in aalglatt weiss uniformgezwängter Polizistin? Nicht wir sind die Schwarzfahrer, sondern der Driver selbst! Er ist nicht für diese Strecke registriert und hat somit in fremdem Hoheitsgebiet geangelt! Wir müssen den Daladala wechseln. Die Polizei fährt mit dem Sünderbus zur Station. Oder bis um die Ecke, sofern das Schmiergeld stimmt? Hier folgt eine zweite Auseinandersetzung zwischen zwei Busguides, welche die Mzungu in ihrem Gefährt wollen. Tatkräftig, wie kleine Jungs raufen sie sich im Gras darum - eine ganz schöne Weile mit ganz schön Angeheuere! Als ich heiter eigens die Entscheidung fälle, geht die Partie zwischen den beiden parolenmässig an den zeitgleich frequentierten Halteplätzen lauthals weiter. Soviel Aufmerksamkeit!
Dem nicht genug, werde ich ‘Opfer’ eines Verrückten. Es geschieht in derselben Aussenareal Marktstrasse, wo der Taschendieb hinter mir her war. Aus dem Augenwinkel heraus nehme ich rechts eine schmuddelig schwarz gekleidete, vollbärtig wuschelhaarige Kreatur wahr. Aaaii, reflexrichtig geduckt, kommt die Faust geschossen! „Eeehh“, klingt es aus den Marktfrauenmündern. Ich holpere im Zickzack über die ausgelegte Ware. Der Typ verfolgt mich schattenboxmässig auf mich einprügelnd! Crazy Gefühl, auch wenn’s von einem Verrückten kommt. Mein innerer Kampf wird folglich sein, diesen farbenprächtigen Weg zu meiden, zwei Winks genügen.
Dem scheinbar nicht genug, werde ich ‘Opfer’ eines Verrückten. Es geschieht in der einen ungedeckten Marktstrasse, wo schon der Taschendieb hinter mir her war. Aus dem Augenwinkel heraus nehme ich rechts von mir eine schmuddelig schwarz gekleidete, vollbärtig wuschelhaarige Kreatur wahr. Aaaii, reflexrichtig ducke ich mich, als die Faust geschossen kommt! "Eeehh", klingt es aus den Marktfrauenmündern. Ich holpere etwas im Zickzack über die ausgelegte Ware. Der Typ verfolgt mich und prügelt schattenboxmässig auf mich ein! So crazy! Komisches Gefühl, auch wenn’s von einem Crazy kommt. Auf diese Art von Fights kann ich verzichten. Meine innere Auseinandersetzung wird folglich sein, diese farbenprächtige Strasse zu meiden, zwei Winks genügen.
Da haben wir den kaum begonnenen, schon gewonnenen Kampf – zumindest die erste Runde. Mary und ich entdeckten bei der Tour mit dem deutschen Missionar Father George ein Bijou, welches sich hervorragend als Museum eignen würde. Eine unserer Ideen, was Mwanza (noch) fehlt. Diverse Erkundigungen ergeben uneinig, das Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sei verkauft, werde verkauft, soll abgerissen werden, wird abgerissen, wir hätten so oder so keine Chance, und und und blabliblabla. Als kurzfristig mal ein Meeting ausfällt, sprechen Mary und ich direkt beim City Council vor. Ideenzugänglich schickt er uns an eine Adresse gegenüber vom kolonialen Bahnhof (welcher bis vor zwei Jahren auch Personen beförderte). In einem eisfrierfachkaltgeblasenem Büro stossen wir desgleichen auf offene Ohren und erhalten eine konkrete Postadresse in Dar-es-Salaam. Ich schreibe eine lange Liste, mit ’why-a-museum’. Jetzt, nach unserem ersten schriftlichen Gesuch, steht es innert Wochenfrist schwarz-auf-weiss: Das Gebäude wird offiziell durch den tanzanischen Staat beglaubigt unter Denkmalschutz gestellt! Die Nutzung zum Museum ist greifbar nahe! Wow, so macht Kämpfen Spass!
Zurück zu unserer Entdeckung ‘Museum’. Nach diversen Erkundigungen heisst es uneinig, das Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit sei verkauft, werde verkauft, soll abgerissen werden, wird abgerissen und wir hätten so oder so keine Chance, und und und blabliblabla. Als kurzfristig darauf ein Meeting ausfällt, schnappe ich mir Mary. Wir sprechen direkt beim City Council vor. Der zeigt sich unerwartet zugänglich und schickt uns an eine Adresse gegenüber vom Bahnhof (welcher ebenfalls aus der deutschen Kolonialzeit original steht und bis vor ein paar Jahren nicht nur Güter transportierte). In einem eiskaltgeblasenen Büro stossen wir ebenfalls auf offene Ohren und erhalten sogar eine konkrete Postadresse in Dar-es-Salaam. Ich schreibe Mary eine lange Liste, mit „why-a-museum“. Und jetzt, nach unserem ersten schriftlichen Gesuch, haben wir es innert Wochenfrist schwarz-auf-weiss: Das Gebäude wird sogar offiziell durch den tanzanischen Staat beglaubigt und unter Denkmalschutz gestellt! Die Nutzung zum Museum ist greifbar nahe! Wow, so macht Kämpfen Spass!
Father George zeigte uns sozusagen einen After-Workfight-Place, einen versteckten, deutschen Friedhof. Dort machen sich über hundertjährige Grabmäler von deutschen Soldaten, Admirälen und Schatzmeister aus. Father George kaufte starken Patex-Klebstoff, damit er, beziehungsweise ich, einige der zerfallenen Gedenktafeln zusammenfügen kann. Heutzutage ist der Ruheplatz den betuchten Mwanzaner vorbehalten - RIP inmitten in der Stadt kostet was.
Eine noch bevorstehende Herausforderung ist vielleicht die, der MTTF meinen rockigen Brand für Mwanza zu verkaufen. Ich bin zuversichtlich, wie auch, dass es bald die ersten Postkarten von dieser anziehenden Gegend geben wird! Let's rock, noch fünf Monatszyklen Zeit.

Bukumbi und Kigongo Anfang Mai
Bukumbi und Kigongo. Auf den Spuren der ersten Missionare Tanzanias, Potentialtest für Reisende. Father George wurde während meinem Geburtsjahr von Kenya nach südlich Tanzania versetzt. Seit einer handvoll Jahren lebt er in Mwanza. Der eifrige deutsche Missionar ist flott unterwegs in europäisch geschnittenen Afrikahemden; um den Hals baumelt ein kleines schlichtes Holzkreuz. Seit er von der MTTF erfuhr, ist er erpicht, uns alle Funde zu zeigen. Father George weiss wahrhaftig Wissenswertes, geschichtlich Spannendes zu erzählen. Zudem gibt es jeden Tag heiliggesprochene Christen, das zelebriert Father George ritualmässig, indem er ab Zenithstunde mit höchstem Genuss sein erstes Bierchen zu dessen namentlichen Ehren trinkt. Der noch quicklebendige Father Jesuit Professor James Spillane (Irländer, in Boston aufgewachsen, erworbene Nationalität Indonesier, seit 40 Jahren aktiv all-around-the-Globe) sowie die brighte Delphine (Uni-Teacherin, James Assistentin, a local one) sind heute mit von der Party. Auf dem Weg Richtung Bukumbi präsentiert sich steiles, weites verwinkeltes Felsplateau mit traumhaftem Panorama auf wie über Steinformationen, See und Natur. Diese leichte Klettertour wäre super mit vorherigem kurzen ’Baiskeli-’Tourteil anzubieten. Wir bräuchten vor Ort brauchbare Fahrräder. Mary freut sich aufs Radeln - ich mich auf die verstecke Picknicküberraschung zum Sunset.
Besuch in einer Missionsstation, sie ruht ruhig, die Geistlichen flogen in die Districts aus. Trotzdem kommen wir in den soften Genuss von selbstgebackenem Cake. Dazu trinken wir gesegnetes Wasser (ohne Geist). Die historischen Geschichten muss Father George aufschreiben, da erzählt er Zuvieles am Stück. Geblieben ist, dass es die Schweizer wenn auch nicht erfanden, trotzdem von Anbeginn an dabei waren. 1878 traf die erste von zehn Karawanen der Afrikamissionare ’Weisse Väter’ ein. Tanzania war Durchgangsland nach Uganda sowie Kongo. Nachdem die Missionare darauf aus Uganda fliehen mussten, gründeten sie 1883 in Bukumbi die überhaupt erste Missionsstation in Tanzania. Die Sukuma hiessen die Weissen Väter wie selbstverständlich willkommen. In den Stammgebieten der Wasekuma und Wanyamwnzi entstanden in Iboja und Ushirombo Schulen. Die ersten grosszähligen Taufbewerber kamen aus der nördlichen Region Bukoba. Nebenbei: aus Bukoba stammt der erste schwarzafrikanische Kardinalpriester: Laurean Rugambwa wurde 1960 vom Papst Johannes XXIII dazu ernannt. Laurean Rugambwa ist clanseitig mit Mary verwandt.

Nun in einer kleinen achteckigen Kapelle schaue ich auf den Ehrengemälden den weissen Missionaren in die blauen Augen. Im Hauptkirchenschiff grüsse ich die andächtig stehende Virgin Maria mit Babyboy Jesus auf dem Rücken. Beide sind dunkelschwarz – als Kompromiss musste einfach eine ‘europäische’ Nase her.
Einige Missionsgründer wurden, wie Brüder teils heute noch, innerhalb dieses Geländes begraben. In Stein gemeisselt lese ich vor den Namen ’Bruda’, heute würde wohl ’Bro’ stehen. Father George besteht darauf, dass beim Ausdruck ‘weisse Väter’ die Hautfarbe keine Rolle spielt. Dieses Thema sei annodazumal in (Nord/Schwarz)Afrika, keines gewesen. Die Namensgebung geht daher hervor, weil die Missionare lange helle Gewänder trugen!
Neben Geschichten und Blumen in Weiss und vollendeten Formen zäumen den heutigen Weg leuchtende Kinderaugen: Knallbunte Luftballone sind das beste Mitbringsel!
In Kigongo begrüsst uns die verarmte Chieffamilie. Sie zeigt uns ihr kleines grosses Reich. Als sein Vater urplötzlich verstarb, bekam das heute 81-jährige Oberhaupt mit unvorbereiteten 18 Lenzen das Zepter in die Hand gedrückt, Er sei seines Amtes müde, sinniert er. Auf die Frage von Father George hin verneint der alte Mann, dass er (noch) Regenzeremonien durchführt. Seine Antwort scheint sorgsam abgewägt; ich denke, dass doch. Glaubwürdiger sind die Worte zur Geschichte der folgenden Hinrichtungsmethode (bei Staatsgründung verboten): Gemeingefährlichem Gesindel wurden Hände und Füsse zusammengebunden. Mit einem einzigen Kopfhieb von hinten wurden sie getötet. Durch den direkten Schlag oder erst durch das folgende Kopfvoranvorüberfallen starben sie. Soeben stehen wir auf dem Ort des Geschehens, ein überaus kantenloser, flacher Stein, gruslig. Diese Arbeit war keinesfalls beliebt, wie auch. Denn, falls der Verurteilte noch atmet, hast du den Job nicht erfüllt und stehst folglich an dieser, seiner Stelle!
Ansprechender tauche ich beim nächsten Dorf in die eigene Fantasie ein über die Entstehung des strahlenden Sonnensterns sowie den witzigen, undefinierbaren Figuren. Wer diese hübsche Felsenmalerei kreierte, mit was für Naturalien, was die Symbole bedeuten und vor allem, wie alt diese sind, sei gänzlich unbekannt. Die Bewohner, seit Menschengedenken ansässig, wissen unüblich keine überlieferten Geschichten dazu!
Ein von Freude beschenkter Tag! Zur ausklingenden Abendstimmung an der Fährenstation Busisi, ein Cheers auf … die heutige Heilige Katharina von Irgendwas war bereits mittags dran … demnach auf die Gegenwart: Auf uns, unsere Projekte, auf die Region Mwanza und all ihre Juwelen!
Nächster Schritt: Ich packe den Koffer! Nein, ich bleibe an der Lake Zone, wo denkt ihr hin, Auszukundschaften gibt’s noch einiges. Nachtfähre nach Bukoba, 1. Klasse - Frau gönnt sich was, 2-Bettkabine für etwa 18.-. Bukoba, beziehungsweise die weite Region Kagera, dient Tanzanier als Erholungsoase. Ferien. Wie ich las und hörte, sei die Lake Zone zudem von Bihlazerose frei –Schwimmen im Lake Victoria!
Zur Heimat Marys: Die Region Kagera war durch den frühzeitigen Kontakt mit den Weissen Vätern in manchen Bereichen (beispielsweise Bildung) im Vergleich zum übrigen Festland fortschrittlicher. Die Entwicklung dieser Region verlief oft parallel zur Weltmarktentwicklung von Naturgütern. Kaffeebauer aus dem Volk der Haya waren einer der Vermögendsten in der Kolonialzeit. Die Haya galten und gelten als ein überaus intelligenter Stamm – Marys Tribe. Die Grenzlage zu Uganda, Ruanda, Burundi, sowie die geografische Isolierung durch den Lake Victoria, macht die Region aber auch verwundbar. Beispielsweise, 1994 während der Völkermorde in Ruanda, strömten über eine halbe Million Flüchtlinge hierher. Tanzania, selbst eines der ärmsten Länder der Welt, war das viertwichtigste Aufnahmeland, noch vor den USA. 1978 wurde das Gebiet von Truppen des ugandischen Diktators Idi Amin angegriffen. Madaraka Nyerere erzählte, wie er als Student in der Mensa sass, als die Kriegserklärung durch seinen Vater im Radio verkündet wurde. Madaraka war überrascht, überrascht über die Heftigkeit in der Stimme seines Vaters. Öffentlich wie Privat hat er ihn nie so entrüstet erlebt, weder vorher, noch nachher. Der neunmonatige Krieg wurde von Tanzania gewonnen. BBC wird just diesen, meinen Sommer anfragen, die beiden jüngsten Söhne zusammen zu bringen für ein Interview. Niemand konnte ahnen, dass Madaraka Nyerere und Jaffar Amin von Anbeginn des Zusammentreffens mit des ‚Vaters-Feind’ sich menschlich tief verbunden fühlen. Eine wunderbare Freundschaft entsteht. Und ich werde ein Jahr darauf mit beiden den Kilimanjaro besteigen! Eine Liebe mehr in meinem Leben. Dabei: Der Amerikaner Jim Becket arbeitete als junger Journalist in Genf für Amnesty International. Einer seiner ersten Reportagen war der damals aktuelle Krieg zwischen Uganda und Tanzania! Der nun gedrehte Originalfilm 'Sons of Africa' (Becketfilms.com/Journeyman.tv) kann bestellt werden über die üblichen Kanäle werden. Eine afrikanische halbstündige Ausführung findet man unter youtube 'Faces of Africa - sons of Africa) www.youtube.com/watch?v=3XO9mQke_80&t=495s
Darwin’s Nightmare
Darwin's Nightmare. Für alle, die fragten. Ja, ich sah den Dokumentarfilm von Hubert Sauper in aller schrecklicher Deutlichkeit. JA! Ja, ich landete genau auf diesem Flughafen, ja, es ist dies meine Stadt, ja, ich esse genau diesen Fisch frisch (und von den geräucherten Geräten), ja, ich kenne grosse Fischerhafen, ja, ich sollte eine behördliche Bewilligung für den Eintritt in Fischfabrik erhalten, ja, die Slumshügel durchspaziere ich, ja, die traditionellen Giftpfeile sind bekannt, ja, auch ich werde von diesen Strassenkindern angebettelt und sehe sie auf den Gehwegen schlafen. JA, dies ist eine Seite einer jeden Grossstadt! Nein, zu eurer Beruhigung, ich halte mich fern von Strassen und Stränden in der Finsternis – zumindest unbegleitet… und JA, es gibt Lebendiges, Feines, Farbiges, Fröhliches und Liebenswertes in der Rock City Mwanza am Viktoriasee!
Es weht ein Lüftchen…. Mitte Mai
Es weht ein Lüftchen, laut, geschäftig, warm. Lake-Victoria-Brise. Fährenflairneuland für mich. Laute Luft, laue Luft, laute Geräusche. Meine Mitkabinenfrau lächelt sympathisch, die Maschinerie rattert, wir verständigen uns mit illustren Gesten über die Schiffregeln. Ihrer Empfehlung folgend, gehe ich draussen auf dem Gang nochmals auf Toilette - unsere Kabine wird später von draussen zugeschlossen. Überraschend gut schlafe ich eingemummelt auf dem Eisenhochbett mit Kuschelkissen! Oder war der Tiefgang den beiden gut gefüllten Gläsern Rotwein sei Dank? Oder hatte ich Schlaf nachzuholen, wegen der aussergewöhnlich jaulenden Hunde in der Vornacht? Ich lief da spät von Mary heim. Silhouettenhaft lungert ein buckliger Vierbeiner vor meiner Eingangstüre rum. Soxs hat keine verkürzten Hinterbeine. Näherkommend, jage ich das unbekannte Geschöpf gedanklich weg. Hau ab, geh weg, das ist meine Hütte, du bist nicht eingeladen. Er schleicht sich duckend. So wie nun Mary in Bukoba fragt, ob ich die Hyänen hörte, weiss ich, was ich da bei schwachem Mondschein zu Besuch bekam!
Bukoba zum Ersten. Hoi Heu! Herrlich weich duftend wartet ein traditionelles Bandahäuschen an der Campside. Nächte direkt am Seeufer, wie schön. Doch habe ich genügend warme Sachen mit dabei für die Ferienwoche? Es bleibt nach dem Morgenregen unangenehm kühl windig. Heizungseinrichtungen fehlen. Bezüglich Film Darwins Nightmare, welcher in Ostafrika verboten ist: Kurze Szenen wurden an der Campside gedreht, ohne ihr Wissen auf Marys Grundstück!
Freudig erregt schnuppere ich Marktluft. Zugefallen ab heute heisst es: Senene-Saison. Es gibt sie frittiert, geräuchert, mit Chili - Suchtgefahr: Heuschrecken! Alle nennen sie mich Glückskind, Glücksbringer oder eben Senene; Senene ist die jährlich freudig erwartete Köstlichkeit, smile!
Im Kiroyera Office werde ich herzlich neugierig wie ein langerhoffter Gast empfangen. Ich lerne Marys Familie(n) kennen. Das angrenzende Restaurant Maendeleo ist Familienbetrieb. Laufend schauen Händler herein. Entsprechend ändern die Gerüche zwischen Früchten, Fischen, Textilem, Fleisch, Seife, Plastikspielzeug, Brot, Gemüse oder Schuhcreme. Amüsant, wie die Mama ganztags auf ihrem Stuhl sitzt und jede Bestellung, jede Ausgabe umgehend akribisch ins Schulheftchen kritzelt. Zur Senene-Verarbeitung sitzen wir um den grossen lebendigen Haufen Heuschrecken herum. Wir (sie) reissen denen einzeln Beinchen wie Flügelchen aus, bevor sie im heissen Fett schwimmen werden. Mein angewidertes Gesicht beim vergeblichen praktischen Versuch (das arme Tierchen) stösst auf grinsendes Unverständnis.
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Durch die Hintertüre pendle ich zwischen dem Restaurant Maendeleo und dem Reisebüro hin- und her. Dann stehen Maria und Sebastian da, das junge deutsche Paar, welches für Jambobukoba.com volontär arbeitet. Zugefallen. Ich shoppe mit den beiden Baiskelis. Macht Sinn – nicht, dass ich mitgehe, nein - die beiden wohnen fussmässig dreissig Minuten ausserhalb vom Stadtkern. Durch ihre Aufgaben dürfen sie auch in entlegene Gebiete fahren. Sebastian radelt nach abgeschlossenem Deal und Gurkenkauf heim; ungesund gerötet glüht sein Rotschopfgesicht. Maria und ich tauschen unsere Geschichten aus, nachdenklich stimmende teils. Auch wenn Julius Nyerere 1977 mit ‘Schule für alle Tanzanier’ die allgemeine Schulpflicht einführte sowie die Amtssprache Kiswahili förderte, scheint Quantität statt Qualität Praxis zu sein. Beispielsweise beobachtet Maria, wie der Lehrer vor neunzig Schülern steht, harakaraka, schnellschnell was an die Tafel schreibt „Verstanden Kinder?“, welche brav „Ndjyo, ja, Teacher“ antworten. Der nächste Stoff wird aufnotiert „Verstanden Kinder?“ „Ndjyo, Mwalimu“, folgend das nächste Thema, undsoweiterundsofort. Maria stupst den Lehrer mit diplomatischen Samthandschuhen. „Was?" er scheint offensichtlich ehrlich erstaunt, „Warum? Du hast erlebt, sie bestätigen, dass sie es verstanden haben. Du ahnst das Gegenteil? Warte auf morgen.“ Beim Test für drei Themen der letzten Woche meldet sich zu keiner Frage kein einziger Schüler! Armer Lehrer, arme Kinder.
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A
propos Kind: die Mutter arbeitet in der Küche des Maendeleo. Scheinbar von Weitem gesichtet, hat der quirlige, intelligente Wirbelwind Sharon mich adoptiert. Wehe, jemand möchte was von mir, der kriegt ihren energischen 4-jährigen Zeigefinger vor die Nase „Das ist meine Mzungu“. Wir sind sowas von vernarrt ineinander!
Im muffeligen Taxi, über eine schotterne Barabara (eines meiner ersten gut merkbaren Worte), beginnt der Tag. Das regional einzige Museum sowie die Behindertenwerkstätte BUDAP laden ein. Inspirierend zu erleben, was Mary auf standhafte Beine brachte. Das Museum wird von BUDAP geführt. Es zeigt traditionelle Riten, Gegenstände, Naturfotografien, alte Münzen, traditionelles, neues Handwerk. Nebenan in der eigenen Werkstatt handfertigen die Polioopfer zeitlose Drums und fröhliche Näharbeiten für den Verkauf an. Ich bin anfänglich eine Spur verkrampft. Es ist im ersten Moment befremdlich, diese Menschen mit den verkürzten, fehlenden, deformierten Körperteilen sitzend, laufend, liegend arbeitend und vorwärtsgehend zu sehen. Es sind jedoch so fantastische Herzensbegegnungen, dass man dies natürlich ‘übersieht’. Ihr Motto könnte treffender nicht sein, auf den T-Shirt geprintet steht: Disable but Able! Die Campside wird vom kurzen buckligen Eric geleitet, ein gewieftes Kerlchen. Als Ausgleich zur körperlichen Verunstaltung segnete ihn der liebe Gott mit umso mehr Potenz. Eric sei überaus gefragt bei den Frauen.
Am Nachmittag schauen wir beim Hotel Kolping vorbei. Mary inspiziert für ihre übermorgige Sitzung den Raum. Reden die gerade über mich? Oha, ein Job, meine Probeabende mit Theo hinterliessen Eindruck. In zehn Tagen wird internationaler Father-Kolping-Generalrat gefeiert und wir sollen vorgängig das Personal schulen. Zudem holen wir die Gäste aus aller Welt mit einem ausgedachten Willkommensgruss an der ugandischen Grenze ab. Also kurz wenden in Mwanza und gleich zum Zweiten in Bukoba sein. Diesmal auf dem Flugweg, wir kriegen Salär!
Bleiben wir bei Bukoba zum Ersten. Ein unprognostizierter heisser Sonntag. Ausgeschlafen arbeite ich im Grashut – es hat tatsächlich Strom in den drei Bandas. Tipptipp. Tipptipptipp. Das Trinkwasser ist alle, es muss raus, frische Luft rein. Ich schlendere Richtung Toilette. Da wartet der Kenianer Tom und lädt mich zum Lunch ein. Als ich gestern mit Laptop an Strand arbeitete, gesellte er sich dazu. Ich war überaus abweisend - Reden müssen. Mensch sollte äusserliche Bewertungen auslassen, die Gedanken kamen trotzdem: Zu stämmige Gestalt im Gegensatz zu den dünnen Fesseln, ein kurzer Hals (Richtung Stiernacken), das kleine feste Bäuchlein betont ein hohles Kreuz, die eher hohe Stimme und seine spitzige schmale Nase passen irgendwie nicht zur Gesichts- und Körperform. Er ist bei seinem Hallo-Versuch ziemlich abgeblitzt, entsprechend der Wetterkühle. Seine Einladung zum Lunch jetzt, die nehme ich egoistischerweise an. Wo kriege ich sonst was Essbares her? Bukoba ist am Sonntag vorübergehend ausgestorben. Wir spazieren eine lange gewundene Asphaltstrasse den Hügel hinauf zu Toms gemieteter Unterkunft. Ich gewöhne mich an seine englische Aussprache (er sich wahrscheinlich an meine, haha) und sein überraschend tiefes Bauchlachen hat Etwas.
Köstlich schmeckt Bukobas Küche. Als Vorspeisensnack gibt’s selbstverständlich fette Senenes, Fischeintopf, Gemüsesalat, Chicha (Spinat) und Unmengen von Ugali. Da fand Untermieter Tom ein liebes Daheim. Herzensgut ist die Mama Rehema, herzerfrischend die junge, selbstbewusste Studentin Rehema, herzsüssschüchtern die beiden jüngeren Mädchen; herzerwärmend, wie Tom mit ihnen umgeht. Zum Dessert schnappt sich Tom die Machete und schlägt aus dem Garten frisches Zuckerrohr, herzerfreuend! Alle kugelrund geschlemmt, stylt sich Rehema. Für den nachmittäglichen Ausgang folgere ich. Aha, Zwei-in-Einem: Zuerst muss der Quartierfotograf von uns beiden Hübschen Fotos schiessen. Dann auf, runter in die Stadt: Bukoba gewann die Provinzmeisterschaft im Fussball, es wird siegesgetourt. Streetparade aus überfüllten offenen Lastgefährten! Mzungu- oder Tom-sei-Dank: Wir drei dürfen auf den Mannschaftslaster jumpen. Meine Füsse werden an einem Generator heissluftgegrillt, den Kopf schmort die Sonne, drei verschiedene Hände halten mein Körper irgendwo, die Meinen den Hinterteil einer Unbekannten. Was für ein Fest! Rumpelnd, tanzend, winkelnd, smilend gequetscht fährt es durch die zujubelnden Strassen, durch das Dorf, am Strand vorbei, in die Quartiere, weit hinaus.
Kontinuierlich hinaus tourend, werden die Häuser seltener. Zwei Stunden, es reicht – meinen Body. Ich befürchte, dass ich ohnmächtig werde. Eine dringelnde Geste, Tom hievt mich runter. Wowowwww, ich sehe Momente blankeweiss, die Ohren summen extasisch hoch, der Körper zittert unsehbar. Die Wagen rocken davon. Ein kurzes Beine-Hochlagern, eine kühle Coke, ein paar Biskuti für uns und die neugierigen Kinder, und wir spazieren aufgetankt, gutgelaunt plaudernd einige Kilometer in die Stadt zurück, zum Casablanca. Tom ist ein liebenswerter Mensch.
Im Casablanca - irgendwo in einem Aussenviertel - herrscht neugierige Atmosphäre. Die Kids wollen einen Blick erhaschen auf die Entstehung eines Abendevents. Amüsant, wie die sarggrossen Boxen (sorry der Vergleich, so werden die Ungetüme reingetragen) aufgestellt werden. Ewiglange Discovorbereitungen. Als einzige Deko im kargen Innenhof hängt eine nackte Glühbirne. Ich beobachte einen Masai als Türsteher. Die Pubertierenden probieren es vergeblich mit flehendem Beknien. Kann ein friedlich wirkender Masai durchgreifen? Dieser Fels bleibt standhaft, das Nadelöhr blockiert. Knipswürdig sind die folgenden Bilder bei der lauten Musik: die gespannten Gesichter der zweihundert Gäste, achtzig Prozent männlich. Sie wollen alle der Mzungu beim Tanzen zusehen! Manche grooven mit, manche stehen mit offenem Mund keine Handbreit vor mir, manche wollen meine Tanzschritte ‘gelernt’ haben! Urkomisch schnalzt das Gejauchze zum provozierten Test: Es hätten alle gewettet, dass ich mich weigere, Senene zu kosten!
Ein nächster Morgen, eine nächste Tour. Herbfrisch duftende Bananenplantagen, kraftvoll grün leuchtende Kaffeefelder, erfreulich ungekannte Gezwitscher und Gesänge. Die Region Kagera rühmt sich über der Hälfte der tausend verschiedenen Vogelarten in Tanzania. Mein Liebling ist ein schwarzer Ministorch, der rau aus tiefster Kehle witzelt ’haaha haahahaaai haaha’.
Auf dem frühmorgendlichen Weg in ein Village scheine ich Methodias persönlicher Besitz. Sie liebt die Blicke, während sie Deutsch spricht. Heute hätte sie mich xmal verheiraten können; allein im Daladala wartend viermal. Methodia amüsiert sich prächtig bei den Verhandlungen, wobei sie sich als meine Mama vermarktet. Meinen Anwärtern scheint die Sprachbarriere egal, Hauptsache, sie können mich ehelichen. Methodia war zweimal verheiratet. Vor zwanzig Jahren sagte sie Ja zu einem Engländer, vor zwölf Jahren zu einem Deutschen. Sie lebte glücklichst mit Letzterem in Norddeutschland, bis dass der Tod... eine Blutvergiftung, Holzzaunnagel im eigenen Garten. Er starb in ihren Armen, die Arme. Nachdem sie sich zwei Monate „unausstehlich trauernd“, wie sie erzählt, im Bad verschanzt hatte, flog sie in ihre Heimat Bukoba, um sich aufzupeppeln. Das tut sie seit drei Jahren, teils etwas sehr drüber mit Alkohol. Heute, eine Daladalastunde irgendwo ausserhalb Bukoba, werden mir in einem versteckten Gehöft alttraditionelle Speisen auf urtümliche Art zubereitet. Beissend reizt der Rauch in der 100jährigen Banduküchenhütte, tränenlachend die Kinder und die Alte bei meinen erstickenden Tränen deswegen. Ich probiere die köstliche Wurzelknolle und die zarten Blätter vom Kasawabaum, beisse in frische grüne Kaffeebohnen, koste zarte Palmfrucht. Dazu trinken wir ziemlich kleine Unmengen vom Bananenwein sowie dem Schnaps daraus. Das zum Frühstück! Zum Lunch kippen wir in der Dorfhütte ein Schnäpschen mit den Dorfältesten und bevor ich mit dem Daladala retourfahre (sofern denn einer kommt), spendiere ich einen Konyagi (giftige Billigvariante Cognac). Methodia jammert sich im Trunken-Elend „Andrea! Today I am going to die“ – jetzt bin ich die Mama. Dann werde ich erlöst. Die Einheimischen, wie die ausgestiegenen Daladalagäste sorgen sich aufrichtig, nicht um Methodia, sondern, ob ich mich bestimmt nicht ängstige, unbegleitet zu reisen. Gewisse Bilder sind im Busch ungewohnt.
Zum Zvieri gibt es feste Ware. Samira zeigt im Maendeleo die Zauberei von Badjias. Meine Bitte hat sie gleichermassen überrascht wie gefreut. Die knusprig frittierte Luft lockt alle in die Küche. Spielend ‘kochen’ wir. Mit Sharon von Topf zu Topf, lehrt sie mich die Nahrungsmittel- und Speisenamen. Nebenbei füttert uns Tom mit dem heissen Kichererbsenmehl-Knuspergebäck, köstlich! Obendrein fange ich an, ihn wirklich zu mögen. Tom scheint bei allen beliebt, er hilft tatkräftig mit. Wie er nun mit seinem Feingefühl den frischen Spinat zupft, überkommt es mich völlig unerwartet, „OMG, ich möchte das Grünzeug in seinen Händen sein!“
Marys Mama besteht auf meinen Besuch, eine Übernachtungseinladung. Überraschung: Sharon! Sie boxt alle beiseite „Mzungu yangu. Mzungu yangu, meine Mzungu“, sie weicht keinen Millimeter. Ihre Mutter arbeitet als Köchin im Maendeleo und als Hausmädchen der Kalikawes. Oh, was für eine Ehre, die Nachbarsfamilie legt mir ihr 9 Stunden altes Babygirl auf den Arm – berührend süss duftend. Berührend süss, wie mich Mary im zweiten Bett ihres Zimmers als Gutenachtkuss behutsam in die Decke wickelt und das Moskitonetz zurechtzupft.
Früh morgens beginnt emsiges Brainstorming, Organisieren und Umherrennen für die Schulungstage. Tom erlöst mich in der zweiten Tageshälfte. Er zeigt mir ein Laden. Dieser hat zu, weder Wand noch Holzverschlag sind entsprechend bepinselt oder lassen das Metier erraten. Tom flüstert, er habe mir was anfertigen lassen. Oha, die Überraschung ist mir gerade weniger wichtig, als die wohltuende Pause. Wir setzen uns in ein bedachtes Restaurant. Tom erzählt, wie er in Kenya eine paarmonatige Kochausbildung absolvierte. Seit drei Jahren lebt er in Bukoba, als der erste, einzige Pizzabäcker. Oder besser war es. Sein Geschäft lief gut. Die Bewohner wurden eifersüchtig, dachten, er sei inzwischen reich. Sie konsumierten die bestellte Ware ohne zu Begleichen, „Kesho, Morgen“. Jetzt schlägt er sich als Safari-Koch und Guide für Kiroyeratours durch.
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