Kitabı oku: «Zwischen Hoffen und Zerbrechen - Ist mein Partner ein Narzisst?»

Yazı tipi:

Anita B.

Zwischen Hoffen und Zerbrechen - Ist mein Partner ein Narzisst?

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

John kommt nach Hause

Völlig ausgelaugt und doch wahnsinnig glücklich

John muss beruflich wieder bei null anfangen

Fußmarsch um den Starnberger See

Meine Elternzeit geht zu Ende

Gemeinsame Zeit in Garmisch

Johns erste Dienstreise

Unsere erste Zeitschrift kommt raus

Mein Spontanbesuch bei Linda

Unser Heft ist im Handel – Reaktionen, Likes und Statistiken

Sponsor der Secret Fashion Show

Die Kosten steigen

Enttäuschung an Weihnachten

Arzttermine

Gefühlschaos

Berlin Fashion Week – Wir sind dabei

Auf und ab – Immer dieser ständige Wechsel

Erleichterung

Johns ganz großer Coup

Ich würde niemals etwas tun, was euch schadet

Noch mehr Reisen und Termine

Der gefeierte Star in Salzburg

Eine Auszeit? Warum?

Neuanfang

Eine Lüge jagt die Nächste

Es ist doch mein Geburtstag…

John hat mich in der Hand

Ein Wahnsinn jagt den nächsten

Die Geburt rückt unaufhaltsam näher

Gemeinsame Zeit im Krankenhaus

Zu Hause mit dem Baby

Ein urplötzlicher Wandel

Der Verkauf der Anteile steht bevor

Der Verkauf verzögert sich ins Unerträgliche

Ist mein Partner ein Narzisst?

Das lange Warten nimmt kein Ende

Sorgen um Felix

Johns zermürbende Hinhaltetaktik

Jetzt auch noch ein Gerichtstermin

Ich dachte, mich kann nichts mehr schocken

Vor Gericht

Lottas Termine

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Endlich geschafft! Zwei Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet. In dieser Zeit tat ich alles dafür, John das Leben im Gefängnis so angenehm wie möglich zu machen. Verliebt wie nie zuvor, hatte ich binnen kürzester Zeit mein Leben komplett auf seinen Zeitplan abgestimmt. Dreimal im Monat besuchte ich ihn in der zweihundert Kilometer entfernten Justizvollzugsanstalt, schrieb ihm täglich Briefe und unterstützte John auch finanziell.

Zwei Jahre habe ich ihn vermisst, wie ich noch nie in meinem Leben einen Menschen vermisst habe. Zahlreiche unerwartete Rückschläge machten das Ganze nicht einfacher. Stets musste ich allein damit fertig werden. Es war eine Zeit, in der ich fortwährend unter Strom stand, um Johns Wünsche und die meiner beiden noch kleinen Jungs unter einen Hut zu bringen.

Mehrfach am Ende meiner Kräfte, hatte ich die ganze Zeit nur ein Ziel vor Augen – meine kleine glückliche Familie. John wusste mir dieses Gefühl in jedem Brief zu bestätigen und bei jedem Treffen letzte Zweifel zu beseitigen. Alles fühlte sich so richtig an.

John kommt nach Hause

Heute ist es nun so weit, der Tag an dem uns nichts und niemand mehr trennen kann. In ein paar Stunden wird er entlassen. Endlich keine Vorschriften mehr, wir werden das erste Mal gemeinsam nach Hause fahren, ohne dass John am Ende des Wochenendes wieder zurückmuss. Nie im Leben hätte ich es für möglich gehalten. Zwei Jahre warten, das bin nicht ich! Aber ich habe es geschafft und erstmals in meinem Leben bin ich richtig stolz auf mich.

Es ist Donnerstagmorgen, sieben Uhr. Zum letzten Mal stehe ich vor diesen Mauern. John ist noch nicht zu sehen. Ich warte im Auto, atme tief durch und lasse das vergangene Jahr Revue passieren. Ich bin ausgelaugt und fertig. Wie brutal waren all diese Wendungen, die mich jedes Mal völlig unvorbereitet trafen. Immer wieder fieberten wir auf die von John angekündigten Ziele hin, nur um dann doch kurzfristig einen Aufschub oder eine gänzliche Absage verarbeiten zu müssen. Unzählige Male hatten die Beamten der JVA aus verschiedensten Gründen urplötzlich anders entschieden. Mich hat jeder einzelne Rückschlag emotional niedergeschmettert.

Gleichzeitig habe ich John für seine positive Grundeinstellung und seinen Optimismus bewundert. Mit seiner Liebe zu mir und den Kindern konnte er mich immer wieder auffangen. Er gab mir Kraft, doch wirklich lösen musste ich alle Probleme allein.

Ich schaue auf die Uhr, es ist zehn nach sieben. In dem Moment geht die Tür auf. Mein Herz schlägt wie wild. John kommt schwer bepackt mit einer Kiste und einer großen Tasche auf mich zu. Erwartungsvoll steige ich aus dem Auto. So fühlt sich dieser Moment also an. Die härteste Zeit unseres Lebens haben wir hinter uns. Ab jetzt beginnt sie, unsere gemeinsame Zukunft.

Ich strahle vor Glück. Und dennoch, alles läuft viel nüchterner ab, als ich mir das vorgestellt hatte. John gibt mir einen Kuss, stellt sein Gepäck ins Auto und wir fahren los. Aber was erwarte ich? Wir haben uns lange genug auf diesen Tag vorbereiten können. Trotzdem, eine innige Umarmung und ein persönliches: »Danke für alles«, wären das Mindeste, was ich mir heute von John gewünscht hätte.

Völlig ausgelaugt und doch wahnsinnig glücklich

Wie schön es sich anfühlt, wir sind endlich eine richtige Familie. Die Jungs weichen John nicht von seiner Seite. Anfangs können sie es kaum glauben, dass er jetzt tatsächlich für immer bei uns bleibt. »Nein ihr Süßen«, kann ich sie beruhigen. »John muss nach dem Wochenende nicht wieder weg. Er bleibt hier und morgen fahren wir für zwei Tage zum Zelten.«

Die ersten Wochen unternehmen wir alles gemeinsam. Wir bringen die Kinder in die Kita, gehen zusammen einkaufen, kochen miteinander, zum Kinderturnen begleitet er uns und an den Wochenenden machen wir Ausflüge in die Berge oder an den See. Endlich macht das Leben wieder Spaß. Auch die Jungs sind glücklich und ausgeglichen wie nie zuvor. Sie springen John in die Arme, wenn wir sie abholen. Kochen und Abendessen läuft selbst unter Zeitdruck harmonisch ab. Abends liest John den Jungs noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor, während ich die Küche aufräume. Kurzum, wir sind jetzt eine richtige Familie.

Außerdem vergeht kein Tag, an dem John nicht von unserem künftigen Glück zu fünft spricht, gemeinsam mit einem Nesthäkchen »Lina«. Er ist sich sicher, dass es ein Mädchen wird und nimmt beim Einkaufen bereits die ersten rosa Babysachen in die Hand. »Ich bin doch noch nicht einmal schwanger!«, stoppe ich ihn und lege die Strampler zurück ins Regal. »Mit achtunddreißig bekommt man nicht mehr so leicht ein Baby.« Da grinst er mich an und sagt: »Schau mal, wen du an deiner Seite hast!« Ich lache es weg und denke laut: »Was für ein Macho!«

Aber ich liebe diesen Macho. Und dieses tägliche Begehren fühlt sich gut an, verdammt gut sogar. John weiß, wie sehr ich all die Jahre unter den Aggressionen und der gleichzeitigen Gefühlskälte meines Ex gelitten hatte. All das ist jetzt vorbei. Ich bin rundum glücklich.

Es ist neun Uhr morgens, ich bin noch im Schlafanzug. John bringt die Jungs in die Kita und kommt mit Weißwürstchen nach Hause. Ich freue mich so sehr, endlich habe ich diesen liebevollen Mann für immer bei mir. Wir frühstücken ganz in Ruhe, mit Kerzenlicht und einer Rose auf dem Tisch. Das Leben kann so schön sein.

Nachdem die letzten beiden Jahre nicht nur emotional sondern auch finanziell sehr aufreibend waren, bin ich bei unserem heutigen Familieneinkauf umso dankbarer. John hat das erste Mal eigenes Geld in der Hand. Er bezahlt an der Kasse von seinem sogenannten Überbrückungsgeld. Diese Situation ist für mich noch völlig neu.

Zwei Jahre musste ich alles für ihn übernehmen, die monatlichen Einzahlungen im Knast, das Porto von uns beiden für die beinah täglichen Briefe, alle Autofahrten und Zugtickets, die Umzüge, die Miete sowieso und schließlich noch die Kosten für Johns Anwalt.

Heute ist es nur ein Einkauf, und dennoch, es fühlt sich gut an und ich bedanke mich. Stolz zeigt John mir seinen Besitz. »Schau mal, ich habe bei meiner Entlassung tausendsechshundert Euro bekommen, da kann ich doch wenigstens unser Essen bezahlen. Schlimm genug, dass du so lange alles für mich vorschießen musstest.« »Na, diese Zeiten sind ja jetzt zum Glück vorbei«, lache ich und gebe ihm einen dicken Kuss.

John muss beruflich wieder bei null anfangen

Im Knast schrieb er in beinahe jedem Brief, dass er es kaum erwarten kann, mich endlich zu unterstützen und mir alle für ihn geleisteten Ausgaben doppelt und dreifach zurückzuzahlen.

Doch jetzt heißt es erst einmal Ärmel hochkrempeln und neu starten. Ich bewundere John für seine unzähligen Ideen, wie er schnellstmöglich Geld verdienen möchte. Er regelt momentan alles von zu Hause aus und hat obendrein sehr viel Zeit für mich und die Jungs. Ein echter Traummann eben!

Den Grundstein für seinen beruflichen Neubeginn hat er bereits vor Monaten gelegt. Noch während seiner Zeit in Kaisheim habe ich ihm seine Wunsch-Domäne www.druckbar.de gesichert. Eigentlich wollte er diese Webseite schon im letzten Jahr aufbauen, nur leider waren die Wochenenden stets zu kurz. Außerdem stellte sich heraus, dass er bis zu seiner Entlassung offiziell nicht arbeiten dürfe.

Aber jetzt ist er draußen, hat sein Gewerbe angemeldet und kann ab sofort loslegen. Als erstes sucht er sich einen hochwertigen iMac mit extragroßem Bildschirm aus und zeigt ihn mir online: »Den müsstest du mir bitte vorerst noch auslegen, da ich ja leider noch kein Geld auf meinem Konto habe. Ich kann bei Apple aber nur mit Vorkasse oder Kreditkarte bestellen.« Überrascht darüber, wie teuer der im Vergleich zu einem normalen PC ist, murre ich: »Mhm. Erst gestern habe ich die Rechnung für dein neues iPhone übernommen. Auch das brauchtest du dringend für die Arbeit.« » Süße, es tut mir leid, dass mein Arbeitslosengeld noch nicht auf dem Konto ist. Du bekommst alles zurück. Mit Zinsen!« »Ja, aber muss es denn unbedingt so ein riesiger Bildschirm sein?« »Lara, du weißt doch, dass ich zum Entwerfen unserer Zeitschrift ein Grafikprogramm brauche. Und der große Bildschirm ist zum Arbeiten Pflicht. Bringt doch auch nichts, wenn wir jetzt erst etwas Günstiges holen, nur um in ein paar Wochen schon wieder Geld ausgeben zu müssen. Wir schreiben ihn am besten gleich auf die Firma, dann können wir uns ein Drittel über die Steuer zurückholen.« Ich willige ein.

Das Logo für die druckbar hat John bereits in Kaisheim entworfen. Heute bestellt er fünfhundert Visitenkarten. Auf mein erstauntes Nachfragen, warum es gleich so viele sein müssen, bekomme ich zur Antwort: »Du Dummerchen, weil das viel günstiger ist, als mehrfach im Jahr zu bestellen.« Leicht genervt drehe ich mich weg und bin froh, dass er diese Rechnung selbst übernimmt. Bereits zwei Tage später sind die Visitenkarten da.

Nachdem wir die druckbar bereits seit fünf Monaten haben, möchte John heute endlich mit der Webseite beginnen. Gemeinsam überlegen wir, welche Produkte wir anbieten und wie wir die Webseite aufbauen. Irgendwann, als unsere Liste vorerst komplett ist, sprechen wir über die Preise. Da klingt John das erste Mal ganz anders als bisher: »Lara, wir müssen unsere Produkte extrem günstig anbieten, nur dann können wir uns von der riesigen Konkurrenz im Netz abheben.« Das leuchtet mir ein, ich nicke bestätigend. Da fährt John zögernd fort: »Ja, ich weiß, du hast schon recht, das ganz dicke Geld werden wir mit der druckbar nicht erzielen können.« Ich verstehe nicht richtig, worauf er hinaus will. Wir waren uns doch seit Monaten einig, die druckbar sollte unser zweites Standbein werden. Wir brauchen diesen regelmäßigen sicheren Geldeingang. John hatte schon so viele Ideen, wie er, gerade bei uns in der Gegend, stetig neue Aufträge bekommen kann.

Heute sieht er das anders. Jetzt möchte John seine Zeit und Energie lieber sinnvoll nutzen und sofort mit unserer eigenen Zeitschrift beginnen. »Dort ist das große Geld zu verdienen, nicht mit irgendwelchen Grafiken, die wahnsinnig zeitaufwendig sind und am Ende sehr wenig Gewinn erzielen. Werbekunden im Heft zahlen pro Seite fünftausend Euro. Und das sind die untersten Sätze, die für Werbung gezahlt werden.« Am Ende einigen wir uns darauf, beides gleichzeitig zu beginnen.

Der Name MEN’S MAGAZINE steht ebenfalls seit Monaten fest. Auch diese Domäne sollte ich John bereits während seiner Haftzeit reservieren. Jetzt setzt er sich an seinen neuen Rechner und fängt mit der Webseite an.

Die nächsten Tage und Nächte verbringt John vor dem Bildschirm. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, die Kinder in der Früh in die Kita zu bringen. Ab und zu bekomme ich von unterwegs Fotos von unseren Jungs. Ich freue mich und bin John so dankbar.

Wieder daheim trinkt er gemütlich seinen Kaffee. Danach möchte er mich, wie jeden Morgen, wenn die Jungs im Kindergarten sind, zurück ins Bett lotsen. Genervt schicke ich ihn ins Büro: »John, unsere Kosten der letzten Wochen steigen und steigen. Da waren meine Ausgaben für dich in Kaisheim noch Peanuts dagegen.« »Süße, es ist doch ganz normal, wenn man selbstständig ist, dass da nicht vom ersten Tag an Geld reinkommt. Frag doch mal Linda, wie das bei denen läuft.« »Ja, aber genau dafür sollte ja die druckbar dienen, damit wir eben überhaupt erst mal Einnahmen haben.« »Sag mal Lara, was soll das denn jetzt? Ich dachte, wir beide hatten uns gegen die paar Euro entschieden, die die druckbar einbringt. Aber keine Sorge, ich werde dich tagsüber nicht mehr belästigen. Ich gehe jetzt arbeiten, um deinen Sparstrumpf wieder aufzufüllen!« Verärgert zieht er los.

Sofort tut John mir leid. Ich mache mir Vorwürfe, er wollte mir doch nur zeigen, wie dankbar er ist und wie sehr er mich liebt. Den Rest des Tages plagt mich ein schlechtes Gewissen. Ich fahre einkaufen und koche am Abend Johns Lieblingsessen.

Drei Tage später zeigt er mir einen ersten Entwurf unserer Webseite. Ich bin beeindruckt: »Wow, sieht echt klasse aus und voll professionell!« John nickt zufrieden und arbeitet den Rest des Tages an unserem Auftritt bei Facebook. Am nächsten Morgen sehe ich dort den ersten Post:

Das MEN’S MAGAZINE, ein Lifestyle Magazin für den sportlichen, modernen und anspruchsvollen Mann. Durch unsere abwechslungsreiche Themenvielfalt ist für jeden Leser etwas dabei.

Schon nach wenigen Stunden gibt es dafür über achtzig Likes. Achtzig Likes, erstaunlich! Wie hat John das denn geschafft? Es kennt uns doch noch niemand. Offenbar war er früher sehr beliebt. Denn obwohl John seit Wochen irgendwelche falschen Freunde von seinem Profil löscht, hat er trotzdem noch mehr als viertausend Kontakte. Die hat er jetzt eingeladen, das MEN’S MAGAZINE auf Facebook zu abonnieren. Ich tue es ihm gleich und schicke den Link an alle, die ich kenne.

Wenige Tage später knackt unsere Fan-Seite die Fünfhundert-Follower-Marke. John ist entzückt und meint, dass wir bald alle Sorgen los sind. Auch ich verfolge wie die Zahlen stetig nach oben schnellen. Ich bin stolz auf John, es waren keine leeren Worte in seinen Briefen. Er hält tatsächlich, was er immer versprochen hat.

Nach genau zwei Wochen haben wir eintausend Fans, Wahnsinn! Am Nachmittag räume ich John freie Zeit ein und gehe mit den Kindern zu Linda. Sie selbst hat ebenfalls erst vor einigen Jahren ihr eigenes Label gegründet und ist total überrascht, wie schnell wir die Eintausend-Fans-Marke erreicht haben. Sie freut sich für mich und beglückwünscht uns.

Fröhlich komme ich nach Hause: »Und Schatzi, hast du schon Kunden für das erste Heft an Land gezogen?« Zufrieden zeigt er mir seinen nächsten Post. Er hat aus allen Profilbildern seiner Follower ein gemeinsames Foto erstellt und dazu eine Dankesrede veröffentlicht. »Mhm«, stammle ich unbeeindruckt. »Und daran hast du den ganzen Nachmittag gesessen?« »Lara, das ist Marketing. Schau mal, für dieses eine Bild haben wir in nur einer Stunde bereits sechsunddreißig Likes bekommen. Ist das nicht toll?« »Ja, schon, aber ob wir deswegen auch das Interesse der Kunden wecken, wage ich zu bezweifeln.« John reagiert sichtlich genervt: »Verstehst du das nicht? Die Kunden schauen doch zuerst im Netz wie bekannt wir schon sind. Und dafür ist jeder Follower und jedes Like entscheidend. Keiner möchte die Katze im Sack kaufen.« Gespannt checke ich bis zum Abend noch mehrfach, wie die Gefällt-Mir-Angaben weiter nach oben gehen.

Auch die nächsten Tage und Wochen halte ich John so oft ich kann den Rücken frei. Er arbeitet von zu Hause aus und ich möchte nicht, dass die Kinder ihn stören. Jeden Nachmittag bin ich oft stundenlang mit den Jungs unterwegs. Zwischendurch bekomme ich immer wieder Textnachrichten von John, dass er alles dafür tut, damit es uns ganz bald richtig gut geht. Da kann ich ihn beruhigen, uns geht es doch ohnehin schon supergut, einzig und allein, weil er endlich bei uns ist.

Trotzdem spüre ich eine innere Unruhe, ganz besonders an Tagen, an denen die nächste Miete ansteht oder unsere Strom- und Handyrechnungen von meinem Konto abgebucht werden. John arbeitet momentan so hart für uns, ich möchte ihn damit nicht nerven und behalte meine Sorgen für mich.

Während er mit unserem Internetauftritt beschäftigt ist, lesen meine Mom und ich Korrektur. Für unsere Verbesserungen und Änderungsvorschläge ist John stets dankbar.

Nach etwa einem Monat sieht unsere Webseite mit all ihren Unterseiten echt beeindruckend aus. Jetzt müssen wir sie nur noch online schalten, danach können wir uns voll auf unser erstes Heft konzentrieren. Was wir nun dringend brauchen, sind Werbekunden. Doch die letzten Wochen haben gezeigt, wie lange es noch dauern wird, bis wir mit dem Vorhaben »eigene Zeitschrift« tatsächlich Geld verdienen.

Linda macht mir Mut. Laut ihren Worten ist es völlig normal, dass man in eine eigene Firma zunächst investieren muss. Ich soll froh sein, dass John alles ohne fremde Hilfe selbst gestaltet und auf so viele Kontakte von früher zurückgreifen kann. Da hat sie recht. Dennoch, ich fühle mich leer und ausgelaugt. Linda nimmt mich in den Arm und flüstert mir leise zu: »Mach bitte nicht denselben Fehler wie Richard, der setzt mich finanziell so stark unter Druck, dass ich nachts kaum noch schlafen kann.«

Meine Mom versucht mich auf ähnliche Art und Weise aufzubauen: »Es ist in diesem Geschäft ganz normal, dass nicht alle Kunden von heute auf morgen Schlange stehen. Das Heft muss doch erst einmal bekannt werden. Aber ich stehe hinter euch und werde euch auch weiterhin tatkräftig unterstützen. Jetzt musst du einfach noch ein wenig Geduld haben, John macht einen fabelhaften Job und für mich ist er ein Macher.« Ihre bestätigenden Worte tun mir gut. Ich nicke. Dennoch, mehr als ein kurzes »Ja, verstehe«, bringe ich nicht hervor.

Fußmarsch um den Starnberger See

Das kommende Wochenende sind die Jungs bei ihrem Vater, Freitagnachmittag werden sie abgeholt. John und ich gehen schwimmen. Danach sitzen wir engumschlungen am Ufer und blicken auf unser Paradies. Es ist kein Wölkchen am Himmel. Die untergehende Sonne spiegelt sich im Wasser und dahinter sehen wir die Berge. »Morgen laufen wir um den See«, lache ich und zwinkere John dabei zu. Er nimmt mich beim Wort. »Super Idee, das machen wir!« Sofort googled er die Entfernung bis Starnberg. »Wow, sechsundzwanzig Kilometer! Du weißt schon, was das heißt, oder?« »Ja logisch, Starnberg liegt uns quasi gegenüber, somit das Ganze halt mal zwei.«

Wir haben Glück, das Wetter spielt mit. In der Früh misst das Thermometer bereits angenehme einundzwanzig Grad. Bepackt mit drei Flaschen Wasser, geschmierten Broten und unseren Badesachen brechen wir um kurz nach sieben auf. Hand in Hand schlendern wir durch den Ort in Richtung Ambach. Alles ist ruhig, selbst an der Anlegestelle für Ausflugsdampfer ist noch kein Tourist zu sehen. Romantisch legt John seinen Arm um mich. Ich warte auf die nächste Liebesbekundung, bin jedoch auch ohne diese glücklich. Ich liebe diesen Mann so sehr.

Gegen neun nutzen wir die erste Möglichkeit für eine kleine Pause. John trinkt einen Kaffee, ich springe ins Wasser, schwimme ein Weilchen und dann geht’s weiter Richtung Münsing.

Nach knapp zwanzig Minuten stelle ich entsetzt fest, dass meine Uhr fehlt.« John fragt gelassen: »Hattest du denn überhaupt eine dabei? Von welcher Uhr redest du eigentlich?« »Von meiner guten goldenen, das ist eine Seiko. Ich brauche sie unbedingt wieder! Die habe ich aus Amerika, sie hat damals siebenhundert Dollar gekostet.« Sofort drehe ich um und renne den ganzen Weg zurück bis zur Badestelle.

Gott sei Dank! Da liegt sie, auf der Brücke, von wo aus ich ins Wasser gesprungen bin. Überglücklich falle ich John um den Hals. Auch er scheint sichtbar erleichtert: »Die Uhr steht dir aber auch wirklich gut und sieht immer noch aus wie neu. Da hattest du gerade mehr Glück als Verstand, meine Liebe.« Ich nicke bestätigend und freue mich sehr, dass John meine Uhr gefällt. Er grinst mich liebevoll an und meint: »Ansonsten hätte ich dir halt eine Neue gekauft.« »Ja genau«, lache ich, »dafür haben wir nun wirklich kein Geld!«

Bei der nächsten Pause machen wir Brotzeit. Minutenlang sitzen wir schweigend nebeneinander und schauen auf den See. Dann zeigt John auf die Villen hinter uns. Anschaulich erzählt er mir von seiner Luxuswohnung am Ammersee, die er einige Zeit vor seiner Inhaftierung bewohnt hat. Den Umzug von dieser großen komfortablen Dachterrassenwohnung in ein kleines Münchner Appartement empfand er extrem hart. Das hat er jetzt schon mehrfach erwähnt. Er wollte zu diesem Zeitpunkt unbedingt seine Firma retten und konnte die immens hohe Miete in Herrsching allein nicht mehr stemmen. Seine Mitbewohnerin zahlte scheinbar keine Miete, aber John hatte Mitleid mit ihr und wollte sie nicht vor die Tür setzen. »Ach komm, hak es ab! Jetzt wohnst du wieder am See und musstest dafür nichts weiter tun, als entlassen zu werden«, boxe ich ihm liebevoll in die Seite. »Das stimmt, Süße, ich bin wirklich ein Glückspilz«, küsst mich und wir spulen die nächsten Kilometer problemlos herunter.

Am frühen Nachmittag kommen wir ziemlich erschöpft in Starnberg an. Wir stärken uns mit Pizza in einem italienischen Restaurant direkt am See. John erzählt den beiden gutaussehenden Damen bei uns am Nebentisch, dass wir den gleichen Blick wie hier von unserer Terrasse daheim ebenfalls genießen. »Ja genau«, verschlucke ich mich fast beim Trinken. »Aber nur im Winter, wenn wir unsere Köpfe im Schlafzimmer ganz weit aus dem Fenster strecken.« John überspielt meinen Einwurf und tönt fröhlich weiter. Ich rolle kurz mit den Augen und lasse ihm schließlich seinen Spaß.

Hinterher lachen wir gemeinsam, wie leicht manche Frauen zu beeindrucken sind. Ich fand diese Art von Unterhaltung trotzdem total überflüssig.

Von Starnberg sind es noch vierundzwanzig Kilometer. John schlägt vor, mit der Bahn oder mit dem Dampfer heimzufahren. Beides lehne ich entschieden ab, aufgeben kommt für mich nicht in Frage! Gestern Abend waren wir uns doch einig mit der Seeumrundung. Wenn wir ab jetzt das Baden weglassen, sollten wir noch vor der Dämmerung daheim sein. John rafft sich auf und trottet mir gequält hinterher.

Irgendwann erreichen wir die idyllische Roseninsel. Mitten in ihrer großen Parkanlage liegt ein wunderschönes Schlösschen. »Und hier werden wir heiraten, meine Süße.« »Wow, klingt fast wie ein Antrag«, schießt es mir durch den Kopf, doch schon gehen wir weiter.

Der folgende Abschnitt von Feldafing bis Tutzing zieht sich ewig. So langsam beginne auch ich meine Beine zu spüren. Gegen siebzehn Uhr erreichen wir Tutzing. Ab hier sind es noch zwölf Kilometer. Inzwischen kämpfen wir nicht mehr nur gegen unsere schmerzenden Füße, sondern auch gegen ein anstehendes Gewitter. Blitz und Donner im Nacken liefern uns zwar schöne Fotos, treiben uns aber gleichzeitig zur Eile an.

Endlich können wir aufatmen. Den Bernrieder Park haben wir geschafft, das Gewitter ist vorbeigezogen und ab jetzt trennt uns nur noch unsere tägliche Joggingstrecke von zu Hause.

Gegen halb acht sind wir nach genau fünfundfünfzig Kilometern wieder zurück in Seeshaupt. Von Schüttelfrost geplagt, liegen wir gemütlich in die Decke gekuschelt auf der Couch und John postet erste Bilder von unserer Heldentat.

Meine Elternzeit geht zu Ende

Sehr viel weiter sind wir die letzten Wochen nicht mit unserer Zeitschrift gekommen. Nach anfänglicher Euphorie für die Webseite, beschränkt sich Johns Arbeit zunehmend wieder auf das Durchforsten seiner eigenen Facebook-Seite. Er erklärt mir das folgendermaßen: »Lara, ich habe so viele Neider auf dieser Seite, die uns unser Glück und unseren Erfolg nicht gönnen werden. Die muss ich alle erst löschen, bevor wir richtig loslegen können.« »Aber das machst du doch sowieso schon seit Wochen«, antworte ich genervt. »Süße, in dieser Branche gibt es enorm viele Menschen, die mir schaden wollen. Es geht da einfach um so viel Ruhm, Macht und Geld, das kannst du dir nicht vorstellen.« »Na dann sieh mal zu, dass du diese Leute ganz schnell aus deinem Leben verbannst. Ich freue mich nämlich schon sehr darauf, endlich mit unserem Magazin richtig loszulegen.«

Auch die nächsten Tage sehe ich John mehr in der Küche sitzend, am Handy beschäftigt, als oben im Büro. Aber zum jetzigen Zeitpunkt hat das irgendwie auch sein Gutes. Somit hat John mehr Zeit für die Kinder, was es mir erleichtert, mich auf meinen Wiedereinstieg ins Berufsleben vorzubereiten. Denn auch mein bürofreier Alltag neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Die letzten zwei Jahre konnte ich mich dank Elternzeit flexibel nach Johns Terminplan richten, doch diese Zeit ist nun bald vorbei.

Gemeinsam rechnen wir uns aus, wie viele Stunden ich wöchentlich in München arbeiten kann. Der Job dort ist sehr gut bezahlt und ich bin dankbar, dass mein Chef mich nach drei Jahren in meine alte Position zurückkommen lässt. Ich schlage vor, zunächst in Teilzeit fünfzwanzig Stunden pro Woche zu arbeiten. John stimmt mir zu, weist mich aber gleichzeitig darauf hin, dass er beruflich künftig mehr unterwegs sein wird. Er nimmt mich in den Arm und sagt: »Aber wenn du sowieso nur halbtags arbeiten möchtest, kannst du die Jungs doch immer noch pünktlich vom Kindergarten abholen. Müssen wir sie halt bis sechzehn Uhr anmelden.« Auf meinen geschockten Blick hin, wirft er schnell hinterher: »Also natürlich nur, wenn ich mal nicht da sein sollte.« Ich schlucke und frage überrascht: »Ja, aber im Normalfall arbeitest du doch weiterhin von zu Hause, oder?« Er nickt bestätigend. Ich bin froh einen Partner zu haben, auf den ich mich verlassen kann.

Später erzähle ich ihm, dass ich für das Marketing von Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig bin und dadurch auch hin und wieder Dienstreisen ins Ausland anstehen werden. Wie erwartet, sieht John darin kein Problem. Nur bittet er mich im Gegenzug darum, ihm ebenfalls den Rücken freizuhalten, wenn er kurzfristig Aufträge bekommt. Dessen bin ich mir bewusst. Deswegen gehe ich ja vorerst nur mit fünfzwanzig Arbeitsstunden die Woche zurück und versuche so viel wie möglich Homeoffice auszuhandeln. John küsst mich und wir belassen es dabei.

Drei Tage später freut sich John, dass übernächstes Wochenende seine erste Messe ansteht, die Outdoor-Messe in Friedrichshafen. »Süße, das ist der Wahnsinn! Ich habe jetzt schon sechs Termine mit meinen alten Kunden ausgemacht. Und die, die ich bisher nicht erreicht habe, werde ich ganz sicher vor Ort treffen. Ich freue mich so sehr darauf. Bei Messen sitzt das Geld für Werbung immer besonders locker.«

Mit Blick auf unser erstes Heft kommt uns das jetzt wirklich gelegen. Für Samstag, Sonntag plant John zwei volle Messetage ein. Und bereits Freitagabend will er sich vor Ort mit einigen Kunden treffen. Er geht ins Büro und möchte das Zugticket buchen. Aufgeregt laufe ich ihm hinterher: »Lass uns doch gemeinsam fahren. Ich habe den Jungs schon so lange versprochen, dass wir übers Wochenende mal wieder einen Ausflug machen. Uns allen täte diese Reise wirklich gut.« John schüttelt den Kopf: »Daraus wird leider nichts, Süße. Ich muss dort die komplette Zeit durcharbeiten und kann mich gar nicht um euch kümmern.«

Enttäuscht erinnere ich ihn daran, dass er immer geschrieben hat, künftig überall gemeinsam hinzufahren. John lacht: »Aber Lara, damit meinte ich doch schöne Sachen, wie zum Beispiel zum FC Bayern zu gehen oder zu Kinopremieren, Urlaube und so. Zu beruflichen Terminen können wir unmöglich die Kinder mitnehmen. Das verstehst du doch. Ich möchte jetzt einfach so schnell wie möglich Geld verdienen, nachdem, was du die letzten Jahre alles für mich bezahlen musstest.« Ich nicke traurig.

Dann kommt er zurück auf meinen Job in München. Er fragt mich, ob ich mir sicher bin, mit zwei oder vielleicht sogar bald drei Kindern wieder so hart arbeiten zu wollen wie damals. Ich hatte ihm mal erzählt, dass ich bis kurz vor Nics Geburt oft bis zu sechzig Stunden in der Firma war. John überlegt: »Wir könnten viel öfter gemeinsam auf Dienstreisen fahren, wenn die Jungs bei ihrem Vater sind und du flexibel bleibst.« Liebevoll fügt er noch hinzu: »Außerdem will ich doch derjenige sein, der von jetzt ab für euch sorgt, und zwar richtig sorgt! So, dass wir uns ganz bald unser eigenes Häuschen kaufen können. Du hast die letzten Jahre so viel für mich getan, das werde ich dir nie vergessen. Wegen mir musst du überhaupt nicht mehr arbeiten gehen. In unserer Firma gibt es genug zu tun, womit du mir helfen kannst.« »Aber John! Wir brauchen doch ein sicheres Einkommen. Ich habe bisher immer richtig gut verdient. Sonst hätte ich mir die Knastzeit mit dir gar nicht leisten können!« »Das weiß ich doch, gerade drum. Selbstverständlich wirst du auch ein ordentliches Gehalt von mir bekommen. Sobald ich Einnahmen habe, stelle ich dich offiziell ein. Ich möchte, dass ihr immer abgesichert seid und du niemals wieder so hart schuften musst wie zuletzt. Ab jetzt soll arbeiten wieder Spaß machen.« Ich muss zugeben, das Angebot klingt verlockend.

Beim Mittagessen erzählt mir John noch einmal von all den Kunden aus der Sportbranche, die er noch von früher kennt. »Die warten nur darauf, dass ich endlich die erste Zeitschrift rausbringe. Für Werbung zahlen die Preise, davon träumen normale Angestellte nur. Und je größer unsere Auflage irgendwann sein wird, desto mehr können wir für die Anzeigen auch verlangen.« Dann nimmt er mich in den Arm, küsst mich auf die Stirn und fügt hinzu: »Du kennst mich, Süße, ich lasse lieber Taten folgen, als dir irgendetwas vorzumachen. Entscheiden musst am Ende du, wenn du arbeiten gehen möchtest, dann nur noch zum Spaß, okay?«

Also Spaß machen die Fahrten nach München und ein meist stressiger Job in einer Unternehmensberatung garantiert nicht. Überstunden sind dort an der Tagesordnung und ich kann John unmöglich bei seinem Pensum auch noch die Kinder aufhalsen. Ich werde ihm auf jeden Fall den Rücken freihalten müssen. Kinder und Job, das bringe ich schon irgendwie allein unter einen Hut. Aber schaffe ich das zeitlich überhaupt?

Letztlich entscheiden wir gemeinsam, dass es bei mindestens zwei Stunden Fahrzeit von und nach München besser für mich und die Kinder sei, wenn ich meinen Job kündige. Somit kann ich mir meine Zeit mit den Kindern frei einteilen und John bei allem was kommt unterstützen.

Gemeinsame Zeit in Garmisch

Endlich Wochenende! Es klingelt. Die Jungs werden wie jedes zweite Wochenende von ihrem Vater abgeholt. John hat bisher nichts Genaues verraten, nur dass er eine ganz besondere Überraschung für uns bereithält. Neugierig komme ich vom Parkplatz wieder hoch.

John nimmt mich in den Arm und erzählt mir fröhlich von unserem ersten Kunden. Er zahlt zwar kein Geld, aber für eine Seite in unserem Heft bekommen wir zwei Nächte, inklusive Halbpension, in einem Nobelhotel direkt in Garmisch. John möchte heute noch losfahren. Im ersten Moment finde ich es ein wenig schade, dass die Jungs nicht dabei sein können. Gleichzeitig freue ich mich wahnsinnig auf unseren spontanen Kurzurlaub.

Plötzlich halte ich inne: »Aber morgen ist doch Marcs Geburtstag, da sind wir eingeladen. Er wird vierzig und der halbe Ort kommt.« »Tut mir leid, Süße, das hatte ich völlig vergessen. Jetzt habe ich fix gebucht, ich wollte dir so bald wie möglich eine Freude machen.«

Ich bin traurig. Es ist das erste Mal, seit wir hier wohnen, dass uns jemand einlädt. So gerne wäre ich mit John gemeinsam hingegangen. Die meisten hier im Ort kennen John noch nicht einmal. Allerdings, so ein Kurzurlaub im Hotel, mit Schwimmbad, Sauna und leckerem Essen klingt schon sehr verlockend.

Ein wenig bedrückt sage ich Marc ab. Auch Linda gebe ich schnell noch Bescheid. Ihre Reaktion: »Du musst wissen, was du tust«, macht mich traurig. Von meiner besten Freundin hätte ich mir ein wenig mehr Verständnis erhofft. Sie hat miterlebt, wie hart ich die letzten beiden Jahre für unser Glück gekämpft habe. Da ist es doch nachvollziehbar, dass ich mich auf ein Urlaubswochenende im Hotel freue. John sieht meine Enttäuschung und versucht mich aufzubauen: »Hak’s schnell ab, war bestimmt nicht so gemeint. Sie hatte halt gehofft, dass du morgen dabei bist. Also los, pack deine Sachen, dann fahren wir los.«

In Garmisch angekommen, werden wir vom Fernseher in unserem Zimmer mit »Herzlich Willkommen Herr und Frau Jackson« empfangen. Ich bin glücklich.

Es sind nur zwei Tage, und dennoch, es fühlt sich irgendwie ganz besonders an. Zwei Tage, in denen John mir so nah ist, zwei Tage, in denen ich mich wieder neu in ihn verliebe und zwei Tage, von denen ich jede Sekunde mit ihm voll auskoste.

Zunächst schlendern wir bei schönstem Wetter durch den Ort. Geld zum Shoppen haben wir zwar beide keins, aber den einen oder anderen Cocktail in der Sonne lassen wir uns trotzdem schmecken.

Zurück im Hotel erwartet uns ein fantastisches Fünf-Gänge-Menü. Lange sitzen wir im Restaurant, schlemmen und planen unseren morgigen Trip. Anschließend werden wir im Zimmer von einer eisgekühlten Flasche Prosecco mit frischen Erdbeeren überrascht. Hat John die etwa bestellt? Wieder spricht er den halben Abend von unserem Nesthäkchen und wie angekommen er sich in unserer Familie fühlt. Er hätte nie gedacht, dass er jemanden mal so sehr lieben könnte wie mich. Mir geht es nicht anders. In seinen Armen liegend, weiß ich endlich was es heißt, seinen Traummann gefunden zu haben. Mehrfach stoßen wir auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub an. John verspricht mir, dass viele weitere folgen werden.

Nach einer kurzen Nacht stehen wir zeitig auf. Schnell noch frühstücken und dann fahren wir mit dem Auto bis zum Parkplatz vorm Skistadion. Von dort aus starten wir unsere Wanderung auf die Zugspitze. Für den Weg über die Partnachklamm sollten wir circa acht bis neun Stunden einplanen, meinte die Dame an der Rezeption.

Auf halben Weg wird es in der Mittagssonne richtig heiß. Schwer bepackt mit Essen, Trinken und nun auch noch unseren Jacken und Pullis geht es seit Stunden bergauf. Steile Geröllfelder erfordern uns zum Teil alles ab.

Die Landschaft ist beeindruckend schön. Oft bleiben wir stehen und halten den fantastischen Ausblick mit der Kamera fest. Immer wieder merke ich, wie perfekt John für mich ist. Wir sind uns so ähnlich. Ich bin froh, dass wir auch im wahren Leben dieselben Interessen haben. Es war also nicht nur leeres Geschwätz in seinen Briefen. Im Gegenteil, solche Tage zeigen mir, wie gerne auch er im Freien aktiv ist. Es gibt bestimmt nicht viele Paare, die so einen Bergmarathon ohne Training anpeilen.

Voller Stolz schauen wir beim Mittagessen von der Partnachalm nach unten. Kaum zu glauben, dass wir das alles gelaufen sind. Auch wenn es uns zu diesem Zeitpunkt bereits schwerfällt wieder aufzustehen, der kurze Zwischenstopp tat gut!

Nach der nächsten Kuppel sehen wir, was noch vor uns liegt. John schaut mich hilfesuchend an. Er bittet mich, das letzte Stück von der Knorrhütte bis zum Gipfel mit der Seilbahn zu fahren. Kopfschüttelnd lehne ich ab. Gemeinsam kämpfen wir die letzten drei Stunden Meter für Meter weiter. Am Schluss müssen wir entlang eines gespannten Seils nach oben klettern. Ich habe fast schon Mitleid mit John, während ich ihn immer wieder motiviere weiterzulaufen.

Am Gipfel angekommen, sind die Strapazen der letzten Stunden schnell vergessen. Die Aussicht hier ist atemberaubend. Strahlendblauer Himmel lässt uns hunderte von Kilometern in die Ferne blicken. Wir schauen über die Alpen und entdecken unzählige kleine Bergseen. Dank zahlreicher Fotos und Videos möchte John uns diesen Trip unvergesslich werden lassen.

Dann besetzt er uns zwei Sonnenplätze. Ich hole die Getränke und für John Gulaschsuppe und Germknödel. Er meint, er esse diese merkwürdige Kombination schon immer, wenn er in den Bergen wandern geht. Ich schaue ihm beim Essen zu und freue mich auf unser leckeres Abendessen im Hotel. Das haben wir uns heute wirklich verdient.

Nach dem Essen zeigt John mir stolz auf seinem Handy, wie viele Fans unsere Bergwanderung mit ihrem Like belohnen. Auch für mich wird Facebook langsam zur Droge. Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich ständig auf mein Handy schaue, um nachzusehen, ob unsere Fanzahlen schon wieder gestiegen sind und bei welchen Beiträgen wie viele Likes dazukommen. Manchmal gebe ich John Tipps, die er sich dankbar lächelnd anhört.

Schließlich fahren wir mit der letzten Seilbahn hinab ins Tal. Achtundsechzig Euro für die Talfahrt erschlagen mich zwar fast, aber runterzulaufen wäre allein schon aufgrund der Uhrzeit keine Option gewesen. In der Bahn übermannt mich urplötzlich ein Flashback. Panisch klammere ich mich an John. Schnell realisiere ich jedoch, er muss ja gar nicht wieder weg am Sonntag. Nein! Auch morgen haben wir den ganzen Tag für uns. Kaisheim ist vorbei! Ich fühle, wie sich meine plötzliche Anspannung wieder legt. John küsst mich liebevoll und eine neue Woge der Glücksseligkeit durchfährt mich.

Alles fühlt sich perfekt an. Zurück im Hotel schlemmen wir erneut über Stunden an unserem Fünf-Gänge-Menü. Danach können wir uns kaum noch bewegen. Oben im Zimmer nehme ich ein erholsames Bad in der großen Wellness Badewanne.

Am nächsten Morgen genießen wir ein ausgiebiges Frühstück. Das Buffet ist der Wahnsinn, nach dem dritten Teller Lachs, zwei Omeletts und ganz viel frischem Obst lehne ich mich vollgefuttert zurück. Abschließend trinke ich noch einen Cappuccino. Das Leben ist so schön! Nichts und niemand kann uns mehr trennen.

In Ruhe packen wir zusammen, checken aus und danach gehen wir bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Garmischer Sprungschanze. Die vielen Treppen nach oben machen uns heute richtig zu schaffen, jeder Schritt tut dabei weh. Doch wieder lohnt sich die Anstrengung, auch von hier ist der Blick ins Tal beeindruckend.

John schlägt vor, gemeinsam mit den Jungs zum Neujahrsspringen herzufahren. Er will versuchen, Karten für uns zu bekommen und wieder ein Hotel zu finden, welches in unserer Zeitschrift werben möchte. Was für eine schöne Idee. Live bei einem Skispringen dabei zu sein, war schon immer mein Traum und für die Kinder wäre es ein wahnsinnig tolles Erlebnis.

In Garmisch essen wir noch gemütlich zu Mittag und anschließend fahren wir nach Hause. Auf der Heimfahrt ruft Linda an. Sie ist auf dem Weg zu mir und möchte mich abholen, um mit den Hunden spazieren zu gehen. Ich bin überrascht, es ist das erste Mal seit wir in Seeshaupt wohnen, dass sie mit mir spazieren gehen will. Dabei weiß sie doch, dass wir nicht daheim sind. Was soll der Anruf also?

Danach schütte ich mein Herz darüber aus, wie wenig Zeit Linda und ich miteinander verbringen. Eigentlich sind wir doch gerade wegen ihr hierhergezogen. Und heute, wo sie endlich mal von sich aus anruft, muss ich ihr absagen. Mitfühlend legt John mir seine Hand aufs Knie. Es tut ihm leid, dass mich Lindas Verhalten so mitnimmt. Er meint, sie hat das mit Absicht gemacht, gerade weil sie wusste, dass ich heute nicht kann. Ich schüttle den Kopf: »Nein, das glaube ich nicht, sie hat es bestimmt vergessen.«

Zu Hause haben wir noch ein paar Stunden für uns. Am Abend kommen die Kinder zurück und laufen John jauchzend in die Arme. Ich freue mich über diesen Anblick mehr, als ich es in Worte fassen kann.

Johns erste Dienstreise

Die Jungs sind im Kindergarten, ich begleite John noch rüber zum Zug. Am Bahnhof bittet er mich, sein Ticket mit meiner AMEX zu bezahlen, damit wir die Bonuspunkte gutgeschrieben bekommen. Überrascht antworte ich: »Aber deine Fahrkarte wolltest du doch online bereits vor zwei Wochen buchen. Damals wäre sie doch viel billiger gewesen.« »Ja, schon, nur da wusste ich nicht, ob wir am Ende nicht doch mit dem Auto fahren. Außerdem wollte ich Linda noch überzeugen, mich auf diese Messe zu begleiten. Leider hat sie mein Angebot nicht angenommen.« Ich bleibe ruhig, fühle mich jedoch nach Johns Abreise irgendwie ausgenutzt.

Schon zwei Minuten später habe ich eine Nachricht auf dem Handy:

Süße, glaub mir, nach diesem Wochenende haben wir es geschafft. Noch heute Abend treffe ich die ersten Kunden. Alle sind total gespannt auf das neue Heft. Ich liebe dich! Genieß die zwei Tage mit den Jungs und erhol dich ein bisschen.

Erholen ist gut, verdrehe ich die Augen. Trotzdem bauen mich seine stetigen Liebesbekundungen während der Zugfahrt auf. Es ist schön, jemanden gefunden zu haben, dem die Familie so am Herzen liegt.

Nach seiner Ankunft schickt er mir über WhatsApp ein Video von seinem Hotelzimmer. Er geht in jeden Raum und teilt mir betrübt mit, wie schade es ist, dass ich nicht bei ihm bin. Mit einem dicken Kuss in die Kamera verabschiedet er sich zum Geschäftsessen. Ich vermisse ihn fast so sehr wie zu Knastzeiten. Doch dieses Mal ist es zum Glück nur für ein Wochenende.

Bereits am nächsten Morgen habe ich eine Nachricht von John, in der er mir mitteilt, wie erfolgreich sein Dinner war und wie sehr er sich schon wieder auf uns freut. Sofort ist der Tag noch sonniger. Ich packe unser Badezeug, schnappe die Jungs und wir gehen zum See.

Zwischendurch ruft John jedes Mal ganz euphorisch an, wenn er wieder einen neuen Kunden hat, der definitiv im nächsten Heft eine Anzeige bucht. Er rechnet mir vor, was dies bei fünftausend Euro pro Anzeigenseite bedeutet. Wow, das wäre ja ein Vermögen, was er da an nur einem Wochenende verdient. Ich kann das gar nicht glauben, John ist wirklich ein Genie!

Zurück von seiner Reise, erzählt er mir stolz, dass fünf Firmen sicher gebucht haben und einige seiner früheren Kunden müssen erst Rücksprache mit ihrem Chef halten, da das MEN’S MAGAZINE momentan noch zu unbekannt ist. Anschaulich berichtet er mir noch einmal, wie sehr sich alle gefreut haben, ihn endlich wiederzusehen und wie schmerzlich er die letzten Jahre vermisst wurde. Am meisten erzählt er von seinem Kumpel, der bei Adidas arbeitet. Der hat wohl früher schon immer bei ihm gebucht und möchte ab unserer zweiten Ausgabe das gesamte Jahr Anzeigen schalten. »Weißt du was das heißt, Süße?« Ohne meine Antwort abzuwarten, gibt er mir einen Kuss und wirft hinterher: »Dass ich am Wochenende mal eben fünfundzwanzigtausend Euro verdient habe und viele weitere Kunden nach dem ersten Heft folgen wollen. Die waren so begeistert, das glaubst du nicht.« Ich staune wortlos und bin beeindruckt.

»Ach und weißt du was? Ich habe dir doch von dem einen Typen, dem Christian, erzählt. Dem habe ich vor meiner Inhaftierung monatlich eintausend Euro fürs Marketing gezahlt, obwohl er letztlich fast keine Kunden gebracht hat.» John hält kurz inne und schaut, ob ich ihm folgen kann. Ich nicke. Er hatte mir tatsächlich bereits von diesem Christian berichtet, dass er dessen Kinder jahrelang mit Prototypen von Klamottenfirmen ausgestattet hat. Damals hatte ich mich schon gefreut, dass John mit unseren Jungs gute Abnehmer für die Werbeartikel der einzelnen Firmen haben wird.

»Jedenfalls hat genau dieser Typ dafür sorgen wollen, dass Leki nicht bei uns bucht.« »Ist nicht wahr!«, falle ich ihm entsetzt ins Wort. »Doch Süße, die Anna von Leki, die kenne ich wie gesagt auch schon ewig. Sie hat sich zunächst so gefreut, mich wiederzusehen und mir sofort eine Anzeige für die erste Ausgabe zugesagt. Und dann komme ich später zufällig dazu, als der Christian ihr gerade mitteilt, dass John, dieser Betrüger, wieder da ist.« Ich bin entsetzt: »Was für ein gemeiner Kerl!« John nimmt mich in den Arm und versichert mir, dass die Anna ihm seine Lügen eh nicht glauben wird. Trotzdem scheint er sehr bedrückt zu sein. Wieder fallen ihm genau die Menschen in den Rücken, für die er damals am meisten getan hat.

Auch mich beschäftigt das Thema noch bis spät in die Nacht. Irgendwann finde ich mich damit ab, dass es leider immer solche Leute geben wird, die mit Johns Vergangenheit nicht umgehen können. Entweder wollen sie ihm schaden oder sie sind neidisch auf uns. Ich werde lernen müssen, damit klarzukommen.

Am nächsten Morgen, die Jungs sind bereits im Kindergarten, falle ich John um den Hals: »Ich bin so froh, dass du wieder da bist. Diese zwei Tage ohne dich fühlten sich an wie eine Ewigkeit.« John lacht und küsst mich liebevoll auf die Stirn: »Ach Süße, ich komme doch immer wieder nach Hause. Ich werde euch niemals wieder alleinlassen. Ihr seid das Beste, was mir je passieren konnte.«

Dann holt John seinen Rechner und zeigt mir zufrieden die ersten Seiten unserer Zeitschrift. Er hat die ganze Nacht am Computer gesessen. »Jetzt, wo ich weiß, dass das MEN‘S MAGAZINE so gut ankommt, macht arbeiten wieder richtig Spaß. Ich möchte unsere Zeitschrift ganz bald auf den Markt bringen. Dann kann ich endlich deinen Sparstrumpf wieder auffüllen.«

Ich verkneife mir jeglichen Kommentar dazu. Trotzdem bringt mich dieser Spruch innerlich auf die Palme! Genau diese Worte hat er mir schon während seiner Haftzeit des Öfteren geschrieben. Dabei sind es gerade Johns nicht enden wollende Kosten, warum ich in den letzten Jahren überhaupt so sparen musste.

Mit den beruhigenden Nachrichten der ersten Anzeigenverkäufe lege ich mich am Abend zufrieden ins Bett. Fünf Minuten später geht die Türe auf. John hüpft zu mir unter die Bettdecke, kuschelt sich an mich und meint: »Aber bevor ich weiterarbeite, sollten wir uns noch um unser Nesthäkchen kümmern.« Verliebt grinse ich ihn an und lasse mich verführen.

Ich liebe diesen Mann und ich bin froh, dass wir uns auf so unglaubliche Art und Weise wiedergefunden haben.

Unsere erste Zeitschrift kommt raus

Die nächsten Tage arbeitet John rund um die Uhr. Zunächst schreibt er sämtliche Druckereien in Deutschland und Österreich an. Ich frage ihn, warum er nicht einfach per Suchmaschine die Günstigste raussucht. Daraufhin erklärt er mir ausführlich die enormen Preisunterschiede und den Verhandlungsspielraum bei einer Auflage von zehntausend Stück. Das leuchtet mir ein.

Dann zeigt er auf seinen Bildschirm und meint: »Zusätzlich lege ich sehr viel Wert auf ein gutes Papier. Selbst wenn das im ersten Moment vielleicht teurer erscheint, auf lange Sicht rechnet es sich, denn zufriedene Kunden kaufen wieder. Wirst sehen, ganz bald haben wir die ersten Abos in der Tasche. Früher hatte ich immer um die tausend Abonnenten.« Zufrieden antworte ich: »Ich bin froh, dass du dich in diesem Geschäft bereits so gut auskennst und die Kunden dich schon kennen.«

Den Firmen, die im Voraus das Geld für die Anzeige überweisen, bietet er fünf Prozent Skonto an. Ich nehme es zufrieden zur Kenntnis. Mit diesem Geld, was vorab reinkommt, sollten wir die Druckkosten locker bezahlen können.

Die nächsten Wochen ist John damit beschäftigt, das Heft ins richtige Format zu setzen und die ersten Texte einzufügen. So langsam nimmt unsere Zeitschrift richtig Gestalt an.

Für mich total überraschend, kann John das erste Fotoshooting kostenfrei von zu Hause erledigen. Die Fotografin hat er über Facebook kennengelernt, das Model bringt sie direkt mit und eine Visagistin springt auch spontan mit ein. »Und die machen das alle drei komplett umsonst für dich?«, frage ich erstaunt. »Na klar, was denkst du denn? Das Model ist mir sogar extrem dankbar, dass sie auf dem Cover sein darf. Im Innenteil bekommt sie noch eine Bilderstrecke von etwa sechs bis zwölf Seiten. Das kam früher schon sehr gut an bei den Lesern.« »Also dass unbekannte Models dieses Sprungbrett nutzen wollen, verstehe ich ja, aber dass die Fotografin ebenfalls einen ganzen Tag kostenlos arbeitet, kann ich fast nicht glauben.« John lacht: »Einen Tag? Schön wär’s. Die sitzt da garantiert zwei bis drei Tage dran. Sie wählt mir die Bilder ja auch noch aus und bearbeitet sie für mich. Aber auch sie freut sich, dass ich sie dafür auf dem Rücktitel erwähne. Ist schließlich Werbung für sie.«

Meine Mom ist ebenfalls sehr überrascht: »Und die arbeiten echt kostenlos für euch?« »Ja!«, antworte ich ihr am Telefon. »Verrückt, oder? Selbst Journalisten stellen uns ihre Texte einfach so zur Verfügung. Das war wohl früher schon so. Laut John musste er noch nie für Models, Fotografen oder die Inhalte seiner Zeitschrift zahlen.« »Echt seltsam, wie das in der Branche offensichtlich abläuft.« Egal, gerne nehmen wir es zur Kenntnis. Ich lege auf und setze mich an den Rechner.

Inzwischen lesen meine Mom und ich die Zeitschrift bereits das dritte Mal Korrektur. Wieder finden wir Fehler, die wir John schon mehrfach zum Ausbessern vorgelegt haben. Ihn lässt das völlig unbeeindruckt: »Keine Sorge, das stört die Leser nicht. Die sehen eure Feinheiten nicht einmal. Also macht euch nicht so viel Arbeit. Glaubt mir, die Zeitschrift wird perfekt.« Wir können Johns Einstellung hier nicht nachvollziehen.

Zwei Tage später bekommt John die ersten einhundertfünfzig Fotos von der Fotografin. Bis zum Abend können wir uns auf ein geniales Coverbild einigen. Nach wenigen Tagen hat John auch die sexy Bilderstrecke für den Innenteil zusammengestellt. Die ausgewählten Fotos sind sportlich, elegant, freizügig und gleichermaßen ansprechend für Männer und Frauen.

Zwischenschritte veröffentlicht John immer wieder auf Facebook. »Um die Vorfreude der Leser zu steigern«, bejubelt er seinen eigenen Beitrag. »Also, ich persönlich finde, dass du uns momentan viel zu erfolgreich darstellst, zumal wir bisher noch keinen einzigen Cent verdient haben. Kein Wunder, dass Linda vielleicht wirklich ein wenig eifersüchtig ist.« John zuckt nur mit den Schultern: »Was interessiert mich Linda? Diese Art von Marketing ist wichtig für uns! Kunden zahlen nur für Werbung, wenn das Heft auch fliegt. Vertrau mir, ich kenne das Geschäft.«

Ich setze mich zurück an den Rechner. John hat es geschafft, dass unsere Seite genauso viele weibliche Fans hat wie männliche, trotz des Namens MEN’S MAGAZINE. Ich checke Facebook seit Wochen gefühlt dreihundertmal am Tag und die Zahlen gehen nach wie vor durch die Decke. Was passiert erst, wenn unser Heft rauskommt? Allein das Cover zählt inzwischen weit über einhundert Likes.

Plötzlich kommt der Knaller. John springt mir von der Treppe mit den Worten entgegen: »Weißt du, wer mich gerade angerufen hat? Die Agentur von George Clooney, er ist für uns im nächsten Heft vertreten.« Ich lächle etwas gequält. »Ja klar, veräppeln kann ich mich selbst.« »Glaubst du mir etwa nicht?«, fragt John spürbar geknickt. »Hallo? George Clooney, was will der denn bitte in unserem Heft und wieso sollte seine Agentur dich anrufen?« »Sie haben wohl über Dritte erfahren, dass da gerade ein ganz neues interessantes Männermagazin auf den Markt kommt. Und da George Clooney derzeit weltweit jungen Startups helfen möchte, sind wir doch quasi wie gemacht dafür. Übrigens, ganz so absurd wie du gerade tust, ist es jetzt auch wieder nicht. Ist schließlich Werbung für ihn.« Ich denke mir meinen Teil und muss zurück in die Küche, das Wasser kocht. Mit der Reaktion hat John offenbar nicht gerechnet. Beleidigt dreht er sich um: »Ich geh ins Büro, unser Cover überarbeiten.«

Einen Tag später lese ich den gerade eingestellten Facebook-Eintrag. Auf dem angehängten Cover sieht man ein Bild von George Clooney in den Armen unseres Models. »Wow! Es stimmt also doch«, murmle ich vor mich hin und beginne zu lesen.

Aufgrund der überraschenden Ankündigung am vergangenen Freitag, dass George Clooney uns zu unserem Uhren-Special zur Verfügung stehen wird, war es unumgänglich, unsere Zeitschrift auf diese Neuigkeit hin anzupassen! Auch wenn das für uns hieß, dass wir Nachtschichten schieben mussten, war es uns das wert! Wir präsentieren euch hier das überarbeitete Cover unserer nächsten Ausgabe. Ab Mitte September könnt Ihr sie im Zeitschriftenhandel in ganz Deutschland, sowie in Teilen von Österreich und der Schweiz erhalten. Unser Cover-Girl Miryam wird es wohl freuen, welche Frau hätte nicht gern #GeorgeClooney zu ihren Füßen liegen...!? Oder in unserem Fall noch passender - in ihren Armen...!

Es stimmt also doch, George Clooney ist in unserem Heft vertreten. John hat die Rechte für mehrere Fotos von ihm bekommen. Er darf selbst auf der Coverseite mit George Clooney werben. Trotzdem frage ich mich: Die Leser sind doch nicht blöd, die sehen doch auch, dass diese Bilder von einer anderen Werbeplattform stammen, oder nicht? In Johns Text klingt es gerade so, als hätten wir ein Fotoshooting mit George Clooney persönlich gemacht. Sein Beitrag jedenfalls wird innerhalb weniger Stunden x-fach geliked und geteilt.

In drei Tagen ist Abgabe bei der Druckerei. John arbeitet seit gestern rund um die Uhr. Auch ich lese in jeder freien Minute Korrektur, einschließlich abends, wenn die Jungs im Bett sind. Todmüde mache ich weit nach Mitternacht das Licht aus. John ist noch immer oben im Büro. Wenig später geht die Türe auf. »Süße, ich kann es noch gar nicht glauben. In nicht einmal einer Woche erscheint unser Heft in den Läden. Dann haben wir endlich wieder mehr Zeit für unser Nesthäkchen.« Liebevoll kriecht er zu mir unter die Bettdecke. Wir genießen die Ruhe und die momentan wenige Zeit für uns. Später geht John wieder hoch ins Büro. Er möchte noch unsere angestrichenen Fehler ausbessern, das sei ihm jetzt wichtiger als zu schlafen. Keine Ahnung, woher er diese Energie nimmt.

Momentan mag ich mir gar nicht vorstellen, dass wir schon in zwei Monaten die nächste Ausgabe rausbringen wollen. Doch John weiß mich zu beruhigen: »Mach dir keine Sorgen, Süße. Nur im ersten Heft steckt so extrem viel Arbeit, da ich das Format erst aufbauen musste. Außerdem war das Anschreiben der ganzen Erstkontakte, wie Druckereien, Fotografen und Journalisten extrem zeitaufwendig. Aber all das wird ab jetzt wieder zur Routine.« Das stimmt, insbesondere bei der Suche nach der richtigen Druckerei gingen viele Wochen ins Land. John wollte einfach nicht denselben Fehler machen wie damals und hat akribisch im Netz recherchiert.

Sei’s drum, der Termin morgen bei der Druckerei steht. Doch langsam werde ich ungeduldig. Bisher hat John keinerlei Andeutungen gemacht, dass einer seiner Kunden bereits bezahlt hat. Auch im Heft sehe ich nicht annähernd die Werbeseiten, von denen er nach der Messe gesprochen hat. Auf mein Nachfragen hin, rudert John ein wenig zurück: »Die meisten meiner Kontakte müssen nun doch die erste Zeitschrift abwarten, bevor sie buchen dürfen. Das ist leider alles viel strenger geworden als früher. Damals hat ein Handschlag auf der Messe ausgereicht, heute sitzt das Geld für Marketing scheinbar nicht mehr so locker. Aber ist nicht so tragisch, alle haben mir zugesagt, dass sie ab der zweiten Ausgabe einsteigen dürfen.«

Am späten Abend, ich bin gerade am Einschlafen, kommt John ins Schlafzimmer und bittet mich diese letzten zwei Seiten noch Korrektur zu lesen. Schlaftrunken mache ich das Licht an und setze mich noch einmal eineinhalb Stunden hin, um jeden Fehler zu markieren. John geht sie anschließend am Rechner ausbessern und kommt danach zu mir ins Bett. Erschöpft aber glücklich schlafen wir gemeinsam ein.

Endlich ist der große Tag gekommen. Das Heft ist abgeschickt und es gibt kein Zurück. Somit haben wir genau drei Monate nach Johns Entlassung unsere erste Zeitschrift auf dem Markt.

Um neun war Abgabe, halb zehn ruft die Druckerei an. Sie können erst anfangen zu drucken, wenn die siebentausend Euro Anzahlung überwiesen sind. »Und wie willst du das jetzt machen?«, frage ich erstaunt. »Das weiß ich auch nicht, von einer Anzahlung war bisher nie die Rede. Früher habe ich das immer im Anschluss per Rechnung von den Einnahmen bezahlt. Aber das Heft muss dringend auf den Markt! Unsere Vertriebsfirma ist ebenfalls bereits gebucht.« »Oh man«, springe ich entsetzt auf. »Das kann doch nicht dein Ernst sein! Unsere viele Arbeit, so lange haben wir auf diesen Tag gewartet. So was muss man doch vorher abklären! Und was machen wir jetzt?« John zuckt nur mit den Schultern.

Ich kann das gerade echt nicht glauben, ich muss mich setzen. Dann rede ich mir ein, wir sind eine Familie, am Ende des Tages ist es doch egal, von welchem Konto was gerade kommt. Ich ringe mich also dazu durch, diese Kosten auch noch zu übernehmen. Bringt ja jetzt nichts, hier sinnlos rumzusitzen und zu warten. Auf was auch? Woher soll John das viele Geld nehmen? Das Heft ist fertig und muss verkauft werden! Hauptsache, seine Kunden zahlen bald.

Mein Spontanbesuch bei Linda

Vier Tage später klingelt es an der Haustür. Ich kann es nicht glauben, es ist ein Vollstreckungsbeamter. Er will John sprechen und hat eine Rechnung von etwas über tausend Euro in der Hand. Dieser offene Betrag stammt wohl noch aus der Zeit vor seiner Inhaftierung.

Die beiden gehen ins Nebenzimmer. Dort besprechen sie die Details, wie John mit kleinen monatlichen Beträgen diese und scheinbar noch einige andere offene Rechnungen abzahlen kann. Nach meinem anfänglichen Schock bin ich schließlich beruhigt, es handelt sich um monatlich fünf Euro, die John jetzt eben auch noch abstottern muss.

Zuletzt geht der Gerichtsvollzieher in jedes Zimmer. Es läuft ab wie im Fernsehen, nicht einmal das Kinderzimmer lässt er dabei aus. Oben im Büro deutet er fragend auf den iMac mit dem riesigen Bildschirm und dem All-In-One-Drucker. »Sieht beides ganz neu aus. Sind das Ihre Besitztümer, Herr Jackson?« »Nein!«, antwortet John bestimmt. »Alles hier in dieser Wohnung gehört meiner Lebensgefährtin!« Ich nicke bestätigend. Die ganze Zeit über habe ich nur einen Gedanken: »Für seine alten Rechnungen zahle ich definitiv nicht auch noch!«

Als der Typ wieder geht, grinst John übers ganze Gesicht und erzählt mir, dass die meisten Firmen seine offenen Rechnungen bereits abgeschrieben haben. Auch die anderen Gläubiger sind wohl happy, wenn John sich auf einen Vergleich einlässt. Somit werden seine Schulden von damals entweder gefünftelt oder sogar ganz erlassen.

Ich kann Johns Freude nicht mit ihm teilen. Im Gegenteil, ich hatte keine Ahnung, dass er immer noch offene Beträge von früher hat. Ich dachte, dafür saß er im Gefängnis. Er kann doch nicht einmal seine aktuellen Ausgaben zahlen und jetzt auch noch das. John reagiert genervt: »Komm mal wieder runter, Lara! Es geht hier um monatlich fünf Euro. Keine Sorge, ich zahle meine Rechnungen zukünftig selbst!«

In dem Moment klingelt es schon wieder. Die Lieferung unserer Hefte ist da. Gemeinsam laufen wir die Treppe nach unten.

Mich trifft fast der Schlag. Vor unserem Hauseingang liegen zwei große Paletten voll mit Zeitschriften. »Ich dachte, du hattest eine Firma beauftragt, welche die Geschäfte direkt beliefert?« »Hab ich doch auch, diese hier habe ich zusätzlich bestellt! Wir sind halt sehr gefragt!«, grinst mich an und drückt mir einen dicken Kuss auf den Mund. Dann reißt er einen Karton auf, nimmt ein Heft heraus und blättert durch. Aufgeregt schaue ich ihm über die Schulter. Wow, unser erstes Magazin, was für ein tolles Gefühl!

Danach tragen wir die insgesamt achthundert Zeitschriften die Treppe hoch und stapeln sie im Flur vor unserer Eingangstür. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir fertig. Wir lassen die Tür unten offen, denn schon jetzt stinkt das ganze Treppenhaus nach Druckerschwärze.

Ich nehme mir ein Heft und lege mich entspannt auf die Couch. Das ist es also, das MEN’S MAGAZINE, unser Baby! Enttäuscht stelle ich fest, dass John einige Fehler doch nicht ausgebessert hat. Fehler, die wir ihm mehrfach korrigiert zurückgegeben haben. Selbst auf den beiden Seiten, die ich ihm in der letzten Nacht unbedingt noch überarbeiten sollte, hat er vieles übersehen. Auf meinen frustrierten Blick hin, winkt er entspannt ab: »Das tut mir leid. Aber denk dir nichts, unsere Leser sind nicht so kleinlich. Für die zählt nur die Aufmachung.« »Wenn du meinst«, wende ich mich enttäuscht ab. Es fühlt sich abwertend an. Ich frage mich, wofür dann die viele Mühe, die meine Mom und ich uns gemacht haben. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Leser so denken wie John.

Ich schnappe mir drei Zeitschriften und bin auf dem Weg zu Linda. Bevor ich gehe, drückt John mir unsere aktuellen Anzeigenpreise in die Hand. Er bittet mich Linda zu fragen, ob sie uns Werbekunden bringen mag. Sie bekommt dafür zwanzig Prozent vom Anzeigenpreis. »Wow, das wären ja dann eintausend Euro pro Seite. Können wir uns das leisten?« »Ja logisch, das habe ich damals schon so gemacht. Wenn es mir gut geht, soll es denen, die mir helfen, ebenfalls gut gehen. Kannst du auch gerne deiner Mom ausrichten. Wenn sie uns Kunden bringt, wird sie sehr schnell richtig gut verdienen.« »Super Idee, ich bin mir sicher, dass wir mit beiden erfolgreich zusammenarbeiten werden. Aber trotzdem, eine Sache ist mir wirklich wichtig! Linda bekommt die Werbung für ihre Firma auf jeden Fall kostenlos.« »Na klar, Süße, das habe ich ihr doch eh schon versprochen. Ich frage mich nur, warum sie nicht bereits in der ersten Zeitschrift vertreten sein wollte.«

Unangemeldet klingle ich bei Linda. Sie ist zu Hause und scheint ein wenig überrascht, mich zu sehen. Nach einer kurzen Umarmung, hole ich unser Heft aus der Tasche und drücke es ihr in die Hand. Sieht aus, als freut sie sich für uns. Auf jeden Fall ist sie sehr beeindruckt, dass unsere Zeitschrift bereits ab heute überall zu kaufen ist. »Aber John hat dir doch erzählt, dass Anfang September die erste Ausgabe rauskommen wird, oder?« Linda überhört meine Verwunderung. Stattdessen lobt sie unsere viele Arbeit: »Das ist ja Wahnsinn. Am Starnberger Anzeiger sitzt ein ganzes Team von Journalisten und Grafikern. Und der kommt trotzdem nur einmal im Vierteljahr raus. Wann habt ihr das denn alles gemacht?« »Puh«, stöhne ich, »eigentlich arbeiten wir seit Wochen Tag und Nacht.« »Das kann ich mir vorstellen, du siehst müde aus, Lara. Und sonst, geht’s euch gut?«, fragt sie mitfühlend. Ich möchte sie an unserer Situation teilhaben lassen, doch sie bekommt eine Nachricht und bittet mich kurz um Entschuldigung.

Während ich warte, geht mir so vieles durch den Kopf, was ich gerne mit Linda besprechen würde. Doch als sie zurückkommt, fragt sie nicht mehr nach und gedanklich ist Linda schon wieder ganz weit weg. Traurig stelle ich fest, wie oberflächlich unsere Gespräche geworden sind. Noch nie habe ich mich in ihrem Beisein so unwohl gefühlt wie heute. Sie wirkt so distanziert.

Dabei ist Linda neben meiner Mom die Einzige, die weiß, wie hart Johns Knastzeit für mich war. Wie es mir geht, seit er bei uns ist, scheint sie jetzt nicht mehr zu interessieren. Ich möchte ihr meine Bedenken wegen unserer immer mehr steigenden Kosten nicht aufdrängen. Außerdem hat John mir nahegelegt, wie wichtig es ist, dass wir nach außen hin gut dastehen und stets zeigen müssen, wie erfolgreich wir gestartet sind. »Aber Linda ist doch meine Freundin, und nicht irgendeine Geschäftspartnerin«, hatte ich John daraufhin geantwortet. Doch heute komme ich mir bei ihr irgendwie fehl am Platz vor.

Ich stehe auf und hole die Unterlagen aus meinem Rucksack: »Schau mal, John hatte eine gute Idee. Du hast doch sicherlich viele Kontakte, die daran interessiert sind, ihre Produkte günstig zu bewerben.« Auf ihr verdutztes Gesicht hin, halte ich kurz inne: »Ja nein, also du natürlich nicht!«, stottere ich. »Ihr sollt logischerweise keine Werbung in unserem Heft kaufen. Das ist ja wohl eh klar!« Ihre Gesichtszüge nehmen wieder Normalform an. Schnell erzähle ich ihr von den zwanzig Prozent Provision, woraufhin sie interessiert nachfragt. Schließlich verabschiedet sie sich mit den Worten: »Klingt gut. Ich werde mich auf jeden Fall umhören. Wir sehen uns ganz bald, okay? Grüß John von mir.«

Auf dem Heimweg schießen mir viele Gedanken durch den Kopf. Bilde ich mir das nur ein oder hat Linda sich wirklich verändert? Habe ich sie mit irgendetwas verärgert? Nein, das würde sie mir sagen, Linda ist eigentlich immer sehr direkt. Vielleicht hat sie gerade nur viel um die Ohren, drei Kinder und die Firma sind garantiert nicht ohne.

Trotzdem, für andere hat sie auch Zeit. Ich bin doch extra wegen ihr hierhergezogen. Und jetzt, fast ein Jahr später, kennen sich unsere Kinder kaum, obwohl sie im selben Alter sind. Für Felix ist Linda wie eine Fremde und Nic traut sich nicht einmal allein bei ihrem Sohn zum Kindergeburtstag zu bleiben. Viel zu selten haben unsere Jungs bisher, außerhalb des Kindergartens, miteinander gespielt.

Am Abend berichte ich John von meinem Treffen mit Linda und ihren zum Teil komischen Reaktionen: »Ich glaube, sie hat echt gedacht, ich will ihr eine Anzeige verkaufen. Dabei hast du ihr doch schon gesagt, dass sie bei uns kostenlos inserieren kann, oder?« »Klar hab ich das, steht außer Frage! Ich hatte ihr sogar angeboten, sie könnte den Lesern darüber berichten, wie sie als unbekanntes Label ihre Firma quasi aus dem Nichts aufgebaut hat. Wir bekommen einen interessanten Artikel und für sie ist es die beste Werbung, die sie derzeit kriegen kann. Nichts interessiert den Leser mehr als ein Tatsachenbericht. Doch auch darauf hat sie bisher nicht reagiert.«

Ich gehe in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. John ruft mich zurück: »Süße, nur eins darfst du mir nicht übelnehmen. Hinterherrennen werde ich Linda jetzt nicht mehr! Nicht, nach alldem, was sie da Anfang des Jahres, als ich noch im Knast saß, durchgezogen hat. Ich habe sie damals meinem Chef als seriöse und gutsituierte Kundin empfohlen. Sie hat ihren Katalog bei uns in der Druckerei günstig bestellt und hinterher nicht bezahlt. Angeblich wegen Druckfehlern«, wirft er sarkastisch hinterher. »Ich weiß«, winke ich traurig ab. »Jedoch hat sie bis heute keine Ahnung, wie sehr ich damals darunter gelitten habe, dass meine beste Freundin uns auf diese Art und Weise schaden musste. Ich kann mir nicht erklären, warum sie das getan hat. Sie wusste doch, dass ich zu diesem Zeitpunkt gerade so viel Geld für deinen Anwalt gezahlt hatte, damit du mit Halbstrafe rauskommst. Fünf Monate länger musste ich daraufhin auf dich warten.«

Wieder holt mich die Vergangenheit ein. Wieder bin ich den Tränen nahe. John nimmt mich in den Arm. Es tut gut, zu spüren, dass er mir diese Sache von Linda nie übel genommen hat. Ich möchte jedoch auch nicht, dass sie weiterhin zwischen uns steht und gebe zu bedenken: »Ich habe Linda nie erzählt, dass du deswegen länger sitzen musstest. Wir können ihr diese Geschichte also nicht ewig vorhalten. Sie war halt mit dem Druck unzufrieden.« Wieder rechtfertigt sich John: »Aber das lag nicht an mir! Ihre eigene Grafikerin war daran schuld und ich hatte Linda mehrfach auf die unscharfen Bilder hingewiesen. Bevor der Katalog in den Druck ging!« Ich stehe auf und möchte zurück in die Küche gehen. Erneut höre ich mir an, dass er Linda heimlich noch sechzig Kopien zusätzlich mitgeschickt hatte, die sie ja auch kommentarlos behalten hat.

Traurig drehe ich mich um: »Diese Geschichte immer wieder aufzukochen bringt uns beiden nichts. Außerdem bin ich mir sicher, dass Linda uns helfen wird, neue Kunden zu finden. Dann haben wir alle gewonnen. Und auf unsere über zwanzigjährige Freundschaft lasse ich sowieso nichts kommen. Ich bin froh, dass wir endlich im selben Ort wohnen.« John schüttelt den Kopf: »Ich weiß, dass sie deine beste Freundin ist, ich verstehe nur nicht, warum sie mein Angebot einer Werbeseite nicht bereits im ersten Heft genutzt hat. Und noch weniger verstehe ich, warum sie nicht mit mir zur Messe fahren wollte. Vielleicht mag sie mich nicht. Oder ihre komische Freundin hat irgendetwas Negatives über mich erzählt. Die konnte mich damals schon nicht leiden.« Ich winke ab: »Nein, das glaube ich nicht. Linda ist keine, die sich von anderen beeinflussen lässt. Sie kennt dich und hat mir immer wieder bestätigt, wie sehr sie dich mag und sich für uns freut.« »Na, wenn du meinst.« Ich nicke: »Ja, das meine ich. Und weißt du was? Zu ihrer Ladeneröffnung nächsten Monat schenken wir ihr noch einmal offiziell eine Anzeigenseite und zusätzlich bieten wir ihr den Tatsachenbericht über den Aufbau ihres Labels an, okay?« »Gut Süße, so machen wir’s.«

Unser Heft ist im Handel – Reaktionen, Likes und Statistiken

John muss heute schon früh los. Er bringt die Jungs noch in die Kita und möchte danach den nächsten Zug nach München nehmen. Auf meine Frage, warum er seinen Führerschein immer noch nicht zurückhat, antwortet er achselzuckend: »Keine Ahnung. Mein Kumpel musste nach seiner Entlassung noch ein halbes Jahr warten, bis er seinen Lappen wieder in den Händen hatte. Aber ich werde die Tage mal anrufen und nachhaken. Ist ja so kein Dauerzustand!«, drückt mir einen Kuss auf den Mund und verschwindet.

Während seiner Zugfahrt schickt er mir ständig Nachrichten aufs Handy. Genau wie früher freue ich mich über jede einzelne Zeile. Aus München postet er auf Facebook ein Foto von unserem Heft mit den Worten:

Unsere erste Zeitschrift ist da! Bestplatziert am Münchner Hauptbahnhof. Das MEN’S MAGAZINE – jetzt überall am Kiosk!

Nach nur wenigen Stunden hat dieser Beitrag schon sechsundvierzig Likes. Noch einmal nehme ich mir die Zeit, lege mich auf die Couch und blättere durch unser Heft. Ich bin immer noch erstaunt, wie locker flockig John das Vorwort am Abend vorm Abgabetermin aus dem Ärmel geschüttelt hat. Ich könnte nie so unter Druck arbeiten. John kann wirklich super schreiben, ich bewundere ihn dafür.

Auch wie er es geschickt meistert, seine Situation der letzten Jahre mit keinem Wort zu erwähnen. Im Gegenteil, er schafft es sogar, diese lange Pause nach außen hin als Vorteil für sich zu nutzen. In seinem Vorwort erwähnt er nur: »Nach einer sehr zeit- und arbeitsintensiven Umstrukturierung unserer Firma, sind wir jetzt endlich unter einem neuem Namen und mit einer größeren Auflage wieder da.« Wenn man das so liest, muss man John einfach glauben. Doch was denken die, die von seiner Inhaftierung wissen?

Am Abend ruft mich mein Cousin ganz verzweifelt an. Er hat unseren Beitrag auf Facebook gesehen und ist sofort durch den ganzen Ort gefahren, doch nirgends hat er unsere Zeitschrift gefunden, nicht einmal am Bahnhof. Ich frage John, doch der zuckt nur mit den Schultern und meint: »Bei einer Auflage von zehntausend Stück können wir natürlich nicht alle kleinen Nester beliefern. Aber wenn wir unseren Druck ganz bald auf hunderttausend Hefte hochschrauben, dann sind wir wirklich an jedem Kiosk in Deutschland vertreten.«

Nach dem Telefonat packe ich zwei Hefte ein und schicke sie meinem Cousin per Post. Auch meiner Mom und ihren Geschäftspartnern sende ich einige Ausgaben zu. Die liegen bei uns ohnehin nur auf der Treppe. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum John so viele Zeitschriften zu uns nach Hause bestellen musste. Das ganze Treppenhaus stinkt.

Zwei Tage später kann ich beim Aufwachen meinen Augen kaum trauen. Wir haben über Nacht mehr als fünfhundert neue Fans dazubekommen. Damit hat nicht einmal John gerechnet. Ich halte ihm das Handy direkt vors Gesicht. Überrascht reibt er sich die Augen und schaut noch einmal genauer hin: »Wow! Siehst du, ich hab‘s dir doch gesagt, wenn die erste Zeitschrift raus ist, geht es für uns steil nach oben.« »Ja, aber so schnell? Das Heft ist gerade zwei Tage im Handel.« »Süße, das hat man doch schon an den Zahlen vorher kommen sehen. Du hättest mal meine Kunden hören sollen, die konnten unsere Veröffentlichung kaum erwarten.«

Nach drei Wochen erhalten wir die ersten Statistiken vom Verkauf. Auch da liegen wir weit über unseren Vermutungen. Über die Hälfte der Hefte sind bereits vergriffen. Das heißt, es wurden jetzt schon mehr verkauft als damals in den gesamten acht Wochen, in denen Johns ehemalige Zeitschrift im Handel war. Unsere Lieferfirma ist somit komplett bezahlt und von nun an verdienen wir an jedem verkauften Exemplar. Zufrieden stoßen wir am Abend an.

Sponsor der Secret Fashion Show

»Weißt du wer gerade angerufen hat?« Gespannt schüttle ich den Kopf: »Keine Ahnung, wer denn?« »Der Typ, der die Secret Fashion Show veranstaltet. Sie wollen uns als Sponsor haben.« Fragend schaue ich John an: »Die Fashion Show in Berlin?« »Nein Lara, so weit sind wir leider noch nicht. Die Secret Fashion Show ist in München. Die ist zwar etwas kleiner, aber wirst sehen, danach sind wir mit einem Bein in Berlin.«

Wieder denke ich ein wenig zu laut: »Schön wäre, wenn da auch mal ein Cent bei rumkommt.« »Na klasse, und ich dachte du freust dich.« »Mach ich ja auch. Nur Sponsor? Heißt das, wir müssen dafür auch noch zahlen?« »Nein! Natürlich nicht. Im Gegenteil, die machen kostenlose Werbung für uns. Sie wollen uns unbedingt dabeihaben. Unser Logo wird überall im Raum zu sehen sein und die Goodie Bags für jeden Gast werden unsere Aufschrift haben. Auf jeder Eintrittskarte stehen unser Logo und die Webseite. Zusätzlich werben sie vorab online, wo wir immer mit erwähnt werden.«

»Das klingt toll, wie hast du das denn geschafft?« John zuckt überheblich mit den Schultern und meint: »Ich habe dir doch gesagt, ab jetzt fliegt das Ding. Ach ja, und wir bekommen zwölf VIP-Eintrittskarten, die wir verlosen können.« »Klasse! Aber vier davon behalten wir selbst, okay? Dann können wir endlich mal was mit Linda und ihrem Mann gemeinsam unternehmen. Sie wird sich bestimmt freuen und kann dort ebenfalls Kontakte für ihre Firma knüpfen.« John ist einverstanden, setzt sich an den Rechner und verfasst den nächsten Post auf Facebook.

Wir können Euch heute mit Freude verkünden, dass unser MEN‘S MAGAZINE ab sofort offizieller Medienpartner der Secret Fashion Show ist! Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit! Ab morgen startet unser Gewinnspiel für kostenlose VIP-Tickets, so stay tuned!

Über sechzigmal wird er innerhalb weniger Stunden geliked und geteilt. Auch die Anfragen bezüglich der Verlosung sind laut John riesig, jeder möchte dabei sein.

Am nächsten Morgen treffe ich Linda im Kindergarten beim Abgeben unserer Jungs. Sie erzählt mir von der vielen Arbeit mit ihrem neuen Laden, den sie bald bei uns im Ort eröffnen wird. Noch immer bin ich enttäuscht, ich habe von diesem Laden zunächst nur zufällig über Dritte erfahren. Als Linda mir dann Wochen später ganz nebenbei davon erzählte, standen ihre Neuigkeiten bereits seit Tagen im Internet.

Eigentlich wünsche ich mir, wann immer ich sie sehe, dass alles wieder ist wie früher, wir über alles reden können, uns jederzeit auf einen Kaffee treffen, uns mit den Kindern verabreden, einfach wieder eine richtige Freundin haben. Stattdessen antworte ich ihr, dass wir ebenfalls Tag und Nacht arbeiten.

Wir verabschieden uns mit einem kurzen Gruß und ich frage mich erneut, wann mir meine beste Freundin so fremd geworden ist. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich so vieles zwischen uns geändert hat.

Die Situation macht mich traurig. Ich will sie nicht verlieren und laufe ihr zügig hinterher. Ein wenig außer Puste stottere ich, dass wir eine Überraschung haben und ich es schön fände, wenn sie und Richard uns zur Secret Fashion Show begleiten würden. Wir haben VIP-Karten für sie. Linda scheint sich zu freuen. Gedankenversunken fahre ich mit dem Rad nach Hause und setze mich an den Schreibtisch.

Dort sehe ich, dass unsere Webseite in den letzten Tagen schon mehrfach auf Facebook von der Secret Fashion Show erwähnt und geteilt wurde. Auch Johns Beitrag findet weiterhin große Zustimmung. Wenn man seine Posts liest und ihm am Telefon zuhört, klingt es, als wären wir das neue Star-Magazin. Aber genau das will John ja. Unsere Zahlen bestätigen seinen Ansatz, sie kennen seit Wochen nur eine Richtung, steil nach oben. Das Traurige ist jedoch, dass wir bis jetzt noch nichts eingenommen haben. Linda denkt bestimmt, dass wir inzwischen mehrere tausend Euro verdienen. Genau in dem Moment kommt ihre Nachricht per SMS.

Hallo Lara, sorry, wir schaffen es leider nicht, euch zu begleiten. Trotzdem danke. LG Linda.

Mich trifft diese Absage so sehr, dass ich nicht einmal antworten kann. Am Abend heule ich mich bei John aus: »Mein Geburtstag war der letzte gemeinsame Abend, den ich mit ihr verbracht habe. Damals hat sie mir noch bestätigt, dass wir unbedingt wieder öfter etwas zusammen unternehmen sollten. Stattdessen sehen wir uns nach wie vor kaum.« Ich hole kurz Luft, kann mich aber kaum beruhigen: »Und warum kann sie unser Heft nicht auch mal liken oder teilen? Ich habe doch auch jahrelang Werbung für ihre Klamotten gemacht. Viele meiner Freunde haben heute ihre Jacken an. Meine Schwester hat sich sogar Zeit genommen, Linda beim Entwerfen ihres Logos zu helfen. Hat sie das alles vergessen?«

John nimmt mich in den Arm und versucht mich zu trösten: »Jetzt mach dich doch nicht so fertig, so ist die Branche eben. Linda passt da sehr gut rein, so oberflächlich wie sie scheinbar geworden ist. Das hat bestimmt nichts mit dir zu tun.« »Aber ich versteh das nicht und ich vermisse sie! Es ist doch verrückt, wir hatten mehr Kontakt als ich noch zweihundert Kilometer weit weg gewohnt habe. Wenn sie wenigstens mit mir reden oder mal vorbeikommen würde. Wir wohnen nur fünf Minuten voneinander entfernt, sie geht mehrmals die Woche unter uns im Laden einkaufen.« Ich versuche mich zu beruhigen, doch ich schaffe es nicht. Jetzt zurückzuschreiben wäre jedoch falsch, da stimme ich John zu.

Die Jungs sind an diesem Wochenende bei ihrem Vater. Verlosen können wir Lindas Karten jetzt auch nicht mehr. Wir verschenken sie vor Ort. Das Pärchen freut sich und John ist sich sicher, die kaufen dafür unsere nächste Ausgabe. Mir persönlich wäre ein gemeinsamer Abend mit Linda wichtiger.

Es ist kalt geworden, ich habe nur eine dünne Bluse an. Wenigstens müssen wir uns nicht in der langen Schlange anstellen, mit VIP Karten dürfen wir an allen vorbei. Drinnen schauen wir uns um und suchen die zugesagten großen Plakate und Aufsteller mit unserem Logo, finden jedoch nichts dergleichen. Auch die Goodie Bags liegen nicht wie besprochen auf jedem Platz. John vermutet, dass die erst beim Rausgehen verteilt werden. Wegen der fehlenden Logos will er sich nächste Woche beschweren. »Und warum machst du das nicht gleich? Hier kannst du es ihnen doch direkt sagen.« »Das bringt nichts, Süße. Ändert zum jetzigen Zeitpunkt eh nichts und bringt nur Unruhe rein. Lass uns den Abend genießen.«

Die Show, mhm, naja, erklärt zumindest warum sie SECRET Fashion Show heißt. Es sind echt Leihen am Werk. Sonderlich elegant wirkt es nicht, wie die Möchtegern-Models da zum Teil über den Teppich wackeln. Die beste Show bei weitem liefert der Star des Abends: Jason Müller. Ihn treffen wir später bei der VIP-Party. Ein toller Typ! John stellt mich als seine Freundin vor. Ich bin glücklich.

Wieder denke ich an Linda. Schade, dass sie nicht da ist, für sie wäre die After-Party der richtige Zeitpunkt, um neue Kontakte zu knüpfen. Wir gehen raus auf den Balkon, dort trifft John einen Kumpel von früher. Plötzlich sehe ich ihn das erste Mal mit Zigarette im Mund. Er hatte mir damals im Knast versprochen, dass er nie im Leben vor mir rauchen würde. Meine Stimmung kippt, außerdem ist mir kalt und ich komme mir in dem Moment ein wenig verlassen vor. Ich schaue auf mein Handy. Linda hat geschrieben, vor drei Stunden:

Hast du Lust zum Turnen bei uns in den Keller zu kommen? Wir haben eine Trainerin da. Pro Person sechs Euro.

Entsetzt schreibe ich zurück, ob es ihr Ernst ist, dass sie uns wegen Turnen für heute Abend abgesagt hat. Daraufhin lese ich Folgendes:

Liebe Lara, entschuldige bitte, dass ich bei unserem vollen Terminkalender eure komische Fashion Show vergessen habe. Ich wollte dir einfach nur was Gutes tun. Deswegen die Einladung! Und ja, mein Körper ist mir in der wenigen Zeit, die ich momentan frei habe, wichtiger. Schönen Abend!

Wie bitte, ich bin sprachlos. Was ist denn mit Linda los? Was ist nur passiert, seit wir hier wohnen? Selbst John ist perplex über diese Antwort. Er meint, ich soll die Nachricht einfach ignorieren. Ich möchte den Rest des Abends Spaß haben, doch meine Gedanken schweifen ständig ab. Gegen eins ist John bereit zu gehen.

Beim Verlassen des Gebäudes kommen uns zwei Mädels entgegen, die Goodie Bags mit unserem Logo in der Hand haben. So erfahren wir, dass diese Beutel an der Kasse hingen, aber nur auf Nachfrage herausgegeben wurden. Die meisten Gäste haben sie also nie bekommen. John ist sauer, er hat offenbar für den Druck zahlen müssen. Als ich das höre, werde ich wütend. John zahlt weder Miete noch beteiligt er sich an unseren Kosten. Stattdessen gibt er ständig Geld für irgendwelche Flyer, massenhafte Visitenkarten oder jetzt auch noch diese bescheuerten ungenutzten Beutel aus.

»Was regst du dich denn so auf? Wir waren mit unserem Logo auf jeder einzelnen Eintrittskarte, drinnen wurde unsere Zeitschrift verteilt und wir haben super Kontakte gemacht. Selbst Jason Müller möchte bei uns ins nächste Heft. Weißt du, was das heißt? Der Mann hat über dreißigtausend Follower.« Ich winke ab: »Ich habe gerade siebentausend Euro für die Druckerei bezahlt, zusätzlich zu allem, was ich eh schon für dich und die Firma aufbringen muss. Für jeden Blödsinn gibst du Geld aus, nichts davon besprichst du mit mir und ich bin seit Jahren dein finanzieller Backup. Ich hoffe wirklich, dass du recht behältst und die Veranstaltung bringt uns am Ende neue Kunden. Und zwar Kunden, die für Werbung auch mal zahlen.« Letzteres kann ich mir nicht verkneifen.

John geht darauf gar nicht ein, gibt mir nur deutlich zu verstehen, dass ich meinen Ärger über Linda nicht an ihm auslassen soll und für ihn war es ein sehr wichtiger Abend.

Endlich wieder daheim, falle ich hundemüde ins Bett. John möchte mir unbedingt noch eine Massage geben. Gleichzeitig haucht er mir ins Ohr, wie sehr er mich liebt, wie sehr er sich auf unsere gemeinsame Tochter freut, und einmal mehr, dass wir das Beste sind, was ihm passieren konnte. Ich schiebe ihn von mir weg. Zwei Minuten später höre ich ihn schlafen.

Montagmorgen bitte ich John wegen der Goodie Bags nachzuhaken und warum in der ganzen Halle weder unsere Aufsteller noch unsere Plakate zu sehen waren. John nickt und geht nach oben ins Büro.

Als ich vom Kindergarten zurückkomme, berichtet John ungefragt: »Dem Veranstalter tut es leid, es ist scheinbar bei der Lieferung irgendetwas schiefgegangen. Inzwischen sind die Plakate eingetroffen.« »Na toll, kriegen wir dann wenigstens die Kosten erstattet.« »Ja klar, das steht doch außer Frage. Der Typ hat sich mehrfach bei mir entschuldigt und lädt uns definitiv zur nächsten großen Show dazu. Aber weißt du was? Das war jetzt ohnehin unser Sprungbrett zur ganz großen Bühne. Die ersten VIPs sind auf uns aufmerksam geworden. Unser Link zur Secret Fashion Show wird im Netz geteilt wie wild.« Ich möchte es John glauben.

Auch die offiziellen Bilder der Show sind inzwischen online. Wir werden bei allen Posts als Sponsor erwähnt. Die Likes klettern weiter in die Höhe. Allein in der darauffolgenden Nacht steigen unsere Follower um achthundert Fans. Aufgeregt zeige ich es John: »Schau mal, das kann doch gar nicht sein, oder?« Er grinst nur: »Hast du jemals an mir gezweifelt, Süße?« »Nein, natürlich nicht. Wie könnte ich?«, zwinkere ich sarkastisch.

Die Kosten steigen

Inzwischen rückt der Abgabetermin für unser nächstes Heft immer näher. Das Shooting läuft ähnlich ab wie bei der ersten Ausgabe. Wieder arbeitet die Fotografin samt Team kostenlos für John. Er möchte sie, wenn unser Heft irgendwann richtige Gewinne erzielt, entsprechend honorieren. Klingt zwar anders als sein: »Ich habe noch nie für Fotografen zahlen müssen«, aber für mich definitiv einleuchtender.

Dieses Mal fährt die Fotografin am Tag vor dem Shooting sogar extra noch mit dem Model zum Shoppen, kauft für fünfhundert Euro ein Kleid und will es am nächsten Tag zurückbringen. Ich bin überrascht, als John mir erzählt, auch das wäre in der Branche so üblich. Die Designer sind doch happy, auf dem Titelblatt einer internationalen Zeitschrift zu erscheinen. Umso besser denke ich, ganz abgesehen davon, dass wir uns fünfhundert Euro für ein Kleid gar nicht leisten könnten.

Heute lädt John mich mittags ins Restaurant ein. Wir sitzen am See, essen Fisch und blicken stolz zurück auf das, was wir in den letzten zweieinhalb Jahren gemeinsam erreicht haben. Ich liebe diesen Mann so sehr.

Und dann, der Hammer! Zwei Tage später zeigt John mir stolz seinen nächsten Post:

+ + + JAMES BOND IM MAGAZIN FÜR MÄNNER! + + +Wie heißt es so schön: Wenn‘s läuft - dann läuft‘s! Nachdem wir für das Uhren-Special in unserer aktuellen Ausgabe bereits George Clooney gewinnen konnten, wird in der kommenden Ausgabe (unserer Weihnachtsausgabe, welche ab Mitte November im Zeitschriftenhandel erhältlich ist) Mr. James Bond alias Daniel Craig persönlich seine Geschenke-Tipps für Weihnachten zum Besten geben! Wir freuen uns auf #DanielCraig - #JamesBond und wer weiß, vielleicht hat er ja sein #BondGirl im Schlepptau...!?

Wieder fällt es mir schwer zu glauben, dass irgendjemand annimmt, Daniel Craig persönlich steht uns fürs MEN’S MAGAZINE zur Verfügung. Dennoch versuche ich positiv zu klingen: »Wow! Dieses Mal also Daniel Craig als Zugpferd. Wieder über die Uhrenagentur?« »Nein, über eine Partneragentur von denen, die arbeiten sehr eng zusammen. Sie stellen mir das komplette Bildmaterial zur Verfügung. Dafür mussten sie zuvor richtig Geld hinlegen, um die Rechte zu bekommen. Und weißt du was? Beide Agenturen haben uns fürs kommende Jahr jeweils einen Auftrag über einhunderttausend Euro garantiert.« John hält kurz inne und wartet auf meine Reaktion. Ich bleibe stumm. »Zweihunderttausend Euro, Lara! Wenn es so weitergeht, haben wir ganz schnell unser eigenes Haus am See.«

Ich kann meinen Ohren kaum trauen: »Die zahlen jeweils einhunderttausend Euro?« »Ja, über das ganze nächste Kalenderjahr verteilt. Wir werden über die Herstellung der Uhren berichten, Werbung online und im Heft anbieten und immer wieder Aushängeschilder wie George Clooney, Daniel Craig und andere Größen dieser Art präsentieren können. Zusätzlich bekommen wir von denen Uhren zum Verlosen. Super oder? Ich hoffe, dass du jetzt endlich wieder besser schlafen kannst. Und wir beide dürfen uns so langsam aber sicher auf unser Nesthäkchen vorbereiten. Endlich unsere Familie komplett haben, das ist mein Wunsch fürs neue Jahr.« Mit diesen Worten verschwindet er zufrieden grinsend nach oben ins Büro.

Ich setze mich an den Rechner und überweise die Miete. Auch alle laufenden Rechnungen werden einmal mehr von mir abgebucht. Seit Johns Entlassung sind fünf Monate vergangen. Selbst für sein Handy zahle ich jeden Monat, ganz zu schweigen von Internet, Telefon, Strom und Auto. Als ich John darauf anspreche, dass wir aber auch jetzt schon sehr hohe Ausgaben haben, reagiert er gelassen: »Ach ja, das wollte ich dir vorhin schon erzählen, der Porsche-Händler hat heute angerufen, er hat wohl einen Käufer.« »Echt jetzt? Oh man, das wäre ja toll. Dann sind wir endlich alle Sorgen los.« John nickt bestätigend: »Das ist wahr. Nur ist der Käufer nicht aus München, von daher hat er das Auto bis jetzt nur reserviert. Er will ihn aber unbedingt, gerade wegen dem niedrigen Kilometerstand.« Ich schlucke: »Aber was heißt das dann, reserviert? Wann holt er ihn denn ab?« John rollt genervt mit den Augen: »Mach doch nicht so einen Stress. Freu dich doch, dass endlich ein Käufer da ist. Darauf haben wir schließlich die ganze Zeit gewartet. Er überweist jetzt zunächst eine Anzahlung und sobald er das nächste Mal in München ist, nimmt er das Auto mit.«

Für den Moment überzeugt setze ich mich hin und trinke einen Cappuccino. Kopfschüttelnd über dieses ständige auf und ab, versuche ich mich über diese Nachricht zu freuen. Aber irgendwie ist es seltsam, warum gibt es mit John eigentlich immerzu diese Extreme? Mal fühle ich mich himmelhochjauchzend und freue mich so sehr, dass ich endlich meinen Traummann gefunden habe, nur um keine fünf Minuten später festzustellen, dass schon wieder ein neues Problem gelöst werden muss.

Naja, wenigstens gibt es nun endlich einen Käufer. Mit dem Wissen, dass John dieses Auto hat, fiel es mir anfangs etwas leichter, ihn während seiner Inhaftierung auch finanziell zu unterstützen. Ich selbst nagte nicht am Hungertuch, als er mich kontaktierte. Vor den Kindern hatte ich sehr hart gearbeitet, um frühzeitig vorzusorgen. Auch wollte ich John das Leben im Gefängnis so angenehm wie möglich machen. Er bestätigte mir ohnehin ständig, wie schwer es ihm fiel, mich um Hilfe zu bitten, wo er doch von seiner eigenen Familie noch nie unterstützt worden ist.

Oft hatten meine Mom und ich auch einfach Mitleid mit ihm. Zum Beispiel an Weihnachten, da war seine einzige Freude ein harter Stollen und ein gemeinsamer Kinofilm mit allen Gefangenen. Natürlich zahlte ich ihm da die einhundert Euro für sein Weihnachtspaket ein, genau wie an Ostern und zu seinem Geburtstag. Hinzu kamen monatlich fünfzig Euro, die er brauchte, um überhaupt über die Runden zu kommen. Na, und da ich wollte, dass er so bald wie möglich bei uns ist, also gleich nach Ablauf seiner Halbstrafe, übernahm ich schließlich noch seinen Anwalt.

Jedenfalls besaß John vor seiner Inhaftierung einen Porsche. Auf diese Sicherheit verwies er bereits bei einem unserer ersten Treffen im Gefängnis. Warum sie ihm diesen teuren Wagen bei seiner Inhaftierung nicht weggenommen haben, erklärte er mir damals so: Der Richter hätte wohl gemerkt, dass John nur seine Firma retten wollte, und nichts dafür konnte, dass die Druckerei pleitegegangen ist. Nur deshalb ist ihm ja auch dieser enorme finanzielle Schaden entstanden, dass er die Models und die Miete nicht mehr zahlen konnte. Somit durfte er den Porsche behalten und der steht jetzt bei seinem Anwalt.

Bei seinem zweiten Freigang im Juni letzten Jahres rief John den Anwalt an und bat ihn, den Porsche für ihn zu verkaufen. Den Erlös sollte ich für unsere Ausgaben hernehmen. Doch der Anwalt war leider nicht dazu bereit, John sollte sich bei seinen Ausgängen doch bitte selbst um den Verkauf seines Autos kümmern. Mein Angebot, ihm dabei zu helfen, lehnte John damals ab. Er wäre ja jetzt ohnehin bald jede Woche draußen und um die geschäftlichen Dinge wollte er sich selber kümmern. Ich war zu diesem Zeitpunkt froh drum, denn mein Terminkalender war ohnehin schon übervoll.

Doch seit seiner Entlassung wurde der finanzielle Druck, der seit Beginn unserer Beziehung auf mir lastet, nicht weniger. Im Gegenteil, alle elektronischen Geräte, alle laufenden Kosten, seine Bahnfahrten und zuletzt noch völlig überraschend die Rechnung für die Druckerei, alles habe ich übernommen. Oft kann ich deshalb nachts nicht schlafen. Klar bestätigt John mir dann immer wieder, dass ich die Ausgaben zurückbekomme, sobald er das Auto verkauft hat. Ich habe ja finanziell auch gut vorgesorgt, aber eben nicht für diese Unmengen von Ausgaben. Wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich mir selbst nicht mal mehr einen Cappuccino oder ein Eis gönne, wenn ich mit den Jungs unterwegs bin.

An besonders emotionalen Tagen versucht mich meine Mom am Telefon aufzubauen. Sie ist sich sicher, dass John seine Versprechen in die Tat umsetzen wird. Auch ich bin davon überzeugt, die Frage ist nur wann? Im Knast kam für mich immer völlig überraschend die ganz große Enttäuschung, meist nachdem ich schon ewig auf fest zugesagte Ereignisse hingefiebert hatte. Nur damals konnte John nichts dafür. Zu diesem Zeitpunkt war er der Willkür der Beamten ausgeliefert und die saßen einfach am längeren Hebel. Aber jetzt haben wir es selbst in der Hand. Jetzt können wir wirklich etwas erreichen.

John sitzt vor mir. Stolz wie Oskar, berichtet er mir von unseren neuesten Zahlen, Zahlen, die er früher mit keinem seiner Hefte annähernd erreicht hat. Ich nutze seine gute Laune, um ihn erneut auf unser Problem hinzuweisen. »Weißt du, ich mache mir einfach Sorgen, dass unsere finanziellen Probleme irgendwann so groß werden, dass sie sich auf unsere Beziehung auswirken.« »Was fängst du denn jetzt wieder mit der alten Leier an? Ich habe dir doch gesagt, dass du alles doppelt und dreifach zurückbekommst.« »Weil unsere Ausgaben sich seit du draußen bist mehr als verzehnfacht haben. Du versicherst mir zwar immer wieder, dass du diesen oder jenen Deal abgeschlossen hast, aber ich sehe davon nie einen Cent!« »Oh man Lara, entspann dich. Ich habe uns gerade einen Auftrag über zweihunderttausend Euro eingefahren. Was willst du eigentlich noch? Irgendwann ist aber auch mal gut. Keine Sorge, dein Sparstrumpf ist ganz bald wieder prall gefüllt.« Mit diesen Worten lässt er mich verletzt stehen.

Eine Mischung aus Machtlosigkeit und innerer Unruhe überkommt mich. John weiß genau, wie sehr er mich mit dieser Aussage trifft. Manchmal glaube ich, er hat alles, was ich für ihn getan habe, schon vergessen.

Ich gehe raus auf den Hof und rufe meine Mom an. Ihr Rückhalt tut mir gut: »Natürlich ist eine Firmengründung ohne fremdes Startkapital nicht leicht. Aber John arbeitet wirklich hart für euch. Meine Kollegen können nicht fassen, dass er bereits nach drei Monaten die erste Zeitschrift veröffentlicht hat.« »Mhm, ja«, gebe ich zu, »das war wirklich schnell. Auch die Verkaufszahlen steigen noch immer an. Und unsere Fans im Netz übertreffen alles, was wir uns im Vorfeld erhofft haben.«

Langsam hebt sich meine Laune wieder etwas. »Ach ja, und weißt du was? Das Autohaus hat endlich einen Käufer für den Porsche.« Ich kann ihre Freude durchs Telefon förmlich spüren: »Das ist ja prima! Danach wird es euch besser gehen. Weißt du, John bedrückt es wirklich sehr, dass er dir immer noch auf der Tasche liegt. Das sagt er mir ständig.« »Ich weiß schon, mir auch. Ich will ja gar nicht so oft nachfragen, nur nervt es mich halt, wenn noch immer alle Ausgaben an mir hängenbleiben. Er bekommt doch jeden Monat Arbeitslosengeld und zusätzlich den Zuschuss für Unternehmensgründer. Naja egal, ich muss mich beeilen, die Jungs abholen.«

Zurück in der Wohnung erzählt mir John, dass er diesen Monat die Miete übernehmen möchte. Ganz erstaunt frage ich, ob das wirklich okay für ihn ist, jetzt wo das nächste Heft übermorgen in den Druck geht. Wieder keimt in mir ein schlechtes Gewissen auf und ich habe keine Ahnung warum.

Für unsere nächste Ausgabe beauftragt John überraschend eine andere Druckerei. Komisch, dabei war er doch so zufrieden mit dem ersten Heft. Aber diese Druckerei bietet wohl für denselben Preis ein sehr viel hochwertigeres Papier an. Mir soll’s recht sein, dieses Mal übernimmt er ja die Kosten für den Druck.

Vor der nächsten Lieferung müssen wir uns um die unzähligen alten Hefte kümmern. Die liegen immer noch bei uns auf der Treppe. Ich möchte sie lieber heute als morgen entsorgen. John schüttelt den Kopf und will sie unbedingt aufheben. Im Keller wäre doch genug Platz. Ich verstehe nicht, wozu wir die alten Hefte aufheben müssen. Die interessieren keinen Menschen mehr. Außerdem stinken sie uns dann auch noch den Keller voll. John möchte sie für Marketingzwecke nutzen und hat sie seinem Freund Kai versprochen. Dieser hat ein Matratzengeschäft und will bei jeder Matratze, die er verkauft, ein Heft von uns dazulegen. Der »Matratzen-Kai«, wie John ihn nennt, ist wohl auch der einzige, der letztlich im ersten Heft für Werbung gezahlt hat.

Drei Tage später ist die neue Lieferung da. Wieder das gleiche Spiel, zwei große Paletten mit Zeitschriften stehen vor der Haustür. John ist in München und kommt voraussichtlich erst am Abend zurück. Mir bleibt noch genug Zeit, die Kartons nach oben zu tragen, bevor ich die Jungs aus dem Kindergarten abholen muss. Ich frage mich nur, warum John erneut so viele Exemplare zu uns bestellt hat. Nach gut einer Stunde treppauf treppab habe ich alle Hefte hochgeschleppt. Geschafft gehe ich duschen.

Danach blättere ich noch kurz durch unsere neue Zeitschrift. »Sieht echt nobel aus«, denke ich mir beim Durchblättern. Dabei kommen mir Lindas Worte in den Sinn: »Normalerweise steht ein riesiges Team hinter jeder Zeitschrift. Das ist unfassbar, dass ihr das alles zu zweit stemmt.« Bei diesem Gedanken werde ich traurig. Seit Wochen habe ich nichts von ihr gehört. Selbst ihre Eröffnungsfeier vom Laden habe ich nur hinterher im Internet verfolgen können, es waren hunderte von Gästen geladen, nur wir nicht. Was ist nur geschehen? Wir wohnen im selben Ort und sehen uns nie.

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