Kitabı oku: «Lost & Dark Places Oberbayern»

Kapitel 23: Manchmal findet man versteckt im Wald die Überreste von Gebäuden, deren Geschichte fesselnd ist.
Anne Dreesbach | Laura Bachmann
Lost & Dark Places
OBERBAYERN
33 vergessene, verlassene und
unheimliche Orte

Inhalt
Vorwort
Einleitung
1Am Ort eines rätselhaften Verbrechens
Ein brutaler Sechsfachmord bleibt bis heute unaufgeklärt
2Die Pestkapelle von Pollingsried
Spuk am Starnberger See?
3Der Rüstungsbunker Weingut I
Kein Vergeben, kein Vergessen – Konfrontation mit unserer Geschichte
4Murnauer Moos
Ein perfekter Ort für mystische Wanderungen
5Die Pumpwerk-Ruine
Ehemaliges Pumpwerk Maxkron (Penzberg)
6Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst
Eine geisterhafte Beifahrerin treibt ihr Unwesen
7Vom einstigen Glanz blieb kaum etwas …
Die Villa des Malers Gabriel von Max
8Auf dem Galgenberg
Urteil gefällt: Tod durch Feuer!
9Memento mori
Lebenssinn und Vergänglichkeit auf dem Alten Kirchenfriedhof von Flintsbach St. Martin
10Zauberwald und Hintersee
Hinter den sieben Bergen …
11Alle Beweise vernichtet?
Das Nazi-U-Boot vom Ammersee
12Die letzten Zeugnisse
Alte Ziegelei Oberföhring
13Mystischer Kraftort
Die Drei-Bethen-Quelle im Mühltal bei Leutstetten
14Errichtet zum Gedenken an …?
Das rätselhafte Denkmal an der B2
15Teuflisches Altmühltal
Energieorte rund um Riedenburg
16Eagle’s Nest
Eine Geschichtsstunde mit Ausblick
17Verlassen, verfallen, vergessen?
Die Ruine der Burg Hohenburg
18Die Geisterklinik am Starnberger See
Spuk in bester Gesellschaft
19Gesamtwerk Natur und Bau
Eine Wanderung zur Turmruine St. Georg und St. Elisabeth
20Die Burg der Schwarzen Magie
Hexenprozesse in der Grafschaft Werdenfels
21Tod im See
Der bayerische Märchenkönig Ludwig II.
22Lebensträume und Visionen
Der Traum vom Kloster Wessobrunn unter der Tassilolinde
23Die ehemalige Sprengstofffabrik Fasan
Ein explosiver Ausflug nach Schwaben
24Der bayerische Robin Hood
Räuber (Mathias) Kneißl
25Am Königssee ohne Touristen
Die unbekannten Seiten des beliebten Ausflugziels
26Moderne Kultstätte?!
Opfersteine Schöngeising
27Feuer, Wasser, Luft
Die legendenhafte Kraft der Elemente an den Tatzelwurmer Wasserfällen
28Ein Blutbad der etwas anderen Art
Am Alatsee
29Eine Kultstätte im Wald
Die Keltenschanzen Holzhausen 1 und 2
30Pähler Schlucht
Zwischen verwunschenen Felswänden
31Graf Raths glänzende Gebeine
Wallfahrtskirche St. Rasso
32Der Watzmann
100 Tote und ein blutrünstiger König
33Hinterrücks erschossen
Der Volksheld und Wildschütz Georg Jennerwein
Bildnachweis
Register
Impressum

Kapitel 9: Santa Muerte im oberbayerischen Flintsbach

Kapitel 23: Vergänglichkeit und Verfall in Bobingen

Kapitel 6: Mystische Wälder laden zu aufregenden Entdeckungstouren ein.

Kapitel 23: In den Gängen einer einstigen Sprengstofffabrik
KAPITELÜBERBLICK
1Am Ort eines rätselhaften Verbrechens
2Die Pestkapelle von Pollingsried
3Der Rüstungsbunker Weingut I
4Murnauer Moos
5Die Pumpwerk-Ruine
6Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst
7Vom einstigen Glanz blieb kaum etwas …
8Auf dem Galgenberg
9Memento mori
10Zauberwald und Hintersee
11Alle Beweise vernichtet?
12Die letzten Zeugnisse
13Mystischer Kraftort
14Errichtet zum Gedenken an …?
15Teuflisches Altmühltal
16Eagle’s Nest
17Verlassen, verfallen, vergessen?
18Die Geisterklinik am Starnberger See
19Gesamtwerk Natur und Bau
20Die Burg der Schwarzen Magie
21Tod im See
22Lebensträume und Visionen
23Die ehemalige Sprengstofffabrik Fasan
24Der bayerische Robin Hood
25Am Königssee ohne Touristen
26Moderne Kultstätte?!
27Feuer, Wasser, Luft
28Ein Blutbad der etwas anderen Art
29Eine Kultstätte im Wald
30Pähler Schlucht
31Graf Raths glänzende Gebeine
32Der Watzmann
33Hinterrücks erschossen

Kapitel 32: Verlassene Wanderrouten in den Berchtesgadener Alpen
Vorwort
Wir dürfen uns zwar sicher als erprobte Reiseführerautorinnen bezeichnen, die Arbeit an diesem Guide war allerdings etwas ganz Besonderes. Denn jetzt ging es mal nicht um die schönsten, beliebtesten und kitschigsten Ausflugsziele – hier durften wir uns auf ganz versteckte Pfade begeben und die verlassensten und düstersten Orte Oberbayerns zusammentragen!
Die Idee dazu lag eigentlich auf der Hand: Wir reisen unheimlich gern durch unsere Heimat und als Historikerinnen interessiert uns natürlich auch brennend die Geschichte der jeweiligen Orte, die wir besuchen. Die Erkenntnis, dass diese nicht nur immer äußerst spannend, sondern oftmals auch sehr schaurig ist, wollen wir hier gern mit den abenteuerlustigen Leserinnen und Lesern teilen.
Wir nehmen Sie mit auf eine Reise, die nicht nur die friedlichen Seiten des wunderschönen Oberbayerns erkundet. So führt sie uns beispielsweise ganz in den Norden des Regierungsbezirks, wo wir in Eichstätt einen Ort grausamer Hinrichtungen besuchen. Oder an den Starnberger See, der nicht nur die perfekte Kulisse für romantische Sommerabende bildet, sondern auch zahlreiche Geschichten über Tod, Verfall und Spuk zu erzählen weiß.
Mit bestem Wissen und Gewissen haben wir 33 Orte recherchiert, die Ihnen hoffentlich die Inspiration zu vielen aufregenden Ausflügen liefern, sodass Sie entweder eine ganz neue Seite Ihrer atemberaubenden Heimat erforschen oder Ihrem Urlaub in Oberbayern eine extra Portion Nervenkitzel verleihen können. Für tatkräftige Unterstützung und zahlreiche Tipps danken wir Eva, Isabel und Kathi von ganzem Herzen!
Drei der hier aufgeführten Orte liegen streng genommen in benachbarten Regierungsbezirken, aber wahre Entdecker lassen sich von ein paar Kilometern extra ja nicht aufhalten und wir versprechen: Es wird sich lohnen!
Jetzt bleibt uns nur noch, Ihnen viel Spaß beim Entdecken und Gruseln zu wünschen – mindestens so viel, wie wir beim Schreiben dieses Buchs hatten!
Anne Dreesbach und Laura Bachmann
Verhaltensregeln im Lost Place
1. Behandeln Sie die Orte mit Respekt
Jedes Bauwerk und jedes Gebäude erzählen eine Geschichte aus vergangenen Tagen. Dies gilt es zu schützen. Und auch wenn es teilweise nicht so aussieht, so hat doch jeder dieser Lost & Dark Places einen Eigentümer. Das sollte respektiert werden. Das beinhaltet vor allen Dingen, dass nichts zerstört oder gewaltsam geöffnet wird. Sind Fenster oder Türen verschlossen, sollte das auch so bleiben. Gehen Sie respektvoll mit dem Ort um – sei es eine Kultstätte im tiefsten Wald, eine baufällige Ruine oder eine prachtvolle Kirche.
2. Nehmen Sie nichts mit, lassen Sie nichts da
Wenn Sie etwas von einem Lost oder Dark Place mitnehmen, und sei es noch so klein, ist das Diebstahl. Wie bereits in Punkt 1 gesagt, alle diese Orte haben einen Eigentümer. Daher gilt die Regel: Alles bleibt, wie es ist – Sie möchten ja auch, dass andere Entdecker den Ort genauso schön vorfinden, wie Sie! Belassen Sie es bei den schönen Einblicken und Fotos, die Sie an dem Ort machen. Gleiches gilt auch umgekehrt: Lassen Sie nichts liegen. Keine Essensreste, keine Kaugummis, keine Kippenstummel.
3. Rauchen verboten
Das bringt uns zum nächsten Punkt: Rauchen verboten. Zollen Sie dem ehrwürdigen Ort Respekt und verzichten Sie für die Zeit, die Sie da sind, aufs Rauchen. Kippenstummel brauchen nicht nur 15 Jahre zum Verrotten (sie sollten übrigens nirgends achtlos weggeworfen werden), sondern können schnell ein Feuer verursachen.
4. Keine Graffitis
Dass Sie nichts hinterlassen sollen, gilt auch für Kunstwerke an den Wänden. Man sprüht einfach nicht auf fremdes Eigentum, sei es noch so schön. Lassen Sie die Wände, wie sie sind, sodass auch noch Menschen nach Ihnen den Ort so erleben können, wie er früher einmal war.
5. Seien Sie vorsichtig
Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt vor allem bei Lost Places oder Orten, die von rauer Natur umgeben sind. Marodes Holz, verrostete Geländer, einsturzgefährdete Decken, lockere Böden (teilweise befinden sich noch Kellergeschosse darunter), eingeschlagene Fenster – die Liste der Gefahren an solchen Orten ist lang. Auch Schluchten, Steilhänge im Wald oder die Tiefe eines Sees können gefährlich werden. Seien Sie daher immer wachsam. Begeben Sie sich niemals in Gefahr für das eine Foto. Das ist es nicht wert. Treppen und obere Etagen sind eine gängige Gefahrenquelle. Schauen Sie sich deshalb den Zustand der Treppe und der Decke in Gebäuden genau an. Nehmen Sie auch eine Taschenlampe für dunkle Räume und Keller mit.
6. Gehen Sie nicht allein
Es ist ratsam, immer mindestens zu zweit, besser noch zu dritt einen Lost Place zu besuchen. Da gilt die alte Regel: Ist eine Person verletzt, bleibt die zweite vor Ort und die dritte holt Hilfe. Zudem weiß man nie, wen man vor Ort trifft. Plünderer, Spinner und besoffene Jugendliche sind auch oft in Lost Places anzutreffen. Da ist es beruhigender, nicht allein unterwegs zu sein.
7. Erregen Sie kein Aufsehen
Da die Lost Places in Privatbesitz sind, gilt auch hier »Betreten verboten«. Auch, wenn das Tor angelweit aufsteht oder ein riesiges Loch im Zaun klafft. Ebenso ist es ratsam, sein Auto nicht direkt vor dem Gelände zu parken. Schauen Sie beim Betreten des Geländes auch immer, dass niemand Sie sieht.
Ausrüstung
Wir empfehlen Folgendes:
•Festes Schuhwerk, hohe Socken (Schutz vor Zecken)
•Reißfeste Kleidung, ggf. leichte Regenjacke
•Kamera inkl. Zusatzakku, Speicherkarten, Stativ
•Proviant und Getränke (nehmen Sie aber alles wieder mit)
•Kopf- oder Stirnlampe für freie Hände
•Taschenlampe mit weitem Winkel für Keller und dunkle Räume
•Taschenmesser
•Aufgeladenes Handy (ggf. Powerbank)
•Notizblock und Stift
•Pflaster und Taschentücher für Verletzungen
•Mücken- und Zeckenspray

Kapitel 10: Ein düsterer Morgen am sonst so idyllisch wirkenden Hintersee

Kapitel 28 Sind es Nebelschwaden oder vielleicht doch Geister, die auf dem Alatsee schweben?
1 Am Ort eines rätselhaften Verbrechens
Ein brutaler Sechsfachmord bleibt bis heute unaufgeklärt
Vor 100 Jahren befand sich hier nicht nur landwirtschaftliche Nutzfläche, sondern auch ein Hof, auf dem sich eine furchtbare Bluttat ereignete.
Gröbern, Waidhofen, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Oberbayern Ort 86579 Waidhofen GPS 48.593215, 11.319441 Anfahrt Mit dem Auto auf der A9, Ausfahrt Langenbruck, dann weiter auf der B300 bis Waidhofen
Ein grauenerregendes Verbrechen kündigt sich an Auf den Feldern südwestlich des beschaulichen Örtchens Gröbern (Waidhofen) im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erinnert heute nur noch ein Marterl daran, dass hier einst ein Einödhof stand. Der offiziell namenlose Hof befand sich hinter dem Hof »Kaifeck«, weshalb er im Volksmund bis heute den Namen »Hinterkaifeck« trägt. Traurige Bekanntheit erlangte das 1863 errichtete Gehöft durch einen brutalen Mord, der sich dort in einer eisigen Frühjahrsnacht im Jahr 1922 ereignete und eine ganze Familie auslöschte. Auf dem Hof wohnten das Bauernehepaar Andreas und Cäzilia Gruber, deren verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, ihre beiden Kinder Cäzilia und Josef sowie die Magd Maria Baumgartner. Bereits Tage vor der Tat wurden auf und um den Hof seltsame Beobachtungen gemacht: So fand man zum Beispiel in der Nähe eine Münchener Zeitung, die kein Bewohner des Ortes abonniert hatte – waren also Fremde um den Hof geschlichen, um ihn auszuspähen, und haben sie dabei die Zeitung verloren? Zudem entdeckte Bauer Gruber Fußspuren im Schnee, die zu seinem Hof führten, jedoch nicht mehr von ihm weg – sind der oder die Täter bereits Tage zuvor in den Hof eingedrungen und hielten sich dort versteckt? Dies würde zumindest erklären, warum ein Rind losgebunden wurde, das Schloss einer Hütte aufgebrochen war und man Schritte vom Dachboden her vernehmen konnte. Bauer Gruber fand allerdings trotz einer gründlichen Suche keinen Eindringling und lehnte Hilfe von außen vehement ab – ein fataler Fehler, denn er und seine Familie befanden sich wohl bereits in größter Gefahr!

Die sterblichen Überreste der Grubers wurden auf dem Friedhof in Gröbern beigesetzt.
Die Schreckensnacht Über den genauen Ablauf der Ereignisse in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 kann man nur mutmaßen. Irgendetwas muss die Bewohner des Hofes dazu bewegt haben, das Wohnhaus mitten in der Nacht zu verlassen und den Stadel zu betreten. Dort wurden Viktoria Gabriel, ihre Eltern sowie ihre siebenjährige Tochter Cäzilia mit einer Reuthaue erschlagen. Sie erlagen – nach qualvollem Todeskampf – ihren schweren Kopfverletzungen. Die Magd und der zweijährige Josef waren wohl im Haus gelblieben, konnten sich vor dem grausamen Mörder allerdings nicht retten: Beide wurden auf dieselbe bestialische Art und Weise ermordet. Es dauerte vier Tage, bis der Mord entdeckt wurde. Zwar wurde die kleine Cäzilia am nächsten Tag in der Schule vermisst und die gesamte Familie am Tag darauf im sonntäglichen Gottesdienst, jedoch schickte Ortsvorsteher Schlittenbauer erst nach zwei weiteren Tagen und erneuten Berichten über den totenstillen Hof seine beiden Söhne dorthin, um nach dem Rechten zu sehen. Die Jungen entdeckten dann die Leichen der Hofbewohner. Allerdings waren diese abgedeckt, und einige Hinweise deuteten darauf hin, dass der oder die Mörder sich noch eine gewisse Zeit auf dem Hof aufhielt(en): Das Vieh war versorgt und die Vorräte waren aufgebraucht.

Eine grausame Tat löschte die ganze Bauernfamilie aus.
Die Ermittlungen laufen ins Leere Die grausame Tat erschütterte den ganzen Ort und selbstverständlich wurden die Ermittlungen umgehend und mit Hochdruck eingeleitet. Zunächst stand als Motiv Raubmord im Raum, allerdings wurden viele Wertgegenstände und auch Bargeld von dem oder den Tätern zurückgelassen. Und mussten wegen etwas Geld wirklich sechs Personen sterben, darunter ein Kleinkind im Alter von zwei Jahren? Die Familie Gruber war wohl in der Tat relativ wohlhabend, und sie war bei den Dorfbewohnern recht unbeliebt, da sie im Allgemeinen als geizig galt, sehr zurückgezogen lebte und ein schwerer Vorwurf der Blutschande im Raum stand – angeblich hatte der Vater eine inzestuöse Beziehung zu seiner Tochter Viktoria. Da wundert es nicht, dass die Polizei im Lauf der Zeit 100 Verdächtige präsentieren konnte. In den Fokus der Ermittlungen rückte beispielsweise Karl Gabriel, Viktorias Ehemann, der angeblich im Ersten Weltkrieg gefallen war – hatte er etwa doch überlebt und mitbekommen, dass er von seiner Frau nicht mehr gebraucht wurde, und hat er seine Ehre gerächt? Dann war da noch der Ortsvorsteher Lorenz Schlittenbauer, der ebenfalls ein Verhältnis mit Viktoria gehabt haben soll und offiziell als Vater des kleinen Josef galt – hatte er herausgefunden, dass Viktoria nie ganz zu ihm kommen sollte und sein vermeintlicher Sohn das Produkt des Inzests war? Nicht zu vergessen Josef Bärtl, ein geisteskranker Bäcker aus der Gegend, der im Jahr zuvor aus einer Anstalt geflohen und seither nie wieder aufgetaucht war. Aber egal wie viele Verdächtige man unter die Lupe nahm und egal welche Theorien man noch verfolgte, der Mord von Hinterkaifeck konnte nie geklärt werden. Selbst nachdem 100 000 Mark Belohnung ausgesetzt und spiritistische Sitzungen mit einem Medium abgehalten worden waren, blieb die Wahrheit bis heute im Dunkeln.

Mit einer solchen Hacke wurden die ahnungslosen Opfer erschlagen.
Bis heute ungelöst Bald jährt sich das schreckliche Ereignis zum hundertsten Mal und auch wenn der Fall in den 1950ern bereits abgeschlossen wurde, löst der Mord immer noch große Faszination aus. Auch 15 angehende Kriminalbeamte der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege nahmen sich vor ein paar Jahren noch einmal des Themas an und schrieben darüber ihre Studienabschlussarbeit. In der Schlussbemerkung dieses Berichts, der für die Öffentlichkeit online einsehbar ist, heißt es, die Mitwirkenden seien sich unabhängig voneinander schnell einig gewesen, wer der Täter gewesen sein müsse. Den Namen hielten sie zum Schutz eventueller Nachfahren unter Verschluss. So bleibt uns nichts anderes, als selbst an den Ort des Geschehens zu fahren, das Grab der Familie und das Marterl aufzusuchen, uns in die tragische Geschichte hineinzuversetzen und unsere eigene Wahrheit herauszufinden.
Das besondere Erlebnis
In den Wintermonaten werden vom Gasthof Bogenrieder in Waidhofen Führungen zum Tatort angeboten. Diese bestehen aus einer kleinen Wanderung mit Laternen – denn natürlich findet das alles im Dunkeln statt, um die richtige Stimmung zu erzeugen –, zahlreichen Infos von Experten, die die Tour begleiten, und einem leckeren Mehrgänge-Menü im Gasthof. Das Ganze ist zwar nichts für schwache Nerven, aber für jeden Hobbyermittler ein Muss!

Den Hof gibt es schon lange nicht mehr – heute erinnert an selber Stelle ein Mahnmal an seine einstigen Bewohner.
2 Die Pestkapelle von Pollingsried
Spuk am Starnberger See?
Das einsame Gotteshaus, umgeben von schaurigen Brunnen, lädt als Ziel eines schaurig-schönen Spaziergangs zum Gruseln ein.
Pollingsried, Seeshaupt, Landkreis Weilheim-Schongau, Oberbayern Ort 82402 Seeshaupt GPS 47.794538, 11.268305 Anfahrt Mit dem Auto auf der A95, Ausfahrt Seeshaupt, weiter auf St.-Heinricher-Straße, Bahnhofstraße und Hohenberger Str. bis zum Wanderparkplatz zur Pollingsrieder Pestkapelle
Schauerromantik in Bayern Versteckt im Lauterbacher Wald südwestlich des Starnberger Sees liegt die Pollingsrieder Kapelle. Pollingsried ist einer von 18 Gemeindeteilen von Seeshaupt im Landkreis Weilheim-Schongau und besteht tatsächlich nur aus besagtem Gotteshäuschen und fünf Brunnen, die in der unmittelbaren Umgebung zu finden sind. Was zunächst unspektakulär klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Ort, an dem sich gleich mehrere Ereignisse zugetragen haben sollen, die man eher bei Bram Stoker und Sir Arthur Conan Doyle anstatt in der oberbayerischen Idylle erwarten würde. Es beginnt schon bei der Anordnung der Brunnen, die verschiedenste Überlieferungen als Pentagramm beschreiben, das durch den sogenannten unterirdischen Teufelsbrunnen komplettiert wird. Aber wovor wollten die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend sich schützen, hält ein Pentagramm doch das Böse fern und Dämonen in Schach? Selbst der mächtige Mephisto muss sich in Goethes Faust diesem Symbol geschlagen geben. Und zu welchem Zweck wurde der Teufelsbrunnen direkt unter der Kapelle errichtet? Fragen, über die man besser nicht allzu lange nachdenkt.
Ein schwarzer Hund und der schwarze Tod Auch die Geschehnisse, denen Kapelle und Brunnen als Schauplätze und stumme Zeugen dienen, sind allesamt schauriger Natur. Im Jahr 1625 beispielsweise soll dort ein junges Mädchen einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen und anschließend in einem der Brunnen »entsorgt« worden sein. Der Täter konnte jedoch nicht ahnen, dass sein Tod schon wenige Tage später gerächt werden würde, und zwar von einem großen schwarzen Hund, dem treuen Gefährten des Mädchens. Dieser positionierte sich so lange heulend vor dem Brunnen, in dem der leblose Körper seiner Besitzerin lag, bis er den Täter erneut zu Gesicht bekam: Es war der Pfarrer auf dem Weg zur Kapelle, die er nun aber nicht mehr erreichte, da ihm der Hund vorher an die Kehle sprang. Wohl um sein Gewissen zu erleichtern, beichtete der Geistliche den Mord nur wenige Augenblicke vor seinem Tod, und das grausame Verbrechen konnte aufgeklärt werden. Das Mädchen ist allerdings nicht der einzige Mensch, dessen letzte Ruhestätte der Brunnen ist. Auch etliche Opfer der Pest soll man dort hineingeworfen haben, als der Schwarze Tod in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besonders stark in der Region wütete. Es ist die Rede von so vielen Leichen, dass sie den Brunnen quasi zum Überlaufen brachten, sodass man letzten Endes doch dazu überging, die Toten um die Kapelle herum zu vergraben.
Auf den ersten Blick macht das kleine Gotteshaus einen friedlichen Eindruck, aber dieser täuscht …
Alles nur Märchen? Diese beiden Geschichten sind wohl die bekanntesten, die sich um die Pollingsrieder Kapelle und ihre fünf Brunnen ranken. Und ja, es sind tatsächlich nur Geschichten, auch wenn sie durchaus ihren Reiz haben und sich der ein oder andere fragt, ob sie nicht vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit enthalten könnten. Die Fakten sprechen jedoch (leider) eine andere Sprache: Die fünf Brunnen sind bei genauer Betrachtung nur vier, für die Existenz des Teufelsbrunnens konnten bisher keinerlei Beweise gefunden werden, genauso wenig für etwaige Pestopfer, die dort in großer Zahl versenkt worden sein sollen. Und um in der Form der Brunnen jetzt noch ein Pentagramm erkennen zu können, braucht es doch sehr viel Fantasie. Ein Ausflug zur Kapelle von Pollingsried lohnt sich aber auf jeden Fall, denn zu besagten Geschichten kommt noch eine spannende Geschichte des Ortes hinzu: Das Gebäude wurde bereits 1162 urkundlich erwähnt. Und natürlich gab es vor einigen Jahrhunderten auch Bewohnerinnen und Bewohner in der Gegend, insgesamt standen dort sechs Höfe, die sich weitestgehend im Besitz des Klosters Polling befanden. Im Zuge der Säkularisierung wurden die Anwohner nach 1803 allerdings umgesiedelt, die Häuser abgetragen und das Gebiet aufgeforstet, sodass heute nur noch ein Hof in einiger Entfernung übrig ist. Das erklärt aber, wieso die Kapelle aus heutiger Sicht so abgelegen scheint: Es gibt sie schlicht und ergreifend schon länger als den Wald, der sie mittlerweile versteckt. Und wer weiß, vielleicht ist an den ganzen Mythen doch irgendwas dran?
Das besondere Erlebnis
Um den Geschichten, die sich um die Kapelle ranken, mal genau auf den Grund zu gehen, sollte man einen ausgedehnten Spaziergang dorthin unternehmen. Und das am besten nachts – da sind nämlich nicht nur alle Katzen grau, sondern auch alle verlassenen Orte im Wald besonders gruselig!
3 Der Rüstungsbunker Weingut I
Kein Vergeben, kein Vergessen – Konfrontation mit unserer Geschichte
Von dem einstigen Großprojekt ist heute nur noch ein Bruchteil erhalten, dennoch hinterlässt ein Besuch im Mühldorfer Hart einen bleibenden Eindruck.
Mühldorfer Hart, Landkreis Mühldorf am Inn, Oberbayern Ort Maxlinie, 84453 Mühldorfer Hart GPS 48.224185, 12.436402 Anfahrt Mit dem Auto auf der A94 Ausfahrt Richtung Mühldorf Zentrum/Mettenheim/Ampfing-Ost/Neuhaus nehmen, weiter auf Kraiburger Straße
Umzingelt von den Alliierten Im Landkreis Mühldorf am Inn befindet sich ein über 1000 Hektar großes Waldgebiet, das Mühldorfer Hart, das während des Zweiten Weltkriegs Schauplatz unsäglicher Gräueltaten des Nazi-Regimes war. Es handelt sich hierbei um einen besonders düsteren Ort, weil er uns in aller Deutlichkeit vor Augen führt, wozu die Spezies Mensch fähig ist. Wir schreiben das Jahr 1943 und Adolf Hitler sieht sich mit einer kontinuierlich größer werdenden Überlegenheit der alliierten Luftmächte konfrontiert, die in der Zerstörung zahlreicher deutscher Rüstungsfabriken und Fertigungsanlagen resultiert. Um die Flugzeugproduktion zu schützen, reift der Plan, mehrere bombensichere Bunker am Rhein, im Sudetenland, in Landsberg am Lech sowie Mühldorf am Inn zu errichten. Die endgültige Entscheidung für das Projekt fällt im Frühjahr 1944, verantwortlich für die Umsetzung zeichnet die Organisation Todt, eine paramilitärische Bautruppe, die vorwiegend Bauten in den von Deutschland besetzten Gebieten realisiert.

Ein Ort mit dunkler Vergangenheit

Auch heute lauern hier noch so einige Gefahren.
Gräueltaten unter falschem Namen Der Deckname des Bunkers, der in Mühldorf geplant ist, lautet »Weingut I«. Die Konstruktion soll eine Produktionsstätte des ersten in Serie gebauten Militärflugzeugs mit Strahltriebwerken beherbergen, der Messerschmitt Me 262 – Hitlers Hoffnung, die drohende Niederlage noch abwenden zu können. Zwölf riesige Betonbogen sollen Platz für acht Etagen bieten, die sich auf über 400 Metern Länge und 33 Metern Breite größtenteils unterirdisch ausdehnen. Bis zur Evakuierung am 28. April 1945 konnten übrigens sieben dieser Bogen fertiggestellt werden. Als Arbeitskräfte werden Juden eingesetzt, die vorwiegend aus Ungarn stammen, zur Organisation des Ganzen wird die KZ-Lagergruppe Mühldorf aus dem Boden gestampft, eines von 169 Außenkommandos des Konzentrationslagers Dachau. Ein Teil des Komplexes ist das sogenannte Waldlager, das von Überlebenden als äußerst primitiv beschrieben wird. Untergebracht werden die Arbeiter in runden Zelten, deren maximale Höhe im Zentrum keine zwei Meter beträgt und die seitlich so stark abfallen, dass aufrechtes Stehen nicht möglich ist. Der Durchmesser liegt bei etwa sieben Metern, diese Fläche teilen sich dann bis zu 30 Mann. Bei kompletter Auslastung werden über 2000 Menschen in das Lager gepfercht, die unterschiedliche Tätigkeiten verrichten, von Schreibaufträgen über Ofenbau bis hin zur Arbeit auf der Hauptbaustelle. Dort müssen täglich zwölf Stunden lang ohne Unterbrechung Zementsäcke geschleppt werden, damit die Maschinen ohne Leerlauf in Betrieb sein können. Der reibungslose Ablauf soll durch Schläge sichergestellt werden, diese führen aber oftmals den Tod der ausgemergelten Arbeiter herbei. Die Zahlen sprechen hier eine eindeutige Sprache: Ein Häftling überlebte im Außenkommando Mühldorf durchschnittlich 80 Tage, bevor er an Entkräftung, Schlägen oder Krankheit starb. Die unzureichende Verpflegung sowie die hygienischen Zustände trugen ebenfalls zu dieser Entwicklung bei. 4000 Opfer forderte das Lager, von denen mindestens 2100 Personen einfach in einem Massengrab verscharrt wurden.

Heute ist nur noch einer der zwölf Bogen der Bunkeranlage erhalten.
Unter dem Gewölbe erinnert auf den ersten Blick kaum etwas an die grauenhafte Geschichte der Anlage.
Wiederstandfähiges Mahnmal Nach der Evakuierung im April 1945 sollten die sieben zu diesem Zeitpunkt bereits fertigen Betonbogen eigentlich gesprengt werden. Ein Exemplar widersetzte sich jedoch diesem Schicksal, als hätte es seine Bestimmung darin gefunden, ein Mahnmal zu setzen, das die Nachwelt an die Grausamkeiten erinnert, die sich vor nunmehr 75 Jahren im Mühldorfer Hart abspielten. Dieser Bogen, wenn auch momentan noch nicht zugänglich, bildet zusammen mit den Standorten des Lagers und des Massengrabs mittlerweile eine dreiteilige Gedenkstätte, die 2018 eröffnet wurde. Ein Ort wie dieser gehört mit Sicherheit zu den düstersten unserer Sammlung, denn er konfrontiert uns mit wahrer Geschichte. Fakt anstatt Fiktion – Deutschlands Vergangenheit.
Das besondere Erlebnis
Direkt ans Mühldorfer Hart grenzt Waldkraiburg. Dort sollte man unbedingt den als Rundweg angelegten »Weg der Geschichte« beschreiten, dieser führt unter anderem am Industriemuseum »Bunker 29« vorbei. In einem original erhaltenen Gebäude der Pulverfabrik lässt sich die (Vor-)Geschichte des Städtchens nacherleben!
4 Murnauer Moos
Ein perfekter Ort für mystische Wanderungen
Wer sich gern in fremde Märchenwelten träumt, dem sei ein Besuch des größten zusammenhängenden Moorgebiets in Mitteleuropa nur zu empfehlen.
Murnauer Moos, Murnau am Staffelsee, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, Oberbayern Ort 82418 Murnau am Staffelsee GPS 47.646148, 11.154926 Anfahrt Mit der Bahn nach Murnau am Staffelsee (Stadt), dann ca. 2,5 km südlich zum Gasthaus Ähndl; mit dem Auto auf der A95, Ausfahrt Kochel-Murnau, bis zum Wanderparkplatz in der Ramsachstraße

Ein Stück Natur, an dem sich Feen und Elfen tummeln könnten
Murnau, Mystik, Moorgeister Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, am nördlichen Rand der Alpen, südlich der Stadt Murnau, befindet sich ein wahres Kunstwerk der Natur: 4200 Hektar Moore, Feuchtwiesen und Wälder. Mehr als 1000 Farn- und Blütenpflanzen lassen uns beim Spazieren durch diesen mystischen Ort in fantastische Welten reisen – zu Feen, Elfen, Trollen und Moorgeistern. Um diesen sagenhaften Platz in seiner ganzen Fülle zu erkunden, lohnt es sich allemal, den Moos-Rundweg zu wandern, der mit einer Länge von 12 Kilometern auch für Anfänger optimal geeignet ist. Besonders schön ist es hier im Frühjahr, wenn die Schwertlilien blühen und dem Namen der Talschaft, »das Blaue Land«, alle Ehre machen. Natürlich hat das Murnauer Moos neben seiner hellen, blütenreichen Seite auch ein anderes, düsteres Gesicht – vor allem im morgendlichen Herbstnebel strahlt diese Landschaft so etwas wie übernatürliche Energie aus. Kein Wunder, dass man sagt, hier sei in Vorzeiten sogar ein heidnischer Kultort gewesen. Heute befindet sich auf dem Hügel am Rande des Mooses in Ramsach die Kirche St. Georg, auch »Ähndl« genannt, welche die älteste Glocke Deutschlands aus dem 8. Jahrhundert beherbergt. Noch heute soll die Glocke vor dunklen Mächten in Form von Dämonen und Moorgeistern schützen und das kleine Gotteshaus als Bollwerk gegen das Böse dienen.

Hier sollte man sich vor etwaigen Moorgeistern besser in Acht nehmen.
Der sagenumwobene Lindwurm Doch nicht nur Moorgeister treiben ihr Unwesen im Murnauer Moos! Glaubt man einer alten Sage, waren das Murnauer Moos und der Staffelsee die Heimat des grauenerregenden Lindwurms, dem späteren Wappentier der Stadt Murnau. Dieser versetzte die ganze Gegend in Angst und Schrecken, raubte Kälber von Höfen und Jungfrauen aus ihren Häusern und fraß sie mit Haut und Haar. Danach labte er sich im Staffelsee. Am Drachenstich gelang es einem Schusterjungen, das Ungeheuer zu überlisten, indem er ihm ungelöschten Kalk, gewickelt in ein frisches Kalbsfell, vorsetzte. Der gierige Drache verschlang das vermeintliche Kälbchen und es dauerte nicht lange, bis der Kalk zu quellen begann und der Lindwurm schließlich in Fetzen gerissen wurde.
Das besondere Erlebnis
Man mag den Schauergeschichten rund um das Murnauer Moos Glauben schenken oder nicht, aber ein Blick durch das »Fenster zum Moos« auf dem Dünaberg wird jedermann sprachlos machen.

Das »Ähndl« am Rand des Murnauer Mooses

Auf diesen Pfaden wandelt man auf den Spuren des grauenerregenden Lindwurms.
5 Die Pumpwerk-Ruine
Ehemaliges Pumpwerk Maxkron (Penzberg)
Ein hoher Turm, Putz bröckelt von der verblassten Fassade, die Gebäude sind teilweise komplett verfallen – ein heruntergekommenes Haus, mögen manche sagen.
Penzberg, Landkreis Weilheim-Schongau, Oberbayern Ort Untermaxkron 9, 82377 Penzberg GPS 47.762320, 11.399462 Anfahrt Mit der Bahn nach Penzberg, weiter mit dem Bus zur Haltestelle Maxkron; mit dem Auto auf der A95, Ausfahrt Seeshaupt
»Maxkroner Landl« Die Ansiedlung wurde nach dem ersten bayerischen König Max I. Joseph benannt. Einer Legende nach ist dieser bei einer seiner Reisen mit der Kutsche auch an diesem kleinen Ort vorbeigekommen. Bei der Durchfahrt muss er seine goldene Krone verloren haben. Doch er hatte Glück und die Dorfbewohner – die späteren Maxkroner – fanden seinen kostbaren Kopfschmuck und brachten diesen gewissenhaft zurück. Aus Dankbarkeit schenkte ihnen der König das »Maxkroner Landl«.
Verfall und Vergänglichkeit Ein Gebäude ohne Dach, das Gemäuer mit Graffiti besprüht, durchrostete Metallplatten, tiefe Schächte, in die Leitern hinab ins Dunkle führen, sowie einige alte, übrig gelassene Maschinen: Der Verfall des alten Pumpwerks in Maxkron Penzberg ist deutlich sichtbar. Kaum vorzustellen, dass hier von 1951 bis 1971 ein Kraftwerk betrieben wurde – nun steht das Gebäude seit gut fünfzig Jahren leer. Im Lauf der Zeit suchten jedoch immer mehr Menschen diesen verlassen Ort auf, denn gerade das Verwahrloste und das Unheimliche faszinierte sie. So zählt dieser Ort bis heute nicht ohne Grund zu einem der beliebtesten »Lost Places« in Oberbayern. Auch die lokale Jugend fand in der Pumpwerk-Ruine einen begehrten, aber auch gefährlichen Tummelplatz. Die Idee für das Kraftwerk reicht bis in die 1930er-Jahre zurück, der Beginn der Erdarbeiten war schließlich im Frühjahr 1942. Doch der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in diesem kleinen Ort seine Spuren: Der Bau musste eingestellt werden und im November 1944 trafen Fliegerbomben auf das Baustellengelände. Nach Bauende im Jahr 1945 lief die Anlage erstmals gute drei Jahre; nach einer mehrjährigen Pause wurde der Betrieb des Pumpkraftwerks 1951 erneut aufgenommen. Zwanzig Jahre lang konnte somit das damalige Penzberger Bundesbahnkraftwerk, das Strom für eine geplante Stadt- und Untergrundbahn in München benötigte, mit Kühlwasser aus der Loisach versorgt werden. In einem 30 Meter hohen Turm auf dem Gelände gab es ursprünglich einen Zwischenbehälter, in den das Wasser hinaufgepumpt wurde, um von dort aus bis nach Penzberg zu fließen. Dieser war vor allem für den Ausgleich der auftretenden Schwankungen im Verbrauch wichtig und diente zugleich dem Ausgleich bei Pumpausfällen. Im Jahr 1971 wurde das Werk jedoch endgültig stillgelegt.

Urbexer werden diesen Ort lieben!

Verfallen und verlassen steht sie da …
… die Ruine des alten Pumpwerks.
Und jetzt? Nach der Schließung gab es bereits mehrere Pläne, das Areal anderweitig zu nutzen, wie beispielsweise den Bau eines Oldtimer-Forums mit Ausstellungsfläche, Gastronomie und Werkstatt. Diese wurden jedoch schnell verworfen aufgrund vehementer Proteste der Bürger, die einen starken Anstieg von Lärm und Verkehr befürchteten. So bleibt die Zukunft des alten Pumpwerks also ungewiss. Ob sich jemand findet, der dem Anwesen eine neue Bestimmung zuweist, mit der auch die Bewohner zufrieden sind, oder ist es für den ewigen Leerstand bestimmt? Solange können sich noch Liebhaber des Maroden und des Verfalls daran erfreuen und die Ruine erkunden – Nervenkitzel ist vorprogrammiert.
Das besondere Erlebnis
Ein Highlight ist definitiv der hoch aufragende Wasserturm. Wer sich in sein Inneres wagt, findet eine massive Steintreppe vor, die hinauf auf das Dach führt. Von dort aus hat man einen schönen Rundumblick über das gesamte verlassene und verfallene Gelände der Pumpwerk-Ruine. Über die Turmtreppe kann man ebenfalls in die dunklen Kellergewölbe hinabsteigen, um zu den alten Maschinen zu gelangen – diese Wegoption ist der maroden Holztreppe im Hauptgebäude definitiv vorzuziehen. Aber wie bei jedem Lost Place gilt auch hier: Ihr handelt immer auf Eure eigene Verantwortung!

Aus der Vogelperspektive wird deutlich, welch imposantes Gebäude das Pumpwerk einst war.

Die Zukunft des Geländes ist ungewiss.
6 Die Weiße Frau vom Ebersberger Forst
Eine geisterhafte Beifahrerin treibt ihr Unwesen
An der Staatsstraße 2080 soll eine unheimliche Frauengestalt auf ihrem Rachefeldzug unbescholtene Autofahrer in Angst und Schrecken versetzen.
Staatsstraße 2080, Ebersberger Forst, Landkreis Ebersberg, Oberbayern Ort 85661 Ebersberger Forst GPS 48.127358, 11.944312 Anfahrt Mit der Bahn nach Hörkofen, weiter mit dem Bus nach Hohenlinden (Neustockach) und dann zu Fuß durch den Ebersberger Forst; mit dem Auto auf der A94 nach Forstinning, dann auf die Staatsstraße 2080 Richtung Ebersberg
Urbane Legende oder Wirklichkeit? Was man früher noch Schauergeschichte oder Ammenmärchen nannte, heißt heute »Urban Legend« – die moderne Sage. Die neue Bezeichnung macht den Inhalt allerdings nicht weniger gruselig. So versetzt die urbane Legende um die Weiße Frau vom Ebersberger Forst schon lange jeden Hörer in Gänsehautstimmung.

Tagsüber mag es hier beschaulich sein …
Rache per Anhalter Nur 20 bis 30 Kilometer östlich von München liegt der Ebersberger Forst. Tagsüber lädt das ausgedehnte Waldgebiet zu Wanderungen und Spaziergängen ein. Sobald die Sonne jedoch hinter den Baumwipfeln verschwindet, schlägt die friedliche Stimmung um und es wird richtig unheimlich. Eine Nachtwanderung durch den Wald ist hier also nur etwas für richtig mutige Explorer, doch selbst die Autofahrt durch den Forst ist nichts für schwache Nerven! Fährt man im Dunkeln auf der Staatsstraße, die durch den Ebersberger Forst führt, sollte man sich auf der Höhe der Hubertuskapelle besonders in Acht nehmen. Hier soll in den 1940er-Jahren bei einem Unfall eine junge Frau samt ihren beiden Kindern umgekommen sein, weil der Unfallverursacher Fahrerflucht beging. Seitdem geistert die Weiße Frau an der angeblichen Unfallstelle umher und verfolgt nur ein Ziel: Rache an rücksichtslosen Autofahrern. Die Geisterdame erscheint als nächtliche Anhalterin am Straßenrand. Hält man an und lässt sie einsteigen, wird sie nach kurzer Strecke einfach wieder vom Beifahrersitz verschwinden, als wäre sie nie dagewesen, und der Fahrer darf ungehindert weiterfahren. Fährt man jedoch unbeirrt weiter, ohne die arme Anhalterin einsteigen zu lassen, wird man nicht mehr sehr weit kommen: Die Weiße Frau wird plötzlich auf dem Rücksitz des Wagens auftauchen und wer da nicht schon vor lauter Schreck das Lenkrad herumgerissen hat, dem greift sie hinein und verursacht auf diese Weise schreckliche Unfälle, bei denen schon etliche Menschen zu Tode gekommen sein sollen.
Die Weiße Frau ist nicht allein In der Tat kam es früher auf besagter Staatsstraße auf Höhe der Kapelle vermehrt zu schlimmen Verkehrsunfällen. Deshalb wurde in den 1980er-Jahren auch der Straßenverlauf verlegt und die Kurve somit entschärft. Seitdem geschehen an dieser Stelle auch nicht mehr Unfälle als andernorts. Trotzdem reißen die Berichterstattungen über die Weiße Frau vom Ebersberger Forst nicht ab. Vor allem im Internet wird das Phänomen in einschlägigen Foren und Blogs heftig diskutiert und durch Videoaufzeichnungen belegt. Ob diese Aufnahmen echt sind, vermag man – mit Blick auf die heutigen technischen Möglichkeiten – wohl kaum zu sagen. Was man allerdings mit Sicherheit behaupten kann, ist, dass die Weiße Frau nicht nur im Ebersberger Forst für Faszination sorgt: Zahlreiche »Schwestern« geistern durch ganz Deutschland. Bevorzugte Spukstätten sind alte Schlösser und Burgen wie die Starkenburg in Heppenheim, Burg Bentheim oder Schloss Neuenburg. All diesen Geistern in weißer Frauengestalt liegt die Geschichte einer bestimmten Weißen Frau zugrunde: Kunigunde von Orlamünde, die Mutter aller schaurigen Weißen Frauen!

… doch sobald die Dämmerung über dem Ebersberger Forst hereinbricht, wird es richtig schaurig.
Eine Mutter opfert ihre Kinder Kunigunde von Orlamünde war Burgherrin der Plassenburg bei Kulmbach in Franken und Witwe des Grafen Otto von Orlamünde. Als sich Kunigunde neu verliebte, war es um sie geschehen und Albrecht der Schöne war ihr neuer Lebensmittelpunkt. Dieser war ihr auch nicht abgeneigt und wollte sie gern heiraten, jedoch stünden seiner Aussage nach vier Augen ihrer Liebe im Weg. Damit meinte er seine Eltern, denen die Verbindung mit Kunigunde ein Dorn im Auge war. Es kam allerdings zu einem Missverständnis mit furchtbaren Folgen: Kunigunde bezog die Worte Albrechts auf ihre beiden Kinder und beschloss kurzerhand, ihre Nachkommen zu töten, indem sie ihnen mit einer Nadel in den Kopf stach. Nach dieser grausamen Tat wandte sich ihr Geliebter endgültig von ihr ab und Kunigunde trat zur Buße ins Kloster ein, wo sie später starb. Fortan erschien auf der Plassenburg eine Weiße Frau und warnte vor Unglücks- und Todesfällen – ihr zu begegnen brachte demnach nie etwas Gutes mit sich. Kein Wunder also, dass Geschichten um Weiße Frauen auch heute noch eine so große Anziehungskraft auf die Menschen ausüben. Seit dem 16. Jahrhundert waren die Gruselgeschichten um sie immer wieder Thema und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa und über die Grenzen des Kontinents hinaus. So besuchte sogar ein japanisches Fernsehteam die Kapelle im Ebersberger Forst, um dem Mythos über die Phantom-Anhalterin auf den Grund zu gehen. Zu neuen Erkenntnissen kam es allerdings auch nicht.

In diesem Waldstück sollen Wanderer von Irrlichtern gejagt werden.

Das Heim der Weißen Frau: die Hubertuskapelle
Von Irrlichtern verfolgt Die Angelegenheit bleibt also höchst mysteriös, denn obwohl es niemals auch nur einen einzigen stichhaltigen Hinweis darauf gab, dass es die Weiße Frau wirklich gibt, reißen die Gerüchte um angebliche Augenzeugenberichte »vom Cousin des Vaters der Nachbarin« einfach nicht ab. Verstärkt werden diese durch das Vorkommen unerklärlicher visueller Erscheinungen im Forst: Tanzende Lichter und Irrlichter verfolgen Spaziergänger des nachts durch den Wald. Alles in allem sehr rätselhaft, also bleibt uns nichts anderes übrig, als dem Ort des Geschehens selbst einen Besuch abzustatten – selbstverständlich bei Nacht!
Das besondere Erlebnis
Wer sich also traut, die 1859 erbaute Kapelle in der Nacht aufzusuchen, der sollte sich gleich richtig darauf einstimmen. Wie wäre es also, vor dem Ausflug einen Filmabend zu veranstalten und sich die Mini-Horrorserie »Ebersberg« auf YouTube anzuschauen?
7 Vom einstigen Glanz blieb kaum etwas …
Die Villa des Malers Gabriel von Max
Die einstige Traumvilla, die seit Jahrzehnten einsam und verlassen am See verkommt, wäre als »Haunted House« das perfekte Set für einen Horrorfilm.
Ammerland, Münsing, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Oberbayern Ort Südliche Seestraße 29, 82541 Münsing GPS 47.898796, 11.334551 Anfahrt Mit der Bahn nach Starnberg (Nord), dann weiter mit dem Bus nach Ammerland; mit dem Auto auf der A95, Ausfahrt Wolfratshausen
Edgar Allan Poe hätte diesen Ort nicht besser erfinden können »Ich weiß nicht, wie es kam – aber ich wurde gleich beim ersten Anblick dieser Mauern von einem unerträglich trüben Gefühl befallen. Ich sage unerträglich, denn dies Gefühl wurde durch keine der poetischen und darum erleichternden Empfindungen gelindert, mit denen die Seele gewöhnlich selbst die finstersten Bilder des Trostlosen oder Schaurigen aufnimmt.« Mit diesen Worten beschreibt der Ich-Erzähler in Edgar Allan Poes »Der Untergang des Hauses Usher« seine Ankunft auf dem Anwesen seines Jugendfreundes Roderick Usher. In Ammerland, einem Ortsteil von Münsing im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, steht ein Gebäude, das allen, die der Südlichen Seestraße 29 einen Besuch abstatten, wohl die gleiche düstere Reaktion entlockt: die Villa Max.

Das Grab des Malers auf dem Münchener Südfriedhof
Die skurrile Residenz von Gabriel Max Errichtet wurde der mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Bau 1871 für den Maler, Spiritisten und Darwinisten Gabriel von Max, der sich das zukünftige Zuhause seiner Familie ganz nach seinen Vorstellungen realisieren ließ. Vor allem die Balusterbalkone verliehen der zweigeschossigen Konstruktion mit Flachsatteldach einen besonderen Charme. Von Max war eine schillernde und polarisierende Persönlichkeit, als Maler hochgeschätzt, für seinen Hang zum Übernatürlichen jedoch von einigen Zeitgenossen verurteilt und kritisch beäugt. Auch seine Interessen muten stellenweise exzentrisch an, so besaß er eine Schädelsammlung mit über 60 000 Exponaten und hielt in Ammerland eine Affenherde. Seine Villa war der Rückzugsort, den es brauchte, um sämtliche seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Visionen in die Tat umsetzen zu können. Vor diesem Hintergrund ist es umso tragischer, was in den vergangenen Jahrzehnten aus dem ehemals so prachtvollen Gebäude geworden ist: ein Schatten seiner selbst mit morschen Holzbrüstungen, abblätternder Farbe und zu wenig Kraft, sich dem Verfall entgegenzusetzen. Stattdessen wird von den aktuellen Eigentümern seit Jahren versucht, die Genehmigung für den Abriss zu erhalten. Und dies wäre in der Tat ein Untergang.
Das besondere Erlebnis
Dieselbe Schwermütigkeit, die dieses Haus umgibt, findet sich auch in den Kunstwerken des Malers. Eines davon – Das Anatom – lässt sich in der Neuen Pinakothek in München betrachten. Und wenn man schon in der bayerischen Landeshauptstadt ist, sollte man ebenfalls das Grab Gabriel von Max’ auf dem Südfriedhof besuchen!

Heute kann man nur noch erahnen, welch imposantes Gebäude die Villa einst war.
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