Kitabı oku: «Lust auf Sex, Blut und Rache»

Yazı tipi:

Anne Pallas

Lust auf Sex, Blut und Rache

Geheimagenten und Hexen im Einsatz, Band 3

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Prolog

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Impressum neobooks

Vorwort

Es geschehen täglich Verbrechen.

Okay. Klar. Das ist jedem Menschen bekannt, der am öffentlichen Leben teilnimmt, und/oder der Berichterstattung in den Medien einigermaßen folgt.

Aber es geschehen auch täglich Verbrechen, über die nicht berichtet wird. Und das hat einige sehr gute Gründe.

Einerseits liegt es in den Grausamkeiten der Taten begründet. Die Menschen wollen einen friedlichen Alltag leben, und nicht über den Blutdurst der gesellschaftlichen Außenseiter nachdenken müssen.

Außerdem gibt es Verbrechen, die nicht von Menschen ausgeübt worden sind. Nicht von Menschen? Von wem denn sonst?

Diese beiden Fragen werden Sie sich in diesem Augenblick stellen. Und das auch berechtigt.

Ich werde versuchen, in diesem Vorwort mit einigen wenigen Sätzen und Andeutungen diese Fragen zu beantworten. Keine Angst, Sie werden alles erfahren. Die vielen Realitäten, in denen wir leben, werde ich in meinen Romanen ausführlich behandeln.

Eine kurze Andeutung sollen Sie bekommen: Auf unserem Planeten lebt eine Gemeinschaft unterschiedlicher Wesen zusammen, teilweise friedlich, teilweise auch durch Hass verbunden. Hier handelt es sich um uns Menschen, aber auch um Hexen, Dämonen, Vampire, Zwerge, Drachen, Elfen, Engel und natürlich die Götter.

Wie bereits gesagt, möchten die Menschen ein friedliches Leben führen, und nichts über die Taten von anderen Wesen hören, sehen oder lesen.

Um den Menschen diesen Frieden zu gewähren, besitzt jedes Land eine geheime Behörde, die sich um die Taten der nichtmenschlichen Wesen kümmert.

Wenn zum Beispiel ein Vampir einen Obdachlosen aussaugt, oder ein Wasserdämon ein Opfer reißt, kommt diese Behörde zum Einsatz. Einerseits muss das Wesen, dass für diese Verbrechen verantwortlich ist, gejagt und bestraft werden. Und andererseits muss die Tat vor den einfachen Menschen verborgen werden.

Die deutsche Behörde, die für diese Art von Verbrechen zuständig ist, hat ihren Sitz in München und nennt sich CEDIS. Die Anweisungen erhält jede Landesbehörde – und hier sei angemerkt, dass es egal ist, um welches Land der Erde es sich handelt – vom Rat der Vier. Ich werde auf diese geheime Weltregierung zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen. Anzumerken wäre hier nur, dass dieser Rat aus Vertretern der Politik, der Glaubensgemeinschaften, der Wirtschaft und den geistigen Eliten zusammengesetzt ist.

Die deutsche CEDIS wird von Julie Waldenfels geleitet. Über meine Chefin werde ich im Laufe meiner Romanserie noch ausführlich zu sprechen kommen.

Aber jetzt sollte ich mich selbst vorstellen:

Mein Name lautet Anne Pallas, ich bin fünfundzwanzig Jahre alt, und arbeite als Agentin für die CEDIS. Mein Körper ist schlank gewachsen und sportlich trainiert. Ich habe lange blauschwarze Haare, und glänzende grüne Augen, die auf Fremde mysteriös, anziehend, aber auch unheimlich wirken. Die hohen Wangenknochen und der volle Mund geben mir ein aristokratisches Aussehen.

Ich stamme in direkter Linie aus dem Geschlecht der Lykhaner. Hierbei handelt es sich um eine mächtige und sehr alte Hexenfamilie. Sie lesen richtig. Ich bin eine Hexe und verfüge über magische Fähigkeiten, auf die ich im Laufe meiner Romanerzählungen noch ausführlicher eingehen werden.

Aber diese Gaben sind Voraussetzung für die Tätigkeit als Agentin bei der CEDIS. Wie sollte auch ein normaler Mensch gegen einen Dämon oder Vampir bestehen können? Nein, das wäre nicht möglich. Für diese Kämpfe benötigt man außergewöhnliche Fähigkeiten. Und solche besaß ich. Aber auch jeder andere Mitarbeiter bei der CEDIS besitzt besondere Gaben, die der Behörde dienlich sein können.

Aber ich habe auch eine besondere Schwäche. Bei mir ist es die animalische Lust auf Sexualität, egal, ob mit einem Mann oder einer Frau. Ich bin diesbezüglich nicht festgelegt. Und natürlich kennt meine Chefin bei der CEDIS diese Schwäche, denn sie setzt meine Sexualität ein, wenn sie zur Aufklärung schwieriger Fälle dienlich ist.

Um es klar auszudrücken: Ich muss regelmäßig meinen Körper einsetzen oder benutzen lassen, um an hilfreiche Informationen zu gelangen. Und ich tue es meistens sehr gerne, denn ich bin einem geilen Fick immer aufgeschlossen.

Ich werde als Autorin über die wahren Fälle berichten, die ich während meiner Agententätigkeit für die CEDIS gelöst habe. Es wird eine Romanserie entstehen, deren Dauer und Anzahl ich jetzt noch nicht absehen kann. Es ist im Grunde erst einmal eine Open-End-Story.

Als Schriftstellerin, die das Schreiben als nebenberufliches Hobby während einer aufreibenden Agententätigkeit betreibt, bin ich für Kritik und Anregungen offen, da ich mich auf diesen Weg weiterentwickeln kann.

Schreibt mir doch einfach:

anne.pallas@gmx.de

Viel Spaß beim Lesen meiner Romanserie

Anne Pallas

Prolog

Kilmundie Farm

Glenogilvy, Forfar DD8 1UL

Schottland

Geisterhaft und bleich schien das Mondlicht auf die einsame Farm hinunter. Die Nacht war klar und wolkenlos, aber über Schottland lag eine bedrückende, unnatürliche Stille. Der Wind war vollkommen eingeschlafen, und selbst das Käuzchen, das seit Wochen im nahen Wald nistete und den Bewohnern des Hauses so manche schlaflose Stunde bereitet hatte, war verstummt.

Der Mann öffnete lautlos das Tor, blieb einen Moment reglos stehen und ging dann die gewundene Zufahrt zum Haus empor. Die zweigeschossige Farm lag still und wuchtig vor ihm. Nur über der Tür brannte eine trübe Lampe, die aber kaum ausreichte, mehr als die Umrisse des hölzernen Portals zu erkennen.

Wieder blieb der Mann stehen, sah sich aus misstrauisch zusammengekniffenen Augen um und lauschte auf ein verdächtiges Geräusch. Der Garten erinnerte kaum mehr an die gepflegte, farbenprächtige Anlage, in die seine Besitzer ihn verwandelt hatten.

Im bleichen Mondlicht schienen sich die Büsche in dürre, gierig ausgestreckte Spinnenfinger zu verwandeln, und die Äste der uralten Trauerweide neben der Garage erinnerten plötzlich an Arme eines riesigen Kraken, der an Land gekrochen war und geduldig auf ein Opfer lauerte.

Der Mann unterdrückte ein Stöhnen.

Trotz der kalten schottischen Nacht glänzte seine Stirn vor Schweiß, und als er die Hand aus der Tasche zog und sich mit einer fahrigen Geste über das Gesicht wischte, zitterten seine Finger.

Nur mühsam riss er sich von dem grausigen Anblick los und ging weiter auf die Farm zu. Der Weg wand sich zwischen blühenden Sträuchern und sorgfältig gepflegten Blumenbeeten hindurch, aber dafür hatte der Eindringling keinen Blick.

Er erreichte die Tür, streckte die Hand nach dem Klingelknopf aus und zögerte.

Sein Herz begann zu rasen. Wieder glitt seine Hand in die Jackentasche. Seine Finger tasteten über das glatte, kühle Metall, und so etwas wie Angst kroch in seiner Kehle empor. Er keuchte, zog die Hand zurück und wandte sich ruckartig um. Seine Bewegungen wirkten starr und puppenhaft, als hätte er seinen Körper kaum noch unter Kontrolle und müsse sich zu jeder Handlung mühsam zwingen.

Er machte einen Schritt von der Farm weg, blieb stehen und starrte mit schreckgeweiteten Augen auf den Garten. Aber er sah weder die Blumen noch den dunklen Zierteich, sondern einzig das formlose Grauen und die namenlosen Scheußlichkeiten, die sich in den Schatten eingenistet hatten und nur darauf warteten, über ihn herzufallen.

Nein! Er musste es tun!

Er hatte keine Wahl. Er war kein Ungeheuer, und die Menschen in dieser Farm waren seine Freunde, aber wenn er jetzt wegginge, würde ihn Schlimmeres erwarten als der Tod.

Er musste die Befehle von Caitlin ausführen, und alles würde gut werden!

Langsam wandte er sich um, hob die Hand und presste den Daumen auf die Klingel. Drinnen im Haus schlug ein Gong an. Das Geräusch drang nur gedämpft durch das zollstarke Holz der Tür, und er drückte noch einmal auf den Knopf, und noch einmal und noch einmal, so lange, bis hinter einem der schmalen Fenster im Dachgeschoss Licht aufflammte und schlurfende Schritte auf der Treppe hörbar wurden.

Neben dem kleinen Notlicht über der Tür flammte eine zweite, stärkere Lampe auf. Der Mann hob geblendet die Hand vor die Augen und trat einen halben Schritt zurück. In der Tür öffnete sich eine schmale Klappe, und ein dunkles Augenpaar spähte misstrauisch zu dem nächtlichen Besucher hinaus.

„Was in drei Teufels Namen ...“, murmelte eine verschlafene Stimme. „Roy! Wissen Sie eigentlich, wie spät es ist?“

Der Mann nickte. Er brauchte sich nicht zu verstellen, um seiner Stimme einen gequälten Klang zu geben.

„Ich weiß es, Mister Kilmundie. Es ist mitten in der Nacht, und ... und ... Sie haben sicher schon längst geschlafen. Aber es ist sehr wichtig. Bestimmt, sonst würde ich nicht so spät stören. Bitte, lassen Sie mich reinkommen, nur einen Moment, und ich erkläre Ihnen alles.“

Der Mann hinter der Tür zögerte sichtlich. Offenbar war ihm nicht wohl dabei, jemanden mitten in der Nacht in sein Haus einzulassen. Aber er kannte den Besucher, und es schien wichtig zu sein.

Die Klappe wurde geschlossen, und Augenblicke später hörte man das Geräusch eines Riegels, der langsam zurückgeschoben wurde. Dann schwang die Tür mit leisem Quietschen nach innen.

„Kommen Sie schon rein, Roy“, sagte Angus Kilmundie, der Besitzer der Farm. Sein Gesicht wirkte verschlafen und alles andere als gut gelaunt, aber er trat beiseite und wartete, bis Roy an ihm vorübergegangen war, ehe er die Tür wieder schloss und sorgfältig den Riegel vorschob.

„Gehen wir in die Bibliothek“, murrte er, „und Sie können mir Ihr Leid klagen. Aber seien Sie leise. Das Personal schläft, und ich möchte auch nicht, dass meine Frau aufwacht.“

Gebückt schlurfte er vor seinem Gast durch die großzügige Eingangshalle, öffnete die Tür und schaltete das Licht in der Bibliothek ein.

Das Rasiermesser in der Hand seines Besuchers bemerkte er erst, als es zu spät war!

Der Farmer spürte einen kräftigen Arm, der sich um seinen Oberkörper legte und ihn wie ein Seil fesselte. Er spürte eine scharfe Klinge, die an seinen Hals gesetzt wurde.

„Roy ... war tust du ...“, röchelte der alte Farmer.

„Du musst sterben, Angus ... so wollte es Caitlin ...“

Der nächtliche Eindringling öffnete mit einem kraftvollen Schnitt die Haut des Halses. Sofort schnitt die scharfe Klinge durch den Kehlkopf des Farmers.

Angus Kilmundie konnte nur noch röcheln, als das Blut dickflüssig aus seinem Hals lief. Es dauerte nur wenige Sekunden, bevor der Farmer tot in den Armen seines Mörders hing.

Als das Leben aus dem Körper des Farmers gewichen war, ließ der Mann den leblosen Leib emotionslos auf den Boden fallen. Er blickte sich forschend um, ob jemand die Tat bemerkt hatte. Aber alles war still. Somit konnte er mit seinem Auftrag fortfahren.

Wenig später lag auch die Ehefrau des Farmers in ihrem eigenen Blut. Der Mörder hatte der tief schlafenden Frau erbarmungslos die Kehle durchgeschnitten!

„Caitlin ...“, rief der Mann nach vollbrachter Tat. „Oh, Caitlin ... hast du es gesehen ... ich habe deinen Auftrag ausgeführt ... bin ich jetzt frei?“

1

Edinburgh, Schottland

„Noch so ein Tag“, seufzte Robin Barnes, „und ich kündige und beschäftige mich für den Rest meines Lebens mit der Rosenzucht einer reichen Witwe.“

Er lehnte sich zurück, schloss die Augen und stieß geräuschvoll die Luft aus. Sein Gesicht wirkte blass und eingefallen. Unter seinen Augen lagen tiefe, dunkle Ringe, die von den überstandenen Anstrengungen des Tages kündigten.

Ich sah meinen Partner von der Seite an, runzelte die Stirn und lächelte dann wortlos. Barnes war ein Genie im Einsatz als Agent, jedoch weniger als Bodyguard geeignet. Aber ich wusste, dass seine Worte nicht allzu ernst gemeint waren. Er hatte damit lediglich seiner Erschöpfung Ausdruck verleihen wollen.

Seine tiefe Stimme riss mich aus meinen Gedanken.

„Ich hoffe, der dämliche Kongress ist morgen beendet“, sagte er.

Ich seufzte. „Hoffentlich. Noch so einen Tag ...“

„Als wenn ich es mit meinen Fähigkeiten nötig hätte, einen bescheuerten Wissenschaftler zu bewachen!“

Ich lächelte und warf einen Blick in den Rückspiegel des Cadillacs, setzte den Blinker und bog von der Hauptstraße in den Waterloo Place ab. Der Cadillac war ein plumpes, schwerfälliges Fahrzeug, aber ich war eine geübte Fahrerin, die auch mit dem ungewohnt großen Straßenkreuzer zurechtkam. Trotzdem sehnte ich mich nach meinem weißen Porsche zurück, der sich in meiner Garage langweilte.

Der wuchtige, altmodisch wirkende Bau des Apex Waterloo Place Hotel tauchte vor uns auf. Ich verringerte das Tempo und hielt nach einer Parklücke Ausschau.

„Hinter uns fährt einer raus“, sagte Robin.

Ich hielt an und sah in den Spiegel. Wenige Meter hinter uns scherte ein Wagen aus der Parklücke aus. Ich legte den Rückwärtsgang ein und fuhr vorsichtig zurück, ohne mich umzudrehen. Der übergroße Innenspiegel des Cadillacs genügte vollkommen.

Ein dumpfer Schlag traf den Wagen!

Ich trat instinktiv auf die Bremse, hörte einen dumpfen Aufprall, dann das schmerzerfüllte Seufzen eines Menschen.

Mist! Was war nun geschehen? Ich riss die Tür auf und sprang aus dem Wagen.

Eine sehr schlanke junge Frau mit auffallend langen tiefschwarzen Haaren lag direkt hinter dem Reifen des Cadillacs. Sie stöhnte. Auf ihrem Gesicht lag ein schmerzerfüllter Ausdruck. Die rechte Hand presste sie fest gegen das Knie, wo sie die Stoßstange des Wagens getroffen hatte. Die Frau musste direkt in das Auto gelaufen sein.

Ich kniete neben der Verletzten nieder. Ich war absolut sicher, dass die Straße leer gewesen war, den Rückspiegel hatte ich nicht eine Sekunde aus dem Auge gelassen!

„Es ... es tut mir leid“, sagte ich unbeholfen. „Ich habe Sie übersehen.“

„Übersehen?“, keifte eine Stimme hinter mir.

Ich sah auf und blickte in das Gesicht eines alten, glatzköpfigen Mannes. Er trug einen schäbigen Freizeitanzug, ein billiges, seit Jahrzehnten aus der Mode gekommenes Nylonhemd und schwang drohend seinen Spazierstock.

„Übersehen?“, wiederholte er aggressiv. „Die junge Frau hat die ganze Zeit dort gestanden. Sie sind direkt in sie hineingefahren!"

Robin Barnes fuhr auf. „Rufen Sie lieber einen Krankenwagen, statt Volksreden zu halten“, sagte er gereizt. „Die Frau ist verletzt.“

Der Alte grinste boshaft. „Damit ihr inzwischen die Fliege machen könnt, wie?“, fragte er. „Ich habe es genau gesehen. Sie haben die arme Frau ja fast mit Absicht über den Haufen gefahren. Es ist immer dasselbe mit euch. Nur, weil ihr euch dicke Schlitten leisten könnt, denkt ihr, die Straßen gehören euch!“

Er wandte sich an die Verletzte. „Wenn Sie mich als Zeuge brauche, dann ...“

Die Frau schüttelte mühsam den Kopf und versuchte aufzustehen. Ich half ihr, zuckte jedoch erschrocken zurück, als ich den Arm der Verletzten berührte. Die Haut fühlte sich kalt und tot an, wie bei einer Leiche, die auf dem Tisch der Pathologie lag. Außerdem könnte ich die schwarzmagische Aura der Frau spüren, sie strahlte eine ungewöhnlich starke Macht aus. Als ich erschrocken zurücksprang, glommen die Augen der verletzten Schwarzhaarigen schadenfroh auf und nahmen einen rötlichen Farbton an.

„Zuerst einmal rufen wir einen Krankenwagen“, sagte ich entschieden, um diesen Moment zu überspielen. „Wir besprechen alles andere später. Natürlich werde ich sie entschädigen. Ich habe den Unfall schließlich verschuldet.“

„Wenn es ein Unfall war“, murmelte Barnes.

Ich sah meinen Partner verwirrt an. „Wie meint du das?“

Sein rechter Zeigefinger richtete sich drohend auf den Alten, der noch immer dastand und mich streitlustig musterte.

„Ist doch recht praktisch, gleich einen Zeugen bei der Hand zu haben, nicht wahr?“, erklärte er.

„Was soll das heißen?“

Barnes fuhr unbeirrt fort. „Nichts“, sagte er ruhig. „Noch nicht, jedenfalls. Aber weder du noch ich haben die Frau gesehen. Und sie behaupten, dass sie die ganze Zeit über dagestanden hat.“

„Hat sie auch!“, brüllte der Alte. Er schnaufte, bedachte Barnes mit einem vernichtenden Blick, den dieser mit einem gleichgültigen Lächeln quittierte, und wandte sich dann an das Unfallopfer.

„Lassen Sie sich bloß nicht einschüchtern. Wir sollten die Polizei rufen. Die wird dann die Sache schon klären.“

Die Frau schüttelte mühsam den Kopf. „Keine Polizei“, sagte sie. Ihre Stimme klang seltsam fremd, irgendwie eingeübt, so, als hätte sie selten die Gelegenheit, sie zu benutzen.

Etwas an der Verletzten störte mich. Es war nichts ungewöhnlich in einer Großstadt schwarzmagische Wesen anzutreffen. Sie existierten neben den Menschen und lebten unauffällig. Aber diese Schwarzhaarige strahlte etwas Ungewöhnliches und extrem Mächtiges aus.

„Du solltest einen Krankenwagen rufen, Robin.“

Barnes nickte, ging zurück zum Auto, um sein Handy aus dem Aktenkoffer zu holen.

„Bitte keinen Krankenwagen. Mir geht es gut. Ich bin nicht verletzt“, beharrte die Schwarzhaarige.

„Gleich wird sie Ihnen Geld anbieten“, keifte der Alte, durch die Abwesenheit meines Partners merklich mutiger geworden. „Gehen Sie nicht darauf ein. Diese reichen jungen Gören glauben, sich alles erlauben zu können. Aber das Recht können Sie mit Ihrem Geld nicht kaufen. Noch nicht, jedenfalls.“

Ich fuhr erbost herum, meine dunklen Augen blitzten wütend auf.

„Es reicht“, sagte ich mit mühsam beherrschter Stimme. „Ich weiß, dass ich an dem Unfall schuld bin. Es tut mir aufrichtig leid, und ich werde die Verletzte entschädigen. Aber zuerst kümmern wir uns darum, dass sie in ärztliche Behandlung kommt.“

Normalerweise gehörte einiges mehr dazu, mich aus der Fassung zu bringen. Aber ich war nach dem Unfall nervös, und die vollkommen unbegründete Aggressivität des Alten reizte mich noch mehr.

„Vielleicht sparen Sie sich Ihre schlauen Sprüche auf, bis die Polizei hier ist“, zischte ich.

Das Selbstvertrauen des Alten schien merklich angeknackst. Augenscheinlich hatte er sich in mir getäuscht – wie schon viele vor ihm. Trotz meines jugendlichen Aussehens war ich eine Frau, die durch ein paar böse Worte allein nicht einzuschüchtern war.

Ich spürte eine zaghafte Berührung an der Schulter und drehte mich um.

„Hören Sie, Miss“, sagte die verletzte Frau, „es ... es geht mir schon viel besser. Ich glaube nicht, dass wir den Krankenwagen benötigen.“

Ich runzelte unwillig die Stirn. Die Frau wirkte blass und verstört, und in ihren Augen stand ein seltsames Flackern. Ganz offensichtlich stand sie unter einem Schock.

„Es ist wirklich nichts passiert“, fuhr sie eindringlich fort. „Mein Bein ist vollkommen in Ordnung. Hier – sehen Sie selbst.“

Um ihre Worte zu untermauern, hüpfte sie auf dem verletzten Bein auf und ab. Aber offensichtlich hatte sie sich unterschätzt. Sie stieß einen schmerzhaften Seufzer aus, taumelte und wäre gestürzt, wenn ich nicht blitzschnell zugegriffen und sie am Arm gehalten hätte.

Und in diesem Moment geschah es!

Die Schwarzhaarige krallte sich an mir fest, so als müsste sie gestützt werden. Aber das war nicht der Grund ihrer Aktion. Sie ritzte mit ihrem Fingernagel die Haut meines Unterarms auf. Ich spürte, wie die Wunde heiß wurde, wie mein Blut ungewöhnlich zirkulierte, als müsste es gegen einen eindringenden Fremdkörper anzukämpfen.

Ich sprang einen Schritt von der Schwarzhaarigen zurück, die sich gegen den Wagen lehnte und mich hochmütig anlächelte. Was sollte das bedeuten?

„Sehen Sie!“, keifte der Alte. „Ich habe ja gesagt, die Frau ist verletzt! Und Sie sind schuld!“

Ich verstand nicht, was der Auftritt des Alten bedeutete. Aber er ging entschieden zu weit. In mir wallte plötzlich Zorn auf. Dem Alten sollte eine kleine Lektion erteilt werden. Ich beschloss, ihn mit einem bösen Zauberspruch für sein unverschämtes Verhalten zu bestrafen.

Die Straße hinter mir war leer, als ich mich umdrehte!

Ich runzelte verblüfft die Stirn, sah hastig nach rechts und links und hielt nach dem alten Mann Ausschau.

Er war verschwunden!

„Aber das ist doch unmöglich“, flüsterte ich fassungslos. Die wenigen Sekunden, die ich den Alten aus den Augen gelassen hatte, waren viel zu kurz gewesen, als dass ein Mensch spurlos verschwinden konnte.

Plötzlich spürte ich eine seltsame, unerklärliche Kälte, so, als würde ich von einem eisigen Windstoß getroffen. Ich schauderte.

Ich drehte mich erneut um, um nach der Schwarzhaarigen zu sehen.

Aber die Frau war ebenfalls verschwunden!

Ich hatte allerhöchstens vier, fünf Sekunden nach dem Alten Ausschau gehalten. Mit dem verletzten Bein konnte sie in dieser Zeit unmöglich weiter als ein paar Schritte gekommen sein. Aber die Straße zu beiden Seiten war leer. Und das einzige Gebäude, das er in den wenigen Augenblicken erreicht haben konnte, war das Hotel.

Ich eilte mit raschen Schritten um den Wagen. Robin saß auf dem Beifahrersitz und telefonierte mit seinem Handy. Ich riss die Tür auf.

„Wo ist sie?“, fragte ich übergangslos.

„Wer?“

„Die junge Frau, die ich angefahren habe“, entgegnete ich ungeduldig. „Sie ist verschwunden.“

„Verschwunden?“, echote Robin. „Was heißt das?“

„Verschwunden wie verschwunden“, erklärte ich gereizt. „Weg. Nicht mehr da. Fort. Ich hatte mich einen Augenblick umgedreht, um mit diesem komischen Alten zu reden. Als ich wieder hinsah, war die Frau weg. Aber sie kann mit ihrem verletzten Bein unmöglich weiter als ein paar Schritte gelaufen sein. Ich dachte, sie wäre vielleicht um das Auto gegangen.“

Robin schüttelte den Kopf. „Ich habe niemanden gesehen, Anne. Die werden sich aus dem Staub gemacht haben. Wahrscheinlich haben sie gemerkt, dass sie mit ihrem Trick an die falschen geraten sind.“

„Was für ein Trick?“

„Er ist nicht gerade neu, aber sie versuchen es immer wieder. Und es gibt noch genügend Dumme, die darauf hereinfallen. Diese Gauner arbeiten meist zu zweit. Einer springt vor einen Wagen und mimt den Verletzten, der andere tritt als zufällig anwesender Zeuge auf und beschwört, dass das Opfer wirklich unschuldig an dem Unfall ist.“ Er grinste. „Die beiden konnten es sich nicht leisten, auf die Polizei zu warten.“

Ich winkte widerwillig ab. Robins Worte klangen logisch und überzeugend. Aber irgendwie sträubte ich mich dagegen, die Erklärung zu akzeptieren. Mit den beiden hatte etwas nicht gestimmt. Die schwarzmagische Aura der Frau hatte ich eindeutig gespürt, daher glaubte ich einfach nicht daran, dass es sich nur um zwei geschickte Trickbetrüger gehandelt hatte. Außerdem begann die Wunde an meinem Unterarm zu brennen, die Stelle, die der Fingernagel aufgeritzt hatte.

Und da war noch ein Gedanke, der sich in mein Bewusstsein einnistete: Ich war absolut sicher, dass die Straße hinter dem Wagen leer gewesen war, als ich in den Spiegel gesehen hatte.

Constable Macbain kritzelte etwas in seinen Block, schüttelte den Kopf und steckte seinen Kugelschreiber zurück.

„Ich glaube“, sagte er nach kurzem Überlegen, „dass Mister Barnes Recht hat.“

Er klappte seinen Notizblock zu und schenkte mir ein scheues Lächeln.

„Wahrscheinlich haben die beiden wirklich versucht, Sie hereinzulegen. Ein uralter Trick. Ich bin froh, dass Sie nicht darauf hereingefallen sind.“

Ich erwiderte den Blick des Polizisten gelassen. Robin hatte trotz meines Protestes darauf bestanden, die Polizei einzuschalten. Ich gab mir Mühe, meine Verärgerung darüber nicht an dem jungen Beamten auszulassen.

„Wenn ich ehrlich sein soll“, sagte ich nach einer Weile, „wäre es mir am liebsten, wenn wir die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich vergessen würden.“

„Sie wollen keine Strafanzeige stellen?“

Ich lächelte flüchtig. „Gegen wen? Ich wüsste kein Gesetz, nach dem sich ein Unfallopfer strafbar macht, wenn es sich weigert, eine Entschädigung anzunehmen.“

Macbain überlegte sichtlich. Auf der einen Seite mochte er froh sein, die Angelegenheit so schnell erledigen zu können. Aber ich war sicher, dass ihm seine Vorgesetzten eingeschärft hatten, die Sache mit aller Aufmerksamkeit zu verfolgen. Schließlich zuckte er mit den Achseln und stand auf.

„Wie Sie wünschen, Miss Pallas.“

„Trotzdem vielen Dank für Ihre Hilfe, Constable“, sagte ich.

Der Polizist nickte nochmals und schritt zu seinem Streifenwagen zurück. Robin starrte ihm stirnrunzelnd nach. Dann drehte er den Kopf und musterte mich durchdringend.

„Was ist eigentlich mit dir los?“, fragte er unverblümt.

Ich zuckte unwillig mit den Achseln. „Nichts. Ich ...“

Ich brach ab, schüttelte den Kopf und ging zum Auto zurück, um meine Handtasche zu holen, in der sich meine Glock-17 Dienstwaffe befand. Normalerweise brauchte ich keine Pistole, um mich zu verteidigen oder um meinen Willen durchzusetzen. Mit einem gut gesetzten Zauberspruch würde es auch gehen. Aber meine Chefin von der CEDIS, Julie Waldenfels, bestand auf diese lächerliche Waffe. Sie meinte, ich solle in Schottland nicht als Hexe auffallen, sondern als normale Sicherheitsbeamtin durchgehen.

„Ich fühle mich nicht wohl“, flüsterte ich. Mein Blut wurde immer heißer, ich konnte den Temperaturanstieg genau spüren.

„Der Unfall“, meinte Robin nickend. „Vergiss ihn. Die junge Frau kann nicht schwer verletzt gewesen sein. Sonst wäre sie wohl kaum so schnell verschwunden. Vielleicht war sie wirklich ein Betrüger.“

Ich starrte schweigend die Straße entlang. Ich wusste, dass er Recht hatte, aber die seltsame unerklärliche Unruhe, die von mir Besitz ergriffen hatte, schien sich eher noch zu verstärken. Irgendetwas war mit dieser Frau nicht in Ordnung gewesen. Ich war mir vollkommen sicher, dass sie im Rückspiegel des Autos nicht sichtbar gewesen war.

Eigentlich war das vollkommen unmöglich. Jeder Mensch, jeder materielle Gegenstand, hatte ein Spiegelbild. Nein, das Geheimnis, das diese junge Frau umgab, musste anderer Natur sein. Erneut dachte ich an die schwarzmagische Aura der Frau. War es eine Hexe, ein Dämon oder eine Vampirin gewesen?

Ich stieß mich vom Auto ab und ging auf Robin zu. Es hatte keinen Sinn, sich den Kopf über etwas zu zerbrechen, das ich im Moment sowieso nicht lösen konnte.

„Du hast Recht“, flüsterte ich. „Es wird Zeit, dass wir wieder unseren Posten einnehmen.“

2

Apex Waterloo Place Hotel

23-27 Waterloo Place, Edinburgh EH1 3BH

Dr. Alexander Nikolaev Lebedev war einer der bedeutendsten Genetiker. Der Mann sah nicht nur gut aus. Er sprühte vor Intelligenz, hatte überzeugende westliche Ansichten, und machte zumindest jedes Vierteljahr in irgendeiner Weise von sich reden. Dass er im nächsten Jahr den Nobelpreis bekommen würde, stand außer Zweifel. Die gesamte Fachwelt war sich darin einig, dass diese Auszeichnung für hervorragende Arbeit niemand mehr als Dr. Alexander Nikolaev Lebedev verdiente.

Lebedev war nach Edinburgh gekommen, um einige seiner bekannten Kollegen zu kontaktieren. Der Besuch hatte offiziellen Charakter. Das Internet und die Fachzeitschriften waren voll von Stellungnahmen, Reportagen und Berichten über den Russen.

Donald Wilson, Oberbürgermeister (Lord Provost) von Edinburgh, hatte über Scotland Yard den Englischen Geheimdienst MI6 kontaktiert, und um Personenschutz für den russischen Wissenschaftler gebeten. Es waren eindeutige Drohungen im Internet aufgetaucht.

Nachdem auch die CEDIS einen Tipp erhalten hatte, dass eine schwarzmagische Sekte an dem Wissenschaftler interessiert war, wurde beschlossen, dass zwei Agenten zum Schutz des Russen abgestellt werden. Und wegen der hohen Brisanz dieser Aufgabe wurden nicht irgendwelche Agenten ausgewählt, sondern die Besten!

In dieser Beziehung erfüllte ich die die hochgesteckten Erwartungen. Ohne unbescheiden zu wirken, kann ich anmerken, dass ich nicht irgendeine Agentin bin, sondern die Beste! Ich habe eine hundertprozentige Aufklärungsquote meiner Fälle, und habe nicht vor, mir diese Statistik zu versauen. Natürlich liegt das auch an meiner Abstammung. Ich gehöre zum Geschlecht der Lykhaner, einer Jahrhunderte alten Hexenfamilie. Ich besitze spezielle Fähigkeiten, die ich zur Aufklärung der Fälle einsetze.

Außerdem bin ich ein ziemlich hübsches Mädchen. Ich bin schlank gewachsen, sportlich trainiert, und habe lange blauschwarze Haare Die hohen Wangenknochen und der volle Mund geben mir ein aristokratisches Aussehen. Meine Augen liegen unter langen, seidigen Wimpern. Die tiefschwarzen Pupillen wirkten mysteriös, anziehend, sogar etwas unheimlich. Meine Nase ist klein, edel, gerade, der Mund rot, voll und weich. Ein Mund, der zum Küssen wie geschaffen ist.

Zusammenfassend gesagt, besitze ich den Körper einer Venus, die Geschmeidigkeit eines Panthers und Augen wie funkelnde Diamanten.

Als zweiten Agenten schickte die CEDIS Robin Barnes mit nach Schottland. Mein Partner bei diesem Auftrag ist blond, athletisch und über zwei Meter groß. In seinem Körper lebt ein reger Geist. Er ist schnell und im Nahkampf fast unschlagbar.

Der russische Wissenschaftler hat mich als persönlichen Bodyguard akzeptiert, wobei mein attraktives Äußere sicher eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Ich trug ein gewagtes Kleid, dass meine perfekte Figur und vollen Brüste hervorragend betont. Wir hatten das gemeinsam so besprochen, da wir vermuteten, ein potentieller Angreifer würde in der attraktiven Begleitung des Wissenschaftlers keine Personenschützerin erwarten. Robin hielt sich immer im Hintergrund auf, ohne uns jedoch aus den Augen zu lassen.

„Darf ich Ihnen sagen, dass Sie die reizendste Gesellschafterin sind, die ich je hatte, Anne“, lobte der Russe. Seine Augen glänzten lüstern, als er die Wölbung meiner Brüste betrachtete. Er schien mich förmlich auszuziehen.

Ich lachte, warf den Kopf zurück und schüttelte das rabenschwarze Haar nach hinten.

„Es gibt ein kleines Geheimnis, weshalb wir so ausgezeichnet harmonieren, Alexander.“

„Verraten Sie es mir, bitte!“

„Ich habe russische Vorfahren, auch französische und deutsche. Eigentlich bin ich eine europäische Mixtur.“

Ich stand mit dem Wissenschaftler ein wenig abseits vom Trubel.

„Darauf sollten wir anstoßen“, meinte der Russe lächelnd.

Ich hob scherzhaft den Zeigefinger. „Aber mein lieber Doktor! Sie wissen doch, ich darf keinen Alkohol im Dienst trinken.“

„Dann sollten wir diesen Genuss auf die Zeit nach Ihrem Dienstschluss verschieden. Ich hoffe, Sie überwachen meine Person noch die ganze Nacht“, sagte er und starrte nun direkt auf meine Brustwarzen, die sich leicht erigiert durch den Stoff meines Kleides pressten.

Ich lächelte den attraktiven Wissenschaftler an. „Wir werden sehen.“

Ständig huschten meine wachsamen Augen durch den Saal. Ich versuchte, die Menschenmenge zu überblicken; ein Unternehmen, das fast aussichtslos erschien. Grob geschätzt befanden sich vielleicht zweihundertfünfzig Personen in dem weiten, in barockem Stil eingerichteten Ballsaal.

Oberbürgermeister Donald Wilson schien alles eingeladen zu haben, was in der Stadt Rang und Namen hatte. Obwohl es noch relativ früh war, hatten sich bereits überall die auf Partys berüchtigten Gruppen und Grüppchen gebildet; kleine, meist aus zwei bis sechs Personen bestehenden Pulks, die sich an ihren Drinks festklammerten und miteinander redeten.

Auf einer Empore im Hintergrund des Ballsaales kämpfte eine Big Band vergeblich gegen den Lärm an, den eine solche Menschenmenge verursachte. Weißlivrierte Kellner und Dienstboten flitzten wie ein Schwarm kleiner geschäftiger Fische durch die Menschenmenge, Tabletts mit Gläsern und kleinen Appetithappen über dem Kopf oder vor sich balancierend. Die Südseite des riesigen Saales wurde von einer scheinbar endlosen Tafel beherrscht, an der Köche mit hohen, weißen Mützen damit beschäftigt waren, dem kalten Büffet den letzten Schliff zu geben.

„Kommen Sie“, sagte Lebedev. „Ich stelle Sie dem Oberbürgermeister vor.“

Der Wissenschaftler drehte sich um und bahnte sich, mich an der Hand haltend und sanft hinter sich herziehend, eine Gasse durch die Menschenmenge. Ich fühlte mich nervös und angespannt. Dieses seltsame Unbehagen, das von mir Besitz ergriffen hatte, schien sich mit jeder Minute zu verstärken. Mein Blut schien unverändert zu kochen, und mir schien, als würde ich körperliche Kräfte verlieren.

Ich schüttelte ärgerlich den Kopf, fing schon an, Gespenster zu sehen. Aber meine Beunruhigung blieb!

„Miss Pallas!“ Oberbürgermeister Donald Wilson drückte einem der geschäftig herumflitzenden Dienstboten sein Glas in die Hand und kam mit langen Schritten auf mich zu. „Wie schön, dass Sie gekommen sind.“

Er grüßte den russischen Wissenschaftler mit einem knappen Kopfnicken, hakte sich jovial bei mir unter und zog mich fast gewaltsam mit sich.

„Gefällt Ihnen unsere kleine Party?“, fragte er.

Ich nickte. „Sicher. Es ist ...“

„Etwas ungewohnt, ich weiß“, nickte Wilson. „Aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, und mich persönlich für Ihre Dienste bedanken. Es kommt viel zu selten vor, dass der Geheimdienst eine so attraktive Agentin schickt.“

Die letzten Worte hatte er leise in mein Ohr geflüstert, ohne dabei zu vergessen, mit seiner Zungenspitze über mein Ohrläppchen zu streichen.

Er sprach so schnell, dass ich Mühe hatte, seinen Worten zu folgen, und seine Bewegungen waren von einer derart quirligen, nervösen Art, dass ich mich unwillkürlich an einen auf und ab hüpfenden Gummiball erinnert fühlte. Der Oberbürgermeister war ein Mensch, für den man auf Anhieb Sympathie empfinden musste: Groß gewachsen, ein wenig zur Fettleibigkeit neigend, mit einem gutmütigen, sanften Gesicht, einer hohen Stirn und einer langweiligen, eckigen Brille auf der Nase – der Typ des gütigen Mannes, den man zu Weihnachten in ein rotes Kostüm steckte und ihn die Kinder bescheren ließ. Ich fragte mich unwillkürlich, wie es jemand wie Wilson schaffen konnte, zum Oberbürgermeister einer Stadt der Größe Edinburghs zu werden.

Er nippte an seinem Glas, ließ seine kleinen, durchdringenden Augen blitzartig über die versammelte Menge gleiten und lächelte dann.

„Ich habe Sie von Ihrem Zielobjekt – sagt man überhaupt so -getrennt, glaube ich. Tut mir leid.“

„Keine Sorge, Mister Wilson, ich habe Lebedev keine Sekunde aus den Augen gelassen.“

Donald Wilson grinste, stellte sein Glas ab und nahm mich am Arm.

„Kommen Sie, meine Liebe. Ich stelle Sie noch weiteren Persönlichkeiten der Stadt kennen.“

Der Oberbürgermeister scheuchte ein paar andere Partygäste beiseite und führte mich quer durch den Raum zu einer etwas geschützt liegenden Nische.

„Mister Croyd, Mister Bender, Mister Sorens, Mister Cramer.“ Er grinste listig und beschrieb mit blumigen Worten die außerordentlichen Eigenschaften der Männer. Ich hörte nur teilweise zu, meine Aufmerksamkeit galt Alexander Lebedev. Der russische Wissenschaftler stand nur wenige Meter entfernt und unterhielt sich angeregt mit Kollegen.

Das Brennen meines Blutes wurde plötzlich noch schlimmer. Ich spürte einen fast unüberwindlichen Widerwillen in mir aufsteigen. Die Musik in meinen Ohren schien plötzlich schriller zu klingen. Die Bewegungen der Männer wirkten plötzlich irgendwie hölzern und gezwungen, und in ihren Worten schien ein drohender Unterton mitzuschwingen.

Böse.

Der Gedanke stand klar und mit unbezwingbarer Kraft in meinem Bewusstsein.

In diesem Raum war etwas Böses anwesend!

Oder war das Böse in meinem Blut und brachte es zum Kochen?

Ich merkte kaum, wie Donald Wilson mich ansprach. Erst, als er mich sanft am Arm berührte und ich dem besorgten Blick seiner Augen begegnete, löste sich der Bann, der von mir Besitz ergriffen hatte.

„Was ist mit Ihnen, meine Liebe?“, fragte der Oberbürgermeister. „Fühlen Sie sich nicht wohl? Sie sehen etwas blass aus.“

Ich schüttelte hastig den Kopf. „Es ist ... nichts, Mister Wilson. Wirklich.“

Aber Wilson ließ sich nicht beirren.

„Sie fühlen sich nicht wohl, nicht wahr?“, fragte er verständnisvoll und lockerte demonstrativ seinen Krawattenknoten. „Es ist verdammt heiß hier.“

„Wirklich, Mister Wilson, es ist ... nichts“, wehrte ich ab. „Wenn mir vielleicht jemand den Weg zu den Damentoiletten zeigen könnte. Ich werde mich ein wenig frisch machen, danach geht es mir sicher besser.“

Donald Wilson nickte, und ich registrierte erfreut, dass er meine Erklärung offenbar akzeptierte.

„Meine Frau wird Ihnen den Weg zeigen“, sagte Wilson. Er drehte sich um, stellte sich auf die Zehenspitzen und schrie dann, ohne sich um Etikette oder die Feinheiten gesellschaftlichen Zusammenseins zu scheren: „Mary!“

Eine Reihe missbilligender Blicke trafen Wilson. Aber das schien ihn nicht zu stören.

„Mister Wilson“, sagte ich, „es ist wirklich ...“

Wilson brachte mich mit einer energischen Geste zum Schweigen und rief ein zweites Mal nach seiner Frau. Seine Bemühungen wurden nach wenigen Augenblicken belohnt.

Mary Wilson war eine kleine, stämmige Frau, die in dem teuren Ballkleid ebenso deplatziert wirkte wie ihr Mann im Smoking. Sie kam mit kleinen, schnellen Schritten auf ihren Mann zu. Auf ihrem Gesicht stand eine Mischung zwischen Missbilligung und Ergebenheit. Wahrscheinlich vermutete ich, hatte sie schon vor langer Zeit aufgehört, sich über das Benehmen ihres Mannes zu wundern.

„Sei so lieb und kümmere dich um Miss Pallas“, sagte Wilson. „Sie möchte sich ein wenig frisch machen.“

„Gern. Kommen Sie ...“

Ich atmete innerlich auf, als Mary Wilson ihren Arm bei mir unterhakte und wir die Nische verließen. Mir war, als würde ein dumpfer Druck von meiner Seele genommen.

„Ihre Arbeit muss sehr anstrengend sein, meine Liebe“, sagte Mary Wilson leutselig. Sie führte mich in einem komplizierten Zickzackkurs zwischen den übrigen Partygästen hindurch und steuerte auf die rückwärtige Wand des Ballsaales zu.

„Mein Mann hat schon den ganzen Tag von Ihnen geredet, Miss Pallas“, sagte sie. „Er schien ganz begeistert von Ihnen zu sein.“

Ich lächelte verlegen. „Wir kennen uns doch gar nicht.“

„Aber er hat von Ihnen gehört“, gab Mary Wilson zurück. „Wenn ich ehrlich sein soll, ich bewundere Sie ebenfalls. Als Frau einen so gefährlichen Job ausüben. Und dann noch so attraktiv.“

„Man gewöhnt sich daran“, erwiderte ich. „Außerdem habe ich Unterstützung.“

„Mister Barnes, ich weiß“, nickte Mary Wilson. „Ich habe ihn bereits kennengelernt. Ein fähiger Mann.“ Sie blieb stehen und sah sich um. „Er wird sicher in der Zwischenzeit auf unseren Ehrengast aufpassen, ja?“

Ich nickte. „Er wird den Russen nicht aus den Augen lassen.“

Ich entdeckte Robin Barnes bei einer Gruppe in der Nähe des Russen. Wir verließen den Saal und gingen durch einen langen, von kostbaren Seidentapeten behängten Korridor und blieben an einem hässlichen, rechteckigen Fleck hängen.

Mary Wilson lächelte entschuldigend, als sie den fragenden Ausdruck in meinem Gesicht bemerkte.

„Es sieht nicht sehr hübsch aus, ich weiß“, sagte sie bedauernd. „Ist es bei Ihnen auch so schlimm mit den Handwerkern?“

Ich sah die Gastgeberin fragend an.

„Schrecklich, meine Liebe, schrecklich, sage ich Ihnen“, fuhr Mary Wilson kopfschüttelnd fort. „Ob Sie es glauben oder nicht, sie werden im ganzen Haus keinen Spiegel finden.“ Sie lachte spöttisch. „Vor zwei Wochen hat Donald die Handwerker beauftragt, sie durch andere zu ersetzen. Abgeholt haben sie sie, aber ...“

„Ersetzen?“, hakte ich nach und spürte, wie mein gerade besänftigtes Unbehagen erneut erwachte. Allmählich formten sich in meinem Inneren die verschiedenen Teile eines Puzzlespieles zu einem Bild. Das Fehlen von Spiegeln kann nur im Interesse eines Vampirs liegen! Hatte das etwas mit der Schwarzhaarigen zu tun, die ich mit dem Auto anfuhr, und die mich anschließend kratzte? Ich versuchte Zusammenhänge zu erkennen, aber meine Gedanken waren durch mein kochendes Blut unklar.

Mary Wilson zuckte mit den Achseln.

„Donald hat versucht, es mir zu erklären, aber ich muss gestehen, dass ich kaum etwas verstanden habe. Irgend so eine verrückte Erfindung, glaube ich – Spiegel, die nicht mehr anlaufen, oder so. Sicher, die Putzfrauen werden sich freuen. Aber wir stehen jetzt seit zwei Wochen ohne einen einzigen Spiegel da. Und ich hatte so gehofft, dass die Sache vor dem heutigen Tag in Ordnung gebracht wird.“ Sie blieb stehen und deutete auf eine kaum sichtbare Tapetentür. „Wir sind da.“

Ich nickte und betrat den Raum. Helles, blendfreies Licht flammte bei meinem Eintreten automatisch auf und tauchte den Raum in schattenlose Helligkeit. Aber ich hatte keinen Blick für die kostbaren Bodenfliesen, die vergoldeten Armaturen und die schweren, aus weißem Marmor gearbeiteten Handwaschbecken an der Wand.

Mary Wilsons Worte klangen noch immer nach: »Ob Sie es glauben oder nicht – aber wir haben seit zwei Wochen keinen einzigen Spiegel mehr im Haus«

Und plötzlich wusste ich, was mir seit dem Unfall ein ungutes Gefühl beschert hatte: Die junge Frau, die ich mit dem Wagen angefahren hatte – es war keine Täuschung gewesen. Sie hatte kein Spiegelbild gehabt!

Ich schloss die Augen und versuchte mich zu konzentrieren. Aber es gelang mir nicht, stattdessen umhüllte mich tiefe Finsternis. Ich fiel in ein schwarzes Loch, schien den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Es war eine Bewusstlosigkeit, und doch keine richtige. Ich fühlte mich weggetreten, aber trotzdem anwesend.

„Was ist mit Ihnen, Miss Pallas“, rief Mary Wilson erschrocken aus und umfasste meine Hüften, da ich zu stürzen drohte. „Kommen Sie, und setzen Sie sich.“

Sie führte mich in eine Toilettenkabine und drückte mich auf den WC Sitz. Ich ließ mich nach hinten an die Wand sinken. Meine Kraft schien spürbar abzunehmen, mein Blut kochte unverändert.

Mary Wilson kniete sich neben mich, legte ihre Hand auf mein Knie und sprach beruhigend auf mich ein: „Es ist alles gut, Miss Pallas. Es war sicher nur die Hitze in der Halle. Sie sollten tief durchatmen, dann wird es wieder besser.“

Die Worte gaben mir innere Ruhe. Die Frau schien recht zu haben. Ich brauchte wohl ein paar Minuten, um wieder zu Kräften zu kommen.

Verwundert stellte ich fest, wie sie ihre Hand über meine Oberschenkel rieb, meine Beine sanft spreizte.

„Alles ist gut“, flüsterte sie beruhigend wie eine Märchentante, die Kindern aus einem Buch vorliest.

Mit leichtem Druck spreizte sie meine Beine zog mein Becken zum Rand der Toilettenschüssel. Sie strich sanft die Innenseiten meiner Schenkel entlang, rauf und runter, berührte leicht den Stoff meines Slips.

„Sie sind so wunderschön, Miss Pallas. So schön, wie ich noch nie eine Frau zuvor gesehen habe.“

Plötzlich unterbrach die Frau ihr Fingerspiel. Sie hob ihr Kleid an und streifte sich den Slip herunter.

„Ich träume schon lange davon, dass eine Geheimagentin meine Möse leckt. Und Sie werden mir nun diesen Traum erfüllen!“

Sie zog meinen Körper noch flacher auf den Toilettendeckel und trat auf mich zu. Ihre frei gelegte Vagina befand sich nun direkt auf Höhe meines Gesichts, und war nur knapp zwanzig Zentimeter von meinem Mund entfernt. Offenbar hatte sie eine bestimmte Idee. Sie kam noch näher, stellte sich nun ganz dicht und breitbeinig über mich, und drückte mir praktisch ihren Unterleib ins Gesicht.

„Du wirst jetzt meine Muschi lecken. Verstanden?"

In meinem unverändert umnebelten Verstand kam das wie ein Befehl an, der erfüllt werden musste. Ich war als Agentin dazu ausgebildet worden, ohne Gegenfragen Befehle auszuführen. Und so empfand ich in diesem Moment. Ich musste tun, was mir gesagt wurde.

Ich schob meinen Kopf nach vorne und näherte mich ihrem Intimbereich. Sie hatte ihre Beine so weit wie möglich gespreizt. Genussvoll leckte ich über meine eigenen Lippen, und sammelte Speichel im Mund. Kurz darauf streckte ich meine Zunge vor, und berührte ihren harten Kitzler. Sie seufzte bei meiner ersten Berührung leise auf. Ich spielte mit meiner Zungenspitze an ihrer Liebesperle, und genoss ihren wundervollen Geschmack. Ich realisierte, welche Mengen an Feuchtigkeit sich bereits bei ihr gebildet hatten.

Dann ging ich forscher zu Werk. Ich ließ meine Zunge in einem schnelleren Tempo kreiseln. Natürlich wurde die Frau des Bürgermeisters immer geiler, und begann hemmungsloser zu stöhnen. Sie schloss ihre Augen, um sich besser auf die Reize konzentrieren zu können, und genoss offenbar meine orale Behandlung in vollen Zügen. Ich wollte es ihr so schön wie möglich machen, denn es war ja ein Befehl gewesen, und so legte mich richtig ins Zeug. Ihre Reaktionen zeigten mir, dass ich es richtig machte.

Immer raumgreifender wütete meine Zunge in der fremden Ritze, und schließlich spürte ich, wie die Frau zu zittern begann. Der aufkeimende Orgasmus kündigte sich durch mehrere Begleiterscheinungen an, die ich nur allzu gut aus eigener Erfahrung kannte. Schließlich schrie sie auf, und presste mir ihren Unterleib gegen das Gesicht. Mir blieb kurz die Luft weg! Ich zog meinen Kopf ein kleines Stück zurück, um besser atmen zu können.

Während sie die Wellen ihres Orgasmus genoss, trat sie einen Schritt zurück, und lehnte sich an die Kabinentür. Als sie die Augen wieder öffnete, blickte sie zu mir herab.

„Das war fantastisch! Du leckst wundervoll. Ich dachte mir schon, dass alle Geheimagentinnen lesbisch veranlagt sind.“

„Hm“, stammelte ich noch immer leicht verwirrt. Den Fotzensaft der Frau schmeckte ich noch auf meiner Zunge.

„Aber du sollst auch eine Belohnung haben, außerdem brauche ich noch ein Andenken und Erinnerungsbilder.“

Sie kniete sich auf den Boden zwischen meine Schenkel, ergriff den Bund meines Slips und zog ihn mir aus.

„Den behalte ich“, sagte sie und steckte mein Höschen in ihre Handtasche, dann vergrub sie ihren Kopf in meinem Schoß. Es war zwar ziemlich eng in der Toilettenkabine, aber dennoch gelang es der Frau, eine Position einzunehmen, in der sie gut an meine Intimzone herankam.

Als ihre Zunge mich berührte, durchströmten mich tausende kleine Blitze. Sie traf ganz genau die Stellen, wo es mir am besten gefiel. Mein Lustsekret wurde in der gesamten Spalte verteilt, und vermischte sich mit ihrem feuchten Speichel. Ich hatte mich mittlerweile vollkommen fallen gelassen, und lehnte mit dem Rücken am Spülkasten.

Mit kitzelnden und spielenden Bewegungen umkreiste sie meine geschwollene Klitoris. Ich atmete schneller und stöhnte lustvoll. Als sie mein lustvolles Zucken bemerkte, schob sie einen Finger in meine heiße Grotte. Meine Vagina war bereits so nass, dass sie ohne Widerstand tief eindringen konnte. Dann zog sie den Finger wieder heraus und leckte den weiblichen Nektar gierig ab.

„Mmmhh, ist das lecker!", flüsterte die Frau lüstern, und blickte mein zuckendes Geschlecht an.

Heimlich nahm sie ihr Handy aus der Handtasche, stellte die Kamera auf die Videofunktion ein und begann mich zu filmen. Meine tropfenden Schamlippen, mein offenes Loch und mein stöhnendes Gesicht.

„Eine kleine Erinnerung an dich. Ich mache immer kurze Videos von den Frauen, mit denen ich es getrieben habe. Du gehörst jetzt zu meiner Privatsammlung, süße Agentin.“

Dann beugte sie sich wieder gierig vor und presste ihr Gesicht auf meine nasse Spalte. Ihre Zunge schleckte den auslaufenden Saft, während ihre Nase über meine erregte Klitoris rieb.

Ich stöhnte und keuchte lauter.

Während sie den Mittelfinger der linken Hand in meine Grotte schob, und mich sanft penetrierte, machte sie mit der rechten Hand ein weiteres Handy Video von meinem zuckenden Körper.

Dann zog sie ihren Finger aus meiner Muschi, näherte sich wieder mit ihrem Gesicht und schob ihre Zunge in meine nasse Spalte.

Mein Atem ging nur noch stoßweise. Und dann war es soweit!

Ich erreichte meinen Höhepunkt. Mein Körper verkrampfte sich und begann lustvoll zu zittern. Die Scheidenmuskulatur zog sich in schneller Abfolge zusammen und erzeugte Blitze vor meinen Augen. Ich stöhnte laut und lustvoll.

Ich hatte in der Zwischenzeit jedes Zeitgefühl verloren, daher konnte ich nicht abschätzen, wie lange sich die Frau bereits um mich bemüht hatte, als ich schließlich meinen Höhepunkt erreichte.

Als ich dann im siebten Himmel schwebte, und meine Erregung ganz langsam wieder abklang, ließ die Frau von mir ab, und betrachtete ihr Werk. Ich saß immer noch gegen den Spülkasten gelehnt, und war fix und fertig. Aus meiner Spalte lief ein schmaler Faden Speichel, bei deren Betrachtung sie lächelte und nochmals ein kurzes Handy Video erstellte. Dann erhob sie sich, brachte ihren Rock wieder in Position, und drehte sich zur Tür um.

Als sie die Kabine entriegelt hatte, drehte sie sich zu mir um und sagte lächelnd: „Danke für das geile Erlebnis. Wenn du mal wieder Lust auf eine Frau hast, dann melde dich bei mir. Und noch etwas: Was hier geschehen ist, bleibt unter uns, sonst landen die Videos von dir im Internet. Klar? Mein Mann ist Bürgermeister und braucht keine Publicity über seine lesbische Frau.“

Ich nickte zustimmend.

„Gut. Du scheinst es begriffen zu haben. Und nun ruh dich noch etwas aus, und dann kommt zurück zur Veranstaltung. Du hast hier einen Job zu erledigen!“

Es dauerte einige Minuten, bis mein Verstand klare Gedanken bilden konnte. Dann erhob ich mich langsam vom Toilettensitz, und rollte etwas Papier von der Rolle ab. Damit rieb ich mich trocken. Anschließend glättete ich das Kleid und zog ich mich wieder ordentlich an. Leider fehlte mein Slip, aber damit musste ich jetzt klarkommen.

Ich atmete tief ein, lauschte auf Geräusche von außerhalb, und verließ schließlich die Kabine. Ich wusch mir die Hände am Waschbecken, und brachte meine langen, schwarzen Haare in Ordnung.

Und jetzt fiel es mir auf!

Meine körperliche Schwäche war komplett verschwunden. Mein Blut kochte nicht mehr, und die Wunde an meinem Unterarm war völlig verheilt. Ich war stark und klar wie immer.

Es musste ein Gift in meinem Körper gewesen sein, oder ein Fluch auf mir gelastet haben. Aber der sexuelle Höhepunkt schien mich geheilt zu haben.

Und meine Instinkte und Vorahnungen kamen wie ein Sturm in mein Bewusstsein zurück. Für eine endlose Sekunde stand ich wie gelähmt da und starrte auf die drei hellen, rechteckigen Flecken an der gegenüberliegenden Wand, wo bis vor wenigen Tagen noch die Spiegel gehangen hatten.

Und plötzlich wusste ich, dass hier eine große Gefahr auf uns lauerte.

3

Der Fahrer stoppte den schwarzen Mercedes. Der Mann, der neben ihm saß, wandte sich zu den beiden Kerlen um, die im Fond hockten.

„Seid ihr bereit?“

Die beiden nickten.

„Lass den Motor laufen, Gavin!“, zischte der Beifahrer, und der Mann am Steuer machte mit der rechten Hand ein nervöses Okay-Zeichen.

„Dann mal los!“, brummte Finley Buchanan, der Beifahrer. „Bringen wir es hinter uns.“

Er zog eine knallrote Teufelsmaske aus dem Jackett und stülpte sie sich hastig über den Kopf. Die Männer im Fond folgten seinem Beispiel.

„Viel Erfolg!“, sagte Gavin Fraser, während er versuchte, das Vibrieren seiner Nerven mit einem Grinsen zu übertünchen.

„Wird schon schiefgehen!“ Buchanan lachte.

Als er seinen Revolver zog, auf dem ein klobiger Schalldämpfer saß, lief es dem Fahrer eiskalt über den Rücken.

„Ihr werdet doch nicht wirklich ballern, oder?“, fragte er heiser.

„Nicht doch“, antwortete Buchanan. „Wir wollen die Leute mit unseren Kanonen bloß erschrecken.“

Gavin Fraser atmete erleichtert auf.

Die Männer mit den Teufelsmasken huschten davon. Gavin sah ihnen aufgeregt nach. Sein Job war es, auf ihre Rückkehr zu warten und mit ihnen dann blitzartig zu verschwinden. Sie hatten ihm diese Aufgabe übertragen, weil er mit Fahrzeugen aller Art irgendwie verwachsen war. Er fuhr bereits seit seiner Jugend Rallyerennen und verstand eine ganze Menge von seinem Fach.

Die Gangster erreichten den rückwärtigen Personaleingang vom Apex Waterloo Place Hotel. Finlay Buchanan wies mit der Pistole auf die Tür.

„Aufmachen!“, zischte er.

Lennox MacAndrew übernahm das. Sie glitten in das Hotel hinein. In der Küche klapperten die Köche mit dem Geschirr. Die Kellner trugen Tabletts aus der Küche.

Die drei Gangster mit den Teufelsmasken wieselten ungesehen durch die Gänge.

Plötzlich erklang ein entsetzter Schrei!

Finlay Buchanan, Lennox MacAndrew und Aidan Lymond wirbelten wie von der Natter gebissen herum. Zwei livrierte Kellner hatten die Verbrecher entdeckt.

Sie stürzten sich auf sie - furchtlos, zornig, entrüstet.

MacAndrew und Lymond fackelten keine Sekunde. Sie rissen ihre Revolver hoch und drückten ab.

Die beiden Kellner brachen tödlich getroffen zusammen!

„Schnell!“, zischte Finley Buchanan aufgeregt. „Weiter! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“

Als die drei roten Teufelsfratzen im Ballsaal erschienen, fiel eine alte Dame in Ohnmacht. Die Musiker produzierten einen jämmerlichen Missakkord, ehe sie zu spielen aufhörten.

Das Lachen verstummte. Ringsherum starrten bleiche, verstörte Gesichter auf die Verbrecher, die mit ihren Waffen die Gäste in Schach hielten.

Der Oberbürgermeister wollte aufbegehren. Doch ein Freund, der es gut mit ihm meinte, hielt ihn davon ab.

Finlay Buchanan war mit vier federnden Sätzen bei Alexander Lebedev. Der Russe starrte ihn mit schreckgeweiteten Augen an. Der Gangster drückte ihm den Lauf seiner Waffe in die Seite und zischte: „Mitkommen, Alexander!“

Lebedev war vom Schreck gelähmt. Deshalb befolgte er den Befehl nicht sogleich. Da packte ihn Buchanan an der Schulter und riss ihn mit sich.

„Keiner spielt den Helden!“, rief Lennox MacAndrew mit verstellter Stimme, während er mit Aidan Lymond den Rückzug deckte. „Und keiner folgt uns, sonst stirbt der Russe.“

Buchanan zerrte den Wissenschaftler durch die Gänge des Hotels.

„Los!“, fauchte er nervös. „Los! Geh schneller, sonst mache ich dir Beine!“

MacAndrew und Lymond bildeten die gefährliche Nachhut. Keiner wagte es, sich vom Fleck zu bewegen. Die ganze geladene Gesellschaft schien mitten im Verlauf von einem Hypnotiseur zum Erstarren gebracht worden zu sein.

Als sie das Hotel verlassen hatten, begannen sie zu rennen. Da sie ihre Finger in Lebedevs Smoking gekrallt hatten, musste er mit ihnen laufen.

Sie erreichten keuchend den schwarzen Mercedes. Gavin Fraser hatte für seine Komplizen bereits die Türen geöffnet.

Sie stießen den Russen in das Fahrzeug. Kaum waren alle Beine im Wagen, da zischte das Gefährt auch schon mit durchdrehenden Reifen ab.

„Alles glattgegangen?“, fragte der Fahrer mit vibrierender Stimme.

„Schau lieber auf die Straße“, sagte Buchanan. „Für Fragen ist jetzt keine Zeit.“

Ich hatte aus der Damentoilette laute Schrei gehört und war unverzüglich zurück in den Ballsaal gestürmt. Als erstes blickte ich in blasse Gesichter. Entsetzen und Angst in allen Augen.

Und dann sah ich die drei Teufelsfratzen, die gerade den Russen aus dem Saal zerrten. Ich zog mich augenblicklich zurück, eilte in den angrenzenden Raum und schlich zur Küche. Ich fühlte mich für den gekidnappten Russen verantwortlich. Mein Auftrag lautete, Alexander Lebedev auf Schritt und Tritt zu überwachen.

Ich schnellte aus der Küche, verließ das Hotel und erreichte den geparkten Cadillac, als die Kidnapper den Russen in den Mercedes stießen und gleich darauf losfuhren.

Während die anderen Gäste sich noch in einer nicht enden wollenden Lähmung befanden, handelte ich bereits.

Ich riss die Wagentür auf und drückte mich in den Sitz. Sofort orgelte der Anlasser auf. Und gleich darauf schoss der schwerfällige Cadillac hinter dem schwarzen Gangsterwagen her.

Finley Buchanan zog die knallrote Teufelsmaske keuchend ab. Sein Haar war zerzaust. Er hatte unter dem Plastikgebilde mächtig geschwitzt.

„Lennox!“, stieß er atemlos hervor. „Aidan!“

„Ja?“, kam es von hinten.

„Stülpt ihm den schwarzen Sack über!“

Aidan Lymond langte nach hinten. Seine Finger erwischten den bereitgelegten Stoffsack. Er nahm ihn an sich, faltete ihn auseinander und zog ihn mit MacAndrews Hilfe dem verstörten Wissenschaftler über den Schädel.

Lebedev protestierte zuerst ängstlich, dann energisch. Da fauchte Buchanan: „Schön ruhig, sonst machen wir's noch böser!“

„Was habt ihr mit mir vor?“, stöhnte der Russe verzweifelt unter dem schwarzen Sack.

„Jeder Mensch muss Geld verdienen!“

Finlay Buchanan strich sich das dunkle Haar aus der Stirn. Er war Rechtsanwalt. Seine Praxis hatte noch keine goldenen Tage erlebt. Er hungerte sich so durchs Leben. Aber er verzichtete deshalb nicht darauf, hin und wieder auf großem Fuß zu leben. Das Geld dafür holte er aus den gewinnbringenden Coups, für die er jederzeit zu haben war.

Er war gebürtiger Schotte. Seine Eltern waren arme Leute gewesen, und sein Bruder war es immer noch. So besehen hatte Buchanan einen „gesellschaftlichen Aufschwung“ geschafft. Aber dieser Aufschwung war nicht hoch genug ausgefallen. Deshalb versuchte er nun ein wenig fester an seinem Karriereverlauf zu drehen.

Abgesehen von seinen etwas zu großen, abstehenden Ohren und der ein bisschen zu kurz geratenen Oberlippe war Buchanan ein attraktiver Mann. Vor allem seine elegante Kleidung hob ihn über den Alltagsdurchschnitt seiner Komplizen hinaus. Er hatte auch mehr zu reden als die drei anderen. Was er sagte, wurde gemacht.

Lennox MacAndrew wandte sich mehrmals um, während Gavin Fraser den Mercedes steuerte.

Plötzlich schrie MacAndrew auf, als hätte ihn der Russe ins Knie gebissen.

„Finley!“

„Was ist denn?“

„Wir werden verfolgt!“, keuchte MacAndrew nervös.

„Quatsch!“

„Sieh doch selbst!“

Buchanan war längst herumgefahren. Er sah das abgeblendete Scheinwerferpaar.

„Irgendein Wagen“; knurrte er.

„Würde ich auch sagen“, presste MacAndrew hervor.

„Aber?“

„Aber dieser Wagen ist seit dem Hotel hinter uns her, und da fällt es mir verflucht schwer, an einen Zufall zu glauben, Finley.“

„Bist du sicher, dass der Wagen uns schon seit dem Hotel folgt?“

„Shit! Natürlich bin ich mir sicher!“

„Dann muss etwas geschehen“, brummte Buchanan mit schmalen Augen.

„Und was?“

„Aidan!“, sagte Buchanan scharf.

„Hm?“

„Dreh das Fenster runter und bring den Verfolgerwagen zum Stehen!“

„Mit 'ner Kugel?“

„Mit 'ner Seifenblase wird's wohl kaum gelingen!“, bellte Buchanan gereizt.

Aidan Lymond kurbelte das Fenster herunter. Als er sich nach draußen beugte, verlangte Buchanan vom Fahrer, er solle rasch Gas zurücknehmen. Fraser gehorchte sofort. Der Mercedes wurde merklich langsamer. Der Verfolgerwagen holte auf. Lymond hob die Waffe, auf der immer noch der klobige Schalldämpfer saß.

„Na los!“, schrie MacAndrew nervös. „Mach doch schon, Aidan!“

Und Lymond begann zu feuern. Dicke, grelle Feuerlanzen fauchten aus dem Schalldämpfer. Die Schüsse waren nicht zu hören. Fraser zitterte bis in den Gasfuß hinunter. Dicke Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn. Er hasste Gewalt in jeder Form. Und das da war Gewalt in höchster Potenz. Hierbei konnte ein Mensch zu Tode kommen. Und nichts fürchtete Gavin Fraser mehr als das. Er wollte an keinem Mord beteiligt sein, weder direkt noch indirekt. Kidnapping war das Äußerste, wofür er sich hergab. Doch bei Mord war bei ihm der Ofen aus.

Und nun beschoss der gewissenlose Lymond den Verfolgerwagen. Das konnte die schlimmste Katastrophe geben. Deshalb stand dem Fahrer der eiskalte Schweiß auf der Stirn.

Er hoffte für den Verfolger, dass er mit dem Leben davonkommen möge.

Als ich die orangefarbenen Mündungsblitze aufzucken sah, duckte ich mich instinktiv. Ich erkannte den Körper des Gangsters, der weit aus dem Mercedes hing. Das Licht ihrer Scheinwerfer erhellte seine rote Teufelsfratze. Er sah unheimlich aus.

Drei Schüsse blieben ohne Wirkung. Ich hatte natürlich sofort den Cadillac zurückfallen lassen, um nicht Gefahr zu laufen, von dem Kidnapper getroffen zu werden.

Doch da auch das Gangsterauto seine Geschwindigkeit vermindert hatte, blieb der Abstand ungefähr gleich. Und dann klatschte die vierte Kugel in den linken Vorderreifen des Cadillacs.

Das Fahrzeug machte sofort einen wilden Satz nach links. Ich umklammerte verbissen das Lenkrad, steuerte dagegen, während ich gleichzeitig auskuppelte, aber nicht bremste, denn bei dieser Geschwindigkeit hätte ich mich mit der mächtigen Limousine vermutlich überschlagen, wenn ich auf die Bremse getreten hätte.

Keuchend zerrte ich am Lenkrad. Der Gangsterwagen nahm wieder Fahrt auf. Ich konnte ihm nicht mehr folgen, sondern war atemlos darum bemüht, einen folgenschweren Unfall zu verhindern. Der Cadillac tänzelte mit kreischenden Pneus über die Betonpiste. Ein Glück, dass um diese Zeit kein Verkehr mehr über die Landstraße rollte. Ich brauchte die ganze Breite, um den Wagen schließlich ohne einen Kratzer zum Stehen zu bringen.

Wütend stieg ich aus.

Der Gummimantel hatte sich von der Felge gelöst. Von dem zerschossenen Reifen war so gut wie nichts mehr vorhanden.

Und von den Kidnappern konnte man dasselbe behaupten. Es war den Verbrechern geradezu spielend gelungen, sich ihres einzigen Verfolgers zu entledigen und sich mit unbekanntem Ziel ungehindert abzusetzen. Allein der Gedanke daran, dass ich das nicht verhindern konnte, machte mich rasend vor Zorn. Schlappen wie diese konnte ich auf den Tod nicht ausstehen.

Ich war mir nicht zu fein, den Reifen selbst zu wechseln. Zu warten, bis in zwei, drei Stunden mal jemand vorbeikam, schien mir nicht sinnvoll zu sein. Deshalb legte ich selbst Hand an, und ich machte die Sache zumindest genauso gut wie jeder Mechaniker. Schmutzig bis ans Kinn und ein wenig abgeschlafft von der Anstrengung ließ ich mich wieder in den Cadillac fallen.

Ich drehte auf der Landstraße um, und sauste dann zum Apex Waterloo Place Hotel zurück.

Inzwischen hatte sich die Lähmung von den Gästen gelöst. Die Stimmung hatte sich verflüchtigt wie Parfüm aus der unverschlossenen Flasche.

Irgendwer - es war nicht mal der Oberbürgermeister selbst - hatte die Polizei verständigt, die jedoch noch nicht eingetroffen war.

Ich fand den Weg in eine Damentoilette, ohne dass mir jemand begegnete. Ich wusch schnell die Spuren von mir ab, die der Reifenwechsel an mir zurückgelassen hatte. Dann ging ich zurück in die Halle.

Dort stand Donald Wilson, halb ohnmächtig vor Aufregung, ratlos, verschwitzt und verstört.

Als er mich auf sich zukommen sah, blitzte es zornig in seinen Augen. Draußen jammerten die Sirenen zweier Streifenwagen auf das Hotel zu.

Der Oberbürgermeister wies mit zitterndem Finger auf meinen festen Busen und sagte, ich solle mit ihm in ein Nebenzimmer kommen, er hätte dringend mit mir zu reden.

In dem angrenzenden Raum fiel er dann über mich her, als wollte er mich wegen des Kidnappings mit Prügel bestrafen.

„Ich hab's geahnt“, jammerte der Oberbürgermeister. „Ich hab's von Anfang an gewusst.“

Er schüttelte verzweifelt den Kopf. Sein faltiges, glattrasiertes Gesicht war schmerzlich verzerrt. Er schob die Brille auf der Nase rauf und wieder runter.

„Was haben Sie gewusst, Mister Wilson?“, fragte ich kühl.

„Dass das nicht gutgehen kann.“

„Wovon reden Sie?“

„Ich habe mich an die betreffende Stelle gewandt, um einen Leibwächter für meinen russischen Gast zu bekommen. Und was kam an? Sie, Miss Pallas, eine junge Frau! Ich will Ihnen wirklich nicht nahetreten. Sie sind ein hochgebildetes, attraktives Geschöpf. Und Lebedev hat sich gewiss sehr darüber gefreut, dass man Sie ihm an die Seite stellte statt eines Mannes. Aber ein Mann hätte - verdammt noch mal - besser auf ihn aufgepasst. Ein Mann hätte nicht zugelassen, dass man den Russen entführt.“

Ich blickte den zeternden Oberbürgermeister distanziert an.

„Was hätte ein Mann Ihrer Meinung nach dagegen unternommen, Mr. Wilson?“

„Keine Ahnung. Ich bin doch kein Geheimagent, Miss Pallas. Ich weiß nur, dass der Russe sich noch in Sicherheit befinden würde, wenn man zu seinem Schutz einen erfahrenen Mann abgestellt hätte. Stattdessen kamen Sie an, ein junges, unerfahrenes Ding, zerbrechlich, viel zu weiblich. Das musste doch schiefgehen.“

Es war nicht das erste Mal, dass ich mit dieser Art von Vorurteilen zu kämpfen hatte. Natürlich hätte ich Wort für Wort widerlegen können, das Ganze hätte vermutlich in einen handfesten Streit gemündet. Aus diesem Grund schluckte ich meinen Groll vorerst hinunter. Kein Mann hätte die Entführung vereiteln können. Jeder männliche Agent hätte dieselbe Schlappe erlitten.

Donald Wilson fuhr sich nervös über das Gesicht. Er kniff die Augen zusammen und stieß erregt hervor: „Sie sind sich doch darüber im Klaren, dass die Sache Schwierigkeiten auf internationaler Ebene nach sich ziehen wird, Miss Pallas. Ein bedeutender Wissenschaftler wie Lebedev, den die ganze Welt kennt, verehrt und schätzt, kommt nach Edinburgh und wird gekidnappt. Shit! Und so etwas muss ausgerechnet in meiner Stadt passieren.“

Der Oberbürgermeister wandte sich um und schluchzte. Ich fand diese Reaktion reichlich übertrieben.

„Ich bin politisch ruiniert, Miss Pallas.“

„Unsinn!“

Donald Wilson kreiselte wütend herum.

„Widersprechen Sie mir nicht!“, schrie er mich an.

„Sie sollten sich ein wenig zu beherrschen versuchen, Mr. Wilson“, erwiderte ich schneidend. Ich hob den Kopf mit einer stolzen Geste und schob mein Kinn trotzig vor.

„Die Presse!“, ächzte der Oberbürgermeister. „Sie wird über mich herziehen. Sie wird mich fertigmachen. Das ist Ihre Schuld, Miss Pallas. Ganz allein Ihre Schuld. Ich habe alles getan, um dem Russen den nötigen Schutz angedeihen zu lassen. Ich habe einen Bewacher für seine Person verlangt. Sie aber, Miss Pallas, haben versagt! Jawohl, versagt! Ich weiß, es ist ein hartes Wort für ein so ehrgeiziges Mädchen wie Sie, aber es entspricht den Tatsachen. Sie haben versagt!“

„Sie wiederholen sich, Mr. Wilson. Haben Sie mir sonst noch etwas zu sagen?“

„Nein, Miss Pallas, das ist alles. Ich bin ein erledigter Mann. Durch Ihr Unvermögen sind alle meine weltpolitischen Ambitionen zunichte gemacht. Ich hoffe, Sie vergessen das nicht zu erwähnen, wenn Sie Ihrer vorgesetzten Dienststelle Bericht erstatten.“

Ich holte tief Luft und sagte stolz: „Ich werde den Russen wiederfinden. Nicht für Sie, Mr. Wilson, sondern weil ich es kann!“

4

Nach den Polizisten traf die Mordkommission ein. Allen voran ging Chief Inspector Sean Robertson, ein Schwergewicht mit grimmigem Gesicht. Robertson tat seinen Polizeijob in Edinburgh seit mehr als zwanzig Jahren. Er hatte während dieser Zeit so viel Elend gesehen, dass ihn nichts mehr erschüttern konnte. Zumindest sah man ihm nie eine Erregung an. Vieles hatte er in sich hineinfressen müssen. Er schien abgebrüht bis auf die Socken zu sein. Dass er Junggeselle war, kam daher, dass er keiner Frau zumuten konnte, an seiner breiten Seite dahinzuvegetieren. Er hatte fast nie Zeit für ein Privatleben, man holte ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit aus seiner Wohnung. Er war so gut wie unentbehrlich für die Mordkommission. Und das war das einzige, was ihn auf die Dauer zu befriedigen vermochte.

Gerade stieß er mit seiner langen Raubvogelnase nach Donald Wilson.

„Drei Männer waren es, sagten Sie, mit roten Teufelsmasken?“

„Ja, Inspector“, antwortete der Oberbürgermeister heiser. Er hatte sich von einem Kellner einen Whisky geben lassen. Aber der Alkohol war nicht in der Lage, seine Nervosität einzudämmen. Das Gegenteil war der Fall. Nun vibrierten sogar schon seine Kniescheiben.

„Ist Ihnen an den drei Männern irgendetwas aufgefallen?“, wollte der Inspector wissen. Seine Stimme hatte einen durchdringenden Bass-Charakter. Außerdem klang sie, als würde er in einem leeren Raum sprechen, hohl und hallend.

Donald Wilson zog die Brauen zusammen. „Was hätte mir an den drei Männern auffallen sollen? Sie waren - wie gesagt - maskiert.“

„Aber doch nicht bis zu den Zehen hinunter, Sir.“

„Ach so. Sie wollen, dass ich - zum Beispiel - ihre Kleidung beschreibe.“

„Zum Beispiel, ja.“

„Sie - sie waren dunkel gekleidet.“

„Alle drei?“

„Ja, Inspector.“

„Wie groß waren die Gangster?“

„So groß wie ich, alle drei.“

„Trug einer von ihnen einen Ring, ein Armband, auffällige Schuhe?“

„Nein, Inspector. Zumindest kann ich mich an derlei Dinge nicht erinnern. Sie müssen bedenken, ich war völlig aus dem Häuschen, als diese Verbrecher plötzlich auftauchten.“

Chief Inspector Robertson fragte den Bürgermeister weiter nach gewohnter Routineart aus. Inzwischen verhörten seine Kollegen die Gäste und das Personal.

Es hatte zwei Tote gegeben!

Die Leichen waren schon von der Gerichtsmedizin freigegeben worden. Der Fotograf hatte seine Bilder im Kasten. Die Opfer wurden abtransportiert. Niemand hatte die Gangster ankommen gesehen. Die einzigen Augenzeugen der Ankunft lebten nicht mehr. Die Beamten vom Spurensicherungsdienst suchten überall im Hotel herum. Robin Barnes suchte selbst im Ballsaal nach brauchbaren Spuren.

Robertson sagte: „Die Kerle werden sich bald melden.“

Wilson zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen stieß er hervor: „Bei mir?“

Der Chief Inspector zuckte mit den kolossalen Schultern. „Kann ohne weiteres sein.“

„Zu welcher Kategorie von Verbrechern zählen Sie die Kidnapper?“, fragte Wilson, nachdem zwei Minuten verstrichen waren, in denen Robertson keine Frage an ihn gerichtet hatte.

Ich stand schweigsam neben dem Oberbürgermeister. Ich hörte aufmerksam zu, was die beiden Männer miteinander sprachen.

Inspector Robertson zuckte die Achseln und antwortete: „Tja, schwer zu sagen, Sir. Wenn ich meine persönliche Meinung dazu äußern soll, ich mache für diese Entführung eine politische Terroristengruppe verantwortlich. Davon gibt es mittlerweile in Europa leider zu viele.“

Ich schwieg nicht länger und sagte: „Ich bin nicht Ihrer Meinung, Inspector.“

Robertson versuchte mich mit einem eiskalten Blick zu stoppen. Doch ich hielt seinem Blick wehrhaft stand.

„So, sind Sie nicht?“

„Nein.“

„Und weshalb nicht?“

„Ich glaube, dieses Ding haben ganz gewöhnliche einheimische Verbrecher gedreht“, erwiderte ich unerschrocken. „Mir ist jedoch noch nicht klar, warum? Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es um Lösegeld geht.“

Sean Robertson wollte sich das alles nicht mehr länger anhören. Er schüttelte unwillig den Kopf und fauchte: „Sie haben zwar ein hübsches Köpfchen, Miss Pallas, aber Sie verstehen nichts von solchen Dingen.“

„Ich denke doch, Inspector.“

„Nein, Miss!“

„Ich wette, ich verstehe von diesen Dingen mehr als Sie, Inspector.“

Robertson lief rot an. „Ich muss schon sehr bitten, Miss.“

Ein Sergeant kam und unterbrach den Wutausbruch gerade noch rechtzeitig. Der Beamte sprach nur wenige Worte. Er ging gleich wieder. Und Robertson wandte sich wieder mir zu. Er hatte sich völlig unter Kontrolle. Und er nahm sich verbissen vor, sich von mir nicht noch mal aus der Reserve locken zu lassen.

Sachlich stellte er seine weiteren Fragen, die ich ebenso sachlich beantwortete. Er wollte von mir wissen, wo ich mich zum Zeitpunkt des Überfalls befunden hatte. Ich sagte es ihm. Er wollte wissen, was ich danach gemacht hatte. Ich erzählte ihm von meiner Verfolgungsfahrt, und dass es mir nicht gelungen war, schien ihn beinahe zu freuen.

„Hm“, sagte er und rieb sich nachdenklich das Doppelkinn. „Wenn Sie hinter dem Wagen hergefahren sind, sollten Sie sich das Kennzeichen gemerkt haben, Miss.“

„Das habe ich.“

„Tatsächlich?“

„GB KL64 YEB.“

Inspector Robertson rieb sich grinsend die starkknochigen Hände.

„Erfreulich!“, sagte er erregt. „Wirklich sehr erfreulich!“

Er fingerte einen Notizblock aus dem Jackett und schrieb sich die Nummer auf. Ich fand, dass das überhaupt keinen Sinn hatte.

„Jetzt sitzen die Burschen so gut wie fest“, fügte der Inspector hinzu.

Ich schaffte es nicht, diese Bemerkung unwidersprochen zu lassen.

„Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Sie mit diesem Kennzeichen etwas anfangen können, Inspector?“

„Und w i e ich damit etwas anfangen kann.“

„Ich sehe zwei Möglichkeiten: entweder ist die Nummer gefälscht, oder der schwarze Mercedes ist gestohlen. Diese Gangster sind doch nicht so dumm, mit dem eigenen Kennzeichen …“

Inspector Robertson winkte ab. „Da sieht man's wieder. Sie haben keinen blassen Schimmer, Miss Pallas. Soweit denken doch diese einfältigen Verbrecher nicht. Sie begehen einen großen Fehler, wenn Sie diesen primitiven Ganoven den Intelligenzquotienten eines High-School-Professors zubilligen.“

Ich hatte ein mitleidiges Lächeln für den Inspector. Nicht ich beging einen Fehler, sondern Sean Robertson. Ich verzichtete aber vorläufig darauf, ihm das zu beweisen.

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