Kitabı oku: «Eins, zwei, drei ... ganz viele»

Yazı tipi:

Anne Rosengrün

Eins, zwei, drei … ganz viele

Mehrhundehaltung mit positiver Bestärkung

Kynos Verlag

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Alle Fotos Anne Rosengrün außer S. 174, 195 Steffi Rothe;

S. 26, 145, 149–150, 164–167, 169, 172, 186–193, 196, 202–203 Erik Hammer;

S. 104 Bärbel Petermann;

S. 127–128 Kathi Fleischer;

S. 57, 111–112 Tanja Bischof;

S. 11–12, 33, 101, 164 Sandra Wierszyn;

S. 70, 86–89, 90–94, 114 Petra Techert;

S. 39, 103 Claudia Scheiblich;

S. 40, 97, 125 Franziska Gauster;

S. 81 Dr. Kirsten Kramer;

S. 175 Archiv Kynos Verlag

eBook (epub) - Ausgabe der Printversion 2016

ISBN-eBook (epub): 978-3-95464-105-5

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-95464-086-7


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Eins, zwei, drei ganz viele …

Gedanken vor der Mehrhundehaltung

Vor- und Nachteile der Mehrhundehaltung

Wer passt zu wem?

2 Ein paar wichtige Trainingsgrundlagen vorab

Das Markersignal

Das Fertig-Signal

Mehrere Markersignale für mehrere Hunde?

Welche vier Konsequenzen für Verhalten gibt es?

Timing

Selbstbelohnendes Verhalten

Unangenehmes immer ankündigen!

3 Belohnungen im Training

Arten der Belohnung

Die Top Twenty-Liste

Funktionale Verstärker

Ressourcenverteidigung vermeiden

Richtig belohnen

Ort und Wertigkeit der Belohnung

Belohnungsrate

Körpersprache beim Belohnen

4 Integration – Planung und Vorarbeit

Planung

Vorarbeit

Kindergitter und Kennel

Vorarbeit für den Menschen

Managementmaßnahmen

5 Integration – Die Hunde lernen sich kennen

Sicherung der Hunde

Ablauf der Integration

Die weitere Zusammenführung

Das erste Mal gemeinsam drinnen

Eine Integration abbrechen

Fallbeispiele für Integrationen

6 Struktur im Alltag

Sitz-Übung

Warten lernen

Rituale etablieren

Die Intermediäre Brücke

Auto fahren

Ruhephasen

Qualitätszeit

7 Im häuslichen Bereich

Safe Zone

Fütterung

Besuchertraining

Alleinebleiben

8 Entspannungstraining

Aufbau des Wortsignals „Easy“

Aufbau des Wortsignals „Relax“

Aufbau eines Duftsignals

9 Der Spaziergang

Bevor es losgeht – an der Haustür

Am Auto

Leinenführigkeit

Der doppelte Rückruf

Entspannung

10 Der Umwelt begegnen

Zeigen & Benennen

Aufbau von „Zeigen und Benennen“

Differenzielle Verstärkung

Jogger & Co

Fremdhundekontakt

Passierenlassen von anderen Menschen oder Hunden

Vorbeigehen an anderen Menschen oder Hunden

Schwierige Situationen meistern

Antijagdtraining

11 Spielende Hunde

Spielsignale

Gut beobachten!

Mobbing

12 Grundgehorsam

Sitz & Platz

Bleiben

Bei Fuß

Seitenwechsel

„Zur Seite“

„Weiter“

Nasentouch

Kinntouch

13 Verhaltensunterbrecher

Der Geschirrgriff

14 Kleine Alltagsspiele

Das Zehn-Leckerli-Spiel

Das Mäuschenspiel

Folge mir!

„Such!“

Das Bäumchenspiel

15 Immer mit der Ruhe

Zum Ruhepol werden

Stressmanagement für den Menschen

Sie haben die Wahl!

Blöd gelaufen?

Schöne Momente

Über die Autorin

Checkliste: Was können Sie bei unerwünschtem Verhalten ändern?

Literaturtipps zum Weiterlesen

Widmung

Dieses Buch und mein ganzes Vorhaben würde es ohne Dr. Ute Blaschke-Berthold von CumCane® nicht geben. Sie hat das Training mit meinen eigenen Hunden begleitet und tut es auch heute noch. Alle in diesem Buch erklärten Übungen und Trainingswerkzeuge wurden (weiter)entwickelt von Dr. Ute Blaschke-Berthold.

Meinen herzlichen Dank dafür!

Vorwort

Seit vielen Jahren bin ich nun als Hundesitterin selbstständig. Früher machte ich mir nie Gedanken darüber, wie ich mit meiner jeweiligen Hundegruppe umgehe. Für mich persönlich war es immer ganz normal, einen Clicker dabei zu haben und Leckerlis zu verwenden. Erst mit den Jahren musste ich feststellen, dass diese Vorgehensweise leider nur selten der Fall ist und ich somit eine Ausnahme bin oder war. Das warf mich zuerst einmal von meiner kleinen Wolke. Danach entstand der Wunsch, diese Trainingstechnik (oder vielmehr: Lebenseinstellung) unter Hundesittern zu verbreiten.

Für mich fing, wie für viele andere Hundehalter auch, alles mit einem Familienhund an. In meinem Fall war es eine braune Dobermannhündin, zu der ich in den ersten Jahren wenig Bezug hatte. Sie hörte nicht auf mich und reagierte draußen auf fremde Menschen und Hunde aggressiv. Meine Schwester war es damals, die mir den Clicker und ein Buch zum Thema zeigte – und damit kam alles ins Rollen. Die Arbeit mit einem Hund und mit mehreren Hunden, mit Clicker und Futterbelohnungen – das ist meine Welt!

Autorin Anne Rosengrün mit einer bunt gemischten Hundegruppe beim Dogwalking.

Mit den Jahren habe ich die Arbeit mit einer Hundegruppe immer weiter verfeinert, ich habe Trainingstechniken ausprobiert, vieles habe ich in meinen Werkzeugkoffer aufgenommen und manches habe ich verworfen. Es war schon immer mein Traum, mit Hunden und mit Hundegruppen zu leben und zu arbeiten.

Vor mehreren Jahren kam dann der Wunsch hinzu, diese Art des Trainings oder besser gesagt diese Art des Lebens mit Hunden zu verbreiten. Aus einer kleinen Idee entstand ein großes Projekt – und dazu zählt auch dieses Buch.

Sie werden in diesem Buch nichts über Rangordnung lesen, auch werden Sie nichts über „Rudelstellungen“ finden. In den meisten Fällen trifft der biologische Fachbegriff „Rudel“ nicht auf unsere bunt zusammen gewürfelten Hunde zu, die wir zusammen halten. Ein Rudel ist eine Familie, die Tiere in diesem Gruppenverband sind miteinander verwandt. Werden Hunde, häufig ohne sie zu fragen, miteinander vergesellschaftet, um miteinander zu leben, spricht man von einer Hundegruppe.

In diesem Buch werden Sie nichts über Rudelstellungen finden. Es ist unerheblich, wo der einzelne Hund läuft.


Rangordnungen sind nicht entscheidend, um eine Hundegruppe harmonisch zu führen.

Als Mensch eine Rangordnung in einer solchen Gruppe zu beurteilen ist sehr schwierig und spielt meiner Meinung nach auch eine sehr untergeordnete Rolle, denn sie ist schlichtweg nicht entscheidend, um eine Hundegruppe harmonisch zu führen. Viel wichtiger ist das Verhalten jedes einzelnen Hundes in einer bestimmten Situation. Ein Hund wird nicht über seine Persönlichkeit oder seine Stellung im Rudel beurteilt, vielmehr wird sein Verhalten analysiert und verändert, wenn es unerwünscht oder problematisch ist.

Dazu ein Beispiel: Ein Hund schränkt einen anderen Hund in Wohnräumen durch Blicke und mitunter auch durch körperliches Blockieren ein. Häufig wird dann gesagt: Dieser Hund ist der Ranghöchste, er ist dominant und er provoziert. Diese beliebten Etiketten werden Sie in diesem Buch nicht finden.

Viel wichtiger ist: Wie sieht das Verhalten in dieser Situation genau aus? Welche Auslöser hat das Verhalten? Warum zeigt der Hund dieses Verhalten? Mit diesem Buch will ich Ihnen dabei helfen, dies zu erkennen, zu analysieren und den passenden Trainingsplan dazu zu entwickeln.

Mit Feingefühl und ein wenig Management kann man nämlich sehr gut auf Strafreize und Einschüchterungen verzichten und die Hunde positiv führen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, viel Spaß beim Lesen dieses Buches. Haben Sie bisher anders gearbeitet? Dann probieren Sie es einfach aus und verändern Ihr Verhalten kleinschrittig, wie wir es beim Hund auch tun.


1Eins, zwei, drei ganz viele …

Egal, ob als Mehrhundehalter oder als Hundesitter: Man sollte sich immer vorher Gedanken machen, ob mehrere Hunde in das Leben passen oder ob man doch lieber ein Einzelhundehalter bleibt.

Der Trend geht ganz klar zur Mehrhundehaltung, wobei die Gründe dafür sehr verschieden sind. Viele Menschen verlieben sich in das Hobby Hund und möchten sich weiter ausprobieren, zum Beispiel in einer neuen Hundesportart. Andere Hundebesitzer verfallen einer bestimmten Rasse oder einem bestimmten Typus Hund. Andere Menschen retten Hunde aus dem Ausland und können sie einfach nicht wieder hergeben.

Egal, welche Gründe Menschen dazu bringen, mehrere Hunde zu halten, wichtig dabei ist: Die Hunde sollten immer an erster Stelle stehen.


Eine bunt gemischte Hundegruppe macht sehr viel Spaß im Alltag, wenn alle Hunde gut erzogen sind.

Gedanken vor der Mehrhundehaltung

Eine Mehrhundehaltung beginnt mit zwei Hunden. Zwei Hunden, die es sich nicht aussuchen konnten, zusammenzuleben. Dies sollten wir Menschen uns immer wieder vor Augen halten: Der Hundebesitzer bestimmt darüber, welche Hunde gemeinsam in einem Haushalt leben – nicht die Hunde!

Daher ist es ganz wichtig, sich vorher Gedanken darüber zu machen, ob ein weiterer Hund in den Haushalt passt.


Überlegen Sie sich bitte vorher, ob Ihr Hund für die Mehrhundehaltung geeignet ist.

Checkliste:
Eignet sich mein/e Hund/e für einen weiteren Hund?


Punkte
Mein Hund mag andere Hunde sehr gerne und hat häufig Hundekontakte.3
Mein Hund mag nicht jeden Hund, die Sympathie entscheidet.2
Mein Hund kommt nicht gut mit (fremden) Hunden klar, er hat selten Hundekontakt.1
Mein Hund reagiert zuverlässig auf meinen Rückruf.3
Mein Hund reagiert häufig auf den Rückruf, aber nicht immer.2
Mein Hund hat keinen zuverlässigen Rückruf.1
Mein Hund befolgt die gängigen Grundsignale auch unter Ablenkung.3
Mein Hund befolgt die gängigen Grundsignale zuhause, draußen meist nicht.2
Mein Hund befolgt die gängigen Grundsignale nicht.1
Mein Hund interessiert sich nicht für Wild(spuren).3
Mein Hund findet Wild(spuren) interessant.2
Mein Hund ist auf Grund seiner Jagdleidenschaft nicht ableinbar.1
Mein Hund bleibt ohne Probleme 4 – 6 Stunden alleine.3
Mein Hund bleibt kurze Zeit (60 Minuten) alleine.2
Mein Hund bleibt gar nicht alleine.1
Mein Hund läuft an lockerer Leine, auch an anderen Hunden vorbei.3
Mein Hund zieht nur wenig, bei anderen Hunden bellt er manchmal.2
Mein Hund zieht immer an der Leine und ich kann ihn bei Hundebegegnungen manchmal fast nicht festhalten1
Gesamt:_____

18 Punkte: Ihr Hund ist gut für eine Mehrhundehaltung geeignet. Er ist gut erzogen, läuft an lockerer Leine und bleibt alleine. Dies sind sehr gute Voraussetzungen für einen weiteren Hund.

17 – 12 Punkte: Eine Mehrhundehaltung ist mit Vortraining für den schon im Haushalt lebenden Hund gut machbar. Eventuell muss am Anfang Management betrieben werden.

11 – 7 Punkte: Eine Mehrhundehaltung ist nur bedingt möglich. Am Anfang wird viel Management nötig sein. Ihr Hund benötigt viel Vortraining, damit ein weiterer Hund einziehen kann.

6 Punkte: Von einer Mehrhundehaltung ist abzuraten. Ihr Hund benötigt zuerst einmal viel Aufmerksamkeit von Ihnen, bevor ein weiterer Hund einziehen kann.

Vor- und Nachteile der Mehrhundehaltung

Das Leben mit einem Hund ist oft deutlich einfacher als mit zwei oder mehr Hunden. Ein Hund kann ohne Probleme mit ins Restaurant genommen werden, bei zweien wird es schon oft kritisch und mit drei Hunden trauen sich nur wenige Menschen in ein Café.

Je mehr Hunde man hat, umso mehr kostet alles. Angefangen bei der Hundesteuer über Tierarztrechnungen, Futter, Zubehör, Hotelübernachtungen bis hin zur Hundebetreuung. Vor der Mehrhundehaltung sollte man sich also Gedanken machen, ob man auch genug Geld hat, um anfallende Kosten decken zu können.

Auch die Wohnungs- und Haussuche zur Miete wird schwieriger, die Akzeptanz vieler Mitbürger hört bei zwei Hunden auf. Je mehr Hunde im Haushalt leben, umso aufwändiger wird der Tagesablauf – angefangen bei der Fütterung bis hin zur Erziehung jedes einzelnen Hundes.

Das Schöne an einer Mehrhundehaltung sind definitiv die Interaktionen zwischen den Hunden. Ein Fernseher wird in einem Mehrhundehaushalt überflüssig! Das Beobachten der hundlichen Körpersprache beim Aussenden feinster Signale und bei der atemberaubenden Kommunikation unter Hunden macht viele Nachteile wett.

Vielen Hundebesitzern macht das Leben mit mehreren Hunden mehr Spaß. Jeder Hund hat seine eigene Persönlichkeit und fordert die Bezugsperson immer wieder aufs Neue. Das Hobby Hund wird dann schnell zur Leidenschaft Hund.

Ist der eine Hund nicht für Agility oder Ähnliches geeignet, so kann der zweite Hund genau nach diesen Kriterien ausgesucht werden. Ob der zweite Hund dann wirklich dafür geeignet ist, was sich der Mensch wünscht, steht allerdings in den Sternen …

Vor der Anschaffung eines Zweit- und Dritthundes sollte man sich sehr viele Gedanken machen, ob das eigene Leben für einen Mehrhundehaushalt geschaffen ist oder ob man doch lieber bei einem einzelnen Hund bleibt.

Wer passt zu wem?

Die Frage: „Wer passt zu wem?“ wird sehr häufig gestellt. Generell gibt es keine Zusammenstellung, die grundsätzlich unkompliziert ist. Es kann immer zu Problemen unter den Hunden kommen, egal, wie viele Gedanken man sich im Vorfeld macht. Andersherum ist es aber ebenfalls möglich: Egal welche Passung, es kann wunderbar funktionieren.

Welpe zu Welpe oder Junghund zu Junghund

Diese Passung kann ich nicht empfehlen. Ein Welpe bzw. ein Junghund alleine bedeutet schon sehr viel Arbeit und in dieser Lebensphase brauchen die Hunde viel Unterstützung von der Bezugsperson. Zwei Welpen bzw. Junghunde sind vergleichbar mit Zwillingen. Möchte man diese Passung unbedingt, dann sollte man sich überlegen, ob man die Zeit hat, täglich mindestens einen Spaziergang getrennt mit den Hunden zu unternehmen und sehr viel Zeit, Geduld und Nerven in die Erziehung der jungen Hunde zu investieren.


Welpen benötigen sehr viel Erziehung, Beaufsichtigung, Zeit und Geduld.

Welpe / Junghund zu erwachsenem Hund

Diese Passung ist für erwachsene Hunde geeignet, die Welpen mögen, eine Grunderziehung haben und im Alltag unkompliziert sind. Welpen brauchen während der ersten Monate sehr viel Aufmerksamkeit. Sie können noch nicht so lange laufen, müssen aber häufiger rausgehen zum Pipi machen als ein erwachsener Hund.

Zu einem verhaltensauffälligen Hund, besonders, wenn die Probleme bei Hundebegegnungen liegen, würde ich von der Anschaffung eines Welpen abraten und zuerst an dem Problemverhalten des Hundes arbeiten, welcher schon in der Familie ist. Ein erwachsener Hund, der sehr souverän und freundlich gegenüber fremden Hunden ist, ist deutlich besser geeignet. Hat der schon vorhandene Hund Probleme mit Menschen, dann würde ich auch in diesem Fall einen erwachsenen Hund, der sehr freundlich zu Menschen ist, vorziehen.

Erwachsener Hund zu erwachsenem Hund

Diese Passung muss nochmals in gleichgeschlechtlich und gemischt geschlechtlich unterschieden werden.

Rüde zu Rüde

Diese Konstellation kann sehr unkompliziert sein, eine wahre Männerfreundschaft. Den zweiten (oder dritten) Rüden sollte nicht nur der Mensch aussuchen, sondern der bzw. die Hunde! Bei zwei intakten, also nicht kastrierten Rüden sollten die Hunde sehr gut erzogen werden. Es sollte immer sehr gut auf die Rüden geachtet werden. Treten Spannungen zwischen ihnen auf, sollte sehr schnell an den Problemen trainiert werden.

Eine Kastration eines Rüden bzw. aller Rüden kann die Situation entspannen. Als Test, ob eine Kastration eine Verhaltensänderung bewirken würde, gibt es den Suprelorin®-Chip mit einer Wirkdauer von ca. 6 oder 12 Monaten. Die Wirkung tritt, je nach Hund, nach zwei bis sechs Wochen ein. Eine Kastration ersetzt nicht das Training einer Rüdengruppe.


Die Passung Welpe zu erwachsenem Hund klappt sehr gut bei freundlichen Hunden.

Hündin zu Hündin

Diese Konstellation kann unkompliziert sein, solange der Hundebesitzer auch bei dieser Konstellation die Hündin (oder die Hündinnen) mitreden lässt. Zwei Hündinnen, die sich von Anfang an nicht gut verstehen, werden sich auch im heimischen Umfeld nicht gut verstehen. Kastrierte Hündinnen kommen meist gut miteinander zurecht, solange sie sich sympathisch sind, dies muss aber nicht der Fall sein. Daher ist es sehr wichtig, die Hündin in den Entscheidungsprozess der neuen Hündin mit einzubeziehen.

Es kann aber auch zwischen zwei Hündinnen zu schweren Auseinandersetzungen kommen. Meist haben diese Auseinandersetzungen etwas mit dem Hormonstatus der Hündinnen und Ressourcen, wie Futter, Liegeplätze, der Bezugsperson und anderen Hunden zu tun. Bei schweren Auseinandersetzungen sollten die Hündinnen räumlich getrennt werden, außerdem sollte an den Problemen trainiert werden.

Bei intakten Hündinnen kann eine Kastration die Situation entspannen. Dies sollte gut überlegt werden. Auch bei Hündinnen kann eine Kastration kein Training ersetzen.

Rüde zu Hündin (oder anders herum)

Bei dieser Konstellation ist das Zusammenleben meistens unkompliziert. Zu beachten ist, dass die Läufigkeit einer Hündin bei den meisten Rüden, auch wenn sie kastriert sind, ein starker Stressor ist. Daher wäre es sinnvoll, die Hündin kastrieren zu lassen. Einen männlichen Welpen zu einer oder mehreren intakten Hündinnen dazu zu holen, weil der Mensch einen Rüden haben möchte, kann ich nicht empfehlen. Nach außen hin ist die gemischte Konstellation oft am schwierigsten. Der Rüde verteidigt häufig „seine“ Hündin gegenüber anderen Rüden und die Hündin mitunter auch „ihren“ Rüden gegenüber Hündinnen. So wird Hundekontakt noch schwieriger. Natürlich ist es auch bei dieser Konstellation möglich, dass es ganz unkompliziert wird.


Das Zusammenleben mit mehreren Hündinnen kann problematisch sein.


Hündin und Rüde harmonieren meist innerhalb der Gruppe gut.


2Ein paar wichtige Trainingsgrundlagen vorab

Bevor wir konkret auf die Zusammenführung mehrerer Hunde und den Alltag mit mehreren Hunden eingehen, sind ein paar Grundlagen zu der Art des Trainings, mit der in diesem Buch gearbeitet wird, hilfreich.

Ein Verhalten hat immer mehrere Ursachen und entsteht auf verschiedenen Ebenen im Inneren eines Hundes.

Unter klassischer Konditionierung versteht man die Verknüpfung zweier Reize miteinander. Ein neutraler Reiz, der für den Hund keine Bedeutung hat, wird mit einem Reiz verknüpft, der für den Hund von Natur aus eine Bedeutung hat. Dies kann Futter sein, Spielen oder auch hormonelle Reaktionen im Körper des Hundes.

Ivan Pavlov entdeckte die klassische Konditionierung in seinen berühmten Experimenten mit der Futter ankündigenden Glocke und dem Speichelfluss bei Hunden. Eine kleine Merkhilfe für den Alltag: „Pavlov sitzt immer auf Ihrer Schulter.“ Dies bedeutet, dass klassische Konditionierung immer stattfindet, auch unbewusst und ohne menschliches Zutun.

Die erste, sehr wichtige Ebene sind Emotionen, gesteuert durch das limbische System, „das emotionale Gehirn“. Wir können die emotionale Lage des Hundes anhand der Körpersprache und des Ausdrucksverhaltens unserer Hunde beobachten. Emotionen und auch Erregungs- und Entspannungszustände sind über klassische Konditionierung veränderbar.


Beim Aufbau des Markersignals wird die klassische Konditionierung angewendet.

Die klassische Konditionierung wird zum Beispiel für Entspannungstraining verwendet, das noch ausführlich im Buch vorgestellt wird. Auch das so genannte Markersignal wird im ersten Schritt über klassische Konditionierung aufgebaut, damit der Hund verstehen kann, was es bedeutet. Das Markersignal ist das wichtigste Werkzeug, um mit Hunden zu arbeiten.

Das Markersignal

Ein Markersignal ist ein Wort oder ein Geräusch, welches dem Hund oder den Hunden sagt: „Genau dieses Verhalten war sehr gut! Du hast das gerade sehr gut gemacht!“ Ein Markersignal verspricht dem Hund oder den Hunden Interaktion mit dem Menschen.

Als Markersignal eignen sich Nonsense-Wörter, dies sind Wörter ohne Bedeutung und möglichst kurz und knackig:

Top; Tip; Yep; Click; Yip; Tac

Natürlich kann auch der Clicker als Markersignal verwendet werden.

Das Markersignal ist ein soziales Kooperationssignal, mit dem Verhalten sehr exakt verstärkt wird. Es verbessert durch seine klare Information die Kommunikation zwischen Mensch und Hund entscheidend und schafft eine Brücke zwischen dem gezeigten Verhalten des Hundes und der Belohnung durch den Menschen. Jede Übung setzt ein Markersignal voraus, da es unendlich wichtig ist, um über positive Verstärkung mit Hunden zu arbeiten.


Bauen Sie das Markersignal mit verschiedenen Belohnungen auf.


Die Grundlage für das Arbeiten wird mit einem Markersignal gelegt. Sie können dazu ein Wort und / oder einen Clicker verwenden.

Mit einem Markersignal können Sie

•Verhalten verstärken, das Sie bei Ihren Hunden abfragen, z. B. Sitz, Platz, Fuß etc.

•Verhalten in dem Moment einfangen, in dem der Hund es zeigt. So können Sie beispielsweise „Verbeugen“ und andere Verhaltensweisen unter ein Signal stellen.

•Verhaltensweisen verstärken, die sehr sinnvoll sind und das Zusammenleben zwischen Hunden und Mensch verbessern. Darunter zählt jedes deeskalierende Verhalten wie Kopf wegdrehen, am Boden schnüffeln, den Körper wegdrehen etc.

•Freiwillig gezeigtes Verhalten des Hundes wie freiwilligen Blickkontakt und Zurückkommen, Stehen und etwas Anschauen etc. verstärken.

•Jedes Verhalten, welches vor einem unerwünschten Verhalten auftritt, kann verstärkt werden und so kann erfolgreich an Problemverhalten gearbeitet werden. Bevor ein Hund beispielsweise an der Leine einen Hund verbellt, muss er diesen wahrnehmen. Sobald Ihr Hund den anderen Hund wahrgenommen hat, aber noch nicht bellt, passen Sie diesen Moment ab, können das gezeigte Verhalten verstärken und belohnen.

Mit dem Markersignal verbessert sich Ihre Kommunikation, sie können deutlich klarer und effizienter mit den Hunden trainieren.

Das Markersignal ist auch ein sehr wichtiges Werkzeug für eine geordnete Struktur im Alltag (mehr zur Struktur im Alltag in Kapitel 6). Es vermittelt den Hunden Sicherheit und hilft beim Verstärken von gutem Verhalten. Es wird eingesetzt, wenn die Hunde untereinander agieren, wenn Signale von den Hunden abgefragt werden und wenn die Hunde eigenständig gutes Verhalten ausführen. Zusätzlich wird es für den Aufbau neuer Signale verwendet.

Alle in diesem Buch vorgestellten Übungen setzen ein Markersignal voraus. Der Aufbau ist schnell getan und macht Hund und Mensch sehr viel Spaß. Nach dem ersten Aufbau eignet sich die Übung „Zehn-Leckerli-Spiel“ von S. 189 sehr gut zum Starten. Das Markersignal kann mit einer Hundegruppe aufgebaut werden, wenn der Mensch schnell ist. Alternativ kann das Markersignal mit jedem Hund einzeln aufgebaut werden

Beim Aufbau des Markersignals in der Hundegruppe muss nach dem „Click“ ein verbales Lob als erste Interaktion folgen und dann die eigentliche Belohnung, damit alle Hunde gleich schnell eine Belohnung erhalten. Während des verbalen Lobs bekommt jeder Hund nacheinander eine Futterbelohnung. Die Reihenfolge der Hunde wird gewechselt, bis jeder Hund als erster an der Reihe war. Alternativ kann nach dem Markersignal auch eine Handvoll Futter auf den Boden geworfen werden und die Hundegruppe mit dem Signal „Such“ zum Suchen des Futters aufgefordert werden.

Als Markersignal kann der Clicker verwendet werden. Für welche Ausführung sich der Mensch entscheidet, hängt von den vorhandenen Hunden ab. Bei geräuschempfindlichen Hunden sollte das Training nicht mit dem Clicker gestartet werden, in diesem Fall eignet sich ein Markerwort besser. Generell sollte der Clicker am Anfang etwas gedämpft werden: Dazu hält man ihn die ersten Male hinter dem Rücken versteckt, während man das Geräusch auslöst. Belohnt wird der Hund nach dem Markersignal mit einem bunten Mix aus verschiedenen Belohnungen. Von Anfang an ist es wichtig, dass so vielseitig und kreativ wie möglich belohnt wird.

Wenn die Belohnung erst einmal nur aus Futter, verbalem Lob und Streicheln besteht, dann ist das für den Anfang in Ordnung. Mit Futter kann man sehr kreativ sein. Viele Hunde finden es auf Dauer sehr langweilig, wenn sie das Futter immer direkt aus der Hand ins Maul bekommen. Denkt man sich verschiedene Mini-Spiele mit Futter aus, dann wird auch die Reaktion auf das Markersignal verstärkt.

Was folgt nie auf das Markersignal?

•An der Leine ziehen / rucken

•Brüllen oder scharfe Kommandos / Signale

•Runterdrücken in ein bestimmtes Verhalten (z. B. Sitz)

•Körpersprachlich den Hund bedrohen (auf den Hund zugehen, frontal zum Hund hinstellen)

•näher an einen Auslöser von Angst- oder Aggressionsverhalten herangehen


Bei der Anwendung des Markersignals wird Verhalten mit angenehmen Konsequenzen verknüpft.

Das Fertig-Signal

Das Fertig-Signal gehört untrennbar zum Markersignal dazu. Es verhindert, dass die Hunde unentwegt in der Erwartung auf eine Interaktion den Menschen anschauen. Das Fertig-Signal beendet den Belohnungsprozess. Es kann ein verbales Signal verbunden mit einer eindeutigen Handbewegung verwendet werden.

Wird eine Hundegruppe auf einem Spaziergang 15 Mal gemarkert (das Markersignal ist sozusagen das Los-Signal), so folgt auch 15 Mal das Fertig-Signal.

Das Fertig-Signal beendet die Belohnungssequenz und Sie schicken Ihre Hunde damit in die Hunde-Freizeit.


Mit dem Fertig-Signal wird die Kommunikation verbessert und Frustration vermieden.

Es gibt durchaus Hunde, die sehr großes Interesse an der Interaktion mit dem Menschen haben und denen es schwer fällt, sich auf das Fertig-Signal vom Menschen zu trennen. Bei diesen Hunden sollte die Leckerlitasche sehr deutlich geschlossen werden, manchmal auch wirklich auf den Rücken gedreht werden (wenn dies möglich ist), damit es für diese Hunde eindeutig wird. Das nächste Markersignal sollte erst erfolgen, wenn der Hund sich vom Menschen gelöst hat und seines Weges gegangen ist.

Ausnahme von dieser Regel ist das Markieren von selbstbelohnendem Verhalten und das Markieren von erwünschtem Verhalten in Spielsituationen.

Mehrere Markersignale für mehrere Hunde?

Es ist auch durchaus denkbar und praktikabel, für mehrere Hunde verschiedene Markersignale einzuführen. Dies kann man machen, wenn man sich damit besser fühlt und die Markersignale in Stresssituationen nicht verwechselt. Man sollte beim Einsatz von mehreren Markersignalen sehr konsequent beim Belohnen der einzelnen Hunde sein. Hier sind die Fähigkeiten des Trainers gefragt. Mit mehreren Markersignalen kann jeder Hund sehr präzise in seinem Verhalten verstärkt werden. Allerdings lernen die Hunde sehr schnell, dass auch die Markersignale anderer Hunde Belohnung versprechen und es kann passieren, dass alle Hunde auf alle Markersignale reagieren.

Es ist auch denkbar, dass der Clicker für alle Hunde gilt und zusätzlich Markerwörter für jeden einzelnen Hund (z. B. Tic-Tac-Tock) eingeführt werden.

Welche vier Konsequenzen für Verhalten gibt es?

Sobald das Markersignal aufgebaut wurde und angewendet wird, spricht man von operanter Konditionierung. Dabei wird Verhalten mit Konsequenzen verknüpft.

Es gibt vier verschiedene Konsequenzen – nicht mehr und nicht weniger. Diese vier Konsequenzen werden auch als das Quadrat der Konsequenzen bezeichnet.


Bei der operanten Konditionierung folgt auf Verhalten eine von vier Konsequenzen.

1. Positive Verstärkung

•baut Verhalten auf, dabei tritt es schneller, häufiger, länger und /oder intensiver auf

•damit Verhalten bestehen bleiben soll, muss es verstärkt werden

•Es wird etwas für den Hund Angenehmes hinzugefügt

•Beispiele: Leckerli, Ball, Bezugsperson, Hundefreunde, das Reh im Wald …

2.Negative Verstärkung

•baut ebenfalls Verhalten auf und lässt Verhalten schneller, häufiger, länger und / oder intensiver auftreten

•mit negativer Verstärkung bleibt Verhalten ebenfalls bestehen

•Es wird etwas für den Hund Unangenehmes weggenommen

Beispiele:

Leinenzug hört auf, wenn der Hund weiterläuft. Dabei wird das Weiterlaufen verstärkt.

Der Hund bellt, während der Jogger sich entfernt. Das Bellen wird verstärkt.

Ein Hund hat Probleme mit fremden Menschen und befindet sich in einem strukturierten Training. Hund und Bezugsperson sind statisch, ein fremder Mensch (Trainingspartner) nähert sich dem Hund-Mensch-Team. Der Hund schaut, nimmt die fremde Person wahr und steht – der Hund zeigt (noch) kein Problemverhalten. Die Bezugsperson markiert, der menschliche Trainingspartner bleibt stehen. Der Hund bekommt, wenn er mag, eine Futterbelohnung. Nachdem er diese gefressen hat, entfernt sich der fremde Mensch.

Negative Verstärkung ist sehr wirkungsvoll und kann im Training angewendet werden. Möchte man allerdings etwas Unangenehmes wegnehmen, so muss es zuerst hinzugefügt werden. Um dieses Dilemma zu lösen, wird generell alles, was für den Hund unangenehm ist, angekündigt. Der Hund hat die Wahl: Er schnüffelt, die Bezugsperson gibt das Signal „Weiter“, geht der Hund auf dieses Signal hin mit seinem Menschen mit, wird dies über positive Verstärkung mit dem Markersignal verstärkt. Entscheidet der Hund sich für das weitere Schnüffeln, erfolgt nach zwei Sekunden ein kontinuierlicher Leinenzug, bis der Hund an lockerer Leine mit dem Menschen mitgeht. Dies wird nach einigen Schritten mit dem Markersignal verstärkt und belohnt.

3.Negative Strafe

•hemmt Verhalten und baut es ab

•Es wird etwas für den Hund Angenehmes weggenommen oder vorenthalten

Beispiele:

Der Mensch greift in die Tasche, in der sich der Ball befindet, und überlegt es sich anders. Ist für den Hund der Ball eine starke Belohnung, hemmt dies das vorher gezeigte Verhalten.

Der Hund zeigt unerwünschtes Verhalten, beispielsweise Verbellen von Besuch. Als negative Konsequenz wird der Hund mit dem Signal „Auszeit“ in einen uninteressanten Raum gesperrt, bis er sich beruhigt hat. Dem Hund wird mit der Auszeit seine Bezugsperson beziehungsweise ihre Aufmerksamkeit entzogen.

Negative Strafe ruft Frustration hervor und sollte deshalb nur sehr dosiert und mit Bedacht angewendet werden. Es sollte nie auf das unerwünschte Verhalten gewartet werden, um den Hund beispielsweise in die Auszeit zu schicken. Besser ist es, jegliches Verhalten, welches erwünscht ist, zu verstärken. Nach der Anwendung der negativen Strafe muss der Hund wieder in die Situation gebracht werden, mitunter in niedrigerer Intensität, und es wird positives Verhalten verstärkt. Nur so hat der Hund die Chance, zu lernen, was von ihm erwünscht ist.

Die negative Strafe können wir im Training nicht verhindern. Sie gehört sozusagen dazu, denn wir enthalten unseren Hunden immer wieder Belohnungen vor, auch, wenn sie diese haben möchten. Dies müssen wir akzeptieren. Wir können den Hunden durch durchdachtes Training und durch Ankündigungen und Signale die Frustration vermindern. Wie? Das erfahren Sie im Laufe des Buches.

4.Positive Strafe

•hemmt Verhalten und baut es ab

•Es wird etwas für den Hund Unangenehmes hinzugefügt

Beispiele:

Der Hund zeigt unerwünschtes Verhalten und wird gekniffen, um das Verhalten zu unterbrechen (Flankenkneifen). Das unerwünschte Verhalten wird gehemmt. Das Kneifen erzeugt eine Schreckreaktion und kann physischen Schmerz auslösen.

Der Hund zieht an der Leine und der Mensch ruckt an der Leine. Wenn der Mensch den Leinenruck gut getimt hat, wird der Hund die gespannte Leine mit dem unangenehmen Reiz verknüpfen. Wenn das menschliche Timing schlecht ist, kann der Hund die unangenehme Konsequenz auch mit einem anderen Verhalten verknüpfen.

Die positive Strafe hat sehr viele Nachteile. Der Hund verknüpft, genau wie bei der positiven Verstärkung, mitunter nicht das Verhalten, das der Mensch eigentlich meinte. Zusätzlich wirkt positive Strafe nicht nur auf der Ebene des Verhaltens, sondern gleichzeitig wird durch klassische Konditionierung auch die emotionale Ebene angesprochen, bei der Reize mit positiven (oder in diesem Falle negativen) Emotionen verknüpft werden.

Positive Strafe kann die Bindung zwischen der Bezugsperson und den Hunden schwächen, denn häufig können die Hunde das Verhalten der Menschen schlecht einschätzen.

Timing

Timing ist immer wichtig. Schlechtes Timing führt zu falschen Verknüpfungen, denn der Hund kann nicht verstehen, welches bestimmte Verhalten vom Mensch gemeint ist, egal, welche Konsequenz verwendet wird. Bei der positiven Verstärkung sind Timing-Fehler durch die positive Verknüpfung für den Hund nicht dramatisch, denn es werden immer emotional positive Verknüpfungen hergestellt. Dies ist ein sehr großer Vorteil bei der Arbeit über positive Verstärkung.

In einer Hundegruppe ist Timing häufig sehr schwierig, denn der Mensch hat selten jedes Verhalten von jedem Hund genau im Blick. Aber ist das schlimm? Nein! Definitiv nicht.

Beim Markieren von einem bestimmten Verhalten eines einzelnen Hundes in einer Hundegruppe schauen wir diesen Hund an und richten unsere Körpersprache auf diesen Hund aus. Die menschliche Körpersprache wird von den Hunden wahrgenommen und sie können das Markersignal zuordnen. Zusätzlich können Sie den Hund, dessen Verhalten Sie gerade markiert haben, als Ersten belohnen.

Selbstbelohnendes Verhalten

Selbstbelohnendes Verhalten sind Verhaltensweisen, die von innen heraus durch die Ausführung des jeweiligen Verhaltens sehr stark verstärkend wirken. Dabei ist es unerheblich, ob der Hund sein Ziel erreicht. So ist beispielsweise das Hetzen von Wild sehr stark selbstbelohnend, auch, wenn der Hund es nie erwischt.

Beispiele selbstbelohnenden Verhaltens:

•Hetzen

•Buddeln

•Stöbern

•Rennen

•Nach Wild / Hunden / Katzen gucken

•Beschleichen

•Bellen

•Abscannen der Umwelt

Selbstbelohnendes Verhalten kann als Belohnung (siehe nächstes Kapitel) verwendet werden, sofern es der Umwelt nicht schadet.

Das Hetzen von anderen Tieren scheidet also natürlich als Belohnung aus.

Unangenehmes immer ankündigen!

Auch bei einer Arbeit über positive Verstärkung sind für den Hund unangenehme Manipulationen manchmal unumgänglich: So muss der Hund regelmäßig zum Tierarzt, die Augen, Ohren und Zähne müssen regelmäßig kontrolliert werden und mitunter benötigt der Hund auch Medikamente.

Auch ist in manchen Fällen die angekündigte, negative Verstärkung wirkungsvoller als die positive Verstärkung. Sie sollte sehr bedacht eingesetzt werden, hat aber in geringen Maßen ihre Einsatzberechtigung. So wird das Signal zur Distanzvergrößerung (s. S. 59) beispielsweise über einen konstanten Leinenzug aufgebaut.

Die wichtigste Regel bei unangenehmen Handlungen am Hund lautet: Kündigen Sie diese bitte an und verstärken Sie Ihren Hund für die richtige Reaktion.

Beispiele für sinnvolle Ankündigungen, die später zu Signalen werden:

•An- und ableinen

•Geschirr an- und ausziehen

•Kontrolle von Zähne, Ohren, Augen

•Eingabe von Medikamenten (Tabletten, Augen- und Ohrentropfen)

•Dem Hund wird etwas gespritzt

•Bürsten / Kämmen

•Hochheben

•Richtungswechsel

•Konstanter Leinenzug

•Ins Geschirr greifen

Ankündigungen von unangenehmen Handlungen führen zu einer Erwartungssicherheit des Hundes. Dies schafft Sicherheit und Vertrauen gegenüber der Bezugsperson.

Anwendung von Ankündigung am Beispiel Anleinen:

•Der Hund wird gerufen oder befindet sich in Reichweite des Menschen

•Ankündigung: „Leine dran“ (oder Ähnliches)

•Leine am Brustgeschirr des Hundes befestigen

•Markersignal geben

•Hund belohnen

Wird die Ankündigung konsequent gegeben, wird sie zum Signal. Auf das Signal „Leine dran“ wird der Hund sich günstig zum Anleinen positionieren.


3Belohnungen im Training

Belohnungen sind der Treibstoff für jeden Hund, denn sie sind seine Motivation, mit dem Menschen zu kooperieren und erwünschtes Verhalten zu zeigen. Sie entscheiden darüber, wie schnell oder wie langsam er lernt. Wird die Belohnung gut ausgewählt, wird der Hund effektiv und in kurzer Zeit das erwünschte Verhalten erlernen. Wird allerdings eine unpassende Belohnung gewählt, geht es nur sehr zäh voran. Oft kann man so dem Hund sogar den Appetit auf diese Belohnung verderben: Die Situation ist vergleichbar mit einem Menschen, der Appetit auf ein deftiges Essen hat, aber nur Schokotorte bekommt – sein aktuelles Bedürfnis wird nicht befriedigt. Sie müssen also wissen, welche Arten von „Treibstoff“ es gibt und welche Ihr Hund gerade mag oder braucht.


Das Markersignal kündigt immer eine Belohnung an.

Arten der Belohnung

Eine Belohnung richtet sich nach den Bedürfnissen, die jeder Hund für sich individuell hat. Diese können sich je nach Situation sehr stark unterscheiden. Oft ist das Futter aus der Hand nur eine schwache Belohnung, es fehlt der Pepp, der Hund denkt sich: „Wie öde!“ und geht lieber seinen Interessen wie Schnüffeln oder Spielen mit Artgenossen nach. Abwechslung und die Befriedigung der hündischen Bedürfnisse sind gefragt!

Mit Futter zu arbeiten, ist prinzipiell eine gute Sache – es kommt hier lediglich auf die Kreativität der Bezugsperson an. Langeweile bei der Futterbelohnung muss nicht sein.

Die Futterbelohnung ist schnell gegeben, aber sie muss auch zur Motivation der Hunde passen.

Futter kann geworfen werden, zum Hund hin und vom Hund weg. Zwei Möglichkeiten von sehr vielen: Einmal springt der Hund hoch in die Luft, um das Leckerli zu fangen, und das andere Mal kann er dem Futter hinterhersprinten. Das macht großen Spaß und das Futter gleich viel interessanter. Auch, wenn es unsere Eltern nicht gern gesehen haben: Mit Futter kann man spielen! Man kann den Hund damit durch die Beine locken, in einer Acht oder eine Runde ums rechte Bein und wieder zurück. Während Sie Ihren Hund belohnen, schulen Sie gleichzeitig seine Motorik ganz spielerisch. Versteckspiele mit Futter machen jedem Hund viel Spaß und er kann sich mit seiner feinen Nase in die Welt der Düfte versenken. Das Futter kann man im hohen Gras, im Laub oder in der Erde verstecken und den Hund auf die Futtersuche schicken.


Ihr Hund fängt das Futter gerne aus der Luft? Dann werfen Sie es Ihm doch zwischendurch zu.

Zuerst einfach, damit der Hund Sicherheit bei der Futtersuche bekommen kann, später auch schwieriger und mit Einbeziehung der dritten Ebene: Futterringe lassen sich an Bäumen anhängen, Leckerlis können in einer Astgabel versteckt werden oder unter einem Stein, den der Hund mit der Nase anheben kann.

Manch einem futtergierigen Labrador Retriever ist es egal, ob er trockenes Brot oder ein Hundeleckerli bekommt. Viele Hunde machen aber durchaus einen Unterschied zwischen ihrem normalen Trockenfutter und einem Wienerle. Man kann die Futterbelohnungen nach ihrer Wertigkeit sortieren. Dabei geht es um die Wertigkeit aus Sicht des Hundes, nicht des Menschen! Was mag mein Hund? Was mag mein Hund nicht?

Hier einige Beispiele:

•Hochwertiges Trockenfutter

•Kleingeschnittenes Gemüse und Obst, z. B. Möhre oder Apfel

•Kleingeschnittener Käse, z. B. Edamer oder Gouda

•Kleingeschnittene Wurst, z. B. Wienerle oder Fleischwurst

•Getrocknetes Hühnerfleisch

•Mini-Fleisch-Leckerlis, z. B. von Allergodog

•Pommes (in Maßen, ungesalzen)

•Futtertube zum Befüllen mit verschiedenen Mischungen aus Quark, Joghurt, Banane, Leberwurst, Gemüse, Babygläschen …

Schleckerchen zum Befüllen mit verschiedenen Mischungen aus Buttermilch, Hühnerbrühe, Milch, aufgelöste Leberwurst …

Das Schleckerchen ist eine Art „Deoroller“, an dem der Hund durch Schlecken die integrierte Kugel bewegt und an die flüssige Füllung gelangt.

Packt der Hund gerne Dinge aus? Dann kann man Futter in Brotzeittüten aus Papier einpacken und diese mit auf den Spaziergang nehmen. Zuhause kann man dem Hund Auspackpakete basteln, damit er sich kreativ betätigen kann. Gleichzeitig lastet diese Beschäftigungsform den Hund sehr gut geistig aus.


Eine Futtertube, die man selbst befüllen kann, ist für viele Hunde sehr hochwertig.


Das Schleckerchen ist bei vielen Hunden sehr beliebt.

Für den häuslichen Bereich und im Auto eignen sich Futterspielzeuge zur selbstständigen Beschäftigung des Hundes ohne die Bezugsperson. Mittlerweile gibt es in diesem Bereich eine große Auswahl an verschiedenen Futterspielzeugen und –bällen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Diese Art der Beschäftigung macht dem Hund großen Spaß, lastet ihn geistig aus und schult die Eigeninitiative zur Problemlösung. Auch hier gilt: Einfach anfangen, damit der Hund Erfolg hat. Später können die Auspackspiele schwierig sein, damit der Hund sich richtig anstrengen muss.

Neben dem Futter habe ich ganz viele soziale Verstärker (= Belohnungen), die mir immer und überall zur Verfügung stehen! Ich kann den Hund freundlich anlächeln, mich über oder mit ihm freuen und meine Begeisterung über Sprache, Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen. Ich kann meinen Körperschwerpunkt bewusst nach hinten nehmen – damit signalisiere ich dem Hund, dass ich freundlich gestimmt bin.

Auch Streicheln gehört zu den sozialen Verstärkern. Allerdings möchten viele Hunde draußen nicht gern gestreichelt werden, auch, wenn Sie es zuhause abends auf dem Sofa vielleicht sogar sehr gerne mögen. „Situationsbezogen“ ist hier das Zauberwort. Empfindet es der Hund nicht als angenehm, dann ist es auch keine Belohnung! Sie können es aber durchaus zu einer machen: Sagen Sie dem Hund, was jetzt gleich kommt („Streicheln“), stellen sich seitlich zum Hund, am besten auf seine Höhe. Streicheln Sie Ihren Hund bewusst und patschen ihm nicht auf dem Kopf herum. Am besten machen sich Schulter und Brust des Hundes. Viele Hunde mögen es auch sehr gern, am Schwanzansatz gekrault und gekratzt zu werden. Beugen Sie sich möglichst beim Streicheln nicht über den Hund! Dies empfinden viele Hunde als sehr bedrohlich, denn sie haben eine andere Körpersprache als wir Menschen und können unsere Körpersprache nur „hündisch“ deuten.

Verbales Lob können Sie den Hunden und der Situation anpassen und sollten dies auch tun. Quietschlaute und hohe, kurze Töne aktivieren den Hund und machen ihn zappelig. Das ist gut geeignet, wenn man einen sehr ruhigen Hund zum gemeinsamen Rennen oder zu einer Übung aktivieren möchte. Ruhige, dunkle und langgezogene Töne wirken beruhigend und können gut bei Hund-Hund-Begegnungen, im Spiel unter Hunden und bei reaktiven, eher unruhigen Hunden angewendet werden.

Spielen macht vielen Hunden ganz viel Spaß, motiviert sie zur Mitarbeit und lastet sie gleichzeitig auch körperlich aus. Dabei sollten aber immer einige Aspekte beachtet werden, damit es auch allen Beteiligten Spaß macht:


Achten Sie bei der Verwendung von Spielzeug immer gut auf Ihre Hunde.

Kurze, harte Stopps beim Ballwerfen schaden der Gesundheit des Hundes! Spielen Sie deshalb nur dosiert Ball, besonders, wenn der Hund ohnehin für Gelenkprobleme anfällig ist. Auch Sprünge hoch in die Luft, eventuell noch mit Drehungen, können den Bewegungsapparat des Hundes schädigen. Mit jungen Hunden im Wachstum sollten keine Sprünge gemacht werden und das Spielen sollte gut dosiert werden.

Der Hund braucht beim Spielen eine Aufwärmphase und eine Cool-Down-Phase. Seine Muskeln sollten sich aufgewärmt haben, bevor Sie mit ihm spielen. Gleich nach dem Herausgehen den Ball zu zücken ist also keine gute Idee! Beim Sporttreiben wärmen wir Menschen auch zuerst unsere Muskulatur auf, bevor es richtig losgeht. Lassen Sie also Ihren Hund einige Zeit laufen und schnüffeln, wie er mag. Das eigentliche Spielen sollte langsam beginnen. Auch mit einem Spielzeug kann man den Hund durch die Beine locken, bevor man den Ball wirft. Nach dem Spiel sollte ein Cool Down erfolgen, sprich das Spiel sollte langsam und in aller Ruhe ausklingen können. So kann der Hund von seinem Erregungsniveau wieder „herunterfahren“ und hat einen schönen Abschluss. Zum Ausklang eignet sich das Zehn-Leckerli-Spiel (S. 187) sehr gut.


Spielen mit einem Ball kann man auch mit Entspannung verknüpfen, um das Erregungsniveau des Hundes am Spielzeug zu senken.

Ein Signal für den Beginn des Spieles, zum Beispiel „Spielen“ oder „Play“, und ein Endsignal, zum Beispiel „Fertig“ oder „Ende“, sind sehr sinnvoll, denn so weiß der Hund, was er zu erwarten hat.

Die Auswahl an Spielzeug im Hunde-Shopping-Paradies ist mittlerweile unendlich. Für jeden Hund ist etwas Geeignetes dabei. Viele Hunde mögen Quietschespielzeuge, andere Hunde bevorzugen Bälle oder Frisbees. Es gibt harte und weiche Spielzeuge, aus Moosgummi oder Plüsch. Auch lange Fleecezergel, zum Teil mit Fell, finden viele Hunde ganz klasse. Aber auch selbst gemachtes Spielzeug kann Hund und Mensch viel Freude bereiten. Eine alte Socke mit einem Tennisball, ein altes, verknotetes T-Shirt oder selbstgemachte Fleecespielzeuge kommen sehr gut bei den Hunden an.

Die Top Twenty-Liste

Die Top Twenty-Liste ist ein Trainingswerkzeug, das für jeden Hund in regelmäßigen Abständen erstellt, überprüft und erneuert werden sollte. Sie wurde von Dr. Ute Blaschke-Berthold im Jahr 2004 entwickelt.

Die Top Twenty – Liste beschäftigt sich mit den Vorlieben des Hundes, also seinen Hobbys und Favoriten. In diese Liste werden im ersten Schritt auch unerwünschte Verhaltensweisen aufgenommen, die dem Hund aber sehr viel Spaß machen. Dadurch bekommt der Mensch erst einmal eine Vorstellung von den Bedürfnissen seines Hundes.

Am besten beobachtet man seine Hunde und notiert sich kurz, was sie auf dem Spaziergang, zuhause und im Garten sehr gerne machen. Ein Smartphone mit Memofunktion ist dabei eine große Hilfe.

Für verschiedene Situationen können verschiedene Top Twenty-Listen erstellt werden. Die Hunde haben auf dem Spaziergang, im Haus und im Garten unterschiedliche Bedürfnisse.

Auf eine Top Twenty-Liste gehört kein Aggressionsverhalten wie Knurren, Bellen am Zaun, Vertreiben von anderen Hunden, Verteidigung der Bezugsperson etc., denn diese Verhaltensweisen geben dem Hund kein gutes Gefühl, sondern sind stressend und belastend. Außerdem gehören auch keine Verhaltensweisen auf die Top Twenty-Liste, die der Hund zeigt, um Angstauslösern aus dem Weg zu gehen.

Als Beispiel finden Sie hier einige Top Twenty-Listen von verschiedenen Hunden:

Top Twenty-Liste von Buddy – Old English Bulldog

1.Seifenblasen fangen

2.Planschen gehen (See, Pfütze, Pool …)

3.Buddeln

4.Stock schreddern

5.Ball jagen

6.Mit Spielzeug zotteln

7.Mit Hunden spielen

8.„Mami“ anspringen

9.mit „Mami“ rennen

10.Tapsen

11.Stromern gehen (hohes Gras, dichtes Gestrüpp)

12.Durch die Beine laufen

13.Wälzen

14.Wittern

15.Den Strahl von Wasserpistole, Wasserschlauch fangen

16.In Laub-, Schnee-, Grashaufen springen

Buddy liebt es, Seifenblasen zu fangen.

17.Lauerspiel mit Spielzeug, Laub, Gras, Stöckchen

18.Rückspursuche mit Felldummy

19.Streicheln

20.Total euphorisches Loben

Top Twenty-Liste von Luna – Labrador Retriever

1.Futter aus der Hand

2.Futter fangen

3.Futter suchen

4.Ball/Futterbeutel apportieren

5.Ball/Futterbeutel tragen

6.Schnüffeln

7.In Pfützen springen

8.Auf eine Bank springen

9.Acht durch die Beine

10.Im Sand rennen

11.Im Sand buddeln

12.Um einen Gegenstand laufen

13.Balancieren

14.Mit bekannten Hunden spielen

15.Mit mir rennen

16.Schwimmen mit mir

Luna liebt Wasser – typisch Labrador!

17.Alleine schwimmen

18.Zu Hause aufräumen (Socken in Schublade/Spielzeug in Kiste)

19.Zu Hause kuscheln

20.Streicheln

Top Twenty-Liste von Pips – Australian Shepherd Shih Tzu Mischling

1.Zergeln

2.Ball spielen

3.Kegeln mit Wurststückchen

4.Auf einen Baumstamm springen

5.Tip und Tap (Pfote geben)

6.Leckerlis fangen

7.Am Menschen hochhüpfen

8.Zwei-Finger-Touch

9.Wittern nach Wild

10.Selbstbefüllte Futtertube schlecken

11.Rennen mit Mama

12.Mit Hundefreunden spielen

13.Bäume hochklettern

14.Futter aus der Hand bekommen

15.Beinslalom

16.Nach Mäuschen gucken


Pips klettert gern auf Bäume.

17.Buddeln

18.Leberwursttube schlecken

19.Streicheln

20.Schleckerchen

Funktionale Verstärker

Funktionale Verstärker erleichtern das Training mit unseren Hunden im Alltag. Diese Verstärker erfüllen ein ganz bestimmtes Bedürfnis des Hundes, sie haben also eine ganz bestimmte Funktion und machen das Training an Problemverhalten effektiv. Für ruhiges und akzeptables Verhalten wird der Hund nach dem Markersignal (s. S. 23) mit einem passenden funktionalen Verstärker belohnt.

So ist zum Beispiel der funktionale Verstärker bei Angstverhalten die Distanzvergrößerung zum Auslöser. Diese ist sehr erleichternd für den Hund. Traut sich der Hund an einen Angstauslöser heran, wird dieses Verhalten mit dem Markersignal (Kapitel 2) verstärkt und danach darf er sich ein Stückchen von dem Angstauslöser entfernen. Dieser Vorgang kann mehrmals hintereinander wiederholt werden. Futter ist nicht notwendig.

Bei Aggressionsverhalten möchte der Hund seinen Gegenüber (Mensch oder Hund) vertreiben. Diese Funktion kann man im Alltag leider nicht gut verwenden, denn fremde Menschen und Hunde sind unkontrollierbar und somit muss der Hund sich mit einer Alternative, sozusagen der zweitbesten Lösung, zufrieden geben: Distanzvergrößern zum Aggressionsauslöser. Dies ist für einen aggressiv gestimmten Hund eine große Leistung, daher wird dies sehr hochwertig mit einer geeigneten Belohnung aus der Top Twenty-Liste belohnt. Die Distanzvergrößerung kann mit einem eigenen Signal verknüpft werden und sollte immer wieder ohne Auslöser trainiert und gefestigt werden.

Beim Antijagdtraining werden die funktionalen Verstärker passend zu den Motivationen des Hundes gewählt. Alle funktionalen Verstärker in diesem Bereich haben etwas mit Suchen, Rennen und Finden zu tun. Jagdverhalten besteht aus verschiedenen, einzelnen Sequenzen. Diese sind je nach Hundetypus unterschiedlich stark ausgeprägt. Das Jagdverhalten fängt immer mit einer ersten Orientierungsreaktion an: Der Hund schaut, wittert und / oder horcht. Viele Hunde zeigen auch eine Konfliktreaktion, sie heben eine Vorder- und / oder Hinterpfote an. Diese Reaktion kann benannt und verstärkt werden und als Belohnung verwendet werden. Zum einen verstärken wir das Anzeigeverhalten am Wild, welches die Impulskontrolle am Auslöser verbessert, und zum anderen schaffen wir einen sehr wirkungsvollen funktionalen Verstärker.


Beobachten von Wildtieren ist ein funktionaler Verstärker bei Jagdverhalten. Wenn Sie es unter Signal stellen, können Sie es als Belohnung verwenden.

Weitere Verhaltensweisen aus dem Jagdverhalten sind:

•Stöbern nach Wild: Dieses Verhalten sollte nicht als Belohnung verwendet werden, da die Wahrscheinlichkeit zu hoch ist, dass der Hund ein Wildtier stört und / oder aufstöbert.

•(Be)schleichen: Dieses Verhalten kann unter Signal gestellt, verstärkt und als funktionaler Verstärker verwendet werden.

•Lauern: Dieses Verhalten kann unter Signal gestellt, verstärkt und als funktionaler Verstärker verwendet werden

•Hetzen: Dieses Verhalten wird nicht als Belohnung verwendet.

•Packen, schütteln und töten: Dieses Verhalten wird nicht als Belohnung verwendet.

•Mäuselsprung: Dieses Verhalten kann unter Signal gestellt, verstärkt und als funktionaler Verstärker verwendet werden.

•Buddeln: Dieses Verhalten kann unter Signal gestellt, verstärkt und als funktionaler Verstärker verwendet werden.

Aufbau von selbstbelohnendem Verhalten als Belohnung:

•Der Hund zeigt das Verhalten Buddeln

•Sie stehen neben dem Hund

•Sie sagen das von Ihnen gewünschte Signal, beispielsweise „Buddeln“

•Sie markieren das Verhalten Buddeln

•Sie loben Ihren Hund verbal oder mit einer bedürfnisorientierten Ersatzbelohnung, in diesem Fall können Sie ein Leckerli locker in die Erde einbuddeln und es Ihren Hund ausgraben lassen

Wiederholen Sie diesen Schritt so lange, bis Ihr Hund nach dem Markersignal mit Ihnen kooperieren möchte. Sie können die oben genannten Schritte mehrmals wiederholen.

Neben natürlich gezeigten Verhaltensweisen müssen jagdlich motivierte Hunde Ersatzbeute kennen und lieben lernen. An dieser Ersatzbeute sind Verhaltensweisen wie Hetzen, Packen und Schütteln erlaubt und erwünscht. Als Ersatzbeute eignen sich Fell- und Futterdummys. Diese gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen im Handel zu kaufen.

Weiterhin sollten bei einem jagdlich motivierten Hund Suchaufgaben als funktionale Verstärker aufgebaut werden. Es eignen sich Suchformen, bei denen der Hund den Weg nicht verlässt. Die Weg-Zurück-Suche (auch Verlorensuche auf der Rückspur genannt) ist sehr gut als funktionaler Verstärker geeignet. Dabei lernt der Hund, einen Gegenstand wie einen Dummy oder auch eine Taschentuchpackung mit dem Familiengeruch (Eigengeruch) auf der Rückspur zu suchen. Der große Vorteil bei dieser Suche ist, dass der Hund auf dem Weg bleibt. Die Weg-Zurück-Suche wird auf einem Weg aufgebaut und immer auf einem Weg angewendet. Diese Suchform ist auch mit einer Hundegruppe mit gleichwertigen, ausgelegten Gegenständen (zum Beispiel Taschentuchpackungen) gut umsetzbar.


Die Suche nach Futter mit dem Signal „Such“ ist eine gute Belohnung.

Ressourcenverteidigung vermeiden

Die Arbeit mit Belohnungen kann unter den Hunden Ressourcenverteidigung hervorrufen. Gerade, wenn die Hundegruppe es nicht gewohnt ist, dass mit verschiedenen Belohnungen gearbeitet wird, kann es in der Euphorie zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen den Hunden kommen. Dies sollte aber kein Argument gegen den Einsatz von Belohnungen sein, denn an Ressourcenverteidigung kann sehr gut gearbeitet werden.

Bei Leckerlisuchspielen kann anfangs mit einer sichtbaren Barriere wie zum Beispiel einer Leine gearbeitet werden. Es können mehrere Abteile für die Hunde abgetrennt werden und die Hunde werden darin zur Futtersuche aufgeteilt. Der Abstand zwischen den Hunden kann individuell gewählt werden. Wer sich mit der Leinenvariante noch sehr unwohl fühlt, kann mit einem mobilen Zaun als Barriere zwischen den Hunden anfangen, diesen dann wieder kleinschrittig abbauen und durch eine Leine ersetzen.

Beim Füttern der Hauptmahlzeiten kann simples Management betrieben werden, indem die Hunde durch ein Kindergitter getrennt werden. So kann jeder Hund in Ruhe fressen. Wer keine Kindergitter verwenden möchte, kann mit seinen Hunden auch Fressplätze etablieren, mehr dazu in Kapitel 7 zur Fütterung einer Hundegruppe.

Bei der Gabe von Futterbelohnungen kann gleichzeitig an Ressourcenverteidigung gearbeitet werden, indem zwei Hunde immer ganz deutlich voneinander weg belohnt werden. Diese Übung ist sehr wirkungsvoll.

Eine weitere Übung für Ressourcenverteidiger während der Belohnung mit Futter: Zuerst bekommt der Ressourcenverteidiger ein Leckerli, dann ein anderer Hund, dann wieder der Ressourcenverteidiger. Dies führt dazu, dass der Ressourcenverteidiger auf der einen Seite lernt, dass es genügend Leckerlis gibt, und auf der anderen, dass er nach der Vergabe an einen anderen Hund ebenfalls ein Leckerli bekommt. Diese Methode führt dazu, dass der Ressourcenverteidiger sich darauf freut, wenn ein anderer Hund ein Leckerli bekommt, denn dann bekommt er ja auch etwas. Dies wird im Laufe des Trainings ausgeschlichen, sodass der Ressourcenverteidiger im Laufe des Trainings genauso viele Leckerlis bekommt wie die anderen Hunde.


Führen Sie Ihre Hunde bei der Futterbelohnung auseinander. So trainieren Sie, dass Ihre Hunde an Futter auseinander gehen.


Trainieren Sie mit Ihrer Hundegruppe das Verteilen von Belohnungen, um Ressourcenverteidigung vorzubeugen.

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