Kitabı oku: «Studieren und Forschen mit Kind»
Annette C. Cremer
Studium und Wissenschaft mit Kind
Böhlau Köln Weimar · 2018
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Korrektorat: Rebecca Wache, Castrop-Rauxel
Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart
Satz: data2type GmbH, Heidelberg
UTB-Band-Nr. 4877 | ISBN 978-3-8252-4877-2 | eISBN 978-3-8385-4877-2
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel IStudium und Wissenschaft mit Kind
1Einleitung
1.1Zur Einstimmung: Vom täglichen Irrsinn
1.2Was will das Buch? Entscheidungshilfe und Wegbegleiter
1.3Die Konkurrenz um die Ressource Zeit
1.4Universität mit Kind in Deutschland
1.5Mütter und Väter: Ein bedeutsamer Unterschied
1.6Alleinerziehende
2Studieren mit Kind
2.1Studieren als Ausbildungsstufe oder Lebensphase?
2.2Studieren und Forschen an der Universität – die einzelnen Phasen
2.3Was ist unter Vereinbarkeit zu verstehen?
2.4Muss ich wirklich (mit Kind) studieren?
2.5Welches Fach eignet sich gut in Bezug auf die Vereinbarkeit?
2.6Was Sie persönlich an Eigenschaften mitbringen sollten
2.7Eine stabile Partnerschaft
2.8Ein gutes soziales und familiäres Netzwerk
2.9Wohnen mit Kind
2.10Finanzen
2.11Ein Alien sein?
3Erleichterungen der Studienbedingungen für Mütter und Väter
3.1Beurlaubung
3.2Teilzeitstudium
3.3Fernstudium
4Informelle Lösungen: Kleine Helfer im Hochschulalltag
4.1Verlängerte Buchausleihe
4.2Hilfe durch Korrekturleser
4.3Mit dem Kind ins Seminar?
4.4Am effektivsten zu Hause
5Promotion mit Kind
5.1Die Promotion – eine gute Zeit zum Kinderkriegen?
5.2Hoher Druck von allen Seiten
5.3Arbeitsweise während der Promotion
5.4Verschärfung der Ressourcenkonflikte
5.5Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Promotion mit Kind
5.6Ein ‚gutes‘ Promotionsthema finden
5.7Exposé und Zeitplan
5.8Wege in die Promotion
5.9Ein gutes Betreuungsverhältnis zu Doktorvater oder -mutter
5.10Promotionsmodelle
5.11Finanzielle Absicherung während der Promotionsphase
5.12Schreiben Sie von Anfang an
5.13Sekundäre Kompetenzen während der Promotion
5.13.1Tagungen
5.13.2Konferenz mit Kind?
5.13.3Publikationen
6Habilitation mit Kind
6.1Vom Regen in die Traufe
6.2Späte Mutterschaft
6.3Mobilitäts- und Internationalisierungszwang
6.4Hilfen auf dem Weg in die Wissenschaft
6.5Chancen der Erreichbarkeit
6.6Alternativen: Wissenschaftsmanagement oder Selbstständigkeit
7Professur mit Kind
8Familienfreundliche Universität gesucht
8.1Frauen- oder Gleichstellungsbüros
8.2Was leistet das Siegel „audit familiengerechte hochschule“?
8.3Studentenwerk
8.4Still- und Wickelräume
8.5Spielflächen
Kapitel IIDen Alltag meistern
9Kinderbetreuung
9.1Eingewöhnung
9.2Vor- und Nachteile von Fremdbetreuung
9.3Kinderbetreuung durch Einzelpersonen
9.3.1Tagesmütter
9.3.2Kinderfrau
9.3.3Nachteile der Einpersonenbetreuung
9.4Kinderkrippen, Kindergärten und Kindertagesstätten
9.4.1Flexible Betreuung oder Ganztagskita?
9.4.2Kinderkrippe
9.4.3Universitätskindertagesstätte
9.4.4Private Initiativen
9.4.5Kindergarten/Ganztagskindergarten
9.4.6Die Problematik Grundschule/Hort für Schulkinder
9.4.7Betreuungscocktail nachmittags
9.4.8Kinderhotels
9.4.9Ferien als Betreuungsproblem
9.4.10Au-pair
10 Alltagslogistik: Einkauf, Reifenwechsel und Studium/Forschung
10.1(Frei-)Räume zum Arbeiten
10.1.1Von der Gestaltung des Arbeitsplatzes
10.1.2Arbeiten in der Bibliothek
10.1.3Hände weg von Facebook, WhatsApp und Co.
10.1.4Von Frühaufstehern und Nachteulen
10.1.5Studieren und forschen, wenn das Kind zuhause ist
10.2Arbeitsrhythmus und Pausen
10.2.1Schaffen Sie Routine(n)
10.2.2Arbeiten Sie täglich vier Stunden
10.2.3Pausen
10.2.4Tägliche Arbeitseinheiten im Semester
10.2.5Lesen Sie jeden Tag einen Artikel oder ein Kapitel
10.2.6Sonntags haben Sie frei
10.3Schlafen Sie gut
11 Sekundäre Aufgaben
11.1Immer wiederkehrende Qual: Bibliografieren
11.2Vom Warten: Leidige Sprechstunden
11.3Zeitfresser Formalien
12Psychohygiene
12.1Vom schlechten Gewissen
12.2Suchen Sie das Gespräch
12.3Machen Sie Kompromisse
12.4Vergleichen Sie sich nicht dauernd
12.5Suchen Sie Vorbilder
12.6Wie geht es mir?
12.7Wie geht es meinem/r Partner/in?
12.8Wie geht es meinem Kind?
13Krisen
13.1(Kinder-)Krankheiten
13.2Termindruck
13.3Durststrecken überbrücken
13.4Holen Sie Hilfe
Kapitel IIISchluss
14Eine Herausforderung trotz guter Planung
14.1Manchmal doch: Kind oder Universität?
14.2Ausstieg ist kein Scheitern
15 Die Sache mit dem biologischen Alter
15.1… Studium und Berufseinstieg
15.2… Promotion
15.3… Hochschulkarriere
16 Was Eltern potenziellen Arbeitgebern bieten können
16.1Von der Bewertung der ‚Nachteile‘: höheres Lebensalter und fehlende Flexibilität
16.2Was Eltern können
17Bleiben Sie mutig, realistisch und aufmerksam
Anmerkungen
Literatur
Weiterführende Links
Vorwort
An die Leserin, an den Leser,
bevor Sie dieses Buch lesen, möchte ich Sie kurz über mich informieren: Ich bin Mutter von drei Kindern. Zwei wurden während meines Studiums geboren, eines zu Beginn der Promotion. Heute arbeite ich als Akademische Rätin im Fach Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Mein jüngstes Kind ist jetzt 12 Jahre alt. Inzwischen lässt sich meine Stelle in Forschung und Lehre gut mit meiner Aufgabe als Mutter vereinen. Die Kinder verstehen, was ich tue, und sie sind so unabhängig von mir, dass sie mich auch mehrere Tage entbehren können, wenn es sein muss. Als sie kleiner waren, war das für alle Seiten schwer. Für meinen Partner, der zum Teil unter großen persönlichen und beruflichen Einschränkungen alles alleine stemmen musste, während ich manchmal wochenlang irgendwo im Archiv saß, für die Kinder, die mich schmerzlich vermisst haben und für mich als Mama, die die Kinder vermisste und zugleich schreckliche Selbstzweifel (Stichwort: Rabenmutter) hatte.
Auch wenn man zwei Einkommen braucht, gibt es immer einen anderen Weg. Warum also habe ich den steinigen Weg auf mich genommen? Weil ich der Meinung bin, dass man seine persönlichen Fähigkeiten ausbilden und sich selbst gerecht werden muss, im besten Sinn!
Ich habe an den verschiedenen Universitäten, an denen ich war, aufgrund meines biografischen Modells einigen Gegenwind – und zwar meist von Personen ohne Kinder – erfahren. Manchmal war klar, dass ich aufgrund meiner Mutterschaft und der damit verbundenen fehlenden örtlichen Flexibilität und nicht etwa aufgrund fehlender Kompetenzen nicht weiter gefördert wurde. Nach der Geburt des zweiten Kindes wurde ich von einem männlichen Privatdozenten ernsthaft gefragt, „ob das denn sein musste“, im Sinn von: „Wir hatten so viele Hoffnungen in Sie gesetzt, aus Ihnen hätte wirklich etwas werden können!“ (Vermutlich meinte er es sogar gut.) Als ich mit 30 Jahren ins Ausland gehen wollte, bekam ich von der fachlichen Beratungsstelle mitgeteilt, dass ich dazu ja wohl ‚zu alt‘ sei. Ich ging nicht ins Ausland.
Ich habe aber zugleich auch viel Rückenwind und Unterstützung erfahren, von Vorgesetzten, die primär meine fachlichen Fähigkeiten sahen und die familiäre Situation in Kauf nahmen oder von solchen, die das im Sinn einer Pluralisierung begrüßten oder mich gerade wegen meiner Erfahrungen als Mutter u.a. zur Betreuung des Bereichs Combining Career and Family am Graduate Center for the Study of Culture der Justus-Liebig-Universität Gießen einstellten. Größte Unterstützung erhielt ich von Vorgesetzten, die selbst Kinder haben.
Inzwischen hat sich die Stimmung an den Universitäten auch aufgrund der wissenschaftspolitischen Steuerung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft wesentlich verändert, nicht jedoch das Anforderungsprofil der universitären Qualifikationsstufen und die noch sehr wirksamen Vorstellungen über die Verfasstheit eines immer noch primär männlichen Lehrstuhlinhabers (2015: 11,4% Frauen auf W3/C4-Stellen laut Statistischem Bundesamt). Bis zur quantitativen Gleichstellung von Männern und Frauen in allen Statusgruppen ist es noch ein weiter Weg. Sollten wir dies jemals erreichen, wird es nach wie vor fraglich sein, ob die, die es schaffen, Kinder haben, und die, die es geschafft haben, noch Kinder bekommen werden. Oder ob es jenseits des Studiums doch heißen wird: Kind ODER Uni.
In diesem Sinne wünsche ich allen, die dieses auf Erfahrungen, Recherchen und Beobachtungen basierende Büchlein lesen, viel Mut und Kraft, Durchhaltevermögen, funktionierende soziale Netzwerke, gute Vorbilder und verständnisvolle Mentorinnen und Mentoren.
Annette C. Cremer
Gießen, im Oktober 2017
Kapitel I Studium und Wissenschaft mit Kind
1 Einleitung
1.1 Zur Einstimmung: Vom täglichen Irrsinn
Mit Mama (37), Tochter (14), Söhnen (9 und 4), Babysitterin und Nachbar.
Heute ist Donnerstag und donnerstags und montags bin ich eigentlich immer an der Uni. Dienstags und mittwochs arbeite ich und freitags muss ich alles tun, was so liegen bleibt (Wäsche waschen, aufräumen etc.). Heute ist es ein bisschen anders. Heute wird ein langer Tag. Mein Partner ist bei einer Tagung und ich bin mit den Kindern alleine. Das heißt: um sechs Uhr aufstehen, Tochter wecken, Brotdosen vorbereiten. Aber Achtung: Für die Tochter alles einzeln einpacken, weil es sonst zermatscht, für Sohn 1 keinen Käse, dafür Sohn 2 nur Salami, und wenn Mandarine, dann schon geschält. Mensch, wo sind denn die ganzen Brotdosen und Trinkflaschen wieder hin?
Zwanzig vor sieben, die Tochter ist immer noch nicht beim Frühstück, also noch mal scheuchen. Als nächstes Sohn 1 wecken, er wird gern wütend, wenn man ihn zu spät weckt, weil er immer ganz früh in der Schule sein will. „Ich hab so Bauchweh, und überhaupt ist mir schlecht und heute Nacht war es wieder kalt und der Hubschrauber hat wieder krach-bumm-bäng gemacht.“ Also trösten und anspornen: „Jetzt ist der Hubschrauber ja weg. Du schaffst das schon!“
Drei vor sieben. In sechs Minuten geht der Bus und Madame ist noch nicht einmal aus dem Bad raus. Nun ja, Schönheit geht eben vor! „Ach Mami, ich brauche noch sieben Euro für so'n Heft und du musst noch was unterschreiben!“ – „Sag mal, spinnst du? Frag gefälligst abends!“, antworte ich, aber es hilft ja nichts, also schnell das Geld heraussuchen. Weil sie vergisst, die Brotdose einzupacken, renne ich ihr noch zur Bushaltestelle nach. Dann ist sie weg. Puh! Nummer eins geschafft. Dabei stelle ich fest, dass die Nachbarn vergessen haben, die gemeinsamen Mülltonnen rauszustellen, und mache das noch schnell. Wieder zurück in der Wohnung erzählt Sohn 1 indes von der Bundeswehr und dass es heute Nacht gebrannt habe (hat es nicht) und dass die Feuerwehr mit drei Autos an unserem Haus vorbei gefahren sei (ist sie nicht) und fragt, was wir an Silvester machen, ob wir wie letztes Jahr hundert Kracher (es waren zehn) anzünden würden. Ich muss ihn zum Essen nötigen, er hat einfach immer zu viel zu tun. Inzwischen ist Sohn 2 wach und ist ‚aus Versehen‘ direkt in das Zimmer seines Bruders zu dessen Lego gelaufen und hat ‚alles kaputtgemacht‘ (in Wahrheit: den Rotor des Hubschraubers entfernt, also gar kein Problem). Es gibt eine handfeste Auseinandersetzung, in der viele Schimpfwörter fallen, Sohn 2 sich verletzt, ich schimpfe und der Hund wedelnd mitspielen will. Aber da ist es zum Glück schon halb acht und Sohn 1 rennt, halbwegs vollständig, aus der Tür, nur hat er wieder den Pulli von gestern an, aber was soll's! Nummer zwei: erledigt!
Kind Nummer drei will jetzt Flöte spielen, das aber kann man auch seinen besten Nachbarn so früh nicht zumuten. Ich kann ihn von einer Weihnachtslieder-CD überzeugen. Gemütlich mümmelt er sein Müsli und singt Rudolph the Red-Nosed Reindeer. Ich habe kurz Zeit, selbst etwas zu essen und mich anzukleiden (gut aussehen geht anders). Danach ziehe ich Sohn 2 unter Protest an, denn das Nachbarskind wartet draußen schon auf seine Mitfahrgelegenheit zum Kindergarten. Um neun Uhr komme ich von dort zurück. Drei Stunden Arbeit und ich bin schon fertig und mein eigentlicher Arbeitstag hat noch nicht einmal angefangen.
Um eins muss ich nach Frankfurt, wir haben mit ein paar Kommilitonen einen Termin im Museum. Aber heute bin ich mit Kochen im Kinderhort dran und muss bis Mittag ein Drei-Gänge-Menü für 25 Kinder zaubern. Also wieder Nudeln! Den Hund habe ich auch vergessen, der muss dringend raus, ich hoffe, er kann es noch einhalten.
Weil ich ja heute nach Frankfurt muss, habe ich meine teure Babysitterin (8 Euro pro Stunde) angefleht, heute viel früher zu kommen. Sie kommt also schon um eins, passt Sohn 1 ab, bringt ihn und das Essen mit dem Auto in den Hort und holt danach Sohn 2 vom Kindergarten ab, geht mit dem Hund und sammelt um halb sechs die zwei Großen im Hort ein und macht Abendessen. Sie muss die Kinder heute das erste Mal alleine bringen und holen und hat nur eine gekritzelte Wegbeschreibung, hoffentlich geht also alles gut. Dummerweise muss sie heute schon um halb acht weg, das wird also zeitlich eng.
Ich merke: Frankfurt schaffe ich einfach nicht, denn in einer Woche muss ich wieder ein Referat an meiner Uni halten und weiß eigentlich noch gar nicht, worüber. Ich flüchte also ganz kurz vor eins aus dem Haus vor der Babysitterin, die ja denkt, ich wäre in Frankfurt, dann sage ich Frankfurt ab (sehr peinlich) und setze mich in Marburg in die Bibliothek. Auf dem Weg dorthin bringe ich das Auto in die Werkstatt, es braucht Winterreifen. Um sechs muss ich es wieder abholen. In der Bibliothek arbeite ich tatsächlich auch ganz gut, drei Stunden lang, dann hab ich Hunger und Durst, und weil es dort keine Cafeteria gibt, gehe ich wieder. Es ist zwanzig vor sechs und ich würde gerne ein Buch über Nacht aus der Präsenzbibliothek mitnehmen. Der Mensch hinter der Theke sagt zu mir, Übernachtausleihe wäre erst ab sechs, ich solle in zwanzig Minuten wiederkommen. Auf meinen Verweis, ich hätte Kinder und müsse jetzt nach Hause, zuckt er mit den Schultern und sagt, die Regeln seien nun einmal so. Na klasse.
Ich hole ohne Buch mein Auto wieder ab und gehe dann einkaufen, weil alles alle ist. Um kurz vor halb acht schleppe ich einen riesigen Einkauf zuhause die Treppen hoch, drei Kinder, der Hund und die Babysitterin kommen angerannt. Natürlich wollen alle mich ganz alleine und sofort, schließlich haben sie mich ja den ganzen Tag entbehrt. Vier Leute reden also gleichzeitig auf mich ein, die Tochter will noch in den Reitstall, der Sohn noch Fernsehen und ein Nutellabrot, der Kleine hängt sich an mein Bein und will ein Buch lesen und die Babysitterin will ihr Geld und wissen, wann sie wiederkommen soll. Ich versuche verzweifelt, mich auszuziehen. Zu allem Übel kommt noch der Nachbar und braucht eine Zwiebel: „Klar“, sag ich, „geh einfach in die Küche und hol dir eine!“ Und jetzt reicht es mir plötzlich und ich plärre die Babysitterin an: „Kannst du BITTE mit den Kindern ins Bad gehen? Und nein, jetzt gibt es kein Nutellabrot mehr. Und du, hör auf zu motzen, heute geht es nicht mehr in den Reitstall. Und du, LASS ENDLICH MEIN BEIN LOS!“
Um viertel vor neun sind die Jungs tatsächlich im Bett und schlafen sogar. Die Tochter wird jetzt erst so langsam wach, hört laut Musik und wird gleich wieder eine Stunde lang das Bad blockieren. Ich bin so fertig, fertiger geht es gar nicht. Aber ich muss jetzt eigentlich noch 150 Seiten bis morgen lesen, da haben wir wieder Forschungskolloquium. Ich lese quer, bis mir die Augen zufallen und nehme mir vor, morgen früh schon um fünf Uhr aufzustehen, damit ich die restlichen Texte noch schaffe. Aber natürlich werde ich das nicht schaffen, unzureichend vorbereitet sein und mich an der Uni wieder schlecht fühlen.
Die Babysitterin hat wohl doch vergessen, mit dem Hund zu gehen, das merke ich aber erst, als ich die Bescherung auf dem Teppich entdecke. Die nächsten zwanzig Minuten verbringe ich mit Putzen. Bevor ich umfalle, beneide ich nochmal kurz all die Leute, die keine Kinder haben und sich ihren Tag frei einteilen können. Und dann frage ich mich immer: Warum haben die eigentlich Zeitprobleme?
So (oder ähnlich) passiert zu Beginn meiner Promotion.
*
Zugegeben: Nicht jede Mutter oder jeder Vater hat drei Kinder; nicht jede/r muss zusätzlich zum Studium arbeiten; nicht jede/r hat einen Partner, der viel reisen muss, oder einen Hund, der zusätzlich Mühe macht. Nicht jeder Tag muss sich so gestalten, aber manchmal kommt es zu solchen Zuspitzungen. Im Zentrum der kleinen Glosse zum Rollenkonflikt stehen die verschiedenen Anforderungen, die sich aus der Kombination von Studium, Wissenschaft und Familie ergeben. Diese Anforderungen können im Spannungsfeld zwischen den eigenen und den kindlichen Bedürfnissen, den alltäglichen Notwendigkeiten und den Anforderungen der Universität schnell zu Überforderungen werden.
1.2 Was will das Buch? Entscheidungshilfe und Wegbegleiter
Wer als Frau oder Mann, Student/in, Doktorand/in oder Professor/in mit einem Kind an der Universität studiert, forscht oder lehrt, muss vielem gleichzeitig gerecht werden: den oft gegensätzlichen Bedürfnissen und Anforderungen des/der Kindes/Kinder, des/r Partners/in und der eigenen Person sowie denen der Universität. Mütter und Väter können nicht frei über ihre Zeit verfügen, sondern müssen sich dem Schlaf- und Wachrhythmus ihrer Kinder und den gesicherten Kinderbetreuungszeiten unterordnen. Dabei muss ein mindestens aus zwei Personen bestehender Haushalt bewältigt werden. Alltagsorganisation sowie Fahr- und Bringzeiten, Kindergeburtstage, (Kinder-)Krankheiten und zusätzliche Arztbesuche dezimieren weiter die Zeit, die zumindest theoretisch für das Studium oder die Forschung zur Verfügung steht.
Auf den ersten Blick lässt sich der im Vergleich zur Industrie oder Dienstleistungsunternehmen wie zum Beispiel Banken scheinbar flexiblere Ausbildungs- und Arbeitsort Universität leichter mit einer Familie vereinbaren. Doch die Kehrseite der Flexibilität sind Pflichtveranstaltungen zwischen 18 und 20 Uhr und Konferenzen am Wochenende, außerhalb betreuungsgesicherter Zeiten, die nur schwer zu organisieren sind.
Es liegt inzwischen primär aus demografischen Gründen politisch im Interesse Deutschlands, die (werdenden) Akademiker/innen als dringend benötigte Fachkräfte zu fördern und zugleich Familienplanung möglich zu machen. Die erhoffte Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie wird daher seit einigen Jahren einerseits mit staatlicher Förderung, andererseits innerhalb der Wissenschaften durch gezielte Forschungsförderprogramme und innerhalb der Universitätslandschaft durch die universitären Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten unterstützt. Ziel der meisten Maßnahmen sind neben Förderplänen zur Herstellung von paritätischen Stellenbesetzungen die campusnahen Einrichtungen universitärer Kinderbetreuungsinstitutionen für Kinder unter 3 Jahren, das regelmäßige Abhalten von Coachingseminaren zum Studieren/Forschen mit Kind oder Studienabschlussstipendien für Mütter. Die Institution Universität hat inzwischen erkannt, dass es strukturelle Hindernisse bei der Vereinbarkeit gibt, und ist bemüht, diese abzumildern. Allerdings sind diese Bemühungen nur wohlwollende ‚Tropfen auf den heißen Stein‘, denn die traditionsorientierte Universitätslandschaft verändert sich in Bezug auf Studien- und Arbeitsbedingungen nur sehr langsam.
Dieser Ratgeber ist gedacht für Betroffene und Interessierte aller akademischen Statusgruppen, besonders aber für Studierende und Promovierende, für Eltern und die, die es werden (wollen). Der ersten Gruppe will er Entscheidungshilfe und Wegbegleiter sein und zugleich eine praktische Unterstützung anbieten. Der zweiten Gruppe, also denen, die Eltern werden wollen oder sich aus beruflichen oder wissenschaftspolitischen Gründen für das Thema der Vereinbarkeit von Studium und Familie interessieren, will der Ratgeber einen Einblick in die Herausforderung der Doppelbelastung und die strukturellen Bedingungen des Arbeitsfeldes Universität ermöglichen.
Mit Kind zu studieren, zu promovieren und zu habilitieren, ist kein leichtes Unterfangen. Wer postuliert, die Vereinbarkeit sei „kein Problem“, der betreibt Augenwischerei und tut dies vermutlich aus Gründen der Political Correctness. Denn was gewollt ist, muss auch machbar sein. Fast alle, die mit Kind an der Universität studieren oder forschen – und damit in einem System, das einen hohen Grad an Flexibilität fordert, ohne zugleich Sicherheit zu bieten –, betonen in der Öffentlichkeit die Machbarkeit. Hinter vorgehaltener Hand jedoch werden zugleich immer Zweifel an der Vereinbarkeit und Probleme aufgrund der hohen Belastung laut. Zweifel und Belastung steigen mit der Anzahl der Kinder, mit der fehlenden finanziellen Versorgung und der Beschaffenheit der sozialen Situation, in der sich die Mutter oder die Eltern befinden.
1.3 Die Konkurrenz um die Ressource Zeit
Der zentrale Konflikt zwischen den Bedürfnissen der Familie und den Anforderungen der Universität dreht sich um die Ressource Zeit. Stand vor dem ersten Kind noch die Ausbildung oder das Forschen und Lehren an erster Stelle, konkurrieren nun Familie und Universität um Priorisierung und um den größtmöglichen Anteil an der Lebenszeit von Mama und Papa, von Student/in und Forscher/in. Während jedoch das Kind ein bedingungsloses Anrecht auf die Aufmerksamkeit der Eltern hat, drängen existenzielle Notwendigkeiten oder auch der Wunsch nach Selbstverwirklichung die Eltern gleichzeitig zu Studium oder zu Forschung und Lehre.
Trotz der bestehenden Unterschiede in den Anforderungen der einzelnen Qualifikationsstufen ähneln sich die grundlegenden strukturellen Bedingungen von Studium, Promotion, Habilitation und Professur. In Studium und Wissenschaft müssen sich Eltern mit Nichteltern als Kollegen und Kolleginnen vergleichen, denen weit mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. Eltern sind weniger flexibel, fallen öfter aus, brauchen mehr Zeit für vergleichbare Leistungen und sind meist älter als die Studierenden/Promovierenden oder Habilitierenden ihrer Vergleichsgruppe. Betroffene haben oft den Eindruck, ‚dreimal so gut‘ sein zu müssen, um für potenzielle Arbeitgeber ihr Manko der Inflexibilität wettzumachen. Der Erfolgsdruck und die Belastung können dadurch sehr hoch werden.
Die Krux und der einzige Weg, Familie und Studium/Wissenschaft für alle zufriedenstellend und erfolgreich zu bewältigen ohne dabei in eine Überforderungsspirale zu gelangen, liegt in einer bewussten Priorisierung und einer effektiven Arbeitsorganisation. Die dem Buch zugrunde liegende Idee ist die tatsächliche Vereinbarkeit von Studium/Wissenschaft und Familie. Dies bedeutet, der Familie den gebührenden Platz einzuräumen und die Anforderungen von Studium und Forschung in den wechselnden Lebensphasen der Kinder auf ein pragmatisch-handhabbares Niveau zu bringen.
Die Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen, dass Eltern nicht in signifikant höherem Maß zu den Studien- oder Promotionsabbrechern, jedoch überproportional zu Wissenschaftsaussteigern gehören. Das bedeutet, dass die Vereinbarkeit mit dem zunehmenden Druck als schwierig eingeschätzt wird.
Eltern arbeiten meist effizient, sind diszipliniert und zielorientiert. Trotzdem sind für das Gelingen von Studium, Promotion und Forschung mit Kind verschiedene Faktoren ausschlaggebend. Dazu gehören eine sichere finanzielle Grundversorgung in jeder Phase, ein stabiles soziales Umfeld, gesicherte Kinderbetreuung und eine verständnisvolle akademische Unterstützung. Trotz der Gleichstellungsbemühungen existiert nach wie vor ein eklatanter Unterschied zwischen Müttern und Vätern, da alte Rollenmuster noch greifen und die Mütter meist die Hauptsorge für das Kind tragen und damit weniger Zeit für ihr Studium und ihre Forschung aufwenden können. Die Ausbildungsförderung von Frauen in der Wissenschaft ist dank der Bemühungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den letzten Jahren verstärkt in den Blick genommen worden. Besonders die Frauenförderpläne, das Professorinnenprogramm zur Erhöhung des Anteils von Frauen in der Forschung, aber auch die Exzellenzinitiativen als Best-Practice-Beispiele und nicht zuletzt der eingangs erwähnte demografische Wandel und die wachsende Kinderlosigkeit der Bildungseliten haben in diesem Zusammenhang zumindest zu einer Sensibilisierung gegenüber dem Themenfeld „Wissenschaft und Familie“ geführt.[1]
1.4 Universität mit Kind in Deutschland
Im Wintersemester 2015/16 studierten 2.757.799 Personen (davon 1.323.673 Frauen) an 426 Hochschulen, davon 107 Universitäten in Deutschland.[2]
Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt, dass aktuell 5% der Studierenden in Deutschland ein Kind bzw. mehrere Kinder haben, also knapp 138.000 Personen. Während 50% der Eltern verheiratet sind und 32% in einer festen Partnerschaft leben, sind 18% alleinstehend. Der große Unterschied zwischen Studierenden mit und ohne Kind ist der Altersunterschied: Studierende Eltern sind durchschnittlich 31 Jahre alt und damit fast acht Jahre älter als die kinderlose Vergleichsgruppe.[3]
Deutlich höher ist der Anteil der Eltern bei der Gruppe der Promovierenden. Im Wintersemester waren in Deutschland 196.200 Studierende zur Promotion eingeschrieben.[4] Durchschnittlich 15% der Doktorand/innen – und damit mehr als 29.000 – sind Mütter oder Väter (vgl. Kap. 5).
Im Jahr 2016 schlossen laut Statistischem Bundesamt 1.581 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Habilitation ab, davon entfielen 30% (481) auf Frauen. Im Vergleich dazu waren es noch vor zehn Jahren nur 22%. Das Durchschnittsalter lag dabei bei 41 Jahren, wobei Frauen geringfügig älter waren als Männer.[5]
Im wissenschaftlichen Mittelbau ließ sich für das Jahr 2005 am Beispiel von Nordrhein-Westfalen zeigen, dass 78% der Nachwuchswissenschaftlerinnen sowie 71% der Nachwuchswissenschaftler kinderlos waren (Auferkorte-Michaelis 2006). Zum Vergleich: Der Mikrozensus 2006 wies bei Frauen mit Hochschulabschluss in der Altersgruppe der 40–47-jährigen in den westdeutschen Bundesländern eine ‚nur‘ ca. 34-prozentige Kinderlosigkeit aus (21,5% in den ostdeutschen Bundesländern).[6] Die Kinderlosigkeit in der Wissenschaft war zu diesem Zeitpunkt damit eklatant höher als in anderen akademischen Berufszweigen. Leider liegen keine aktuellen, flächendeckenden Daten zur Mutter- oder Vaterschaft dieser Personengruppe vor.
Für das Jahr 2015 verzeichnet das Statistische Bundesamt 4.689 C4-Professuren (also höchstdotierte Stellen) in Deutschland, von denen nur 536 (11,4%) von Frauen besetzt sind. Unter allen anderen Professuren (Juniorprofessuren, W2) entfallen von insgesamt 46.344 Stellen 10.535 (22,7%) auf Frauen. Auch wenn der Frauenanteil nach wie vor schockierend gering ist, lässt sich verglichen mit dem prozentualen Anteil im Jahr 1990/91 von nur 2,6% C4-Professorinnen und 5,5% C3-Professorinnen (Macha/Paetzold, Identität, 123) immerhin ein deutlicher Anstieg nachweisen. Eine empirische Studie zur Kinderlosigkeit und Elternschaft der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an den nordrhein-westfälischen Universitäten zeigte anhand eines landesweiten Samples von C3- und C4-Inhabern/Inhaberinnen 2004 eine Kinderlosigkeit in beiden Gruppen von Professorinnen von 57,7% (im Vergleich dazu nur 24,1% Kinderlosigkeit bei Professoren).[7] Obwohl die Elternschaft von Professorinnen (und Professoren) bislang nicht bundesweit erhoben wurde, darf angenommen werden, dass maximal die Hälfte aller Professorinnen zugleich Mütter sind.
Von den hochdotierten Professorenstellen entfallen in Deutschland nur 11,4% auf Frauen. Mehr als die Hälfte davon ist vermutlich kinderlos.
Diese Zahlen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Geschlecht (männlich/weiblich), Karriereweg und der Entscheidung für oder gegen eine Familiengründung gibt. Männer holen die Elternschaft auf dem Weg zur (für sie gegenüber den weiblichen Mitstreiterinnen wesentlich häufiger erfolgreichen) Professur oft nach, während Frauen sich offenbar immer noch zwischen Karriere und Elternschaft entscheiden (müssen).
Zusammenfassend lassen sich folgende Aussagen treffen: 1. Der Karriereweg von Frauen an den Hochschulen ist immer noch schwierig, wenn auch im Vergleich deutlich verbessert. 2. Frauen, die das Berufsziel Professur verfolgen, bleiben häufig kinderlos. 3. Da Mutterschaft biologisch nur schwer nachgeholt werden kann, existiert eine große Diskrepanz zwischen Frauen und Männern in Bezug auf die Kinderlosigkeit.
1.5 Mütter und Väter: Ein bedeutsamer Unterschied
Frauen und Männer, die studieren, haben inzwischen die gleichen Bedingungen und die gleichen Chancen während des Studiums. Dies ändert sich jedoch meist, sobald sie zu Müttern oder Vätern werden. Nicht etwa, weil sich damit die Grundbedingungen des Studierens ändern würden, sondern weil – oft auch gegen den Willen der Mütter und Väter – mit der Familiengründung eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen stattfindet: Müttern wird stärker die Aufgabe der Kinderbetreuung und ‑erziehung, Vätern die Aufgabe der Familienfinanzierung überantwortet. Entgegen aller Tendenzen zur Gleichberechtigung lässt sich dies nach wie vor beobachten, besonders während der Säuglings- und Kleinkindphasen. Je älter und damit meist selbstständiger die Kinder werden, desto besser lassen sich die Retraditionalisierung und die (oft unbewusste) Festlegung auf die Erfüllung bestimmter Geschlechterrollen wieder abschwächen.
Ein Kind zu bekommen bedeutet neben der Übernahme von Verantwortung für einen anderen Menschen zweierlei: eine Veränderung der eigenen Bedürfnisse und eine Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit. Bereits die Schwangerschaft kann für die Mutter körperlich anstrengend sein und zu mehr Ruhebedürfnis und damit geminderter Belastbarkeit führen. Ist das Kind geboren, müssen die Eltern meist mit sehr viel weniger Schlaf auskommen, besonders die Mütter, die ihre Kinder stillen. Das Kümmern um die Kinder, also das Herumtragen, Wickeln, Umziehen, Füttern, Beruhigen, Spielen usw., ist keine Nebensache, sondern ein anstrengender ‚Job‘. Auch unter idealen Betreuungsbedingungen, die täglich ein paar kinderfreie Stunden ermöglichen, sind Eltern, vor allem aber die Mütter körperlich belasteter und oft müde, sodass das eigene Bedürfnis nach mehr Schlaf oder danach, viel Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen, gepaart mit der vielleicht fehlenden Betreuung dazu führt, eine abendliche universitäre Pflichtveranstaltung ausfallen zu lassen oder das Semesterprogramm insgesamt ‚abzuspecken‘. Dies bewirkt automatisch eine Verlangsamung des Studiums.
Es ist wichtig, an dieser Stelle folgendes zu betonen: Das ist völlig in Ordnung so! Denn hier beginnt die Aufgabe der Institutionen, die durch strukturelle Maßnahmen die Teilhabe am Studium trotz der veränderten Lebenssituation der studierenden Mütter und Väter ermöglichen müssen.
In eben dieser Situation fällt bei Paaren mit ähnlichem Lebensalter, die sich in der gleichen Ausbildungsphase befinden, oft die Entscheidung für die oben genannte Retraditionalisierung, um in Hinblick auf die Finanzierung der Familie wenigstens einem der Partner ein ‚normales‘ und damit möglichst schnelles Durchlaufen des Studiums zu ermöglichen. Bei Beziehungen, in denen der Partner bereits Geld verdient, lastet meist weniger Vereinbarkeitsdruck auf der Mutter, die sich wegen der finanziellen Versorgung etwas mehr Zeit lassen darf, ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen.
Bei Paaren mit prekärer finanzieller Situation und noch stärker bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern wird die Vereinbarkeitsfrage nicht zur Möglichkeit, sondern zum Muss. Vereinbarkeit zwischen Studium und Kind muss gelingen, weil das Wohl und die Zukunft der Einelternfamilie von dem Erfolg der Mutter oder des Vaters in beiden Lebensbereichen abhängen.
Trotz aller löblichen Auseinandersetzung um gleichberechtigte Partnerschaften und trotz der Idee der Chancengleichheit in Bezug auf die Berufsausbildung sieht die Wirklichkeit in Bezug auf die Vereinbarkeitsfrage nach wie vor meist so aus, dass das Herstellen der Vereinbarkeit immer noch primär auf den Schultern der Mütter lastet. Dieses Buch richtet sich daher zwar an alle Personen, die Familienverantwortung übernommen haben oder übernehmen wollen, fokussiert dabei aber trotzdem stärker auf Mütter als auf Väter.
Beide, Mütter und Väter, unterliegen auch der Notwendigkeit, selbst eine Ausbildung zu absolvieren und sich finanziell unabhängig zu machen von externer Versorgung (etwa durch die eigenen Eltern oder staatliche Hilfen), um damit ihren eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen gerecht zu werden. Aber – und das ist besonders wichtig – den Zeitpunkt, zu dem Sie Ihre Ausbildung, Ihr Studium und damit Ihre berufliche Karriere weiter verfolgen, ist Ihnen überlassen und lässt sich, zumindest in Grenzen, aufschieben. Sie haben also nicht nur die Wahl, was Sie tun wollen, sondern auch, wann Sie dies tun wollen. Inzwischen existieren genügend staatliche Modelle, die Ihnen genau diese Freiheit einräumen. Über die Fragen des ‚Was‘ und des ‚Wann‘ lohnt es sich, gründlich nachzudenken.
Eine besondere Belastungssituation erfahren Eltern, die etwa Mehrlinge erwarten, oder Eltern von Kindern mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Diese führen zu einer Vervielfachung der Anstrengungen und für die Mütter oft zum Ausstieg aus Ausbildung und Karriere. Diese Sondersituationen lassen sich schwer im Vorhinein absehen oder kalkulieren. Hier muss die Frage der Machbarkeit intensiv im Einzelfall geklärt werden.
Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung meist von ‚dem Kind‘ in der Einzahl gesprochen. Familien mit mehr als einem Kind sind dabei mitgedacht. Zwei, drei oder mehr Kinder stellen eine erhebliche Potenzierung der Vereinbarkeitsproblematik dar. Einerseits wird die Familienarbeit umfangreicher und benötigt mehr Zeit. Andererseits ergeben sich womöglich biografisch noch komplexere Situationen, weil sich die Kinder aufgrund des Altersunterschieds in verschiedenen Lebensphasen befinden.
1.6 Alleinerziehende
Wer sein Kind alleine großzieht, der verdient besonders eines: großen Respekt! Alleinerziehend zu sein, ist sehr anstrengend. Jedes Kind hat das Potenzial, die Eltern bis zur Erschöpfung ‚zu brauchen‘. Alleinerziehende Mütter (und Väter) sind die einzigen Ansprechpartner und Hauptbezugspersonen für das Kind. Die ‚Last‘ der Betreuung und die Zuständigkeit kann nicht (oder nur eingeschränkt) mit einem Partner geteilt werden und Verantwortung nicht abgegeben werden. Alleinerziehende haben daher nie ‚Pause‘, sie haben immer ‚Kinderdienst‘. Das ist sowohl seelisch als auch körperlich ermüdend, weil der alleinerziehende Elternteil der einzige ist, der das Kind den ganzen Tag im Tuch oder auf der Hüfte trägt, in den Kinderwagen oder den Laufstall hinein oder heraus hebt, es (gegen seinen Willen) an- oder auszieht und dabei gleichzeitig kocht, putzt und aufräumt. Spätestens in Krankheitsfällen, wenn zum Beispiel das Kind die ganze Nacht fiebert oder hustet oder nicht schlafen kann, ist die physische Belastung unter dem eigenen Schlafentzug groß.
Auch mental ist die Situation belastend, weil alle Entscheidungsverantwortung für die Gesundheit und die Entwicklung des Kindes bei einer Person liegt. Fragen wie etwa, ob das Kind ernsthaft krank ist und zum Arzt gebracht werden muss oder nur eine Erkältung hat oder ob eine Verhaltensauffälligkeit vielleicht durch einen Betreuungswechsel gelöst werden könnte, muss der oder die Alleinerziehende ganz alleine entscheiden und verantworten.
Die Einelternfamilie birgt oft noch tiefgreifende emotionale Herausforderungen, so etwa die der zu engen Bindung zwischen beiden in Form einer gegenseitigen Fixierung, die zum Beispiel Fremdbetreuung schwierig macht. Auch kann die partielle oder aber auch dauerhafte Überlastungssituation des Elternteils dazu führen, dass er oder sie einen Groll gegen das eigene Kind entwickelt. Besonders aus diesen beiden Gründen brauchen Alleinerziehende regelmäßige Auszeiten und Unterstützung, damit sie in einer guten Weise Verantwortung für ihr Kind übernehmen können ohne zugleich ihr eigenes Leben und ihre Ziele aufgeben zu müssen.
Es gibt jedoch auch Mütter in Paarbeziehungen mit ‚klassischer‘ Rollenverteilung, die – praktisch gesehen – alleinerziehend sind, weil die Väter nicht viel zuhause sind. Sie haben ähnlich viel Arbeit alleine zu bewältigen, aber üblicherweise nicht die Verantwortung für die finanzielle Grundsicherung und zumindest einen Partner, mit dem sie verbal ihre Sorgen teilen können.
Andererseits berichten alleinerziehende Mütter, die eine gute Beziehung zu den Vätern haben, vom Vorteil der gänzlichen Entlastung an den Papatagen, an denen das Kind tagsüber, über Nacht oder ein Wochenende lang nicht zuhause ist. Manchen kommt diese Konstruktion entgegen, andere leiden darunter, besonders wenn die Beziehung zum Vater konfliktbehaftet ist, der Unterhalt nicht regelmäßig gezahlt wird, die Kontakte selten und unregelmäßig erfolgen, die Übergabesituationen schwierig sind und das Kind durcheinander von der Papazeit zurückkehrt.
In dieser Situation ein Studium ins Auge zu fassen oder das bereits begonnene Studium weiterzuverfolgen, ist eine große Herausforderung und verlangt enorm viel Kraft und Disziplin.
2 Studieren mit Kind
2.1 Studieren als Ausbildungsstufe oder Lebensphase?
Das Studium als eine Möglichkeit der Ausbildung unter vielen anderen bietet trotz der Verschulung im Zuge der Bologna-Bildungsreform freiere Strukturen im Vergleich zu klassischen Lehrberufen. Studierende haben nach wie vor das Privileg, sich nicht sofort nach dem ersten qualifizierenden Schulabschluss entscheiden zu müssen, ‚wo sie später einmal arbeiten wollen‘, denn bei vielen Fächern erfolgt eine Festlegung des konkreten Berufszweigs erst nach dem Studium. Obwohl also das Studium eine Qualifikationsphase darstellt, die komplexere fachliche Zusammenhänge vermittelt und auf gesellschaftliche Leitungspositionen vorbereitet, stellt sie zugleich eine Lebensphase der Orientierung dar.
Rechnet man die ideale Ausbildungsdauer von Bachelor (3 Jahre), Master (2 Jahre) oder Staatsexamen, beenden Studierende frühestens nach fünf, mit einer Promotion (3 Jahre) erst nach acht Jahren im Alter von frühestens 27 Jahren ihre Ausbildung. Damit gerät die sehr lange Ausbildungsphase zu einer ausgedehnten Lebensphase der Persönlichkeitsentwicklung. Ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens, nämlich selbstständig zu sein und auf eigenen Füßen zu stehen, wird meist frühestens mit der Phase der (finanzierten) Promotion erreicht, während diese Form der Eigenverantwortung in anderen Ausbildungsgängen sehr viel früher eingefordert und erreicht wird. Erwarten Studierende ein Kind, dann müssen sie entgegen dieses Privilegs des verlangsamten Erwachsenwerdens recht unvermittelt ein höheres Maß an Eigenverantwortung und darüber hinaus sogar Fremdverantwortung übernehmen.
2.2 Studieren und Forschen an der Universität – die einzelnen Phasen
Wollte man die universitären Ausbildungs- und Karrierestufen vollständig absolvieren, sind verschiedene aufeinanderfolgende Qualifikationsphasen zu durchlaufen. In fast allen Fächern werden die ersten drei Jahre bzw. sechs Semester in der Angleichung an internationale Ausbildungsstrukturen der fachlichen Grundausbildung als Bachelor of Arts/Bachelor of Science (B.A./B.Sc.) bezeichnet. In dieser Phase orientiert sich das Studium eng an einem Curriculum. Mit der erfolgreich absolvierten Prüfung erwirbt man die Qualifikation für meist zweijährige Masterprogramme, die größere fachliche Spezialisierungen anbieten. Sowohl nach dem Bachelor als auch nach dem Master ist ein Einstieg in die Berufswelt möglich. Bis zum Ende des Masters gilt die Teilnahme an den Programmen als Studium und damit als Teil der Ausbildung. Die Finanzierung erfolgt in der Regel extern, das heißt, Studierende sind bis zum Ende des Studiums abhängig von ihren Eltern oder staatlichen Förderungsstellen (BAföG) oder Stiftungen (vgl. 2.10). Die Auffassung bzw. die Grundstruktur der Arbeitsweise ändert sich jedoch mit der mindestens dreijährigen Phase der Promotion, dem Verfassen der Dissertation als hochgradig spezialisierter, selbstständiger Forschungsleistung. Inzwischen bieten einige Universitäten hier ebenfalls strukturierte Promotionsprogramme an, die ein gewisses Rahmengerüst bieten, jedoch weitgehende Freiheiten zur eigenen Forschung lassen. Diese Phase wird zurzeit wissenschaftspolitisch stark gefördert. Einige Forschungsverbünde oder Graduiertenzentren bieten Stipendien oder Stellen an, sodass häufig eine Grundfinanzierung gewährleistet ist. Diese Finanzierung ist jedoch kein Selbstläufer: sehr gute Noten aus dem Master oder Diplom, eine vielversprechende Persönlichkeit und ein überzeugendes Forschungsprojekt sind Grundvoraussetzungen zum erfolgreichen Einwerben eines solchen Stipendiums oder einer solchen Stelle. Promovierende sind, obwohl diese Phase immer noch zur Ausbildung zählt (sprachlich findet dies seinen Niederschlag in der passiven Formulierung „promoviert werden“), oft in die universitäre Lehre eingebunden und halten Fachvorträge bei Tagungen, sodass sie mitunter auch schon dem Bereich der Forschung als Beruf zugeordnet werden. Nach der Promotion ist der Übergang in Berufsfelder jenseits der Universität ebenfalls – oft mit sehr guten Chancen – möglich.
Um an der Universität eine berufliche Karriere in Forschung und Lehre weiterverfolgen zu können, muss man nach der Promotion als zweite eigenständige Forschungsleistung (in den Geisteswissenschaften) die Habilitationsschrift oder das sogenannte „zweite Buch“ verfassen. Während dieser meist fünfjährigen Phase sind die Kandidaten als selbstständige Forscherinnen und Forscher idealerweise fest in universitäre Strukturen integriert und in die Lehre eingebunden (sprachlich manifestiert sich dies durch das aktive „man habilitiert sich“). Ist auch diese Phase erfolgreich abgeschlossen, ist eine Bewerbung auf eine Lebenszeitstelle (und nichts anderes bedeutet der Begriff „Professur“, da es Festanstellungen jenseits der Professur kaum noch gibt) an einer bundesweiten Hochschule im eigenen Fach bzw. innerhalb des eigenen Spezialgebiets möglich. Nach der Habilitation gilt man jedoch als ‚überqualifiziert‘ für den allgemeinen Berufsmarkt, als zu alt und zu sehr von den universitären Strukturen geprägt, sodass ein Übertritt in den freien Arbeitsmarkt selten gelingt. Zugleich sind die Lebenszeitstellen sehr rar und der Erfolg nicht planbar. Ist die primäre Funktion des Universitätsbesuchs die Ausbildung oder fachliche Spezialisierung, sollte man spätestens nach der Promotion die Universität verlassen; ist das Erreichen einer Professur das Berufs- und zugleich Lebensziel, dann sollte immer der ‚Plan B‘ im Fall des statistisch wahrscheinlicheren Scheiterns in der Schublade liegen.
Der größte Anteil der Vereinbarkeitsproblematik liegt in der alltäglichen Praxis und gilt für alle Ausbildungs- und Qualifikationsphasen gleichermaßen (vgl. Kap. 10). Über die besonderen Erfordernisse und Hemmnisse informieren die entsprechenden Kapitel.
Jede Qualifikationsphase bringt eigene Anforderungen mit sich, die sich unterschiedlich gut mit einer Familie oder einer geplanten Familiengründung ‚vertragen‘, und die zu unterschiedlich hohen Belastungen für Mütter und Väter führen.
2.3 Was ist unter Vereinbarkeit zu verstehen?
Der Begriff der Vereinbarkeit deutet darauf hin, dass hier zwei Dinge oder Sphären miteinander in Kontakt gebracht werden (sollen), die aus ihrer eigentümlichen Beschaffenheit heraus nichts miteinander zu tun haben oder die nicht miteinander kompatibel sind.
Auf der einen Seite steht das Privatleben, auf der anderen die Ausbildung oder Berufstätigkeit. Die Vorstellung von der Gegensätzlichkeit der Bereiche, die sich im Begriff der Vereinbarkeit niederschlägt, hat einerseits etwas mit gesellschaftlichen Traditionen zu tun und andererseits etwas mit den nicht etwa grundsätzlich verschiedenen, sondern bisweilen erstaunlich ähnlichen Anforderungen, die beide Systeme an die Menschen richten. Beide, Familie und Universität, verlangen Zeit, Regelmäßigkeit und zugleich Flexibilität, Präsenz, Aufmerksamkeit und Commitment, und zwar umso mehr, je weiter man voranschreitet. Neben modernen Vorstellungen von Familie und partnerschaftlicher Gleichberechtigung hält sich die Vorstellung von Familie als privatem Lebensbereich. Trotz universitärer Reformen und der langsamen Veränderungen des Leitbildes des ‚Professors im Elfenbeinturm‘ zeigt die Praxis die Kinderlosigkeit der überwiegenden Mehrzahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (vgl. Kap. 1.4). Die Anforderungen von Familie und Universität vertragen sich also nicht, so jedenfalls scheint es auf den ersten Blick, und zwar unter anderem aus Gründen, die wir kaum selbst steuern können, wie zum Beispiel die tiefsitzenden gesellschaftlich tradierten Idealvorstellungen von Prototypen und sozialen Rollen der ‚guten‘ Mutter, des Vaters als Versorger und des männlichen Professors. Diese Hürden, die in der Mentalität und im eigenen Denken begründet liegen, sind Prägungen, die persönliche Hindernisse einer gelungenen Vereinbarkeit darstellen. Handelt man gegen sie, dann geht ein Teil der täglichen Energie in die (unbewusste) Auseinandersetzung mit der Frage: „Tue ich das Richtige?“
„Es ist eine Lüge, dass man Familie und Karriere ohne Probleme vereinen kann.“[8] Der Hirnforscher Gerald Hüther und viele andere, die solche oder ähnliche Aussagen treffen, tun dies zu Recht. Denn „vereinbaren“ lassen sich die beiden Lebensbereiche nur unter hohen Kosten für alle Seiten. Jede/r, der oder die ein solches Vorhaben unternimmt, muss sich unbedingt darüber im Klaren sein. Aber eine Verzahnung oder Verschränkung der beiden Bereiche kann unter gewissen Voraussetzungen gelingen, wenn alle Beteiligten von einer 100%-Forderung Abstand nehmen. Nur können dies unsere Kinder nicht selbst entscheiden. Es liegt also an uns Eltern, wie viel ‚Abzug‘ wir ihnen zumuten. Vielleicht nur 80% oder gar 50% der Zeit und Aufmerksamkeit von Mama und/oder Papa? Ein ‚gesundes‘ Verständnis von der Vereinbarkeit lässt die Bedürfnisse aller Seiten zu. Da die Anforderungen der Kinder nicht verhandelbar sind, ohne das Wohl an Leib und Seele zu gefährden, muss die Universität systematisch helfen, damit auch die Erfüllung ihrer Anforderungen unter der Bedingung von Mutter- und Vaterschaft realistisch bleibt.
Vereinbarkeit heißt, alle zu ihrem Recht kommen zu lassen, Eltern, Kinder und Universität, ohne dabei das eine für das andere zu opfern. Vereinbarkeit ist nicht zu 100% erreichbar, kann aber durch pragmatische Verzahnungen gelingen.
2.4 Muss ich wirklich (mit Kind) studieren?
Auch ohne Kind oder akuten Kinderwunsch lohnt es sich, ernsthaft und intensiv darüber nachzudenken, ob man selbst für ein Studium geeignet ist und welche Ziele und Hoffnungen damit verbunden sind. Inzwischen sind viele Erststudiengänge durch die Bildungsreform des „Bologna-Prozesses“ weitgehend verschult. Das heißt, jedes Semester besteht aus (je nach Fach mehr oder weniger stark festgelegten) klar definierten Lehrinhalten und Lernzielen, deren Erarbeitung und Erreichen durch eine Prüfung nachgewiesen werden müssen. Manche Fächer verlangen jedoch ein höheres Maß an Selbstorganisation und bieten mehr Selbstbestimmung, weil zum Beispiel nur die Belegung bestimmter Themenfelder vorgegeben ist, sich jedoch die Studierenden die passende Veranstaltung dazu selbst aussuchen und den Stundenplan zusammenstellen können.
Wer studieren will, sollte Begeisterung für ein Fach oder Thema mitbringen, Leistungsbereitschaft zeigen, selbstständig und zugleich diszipliniert sein. Wer also nur ein mäßiges Interesse an einem Fach oder Thema hat und mit dem Studium beginnt, weil ihm oder ihr sonst gerade nichts Besseres einfällt, der ist dort falsch aufgehoben. Ein Studium aufgrund der sozialen Reputation anzustreben, um damit die eigenen Eltern zufriedenzustellen, oder weil man damit später vielleicht viel Geld verdienen könnte, sind schlechte Motive, die zudem oft enttäuscht werden. Zwar zeigen Studien ‒ anders als lange angenommen ‒, dass das so genannte Lebensentgelt von Personen mit Hochschulabschluss gegenüber Personen ohne höher ausfällt,[9] zugleich arbeiten jedoch auch viele Menschen nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Damit lässt sich also weder soziale Reputation noch Wohlstand planen.
Der einzige wirklich tragfähige Grund für die Aufnahme eines Studiums ist ein anhaltendes Interesse für ein Fach, ein Themenfeld oder einen spezifischen, daran geknüpften Arbeitsbereich. Dies gilt für Personen ohne und mit Kind gleichermaßen.
2.5 Welches Fach eignet sich gut in Bezug auf die Vereinbarkeit?
Nicht alle Fächer eignen sich gleich gut in Bezug auf die Vereinbarkeit von Studium, Wissenschaft und Familie. Je mehr Struktur (und damit weniger Wahlfreiheit) ein Studienfach vorgibt, desto schlechter lässt es sich mit den Bedürfnissen der Eltern und des Kindes und den zeitlich meist inflexiblen Angeboten der Kinderbetreuung kombinieren. Naturwissenschaftliche Fächer, die einen tagesüberspannenden Lehrplan vorgeben und ausgedehnte Praktika verlangen oder in denen die Durchführung von Experimenten prüfungsrelevant ist, eignen sich schlechter. Oft ist es dort nicht möglich, die Universität pünktlich zu verlassen, um das Kind aus der Kita abzuholen, etwa weil der Versuch noch läuft, dessen Ende abgewartet und die Ergebnisse ausgewertet werden müssen. In manchen Fächern werden Pflichtpraktika mitunter samstags abgehalten, also an einem Tag, an dem es keine Regelbetreuung gibt. Natürlich kann als Mutter und Vater auch die Belegung dieser Fächer gelingen, allerdings tatsächlich nur unter der Bedingung eines sehr guten sozialen Netzwerks und einer stabilen Partnerschaft, denn die Leistungsanforderung und die organisatorische Belastung sind hoch. Alleinerziehende stellen diese Fächer aufgrund ihrer Struktur, der Studienverlaufspläne und Modulordnungen vor kaum zu überwindende Hürden.
Tritt eine Schwangerschaft während des Studiums ein, dann ergeben sich mitunter Verzögerungen, da die Praxismodule oft nicht mehr studiert werden dürfen, weil die Gefahr für Mutter und Kind zu groß wird. Dies ist zum Beispiel bei den Fächern Tiermedizin oder Chemie der Fall.
Ein Studium innerhalb der Geisteswissenschaften ist flexibler und lässt sich grundsätzlich weitaus besser mit einer Schwangerschaft oder mit Mutter- und Vaterschaft vereinbaren. Hier liegen viele (aber nicht alle) Veranstaltungen innerhalb betreuungsgesicherter Zeiten und die Studierenden können meist zwischen verschiedenen Pflichtkursen auswählen und das Studium so gestalten, dass es den Bedürfnissen der Eltern am ehesten entspricht. Prüfungen werden zwar auch hier mittels Referaten und Klausuren zu festen Terminen, aber häufiger in Form schriftlicher Hausarbeiten durchgeführt. Diese lassen sich gut zuhause abfassen und erlauben mehr Flexibilität.
Duale Studiengänge, in denen die Studierenden parallel zum Studium fest in betriebliche Arbeitsabläufe eingebunden sind, eignen sich kaum. Dies lässt sich auch an der Studienpraxis zeigen: Laut der 20. Sozialerhebung des Studentenwerks im Jahr 2012 hat nur 1% aller Studierenden eines dualen Studiums ein Kind.[10]
2.6 Was Sie persönlich an Eigenschaften mitbringen sollten
Gesundheit ist eine der Grundbedingungen für ein erfolgreiches Studium mit Kind. Wer sowieso schon einen ‚doppelten Job‘ hat, kann es sich nicht leisten, noch zusätzliche Energie für ein drittes Feld aufzubringen, denn dann misslingt der Versuch der Vereinbarkeit womöglich. Wer also selbst unter einer gesundheitlichen Einschränkung leidet und dafür sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit braucht und dadurch auch öfter nur eingeschränkt leistungsfähig ist, sollte sich gut überlegen, ob er/sie sich den Anforderungen eines Vollzeitstudiums aussetzen möchte (Teilzeitstudium siehe Kap. 3.2).
Wer ein Studium ins Auge fasst, der sollte einen hohen Grad an Selbstdisziplin mitbringen. Die Universität ist ein Massenausbildungsbetrieb und sobald man sich angemeldet ‒ „eingeschrieben“ ‒ hat, liegt es vollständig an jedem Einzelnen, ob er oder sie studiert und ob dies mit Erfolg geschieht. Niemand wird sich darum kümmern. Professor/innen und Dozent/innen in Massenfächern werden vermutlich aufgrund der hohen Studierendenzahlen und der großen Fluktuation nicht einmal die Namen der Studierenden kennen. Das ist kein böser Wille, sondern der Tatsache geschuldet, dass sie jedes Semester mit einer je nach Fach variierenden, großen Menge an neuen Studierenden zu tun haben, die sie dann mitunter nie wieder sehen werden. Mit dem Beginn eines Studiums ist man auf sich allein gestellt. Je nach Fach kommt es auch nur schwer zu einem ‚Wir‘-Gefühl, einer Gruppenidentität innerhalb eines Semesters. Kontakte zu anderen Studierenden ergeben sich durch kleinere Lehr- und Lernformate, so genannte Tutorien oder Seminare. Durch die gemeinsame Arbeit an vertiefenden Projekten lernt man einzelne andere Studierende kennen, selten aber den ganzen Jahrgang. Ob also aktiv die von den Studienordnungen vorgeschriebene Anzahl und Abfolge der Kurse absolviert und zusätzliche allgemeine Angebote der Universität wahrgenommen werden, liegt bei der oder dem Einzelnen. Auch die Zusammenstellung des Lehrplans erfolgt in vielen Studiengängen durch die Studierenden selbst, das heißt, es muss jedes Semester aus einer Reihe an angebotenen Kursen eine bestimmte Anzahl an Pflichtkursen und Wahlpflichtkursen ausgewählt werden. Manche Kurse werden jedoch nur in bestimmten Semestern angeboten oder müssen zugleich bis zu einer bestimmten Semesterzahl erfolgreich bestanden worden sein. Hält man sich nicht daran, darf man nicht weiterstudieren. Insofern wird ein Fehlverhalten von der Universität bestraft, aber für Sie als Person interessiert sich die Universität aufgrund ihrer Organisationsstruktur erst dann, wenn Sie durch besondere Leistungen auffallen oder kurz vor der Examensarbeit stehen. Das unterscheidet die Universität von der Schule, an der die Schülerinnen und Schüler persönlich bekannt sind und idealerweise gefördert werden. Das unterscheidet die Universität aber auch von Lehrbetrieben und Ausbildungsstätten, die im Regelfall kleiner sind und in denen Auszubildende Teil einer Gruppe sind, wo der Arbeitsalltag vom Betrieb vorgegeben ist und es sofort auffällt, wenn morgens jemand fehlt. Die Universität wird nicht bei Ihnen zuhause anrufen und fragen, warum Sie fehlen.
Wer studieren will, der sollte sehr zielstrebig sein, sich selbst gut organisieren können und über Durchhaltevermögen verfügen. Für Menschen mit Familienverantwortung gilt dies in verschärfter Form.
2.7 Eine stabile Partnerschaft
Natürlich kann ein Studium auch für alleinerziehende Mütter (und Väter) funktionieren, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Person auf ein stabiles soziales Netzwerk und eine gute Kinderbetreuung zurückgreifen kann. Sehr viel leichter ist es jedoch, wenn man ein Kind zu zweit betreut und erzieht. Einerseits, weil dadurch die täglich anfallende Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werden kann, andererseits, weil nicht nur eine Person ausschließlich verantwortlich und immerzu zuständig ist. Die Dauerbeanspruchung kann sehr ermüdend sein. Gepaart mit den täglichen Aufgaben und der täglichen zu bewältigenden Logistik des Kinderbringens und -abholens kann das Studium stark beeinträchtigt werden.
Aber auch bei Paaren liegen nicht immer ideale Bedingungen vor. In der Regel sind die Väter älter als die Mütter und daher meist weiter fortgeschritten in der Ausbildung oder bereits berufstätig.[11] Zugleich findet bei Paaren, sobald sich Nachwuchs einstellt, wie eingangs bereits erwähnt eine so genannte Retraditionalisierung statt. Das heißt, aus der nun erwachsenden Verantwortung für eine Familie entscheiden sich Paare dazu, das vielleicht vorab gleichberechtigte Verfolgen der Ausbildung oder der beruflichen Karriere aufzugeben und zu einer klassischen Rollenverteilung zurückzukehren. Da Säuglinge und Kleinkinder durch die Stillpraxis anfänglich mehr mit der Mutter verbunden sind, bleibt in der Folge die Mutter beim Kind ‚zuhause‘, während der Vater eher noch mehr arbeitet, um die Finanzierung der Familie und die Aussicht auf ein Geldverdienen zu beschleunigen.[12] Hier tritt eine Priorisierung zugunsten des erwerbstätigen Partners ein. Gelingt die Karriereplanung und steigt die monatlich zum Lebensunterhalt einsetzbare Summe an, dann entsteht erneut die Möglichkeit für die Mutter, jemanden für die Besorgung des Haushalts und die Kinderbetreuung einzustellen und sich damit Freizeit und somit auch Freiheit zu schaffen.
Das geradezu ideale Szenario stellen zwei flexibel studierende oder arbeitende Elternteile in einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium oder im Homeoffice dar. Beide Elternteile können sich so mit Studium und Kinderbetreuung abwechseln.
Eine stabile Partnerschaft ist deshalb besonders wichtig, weil Sie, wenn Sie mit Kind studieren wollen, so viel Arbeit haben werden, dass Sie keinen anderen Lebensbereich brauchen, der zusätzlich einen großen Teil Ihrer Aufmerksamkeit fordert.
Natürlich lässt sich eine solche ‚ideale‘ Situation kaum erzwingen. Manchmal führt gerade die neue Situation zu dritt zu großen Konflikten, weil die durch das Kind nun geforderte Stabilität nicht zu der Beziehung passt, die die beiden Eltern miteinander haben oder haben wollen. Das Kind wird zum Einschränkungsfaktor und übt auf beide Seiten Druck aus. Kinder sind Kristallisationspunkte, in denen sich die eigenen Wünsche und Hoffnungen und Erwartungen an sich selbst und an den Partner/die Partnerin brechen, sie sind Spiegel der persönlichen Wahrheit, in denen sich die Gesinnung der beiden Partner gegenüber sich selbst, der Welt und dem Lebensgefährten/der Lebensgefährtin offenbart. Konflikte sind also unvermeidlich. Aber: Machen Sie sich Ihre Situation und Ihre Möglichkeiten klar. Sie haben eine Verantwortung, der Sie gerecht werden müssen, zugleich sollten Sie jedoch unbedingt auch sich selbst und Ihren eigenen Fähigkeiten und Zielen gerecht werden. Aktuell gibt es im Vergleich zu früheren Generationen kaum noch Sicherheit sowohl im Hinblick auf die berufliche Perspektive als auch in Bezug auf die Dauerhaftigkeit von Beziehungen. Es ist daher für beide Partner wichtig, einerseits der Verantwortung gegenüber dem Kind, aber andererseits auch den eigenen Fähigkeiten gerecht zu werden und eine Ausbildung abzuschließen, mit der jede/r sich selbst und auch das Kind finanzieren kann, was auch immer da komme.
Beide Partner sollten sich einig sein über die gemeinsamen Ziele und zugleich die persönlichen Ziele des/der jeweils anderen ehrlich mittragen. Vorwürfe im Stil von: „Jetzt bin wieder ich derjenige/diejenige, der/die verzichten muss“, sind der Situation nicht zuträglich.
2.8 Ein gutes soziales und familiäres Netzwerk
Wer trotz Kind eine berufliche Karriere verfolgen will, der ist unbedingt auf ein gutes familiäres und soziales Netzwerk angewiesen. Die meisten Menschen leben heute nur selten in der unmittelbaren Nähe ihrer Herkunftsfamilien und damit außerhalb der familiären Netzwerke von Eltern, Geschwistern, Großeltern und anderen Verwandten. In der Nähe der Familie zu wohnen, wird inzwischen eher als Niederlage verstanden, als nicht vollzogener Schritt ins Erwachsenenleben. Oft ist das Verhältnis zwischen den Generationen auch so angespannt, dass räumliche Distanz nötig wird. Wenn Sie jedoch ein Kind bekommen und studieren wollen, dann ist die familiale Unterstützung essenziell. Eine zusätzliche helfende Hand, die die Windeln sortiert, Mittagessen mitbringt oder den Kinderwagen einmal um den Block schiebt, bringt ihnen nämliches eines: kurze Pausen und vor allem kleine Entlastungen! Auch wenn die Vorstellungen der eigenen Eltern oder Großeltern von den eigenen abweichen, Sie das rosa oder hellblaue Strickjäckchen nicht leiden mögen oder Sie die Tatsache ärgert, dass die Verwandten das Kind immer mit Süßigkeiten überhäufen, während Sie auf eine gesunde Ernährung achten, sollten Sie nicht leichtfertig die Hilfe ablehnen, die dadurch möglich wird, sondern den Kompromiss akzeptieren. Gut sind Arrangements, in denen die Mutter oder beide Eltern gemeinsam einen Nachmittag oder Abend vollständig frei haben. Viele Familienmitglieder sind gern bereit, sich auf solche Hilfen einzulassen und manchmal auch bereit, weite Strecken zu fahren, um auszuhelfen.
Viele Menschen leben, wie gesagt, jedoch räumlich zu weit von ihren Familien entfernt oder wünschen wenig Kontakt. In diesem Fall werden die sozialen Netzwerke von Freunden und Bekannten, Nachbarn und anderen Eltern aus der Krabbelgruppe, der Kindertagesstätte, dem Kindergarten oder Hort umso wichtiger. Ändert sich die persönliche Lebenssituation so gravierend wie durch ein Kind, ist es besonders wichtig, die ‚alten‘ sozialen Netzwerke aus der Zeit vor der Schwangerschaft und Geburt mit in den neuen Lebensabschnitt zu integrieren, soweit dies möglich ist. Patentanten und Patenonkel aus dem Freundeskreis können auch jenseits von Geburtstagen präsent sein, mal den Einkauf erledigen oder vor dem Einschlafen vorlesen oder einspringen, wenn ein Notfall eintritt. Denn das passiert mit Kindern recht häufig. Mit „Notfall“ ist hier kein medizinischer Notfall gemeint, sondern das plötzliche Wegfallen der geregelten Kinderbetreuung, zum Beispiel durch das Erkranken der Tagesmutter oder des Babysitters, während Sie einen dringenden Termin an der Universität haben und dort z.B. eine Prüfung ablegen müssen. In solchen Situationen hilft es, auf soziale Netzwerke zurückgreifen zu können, denn nur das verhindert ein Scheitern. Gerade andere Eltern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, sind oft gern bereit, einzuspringen, allerdings unter der impliziten Bedingung der Gegenseitigkeit. Zu vermeiden ist möglichst alles, was zusätzlich Arbeit macht, wie etwa Fahrten ans andere Ende der Stadt, nur um eine Betreuungslücke von einer Stunde zu überbrücken, aber natürlich muss auch das manchmal sein, weil es keine andere Lösung gibt. Je stressfreier sich dies für alle gestaltet, desto besser.
Alle oben angesprochenen Personen helfen gern, allerdings tun sie dies unter gehörigem Aufwand und eigener Einschränkung oder Mehrbelastung. Haben Sie dies im Blick und würdigen Sie das Engagement entsprechend durch ein herzlich gemeintes „Dankeschön“ oder kleine Aufmerksamkeiten.
2.9 Wohnen mit Kind
Da die Wohnsituationen in den Universitätsstädten stark variieren, können hier nur einige allgemeine Hinweise gegeben werden. Paare, die ein Kind erwarten, ziehen meist vor der Geburt des Kindes in eine eigene Wohnung, falls sie nicht schon zuvor zusammenleben. Viele behalten inzwischen jedoch auch zunächst ihre eigene Wohnung, weil sie ihre Unabhängigkeit schätzen oder um erst abzuwarten, wie sich die neue Situation entwickelt. Manche Studierende bewohnen ein Zimmer innerhalb einer Wohngemeinschaft. Wird ein Kind geboren, kann es meist für kurze Zeit im Zimmer der Mutter untergebracht werden, auf die Dauer ist dies aber oft keine gute Lösung, weder für die Mutter noch für die Mitbewohner; für das Kind selbst wird ein eigenes Zimmer erst im Kindergartenalter wichtig. Früher oder später steht dann also ein Umzug in eine größere Wohnung an, die dann mindestens zwei Zimmer haben muss. Oft erfolgt in dieser Phase auch der Wechsel von der Wohngemeinschaft in die eigene Zwei-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung. Damit wird eine Grundbedingung des Lebens, nämlich das Wohnen, durchaus doppelt oder dreifach so teuer. Zu der höheren Miete gesellen sich auch höhere Nebenkosten. Wer studieren will, der benötigt aber unbedingt einen Rückzugsraum, der zugleich auch ein Arbeitszimmer sein kann. Ab ca. einem Jahr wird für Kinder ein eigenes Zimmer empfohlen, aber viele Beispiele zeigen, dass auch über längere Zeit das Teilen eines Zimmers mit einem Geschwisterkind möglich ist. Ideal wohnt es sich in einem Mehrfamilienhaus mit vielen Kindern. In einer solchen Wohnsituation kann das Kind, sobald es älter ist, ohne großen Aufwand zu den Nachbarn gehen und hat dort Spielkameraden.
Eine Hürde, die entweder noch sehr jungen Eltern oder alleinerziehenden Müttern oder Vätern bei der Wohnungssuche begegnet, ist die mitunter berechtigte Sorge der Vermieter um den stabilen Mieteingang (und der potenzielle ‚Lärm‘, den Kinder verursachen). Wenn Vermieter solventere Mietinteressenten haben, wählen sie oft lieber diese als eine junge Familie. Hier ist es sehr hilfreich, einen Bürgen mit im Boot zu haben, falls möglich die eigenen Eltern, die den regelmäßigen Mieteingang durch den Nachweis ihres Gehalts garantieren, oder eine offizielle Bescheinigung der Kostenübernahme, wenn Sie staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Da Ballungszentren und Innenstädte hochkompetitive Wohnmärkte darstellen, sollten junge Eltern in Betracht ziehen, auf eine Wohnung auf dem Land auszuweichen. Hilfreich sind soziale Wohnungsbaugenossenschaften, die günstigen Wohnraum anbieten,[13] und z.B. das Studentenwerk, das auch Wohnungen für Studierende mit Kind bereitstellt (vgl. Kap. 8.3). Beide Möglichkeiten sind jedoch oft mit langen Wartezeiten verbunden.
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