Kitabı oku: «Kanadische Erzählungen: Geschichten vom weiten Norden und ewigen Eis»
Kanadische
Erzählungen
Geschichten vom weiten Norden und ewigen Eis
Übersetzt von Annika Klapper, Niels-Arne Münch und Andreas Udo Schmidt
Herausgegeben von Andreas Udo Schmidt

Inhalt
Der Westen und Nordwesten
Überlieferungen der Tahltan
Als der Lachs ausblieb
Erzählungen der Eskimo
Die Cree-Legende von Wisukatcak
Überlieferungen der Shushwap
Bericht eines Rituals der Cree und Blackfeet: Der letzte Sonnentanz
Das Seeungeheuer Ogopogo
Der Nordosten und Sankt-Lorenz-Strom
Legenden vom Sankt-Lorenz-Strom
Überlieferungen der Mi’kmaq
Erzählungen der frühen französischen Siedler
Erzählung der Algonquin über Träume
Französisch-Kanadische Gruselgeschichten
Lieder der Akadier
Der Süden und die Great Lakes
Überlieferungen der Ojibwe
Bericht eines Ojibwe-Rituals
Beschreibungen des Pionierlebens
Erzählungen der Kainai
Erzählungen der Blackfoot
Legende der Irokesen über Atotarho
Lieder der Great Lakes
Ukrainisch-Kanadische Märchen
Isländisch-Kanadische Pula-Gedichte
Jiddisch-Kanadische Kindergeschichten
Nachwort
Quellennachweis
Hauptquellenwerk
Bildnachweis

Der Westen und Nordwesten
Überlieferungen der Tahltan
von James A. Teit 1
Rabes Geburt
Am Ufer des Meeres lebten einige Menschen. Unter ihnen war ein Mann mit magischen Kräften, der nicht bei seiner Frau wohnte. Er erlaubte keinem anderen Mann, sich ihr zu nähern, und bewachte sie sehr genau. Er hatte eine verheiratete Schwester, die einen Sohn gebar, der schnell heranwuchs.
Als er alt genug zum Reisen war, fragte der Onkel die Mutter des Jungen um Erlaubnis, seinen Neffen mit auf die Jagd zu nehmen, und sie stimmte zu. Gemeinsam fuhren sie mit dem Kanu aufs Meer hinaus. Als sie ein Stück gefahren waren, sagte der Mann dem Jungen, er solle sich in den Bug des Kanus setzen. Dann ließ er es schwanken, bis der Junge ins Wasser fiel und ertrank. Der Mann kehrte zu seiner Schwester heim und erzählte ihr, der Junge sei über Bord gefallen und ertrunken.
Seine Schwester bekam einen weiteren Sohn, und als dieser groß genug war, bat sein Onkel die Mutter, den Jungen auf die Jagd gehen zu lassen. Er ertränkte ihn auf die gleiche Weise. So tötete er jeden Sohn seiner Schwester. Schließlich gebar sie abermals einen Sohn. Dies war Rabe. Er spielte auf andere Weise als die anderen Kinder. Es bereitete ihm Freude, Holzspielzeuge in der Form von Kanus, Menschen, Fischen und anderen Dingen zu schnitzen und er spielte anschließend mit ihnen. Als Rabe noch ein kleiner Junge war, forderte sein Onkel die Mutter mehrfach auf, ihm zu erlauben, auf die Jagd zu gehen. Mehrfach weigerte sie sich und sagte: »Er ist mein letztes Kind und ich will es nicht verlieren.« Schließlich sagte der Junge zur Mutter: »Lass mich gehen! Mir wird nichts Schlimmes widerfahren.« Da gab sie nach und er zog los. Vor dem Aufbruch versteckte er unter seinem Umhang ein Spielzeug-Kanu.
Sein Onkel trug Rabe auf, sich in den Bug des Kanus zu setzen und ließ es wanken, bis der Junge ins Wasser fiel. Eine Weile verbarg er sich unter der Oberfläche, bevor er, nachdem er zurück an die Oberfläche gekommen war, das Spielzeug-Kanu zur Größe eines echten Kanus anwachsen ließ und mit ihm nach Hause paddelte. Sein Onkel war zuvor eingetroffen und hatte seiner Schwester erzählt, dass ihr Sohn ertrunken und genauso töricht gewesen sei, wie ihre anderen Söhne vor ihm. Kurz darauf traf der Junge ein und berichtete seiner Mutter alles, was geschehen war. Er sagte: »Mein Onkel tötete meine Brüder auf die gleiche Weise, wie er versucht hat, mich zu töten.« Sie war froh, dass er heimgekommen war, denn sie hatte ihn tot geglaubt.
Einige Zeit später forderte der Onkel die Mutter auf, den Jungen abermals auf die Jagd zu lassen. Sie erlaubte es, und der Junge zog los. Sein Onkel versuchte, ihn zu ertränken, aber er entkam auf die gleiche Weise wie beim ersten Mal. Der Onkel fragte ihn noch ein drittes Mal, aber diesmal weigerte er sich zu gehen und sagte: »Du versuchst immer, mich zu töten.« Sein Onkel ging allein auf die Jagd, und als er weit draußen auf dem Meer war, rannte der Junge zum Haus der Frau seines Onkels und spielte mit ihr. Er bemerkte, dass sie stets die Arme gesenkt am Körper hielt. Er kitzelte sie, damit sie ihre Arme bewegte. Schließlich packte er ihren Unterleib und da hob sie die Arme. Ein Blauhäher flog aus einer ihrer Armbeugen und ein Specht aus der anderen. Sie starb sofort. Ihr Ehemann wusste sofort, dass etwas nicht in Ordnung war und kam nach Hause. Als er fand, dass seine Frau tot und die Vögel fortgeflogen waren, wurde er sehr wütend und jagte den Jungen, um ihn zu töten. Der setzte sein kleines Kanu ins Wasser. Sofort nahm es die Maße eines großen Kanus an, der Junge stieg ein und entkam.
Seitdem nennt man ihn Rabe. Er begann, durch die Welt zu reisen und kehrte nie mehr an den Ort seiner Geburt zurück.
Der Ursprung des Tageslichts
Zu jener Zeit gab es weder Tageslicht noch Sonne, Mond oder Sterne. Rabe kam zu einem Dorf und fragte die Menschen, ob sie irgendetwas sehen könnten. »Nein«, lautete die Antwort. »Aber ein Mann hat Tageslicht und verwahrt es in einer Kiste in seinem Haus. Sobald er den Deckel öffnet, ist sein Haus hell erleuchtet.« Die Menschen konnten nicht viel arbeiten, denn es war stets Nacht. Rabe fand heraus, wo Tageslicht-Mann wohnte, und ging zu dessen Haus. Der Mann kontrollierte auch Sonne, Mond und Sterne. Rabe betrat sein Haus und kam wieder heraus. Er plante, wie er Tageslicht für sich selbst und das Volk bekommen könnte.
Tageslicht-Mann hatte viele Sklaven und eine Tochter. Sie war schon seit drei Jahren eine Frau, unterzog sich aber noch immer den Riten, die einem Mädchen in der Pubertät oblagen. Sie lebte abgeschieden in einer Nische des Hauses in einem eigenen Raum und wurde streng überwacht. Jeden Tag trank sie aus einem weißen Eimer, und jedes Mal untersuchte sie vor dem Trinken das Wasser, um zu sehen, ob irgendetwas darin wäre. Stets brachten die Sklaven das Wasser. Rabe verwandelte sich in ein Zedernblatt, das in dem von einem Sklaven herbeigetragenen Wassereimer schwamm. Das Mädchen bemerkte es und warf das Blatt fort. Rabe nahm wieder seine normale Gestalt an. Am nächsten Tag verwandelte er sich in ein sehr kleines Zedernblatt und versteckte sich im Wasser. Das Mädchen schaute ins Wasser, und da sie nichts fand, trank sie es und nahm Rabe so in sich auf. Im folgenden Monat menstruierte sie nicht. Nach drei Monaten begann sie zu schwellen. Als ihre Mutter dies bemerkte, fragte sie, ob sie noch immer nicht menstruiere. Sie antwortete, seit drei Monaten keine Menstruation gehabt zu haben. Ihre Mutter erklärte: »Du erwartest ein Kind. Du hast bei einem Mann gelegen.« Die Eltern befragten sie, doch die leugnete, einen Mann empfangen zu haben. Sie konnten sich auch nicht vorstellen, wie dies hätte möglich sein sollen, da sie doch so streng bewacht worden war. Nach neun Monaten gebar sie einen Sohn. Obwohl er keinen Vater hatte, beschlossen die Eltern des Mädchens, den Jungen aufzuziehen und als ihr Enkelkind anzuerkennen. Sie versprachen, wenn sie verriet, wer der Vater des Kindes war, würden sie erlauben, dass er ihre Tochter heirate, ihren Schwiegersohn gut behandeln, und alles wäre gut. Doch sie beharrte darauf, nie bei einem Mann gelegen zu haben.
Der Junge wuchs schnell heran und konnte schon bald sprechen und herumlaufen. Sein Großvater liebte ihn sehr. Eines Tages weinte er sehr und wollte mit dem Mond spielen. Sein Großvater befahl, den Mond herabzuholen und dem Jungen zu geben. Der Junge war zufrieden und spielte mit dem Mond, bis es ihm überdrüssig wurde und man ihn wieder aufhängte. Nach einiger Zeit begann der Mond, den Jungen zu langweilen. Er weinte sehr und sagte, er wolle die Sonne. Sie wurde ihm gegeben, und er spielte mit ihr, bis es ihm überdrüssig wurde. Dann gab er sie zurück und die Leute hängten sie wieder auf. Nach einiger Zeit begann die Sonne, den Jungen zu langweilen und er verlangte nach dem Großen Bären (den Sternen). Er durfte nun mit diesen Dingen spielen, wann immer er wollte. Viel später, als er sich stark fühlte, verlangte er das Tageslicht. Sein Großvater fürchtete sich davor, es ihm zu geben, denn es verbreitete so viel Licht, und wann immer es hervorgeholt wurde, arbeiteten Sonne, Mond und Sterne im Einklang damit, denn das Tageslicht war ihr Anführer. Schließlich durfte der Junge dennoch mit dem Tageslicht spielen. Aber wann immer er es tat, war sein Großvater unruhig. Wenn der Junge das Tageslicht emporhob, erschien viel Licht, und je höher er es hielt, desto strahlender wurde das Tageslicht. Bei diesen Gelegenheiten, wenn der Junge das Tageslicht in die Höhe reckte, sagte der alte Mann, »Eh, eh!«, als ob er verletzt oder sehr nervös war. Der Junge balancierte das Tageslicht in seinen Händen, um sich daran zu gewöhnen, es zu tragen.
Schließlich kam der Tag, an dem er sich stark genug fühlte für die Tat, die er sich vorgenommen hatte. In jede Hand nahm er je zwei seiner Spielzeuge und balancierte sie aus. Er fühlte, dass er sie leicht tragen konnte. Dann, in einem Moment, als niemand hinschaute, flog er mit ihnen durch das Rauchloch hinaus. Er warf das Tageslicht von sich und verkündete: »Von nun an soll Tageslicht sein und die Menschen sollen sehen, und arbeiten und reisen. Nach der Dämmerung wird die Sonne aufgehen, und wenn sie untergeht, kommt die Nacht. Dann werden sich die Menschen ausruhen und schlafen, denn es wird schwer sein, zu arbeiten und zu reisen. Dann werden der Große Bär und der Mond reisen und Licht geben. Diese Dinge sollen nie wieder einem Einzigen allein gehören oder an einem Ort unter Verschluss gehalten werden. Sie sollen zum Nutzen und Vorteil aller sein.« Er warf das Tageslicht in den Norden, die Sonne in den Osten, den Mond nach Westen und den Bären in den Süden. Seit es Tageslicht gibt, erheben sich die Menschen und das Wild mit dem Tageslicht und legen sich bei Einbruch der Nacht zur Ruhe.
Rabe bemalt die Vögel
Nun rief Rabe alle Vögel zu einem großen Fest. Jeden bemalte er auf andere Weise – die Falken, die Eulen, die Adler, die Häher und alle Vögel, Groß und Klein. Dem Rotkehlchen malte er einen roten Fleck auf die Brust. Den Blauhäher malte er blau an und flocht sein Haar zu einem Knoten auf dem Kopf. Auch das Haar des Kragenhuhns band er zum Knoten. Dem Seeadler malte er den Kopf, Nacken und Rücken weiß, den Rest jedoch schwarz. Und so bemalte er alle Vögel auf unterschiedliche Weise. Er sagte den Vögeln: »Ich rief euch zu einem Festmahl. Nun will ich den Bären zerteilen und euch bewirten.« Doch er änderte seine Meinung und wollte sie nun nicht mehr bewirten. Stattdessen steigerte er sich in einen Rausch und wollte sie jagen. Die Vögel erschraken und rannten davon. So behielten sie die Farben, mit denen er sie bemalt hatte, bis zum heutigen Tag. Diejenigen Vögel, deren Haar zum Knoten gebunden worden waren, tragen heute Kämme.
Der Ursprung von Geburt und Tod
Einst waren der Baum und der Stein schwanger und die Geburt stand kurz bevor. Die Baum-Frau hielt sich an einem Ast oder Balken fest, wie auch Menschenfrauen es tun, doch die Stein-Frau hielt sich nirgendwo fest. Als es halb geboren war, verwandelte sich ihr Kind in einen Stein und starb. Kurze Zeit danach kam Rabe vorbei und fand die beiden Frauen. Er sprach: »Es tut mir leid. Ich kam zu spät. Wäre ich hier gewesen, wäre dies nicht passiert. Nun müssen die Menschen sterben, weil Baum ein Kind gebar, aber Stein nicht.« Hätte Stein ein Kind geboren aber Baum nicht, würden die Menschen niemals sterben. Dann wären Menschen wie die Steine und würden ewig währen. Doch so, wie die Dinge sind, sind Menschen wie die Bäume. Wie manche Bäume leben einige Menschen bis ins hohe Alter, vermodern und sterben. Andere hingegen sterben schon bevor sie ganz ausgewachsen sind, wie die Bäume, die stürzen, ohne je Moder anzusetzen. So kommt der Tod wie bei den Bäumen zu Menschen jeden Alters und niemand lebt sehr lange.
Rabe verliert seine Nase
Die Menschen hatten Angelleinen ausgeworfen, konnten jedoch keinen Fisch fangen. Ihre Köder, ja selbst ihre Haken und Leinen verschwanden. Eines Nachts hielten einige von ihnen Wache und behielten die Leinen in den Händen. Einer von ihnen fühlte eine Bewegung, riss an seiner Leine und erwischte Rabe bei der Nase, denn er war es, der all die Köder aufgegessen hatte. Die Fischer zogen die Leine so schnell ins Kanu, dass Rabe keine Zeit blieb, seine Nase zu befreien. Da er sich aber nicht fangen lassen wollte, zog er in die Gegenrichtung und riss sich die Nase ab. Die Leute stellten fest, dass sie eine Nase gefangen hatten, wussten aber nicht, zu wem sie gehörte. Sie brachten die Nase in ihr Dorf und gaben sie einem ihrer Häuptlinge, der ein weiser und reicher Mann war. Alle kamen zu seinem Haus, um die Nase anzuschauen, aber niemand erkannte sie.
Anstelle seiner Nase nahm Rabe einen Klumpen Pech, formte und färbte ihn. Dann ging er, seinen Hut tief ins Gesicht gezogen, ins Dorf. Er betrat das erste Haus. Die Leute sagten: »Du bist ein Fremder.« Er antwortete: »Ja, ich komme von einem anderen Ort.« Sie fragten ihn, aus welchem Land er käme und warum er gekommen sei. Er antwortete: »Oh, ich bin aus einem fernen Land gekommen, weil ich etwas gehört habe.« Sie fragten ihn, was er gehört habe. »Ich hörte, ihr habt etwas gefangen.« Sie antworteten: »Ja.« Er sagte: »Ich hörte, es ist ein sehr seltsamer Gegenstand. Ich will ihn sehen. Ich bin weit gereist, um dieses seltsame Ding zu sehen.« Sie wiesen ihn zum nächsten Haus. Auf diese Weise ging er durch alle Häuser, stellte dieselben Fragen und erhielt dieselben Antworten. Schließlich betrat er das Haus des Häuptlings. Dort hatten sich viele Menschen versammelt. Der Häuptling zeigte ihm die Nase und fragte ihn, ob er sie wiedererkennen würde. Rabe nahm sie in die Hand und untersuchte sie sehr lange und gründlich, während er zugleich seine Verwunderung über dieses seltsame Ding beteuerte. Als ein Moment kam, in dem die Leute abgelenkt waren, flog er mit der Nase durch das Rauchloch hinaus, setzte sich auf die obersten Zweige eines Baums und befestigte sie wieder an seinem Körper. Deshalb trägt die Nase des Raben heute ein Muster, als sei sie abgebrochen gewesen.
Als der Lachs ausblieb
von Pauline Johnson
Die »Wanderung« dieses Jahr war äußerst ertragreich gewesen, und inzwischen neigte sich die Rotlachssaison dem Ende zu. Deshalb wunderte ich mich mehr als einmal, warum meine alte Freundin, die ›Indianerin‹, sich keiner Fangflotte angeschlossen hattewar. So unermüdlich und arbeitsam wie sie war, machte sie für gewöhnlich sogar ihrem Mann, einem vortrefflichen Lachsfänger, Konkurrenz, und das gesamte Jahr über hatte sie kaum von etwas anderem als der bevorstehenden Wanderung gesprochen. Und dennoch befand sie sich ausgerechnet diesen Herbst nicht unter ihresgleichen. Die Fangflotten und Fischfabriken hatten nichts von ihr gehört, und jedes Mal, wenn ich jemanden aus ihrem Stamm fragte, erhielt ich lediglich die Antwort: »Sie ist dieses Jahr nicht dabei.«
An einem rotgoldenen Nachmittag im September aber sah ich sie schließlich. Ich war den Weg entlanggeschlendert, der vom Schwanenbecken bis um den Rand der Stromschnellen führt, als ich ihr elegantes, bogenförmiges Kanu erblickte, auf dem Weg zu dem Strand, wo die Tilikums2 der Mission am liebsten anlandeten. Ihr Kanu wirkte wie aus einem Traum, das Wasser ganz still, und über allem lag ein dünner, blauer Schleier, weil der Torf auf Lulu Island seit Tagen schwelte, sodass sein stechender Geruch und blaugrauer Dunst Meer, Ufer und Himmel in eine surreal anmutende Landschaft verwandelten.
Eilig lief ich am Ufer entlang, rief ihr in der Sprache der Chinook einen Gruß zu, und als sie mich hörte, hob sie das Paddel direkt über ihren Kopf als ›indianischen‹ Gruß.
Nachdem sie angelegt hatte, begrüßte ich sie, streckte die Hand aus, um ihr an Land zu helfen, denn die ›Indianerin‹ nähert sich allmählich einem fortgeschrittenen Alter; trotzdem paddelt sie noch wie ein junger Kerl gegen den Tidenstrom.
»Nein«, sagte sie, als ich sie bat, ans Ufer zu kommen. »Ich werde warten – ich. Ich komme nur, um Maarda abzuholen. Sie war in Stadt, sie bald kommen – jetzt.« Allerdings gab sie bei diesen Worten ihre aufrechte »Arbeits«-Haltung auf und hockte sich wie ein Schulmädchen in den Bug ihres Kanus, die Ellenbogen auf dem Paddel, das sie auf dem Dollbord abgelegt hatte.
»Ich habe dich vermisst, Indianerin. Drei Monde lang bist du nicht zu mir gekommen, hast weder gefischt noch bist du in der Konservenfabrik aufgetaucht«, bemerkte ich.
»Nein«, sagte sie. »Ich bleibe dieses Jahr zu Hause.« Dann beugte sie sich zu mir und fügte mit einer gewissen Bedeutungsschwere in ihrer Gestik, in ihren Augen und in ihrer Stimme hinzu: »Ich habe ein Enkelkind, in der ersten Juliwoche geboren, darum – bleibe ich.«
Das war also der Grund für ihre Abwesenheit. Selbstverständlich gratulierte ich ihr und erkundigte mich nach diesem besonderen Ereignis, denn schließlich war es ihr erstes Enkelkind und somit ist die kleine Person überaus wichtig.
»Und, wirst du aus ihm einen Fischer machen?«, fragte ich.
»Nein, nein, kein Jungen-Kind, es ist Mädchen-Kind«, antwortete sie mit einem gewissen unbeschreiblichen Gesichtsausdruck, der mich erahnen ließ, dass es ihr so lieber war.
»Du freust dich, dass es ein Mädchen ist?«, fragte ich überrascht.
»Sehr«, antwortete sie voller Überzeugung. »Ein Mädchen als erstes Enkelkind, sehr großes Glück. Unser Stamm ist nicht wie eurer; wir wollen Mädchen-Kinder zuerst. Wir wünschen nicht immer Knaben, geboren nur fürs Kämpfen. Deinen Leuten geht es nur um den Kriegspfad; unser Stamm ist friedlicher. Erstes Enkelkind ein Mädchen ist gutes Zeichen. Ich sage dir warum: Ein Mädchen-Kind wird vielleicht selbst eines Tages Mutter, Mutter sein ist große Sache.«
Ich fühlte, dass ich den geheimen Kern ihrer Gedanken verstanden hatte. Sie freute sich, dass dieses Kind eines Tages eine der Mütter ihres Volkes werden sollte. Wir sprachen noch etwas länger, wobei sie mehrmals Sticheleien gegen meinen Stamm austeilte, der das Muttersein viel weniger schätzte als ihrer, und dafür Schlachten und Blutvergießen umso mehr. Dann schweiften wir ab zu dem Rotlachs und hyiu chickimin3, das die ›Indianer‹ kriegen würden.
»Ja, hyiu chickimin«, wiederholte sie und seufzte zufrieden. »Immer, und hyiu muck-a-muck4, wenn große Lachswanderung. Hauptsache, das schlechte Jahr ganz ohne Fisch kommt nie wieder.«
»Wann war das?«, fragte ich.
»Vor deiner Geburt, und meiner, und«, dabei zeigte sie über den Park in Richtung Vancouver – eine Stadt, die an diesem Septembernachmittag Wohlstand und Schönheit ausstrahlte – »vor der Geburt dieses Ortes, bevor der weiße Mann herkam, oh, lange davor.«
Ach, liebe ›Indianerin‹! Ihr trüber Blick verriet mir, dass sie wieder ins Land der Legenden zurückgekehrt war und mein Schatz an ›Indianersagen‹ schon bald noch reicher sein würde. Sie saß, stützte sich immer noch auf das Paddel, die Augen halb geschlossen, den Blick auf die Umrisse der verschwommenen Berge auf der anderen Seite der Bucht gerichtet. Ich werde nicht weiter versuchen, ihr gebrochenes Englisch wiederzugeben, somit ist das hier lediglich ein trüber Spiegel ihrer Geschichte, die Legende ist ohne ihre persönliche Note, eine Blume, der es an Farbe und Duft zugleich fehlt. Sie nannte die Geschichte »Als die Lachswanderung ausblieb«.
Die Frau des Großen Tyee5 war ein blutjunges Mädchen, doch damals war einfach alles jung, selbst der Fraser River war jung und schmal, nicht der breite Strom von heute; doch der rosafarbene Lachs bevölkerte dessen Rachen schon damals, und die Tilikums fingen, pökelten und räucherten den Fisch so, wie sie es auch dieses Jahr taten und wie sie es immer tun werden. Der Winter war gekommen, die Regenfälle prasselten schräg herab und Nebelschwaden zogen über das Land, als sich die Frau des Großen Tyee vor ihn hinstellte und sagte:
»Vor der Lachswanderung werde ich dir ein großes Geschenk machen. Wirst du mir dankbarer sein für ein Jungen-Kind oder ein Mädchen-Kind?« Der Große Tyee liebte die Frau. Er war streng mit seiner Familie, streng zu seinem Stamm, leitete die Feuer-Versammlungen mit steinhartem Willen. Sein Medizinmann sagte, er trage kein menschliches Herz in seiner Brust; seine Kämpfer sagten, es fließe kein menschliches Blut in seinen Adern. Und doch umschloss er die Hände dieser Frau, und sein Blick, seine Lippen, seine Stimme waren so sanft wie die ihren, als er ihr antwortete:
»Schenke mir ein Mädchen-Kind – ein kleines Mädchen-Kind –, damit sie heranwächst und so wird wie du, und damit auch sie wiederum ihrem Ehemann Kinder schenkt.«
Als jedoch die Stammesmitglieder von dieser Wahl hörten, waren sie vor Ärger ganz aufgebracht. Voller Empörung umzingelten sie ihn in einem tiefen Kreis. »Du bist dieser Frau ein Sklave«, verkündeten sie, »und jetzt willst du dich zum Sklaven eines Frau-Kindes machen. Wir wollen einen Erben – ein Mann-Kind, der in den kommenden Jahren unser Großer Tyee wird. Wenn du alt und der Stammesangelegenheiten müde bist, wenn du in deine Decke gehüllt in der warmen Sommersonne sitzt, weil dein Blut alt und dünn ist, was kann ein Mädchen-Kind da für dich oder uns schon tun? Wer soll dann unser Großer Tyee werden?«
Und der Große Tyee stand mit verschränkten Armen inmitten dieses bedrohlichen Kreises, das Kinn stolz emporgereckt, der Blick felsenfest. Mit eiskalter Stimme entgegnete er:
»Vielleicht wird sie euch ein solches Mann-Kind schenken, und dann gehört jenes Kind euch; er wird euch gehören, nicht mir. Er wird dem Volk gehören. Aber wenn das Kind ein Mädchen wird, wird sie mir gehören – sie wird mein sein. Ihr könnte sie mir nicht wegnehmen, so wie ihr mich von der Seite meiner Mutter weggenommen und mich gezwungen habt, meinen gealterten Vater zu vergessen, um dem Stamm zu dienen. Sie wird mir gehören, die Mutter meiner Enkelkinder sein und ihr Mann wird mein Sohn sein.«
»Dir geht es nicht um das Wohl deines Stammes. Sondern nur um deine eigenen Wünsche«, protestierten sie. »Wenn die Lachswanderung nun kläglich ausfallen sollte, dann werden wir kein Essen haben, und wenn es dann kein Mann-Kind gibt, werden wir keinen Großen Tyee haben, der uns zeigt, wie wir von anderen Stämmen Essen bekommen, und somit werden wir verhungern.«
»Eure Herzen sind finster und blutleer«, erwiderte der Große Tyee darauf mit donnernder Stimme. Kampfbereit blickte er sie an: »Und eure Augen sind geblendet. Wollt ihr, dass der Stamm vergisst, wie bedeutend ein Kind ist, das eines Tages selbst Mutter sein und euren Kindern und Enkelkindern einen Großen Tyee schenken wird? Sollen die Menschen leben, wachsen und gedeihen, sollen sie sich vermehren und mächtiger werden ohne Mütter, die zukünftige Söhne und Töchter zur Welt bringen werden? Euer Geist ist tot, eure Hirne kalt. Doch selbst in dieser Ignoranz seid ihr noch meine Familie: Ihr und eure Wünsche müssen Beachtung finden. Ich werde alle großen Medizinmänner zusammenrufen, alle Hexenmeister und alle Zauberer. Sie sollen entscheiden, was passiert, je nachdem, ob es ein Jungen- oder ein Mädchen-Kind wird. Was sagt ihr dazu, ihr ach so mächtigen Männer?«
Entlang der Küste wurden Botschafter ausgesandt, den Fraser River hinauf und mehrere Meilen ins Landesinnere hinein, zu den Tälern, um all die weisen Männer einzuberufen, die sie finden konnten. Noch nie zuvor waren so viele Medizinmänner in einem Rat vereint. Sie machten große Feuer, tanzten und sangen mehrere Tage lang. Sie riefen die Götter der Berge, die Götter des Meeres an, bis sie schließlich eine »Eingebung« hatten. Sie stellten die Stammesmitglieder vor eine Wahl, und der älteste Medizinmann aus der gesamten Küstengegend erhob sich und verkündete ihren Beschluss:
»Der Stamm kann nicht alles haben. Sie wollen ein Jungen-Kind und eine ertragreiche Lachswanderung. Sie können nicht beides haben. Der Safalie Tyee, der große Mann der Magie, hat uns gezeigt, dass diese beiden Dinge zu Arroganz und Egoismus führen. Also muss der Stamm sich für eines entscheiden.«
»Ihr sollt wählen, ihr unwissenden Stammesmitglieder«, befahl der Große Tyee. »Die weisen Männer unserer Küste haben gesagt, dass das Mädchen-Kind eines Tages selbst Kinder zur Welt bringen und uns reichlich Lachs zum Zeitpunkt ihrer Geburt schenken wird, während ein Jungen-Kind lediglich sich selbst zu euch bringen wird.«
»Vergesst den Lachs«, riefen die Stammesmitglieder da, »aber schenkt uns einen neuen Großen Tyee. Schenkt uns ein Jungen-Kind.«
Und als das Kind geboren wurde, war es ein Knabe.
»Unheil wird euch heimsuchen«, wehklagte der Große Tyee. »Ihr habt eine Mutter verschmäht. Ihr werdet Unheil erfahren, an Hunger und Armut leiden, o ihr törichten Menschen! Wusstet ihr denn nicht, wie bedeutend ein Mädchen-Kind ist?«
In jenem Frühling reisten die Mitglieder dutzender Stämme zur Lachswanderung an den Fraser River. Sie kamen von weither – aus den Bergen, von den Seen, von den fernen trockenen Gebieten, doch kein einziger Fisch fand sich in den breiten Flüssen an der Pazifikküste. Die Stammesmitglieder hatten sich entschieden. Sie hatten vergessen, welche Ehre ihnen eine Mutter gebracht hätte. Sie hatten ihre Nahrung verspielt. Sie lebten in großer Armut. Im folgenden Winter litten sie Hunger. Seitdem ist die bevorstehende Geburt eines Mädchen-Kindes für unseren Stamm ein Grund zur Freude – wir wollen kein Jahr mehr, in dem der Lachs ausbleibt.
Als die ›Indianerin‹ ihre Geschichte beendet hatte, hob sie die Arme von dem Paddel, ihr Blick ließ von den verschwommenen Konturen der violett gefärbten Berge ab. Sie war wieder zurück in diesem guten Jahr – ihre Legendenwelt war verschwunden.
»Vielleicht«, fügte sie hinzu, »verstehst du jetzt, warum ich mich über ein Enkelin freue. Es bedeutet viel Lachs im nächsten Jahr.«
»Das ist eine wunderschöne Geschichte«, sagte ich, »und mich erfüllt eine diebische Freude, wenn ich daran denke, dass eure weisen Männer die Menschen für ihre törichten Entscheidungen bestraft haben.«
»Das liegt daran, dass du selbst ein Mädchen-Kind bist«, sagte sie und lachte.
Hinter mir hörte ich das leiseste Huschen eines Schrittes. Als ich mich umdrehte, stand Maarda fast neben mir. Mit steigender Flut löste sich das Kanu vom Uferboden, und als Maarda einstieg und die ›Indianerin‹ nach hinten rutschte, trieb es aufs Wasser hinaus.
»Kla-how-ya«, verabschiedete sich die ›Indianerin‹ und nickte mir zu, als sie das Paddel geräuschlos eintauchte.
»Kla-how-ya«, sagte auch Maarda lächelnd.
»Kla-how-ya, Tilikums«, erwiderte ich und schaute ihnen noch eine Weile nach, während das Kanu mit ihnen davontrieb, bis es schließlich in der verschwommenen Ferne mit dem Violett und Grau des anderen Ufers verschmolz.
Erzählungen der Eskimo
von Franz Boas 6
Sedna und der Eissturmvogel
An einer einsamen Küste lebte einst ein Inung mit seiner Tochter Sedna. Seine Frau war schon lange tot und die beiden führten ein bescheidenes Leben. Sedna wuchs zu einem hübschen Mädchen heran und von überall her kamen die jungen Männer und warben um ihre Hand. Doch keinem gelang es, ihr stolzes Herz zu rühren. Schließlich – zu jener Zeit, wenn im Frühling das Eis bricht – flog ein Eissturmvogel heran und lockte Sedna mit einem verführerischen Lied. »Komm mit mir«, flüsterte er, »komm ins Land der Vögel, wo es nie Hunger gibt und mein Zelt aus den allerschönsten Fellen besteht. Du wirst auf weichen Bärenfellen ruhen. Meine Gefährten, die Eissturmvögel, werden dir alles bringen, was dein Herz begehrt: Ihre Federn werden deine Kleider sein, deine Lampe soll stets mit Öl und dein Topf mit Fleisch gefüllt sein.«
Sedna konnte diesem Locken nicht lange widerstehen und gemeinsam überquerten sie die weite See. Als sie schließlich nach einer langen und anstrengenden Reise das Land der Eissturmvögel erreichten, entdeckte Sedna, dass ihr Gatte sie schändlich getäuscht hatte. Ihr neues Haus war nicht aus schönen Pelzen gebaut, sondern mit dürftigen Fischhäuten bedeckt, die voller Löcher waren, durch die Wind und Schnee eindrang. Anstelle weicher Rentierfelle bestand ihr Bett aus harten Walross-Decken und sie musste von mickrigen Fischen leben, die ihr die Vögel brachten. Schon bald begriff sie, dass sie all ihre Möglichkeiten vertan hatte, als sie im falschen Stolz die Jugendlichen der Inuit abgewiesen hatte. In ihrem Schmerz sang sie: »Aja. O Vater, wenn du wüsstest, wie elend es mir geht, würdest du zu mir kommen und wir würden in deinem Boot über das Wasser fliehen. Die Vögel sind nicht freundlich zu mir, der Fremden, kalte Winde fegen über mein Bett, und ich bekomme nur erbärmliches Essen. Oh, komm doch und bring mich nach Hause. Aja.«
Als ein Jahr vergangen war, wurde die See erneut von warmen Winden aus ihrer Erstarrung geweckt und Sednas Vater verließ seine Heimat, um sie zu besuchen. Seine Tochter begrüßte ihn voller Freude und bat ihn flehentlich, sie mit nach Hause zu nehmen. Als der Vater von den Freveltaten erfuhr, die seiner Tochter widerfahren waren, sann er auf Rache. Er tötete den Eissturmvogel, nahm Sedna in sein Boot und verließ mit ihr schnell das Land, das ihr so viel Unglück gebracht hatte. Als die anderen Eisvögel heimkamen, ihren Gefährten tot vorfanden und seine Frau verschwunden war, flogen sie alle los, um nach den Flüchtlingen zu suchen. Sie trauerten sehr über den Tod ihres armen ermordeten Gefährten und klagen und schreien bis zum heutigen Tag.
Schon bald entdeckten sie das Boot und wühlten einen schweren Sturm auf. Die See türmte sich zu gewaltigen Wogen, die dem Paar mit der Vernichtung drohten. In dieser tödlichen Gefahr entschied sich der Vater, Sedna den Vögeln zu opfern und warf sie über Bord. In Todesangst klammerte sie sich an den Rand des Boots. Der grausame Vater griff daraufhin nach einem Messer und schnitt ihre Fingerkuppen ab. Sie fielen ins Meer und verwandelten sich in Wale, aus den Fingernägeln wurden die Walknochen. Sedna klammerte sich noch stärker an das Boot, nun schnitt der Vater durch die mittleren Fingergelenke, und sie schwammen als Robben (Pagomys foetidus) davon. Als der Vater schließlich den Rest der Finger abtrennte, verwandelten sie sich in Bartrobben (Phoca barbata). In der Zwischenzeit hatte der Sturm nachgelassen, denn die Eisvögel glaubten, dass Sedna ertrunken war. Da erlaubte der Vater ihr, zurück ins Boot zu kommen. Doch von jener Zeit an hasste sie ihn aus tiefstem Herzen und schwor bittere Rache. Als sie angelegt hatten, rief Sedna ihre Hunde und ließ sie ihres Vaters Hände und Füße abfressen während er schlief. Daraufhin verfluchte er sich selbst, seine Tochter und die Hunde, die ihn verkrüppelt hatten, worauf sich die Erde auftat und Hütte, Vater, Tochter und Hunde verschlang. Seitdem leben sie im Lande Adlivun, über das Sedna7 herrscht.
Die Sonne und die Sterne
In alter Zeit lebten ein Bruder und seine Schwester in einem großen Dorf, in dem es auch ein Haus des Gesangs gab. Jede Nacht vergnügten sich die Schwester und ihre Spielgefährten in diesem Haus. Einmal geschah es, als alle Lampen im Haus des Gesangs verloschen waren, dass jemand hereinkam und sich an ihr verging. Sie konnte ihn nicht erkennen, aber sie schwärzte ihre Hände mit Ruß, und als das gleiche noch einmal passierte, beschmierte sie damit den Rücken des Mannes. Als die Lampen wieder brannten, erkannte sie, dass der Schänder ihr Bruder war. Voller Wut schärfte sie ein Messer, schnitt sich die Brüste ab und bot sie ihm mit folgenden Worten an: »Da du nach mir zu gieren scheinst, iss dies!« Ihr Bruder geriet in Wahn, und sie floh vor ihm, rannte im Raum hin und her. Sie griff nach einem hell brennenden Holzstock (mit dem die Lampen versorgt werden) und rannte aus dem Haus. Ihr Bruder griff nach einem anderen Stock, doch bei der Verfolgung stürzte er und sein Licht verlosch, bis es nur noch schwach glomm. Immer weiter wurden beide in die Höhe gehoben und setzten ihre Wege im Himmel fort: Die Schwester verwandelte sich in die Sonne und der Bruder in den Mond. Jedes Mal beim Erscheinen des neuen Mondes singt sie:
Aningaga tapika, takirn tapika qaumidjatedlirpoq; qaumatitaudle.
Aningaga tapika, tikipoq tapika.
Mein Bruder dort oben, der Mond dort oben beginnt
zu scheinen, er wird leuchten.
Mein Bruder dort oben, er geht nach dort oben.
Die Cree-Legende von Wisukatcak
von John MacLean
Von den vielen interessanten Legenden und Überlieferungen, die uns ›Indianer‹ erzählen, möchte ich folgende wiedergeben: Henry B. Steinhauer, ein in die Jahre gekommener Missionar, erzählte Dr. Sutherland jene Legende, als sie den Saskatchewan River hinuntersegelten. Es handelt sich um die Legende von Wisukatcak, der als übernatürliches Wesen gilt, ähnlich dem Alten Mann bei den Blackfeet.
Zwar wissen wir nur sehr wenig über seine Herkunft, aber er hatte einen Vater, eine Mutter und einen Bruder. Wie in jeder Familie gab es auch in seiner hin und wieder Streitigkeiten, und während einer dieser Auseinandersetzungen tötete der alte Mann seine Frau und schnitt ihr den Kopf ab. Dann sagte er zu Wisukatcak, er solle seinen kleinen Bruder nehmen und fortgehen. Er gab ihm zudem noch einen Feuerstein mit, ein Funkeneisen und eine Ahle und erklärte ihm:
»Wenn der Kopf deiner Mutter dir folgt, dann wirf zuerst den Feuerstein, dann das Funkeneisen und dann die Ahle hinter dich, und wiederhole diese Worte!«
Der Vater nannte ihm die Worte, und Wisukatcak nahm seinen kleinen Bruder, den Feuerstein, das Funkeneisen und die Ahle und ging fort. Natürlich rollte der Kopf seiner Mutter den beiden nach, und sie rief ihre Kinder zu sich. Also warf Wisukatcak den Feuerstein hinter sich und rief:
»Möge eine große Wand aus Fels die Erde umgeben!«
Gesagt getan. Eine große Felswand wuchs empor, und so entstanden die Rocky Mountains, die sich bis heute über diesen Kontinent erstrecken.
Als der Kopf gegen die Felswand stieß, konnte er diese nicht auf Anhieb überwinden. Doch beharrlich versuchte er es weiter, bis es ihm schließlich gelang und er weiterrollen konnte. Da warf Wisukatcak das Funkeneisen hinter sich und rief:
»Möge ein großes Feuer entflammen und sich über die Erde ausbreiten!«
Also entflammte ein großes Feuer, dessen Überreste sich heute in den zahlreichen Vulkanen der Sierra und der Rocky Mountains zeigen. Als der Kopf sich dem Feuer näherte, hielt er an. Doch nach einer Weile hatte er das Feuer, wenn auch versengt und geröstet, durchquert und rollte weiter, während die Mutter nach ihren Kindern rief. Da warf Wisukatcak die Ahle hinter sich und rief:
»Möge eine hohe Dornenhecke wachsen und die Erde umspannen!«
Auf einmal sprossen Dornenranken aus dem Boden und wuchsen zu einer undurchdringlichen Hecke, heute noch erkennbar in den Riesenkakteen im Süden. Doch irgendwie zwängte sich der Kopf auch durch diese dichte Hecke, rollte weiter, rief nach den Kindern. Nach einer Weile gelangten Wisukatcak und sein Bruder an einen breiten Fluss, und als sie einen Pelikan erblickten, der dort umherschwamm, sagte Wisukatcak:
»Großvater, bring uns auf die andere Seite, denn unsere Mutter ist hinter uns her und will uns töten.«
Also kletterten sie auf den Rücken des Pelikans und gelangten so sicher ans andere Ufer.
Nach einer Weile erreichte auch der Kopf den Fluss, und als die Mutter den Pelikan sah, sagte sie: »Ich verfolge meine Kinder. Bring mich zum anderen Ufer und ich heirate dich.«
Aber der Pelikan schien daran nicht sonderlich interessiert zu sein, denn er schwamm nur ganz langsam. Der Kopf wollte, dass er sich beeile, doch er entgegnete nur: »Du musst stillsitzen, mein Hals schmerzt.«
In der Mitte des Flusses lagen einige Felsen, und auf einmal warf der Pelikan seine Last dort ab, sodass der Kopf zerbrach. Bis heute kann man das Gehirn noch in den Unmengen Schaum erkennen, der bei Hochwasser auf dem Fluss dahintreibt. Das war das Ende von Wisukatcaks Mutter.
Wisukatcak und sein Bruder zogen weiter, bis sie an einen wunderschönen See mit einem Sandstrand kamen, wo sie blieben. Wisukatcak tat alles, um seinen kleinen Bruder aufzuheitern. Unter anderem fertigte er für ihn einen Ball an. Als sie eines Tages damit spielten, fiel der Ball in ein Kanu, das ihnen zuvor nicht aufgefallen war und in dem ein alter Mann namens Wamishus saß. Wisukatcak rief ihm zu:
»Wirf den Ball meines Bruders zurück. Er will damit spielen.«
Doch Wamishus antwortete:
»Steige ins Kanu und hole ihn dir selbst.« Wisukatcak weigerte sich. Da sagte der alte Mann: »Dann schick deinen Bruder, dass er den Ball holt.«
Doch als auch der Bruder sich weigerte, ging Wisukatcak letztendlich selbst. Wamishus legte das Paddel ans Ufer und sagte:
»Steige hier drauf, dann kannst du ins Kanu klettern.«
Das tat Wisukatcak, doch als er es beinahe geschafft hatte, kippte der alte Mann das Paddel auf einmal um und schubste Wisukatcak so ins Kanu. Und mit einem kräftigen Schlag glitt das Kanu hinaus auf den See. Wisukatcaks Bruder sah, wie sie das Ufer hinter sich ließen, und rief:
»Bruder! Bruder! Komm zurück oder ich verwandele mich in einen Wolf! Ich verwandele mich in einen Wolf! Wu-hu-hu!«
Und er gab ein langes Heulen von sich, so als wäre er bereits ein Wolf. Doch Wisukatcak konnte nicht zurückkommen.
Lange Zeit blieb er fort, dann kehrte er zurück, doch niemand weiß, wann oder wie. Als er am Strand angelegt hatte, machte er sich auf die Suche nach seinem Bruder, fand aber lediglich Wolfsspuren am Ufer. Kurz darauf hörte er einen Wolf heulen, und schon bald traf er ihn, erkannte in dem Tier seinen Bruder, und von da an waren die beiden Gefährten.
Einige Zeit später kamen sie an einen anderen See, wo Wisukatcak Pfeile und Bögen für seinen Bruder anfertigte, damit dieser damit spielen konnte, und er sagte zu ihm:
»Schieß die Pfeile nicht ins Wasser. Wenn du das tust, dann suche sie zumindest nicht, sonst widerfährt dir großes Unheil.«
Doch kleine Wölfe sind – wie junge Knaben – manchmal sehr eigenwillig. Und so schoss Wisukatcaks Bruder eines Tages, trotz der Warnung seines großen Bruders, einen Pfeil ins Wasser und wollte ihn zurückholen. Als er nach ihm griff, wurde er von einem der Löwen, die im Wasser lebten, getötet. Und der Löwe hing die Haut von Wisukatcaks Bruder an den Eingang seines Zeltes!
Wisukatcak suchte das ganze Ufer nach seinem Bruder ab. Als er sah, wie ein Eisvogel konzentriert aufs Wasser blickte, fragte er:
»Was beobachtest du?«
Und der Eisvogel antwortete ihm:
»Kleine Löwen, die mit der Haut von Wisukatcaks Bruder spielen.«
»Kommen die je ans Ufer?«, fragte Wisukatcak.
»Ja«, sagte der Eisvogel. »An sehr warmen Tagen gehen sie ans Ufer, um sich am Strand zu sonnen.«
Da erwiderte Wisukatcak: »Wenn du mir zeigst, wo sie ans Ufer gehen, werde ich dich anmalen und in einen wunderschönen Vogel verwandeln.«
Also zeigte der Eisvogel Wisukatcak die Stelle, und Wisukatcak malte ihn wie versprochen an, sodass er sich in einen wunderschönen Vogel verwandelte, mit einem Kragen aus einer weißen Wampum-Muschelkette um den Hals und einem Büschel Federn auf dem Kopf. Dann nahm Wisukatcak Pfeil und Bogen und begab sich zu der Stelle, wo die Löwen ans Ufer kamen. Er verwandelte sich selbst in einen Baumstumpf und wartete. An einem heißen Tag kamen viele Löwen ans Ufer, und als sie den Baumstumpf erblickten, sagte einer von ihnen:
»Warum sollte hier auf einmal ein Baumstumpf stehen, wo vorher nie einer stand?«
Und ein anderer Löwe meinte:
»Los, reißen wir ihn um.«
Und das taten sie: Sie kratzten und zerrten an dem armen Wisukatcak, bis er nahezu in Stücke gerissen war. Dann wurden sie müde und legten sich schlafen. Als Wisukatcak sah, dass sie schliefen, griff er sich seinen Bogen, zielte auf den Löwenkönig und jagte einen Pfeil tief in dessen Flanke, woraufhin der Löwe laut brüllte und alle zurück ins Wasser eilten, während Wisukatcak zu seinem Zelt zurückkehrte.
Am nächsten Tag ging er erneut zum Ufer, wobei er auf dem Weg dorthin eine Kröte in Gestalt einer alten Frau traf. Sie schüttelte eine Rassel und sang dazu »Ich bin die rasselnde Stachel.«
»Großmütterchen«, sagte Wisukatcak, »wohin des Weges?«
»Ach«, antwortete sie, »ich zaubere den König der Löwen herbei, der gestern von Wisukatcak verletzt wurde.«
»Kannst du mir die Zeit lehren, und wie man die Rassel gebraucht?«, fragte Wisukatcak.
Die Alte stimmte zu, doch sobald Wisukatcak die Zeit gelernt und den Gebrauch der Rassel gelernt hatte, tötete er die alte Frau, zog ihr die Haut ab und hüllte sich in sie. Dann nahm er die Rassel und stieg ins Wasser hinab, dorthin, wo die Seelöwen wohnten. Als er zum Haus des Löwenkönigs kam, sah er die Haut seines Bruders, die am Eingang des Zelts hing. Er ging hinein und sagte den anderen Löwen, sie sollen eine Trennwand errichten, denn er müsse allein sein, wenn er einen Zauber anwenden würde, um die Wunde des Königs zu heilen. Also errichteten sie eine Trennwand im Zelt und ließen Wisukatcak allein mit dem Löwenkönig. Daraufhin begann Wisukatcak, die Rassel zu schütteln und »Ich bin der rasselnde Stachel« zu singen. Doch statt den Pfeil aus der Wunde herauszuziehen, stieß er ihn tiefer hinein. Da rief der Löwenkönig laut, Wisukatcak wolle ihn töten, woraufhin alle anderen Löwen aufgebracht ins Zelt stürzten. Wisukatcak konnte bloß noch die Haut seines Bruders packen und um sein Leben rennen. Doch während er rannte, verwandelte er seinen Bruder zurück in einen lebenden Wolf. Als Wisukatcak das Ufer erreichte, schickten die Löwen eine große Flutwelle hinter ihm her, die höher und höher wurde. Er kletterte auf die höchsten Berge, um ihr zu entkommen, doch das Wasser stieg weiter an. Da sammelte er alle Äste und Holzstücke ein, die er finden konnte, und baute ein Floß. Er ließ sich auf dem Floß treiben und sah, wie das Wasser nach und nach alle Gipfel bedeckte und die Welt überflutete!
Nach einer Weile fragte Wisukatcak sich, was er tun sollte. Als er sich umschaute, erblickte er einige Wassertiere, die nicht ertrunken waren. Also rief er den Biber, den Otter und die Bisamratte zu sich aufs Floß. Dann sagte er zum Biber:
»Schwimm zum Boden und versuch, etwas Erde hinaufzubringen.«
Da tauchte der Biber unter und blieb lange Zeit fort. Als er schließlich wieder auftauchte, war er tot. Wisukatcak sah sich Maul und Pfoten des Bibers genau an, fand jedoch keine Erde. Dann sprach er zum Otter:
»Schwimm zum Boden und versuch, etwas Erde hinaufzubringen.«
Also tauchte der Otter unter, aber auch er kehrte tot zurück, mit leeren Pfoten. Zuletzt schickte Wisukatcak die Bisamratte hinunter, und auch sie blieb lange Zeit unter Wasser, bevor sie tot wieder auftauchte. Doch als Wisukatcak sie genauer untersuchte, fand er an den Pfoten und im Maul ein wenig Schlamm.
Daraufhin nahm Wisukatcak den Biber, den Otter und die Bisamratte, hauchte ihnen neues Leben ein, nahm den Schlamm, den die Bisamratte heraufgebracht hatte, formte ihn zu einer kleinen Kugel, legte diese auf sein Floß und pustete auf den Schlamm. Je länger er pustete, desto größer wurde die Kugel, bis sie schließlich riesengroß war.
Da sprach Wisukatcak zum Wolf:
»Mein Bruder, renne um diese Welt, die ich erschaffen habe, und sieh, wie groß sie ist.«
Also rannte der Wolf einmal um die Erde. Er brauchte lange dafür, kehrte jedoch schließlich zurück und sagte:
»Die Welt ist sehr groß.«
Doch Wisukatcak fand sie noch nicht groß genug. Deshalb pustete er von neuem, sodass sie noch viel größer wurde. Dann schickte er eine Krähe los, und sprach:
»Fliege um meine Welt und sieh, wie groß sie ist.« Also flog die Krähe los, kehrte jedoch nie zurück, und Wisukatcak entschied, dass die Welt nun groß genug war.
Das ist die Geschichte von Wisukatcak, der die Welt überflutete und neu erschuf.
Überlieferungen der Shushwap
von Franz Boas
Tlē’esa
Es war einmal eine Frau, die hatte vier Söhne. Der älteste hieß Tlē’esa. Die jungen Männer wollten die Welt durchwandern. Da warf ihre Mutter ein Zaubermittel auf sie, um sie stark zu machen. Sie traf die drei jüngsten, den ältesten aber verfehlte sie und er ward sogleich in einen Hund verwandelt. Sie sagte ihnen dann alles voraus, was ihnen begegnen würde.
Die jungen Männer machten sich nun auf und wanderten vom Shushwap See aus den South Thompson River hinab. Bald kamen sie zum Hause des »Woodchuck« (Waldmurmeltier). Dasselbe stand gerade zwischen zwei Felsen. Wenn jemand kam, so zog das Woodchuck sich in sein Haus zurück, und wenn man ihm folgte, um es zu fangen, so schlugen die Felsen zusammen und töteten den Eindringling. Tlē’esa sprach, als er viele Woodchucks auf den Felsen umherspielen sah: »Ich will hingehen und sie fangen.« Seine Brüder warnten ihn und erinnerten ihn daran, dass seine Mutter ihnen erzählt habe, das Woodchuck töte jeden, der es angreife; er ließ sich aber nicht halten und lief fort, sie zu fangen. Die Woodchucks zogen sich in ihr Haus zwischen den Felsen zurück. Da nahm Tlē’esa seine Lanze mit Steinspitze und stemmte dieselbe quer zwischen die Felsen, die nun nicht mehr zusammenschlagen konnten. Dann fing er die Woodchucks und erschlug sie mit dem Hammer, der von seinem Handgelenk herabhing. Er warf sie dann aus der Felsspalte heraus und seine Brüder nahmen sie auf. Tlē’esa sprach: »Künftighin sollt Ihr keine Menschen mehr töten. Ihr sollt Woodchucks sein und den Menschen zur Nahrung dienen.« Während er noch in der Felsspalte mit den Woodchucks kämpfte, machten seine Brüder ein großes Feuer, brieten die Tiere und hatten die besten aufgegessen, als Tlē’esa endlich wieder aus der Felsspalte zum Vorschein kam. Tlē’esa sagte nichts, sondern nahm, was übrig geblieben war.
Dann gingen sie weiter den Fluß hinab. Als sie nach Ducks kamen, sahen sie dort eine Frau auf einem Felsen sitzen und singen. Tlē’esa sagte: »Ich will sie fangen.« Wieder warnten ihn seine Brüder, er ließ sich aber nicht zurückhalten. Er ging den Berg hinauf und sammelte viele Tannenzapfen. Die Frau lachte ihn an und ging eben so rasch rückwärts, wie er den Berg erklomm. Seine Brüder folgten ihm. Endlich hielt die Frau still. Als Tlē’esa ihr nun nahe kam, krochen plötzlich eine ungeheure Menge Klapperschlangen aus ihren Löchern und gingen auf ihn los. Er aber tötete alle mit seinen Tannenzapfen. Während er noch mit den Schlangen kämpfte, liefen seine Brüder weiter und fingen die Frau für sich. Tlē’esa sagte nichts zu seinen Brüdern. Er sprach nur zu der Frau: »Du wirst von jetzt ab niemand mehr töten. Wenn ein Mann Dich haben will, wird er Dich nehmen und Du sollst ihm nichts anhaben können.«
Die Brüder gingen weiter den Fluß hinab. Als sie nach einem Orte, etwas oberhalb Kamloops kamen, sahen sie ein unterirdisches Haus, neben dem eine große Stange stand. Hier wohnten der graue Bär und der Coyote. Die Bären sahen sie kommen und die drei Brüder traten ein. Sie banden Tlē’esa vor der Türe fest, und bedeckten ihn über und über mit Steinmessern, sogar seinen Schwanz und seine Zähne. Nach einiger Zeit lud der Bär sie zu einem Wettkampf ein. Sie sollten an der Stange, die vor dem Hause stand, hinaufklettern. Zuerst kletterte der zweite Bruder mit dem Bären zusammen hinauf. Als sie fast oben waren, fasste ihn der Bär und tötete ihn. Der Leichnam fiel von der Stange herunter. Als Tlē’esa das sah, ward er sehr zornig. Er heulte und fletschte seine Zähne. Da rief Coyote: »Ich fürchte, der Hund wird uns auffressen. Er wird ganz wild.« Tlē’esa berührte Coyote nur mit seinem Körper, da blutete jener sogleich. Die Steinmesser hatten ihn geschnitten. Nun kletterte der dritte Bruder mit dem Bären die Stange hinauf. Es erging ihm nicht besser, als dem ersten Bruder, und den vierten ereilte dasselbe Schicksal. Nun war nur der Hund Tlē’esa übrig geblieben. Er schnitt das Seil durch, mit dem er festgebunden war und kletterte mit dem Bären hinauf. Als sie fast oben waren, schnitt er den Bären mitten durch, sodass ein Teil rechts, der andere links niederfiel. Vier Bären kletterten mit ihm um die Wette, aber er tötete alle. Dann legte er die Gliedmaßen seiner Brüder zusammen, sprang über sie fort und sie wurden wieder lebendig.
Die Brüder wanderten weiter und gelangten nach Cherry Creek. Dort sahen sie ein unterirdisches Haus, in dem wohnte das Kaninchen. Tlē’esa sagte: »Ich werde hineingehen. Ich will das Kaninchen zu Abend essen.« Wieder warnten ihn seine Brüder, er ließ sich aber nicht zurückhalten. Er nahm einen flachen Stein, bedeckte seinen Bauch und seine Brust damit und ging hinein. Die Brüder blieben draußen stehen und lugten in das Haus. Das Kaninchen lag auf dem Rücken mit übereinandergeschlagenen Beinen. Es hatte etwas Fleisch hinter sich liegen. Als es Tlē’esa eintreten sah, rief es: »Hollah Fremder! Woher kommst Du? Wohin gehst Du?« Jener versetzte: »O, ich reise nur zu meinem Vergnügen umher.« »Gewiss bist Du hungrig. Hier hinter mir liegt Fleisch; nimm Dir davon!« Als Tlē’esa nun herankam und von dem Fleische nehmen wollte, trat ihn das Kaninchen vor die Brust. So pflegte es alle Fremden zu töten, die sein Haus besuchten. Sein Bein schlug immer gerade durch die Brust hindurch. Dieses Mal aber zerschlug es sein Bein an dem Steine, der Tlē’esas Brust bedeckte. Es fing an zu schreien. Tlē’esa ergriff es an dem anderen Beine, schlug es gegen die Wand und rief: »Bis jetzt hast du Menschen getötet. Nun töte ich Dich und werde Dich essen.« Er warf es zum Hause hinaus. Da nahmen seine Brüder es auf, und kochten und aßen es, ehe Tlē’esa herauskam.
Die Brüder gingen weiter und kamen nach Savaners Ferry. Dort stand ein großes Elch mit gespreizten Beinen über dem Flusse und tötete alle, die über den Fluss zu gehen versuchten. Es zog die Boote ans Land und verschlang sie. Als die Brüder dort ankamen, wussten sie nicht, wie sie vorankommen sollten. Tlē’esa sprach: »Ich werde ein Floß bauen und hinunter fahren.« Seine Brüder wollten es nicht erlauben. Er aber kümmerte sich nicht um sie, sondern machte ein Floß. Als er fertig war, stieg er darauf und ließ es den Fluss hinab treiben. Als er dicht an das Elch herankam, schlürfte dasselbe das Floß und Tlē’esa herunter. Da weinten die Brüder, denn sie glaubten, er sei tot. Die Stangen des Floßes gingen aber geradeswegs durch das Elch hindurch. Tlē’esa machte drinnen ein Feuer an und kochte sich ein gutes Mahl. Dann ergriff er das Herz des Elch und drückte daran. Da fing es an von einer Seite des Flusses zur anderen zu schwanken. Als die Brüder das sahen, sprachen sie zu einander: »Was mag mit dem Elch geschehen sein?« Als es nun wieder zu der Seite hinüber schwankte, wo die Brüder standen, schnitt Tlē’esa das Herz ab und es fiel tot nieder. Die Brüder zogen es ab und schnitten es auf. Als sie nun den Magen öffnen wollten, rief Tlē’esa: »Passt auf und schneidet mich nicht!« Da öffneten sie den Magen vorsichtig und fanden nun, dass Tlē’esa sich drinnen ein Mahl bereitet hatte. Die Brüder aßen ihm alles auf.
Sie gingen nun über den Fluss. Bald erblickten sie einen »Tabaksbaum«. Ein Ast desselben schwang im Kreise umher, sobald jemand versuchte, Tabak zu holen, und erschlug ihn. Tlē’esa nahm einen kleinen Stock und ging zu dem Baum hinauf. Als der Ast zu schwingen begann, schlug er ihn mit dem Stocke durch und warf ihn in den Fluss. Dann warf er den Baum mit seinem Stocke um, indem er ihn ausgrub. Da kamen die Brüder herauf und nahmen allen Tabak ab. Tlē’esa bekam nichts.
Die Brüder gingen dann den Bonaparte Creek hinauf. Dort ist ein steiler Felsen, auf dem lebte die Bergziege, die alle tötete, die sie zu fangen versuchten. Am Fuße des Felsens war ein Hund, der die Vorübergehenden biss. Tlē’esa sprach: »Ich will die Bergziege töten und das Fett mit meinem Tabak mischen.« Die Brüder glaubten, er werde den Fels nicht ersteigen können. Er ließ sich aber nicht abhalten und ging, das Abenteuer zu bestehen. Als der Hund ihn beißen wollte, spießte er ihn auf seinen Stock auf und warf ihn zu Boden, indem er rief: »Du wirst niemand mehr töten! Künftig sollen die Menschen Dich benutzen.« Er kletterte den Fels hinauf. Als die Ziege seiner ansichtig wurde, wollte sie ihn hinunterwerfen. Er aber spießte sie auf seinen Stock auf und zertrümmerte mit seinem Hammer ihren Kopf. Dann warf er sie den Berg hinunter und sprach: »Du sollst niemand mehr töten. Künftig sollen die Menschen Dich töten und verzehren.« Sie kam ganz zerrissen unten an. Die Brüder hoben sie auf und nahmen alles Fett, das sie mit ihrem Tabak mischten. So blieb für Tlē’esa nichts übrig.
Die Brüder wanderten weiter und kamen zu »Johnny Wilsons Place«. Sie gingen oben am Berghang entlang und sahen einen Mann unten am Flussufer gehen. Da sprachen die Brüder zu einander: »Lasst uns ihn zum Besten haben!« und sie warfen große Felsen nach ihm. Als der Staub sich verzog, sahen sie ihn weiter gehen, als ob nichts geschehen sei. Einer nach dem andern versuchte ihn zu treffen. Sie konnten ihm aber nichts anhaben, obwohl sie zuletzt einen großen Bergsturz zu Tal gehen ließen. Da ging Tlē’esa hinab, um den Fremden zu sehen. Er sah, dass jener einen kleinen Korb auf dem Rücken trug, nicht grösser als eine Faust. Er sprach: »Wer bist Du? Wir haben versucht, Dich zum Besten zu haben, konnten es aber nicht.« Jener sagte, er heiße Tkumenaā’lst, und lud Tlē’esa und die Brüder zum Essen ein. Er tat Wurzeln und Beeren in seinen Korb und legte Steine ins Feuer. Als das Essen fertig war, sprach einer der Brüder: »Wenn ich einen Bissen nehme, wird nichts mehr da sein.« Als er aber einen Löffel voll aus dem Korbe genommen hatte, ward derselbe sofort wieder voll. Nachdem alle sich satt gegessen hatten, wanderten sie zusammen weiter.
Bald gelangten sie nach Hat Creek. Daselbst ist eine steile Felswand. Tlē’esa sagte: »Lasst uns hier etwas spielen!« Tkumenaā’lst frug, was sie spielen sollten, und Tlē’esa antwortete, sie wollten versuchen, den Kopf in den Felsen zu rennen. Zuerst versuchten es die drei Brüder. Sie machten einen schwachen Eindruck in den Felsen. Dann versuchte es Tlē’esa und sein Kopf drang bis über die Ohren in das Gestein ein. Tkumenaā’lst aber drang noch weiter, bis an seine Schultern ein.
Dann gingen sie weiter und kamen nach Fountain Trail. Dort hatte ein Adler sein Nest auf einem steilen Felsen. Tlē’esa sprach: »Ich will seine Federn holen und meinen Mantel damit besetzen.« Seine Brüder warnten ihn. Er aber ließ sich nicht abhalten. Er nahm seinen Stab, etwas rote und weiße Farbe und setzte sich unter den Felsen. Da sahen die Brüder, wie der Adler sich auf ihn herabstürzte. Er trug ihn in die Höhe und kreiste mit ihm. Er wollte ihn dann an dem Felsen zerschmettern. Als er nun aber an den Felsen heranflog und Tlē’esa dagegen schlagen wollte, stemmte dieser seinen Stab gegen den Felsen und entkam so unverletzt. Er spie etwas rote Farbe, die er in den Mund genommen hatte, gegen den Felsen und da glaubten der Adler und die Brüder, es sei sein Blut. Der Adler flog nochmals in weitem Kreise mit ihm herum, um ihn gegen den Felsen zu schlagen. Wieder stemmte Tlē’esa seinen Stab dagegen und spie dieses Mal weiße Farbe gegen den Felsen. Da glaubten der Adler und die Brüder, es sei sein Gehirn. Er trug ihn dann in sein Nest und flog wieder von dannen. Die jungen Adler wollten ihn fressen. Da zeigte er aber seinen Hammer und sprach: »Nun rührt mich nicht an, sonst schlage ich Euch tot. Wenn Eure Mutter kommt, bittet sie, sie solle sich auf den Rand des Nestes setzen, und wenn sie fragt, warum Ihr mich nicht gefressen habt, sagt nicht, dass ich noch lebe« Die jungen Adler fürchteten sich und versprachen zu gehorchen. Bald kam die Alte heim und brachte ihnen Bären und Hirsche. Als sie Tlē’esa noch im Neste liegen sah, fragte sie ihre Jungen, warum sie ihn nicht gefressen hätten. Dann flog sie wieder fort. Tlē’esa aß mit den Jungen von den Bären und Hirschen. Als nun die Alte wieder kam, baten die Jungen sie, sich an den Rand des Nestes zu setzen. Da schlug Tlē’esa sie mit seinem Hammer tot und sie fiel vom Felsen herab. Tlē’esas Brüder nahmen den Adler auf, rupften ihm die Federn aus und ließen nichts für Tlē’esa übrig. Dieser saß nun im Neste und wußte nicht, wie er wieder herunter kommen sollte. Endlich sagte er zu den jungen Adlern: »Tragt mich herunter, aber haltet mich gut fest und tut mir nicht weh, sonst schlage ich Euch tot.« Die Adler fürchteten sich und gehorchten. Er band sich an die Adler fest und sie flogen mit ihm aus dem Neste und ließen sich langsam zur Erde hinab. Ehe er sich daran machen konnte, ihnen die Federn auszurupfen, waren seine Brüder herbeigekommen und hatten sie fortgenommen.
Die Brüder wanderten weiter und gelangten zum Fraser River. Da sahen sie ein junges Mädchen an der anderen Seite des Flusses tanzen. Sie setzten sich in einer Reihe am Ufer nieder und sahen ihr zu. Sie blieben dort sitzen, bis sie in Steine verwandelt wurden.
Coyote
1) Einst schien die Sonne zu heiß und verbrannte die ganze Erde. Da beschlossen die Tiere eine andere Sonne zu machen. Alle Vögel versuchten es, keiner aber ward gut befunden. Endlich rief Coyote: »Lasst es mich jetzt versuchen!« Er ging gen Sonnenaufgang und stieg den Himmel hinan. Sein Schwanz war aber so lang, dass derselbe noch nicht ganz über dem Horizont erschienen war, als sein Körper schon hoch oben am Himmel stand. Als er hoch genug war, um die Erde übersehen zu können, fing er an zu schwätzen und erzählte alles, was er sah. Da sagten die Tiere: »Nein, Du bist zu gesprächig. Du darfst nicht die Sonne sein.« Endlich ward der Tsqtskna’sp (ein Klettervogel mit roten Flügeln und Schwanz, roten Wangen) die Sonne.
2) Vor langer Zeit war es sehr kalt auf Erden. Am oberen Teile des Flusses war ein großer Gletscher, von dem eisige Kälte ausging. Alle Tiere zogen aus, um den Mann, welcher die Kälte machte, umzubringen, aber alle erfroren. Endlich waren nur noch Coyote und sein Vetter, der Fuchs, übrig geblieben. Coyote wollte sich aufmachen, die Kälte umzubringen, aber der Fuchs warnte ihn davor. Er hüllte sich in warme Kleider und machte sich auf den Weg. Er kam bei allen erfrorenen Tieren vorbei und je näher er dem Gletscher kam, um so kälter wurde es. Endlich sah er das Haus, aus dem die Kälte hervorkam, vor sich. Obwohl er sich noch fester in seine Decken hüllte, fror es ihn sehr. Er hatte nun alle die erfrorenen Tiere hinter sich und gelangte endlich an das Haus. Er konnte kaum die Kälte ertragen, ging aber doch hinein. Da erfror er und fiel tot nieder. Vier Tage lang wartete Vetter Fuchs auf ihn. Da aber jener nicht zurückkam, dachte er, er sei erfroren. Er hüllte sich in warme Kleider und machte sich auf den Weg. Er kam bei all den erfrorenen Tieren vorüber, fand aber nicht seinen Vetter Coyote. Er lief weiter und bei jedem Schritte, den er machte, sprühte Feuer unter seinen Füßen hervor. An seiner Schwanzspitze hingen Dentalien und klapperten, wenn er sich bewegte. Er nahte sich dem Hause und hörte drinnen jemand sprechen, konnte aber nichts sehen. Er ging ins Haus und trat einmal mit seinem Fuße auf. Feuer sprühte aus dem Boden und das Eis des Gletschers fing an zu schmelzen. Ein Strom Wasser lief herab und löschte das Feuer wieder aus. Da trat er nochmals auf. Wieder sprühte Feuer aus dem Boden und schmolz das Eis. Als er vier Mal aufgestampft hatte, war alles Eis geschmolzen und es wurde wieder warm. Coyote wurde nun wieder lebendig, stand auf und sprach: »Ich habe lange geschlafen.« »Ja«, versetzte der Fuchs, »Du warst erfroren.« Der Fuchs nahm ihn unter seinen Arm und befahl ihm, ganz stille zu liegen. Als nun das Feuer ausgebrannt und das Wasser abgelaufen war, gingen sie zurück und erweckten alle Menschen zu neuem Leben.
3) Coyote blickte nun immer den Fuchs an, als wolle er etwas sagen. Dieser wusste ganz gut, was er wollte, sagte aber nichts. Endlich sprach Coyote: »Vetter, bitte, leihe mir Deinen Schwanz.« Fuchs erwiderte: »Nein das tue ich nicht, Du möchtest Dir ein Leides antun.« Coyote aber versprach, gut Acht zu geben, und endlich gab der Fuchs ihm seinen Schwanz und nahm den des Coyote. Er warnte ihn aber, sich ja nicht nach dem Schwanze umzusehen, so lange er ihn trage. Coyote versprach es. Als er den Schwanz bekommen hatte, lief er damit umher und freute sich sehr an dem Gerassel der Dentalien. Endlich konnte er aber doch der Versuchung nicht widerstehen und sah den Schwanz an, um zu sehen, ob er ihn gut kleide. Er fand, dass er sehr hübsch aussah und freute sich sehr. Als er aber nun weiterlief, fühlte er, dass er plötzlich sehr schwach wurde und sah nun, dass seine Eingeweide ihm zum After hinaushingen. Da rief er seinen Vetter. Als dieser sah, was geschehen war, sprach er: »Aha! Du hast Deinen Schwanz angesehen!« Er legte die Eingeweide in Coyotes Bauch zurück und nahm ihm den Schwanz wieder fort.
4) Coyote war sehr arm. Einst besuchte er seinen Vetter Fuchs, der einen schönen, mit Adlerfedern besetzten Mantel hatte. Diesen wünschte Coyote zu haben. Der Fuchs wußte sogleich, was Coyote wollte, stellte sich aber, als merke er nichts. Coyote sprach: »Ich sehnte mich nach Dir, Vetter! Deshalb komme ich, Dich zu besuchen.« Der Fuchs antwortete nicht. Viermal wiederholte Coyote seinen Spruch, erhielt aber keine Antwort. Fuchs kümmerte sich gar nicht um ihn. Da ward Coyote böse und beschloss, Fuchs einen Streich zu spielen. Fuchs war aufgestanden und fortgegangen. Da rannte Coyote ihm nach, riss ihm seinen Mantel ab und hing ihn sich selbst um. Fuchs kümmerte sich gar nicht darum, sondern ging ruhig seines Weges. Coyote sah sich an und dachte: »Jetzt bin ich hübsch.« Er ging nach Hause zurück, zuerst langsam. Dann fing er an zu traben, und als er lief, erhob sich ein Wind, der wurde um so stärker, je schneller er lief. Die Federn seines Mantels stoben umher, und der Wind blies ihn endlich gerade in die Höhe. Als er wieder herunterfiel, kam der Fuchs gelaufen und nahm ihm seinen Mantel wieder ab. Coyote war halb tot. Fuchs sprach: »Da siehst Du, wie es Dir ergeht. Immer versuchst Du mir Streiche zu spielen und weißt doch, dass Du mir nichts anhaben kannst.«
5) Der Büffel hatte zwei Frauen. Er war so alt, dass seine Hörner fast ganz abgenutzt waren. Einst stahlen die Wölfe seine Frauen. Er wollte sie verfolgen, wußte aber nicht, wohin sie gegangen waren. Da traf ihn Coyote und verspottete ihn ob seines Unfalls. Darüber ward der Büffel böse und rannte auf den Coyote los, ihn aufzuspießen. Dieser entfloh und der Büffel verfolgte ihn. Als nun der Coyote müde wurde, lief er in ein Loch, verrichtete seine Notdurft und sprach zu seinen Exkrementen: Werdet ein Baum. Es geschah also und er kletterte hinauf. Als der Büffel ihn nun oben im Baume sitzen sah, stieß er gegen den Baum, bis er umfiel. Unterdes hatte Coyote sich ausgeruht und lief weiter. Als er wieder müde wurde, machte er einen zweiten Baum und rettete sich darauf. Vier Mal entkam er auf solche Weise. Als der vierte Baum umfiel, sprach er zum Büffel: »Nun ist es genug, Freund! Ich will Dir helfen, dass Du Deine Frauen wiederbekommst. Ich will Dich schön und jung machen.« Der Büffel war es zufrieden. Da nahm der Coyote eines seiner Hörner und zog es aus. Als es schön und lang war, zog er das andere auch lang. So bekam der Büffel wieder schöne, scharfe Hörner. Dann machte Coyote das Haar auf seinem Kopfe schön. Er zog an seinen Beinen und an seinem Schwanze und der Büffel sah nun wieder aus, wie ein schöner junger Büffel. Da sprach der Büffel zum Coyote: »Nun will ich Dich schön machen!« Er zog seine Schnauze lang und seither hat der Coyote eine lange Schnauze und kleine, schmale Augen. Und er zog seine Beine und seinen Schwanz lang. Dann sprach er: »Ich bin fertig, mein Genosse. Nun lass uns zum Wasser gehen und sehen, wie wir ausschauen.« Als Büffel sich sah, war er sehr froh, Coyote aber mochte seine lange Nase gar nicht leiden. Der Büffel sprach nun: »Lass uns meine Frauen suchen. Wenn Du weißt, wo sie sind, sollst Du eine haben.« Coyote sprach: »Siehst Du das Tal? Dort wohnen vier Wölfe. Die haben sie geraubt. Es ist sehr schwer, sie wiederzubekommen, aber lass mich nur machen. Folge mir!« Sie gingen das Tal hinauf. Bald sahen sie die beiden Frauen Wurzeln graben. Da machte Coyote einen dichten Nebel, sodass niemand sie sehen konnte. Sie gingen auf die Frauen zu und als sie bei ihnen waren, sprach der Büffel zu ihnen: »Ich kam, Euch zu holen«, und sie nahmen die Frauen mit. Sie kletterten einen der Berge hinauf, die das Tal begrenzten, und der Nebel folgte ihnen. Als sie oben ankamen, verschwand der Nebel. Die Wölfe vermissten bald die Frauen und folgten der Spur. Bald kamen sie den Flüchtigen näher und sahen nun den Büffel, Coyote und die Frauen. Sie holten sie ein und griffen den Büffel an. Da warf dieser sie in die Luft und schlitzte ihren Bauch auf, sodass die Eingeweide herauskamen, und der Coyote sprang vor Freude darüber hin und her. Sie gingen weiter. Bald sprach der Büffel: »Mein Genosse, hier wollen wir uns trennen! Ich versprach Dir eine meiner Frauen. Nimm diese, sie ist die beste.« Er fuhr fort: »Ich will Dich lehren, wie Du sie behandeln musst. Wenn Du hungrig bist, kannst Du sie töten, ein Stück Fleisch abschneiden und es rösten. Aber wenn Du sie getötet hast, musst Du Dich auf sie setzen, ein Feuer neben Dir machen und das Fleisch kochen. Du darfst nicht aufstehen, bis Du fertig gegessen hast. Dann wird sie zugleich mit Dir wieder aufstehen.« Coyote befolgte anfänglich die Anweisung des Büffels. Eines Tages, nachdem er seine Frau getötet hatte, und sein Feuer nur klein brannte, dachte er aber: »Weshalb sollte ich nicht etwas Holz holen?« Er stand auf und ging fort. Als er zurückkam, erblickte er eine alte Frau, die das Fleisch bis auf die Knochen aufgegessen hatte und nun als Fuchs von dannen lief. Da dachte er: »Ist schon meine Frau fort, so habe ich doch wenigstens ihre Knochen.« Er sammelte sie und trug sie fort. Als er hungrig wurde, machte er sich ein Feuer und fing an, die Knochen mit Steinen zu zerschlagen und das Mark zu essen. Wahrend er noch so beschäftigt war, kam eine alte Frau des Weges und sprach: »Solche Arbeit ziemt sich nicht für einen großen Häuptling, wie Du bist, lass mich es tun.« Coyote sagte: »Das ist wahr«, und gab ihr Knochen und Steine. Er legte sich ans Feuer. Als er sich umwandte, hatte die Alte fast alles Mark in ihren Korb geworfen. Coyote dachte, sie wird mir sagen, wenn sie fertig ist, und drehte sich wieder zum Feuer. Da er aber längere Zeit gar nichts hörte, wandte er sich wieder um und sah die Alte fortlaufen und dabei fressen. Er rannte hinter ihr her. Als er sie aber einholte, schlug sie ihn auf die Brust, sodass er hinfiel. Er stand wieder auf und dachte: »Das ist schlimm. Nun will ich wenigstens meine Knochen kochen und das Fett heraussieden.« Er nahm die Knochen, zerklopfte sie und wollte sie ins Wasser werfen, um sie zu kochen. Da kam wieder der Fuchs in Gestalt einer alten Frau einher und sprach: »Solche Arbeit ziemt sich nicht für einen großen Häuptling, wie Du bist, lass mich es tun.« Coyote sagte: »Das ist wahr«, und ließ sie kochen, während er sich ans Feuer setzte und darauf wartete, dass sie ihn rufen sollte. Als er sich aber umdrehte, sah er wieder einen Fuchs fortlaufen und dabei das Fett trinken. Er verfolgte ihn. Der Fuchs aber schlug ihn auf die Brust, sodass er niederfiel. Da wurde Coyote betrübt und ging von dannen. Die Frau aber stand nun wieder auf und ging zu dem Büffel zurück.
6) Coyote kam einst zu einem Hause, in dem wohnten die »Foolhen« und ihre Kinder, das »Woodpartridge«, das Prairiehuhn und das Rebhuhn. Die Mutter war gerade ausgegangen, als er ankam. Er fragte die Kinder: »Habt ihr etwas zu essen?« Sie antworteten: »Nein, wir haben nichts.« »Wo ist denn Eure Mutter?« »Sie ist im Walde und sucht Beeren.« »Und Ihr habt wirklich nichts zu essen?« »Nein, wir haben nichts.« »Ich habe mich in den Fuß geschnitten. Könnt ihr mir nicht etwas Harz geben, damit ich die Wunde damit verschmiere?« Die Kinder gaben es ihm. Da nahm er es, verklebte ihre Augen und verließ sie. Da verloren die armen Kinder sich im Walde. Als ihre Mutter nach Hause kam, fand sie sie im Walde umherlaufen und brachte sie nach Hause zurück. Sie erzählten ihr dann, dass Coyote sie so zum Besten gehabt habe. Die Alte und die Kinder folgten seiner Spur und fanden, dass er einem Pfade nachging, der an einem steilen Abhange entlangführte. Die Mutter hieß zuerst das Rebhuhn sich im Grase verbergen, ein wenig weiter versteckte sie das Prairiehuhn, noch weiter das »Woodpartridge«, und endlich verbarg sie sich selbst im Grase. Sie hatte ihren Kindern gesagt, was sie tun sollten. Es dauerte nicht lange, da kam Coyote des Weges und sofort flog das Rebhuhn dicht vor ihm auf. Er erschrak so, dass er fast die Klippe hinabgestürzt wäre. Ebenso taten die andern. Als das »Woodpartridge« aufflog, hielt er sich nur mit Mühe auf den Füßen. Als er weiterging, sprach er: »Fast wäre ich aber gefallen.« Da flog die Alte auf und er stürzte in den Abgrund. Die Hühner glaubten, er sei tot. Sie flogen hinunter und erstaunten sehr, als sie ihn noch am Leben fanden. Die Alte fragte: »Was tust Du hier?« »O«, antwortete er, »jemand hat mich erschreckt, und da bin ich die Klippe heruntergefallen.« Die Alte sprach: »Ich habe es getan, weil Du meinen Kindern die Augen verklebt hast. Nun siehe, wie Du hier fortkommst. Wir werden Dir nicht helfen.« Damit flogen sie von dannen. Als sie fort waren, stand Coyote wieder auf und lief fort.
7) Er sagte: »Ich muss etwas Spaß haben. Ich will mit meinen Augen spielen.« Damit riss er sich die Augen aus. Er warf sie dann in die Höhe und fing sie wieder. Einmal warf er sie sehr hoch. Da fing die Dohle seine Augen und flog damit fort. Da stand er nun ohne Augen und wußte nicht, was er tun sollte. Er fühlte umher und fand einen Hagebuttenstrauch. Da pflückte er einige Hagebutten und setzte sie sich als Augen ein. Er konnte nun wieder sehen und wanderte fürbaß. Bald kam er an ein Loch, aus dem Rauch aufstieg. Eine alte Frau saß dort und fragte ihn, woher er komme. Er antwortete, er reise ohne bestimmten Zweck umher, und fragte, ob sie allein dort wohne. »Nein«, antwortete sie, »ich habe vier Töchter, aber sie sind hingegangen, die Spiele anzusehen.« »Was für Spiele?« fragte der Coyote. »Oh, viele Leute tanzen dort«, sprach sie, indem sie nach der betreffenden Stelle wies. »Warum tanzen sie denn?« »Sie spielen um Coyotes Augen. Die Dohle hat sie gestohlen.« »Das möchte ich sehen«, versetzte Coyote, »zeige mir doch den Weg.« Die Alte erfüllte seine Bitte, und er ging zu dem Platze, wo alle Tänzer versammelt waren. Die Leute saßen alle im Kreise umher. Nachdem einer mit den Augen getanzt hatte, gab er sie seinem Nachbar, der dann einen Tanz begann. Coyote setzte sich an die Türe und wartete, bis an ihn die Reihe kam. Dann sang er zu seinem Tanze: »Wie hübsch die Augen sind. Früher habe ich nie dergleichen gesehen.« Vier Mal tanzten sie herum. Als nun das vierte Mal an ihn die Reihe kam, nahm er die Augen und rannte zur Tür hinaus. Dann warf er sie in die Höhe und sie fielen von selbst in die Augenhöhlen zurück, wo sie sogleich festwuchsen. Die Tiere verfolgten ihn, konnten ihn aber nicht einholen. Als er in Sicherheit war, setzte er sich hin und lachte, weil er seine Augen wieder hatte. Er sang: »Ich wußte, ich würde Euch besiegen. Hier habe ich meine Augen wieder. Hier habe ich mein Eigentum wieder.«
8) Coyote kam an ein Haus, in dem er sprechen hörte. Er ging hinein, sah aber niemand. Als er der Stimme nachging, fand er in einer Ecke des Hauses ein Haar, das sprach. Er nahm es und warf es auf den Boden. Dann hörte er wieder sprechen, sah aber niemand. Er rief der Stimme zu: »Lass Dich sehen und gib mir zu essen«; aber niemand ließ sich blicken. Als er der Stimme nachging, fand er einen Kamm an der Wand stecken, der sprach. Er nahm ihn und warf ihn zu Boden. Endlich fand er vier mit Öl gefüllte Lachsfelle. Er sagte: »Euch suchte ich«, nahm sie und trank sie aus. Dann ging er weiter den Fluss entlang. Nach kurzer Zeit wurde er durstig. Da ging er zum Flusse hinab, trank und ging wieder hinauf. Nach kurzer Zeit wurde er wieder durstig. Da dachte er: »Es ist zu umständlich, immer zum Flusse hinabzugehen, ich will am Ufer entlanggehen, dann kann ich bequemer trinken.« Nach einiger Zeit ward ihm aber auch dies zu umständlich. Er dachte: »Ich will lieber im Wasser gehen, dann brauche ich mich nur zu bücken.« Er tat also, war aber noch immer durstig. Da ging er bis an die Brust ins Wasser. Nach kurzer Zeit war ihm auch das zu viel Mühe und er ging so tief in den Fluss, dass das Wasser ihm einfach in den Mund lief. Er trank so viel, dass er endlich platzte.
9) Coyote hatte einen kleinen Kessel im Felsen gerade dort stehen, wo der Weg den South Thompson River hinaufführte. Einst kam jemand des Weges und warf ihm den Kessel ins Wasser. Derselbe kam aber von selbst wieder. Dann stahlen ihn einige Leute. Er kam aber immer von selbst wieder zurück. Endlich aber trug jemand ihn fort und er kam nicht wieder.
10) Einst kam die Eule den South Thompson River herab. Coyote hörte sie kommen und singen: »Hi hi, ich bin es, der alle Menschen tötet und frisst.« Coyote hielt an und sagte zu sich: »Der ist gefährlich. Er wird mich fressen. Ich will denselben Sang singen, wie er; vielleicht fürchtet er sich dann.« Als die beiden sich nun trafen, sprach Coyote: »Es scheint, Du bist also gerade so stark wie ich. Ich fresse auch alle Menschen. Bleib ein wenig hier und lass uns etwas spielen. Wir wollen uns übergeben und sehen, was wir im Magen haben.« Eule war es zufrieden, und schlug vor, dass Coyote anfangen sollte. »Gut«, sagte er, »aber wir müssen die Augen schließen, bis wir fertig sind. Öffne Deine Augen nicht, bis ich rufe.« Eule schloss die Augen und nun übergab sich Coyote. Er hatte nichts als Gras im Magen. Dann übergab sich die Eule und spie lauter Menschenfleisch aus. Rasch tauschte Coyote das Erbrochene aus und rief nun. Als die Eule es sah, rief sie: »Ich habe Gras gespieen«, und sie fürchtete sich vor Coyote, vor dem das ausgespiene Menschenfleisch lag. Beide wurden in Felsen verwandelt, die noch heute zu sehen sind. Ihre Mäuler sind weit offen.
Der Luchs und das Mädchen
Es war einmal ein Mädchen, die wollte gar keinen Mann nehmen, obwohl viele Männer sich um sie bewarben. Sie wohnte in einem unterirdischen Hause und ihr Lager war gerade am Fuße eines Pfostens. In demselben Dorfe lebte auch der Luchs, der in einer kleinen Hütte wohnte. Dieser hätte gar zu gerne das Mädchen gehabt, wußte aber nicht, wie er sie bekommen sollte, da ihre Eltern sie stets bewachten. Eines Nachts schlich er sich auf das Haus und schlug sein Wasser dort ab, sodass es an dem Pfosten herunterlief, an dem das Mädchen lag. Es lief gerade in deren Mund. Da ward sie schwanger, und niemand wusste, wie es zugegangen war. Sie gebar einen Knaben. Als der Knabe vier Jahre alt war, beschlossen die Eltern des Mädchens, einen Versuch zu machen, ausfindig zu machen, wer der Vater des Kindes sei. Sie setzten einen Vogel auf die Spitze der Leiter, die in ihr Haus hinabführte, und sagten allen Männern, sie sollten versuchen, den Vogel mit ihren Pfeilen zu treffen. Sie versprachen dem, der den Vogel traf, ihre Tochter zur Frau. Alle schossen danach, aber keiner konnte ihn treffen. Endlich hatten alle geschossen, nur der Luchs noch nicht, der ein alter Mann war und still an seinem Feuer lag. Die Eltern des Mädchens sandten nach ihm, er aber antwortete: »Warum soll ich kommen? Die jungen Leute haben den Vogel nicht treffen können, wie sollte ich es denn vermögen? Meine Augen sind ja halb erblindet.« Er musste aber doch endlich kommen, und man gab ihm Bogen und Pfeil. Er schoss ab, ohne einmal hinzusehen und traf den Vogel. Da schrien alle: »Der Luchs bekommt das Mädchen zur Frau«. Ihre Eltern machten einen Sitz für ihn neben dem Feuer bereit. Als er dort nun saß, sprachen sie zu allen Leuten: »Wir wollen unsere Tochter, ihren Mann und ihr Kind verlassen.« Sie packten ihre Habseligkeiten auf. Dann traten sie den Luchs mit Füßen, sodass seine Knochen brachen und sein Körper ganz zerschunden wurde. Sie löschten alle Feuer aus und zogen fort. Die Großmutter des Mädchens, die Elster, hatte aber Mitleid mit ihr. Sie legte eine glühende Kohle in eine Muschelschale, tat etwas Nahrung dazu und versteckte sie. Die Leute hatten alle ihre Vorräte, die unter Steinen versteckt waren, mitgenommen und glaubten, die drei müßten verhungern. Als die Frau nun allein da saß, fing sie an zu weinen. Sie suchte unter den Kohlen nach Feuer, fand aber nichts. Es wurde dunkel und ihr Kind weinte. Da hörte sie in der Ecke des Hauses etwas rufen. Sie ging der Stimme nach und fand die Muschel, welche sie gerufen hatte. Da nahm sie die Kohle und die Nahrungsmittel und machte sich ein Feuer. Als sie die Nahrungsmittel kochte, wurden dieselben soviel, dass sie und ihr Kind vollauf zu essen hatten. Als sie satt waren, schritt sie viermal über den Luchs fort, und sofort war derselbe wieder gesund. Nur sein Gesicht war noch ganz zerschunden. Sie strich mit der Hand über seinen Kopf, und derselbe ward auch wieder ganz heil. Dann ging er auf Jagd und erlegte viel Wild. Dann machte er, dass tiefer Schnee fiel und die Leute, welche sie verlassen hatten, nichts fangen konnten, sodass sie bald große Not litten. Er selbst aber hatte Fleisch in Hülle und Fülle. Seine Frau trocknete es und legte viele Verstecke an. In eines, das für die Elster bestimmt war, tat sie die besten Stücke; für die anderen bewahrte sie nur Haut und Knochen, für den Coyote Füße, Magen und Eingeweide. Nach einiger Zeit kam die Elster zu dem verlassenen Dorfe, um sich nach ihrer Enkelin umzusehen. Sie fürchtete schon, jene sei tot, und war sehr erstaunt, als sie den Knaben entdeckte, der mit einem schneeweißen Ball spielte. Bald sah sie, dass der Ball aus Hirschfett gemacht war. Sie versteckte sich, und als der Ball an ihr vorüberrollte, sprang sie darauf los und frass ihn. So hungrig war sie. Da weinte der Kleine: »Die Elster hat meinen Ball gestohlen.« Als der Luchs das hörte, kam er aus dem Hause und sagte zu ihr; »Warum nahmst Du den Ball meines Sohnes? Wenn Du hungrig bist, komme ins Haus, ich will Dir zu essen geben.« Sie gingen hinein und gaben ihr Fleisch und Fett. Als die Elster sich satt gegessen hatte, trug sie, was übrig blieb, nach Hause, um es ihren Kindern zu geben. Sie pflückte Flechten von Tannen ab und röstete sie. Diese gab sie dann ihren Kindern mit Hirschfett zu essen. Als sie das Essen verteilte, riefen die Kinder: »Du hast meinem Bruder mehr gegeben, als mir«, und zankten sich. Der Rabe, der mit im Hause wohnte, und dieses hörte, fragte: »Wovon redet ihr da?« Die Elster sagte: »Oh, es ist nichts, die Kinder zanken sich nur.« Da setzte der Rabe sich wieder ans Feuer und schlummerte. Er blinzelte aber hinüber und sah nun, dass die Kinder Hirschfett aßen. Da sprang er auf und rief: »Woher habt ihr das Fett bekommen?« Die Alte erzählte nun, dass der Luchs Nahrungsmittel in Hülle und Fülle habe. Dann gingen alle zu den Verlassenen zurück; der Luchs gab jedem die Vorräte, die er für ihn aufgespeichert hatte, und jagte dann für sie.
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