Kitabı oku: «Effektive Teamarbeit»

Die Autor*innen

Annika Lantz ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin und lehrt als Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Stockholm. Ihre Hauptforschungsinteressen sind Teamentwicklung, Führung und Innovationsprozesse. Daneben arbeitet sie als Beraterin für Fritz Change AB und war als Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig.

Daniela Ulber ist Diplom-Psychologin, Kommunikationswirtin und systemische Therapeutin und als Professorin für Institutionsentwicklung und Management an der HAW Hamburg tätig. Ihre Interessen liegen in den Bereichen Qualitätssicherung, Organisationsdiagnostik, Führung sowie Organisations- und Teamentwicklung. Darüber hinaus ist sie freiberuflich als Coach und Dozentin für Leitungskräfte im Bildungsbereich tätig.

Peter Friedrich, Dr. Ing., ist Senior Consultant bei Fritz Change AB, Schweden, mit Expertise in den Bereichen Organisationsentwicklung, Aktionsforschung und interkulturelle Studien zu Innovationsprozessen. Er ist Diplom-Wirtschaftsingenieur (Maschinenbau) und war 20 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Swedish National Institute of Occupational Health and Safety und an der Wiesbaden Business School tätig.
Annika Lantz, Daniela Ulber, Peter Friedrich
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-035689-4
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-035690-0
epub: ISBN 978-3-17-035691-7
mobi: ISBN 978-3-17-035692-4
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Probleme mit Teamarbeit – und effektive Lösungen
2 I Gründe für Teamarbeit – welche Vorteile haben Teams?
3 1 Warum sollte in Teams gearbeitet werden?
4 1.1 Das »soziale Gehirn« und die soziale Natur von Menschen
5 1.2 Effektivere Arbeit
6 2 Was unterscheidet Teams von anderen Arten von Gruppierungen?
7 2.1 Definition von Team
8 2.2 Jedes Team ist anders
9 3 Was ist Teamarbeit?
10 3.1 Teamarbeit beinhaltet Engagement in interpersonellen und Arbeitsaufgaben-bezogenen Prozessen
11 3.2 Prozesse generieren emergente Zustände
12 3.3 Effektive Teams wechseln zwischen Handlungs- und Übergangsphasen
13 4 Ergebnisse von Teamarbeit
14 4.1 Was bedeutet Arbeit in Teams für Individuen?
15 4.2 Outcomes für das Team
16 4.3 Outcomes für die Organisation
17 4.4 Outcomes auf verschiedenen Ebenen sind miteinander verbunden
18 4.5 Die Outcomes hängen vom organisationalen Kontext ab
19 4.6 Negative Seiten von Teamarbeit
20 5 Was bedeuten Leistung, Effektivität und Effizienz eines Teams?
21 6 Ein Modell zur Beschreibung effektiver Teamarbeit
22 7 Ziel und Konzept des Buches
23 II Das Problem mit der Problemlösung
24 Der Problemlösungszyklus
25 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
26 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
27 Schritt 3: Ursachenanalyse
28 3.1 Vereinfachende Erklärungen
29 3.2 Mangel an validierten Erhebungsverfahren
30 3.3 Kognitive Barrieren behindern die Problemlösung
31 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
32 Schritt 5: Lösungen identifizieren
33 Schritt 6: Intervention(en) planen
34 Schritt 7: Intervention(en) implementieren
35 Schritt 8: Evaluieren
36 Schritt 9: Intervention(en) beenden
37 III Wir haben zwar Teams, aber wenig Teamarbeit
38 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
39 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
40 Schritt 3: Ursachenanalyse
41 3.1 Kein Konsens über das erwartete Ergebnis der Teamarbeit
42 3.2 Es fehlen grundlegende Voraussetzungen für die Arbeit im Team
43 3.3 Mangelnde Passung der Merkmale der Arbeit und der Organisation
44 3.4 Diagnose der Teamziele und der Arbeitsgestaltung
45 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
46 Schritt 5: Lösungen identifizieren
47 Schritt 6: Intervention(en) planen
48 Schritt 7: Intervention(en) implementieren
49 Schritt 8: Evaluieren
50 Schritt 9: Intervention(en) beenden
51 IV Teamzusammensetzung – die Teammitglieder profitieren nicht voneinander
52 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
53 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
54 Schritt 3: Ursachenanalyse
55 3.1 Teammitgliedern fehlen Eigenschaften guter »Teamplayer«
56 3.2 Die Zusammenstellung der Teammitglieder ist ungünstig für die Teameffektivität
57 3.3 Diagnose der Teamzusammensetzung
58 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
59 Schritt 5: Lösungen identifizieren
60 5.1 Wie kann das richtige Individuum für ein Team gefunden werden?
61 5.2 Wie kann die richtige Zusammenstellung eines Teams gefunden werden?
62 5.3 Wie können Individuen bei der Entwicklung teamrelevanter Kompetenzen unterstützt werden?
63 5.4 Wie können Teams bei Problemen unterstützt werden, die aus der Teamzusammensetzung resultieren?
64 V Dem Team gelingt es nicht, seine Aufgaben reibungslos zu koordinieren
65 Schritt 1: Die aktuelle Situation beschreiben
66 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
67 Schritt 3: Ursachenanalyse
68 3.1 Fehlendes gemeinsames Verständnis darüber, was wie zu tun ist
69 3.2 Es gibt Mängel beim emotionalen Klima
70 3.3 Es gibt Mängel dabei, wie das Team Routineaufgaben ausführt
71 3.4 Diagnose bei Problemen mit der Bearbeitung von Routineaufgaben
72 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
73 Schritt 5: Lösungen identifizieren
74 5.1 Entwicklung von mentalen Teammodellen (TMM)
75 5.2 Entwicklung des Teamklimas
76 5.3 Entwicklung eines transaktiven Gedächtnisses
77 5.4 Entwicklung von Vertrauen und psychologischer Sicherheit
78 5.5 Entwicklung von Kommunikation
79 5.6 Entwicklung von Kooperation
80 5.7 Entwicklung von Koordination
81 VI Ein ungünstiges Teamklima und zahlreiche Konflikte beeinträchtigen die Kooperation im Team
82 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
83 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
84 Schritt 3: Ursachenanalyse
85 3.1 Das Teamklima ist nicht offen, vertrauensvoll und unterstützend
86 3.2 Dysfunktionale Konflikte reduzieren die Teameffektivität
87 3.3 Diagnose von Teamklima und Konflikten
88 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
89 Schritt 5: Lösungen identifizieren
90 5.1 Präventive Strategien
91 5.2 Reaktive Strategien – bestehende Konflikte konstruktiv lösen
92 VII Das Team kann sich nicht anpassen
93 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
94 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
95 Schritt 3: Ursachenanalyse
96 3.1 Bestimmte Voraussetzungen schränken das Anpassungsvermögen des Teams ein
97 3.2 Es gibt Mängel bei Prozessen der Handlungsphase
98 3.3 Es besteht ein Mangel an adaptiven Prozessen
99 3.4 Wissensstrukturen und affektive Zustände behindern Adaptionsprozesse
100 3.5 Diagnose der Anpassungsfähigkeit von Teams und von Adaptionsprozessen
101 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
102 Schritt 5: Lösungen identifizieren
103 VIII Dem Team fehlt eine gute Führung
104 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
105 Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
106 Schritt 3: Ursachenanalyse
107 3.1 Die Teamführung unterstützt das Team nicht angemessen in der Handlungs- wie auch in der Übergangsphase
108 3.2 Führungsstil bzw. -verhalten sind inadäquat
109 3.3 Die Führungsstruktur ist unklar oder unangemessen
110 3.4 Diagnose der Teamführung
111 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
112 Schritt 5: Lösungen identifizieren
113 5.1 Führungskräftecoaching
114 5.2 Führungskräftetraining
115 5.3 360-Grad-Feedback
116 IX Organisationales Lernen durch Teamlernen
117 Was ist Organisationales Lernen und wie entsteht es?
118 Ein Modell für Organisationales Lernen
119 Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
120 Schritt 2: Kernproblem(e) identifizieren
121 Schritt 3: Ursachenanalyse
122 3.1 Teams verfügen über keine klaren Ziele für ihren Beitrag zum Organisationalen Lernen
123 3.2 Mangel an Team-Aktivitäten zur Verknüpfung von Teamlernen und Organisationalem Lernen
124 3.3 Diagnose des Teambeitrags zu OL
125 Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
126 Schritt 5: Lösungen identifizieren
127 5.1 Angabe von Zielen für das Team, um zu OL beizutragen
128 5.2 Spezifikation von Aktivitäten des internen und externen Teamlernens
129 X Anforderungskatalog für systematische Teamentwicklungsmaßnahmen
130 1 Was sind Teamentwicklungsmaßnahmen (TEM)?
131 1.1 Systematische Teamentwicklungsmaßnahmen und der Problemlösungszyklus
132 1.2 Was Teamentwicklungsmaßnahmen nicht sind
133 2 Entwicklung des TEM-Inhalts mithilfe der Schritte 1 bis 4 des Problemlösungszyklus: Bedarfsspezifikation
134 3 Veränderungen in Angriff nehmen: Empfehlungen für die Gestaltung einer logischen Vorgehensweise der Schritte 5 bis 9
135 3.1 Identifizierung von Lösungen in unterschiedlichen Domänen
136 3.2 Umsetzung von Lösungen für die Teamentwicklung
137 3.3 Mechanismen, die Teams bei ihrer Entwicklung durch TEM unterstützen
138 3.4 Empfehlungen für die Gestaltung von TEM
139 4 Planung (Schritt 6) und Implementation der TEM (Schritt 7)
140 5 Evaluieren (Schritt 8)
141 6 Abschluss der TEM (Schritt 9)
142 XI Effektivität von Teams im Zeitverlauf
143 1 Teamentwicklung im Zeitverlauf: Verschiedene Modelle dafür, wie Teams sich entwickeln
144 2 Teamentwicklung durch Feedback, Interventionen, Anpassung im Team und systematisches Monitoring
145 2.1 Wie Aspekte der Teameffektivität (Output) als zweiter Input die Teamentwicklung vorantreiben
146 2.2 Teamentwicklungsmaßnahmen in einer zeitlichen Perspektive
147 3 Das Monitoring des zeitlichen Verlaufs von Teamarbeit
148 4 Unsere Botschaften
149 Literaturangaben
Einleitung: Probleme mit Teamarbeit – und effektive Lösungen
In diesem Buch wird beschrieben, wie mithilfe einer systematischen und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauenden Vorgehensweise häufig auftretende Probleme bei der Teamarbeit gelöst werden können. Das Buch basiert auf einer umfassenden Übersicht über Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Teamarbeit. Im Hinblick darauf, dass die Verfasser*innen selbst auf diesem Gebiet forschend tätig sind, mag dies selbstverständlich erscheinen. Dennoch stellt evidenzbasierte Praxis bei der Einführung und Entwicklung effektiver Teamarbeit leider eher die Ausnahme als die Regel dar. Ausgangspunkt des Buchs sind häufig auftretende Probleme, mit denen Teams und ihre Führung konfrontiert sind. Diese Herangehensweise ist das Ergebnis unserer langjährigen konsultativen Arbeit und der Erfahrung, dass es ein Problem damit gibt, wie Probleme der Teamarbeit angegangen werden, d. h. mit dem eigentlichen Problemlösungsprozess. Wir möchten mit fundiertem Wissen dazu beitragen, Problemursachen auf Basis von Erkenntnissen der empirischen Forschung zu erkennen, und aufzeigen, wie man Schritt für Schritt diese Ursachen bearbeiten und das Problem lösen kann. Außerdem möchten wir Wissen darüber vermitteln, wie Teams funktionieren und wie Teamberatung auf der Basis ethischer und professioneller Standards erfolgen kann. Darüber hinaus werden Interventionen zur Teamentwicklung und Problemlösung beschrieben, die das Ziel verfolgen, die Arbeit von Teams so zu verändern, dass sie in ihrem Zusammenspiel ihre Ressourcen optimal nutzen können.
Zielgruppe dieses Buchs sind Studierende, die mit den Themen Teamarbeit befasst sind, wie auch Praktiker*innen, die in und mit Teams arbeiten oder Teams beraten. Es umfasst sowohl grundlegendes und erklärendes Wissen über den theoretischen Hintergrund als auch konkrete Hinweise zur systematischen Entwicklung von Teamarbeit mittels gezielt ausgewählter und gestalteter Interventionen.
Organisationen, die auf Beratungsleistungen zurückgreifen, um Teamarbeit einzuführen und zu optimieren, müssen wissen, worauf es bei qualitativ guter Beratung ankommt. Das vorliegende Buch stellt auch eine Art Anforderungsliste dar, wie gute Teamberatung aussieht, so dass Kriterien für die Auswahl einer adäquaten Beratungsleistung bekannt sind und an Beratungsfirmen kommuniziert werden können. Es gibt leider meist keine schnellen, einfachen Lösungen, die im Handumdrehen greifen.
In diesem Buch werden häufig im Kontext von Teamarbeit auftretende Probleme behandelt, z. B. dass es ein Team gibt, aber keine Teamarbeit, Konflikte in Teams oder dass sich ein Team nicht an neue Situationen anpasst. Die einzelnen Problembereiche werden mit authentischen Fallstudien illustriert. Wir haben Fälle mit ganz unterschiedlichen Teamtypen ausgewählt, z. B. heterogene Teams, die mit sozial benachteiligten Jugendlichen arbeiten, Führungsteams und virtuelle Teams. Theoretische Grundlagen werden mit praktischer Umsetzung gekoppelt und für die Ursachen konkreter Probleme werden Hinweise in den Ergebnissen aktueller Forschungsprojekte gesucht. Dabei ergibt sich in jedem Kapitel eine kognitive Landkarte zu möglichen Ursachen für Probleme im Themenbereich dieses Kapitels. Dies ist dann Ausgangspunkt dafür, effektive Interventionen auszuwählen und durchzuführen. Die Ausführungen zur Ursachenanalyse enthalten Zusammenstellungen aktueller Forschungsergebnisse und mögen mehr Geduld, Ausdauer und Entdeckerlust erfordern als herkömmliche Beratungsliteratur, die vereinfachte, rezeptartige Lösungsschemata enthält, die dann aber häufig nicht zur Komplexität der organisationalen Wirklichkeit passen. In diesem Buch wird Teamarbeit nicht unkritisch als Allheilmittel für alle Probleme betrachtet, sondern es wird aufgezeigt, was für effektive Teamarbeit wichtig ist und wie sie entwickelt werden kann.
Es ist unser Wunsch, dass die Lektüre dieses Buches – trotz seines theoretischen Tiefgangs – stimulierend für alle ist, die sich mit der schwierigen Kunst der Entwicklung von Teamarbeit befassen.
Initiatorin und Hauptautorin des Buches ist Annika Lantz, sie ist hauptverantwortlich für die Kapitel I, II, III, V und VII sowie Mitverfasserin von Kapitel XI. Daniela Ulber ist hauptverantwortlich für die Kapitel IV, VI und VIII sowie Mitverfasserin von Kapitel XI. Hauptverantwortlich für die Kapitel IX und X ist Peter Friedrich, er ist zudem Mitverfasser von Kapitel XI.
Besonderer Dank gilt den vielen Teams und Manager*innen, die mit uns kooperiert und uns dabei die Gelegenheit gegeben haben, Beispiele für Teamarbeit im wirklichen Leben zu finden. Unser Dank gilt zudem Claudius Riegler, der mit seinem enormen Wissen über den Stand der Forschung und die Forschungspolitik auf unserem Gebiet in Deutschland und Europa sowie durch eine sorgfältige Lektorierung größerer Teile des Buches zur inhaltlichen und sprachlichen Qualität beigetragen hat.
I Gründe für Teamarbeit – welche Vorteile haben Teams?
Häufig wird der Leitsatz »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« zur Begründung für die Implementierung von Teamarbeit herangezogen. Aber führt Teamarbeit zu besseren Ergebnissen für die Organisation, das Team und die Mitarbeiter*innen als individualisierte Arbeit? Dies ist eine zentrale Fragestellung, da die folgenden Kapitel auf der Annahme basieren, dass sich die Einführung und Förderung von Teamarbeit lohnt. Das allgemeine Ziel des Buches ist es, darzustellen, wie effektive Teamarbeit umgesetzt und unterstützt werden kann. In diesem Kapitel werden zuerst Gründe für Teamarbeit und deren Effekte beschrieben. Dann wird das Konzept der Teameffektivität diskutiert, dabei wird zwischen effektiveren und weniger effektiven Teams unterschieden. Jedes Team ist anders und Teamarbeit ist ein dynamischer Prozess sozialer Interaktion, der in einem organisationalen Kontext stattfindet. Deshalb kommt ein Modell für effektive Teamarbeit zur Darstellung, das diesen Kontext berücksichtigt. Das Modell wird auch in späteren Kapiteln genutzt, um unterschiedliche Kernprobleme der Teamarbeit zu behandeln und adäquate Lösungen aufzuzeigen.
1 Warum sollte in Teams gearbeitet werden?
Im Folgenden werden zwei Begründungsmuster für organisationale Teamstrukturen ausgeführt: die evolutionsbedingte soziale Natur des Menschen sowie Effektivitätsgesichtspunkte.
1.1 Das »soziale Gehirn« und die soziale Natur von Menschen
Im Laufe der gesamten Evolution haben Menschen in Familien und Gruppen gelebt und gearbeitet. Es hat sich gezeigt, dass es lohnender und effektiver ist, gemeinsam statt isoliert zu handeln – sei es bei der Jagd, beim Bau von Behausungen oder bei der Erziehung von Kindern. Maslow (1943) hat grundlegende menschliche Bedürfnisse, z. B. nach Liebe und Wertschätzung, als Motive identifiziert. In der von ihm entwickelten Bedürfnispyramide bilden physiologische und sicherheitsbezogene Bedürfnisse die Basis. Soziale und selbstwertbezogene Bedürfnisse sind höher in der Pyramide situiert, an der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Diese höheren Bedürfnisse sind gemäß dem Modell nicht überlebensnotwendig. Lieberman, ein Psychologe und Neurowissenschaftler, argumentiert dagegen: »Our biology is built to thirst for connection because it is linked to our most basic survival needs.« (Lieberman 2013, S. 43). Der Autor erläutert, wie drei zentrale Adaptionen im Gehirn dazu führen, dass Individuen mit der sozialen Welt verbunden sind, Vorteile aus sozialen Verbindungen ziehen und Gruppen bilden sowie in ihnen arbeiten. Im Laufe der Evolution haben sich Säugetiere so entwickelt, dass sie positive und negative soziale Emotionen empfinden. Auch das menschliche Wohlbefinden ist mit dem Wunsch gekoppelt, sozial verbunden zu sein. Primaten haben die Fähigkeit entwickelt, Gedanken und Gefühle anderer zu erkennen. Diese Fähigkeit ermöglicht es, strategisch zu interagieren und die Bedürfnisse anderer zu antizipieren – ein wesentlicher Bestandteil von emotionaler Intelligenz. Neuronale Anpassungen im Laufe der Evolutionsgeschichte ermöglichen es Menschen, von anderen beeinflusst und sozialisiert zu werden. Harmonisierung ist für die Interaktion in Gruppen unerlässlich.
1.2 Effektivere Arbeit
Viele Organisationen strukturieren ihre Arbeit in Teams – auf Basis der Annahme, dass dies für die Effektivität des Unternehmens förderlich ist. Die Gründe für die Implementation von Teamarbeit lassen sich in drei Hauptkategorien zusammenfassen:
• (Leistungs-)intensivere Arbeit: Die Gruppendynamik in Teams kann dazu führen, dass die Teammitglieder von sich aus mehr arbeiten, da Zusammenarbeit auf ein gemeinsames Ziel hin motivierend wirkt. Zu sehen, was andere tun, und sich gegenseitig zu beobachten, kann zudem den Wunsch hervorrufen, sich selbst positiv darzustellen. Gruppendruck kann sich auch negativ auswirken, denn eine enge Kooperation kann dazu führen, dass sich die Teammitglieder gegenseitig überwachen und starken Druck aufeinander ausüben (Goodwin, Blacksmith & Coats, 2018).
• Kompetentere Arbeit: Salas, Burke und Cannon-Bowers (2000) argumentieren, dass Teamarbeit effizientere Arbeit ermöglicht. Teams können komplexere Aufgaben übernehmen als Einzelpersonen. Die Teammitglieder ergänzen sich und bringen unterschiedliche und sich ergänzende Kompetenzen und Fertigkeiten mit, sie helfen sich gegenseitig, stellen gegenseitige Unterstützung sicher, überwachen den gemeinsamen Arbeitsfortschritt und gleichen die Arbeitsbelastung der Einzelnen aus. Die Teammitglieder können zudem die Situation im Auge behalten sowie die Umgebung beobachten und auf dieser Basis bei Bedarf ihre Arbeitsabläufe anpassen (Goodwin et al., 2018). West (2012) argumentiert, dass Teamarbeit Innovationen und Veränderungen unterstützt, da die Teammitglieder unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten haben. Eine teamorientierte Organisation kann so zu Effizienzsteigerungen führen (z. B. geringere Kosten und Prozesszeiten). Auf dieser Grundlage können Entscheidungen, Vorschläge und Prozesse aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und zudem neue Ansätze und Verfahrensweisen entwickelt werden.
• Organisationale Veränderungen und Entwicklungen: In den letzten Jahrzehnten sind Organisationsumwelten turbulenter und dynamischer geworden. Organisationen müssen flexibel agieren, um sich an neue Anforderungen anzupassen. Eine Teamstruktur passt gut zu diesen Anforderungen, da Teams bedarfsgerecht zusammengesetzt und eingebunden werden können. Durch die Dezentralisierung von Entscheidungen in Teams kann die Anzahl der Vorgesetzten und mittleren Führungskräfte reduziert werden. Eine flachere Hierarchie hat wiederum positive Auswirkungen auf die Reaktionszeit auf externe Veränderungen. Darüber hinaus können Teams bevorstehende Veränderungen im externen Umfeld erkennen und sich anpassen, um proaktiv sicherzustellen, dass Reaktionen auf diese Änderungen realisiert werden. Auch Lean-Management basiert auf der Idee, dass Teamarbeit eine zentrale Grundlage für Prozessinnovationen ist (Netland & Aspelund, 2013).
2 Was unterscheidet Teams von anderen Arten von Gruppierungen?
Manchmal wird die Bezeichnung Team auch für Mitarbeiter*innen gewählt, die lose miteinander verbunden sind, bei ihrer Arbeit kaum miteinander kommunizieren und die Arbeitsaufgaben individuell ausführen. Zwar verlaufen die Arbeitsabläufe der verschiedenen Personen auch dann häufig koordiniert, dennoch hängen die Mitarbeiter*innen bei der Ausführung der Aufgaben nicht voneinander ab. In solchen Fällen bedeutet »ein Team sein« oft, dass individuell ausgeführte Tätigkeiten zusammengefasst werden, oder aber, dass die Mitarbeiter*innen sich gegenseitig helfen. Es ist wichtig, Arbeitsteams von anderen Gruppierungen in Organisationen zu unterscheiden, da lockere Gruppierungen von Individuen mit geringer Interaktionsnotwendigkeit (z. B. Mitarbeiter*innen einer Vertriebsabteilung) keine Interaktionsmuster entwickeln, um die oben beschriebenen positiven Resultate von Teamarbeit zu erzielen. Zunächst geht es deshalb um die Definition des Begriffs Team.
2.1 Definition von Team
In der organisationspsychologischen Literatur werden Teams meist in Einklang mit der Definition von Kozlowski und Bell (2013) als Gruppen beschrieben, die
• aus zwei oder mehr Individuen bestehen,
• ein oder mehrere gemeinsame Ziele teilen,
• gebildet wurden, um relevante Aufgaben der Organisation auszuführen, bei deren Bearbeitung die Teammitglieder gegenseitig voneinander abhängig sind,
• sozial interagieren,
• abgegrenzt und gleichzeitig in einen organisatorischen Kontext eingebettet sind, welcher das Team ein- und abgrenzt und die Interaktion mit anderen organisatorischen Einheiten beeinflusst.
West und Lyubovnikova (2012) haben vier Merkmale identifiziert, anhand derer Teams von »Pseudo-Teams« unterschieden werden können. »Pseudo-Teams« sind Gruppen, deren Mitglieder ihre Arbeit hauptsächlich individuell verrichten. Teams dagegen sind durch eine spezifische Art der Interaktion gekennzeichnet:
Reflexivität: Teams diskutieren, reflektieren, bewerten ihre laufende Arbeit und Kooperation. Sie überprüfen ihre Leistung systematisch, während sich die Kommunikation von Pseudo-Teams eher auf den Austausch von Informationen zur Koordination einzelner Aufgaben beschränkt. Teams reflektieren gewohnheitsmäßige Routinen, wie z. B. die Koordination der Arbeit und wie diese Routinen die Effektivität und Zufriedenheit beeinträchtigen. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, ein gemeinsames Verständnis der Aufgaben und der zu erbringenden Leistung zu entwickeln.
Interdependenz: Arbeitsaufgaben variieren stark in Bezug darauf, wie eng die Teammitglieder zusammenarbeiten müssen, um sie zu erfüllen (
Kap. III). Die Interdependenz der Aufgaben ist der Grad, in dem die Mitglieder des Teams gegenseitig voneinander abhängig sind. Hohe Aufgabeninterdependenz bedeutet, dass die Teammitglieder hauptsächlich in enger Zusammenarbeit an Teilaufgaben arbeiten, die koordiniert und auf die Gesamtziele ausgerichtet sind. Die Interdependenz der Aufgaben stellt Anforderungen an kollektive Regulationsprozesse und es bedarf eines gemeinsamen Verständnisses darüber, was zu tun ist und wie dabei vorzugehen ist. Eine geringe Interdependenz bedeutet, dass man während der Arbeit wenig gemeinsam handelt und es daher kaum Anlass gibt, ein gemeinsames Verständnis darüber zu entwickeln. In Kapitel III und V wird dieses Thema vertieft.
Geteilte Ziele: In Pseudo-Teams fehlt ein gemeinsames Verständnis darüber, was das Ziel ist und worauf das Team hinarbeiten sollte. Ein Team dagegen hat ein gemeinsames Verständnis von einem gemeinsamen Ziel, das reguliert, in welcher Art die verschiedenen Teammitglieder handeln.
Verbundenheit: In einem Team identifizieren sich die Mitglieder mit ihrem Team. Pseudo-Teams sind in so einem Maße durchlässig, dass Unsicherheit darüber besteht, wer Teil des Teams ist und wer nicht. Der Zusammenhalt ist gering. Wenn die Teammitglieder kein Gefühl der Zugehörigkeit zum Team haben, sind sie weniger motiviert, zum Teamerfolg beizutragen, und investieren weniger in den Aufbau von Beziehungen zu den anderen. Mit fließenden Grenzen und mehreren Teamzugehörigkeiten sind Teammitglieder in unterschiedlichem Maße an verschiedene Teams gebunden. Eine Bindung an mehrere Teams und zu mehreren Personen ist aber dennoch möglich.
2.2 Jedes Team ist anders
Manche Berater*innen verkaufen Produkte in Standardversionen, wie z. B. Interventionen, die als leistungssteigernd für jedes beliebige Team vermarktet werden. Das würde bedeuten, dass alle Teams sich mehr oder weniger gleichen und der Kontext keine Rolle spielt. Dem ist jedoch nicht so – Teams werden in ganz unterschiedlicher Art gebildet. Salas, Reyes und McDaniel (2018) weisen darauf hin, dass zahlreiche Faktoren Zusammensetzung und Interaktionen in Teams beeinflussen. Teams unterscheiden sich in mehreren Aspekten, was wiederum Auswirkungen auf deren Prozesse und Ergebnisse hat. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Lösung von Problemen und die Gestaltung von Interventionen in Teams. Jedes Team ist in individueller Weise zusammengestellt, damit es einen bestimmten Zweck in einem spezifischen Kontext erfüllt. Es ist deshalb nicht möglich, eine Auflistung aller Arten von verschiedenen Teams zu erstellen und dafür rezeptartig jeweils bestimmte Lösungen zu benennen. Es ergibt mehr Sinn, allgemeine Mechanismen für eine reibungslose Teamarbeit zu identifizieren.
3 Was ist Teamarbeit?
Individuelle Arbeit bezieht sich auf die Leistungskomponente von Teammitgliedern, die keine wechselseitig voneinander abhängigen (interdependenten) Interaktionen mit anderen Teammitgliedern erfordert. Teamarbeit dagegen ist als interdependente Leistungskomponente definiert und beinhaltet kooperatives Handeln, das den Umgang mit den Aufgabenzielen erleichtert und eine koordinierte, angepasste Leistungserbringung ermöglicht (van der Haar, Segers & Jehn, 2013). Sie umfasst alle Arten von Teamprozessen, die sich aus zueinander in Beziehung stehenden individuellen Gedanken, Gefühlen und Handlungen ergeben, welche für das Funktionieren als Team erforderlich sind (Salas, Sims & Burke, 2005). Schlüsselaspekte sind Koordination und Adaption: Das Team muss die Aufgabe koordiniert ausführen und routinisierte Abläufe modifizieren, um sich an Veränderungen und neue Anforderungen anzupassen.
3.1 Teamarbeit beinhaltet Engagement in interpersonellen und Arbeitsaufgaben-bezogenen Prozessen
Die Teammitglieder sind im Arbeitsprozess bei der Aufgabenbearbeitung und Ergebnisbewertung voneinander abhängig. Deshalb müssen sie kooperieren, Informationen teilen, integrieren, synthetisieren, koordinieren, ihre Ergebnisse und Arbeitsprozesse reflektieren, und zwar sowohl während als auch im Anschluss an Leistungsepisoden. Dabei engagieren sie sich sowohl in Arbeitsaufgaben-bezogenen als auch in interpersonellen Prozessen. Aufgabenbezogene Arbeit besteht aus den Tätigkeiten des Teams zur Aufgabenerfüllung. Interpersonell bezieht sich auf zwischenmenschliche Prozesse, die sich im Laufe der Zeit entwickeln, wie z. B. der Aufbau von Vertrauen, Zuversicht und einer freundlichen Atmosphäre (
Kap. V, Kap. VI, Kap. VII).
3.2 Prozesse generieren emergente Zustände
Teams entwickeln routinisierte Interaktionsmuster in Bezug darauf, wie sie denken, fühlen und handeln. Nach und nach entstehen aus den Prozessen emergente Zustände: habitualisierte Denkweisen, relativ stabile affektive Zustände und typische Verhaltensmuster. Mit der Zeit verändern sich diese emergenten Zustände bzw. Phänomene: Wenn Teammitglieder und Teamleitungen in neue Situationen kommen, sich an diese anpassen und neue Informationen integrieren, denken, fühlen und verhalten sie sich anders. Kozlowski und Ilgen (2006) beschreiben emergente Zustände als Indikatoren für die Art und Qualität der Teamprozesse. Sie sind ein Echo wiederholter Prozessinteraktionen, wurden durch vergangene Prozesse geprägt, regulieren die gegenwärtigen und formen zukünftige Prozesse. De Church und Mesmer-Magnus (2010) definieren Teamprozesse als Art und Weise der Teaminteraktion, wohingegen emergente Zustände eine effektive Teamarbeit ermöglichen und regeln. Prozesse werden ebenso wie emergente Zustände meist in verhaltensbezogen, affektiv und kognitiv kategorisiert.
3.3 Effektive Teams wechseln zwischen Handlungs- und Übergangsphasen
Teamprozesse werden in der Organisationsforschung je nach Ansatz und theoretischem Fokus unterschiedlich kategorisiert. Ein Ansatz besteht darin, zwischen einer Handlungs- und einer Übergangsphase zu unterscheiden. Basierend auf Marks, Mathieu und Zaccaro (2001) beschreiben Maynard, Kennedy und Sommer (2015), was Teammitglieder in Handlungsphasen tun: Sie konzentrieren sich auf die Aufgabenerfüllung, überwachen dabei den Fortschritt, koordinieren sich untereinander und beobachten und unterstützen sich gegenseitig.
Übergangsphasen treten ein, wenn ein Team von einer Leistungsepisode zur nächsten wechselt und diese Phase für eine kritische Reflexion der bisherigen Erfahrungen der Zusammenarbeit nutzt, um sinnvolle Veränderungen herbeizuführen. Die Teammitglieder führen in diesen Zusammenhang Auftragsanalysen, Planungen, Zielklärungen und -spezifikationen durch und entwickeln Strategien für die Zukunft (Marks et al., 2001; Maynard et al., 2015). Diese Phasen können sequenziell nacheinander oder auch parallel erfolgen. Konradt, Otte, Schippers und Steenfatt (2016) argumentieren, dass Reflexivität als Prozess sowohl in der Übergangs- als auch in der Handlungsphase stattfindet.
Teamarbeit bedeutet, dass ein Team eine Aufgabe ausführt, indem es sie gemeinsam und interdependent bearbeitet. Psychosoziale Prozesse werden kombiniert, damit durch koordinierte und adaptive Leistungen Aufgabenziele erreicht werden, die zu wertschöpfenden Ergebnissen führen. Ein emergenter Zustand ist ein mehr oder weniger stabiles Merkmal des Teamprozesses, welches man zu einem bestimmten Zeitpunkt erfasst bzw. beobachtet. Emergente Zustände regulieren die gegenwärtigen und formen zukünftige Prozesse. Während der Übergangsphase ermöglichen spezifische Teamprozesse die Veränderung habitualisierter Routinen und eine Adaption an neue Anforderungen (
Kap. VII).
4 Ergebnisse von Teamarbeit
Menschen unterscheiden sich in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten, Qualifikationen, Erfahrungen, Persönlichkeitsmerkmalen und anderen individuellen Faktoren. Wenn sie kooperieren, können sie sich ergänzen und diese Ressourcen gemeinsam nutzen. Aber ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile? Ermöglicht Teamarbeit bessere Ergebnisse auf den Ebenen der Organisation, des Teams und der einzelnen Personen als individuelle Arbeit?
4.1 Was bedeutet Arbeit in Teams für Individuen?
In der Arbeitspsychologie ist das Prinzip der sozialen und gesellschaftlichen Einbindung in Form von Kommunikation, sozialer Kooperation und unmittelbaren sozialen Kontakten ein wichtiges Kriterium für humane Arbeitsbedingungen (Ulich & Weber, 1996; Volpert, 1992).
Es gibt zahlreiche empirische Studien, die positive Auswirkungen sozialer Unterstützung bei der Arbeit auf die psychische Gesundheit und die allgemeine Qualität des Arbeitslebens belegen (de Lange, Taris, Kompier, Houtman & Bongers, 2003; Stansfeld & Candy, 2006; Taris & Kompier, 2014). Andererseits können soziale Bedürfnisse auf unterschiedliche Weise erfüllt werden. An den meisten Arbeitsplätzen unterstützen Mitarbeiter*innen einander, unabhängig davon, ob sie in Teams arbeiten oder nicht. Mehrere Studien aus den letzten Jahrzehnten belegen konkrete Ergebnisse von Teamarbeit auf der individuellen Ebene anhand unterschiedlicher Kriterien wie Produktivität (z. B. O’Reilly & Roberts, 1977), individuelle Beiträge zum Team (z. B. Price, Harrison & Gavin, 2006), Hilfeverhalten (z. B. Gonzalez-Mulé, DeGeest, McCormick, Seong & Brown, 2014) und reduzierte Abwesenheitsquote (z. B. Duff, Podolsky, Biron & Chan, 2014; Mathieu & Kohler, 1990).
Reaktionen der Teammitglieder wie veränderte arbeitsbezogene Einstellungen werden häufig zusammen mit den Ergebnissen von Teamarbeit untersucht, beispielsweise Arbeitszufriedenheit (z. B. Pritchard, Jones, Roth, Stuebing & Ekeberg, 1988; Rasmussen & Jeppesen, 2006; van der Vegt, Emans & van de Vliert, 2001), die Absicht, die Stelle zu wechseln (z. B. Chen, Sharma, Edinger, Shapiro & Farh, 2011) und reduzierte Depressionssymptome (z. B. Parker, 2003). Viele Studien werden im Gesundheits- und Pflegesektor durchgeführt, da funktionierende Kooperation essenziell für gute Pflege ist. Z. B. zeigen Kristensen et al. (2015) in ihrer Studie, dass Teamarbeit die Wahrnehmung der allgemeinen Arbeitsqualität von Pflegepersonal beeinflusst. Fay, Shipton, West und Patterson (2014) belegen konsistent, wie sich Teamarbeit im Zusammenspiel mit Personalentwicklungsmaßnahmen auf Outputs in Form von Einstellungen im Gesundheitsbereich auswirkt.
In Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen fördert die gegenseitige Unterstützung in Teams die Gesundheit und reduziert Stress sowie Burnout-Raten (van Dick & Haslam, 2012). Für teilautonome Arbeitsgruppen berichten Ulich und Weber (1996) eine Verbesserung von Fertigkeiten und Qualifikationen, eine Reduzierung von einseitigen Belastungen und Stress sowie als Reaktion eine hohe intrinsische Motivation.
Arbeitsmotivation ist ein psychologischer Prozess, der beeinflusst, wie persönliche Anstrengungen und Ressourcen im Arbeitshandeln eingesetzt werden, was auch Ausrichtung, Intensität und Ausdauer des Handelns beinhaltet (Kanfer, Chen & Pritchard, 2008). Intrinsische Motivation ist der individuelle und selbstbestimmte Wunsch, etwas zu tun, Herausforderungen zu suchen und Kompetenzen zu erlangen. Sie wird durch das Interesse an der Aufgabe selbst und nicht durch externen Druck oder Belohnungen (wie bei der extrinsischen Motivation) ausgelöst. In der Untersuchung von Gillet, Morin, Ndiaye, Colombat und Fouquereau (2020) über den Einfluss unterschiedlicher Arten von Motivation auf die Arbeitsleistung wurde gezeigt, dass von extrinsischer Motivation gesteuerte Mitarbeiter eine niedrigere Arbeitsleistung und ein größeres maladaptives Verhalten zeigen als solche mit intrinsischer Motivation. Bacon und Blyton (2003) belegen in einer Längsschnittstudie, dass sich die Arbeit in Teams positiv auf die Wahrnehmung der individuellen Entwicklung von Fertigkeiten auswirkt, was auch weitere Befunde unterstützen. Delarue, van Hootegem, Procter und Burridge (2008) zeigen in einer Studie, dass der groß angelegte Einsatz von Teamarbeit zu weniger Fehlzeiten führt, während eine Untersuchung von Glassop (2002) ergibt, dass Organisationen mit Teams eine geringere Mitarbeiterfluktuation aufweisen. In einer Metaanalyse1 zeigen Richter, Dawson und West (2011), dass Menschen, die in Teams arbeiten, ein höheres Ausmaß an Commitment und Involviertheit berichten und weniger Stresssymptome aufweisen als Personen, die nicht in Teams organisiert sind. Diese Zusammenhänge konnten wiederholt repliziert werden.
4.2 Outcomes für das Team
Eingangs wurde bereits beschrieben, dass ein Team mit der Zeit bestimmte ›Gewohnheiten‹ bzw. Routinen des Denkens, Fühlens und Handelns entwickelt, die sogenannten emergenten Zustände. Emergente Zustände werden als Outcomes für das Team selbst gesehen. Allerdings stellt sich dabei die Frage, was das Huhn und was das Ei ist: Einige Konzepte sehen emergente Zustände als Output, der im Laufe der Zeit aus Erfahrungen mit der gemeinsamen Teamarbeit resultiert, andererseits können sie aber auch als Zustand betrachtet werden, der die Interaktion eines Teams charakterisiert. So wird die Selbstwirksamkeit eines Teams als Outcome gut funktionierender Teamarbeit bezeichnet, aber sie bildet gleichzeitig einen emergenten Zustand der Teaminteraktion. Individuelle Selbstwirksamkeit ist definiert als ein persönliches Urteil darüber, wie gut man dazu in der Lage ist, zukünftige Situationen erfolgreich zu bewältigen (Bandura, 1982). Die Selbstwirksamkeit eines Teams (oder auch Teamwirksamkeit) bezeichnet dasselbe auf einem kollektiven Niveau (Gully, Incalcaterra, Joshi & Beaubien, 2002). Selbst- und Teamwirksamkeit hängen mit Vertrauen zusammen. Stajkovic (2006) konzeptualisiert Selbstwirksamkeit als eine manifeste Variable des Kernvertrauens, welches Hoffnung, Selbstwirksamkeit, Optimismus und Resilienz umfasst. Vertrauen ist der Glaube eines Individuums (oder eines Teams) an die Fähigkeit, die Anforderungen der Arbeit in einem bestimmten Bereich sowie die damit verbundenen Aktivitäten zu bewältigen. Ohne ein solches Vertrauen übernimmt ein Team keine anspruchsvolleren Aufgaben und verlässt seine Komfortzone nicht. Vertrauen ist das Ergebnis früherer Erfahrungen mit der erfolgreichen Bewältigung verschiedener Aufgaben im Team.
Teamwirksamkeit sollte entsprechend Einfluss darauf nehmen, was ein Team tut (Zielsetzung), wie hartnäckig es beim Auftreten von Hindernissen und deren Überwindung ist und wie viel Aufwand es in die Arbeit investiert. Entsprechend wird angenommen, dass Teamwirksamkeit sich auf das Verhalten des Teams auswirkt. Die Metaanalyse von Gully et al. (2002) stützt diese Annahme. Sie zeigt eine signifikante Korrelation2 von ρ = .41 zwischen Teamwirksamkeit und Teamleistungsoutcomes.
Einige Wissenschaftler*innen, z. B. Sy, Côté und Saavedra (2005), betrachten das affektive Gruppenklima als Outcome von Teamarbeit. Ebenso kann argumentiert werden, dass es sich dabei um ein Merkmal der Teaminteraktion handelt. Kohäsion ist ein weiteres Beispiel, auch diese wird von einigen Autoren als Outcome von Teamarbeit eingeordnet (z. B. Greene & Schriesheim, 1980; Gully, Devine & Whitney, 2012). Kohäsion wird aber auch als Konzept verwendet, um die Kräfte zu beschreiben, die ein Team zusammenhalten, und somit als Merkmal der Interaktion. Kohäsion umfasst das Commitment der Teammitglieder für das Team und das Ergebnis aller Kräfte, die auf die Mitglieder dahingehend einwirken, dass sie in der Gruppe bleiben (Festinger, 1950). Die Ergebnisse einer Metaanalyse von Beal, Cohen, Burke und McLendon (2003) ergeben stärkere Zusammenhänge zwischen Kohäsion und Leistung, wenn Leistung als Verhalten definiert wird (und nicht als Outcome). In einer weiteren Metaanalyse von Mathieu, Kukenberger, D’Innocenzo und Reilly (2015) zur Beziehung zwischen Kohäsion und Leistungskriterien zeigt sich, dass diese im Zeitverlauf wechselseitig zueinander in positiver Beziehung stehen. Was war also zuerst da – das Huhn oder das Ei? Auch Teamlernen ist Teil der Teaminteraktion und kann ebenfalls als Outcome betrachtet werden, zumindest zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wenn Teammitglieder ihr Wissen teilen und in einen gegenseitigen Lernprozess eintreten, erzeugen sie Wissen (West, 2012). Wissen kann wiederum als Outcome gesehen werden, der gleichzeitig Einfluss auf zukünftige Leistungsepisoden nimmt.
Die erwähnten Konstrukte können demnach sowohl als Beschreibungen der Teaminteraktion als auch als Outcomes dieser Interaktion betrachtet werden. Es gibt einen wachsenden Konsens darüber, dass Team-Viabilität ein Outcome von Teamarbeit ist. Team-Viabilität wird definiert als die Fähigkeit eines Teams zu Nachhaltigkeit und Wachstum, das für den Erfolg in zukünftigen Leistungsepisoden erforderlich ist (Bell & Marentette, 2011). Manche kennen vielleicht das Gefühl der Erleichterung nach Abschluss eines Projekts in einem nicht gut funktionierenden Team. Team-Viabilität bezeichnet das genaue Gegenteil – sie befördert Ideen darüber, welche anspruchsvolleren Aufträge als nächstes gemeinsam als Team bearbeitet werden können. Team-Viabilität wird auf Teamebene durch Teamprozesse wie Kohäsion, Koordination, gute Kommunikationsmöglichkeiten und Problemlösung befördert (z. B. Druskat & Wolff, 1999; Kozlowski & Bell, 2013). Die Proaktivität eines Teams hängt mit seiner Viabilität zusammen und ist ein wichtiger Outcome der Teaminteraktion, der mit organisationalem Change und Organisationsentwicklung korreliert (Barker, 1993; Lantz Friedrich, Sjöberg & Friedrich, 2016). Teamproaktivität ist definiert als freiwillige und konstruktive Bemühungen eines Teams, funktionale Veränderungen der Arbeitsausführung im Kontext des Arbeitsauftrags, der Arbeitseinheit oder der Organisation zu bewirken (Lantz, 2011). Eine aktuelle Literaturstudie zeigt, dass Proaktivität sowohl von Individuen als auch von Teams durch gute Führung, Unterstützung des Teams, positives Organisationsklima und effektive Teamprozesse gefördert wird (Cai, Parker, Chen & Lam, 2019). Insbesondere Teamlernen beeinflusst die Neigung, über vorgegebene Aufgaben hinauszugehen und sich proaktiv an Entwicklungs- und Veränderungsaktivitäten zu beteiligen (Lantz Friedrich et al., 2016).
4.3 Outcomes für die Organisation
Delarue et al. (2008) beschreiben in einer Forschungsreview zahlreiche Studien zu den Zusammenhängen zwischen Teamarbeit und deren Outcomes, die unterschiedliche Indikatoren anwenden. Zur Systematisierung der Ergebnisse unterscheiden die Autor*innen zwischen operationalen Outcomes für die Organisation und finanziellen Outcomes. Erstere umfassen Produktivität (z. B. die Anzahl der Stunden für das Zusammenbauen eines Getriebes), Produkt- oder Dienstleistungsqualität, Innovation, Flexibilität und Kundenzufriedenheit. Die finanziellen Outcomes beinhalten Wertschöpfung pro Mitarbeiter*in, Verzinsung des eingesetzten Kapitals und Rentabilität.
In Analysen der Teaminteraktion wurden verschiedene Faktoren identifiziert, die mit messbaren Outcomes wie Produktivität (z. B. McEwan, Ruissen, Eys, Zumbo & Beauchamp, 2017; Pepinsky, Pepinsky, Minor & Robin, 1959), Effizienz (z. B. Shuffler, Pavlas & Salas, 2012; Wiest, Porter & Ghiselli, 1961), Arbeitsqualität (z. B. Maier & Hoffman, 1961), Mitarbeiterbindung (z. B. Hausknecht & Trevor, 2010), kreative Ergebnisse (z. B. Cai et al., 2019; Cohen, Whitmyre & Funk, 1960), proaktives Verhalten (Cai et al., 2019) und Innovationsprozesse (z. B. Lantz Friedrich et al., 2016) zusammenhängen. Die entsprechenden Literaturquellen verdeutlichen, dass organisationale Leistungsoutcomes seit vielen Jahren untersucht werden und eine breite Forschungsbasis für die Annahme existiert, dass Teamarbeit positive Effekte auf organisationale Leistungsoutcomes wie auch finanzielle Outcomes hat (z. B. Delarue et al., 2008; Richter et al., 2011).
4.4 Outcomes auf verschiedenen Ebenen sind miteinander verbunden
Individuelle Outcomes bedingen das Verhalten der Mitarbeiter*innen, welches sich wiederum auf die Outcomes auf Team- und Organisationsebene auswirkt. Motivierte und zufriedene Teammitglieder tragen mehr zum Teamprozess bei (
Kap. III). Auch Outcomes in Form von arbeitsbezogenen Einstellungen betreffen andere Team- und Organisations-Outcomes. In einer Metaanalyse von Whitman, van Rooy und Viswesvaran (2010) zeigt sich eine signifikante Beziehung zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung (ρ = .34). Signifikante Korrelationen bestehen insbesondere zwischen Arbeitszufriedenheit und Produktivität, Kundenzufriedenheit, (rückläufiger) Rücknahme von Produkten und Organizational Citizenship Behavior (OCB). Organizational Citizenship Behavior ist ein Konzept, das die Bereitschaft von Mitarbeiter*innen, über die vorgegebene Arbeitsaufgabe hinaus Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, beschreibt. Organ (1988) definiert OCB als individuelles Verhalten aus eigenem Ermessen, welches nicht direkt bzw. explizit durch ein formales Belohnungssystem anerkannt wird und das effektive Funktionieren der Organisation unterstützt. Die Definition von OCB von Organ beinhaltet drei kritische Aspekte, die für dieses Konstrukt zentral sind: Erstens wird OCB als Verhalten aus eigenem Ermessen betrachtet, das nicht Teil der Stellenbeschreibung ist, d. h. es wird freiwillig ausgeführt. Zweitens geht OCB über die Anforderungen der Stellenbeschreibung hinaus. Drittens trägt OCB positiv zur allgemeinen organisatorischen Effektivität bei. OCB ist ein Verhalten, das sich durch anhaltende Begeisterung, Unterstützung und Hilfeleistung für andere und regelgeleitetes Vorgehen auszeichnet sowie den Organisationszielen verpflichtet ist (Borman & Motowidlo, 1993). Andere zu unterstützen wirkt sich positiv auf das Funktionieren eines Teams wie auch auf seine Outcomes aus.
In einer Review über Teamarbeit und Leistungen der Organisation schlussfolgern Delarue et al. (2008), dass Veränderungen der Arbeitsorganisation in Form von Teamarbeit sich direkt auf das Verhalten der Mitarbeiter*innen auswirken können (z. B. geringerer Absentismus) und infolgedessen auf die operative Leistung (höhere Produktivität), was wiederum zu einer höheren finanziellen Leistung (höhere Gewinne) beitragen kann. Das wird als »Leistungskette« bezeichnet (
Abb. 1.1). Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass individuelle Outcomes (wie Motivation) im Laufe der Zeit das individuelle Verhalten prägen, was sich wiederum auf die Outcomes des Teams und der Organisation auswirkt. Die Outcomes auf verschiedenen Ebenen sind entsprechend in Form einer Leistungskette miteinander verknüpft.

Abb. 1.1: Die Leistungskette
Abbildung 1.1 zeigt, wie positive Ergebnisse der Teamarbeit auf individueller Ebene das Resultat auf Teamebene beeinflussen und dann Effekte für die ganze Organisation hervorbringen können. Teamarbeit kann natürlich auch zu negativen Ergebnissen, wie Stress und Mobbing, oder auch zu überhaupt keinen Ergebnissen führen. Teamarbeit kann auch auf nur einer oder zwei Ebenen zu Outcomes führen, zudem kommen Leistungsketten nicht zwingend zum Tragen.
4.5 Die Outcomes hängen vom organisationalen Kontext ab
Eine Metaanalyse von 61 Studien zeigt, dass die Arbeit in Teams im Allgemeinen zwar signifikante, aber nur kleine oder moderate Effekte auf die organisationale Leistung und individuellen Merkmale (wie Zufriedenheit, Commitment und Wohlbefinden) hat (Richter et al., 2011). Das Ausmaß der Beziehung von Teamarbeit und Effektivitätskriterien hängt vom organisationalen Kontext ab, zum Beispiel, ob begleitende Personalmanagementmaßnahmen stattfinden und in welchem Sektor sich das Unternehmen befindet. Delarue et al. (2008) kommen in ihrer Analyse zu einem ähnlichen Ergebnis: Von 21 Studien zeigen 18 einen positiven Zusammenhang zwischen der Umsetzung von Teamarbeit und Leistungsoutcomes. Die Review verdeutlicht, dass sich Teamarbeit positiv auf Einstellungen, Verhalten, Leistung der Organisation und finanzielle Outcomes auswirkt. In Übereinstimmung mit Richter et al. (2011) zeigen die Ergebnisse, dass die Leistung stärker gesteigert wird, wenn Teamarbeit mit strukturellen Veränderungen kombiniert wird. Dieses Thema wird im letzten Kapitel weiter ausgeführt. An dieser Stelle sei festgestellt, dass die Ergebnisse von Studien dafür sprechen, dass der Zusammenhang, in dem sich ein Team entwickelt, bedeutsam ist.
4.6 Negative Seiten von Teamarbeit
Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass Teamarbeit befriedigend ist, weil gemeinsam Aufgaben erfüllt und gute Ergebnisse erzielt werden. Teamarbeit funktioniert manchmal hervorragend, aber sie ist nicht immer effizient oder zufriedenstellend. Maximilien Ringelmann (1913), ein französischer Agraringenieur, erforschte vor über 100 Jahren ein soziales Phänomen, die relative Leistung als Funktion der Gruppengröße. In einem bekannten Experiment untersuchte er, wie viel Kraft Menschen beim Tauziehen einsetzen. Es zeigte sich, dass Menschen, die als Team an einem Strang ziehen, weniger Kraft aufwenden als Einzelpersonen an einem Seilende. Je mehr Personen zogen, desto weniger Kraft wurde individuell aufgewendet. Der Effekt heißt soziales Faulenzen oder auch umgangssprachlich Trittbrettfahren.
Nicht nur soziales Faulenzen beeinträchtigt die Effektivität von Teams. Aus der Experimentalforschung ist z. B. bekannt, dass Entscheidungen im Team weniger effektiv sind, mehr Zeit in Anspruch nehmen und schlechter sein können als individuelle Entscheidungen (vgl. z. B. Ladbury & Hinsz, 2009). Dieses Problem kann auftreten, weil eine gemeinsame Entscheidung weniger präzise ausfallen kann, als wenn sie von der kompetentesten Person im Team getroffen wird. Das gemeinsame Handeln kann zufriedenstellender sein als isolierte Tätigkeiten, aber soziale Interaktion ist auch komplex und manchmal schwierig, so dass Teamarbeit oft herausfordernd ist.
Es gibt eine Tendenz zur Romantisierung von Teamarbeit – sowohl in der Wissenschaft als auch im Feld (und ganz zu schweigen von vielen Beratungsunternehmen). Um in eine teambasierte Organisation zu investieren, wird eine fundierte Begründung benötigt. Es bedarf auch einer klaren und eindeutigen Spezifizierung von Outcomes, die zu erreichen sind. Die Begründung für die Implementierung von Teams muss dazu passen, wie die Teamarbeit umgesetzt, gestaltet und unterstützt wird. Die arbeitsorganisatorische Lösung sollte zudem mit anderen organisationalen Merkmalen in Einklang stehen.
Outcomes von Teamarbeit entstehen auf der individuellen, der Team- und der Organisationsebene, wobei die empirisch belegten Effekte moderat sind. Viele Aspekte der Organisationsstruktur und organisationale Prozesse wirken sich auf die Outcomes aus. Teamarbeit kann auch zu negativen Ergebnissen führen. Dennoch stützt der Forschungsstand allgemein die Aussage, dass Teamarbeit effektiver ist als andere Arbeitsformen, jedoch in Abhängigkeit vom Teamkontext. Wichtig ist, wie gut es gelingt, Erfahrungen zu nutzen, um Teamprozesse weiterzuentwickeln. Die Entscheidung für Teamarbeit braucht eine fundierte Begründung und klare Ergebniserwartungen.
5 Was bedeuten Leistung, Effektivität und Effizienz eines Teams?
Auf den Aspekt Leistung wurde in diesem Kapitel bereits eingegangen, auch der Begriff Teameffektivität wurde erwähnt. Da der Leistungsbegriff verschiedene Bedeutungen hat und Leistung, Effektivität und Effizienz miteinander in Beziehung stehen, ist es wichtig, die verschiedenen Konzepte für diesen Kontext zu definieren.
Leistung ist das, was Menschen tun. Salas, Cooke und Rosen (2008) heben hervor, dass Leistung ein Prozess ist, der daraus entsteht, dass Teammitglieder ihre Arbeitsaufgaben gemeinsam und auf der Basis interpersoneller Prozesse auf individueller und Teamebene bewältigen. Was genau die Leistung ist, hängt letztendlich von den Zielen der jeweiligen Organisation ab. Die Ergebnisse des Teams beruhen darauf, wie es agiert, um Outcomes zu erreichen. Die Produktivität eines Teams besteht wiederum darin, wie sich diese Verhaltensweisen in Bezug auf unterschiedliche Leistungskriterien darstellen. In den folgenden Kapiteln werden verschiedene Aspekte von Leistung vertieft dargestellt.
Was ist Teameffektivität? Ein Verhalten gilt gemeinhin dann als effektiv, wenn es adäquat dafür ist, einen Zweck zu erfüllen und das intendierte oder erwartete Ergebnis zu erreichen. Ein Team ist effektiv, wenn es erreicht, was von ihm erwartet wird. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass nicht immer ganz offensichtlich ist, was erwartet wird. Ein Team ist mit anderen Teams und Funktionsbereichen vernetzt und Bestandteil eines Arbeitsflusses, in dessen Rahmen externe Anforderungen an das Team gestellt werden. Jede Organisation hat ein Gesamtziel, zentrale Werte und eine Kultur, die bestimmte Verhaltensregeln beinhaltet. Ein Team ist dann effektiv, wenn die kognitiven, motivationalen/affektiven und verhaltensbezogenen Ressourcen des Teams angemessen auf die Aufgabenanforderungen und deren Ausführung abgestimmt sind (DeChurch & Mesmer-Magnus, 2010). Das bedeutet, dass Arbeitsausführung und Leistung im Einklang mit den externen Erwartungen stehen und dass es nicht nur eine Art von Teamprozessen gibt, die in allen Situationen gleichermaßen effektiv ist. Was in einem Kontext effektiv ist, mag in einem anderen kontraproduktiv sein. Kozlowski und Ilgen (2006) beschreiben die Essenz von Teameffektivität eher pragmatisch: »When team-processes are aligned with environmentally driven task demands, the team is effective: when they are not, the team is not.« (S. 78) Manchmal sind diese Anforderungen widersprüchlich oder vage und verschiedene Interessengruppen, wie Kunden und Betriebsräte, haben unterschiedliche Prioritäten. Salas, Rosen, Burke und Goodwin (2009) beschreiben die Fähigkeit eines Teams, seine Leistungsprozesse als Reaktion auf Veränderungen der externen Anforderungen des Umweltsystems anzupassen, als zentrales Kernelement von Teamarbeit. Es ist wichtig, die Teameffektivität aus einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten: Es geht nicht nur darum, zu berücksichtigen, ob das Team Leistung erbracht hat, sondern auch darum, wie das Team interagiert hat, um das Teamergebnis zu erreichen (Salas et al., 2005).
Effizienz bezeichnet die Ausführung einer Aufgabe mit minimalem Aufwand in Bezug auf Zeit, Anstrengung und Ressourcen.
6 Ein Modell zur Beschreibung effektiver Teamarbeit
Die Effektivität von Teams wurde in verschiedenen Kulturen und Kontexten und aus verschiedenen Perspektiven untersucht und es gibt einen breiten Forschungsstand. Aktuelle Publikationen zur Teameffektivität betrachten Teams als Teil eines Systems mit mehreren Ebenen. Sie betonen, dass Teamarbeit dynamisch ist, und sehen Teamprozesse als emergente Phänomene, die sich über die Zeit hinweg in spezifischen Kontexten entwickeln. Ilgen, Hollenbeck, Johnson und Jundt (2005) haben das Input-Mediator-Outcome-Input (IMOI)-Modell für die Untersuchung von Phänomenen in Teams entwickelt. Das IMOI-Modell bildet die Grundlage für das gesamte Buch (
Abb. 1.2).
Abbildung 1.2 zeigt, dass einzelne Mitglieder gemeinsam als kollektive Einheit das Team bilden und somit einen Kontext darstellen, der wiederum die einzelnen Teammitglieder beeinflusst. Verknüpfungen über mehrere Ebenen (Teammitglieder, Teamkontext und organisationaler Kontext) hinweg sind wichtige Ressourcen oder stellen Anforderungen an abgestimmte Teamprozesse dar, die sicherstellen, dass das Team effektiv arbeitet. Inputs gestalten und formen Team-

Abb. 1.2: IMOI-Modell der Teameffektivität (basierend auf Mathieu, Maynard, Rapp & Gilson, 2008)
prozesse, sie sind auf drei Ebenen situiert: Teammitglieder sind zunächst einmal Individuen und unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, z. B. bezüglich ihrer Kompetenzen, Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale (individuelle Ebene). Auf Teamebene sind verschiedene Faktoren anzuführen, u. a. das Teamdesign, die Teamzusammensetzung, die Teamaufgabe bzw. das Problem, welche(s) zu bearbeiten ist und im Fokus steht, und Vorgaben zu Teamprozessen und zur Arbeitsgestaltung. Die Aufgabe stellt den wichtigsten Input dar. Auf organisationaler Ebene beeinflussen Aspekte wie die Unterstützung des Teams, Führung, Organisationsstruktur als Hierarchie, Art der Integration verschiedener Teams und Funktionen, Organisationskultur etc. die Interaktion im Team. Inputs beschreiben Rahmenbedingungen und Setzungen des Kontextes und der Situation, die die Interaktionen (Prozesse) der Teammitglieder ermöglichen und einschränken.
Teamprozesse können danach klassifiziert werden, ob sie kognitiver, affektiver/motivationaler oder verhaltensmäßiger Art sind. Kontextuelle und situationale Inputs werden bearbeitet, indem kognitive, affektive und verhaltensbezogene Prozesse durch die Interaktion der Teammitglieder koordiniert werden.
Mehrere Forschungsreviews zeigen, dass Teamprozesse den Outcome nicht nur beeinflussen, sondern auch antreiben und steuern (z. B. Lacerenza, Marlow, Tannenbaum & Salas, 2018; LePine, Piccolo, Jackson, Mathieu & Methot, 2008; Mathieu, Hollenbeck, van Knippenberg & Ilgen, 2017). Es gibt fundierte und zunehmende Evidenz dafür, dass Teamprozesse Mediatoren (M) zwischen Inputfaktoren und den Outcomes darstellen. Das bedeutet, dass die Beziehung zwischen A und B durch Faktor C (den Mediator) vermittelt wird. Ohne den Mediator gäbe es keine Beziehung zwischen A und B. Ein Beispiel: Die Aufgabenschwierigkeit und der Bedarf an einer Problemlösung (A) beeinflusst, wie sehr ein Team an Veränderungs- und Entwicklungsprozessen teilnimmt (B), dieses erfolgt durch einen Lernprozess (C).
Theoretisch kann zwischen den Wurzeln eines Problems, kausalen Faktoren und weiteren Einflussfaktoren, die sich auf das Problem auswirken, unterschieden werden. Ein Faktor gilt als »Wurzel« oder Ursache, wenn seine Beseitigung verhindert, dass sich das unerwünschte Ergebnis (d. h. das Problem) wiederholt. Ein Kausalfaktor hingegen beeinflusst das Ergebnis eines Ereignisses direkt, ist aber nicht zwingend die ursprüngliche Ursache dafür. Weitere Einflussfaktoren können beispielsweise die Stärke einer Beziehung zwischen A und B beeinflussen (Moderatoren) oder die Beziehung zwischen A und B wird durch einen Faktor C vermittelt (Mediatoren).
Innerhalb des IMOI-Ansatzes wird die Relevanz der Interaktionen zwischen den verschiedenen Modellkomponenten hervorgehoben. Ein Beispiel: Teamkognition, wie das Nachdenken darüber, wie die gemeinsame Arbeit produktiver gestaltet werden kann, das Gefühl von gegenseitigem Vertrauen und Freundschaft sowie das für Koordination und Kommunikation erforderliche Verhalten stehen miteinander in Beziehung. Die kollektive Regulation umfasst alle Aktivitäten der Teammitglieder mit dem Ziel, ihre Bemühungen auf das Ziel auszurichten (Johnson, Smith, Wallace, Hill & Baron, 2015). Teammitglieder wissen, wie sie arbeiten und die Aufgabe erfüllen müssen, um das Endergebnis zu erreichen. Dieses Wissen reguliert die Aktivitäten, wenn die Teammitglieder über die Arbeit kommunizieren, d. h. kognitive Prozesse und Verhaltensweisen sind miteinander verbunden. Emotionen wie der Grad an Offenheit und Vertrauen beeinflussen, wie Teammitglieder Ideen austauschen und Wissen aufbauen können. Darüber hinaus gibt es Phänomene auf verschiedenen Ebenen, was bedeutet, dass diese Ebenen interagieren. Zum Beispiel ist Adaption ein mehrstufiges Phänomen, das es auf der individuellen Ebene, der Team- und der Organisationsebene gibt.
Teamarbeit entwickelt sich im Laufe der Zeit durch zyklische und/oder episodische Prozesse. Meistens werden verschiedene kognitive, affektive und verhaltensbedingte Prozesse in Bezug auf die Effektivität der Teamleistung nur zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht. Teamphänomene, z. B. Konstrukte wie Teamvertrauen, sind aber dynamisch und entwickeln sich von Einzelpersonen hin zur Teamebene. Dieser Prozess verläuft nicht linear, beispielsweise entwickelt sich aus einem geringen Ausmaß an Vertrauen zu Beginn einer Teamzusammensetzung nicht automatisch über die Zeit hinweg vollständiges Vertrauen. Der Entstehungsprozess kann auch episodisch oder zyklisch erfolgen. Unter episodisch versteht man, dass eine Entwicklung von Ereignissen aufgelöst wird, die gelegentlich oder in unregelmäßigen Abständen auftreten. Zyklisch bedeutet, dass die Entwicklung Kreisläufe durchläuft, die wiederholt auftreten. Phänomene können unterschiedlich viel Zeit für die Entwicklung benötigen: So kann ein freundschaftliches Klima ggf. schneller entstehen als ein Zustand kollektiver Selbstwirksamkeit.
Feedbackschleifen begleiten Entwicklungsprozesse. Der zweite Input, das zweite I im IMOI, beinhaltet, was im Zeitverlauf oder während eines Leistungszyklus gelernt wurde. Die »lessons learned« beziehen sich darauf, wie und warum Kontextfaktoren und Prozesse bestimmte Outcomes herbeiführen (oder warum sie das nicht tun). Diese Lernergebnisse können zurückgemeldet werden, so dass der zweite Input Einfluss auf zukünftige Leistungen nimmt. Der zweite Input erzeugt somit eine Rückkopplungsschleife und kann Veränderungen sowohl bei den Inputs für einen weiteren Leistungszyklus als auch bei den Teamprozessen und emergenten Zuständen bewirken. Der Begriff des zyklischen kausalen Feedbacks ist wichtig, um zu verstehen, wie Teams sich entwickeln. Damit es zu Entwicklungen kommt, muss der zweite Input auch genutzt werden, was innerhalb von Entwicklungsprozessen im Rahmen der alltäglichen Arbeit sowie in Form von systematischen Teaminterventionen geschehen kann. In den Kapiteln X und XI wird Teamentwicklung vertieft behandelt. Ein Beispiel: Während eines Leistungszyklus lernt ein Team, sich selbst zu regulieren, was zu einer höheren gemeinsamen Effektivität und Teamfähigkeit führt. Diese Ergebnisse können rückgekoppelt werden und dazu führen, dass das Team zukünftig mehr Autonomie und mehr Handlungsspielraum bei der Gestaltung seiner Arbeit erhält und auch der Führungsstil verändert wird (Arbeitsgestaltung und Führung als kontextuelle Inputfaktoren).
Jedes Team lässt sich demnach durch verschiedene Merkmale kennzeichnen. In den folgenden Kapiteln wird eine Vielzahl dieser Merkmale thematisiert. Noch einmal: die Ausprägungen der Merkmale und ihre spezifische Kombination sind bei jedem Team anders, auch wenn sie durch bestimmte übertragbare Merkmale beschrieben werden können. Im Folgenden werden keine allgemeineren Typologien wie Projektteams, Produktionsteams, akademische Teams etc. verwendet – da es auch innerhalb dieser Kategorien, die sich ausschließlich auf ein Merkmal beziehen, große Unterschiede gibt. In Kapitel X werden diese übertragbaren Merkmale im IMOI-Modell als eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte für die Entwicklung von Teams dargestellt. In Kapitel XI wird die zeitliche Dimension der Teamentwicklung diskutiert, hier wird auch die Auswahl dieses Modells eingehender begründet. Anhand von Beispielen verschiedener Teams, wie z. B. Senior Management Teams oder virtuellen Teams, wird gezeigt, wie sich die spezifischen Charakteristika auf die Interaktionen und Herausforderungen eines Teams auswirken.
Das IMOI-Modell beschreibt Leistungen und Entwicklung von Teams als Kreislauf von Beziehungen zwischen Inputs, Mediatoren, Outcomes und (zweiten) Inputs. Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass (a) verschiedene Teamprozesse über die Zeit hinweg miteinander verbunden sind; (b) die verschiedenen Prozesse jeweils mit wichtigen Teamoutcomes zusammenhängen und (c) verschiedene Mechanismen angewandt werden können, um diese Prozesse zu optimieren.
7 Ziel und Konzept des Buches
Dem Buch liegt eine normative Perspektive in Bezug darauf zugrunde, was effektive Teamarbeit darstellt: Teamarbeit beinhaltet in diesem Sinne neben der Ausführung von Routineaufgaben auch, über die festgelegten Tätigkeiten hinauszugehen und nicht-routinisierte Aufgaben zu bearbeiten, z. B. um sinnvolle Veränderungen umzusetzen, sich ändernden Anforderungen der Umwelt gerecht zu werden und die Teamumwelt zu optimieren. Durch individuelles und Teamlernen wird die Entwicklung von Organisationsstrukturen und -prozessen vorangetrieben, die die Gesamtleistung der Organisation verbessern. Teams geben dann Inputs an andere Einheiten der Organisation, damit auch diese von den Lernergebnissen des Teams profitieren können. Das Autor*innenteam ist der Auffassung, dass ein wichtiger Aspekt bei der Einführung von Teams darin besteht, dass Teamarbeit zum organisationalen Lernen beiträgt (
Kap. IX).
Das allgemeine Ziel dieses Buches besteht darin, Möglichkeiten der Implementierung und Unterstützung von Teamarbeit sowie der Problemlösung aufzuzeigen und zu verdeutlichen. Dafür ist ein Verständnis darüber unerlässlich, wie komplexe systemische Interaktionen zwischen unterschiedlichen Elementen auf verschiedenen Ebenen und den Prozessen von Teamarbeit verlaufen und sich im Laufe der Zeit entwickeln. Dieses Verständnis grenzt sich von vereinfachenden Teammodellen wie den populären Stufenmodellen ab, denen zufolge alle Teams (egal welche Aufgabe oder Zusammensetzung sie haben) bestimmte Phasen während eines Lebenszyklus durchlaufen. Auf Grundlage der Elemente und Interaktionen im IMOI-Modell kann ein Team spezifisch beschrieben werden und es kann abgeleitet werden, was für die Unterstützung dieses Teams sinnvoll ist.
Das Buch verbindet Praxis und Theorie. Durch Forschung auf dem Gebiet der Teamarbeit ist zwar ein großer Wissensschatz erarbeitet worden, aber Forschung an sich kann ohne die Zusammenarbeit mit Stakeholdern keine bedeutenden Veränderungen in Organisationen herbeiführen. Deren Wunsch nach schnellen Lösungen steht im Konflikt mit der Tatsache, dass tatsächliche Veränderung auf der Zusammenarbeit zwischen einer fundierten Forschung und Stakeholdern aufbaut (Hughes, Davis, Robinson & McKay, 2020). Unser Beitrag zum Austausch zwischen Forschung und Praxis besteht darin, dass dieses Buch seinen Ausgangspunkt in Problemen und Herausforderungen nimmt, die in den meisten Organisationen vorkommen. Anstatt ein Lehrbuch zu schreiben, das die Theorie erklärt und voraussetzt, dass diese dann auf konkrete Probleme transferiert wird, wurde hier ein anderer Ansatz gewählt: Ausgangspunkt ist ein Problem mit Teamarbeit im wahren Leben – und dann wird die Frage gestellt, wie Theorien und Forschungserkenntnisse die Lösung unterstützen können. Unsere Erfahrung ist, dass Aktivitäten zur Entwicklung von Teamarbeit oft mit einem grundlegenden Manko behaftet sind: Man versucht Lösungen zu entwickeln, bevor man verstanden hat, was die Ursachen des Problems sind.
Wir haben neun wichtige und verbreitete Probleme mit Teamarbeit identifiziert und um diese herum ist das Buch strukturiert. Die Kapitelreihenfolge orientiert sich am IMOI-Modell. Zwei Kapitel konzentrieren sich auf Relevanz und Probleme kontextueller und situativer Aspekte, die die Weichen für Teamarbeit stellen (
Kap. III zur Arbeitsgestaltung;
Kap. IV zur Teamzusammensetzung). Führung (
Kap. VIII) ist sowohl ein kontextueller Aspekt, der die Teamarbeit beeinflusst, als auch ein Prozess, der Teamarbeit unterstützen kann. Vier Kapitel konzentrieren sich auf Teamprozesse und Ergebnisse der Teamarbeit. Dazu gehören Probleme in Zusammenhang mit der routinemäßigen Aufgabenerfüllung (
Kap. V), mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Konflikten, die die Effektivität beeinträchtigen (
Kap. VI), einem Mangel an Lernen und Adaption (
Kap. VII) und fehlenden Beiträgen des Teams zum organisationalen Lernen (
Kap. IX). In Kapitel X liegt der Schwerpunkt auf Interventionen und der Problematik, dass viele Bemühungen zur Erhöhung der Teameffektivität scheitern. Dabei kommt der aktuelle Forschungsstand zu evidenzbasierten Lösungen und Teamentwicklung zur Darstellung. In Kapitel XI wird gezeigt, wie verschiedene im Buch diskutierte Konzepte und Lösungen miteinander verknüpft sind und aus einer zeitlichen Perspektive betrachtet zum IMOI-Modell passen. Zudem wird die Überlegenheit formativer proaktiver Interventionen gegenüber reaktiven Interventionen thematisiert.
Für eine erfolgreiche Umsetzung von Teamarbeit und die Überwindung hinderlicher Faktoren bedarf es Kompetenzen in den Bereichen Problemlösung und Implementation. Ein häufiger Fehler bei der Problembewältigung in Teams besteht darin, Interventionen einzuführen, bevor eine gründliche Analyse der Problemursachen durchgeführt wurde. Dabei sollte an den Ursachen des Problems gearbeitet werden und nicht an den Symptomen. Meistens gibt es mehrere Ursachen für ein Problem. In diesem Buch wird ein Problemlösungszyklus dargestellt und verwendet, der in Kapitel II erläutert wird. Eine Beobachtung aus der Praxis ist, dass die Art, wie Probleme am Arbeitsplatz angegangen werden, oft ein Problem für sich darstellt. Der Versuch, ein Problem zu lösen, kann erfolglos sein, weil das Verständnis für die grundlegenden Elemente des Problemlösungsprozesses fehlt – und möglicherweise liegt genau darin das häufigste aller Probleme. Dieses Problem wird deshalb als erstes im folgenden Kapitel betrachtet.
In jedem weiteren Kapitel, in dem ein spezifisches Problem behandelt wird, ist eine Mindmap zu möglichen Ursachen enthalten. Sie bildet eine Art kognitive Landkarte, die als praktisches Werkzeug genutzt werden kann, um Problemursachen zu untersuchen. Diese Karte ist ein offenes forschungsbasiertes Untersuchungsmodell, so dass auch weitere relevante Aspekte hinzugefügt werden können. So entsteht ein grundlegendes lokales Modell darüber, wie Probleme an spezifischen Arbeitsplätzen untersucht werden können, um die richtige(n) Ursache(n) für ein konkretes Teamproblem zu finden.
1 Eine Metaanalyse ist eine statistische Auswertung, in der die Ergebnisse mehrerer wissenschaftlicher Studien zusammengefasst werden und deren Resultate valider sind als die einer einzelnen Studie.
2 Korrelation ist ein Maß für die Stärke des Zusammenhangs zwischen zwei Variablen und indiziert eine positive oder negative Richtung des Zusammenhangs. Der Faktor r variiert zwischen -1 und +1, wobei (-)1 die stärkste mögliche Beziehung darstellt. In einer Metaanalyse werden die Ergebnisse mehrerer Studien kombiniert und es ist möglich, die durchschnittliche Korrelation (r) vom Messfehler korrigiert zu berechnen; diese korrigierte Korrelation wird mit rho (ρ) bezeichnet.
II Das Problem mit der Problemlösung
In diesem Kapitel wird dargestellt, wie mit Problemen umgegangen werden kann, die bei der Arbeit in Teams entstehen. Es handelt sich dabei um eine allgemeine Vorgehensweise, um Probleme effizient anzugehen und Interventionen so auszuwählen, dass sie auf das eigentliche Problem des Teams gerichtet sind und zu positiven Veränderungen führen.
Unzureichend gestaltete Problemlösungsprozesse sind demotivierend und unergiebig. Das Kapitel zeigt auf der Basis von Forschungsergebnissen die Schritte vom Problem zur Lösung auf: eine fundierte Beschreibung der Ist-Situation aus verschiedenen Perspektiven mit anschließender Identifizierung des Kernproblems, eine Ursachenanalyse, die die Ableitung von Interventionen ermöglicht, sowie eine Ergebnisevaluation der Problemlösung. Dieses schrittweise Vorgehen ist einmal Grundlage für die folgenden Kapitel (in denen es auf unterschiedliche spezifische Probleme angewendet wird) und stellt gleichzeitig eine transferierbare Prozessabfolge dar. Es soll damit vermieden werden, dass die Art und Weise der Problembearbeitung einer effektiven und sinnvollen Veränderung entgegensteht.
D’Zurilla und Nezu (1988) definieren Problemlösung als kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen Prozess, in dessen Verlauf ein Individuum (oder eine Gruppe) versucht, effektive Wege der Problembewältigung zu identifizieren oder zu entwickeln. Ist ein Problem klar definiert und eingegrenzt, ist es einfacher, spezifische Ziele zu setzen und Lösungswege zu deren Erreichung zu entwerfen.
In vielen Organisationen werden mehrere Veränderungs- und Entwicklungsaktivitäten parallel ausgeführt und es kann schwierig sein, diese gleichzeitig umzusetzen und zu koordinieren. Problemlösungsprozesse erfordern oft, gewohnte Abläufe in Teams zu verändern. Die Lösung von Problemen in Teams ist demotivierend, wenn sie nicht optimal gesteuert und unterstützt wird, und sie ist ineffizient, wenn sie nicht die eigentliche Ursache des Problems angeht (sondern nur Symptome bekämpft). Es ist deshalb zentral für Organisations- wie auch Teamentwicklung, gute Praxis evidenzbasierter Vorgehensweisen bei der Problemlösung zu kennen und umzusetzen.
Um die Relevanz einer strukturierten Vorgehensweise zur Problemlösung zu verdeutlichen, wird ein konkreter Fall herangezogen. Es handelt sich dabei um einen authentischen und komplexen Fall, in dem Probleme in zweierlei Hinsicht auftauchen: in Bezug auf die Problemlösung als solche und auf die Einführung von Teamarbeit.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung
Der Fall ist in der nationalen Baubehörde eines europäischen Landes situiert, welche für Bauvorhaben, Liegenschaften und die Entwicklung der Infrastruktur zuständig ist und Niederlassungen im ganzen Land hat. Die Leiterin der Behörde lädt die Führungskräfte aller Standorte zu einer Konferenz ein und präsentiert die neue Organisationsstrategie: die Einführung von Teamarbeit in allen Niederlassungen. Sie beschreibt die aktuelle Situation, indem sie auf die Erwartungen der Öffentlichkeit bzgl. der Qualität der Leistungen, den Bedarf an neuen Dienstleistungen sowie die Notwendigkeit schnellerer Entscheidungsfindung und effizienteren Arbeitens eingeht. Sie erläutert ausführlich, warum hierfür Veränderungen erforderlich sind, und formuliert das Gesamtziel. Im Anschluss führt ein externer Berater einen Workshop mit den Führungskräften durch, um sie auf die Umsetzung der Teamarbeit in ihren Abteilungen vorzubereiten.
Der Berater beschreibt die Geschehnisse während der Konferenz wie folgt:
»Ich forderte sie auf, konkret zu beschreiben, was die raison d’être für Teamarbeit ist. Zuerst einmal stimmten alle darin überein, dass es viele gute Gründe für die Einführung von Teamarbeit gibt. Je länger die Diskussion dauerte, desto deutlicher wurde es, dass die Führungskräfte kein Problem damit hatten zu beschreiben, was aktuell bei der Arbeit nicht funktioniert. Aber sie konnten manchmal nicht klar formulieren, wie Teamarbeit zu einer Verbesserung führen würde und welche Ergebnisse sie ermöglichen würde.
Einige fanden, dass gar keine Probleme durch Teamarbeit gelöst werden könnten, sondern dass die Probleme stattdessen in fehlenden Ressourcen und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von kompetentem Personal lagen. Andere waren mit der aktuellen Situation sehr zufrieden und verwiesen auf eine ausgezeichnete Produktivität in ihrer Niederlassung. Wieder andere bewerteten die Arbeit in Teams grundsätzlich positiv, beschrieben aber nur vage, warum etc. …
Am Ende dieser Sitzung bestand die einzige Übereinstimmung darin, dass es keinen Konsens unter den Manager*innen gab in Bezug auf: a) die Probleme in der aktuellen Situation, b) die Gründe für Teamarbeit, c) was die Teams erreichen sollten und d) was den Mitarbeiter*innen zu kommunizieren war.«
In diesem Fall tauchen mehrere interessante Probleme auf, z. B. verschiedene Wahrnehmungen von aktuellen Problemen und unterschiedliche Meinungen zu Nutzen und Effekten von Teamarbeit. Das sind wichtige Aspekte und wenn diese ungeklärt bleiben, besteht das Risiko, dass Teams ohne klare Ausrichtung und Struktur organisiert werden. Der Fall verdeutlicht ein häufiges Problem bei der Einführung von Teamarbeit, das mit dem Prozess der Problemlösung zusammenhängt: Das Top-Management hat eine Idee zur Lösung und fällt eine Entscheidung, ohne im Vorfeld gründlich zu analysieren, worin das Problem besteht bzw. welche Faktoren plausibel zum Problem beigetragen haben könnten. Man muss wissen, was ein Problem verursacht, bevor entschieden werden kann, wie es gelöst wird. Dies ist eigentlich allgemein bekannt – aber bei der Thematisierung von Problemen am Arbeitsplatz werden oft Lösungen formuliert, ohne die Probleme fundiert zu analysieren. In dem Fallbeispiel soll Teamarbeit die Behandlung sein – aber für welches Problem genau?
Der Problemlösungszyklus
Strategien der Problemlösung beinhalten die Identifikation des Problems, das die Zielerreichung behindert (bevor es behoben werden kann). Eine wichtige Referenz hierfür stellt der von Bransford und Stein (1984) entwickelte »Problemlösungszyklus« dar. Innerhalb dieses Zyklus wird das Problem identifiziert, definiert und eine Strategie zu dessen Behebung entwickelt, die auf einer Ursachenanalyse basiert. Die Strategie wird dann unter Hinzuziehung verfügbarer Ressourcen umgesetzt. Dieser Prozess wird beobachtet und abschließend wird die Problemlösung evaluiert. Die Bezeichnung als Zyklus (oder Kreislauf) liegt darin begründet, dass, sobald ein Durchlauf vollendet ist, weitere Probleme angegangen werden. In Abbildung 2.1 ist der Problemlösungszyklus dargestellt.

Abb. 2.1: Der Problemlösungszyklus
Im Folgenden wird das Vorgehen in den verschiedenen Phasen des Problemlösungszyklus Schritt für Schritt beschrieben und mit einem authentischen Fall illustriert.
Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
Nach der Feststellung eines Problems stellt sich die Frage, wer in den Problemlösungsprozess involviert wird. Dies betrifft den gesamten Prozess, von der Festlegung, worin das Problem besteht, bis zur Evaluation, ob es erfolgreich gelöst wurde. Alle, die am Problemlösungsprozess teilhaben, tragen in unterschiedlicher Weise dazu bei und bringen verschiedene Perspektiven mit. Es ist deshalb wichtig, ein geteiltes Verständnis darüber zu entwickeln, worin das Problem besteht, welche Faktoren es verursachen und wie es am besten gelöst werden kann. Forschungsergebnisse zeigen, dass eine professionelle Moderation zentral für eine erfolgreiche Diskussion ist (Kuhar, Krmelj & Petrič, 2019).
Nutzung divergenter und konvergenter Verfahren, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen
Der Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses hängt eng mit Teamlernen zusammen (Decuyper, Dochy & Van den Bossche, 2010;
Kap. IX). Am Lösungsprozess beteiligte Personen haben oft verschiedene Meinungen und Perspektiven. Konflikte können entstehen, Differenzen müssen überwunden und zu einem kollektiven gemeinsamen Verständnis darüber, worin das Problem besteht und wie damit umgegangen wird, zusammengeführt werden. Werkzeuge, die den Prozess der Bildung gemeinsamer Bedeutungen erleichtern, können in zwei Haupttypen eingeteilt werden: Divergente und konvergente Verfahren. Divergente Vorgehensweisen sind vor allem Brainstorming-Techniken, mit denen viele Ideen generiert werden, während konvergente Prozesse die Entscheidungsfindung erleichtern und zur Kategorisierung von Ideen, deren Vorauswahl und/oder zur Priorisierung verwendet werden. Entsprechende Moderationsverfahren werden vielfach in der Literatur dargestellt (z. B. von Kanitz, 2018; Schumann, 2005).
Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob in der Organisation ausreichend Kompetenzen vorhanden sind (z. B. bei Human-Ressource-Expert*innen oder Führungskräften), um den Problemlösungsprozess zu steuern (u. a. zur Problemfeststellung und -identifikation, Festlegung von Interventionen zur Problemlösung und Evaluation der Ergebnisse) –, oder aber, ob externe Expertise benötigt wird.
Die Entscheidung darüber, wer an der Situationsbeschreibung beteiligt wird, hängt von Spezifika der konkreten Organisation, vorhandenen Ressourcen sowie dem Ausprägungsgrad des Problems ab. Entsprechend gibt es hierzu keine eindeutige Regel, jedoch wirkt sich die Entscheidung auf den weiteren Prozess der Problemlösung bis hin zur Umsetzung der Interventionen aus. Die Qualität der Situationsanalyse und des daraus abgeleiteten Veränderungsbedarfs hängt wesentlich davon ab, ob Standpunkte der Stakeholder berücksichtigt werden. Die Nutzung unterschiedlicher Perspektiven ergibt ein vollständigeres Bild der aktuellen Situation, zudem resultieren daraus mehr Informationen über Gründe für Veränderungen und deren konkrete Ziele. Es ist ratsam, diejenigen zu beteiligen, die a) intellektuell neugierig sind und etwas über die Arbeit im Team und ihre Organisation wissen, b) vom Ergebnis der Arbeit des Teams abhängig sind und c) vom Problem betroffen sind – d. h. die Stakeholder. Die Entwicklung der Arbeitsprozesse und -organisation hängt mit der Organisationsstrategie und der -struktur zusammen. Deshalb sollten die Führungskräfte miteinbezogen werden. Sind sie nicht involviert, ist es nicht möglich, die Arbeitsgestaltung und -organisation zu verändern.
Forschungsergebnisse zeigen, dass die Partizipation derjenigen, die von der Intervention betroffen sind, im gesamten Interventionsprozess (inklusive der vorangehenden Schritte wie Problemfeststellung und -analyse) die Motivation und spätere Bereitschaft steigert, Arbeitsprozesse zu verändern. Partizipation erhöht die Akzeptanz von Veränderungen und reduziert Unsicherheit und Widerstand (Hasson, Tafvelin & von Thiele Schwarz, 2013). Werden die Mitarbeiter*innen in Veränderungen einbezogen, führt dies zu langfristigen und nachhaltigen Entwicklungen in der Organisation (Nielsen, Randall, Holten & González, 2010). Zu verstehen, warum Änderungen vorgenommen werden, ist eine wichtige Voraussetzung für Motivation und Engagement.
Eine Stakeholder-Analyse beinhaltet a) die Identifikation der Stakeholder, b) die Erhebung ihrer Wahrnehmungen der aktuellen Situation und c) ihrer Erwartungen an das Team, die Abteilung, die Organisation bzw. die Einheit, die analysiert wird. Dieses Vorgehen bringt eine Beschreibung dessen hervor, »wo wir jetzt sind« und »wo wir sein wollen«, und zwar aus Sicht aller, die mit der Arbeit des Teams und den resultierenden Ergebnissen in Verbindung stehen.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung (Fortsetzung)
Im konkreten Fall wurde Teamarbeit als Lösung vom Top-Management festgelegt, ohne im Vorfeld eine Situationsanalyse durchzuführen. Der Berater greift dieses Problem auf und schlägt vor, dass es günstig für den Prozess der Einführung der Teamarbeit wäre, zunächst einen Schritt zurückzugehen und den Problemlösungszyklus anzuwenden. Das Top-Management stimmt zu und beauftragt den Berater, den Prozess erneut zu starten.
Der erste Schritt im Problemlösungskreislauf besteht darin, die Stakeholder einzubinden, um die aktuelle Situation zu beschreiben. Dazu initiiert der Berater ein Treffen mit den Führungskräften der Niederlassungen, den Human-Resource-Spezialist*innen, Personalräten und Vertreter*innen der Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Qualifikationen und Funktionen aus den lokalen Niederlassungen. Das breite Thema der Sitzung ist »Wie ist es, in einer lokalen Niederlassung zu arbeiten?« Der Berater setzt eine einfache und strukturierte divergente Prozessmethode ein, um möglichst viele verschiedene Standpunkte zu erfassen und sicherzustellen, dass alle an der Diskussion beteiligt sind. In einem konvergenten Prozess werden verschiedene Aussagen kategorisiert und diskutiert.
Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
Es ist oft schwierig, zwischen dem Symptom für ein Problem, dem Problem selbst und den Problemursachen zu unterscheiden. Beispiel »fehlende Motivation«: Ist das ein Symptom für schlechte Arbeitsbedingungen? Oder ist es seine Ursache, z. B. für unzureichende Leistungen? Die Ursache könnte als Problem angesehen werden und das Symptom stellt wiederum ein eigenes Problem dar. Letztendlich geht es darum, ein Problem (oder mehrere Probleme) zu identifizieren, an dem gearbeitet werden soll. Es ist besser, nicht haarspalterisch diese Begriffe auseinanderzuhalten, da sie letztlich eng miteinander verbunden sind.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kernprobleme zu identifizieren. Eine besteht darin, ähnliche Symptome eines Problems in einer allgemeineren beschreibenden Kategorie zu bündeln und dieser einen Titel zu geben. In den meisten Fällen finden sich in der Situationsbeschreibung Aussagen, die Probleme oder Herausforderungen für das Team benennen. Diese können in der Regel in übergeordnete Kategorien eingeteilt werden, wenn sie einen ähnlichen Sachverhalt betreffen.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung (Fortsetzung)
Der nächste Schritt besteht im Fallbeispiel darin, die aktuellen Kernprobleme aus Sicht der Stakeholder zu identifizieren und einen Konsens zu erreichen. Der Berater leitet einen weiteren Workshop und wendet eine konvergente Prozessmethode an. Zunächst werden Dimensionen (bzw. Aussagen-Cluster) bestimmt, die beschreiben, was am Arbeitsplatz gut funktioniert. Diese werden nicht weiter verfolgt, die übrigen Dimensionen werden in einem Raster zusammengefasst, in dem verschiedene Themen zunächst von jedem Einzelnen auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet werden, und zwar in Hinblick auf a) ihre Bedeutung für die Effizienz der Organisation, b) die Möglichkeit, sie zu verändern, und c) Kosten und Ressourcen, die mit ihrer Änderung verbunden sind (umgekehrte Skalierung). Die mittlere Summe dieser Ratings für jede Dimension ist Grundlage für die Identifizierung der Kernprobleme und deren Priorisierung. Es zeigt sich, dass die Arbeitsorganisation eines der am höchsten priorisierten Probleme darstellt, weshalb entschieden wird, dass dieses Problem angegangen werden soll.
Es kann mehrere Probleme geben, verschiedene Stakeholder haben unterschiedliche Sichtweisen und nicht jeder Aspekt kann gleichzeitig angegangen werden. An einem gewissen Punkt ist deshalb eine Festlegung erforderlich, worin das Kernproblem besteht und welche Problemstellung aktuell bearbeitet werden soll.
Schritt 3: Ursachenanalyse
Eine Ursachenanalyse auf theoretischer Basis ist ein wichtiger Schritt im Problemlösungsprozess, hierbei werden verschiedene plausible Ursachen für Teamprobleme betrachtet.
Eine wissenschaftliche Theorie kann eine gut fundierte Erklärung eines bestimmten Aspekts (z. B. Teameffektivität) ermöglichen, die auf empirisch wiederholt bestätigten Annahmen beruht. Evidenzbasierte Theorien sind keine »Vermutungen«, sondern reliable Darstellungen des untersuchten Phänomens. Interventionen, die an der Schnittstelle von Theorie und Praxis entwickelt werden, erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Implementation von Maßnahmen (Nylén, 2017). In einer spezifischen Organisation spielen häufig auch andere Faktoren eine Rolle, so dass das theoretische Modell mehr oder weniger adäquat für das vorliegende Problem sein kann. Theorien geben Hinweise darauf, was zu analysieren ist, aber es ist wichtig bei der Problemlösung auch andere kontextabhängig bedingte Faktoren zu berücksichtigen. Theoretische Grundlagen und die Beschreibung der Situation aus unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen es, eine lokale Theorie darüber zu bilden, was das spezifische Problem mit der Teamarbeit verursacht. Dieser theoretische Rahmen kann genutzt werden, um den Status eines bestimmten Teams zu beschreiben und zu bewerten, d. h. zur Diagnose des Teams. Eine Diagnose beinhaltet die Untersuchung oder Analyse, um was für ein Problem es sich handelt und was die Ursachen sind. Auch Situationen und Rahmenbedingungen können genauer analysiert werden. Wenn verschiedene Faktoren bekannt sind, die das Problem potenziell beeinflussen können, ist es möglich, die relevantesten zu identifizieren.
Wenn es um die Fälle geht, werden im Folgenden mögliche Hypothesen darüber, wodurch das Problem verursacht wird, benannt – d. h. es wird eine bestimmte Erklärung für ein Problem als Möglichkeit vorgeschlagen. Im Rahmen der Ursachenanalyse ist mit Ursache »der Erzeuger einer Wirkung« gemeint, und zwar in seiner Alltagsbedeutung und nicht als statistischer oder methodologischer Begriff. Ob die Hypothese tatsächlich zutrifft, kann nur mit einer empirischen Erhebung überprüft werden.
Im Folgenden werden Stolpersteine beschrieben, die eine adäquate Ursachenanalyse behindern können – eine zu starke Vereinfachung der Zusammenhänge (Abschnitt 3.1), fehlende validierte Erhebungsverfahren (Abschnitt 3.2) und kognitive Barrieren der Beteiligten (Abschnitt 3.3).
3.1 Vereinfachende Erklärungen
Es ist wichtig, dass die Erklärungen für ein Problem nicht zu stark vereinfacht werden. Mangelnder Erfolg von Interventionen zur Problemlösung ist oft auf eine unzureichende Analyse der aktuellen Situation und der Gründe dafür, dass sie herausfordernd ist, zurückzuführen. Eine systematische Abbildung der verschiedenen plausiblen Ursachen oder Einflussfaktoren eines Problems ist einfacher, wenn auf ein theoretisch fundiertes Modell zurückgegriffen wird, das auch kontextuelle Aspekte beinhaltet. Idealerweise werden am spezifischen Arbeitsplatz empirische Studien zu den relevanten Faktoren durchgeführt. Dies kann durch eine systematische Erhebung nach forschungsmethodischen Prinzipien erfolgen, z. B. durch Datenerhebung in Fokusgruppen oder Interviews mit Betroffenen, wie es im vorliegenden Fall geschehen ist. Auch wenn in der Praxis nicht immer perfekte Erhebungsdesigns realisiert werden können, ist es wichtig, die Erhebung valider Informationen zumindest anzustreben (etwas zu tun ist immer noch besser, als gar nichts zu tun …). Theorien können zu überprüfbaren Hypothesen beitragen. Auf diese Weise beruht die Intervention auf einer lokalen Theorie, die die Hauptursachen für das vorliegende Problem integriert.
3.2 Mangel an validierten Erhebungsverfahren
In den folgenden Kapiteln empfehlen wir die Nutzung verschiedener erprobter Instrumente, deren psychometrische Eigenschaften zufriedenstellend sind und die optimalerweise Vorgaben zur Nutzung und Interpretation enthalten. Nicht immer existieren adäquate Verfahren und manchmal liegen sie nur in englischer Sprache vor. Die Übersetzung eines validierten Instruments bedeutet nicht, dass die übersetzte Version auch valide ist. In den folgenden Kapiteln werden deshalb wenn möglich deutsche validierte Verfahren oder aber validierte Übersetzungen englischer Verfahren als Diagnosemöglichkeiten angeführt, d. h. die Testgütekriterien wurden mit einer Untersuchungsgruppe im deutschsprachigen Raum überprüft. Dazu sind bestimmte statistische Analysen erforderlich, z. B. in Bezug auf Faktorstruktur und interne Konsistenz der Skalen und Korrelationen mit Kriterien. Es ist in der Praxis nicht einfach, dies in Eigenregie zu tun, denn für eine Validierungsstudie sind Zeit, Ressourcen und darüber hinaus statistische Kompetenz erforderlich (zum Vorgehen siehe Eid & Schmidt, 2014). Bei selbst konstruierten oder übersetzten Verfahren ist deshalb zu berücksichtigen, dass ihre methodische Güte ggf. nicht zufriedenstellend ist. Zudem sollten die Ergebnisse möglichst nur auf Itemebene ausgewertet werden, da nicht klar ist, ob es statthaft ist, verschiedene Werte zu einem Skalenwert aufzuaddieren. Wenn keine validierten Verfahren existieren, kann es zudem besser sein, qualitative Verfahren wie Interviews oder Gruppendiskussionen zu nutzen, da es hier möglich ist, durch Nachfragen festzustellen, ob die Fragen richtig verstanden wurden bzw. was genau die Befragten meinen (kommunikative Validierung).
In einem Fragebogen werden die Items meistens anhand von Antwortskalen eingeschätzt. Häufig gibt es keine Normwerte, d. h. es ist unklar, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. Beispielsweise bei einer fünfstufigen Skala (1 = trifft überhaupt nicht zu und 5 = trifft vollständig zu) – wie ist ein Wert von 3,5 zu deuten? Ist dieser Wert positiv, weil über dem Mittelwert? Ist er ›normal‹? Eine Analyse von Mittelwerten und Standardabweichungen für ein Team ergibt eine Beschreibung der Wahrnehmung der Teammitglieder in Bezug auf bestimmte Aspekte. Sie kann genutzt werden, um Stärken und Schwächen zu identifizieren. Es ist eine Frage der Beurteilung, ob etwas gut genug ist oder nicht. Werte, die niedriger als der Mittelpunkt der Skala (der theoretische Mittelwert) liegen, werden häufig als Indikator für eine Schwäche, höhere Werte dagegen für eine Stärke gesehen. Dabei ist es wichtig, bei der Ergebnisinterpretation auch weitere Informationen über das Team zu berücksichtigen und gemeinsam mit dem Team und Stakeholdern über das Ausmaß von Problemen sowie deren Lösungsbedarf zu diskutieren.
Wie gerade erwähnt, besteht eine weit verbreitete Vorgehensweise darin, Interviews zur Datenerhebung zu nutzen. Dazu ist ein Leitfaden zu erstellen, der die relevanten Aspekte abbildet (siehe die Mindmaps in den einzelnen Kapiteln). Nähere Informationen zur Planung, Durchführung und Auswertung von Interviews finden sich beispielsweise bei Bogner, Littig und Menz (2002), Bortz und Döring (2006) sowie Renner und Jacob (2020).
Viele der verwendeten Methoden bauen auf Daten von Selbsteinschätzungen der Beteiligten auf. Diese Vorgehensweise bildet aber nicht die Nuancen von sich schnell verändernden und dynamischen Teamprozessen ab. Aktuell werden Methoden entwickelt, um valide Beobachtungsdaten von Teamprozessen mithilfe von digitalen Kommunikationsanalysen zu erheben. Wir empfehlen z. B. die Arbeit von Klonek, Meinecke, Hay und Parker (2020) als Einführung in diese Entwicklung.
3.3 Kognitive Barrieren behindern die Problemlösung
Theorien und Modelle helfen dabei, vereinfachte Erklärungsmodelle zu vermeiden und eine zuverlässige Datenerhebung durchzuführen. Es gibt weitere Faktoren, die eine angemessene Ursachenanalyse und Problemlösung beeinträchtigen (Davidson & Sternberg, 2003). Es handelt sich dabei unter anderen um die folgenden Aspekte:
• Begrenzte individuelle Kompetenzen oder auch eine aufgrund früherer Erfahrungen erworbene starre mentale Einstellung bestimmen die Wahrnehmung der Ursachen des Problems, z. B. »Ich bin Spezialist für Teamarbeit und das Problem in der Organisation ist, dass es keine teamorientierte Organisation gibt.«
• Ein einziger Grund erklärt den gesamten Effekt. Das Problem wird nur mit einem Faktor erklärt, oft dem ersten, der den Beteiligten einfällt.
• Bestätigungsfehler (oder Confirmation Bias) beschreibt die Tendenz, Informationen in einer Weise zu suchen, zu interpretieren, zu bevorzugen und abzurufen, die die bereits bestehenden Überzeugungen oder Hypothesen einer Person stützen.
• Unnötige Einschränkungen bestehen, wenn Personen sich bei der Problemlösung unbewusst Grenzen setzen, mentale Blockaden konstruieren und entsprechend innovative Ideen unterdrücken. Gruppendenken oder die Übernahme der Einstellungen anderer Teammitglieder sind Beispiele dafür.
• Das Problem wird nicht erklärt, stattdessen wird eine Lösung für das Problem gefunden – und die Lösung bestimmt, was das Problem ist.
• Das Motiv ist nicht, das grundlegende Problem zu lösen und wesentliche Veränderungen herbeizuführen, sondern zu zeigen, dass man etwas getan hat.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung (Fortsetzung)
Zurück zum ersten Problem im Fall: Dass das Top-Management die Entscheidung für Teamarbeit ohne eine vorangegangene Ursachenanalyse mit allen Beteiligten getroffen hat, hängt gegebenenfalls mit einer kognitiven Barriere zusammen. Das Top-Management hat ein Effizienzproblem festgestellt. Die Lösung des Problems – Teamarbeit – wurde als Grund präsentiert: Wir haben ein Problem mit mangelnder Kooperation – und die Lösung besteht darin, mehr in Teams zu kooperieren.
Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
Aus einer Ursachenanalyse und der Diagnose spezifischer Teamprozesse und -ergebnisse resultiert meist die Beschreibung zahlreicher Faktoren, die das Problem beeinflussen oder hervorrufen. Nicht jeder dieser Faktoren ist veränderbar, wie z. B. Gesetze und Regelungen, aber auch Setzungen, die aus einem anderen Organisationsteil stammen. Die Antwort auf die Frage »Haben wir die Möglichkeit, diese Ursache des Problems zu beeinflussen?« ist hilfreich, um bedeutsame Dimensionen für eine sinnvolle Intervention auszuwählen. In einem bestehenden Team können solche Zieldimensionen z. B. Kommunikation oder Leistungsüberwachung sein.
Der Grundgedanke ist, keine Zeit und Energie damit zu verschwenden, Bereiche zu diskutieren, die nicht beeinflusst werden können. Probleme, die nur von anderen angegangen werden können, können an die verantwortlichen Entscheidungsträger weitergeleitet werden.
Die Diskrepanz zwischen der aktuellen und zukünftigen (erwünschten) Situation hilft dabei, zu formulieren, wie die Zieldimensionen verändert werden sollten. Die Zielsetzungstheorie (Locke & Latham, 2002) ist empirisch gut belegt und lässt sich auf die Formulierung von Zielen übertragen, die Verhalten über Motivation beeinflussen. Spezifischere und ambitioniertere Ziele führen zu einer größeren Leistungssteigerung als einfache oder allgemeine Ziele wie z. B. »Wir tun unser Bestes«. Sofern eine Person das Ziel akzeptiert, die Fähigkeit hat, es zu erreichen, und keine Zielkonflikte resultieren, gibt es eine positive lineare Beziehung zwischen Zielschwierigkeit und Aufgabenleistung. Entscheidend ist, dass für die Zieldimensionen konkrete Ziele gesetzt werden: Wie sollen diese verändert werden und wie kann die Veränderung beobachtet oder gemessen werden? Manchmal besteht die Gefahr, dass primär einfach messbare Ziele festgelegt werden, anstatt Ziele für die tatsächlich zentralen Faktoren zu konkretisieren.
Schritt 5: Lösungen identifizieren
Ein Problem kann in der Regel auf verschiedene Arten gelöst werden und es ist sinnvoll, möglichst viele Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, so dass es eine breite Palette von potenziellen Lösungen gibt, die in einem Auswahlverfahren miteinander verglichen werden können. Zuerst muss entschieden werden, ob die Ursachen im physischen Umfeld (z. B. Kommunikationsprobleme in einem Großraumbüro), in der Organisation (z. B. Führungsstruktur), bei Individuen (z. B. wenn einer Person wesentliche Teamfähigkeiten fehlen) oder aber im Team liegen. Häufig interagieren Faktoren aus verschiedenen Ebenen und beeinflussen ein Problem in einem bestimmten Bereich. Es ist anzumerken, dass Problemlösungen im Team oft mit Lösungen in anderen Bereichen einhergehen müssen, diese aber im Buch nicht alle thematisiert werden.
Manchmal finden sich passende und bereits erprobte Lösungen für Probleme in der Teamarbeit oder für die Entwicklung von Teams in der Fachliteratur oder auf dem Beratungsmarkt. Manchmal ist es aber auch erforderlich, kreativ zu sein und auf der Basis von Erfahrungen und Plausibilität etwas einzuführen, was erfolgreich sein könnte. Lösungen für Probleme mit Teamarbeit oder zur Entwicklung der Teameffektivität werden oft als Teamentwicklungsmaßnahmen (oder -interventionen) bezeichnet. Es ist sinnvoll, verschiedene Kriterien für den Vergleich verschiedener Lösungen zu haben. Ein Hauptkriterium ist, ob empirisch belegt ist, dass die Lösung funktioniert. Es gibt viele beliebte Produkte für die Teamentwicklung auf dem Markt, die dennoch nutzlos in dem Sinne sind, dass sie die Teamleistung überhaupt nicht beeinflussen. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist deshalb, ob die Lösung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zu einer sichtbaren Veränderung führen kann. Ein Ergebnis zu sehen ist motivierend und gibt der Entwicklung Impulse. Die Lösung muss auch realistisch sein, es braucht Unterstützung und Entscheidungen des Managements sowie Ressourcen und die Lösung muss von den Beteiligten akzeptiert werden. Oft werden auch mehrere Lösungen für ein Problem benötigt. Kapitel X geht ausführlich auf Interventionen ein.
Schritt 6: Intervention(en) planen
Es liegt auf der Hand, dass die Gestaltung einer Intervention vom spezifischen Problem, dem Kontext, den Ressourcen, dem Projektmanagement usw. abhängt. Dazu finden sich Hinweise in der Interventionsforschung. Interventionen auf Arbeitsplatzebene lassen sich in primäre, sekundäre und tertiäre Interventionen unterteilen. Manchmal bezieht sich das auf die Zielgruppe der Interventionen: Individuen (primär), die Gruppe/das Team (sekundär) oder die Organisation (tertiär). Die Terminologie wird ebenfalls verwendet, um den Zeitpunkt der Interventionen zu beschreiben (Kelloway, Hurrell & Day, 2008). Dann zielen primäre Interventionen darauf ab, ein Problem zu verhindern, bevor es überhaupt eintritt. Sekundäre Maßnahmen sollen die Auswirkungen eines bereits eingetretenen Vorfalls reduzieren, indem die Auswirkungen bearbeitet werden und ein weiteres Fortschreiten der Problematik unterbunden wird. Tertiäre Präventionsmaßnahmen zielen darauf ab, die Auswirkungen eines anhaltenden Problems mit nachhaltigen Konsequenzen abzumildern. Dies geschieht, indem die Beteiligten dabei unterstützt werden, das Problem und seine Folgen besser zu bewältigen (Sauter & Murphy, 2004). Primäre Präventionsansätze identifizieren verschiedene Hindernisse bei der Arbeit im Vorfeld und beseitigen sie, entsprechend ist es ratsam, sie nach Möglichkeit einzusetzen.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung (Fortsetzung)
Im Beispielfall versucht der Berater, die bei der Entscheidung für die Teamarbeit gemachten Fehler zu kompensieren, indem er den Problemlösungszyklus einführt und die Betroffenen an bestimmten Schritten beteiligt. Das kann als eine Form von Sekundärprävention betrachtet werden, da der Berater die Auswirkungen einer von Anfang an fehlerhaften Problemlösung kompensieren will, um zu verhindern, dass die Frustration darüber, nicht an Fragen zur Arbeitsorganisation beteiligt gewesen zu sein, so eskaliert, dass die arbeitsorientierten Aufgaben nicht effektiv ausgeführt werden oder dass sich ein Widerstand gegen Teamarbeit entwickelt.
Organisations-orientierte (tertiäre) Interventionen, z. B. zur Verringerung von Schwankungen der Arbeitsauslastung, Team-orientierte (sekundäre) Vorgehensweisen (z. B. der Aufbau von gegenseitigem Vertrauen) und Individuums-orientierte (primäre) Maßnahmen wie die Vermittlung von Kompetenzen zur Stressbewältigung können sich sowohl auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen auswirken als auch die organisationale Effizienz erhöhen. Generell ist es ratsam, Interventionen zu wählen, die auf die Veränderung von Organisations- bzw. Teamstrukturen und Teamprozessen abzielen, anstatt Interventionen zu planen, die sich ausschließlich an einzelne Individuen richten (Kelloway et al., 2008). Es kann zwar sehr wohl sein, dass ein Problem in einem Team mit der Persönlichkeit einer bestimmten Person zusammenhängt – aber auch dann ist es im Allgemeinen besser, eine Intervention für den Umgang mit Vielfalt in der Gruppe zu entwickeln, als ausschließlich zu versuchen, diese Person zu verändern. Individuelle Differenzen sind ein generelles Thema in Teams. Dennoch können Interventionen auf individueller Ebene sinnvoll sind, z. B. Personalentwicklungsmaßnahmen zur individuellen Kompetenzentwicklung.
Einer umfassenden Intervention sollte eine Machbarkeitsstudie vorausgehen. Dazu gehört es, proaktiv Hindernisse zu identifizieren, die sich negativ auf die Intervention auswirken können, und diese zu beseitigen.
Was kann aus der Durchführung von Interventionen gelernt werden? Die organisationale Problemlösungskompetenz ist von zentraler Bedeutung für die Bearbeitung zukünftiger Probleme. Ein Vorschlag in Einklang mit den Forschungsergebnissen von Locke und Latham (2002) besteht darin, auch Lernziele für den Veränderungsprozess festzulegen. Es geht darum, Kompetenzen für effektive Problemlösungen und Organisationsentwicklung aufzubauen, da diese kontinuierliche Prozesse darstellen.
Schritt 7: Intervention(en) implementieren
Das Ergebnis einer Intervention hängt sowohl von der Qualität der Lösung (
Kap. X) als auch von der Güte des Implementationsprozesses selbst ab – auf letzteren geht dieses Buch nicht ein. Beide Aspekte sind je nach Entwicklungsprojekt (auch in der Teamentwicklung) unterschiedlich ausgeprägt. Auch der Zeitpunkt der Intervention (
Kap. XI) wirkt sich auf das Ergebnis aus: Wird sie durchgeführt, wenn das Problem zum ersten Mal auftritt, wenn es sich bereits als hartnäckig erwiesen hat oder aber, wenn es sich negativ auf die Ergebnisse des Teams auswirkt?
In jedem Kapitel werden verschiedene Probleme in Teams sowie der Forschungsstand dazu beschrieben. Je nach konkreter Situation und Kontext sind beispielsweise unterschiedliche Arten der Nachbesprechung hilfreich: Es existiert eine Vielzahl von Instrumenten und Methoden (die nicht alle Gegenstand dieses Buchs sein können); es werden Beispiele benannt sowie in Kapitel X allgemeine Hinweise zu deren Umsetzung gegeben. Zudem wird thematisiert, wo mögliche Ursachen des Problems liegen können, wie diese festgestellt werden können und welche Interventionsarten zum Einsatz kommen können. Wie bereits ausgeführt, ist die Basis für die Entwicklung einer angemessenen Intervention zur Förderung der Teamarbeit die Entscheidung, ob diese im Bereich der physischen Umgebung, der organisationalen, der individuellen oder der Teamebene ansetzen sollte. Der Erfolg liegt letztlich auch in der Wahl des richtigen Ansatzes.
Fall: Die Art und Weise, wie das Problem gelöst wird, erschwert die Problemlösung (Fortsetzung)
Im Fall gab es keine weiteren flankierenden Maßnahmen bei der Implementierung der Teamarbeit in allen Abteilungen der Behörde. Soweit bekannt ist, gab es außer der Ursachenanalyse, der Feststellung des Veränderungspotenzials und der Wahl der Lösung (Teamarbeit) keine gemeinsamen Aktionen. Idealerweise wäre die Implementierung der Teamarbeit bereits vor der konkreten Einteilung der Mitarbeiter*innen in Teams explizit geplant worden. Der Berater empfiehlt, dass Topmanagement wie auch die Führungskräfte der Niederlassungen in Zusammenarbeit mit den Teams jetzt einen Plan für den Implementationsprozess ausarbeiten. Es wird konkret angeraten, erstens die Grundvoraussetzungen für Teamarbeit in Bezug auf Arbeitsgestaltung und Teamzusammensetzung zu schaffen (
Kap. III, Kap. IV), zweitens die Teamführung mit Training, Verfahren der Teammoderation und Coaching zu unterstützen und drittens die Teamleitungen in den ersten sechs Monaten zu supervidieren und zu coachen.
Schritt 8: Evaluieren
Es gibt unterschiedliche Evaluationsansätze, Methoden, Instrumente und Datenquellen, die für die Evaluation von Interventionseffekten herangezogen werden können (Kromrey, 2001). Forschungsmethodische Expertise beinhaltet Wissen über gute Praxis von Evaluation sowie die Planung von Evaluationsdesigns, die Rückschlüsse auf die Wirksamkeit einer Intervention zulassen. Es ist ratsam, sowohl den Prozess als auch die Ergebnisse zu evaluieren und darüber hinaus einzubeziehen, was aus dem Prozess gelernt werden kann. Prozessevaluation erfolgt während der Intervention und ist überwiegend formativ: Die Ergebnisse werden direkt genutzt, um die weitere Arbeit besser zu gestalten. Ergebnis- oder Produktevaluation vergleicht die Ziele mit den tatsächlich erreichten Resultaten der Intervention. Die Komplexität des Evaluationsdesigns hängt davon ab, wie tiefgreifend die angezielten Veränderungen sind und wie weitreichend der Problemlösungsprozess erfolgt ist. Bei einer umfangreicheren Intervention kann es sinnvoll sein, externe Expert*innen mit der Evaluation zu beauftragen.
Schritt 9: Intervention(en) beenden
Viele Mitarbeiter*innen sind bei Veränderungsaktivitäten eher zurückhaltend. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich aus einem Projekt ein weiteres entwickelt. Eine Intervention folgt der Logik jeder Handlung: Zielsetzung – Planung – Aktivität – Ergebniskontrolle – Feedback. Sobald diese Sequenz abgeschlossen ist, ist die Intervention beendet. Es wird empfohlen, den Endpunkt hervorzuheben, beispielsweise durch einen offiziellen oder festlichen Abschluss der Intervention. In vielen Fällen sind inzwischen neue Probleme aufgetreten und ein weiterer Problemlösungskreislauf beginnt. Das IMOI-Modell (
Kap. I) ermöglicht es, die Ergebnisse einer Sequenz als Input für die nachfolgende Sequenz zu betrachten, da es eine Feedbackschleife enthält – in diesem Sinne gibt es kein Ende der Teamentwicklung. Dieser Tatsache Aufmerksamkeit zu schenken, wenn eine Intervention abgeschlossen ist, erlaubt es allen Beteiligten, sich besser in anderen Veränderungsprozessen zurechtzufinden und den Überblick zu bewahren.
Der Problemlösungszyklus zeigt auf Grundlage empirischer Forschung die Schritte vom Problem zur Lösung. Eine gründliche Beschreibung der Ist-Situation aus verschiedenen Perspektiven (1) führt zu einem Konsens über das Kernproblem (2). Eine theoretisch fundierte Analyse der Ursachen des spezifischen Problems bildet die Basis für eine Bewertung der Funktionsweise des Teams in problemrelevanten Aspekten. Dieser strukturierte Ansatz ermöglicht es, eine Diagnose der Arbeitsweise des Teams durchzuführen (3), zu entscheiden, was geändert werden soll, das Veränderungspotenzial zu bestimmen, eine oder mehrere Zieldimension(en) für die Intervention auszuwählen sowie Ziele zu setzen (4), Lösungen zu identifizieren und zu bestimmen, wo sie ansetzen sollen (physische Umgebung, Organisation, Individuen oder Teamarbeit). Es gibt Lösungen, wie z. B. Maßnahmen zur Teamentwicklung, die sich als nützlich erwiesen haben, um Veränderungen in den Zieldimensionen herbeizuführen und die Effektivität des Teams weiterzuentwickeln (5). Danach geht es darum, die Intervention zu gestalten, indem je nach Kontext und Situation Interventionen, Instrumente und Methoden gewählt (6) und entsprechend der Planung umgesetzt werden (7). Eine Intervention ist ein Prozess, der überwacht und unterstützt werden muss und dessen Ergebnisse während und nach der Implementierung kontinuierlich evaluiert werden müssen (8). Auch wenn die Intervention beendet ist (9), entstehen neue Probleme oder auch Entwicklungsmöglichkeiten. Die während eines Leistungszyklus erworbenen Lernergebnisse geben Impulse für die weitere Entwicklung des Teams.
Im nächsten Kapitel geht es um das Problem, das oft so beschrieben wird: Obwohl Teams vorhanden sind, gibt es keine Gruppenarbeit. Ursachen und Lösungen dafür werden vor allem in der Gestaltung der Teamarbeit gesucht.
III Wir haben zwar Teams, aber wenig Teamarbeit
Die Arbeitsaufgabe des Teams bestimmt den primären Fokus der Teamaktivitäten. Wenn einem Team nicht klar ist, warum und mit welchen Zielen es zusammenarbeitet, kann dies unterschiedliche Gründe haben: Es kann sein, dass die Arbeit unzureichend gemeinsam reguliert wird, die Arbeitsgestaltung die Teamarbeit behindert oder es keine gemeinsamen herausfordernden Ziele gibt. In diesem Kapitel geht es um die kollektive Regulierung von Teamarbeit, die die Grundlage für die Konstruktion einer gemeinsamen Wahrnehmung der Arbeit ist. Dabei ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Arbeitsaufgabe so gestaltet ist, dass sie tatsächlich für Teamarbeit geeignet ist. Das Kapitel beschreibt, wie verschiedene Arbeitsgestaltungsmerkmale sowie die gemeinsame Ausrichtung der einzelnen Teammitglieder die Teamleistung und die Leistungsergebnisse beeinflussen. Es wird dargestellt, wie Arbeitsgestaltung und organisationale Ziele in Passung gebracht werden können.
Teamarbeit umzusetzen bedeutet, die Struktur in der Organisation zu verändern. Dabei sind Strategie und Struktur eng miteinander verbunden. Wenn eine Organisationsstrategie Teamarbeit als »eine Säule der Innovation« beinhaltet, hat diese Strategie – wenn sie ernst gemeint ist – Auswirkungen auf Struktur und Gestaltung der Arbeit, denn nur dann kann sie Lern- und Kreativprozesse im Team unterstützen. Dies ist in der Praxis nicht immer der Fall. Manchmal haben Teams wenig Autonomie und die Aufgaben sind standardisiert, dennoch wird von ihnen ein intensiver Austausch und die Einbindung in Innovationsprozesse erwartet. Manchmal ist die Strategie auch sehr vage, Teamarbeit wurde zwar implementiert, aber warum und was genau mit ihr erreicht werden soll, ist nicht allen klar. Der Fokus dieses Kapitels liegt auf den Voraussetzungen der Arbeitsgestaltung, die gegeben sein müssen, damit Teams effektiv arbeiten können. Der Ausgangspunkt ist ein häufiges Problem: Mitarbeiter*innen sind in Teams organisiert, aber sie arbeiten nicht als Team zusammen.
Was ist Arbeitsgestaltung? Eine typische Definition der Arbeit einer Person besteht in der Zusammenfassung der Arbeitsaufgaben, die ihr zugewiesen werden (Wong & Campion, 1991). In Teams bildet die Aufgabe den Hauptinput, da sie den zentralen Fokus der Teamaktivitäten darstellt (Kozlowski & Ilgen, 2006). Inhalt und Gestaltung der Arbeit legen fest, wie Teammitglieder kooperieren und welche Kompetenzen sie für die Aufgabenbearbeitung im Team benötigen. Morgeson und Humphrey (2008) definieren Arbeitsgestaltung als Untersuchung, Festlegung und Modifikation von Arbeitsplätzen und Rollen in Bezug auf Inhalte, Zusammensetzung der Aufgaben, Struktur und Arbeitsumgebung. Diese Definition impliziert zum einen, dass Arbeit gestaltet und redefiniert werden kann, und zum anderen, dass Arbeitsgestaltung auf Teamebene erfolgen kann. Arbeit kann auch als kollektiv ausgeführte Aufgabe untersucht werden (Parker, Morgeson & Johns, 2017). Forschungsergebnisse zeigen, dass es wichtig ist, die Kombination unterschiedlicher Arbeitsmerkmale zu untersuchen, d. h. wie verschiedene Aspekte der Arbeitsgestaltung und der Arbeitsbedingungen sich gemeinsam auf die Mitarbeiter*innen auswirken. Weniger aussagekräftig ist die Fokussierung einzelner Aspekte, beispielsweise des Zusammenhangs zwischen Einflussmöglichkeiten von Mitarbeiter*innen auf die Ausführung der Arbeit und der Abwesenheitsrate (Parker, Knight & Ohly, 2017). Im Folgenden geht es um zentrale Arbeitsmerkmale und deren Effekte auf wichtige Ergebnisse der Teamarbeit. Im Mittelpunkt stehen zwei Kernaussagen:
• Teamarbeit ist letztlich Mittel zum Zweck, nämlich zum Erreichen eines Endergebnisses. Die Gestaltung von Teamarbeit setzt ein gemeinsames Verständnis der Stakeholder darüber voraus, was genau dieses Endergebnis sein soll.
• Arbeitsgestaltung heißt, verschiedene miteinander verbundene Gestaltungsaspekte gleichzeitig und in Übereinstimmung mit der gesamten Organisationsstruktur und den Prozessen zu orchestrieren.
Zahlreiche Studien, Reviews und Metaanalysen belegen, dass Arbeitsgestaltung eine Reihe von individuellen, Team- und organisationalen Ergebnissen beeinflusst (z. B. Fried & Ferris, 1986; Hackman & Oldham, 1980; Humphrey, Nahrgang & Morgeson, 2007; Parker, Morgeson & Johns, 2017; Stewart, 2006). Auf der anderen Seite gibt es bisher nur begrenztes Wissen darüber, wie Interventionen der Arbeitsgestaltung die Leistung auf individueller, Team- und Organisationsebene beeinflussen. Eine Forschungsübersicht über 55 Interventionen der Arbeitsgestaltung (Knight & Parker, 2019) fasst zusammen, dass 39 Studien positive Effekte aufzeigen, zwei Studien negative Effekte und 14 Studien sowohl positive als auch negative Effekte. Diese Ergebnisse sollten Anlass sein, dieses Wissen in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen umzusetzen. Arbeitsgestaltung wirkt auf die Ausführung von Einzel- wie auch Teamaufgaben, auf routinisierte und nicht routinisierte Aufgaben sowie die Adaptivität, d. h. den Grad, in dem adäquat auf Veränderungen und Herausforderungen reagiert wird (z. B. Griffin, Neal & Parker, 2007). In diesem Kapitel werden die Einflüsse verschiedener Arbeitsformen und -merkmale auf Individuen und Teams detaillierter dargestellt.
Eine Metaanalyse von 250 Studien mit 217.081 Teilnehmenden zeigt, dass neun Arbeitsmerkmale (u. a. Autonomie, Aufgabenkomplexität, Variabilität) im Mittel 34 % der Varianz der Einstellungen und des Verhaltens der Mitarbeiter*innen erklären (Humphrey et al., 2007). Diese Befunde werden auch von aktuellen Studien gestützt (Parker, Morgeson & Johns, 2017; Sverke, Falkenberg, Kecklund, Magnusson-Hanson & Lindfors, 2016). Die Arbeitsgestaltung ist ein wichtiger Faktor dafür, ob Mitarbeiter*innen gern zur Arbeit gehen (vielleicht sogar der wichtigste Faktor).
Mitarbeiter*innen führen nicht nur zugewiesene Aufgaben statisch aus, sondern engagieren sich auch in aktuell dringenden, sozialen oder selbst initiierten Tätigkeiten. Dazu etablieren sie flexible Arbeitsrollen, die über die vorgeschriebene Arbeit hinausgehen (Hacker, 2001; Parker, van den Broeck & Holman, 2017). Ilgen und Hollenbeck (1992) argumentieren, dass Arbeitsrollen breiter sind als die festgelegten objektiven Aufgabenelemente und deshalb auch sich entwickelnde und selbst initiierte Elemente beinhalten können. Die Rollenbreite beschreibt, wie viele verschiedene Rollen Mitarbeiter*innen einnehmen. So können Teammitglieder beispielsweise Rollen als Sprecher*innen, als Teamleitung oder Verantwortliche für verschiedene Bereiche (wie Einhaltung von Sicherheitsvorschriften, Organisation sozialer Aktivitäten) übernehmen. Diese Rollen können vorgegeben oder selbst initiiert sein.
In letzter Zeit hat der Bereich der individuellen Arbeitsgestaltung (»job crafting«) an Aufmerksamkeit gewonnen. Mit »job crafting« werden Mitarbeiter-Initiativen zur Veränderung der eigenen Arbeitsrolle bzw. der eigenen Arbeit beschrieben. In ihrer Metaanalyse unterscheiden Lichtenthaler und Fischbach (2019) zwischen »job-crafting« mit Fokus auf Promotion (für den Erhalt größerer Ressourcen und Herausforderungen mit dem Ziel einer stimulierenderen Arbeit) bzw. Prävention (Reduzierung der Arbeitsanforderungen) und stellen dabei fest, dass bei Fokus auf Promotion ein positiver Zusammenhang mit Engagement besteht und ein negativer mit Burnout. Bei Fokus auf Prävention sind diese Beziehungen umgekehrt. Die mit der Gestaltung der Rollen und des Verhaltens verbundene Suche der Mitarbeiter*innen nach Ressourcen, Herausforderungen und angemessenen Anforderungen wirkt sich positiv auf das Arbeitsverhalten, die Aufgabenerfüllung sowie die berufliche Zufriedenheit aus (Dubbelt, Demerouti & Rispens, 2019; Böhnlein & Baum, 2020).
Bei der Arbeitsgestaltung scheint es sich um eine reziproke Beziehung zu handeln: Die Merkmale der Arbeit, wie Autonomie und Komplexität, beeinflussen, ob die Mitarbeiter*innen über die vorgegebene Aufgabe hinausgehen, was wiederum Einfluss auf die Arbeitsleistung hat (Hacker, 2001; Parker, Morgeson et al., 2017).
Schritt 1: Aktuelle Situation beschreiben
Wir setzen den Fall aus Kapitel II fort, weil er einige zentrale Aspekte der Arbeitsgestaltung verdeutlicht.
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Im Beispiel in Kapitel II wurden bereits die Sitzungen beschrieben, die der Berater zur Realisierung von Teamarbeit durchgeführt hat. Vier Monate später wird der Berater vom Leiter einer der lokalen Niederlassungen um Rat gefragt, weil die Mitarbeitenden sich in Diskussionen negativ über die Umsetzung der Teamarbeit äußern. Die Mitarbeiter*innen sind nun in zehn Teams von acht bis zehn Mitgliedern organisiert. Sie bestehen aus drei verschiedenen Berufsgruppen:
• Vermessungsingenieur*innen als Expert*innen für unterschiedliche Sachfragen zu entscheidungsrelevanten Themen
• Vermessungstechniker*innen als technische Expert*innen, z. B. für Messungen im Feld
• Assistent*innen der Vermessungstechnik für Verwaltungsaufgaben.
Die Teammitglieder arbeiten parallel und in unterschiedlichen Konstellationen an verschiedenen Aufgaben, beispielsweise der Planung einer Straße in einem Industriegebiet. Die Vermessungsingenieur*innen sind für eine Teilaufgabe in der ersten Sequenz im Aufgabenablauf zuständig. Die Teamleitung ist Mitglied des Teams und für die Durchführung eines wöchentlichen Teammeetings zur Priorisierung eingehender Aufgaben sowie für Arbeitsteilung, Überwachung des Workflows, Nachverfolgung von Ergebnissen und Abweichungen sowie Berichterstattung über Abweichungen an die Leitung verantwortlich.
Nach Ansicht des Leiters der Niederlassung sollten die Teams durch Teamarbeit effektiver arbeiten und voneinander lernen, damit alle »einen besseren Job« machen und motivierter sind: »Sie sind für mehrere Aufgaben verantwortlich und entscheiden selbstständig, wie sie diese erfüllen«.
Die Personalabteilung betont, dass die Mitarbeiter*innen die Möglichkeiten der Teamarbeit nutzen sollen: »Die Teams müssen ihre eigenen Antworten finden«.
Die Teammitglieder beschreiben, dass sie bei der Ausführung einzelner Aufgaben nicht interagieren müssen. »Wir haben uns immer unterstützt und einander geholfen – aber was sollen wir sonst zusammen tun?« – »Was sollen wir voneinander lernen, wenn wir ganz verschiedene Dinge machen?«
Die Teamleiter*innen fühlen sich dazu gedrängt, Antworten zu finden, wie in Teams gearbeitet werden kann. Was soll das Team erreichen und wie unterscheidet sich das davon, wie es vorher gearbeitet hat? Sie bitten um eine klare Aussage dazu, wie die Teamarbeit organisiert werden kann.
Die Situationsbeschreibung benennt viele Herausforderungen.
Schritt 2: Kernprobleme identifizieren
Der nächste Schritt im Problemlösungsprozess besteht darin, das Problem zu identifizieren. Das Problem im Fallbeispiel ist, dass die Mitglieder nicht als Team arbeiten, obwohl es eine Teamstruktur gibt. Es bestehen mehrere Probleme auf organisationaler Ebene (wie Strategie, Ziele, Führung und organisationale Unterstützung) sowie mit der Arbeitsgestaltung auf Teamebene (
Kap. I, Inputs im IMOI-Modell).
Schritt 3: Ursachenanalyse
Zunächst einmal ist es sinnvoll, zu prüfen, ob das Problem mit einer oder mehreren der folgenden Ursachen zusammenhängt: fehlender Konsens über das erwartete Ergebnis der Teamarbeit, unzureichende grundlegende Voraussetzungen für die Arbeit und mangelnde Passung zwischen Merkmalen der Arbeit und der Organisation (
Abb. 3.1).

Abb. 3.1: Mindmap zu möglichen Ursachen im Bereich der Arbeitsgestaltung
Die Mindmap in Abbildung 3.1 zeigt die wichtigsten Merkmale der Arbeitsgestaltung, die sich auf die Effektivität von Teams auswirken. Sie entspricht einem Untersuchungsmodell, das sicherstellt, dass nicht wichtige Aspekte während der Problemlösung außer Acht gelassen werden. Im folgenden Text folgen wir dieser Struktur und in Abschnitt 3.4 werden Hinweise zu Diagnosemethoden im Bereich der Arbeitsgestaltung gegeben.
3.1 Kein Konsens über das erwartete Ergebnis der Teamarbeit
Wie lässt sich die Verwirrung im Beispielfall in Bezug auf die Ziele der Teamarbeit auf theoretischer Basis erklären? Grundsätzlich können Gründe dafür in einem Mangel an kollektiver Handlungsregulation und fehlenden Zielen liegen.
3.1.1 Wird die Arbeit individuell und nicht kollektiv reguliert?
Die Handlungsregulationstheorie (Hacker, 2001) beschreibt jede Arbeitshandlung als zielgerichtet. Das Ziel besteht häufig darin, ein Produkt herzustellen oder eine Dienstleistung zu erbringen. Grundlage für Arbeitshandlungen sind deshalb interne Repräsentationen des zu erreichenden Handlungsergebnisses oder -ziels (Hacker, 2003). Eine Handlung geht von ihrem Ziel aus, sie beinhaltet die folgenden Schritte: Planung der zielgerichteten Aktivitäten, Ausführung, Kontrolle der Ergebnisse und Rückmeldung zu Ergebnissen sowie der vollzogenen Leistung. Die Handlungsregulation erfolgt entsprechend dieser Sequenz. Das Ziel motiviert und steuert die Handlungen. Eine Aufgabe, die nur aus Ausführung besteht und keinerlei Planung beinhaltet, wirkt sich auf die Leistung aus, da sie die Regulation der Teammitglieder begrenzt. Eine solche Aufgabe wird extern reguliert, z. B. durch schriftliche Verfahrensvorschriften. Darüber hinaus spielt auch das Motiv eine Rolle, es bestimmt das Ziel mit. Einzelne Aufgaben werden in einem internen, iterativen und wechselseitigen Prozess mit den Elementen Motiv, Ziel und Aktivität reguliert (Hacker, 2003). Arbeitshandlungen sind individuell unterschiedlich, da sich Menschen z. B. bzgl. Motiven, Ambitionen, Wissen und Erfahrungen unterscheiden. Beispielsweise macht es einen Unterschied, ob der Anspruch besteht, perfekte Qualität zu erreichen, oder aber eine Aufgabe zu erledigen, um sie abzuhaken. Die Bereitschaft, über die vorgegebene Aufgabe und ein vordefiniertes Ergebnis hinauszugehen, setzt voraus, dass ein Individuum das angezielte Ergebnis für sich neu definiert hat. Hacker (2001, 2003) betont die Bedeutung eines solchen Redefinitionsprozesses, um zu erklären, warum manche die Initiative ergreifen, über die routinemäßige Aufgabenarbeit hinauszugehen und sinnvolle Veränderungen vorzunehmen, während andere dies nicht tun.
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Eine Arbeitshypothese lautet, dass der Prozess der Motivfindung und Zielsetzung für die Teamarbeit dadurch behindert wird, dass Einzelpersonen die Arbeit individuell unterschiedlich interpretieren. Der Berater organisiert einen Workshop für die Teammitglieder, in dem die allgemeine Frage gestellt wird: »Warum gehen wir zur Arbeit?«, um verschiedene Vorstellungen über den Verlauf Motive – Ziel – Arbeitshandlungen auszutauschen und gemeinsam über die Auswirkungen auf Leistung, Lernmöglichkeiten und Arbeitszufriedenheit zu reflektieren. Der Berater fasst verschiedene Motiv- und Zielwahrnehmungen auf dem Whiteboard als Ausgangspunkt für einen konvergenten Prozess zusammen. Differenzen transparent zu machen, ist der erste Schritt zur Konsensbildung.
Kollektives Handeln wird reguliert, indem unterschiedliche Wahrnehmungen des Ablaufs »Motiv – Ziel – Arbeitshandlungen« zunächst identifiziert und reflektiert und, indem über sie kommuniziert wird, in ein gemeinsames Verständnis überführt werden (Tschan, 2000). In einem Team müssen die einzelnen Mitglieder ihre individuellen Aktivitäten im Einklang mit anderen regulieren, wofür ein gemeinsames Verständnis zu wichtigen Fragen die Grundlage bildet, und zwar sowohl für individuelle als auch für kollektive Regulierungsprozesse.
Zielsetzung ist Teil der Organisationsstrategie. Die Teamziele sollten darauf (wie auch auf externe Erwartungen) abgestimmt sein. Effektive Teams regulieren gemeinsam die Teamaktivitäten und sorgen dafür, dass diese auch mit den Erwartungen anderer an Teamleistung und Ergebnisse abgestimmt sind. Das bedeutet, dass die Beteiligten eine klare Vorstellung davon haben, was das Team erreichen soll und wie die Ergebnisse zu bewerten sind. Ist dies nicht der Fall, wird die Regulierung der Aktivitäten des Teams erschwert.
3.1.2 Gibt es keine Ziele für die kollektive Arbeit?
Manchmal existieren keine Ziele für die gemeinsame Arbeit, sondern nur Ziele für die Summe der Ergebnisse der einzelnen Aufgaben. Ein Beispiel: Der Zusammenbau von Teilen eines Getriebes kann von Arbeiter*innen durchgeführt werden, die individuell verschiedene Teile herstellen, welche eine andere Person montiert. Man könnte zwar sagen, dass es ein gemeinsames Ziel gibt, aber die einzelnen Aufgaben werden durch dieses Ziel nicht reguliert. Ziele sind mehr als Ergebnisse und beinhalten eine Mischung aus Ergebnissen und Aspekten, die sich auf Veränderungen im Verhalten oder Denken beziehen. Ziele steuern, motivieren und energetisieren das Verhalten und wirken nachhaltig. Wenn kein Ziel für kooperative Arbeit existiert, dann ist Teamarbeit obsolet. Die erwarteten Ergebnisse bestimmen, welche Arbeitsgestaltungsmerkmale für die Erreichung dieses Ziels wichtig sind.
Ziele können unterschiedlich interpretiert werden, da Einzelpersonen unterschiedliche Motive, Erfahrungen und Fähigkeiten haben, die sich auch darauf auswirken, wie das Ziel verstanden wird. Deshalb handeln Individuen unterschiedlich. Individuelle Handlungen werden in einem internen Prozess des Ablaufs Motiv – Ziel – Arbeitshandlungen reguliert. Aktivitäten eines Teams dagegen werden auf der Basis von Kommunikation, eines gemeinsamen Verständnisses und diesbezüglicher Entscheidungen reguliert. Ziele sind mehr als Ergebnisse und beinhalten eine Mischung aus Ergebnissen und Aspekten, die sich auf Veränderungen im Verhalten oder Denken beziehen. Ziele steuern, motivieren und energetisieren das Verhalten und wirken nachhaltig. Wenn kein Ziel für kooperative Arbeit existiert, dann ist Teamarbeit obsolet. Die erwarteten Ergebnisse bestimmen, welche Arbeitsgestaltungsmerkmale für die Erreichung dieses Ziels wichtig sind.
3.2 Es fehlen grundlegende Voraussetzungen für die Arbeit im Team
Der zweite Zweig der oben abgebildeten Mindmap thematisiert die Bedingungen, die durch Arbeitsgestaltung gesetzt sind. Eine Metaanalyse von Bell (2004) über die Beziehung zwischen Merkmalen der Arbeitsgestaltung und Teameffektivität ergibt, dass dieser Bereich bislang wenig untersucht wurde und weniger dazu bekannt ist als zu Arbeitsgestaltung auf individueller Ebene. Wir teilen diese Einschätzung nach einer Recherche zu aktuellerer Forschung. Dies könnte daran liegen, dass von der Forschung zu Individuen auch auf Teams geschlossen wird. Im Folgenden geht es um Auswirkungen von Arbeitsgestaltung auf Individuen wie auch auf Teams.
3.2.1 Die Gestaltung der Arbeit behindert Motivation, Lernen und effektive Teamarbeit
Im Folgenden werden zentrale Merkmale motivierender und gesundheitsförderlicher Arbeitsaufgaben beschrieben.
Kann das Team autonom arbeiten?
Autonomie bezieht sich auf drei verschiedene Aspekte des Handlungsspielraums, die miteinander in Beziehung stehen: a) Arbeitsplanung, b) Entscheidungsfindung und c) Arbeitsmethoden (Morgeson & Humphrey, 2006). Hacker (2001) benennt zusätzlich Freiheitsgrade bei der Zielentwicklung.
Für Teamarbeit ist Autonomie unbedingt erforderlich (West, 2012). Ohne die Autonomie, Entscheidungen beispielsweise zu Vorgehensweisen bei der Arbeit, zur Koordination oder zur Implementation von Veränderungen treffen zu können, kann ein Team sich nicht selbst regulieren. Je höher der Autonomiegrad, desto größer ist die Möglichkeit, intellektuelle Fähigkeiten einzusetzen, zu lernen und die Arbeit zu redefinieren (Hacker, 2001).
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Wie kann Autonomie erfasst werden? Typische Aussagen beziehen sich z. B. darauf, ob Entscheidungen über den Arbeitsablauf oder das Vorgehen bei der Arbeit möglich sind (Morgeson & Campion, 2003). Entsprechend geht es bei der Autonomie von Teams darum, ob ein Team über Vorgehensweisen entscheiden kann (beispielsweise erfasst über Items in einem Fragebogen). In diesem Fall behauptet die Führungsebene, dass die Teams für eine Reihe von Aufgaben verantwortlich sind und autonom entscheiden können, wie sie diese ausführen. Aber ist das tatsächlich der Fall? Die Autonomie ist dadurch eingeschränkt, dass die Aufgaben sequenziell bearbeitet werden und nur eine Person für den Arbeitsfluss verantwortlich ist. Eine Arbeitshypothese ist deshalb, dass ein zu geringes Ausmaß an Autonomie zu einem Mangel an echter Teamarbeit führt.
Es gibt einen breiten Forschungsstand dazu, wie sich Autonomie auf individuelle Arbeit auswirkt, so dass hier nur einige beispielhafte Befunde zur Darstellung kommen. Autonomie unterstützt die intrinsische Motivation sowie Einstellungen wie Arbeitszufriedenheit und Commitment (Hackman & Oldham, 1980). Weitere Studien zeigen einen positiven Zusammenhang mit beruflicher Identifikation und einen negativen Zusammenhang mit Absentismus und unsozialem Verhalten. Autonomie fördert die Breite der eingenommenen Rollen und Aufgaben (Morgeson, Delaney-Klinger & Hemingway, 2005; Humphrey et al., 2007) wie auch die Selbstwirksamkeit (Parker, 1998) – was sich wiederum positiv auf Arbeitsleistung (Grant & Parker, 2009) sowie negativ auf Rollenunklarheit und -konflikte auswirkt (Humphrey et al., 2007). Autonomie ist maßgeblich für die Entwicklung von persönlicher Initiative und Proaktivität (Frese, Garst & Fay, 2007; Marinova, Peng, Lorinkova, van Dyne & Chiaburu, 2015; Tornau & Frese, 2013). Darüber hinaus zeigen Studien positive Effekte von Autonomie auf Leistungsoutcomes (Humphrey et al., 2007) und Innovation (Hammond, Neff, Farr, Schwall & Zhao, 2011).
Wie sieht es mit der Teamebene aus? Autonomie korreliert positiv mit Teamleistungsoutcomes, untersucht wurde vor allem die Teameffektivität bei der Bearbeitung von Routineaufgaben (Li, Li & Wang, 2009). Eine Metaanalyse von Stewart (2006) zeigt Zusammenhangsmaße zwischen ρ = .26 und ρ = .36 (je nach Aufgabentyp) zwischen Produktivität und Autonomie. Autonomie beeinflusst Innovationsprozesse in Teams (West, Hirst, Richter & Shipton, 2004). Ergebnisse von Rashkovits und Drach-Zahavy (2017) deuten darauf hin, dass Autonomie über Teamlernen Innovationen fördert. Es ist nicht überraschend, dass Teamautonomie positiv auf das Engagement der Teammitglieder (Malinowska, Tokorz & Wordzichowska, 2018) und ihre Arbeitszufriedenheit (Humphrey et al., 2007) wirkt. Kann zu viel Engagement zu Überanstrengung führen, entwickeln sich extrem engagierte Menschen zu Workaholics? Merkmale von engagierten Mitarbeitenden und Workaholics überschneiden sich (Di Stefano & Gaudino, 2019). Eine aktuelle Studie zeigt allerdings keine Beziehung zwischen Autonomie und Arbeitssucht (Malinowska et al., 2018).
Variiert die Arbeit?
Aufgabenvariabilität bezieht sich auf das Ausmaß, in dem unterschiedliche Aufgaben zu bearbeiten sind. Unterschiedliche Tätigkeiten auszuführen und nicht nur routinisiert zu handeln wirkt positiv auf die intrinsische Motivation und die Arbeitszufriedenheit (Hackman & Oldham, 1980). Die Metaanalyse von Humphrey et al. (2007) zeigt positive Beziehungen zu subjektiven Einschätzungen der individuellen Leistung. Bell (2004) fand in einer Metaanalyse, dass Aufgabenvariabilität einen moderaten positiven Einfluss auf die Teamleistung bei Routineaufgaben sowie die Arbeitszufriedenheit hat, gleichzeitig aber auch mit Überlastungsgefühlen verbunden ist.
Hat das Team eine wichtige Aufgabe?
Die Wichtigkeit der Aufgabe bezeichnet das Ausmaß, in dem eine Arbeit das Leben anderer (innerhalb oder außerhalb der Organisation) beeinflusst. Arbeitsaufgaben mit höherer Wichtigkeit gelten als sinnvoller als andere. In Metaanalysen hat die Wichtigkeit der Aufgabe einen moderaten Einfluss auf individuelle Arbeitszufriedenheit, organisationales Commitment, Leistung und subjektive (aber nicht objektive) Leistungsergebnisse. Es gibt einen relativ starken Zusammenhang mit Engagement (Christian, Garza & Slaughter, 2011) und Wahrnehmung von Überlastung (aber nicht von Stress) (Humphrey et al., 2007).
Inwieweit die Wichtigkeit der Arbeitsaufgabe die Teamarbeit beeinflusst, ist bislang wenig beforscht. Die Aufgabenwichtigkeit wirkt sich moderat positiv auf die Teamleistungen bei Routineaufgaben aus (Bell, 2004).
Ist die Arbeit ganzheitlich?
Die Ganzheitlichkeit (oder Identität) einer Aufgabe bezieht sich darauf, dass eine Aufgabe von Anfang bis Ende ausgeführt wird, was Zielsetzung, Planung, Umsetzung, Evaluation und Rückmeldung inkludiert (Hacker, 2001). Die angezielten Ergebnisse wahrzunehmen und zu prüfen, ob die Planung angemessen war und wie sie ausgeführt wurde, gibt wichtige Impulse für sinnvolle Veränderungen. Im Vergleich zu anderen Arbeitsgestaltungsmerkmalen sind die in Metaanalysen gefundenen Effekte auf individueller Ebene geringer, was die Einstellungen angeht (Humphrey et al., 2007), aber es gibt deutliche Zusammenhänge u. a. mit organisationalem Commitment und subjektiver Leistungsbewertung. Andere Studien zeigen, dass Ganzheitlichkeit auch mit extern bewerteten Leistungsoutcomes positiv korreliert (Hacker, 2001; Richter, Hemman & Pohlandt, 1999) und negativ mit Absentismus, Rollenkonflikten, Stress, Burnout und Erschöpfung zusammenhängt (Humphrey et al., 2007).
Ganzheitlichkeit hat moderate positive Effekte auf die Leistungen von Teams bei Routineaufgaben sowie auf die Arbeitszufriedenheit (Bell, 2004; Li et al., 2009). Auch wirkt Ganzheitlichkeit positiv auf Prozesse des Teamlernens, was wiederum die Proaktivität von Teams und die Leistung bei Nichtroutine-Aufgaben befördert (Lantz, 2011).
Gibt es Rückmeldungen aus der Arbeit?
Rückmeldung aus der Arbeit heraus bezieht sich darauf, ob es klare und direkte Informationen zu Arbeitsprozessen und Ergebnissen gibt. Solche Informationen ermöglichen Erkenntnisse darüber, was verändert werden könnte. Wenn diese Rückmeldungen erfolgen, wirkt sich dies positiv auf individuelle Merkmale wie intrinsische Motivation, subjektive Leistung und Arbeitszufriedenheit aus – Rollenunklarheit, Rollenkonflikte, Ängstlichkeit und Stress dagegen nehmen ab (Nahrgang, Morgeson & Hofmann, 2011).
Bell (2004) berichtet, dass Rückmeldung sich positiv auf die Leistung von Teams bei Routinetätigkeiten und deren Arbeitszufriedenheit auswirkt.
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
In vorliegenden Fall werden Planung, Koordination und Ergebniskontrolle von den Teamleitungen vorgenommen, so dass die Teammitglieder die Aufgaben in einer bestimmten Abfolge bearbeiten. Auch wenn es keine eindeutigen Aussagen dazu gibt, scheint es für das Team mühsam gewesen zu sein, einen Konsens über Ziele zu finden. Eine Arbeitshypothese ist deshalb, dass es Probleme mit der Teamarbeit aufgrund eingeschränkter Autonomie und nicht gegebener Ganzheitlichkeit der Aufgabe gibt.
3.2.2 Die Aufgabe ist zu einfach, um Motivation, Lernen und effektive Teamarbeit zu ermöglichen
Die Anforderungen, die Aufgaben an das Team stellen, bestimmen den Rahmen für Lernaktivitäten sowie die Nutzung kognitiver Fähigkeiten. Sind die Arbeitsaufgaben anspruchsvoll genug, um Spaß zu machen und zu stimulieren? Die Aufgaben stellen mehr oder weniger große Anforderungen an das Wissen und die Kompetenz der Teammitglieder. Um diese Anforderungen beurteilen zu können, werden Komplexität, Anforderungsvielfalt und der Grad der notwendigen Spezialisierung beschrieben.
Ist die Arbeit komplex genug?
Komplexität bezieht sich auf den Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe. Dieser ist abhängig davon, welche kognitiven Anforderungen in Bezug auf Problemlösung, Koordination und Anpassung an Veränderungen von Aufgaben bestehen. Menschen, die komplexe Aufgaben bewältigen und dabei ihr Potenzial nutzen, sind intrinsisch motiviert, engagiert, nehmen Veränderungsmöglichkeiten wahr und setzen diese auch um (Frese et al., 2007). Komplexe Aufgaben regen Teamdiskussionen über arbeitsbezogene Probleme an. Je höher die Anforderungen an Kognition, Informationsverarbeitung und kollaborative Problemlösung, desto wichtiger wird das Lernen im Team und desto stärker ist die Teamwirksamkeit (d. h. der Glaube des Teams an sein Potenzial) bei der Bewältigung anspruchsvoller Aufgaben ausgeprägt.
Eine Reihe von Studien zu Effekten auf der individuellen Ebene belegen einen Zusammenhang mit externen Leistungskennzahlen (Hacker, 2003, Humphrey et al., 2007). Weitere Ergebnisse zeigen positive Zusammenhänge von Aufgabenkomplexität mit Arbeitszufriedenheit, Arbeitsinvolvement (Humphrey et al., 2007) und Engagement (Christian et al., 2011). Komplexität wirkt auf die individuelle Proaktivität (Frese et al., 2007), fördert das Lernniveau am Arbeitsplatz (Hacker, 2001), ruft aber auch eine verstärkte Wahrnehmung von Überlastung hervor (Humphrey et al., 2007). Geringe Komplexität steht in einem negativen Zusammenhang mit Verhaltensweisen wie Altruismus, Höflichkeit und Gewissenhaftigkeit (Podsakoff, MacKenzie, Paine & Bachrach, 2000).
Komplexität hat einen starken Einfluss auf Lernprozesse im Team, was wiederum die Partizipation in Innovations- und Entwicklungsprozessen erhöht (z. B. Lantz Friedrich et al., 2016; West et al., 2004).
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Es gibt für diesen Fall keine klaren Informationen über die Komplexität der Aufgaben. Eine Arbeitshypothese ist, dass die Aufgabe zwar komplex ist, die Anforderungen für verschiedene Teammitglieder aber unterschiedlich sind und somit ein gemeinsames Lernen erschweren. Die Aufgabenkomplexität kann subjektiv gemessen werden, z. B. durch Items wie »Die Arbeit beinhaltet die Bewältigung von Problemen, die ich bisher nicht bearbeitet habe«, »Die Arbeit erfordert, dass ich viele Informationen überwache« oder »Die Aufgaben am Arbeitsplatz sind einfach und unkompliziert« (Morgeson & Campion, 2003). Allerdings kann die Validität dieser Aussagen eingeschränkt sein, da Menschen sich in ihren intellektuellen Fähigkeiten und Erfahrungen unterscheiden, so dass das, was für einige schwierig ist, für andere weniger komplex ist.
Stellt die Arbeit Anforderungen an unterschiedliche Kompetenzen?
Die Anforderungsvielfalt beschreibt das Ausmaß, in dem Individuen unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei der Arbeit anwenden. Metaanalysen zeigen, dass die Anforderungsvielfalt sich positiv auf Motivation, Involvement und Zufriedenheit, nicht aber auf andere Outcomes (Kognition, Verhalten und Wohlbefinden) auswirkt. In der Metaanalyse von Humphrey et al. (2007) zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Anforderungsvielfalt und individuell selbsteingeschätzter Leistung. Insgesamt ist wenig darüber bekannt, wie sich die Anforderungsvielfalt auf Teamleistung oder -outcomes auswirkt.
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Wie würden die Teammitglieder die Frage beantworten, ob sie bei ihrer Arbeit viele verschiedene Dinge tun und an vielen verschiedenen Aufgaben arbeiten? Wahrscheinlich damit, dass sie zwar Verschiedenes tun, d. h. an mehreren Unteraufgaben arbeiten, aber eben nicht an qualitativ verschiedenen Aufgaben, die unterschiedliche Anforderungen stellen und somit diverse Kompetenzen beanspruchen. Eine weitere Arbeitshypothese ist deshalb, dass eine geringe Aufgabenvariabilität mitverursachend für die fehlende Teamarbeit ist.
Erfordert die Arbeit Spezialisierung?
Spezialisierung bezieht sich darauf, wie vertieft und spezialisiert die Qualifikation ist, die für die Aufgabenausführung erforderlich ist. Obwohl es nur begrenzte Forschung in diesem Bereich gibt, gehen Morgeson und Humphrey (2008) davon aus, dass Spezialisierung förderlich für Arbeitszufriedenheit und Effizienz ist.
3.2.3 Die Arbeit erfordert kein Zusammenspiel
Soziale Unterstützung und Feedback von anderen Personen sind die beiden wichtigsten sozialen Merkmale von Arbeit, die durch Arbeitsgestaltung beeinflusst werden können. Beide beeinflussen individuelle Motivation, Wohlbefinden und Leistung (Nahrgang et al., 2011). Gegenseitige Unterstützung und Feedback sind Intra-Teamprozesse, auf die in späteren Kapiteln vertieft eingegangen wird.
Ist die gegenseitige Abhängigkeit bei der Arbeit zwischen den Teammitgliedern genug ausgeprägt?
Interdependenz ist das Ausmaß, in dem Teammitglieder kooperieren und interaktiv an der Erfüllung von Aufgaben arbeiten. Strukturelle Interdependenz ist der Kontext, der die Beziehung zwischen den Teammitgliedern definiert. Sie setzt sich zusammen aus der Aufgabeninterdependenz (Merkmalen der Arbeit selbst, die mehrere Personen zur Vollendung erforderlich machen) und der Ergebnisinterdependenz (d. h. dem Ausmaß, in dem Ziele und Belohnungen geteilt werden). Zwei wesentliche Ergebnisabhängigkeiten sind Belohnungs- und Zielabhängigkeit, d. h. wie sehr Belohnungen und Ziele auf der gemeinsamen Leistung des Teams basieren (Bell, 2004).
Aufgabeninterdependenz ist auch eine soziale Eigenschaft. Sie ist gering ausgeprägt, wenn die individuellen Beiträge der Teammitglieder einfach gebündelt, d. h. aufaddiert werden. Die Teammitglieder leisten dann zwar unterschiedliche Beiträge zum Ergebnis, interagieren aber nicht miteinander. Teammitglieder können auch sequenziell verbunden sein, so dass die chronologische Reihenfolge der Handlungen der Teammitglieder festgelegt ist. In Teams mit wechselseitiger Aufgabeninterdependenz interagieren einzelne Teammitglieder mit nur einem anderen Teammitglied. Mehr oder weniger abhängig davon zu sein, wie andere ihre Aufgabe erfüllen, wirkt sich auf zwischenmenschliche Prozesse aus, z. B. wie viel Kommunikation, Koordination und Zusammenarbeit ein Team benötigt. Es beeinflusst auch affektive Prozesse, z. B. kann es zu Spannungen führen, wenn die letzte Person in einer sequenziellen Abhängigkeitskette feststellt, dass andere nicht vollständig »geliefert« haben.
Interdependenz hängt positiv mit individueller Arbeitszufriedenheit, Wohlbefinden und subjektiv eingeschätzter Leistung zusammen, negativ dagegen mit dem Wunsch nach Arbeitsplatzwechsel (Nahrgang et al., 2011). Humphrey et al. (2007) berichten zudem einen Einfluss auf das organisationale Commitment. Aufgabeninterdependenz erfordert mehr implizite Koordination (Rico, Sánchez-Manzanares, Gil & Gibson, 2008) und es überrascht nicht, dass bei hoher Interdependenz häufiger Überlastung wahrgenommen wird (Humphrey et al., 2007).
Die Metaanalysen von Stewart (2006) und Bell (2004) zeigen, dass sowohl die Interdependenz von Aufgaben als auch von Ergebnissen positiv mit der Teamleistung zusammenhängen: Zielinterdependenz (ρ = .22), Belohnungsinterdependenz (ρ = 0.19) und Ziel- und Belohnungsinterdependenz gemeinsam (ρ = .59) (Bell, 2004). De Dreu (2006) belegt, dass Zielinterdependenz mit besserem Lernen, dem Teilen von Informationen und mehr Teameffektivität verbunden ist. Eine Review von Handke, Klonek, Parker und Kauffeld (2020) zeigt, dass die Bedeutung der Interdependenz für die Teamleistung auch von der Art des Teams beeinflusst wird. Für virtuelle Teams ist Zielinterdependenz wichtiger als Aufgabeninterdependenz. Aufgabeninterdependenz erfordert mehr Kommunikation im Team und implizites Wissen wird häufiger geteilt (Berman, Down & Hill, 2002). Dies ist eine Herausforderung für virtuelle Teams (
Kap. VI). Rico, de la Hera und Tabernero (2011) berichten in einer Review, dass Aufgabeninterdependenz Teamvertrauen, Hilfeverhalten, Flexibilität und Kommunikation fördert und Konflikte hemmt. Dies mag psychologisch begründet sein, da es bei größerer gegenseitiger Abhängigkeit besonders wichtig ist, in gute Beziehungen zu investieren.
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Die Teammitglieder äußern Bedenken in Bezug auf die Interdependenz, z. B. »Wobei genau sollen wir kooperieren?«. Eine Arbeitshypothese ist deshalb, dass die Interdependenzen zu schwach sind, um Teamarbeit zu stimulieren. Bei nur aufsummierten oder sequenziellen Interdependenzen stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Teamarbeit zu implementieren, solange die Aufgabe für das Team nicht neu definiert wird.
Steht das Team im Austausch mit Personen außerhalb der eigenen Organisation?
Erfordert die gestellte Aufgabe Interaktion mit Stakeholdern außerhalb der Organisation? Es kann sein, dass Kontakte zu Lieferanten, Kunden usw. die Teamprozesse und den Aufbau eines gemeinsamen Zielverständnisses unterstützen. Es ist wenig darüber bekannt, wie sich die Interaktion mit Stakeholdern auf einzelne Mitarbeiter*innen auswirkt, aber vorläufige Ergebnisse belegen einen Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit (Humphrey et al., 2007). Die Bedeutung externer Beziehungen für organisationales Lernen wird in Kapitel IX eingehend diskutiert.
Was sind die wichtigsten Voraussetzungen der Arbeitsgestaltung für effektive Teamarbeit?
Unter Heranziehung der Ergebnisse der Metaanalysen von Bell (2004) und Stewart (2006) sind die folgenden Arbeitsgestaltungsmerkmale von besonderer Bedeutung für die Einstellungen von Teammitgliedern, die Teamleistung und die Outcomes von Teams wie auch für individuelle Einstellungen und Leistungen (s. oben). Sie stellen somit Schlüsselmerkmale für Teamarbeit dar:
• Komplexität: Die Aufgaben stellen Anforderungen an die Teamkognition wie auch das Teamlernen.
• Autonomie: Teams entscheiden über die Ausführung der Arbeit, redefinieren Ziele und Arbeitsweisen und treffen entsprechende Entscheidungen.
• Interdependenz: Teammitglieder müssen zur Aufgabenbearbeitung in unterschiedlicher Art kooperieren.
• Anforderungsvielfalt: Mehrere zusammenhängende Aufgaben erfordern ein breites Spektrum an Kompetenzen.
• Ganzheitlichkeit: Das Team ist für die Aufgabe von Anfang bis Ende verantwortlich – von der Zielbildung über Planung, Ausführung, Ergebniskontrolle bis hin zum Feedback.
Auch wenn es weitere Aspekte der Arbeit gibt, die bedeutsam für das Team und Teamarbeit sind, sind die gerade aufgeführten entscheidend für die Leistungsergebnisse sowohl bei routinisierter als auch nicht-routinisierter Arbeit.
3.3 Mangelnde Passung der Merkmale der Arbeit und der Organisation
Der dritte Zweig der Mindmap in Abbildung 3.1 thematisiert die Gesamtheit unterschiedlicher miteinander verbundener Merkmale: Damit positive Ergebnisse für die Mitarbeiter*innen, das Team und die Organisation erzielt werden können, müssen die Merkmale gemeinsam ausgerichtet sein, d. h. sie müssen zueinander, aber auch in Hinblick auf organisationale Charakteristika in Passung stehen (Tafvelin, Stenling, Lundmark & Westerberg, 2019).
3.3.1 Stehen Merkmale der Arbeit in Konflikt miteinander?
Bei der Arbeitsgestaltung sollten mehrere zusammenhängende Merkmale gleichzeitig berücksichtigt werden, um ungünstige Kombinationen zu vermeiden, wie z. B. hohe Komplexität und geringe Autonomie. Arbeitsgestaltung muss auch mit anderen organisationalen Merkmalen, z. B. dem Vergütungssystem und der Führungsstruktur, abgestimmt sein. Der Kontext, in den das Team eingebettet ist, kann die Ziele der Arbeitsgestaltung unterstützen und mitentwickeln oder aber im ungünstigen Fall einschränken (Johns, 2010). Einige Berufsfelder weisen eine typischerweise ungünstige Kombination auf, z. B. gibt es im Bereich Pflege und Gesundheitswesen häufig komplexe Aufgaben mit hoher Relevanz sowie eine ausgeprägte Anforderungs- und Aufgabenvielfalt. Diese Merkmale sind nicht selten mit geringer Vollständigkeit der Aufgabe und eingeschränkter Autonomie kombiniert. Studien zeigen, dass Teamarbeit und Personalentwicklungsmaßnahmen verbunden mit höherer Autonomie zu besseren Ergebnissen führen (geringere Patientensterblichkeit eingeschlossen, s. Woods & West, 2014).
Verschiedene Merkmale der Arbeitsgestaltung sind miteinander verknüpft und die positiven Effekte einzelner Merkmale werden nur dann erreicht, wenn die Ausprägung anderer Merkmale dazu passt (s. z. B. Humphrey et al., 2007). Beispielsweise hängen Komplexität und Autonomie zusammen, denn komplexe Aufgaben können unterschiedlich gelöst werden, wozu Autonomie in der Entscheidungsfindung erforderlich ist. Umgekehrt bedeutet Autonomie verbunden mit geringer Aufgabenkomplexität, dass nur über unwichtige Aspekte entschieden werden kann (Frese et al., 2007). Langfred (2005) zufolge bestehen positive Effekte von Autonomie nur in Teams mit hoher Interdependenz, da eine hohe Autonomie dann Koordination und Synchronisation der Aktivitäten auf ein gemeinsames Ziel erfordert.
3.3.2 Gibt es zu viele positive Aufgabenanforderungen?
Aufgabenmerkmale können auch so gestaltet werden, dass sich die Mitarbeiter*innen besser an schnelle Veränderungen anpassen, proaktiv handeln und ihre Arbeitsrollen bei Bedarf ausweiten können (Griffin et al., 2007). Dies beinhaltet auf Seiten der Mitarbeiter*innen Kompetenzentwicklung, ggf. persönliches Wachstum sowie Entwicklung von Kontrollüberzeugungen und Selbstwirksamkeit. Andererseits könnte dies auch eine Belastung darstellen, da Handlungen geplant und Zeit und Mühe in proaktives Verhalten investiert werden müssen, und das ggf. außerhalb der geregelten Arbeitszeit (Podsakoff, Podsakoff, MacKenzie, Maynes & Spoelma, 2014).
Johns (2010) stellt die ketzerische Frage, ob Arbeitsplätze auch zu viele positive Arbeitsgestaltungsmerkmale aufweisen können. Er argumentiert, dass beispielsweise hochkomplexe Arbeitsplätze mit einem hohen Ausmaß an Autonomie und Interdependenz auch eine Belastung und somit das Gegenteil des intendierten Effekts darstellen können. Johns schlägt vor, dass die Wirkung aller arbeitsgestalterischen Aspekte zusammengenommen entscheidend ist.
3.3.3 Sind Teamziele und Arbeitsgestaltung nicht aufeinander abgestimmt?
Merkmale der Arbeitsgestaltung wirken unterschiedlich auf verschiedene Aspekte. Z. B. ist die Aufgabenvielfalt für Arbeitszufriedenheit wichtiger als für Leistungsergebnisse. Komplexität scheint sich nicht auf die Leistung bei Routineaufgaben auszuwirken, aber sie unterstützt Teamlernen und Entwicklungs- und Veränderungsprozesse. Ausgangspunkt für die Arbeitsgestaltung ist deshalb das erwartete Ergebnis.
Arbeitsgestaltung sollte als sinnvolle Kombination verschiedener Elemente betrachtet werden: Merkmale der Arbeit, Prozesse, organisatorische Voraussetzungen und Ziele des Teams.
3.4 Diagnose der Teamziele und der Arbeitsgestaltung
Vor der Planung einer Intervention zur Änderung der Arbeitsbedingungen eines Teams ist eine Analyse der aktuellen Arbeitsmerkmale erforderlich. In diesem Kapitel geht es um das Problem, dass es trotz einer Teamstruktur wenig Teamarbeit gibt. Neben der Arbeitsgestaltung gibt es auch andere theoretisch plausible Erklärungen (s. das gesamte IMOI-Modell). Hier steht nun die Arbeitsgestaltung im Fokus, weshalb im folgenden Abschnitt die Diagnose der Teamziele sowie der Arbeitsgestaltung zur Darstellung kommt.
3.4.1 Problem mangelnder Konsens über das erwartete Ergebnis der Teamarbeit
Es gibt mindestens vier Fragen zu Teamzielen, die berücksichtigt werden müssen, bevor Merkmale der Arbeitsgestaltung realisiert werden können: Strategie, Erwartungen der Stakeholder an die Ergebnisse, bestehende Teamziele und die Passung zwischen diesen Merkmalen. Da keine validierte Methode zur Durchführung einer solchen Analyse existiert, folgen einige allgemeine Hinweise in Form von Leitfragen und Vorschlägen zum Vorgehen.
Was ist die organisationale Strategie, die hinter der Arbeitsorganisation in Teams steckt?
• Gibt es eine schriftliche oder anders kommunizierte Organisationsstrategie, die beschreibt, warum Teams gebildet wurden und wie diese Teams zu den Organisationsergebnissen beitragen sollen?
• Wird die Strategie ausreichend kommuniziert, um ein gemeinsames Verständnis zwischen den Interessengruppen und den Teammitgliedern darüber zu gewährleisten, was die Teams erreichen sollen?
• Ist die Strategie klar und richtungsweisend oder eher allgemein und bietet Interpretationsspielraum? Letzteres gibt die Möglichkeit zur Redefinition von Zielen der Teamarbeit.
Was erwarten die Stakeholder an Leistungen und Outcomes des Teams?
• Identifikation unterschiedlicher Perspektiven in Bezug auf die erwarteten Endergebnisse von Stakeholdern, Entscheidungsträgern und Teammitgliedern sowie Überprüfung, ob alle Akteursgruppen die Argumentationslinien hinter den verschiedenen Standpunkten verstehen.
• Clustern verschiedener Perspektiven/Ideen: Moderationswerkzeuge für divergente und konvergente Prozesse können hierbei nützlich sein.
Was sind die Teamziele?
• Integration und Zusammenführung verschiedener Perspektiven in Bezug auf die Teamziele
• Beziehen sich die Teamziele sowohl auf die routinemäßige als auch auf die nicht routinemäßige Aufgabenbearbeitung? Gibt es diesbezüglich verschiedene Ziele, die zu explizieren sind?
Passung zwischen Strategie, Erwartungen der Stakeholder und Teamzielen
• Passen organisationale Strategie, Stakeholder-Erwartungen und Teamziele zueinander oder gibt es Widersprüche?
Auf der Basis einer solchen Analyse der Teamziele lassen sich Entscheidungen darüber ableiten, ob diese – als Intervention auf der organisationalen Ebene – verändert oder erweitert werden sollten. In Kapitel V wird thematisiert, wie Teamprozesse aussehen, die die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der Teammitglieder über die Teamziele ermöglichen, welches sich wiederum positiv auf die Teamleistung auswirkt. Voraussetzung dafür ist aber, dass es solche Ziele überhaupt gibt.
3.4.2 Problem aufgrund fehlender Voraussetzungen für die Arbeit im Team
Allgemeiner Hinweis: Es ist sinnvoll, zunächst die Aspekte der Arbeitsgestaltung (s. Mindmap) auszuwählen, die vor dem Hintergrund der dargelegten theoretischen Inhalte sowie des konkreten Arbeitsplatzes und Teamkontextes die Teamergebnisse beeinflussen könnten. Diese Merkmale sind Basis einer »lokalen Theorie«; d. h. eines Modells, das zur Diagnose der an diesem Arbeitsplatz vorherrschenden Bedingungen für Teamarbeit genutzt werden kann, um danach bei Bedarf Interventionen abzuleiten.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Arbeitsgestaltungsmerkmale zu untersuchen. Zur Bewertung der Arbeitsgestaltung existieren mehrere Instrumente, z. B. der Work Design Questionnaire (WDQ) von Morgeson und Humphrey (2006), der mehrere Skalen zu Merkmalen der Arbeitsgestaltung enthält (u. a. Autonomie, Komplexität, Anforderungsvielfalt, Interdependenz, Ganzheitlichkeit, Rückmeldung). Dieser Fragebogen wurde auch in deutscher Sprache bzgl. der Testgütekriterien überprüft (Stegmann, van Dick, Ullrich, Charalambous, Menzel, Egold & Tai-Chi Wu, 2010; Stegmann, van Dick, Junker & Charalambous, 2019). Es gibt zudem gerade im deutschsprachigen Raum eine Reihe von bedingungsbezogenen Arbeitsanalyseverfahren, die allerdings nur von dafür qualifizierten Expert*innen der Arbeitspsychologie eingesetzt werden können, beispielsweise zur Analyse psychischer Anforderungen und Belastungen in der Produktionsarbeit (VERA/RHIA, Oesterreich, Leitner & Resch, 2000) oder die kontrastive Aufgabenanalyse im Büro (Dunckel, Volpert, Zölch, Kreutner, Pleiss & Hennes, 1993). Einen Überblick zu Arbeitsanalyseverfahren gibt Dunckel (1999) in einem Handbuch. Einige Aspekte der Arbeitsgestaltung werden auch in Inventaren behandelt, die hauptsächlich zur Beschreibung der Teamleistung entwickelt wurden (
Kap. V). Instrumente wie der WDQ können in der Fragebogenversion, aber auch als Basis für einen Interviewleitfaden oder für eine Diskussion in einer Fokusgruppe verwendet werden. Die Datenerhebung ist ausschließlich beschreibend und die Analyse zeigt Schwächen und Stärken am jeweiligen Arbeitsplatz auf. Je nachdem, was das gewählte Instrument misst und wie viele verschiedene Aspekte abgedeckt werden, gibt es einen größeren oder auch begrenzteren Spielraum für Entscheidungen über das Arbeitsdesign. Es ist durchaus sinnvoll, dass bei der Arbeitsgestaltung der Fokus auf mehrere Dimensionen gerichtet wird, da diese erst im Zusammenspiel zu einer effektiven Teamleistung führen.
3.4.3 Problem aufgrund fehlender Passung von Aspekten der Arbeit und der Organisation
Es gibt unseres Wissens kein Instrument, das die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Aspekten der Arbeitsgestaltung und dem organisatorischen Kontext bewertet. Eine Analyse der Ziele und der Arbeitsgestaltung (siehe die Abschnitte 3.4.1 und 3.4.2) gibt auch Hinweise darauf, ob diesbezügliche Konflikte bestehen.
Schritt 4: Zieldimensionen auswählen und Ziele setzen
Wie kann die Arbeitsgestaltung so vorgenommen werden, dass günstige Voraussetzungen für die Teamarbeit geschaffen werden? Die folgenden Aspekte sollten bei der Auswahl von Zieldimensionen für eine Intervention bedacht werden:
• Welche aufgabenbezogenen Abhängigkeiten bestehen zwischen den Teammitgliedern? Handelt es sich ausschließlich um gebündelte, d. h. nur aufsummierte Einzelleistungen? Oder sind die Teammitglieder sequenziell, wechselseitig oder bezogen auf Ziele und Ergebnisse voneinander abhängig? Ist es überhaupt sinnvoll, von Teamarbeit zu sprechen?
• Welche Dimensionen der Arbeitsgestaltung, die sich sowohl auf die routinemäßige als auch auf die nicht routinemäßige Arbeit auswirken, sind von Bedeutung?
• Wenn sich Ziele oder Dimensionen der Arbeitsgestaltung ändern, was sind die Konsequenzen für andere Teams und Funktionsstellen im Workflow?
Entsprechend sollten die Dimensionen priorisiert und diejenigen ausgewählt werden, deren Einfluss auf die Teameffektivität am bedeutsamsten erscheint.
In Kapitel II wurde betont, wie wichtig es ist, das Veränderungspotenzial zu analysieren, bevor die in der Intervention angezielten Dimensionen ausgewählt werden.
Der Prozess der Gestaltung (oder Neugestaltung) von Arbeit beginnt mit der Diskrepanz zwischen dem aktuellen Zustand und dem Ziel. Deshalb sind Entscheidungen und Festlegungen über Gestaltungsziele erforderlich. Diese bilden die Basis für die Auswahl der Dimensionen der Arbeitsgestaltung. Wenn beispielsweise die Diagnose ergibt, dass jedes Teammitglied zwei ähnliche Aufgaben mit mehreren Teilaufgaben durchführt und die Aufgabenvielfalt gering ist, könnte es ein Gestaltungsziel sein, dass jedes Mitglied mindestens vier unterschiedliche Aufgaben mit mehreren Teilaufgaben ausführt. Obwohl es in den meisten Unternehmen nicht möglich ist, die Zielsetzungstheorie (
Kap. II) und das S.M.A.R.T.-Prinzip für die Zielsetzung (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert) vollständig umzusetzen, ist es wichtig, Zielformulierungen zu überprüfen, um die Ergebnisse zu verfolgen. Von Relevanz ist dabei auch der Konkretheitsgrad von Zielen – abstrakte oder allgemeine Formulierungen sind zu vermeiden. Z. B. sollte nicht einfach »Lernen« ein Ziel sein, sondern es sollten konkrete Lerninhalte formuliert werden.
Schritt 5: Lösungen identifizieren
Der nächste Schritt für das Problem »Wir haben zwar Teams, aber wenig Teamarbeit« besteht darin, zunächst die Domäne(n) für die Veränderung zu wählen. Bevor man sich für eine Lösung für die angezielten Veränderungen in der gewählten Dimension entscheidet, ist es wichtig herauszufinden, ob auch gleichzeitig weitere Interventionen erforderlich sind. Denn es ist möglich, dass die Änderung eines Aspekts der Arbeitsgestaltung auch andere Aspekte betrifft. Z. B. könnte es erforderlich sein, Bedingungen in der physischen Umgebung, auf organisationaler oder individueller Ebene zu verändern, wenn Arbeitsgestaltungsmaßnahmen implementiert werden. So kann eine erweiterte Autonomie unter Umständen nur dann ermöglicht werden, wenn auch die Führungsstruktur geändert wird, wenn Systeme zur Überwachung von Ergebnissen eingerichtet werden und Teams dahingehend trainiert werden, die erhöhte Autonomie auch zu nutzen. Oder die Aufgabenvielfalt kann nur dann angegangen werden, wenn die Teammitglieder für diese neuen Aufgaben geschult werden. Auch wenn nur eine Änderung, z. B. in der Aufgabenkomplexität, angezielt wird, kann dies eine Kombination mehrerer Interventionen erfordern. Deshalb muss analysiert werden, welche verwandten Dimensionen die Veränderung der gewählten Hauptdimension behindern oder unterstützen. Die optimale Lösung hängt immer von der konkreten Situation und dem organisatorischen Kontext ab – es gibt keine allgemeingültigen Lösungen für die Arbeitsgestaltung. In den folgenden Kapiteln werden Beispiele für Lösungen bzgl. verschiedener Probleme gegeben (
Kap. X im Überblick).
Fall: Geringe Aufgabeninterdependenz und unklare Ziele beeinträchtigen die Teamarbeit (Fortsetzung)
Im konkreten Fall wird entschieden, dass zunächst die Aufgabeninterdependenz erhöht werden muss, um das Problem zu lösen (»Wir haben Teams, aber wenig Teamarbeit«). Die Lösung besteht darin, gegenseitige Abhängigkeiten in Bezug auf die Ergebnisse herzustellen. Dies beinhaltet auch andere Interventionen. Das Teamziel muss verändert werden, denn die Aufgabenerfüllung erfolgte bislang ausschließlich durch die Bündelung individueller Aufgaben zu einem Endergebnis. Die Teams beschäftigen sich damit, solche gemeinsam anzugehenden Ziele zu identifizieren. In einem Team wird beschlossen, die Produktivität so zu steigern: a) gemeinsam Best Practices für spezifische Aufgaben der Funktionen identifizieren und nicht-wertschöpfende Aktivitäten reduzieren, b) einmal im Monat den Workflow eines Falls analysieren, der vor dem geplanten Zeitpunkt abgeschlossen wurde, um empfehlenswerte Vorgehensweisen zu identifizieren und c) Kriterien dafür finden, wie mit den Kunden so kommuniziert werden kann, dass weniger Beschwerden kommen. Alle Funktionsstellen tragen zum Workflow und zur Gestaltung der Kommunikation im Team bei. Diese zusätzlichen Ziele bedeuten weitere Veränderungen, z. B. in den Bereichen Arbeitsrollen, Führung und individuelle Kompetenzen.
Schritt 6: Intervention(en) planen
Bei der Gestaltung und Planung der Intervention – »Was ist zu tun und wie ist es zu tun?« – sind Konzepte und Methoden zur Änderung der ausgewählten Dimensionen auszuwählen und Schritte im Veränderungsprozess festzulegen. In den folgenden Kapiteln werden dafür entsprechende Beispiele benannt. Der konkrete Interventionsplan hängt von der gewählten Lösung und den Konzepten und Methoden ab und kann deshalb nicht verallgemeinernd dargestellt werden. In Kapitel II wurden bereits Aspekte für einen erfolgreichen Implementierungsprozess angesprochen, wie z. B. die Bedeutung der Beteiligung und Mitwirkung der Teammitglieder.
Schritt 7: Intervention(en) implementieren
Der nächste Schritt liegt in der Umsetzung der Intervention. Hierzu ist es erforderlich, den Implementationsprozess zu überwachen und zu unterstützen sowie Methoden und Konzepte bei Bedarf auch anzupassen (
Kap. X).
Schritt 8: Evaluieren
Zur Qualitätssicherung sollte im Prozess der Intervention eine Evaluation durchgeführt werden. Eine formative Evaluation gibt Aufschluss darüber, ob der ursprüngliche Plan geändert werden sollte. In vielen Fällen wird die Auswertung der Ergebnisse (summative Evaluation) vernachlässigt und es bleibt somit offen, ob das ursprüngliche Problem gelöst wurde (
Kap. X, Kap. XI).
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