Kitabı oku: «Die Memoiren der Fanny Hill»

Yazı tipi:

John Cleland

Die Memoiren der Fanny Hill

ISBN 978-3-95841-777-9

© by Cupitora in der BEBUG mbH, Berlin

Erster Brief

Gnädigste,

ich will mich nun hinsetzen, um Ihnen einen unwiderlegbaren Beweis der Aufmerksamkeit zu liefern, die ich Ihren Wünschen – für mich sind es Befehle – widme. So undankbar die Aufgabe auch sein mag – ich werde doch alle jene skandalumwitterten Stationen meines Lebensweges heraufzubeschwören suchen, die ich schließlich hinter mir ließ, um mich des Segens zu erfreuen, der von der Macht der Liebe, von Gesundheit und Glück verliehen wird. Ich befinde mich ja noch in der Blüte meiner Jugend, und es ist daher nicht zu spät, um die Muße zu genießen, die mir dank Reichtum und glücklicher Umstände gewährt ist. Ich kann meinen Verstand wieder üben, der zweifelsohne nicht vernachlässigt werden darf; er regte mich sogar inmitten des Strudels ausschweifender Vergnügungen, in den ich hineingerissen wurde, zur Beobachtung der Gewohnheiten und Sitten der Welt an – jedenfalls mehr, als es bei meinen unglückseligen Berufsgenossinnen üblich ist. Sie betrachten alle Gedanken oder Überlegungen als ihre eigentlichen Feinde und halten sie daher so fern von sich, wie es ihnen nur möglich ist, falls ihnen nicht gleich deren gnadenlose Unterdrückung gelingt.

Da ich jegliches lange Einleitungsgerede auf den Tod hasse, werde ich Ihnen hiermit Pardon erteilen und keine weiteren Verteidigungsgründe anführen, die Sie auf die ausschweifungsreichen Strecken meines Lebens vorbereiten sollen. Ich werde darüber mit derselben Freiheit schreiben, wie ich es geführt habe.


Wahrheit – volle, nackte Wahrheit: Das ist die Losung! Ich werde mich nicht einmal bemühen, auch nur das Ende eines Tüllschleiers über alles zu breiten, sondern will die Ereignisse so darstellen, wie sie jetzt in aller Natürlichkeit vor mir auftauchen; keinesfalls kann ich mich darum kümmern, ob die Gesetze der Schamhaftigkeit verletzt werden, die sowieso nie für solch rückhaltlose Preisgabe von Intimitäten, wie sie zwischen uns üblich ist, geschaffen wurden. Sie haben ja auch zu viel Gespür und zu viel Kenntnis von den Originalen, um prüde und heuchlerisch die Nase über die Kopien zu rümpfen. Die bedeutendsten Menschen, die den besten und tonangebenden Geschmack haben, schmücken ohne Skrupel ihre Privaträume mit Aktbildern, obwohl sie gemäß den gewöhnlichen Vorurteilen die gleichen Bilder für keine anständige Dekoration von Treppenhäusern und Salons halten.

Das ist also die Voraussetzung und dürfte reichen. Ich beginne nun schnurstracks meine persönliche Geschichte. Mein Mädchenname war Frances Hill. Ich wurde in einem kleinen Dorf in der Nähe von Liverpool in Lancashire geboren. Meine Eltern waren äußerst arm und, wie ich guten Glaubens annehme, äußerst ehrlich.

Mein Vater war durch eine Verstümmelung seiner Glieder untauglich geworden, den beschwerlichen Weg der bäuerlichen Plackerei einzuschlagen; er verdiente sich mit Hilfe der Netzstrickerei seinen mageren Unterhalt. Dieser wurde durch die Arbeit meiner Mutter, die eine Schule für die Mädchen der Nachbarschaft leitete, nicht gerade viel vergrößert. Sie hatten mehrere Kinder gehabt; es blieb jedoch keines am Leben außer mir, die ich von der Natur eine vollkommen gesunde Konstitution mitbekommen hatte.

Bis zum Alter von vierzehn Jahren war meine Erziehung nicht besser als irgendeine andere. Das Lesen oder vielmehr Buchstabieren eines unleserlichen Gekritzels und ein bisschen simple Handarbeit machten das ganze Lehrsystem aus; die ganze Grundlage meiner Tugend war nichts anderes als eine völlige Unwissenheit über das Laster; dazu kam noch die scheue Zurückhaltung, die unser Geschlecht in jenem zarten Lebensalter auszeichnet, da die Dinge mehr durch ihre Neuheit Schrecken auslösen oder uns fortscheuchen als durch irgendetwas sonst. Es ist dies allerdings eine Furcht, die allzu oft auf Kosten der Unschuld überwunden wird, wenn nämlich das junge Fräulein allmählich anfängt, einen Mann nicht länger als ein Raubtier anzusehen, das sie auffressen möchte.

Meine arme Mutter hatte ihre Zeit derart genau eingeteilt zwischen der Beschäftigung mit ihren Schülerinnen und ihren kleinen Sorgen im Haushalt, dass sie nur noch sehr wenig davon für meine Erziehung übrig hatte; sie ließ auch, aus ihrer Unwissenheit über viele Verfehlungen heraus, nie eine entsprechende Anspielung fallen und brachte mir nie einen Gedanken nahe, der mich vor irgendwelchen Gefahren geschützt hätte. Ich war soeben in mein fünfzehntes Lebensjahr eingetreten, als mir das schlimmste Unglück, das es geben kann, zustieß. Ich verlor meine zärtlich geliebten Eltern, die beide, mit ein paar Tagen Abstand, an den Pocken starben. Mein Vater verschied zuerst und beschleunigte dadurch den Tod meiner Mutter. Plötzlich fand ich mich als unglückliches Waisenkind ohne Verwandte; es war nämlich nur Zufall gewesen, dass mein Vater sich dort niedergelassen hatte, da er eigentlich aus Kent stammte. Die grausame Krankheit, die für beide so verhängnisvoll geworden war, hatte auch mich ergriffen, aber die Symptome zeigten sich so mild und günstig, dass ich binnen kurzem außer Gefahr war und, was ich damals noch nicht zu schätzen wusste, auch keinerlei zurückgebliebene Spuren aufwies. Ich übergehe hier das Ausmaß an natürlicher Trauer und das Leid, das ich bei dieser düsteren Angelegenheit empfand. Nach einer kurzen Spanne Zeit zerstreute die Unbesonnenheit jenes Lebensalters nur allzu bald mein Sinnieren über den unersetzlichen Verlust.

Nichts half mir mehr, mich damit abzufinden, als die Pläne, die sofort in meinen Kopf gesetzt wurden – ich sollte nach London gehen und dort einen Dienst suchen. Jede mögliche Hilfe und aller Beistand wurden mir dabei von einer gewissen Esther Davis versprochen, einer jungen Frau, die auf Besuch zu ihren Verwandten gekommen war und nach einem Aufenthalt von ein paar Tagen an ihren Arbeitsplatz zurückreisen wollte. Es gab sowieso im ganzen Dorf niemand mehr, der Interesse daran gehabt hätte, was aus mir wurde, und der Einwände gegen meinen Plan vorbrachte.

Da selbst die Frau, die nach dem Tod meiner Eltern für mich sorgte, mich dazu ermutigte, fasste ich also kurzerhand den Entschluss, den Schritt in die weite Welt zu wagen. Ich wollte nach London gehen, um »mein Glück zu suchen« – eine Redensart, die, nebenbei gesagt, mehr Abenteurer beiderlei Geschlechts, die vom Land kommen, in den Abgrund führt, als sie ans Ziel bringt.

Auch Esther Davis sprach mir Trost zu und spornte mich an, mich zusammen mit ihr hinzuwagen; sie regte meine kindliche Neugier mit all den schönen Sachen an, die in London zu sehen waren: die Grabmäler, die Löwen, der König, die königliche Familie, die prächtigen Komödien und Opern sowie, kurz gesagt, die ganzen Vergnügungen, die künftig zu meinem Lebenskreis gehören sollten. Die vielen Einzelheiten ließen meinen kleinen Kopf schwindeln.

Ich kann mich nicht ohne Heiterkeit an die naive Bewunderung, vermischt mit etwas Neid, erinnern, mit der wir armen Mädchen, deren Sonntagskleidung nicht über Hemden aus Sackleinen und Fähnchen aus billigem Zeug hinausging, das Gewand Esthers betrachteten. Es war von Satinstreifen durchzogen; ihr Häubchen war mit Spitzen eingefasst; farbenprächtige Bänder hingen an ihr herum, und ihre Schuhe besaßen Schnüre aus Silber. All diese Schätze, schlossen wir, gab es also in London; ein Hauptpunkt meines Planes war es nun, mir meinen Anteil an ihnen zu sichern.

Der Gedanke, sich der Gesellschaft einer Städterin zu vergewissern, lag demnach nahe; ebenso verhielt es sich mit den Gründen, die Esther veranlassten, sich während der Reise zur Stadt um mich zu kümmern. Sie erzählte mir, wie es ihrer Art entsprach, dass verschiedene Mädchen vom Lande sich samt ihrem ganzen Anhang herausgemacht hätten, weil sie stets ihre Tugend bewahrten; so konnten sie ihre Herren dazu bringen, dass sie von ihnen geheiratet wurden und ihre Kutschen bekamen und ungeheuer großartig und glücklich lebten; manche, wie es gerade ging, wurden sogar Herzoginnen! Alles schien eitel Glück und Sonnenschein zu sein, und warum sollte ich nicht Anteil daran haben, genauso wie eine andere?

Solche Aussichten reizten mich, die viel versprechende Reise anzutreten und einen Ort zu verlassen, wo ich zwar geboren war, wo jedoch keine Angehörigen lebten, denen ich nachtrauern musste; das heimatliche Dorf war für mich überhaupt unerträglich geworden wegen des Wechsels von einem Klima der Zärtlichkeit zu dem kalten Lufthauch der Wohltätigkeit, der mich selbst noch bei der einzigen Freundin berührte, in die ich meine letzte Hoffnung auf fürsorglichen Schutz gesetzt hatte. Allerdings benahm sie sich insofern anständig mir gegenüber, als sie sich darum bemühte, die mir gebliebenen Habseligkeiten in Bargeld zu verwandeln.

Was davon nach der Bezahlung von Schulden und Begräbnisgebühren noch vorhanden war, übergab sie bei meiner Abreise meiner Verfügungsgewalt. Mein gesamtes Vermögen bestand aus einer höchst dürftigen Garderobe, die in einem recht handlichen Koffer verpackt war, sowie acht Guineen und siebzehn Silberschillingen. Dies bedeutete für mich einen größeren Schatz, als ich ihn bis dahin jemals auf einem Haufen zusammen gesehen hatte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass es möglich war, ihn restlos auszugeben; mich als Herrin einer derart riesigen Summe zu sehen, erfüllte mich mit solcher Freude, dass ich dem Pack guter Ratschläge, der mir als Draufgabe angeboten wurde, nur sehr wenig Aufmerksamkeit schenkte.

Alsbald wurden für Esther und für mich Plätze in der Postkutsche nach London bestellt. Die völlig unwesentliche Szene des Abschieds, bei der ich einige Tränen, halb aus Wehmut, halb aus Freude, vergoss, lasse ich beiseite; aus denselben Gründen überspringe ich auch alles, was ich unterwegs erlebte, zum Beispiel den Kutscher, der mich wie berauscht anglotzte, oder die Pläne, die mir manche Mitreisenden unterbreiteten und die durch die Wachsamkeit meiner Anstandsdame Esther im Keim erstickt wurden. Um ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muss ich sagen, dass sie mich mütterlich umhegte, wenn sie auch gleichzeitig verlangte, dass ich als Dank für ihre Obhut alle ihre Gepäckstücke schleppte. Ich erledigte das mit der größten Begeisterung, da ich mich in allem, was ich tat, ihr gegenüber zutiefst verpflichtet fühlte.

Sie passte tatsächlich scharf darauf auf, dass wir bei keiner Rechnung zu hoch veranschlagt wurden. Ebenso war sie dahinter her, mit so wenig Geld wie nur möglich auszukommen; Verschwendungssucht war ihr Laster wahrlich nicht.

Es war schon ziemlich spät an einem Sommerabend, als wir die Stadt London erreichten, denn unser Vehikel war sehr langsam, obwohl es zuletzt von einem Sechsergespann gezogen wurde.

Wir fuhren durch die belebtesten Straßen zu unserem Gasthof; der Lärm der Kutschen, der ungewohnte Anblick der Läden und Häuser gefiel mir und erschreckte mich zugleich.

Versuchen Sie sich jedoch nun meine Enttäuschung und Überraschung vorzustellen: Als wir bei unserem Gasthof angelangt waren und unsere Siebensachen entladen und uns ausgehändigt wurden, benahm sich meine Reisebegleiterin und Gönnerin plötzlich sehr befremdlich und zeigte mir die kalte Schulter. Sie hatte mich während der Reise mit der größten Zärtlichkeit behandelt und mich nicht durch das geringste Anzeichen auf den gewaltigen Schlag vorbereitet, den ich von meiner einzigen Vertrauten und Freundin an dem für mich unbekannten Ort empfangen sollte. Wahrscheinlich fürchtete sie, dass ich ihr nun zur Last fiele.

Anstatt mir ihre Hilfe und ihre guten Dienste weiterhin zu versprechen, worauf ich mich verlassen hatte – mehr wünschte ich gar nicht –, meinte sie selbst allem Anschein nach, dass sie ihre Pflicht mir gegenüber genügend erfüllt habe, indem sie mich gesund ans Ziel meiner Reise gebracht hatte. Da sie offenbar in ihrem Benehmen nichts sah, was nicht natürlich und ganz in Ordnung war, umarmte sie mich, um von mir Abschied zu nehmen. Ich war so bestürzt und derart betroffen, dass ich keinesfalls die Geistesgegenwart beweisen konnte, von meinen Hoffnungen und Erwartungen zu sprechen, die ich mit ihrer Erfahrung und Ortskenntnis verknüpft hatte.

Während ich nun dastand, stumm und wie vor den Kopf geschlagen – was sie zweifellos nur als Abschiedsschmerz ansah –, suchte sie mir durch das folgende Geschwätz eine kleine Aufmunterung zu geben: Jetzt wären wir also gesund in London angekommen, und sie müsste zu ihrem Arbeitsplatz gehen; sie könne mir nur raten, auch so bald als möglich einen solchen zu finden; ich brauche keine Sorge deswegen zu haben, denn es gebe mehr Stellen als Pfarrkirchen; sie empfehle mir, mich zu einer Stellenvermittlung zu begeben; wenn sie von einer Gelegenheit hören würde, könne sie mich ja aufsuchen und es mich wissen lassen; in der Zwischenzeit solle ich eine Privatunterkunft suchen und sie benachrichtigen, wo man mich erreichen könne; im übrigen wünsche sie mir viel Glück und hoffe, ich würde ehrbar bleiben und meinem Namen keine Schande machen. Damit nahm sie Abschied von mir und ließ mich stehen, als ob es mir sehr leicht fiele, mir selbst überlassen zu sein.

Als ich auf diese Weise allein zurückblieb, völlig verloren und ohne Freunde, begann ich die Härte der Trennung in ihrer ganzen Bitterkeit zu spüren. Die Abschiedsszene hatte in einem kleinen Zimmer im Gasthof stattgefunden. Kaum hatte mir Esther den Rücken gewandt, als der Schmerz über meine hilflose Lage sich in einem Strom von Tränen Bahn brach; das erleichterte den Druck, der auf meinem Herzen lastete, unendlich. Natürlich fühlte ich mich trotzdem äußerst verwirrt und einsam, da ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte.

Einer der Kellner trat zu mir heran und stürzte mich in noch größere Unsicherheit, indem er mich kurz angebunden fragte, ob ich etwas wünsche, worauf ich in aller Unschuld antwortete: »Nein.« Ich bat ihn jedoch, mir zu sagen, wo ich eine Unterkunft für die Nacht finden könne. Er erwiderte, er wolle mit der Wirtin sprechen; sie kam sofort und teilte mir trocken – und ohne im geringsten an der Not, die mir ja anzusehen war, teilzunehmen – mit, dass ich ein Bett für einen Schilling haben könne; sie nehme an, ich hätte Bekannte in der Stadt – hierbei seufzte ich tief und vergeblich – und würde am nächsten Tag für mich selbst sorgen.

Es ist unglaublich, was für unbedeutende Tröstungen sich das menschliche Herz in seiner ärgsten Drangsal sucht. Die simple Gewissheit, für diese Nacht ein Bett zum Schlafen zu haben, dämpfte meine Sorgen. Da ich mich auch schämte, der Besitzerin des Gasthofs zu erzählen, dass ich gar keine Freunde in der Stadt besäße, an die ich mich wenden könne, fasste ich den Entschluss, am nächsten Tag sofort zu einer Stellenvermittlung zu gehen; ich war für dieses Vorhaben mit einigen Adressen ausgerüstet, die Esther auf die Rückseite der Abschrift einer Ballade geschrieben hatte. Dort wollte ich mich nach einer Stelle erkundigen, die für mich als Mädchen vom Lande in Frage kam und wo ich ein Auskommen finden könnte, ehe meine kleine Geldreserve zu Ende war. Esther hatte mir oft wiederholt, dass mein Erfolg davon abhinge, wie ich mich zurechtmachen würde. Wenn ich auch über ihre Art, mich im Stich zu lassen, sehr erschüttert war, so hörte ich deswegen doch nicht völlig auf, mich auf ihren Rat zu stützen; gutmütigerweise fing ich sogar an, ihr Benehmen durchaus vertretbar zu finden und auf meine Unwissenheit vom Leben die Schuld zu schieben, dass ich es in jenem Licht betrachtet hatte, wie ich es zunächst tat.

Dementsprechend zog ich mich also am nächsten Tag so sauber und gefällig an, wie es meine ländliche Garderobe nur erlaubte. Ich ließ mein Gepäck mit der ausdrücklichen Bitte, darauf zu achten, bei der Wirtin und wagte mich auf die Straße. Irgendwelche Schwierigkeiten außer jenen, die bei einem jungen Mädchen vom Land, das kaum fünfzehn Jahre zählt, zu erwarten sind – für das jedes Schild oder Geschäft bereits eine aufregende Falle darstellt –, gab es für mich nicht. Somit ging ich zu der ersehnten Stellenvermittlung.

Sie wurde von einer älteren Dame betrieben, die beim Eingang saß, um die Kundschaft zu empfangen. Ein Buch lag vor ihr, riesig in Format und Stärke, sowie mehrere Listen, völlig bedeckt mit den Adressen von Stellen.

Ich trat zu dieser wichtigen Persönlichkeit, ohne meine Augen zu erheben oder die Leute um mich herum anzuschauen, die dort mit derselben Absicht warteten wie ich selbst. Nach einem ungeheuer tiefen Knicks vor ihr suchte ich in kläglich stotternden Worten mein Anliegen vorzubringen.

Nachdem Madame mich zu Ende angehört hatte, wobei sie den ernsthaften Ausdruck eines kleinen Staatsministers zur Schau trug und mit einem einzigen Blick auf mich erkannte, wer ich war, gab sie mir nicht etwa gleich eine Antwort, sondern ersuchte mich vorerst um den ersten Schilling. Nach dessen Entgegennahme erzählte sie mir, dass Stellen für Frauen äußerst selten seien, besonders wenn eine wie ich zu zart gebaut aussähe für eine harte Arbeit; sie würde aber in ihrem Buch suchen und sich darum kümmern, was für mich zu machen sei. Ich solle doch ein bisschen warten, bis sie ein paar andere Kunden abgefertigt habe.

Daraufhin zog ich mich zurück, ziemlich tief betroffen von der Erklärung, die Ausblick auf eine sehr unsichere Lage eröffnete.

Bald fasste ich wieder etwas mehr Mut und suchte nach Zerstreuung für meine trübseligen Gedanken. Ich wagte meinen Kopf ein wenig zu erheben und blickte im Zimmer umher, wobei meine Augen direkt die Augen einer Dame trafen – denn in meiner äußersten Naivität hielt ich sie für eine solche –, die in einer Ecke des Zimmers saß, angetan mit einem Samtmantel (nicht zu vergessen: mitten im Sommer!). Sie hatte ihren Kapotthut abgenommen, war dick wie ein Polster, rotgesichtig und mindestens fünfzig Jahre alt.

Sie schaute mich an, als ob sie mich mit den Augen fressen wollte, und begutachtete mich vom Kopf bis zu den Füßen, ohne die geringste Rücksicht auf die Verlegenheit und das Erröten zu nehmen, das ihre starren Blicke bei mir verursachten; zweifellos bedeutete das für sie die stärkste Empfehlung und das beste Zeichen, dass ich für ihre Absichten wie geschaffen war. Nach kurzer Zeit, während der mein Aussehen, meine Person, meine ganze Gestalt einer strengen Prüfung unterzogen worden waren – die ich, was mich betrifft, günstig zu beeinflussen suchte, indem ich mich steif machte, meinen Kopf gerade setzte und mein bestmögliches Aussehen unterstrich –, trat sie auf mich zu und sagte zu mir mit denkbar größter Gesetztheit:

»Herzchen, suchen Sie eine Stelle?«

»Ja, wenn es geruht« – mit einem Knicks bis zum Boden.

Auf das hin teilte sie mir mit, dass sie tatsächlich in diese Vermittlung gekommen sei, weil sie selbst ein Dienstmädchen suche; sie glaube, ich sei dafür geeignet mit Hilfe von ein paar guten Ratschlägen; sie halte mein aufrichtiges Aussehen für ein ausreichendes Zeugnis; London sei sonst ein sehr schlimmer und verderbter Ort; sie hoffe, ich würde brav sein und mich fern von böser Gesellschaft halten. Kurzum, sie sagte mir alles, was von einem Menschen, der lange in der Stadt gelebt hat, erwartet werden konnte, und ging dabei weit über das notwendige Maß hinaus, um eine schlichte, unerfahrene Landpomeranze einzuwickeln, die von der Furcht beseelt war, auf der Straße herumlungern zu müssen.

Ich stürzte mich natürlich freudig auf das erstbeste Angebot, das Schutz verhieß, besonders da es vonseiten einer Dame kam, die ernsthaft schien und einer Matrone ähnlich sah; meine schmeichlerische Phantasie versicherte mir nämlich, dass meine neue Herrin etwas Ähnliches sei. Ich wurde somit unter der Nase der guten Frau, die das Vermittlungsbüro führte, angestellt; ich konnte nicht anders als ihr schlaues Lächeln und ihr Achselzucken zu beobachten und deutete das naiverweise als ein Zeichen ihrer Freude, dass ich so schnell eine Stelle gefunden hatte. Wie ich später jedoch erfuhr, verstanden diese beiden alten Hexen einander sehr gut, denn dort war ein Markt, auf dem Mrs. Brown, meine Herrin, oft anwesend war, um sich irgendwelche frischen Waren, die angeboten wurden, für den Gebrauch ihrer Kunden und ihren eigenen Gewinn herauszusuchen.

Madame war so froh über ihren Handel, dass sie – wie ich annehme aus Besorgnis, eine gut gemeinte Warnung oder irgendein Zufall könnte mich noch aus ihren Fingern entschlüpfen lassen – sich eiligst entschloss, mich mit einer Kutsche zu meinem Gasthof zu bringen; dort bemühte sie sich selbst um meine Koffer. So war ich trotz meiner Anwesenheit davon befreit, die geringsten Skrupel wegen einer Erklärung, wohin ich gehen wollte, zu hegen.

Nachdem das erledigt worden war, befahl sie dem Kutscher, zu einem Geschäft in St. Paul’s Churchyard zu fahren, wo sie ein Paar Handschuhe kaufte, die sie mir schenkte. Dann forderte sie den Kutscher auf, zu ihrem Haus zu fahren; dort wurden wir wunschgemäß vor der Tür abgesetzt. Unterwegs war ich von ihr weiterhin aufgemuntert worden, indem sie mich mit den gängigsten Schwindeleien in Atem hielt. Aus keiner Silbe ihrer Reden konnte ich etwas anderes entnehmen, als dass ich durch ein wahres Riesenglück in der Obhut der liebenswürdigsten Herrin gelandet war – um nicht gleich Freundin zu sagen, was gewiss in dieser gebildeten Welt nahe liegend gewesen wäre. Also betrat ich ihr Haus mit dem größten Vertrauen und der ungestörtesten Freude, wobei ich mir selbst versprach, Esther Davis von meinem einmaligen Glück Bescheid zu geben, sobald ich mich etwas zurechtgefunden hatte.

Ich kann Ihnen versichern, dass meine gute Meinung von meiner Stelle nicht gemindert wurde durch den Anblick des sehr schönen rückwärtigen Wohnzimmers, in das ich geführt wurde; es schien mir großartig möbliert zu sein, da ich noch nie schönere Zimmer gesehen hatte als die üblichen in den Gasthöfen an der Landstraße.

Es gab da zum Beispiel zwei vergoldete Pfeilerspiegel und einen Geschirrschrank, auf dem einige Teller, die als Zierrat aufgestellt waren, ins Auge stachen. Alles zusammen bestärkte meine Überzeugung, dass ich in eine Familie von größtem Ansehen eingetreten war.

Nun fing meine Herrin eine lange Rede an. Sie sagte mir, ich solle gut aufgelegt sein und mich daran gewöhnen, mich ihr gegenüber frei zu benehmen. Sie habe mich nicht engagiert, um ein gewöhnliches Dienstmädchen zu bekommen, das die Hausarbeit verrichten müsse, sondern damit ich eine Art von Gesellschafterin für sie sei. Falls ich ein gutes Mädchen wäre, würde sie mehr als zwanzig Mütter ersetzen. Alldem antwortete ich mit den tiefsten und unbeholfensten Knicksen und gewissen einsilbigen Brocken, wie etwa: »Ja! Nein! Gewiss!«

Danach ergriff meine Herrin die Glocke. Das stämmige Dienstmädchen kam herein, das uns auch eingelassen hatte.

»Hier, Martha«, sagte Mrs. Brown, »ich habe soeben diese junge Dame angestellt, um jemanden für meine Wäsche zu haben. Geh hinauf und zeig ihr das Zimmer; ich empfehle dir, sie mit der gleichen großen Achtung zu behandeln wie mich selbst, denn sie gefällt mir derart ausgezeichnet, dass ich gar nicht weiß, was ich alles für sie tun soll.«

Martha war ein schalkhaftes Frauenzimmer und an diese Kunst des Köderns gewöhnt; sie reagierte prompt, machte einen halben Knicks vor mir und bat mich, ihr zu folgen. Auf dieselbe Tour zeigte sie mir ein hübsches Zimmer, zwei Treppen hoch und nach hinten gelegen, wo es ein bequemes Bett gab, in dem ich, wie Martha mir erzählte, zusammen mit einer feinen jungen Dame, einer Cousine meiner Herrin, schlafen sollte, die bestimmt sehr lieb zu mir sein würde. Dann stürzte sie sich in begeisterte Lobeshymnen auf ihre gute Herrin, ihre süße Herrin, und wie furchtbar glücklich ich doch sei, ihren Gefallen zu finden; ich hätte mir nichts Besseres aussuchen können. Auf ähnliche Weise fuhr sie mit ihrem dummdreisten Geschwafel ein Weilchen fort, das dermaßen dick aufgetragen war, dass es bei jedem Verdacht erweckt hätte, der nicht ein derart naives Ding wie ich war, das überhaupt nichts vom Leben ahnte und jedes Wort, das es hörte, für bare Münze nahm. So konnte Martha natürlich leicht merken, was für eine Methode sie bei mir zu gebrauchen hatte; sie wusste mich durchaus richtig einzuschätzen, um mir das Passende vorzusäuseln, das mich mit meinem Käfig versöhnte und blind für die Gitterstäbe machte.

Während dieser heuchlerischen Rede über die Art meiner künftigen Dienste ertönte wieder die Glocke. Wir gingen hinunter, und ich wurde in das gleiche Wohnzimmer geführt, wo ein Tisch mit drei Gedecken vorbereitet war. Meine Herrin hatte jetzt eines ihrer Lieblingsmädchen bei sich, eine beachtliche Stütze ihres Hauses, deren Aufgabe darin bestand, solche jungen Fohlen, wie ich selbst eines war, vorzubereiten und zurechtzutrimmen für den Rennstall. Zu diesem Zweck war sie als Bettgenossin für mich ausgesucht worden; um ihr mehr Einfluss zu verleihen, hatte sie den Titel einer Cousine der ehrwürdigen Präsidentin dieses Klubs zugewiesen erhalten.

Hier wurde ich einer neuen Begutachtung unterzogen, die mit dem völligen Einverständnis von Miss Phoebe Ayres endete; so lautete der Name meiner erwählten Lehrerin, deren Fürsorge und Unterricht ich liebevoll anempfohlen wurde.

Das Abendessen wurde bald auf den Tisch gebracht. Treu ihrer Absicht, mich weiterhin als Gesellschafterin zu behandeln, überging Mrs. Brown in einem Ton, der jeden Einwand hinwegfegte, sogleich meine bescheidenen und verlegenen Beteuerungen, dass ich doch nicht zusammen mit der gnädigen Frau essen könne; das hatte mir meine höchst dürftige Erziehung doch eingeflüstert, dass derartiges sich niemals gehöre oder in Ordnung sein könne.

Bei Tisch wurde das Gespräch hauptsächlich von den beiden Damen geführt; ihre doppelsinnigen Reden wurden dann und wann unterbrochen durch die liebevolle Fürsorge für mich – alles zu dem einzigen Zweck, meine Begeisterung über meine jetzige Lage zu nähren und festwurzeln zu lassen. Vergrößern konnten sie meine Freude nicht mehr – bei einem solchen Neuling, wie ich es war!

Es wurde auch beschlossen, dass ich mich ein paar Tage abseits halten sollte, um nicht gesehen zu werden, bis man Kleider für mich gefunden hatte, die zu meiner künftigen Rolle passen würden, nämlich die der Gesellschafterin meiner Herrin. Von der Beachtung dieses Punktes würde es weitgehend abhängen, was für einen Eindruck meine Erscheinung machte. Wie sie nur zu gut wussten, ließ mich die Aussicht auf den Umtausch meiner bäuerlichen Kleidung gegen die Londoner Raffinessen die Bedingung des Hausarrests willig annehmen. In Wahrheit verhielt es sich so, dass Mrs. Brown verhindern wollte, dass ich von irgendeinem ihrer Kunden gesehen oder angesprochen wurde oder von ihren Schäfchen – so wurden die Mädchen genannt, die für die Kunden ausgewählt worden waren –, bis für meine Jungfernschaft, die ich allem Anschein nach zum Dienst bei der gnädigen Frau mitgebracht hatte, ein guter Absatz gesichert worden war.

Um über einige unwichtige Minuten vor dem Wichtigsten an meiner Geschichte hinwegzueilen, überschlage ich die Zeit bis zum Schlafengehen, während der ich immer glücklicher wurde bei Betrachtung all der Aussichten, die sich mir eröffneten, nämlich einer kinderleichten Arbeit unter so gütigen Menschen.

Nach dem Abendessen wurde ich zu Bett geschickt. Miss Phoebe, die einen gewissen Widerstand bei mir bemerkte, mich vor ihr zu entkleiden und in meinem Hemd hinzulegen, kam, sobald die Hausmagd hinausgegangen war, zu mir her und fing an, mein Brusttüchlein und mein Kleid zu lösen. Sie forderte mich auf, mich ruhig selbst auszuziehen. Ich errötete, als ich mich nackt bis aufs Hemd sah, und beeilte mich, unter die Bettdecke zu verschwinden. Phoebe lachte, und es dauerte nicht lange, bis sie sich neben mich legte. Sie mochte ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt sein, wenigstens nach ihrer verdächtigen Rechnung, wobei allem Anschein nach so an die zehn Jährlein abgezogen worden waren. Ein Zugeständnis musste überdies der Verwüstung gemacht werden, die eine lange Abnützung und ungezählte Schändungen ihrem Aussehen zugefügt hatten. Sie befand sich bereits in jenem abgetakelten Zustand, der viele ihrer Berufsgenossinnen zwingt, zu guter Letzt nur noch Theater zu spielen anstatt es zu genießen.

Kaum hatte sich nun diese wertvolle Stütze meiner Herrin niedergelegt, als sie mich – denn nie irrte sie vom Weg ab, wenn er eine Gelegenheit zum Verlustieren bot – auch schon mit größtem Eifer umarmte und küsste. Das war mir neu und kam mir seltsam vor. Da ich jedoch nichts anderes darin sah als pure Freundschaftlichkeit, die sich meiner Meinung nach vielleicht in London auf solche Weise ausdrückte, beschloss ich, ihr in nichts nachzustehen, und erwiderte daher ihre Küsse und Umarmungen mit der ganzen Ungezwungenheit, wie sie für die vollkommene Naivität typisch ist.

Durch mein Verhalten ermutigt, befleißigten sich ihre Hände sogleich eines ungenierten Vorgehens; sie wanderten über meinen ganzen Körper, betasteten, streichelten, kosten ihn – ein Geschehen, das mich durch seine Neuartigkeit eher erwärmte und überraschte, als dass es mich betroffen gemacht oder erschreckt hätte.

Die schmeichlerischen Reden, mit denen sie solche Vorstöße begleitete, trugen auch nicht wenig dazu bei, mein Gewissen zu beruhigen; weil mir nichts Übles bekannt war, fürchtete ich auch nichts, besonders nicht von einer Seite, die mir über jeden Zweifel an ihrer Weiblichkeit erhaben schien dank eines Paars sehr gewichtiger Brüste; sie besaßen eine solche Größe und Fülle, dass sie mehr als genug ihre Geschlechtszugehörigkeit kennzeichneten, wenigstens für mich, da ich niemals einen anderweitigen Vergleich hatte ziehen können.

Ich lag also so zahm und geduldig da, wie sie es sich nur wünschen konnte, während ihre Berührungen keine anderen Gefühle in mir hervorriefen als die eines sonderbaren und noch nie erlebten Vergnügens. Mein ganzer Körper war dem zügellosen Treiben ihrer Hände ausgeliefert. Sie ließ sie wie ein züngelndes Feuer über ihn hingleiten, und unter ihrer Berührung schwand meine Zurückhaltung.

Meine Brüste – wenn das keine zu kühne Bezeichnung für zwei feste, straffe, anschwellende Hügelehen ist, die sich gerade erst zu zeigen begannen und noch kaum zu fühlen waren – beschäftigten und unterhielten eine Zeit lang ihre Hände, die sie dann auf zartem Weg tief er gleiten ließ, bis sie den weichen, seidigen Flaum fühlen konnte; nur wenige Monate zuvor aufgesprossen, zierte er jenen lustvollen Bereich und versprach willkommenen Schutz über den Sitz der köstlichsten Empfindungen zu breiten, wo bis zu diesem Augenblick nur gefühllose Unschuld geherrscht hatte. Ihre Finger spielten und suchten sich in die zarten Keime dieses Mooses zu flechten, das die Natur zu Nutzen und Zierde geschaffen hat.

Aber nicht zufrieden mit diesen äußeren Bereichen, versuchte sie zum Zentrum zu gelangen und fing an zu zerren, sich sanft hineinzudrängen und schließlich einen Finger mitten hineinzuzwängen. Dabei ging sie so unmerklich und schrittweise vor, dass ich, zutiefst erregt, keine Kraft mehr aufbrachte, ihrem Tun Widerstand entgegenzusetzen. Andernfalls wäre ich bei derart seltsamen Annäherungen aus dem Bett gesprungen und hätte um Hilfe gerufen.

Stattdessen hatten ihre wollüstigen Berührungen ein neues Feuer in mir entfacht, das durch meine Adern pulste, ganz heftig aber in dem Zentrum andauerte, das ihm die Natur zugewiesen hat. Dort betasteten nun zum ersten Mal fremde Hände geschäftig die Schamlippen, streichelten, schlossen und öffneten sie, alles mit einem Finger dazwischen, bis ein »Oh!« anzeigte, dass sie mir dort wehtat, wo die Enge der ungeöffneten Passage dem Finger ein tieferes Eindringen verwehrte.

An der Art und Weise, in der ich meine Glieder bewegte, mich träge ausstreckte, seufzte und heftig atmete, sah inzwischen die erfahrene Lustjägerin bestätigt, dass ich mich über ihre Geschäftigkeit viel mehr freute, als dass ich beleidigt war; sie würzte ihr Tun mit wiederholten Küssen und Ausrufen wie: »Oh, was bist du doch für ein entzückendes Geschöpf! Wie glücklich wird der Mann sein, der dich als Erster zur Frau machen kann! Oh, wenn ich nur ein Mann wäre, bloß wegen dir!« und vielerlei ähnlichen hervorgestoßenen Ausdrücken, die immer wieder von Küssen unterbrochen wurden, die derart heftig und feurig waren, wie ich sie nur je vom anderen Geschlecht bekommen habe.

Was mich betrifft, so war ich hingerissen, verlegen und außer mir; solche neuartigen Empfindungen waren zu viel für mich. Meine erhitzten und aufgeschreckten Sinne waren in ein Durcheinander geraten, das mich jeder Freiheit des Denkens beraubte. Tränen liefen aus meinen Augen und besänftigten auf irgendeine Weise das Feuer, das mich überflutet hatte.

Phoebe selbst, die vollblütige und abgebrühte Phoebe, der alle Sorten und Kniffe des Vergnügens bekannt und vertraut waren, fand, allem Anschein nach, in dieser Ausübung ihrer Kunst, junge Mädchen zu verführen, die Befriedigung eines Gelüstes aus jener abwegigen Rubrik, die nirgendwo hineinpasst. Das heißt nun nicht, dass sie die Männer hasste oder dass sie diese nicht ihrem eigenen Geschlecht vorgezogen hätte; als sich ihr aber eine solche Gelegenheit wie diese bot, suchte sie, aus einer Übersättigung an den alltäglichen Vergnügungen, vielleicht auch aus einer verborgenen Neigung heraus, so viel wie möglich an Lust zu profitieren, ohne sich um das Geschlecht zu kümmern. Da sie sich jetzt also vergewissert hatte, dass ich durch ihre Berührungen genügend angefeuert war, warf sie gemächlich die Bettdecken hinunter, und ich sah mich selbst nackt ausgestreckt daliegen, mein Hemd bis zum Hals heraufgerollt, ohne Kraft oder Willen, es zu verhindern. Sogar mein glühendes Erröten drückte mehr Lust als Schamhaftigkeit aus, als die Kerze, die – sicherlich nicht ohne Absicht – noch brannte, ihr volles Licht auf meinen Körper warf.

»Nein!«, sagte Phoebe. »Du darfst nicht etwa denken, mein süßes Mädchen, dass du alle diese Schätze vor mir verbergen kannst! Meine Augen sollen sich ebenso daran erfreuen wie meine Fingerspitzen! Ich muss diese sprossenden Brüste mit meinen Blicken verschlingen! Lass sie mich küssen! Ich kann mich nicht satt daran sehen! Lass sie mich noch einmal küssen! Was ist das doch für ein festes, glattes, weißes Fleisch! Wie herrlich sie gewachsen sind! Und erst diese Köstlichkeit da unten! Oh, lass mich doch die kleine, zarte, liebe Ritze ansehen! Das ist zu viel, das halte ich nicht aus! Ich muss … ich muss!« Damit ergriff sie meine Hand und drückte sie geschwind an eine Stelle, die Sie unschwer erraten werden.

Welcher Unterschied bestand jedoch in der Beschaffenheit zweier Exemplare derselben Gattung! Ein ausgedehntes Dickicht buschiger Locken kennzeichnete die reife, üppig ausgestattete Frau. Die Höhlung gar, in die sie meine Hand führte, nahm diese leicht in sich auf. Sobald sie sie darin spürte, bewegte sie sich hin und her, und zwar mit einer so heftigen Reibung, dass ich meine Hand, die nun feucht und klebrig war, schnell herauszog, während Phoebe gleich darauf ruhiger wurde, nachdem sie noch ein paar Seufzer und herzenstiefe »Oh’s!« ausgestoßen hatte. Sie versetzte mir einen Kuss, der beinahe ihre Seele durch ihre Lippen auszuhauchen schien; dann legte sie die Bettdecken wieder über uns. Was für ein Vergnügen sie empfunden hatte, vermag ich nicht zu sagen; aber das eine weiß ich, dass die ersten Funken der anschmiegsamen Natur, die ersten Ahnungen der Wollust in dieser Nacht in mich gesät wurden. Mir scheint es klar zu sein, dass die Bekanntschaft und die Beziehung mit den Verderbten unseres eigenen Geschlechtes oft genauso verhängnisvoll für die Unschuld ausfällt wie alle Verführungen vonseiten des anderen Geschlechtes. Aber nun weiter mit der Erzählung! Als Phoebe sich endlich beruhigt hatte, während ich immer noch meilenweit davon entfernt war, befragte sie mich geschickt nach Dingen, die für die Absichten, die meine tugendsame Herrin bezüglich meiner Person hegte, interessant waren; meine Antworten, die ganz ungeheuchelt und ohne Verstellung gegeben wurden, konnten sie nur in der Hoffnung auf den bestmöglichen Erfolg bestärken, soweit er von meiner Naivität, Ungezwungenheit und Gefühlswärme abhing.


Nach einer beträchtlich lange dauernden Unterhaltung ließ mir meine Bettgefährtin endlich Ruhe, und ich schlief ein, denn ich war ehrlich müde dank der heftigen Erschütterungen, die ich ausgestanden hatte; die Natur (die allzu stürmisch angeregt und aufgerührt worden war, um ohne das eine oder andere beschwichtigende Mittel abzuflauen) besänftigte mich durch einen jener lüsternen Träume, deren Rauschhaftigkeit kaum geringer ist als die wirklichen Handlungen im Wachzustand.

Am Morgen erwachte ich gegen zehn Uhr, völlig heiter und frisch. Phoebe war bereits vor mir aufgestanden und fragte mich in denkbar freundlichem Ton, wie es mir gehe, wie ich geruht habe und ob ich bereit sei, jetzt zu frühstücken; sie bemühte sich dabei vorsichtig, die Verlegenheit, die sie bei mir spürte, nicht zu vermehren, denn ich wagte sie nicht anzuschauen, sobald die leiseste Erinnerung an die nächtliche Szene im Bett auftauchte. Ich fragte sie, ob sie wolle, dass ich aufstehe und irgendeine Arbeit verrichte, je nachdem was sie mir für eine zuteile. Sie lächelte … In diesem Moment brachte das Mädchen das Teegeschirr herein, und ich vermochte kaum noch meine Kleider hastig anzuziehen, als auch schon meine Herrin hereintrat. Ich wartete darauf, wenigstens getadelt, wenn nicht gar gescholten zu werden, da ich so spät aufgestanden war, aber ich wurde angenehm enttäuscht. Sie pries nämlich mein klares und frisches Aussehen über den grünen Klee. Ich war »eine Knospe der Schönheit«, so beliebte sie sich auszudrücken, »und wie sehr würden mich doch die feinen Herren bewundern!« Auf das alles – ich kann es Ihnen schwören – gab ich Antworten, die meiner Erziehung getreu entsprachen; sie waren so einfach und albern, wie man es nur wünschen kann. Es besteht kaum Zweifel, dass sie den beiden unendlich mehr gefielen, als wenn sie mich als aufgeklärt und mit allerlei Erfahrung und Wissen vom Lauf der Welt gesegnet ausgewiesen hätten.

Wir frühstückten also, und kaum waren die Teesachen weggeschafft worden, da wurden zwei Bündel mit Wäsche und bereits getragenen Kleidungsstücken hereingebracht. Es war alles Notwendige dabei, um mich vollständig aufzutakeln, wie sie es nannten.

Versuchen Sie sich vorzustellen, Gnädigste, wie mein kleines, aber kokettes Herz vor Freude klopfte beim Anblick eines weißen Glanztaffets, geschmückt mit Silberblumen, der in Wirklichkeit natürlich schon ein wenig zerschlissen war, jedoch für mich noch funkelnagelneu aussah! Dann ein Umhang mit Brüsseler Spitzen, geflochtene Schuhe und dazu passend der Rest! alles Eleganz aus zweiter Hand und geschwind in einem einzigen Augenblick für eben diese Gelegenheit ausgesucht vom Eifer und der Betriebsamkeit der wackeren Mrs. Brown. Schon weilte nämlich ein Käufer für mich im Haus, dem meine Reize zur Schau gestellt werden sollten. Er hatte nicht nur darauf bestanden, dass die Erstlingsfrüchte einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden sollten, sondern auch darauf, dass sie ihm sofort ausgeliefert würden, falls ich ihm gefiele. Dabei zog er höchst scharfsinnig den Schluss, dass es an einem Ort von der Art meines gegenwärtigen Aufenthalts unvergleichlich schwierig sein würde, einen so leicht verderblichen Wertgegenstand, wie es die Jungfernschaft schließlich war, länger zu bewahren.

Die Besorgnis des Anprobierens und des marktgerechten Herausputzens wurde Phoebe überlassen; sie erledigte das, so gut es irgendwie ging, jedenfalls zu meiner völligen Zufriedenheit, bis auf den einen Punkt, nämlich meine Ungeduld, mich möglichst schnell angezogen zu sehen. Als ich endlich fertig war und mich selbst im Spiegel sah, war ich zweifelsohne viel zu natürlich, viel zu unverstellt, um meine kindliche Freude über die Veränderung verbergen zu können – eine Veränderung, die in Wirklichkeit nur vom Übel war, denn die gefällige Einfachheit meiner bäuerlichen Kleidung passte mir bestimmt viel besser als die linkische, missratene, billige Vorstadteleganz, in der ich mich wohl recht seltsam und fremdartig ausgenommen habe. Die Schmeicheleien Phoebes allerdings – wobei sie ihren Anteil an meiner Ausstaffierung keineswegs vergaß – trugen nicht wenig dazu bei, die bisherigen Vorstellungen, die ich betreffs meiner Person gehegt hatte, kräftig zu festigen. Ich darf es ohne Eitelkeit sagen, dass sie immerhin ungefähr dem tatsächlichen Eindruck, den andere von mir hatten, entsprachen. Vielleicht ist es nicht fehl am Platz, wenn ich hier eine nicht allzu selbstgefällige Schilderung meiner selbst zu geben versuche.

Ich war hoch gewachsen, jedoch nicht allzu groß für mein Alter, denn wie ich bereits vorhin erwähnte, hatte ich kaum fünfzehn Jahre erreicht. Meine Figur war völlig gerade, besaß eine schmale Taille, wirkte natürlich, ja graziös und bedurfte keinerlei Stützen. Mein Haar glänzte kastanienbraun, fühlte sich weich wie Seide an und fiel über meine Schultern in natürlichen Locken; davon hob sich in sehr günstigem Kontrast das Weiß meiner weichen Haut ab. Mein Gesicht war wohl ein bisschen zu rosig, doch die Züge waren zart und zeigten die Form eines runden Ovals, abgesehen von einem Grübchen in meinem Kinn, von dem man nicht behaupten konnte, dass es unschön gewirkt hätte. Meine Augen waren so schwarz, wie man es sich nur irgendwie vorstellen kann, und schienen eher matt als funkelnd zu sein – mit Ausnahme einiger Gelegenheiten, bei denen, wie man mir sagte, sie wahrhaft genügend Feuer sprühten. Meine Zähne, die ich stets sorgfältig gepflegt hatte, waren klein, ebenmäßig und weiß. Mein Busen hob sich gerade leicht, sodass man eher das Versprechen als die tatsächliche Größe der runden, festen Brüste zu ahnen vermochte; das Versprechen würde allerdings bald erfüllt sein. Um mich kurz zu fassen: Ich verfügte über beinahe alle Attribute der Schönheit, wie sie im allgemeinen verlangt werden; zumindest verbot mir meine Eitelkeit, ebendieselbe Meinung bei unseren höchsten Richtern, den Männern, zu bezweifeln. Soweit ich sie überhaupt kennengelernt hatte, äußerten sich alle auch ganz zu meinen Gunsten; ich stieß sogar auf manche aus meinem eigenen Geschlecht, die großzügig genug waren, um mir in diesem Punkt Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, während andere Geschlechtsgenossinnen mich noch uneigennütziger priesen, wenn sie versuchten, gerade jene Details meiner Person und Gestalt herabzusetzen, die ganz offensichtlich ausgezeichnet geraten waren. Ich gebe ohne weiteres zu, dass dieses Selbstlob etwas kräftig ausgefallen ist; aber würde ich mich gegenüber der Natur und einem Aussehen, dem ich eine derart außerordentliche Segensfülle an Vergnügungen und Glück schulde, nicht undankbar zeigen, wenn ich aus einem übertriebenen Gefühl der Bescheidenheit die Erwähnung solcher wertvollen Geschenke unterdrücken würde?

Lassen wir es nun gut sein! Ich war also angezogen, und mein Verstand vermochte kaum zu fassen, dass all dieser glänzende Tand nichts anderes darstellte als eine Umhüllung der Opfergabe für das fällige Opfer. Ich dachte in meiner Harmlosigkeit, dass alles aus reiner Freundschaft und Großzügigkeit seitens der guten, süßen Mrs. Brown geschehe. Übrigens vergaß ich zu erwähnen, dass sie mir unter dem Vorwand, mein Geld in Sicherheit bringen zu wollen, ohne das geringste Zögern den Rest davon, der mir nach den Ausgaben für meine Reise übrig geblieben war, abgenommen hatte.

Nach einer kurzen Spanne Zeit, die ich vor dem Spiegel in schierer Selbstbewunderung höchst angenehm verbracht hatte, wobei mein neues Kleid bei weitem den größten Anteil erheischte, wurde ich ins Wohnzimmer hinuntergeschickt. Dort begrüßte mich die alte Dame und forderte mich auf, mich doch an meinen neuen Kleidern zu erfreuen, die – sie schämte sich nicht, das zu sagen – mir so passen würden, als ob ich bereits mein ganzes Leben nur das Feinste getragen hätte. Was gab es denn schon, wessen sie mich nicht für dumm genug hielt, es zu schlucken? Bei dieser Gelegenheit stellte sie mich auch einem Vetter von ihren eigenen Gnaden vor, einem älteren Herrn, der sich erhob, als ich hereinkam.

Als ich einen Knicks vor ihm machte, begrüßte er mich und blickte ein bisschen beleidigt drein, weil ich ihm nur meine Wange zum Kuss angeboten hatte. Diesen Fehler – falls es einer war – glich er sofort wieder aus, indem er seine Lippen auf meinen Mund klebte, und das mit einer Glut, wofür ich ihm beim Anblick seiner Figur wahrlich keinen Dank wusste. Sein Aussehen war nämlich dermaßen, dass nichts abscheulicher oder abschreckender sein konnte; hässlich oder unangenehm wären viel zu harmlose Wörter gewesen, um sich eine richtige Vorstellung von ihm zu machen.

Versuchen Sie sich einen Mann in den Sechzigern vorzustellen, der klein und wacklig ist, dazu mit einer gelblichen Farbe wie ein Leichnam; ferner stier glotzenden Augen, die mich ansahen, als ob er eben gehängt würde; aus seinem Mund standen zwei Zähne hervor, die man besser als zwei Hauer bezeichnen könnte, nicht zu vergessen die bleiern-fahlen Lippen und ein Atem wie von einer Schindmähre. Überhaupt hatte er ein gewissermaßen gespenstisches Aussehen; vor allem wenn er grinste, was jeden entsetzen musste – wenn es nicht sogar für viele gefährlich wurde, etwa für die Frauen, die ein Kind erwarteten. War er aber auch beschaffen wie ein Hohnbild eines Mannes, so war er doch so blind für die ihm eigene auffallende Missgestalt, dass er meinte, er sei der geborene Lebemann und keine Frau könne ihn ungeschoren treffen. Infolge dieser Überzeugung hatte er von jeher große Summen an solche armen Luder verschwendet, die sich so weit beherrschen konnten, dass sie Liebe für seine Person heuchelten; jenen gegenüber, die keine Vorstellungskraft oder Geduld hatten, um das Grauen, das er einflößte, überwinden zu können, führte er sich ziemlich brutal auf. Unfähigkeit noch mehr als tatsächliche Reizbarkeit ließen ihn in der Mannigfaltigkeit die Aufputschung suchen, die erforderlich war, um den Höhepunkt seines Verlangens zu erreichen; selbstverständlich wurde er nur allzu oft enttäuscht, da seine Kräfte versagten. Dieser Umstand löste jedes Mal einen Wutanfall bei ihm aus, den er, soweit er es wagte, an den daran schuldlosen Zielen seiner vorübergehenden Gier ausließ.

So sah also das Ungeheuer aus, dem meine gewissenhafte Gönnerin, die den alten Knacker schon lange auf diesem Gebiet versorgte, mich ausliefern wollte. Sie hatte mich mit voller Absicht herunterholen lassen, damit ich von ihm geprüft werden konnte. Dementsprechend ließ sie mich vor ihm aufstehen, drehte mich herum, löste mein Brusttüchlein und wies ihn auf das Heben und Senken, die Gestalt und Weiße einer Brust hin, die gerade zu schwellen begann. Dann ließ sie mich umhergehen, zog dabei noch Vorteile aus der Unbeholfenheit meiner Haltung, um das Inventar meiner Reize zu beleben – kurzum, sie ließ sich keinen Trick einer vielbewanderten Marktschreierin entgehen. Auf das alles antwortete er nur mit gnädigem Kopfnicken zur Bekundung seines Einverständnisses, während er mich wie eine ganze Horde von Affen anstierte. Ich warf manchmal einen verstohlenen Blick zu ihm hin; sobald sich seine wilden, gierigen Blicke mit meinen kreuzten, schaute ich schnell woandershin vor lauter Ekel und Entsetzen. Dies deutete er gewiss als nichts anderes als gewöhnliche mädchenhafte Schamhaftigkeit oder wenigstens deren Nachahmung.

Immerhin ließ man mich ziemlich bald gehen, und Phoebe brachte mich in mein Zimmer zurück. Sie blieb bei mir und gönnte mir keinen Augenblick der Muße, der Gedanken in mir hätte aufsteigen lassen, wie es bei jedem der Fall gewesen wäre, der nicht ein Idiot war und eine solche Szene erlebt hatte. Zu meiner Schande muss ich jedoch bekennen, dass meine unbesiegbare Dummheit oder vielmehr ungeheure Naivität mich immer noch hinderte, die Augen im Hinblick auf die Absichten von Mrs. Brown zu öffnen. Noch immer sah ich in diesem so genannten Vetter von ihr nichts anderes als eine grässliche, abschreckende Person, die nichts mit mir zu tun hatte; einzig meine Dankbarkeit gegenüber meiner Wohltäterin veranlasste mich dazu, meinen Respekt auf ihre ganze Vetternschaft auszudehnen.

Phoebe allerdings schickte sich an, den Zustand und besonders das Klopfen meines Herzens in Anbetracht dieses Ungeheuers zu prüfen. Sie fragte mich, was ich eigentlich davon halten würde, mir einen so feinen Herrn als Ehemann vorzustellen (ich vermute, sie nannte ihn einen feinen Herrn, weil er mit Borten und Tressen überladen war). Ich antwortete ihr ganz natürlich, dass ich keine bestimmten Vorstellungen von einem Ehemann hätte, dass ich aber, wenn ich einen zu wählen hätte, ihn gewiss unter den Männern meines Standes suchen würde. Mein Ekel vor dieser scheußlichen, einem Höllenspuk entstiegenen Gestalt hatte mich derart misstrauisch gegenüber allen »feinen Herren« gestimmt, dass meine Gedanken in ein Durcheinander gerieten, als ob alle Männer aus seiner Schicht notwendigerweise in dieselbe Gussform wie er hineingehörten. Aber Phoebe ließ sich nicht so schnell schlagen, sondern verfolgte weiterhin ihre Bestrebungen, mich für die Zwecke meines Aufenthalts in diesem gastfreundlichen Haus herumzukriegen. Während sie allgemein über die Geschlechter redete, fand sie wohl genügend Grund, um sich des Einverständnisses zu vergewissern, das zu guter Letzt doch leidet von mir zu erreichen war; sie besaß allerdings viel zu viel Erfahrung, um nicht den ganz besonderen Ekel vor dem abstoßenden Vetter zu bemerken. Das stellte schließlich ein Hindernis dar, welches nicht so leicht zu entfernen war, wie es für die Abwicklung ihres geplanten Geschäfts, nämlich meines Verkaufs, wünschenswert schien.

Mutter Brown hatte in der Zwischenzeit die Vertragsbedingungen mit dem besoffenen alten Ziegenbock ausgehandelt; die Rechnung belief sich, wie ich später feststellte, auf fünfzig Guineen für die Erlaubnis, um mich zu werben, und hundert Guineen Draufgeld bei der völligen Befriedigung seiner Wünsche, nämlich dem Sieg über meine Jungfräulichkeit. Was mich betrifft, so war ich völlig seinem Belieben und seiner Großzügigkeit ausgeliefert. Nachdem dieser ungerechte Vertrag abgeschlossen worden war, zeigte er sich so scharf darauf, gleich Besitz zu ergreifen, dass er darauf bestand, zum Teetrinken mit mir am selben Nachmittag eingeladen zu werden, wobei man uns allein lassen sollte.

Er wollte den Warnungen der Vermittlerin kein Gehör schenken, dass ich nicht genug vorbereitet wäre für einen solchen Überfall; dass ich zu grün und zu ungebändigt sei, da ich kaum vierundzwanzig Stunden im Hause weile. Es ist jedoch das Kennzeichen der Begierde, ungeduldig zu sein; seine Eitelkeit schützte ihn außerdem vor jeder Vermutung, dass es ein anderes Hindernis als das übliche Widerstreben eines Mädchens bei solchen Gelegenheiten geben könne. Daher lehnte er alle Vorschläge einer Verschiebung des Termins ab, und meine furchtbare Prüfung wurde also ohne eine Ahnung meinerseits auf denselben Abend festgesetzt.

Beim Mittagessen beschäftigten sich Mrs. Brown und Phoebe einzig und allein damit, sich in überschwänglichen Preisungen des wundervollen Vetters auszutoben; wie glücklich sei doch die Frau, die er mit seinen Freundschaftsangeboten beehren würde – kurzum: Meine zwei Klatschbasen haspelten ihre ganze Kunst der Rhetorik ab, um mich glauben zu machen, »dass der Herr bei meinem ersten Anblick sofort stärkstens angetan gewesen sei …, dass er mein Glück herbeiführen würde, wenn ich ein braves Mädchen wäre und mir nicht selber im Wege stehe … dass ich mich auf seine Ehrenhaftigkeit verlassen solle …, dass ich es dann geschafft hätte und einen Wagen bekommen würde, um herumzukutschieren …« Dieses ganze Zeug führten sie in einer Weise an, die durchaus geeignet war, einem dummen unwissenden Mädchen den Kopf zu verdrehen.

Glücklicherweise hatte aber mein Widerwillen schon so tief Wurzeln gefasst, und mein Herz wurde durch meine Sinne dermaßen stark gegen ihn verteidigt, dass ich ihnen, da mir die Fähigkeit, meine Gefühle zu verbergen, abging, keine Hoffnungen auf einen Erfolg ihrer Bemühungen gab. Die Flasche ging sehr schnell rundum, wohl mit der Absicht, wie ich annehme, die in meinem Körper schlummernde Wärme in den Minuten vor dem drohenden Angriff herauszulocken.

Auf diese Weise hielten sie mich lange bei Tisch fest; gegen sechs Uhr abends, nachdem ich mich in mein eigenes Zimmer zurückgezogen hatte und alles zum Teetrinken vorbereitet war, trat meine ehrwürdige Herrin herein. Ihr folgte der Satyr auf dem Fuße, wobei er in der ihm eigenen Weise grinste. Seine verhasste Anwesenheit bestätigte noch einmal alle meine Gefühle des Widerwillens, die in mir das erste Mal, da ich ihn sah, geweckt worden waren.

Er setzte sich mir gegenüber. Während der ganzen Zeit, als wir Tee tranken, liebäugelte er mit mir so läppisch, dass es mir höchst peinlich wurde und mich in Verlegenheit versetzte – lauter Anzeichen, die er offensichtlich auf Schüchternheit und mangelnde Gelegenheit, fremde Leute zu sehen, zurückführte.

Als das Teetrinken beendet war, schützte die gemütliche alte Dame eine dringende Beschäftigung vor (was tatsächlich stimmte); sie musste also fortgehen und bat mich ernsthaft, ihren Vetter freundlich bis zu ihrer Rückkehr zu unterhalten; es sei geradesogut um meinet- wie um ihretwillen. Mit einem »Bitte, mein Herr, seien Sie sehr gut und sehr zart zu dem süßen Kind«, verließ sie das Zimmer. Ich blieb verblüfft, mit offenem Mund, sitzen, denn durch die Geschwindigkeit ihres Abschiednehmens war ich so überrumpelt, dass ich mich nicht dagegen wehrte.

Nun waren wir allein; bei diesem Gedanken überlief mich ein plötzlicher Schauder, ein Anfall von Zittern. Ich war so erschreckt, ohne eine klare Vorstellung, warum und wovor ich Angst haben sollte, dass ich regungslos auf dem kleinen Sofa am Kamin saß, zu Stein geworden, ohne Leben oder Geistesgegenwart, ohne zu wissen, wohin ich schauen oder wie ich mich rühren sollte.

Aber es war mir nicht lange verstattet, in diesem Zustand der Verblüffung zu verharren. Das Ungeheuer hockte sich zu mir auf das Sofa, und ohne weitere einleitende Zeremonien legte er seinen Arm um meinen Hals und zog mich mit Gewalt zu sich hin. Auf diese Weise zwang er mich, trotz meiner Anstrengungen, ihn abzuwehren, seine verpestenden Küsse zu empfangen, von denen es mir geradezu übel wurde. Als er schließlich meine Empfindungskälte und meine Passivität konstatieren musste, nahm er mein Busentüchlein fort und legte das bisher Bedeckte für seine Augen und Hände bloß; ich litt es immer noch, ohne zu zucken, worauf er, frech geworden durch meine Geduld und mein Schweigen – ich besaß keine Kraft, um zu sprechen oder zu schreien –, versuchte, mich auf das Sofa zu legen. Ich spürte plötzlich seine Hand an meinen nackten Schenkeln, die gekreuzt waren, und die er nun zu öffnen sich abmühte; aber da verließ mich meine passive Duldsamkeit, und ich sprang mit einem Satz, auf den er nicht vorbereitet war, von ihm weg. Ich warf mich zu seinen Füßen und bat ihn im rührendsten Ton darum, nicht hart zu sein und mir nicht weh zu tun.

»Dir wehtun, meine Liebe?«, sagte das Scheusal. »Ich will dir nichts Böses antun. Hat dir die alte Dame denn nicht erzählt, dass ich dich liebe? Dass du zu mir freundlich und lieb sein sollst?«

»Ja, das hat sie, mein Herr«, sagte ich, »aber ich kann Sie nicht lieben, ich kann es einfach nicht! Bitte lassen Sie mich allein … Ich werde Sie lieben, aus tiefstem Herzen lieben, wenn Sie mich allein lassen und weggehen …«

Aber ich sprach zu einer Wand. Ob es nun meine Tränen waren oder meine Haltung oder die Unordnung meiner Kleidung – irgendetwas erwies sich als geeignet zu seiner Ermutigung. Vielleicht vermochte er jetzt auch einfach seine Begierde nicht mehr zu bändigen. Jedenfalls fing er schnaufend und schäumend vor Gier und Wut seinen Angriff wieder an. Er fasste nach mir und wiederholte unablässig seinen Versuch, mich auf das Sofa zu legen und festzuhalten. Insofern hatte er Erfolg, als es ihm gelang, mich auszustrecken, den Unterrock über den Kopf zu stülpen und meine Schenkel zu entblößen, die ich aber hartnäckig zusammenpresste, sodass es seinem Knie nicht möglich war, sie zu öffnen und Herr der Hauptstraße zu werden. Seine Kleider waren gelockert, Weste sowohl wie Hosen, und ich konnte schon das Gewicht seines Körpers auf mir fühlen. Ich kochte vor Empörung und starb gleichzeitig beinahe vor Angst. Doch er hörte plötzlich mit seinen Bemühungen auf und fing an, keuchend, schnaufend, fluchend immer von neuem hervorzustoßen: »Alt und hässlich, alt und hässlich!«, wie ich ihn sehr treffend in der Hitze meiner Verteidigung genannt hatte.

Wie mir später klarwurde, hatte das Scheusal anscheinend in seinem heftigen Verlangen und bei unserem Ringen die letzte Phase seines leidenschaftlichen, wollüstigen Anfalls ausgelöst. Er hatte sich zu wenig in der Gewalt, um bis zum Ende durchzustehen, sodass meine Schenkel und meine Wäsche den Erguss abbekamen.

Danach befahl er mir in höchst ärgerlichem Ton aufzustehen und sagte, dass er mir nicht die Ehre antun würde, sich jemals wieder an mich zu erinnern; die alte Hure werde dafür sorgen müssen, dass er ein anderes Luder bekomme. Er sei doch nicht närrischerweise versessen auf eine solch bauernmäßige, scheinheilige Schamhaftigkeit; er sei überzeugt, ich hätte meine Jungfernschaft durch irgendeinen Kuhlackel auf dem Lande eingebüßt und sei bloß in die Stadt gekommen, um meine abgerahmte Milch anzubieten. Es ging noch lange weiter mit diesem Schwall von unflätigen Beschimpfungen, die ich aber mit größerer Freude hörte, als je eine Frau den Liebesbeteuerungen ihres vielgeliebten Günstlings lauschte. Da es mir völlig unmöglich war, meinen heftigen Ekel und Widerwillen noch zu vermehren, sah ich in diesen Beleidigungen die beste Sicherheit dafür, dass er von nun ab seine verhassten Tätscheleien unterließ.

Obwohl die Absichten von Mrs. Brown jetzt deutlich ans Licht gekommen waren, hatte ich weder den Mut noch die Geistesgegenwart, die Augen völlig zu öffnen. Ich konnte meiner Abhängigkeit von dieser alten Hexe kein Ende setzen, so sehr glaubte ich, dass ich ihr mit Leib und Seele gehöre; besser gesagt, ich suchte mich selbst zu täuschen und weiterhin meine gute Meinung von ihr aufrechtzuerhalten. Daher entschied ich mich eher dafür, das Schlimmste unter ihren Händen zu leiden, als auf die Straße gejagt zu werden ohne einen Groschen Geld oder eine Freundin, die mir helfen konnte. Diese Befürchtungen bezeugten meine Torheit.

Während also dieser Wirrwarr von Gedanken durch meinen Kopf ging, saß ich trübsinnig beim Feuer, die Augen voller Tränen, mein Hals noch bloß und ohne meine Haube infolge des Kampfes, sodass mein Haar, wie Sie sich ja vorstellen können, in ungeordneten Locken um mein Gesicht und auf meine Schultern hing.

Dieser Anblick einer blühenden Jugend, der sich seinen Augen bot, einer Blüte, die er noch nicht gepflückt hatte und die ihm schließlich doch nicht gleichgültig war, entflammte des fürchterlichen Wüstlings Gier von neuem.

Nach einer gewissen Zeit der Ruhe fragte er mich mit einer merklich milderen Stimme, ob ich mich mit ihm versöhnen wolle, bevor die alte Dame zurückkäme; dann würde alles in Ordnung sein. Er wolle mir seine Neigung wieder schenken; zugleich bat er sich aus, mich küssen und meine Brüste fühlen zu dürfen. Mein übergroßer Widerwille, meine Ängste, meine Entrüstung, alles wirkte auf mich ein und verlieh mir eine Entschlusskraft, die mir an sich nicht gegeben ist. Jäh machte ich mich frei von ihm, rannte zur Glocke und läutete, bevor er zu sich kam, mit solcher Gewalt, dass der Lärm das Mädchen herauflockte, das wissen wollte, was los sei oder ob der Herr etwas wünsche. Ehe er noch viel unternehmen konnte, eilte sie ins Zimmer und sah mich auf dem Boden liegen, mein Haar ganz gelöst, während Blut aus meiner Nase floss, was die Szene ziemlich tragisch erscheinen ließ; mein verhasster Verfolger suchte immer noch seine viehischen Absichten auszuführen, ungeachtet aller meiner Schreie und Nöte. Sie war selbst verwirrt und wusste nicht, was sie tun sollte.

Sosehr nun Martha solche Zwischenfälle auch gewöhnt und dementsprechend abgehärtet war, hätte sie doch den letzten Rest von Weiblichkeit aus ihrem Herzen verloren haben müssen, wenn sie das ungerührt mit angesehen hätte. Außerdem glaubte sie, als sie diese Situation sah, dass bereits mehr geschehen war, als es tatsächlich der Fall war; sie meinte, die wahren Gesetze des Hauses wären an mir erfüllt worden und hätten mich in den Zustand gebracht, in dem sie mich vorfand.

Auf diese Vorstellung hin ergriff sie sofort meine Partei und ersuchte den Herrn, sogleich hinunterzugehen und zu erlauben, dass ich wieder zu mir komme; dass alles bald wieder in Ordnung mit mir wäre; wenn Mrs. Brown und Phoebe, die weggegangen waren, zurückkehrten, würden sie schon dafür sorgen, dass alles zu seiner Befriedigung geschehe …, dass man nichts verlieren würde, wenn man ein bisschen Geduld bei dem armen, zarten Ding beobachte …, dass sie selbst übrigens erschreckt sei …, jedenfalls würde sie bei mir bleiben, bis meine Herrin zurückkomme …

Nachdem das Mädchen all das gesagt hatte, und zwar in einem entschiedenen Ton, und sogar der Wüstling selbst zu verstehen anfing, dass die Angelegenheit nicht besser würde, wenn er darauf bestehe, hier zu bleiben, nahm er seinen Hut und ging aus dem Zimmer. Er murrte dabei und zog seine Augenbrauen zusammen wie ein alter Affe, ich aber war von seiner verhassten, schreckensvollen Anwesenheit endlich befreit.

Kaum war er gegangen, als Martha mir sehr zärtlich ihre Hilfe in jeder Hinsicht anbot; sie brachte mir mehrmals Tropfen von Hirschhornaroma und steckte mich ins Bett. Das letztere lehnte ich zunächst entschieden ab, aus lauter Angst, der Wüstling komme zurück und packe mich bei dieser Gelegenheit. Mit viel Überredungskunst und der Versicherung, dass ich in dieser Nacht nicht mehr belästigt werden solle, brachte sie mich schließlich dazu, mich hinzulegen. Ich war tatsächlich so erschöpft durch meinen Kampf, so niedergeschlagen durch meine angstvollen Sorgen, so bedrückt von schrecklichen Befürchtungen, dass ich nicht einmal mehr die Kraft zum Hinsetzen besaß und kaum Antwort auf die Fragen gab, mit denen die neugierige Martha mich plagte und weiter verwirrte.

So grausam war ja auch mein Schicksal, dass ich mich davor fürchten musste, Mrs. Brown zu sehen – als ob ich die Verbrecherin und sie die beleidigte Person gewesen wäre; eine Verwechslung, die Sie nicht für allzu seltsam halten werden, wenn Sie bedenken, dass weder Tugend noch sonstige Grundsätze den geringsten Anteil an meiner Verteidigung gehabt hatten, sondern allein der besondere Widerwille, den ich gegen den schreckerregenden Wüstling und ersten Angreifer auf meine zarte Unschuld hegte.

Ich verbrachte also die Zeit bis zu der Rückkehr von Mrs. Brown in einem Zustand von Angst und Verzweiflung, den man leicht erraten kann.

Gegen elf Uhr abends kamen meine beiden Damen nach Hause. Sie erhielten wohl einen sehr günstigen Bericht von Martha, die hinuntergerannt war, um ihnen aufzumachen. Da Mr. Crofts – so lautete der Name des Wüstlings – das Haus verlassen hatte, kamen sie eilig zu mir herauf; als sie auf meinem blassen und blutigen Gesicht alle Anzeichen der tiefsten Niedergeschlagenheit entdeckten, bemühten sie sich mehr darum, mich zu trösten als mir die Vorwürfe zu machen, die ich törichterweise befürchtete – ich, die viel gerechtere und härtere Vorwürfe gegen sie zu erheben gehabt hätte.

Nachdem Mrs. Brown weggegangen war, kam sogleich Phoebe in mein Bett; sowohl durch die Antworten, die sie mir entpresste, wie auch mit Hilfe ihrer eigenen Methoden, nämlich mich abzutasten, merkte sie bald, dass ich mehr erschreckt als verletzt worden war. Daraufhin, so nehme ich an, überwältigte sie selbst der Schlaf; sie sparte sich ihre Lehren und Anweisungen für den nächsten Tag auf und überließ mich, um es genau zu sagen, meiner Unruhe. Den größten Teil der Nacht über warf ich mich hin und her und quälte mich mit den verworrensten Gedanken und Sorgen um alle möglichen Dinge; dann fiel ich, aus reiner Erschöpfung, in eine Art von Halbschlaf, aus dem ich erst spät am nächsten Tag mit hohem Fieber aufwachte. Dieser Umstand kam gerade rechtzeitig, um mich, wenigstens für einige Zeit, von den Belästigungen eines Schufts zu befreien, die unendlich schlimmer für mich waren als selbst der Tod.

Die sorgfältige Pflege, die man mir während meiner Krankheit angedeihen ließ und die darauf abzielte, mich für die Erfüllung der Verpflichtungen der Kupplerin instand zu setzen oder überhaupt für das Erleiden künftiger Prüfungen, hatte eine solche Wirkung auf meine dankbare Veranlagung, dass ich mich meinen Verderbern gegenüber in der tiefsten Schuld fühlte für ihre Bemühungen, meine Wiedergenesung zu erreichen.

Mehr noch als für das war ich ihnen dafür verbunden, dass sie meine Augen mit dem Anblick des schauderhaften Schänders verschonten, des Urhebers meiner Krankheit; sie fanden wohl, dass ich schon beim bloßen Erwähnen des Namens zu stark erschüttert wurde.

Jugend erholt sich schnell. Einige Tage reichten aus, um den Sturm meines Fiebers zu dämpfen. Was aber am meisten zu meiner vollkommenen Wiedergenesung und zu meiner Aussöhnung mit dem Leben beitrug, war die rechtzeitig eingetroffene Nachricht, dass Mr. Crofts, der als Kaufmann einen umfangreichen Geschäftsverkehr hatte, verhaftet worden war. Der Grund waren ungefähr vierzigtausend Pfund, die er durch Beteiligung an einer Schmugglerbande beiseite geschafft hatte; seine Sache stand so verzweifelt, dass er jetzt trotz seiner wütenden Gier gewiss nicht die Macht hatte, seine Absichten auf mich in die Tat umzusetzen. Man hatte ihn sofort in ein Gefängnis geworfen, und es sah nicht danach aus, als ob er es bald verlassen würde.

Mrs. Brown hatte ihre fünfzig Guineen kassiert, die er für einen derart dürftigen Erfolg vorausbezahlt hatte; da alle Hoffnung auf die übrigen hundert Guineen geschwunden waren, betrachtete sie die Weise, in der ich ihn behandelt hatte, mit merklich nachsichtigeren Augen. Sie hatte inzwischen auch festgestellt, dass mein Temperament durchaus lenkbar war und überhaupt ihren Wünschen entsprach; also wurde es allen Mädchen, die zu ihrem Stall gehörten, erlaubt, mich zu besuchen. Wie ein Haufen von Souffleuren sollten sie mir allmählich die Absichten von Mrs. Brown schmackhaft machen.

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Mit diesem Geheiß wurden sie auf mich losgelassen. All die Fröhlichkeit und gedankenlose Heiterkeit, mit der diese leichtfertigen Geschöpfe ihre Mußestunden verbrachten, erweckten in mir Neid, da ich ausschließlich die angenehmere Seite ihres Daseins sah. Es wurde mein größter Wunsch, eine der Ihren zu werden: eine Neigung, die sie sorgfältig unterstützten. Ich begehrte nur danach, wieder meine Gesundheit zu erlangen, um fähig zu werden, mich der Zeremonie der Einweihung in diesen Beruf zu unterziehen.

Unterhaltung und Beispiel – kurzum, alles trug dazu bei, meine natürliche Reinheit zu verderben, die noch dazu keinen Halt an meiner mangelhaften Erziehung fand. Die Sinnlichkeit, die in meinem damaligen Alter leicht in Feuer versetzt werden konnte, wuchs geschwind in mir; die Schamhaftigkeit, die mir nur aus Gewohnheit und nicht auf Grund von Erziehung eigen war, begann wie Tau in der Hitze der Sonne zu verdunsten. Es bedarf kaum noch der Erwähnung, dass ich bald aus dem ursprünglichen Zwang, der dauernden Besorgtheit, hinausgeworfen zu werden und verhungern zu müssen, ein freiwilliges Laster machte.

Ziemlich schnell war ich wieder völlig genesen. Zu bestimmten Stunden war es mir nun erlaubt, durch das ganze Haus zu spazieren, jedoch wurde ich sorgfältig davor bewahrt, irgendjemand vor der Ankunft von Lord B … aus Bath anzutreffen. Ihm hatte mich nämlich Mrs. Brown, in Anbetracht seiner – erfahrungsgemäß beträchtlichen – Großzügigkeit bei solchen Gelegenheiten, aufgespart, um einer zahlungskräftigen Persönlichkeit die Prüfung meiner Kostbarkeiten, die einen Wert besaßen, so groß wie man ihn sich nur vorstellen kann, anbieten zu können. Seine Lordschaft wurde in knapp vierzehn Tagen erwartet; Mrs. Brown war überzeugt, dass ich bis dahin in voller Schönheit und Frische wiederhergestellt sei und ihr die Möglichkeit eines besseren Geschäftes als desjenigen mit Mr. Crofts bieten würde.

Inzwischen wurde ich gründlich eingefuchst – wie sie es nannten – und folgte zahm ihrem Pfeifen. Nie wäre ich auf die Idee gekommen zu fliehen, selbst wenn die Tür meines Käfigs offen gewesen wäre; ich blieb stattdessen, wo ich war. Mich beschlich nicht das geringste Gefühl, meine Lage sei bedauernswert, ich wartete in völliger Ruhe auf das, was Mrs. Brown Tiber mich verhängt hatte. Sie beachtete ihrerseits ebenso sehr wie ihre Helfershelfer alle Vorsicht, um jede sachliche Überlegung über mein Schicksal einzulullen.

Moralische Vorbehalte wurden über den Haufen gerannt und ein Leben voll Heiterkeit mit den schönsten Farben ausgemalt. Liebkosungen, Versprechungen, nachsichtige Behandlung – einfach nichts fehlte, das nicht dazu angetan war, um mich völlig in den Griff zu bekommen; dadurch sollte vermieden werden, dass ich fortging und mich andernorts nach guten Ratschlägen umsah. Ich Arme! Ich ließ mir von alledem nicht das geringste träumen.

Bis jetzt hatte ich es nur den Mädchen des Hauses zu verdanken, dass sie mich mit ihren Redereien verdarben. Ihr widerliches Geschwätz, bei dem die Schamhaftigkeit gehörig zu kurz kam, und die Schilderung ihrer Verhältnisse mit Männern verhalfen mir zu einem ziemlich genauen Einblick in die Beschaffenheit und die Geheimnisse ihres Berufs; zugleich erweckten sie in mir ein heftiges Verlangen, das sich in einem Strom hitzigen Blutes, der durch meine Adern pulste, äußerte. Mehr noch als alle anderen übte meine Bettgenossin Phoebe, deren eigentliche Schülerin ich war, ihren Einfluss auf mich aus, indem sie sich bemühte, mir die ersten Vorgefühle des Vergnügens zu vermitteln. Die nun erwachte Natur machte bei ihrem Umherschweifen viele interessante Entdeckungen und rief eine Neugierde hervor, die Phoebe geschickt anstachelte; auf dem Weg von einer Frage zur nächsten, die sie mir herauslockte, weihte sie mich in alle Geheimnisse der Venus ein. Aber ich konnte nicht lange in einem solchen Haus leben, ohne selbst zu beobachten, was ich mir allein nach ihren Schilderungen nicht vorzustellen vermochte.

Eines Tages, etwa um zwölf Uhr mittags – ich hatte mich schon völlig von dem Fieber erholt –, war ich zufällig in Mrs. Browns Kleiderkammer. Ich hatte noch keine halbe Stunde auf der Ruhebank des Zimmermädchens gelegen, als ich ein Rascheln im Schlafgemach hörte. Es war von der Garderobe nur durch eine Glastür getrennt, vor deren Scheiben zwei gelbe Damastvorhänge zugezogen waren, allerdings nicht so fest, dass sie einen vollen Blick aus der Kammer in das Zimmer verhindert hätten.

Sofort schlich ich behutsam näher und stellte mich so, dass ich zwar alles genau sehen, selbst aber nicht entdeckt werden konnte. Da kam doch die ehrwürdige Mutter Äbtissin selbst, geleitet von einem großen, stattlichen, jungen Kavalleristen, der wie ein Abbild des Herkules aussah; kurzum: der Erwählte der in London in diesen Dingen erfahrensten Dame.

Oh, wie mäuschenstill ich mich auf meinem Beobachtungsposten verhielt, um nicht durch ein Geräusch meine Neugierde zu verraten oder Madame in die Garderobe zu locken!

Aber ich hatte wenig Grund zu solchen Befürchtungen, denn sie war im Augenblick so vollständig von ihrem wichtigen Geschäft in Anspruch genommen, dass sie überhaupt keine Aufmerksamkeit für etwas anderes übrig hatte. Es war erheiternd anzusehen, wie ihre unbeholfene, dicke Gestalt gegenüber der Garderobe auf das Bettende plumpste, sodass ich nun all ihre Reize unmittelbar vor mir sah.

Ihr Liebhaber setzte sich neben sie. Er schien ein Mann von wenig Worten, doch von großer Begierde zu sein, denn er kam sofort zum Wesentlichen, gab ihr einige herzhafte Schmatze, fuhr mit den Händen an ihre Brüste, befreite sie von dem stützenden Mieder, worauf sie, ihrer Fesseln ledig, mindestens bis zum Nabel hinunterfielen. Nie sah ich ein gewaltigeres, fahler getöntes, derart erschlafftes und einträchtig nebeneinanderhängendes Paar; aber so wie sie waren, bepatschte sie dieser stiernackige Vielfraß mit höchst unappetitlichem Gusto und versuchte vergebens, eine von ihnen mit einer Hand zu umschließen, die kaum kleiner als eine Hammelschulter war. Nachdem er so einige Zeit mit ihnen herumgespielt hatte, als ob sie dessen wert gewesen wären, warf er Madame rasch nieder, streifte ihre Röcke hoch und bedeckte mit ihnen ihr breites, glänzendes Gesicht, das allein vom Brandy gerötet war. Da er etwa eine Minute lang neben dem Bett stand, um Weste und Hose aufzuknöpfen, konnte ich ihre fetten, stämmigen, herunterhängenden Schenkel und die ganze glitschige Landschaft einigermaßen gut sehen: Ein weit geöffneter Spalt, von grauem Dickicht überwuchert, der wie der Hamstersack eines Bettlers für eine Gabe hingehalten wurde.

Bald jedoch wurde meine Aufmerksamkeit von einem verblüffenderen Etwas in Anspruch genommen.

Der kräftige Hengst war inzwischen ausgezogen und zeigte nun, nackt und steif aufgerichtet, jenes wunderbare Gerät, das ich nie zuvor gesehen hatte. Da meine eigene Lustzone plötzlich ein ungestümes Interesse daran fand, starrte ich es mit übergehenden Augen an.

Meine Sinne waren aber zu verwirrt und zu sehr auf die inzwischen auch bei mir glühende Stelle gerichtet, sodass ich außer der allgemeinen Beschaffenheit des Apparates nichts Genaueres beobachten konnte. Die Natur gab mir jetzt, unmissverständlicher als alles, was ich bisher darüber gehört hatte, zu verstehen, dass auch ich dieses höchste Vergnügen erwarten dürfe, das sie bei der Vereinigung jener so bewundernswert sich ergänzenden Teile vorgesehen hat.

Es währte nicht lange, und schon schüttelte und schwang der junge Galan sein Gerät zwei- oder dreimal; er warf sich auf Madame, und da er mir jetzt seinen Rücken zuwandte, konnte ich mir nur vorstellen, dass er sich in sie versenkt hatte, denn seine Bewegungen und die Unmöglichkeit, ein derart auffallendes Ziel zu verfehlen, schienen diesen Schluss als selbstverständlich zuzulassen. Nun wankte das Bett, und die Vorhänge raschelten so sehr, dass ich kaum das Stöhnen, Flüstern, Seufzen und Keuchen hören konnte, die das Treiben von Anfang bis Ende begleiteten. Der Anblick und die Geräusche erregten mein Innerstes, und ich fühlte flüssiges Feuer in meinen Adern brennen. Die Erregung wurde so heftig, dass mir der Atem stockte.

Durch die Unterhaltungen meiner Gefährtinnen und durch Phoebes ins einzelne gehende Schilderungen vorbereitet, war es kein Wunder, dass dieser Anblick meiner mädchenhaften Unschuld den endgültigen Todesstoß versetzte.

Während die beiden mitten in ihrem leidenschaftlichen Treiben waren und dabei der Natur ihren Lauf ließen, stahl sich meine Hand unter meine Röcke, führte die bebenden Finger zum Mittelpunkt meiner Gefühle und reizte ihn noch mehr. Mein Herz klopfte, als wollte es meiner Brust entspringen. Ich atmete mühsam; ich wand meine Schenkel, presste und drückte die Lippen meiner jungfräulichen Spalte, folgte dabei, so weit wie ich Einlass fand, mechanisch dem Beispiel von Phoebes Händen und löste endlich jene kritische Ekstase, jene entspannende Flut aus, in der die Natur nach einem Übermaß an Lust erschöpft endet.

Danach kühlten meine Gefühle sich so ab, dass ich das übrige Geschäft zwischen dem glücklichen Paar weiterverfolgen konnte.

Der junge Racker war eben erst von der alten Madame abgesessen, als diese auch schon mit jugendlicher Kraft, die sie zweifellos der genossenen Erfrischung verdankte, aufsprang. Sie bat ihn, sich zu setzen, und überhäufte ihn nun ihrerseits mit Küssen, streichelte und kniff seine Wangen und spielte mit seinem Haar. Das alles ließ er unbeteiligt und mit äußerster Zurückhaltung über sich ergehen und erwies sich damit gegenüber den Augenblicken vor seinem Ritt als völlig umgewandelt.

Meine fromme Oberin scheute sich jedoch nicht, dem abzuhelfen. Sie öffnete einen kleinen Behälter mit anregenden Mitteln, der neben dem Bett stand, und ließ ihren Liebhaber einen gehörigen Schluck auf ihr Wohl trinken. Nach kurzem Liebesgeflüster ließ sich Madame dann wieder am Fuß des Bettes nieder. Ihr junger Gefährte stand nun neben ihr, und sie knöpfte mit unvorstellbarer Unverfrorenheit seine Hose auf, zog das Hemd beiseite und holte sein Ding heraus. Es war dermaßen zusammengeschrumpft, dass ich mir sein voriges Aussehen in Erinnerung rufen musste. Jetzt war es unscheinbar klein und konnte höchstens ganz schwach seine Spitze heben. Unserer erfahrenen Vorsteherin gelang es jedoch bald, es durch Reiben und Streicheln zu der Größe und Steifheit anschwellen zu lassen, in der ich es zuvor gesehen hatte.

Ich bewunderte daher erneut und diesmal mit besserer Übersicht die Beschaffenheit jenes großartigen männlichen Körperteils. Der flammendrote, unbeschützte Kopf, die Weiße des Schafts, das dichtwachsende, sich kräuselnde Haar, das seine Verankerung umrankte, und der rundliche Sack, der von dort herunterbaumelte, forderten meine gespannte Aufmerksamkeit und erweckten wiederum meine Erregung. Da nun aber das Treiben an dem Punkt angelangt war, auf den die unermüdliche Dame hingearbeitet hatte, war sie nicht gewillt, die Bezahlung für ihre Mühen zu verschieben, sondern legte sich hin und zog ihn sanft zu sich nieder. So beendeten sie, genau wie zuvor, das letzte Stadium.

Danach gingen beide liebevoll umschlungen hinaus, nicht ohne dass die alte Dame ihm vorher ein Geschenk gemacht hätte – soweit ich sehen konnte, drei oder vier Goldstücke. Er war nicht nur aufgrund seiner Leistung ihr besonderer Liebling, sondern auch ein Kunde des Hauses, von dem sie mich aber bisher sorgfältig fern gehalten hatte, damit er nicht vielleicht vor der Ankunft des Lords ungeduldig werden könnte und etwa darauf bestehen würde, sein Vorkoster zu sein. Das aber hätte Madame in ihrer Abhängigkeit nicht zu verhindern gewagt, denn jedes Mädchen im Hause hatte es mit ihm, und die alte Dame kam nur ab und zu wegen des Geldes, das sie ihm gab, an die Reihe. Man kann jedoch keinesfalls sagen, dass er es sich nicht redlich bei ihr verdiente.

Sobald ich die beiden hinuntergehen hörte, stahl ich mich leise in mein Zimmer – zum Glück hatte niemand meine Abwesenheit bemerkt. Dort konnte ich freier atmen und den angenehmen Gefühlen ihren Lauf lassen, die bei der Beobachtung des Geschehens in mir entfesselt worden waren. Ich streckte mich mit brennendem Verlangen auf dem Bett aus. Jedes Mittel war mir recht, meine von neuem entzündeten, heftigen Wünsche abzulenken oder zu besänftigen. Alle richteten sie sich auf einen Pol aus: den Mann. Ich tastete im Bett umher, als suchte ich nach etwas, das ich in meinem Tagtraum ergreifen könnte. Da ich nichts fand, hätte ich vor Verdruss schreien mögen. Mein ganzer Körper glühte unter belebenden Flammen.

Schließlich verfiel ich auf den im Augenblick einzig möglichen Ausweg, auf den vergeblichen Versuch, dort mit dem Finger einzudringen, wo die Beengtheit des Theaters der Handlung noch nicht genügend großen Spielraum gab, und wo der so verursachte Schmerz mir zwar für den Augenblick geringe Erleichterung verschaffte, aber auch Besorgnis in mir aufkommen ließ. Von dieser wurde ich erst durch ein Gespräch mit Phoebe befreit, in dem sie mir alles erklärte.

Die Gelegenheit dazu bot sich aber erst am anderen Morgen, denn Phoebe ging erst lange nachdem ich eingeschlafen war zu Bett. Sobald wir beide wach waren, lenkten wir selbstverständlich unsere Plauderei im Bett auf das mich beunruhigende Thema; gewissermaßen als Einführung berichtete ich von der Liebesszene, die ich zufällig miterlebt hatte.

Phoebe unterbrach mich häufig durch schallendes Gelächter, und die einfältige Art, auf die ich die Angelegenheit wiedergab, erhöhte ihr Vergnügen beträchtlich.

Als sie mich aber aushorchen wollte, wie der Anblick mich berührt habe – ich sollte die dabei in mir entfachten angenehmen Regungen weder bemänteln noch zurückhalten –, erzählte ich ihr sofort, eine Beobachtung habe mich erheblich verwirrt.


»So?«, fragte sie. »Worum handelt es sich?«

»Das war so«, antwortete ich. »Ich habe sehr neugierig und aufmerksam die Größe jenes gewaltigen Geräts mit dem zarten Ort verglichen, der so eingerichtet ist, dass er ihn aufnehmen kann. Der Apparat schien, jedenfalls in meiner ängstlichen Phantasie, wenigstens so stark wie meine Handgelenke und mindestens drei Handbreiten lang, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, ihn hineinzulassen, ohne dabei, vielleicht unter größten Qualen, zu sterben. Du weißt ja, dass bereits ein eingeführter Finger mich unerträglich schmerzt. Wenn ich mich in dieser Beziehung mit der gnädigen Frau und dir vergleiche, kann ich genau die verschiedenen Ausmaße bei euch und mir unterscheiden, denn sie sind ja zu fühlen und zu sehen. Deshalb habe ich einfach Angst vor einem Versuch, der solche Schmerzen auslöst, wie groß das in Aussicht gestellte Vergnügen auch sein mag.«

Bei diesen Worten fing Phoebe nur noch lauter zu lachen an und antwortete mir, die ich eine sehr ernsthafte Lösung meiner Zweifel und Ahnungen erwartet hatte, nur, sie habe nie davon gehört, dass jene schreckliche Waffe den betreffenden Zonen je eine tödliche Wunde zugefügt hätte, und sie kenne jüngere und genauso feingliedrige Mädchen wie mich, die diesen Kampf überlebt hätten. Sie glaube, im schlimmsten Fall solle ich mich möglichst häufig töten lassen. Was die Größe jener Teile betreffe, gebe es allerdings eine reiche Vielfalt, was auf die Natur, das Kinderkriegen und das häufige Überdehnen durch gnadenlose Geräte zurückzuführen sei. In einem gewissen Alter und nachdem der Körper sich daran gewöhnt habe, könnten aber selbst die in solchen Dingen Erfahrensten kaum zwischen einer Unverheirateten und einer Frau unterscheiden, vorausgesetzt, es würden keine Kunstgriffe angewendet, und alles würde natürlich belassen. Da mir aber der Zufall einen derartigen Anblick in den Weg gelegt habe, wolle sie mir noch einen verschaffen, der meine Augen auf feinere Art sättigen und mir helfen solle, meine Befürchtungen über das scheinbare Missverhältnis zu zerstreuen.

Dann fragte sie mich, ob ich Polly Philips kenne.

»Freilich«, erwiderte ich. »Sie ist das hübsche Mädchen, das mich während meiner Krankheit so zärtlich umsorgt hat, und sie ist, wie du mir sagtest, erst seit zwei Monaten hier im Haus.«

»Eben die! Du musst wissen, sie wird von einem jungen Kaufmann aus Genua ausgehalten. Er hat einen unermesslich reichen Onkel, der ihn in sein Herz geschlossen und ihn mit einem englischen Kaufmann, einem Freund, hierhergeschickt hat. Angeblich sollen sie Rechnungen eintreiben, aber in Wirklichkeit soll so sein Reisedrang gestillt werden, und er soll die Welt kennenlernen. Er begegnete Polly einmal zufällig in Gesellschaft, verliebte sich in sie und lohnt es ihr nicht schlecht, dass sie allein für ihn da ist. Er kommt zwei- oder dreimal in der Woche zu ihr, und sie empfängt ihn in ihrem hellen Zimmer im ersten Stockwerk, wo er sich auf eine Art mit ihr vergnügt, die wohl der Leidenschaft oder vielleicht dem Geschmack seines Landes entspricht. Mehr sage ich nicht, aber da er morgen wieder kommt, sollst du sehen, was sich zwischen ihnen abspielt, und zwar von einem Platz aus, der nur der Madame und mir bekannt ist.«

Sie können versichert sein, dass ich bei meiner damaligen Neigung gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden hatte und ziemlich gespannt auf seine Ausführung wartete.

Um fünf Uhr am Abend des nächsten Tages, als ich allein in meinem Zimmer saß, kam Phoebe pünktlich wie versprochen zu mir und forderte mich auf, ihr zu folgen.

Wir stiegen leise die Hintertreppe hinunter und öffneten die Tür zu einer dunklen Kammer, in der alte Möbel und Weinbrandkisten aufbewahrt wurden. Phoebe zog mich hinter sich her und schloss die Tür, sodass es völlig dunkel war. Nur ein Lichtschein fiel durch einen langen Spalt in der Trennwand zwischen unserer und der hellen Kammer, wo das Ereignis stattfinden sollte.

Wir setzten uns auf die niedrigen Kisten und konnten, selbst ungesehen, auf diese Weise ganz leicht und deutlich alle Dinge beobachten. Dazu mussten wir nur unsere Augen nahe an den Spalt pressen, wo die Leiste einer Wandverkleidung sich verzogen oder auf der anderen Seite ein wenig verschoben hatte. Zuerst sah ich den jungen Herrn; er wandte mir bei der Betrachtung eines Druckes den Rücken zu. Polly war noch nicht da, jedoch nach kaum einer Minute öffnete sich die Tür, und sie kam herein. Bei dem Geräusch, das die Tür machte, wandte er sich um und ging ihr mit einem Ausdruck größter Zärtlichkeit und Genugtuung entgegen.

Nach der Begrüßung führte er sie zu einem uns zugewandten Bett, auf dem sie sich niederließen. Dann schenkte ihr der junge Genuese ein Glas Wein ein und bot ihr auf einem Tablett Gebäck an, eine Spezialität aus Neapel.

Nachdem sie einige Küsse getauscht hatten und er sie in gebrochenem Englisch etwas gefragt hatte, zog er sich bis aufs Hemd aus.

Als wäre dies ein vereinbartes Zeichen, sich aller Kleider zu entledigen – ein Umstand, der wegen der heißen Jahreszeit durchaus sinnvoll schien –, löste Polly ihre Bänder, und da sie kein Korsett aufzuschnüren brauchte, war sie mit Unterstützung ihres übereifrigen Verehrers im Handumdrehen bis auf ihr Hemd entblößt.

Als er das sah, öffnete er sofort den Gürtel seiner Hose und die Strumpfbänder; rasch zog er sie sich über die Knöchel und warf sie beiseite. Sein Hemdkragen war ebenfalls aufgeknöpft. Dann gab er Polly einen ermutigenden Kuss und entwand ihr das Hemd. Das Mädchen war wohl an seine Launen gewöhnt, obzwar sie errötete, jedoch weniger als ich bei ihrem Anblick. Sie stand splitternackt da, so wie die Natur sie geschaffen hatte. Das schwarze Haar umfloss in losen Wellen ihren verwirrend schönen weißen Nacken und ihre Schultern, während das Rosa ihrer Wangen allmählich in eine schneeig glänzende Farbe überging, was die natürliche Tönung ihrer glatten Haut war.

Das Mädchen konnte kaum älter als achtzehn Jahre alt sein. Ihr Gesicht war gleichmäßig und schön geformt, ihre Figur vorzüglich, und ich beneidete sie auch um ihre zwei vollen, bezaubernden Brüste, die prall und dabei so rund und straff waren, dass sie auch ohne Mieder aufrecht standen. Die Brustwarzen wiesen in auseinanderstrebende Richtungen und unterstrichen so die angenehme Zweiteilung. Unter ihnen erstreckte sich ihr herrlicher Bauch, in einer kaum wahrnehmbaren Trennlinie, einer Spalte endend, die sich bescheiden nach unten zurückzuziehen und zwischen zwei drallen, gewölbten Schenkeln Zuflucht zu suchen schien; das sich kräuselnde Haar bedeckte das entzückende Dreieck und bekleidete es mit dem wertvollsten Zobelpelz der Welt. Kurzum, sie hätte ganz sicher ein Modell für Maler sein können, um das diese sich gerissen hätten, damit sie ihnen als Muster weiblicher Schönheit in dem wahren Stolz und Prunk der Nacktheit sitzen würde.

Der junge Italiener – immer noch im Hemd – starrte sie an, hingerissen von diesem Anblick, der einen sterbenden Einsiedler entflammt hätte. Er verschlang sie mit gierigen Blicken, während sie ihre Haltung nach seinem Belieben veränderte. Auch seine Hände hatten Teil an dem köstlichen Mahl. Sie wanderten auf der Suche nach Lust über jeden Teil, jeden Zoll ihres Körpers, der im Übermaß geeignet war, das auserlesenste Gefühl zu vermitteln.

Währenddessen konnte mir nicht entgehen, wie vorn sein Hemd anschwoll, sich ausbeulte und den Zustand der Dinge hinter der Bedeckung andeutete. Er entfernte die Hülle jedoch bald, indem er sie über den Kopf streifte. Was ihre Nacktheit anbetraf, standen die beiden einander nun nicht mehr nach.

Der junge Herr, nach Phoebes Schätzung etwa zweiundzwanzig Jahre alt, war groß und von schönem Wuchs. Sein Körper war gleichmäßig geformt, äußerst kräftig, breitschultrig und mit ausladendem Brustkorb. Sein Gesicht war in keiner Weise außergewöhnlich, abgesehen von seiner römischen Nase und großen, schwarzen, sprühenden Augen. Dazu kam die Röte seiner Wangen, die um so lieblicher schien, als seine Gesichtsfarbe dunkelbraun war, aber nicht von dieser graubraunen Tönung, die den Eindruck der Frische ausschließt, sondern von einem klaren Olivton, der voller Leben glüht und vielleicht weniger als eine helle Farbe in die Augen sticht, dafür aber den Betrachter umso mehr erfreut. Sein Haar, zu kurz, um es zu binden, fiel in leichten Wellen bis zum Nacken. Auch sprossen einige Härchen um seine Brustwarzen und gaben dem Oberkörper ein kraftvolles und männliches Aussehen. Vor allem aber verfügte er über einen großartigen Erreger, der sich aus dem Dickicht gekräuselten Haares zu erheben schien, das sich von der Verankerung bis zu den Schenkeln und über den Bauch bis zum Nabel ausbreitete. Dieser Riese stand steif und hoch aufgerichtet; er war so groß, dass ich Angst bekam und Mitleid für den kleinen, zarten Körperteil hegte, an dem er seine Wut auslassen wollte, und der nun offen vor meinem Blick lag. Pollys Gefährte hatte sie nämlich, sofort nachdem er seines Hemdes ledig war, sanft auf das Bett gedrückt, das gerade richtig stand, um ihr williges Niedersinken aufzufangen. Ihre Schenkel waren, so weit es ging, geöffnet und enthüllten das Merkmal ihres Geschlechts, eine Spalte wie aus rotem Fruchtfleisch, deren Lippen sich nach innen zinnoberrot färbten und sich als eine kleine rubinrote Linie in süßer Miniatur abzeichneten, so wie sie nicht einmal der Maler Guido mit seiner Farbgebung an Lebendigkeit und Feinheit hätte erreichen können.

Phoebe stieß mich leicht an und fragte flüsternd, ob ich meinte, dass meine jungfräuliche Zone sehr viel kleiner sei, doch wurde meine Aufmerksamkeit von allem, was ich sah, zu sehr in Anspruch genommen, als dass ich ihr hätte antworten können.

Unterdessen hatte der junge Herr ihre Lage so geändert, dass sie nun der Länge nach auf dem Bett lag, aber ihre Schenkel waren immer noch gespreizt, und das Ziel lag unbehindert vor ihm. Er kniete zwischen ihren Beinen nieder und eröffnete uns dadurch eine Seitenansicht seines grimmigen, aufgerichteten Apparates, der das zarte Opfer zu spalten drohte. Es lächelte jedoch den emporgerichteten Bolzen an und schien ihn keineswegs abweisen zu wollen. Er begutachtete seine Waffe liebevoll und zufrieden, brachte sie mit der Hand der einladenden Spalte nahe, zog deren Lippen zur Seite und führte sie unter wenigen Stößen, die Polly anscheinend noch unterstützte, zur Hälfte ein; dort steckte sie, wie ich annehme, wegen ihres Umfangs fest. Er zog sein Schwert wieder heraus, befeuchtete es mit Speichel, führte es von neuem ein und brachte es nun leicht bis zum Heft in der Scheide unter. Hierbei gab Polly einen tiefen Seufzer von sich, der ganz anders als ein Schmerzensschrei klang. Er stieß, sie hob sich, erst sacht und regelmäßig, bald aber wurde die Erregung zu heftig, um einen gleichmäßigen Rhythmus beibehalten zu können. Ihre Bewegungen waren zu schnell, ihre Küsse zu glühend und leidenschaftlich, als dass die Natur solch ungestümes Tun lange hätte aufrechterhalten können. Beide schienen außer sich vor Leidenschaft, ihre Augen sprühten Feuer, und »oh! … oh! … Ich kann nicht mehr … Es ist zu viel … Ich sterbe … Ich werde ohnmächtig …«, rief Polly in der Ekstase aus. Seine Freude äußerte sich nicht so lautstark, aber bald zeigten unterbrochenes Flüstern, aus der Tiefe des Herzens steigende Seufzer, schließlich ein endgültiger Stoß, als wollte er sich ganz in ihren Körper versenken, und dann bewegungslose Mattigkeit seiner Glieder, dass der Augenblick der Entladung über ihn gekommen war. Auch sie gab Anzeichen, dass sie ihm darin folgte, denn sie warf heftig ihre Arme um ihn, schloss die Augen, seufzte tief auf und schien in einer Pein höchster Lust zu sterben.

Als er sie von seiner Last befreite, lag sie nach diesen Wonnen regungslos und, wie es schien, ohne zu atmen da. Er legte sie wieder quer auf das Bett, sodass sie sich nicht aufrichten konnte. Immer noch waren ihre Schenkel geöffnet, und ich konnte zwischen ihnen eine weiße, speichelähnliche Flüssigkeit sehen, die die äußeren Lippen jener vor kurzem geöffneten, nun tiefrot aussehenden Wunde befeuchtete. Polly stand alsbald auf, umarmte ihn und schien alles andere als über diese Heimsuchung erzürnt zu sein, wenn man bedenkt, wie zärtlich sie ihn ansah und umsorgte.

Was mich betrifft, so will ich nicht vorgeben, all das beschreiben zu können, was ich während dieser Szene empfand. Aber von diesem Augenblick an sagte ich allen Befürchtungen darüber, was ein Mann mir antun könnte, Lebewohl; sie hatten sich in brennende Wünsche, in ein unbezähmbares Verlangen umgewandelt, sodass ich den Erstbesten des Geschlechts, der mir über den Weg gekommen wäre, beim Kragen hätte packen und ihm meinen jungfräulichen Tand hätte anbieten mögen; dessen Verlust betrachtete ich jetzt als einen Gewinn, den ich mir nicht früh genug sichern konnte.

Die erfahrenere Phoebe, für die ein solcher Anblick nichts Neues war, war jedoch bei dieser belebenden Szene ebenfalls nicht unbewegt geblieben. Sie zog mich sanft, um nicht gehört zu werden, von dem Guckloch fort und leitete mich, die ich ihren Zeichen ganz widerstandslos und gehorsam folgte, so nahe wie möglich zur Tür.

Auch hier war zum Sitzen oder Liegen nicht Raum genug, aber Phoebe machte Platz, damit ich mit dem Rücken zur Tür stehen konnte. Dann hob sie meine Unterröcke hoch, und ihre geschäftigen Finger besuchten und erforschten wieder jenen Teil, wo Lust und Erregung inzwischen so heftig geworden waren, dass ich vor Verlangen ganz krank und zu sterben bereit war und die bloße Berührung mit dem Finger an diesem empfindlichen Ort der Wirkung von Feuer in Zugluft gleichkam. Ihre Hand fühlte sofort den Grad meiner Erregung und Lust, die der Anblick, den ich durch ihre Vermittlung genießen durfte, in mir ausgelöst hatte. Zufrieden, erfolgreich eine Leidenschaft gestillt zu haben, die es mir verwehrt hätte, den Fortgang des Treibens zwischen unserem Liebespaar geduldig weiterzuverfolgen, führte sie mich wieder zu dem Spalt, der unserer Neugierde so dienlich war.

Ganz gewiss waren wir nur wenige Augenblicke von ihm entfernt gewesen, und doch sahen wir bei unserer Rückkehr alles so weit fortgeschritten, dass das Paar die zärtlichen Feindseligkeiten wieder aufnehmen konnte.

Der junge Ausländer saß, uns zugewandt, auf dem Bett, Polly auf den Knien. Sie hatte die Arme um seinen Hals geschlungen, und so bildete die außergewöhnliche Blässe ihrer Haut einen ganz entzückenden Gegensatz zu dem weichen, glänzenden Braun ihres Liebhabers.

Wer aber kann die heftigen Küsse zählen, die sich die beiden gaben? Dabei konnte ich oft sehen, dass sie Zungenküsse tauschten und ihre Münder dann gewissermaßen zwei Zungen enthielten. Sie schienen das mit größtem Gusto und Vergnügen zu genießen.

Unterdessen hatte der rotköpfige Kämpe, der vor kurzem erst, bezwungen und gedemütigt, dem Schlund entflohen war, wieder voll und ganz seinen besten Zustand erreicht. Er reckte sich selbstbewusst zwischen Pollys Schenkeln hoch, die ihm ihrerseits schmeichelte, um ihn bei Laune zu halten. Über ihn gebeugt, streichelte sie ihn und nahm sogar seine samtweiche Spitze zwischen die Lippen des Mundes, in dem er gar nicht zu Hause war. Ob sie das aus besonderem Vergnügen heraus tat, oder ob es geschah, um ihn besser für den andern Eingang vorzubereiten, konnte ich nicht sagen. Sie bewirkte jedenfalls, dass der junge Mann, seinen Augen, die aufgeregter sprühten, und seinem erregten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, noch mehr Lust verspürte. Er stand auf, schloss Polly in die Arme und sagte so leise etwas zu ihr, dass ich es nicht verstehen konnte. Dabei führte er sie zum Ende des Bettes, klatschte ihr mit seinem steifen Glied vergnüglich auf Schenkel und Hinterteil, indem er ihm mit seiner Hand federnden Schwung verlieh, und produzierte dann nochmals solche Geräusche. Dadurch verletzte er sie aber nur so sehr, wie es in seiner Absicht lag, denn sie hatte anscheinend einen ebenso ausgelassenen Geschmack wie er.

Aber stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich sah, wie der faule junge Schelm sich auf den Rücken legte und Polly sanft auf sich herunterzog. Sie gab seiner Laune nach, setzte sich rittlings auf ihn und führte ihren blinden Liebling an die rechte Stelle. Einer plötzlichen Eingebung folgend, spießte sie sich dann geradewegs auf die flammende Waffe der Wollust auf, wobei sie sie völlig hereinließ und bis zur letzten Haaresbreite von ihr durchbohrt wurde. So saß sie einige Augenblicke auf ihm, ihre Haltung genießend, während er mit den aufreizenden Brüsten spielte. Ab und zu neigte sie sich herab, um seinen Küssen zu begegnen, aber bald trieb sie der Stachel der Leidenschaft zu heftigerem Tun.

Nun begannen die stürmischen Bewegungen, die vonseiten des unteren Kämpfers gleichzeitig Stöße waren; er schlang seine Arme um sie und zog sie mit süßer Gewalt an sich. Diese Umkehrung, dass nun der Amboss die Schläge auf den Hammer ausführte, bewirkten bald die Ankunft am Ziel, wobei die Zeichen einer engen, zusammenwirkenden Ekstase uns bedeuteten, an welchem Punkt sie angelangt waren.

Mehr konnte ich nicht ertragen. Ich war so überwältigt, durch den zweiten Teil des gleichen Spiels so leidenschaftlich erregt und fast unerträglich gereizt, dass ich Phoebe umarmte und umklammerte, als hätte sie das Nötige, um mich zu erleichtern. Sie war erfreut, bemitleidete meine Aufregung und zog mich deshalb zur Tür, die sie so sacht wie möglich öffnete. Wir machten uns unentdeckt davon, und sie begleitete mich in mein Zimmer zurück. Dort warf ich mich sofort auf das Bett, da meine Beine mich in meinem Zustand nicht mehr trugen, und ich lag heftig erregt, wenn auch über meine Gefühle beschämt, da.

Phoebe legte sich neben mich und fragte schelmisch, ob ich mich nun, da ich den Feind gesehen und ihn einer vollen Betrachtung unterzogen hätte, noch vor ihm ängstigte, oder ob ich der Meinung sei, es wagen zu können, eine nähere Verabredung mit ihm zu treffen. Ich antwortete nicht, sondern seufzte tief und konnte kaum atmen. Sie schlug ihre eigenen Röcke hoch, ergriff meine Hand und zwang sie gegen meinen leichten Widerstand zu jener Zone, wo ich, um einiges klüger, das Hauptziel meiner Wünsche vermisste. Da ich nicht einmal einen Schatten dessen, wonach mich verlangte, dort fand, wo alles so flach und leer war, hätte ich in meiner Qual lieber meine Hand zurückgezogen, wollte Phoebe aber nicht kränken. So überließ ich ihr ganz die Führung meiner Hand, und sie gebrauchte sie, wie sie es für richtig hielt, um sich nur einen Abglanz des Vergnügens zu sichern. Ich für mein Teil schmachtete nun nach soliderer Kost und schwor mir im stillen, dass ich mich nicht mehr viel länger mit dieser Narretei zwischen Frauen zufrieden geben würde, wenn Mrs. Brown mir nicht bald das unentbehrliche Geschlecht verschaffen würde. Kurzum, es hatte ganz den Anschein, als könnte ich nicht auf Lord B … warten, obwohl man in wenigen Tagen mit seiner Ankunft rechnete. Ich wartete auch wirklich nicht auf ihn, denn dem großen Verlangen und der zügellosen Lust zum Trotz nahm sich die Liebe meiner an.

Zwei Tage nach der Begebenheit in der Kammer stand ich ungefähr um sechs Uhr früh auf und verließ meine Bettgenossin, die noch fest schlief. Ich tappte leise hinunter, ohne eine andere Absicht zu hegen als ein wenig frische Luft zu schöpfen, und zwar in einem kleinen Garten, auf den unser Hinterzimmer hinausging; dies war mir verwehrt, solange irgendeine Gesellschaft sich im Haus herumtrieb, doch herrschte jetzt überall die Ruhe des Schlummers.

Ich öffnete die Tür des Wohnzimmers und war aufs höchste überrascht, als ich neben dem halberloschenen Kaminfeuer einen jungen Mann im Lehnstuhl der alten Dame sitzen sah. Ein Bein war über das andere geschlagen, und er lag in tiefem Schlaf, offensichtlich von seinen gedankenlosen Gefährten verlassen, die ihn unter den Tisch getrunken und sich dann, jeder mit seinem Dämchen, aus dem Staub gemacht hatten. Er blieb zurück, weil ihn die alte Matrone in seiner Verfassung wohl nicht stören oder gar hinauswerfen wollte, noch dazu um ein Uhr nachts; ein leeres Bett gab es, wie man ohne weiteres annehmen darf, um diese Zeit nicht. Auf dem Tisch standen noch die Punschbowle und die Gläser – alles verstreut in der üblichen Unordnung nach einem Saufgelage.

Als ich nun näher trat, um den Eingeschlafenen zu betrachten – lieber Himmel, was für ein Anblick! Nein, keine Entfernung an Jahren, keine Schicksalsveränderung, nichts wird je den blitzähnlichen Eindruck auslöschen können, den seine Gestalt auf mich machte! Ja, geliebter Gegenstand meiner frühesten Leidenschaft, ich bewahre für alle Zeit die Erinnerung an deine erste Erscheinung in mir … Ich erwecke dich jetzt wieder zum Leben, und immer noch vermag ich dich zu sehen!

Stellen Sie sich vor, Gnädigste: Ein hübsches Bürschchen zwischen achtzehn und neunzehn Jahren, den Kopf auf eine Seite des Stuhls geneigt, das Haar in wirren Locken, die einen unregelmäßigen Schatten auf sein Gesicht warfen – ein Gesicht, in dessen Zügen sich die rosig blühende Jugend und alle männlichen Reize dazu verschworen hatten, meine Augen und mein Herz festzuhalten. Sogar der Umstand, dass sein Gesicht blass und schmal wirkte, was wohl auf die Ausschweifungen der Nacht zurückzuführen war, verlieh ihm eine solche Anziehungskraft, wie sie nur denkbar sein kann. Seine Augen, im Schlaf geschlossen, waren herrlich umrahmt von langen Wimpern. Kein Zeichenstift würde es vermögen, zwei regelmäßigere Bögen zu zeichnen als diejenigen, die seiner Stirn ihren Reiz gaben; die Stirn selbst war hoch, vollkommen weiß und glatt. Dann ein Paar leuchtend rote Lippen, schwellend unter jedem Atemzug, als ob eine Biene sie eben gestochen hätte; sie erschienen mir wie eine Herausforderung, die ich von diesem liebenswürdigen Schläfer einfach annehmen musste – hätten nicht die Schamhaftigkeit und die Achtung, die bei beiden Geschlechtern untrennbar mit einer echten Leidenschaft verbunden sind, meine erste Regung verhindert.

Als ich aber seinen Hemdkragen offen sah und darunter seine Brust, weißer als ein Schneegestöber, konnte mich die Freude, sie zu betrachten, dennoch nicht dazu verlocken, seine Gesundheit durch längeres Verweilen aufs Spiel zu setzen; sein Leben begann schon die Sorge meines Daseins zu werden.

Die Liebe, die mich schüchtern machte, lehrte mich auch, zärtlich zu sein. Mit zitternder Hand ergriff ich eine seiner Hände und weckte ihn so sacht wie möglich. Er wachte auf und blickte zuerst etwas verwirrt drein; dann fragte er mit einer Stimme, deren harmonischer Klang in meine Seele drang:

»Oh, mein Kind, wie spät ist es, bitte?«

Ich sagte es ihm und fügte hinzu, dass er sich erkälten könne, wenn er weiterhin mit entblößter Brust in der Kühle des Morgens schlafe. Er dankte mir mit einer Sanftheit, die ganz zu seinen Gesichtszügen und seinen Augen passte; sein Blick war jetzt auf mich gerichtet, und das funkelnde Feuer, das seine Augen ausstrahlten, ging geradewegs in mein Herz.

Anscheinend hatte er zu unbekümmert getrunken, ehe er zum Höhepunkt des Abends samt einigen jungen Freunden in unser Haus gekommen war; er war wohl nicht mehr in der Lage gewesen, mit seinen Kameraden länger mitzuhalten und sich als krönenden Abschluss für die Nacht ein Dämchen zu schnappen.

Als er mich etwas nachlässig angezogen sah, konnte er kaum daran zweifeln, dass ich eines der Mädchen des Hauses war, das zu ihm geschickt worden war, um seinen Verlust an günstigen Gelegenheiten wettzumachen; obwohl er jedoch ohne Zögern zu diesem Schluss gelangte – was ziemlich offensichtlich war –, rief andererseits meine Gestalt einen mehr als gewöhnlichen Eindruck bei ihm hervor.

Vielleicht äußerte sich aber auch nur seine natürliche Höflichkeit auf solche Weise, denn er redete mich in einer Art an, die alles andere als grob war, allerdings auch zu erkennen gab, dass er mich noch immer für eine der Hausbewohnerinnen hielt, die gekommen war, um ihn zu amüsieren. Er gab mir den ersten Kuss, den ich von einem Mann mit Freude empfing. Dann fragte er mich, ob ich ihn mit meiner Gesellschaft erfreuen wolle, wobei er mir versicherte, dass es mich keineswegs gereuen werde. Hätte nicht bereits die neugeborene Liebe als die wahre Feindin jeder bedenkenlosen Lust eine schnelle Übergabe verhindert, dann gewiss die Angst, von irgendjemand im Haus überrascht zu werden; sie bildete eine ausreichende Schranke für mein Einverständnis.

Ich erzählte ihm in einem Ton, den die Liebe selbst in mich gelegt hatte, dass ich aus Gründen, die ich ihm aus Zeitmangel nicht erklären könne, nicht bei ihm bleiben und ihn nicht einmal wieder sehen dürfe. Ich stieß bei diesen letzten Worten einen Seufzer aus, der aus dem tiefsten Grund meines Herzens aufgestiegen war. Mein Eroberer, der sich, wie er mir später erzählte, durch meine Erscheinung sehr betroffen fühlte und mich lieber sah als je ein Mädchen meines Berufs zuvor, fragte mich sofort lebhaft, ob ich mich von ihm aushalten lassen wolle; er würde für mich eine Wohnung mieten und mich von jeder Verpflichtung, die ich, wie er annahm, dem Haus gegenüber habe, loskaufen. Schnell, plötzlich, unbedacht und sogar gefährlich, wie dieses Angebot seitens eines vollkommen Fremden auch sein mochte – noch dazu, da dieser Fremde ein unbesonnener Junge war –, die ungemeine Neigung, die ich für ihn gefasst hatte, verlieh seiner Stimme in meinen Ohren einen Charme, dem ich keinen Widerstand leisten konnte und der mich für jeden Einwand taub machte. In diesem Moment hätte ich für ihn sterben können; wie also konnte ich ablehnen, wenn er mir anbot, mit ihm zusammen zu leben! Mein Herz, das bei diesem Anlass heftig klopfte, diktierte meine Antwort; nach einer Pause von einigen Minuten erwiderte ich, dass ich sein Angebot annehmen wolle. Meine Flucht würde ich ganz nach seinem Gefallen einrichten und dann völlig zu seiner Verfügung stehen, ob es nun gut oder übel ausgehe. Ich habe mich oft darüber gewundert, dass ihm ein so leichtes Entgegenkommen nicht missfiel oder mich in seinen Augen allzu billig machte; mein Schicksal hatte es aber so bestimmt, dass er schon seit geraumer Zeit nach einem Mädchen gesucht hatte, das er bei sich haben wollte.

Zufällig erschien ich ihm genau als die Erfüllung seiner Phantasiewünsche. Es war wohl eines jener Wunder, die der Liebe vorbehalten sind, dass wir unsere Abmachung in einem einzigen Moment schlossen; wir besiegelten sie mit einem Kuss. Die Hoffnung auf ein nicht unterbrochenes Glück veranlasste ihn dazu, sich damit zu begnügen.

Die liebenswerte Jugend, die sich in seiner Person verkörperte, lieferte bestimmt nie einen erklärlicheren Anlass für ein Mädchen, sich den Kopf verdrehen zu lassen und alle Folgen auf sich zu nehmen, vor allem das Risiko, mit einem Liebhaber fortzulaufen.

Unzweifelhaft besaß er, neben all den Vollkommenheiten der männlichen Schönheit, die sich in seiner Erscheinung häuften, ein liebenswürdiges und freundliches Benehmen und eine gewisse Eleganz in der Haltung seines Kopfes, die ihn noch vornehmer machten; seine Augen blickten lebendig und verständnisvoll, zugleich mild und gebieterisch. Sein Teint hob die köstliche Rosenfarbe hervor, deren unvergleichlich zartes, lebendiges Glühen ihn vor dem Vorwurf bewahrte, es fehle ihm an Leben, er sei noch unreif – ein Vorwurf, der gewöhnlich Menschen, die so außerordentlich schön sind wie er, gemacht wird.

Unser Plan ging dahin, dass ich am nächsten Tag um sieben Uhr morgens fortgehen sollte, was ich leicht versprechen konnte, da ich wusste, wie man an den Schlüssel der Straßentür kam; er wollte mich am Ende der Straße mit einer Kutsche erwarten, um mich in Sicherheit zu bringen. Nachdem das geschehen war, würde er jemand schicken, um irgendwelche Kosten, die mein Aufenthalt bei Mrs. Brown verursacht hatte, zu zahlen; die alte Dame, so dachte er, würde wohl kaum großen Wert darauf legen, sich sang- und klanglos von jemand zu trennen, den sie für so geeignet hielt, Kundschaft in ihr Haus zu ziehen.

Ich machte ihn noch darauf aufmerksam, dass er nicht erwähnen solle, jemand wie mich im Haus gesehen zu haben, aus Gründen, die ich ihm in Ruhe erklären wolle. Dann riss ich mich, aus Angst, etwas aufs Spiel zu setzen, wenn man uns zusammen sehen würde, mit blutendem Herzen von ihm los und schlich mich lautlos in mein Zimmer. Dort fand ich Phoebe immer noch in festem Schlaf. Ich streifte schnell meine wenigen Kleider ab und legte mich zu ihr, erfüllt von einer Mischung aus Freude und Sorge, die man sich besser vorstellen als sie beschreiben kann.

Die Gefahr, dass Mrs. Brown meine Absichten entdeckte, dass Enttäuschungen und Elend mich heimsuchten, dies alles verschwand vor der neu entzündeten Flamme.

Das Idol meines zutiefst jungfräulichen Herzens zu sehen, zu berühren, bei ihm zu sein, wenn auch nur für eine einzige Nacht, schien mir ein Glück zu sein, das größer war als der Erwerb meiner Freiheit oder meines Lebens. Er mochte mich bis aufs Letzte ausnützen – es war mir gleich, denn er war nun mein Herr! Ich war glücklich, derart glücklich, dass ich sogar den Tod aus seiner geliebten Hand bereitwillig empfangen hätte.

So schweiften meine Gedanken den ganzen Tag über umher, und jede Minute erschien mir eine kleine Ewigkeit. Wie oft schaute ich auf die Uhr! Ja, ich war nahe daran, den faulen Zeiger anzuschieben, als ob ich damit die Zeit auch vorgerückt hätte!

Wenn die Leute im Haus mich jetzt scharf beobachtet hätten, würden sie meine Erregung, die ich nicht beherrschen konnte, bemerkt haben. Besonders als während des Abendessens der entzückende junge Mann erwähnt wurde, der am Vortag hier gewesen und auch zum Frühstück geblieben war (»Oh! Was er doch für eine Schönheit war! Ich hätte für ihn sterben können! Für ihn könnte man sich das Fell über die Ohren ziehen lassen!« und ähnliche Dummheiten), wirkte das, als ob Öl in das Feuer gegossen würde, das ich sowieso eifrig zu schüren bemüht war.

Das Auf und Ab in meinem Kopf während des ganzen Tags hatte eine günstige Folge: Vor lauter Müdigkeit schlief ich ziemlich gut bis fünf Uhr morgens. Dann stand ich auf und wartete, nachdem ich mich angezogen hatte, unter dem doppelten Druck von Angst und Ungeduld auf die vereinbarte Stunde. Sie kam endlich – die ersehnte, kritische, gefährliche Stunde kam! Nur aufrecht gehalten durch den Mut, den die Liebe mir gab, wagte ich mich auf den Fußspitzen die Treppe hinunter; meinen Koffer ließ ich zurück, da ich fürchtete, mit ihm überrascht zu werden.

Ich erreichte die auf die Straße führende Tür, deren Schlüssel stets auf dem Stuhl neben unserem Bett lag, auf Grund des Vertrauens von Phoebe, die nicht den geringsten Verdacht hegte, dass ich die Absicht haben könnte, das Haus zu verlassen – die ich auch tatsächlich bis zum vorhergehenden Tag nicht hatte; Phoebe versteckte und hütete den Schlüssel nicht vor mir. Ich schloss die Tür sehr leicht auf; die Liebe, die mich ermutigt hatte, schützte mich auch jetzt. Bereits in Sicherheit auf der Straße, erblickte ich meinen neuen Schutzengel, der an der Tür der Kutsche, die weit offen stand, auf mich wartete. Wie ich zu ihm gelangte, weiß ich nicht: Ich glaube, dass ich flog. Auf jeden Fall war ich im Nu in der Kutsche und er an meiner Seite; mit seinen Armen umklammerte er mich fest und gab mir den Willkommenskuss. Der Kutscher hatte schon vorher seine Anweisungen erhalten und fuhr dementsprechend.

Meine Augen wurden sofort von Tränen überflutet, Tränen jedoch der größten Wonne. Mich in den Armen der wunderbarsten Jugend zu wissen, bedeutete ein Entzücken, in dem mein kleines Herz schwamm. Vergangenheit und Zukunft hatten keine weitere Bedeutung für mich; die Gegenwart wog so viel, wie meine Lebenskräfte gerade ertragen konnten, ohne dass ich ohnmächtig wurde. Es waren auch die zärtlichsten Umarmungen und die glühendsten Worte von seiner Seite nicht notwendig, um mich seiner Liebe zu vergewissern und mich den kühnen Schritt nicht bereuen zu lassen, den ich gewagt hatte, indem ich mich völlig seiner Ehre und Großzügigkeit anvertraute. Allerdings war das kein Verdienst von mir, denn ich hatte mich ihm zugewandt dank einer Leidenschaft, die zu heftig war, als dass ich ihr hätte widerstehen können. Ich handelte, wie ich eben handelte, weil ich einfach nicht anders konnte.

In einem Augenblick – denn die Zeit existierte nicht mehr für mich – befanden wir uns in einem Wirtshaus in Chelsea, das gastfreundlich und bequem genug eingerichtet war, um eine trauliche Zweisamkeit zu ermöglichen. Ein Frühstück mit Schokolade war schon für uns vorbereitet.

Der ältere joviale Genießer, der die Wirtschaft führte und die Lebenskunst prächtig verstand, frühstückte mit uns, wobei er mir schalkhaft zublinzelte und allerlei nette Artigkeiten sagte, etwa, wir passten gut zueinander, beim Himmel!, und viele feine Herren und Damen beehrten sein Haus, aber nie habe er ein schöneres Paar gesehen; er sei sicher, dass ich verflixt knusprig wäre; ich würde so ländlich, so unschuldig aussehen; kein Zweifel, mein Gatte sei ein glücklicher Mann! Dieses ganze gewöhnliche Wirtsgerede gefiel mir nicht nur und regte mich an, sondern half mir auch, meine Verwirrung zu zerstreuen. Ich fing nämlich an, meinen neuen Herrn zu fürchten, jetzt, da sich die gefährliche Minute näherte; ich scheute davor zurück, mit ihm allein zu sein – eine Scheu, an der wahre Liebe einen größeren Anteil hatte als mädchenhafte Schüchternheit. Ich wünschte – so vernarrt war ich – für ihn sterben zu können; gleichzeitig, ich weiß nicht wie oder warum, fürchtete ich die Gelegenheit, die das Ziel meiner heißesten Wünsche gewesen war. Mein Puls schlug angstvoll inmitten einer Woge von trunkener Sehnsucht. Dieser Kampf der Leidenschaften, dieser Zwiestreit zwischen Schamhaftigkeit und liebeskrankem Sehnen ließ mich erneut in Tränen ausbrechen, die er, wie er es schon vorher getan hatte, sich nur aus der Plötzlichkeit erklärte, mit der mein Schicksal sich geändert und ich mich seiner Fürsorge anvertraut hatte. Immerhin ermutigte und tröstete mich alles, was er tat und sagte, aus welchem Grunde er es auch tun mochte.

Nach dem Frühstück ergriff Charles – sein teurer Vorname, ich nehme mir von jetzt ab die Freiheit, meinen Adonis damit zu bezeichnen – mit einem verständnisvollen Lächeln meine Hand und sagte:

»Komm, meine Liebe, ich will dir ein Zimmer zeigen, das eine schöne Aussicht über die Gärten hat.«

Ohne auf eine Antwort zu warten – womit er mir außerordentlich entgegenkam –, führte er mich in ein Zimmer, luftig zwar und voll Licht, in dem aber von keiner Aussicht die Rede sein konnte außer der auf das Bett, das den Eindruck erweckte, dass das ganze Zimmer eigentlich nur um seinetwillen da war.

Kaum hatte Charles den Riegel an der Tür vorgeschoben, als er auch schon auf mich zueilte, mich in seine Arme schloss und vom Boden aufhob. Seine Lippen auf meine gepresst, trug er mich, die ich, bebend und rascher atmend, in süßen Ängsten und zärtlichstem Verlangen erstarb, zum Bett, wo seine Ungeduld es ihm jedoch verwehrte, mich auszuziehen, und ihn nur mein Busentüchlein und Kleid losnesteln und mein Korsett aufschnüren ließ.

Mein Busen war nun entblößt und bot, in warmen Atemstößen schwellend, seinem Blick wie seiner Berührung die pralle harte Wölbung eines Paares junger Brüste, wie man es sich bei einem noch nicht sechzehnjährigen Mädchen, frisch vom Lande und nie zuvor befühlt, wohl vorstellen mag. Aber selbst solche Pracht, Weiße, Form und köstliche Festigkeit vermochten seine Hände nicht von schweifender Wanderung wegzulocken.

Einmal losgelassen, hatten sie jedoch meine Unterröcke und mein Hemd bald hochgestreift und so das Zentrum einer für sie weit stärkeren Anziehung zu zärtlichem Überfall freigelegt. Meine Ängste indes ließen mich die Schenkel instinktiv zusammenpressen; aber schon unter dem leichten Druck seiner unbemerkt zwischen sie geschlüpften Hand öffneten sie sich und gaben so den Weg frei für den Hauptansturm.

Inzwischen lag ich ruhig und widerstandslos da, seinen prüfenden Augen und Händen völlig ausgeliefert; das bestärkte ihn zunächst in der Meinung, dass er richtig handle, wenn er ungeniert mit mir umgehe. Er hielt mich natürlich für keine Anfängerin in diesen Angelegenheiten, da er mich aus einem öffentlichen Haus geholt und ich ihm noch nichts gesagt hatte, was ihn auf meine Jungfernschaft hingewiesen hätte. Hätte ich es getan, so wäre er eher überzeugt gewesen, dass ich ihn für einen Trottel hielt, der eine so unglaubwürdige Geschichte schon schlucken würde, als dass ich in der Tat noch im Besitz jenes kostbaren Schatzes sei, der von den Männern so heiß begehrten, verborgenen Mine, nach der sie nur schürfen, um sie zu zerstören.

Allzu erregt nun schon, um noch Aufschub zu dulden, knöpfte er seine Hose auf, holte die Liebeskampfmaschine hervor und ließ sie ungesäumt, wie gegen eine bereits geschlagene Bresche, Sturm laufen … und dann! Dann spürte ich, wie sein hartes, mächtiges Horn zum Stoß gegen die zarte Membrane ansetzte. Aber stellen Sie sich seine Überraschung vor, als er nach mehrfachem kraftvollem Anrennen, das mir heftigsten Schmerz bereitete, feststellen musste, dass er keinerlei Boden gewonnen hatte.

Ich klagte – aber klagte sanft –, ich könne es nicht aushalten … er täte mir so schrecklich weh … Noch immer glaubte er wohl, was mir, die ich so jung war, Schwierigkeiten bereite, sei einzig die Größe seiner Waffe (denn wenige Männer konnten sich mit ihr messen); und dass mich womöglich noch niemand besessen hatte, der in dieser Hinsicht so vorteilhaft ausgestattet war wie er selbst. Der Gedanke, die Blüte meiner Jungfräulichkeit könne noch ungepflückt sein, kam ihm auch jetzt nicht, und er würde es als müßig angesehen haben, Zeit und Worte daran zu verschwenden, mich hierüber zu befragen.

Er versuchte es aufs Neue: Noch immer kein Einlass, noch immer kein Durchlass. Aber er hatte mir nur noch stärkere Schmerzen zugefügt, indessen meine grenzenlose Liebe zu ihm mich grenzenlosen Schmerz, der mich kaum einmal aufstöhnen ließ, ertragen ließ.

Endlich, nach fruchtlos wiederholten Versuchen, legte er sich keuchend neben mich, küsste mir die Tränen fort und fragte mich zärtlich, was es mit so vielem Wehklagen auf sich habe. Ob ich es nicht wohl von anderen besser gelitten hätte als von ihm? Ich entgegnete mit einer Direktheit, von der ich hoffte, sie würde ihn überzeugen, dass er der erste Mann sei, der mir solche Dienste erweise. Die Wahrheit ist mächtig, und nicht immer weigern wir uns zu glauben, was wir so sehnlich wünschen.

Durch das Zeugnis seiner Sinne bereits geneigt, die Beteuerungen meiner Jungfräulichkeit als nicht gänzlich zweifelhaft zu erachten, besänftigt Charles mich mit Küssen, bittet mich im Namen der Liebe, ein wenig Geduld zu üben, und schwört, dass er ebenso sehr darauf bedacht sein will, mir nicht weh zu tun, als ginge es ihm darum, sich selber Schmerzen zu ersparen.

Je nun! Es genügte mir zu wissen, wonach er verlangte, um mich ihm freudig zu ergeben, welchen Schmerz es mich auch, wie ich wohl voraussah, kosten mochte.

Er macht sich nun erneut – und diesmal umsichtiger – ans Werk. Zunächst schiebt er eines der Kissen unter mich, um das Zentrum seines Ziels auf eine günstigere Höhe zu heben; und ein weiteres unter meinen Kopf, damit er bequemer lagert. Dann spreizt er meine Schenkel und lässt sie, indem er sich aufgerichtet zwischen sie postiert, auf seinen Hüften aufliegen. Als nächstes richtet er den Kopf seiner Maschine gegen den Spalt, in den er einzudringen suchte, der jedoch so eng war, dass er sich nur schwerlich darüber Gewissheit verschaffen konnte, ob er auch richtig angelegt hatte. Er schaut, er fühlt, und ist es zufrieden: Der furiose Ansturm seiner wundersamen Steifheit, keilartig vorangetrieben, trennt die Einheit jener Teile und verschafft der Spitze seiner Maschine lippentiefen Zugang. Kaum dessen gewahr geworden, weiß er seinen Vorteil auch schon zu nutzen, und vertieft, in gerader Linie kraftvoll nachstoßend, mit Gewalt so den Durchbruch; bereitete mir dabei aber einen so unerträglichen, von der durch einen harten, dicken Körper erzwungenen Trennung der Wände jenes empfindlichen Durchlasses herrührenden Schmerz, dass ich hätte aufschreien mögen.

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