Kitabı oku: «Muskeln und Gelenke»

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Hausmittel aus Heilkräutern sind beliebter denn je. Welche Kräuter helfen speziell bei Gelenk- und Muskelschmerzen? Apotheker und Autor Arnold Achmüller kennt die Lösung!

Das Öl der Wacholderbeere entkrampft die Muskulatur, Beinwellsalbe hilft bei Quetschungen und Rheuma, die „Kraftwurz“ Arnika kommt als Schnaps äußerlich bei Muskel- und Sehnenzerrungen zum Einsatz: Kräuterexperte Achmüller erkundet im gewohnt übersichtlichen und leicht verständlichen Kleinformat der „Kraut und Wurzel“-Reihe die Heilkräuter und ihre Wirkstoffe bei Muskel- und Gelenkleiden.

1. Auflage

© Edition Raetia, Bozen

Projektleitung: Felix Obermair

Korrektur: Helene Dorner, Katharina Preindl

Grafik und Umschlaggestaltung: Philipp Putzer, www.farbfabrik.it

Grafik Logo „Kraut und Wurzel“: Astrid Felderer

Titelfoto: Wacholder (Isidre blanc, Wikimedia Commons)

Umbruch und Druckvorstufe: Typoplus, Frangart

Printed in the EU

ISBN 978-88-7283-741-2

ISBN E-Book 978-88-7283-742-9

Band 6 der Reihe „Kraut und Wurzel“

Mehr Rezepte und Tipps finden Sie auf dem Blog „Kraut und Wurzel“: www.krautundwurzel.com.

Unseren Gesamtkatalog finden Sie unter www.raetia.com.

Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an info@raetia.com.

Alle Fotos stammen von Astrid Felderer, außer S. 12 (aus Herbarium Blackwellianum Emendatum et Auctum, Nürnberg 1757).

Die Angaben zu den Kräutern in diesem Buch wurden sorgfältig geprüft. Autor und Verlag lehnen jedoch jegliche Haftung für allfällige Schäden ab, die sich aus dem Gebrauch oder Missbrauch der hier vorgestellten Anwendungen ergeben. Die in diesem Buch enthaltenen Ratschläge ersetzen nicht eine ärztliche Therapie.

Gedruckt mit Unterstützung der Südtiroler Landesregierung, Abteilung Deutsche Kultur


ARNOLD ACHMÜLLER

Muskeln und Gelenke


Muskeln und Gelenke: Paradegebiete der Pflanzenheilkunde

Kräuterpasten: Die Pflaster der Volksmedizin

Den Körper reizen, um Schmerzen zu lindern?

Heilen mit Wärme und Kälte

Gele selbst zubereiten: keine Hexerei!

Grenzen der Selbstmedikation und Zutaten der Heilmittel

Rezepte

Muskelkater

Quendelbad

Latscheneinreibung

Kampfergeist

Muskelverspannungen und Nackenschmerzen

Wacholderspiritus

Schmerzstillendes Massageöl

Sportverletzungen

Arnikagel

Pfefferminz-Roll-On

Topfenwickel

Beinwelltinktur

Kühlende Ölmischung

Rheuma und chronische Gelenkschmerzen

Rheumasalbe

Brennnesselpresssaft

Wurmfarnessig

Rheumatee

Weidenrindentinktur

Heublumenbad

Gelenkbad

Sehnenscheidenentzündung und Tennisarm

Arnikaschnaps

Franzbranntwein

Antidyskratische Teemischung

Pappelknospensalbe

Gicht

Gicht- & Gelenktee

Quendelspiritus

Teemischung gegen erhöhte Harnsäurewerte

Rückenschmerzen und Ischias

Heublumenwickel

Beinwellsalbe

Warmer Kartoffelwickel

Kirschkernkissen

Heilerdewickel

Verzeichnisse

Verzeichnis der Krankheitsbilder

Verzeichnis der Heilmittel

Literatur

Muskeln und Gelenke:
Paradegebiete der Pflanzenheilkunde

Muskel- und Gelenkbeschwerden gehören zu den wichtigsten Anwendungsgebieten der Pflanzenheilkunde. Es gibt unzählige Heilpflanzen, die seit Jahrhunderten bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt werden.

Das ist nicht verwunderlich, wussten doch bereits unsere Urahnen um die lindernde Wirkung kühlender Pasten, entzündungshemmender Auszüge und betäubender Auflagen.

Auch aus heutiger Sicht ist die Anwendung von Heilpflanzen sinnvoll. Denn genauso wie viele chemisch-synthetische Wirkstoffe hemmen auch Heilpflanzen die Produktion von Entzündungsstoffen und lindern dadurch Schmerzen. Außerdem kann die unterstützende Behandlung mit Heilpflanzen die benötigte Dosis chemisch-synthetischer Wirkstoffe samt den eventuellen Nebenwirkungen verringern. Dadurch können Heilpflanzen die Therapie insgesamt verträglicher machen.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der innerlichen und der äußerlichen Anwendung. Die innerliche Einnahme von Heilpflanzen ist gerade bei chronischen Beschwerden wie Rheuma und abgenützten Gelenken (Arthrose) sinnvoll. Denn die Einnahme beispielsweise als Tee oder in Kapselform ermöglicht eine viel großflächigere Wirkung der Inhaltsstoffe und greift viel tiefer in das Entzündungsgeschehen ein. Allerdings können nicht alle Heilpflanzen eingenommen werden und die innerliche Anwendung muss über einen längeren Zeitraum erfolgen, da die volle Wirkung meist erst nach 2 bis 3 Wochen eintritt.

Äußerlich können Umschläge, Wickel, Cremen, Salben, Massageöle oder Gele die innerliche Anwendung unterstützen oder besonders bei leichten Beschwerden auch als alleinige Therapie angewandt werden.

Ein Highlight der europäischen Volksmedizin bei Muskel- und Gelenkbeschwerden ist Arnika. Neueste Forschungen zeigen, dass die Wirkung gegen Entzündungen und Schmerzen sogar mit denen der wichtigsten chemisch-synthetischen Einreibemittel verglichen werden kann. Eine ähnliche Stellung lässt sich auch Beinwell zuschreiben, der bereits im 12. Jahrhundert von Hildegard von Bingen verwendet wurde. Nicht zuletzt können auch die ätherischen Öle aus Latsche, Wacholder, Fichte, Eukalyptus, Kampfer, Rosmarin sowie Terpentinöl und Reizstoffe wie Capsaicin aus Paprika-Arten Schmerzen deutlich lindern. Im Gegensatz zu den innerlichen Anwendungen tritt hier die Wirkung bereits nach kurzer Zeit auf.

Die Heilpflanzenkunde hat auch in Zukunft in diesem Anwendungsbereich viel zu bieten und die Forschungen sind noch lange nicht abgeschlossen. In den letzten Jahren sind zahlreiche vielversprechende Heilpflanzen neu dazugekommen. So zeigen die südafrikanische Teufelskralle, der indische Weihrauch (speziell das Extrakt H15) und Extrakte aus der Javanischen Gelbwurz (Kurkuma) hervorragende Ergebnisse. Mittlerweile sind diese auch hierzulande in einer Vielzahl an Präparaten enthalten.

Kräuterpasten: die Pflaster der Volksmedizin

Fast vergessen sind heute die in früheren Jahrzehnten berühmten Kräuterpasten. Diese wurden einst im Alpenraum auch „Pflaster“ genannt und waren in der mitteleuropäischen Volksmedizin äußerst beliebt.

Die Rezepturen der „Pflaster“ waren sehr verschieden, meist bestand die Grundmischung aber aus einem Getreidemehl und einem Baumharz. Diese Kombination gab dem „Pflaster“ die nötige Konsistenz. Unter anderem benutzte man das Harz verschiedener Nadelbäume wie Schwarzkiefer, Waldkiefer (Rotföhre), Latschenkiefer, Zirbe, Tanne und Fichte. Ein besonders beliebtes, weil wirksames Baumharz war jenes der Lärche. Dieses hat sich bis heute seine Popularität im Alpenraum bewahrt, wenngleich es mittlerweile nicht mehr für „Pflaster“, sondern eher als Salbenzusatz verwendet wird.

Als Mehl war neben Gersten- oder Weizenmehl vor allem das Roggenmehl sehr beliebt. Hinzu kamen manchmal noch ein Ei und weitere entzündungshemmende Zusätze wie beispielsweise Kampfer oder zerkleinerte Pflanzen. Die so entstandene Paste wurde auf die schmerzende Stelle aufgelegt und dann so lange auf dieser belassen, bis sie sich wieder alleine ablöste. Man verwendete derartige „Pflaster“ vor allem bei schmerzenden Muskeln und Gelenken. Darüber hinaus wurden sie auch bei Geschwüren, Furunkeln und entzündeten Hautstellen aufgelegt.

Beispielrezeptur eines volksmedizinischen Pflasters

Eine Handvoll Roggenmehl wird mit zwei Eiern, einem Löffel Lärchenharz und einem kleinen Löffel Kampfer versetzt und vermischt. Dann wird das Gemisch auf das Geschwür oder die schmerzende Stelle aufgetragen und mit einem Tuch umwickelt.


Den Körper reizen, um Schmerzen zu lindern?

Dass unsere Vorfahren bei der Behandlung von Krankheiten nicht zimperlich waren, zeigt sich nicht nur bei den Kräuterpasten, sondern auch in der Reiztherapie. Hier wurde versucht, mit diversen Reizen – die meist selbst schmerzhaft waren – Schmerzen zu lindern. Anwendung fand die Reiztherapie vor allem bei verschiedenen Entzündungen und Schmerzen. Hierzu wurden in unmittelbarer Nähe der betroffenen Stelle (beispielsweise eines schmerzenden Gelenkes) hautreizende Stoffe wie Senfpulver oder ein Pulver aus Spanischer Fliege auf die Haut aufgetragen und mit einem normalen Pflaster für 24 Stunden fixiert. Damit erzeugte man bewusst die Bildung von Blasen, aus denen das vermeintlich schädliche Körpersekret abfließen sollte. Die Therapie war schmerzhaft und bei dem anschließenden Öffnen der Blase bedurfte es strengster Hygiene, um eine Infektion und bleibende Narben zu verhindern. Neben Gelenkerkrankungen wurde diese Reiztherapie auch bei Tinnitus, Schwindel, Nervenschmerzen und Kopfschmerzen angewandt. Die Applikationsstelle des Pflasters richtete sich nach dem betroffenen Areal. So wurde das Pflaster beispielsweise bei Schwindel und Kopfschmerzen im Genick und bei Gelenkschmerzen in der Nähe des schmerzenden Gelenkes aufgetragen.

Die Reiztherapie entstammt der mittelalterlichen Säftelehre und war in Europa jahrhundertelang etabliert. Der Grundgedanke bestand in einer Ausleitung schlechter, krank machender Säfte. In früheren Jahrhunderten glaubten die Menschen nämlich, dass Schmerzen und Krankheiten im Allgemeinen aus einem schlechten Mischungsverhältnis der vier menschlichen Säfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle entstehen. Ist der Mensch gesund, sind diese im Gleichgewicht. Ist man dagegen krank, überwiegen einer oder mehrere dieser Säfte. Dementsprechend sollen verschiedene Heilmittel, eine besondere Diät oder Ausleitungsverfahren das Gleichgewicht wiederherstellen. Typische Ausleitungsverfahren waren der Aderlass, das Schröpfen, die Einnahme diverser Abführ- und Brechmittel, Schwitzkuren sowie die Reiztherapie.

Mit der Entdeckung des Blutkreislaufes im 17. Jahrhundert kamen die Vorstellungen der Säftelehre zunehmend ins Wanken. Ende der 1920er-Jahre erlebte die Reiztherapie zwar durch den Wiener Arzt Bernhard Aschner nochmals eine Renaissance, verschwand dann aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts endgültig aus dem Therapiekanon der Schulmedizin. Das Provozieren von Wunden wurde nämlich zunehmend als „Rosskur“ angesehen. Zudem fehlt dieser Therapieform bis heute ein wissenschaftliches Konzept, mit dem man sie auch nach modernen Gesichtspunkten erklären könnte.

Tipp: Milde Reiztherapie mit frischen Brennnesseln

Eine besonders milde Form der Reiztherapie ist übrigens auch das nach wie vor in der Volksmedizin bekannte Aufschlagen von frischen Brennnesseln. Diese noch im 19. Jahrhundert von Ärzten empfohlene Therapiemöglichkeit wird bis heute bei rheumatischen Beschwerden angewandt. Hierzu werden die frischen Brennnesseln in der Tradition der Reiztherapie auf die schmerzenden Gelenke aufgeschlagen, worauf Bläschen und Hautrötungen entstehen. Nach Abklingen des anfänglichen Brennens sollten sich die Schmerzen bessern.


Die Brennnessel in einer Illustration aus dem 18. Jahrhundert

Heilen mit Wärme und Kälte

Dass Wärme und Kälte heilen können, ist den Menschen schon seit Langem bekannt. Kneipp erkannte beispielsweise schon vor über 100 Jahren, dass man mit der richtigen Wasseranwendung allein durch die vom Wasser übertragene Temperatur bereits Beschwerden effektiv lindern kann.

In der Wahl der richtigen Temperatur kommt es aber auf das zugrunde liegende Krankheitsbild an. Manche Beschwerden bessern sich nämlich durch Wärme, andere wiederum durch Kälte. Andererseits kann man mit der falschen Temperatur das Krankheitsbild sogar verschlechtern. Das ist gerade bei Muskel- und Gelenkschmerzen unbedingt zu beachten.

Ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Entscheidung, ob die betreffende Stelle warm oder kalt behandelt werden sollte, ist die Dauer der Beschwerden. Akute, also erst kürzlich aufgetretene Beschwerden wie Sportverletzungen oder auch akute Entzündungen und Schwellungen sprechen meist sehr gut auf kühlende Umschläge, Gele oder Einreibungen an. Mithilfe der über Wasser, einen Kältespray oder eine Kältepackung übertragenen Kälte ziehen sich die darunterliegenden Blutgefäße zusammen. Dadurch nimmt die Durchblutung im betroffenen Gewebe ab, die Entwicklung von Schwellungen und Hämatomen wird abgebremst. Letztlich reduzieren sich dadurch auch Schmerzen.

Bei bereits länger bestehenden chronischen Beschwerden würden Kälteanwendungen allerdings eher schaden. Denn die Kälte würde die Durchblutung und somit den Abtransport von Entzündungsstoffen hemmen. Auch Verspannungen nehmen unter dem Einwirken von Kälte zu, wodurch sich krampfartige Schmerzen tendenziell verschlimmern. Wärme löst dagegen nicht nur Verkrampfungen in der Muskulatur, sondern fördert auch die Durchblutung. Dadurch werden Stoffe, die die Entzündung befördern, besser aus dem Gewebe abtransportiert und die Entzündung gelindert. Bei chronischen Schmerzen und Verspannungen bringen deshalb eher wärmende Salben, Lotionen und Wickel eine Besserung.

Rückenschmerzen sind ein sehr spezieller Fall – denn diese sollten im akuten Fall immer nur warm und niemals kalt behandelt werden. Denn bei Rückenschmerzen ist immer auch die Rückenmuskulatur durch Verspannungen oder leichte Muskeleinrisse beteiligt. Diese gilt es zu entspannen, Schmerzen würden sich mit Kälteanwendungen dagegen verstärken.

Es gibt auch Heilmittel, die von sich aus kühlend oder wärmend wirken. Menthol und Kampfer vermitteln in Zubereitungen einen kühlenden Effekt. Dieser besteht letztlich aber nur aus einer oberflächlich betäubenden Wirkung und nicht einer tatsächlichen Kühlung. Anders ist dies bei wässrig-alkoholischen Lösungen und Gelen. Bei diesen Anwendungen führt die Verdunstungskälte tatsächlich zu einer kühlenden Wirkung. Die meisten ätherischen Öle, darunter vor allem jene von Nadelhölzern (Fichte, Wacholder, Tanne, Latschenkiefer, Zirbe), wirken dagegen durchblutungsfördernd und damit wärmend.

Gele selbst zubereiten: keine Hexerei!

Von Teemischungen über Tinkturen bis hin zu Salben kann man viele verschiedene Zubereitungen leicht selbst herstellen. Etwas anspruchsvoller und weniger bekannt ist die Methode, mit der man Gele macht. Doch reichen ein paar Kenntnisse und wenige Grundstoffe aus, sodass man auch dabei bald eine gewisse Übung bekommt.

Der Vorteil eines Gels liegt in der höheren Konzentrationsmöglichkeit der Applikation. Im Gel erhöht sich nämlich die Viskosität der zugrunde liegenden Flüssigkeit, wodurch die Applikation wesentlich vereinfacht wird und auch in höheren Mengen erfolgen kann. Zusätzlich wirkt ein Gel bereits an sich kühlend, wodurch Schwellungen leichter reduziert werden. Ein schmerzstillendes Gel eignet sich daher besonders bei Sportverletzungen, Prellungen und Verstauchungen, verschafft aber auch bei kurzfristigen Muskel- und Gelenkschmerzen Linderung.


Es gibt zahlreiche Grundstoffe, mit denen man ein Gel zubereiten kann. Ausgangsstoffe sind beispielsweise schmerz- und entzündungshemmende Tinkturen und wässrige Lösungen. Besonders geeignet sind Auszüge aus Arnika, Beinwell oder Wacholder. Dann bedarf es einer gelbildenden Struktur, die die Viskosität der vorhandenen Lösung erhöht. Hierzu eignen sich von Agar-Agar über Johannisbrotkernmehl bis hin zu Xanthan zahlreiche Substanzen, die man zum Teil sogar im Lebensmittelhandel bekommt. Allerdings sind diese organischen Substanzen anfällig für eine bakterielle Zersetzung, weshalb es unbedingt einer Zugabe von Alkohol oder eines Konservierungsmittels bedarf. Etwas moderner, weil haltbarer, sind Gele auf Basis von Carbomeren. Das Carbomer ist ein chemisch gewonnenes Produkt. Ursprünglich liegt dieses als sogenanntes saures Polymer vor, ähnlich einer langen Kette von kleinen Knäueln. Neutralisiert man diese durch Zugabe eines basischen Stoffes (z. B. Trometamol), entwirrt sich die Kettenstruktur, Wassermoleküle werden eingelagert und es entsteht ein Gel. Das Carbomergel hat den Vorteil, dass es sehr gut haltbar ist, keine Rückstände auf der Haut bleiben und es bis zu einem Alkoholgehalt von ca. 30 % sehr feste Gele erzeugt. Der Nachteil ist, dass man keine hochprozentigen Tinkturen weiterverarbeiten kann. Ein Grundrezept für ein Carbomergel findet sich auf S. 45. Carbopol und Trometamol sind in Apotheken oder im Onlinehandel erhältlich.

Grenzen der Selbstmedikation und Zutaten der Heilmittel

Die Anwendung von Heilpflanzen und der daraus hergestellten Produkte kann bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen sehr sinnvoll sein, sie sind allerdings keine Wundermittel. Heilpflanzen und Hausmittel eignen sich besonders bei Sportverletzungen, kurzfristigen Muskelverspannungen, leichten Rückenschmerzen oder zur unterstützenden Behandlung einer rheumatischen Erkrankung. Eine offene Verletzung, ein Bandscheibenvorfall oder starke Schmerzen sollten dagegen überhaupt nicht ohne vorherige ärztliche Abklärung behandelt werden.

Schmerzen sind immer Warnsignale. Sie sollten ernst genommen und rasch behandelt werden. Bestehen die Schmerzen länger als 3 Monate, verlieren sie ihre Funktion als Warnsignale und chronifizieren. Das heißt, es entstehen chronische Schmerzen, die viel schwerer therapierbar sind als akute Schmerzen. Eine Selbstmedikation sollte zudem nur dann erfolgen, wenn die Ursachen bekannt sind. Bei schweren Erkrankungen kann man sie als Ergänzung und Unterstützung einer herkömmlichen Therapie einsetzen, allerdings nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt. Jedes der folgenden Kapitel enthält Hinweise darauf, wann es notwendig ist, einen Arzt zu konsultieren, und wo die Grenzen der Selbstmedikation liegen.

Die für die Rezepte benötigten Kräuter und ätherischen Öle bekommt man in Apotheken. Die dort erhältlichen Pflanzen stammen aus kontrolliertem Anbau und bedrohen die einheimischen Bestände nicht. Selbst sammeln sollte sie nur, wer die botanischen Eigenschaften der benötigten Pflanzen kennt – Verwechslungen können, je nach Pflanzenart, gefährlich sein!

Muskelkater

EIN MUSKELKATER ENTSTEHT meist durch kleinste Muskelfaserrisse, die aus einer Überlastung der Muskulatur resultieren. Die Schmerzen treten nicht sofort, sondern meist 8 bis 24 Stunden nach der Überbelastung auf. Bei einem typischen Muskelkater verhärtet sich der Muskel und schmerzt bei Beanspruchung oder Druckausübung. Ein normaler Muskelkater heilt auch ohne Zutun folgenlos ab, trotzdem kann man das Abheilen beschleunigen und Symptome abmildern. Erleichterung kann bei den ersten Symptomen das Kühlen der betroffenen Muskulatur durch kalte Umschläge bringen. Auch das Hochlagern kann helfen. Während des Muskelkaters sollte man die Muskulatur jedenfalls schonen und nur wenig beanspruchen (Trainingspause).


Wann sollten Sie unbedingt zum Arzt?

•bei sich verschlimmernden oder länger als 1 Woche bestehenden Beschwerden

•bei unbekannter Ursache

•bei Muskelschmerzen im Zusammenhang mit einer Medikamenteneinnahme (z. B. Cholesterinsenker)


Quendelbad
Warum hilft ein Quendelbad bei Muskelkater?

Quendel enthält ein ätherisches Öl, das die Hautdurchblutung anregt und Krämpfe lindert.

Die ebenfalls enthaltene Rosmarinsäure beruhigt Entzündungen und Schmerzen. Deshalb regt Quendel – gemeinsam mit der Wärme des Badewassers – die Durchblutung in der Muskulatur an, beschleunigt die Regeneration und lindert die Schmerzen etwas.

Vorsicht!

Das Vollbad darf nicht zu heiß angewandt werden und sollte ca. 37 °C betragen. Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bei fiebrigen und akuten entzündlichen Schüben an Haut und Gelenken sollte man jedoch gänzlich auf warme Bäder verzichten.


Zeitaufwand:

30 Minuten

Zutaten:

•100 g Quendelkraut

•2 l Wasser

ZUBEREITUNG

Das Quendelkraut mit 2 l kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten leicht köcheln lassen. Anschließend abfiltrieren und die auf Körpertemperatur abgekühlte Lösung dem Badewasser hinzufügen.

TIPP

Alternativ zu Quendel kann auch das eng verwandte Thymiankraut verwendet werden.

TAGESDOSIERUNG

Bei Muskelkater und Muskelschmerzen 1-mal täglich 5 bis maximal 20 Minuten darin baden.

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