Kitabı oku: «Death of a Salesman von Arthur Miller»

Yazı tipi:

Arthur Miller

Death of a Salesman

Lektüreschlüssel XL

für Schülerinnen und Schüler

Von Rita Reinheimer-Wolf

Reclam

Dieser Lektüreschlüssel bezieht sich auf folgende Textausgaben:

Arthur Miller: Death of a Salesman. Certain Private Conversations in Two Acts and a Requiem. Hrsg. von Manfred und Gunda Pütz. Stuttgart, Reclam, 1984 [u. ö.]. (Reclams Universal-Bibliothek UB 9172.)

Arthur Miller: Death of a Salesman. Certain Private Conversations in Two Acts and a Requiem. Hrsg. von Herbert Geisen. Stuttgart, Reclam, 2019. (Reclam XL. Text und Kontext. XL 19963.)

E-Book-Ausgaben finden Sie auf unserer Website

unter www.reclam.de/e-book

Lektüreschlüssel XL | Nr. 15515

2020 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Made in Germany 2020

RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN 978-3-15-961695-7

ISBN der Buchausgabe 978-3-15-015515-8

www.reclam.de

Inhalt

  1. Schnelleinstieg

 2. InhaltsangabeAkt IAkt IIRequiem

 3. FigurenWilly LomanBiff LomanLinda LomanHappy LomanCharley und BernardHowardUncle Ben (Ben Loman)

 4. Form und literarische TechnikGattungAufbauSprache und Stil

 5. Quellen und KontexteDie griechische TragödieHistorischer und sozialer Einfluss

  6. Interpretationsansätze Willys und Lindas Ehe Selbsttäuschung, Lebenslüge und Fragen der Identität Natur versus Stadtleben Die Härte des modernen Berufslebens Erinnerung und Psychose Der American Dream Die Frauenfiguren in Death of a Salesman Familienorientierung versus soziale Verantwortung Geld als Dreh- und Angelpunkt Einsamkeit Liebe

  7. Autor und Zeit

 8. Rezeption8.1. Stimmen von Literatur- und Theaterkritiken8.2. Verfilmungen

 9. Prüfungsaufgaben mit LösungshinweisenAufgabe 1Aufgabe 2Aufgabe 3

 11. Literaturhinweise/MedienempfehlungenBezugstextBiografieInterpretationVerfilmung

  12. Zentrale Begriffe und Definitionen

  Vokabelannotationen

1. Schnelleinstieg



Autor Arthur Miller (1915–2005), US-amerikanischer Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger
Uraufführung 10. Februar 1949 am Broadway
Genre psychologisches Familiendrama
Ort der Handlung Haupthandlung: New York (Brooklyn) Rückblende: Boston
Zeit der Handlung späte 1940er Jahre: Akt I und II nehmen dabei insgesamt eine Zeitspanne von ca. 24 Stunden ein, während das Requiem an einem späteren Tag spielt; daneben gibt es Rückblenden in die Zeit vor der Großen Depression.
Zeitgeschichtlicher Hintergrund die Große Depression von 1929–41 (the Great Depression) der amerikanische Traum (the American Dream)
Themen Lebenslüge, Selbstzerstörung, enttäuschte Erwartungen, problematische Vater-Sohn-Beziehung, die Kehrseite des amerikanischen Traums
Verfilmungen (Auswahl) 1951, Regie: László Benedek 1985, Regie: Volker Schlöndorff 2000, Regie: Kirk Browning

Arthur Millers psychologisches Drama Death of a Salesman, bereits 1949 uraufgeführt, hat aufgrund seiner zeitlosen Aussage auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner eindringlichen Wirkung auf Theaterbesucherinnen und Theaterbesucher, Leserinnen und Leser verloren.

Das Theaterstück zeichnet sich besonders durch die Repräsentation der Gedanken und Gefühle der Hauptfigur Willy Loman aus, die das Scheitern ihres Scheitern des LebenstraumesLebenstraumes in einem schmerzhaften Prozess realisiert, mit inneren Spannungen hierauf reagiert und schließlich in einem Akt der Selbstzerstörung eine ganz individuelle und tragische Antwort für sich findet. Unabhängig vom Anlass des Scheiterns bzw. von der spezifischen Situation Willy Lomans kann seinen Gedanken und Gefühlen universelle Bedeutung beigemessen werden. In diesem Kontext spielen seine Erinnerungen und die Frage, wie sich diese auf seine gegenwärtige Gedankenwelt und seine Handlungen auswirken, eine entscheidende Rolle. Es stellt sich den Leserinnen und Lesern die Frage, inwieweit Erinnerungen grundsätzlich eine zuverlässige Basis für Reaktionen in der Gegenwart darstellen bzw. wie trügerisch Erinnerungen sein können.

Das Scheitern Willy Lomans hängt eng mit Gegebenheiten zusammen, die jeden Menschen betreffen können. Zu nennen sind hier die Schnelllebige BerufsweltSchnelllebigkeit der Berufswelt und die damit einhergehenden negativen Veränderungen des Arbeitslebens, die geringere Leistungsfähigkeit aufgrund des Alters und durch das Umfeld enttäuschte Erwartungen.

An das Scheitern der männlichen Hauptfigur ist das Thema des Psychologisches FamiliendramaFamiliendramas gekoppelt, in das die Ehefrau genauso stark wie die beiden Söhne Biff und Happy involviert sind. Es wird wohl kaum Leserinnen und Leser geben, die sich dem Schicksal der Familie Loman mit allen ihren Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen entziehen können. Das mag insbesondere an der gekonnten Darstellung des Vater-Sohn-Konfliktes liegen, die das Publikum in den Bann zieht und dazu anregt, Vergleiche mit der eigenen familiären Situation anzustellen.

Trotz dieser sehr starken psychologischen Komponente wird Death of a Salesman häufig vorrangig Sozialkritisches Theaterstückals sozialkritisches Theaterstück betrachtet, da ein allgemeines gesellschaftliches Problem verhandelt wird: Infolge der Wirtschaftskrise von 1929–41 war es Familien der middle class in den USA kaum möglich, den amerikanischen Traum vom materiellen Wohlstand zu verwirklichen, da trotz gesteigerter Leistung der finanzielle Erfolg ausblieb. Zugleich gelang es ihnen aber auch nicht, sich an einen niedrigeren Lebensstandard zu gewöhnen.

Allerdings transportiert Death of a Salesman keine offene politische Botschaft, Sozialkritik wird vielmehr indirekt durch Millers geschickte psychologische Darstellung geübt, zum einen insbesondere durch die Repräsentation von Willys Gedankenwelt und zum anderen durch die Interaktion der Figuren. Zentral ist hierbei das Motiv Schein versus Seinvon Schein versus Sein, d. h. das gesellschaftlich bedingte Vortäuschen besserer Lebensumstände. Und auch die damit zusammenhängende Oberflächlichkeit, die auf Äußerlichkeiten beschränkte Einschätzung von Mitmenschen, setzt Miller gekonnt in Szene. Auch diese gesellschaftskritischen Elemente verleihen Death of a Salesman eine überzeitliche Wirkung, denn heute, in Zeiten sozialer Medien, sind vermeintliche Beliebtheit und damit zusammenhängend die oberflächliche Inszenierung des eigenen Lebens als Erfolgsgeschichte von großer Bedeutung. Das kann sogar so weit gehen, dass diese Darstellung zum Ersatz für die Wirklichkeit wird bzw. die Scheinwelt mit der Wirklichkeit verwechselt wird.

Letztlich werden die Leserinnen und Leser durch die Beschäftigung mit Death of a Salesman mit folgenden ethischen Fragen konfrontiert: Welchen Der Wert eines MenschenWert hat ein Mensch? Erhöht sich der Wert eines Menschen, wenn er beruflich und materiell erfolgreicher als andere ist? Linda Loman, Willys Ehefrau, dient in diesem Zusammenhang als Sprachrohr des Autors, indem sie den Wert eines Menschen losgelöst von seinen beruflichen Leistungen sieht. Diese Haltung sollte das Publikum wachrütteln, denn es geht hier um ein klares Eintreten für die Wertschätzung von Mitmenschen und ein respektvolles Miteinander.

Eine Gesellschaft, die den Wert des Individuums auf seinen sozialen und wirtschaftlichen Erfolg reduziert, ist in den Augen Millers dafür verantwortlich, dass Willy seinen individual pursuit of happiness, sein persönliches Streben nach Glück nicht verwirklichen kann. Der gesellschaftliche Bedrohung von Autonomie und IntegritätDruck bedroht Willys Autonomie und Integrität, d. h. seine Fähigkeit, selbstbestimmt zu handeln und sich selbst treu zu bleiben. Damit geht ein Verlust seines Selbstwertgefühls einher, der zu Isolation und Einsamkeit zu führen droht. In dieser Situation ist die Existenz einer Familie allein – wie das Beispiel des Protagonisten zeigt – noch keine Gewähr dafür, dass das Individuum in seiner Notlage aufgefangen wird. Dennoch kommt der Familie eine ausschlaggebende Rolle zu, wenn es darum geht, eine menschliche Tragödie abzuwenden.

2. Inhaltsangabe
Akt I

UB 5–16 | XL 9–19: Willy Loman, ein alternder Handlungsreisender aus Brooklyn, kommt eines Montagabends sowohl physisch als auch mental erschöpft spät nach Hause. Seine Ehefrau Linda empfängt ihn beunruhigt, denn er sollte eigentlich beruflich für eine mehrtägige Reise unterwegs nach New England sein. Willy erzählt ihr, dass er Schwierigkeiten mit dem Autofahren hatte. Er konnte sich einfach nicht auf die Strecke konzentrieren. Linda schlägt vor, dass Willy sich zunächst einmal über Nacht zu Hause ausruht. Auch solle er bald seinen Chef darum bitten, nicht mehr im Außendienst tätig sein zu müssen, und nach einem Bürojob fragen.

Die beiden erwachsenen Söhne Biff und Happy sind gerade zu Besuch im elterlichen Haus. Sie schlafen aber bereits im gemeinsamen Zimmer, das sich im oberen Stockwerk des Hauses befindet. Der 34-jährige Biff ist gerade wieder von Zeitlich befristete Farmarbeiteneinem zeitlich befristeten Job auf einer Farm zurückgekehrt. Er lebt von solchen Aushilfstätigkeiten. Sein Vater Willy ist über die berufliche Situation seines Sohnes sowohl verärgert als auch besorgt. Er kann nicht nachvollziehen, warum ein junger Mensch so orientierungslos erscheint. Willy gerät ins Grübeln. Er erinnert sich an glücklichere Tage zurück, z. B. an eine Begebenheit, als der junge Biff, unglaublich beliebt bei seinen Freunden, den alten roten Chevrolet des Vaters polierte.

UB 16–26 | XL 19–30: Die beiden Söhne Biff und Happy werden von den lauten Selbstgesprächen ihres Vaters geweckt. Obwohl beide zunächst beunruhigt sind und sich um ihren Vater Sorgen machen, unterhalten sie sich bald wieder ausgelassen über ihre früheren Beziehungen zu diversen jungen Frauen.

Biff fühlt sich allerdings dennoch nicht ganz wohl in seiner Haut. Ihm macht es zu schaffen, dass er die Unerfüllte Erwartungen des VatersErwartungen seines Vaters nicht erfüllt. Ihm ist bewusst, dass er längst seinen beruflichen Weg gefunden haben und nicht als Farmaushilfe arbeiten sollte. Die Routine und der Konkurrenzkampf an seinen früheren Arbeitsplätzen als Mitarbeiter im Versand und Verkauf waren ihm jedoch zuwider. Die Arbeit auf der Ranch hingegen empfindet er als deutlich angenehmer, doch ist sie in finanzieller Hinsicht nicht befriedigend.

Happy hat seine eigene Wohnung, ein eigenes Auto und Erfolg bei Frauen. Jedoch sehnt auch er sich nach körperlicher Betätigung im Freien. Biff schwebt eine gemeinsame Ranch vor, aber Happy kann nur schwer auf das Prestige eines guten Einkommens verzichten. Biff geht davon aus, dass er von Bill Oliver, einem früheren Arbeitgeber, einen Kredit für den Kauf einer Ranch erhalten könnte. Allerdings hatte Biff an seinem Arbeitsplatz Basketbälle gestohlen, woraufhin er das Unternehmen verließ.

Als die beiden Söhne erneut die Stimme des Vaters aus dem Erdgeschoss hören, reagiert Biff sehr aufgebracht.

UB 26–32 | XL 30–35: In der Küche im Erdgeschoss des Hauses durchlebt Willy Loman in seiner Vorstellung Szenen aus der Vergangenheit: Er ist damit beschäftigt, einen imaginierten (und auf der Bühne unsichtbaren) jungen Biff dazu zu bewegen, bevor er sich auf eine feste Beziehung mit einer Frau einlässt, zunächst seine schulische Ausbildung zu beenden. Gleichzeitig gefällt es Willy aber auch, dass Biff so beliebt ist.

In der nächsten imaginierten Szene lobt Willy seine beiden Söhne für das gründliche Putzen seines Chevrolets. Die beiden Jungen treten nun, wie es in der Regieanweisung heißt, als High-School-Schüler auf die Bühne. Willy überrascht die beiden mit einem neuen Boxsack, den er als Geschenk von einer Geschäftsreise mitgebracht hat. Biff zeigt seinem Vater daraufhin einen neuen Gestohlener FootballFootball, den er aus einem Spind seiner Schule entwendet hat. Willy scheint nicht allzu verärgert, sondern eher stolz auf den Mut seines Sohnes. Er erzählt Biff und Happy von seinen Plänen, irgendwann seine eigene Firma zu besitzen, die größer sein wird als diejenige seines Nachbarn Charley, der ohnehin weniger beliebt sei. Ein wichtiges Footballspiel findet am kommenden Samstag statt und Biff verspricht, besondere Leistung zu bringen und seinen Vater nicht zu enttäuschen.

UB 32–34 | XL 35–37: Willys Flashback setzt sich fort. Nun erscheint der junge Bernard, der Sohn des Nachbarn Charley. Er warnt Biff davor, durch die Mathematikprüfung zu fallen. Sollte er eine zu schlechte Note erzielen, würde er keinen Schulabschluss bekommen und nicht zum Studium zugelassen werden. Willy verspottet den fleißigen Bernard als blutarmen Brillenträger.

Obwohl Willy seinem Sohn dann doch rät, mit Bernard für die Prüfung zu lernen, scheint er nicht wirklich beunruhigt. Er behauptet, dass Bernard vielleicht bessere Noten erreichen könne, Biff aber für seine sportlichen Leistungen Stipendien erhalten werde. Sein Sohn, so ist er sich sicher, werde ebenso wie er selbst in New England erfolgreich sein, da die Lomans eine gute Erscheinung abgäben und Beliebtheitbeliebt seien.

UB 34–41 | XL 37–44: Willys Flashback dauert an. Nun gesellt sich die junge Linda zu ihm und den Jungen. Sie ist mit der Wäsche beschäftigt. Willy und Linda fordern ihre Söhne auf, die Wäsche auf die Leine zu hängen. Anschließend prahlt Willy Linda gegenüber mit seinen angeblich sehr erfolgreichen Verkaufsabschlüssen, muss schließlich jedoch zugeben, dass die Provision siebzig Dollar nicht übersteigen wird. Die zu leistenden Ratenzahlungen für diverse Haushaltsgeräte der Familie und die Kosten für eine Reparatur belaufen sich allerdings auf weit über hundert Dollar. Diese finanziell schwierige Lage verunsichert Willy, woraufhin Linda seine Sorgen auf einfühlsame Weise beschwichtigt und ihm schmeichelt.

Diese Situation mit seiner Ehefrau ruft bei Willy Erinnerungen an eine Frau in Boston wach, die er auf seinen Dienstreisen kennengelernt und mit der er ein Affäre in BostonVerhältnis hatte. Er schenkte ihr damals Nylonstrümpfe und sie versprach im Gegenzug, ihn zukünftig direkt zu den Einkäufern durchzustellen.

UB 41–42 | XL 44–45: Bernard erscheint nochmals, um auf Biffs mögliches Schulversagen hinzuweisen. Außerdem informiert er Willy darüber, dass Biff ohne Führerschein Auto fährt. Einerseits lehnt Willy angepasste und stets um Korrektheit bemühte Charaktere wie Bernard ab, andererseits fällt es ihm schwer, Biffs Verhalten zu verstehen, denn er habe ihn doch zu Anständigkeit erzogen.

UB 43–49 | XL 45–52: Zurück in der Gegenwart, geht Happy zu seinem Vater in die Küche hinunter, um ihn zum Schlafengehen zu bewegen. Willy geht darauf nicht ein. Stattdessen beklagt er sich darüber, nicht mit seinem erfolgreichen und abenteuerlustigen Bruder Ben vor Jahren nach Alaska gegangen zu sein.

Danach wird Willy von seinem mitfühlenden Nachbarn Ben und Charley als Willys FreundeCharley besucht. Die beiden spielen zusammen Karten. Charley bietet Willy an, ihm einen Job in seinem Unternehmen zu besorgen, was Willy stolz ablehnt.

Dann erscheint in Willys Wahrnehmung sein kürzlich verstorbener Bruder Ben. Willy spricht abwechselnd mit dieser Erscheinung und dem durch dieses Verhalten zunehmend verwirrten Charley. Als Willy Charley wie schon öfter beleidigt, verlässt dieser das Haus.

UB 49–55 | XL 52–58: Nun ist Willy wieder alleine und erlebt in seiner Fantasie noch einmal einen Besuch von Ben in Brooklyn. Ben erzählt, wie ihr Vater die Willys FamilieFamilie verließ und er selbst – als Willy noch ein Baby war – nach Afrika zog. Er erklärt seinem jüngeren Bruder, ihr Vater sei ein mutiger und abenteuerlustiger Mensch gewesen, der umherreiste und handgemachte Flöten verkaufte. Beim Weggehen erzählt Ben Willy, wie schnell er es selbst zu einem Vermögen gebracht habe, und versichert ihm, dass Willy seine Söhne Biff und Happy gut erzieht.

UB 55–65 | XL 58–68: Willys Flashback endet. Er verlässt das Haus in Hausschuhen.

Die beiden Söhne finden sich im Erdgeschoss bei ihrer Mutter ein. Sie ist der Meinung, Willy ginge es schlechter, wenn Biff zu Hause sei, da Vater und Sohn nicht freundlich miteinander umgehen können. Biff gelobt daraufhin, sich zu bessern. Insgesamt spricht Linda voller Liebe von ihrem Ehemann: Er möge alt und erschöpft sein, verdiene aber dennoch Respekt.

Obwohl Willy schon sehr lange für seine Firma arbeitet, wird er nur noch auf Provision bezahlt, also abhängig von seinem Verkaufserfolg. Dies zwingt ihn dazu, sich heimlich von Charley Geld zu leihen, wovon Linda allerdings weiß. Linda erwähnt ihren Söhnen gegenüber auch, dass Willy wohl plant, sich das Leben zu nehmen. So habe er Selbstmordgedankeneinen Gummischlauch versteckt, um damit tödliches Gas einatmen zu können. Als die Söhne dies hören, sind sie schockiert. Biff beschließt, sich beruflich unter Beweis zu stellen, vertritt aber immer noch die Meinung, dass es den drei Loman-Männern besser ginge, wenn sie als Bauarbeiter oder Zimmermänner im Freien arbeiten würden.

UB 66–70 | XL 68–73: Willy kommt zurück ins Haus und bekommt mit, dass Biff die Meinung äußert, sie sollten alle besser ein Handwerk unter freiem Himmel ausüben. Er reagiert hierauf wütend.

Als er dann von Biffs Plan erfährt, sich von Bill Möglicher Kredit von OliverOliver, seinem früheren Arbeitgeber, Geld zu leihen, reagiert er mal mit Ablehnung, mal mit Interesse. Happy meint, dass Biff und er als Brüder-Team Sportartikel verkaufen könnten. In seiner Aufregung verhält sich Willy Linda gegenüber unfreundlich, was Biff erzürnt. Er schreit seinen Vater an. Dennoch nimmt er sich vor, noch ein freundliches, beruhigendes Wort mit seinem Vater zu wechseln, bevor er selbst zu Bett geht. Bei Biff stellt sich plötzlich eine große Zuversicht in Hinblick auf die Zukunft ein.

UB 70–74 | XL 73–77: Willy macht sich nun bettfertig und zeigt sich, was Biffs Pläne anbelangt, hoffnungsvoll. Beide Söhne erscheinen im elterlichen Schlafzimmer, um ihrem Vater eine gute Nacht zu wünschen. Und wieder gibt Willy seinem Sohn Biff zweifelhafte Ratschläge. Er denkt an Biffs größten Erfolg zurück, nämlich an den Moment, als seine Fans ihm bei einem Footballspiel zujubelten.

Willy verspricht Linda, seinen Vorgesetzten Howard am nächsten Morgen um einen Arbeitsplatz im Innendienst im New Yorker Büro zu bitten. In der Zwischenzeit findet Biff hinter dem Boiler im Erdgeschoss den Gummischlauch und nimmt ihn an sich.

Akt II

UB 75–80 | XL 78–83: Am nächsten Morgen frühstückt Willy mit Linda. Er scheint nun erholt und voller Hoffnung. Linda bittet ihn, Howard auch nach einem Vorschuss von zweihundert Dollar zu fragen. Mit diesem Vorschuss könnten sie die restlichen Raten für ihr Haus abbezahlen und es wäre nach fünfundzwanzig Jahren endlich in ihrem Besitz.

Sie teilt Willy auch mit, dass seine Söhne ihn an diesem Einladung zum AbendessenAbend zum Essen eingeladen haben. So verlässt Willy guten Mutes das Haus.

UB 80–90 | XL 84–93: Im Büro ignoriert Howard Willy allerdings zunächst und ist stattdessen damit beschäftigt, mit einem teuren neuen Aufnahmegerät herumzuspielen. Willy erinnert Howard an ein Versprechen, ihm einen Job in der Stadt zu verschaffen, das dieser ihm anscheinend auf einer Weihnachtsfeier gab, und fordert ein Gehalt von fünfundsechzig oder siebzig Dollar pro Woche.

Diese Bitte wird von Howard kalt zurückgewiesen. Willy spricht unbeirrt von der guten alten Zeit, in der Howards Vater ihm eine Beförderung versprach. Howard verlässt ungeduldig den Raum, kehrt zurück und Howard entlässt Willyentlässt Willy, obwohl dieser verspricht, sofort wieder seine Arbeit im Außendienst in Boston aufzunehmen.

UB 90–93 | XL 93–96: Vor Willys geistigem Auge taucht erneut sein Bruder Ben auf, und Willy fragt ihn, wie er zu seinem Erfolg kam. Willy erinnert sich dann an einen Besuch seines Bruders, in dessen Verlauf dieser vorschlug, Willy solle mit ihm nach Alaska kommen. Daraufhin erscheint eine junge Linda, die zu bedenken gibt, dass Willy durch seine Verkäufe genug Geld verdient, um glücklich zu sein. Er müsse New York also nicht verlassen. Ben zeigt sich skeptisch, aber Willy weist auf den jungen Biff hin, der ein erfolgreicher Footballspieler ist und sogar Angebote für Stipendien erhält. Beliebtheit und Kontakte sind für Willy die Schlüssel zum Erfolg.

UB 93–96 | XL 96–100: Es folgt ein weiterer Flashback. Es ist der Tag von Biffs großem Footballspiel. Bernard und Happy streiten darum, wer Biffs Helm tragen darf, um mit in die Mannschaftskabine kommen zu dürfen. Alle sind sehr aufgeregt. Falls Biff gewinnen sollte, wäre er der Kapitän des besten New Yorker Schulteams.

UB 96–102 | XL 100–106: Zurück in der Gegenwart, macht sich Willy auf den Weg zu Charleys Büro. Im Wartebereich vor dem Büro trifft er Bernard, der mittlerweile erfolgreich als Bernard als erfolgreicher AnwaltAnwalt tätig ist. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Zunächst versucht Willy zu bluffen und Bernard vorzutäuschen, dass Biff beruflich sehr erfolgreich sei. Schließlich fragt Willy Bernard jedoch, weshalb Biff, nachdem er die Mathematikprüfung nicht bestanden hatte, den Mut verloren und seine zweite Chance, den Schulabschluss zu bekommen, nicht wahrgenommen habe. Bernard erwidert vorsichtig, dass Biffs Zusammenbruch nicht unmittelbar nach dem schulischen Misserfolg eintrat, sondern nach einem Besuch bei Willy, der sich damals beruflich in Boston aufhielt. Willy reagiert sehr wütend, als Bernard sich erkundigt, was in Boston vorgefallen sei, und somit davon auszugehen scheint, dass Willy selbst für Biffs Zusammenbruch verantwortlich ist.

UB 102–105 | XL 106–109: Nun kommt Charley hinzu. Er bietet Willy noch einmal Arbeit an, erntet jedoch nur wütende Ablehnung von ihm. Charley fordert, Willy solle erwachsen werden und damit aufhören, ständig über Beliebtheit nachzudenken.

Charley leiht Willy die von ihm benötigte Summe Geld, gleichzeitig beschuldigt er ihn, neidisch zu sein. Nur deshalb könne Willy den ihm angebotenen Job nicht annehmen. Willy denkt an seine Lebensversicherung und kommt zu der Einschätzung, er sei Lebensversicherungtot mehr wert als lebend.

UB 105–113 | XL 109–117: Im Im RestaurantRestaurant wartet Happy auf Biff und Willy. Er nähert sich einer jungen Frau, Miss Forsythe, vor der er über sich selbst und seinen Bruder prahlt. Als Biff im Restaurant ankommt, geht die junge Frau weg, um eine andere Verabredung abzusagen und eine Freundin als Gesellschaft für Biff zu holen. Biff ist sehr verärgert. Nachdem er sehr lange auf Bill Oliver warten musste, hatte dieser ihn noch nicht einmal wiedererkannt. Er berichtet, wie er in einem unüberlegten Moment Bill Olivers wertvollen Füllfederhalter stahl und das Büro fluchtartig verließ. Biff nimmt sich vor, seinem Vater Willy zu sagen, dass er nicht das Zeug zu einem vertrauenswürdigen Geschäftsmann hat. Happy warnt ihn jedoch davor, die Hoffnungen des Vaters zu enttäuschen.

UB 113–117 | XL 117–121: Willy erscheint nun auch im Restaurant. Biff, der bereits leicht angetrunken ist, versucht, Willy sein Scheitern bei Bill Oliver mitzuteilen.

Es kommt nicht dazu, da Willy seinen Söhnen erzählt, dass er entlassen wurde, was die beiden jungen Männer schockiert. Willy geht umso dringlicher davon Verfehlte Kommunikationaus, dass Bill Oliver seinen Sohn Biff willkommen geheißen hat. Während Happy diese falsche Annahme noch stützt, schwankt Biff zwischen zwei Zuständen: Zum einen versucht er, Willy bei Laune zu halten, zum anderen möchte er ihm die unerfreuliche Wahrheit mitteilen. Schließlich wird Willy ungeduldig und wütend, so dass Biff es aufgibt, ihm von dem Misserfolg zu berichten.

UB 117–124 | XL 121–128: Während Biff redet, imaginiert der zerstreute Willy eine weitere Situation aus der Vergangenheit. Er hört den jungen Bernard zu Linda sagen, dass Biff durch die Mathematikprüfung gefallen und dann nach Boston gefahren sei, um seinen Vater dort aufzusuchen. Biff, den die Äußerungen des Vaters über sein früheres Versagen im Mathematikunterricht verwirren, versucht, Willy von dem gestohlenen Stift zu erzählen.

Doch Willy ist gedanklich wieder in die Vergangenheit, nach Boston, abgedriftet. Er befindet sich auf einer Dienstreise und hat in einem Hotel eingecheckt. Eine Person versucht ihn dort zu erreichen, was Willy unbedingt zu verhindern sucht.

Schließlich erscheinen die beiden jungen Frauen wieder im Restaurant. Willy geht zur Herrentoilette des Restaurants. Biff, der außerstande ist, sich weiterhin mit seinem psychisch angegriffenen Vater auseinanderzusetzen, Willy allein im Restaurantverlässt das Lokal. Obwohl Biff seinen Bruder zuvor anflehte, zu bleiben und ihrem Vater zu helfen, verlässt auch Happy in Begleitung der beiden jungen Frauen das Restaurant.

UB 124–131 | XL 128–135: In einem Flashback erlebt Willy, wie es an die Tür des Hotelzimmers klopft, in das er in Boston mit einer Frau, Miss Francis, eingecheckt hat. Als das Klopfen nicht aufhört, bittet er schließlich Miss Francis, im Badezimmer zu warten, und öffnet die Tür: Vor ihm steht Biff. Der Junge ist nach Biffs Besuch in BostonBoston gekommen, um seinen schulischen Misserfolg zu beichten und seinen Vater zu bitten, mit seinem Lehrer zu sprechen. Als die weibliche Begleitung aus dem Bad in das Hotelzimmer tritt, ist Biff schockiert. Willy sucht nach einer plausiblen Erklärung für die Situation, die ihm sein Sohn jedoch nicht glaubt. Die Frau verlässt unter Protest das Zimmer. Biff weint und Willy versucht verzweifelt, seinem Sohn zu erklären, dass er einfach nur einsam gewesen sei und die Frau ihm nichts bedeute. Biff schimpft ihn jedoch einen Lügner und macht deutlich, dass er nicht zur Universität gehen wird.

Zurück in der Gegenwart, teilt der Kellner Willy mit, dass seine Söhne das Lokal verlassen haben. Willy geht ebenfalls und will Saatgut für seinen Garten kaufen.

UB 131–134 | XL 135–138: Als Biff und Happy zu Hause mit Blumen eintreffen, um sich für ihr Verhalten zu entschuldigen und Frieden zu schließen, erwartet sie eine verärgerte Linda. Sie verurteilt ihre Söhne dafür, dass sie ihren Vater allein im Restaurant zurückgelassen haben, und fordert die beiden auf, ihre Sachen zu packen und das Haus zu Linda wirft Biff und Happy rausverlassen. Happy versucht, die Situation mit Lügen zu beschönigen. Biff zeigt sich reumütig und zerknirscht. Er bittet darum, seinen Vater noch einmal zu sehen, bevor er geht. Willy ist jedoch nicht im Haus; er sät Gemüse an – mitten in der Nacht.

UB 134–137 | XL 138–141: Während Willy mit dem Säen von Karotten, Rote Beete und Kopfsalat beschäftigt ist, erscheint ihm Ben als Vision und er bittet ihn um Rat: Soll er sich das Leben nehmen, damit seine Familie zwanzigtausend Dollar aus seiner Gespräch mit Ben wegen LebensversicherungLebensversicherung erhält? Ben erklärt, dass es sich tatsächlich um eine beträchtliche Summe Geld handelt. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Auszahlung bei Selbstmord nicht unbedingt gewährt wird und Willy als ein Feigling gelten könnte. Willy ist andererseits überzeugt, dass Biff beeindruckt wäre, wenn zahlreiche Gäste aus entfernten Staaten zu Willys Beerdigung anreisen würden.

UB 137–144 | XL 141–148: Biffs turbulenter Abschied von WillyBiff geht zu seinem Vater in den Garten, um ihm zu sagen, dass er für immer weggeht. Willy verweigert ein Händeschütteln zum Abschied. Er hält Biff vor, aus trotziger Boshaftigkeit zu handeln. Biff ist verletzt und findet, es sei nun Zeit offen zu reden. Er konfrontiert Willy mit dem Gummischlauch, den dieser noch nie gesehen haben will. Während Linda und Happy hilflos zuschauen, erklärt Biff außerdem, er sei in Kansas City wegen Diebstahls im Gefängnis gewesen. Er habe häufig gestohlen, da ihn sein Vater glauben ließ, er müsse ganz schnell aufsteigen und wichtig sein. Er werde nun in den Westen zurückkehren, um der Arbeit, die ihm Spaß macht, nachzugehen. Sowohl er selbst als auch Willy sollten sich darüber klar werden, dass sie keine Führungspersönlichkeiten seien. Willy reagiert hierauf wütend und ablehnend, während Biff schluchzend zusammenbricht. Er hat nur einen Wunsch an seinen Vater: Dieser soll endlich seine unerfüllbaren Träume aufgeben.

UB 144–147 | XL 148–152: Erneut taucht die Vision von Ben auf und Willy denkt wieder an die zwanzigtausend Dollar seiner Lebensversicherung.

Happy erklärt seinen Eltern, dass er bald heiraten und sein Leben zum Positiven verändern werde. Nachdem Linda ins Haus gegangen ist, spricht Willy mit Ben über die Erfolge, die Biff mit dem Geld der Lebensversicherung erzielen könnte.

Willy denkt noch einmal an Biffs Footballruhm zurück. Als der imaginierte Ben verschwindet und sich Willy von fremden Gesichtern, Geräuschen und Stimmen umgeben glaubt, gerät er in Panik und rennt davon. Kurze Zeit später sind Willys SuizidMotorengeräusche zu hören. Willy ist mit dem Auto davongefahren, um sich das Leben zu nehmen.

Requiem

UB 148–151 | XL 153–155: An Willys BeerdigungWillys Grab haben sich nur Linda, ihre Söhne, Charley und Bernard eingefunden. Linda bedauert sehr, dass sonst niemand zur Beerdigung gekommen ist. Sie kann Willys Selbstmord nicht verstehen, da sie nun endlich fast schuldenfrei waren und nur noch kleine Ansprüche hatten.

Biff erinnert sich traurig an die guten alten Zeiten, in denen sie alle zusammen Dinge im Haus reparierten, und stellt fest, dass Willys Willys falsche TräumeTräume die falschen waren. Charley verteidigt Willy als leidenschaftlichen Handelsvertreter, dessen berufliches Scheitern nur allzu nachvollziehbar zu großer Verzweiflung führte. Biff fragt Happy, warum er nicht mit ihm komme, um einer einfachen Arbeit unter freiem Himmel nachzugehen. Doch Happy hat sich vorgenommen, Willys Träume in der Stadt zu verwirklichen. Linda entschuldigt sich bei Willy dafür, dass sie vor lauter Unverständnis für seinen Suizid nicht weinen kann. Danach verlässt sie mit Biff und der übrigen kleinen Trauergemeinde schluchzend das Grab.

3. Figuren
Willy Loman


Abb. 1: Figurencharakterisierung von Willy Loman

Die Hauptfigur Willy Loman ist weit über 60 Jahre alt und hat seit drei Jahrzehnten für dieselbe Firma als Handelsvertreter gearbeitet. Er ist mit Linda verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne, Biff und Happy. Bereits der Titel des Theaterstücks weist darauf hin, dass der Protagonist im Verlauf der Handlung sterben wird.

Die Leserinnen und Leser werden mit zwei Versionen des Protagonisten konfrontiert: Zum einen erleben sie den ausgebrannten, alternden Willy der Gegenwart, und zum anderen lernen sie den in seinen Ausgebranntsein und FlashbacksFlashbacks erscheinenden jüngeren Willy kennen, einen treusorgenden sowie leicht zu begeisternden und optimistischen Familienvater. Die beiden Facetten ein und derselben Person liegen nicht so weit auseinander, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte.

In der Gegenwart ist Willy schnell für neue Pläne zu begeistern, ein Charakterzug, den er auch bereits als junger Mensch zeigte. Allerdings ist Willy in jungen Jahren wie auch im Alter außerstande, seine schnell gefassten Unfähigkeit, Pläne zu realisierenPläne zu realisieren. Diese Eigenschaften stellen die Konstanten seiner Persönlichkeit dar. Es wäre weit gefehlt anzunehmen, dass Willy Lomans Probleme lediglich darauf zurückzuführen sind, dass er zum Zeitpunkt der Handlung stark gealtert ist – er leidet vielmehr seelisch. Woher rührt seine psychische Angegriffenheit, aus der sein Suizid resultiert?

Der Protagonist sieht sich mit seinem zweifachen Scheitern konfrontiert: Weder hat er es geschafft, seinen geliebten Sohn Biff erfolgreich ins Leben zu lancieren, noch ist er in der Lage, den Anforderungen seines Berufs gerecht zu werden. In seiner Frustration gelingt es ihm zudem nicht, die Loyalität seiner Ehefrau und seines jüngeren Sohnes Happy zu erkennen und wertzuschätzen, was ihm in seiner persönlichen Krise durchaus hätte helfen können.

Weiterhin verletzt es seinen Willys verletzter StolzStolz, dass er Linda und sich selbst nur mit dem geliehenen Geld des Nachbarn materiell über Wasser halten kann. Er erkennt zwar teilweise sein Scheitern, gelangt jedoch bis zu seinem Tod nicht zu der entscheidenden Erkenntnis, dass er von Anfang an die falschen Träume verfolgt hatte. Materieller Wohlstand und Beliebtheit sind für ihn die erstrebenswertesten Lebensziele. Dabei versäumt er es, die eigenen Grenzen und die seines Sohnes realistisch einzuschätzen. Dieses Unvermögen mögen die Leserinnen und Leser ihm vielleicht nicht übelnehmen; sein Hang hingegen, Biffs kleinere Diebstähle herunterzuspielen und dessen schulisches Versagen als nebensächlich darzustellen, machen ihn dagegen durchaus angreifbar. In einem negativen Licht erscheint er auch aufgrund seiner Affäre, die von tiefster Unehrlichkeit gegenüber seiner loyalen Ehefrau Linda zeugt. Negativ zu bewerten ist auch sein Unwille, Ratschläge von Charley oder Bernard anzunehmen.

Sein Selbstmord als letzte MöglichkeitSelbstmord stellt für Willy die einzige Möglichkeit dar, den amerikanischen Traum von materiellem Wohlstand zumindest für den geliebten Sohn Biff doch noch zu realisieren. Die Aussicht auf einen potenziellen Erfolg des Sohnes macht er zu seiner eigenen Erfolgsaussicht. Willy bringt mit seinem Selbstmord das denkbar größte Opfer, um den Wohlstand seines Sohnes zu sichern. So erscheint Willy Loman insgesamt als eine in der Gestaltung ihres Lebens eingeschränkte, aber letztlich doch durchaus liebenswerte und gleichzeitig tragische Figur, die einen langen Kampf mit sich selbst und der von ihr entfremdeten Umgebung auszutragen hat.

Biff Loman


Abb. 2: Figurencharakterisierung von Biff Loman

Biff ist mit seinen 34 Jahren Willys ältester Sohn. Er geht ständig wechselnden Tätigkeiten als Arbeiter auf Farmen im Westen des Landes nach. Zum Zeitpunkt der Handlung ist er für kurze Zeit zu Besuch in das Elternhaus zurückgekehrt.

Ähnlich wie Willy zeigt sich der junge Mann launisch und seelisch sehr verletzbar; ihn belasten sowohl die Spannungen innerhalb der Familie als auch seine ungewisse berufliche Zukunft. Obgleich er längst erwachsen ist, hat er seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Er irrt nicht nur physisch von Ranch zu Ranch, sondern befindet sich auch psychisch auf der Suche, nämlich nach dem Suche nach Sinn des LebensSinn seines Lebens.

Die Leserinnen und Leser lernen durch Willys Flashbacks auch den jüngeren Biff kennen. Als Starathlet seiner High School kann er einer glorreichen Zukunft entgegenblicken: Er hat viele Fans und verzeichnet Erfolge bei Frauen.

Der Bruch in seiner Biografie ist offensichtlich und es stellt sich die Frage, worauf dieser zurückzuführen ist.

Biff scheint sich seelisch nie ganz von einem Traumatisches Erlebnisnegativen Schlüsselerlebnis mit seinem Vater in seiner Jugend erholt zu haben. Es wurde von dem Jungen als so schwerwiegend empfunden, dass es ihn auch langfristig emotional aus dem Gleichgewicht brachte: Nachdem Biff durch die Mathematikprüfung gefallen war, reiste er nach Boston zu seinem Vater, um ihm sein Herz auszuschütten und ihn um Hilfe zu bitten. Als er dabei seinen Vater mit einer Geliebten in einem Hotel ertappt, ist er schockiert, ja traumatisiert. Er kann fortan nicht mehr zu seinem Vater als Vorbild hochschauen und will auch dessen Erwartungen nicht mehr erfüllen. Für Biff geht eine Welt unter; er weigert sich, die von ihm erwartete Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Gleichzeitig entwickelt er eine Neigung, immer wieder Dinge zu stehlen, was sich negativ auf seine berufliche Laufbahn auswirkt.

Allerdings hält sich Biff auch bereits vor diesem traumatisierenden Erlebnis nicht immer an die Regeln; er fährt beispielsweise ohne Führerschein Auto, was Willy toleriert.

Nach dem desaströsen Vorfall im Büro von Bill Mehr Reife nach Gespräch mit OliverOliver, bei dem Biff einen Füllfederhalter stiehlt, zeigt er sich erwachsener und reifer. Er nimmt sich vor, nicht länger den Lebenslügen seiner Familie nachzuhängen. Er beschließt, endlich eine realistischere, seinen Fähigkeiten entsprechende Lebensplanung zu verfolgen. Biff zeigt an dieser Stelle einen starken Willen. Was die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis angeht, so ist er seinem Vater – und auch seinem Bruder Happy – um Längen voraus: Er weiß, dass er sich impulsiv und wenig vorausblickend verhalten hat. Weiterhin ist Biff klar geworden, dass sein Vater ein Leben lang die falschen Träume verfolgt hatte, was ihm nun zum Verhängnis wird.

Es ist spannend, zu überlegen, wie Biffs Leben wohl nach dem Tod des Vaters verlaufen wird, besonders da er aufgrund der dramatischen Erlebnisse weiter gereift ist. Es ist somit nicht ausgeschlossen, dass er schließlich noch zu einem selbsterfüllten und glücklichen Leben finden wird, zumal er die charakterlichen Qualitäten dazu hat.

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