Kitabı oku: «Die vier Ebenen des Glücks»

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Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar
Textgrundlage dieses eBooks ist die gedruckte Version des gleichnamigen Titels.
ISBN 978-3-931274-55-9
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
Copyright eBook: © Jhana Verlag, Uttenbühl 2015
© der deutschsprachigen Ausgabe by Jhana Verlag,
Uttenbühl 1997
Alle Rechte vorbehalten.
Das Werk darf, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden. Dies gilt auch für die Vervielfältigung, Übersetzungen, Microverfilmungen und für die Verarbeitung mit elektronischen Systemen.
Korrektorat: Bärbel Wildgruber
Cover, Layout und Satz: Claudia Wildgruber
Druck: Druckerei Steinmeier GmbH & Co. KG, Deiningen
Dieses Buch ist allen Menschen gewidmet, die Glück und Frieden nicht in der Welt, sondern in ihren eigenen Herzen suchen.
Inhalt
Vorwort
I. Die erste Ebene des Glücks
Die Welt der Sinne
Erklärung der Kontemplation
Kontemplation über die Sinneskontakte
II. Die zweite Ebene des Glücks
Reinheit des Herzens
Liebende-Güte-Kontemplation
Liebende-Güte-Meditation
III. Die zweite Ebene des Glücks
Mit anderen fühlen
Kontemplation über Mitgefühl
Liebende-Güte-Meditation
IV. Die zweite Ebene des Glücks
Freude verschenken
Liebende-Güte-Meditation
V. Die zweite Ebene des Glücks
Wir gehören zusammen
Kontemplation über das Erdelement
VI. Die dritte Ebene des Glücks
Ein Heim für den Geist
VII. Die dritte Ebene des Glücks
Wunschlos glücklich
VIII. Die dritte Ebene des Glücks
Erlebbare Unendlichkeit
IX. Die dritte Ebene des Glücks
Neuland
X. Die vierte Ebene des Glücks
Anders denken – anders sein
Kontemplation über die Vergänglichkeit
XI. Die vierte Ebene des Glücks
Die Welt sehen, wie sie wirklich ist
Liebende-Güte-Meditation
Glossar
Danksagung
Vorwort
Es ist bestimmt nichts Neues, dass wir alle glücklich sein wollen. Dass wir uns alle darum bemühen, ist gleichfalls altbekannt. Der genaue Plan, den der Buddha hinterlassen hat, wie man das am besten machen und sicher mit Erfolg rechnen kann, ist hier in diesem Buch beschrieben.
Natürlich handelt es sich dabei um neue Wege, neues Denken, neue Methoden, denn, wenn das Altbekannte funktioniert hätte, wären wir ja alle schon permanent glücklich.
Der Buddha hat diesen genauen Plan „die vier Ebenen des Glücks“ genannt und im Detail erklärt, wie jede der Ebenen aufgebaut ist, was unsere Bemühungen sein sollten, und welche Tiefe des Glücks wir auf jeder Ebene erwarten können.
Dieses Buch enthält nicht nur die 2.500 Jahre alten Erklärungen des Buddha, sondern ist gleichzeitig ein aktuelles Arbeitsbuch, demzufolge wir die Methoden ausprobieren und verinnerlichen können.
Möge es recht vielen Menschen Freude bereiten und den Weg zu dauerhaftem Glück bahnen.
Ayya Khema
Januar 1997
Buddha-Haus im Allgäu
I
Die erste Ebene des Glücks
Die Welt der Sinne
Die vier Ebenen des Glücks, die der Buddha erläutert hat, sind für uns alle von größtem Interesse, denn wir sind alle auf der Suche nach Glück. Daher wird es uns behilflich sein, wenn wir erkennen und auch in uns erleben, welche Ebenen des Glücks es gibt und welche wir schon benutzt haben. Im Prinzip benutzt die ganze Menschheit die unterste, gröbste Ebene. Der Buddha hat sie zwar auch eine Ebene des Glücks genannt, sodass es nicht bedeuten soll, dass sie nicht existiert oder nicht existieren darf. Diese unterste Ebene des Glücks sind die Sinnesbefriedigungen. Wenn wir dies bei uns selbst noch nicht erkannt haben, so haben wir durch Meditation und Kontemplation Gelegenheit, Einsicht in sie zu erlangen. Sollte die Erfahrung durch Selbsterkenntnis nicht funktionieren, brauchen wir nur einmal zu beobachten, womit zum Beispiel Vögel beschäftigt sind. Als nächsten Schritt schauen wir, ob das nicht dem sehr ähnlich ist, was wir auch machen.
Was haben wir für Sinne? In der buddhistischen Lehre ist das Denken der sechste Sinn. Wir haben also Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Berühren und Denken. Die Menschheit hat, mit wenigen Ausnahmen, nichts anderes im Sinn, als diese sechs Berührungskontakte angenehm zu gestalten. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht angenehm sein sollen. Es bedeutet ganz einfach, dass die meisten Menschen auf dieser Ebene steckenbleiben. Es wird auch das erste Hindernis genannt. Wir haben fünf Hindernisse1). Das erste heißt die Begierde nach Sinnesbefriedigung. Es ist darum ein Hindernis, weil es keine endgültige Befriedigung auf dieser Ebene gibt. Das ist in dem folgenden Vers ganz wunderbar ausgedrückt:
„Wonach du sehnlich ausgeschaut,
Es wurde dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
Jetzt hab ich endlich Frieden!
Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
Bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
Kriegt augenblicklich Junge.“
Wilhelm Busch
Absolute Wahrheiten dagegen bleiben immer dieselben.
Das ist alles schön und gut, hilft uns aber nur, wenn wir es an uns selbst bemerken. Das heißt natürlich nicht, dass wir dann die Suche nach Sinnesbefriedigung auch sofort aufgeben können. Aber endlich wissen wir, was wir eigentlich tun und womit wir unsere Zeit verschwenden. Es ist eine Zeit- und Energievergeudung, nach den Annehmlichkeiten zu suchen, die natürlich überall, vor allen Dingen in einer Wohlstandsgesellschaft wie unserer, käuflich zu erwerben sind. Keiner glaubt, dass man sich das Glück kaufen kann, und dennoch wird es immer wieder probiert.
Was wir wissen und was wir können, liegt meilenweit auseinander. Wer glaubt schon, dass man Glück kaufen kann? Bestimmt nicht ein Einziger. Und was machen wir? Womit verbringen wir unsere Tage? Wir glauben, uns fordern äußere Schwierigkeiten wie Beruf, Gesundheit, andere Menschen, das Wetter, und wir müssten es uns daher recht angenehm machen, wenn wir sogenannte »Freizeit« haben. Wie machen wir es uns angenehm?
Wir versuchen, irgendetwas zu bekommen, das leicht zu haben ist und angenehme Gefühle hervorruft. Und was passiert? Wir bekommen es. Das ist überhaupt kein Kunststück. Das, was der Mensch wirklich will, bekommt er. Hier ist ein wichtiges Kontemplationsobjekt: Was habe ich eigentlich bekommen? Dann muss ich es wohl auch gewollt haben. Denn keiner bekommt etwas, ohne es gewollt zu haben. Ob er nun merkt, dass er es will, ob er es jetzt gewollt hat, vor langer Zeit oder kürzlich, all das bedeutet nichts.
Er hat es gewollt und hat es bekommen. Woraus unser Leben besteht und wie unsere Lebensqualität aussieht, das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir glauben häufig, dass irgendjemand anderes unser Leben bestimmt und arrangiert hat, weil uns so vieles daran nicht gefällt. Dass es uns nicht gefällt, liegt aber nur daran, dass jeder erfüllte Wunsch sofort einen neuen hinter sich herzieht. Denn die Wünsche, die durch die Sinne befriedigt werden sollen, können keine dauernde Erfüllung bringen. Das ist eine erlebbare Wahrheit, der wir uns durch Kontemplation nähern können.
Dazu müssen wir auf uns selbst genau aufpassen. Wenn wir Achtsamkeit walten lassen, wird es nicht schwierig sein festzustellen, dass erfüllte Wünsche keine Erfüllung bringen. Wir sind eine Unannehmlichkeit oder Schwierigkeit vielleicht losgeworden, aber es gibt zehntausend andere, die wir auch noch loswerden wollen. Und daher verzetteln sich die Menschen, indem sie Unannehmlichkeiten loswerden und Annehmlichkeiten bekommen wollen.
Im Allgemeinen könnte man sagen, dass die ganze Menschheit in der Illusion lebt, dass das Angenehme, Bequeme und Komfortable ihnen zusteht. Wenn sie das nicht haben können, werden sie ärgerlich auf irgendjemanden, der angeblich den Komfort unterbunden hat, oder auf die Situation, die nicht angenehm ist. Sie werden ablehnend und negativ, und der Geist denkt sich irgendwelche Erklärungen aus, wie es dazu gekommen ist. Wir machen uns vor, dass es überhaupt nichts mit uns selbst zu tun hat, sondern nur mit den äußeren Umständen. Die äußeren Umstände, in denen wir leben, sind aber nur ein Spiegelbild von den inneren Zuständen, die wir geschaffen haben. Da gibt es keine Lücke dazwischen; das Innere und das Äußere passen genau zusammen. Irgendjemanden dafür verantwortlich zu machen, ist verantwortungslos. Wir machen oftmals andere Menschen für Situationen oder für Dinge verantwortlich, die vor vielen Jahren geschehen sind, oder für Reaktionen, die wir uns ausgedacht haben.
Wir sind sehr fähig zu fantasieren. Wir denken uns aus, wieso etwas geschieht und wie es dazu gekommen ist, und vergessen immer wieder Ursache und Wirkung, die ein wichtiger Einsichtsschritt sind. Da dieser Einsichtsschritt aber auch mit Vernunft und gesundem Menschenverstand zu tun hat, sollte er nicht so schwierig zu verwirklichen sein. Wir können uns fragen, ob wir die Ursachen erkennen können und wer für sie verantwortlich ist in unserem Leben. Die Wirkungen kennen wir ja zur Genüge.
Der Buddha hat gesagt, dass ein Menschenleben etwas sehr Wertvolles ist. Haben wir das überhaupt schon einmal als Gedankenstütze in uns aufgenommen? Nicht, dass wir persönlich so wertvoll sind, aber ein Menschenleben als solches, das wir ja alle erreicht haben, kann wundervolle Resultate erzielen. Das soll nicht die einzelne Person überbewerten. Andererseits darf es uns aber auch nicht zu Lässigkeit und Trägheit verleiten, sodass wir nichts anderes im Sinn haben, als unsere Wünsche erfüllt zu bekommen. Ein Menschenleben ist darum so wertvoll, weil wir den Samen der Erleuchtung in uns tragen.
Die meisten Menschen haben sich noch nicht damit beschäftigt, diese Tatsache in ihr Gedankengut aufzunehmen. Geschweige denn können sie spüren, dass dieser Samen der Erleuchtung in ihnen existiert. Meistens ist sogar dieser Ausdruck unbekannt. Bei den christlichen Mystikern nannte es zum Beispiel Meister Eckhart »das Fünkelein« oder »der Funken«. Es ist gleichgültig, wie wir es nennen. Eine tiefe innere Sehnsucht nach Vollkommenheit kennt fast jeder. Es gibt natürlich Menschen, die nur rein materiell denken. Aber dennoch spüren die meisten eine bedeutsame Sehnsucht nach innerem Glück und innerem Frieden. Dann begeben wir uns auf hunderte und tausende von Abwegen, um das zu finden. Wir können uns nicht nur ein Leben, sondern viele Hunderte von Leben damit beschäftigen, von außen durch die Sinne Glück zu finden.
Durch unsere Sinneskontakte kommen wir mit der Außenwelt in Berührung. Wenn also jemand etwas sagt, was uns passt und unser Ego unterstützt, ist uns das angenehm. Für uns ist dieser Mensch ein netter Mensch. Wenn dagegen jemand etwas sagt, was uns nicht passt und unser Ego nicht unterstützt, ist er für uns ein Scheusal. So teilen wir die Menschheit im Allgemeinen in drei Teile: die netten Menschen, mit denen wir zusammen sein wollen, die Scheusale, die wir loswerden wollen, und diejenigen, die uns gar nicht interessieren. Diese Einteilung kann keine Früchte bringen. Jeder wird ab und zu auf Menschen treffen, die ihm nicht passen, weil sein Ego nicht genügend unterstützt wird.
Da das Ego sowieso eine Illusion ist, braucht es ständig Bestätigung. Die bekommen wir aber oft nicht. Es existieren sechs Milliarden Menschen auf diesem kleinen Erdball. Und alle möchten gerne ihr Ego bestätigt haben. Wer unterstützt wen? Jeder ist damit beschäftigt, seine eigene Unterstützung zu finden. Wir müssen nicht einmal an alle sechs Milliarden Menschen denken, es reicht schon, sich mit unserer eigenen Familie zu beschäftigen. Auch dort möchte jeder sein Ego unterstützt haben. Wer ist zuerst dran? Wann ist genügend unterstützt worden? Macht der andere mit oder hat er inzwischen vielleicht vergessen, uns zu bestätigen? Im letzteren Fall kommen Aggressionen, Argumentationen und Feindseligkeiten in uns hoch.
Wir wollen natürlich Angenehmes durch unser Denken erhalten. Anstatt zu meditieren oder kontemplieren, denken wir uns Geschichten aus. Das kann aber in Dösen ausarten, was eine recht angenehme Beschäftigung ist. Das bringt natürlich überhaupt nichts. Oder aber es artet in fantasieren aus. Der Geist dreht sich dann im Kreis, sogar manchmal über Dinge, die wir als spirituelle Lehre gehört haben. Aber auch das bringt nichts, da der Geist nicht in einer einspitzigen Richtung gefördert wird.
Im täglichen Leben sind wir auch damit beschäftigt, uns gewisse Utopien auszudenken, werden aber andauernd aus diesen Phantasien aufgeweckt. Jemand anderes möchte nicht in derselben Utopie leben, sondern hat sich etwas Neues ausgedacht. Solch einen Menschen empfinden wir als unangenehm. Er stört uns oder wir bezeichnen ihn als unwissend. Es ist für uns unmöglich, mit diesem Menschen zu verkehren, weil er ganz andere Fantasien hat als wir. Aber wir merken und spüren nicht, dass wir beim Ausdenken und Fantasieren sind. Wir schauen den Dingen nicht ins Gesicht, wie sie wirklich sind. »Die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind«, ist ein fortgeschrittener Einsichtsschritt, der nur durch starke Achtsamkeit möglich ist.
Der erste Schritt, um überhaupt der Wirklichkeit näher zu kommen, ist, unsere Sinnesbefriedigungen anzusehen. Das wollen wir in der hier folgenden Kontemplation untersuchen. Wie oft am Tag suche ich Befriedigung durch meine Sinneskontakte? Es gibt vom Buddha eine detaillierte Einteilung der verschiedenen menschlichen Charaktere, aber auch eine ganz einfache, nämlich die Unterscheidung von Gier-Typen und Hass-Typen. Die Gier-Typen sind mehr darauf aus, die Sinne zu befriedigen und die Hass-Typen verhalten sich mehr ablehnend. Das bedeutet nun nicht, dass wir ständig entweder Gier oder Hass hätten, sondern das sind lediglich Rubriken. Aber wenn wir sehr viel Ablehnung und Negativität in uns haben, so geschieht es, dass wir ständig Befriedigung durch die Sinne suchen. Das ist bis dahin wahrscheinlich das Einzige, wo wir momentanen Trost oder Erleichterung von der Ablehnung und Negativität gefunden haben.
Wir müssen uns einmal unsere Sinneskontakte genau anschauen. Und das sollten wir in Ruhe und Abgeschiedenheit unbedingt tun. Was geschieht bei einem Sinneskontakt? Er ist äußerst flüchtig. Wir können ihn überhaupt nicht festhalten. Und sollten wir ihn festhalten, wird es Dukkha. Dukkha bedeutet Kummer und Leid, Jammer und Tragödie. Aber im Prinzip ist es alles, was nicht hundertprozentig zufriedenstellend ist. Nach des Buddhas Aussage ist es die erste Edle Wahrheit: Alles, was existiert, ist nicht hundertprozentig zufriedenstellend.
Das ist etwas, was wir einmal untersuchen sollten. Sind unsere Sinneskontakte vollständig befriedigend? Oder ist dann noch etwas übrig, was in uns sozusagen gärt und sagt: „Das kann doch nicht alles sein?“ Was sind unsere Sinneskontakte? Wir sehen einen wunderschönen Sonnenaufgang oder ein herrliches Panorama. Davon sind wir momentan erfüllt und erleben ein Glücksgefühl. Es braucht aber nur anfangen zu gießen und der Nebel sich über das Panorama senken und was dann? Dann müssen wir uns wieder etwas anderes ausdenken. Also beschließen wir, ein Gemälde oder einen Film anzuschauen. Bin ich nun total erfüllt? Kann alles Äußere geschehen, ohne mich in irgendeiner Weise zu berühren, weil ich dieses Gemälde gesehen habe? Das stimmt doch nicht. Aber wir müssen es selbst ausprobieren und nicht glauben oder bezweifeln. Zweifel ist unser fünftes Hindernis. Nur zu glauben nutzt uns nichts, aber es ausprobieren hilft uns sehr viel.
Als nächstes wollen wir etwas hören und sind davon erbaut. Wie lange können wir das Gleiche hören? Dann ist es zu Ende, und dieselbe innere Leere gähnt uns an. Oder wir müssen uns selbst das Gleiche wieder vorsagen oder vorspielen. Wie lange kann der Geist bei einer Sache bleiben? Kann er sich immer wieder das Angenehme vorsagen?
Dann erzählt der Geist etwas Neues. Wenn er genügend fantasiert, merkt er das Dukkha nicht so stark. Wieso fantasieren und dösen wir und denken uns etwas aus? Wir denken an alle möglichen Dinge, damit wir nicht erkennen müssen, dass unsere Sinneskontakte absolut nicht befriedigend sind, sondern kurzfristig sein müssen. Nehmen wir zum Beispiel das Essen. Es schmeckt großartig. Wie lange? Allerhöchstens zwanzig Minuten. Vielleicht denken wir, es hat doch wunderbar geschmeckt, beschließen also, weiter zu essen. Eine Stunde, eineinhalb Stunden, wodurch nichts als Dukkha entsteht. Dasselbe gilt für alle anderen Sinneskontakte. Sollte man sie länger festhalten als ihre natürliche Lebensdauer, die bei manchen nur Sekunden hat und bei anderen etwas länger dauert, dann wird daraus Dukkha. Außerdem sind unsere Reaktionen auch veränderlich, und was einmal Glück war, kann leicht Leid werden.
Dennoch dreht sich alles um das Angenehme. Immer wieder denken wir, wenn wir etwas Unangenehmes erleben – es braucht sogar nur das Wetter zu sein –, dass das Leben nicht richtig abläuft. Wie abhängig dürfen wir uns von äußeren Dingen machen? Wozu das alles? Wieso bringen wir nicht eine ganz andere Richtung in unser Leben? Die Abhängigkeit von den Sinneskontakten ist der Fehler. Die Sinneskontakte selbst sind kein Fehler; sie sind unser Überlebensprogramm. Es ist viel einfacher zu überleben, wenn wir sehen, hören, riechen, schmecken, berühren und denken können, als wenn einer der Sinne nicht funktioniert. Als blinder oder tauber Mensch haben wir es viel schwieriger. Wir sehen das aber überhaupt nicht auf diese Weise. Im Allgemeinen glauben wir, dass unsere Sinne unser Vergnügungslokal sind. Dafür sind sie jedoch nicht gedacht, sondern sie helfen uns zu überleben.
Betrachten wir zum Beispiel die Vögel. Gerade im Winter ist dies einfach, wenn wir Futter gestreut haben. Was machen sie? Sie futtern und sind voller Futterneid. Manchmal, wenn größere Vögel kommen, entsteht Aggression und Krieg, manchmal nur großes Geschrei. Können wir das auf uns selbst beziehen oder sind es immer die anderen? Nur was wir auf uns selbst beziehen, können wir ändern. Kein anderer spielt mit. Wir reagieren nur auf die anderen und vor allen Dingen auf diejenigen, die uns am nächsten stehen. Leider reagieren wir nicht immer positiv. Wir könnten einmal, statt zu reagieren, zuerst untersuchen, auf welchen Sinneskontakt wir eigentlich reagieren: auf das Gehörte, das Gesehene, das Gedachte? Reagiere ich jetzt darauf mit Ärger, Ablehnung und Feindseligkeit, mit Leiden oder Depression? Wozu denn? Vielleicht kommen wir dadurch darauf, uns erst einmal sagen zu können: „Wozu mache ich mich selbst eigentlich unglücklich? Warum muss ich denn reagieren? Ich höre und sehe es. Darauf zu reagieren, ist doch ganz unnötig.“
Was wir hören, ist im Prinzip nur Geräusch, und was wir sehen, ist nur Farbe und Form. Alles andere fabriziert der Geist. Wenn wir zum Beispiel einen Spaziergang in den Wald machen, ist es möglich, dies zu erleben. Was sehe ich? Vielleicht sagt der Geist: „Die Bäume gefallen mir sehr gut. Ich möchte auch im Wald leben.“ Das ist eine Reaktion. Ich möchte schon wieder etwas bekommen, was ich wahrscheinlich nicht habe. Schon entsteht Unzufriedenheit. Wir können einmal versuchen, was wir sehen, nur zu sehen. Das ist nicht ganz einfach, aber mit etwas Übung sollte es möglich sein.
Auf unser Sehen folgt sofort ein Gefühl, das mit einem Etikett versehen wird, woran sich die Reaktion anschließt. Das sind die vier Teile des Geistes. Diese einmal kennenzulernen, ist unumgänglich nötig, wenn man den spirituellen Werdegang ernst nimmt. Ohne das Erkennen des eigenen Geistes wird auch aus der Meditation nichts, geschweige denn aus der Achtsamkeit oder aus erhöhter Lebensqualität, die sich jeder wünscht und haben könnte, wenn er seinen eigenen Geist einmal verstehen würde.
Was hier passiert, sind vier Schritte. Der erste ist der Sinneskontakt. Es kann Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren oder Denken sein. Jeder Sinneskontakt bringt unweigerlich ein Gefühl mit sich. Daran ist nichts zu ändern. Das Gefühl kann angenehm, unangenehm oder neutral sein. Die neutralen Gefühle beachten wir nicht, weil wir nicht genügend Achtsamkeit haben, um sie überhaupt wahrzunehmen. Sie reizen uns auch nicht zum Ablehnen oder zum Begehren. Sie sind auch nicht so häufig wie die angenehmen oder unangenehmen Gefühle. Wenn wir also das Gefühl gar nicht bemerkt haben, sondern sofort ein Etikett auf unser Erleben kleben, so reagieren wir neutral. Aber das passiert selten.
Im Allgemeinen haben wir entweder ein angenehmes oder ein unangenehmes Gefühl. Sollten wir zum Beispiel Essen zu uns nehmen, das zu scharf oder versalzen ist, kommt ein unangenehmes Gefühl hoch. Das Etikett: „Es schmeckt scheußlich.“ Die Reaktion: „Was haben die hier für eine fürchterliche Küche? Es ist ein Jammer, hergekommen zu sein. Für das Geld könnten sie auch vernünftig kochen. Man müsste mit dem Koch sprechen. Die verlangen sowieso zu viel Geld. Ich habe meine Rechnung ja noch nicht bezahlt. Alles ist zu teuer heutzutage. Ob die Bank mein Darlehen wohl bewilligt hat?“ Das geht dann weiter und weiter. Nur weil das Essen etwas salzig war, sind wir beim Bankdarlehen gelandet.
Dasselbe geschieht bei der Sitzstellung. Wir sitzen ganz ruhig in der Meditation. Mit der Zeit kommen Rückenoder Knieschmerzen oder beides. Wir können feststellen: „Berührungskontakt in der Sitzstellung. Unangenehmes Gefühl als Folge.“ Dann kommt das Etikett »Schmerz« und die Reaktion: „Das ist ja schrecklich. Ich hätte mir doch meinen Stuhl von Zuhause mitbringen sollen. Wozu überhaupt so sitzen? Das kann doch keinen Sinn ergeben. Ich habe immer gewusst, ich eigne mich nicht für die Meditation.“ Und dann hören wir schnell wieder auf mit der Meditation und versuchen etwas Neues, weil das Knie wehgetan hat, weil wir Berührungskontakt hatten, weil wir darauf geeicht sind, dass alles angenehm sein soll. Es darf uns nichts wehtun. Wieso eigentlich nicht? Wer hat denn das erfunden? Vielleicht die Ärztekammer?
Solange wir einen Körper haben, wird immer irgendetwas nicht in Ordnung sein. Es geht einfach nicht anders. Am Schluss stirbt er noch weg, wahrscheinlich am falschen Tag. Dass wir den Körper ganz in Ordnung halten können, ist eine Fantasie, eine Utopie. Wenn wir ihn schmerzfrei und funktionsfähig haben, können wir uns glücklich preisen. Das vergessen wir meistens, obwohl es ein wichtiger Punkt ist, dankbar zu sein, wenn der Körper einen halben Tag keine Beschwerden hat. Weder war ihm zu heiß, noch zu kalt, noch hat ihm der Rücken oder irgendetwas wehgetan, er war weder hungrig noch übersättigt. Alles ging einen halben Tag lang wunderbar. Statt dankbar zu sein, wenn es uns gut geht, sind wir ärgerlich, wenn es nicht so läuft und müssen sofort etwas unternehmen, damit der Körper sich wieder angenehm anfühlt. Bei der Sitzstellung können wir das genauestens kennenlernen. Obwohl wir im Prinzip genau wissen, dass Meditation sehr gut für uns wäre, lassen wir uns durch unangenehme Gefühle davon abhalten. Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass wir wissen, was richtig ist, es aber nicht verwirklichen können, weil wir uns auf das Angenehme fixiert haben.
Natürlich gibt es eine Schmerzgrenze. Bei manchen Menschen ist diese sehr eng, bei anderen etwas weiter. Der Buddha hat gesagt, dass die Gesundheit ein großes Hilfsmittel für den spirituellen Pfad ist. Aber er hat auch erwähnt, dass wir ausdauernd sein sollten und ertragen können müssen. Letzteres bedeutet bei der Sitzstellung nicht, die Zähne zusammenzubeißen und negativ zu denken: „Ich werde es noch schaffen. Es ist zwar fürchterlich, aber ich werde schon zeigen, dass ich es kann.“ Im Prinzip will kein Mensch etwas davon wissen. Also es sich selbst beweisen? Das ist darum falsch, weil es negativ strukturiert ist. Ertragen bedeutet akzeptieren. So wie es ist, ist es. Gerade in der Sitzstellung können wir lernen, die vier Teile des Geistes, den Sinneskontakt, das Gefühl, das Etikett und dann die Reaktion des Geistes wahrzunehmen. Die Reaktion: „Jetzt muss ich mich aber umsetzen“, wird im Allgemeinen überhaupt gar nicht erkannt, sondern wir setzen uns schon um, bevor wir überhaupt die vier Teile des Geistes erlebt haben.
Das ist etwas, was wir lernen können, um unsere Geisteshaltung einmal genauestens zu erkennen. Dann wird es uns möglich sein, nicht impulsiv und instinktiv zu reagieren und, wenn unsere Impulse hochkommen, sie nicht sofort in die Tat umzusetzen, sondern den Weg des Geistes zurückzuverfolgen: Berührungskontakt, unangenehmes Gefühl, Etikett, Reaktion. Wenn wir das tun, sind wir ein objektiver Beobachter. Dann stellen wir ein zweites Mal Berührungskontakt und unangenehmes Gefühl fest, ohne es zu etikettieren, ohne zu reagieren und gehen stattdessen zurück zum Atem. Das können wir alle zwei- oder dreimal tun, auch wenn die Konzentration vielleicht nur eine Minute anhält. Wir haben aber unseren Geist kennengelernt und nicht instinktiv gehandelt, so wie wir das im Allgemeinen tun. Wenn wir die Vögel beobachten, so sehen wir sie instinktiv und impulsiv handeln. Wir sind schließlich eine Stufe weiter als die Vögel im Wald. So niedlich sie auch aussehen mögen, vielleicht niedlicher als wir, haben wir jedoch die Möglichkeit, unseren Geist zu beobachten.
Wenn wir jetzt erkannt haben, was die vier Schritte des Geistes beinhalten, uns noch einmal Berührungskontakt und unangenehmes Gefühl verdeutlicht haben und dann zurück zum Atem gegangen sind, sagt der Geist vielleicht: „Sehr interessant, aber so kann ich nicht sitzen.“ Dann können wir uns umsetzen. Leise, sodass wir weder uns selbst noch einen anderen stören. Aber auf jeden Fall haben wir nicht impulsiv und instinktiv reagiert. Aus zwei Gründen ist dies ein wichtiger Vorgang. Zum einen, weil es gut zu wissen ist, was unser Geist hervorbringt. Und zum anderen, weil diese Art des impulsiven Handelns uns von morgens bis abends begleitet. Weg von der Unannehmlichkeit, hin zu den Annehmlichkeiten.
Wenn wir anfangen zu meditieren, handelt es sich nicht nur darum, dass wir erkennen, was wir tun, sondern es handelt sich auch darum, es einmal anders zu machen; außer wir wären so glücklich und zufrieden mit unserem Leben, dass wir nichts ändern möchten. Es ist kaum anzunehmen, dass dies bei vielen Menschen der Fall ist. Wenn wir aber selbstzufrieden sind und glauben, alles sei in Ordnung in uns selbst, wir wollten nur noch etwas schöner meditieren, dann wollen wir nichts ändern. Der Buddha hat jedoch gesagt, man solle nur zum Meditieren kommen, ganz gleich aus welchem Grund.
Wenn wir uns aber darüber klar sind, dass unsere innere Sehnsucht nicht befriedigt ist, dann müssen wir etwas anderes probieren. Dies bedeutet, dass wir uns nicht instinktiv vom Dukkha wegbewegen, sondern es erst einmal erkennen und auch wissen, dass Wegbewegen das Verschleiern des Dukkha ist. Wenn wir aber unser Dukkha verschleiern, dann wissen wir überhaupt nicht, wozu wir diesen Weg gehen sollen. Entfernen wir uns immer wieder von unserem Dukkha, bauen wir durch diese Bewegung Barrikaden auf. Das, was unangenehm ist, soll irgendwo begraben werden. Wir wollen nur das Angenehme wissen. Es ist ein unmöglicher Wunsch, ein Wunschtraum, der nicht erfüllbar ist. Daher ist jeder Mensch unzufrieden und unerfüllt, weil es keine Möglichkeit gibt, dem Dukkha zu entkommen.
Es gibt aber die Möglichkeit, Dukkha zu erkennen und zu akzeptieren. In dem Moment, in dem wir das tun, leiden wir nicht darunter. Das ist der Weg in die Freiheit. Erkennen, akzeptieren und nicht darunter leiden. Vor allen Dingen hat das oft und viel mit dem Körper zu tun, der sehr häufig bei uns an erster Stelle steht. Wer auf dem Meditationskissen sitzt, heißt doch »Ich« und hat all diese Schwierigkeiten. Dieses »Ich« ist in der Länge vom Fuß bis zur Kopfspitze und in der Breite von Arm zu Arm begrenzt. Eine nicht besonders zufriedenstellende Situation, weil man sich ja auf diese Art sehr allein in diesem Universum vorkommt. Aber so denken die meisten Menschen. Dem Dukkha zu entkommen, ist der unerfüllbare Wunschtraum der Menschheit. Viele Menschen reden sich noch mehr Dukkha ein als sie eigentlich schon haben, und manche glauben, weniger zu haben als andere. Die meisten Menschen erkennen nicht, dass Dukkha einfach eine Begleiterscheinung von Existenz ist und weiter nichts.
Diese Erscheinung kann nur dann gemeistert werden, wenn wir objektiv sehen, dass Existenz einfach nicht zufriedenstellend ist. Nun haben wir schon ganz herrliches Wetter, eine erstklassige Küche, sehr guten Komfort, das Dhamma des Buddha und die Meditation. Und nun? Totaler innerer Frieden, nichts stört? Im Gegenteil, die Sonne scheint einem ins Gesicht und wirkt unangenehm. Man fängt an zu husten, auch das ist unangenehm. Der Nachbar ruckelt herum, und es stört uns. So ist es nun einmal. Dieses »so ist es nun einmal« ist der Weg. Leben, Vergänglichkeit und Tod, die ganze Existenz sind einfach nicht zufriedenstellend, ganz egal, wie schön alles gerade erscheint.
Wenn wir es bei uns selbst nicht merken, möchte ich noch einmal vorschlagen, die Vögelchen anzuschauen, die bestimmt draußen zu finden sind. Weniger wichtig ist, dass sie niedliche Federchen haben, die haben wir auch. Wir haben auch ein hübsches Kleid an. Aber wir sollten beobachten, wie sie sich benehmen, was sie machen. Dann einmal schauen, was wir machen. Natürlich machen wir alles auf eine andere Art und Weise, aber mit derselben Motivation der Wunscherfüllung.
Es gibt kaum einen Menschen, der nicht am eigenen Geist interessiert ist. Die Meditation ist die Wissenschaft des Geistes und besteht nicht nur daraus, sich hinzusetzen und konzentriert zu werden. Immer wieder können wir unsere geistigen Reaktionen erkennen und dabei auch feststellen, dass sie immer auf persönlichen Komfort ausgerichtet sind. Oft ist es uns dann ganz egal, ob es für unseren Nachbarn auch angenehm ist, denn vor allen Dingen soll es uns angenehm sein. Wir können diese Einstellung nicht sofort ändern, aber wir können sofort erkennen, wie wir das handhaben und auch, dass die ganze Menschheit so handelt, dass wir immer so gehandelt haben und nie befriedigt waren.
Dann können wir dieses »nicht befriedigt sein« dazu benutzen, um die Dringlichkeit der Praxis zu erkennen und weitere, höhere Ebenen des Glücks kennen zu lernen. Der Buddha hat nicht gesagt, dass die Sinnesbefriedigungen nicht existieren sollen oder dürfen. Das ist eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Von »sollen« oder »dürfen« wird nicht gesprochen. Je mehr gutes Karma wir gemacht haben, umso mehr angenehme Sinneskontakte werden wir haben. Je mehr schlechtes Karma wir gemacht haben, umso mehr unangenehme Sinneskontakte erleben wir. Sind wir sehr großzügig gewesen, so werden wir viele schöne Dinge bekommen. Sind wir sehr kleinlich gewesen und haben immer nur an uns selbst gedacht oder höchstens noch an die eigene Familie, wird uns nicht so viel Angenehmes zuteilwerden. Es hat kein Mensch, keine Situation und nichts Äußeres daran schuld. Schuld und Sühne gibt es in der Buddha-Lehre nicht, sondern nur Ursache und Wirkung. Wie du säst, sollst du ernten, und wir ernten nur unsere eigene Saat. Wir können nicht in Nachbars Garten ernten, dort erntet er selbst.
Wenn wir angenehme Sinneskontakte haben, so sollten wir das nicht für eine Selbstverständlichkeit halten. Das ist auch ein allgemeiner Fehler, den wir alle machen. Wir glauben, sie stehen uns zu. Keiner hat an unserer Wiege prophezeit, dass wir nur Annehmlichkeiten erleben werden. Im Gegenteil, wenn einer etwas prophezeien könnte, hätte er sicherlich gesagt, dass wir beides, Angenehmes und Unangenehmes erleben werden. Wir sollten dankbar sein für schönes Wetter, gutes Essen, angenehmes Sitzen, liebe Freunde, gute Lehren, dankbar sein für alles, was uns geboten wird. Was tun wir aber wirklich? Wir sind erbost über das, was uns nicht gefällt. Wir sollten es einmal genau umdrehen und tief dankbar sein für alles, was wir bekommen und haben. Was wir nicht haben, das haben wir uns eben nicht erarbeitet. Das ist doch ganz einfach. Was nicht bei uns existiert, das haben wir einfach nicht gesät. Wir machen aus vielen Dingen große Affären, die nur in unserem Geist existieren.
Die Dankbarkeit für die Annehmlichkeiten bringt auch Erkennen, wieso der Buddha die Sinnesbefriedigung die unterste Ebene des Glücks genannt hat. Wir bekommen Freude, Vergnügen und Glück durch die Sinneskontakte, vor allen Dingen durch die verfeinerten. Manche Menschen sind auf der Suche nach Glück durch grobe Sinneskontakte. Das bringt natürlich nur Dukkha. Das kann Alkohol sein oder Drogen, Sex (in verstärktem Maße) oder auch Essen. Es gibt aber auch verfeinerte Sinneskontakte, die fraglos Glück bringen. Wenn wir zum Beispiel Dinge sehen oder hören, die auf einer uns erhebenden geistigen Ebene liegen, wie ein schönes Gedicht oder wunderbare Musik. Das sind Sinneskontakte, die einen Wert für uns haben. Auch wenn wir selbst malen, so ist das eine Sinnesbefriedigung, die auf einer höheren Ebene liegt und daher Glück bringt, wenn auch nur befristet. Diese Sinneskontakte werden vom Buddha nicht abgelehnt.
Aber um es ganz deutlich zu machen: Wir müssen wissen, dass das nicht eine unabhängige Glücks- und Friedenssituation ist, auf die wir uns verlassen können. Wir können nicht darauf bauen, dass unsere Sinneskontakte angenehm sind und dass sie so bleiben. Wie Wilhelm Busch richtig sagt: „Ist ein Wunsch erfüllt, so kriegt er gleich wieder Junge.“ Wir müssen erkennen, dass wir auf dieser Ebene unsere Sehnsucht nicht erfüllen können. Und dennoch tut es die Menschheit, weil sie nichts anderes kennt. Wir haben ganz andere Möglichkeiten, ein ganz anderes Potenzial.
Es ist also unumgänglich nötig, die vier Schritte des Geistes zu kennen, die mit dem Sinneskontakt anfangen (Sinneskontakt, Gefühl, Etikett und Reaktion). Die meisten Menschen merken nichts anderes als die Reaktion. Dann greifen sie auf den Sinneskontakt zurück und beschuldigen denjenigen, der den Sinneskontakt ausgelöst hat. Die beiden Schritte in der Mitte, das Gefühl und das Etikett, merken die meisten überhaupt nicht. Merken, bemerken, dabei sein, nicht fantasieren, die Dinge einmal so sehen, wie sie wirklich sind, sind des Buddhas Wegweiser.
Wir, als Menschen, haben ein Potenzial der vollkommenen Freiheit, des vollkommenen Erkennens, des Durchblickens durch alle Ideen und Absurditäten und Unvollkommenheiten. Diese Fähigkeiten ermöglichen auch, nicht nur zu erkennen, sondern auch zu verzeihen und Mitgefühl zu haben. Je weniger wir uns selbst erkennen, umso weniger wissen wir, was in der Welt passiert. Da können wir jede Tageszeitung lesen und jede Nachrichtensendung im Fernsehen anschauen. Wir wissen doch nicht, was in der Welt geschieht, sondern bleiben nur an der Oberfläche. Um zu wissen, wieso etwas geschieht, müssen wir erkennen, warum es bei uns selbst geschieht. Dann wissen wir, warum es anderswo auch geschieht. Dazu brauchen wir Achtsamkeit, Willenskraft, Wachsein und einen Geist, der untersuchen will, und nicht einen, der sich einlullen lassen will. Letzteres bringt auch nur Dukkha, denn immer wieder gibt es ein grobes Wachgerüttelt werden.
Erklärung der Kontemplation
Um uns mit der Kontemplation zu beschäftigen, müssen wir den Unterschied zwischen Ruhe und Einsicht kennen. Wenn wir Atembetrachtung oder Gehmeditation üben, so sind wir dabei, den Geist zur Ruhe zu bringen, damit er einmal aufhört, sich Dinge auszudenken, die im Prinzip im Moment keinerlei aktuellen Wert für uns haben, sodass wir eines Tages in der Lage sind, den Geist dorthin zu dirigieren, wo wir ihn haben wollen. Der Mensch, der das kann, braucht nie mehr unglücklich zu sein. Nur ein Narr würde freiwillig unglücklich werden. Solange wir den Geist nicht dort hinwenden können, wo wir ihn haben wollen, macht er mit uns, was er will. Die Ruhemeditation stärkt die Kraft des Geistes, die es uns ermöglicht, einmal ohne den Wellenschlag der Emotionen zu sein, sodass wir tiefe Einsichten haben können. Kontemplation ist ein Mittel, um Einsicht zu erlangen. Sie ist nicht auf Ruhe ausgerichtet, sondern einzig und allein auf Einsicht.
Die Kontemplation ist daher eine Art Fragestellung, die wir natürlich auf jede beliebige Art und Weise machen können. Wenn wir sie für uns allein machen, so können wir die Fragestellung, die wir für uns für wichtig halten, benutzen. Wir müssen uns nicht an die Worte halten, die wir jetzt hier finden werden. Aber die Fragestellung soll kein diskursives Denken hervorrufen, wie zum Beispiel: „Das ist aber interessant. Das habe ich doch schon irgendwo gelesen. Wer hat das Buch geschrieben? Die Physiker wissen sehr viel, aber eigentlich interessieren mich die Wissenschaften gar nicht.“ Das ist keine Kontemplation, sondern diskursives Denken. Die Kontemplation bleibt bei dem Thema, das angeschnitten wurde, und versucht, im Gefühl, im eigenen Spürsinn, im inneren Erkennen die Antwort zu finden und nicht irgendwelche Antworten zu akzeptieren, die der Geist gerade geneigt ist zu geben.
Die Antwort, die wir finden, könnte vielleicht »Dukkha« heißen. Dukkha ist aber nur vorhanden, wenn wir die Dinge nicht akzeptieren wollen, so wie sie sind, sondern sie anders haben wollen. Sobald wir hinnehmen, was ist, und erkennen, dass das nicht zufriedenstellend ist, brauchen wir nicht darunter zu leiden. Die ständige Flucht vor dem Dukkha ist eine ewige Sackgasse. Es ist niemals möglich zu entkommen. Kontemplation bedeutet Fragestellung, und dazu gehört auch die Infragestellung von sich selbst. Weiß ich wirklich, was ich glaube zu wissen? Bin ich wirklich derjenige, der ich denke zu sein? Was sind meine Fundamente, an denen nicht gerüttelt werden darf?
Das sind alles Möglichkeiten, die in der Kontemplation benutzt werden können. Vielleicht können wir sogar erkennen, woran unser Falschdenken liegt. Wenn wir das erkannt haben, haben wir einen Grund zu unendlicher Freude, denn dann können wir vielleicht bald so denken, dass wir Glück und Frieden erleben. Falsch denken und richtig denken bedeutet hier nicht, dass wir nicht studiert haben. Es hat damit zu tun, dass wir unser Innenleben noch nicht studiert haben. Für die Kontemplation müssen wir uns nicht spezifische Worte merken, sondern wir können die Worte, die wir für bedeutsam halten, verwenden.
Kontemplation über die Sinneskontakte
Um anzufangen, bitte die Achtsamkeit für ein paar Momente auf den Atem lenken.
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Wir wollen uns an einen Tagesablauf erinnern, vielleicht den heutigen oder den von gestern, und einmal feststellen, wie oft wir an einem Tag versuchen, den Unannehmlichkeiten, die wir durch die Sinne aufnehmen, zu entkommen. Wie oft wir uns abwenden, wie oft wir negativ werden, welche Sinneskontakte uns nicht erfreuen.
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Können wir uns an spezifische Momente erinnern, in denen wir uns von Unannehmlichkeiten abgewendet haben oder auch über sie ärgerlich geworden sind, Widerwillen gespürt haben?
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Jetzt wollen wir versuchen, uns zu erinnern, wie oft am Tag wir angenehme Sinneskontakte suchen, um unser Dukkha zu übertünchen. Angenehme Sinneskontakte können Kaffee, Tee, Süßigkeiten, Fernsehen, Telefonate, Ausruhen sein. Ist uns klar, was wir da machen? Das bedeutet nicht, dass man das nicht machen darf, sondern nur, dass wir einmal erkennen, wieso wir diese Dinge tun.
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Haben wir schon gemerkt, dass wir auf unsere Körperempfindungen besonders stark reagieren? Im Positiven wie auch im Negativen. Oder nehmen wir es immer noch als selbstverständlich an, dass unser Körper uns nur Annehmlichkeiten verschaffen sollte?
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Wir wollen untersuchen, ob und wie oft wir die Unannehmlichkeiten des Körpers schon als Entschuldigung benutzt haben, dass wir das, was wirklich wichtig ist, nicht tun können.
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Jetzt wollen wir einmal untersuchen, wie oft wir schon daran gedacht haben, dankbar für das Schöne zu sein, das uns durch unsere Sinne widerfährt.
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Wir untersuchen, ob wir die Vergänglichkeit aller Sinneskontakte erkennen können. Ob wir uns schon im täglichen Leben daran erinnert haben. Ob wir sie immer noch als das akzeptieren, was uns zusteht. Können wir in diesem Moment die Vergänglichkeit von allem, was unsere Sinne uns bieten, erkennen und daher wissen, dass sie nicht total befriedigend sein können?
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Jetzt wollen wir untersuchen, welchen der sechs Sinneskontakte, die wir haben können, wir am meisten suchen und am meisten begehren. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren, Denken. Welches ist uns der wichtigste Sinneskontakt?
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Wieviel Zeit verwenden wir darauf? Sind wir total befriedigt durch diesen wichtigen Sinneskontakt?
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Oder spüren wir immer noch eine Sehnsucht in uns nach einer Vollkommenheit, die wir noch nicht kennen? Ist uns klar, wenn wir diese Sehnsucht spüren, dass sie selbst durch den wichtigsten Sinneskontakt nicht zu befriedigen ist? Können wir das schon erkennen?
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Jetzt untersuchen wir, ob wir immer noch andere Menschen oder Situationen für unangenehme Sinneskontakte verantwortlich machen, oder ob uns schon klar ist, dass jeder Mensch Angenehmes und Unangenehmes erlebt.
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Wir untersuchen, ob uns klar ist, dass nur unsere Reaktion die Unannehmlichkeit hervorruft, dass der Sinneskontakt im Prinzip nichts anderes ist als das, was er ist, und nur unsere Wertschätzung uns zum Leid führt. Können wir das aus eigener Erfahrung erkennen?
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Können wir erkennen, dass die Suche nach den Annehmlichkeiten Zeit und Energie verschwendet, weil wir dennoch nur das bekommen, was wir gesät haben und daher auch nur das ernten können?
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Wir wollen uns einmal vorstellen, wie es ist, auf einen unangenehmen Sinneskontakt nicht zu reagieren. Wenn wir es uns vorher vorstellen, so wird es uns leichter fallen, es auch auszuführen, genauso, als ob wir uns eine Zeichnung gemacht haben, nach der wir uns dann richten können.
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Können wir aus eigener Erfahrung erkennen, dass unser Dukkha nur davon kommt, dass wir die Dinge nicht so akzeptieren, wie sie sind, sondern sie anders haben wollen?
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Und daher wollen wir, wenn uns jetzt im Moment irgendetwas bedrückt, und sei es nur eine Kleinigkeit, den Wunsch, dass es anders sein sollte, fallenlassen. Können wir die Erleichterung spüren? Dukkha existiert, aber wir brauchen nicht darunter zu leiden.
Mögen alle Menschen glücklich sein.
II
Die zweite Ebene des Glücks
Die Reinheit des Herzens
Wir haben bis jetzt die erste Ebene des Glücks untersucht, die die unterste und auch die gröbste ist und die wir alle ganz genau kennen. Sie macht uns zwar Schwierigkeiten, da unsere Sinneskontakte natürlich nicht immer glückbringend sind, aber wir kennen all das, was mit ihnen zusammenhängt – was wir suchen und was wir ablehnen. Es ist von großer Wichtigkeit und Dringlichkeit, in uns selbst zu erkennen, wie oft und in welcher Art wir versuchen, durch die Sinne glücklich zu werden.
Wenn wir achtsam sind und uns selbst gut beobachten, dann werden wir sehr schnell merken, dass wir das tagtäglich von morgens bis abends mit wenigen Unterbrechungen tun. Ein ungeübter, untrainierter Geist beschäftigt sich nur damit. Es ist auch hilfreich, einmal die Dinge zu untersuchen, die nicht ganz so offensichtlich mit den Sinneskontakten zu tun haben. Wir merken dann wahrscheinlich doch, dass auch sie auf nichts anderes ausgerichtet waren. Grobe Sinneskontakte sind leicht erkennbar, aber die verfeinerten gehören auch zu der gleichen Ebene. Die Kontemplation ist ein wichtiger Bestandteil der Meditationspraxis. Das heißt nicht, dass sie gleichzeitig geübt werden können oder sollten, sondern dass wir uns mit beidem beschäftigen. Die Kontemplation hilft uns, uns selbst besser kennenzulernen.
Wir kommen jetzt zur zweiten Ebene des Glücks, die wir auch alle kennen und von der wir schon oft in anderen Zusammenhängen gehört haben. Es ist die Ebene der Läuterung der Emotionen. Wir haben bereits vom Etikettieren gesprochen und dass wir den Denkprozess im täglichen Leben auch soweit erkennen müssen, dass wir das Unheilsame mit dem Heilsamen ersetzen können. Jetzt kommen wir zu den Emotionen. Die Emotionen sind im Prinzip unser Innenleben. Die Gedanken, die wir denken und aussprechen, sind größtenteils auf Emotionen aufgebaut. Es kann auch umgekehrt sein; wenn wir sehr kopflastig sind, denken wir erst und haben dann Emotionen. Aber bei den meisten Menschen sind die Gefühle der Auslöser. Der Meditationsprozess ist einzig und allein auf Gefühlen aufgebaut. Die Meditation zu erdenken, ist vollkommen unmöglich, sie muss gefühlt werden. Daher ist die jetzt vorliegende zweite Ebene unerlässlich für den spirituellen Pfad, während die erste Ebene für das Überleben unerlässlich ist. Alle Ebenen werden gebraucht und sind in uns zu finden, aber wir müssen sie erkennen können, sodass wir dann mit ihnen in einer wirklich vernünftigen Art umgehen können.
Die zweite Ebene heißt »die vier Brahmavihāras«, Brahma = Götter und Vihāra = Verweilungsstätte, »die Göttlichen Verweilungsstätten«, was keine besonders deutliche Übersetzung für uns ist. Es sind die vier höchsten Emotionen und die einzigen, die der Buddha als wertvoll und heilsam bezeichnet hat. Wir könnten sagen, dass wir das innere Paradies erleben können, wenn wir diese vier Emotionen in uns zur Vollendung bringen. Daher werden sie »Göttliche Verweilungsstätten« genannt. Diese vier heißen: bedingungslose Liebe (mettā), Mitgefühl (karuṇā), Mitfreude (muditā), Gleichmut (upekkhā). Die erste davon wird meistens mit »liebender Güte« übersetzt; wenn wir einfach »Liebe« dazu sagen, so hat das eine tiefergehende Bedeutung für uns. Es ist ein Wort, das für jeden Assoziationen hat und sein Innenleben berührt.
Wir haben hier die gleiche Möglichkeit wie beim Denken, nämlich das Unheilsame mit dem Heilsamen zu ersetzen. Es ist aber vor allen Dingen wichtig, dass wir einmal erkennen, wieviel Glück wir in uns tragen und auch erleben können, wenn wir jeweils eine dieser vier Emotionen in den Vordergrund unseres Bewusstseins bringen.
Das Interessante daran ist: Liebe ist erlernbar. Und das ist eigentlich ein besonders wichtiger Punkt, denn im Allgemeinen wird geglaubt, erzählt und in Filmen gezeigt, dass Liebe ein Glücksfall ist, vor allem auch darum, weil wir ja Liebe mit gegenseitiger Zuneigung gleichsetzen. Die meisten Menschen suchen diesen Glücksfall, bis sie vielleicht eines Tages merken, dass diese Art der Bemühung gar nicht uneingeschränktes Glück bringt. Der ferne und absolute Feind von Liebe ist natürlich Hass. Das ist ganz einfach zu verstehen, aber der nahe Feind von Liebe ist Anhänglichkeit, und das ist bereits viel schwieriger zu erkennen. Im Allgemeinen kennen wir nichts anderes als Anhänglichkeit, was aber gleichbedeutend mit Anhaften ist. Anhaften woran? An irgendeiner Person, wodurch Angst entsteht. Angst wiederum bedeutet Hass. Wir können sofort untersuchen, ob wir etwas, wovor wir Angst haben, lieben könnten. Es handelt sich aber nicht darum, dass wir die spezielle Person hassen, sondern nur, dass wir die Möglichkeit des Verlustes ablehnen.
Wir haben dies wahrscheinlich schon alle erlebt. Manchmal wiegen wir uns in Sicherheit. Es ging schon so viele Jahre gut, es wird auch weiter gut gehen. Aber plötzlich ändert sich die menschliche Beziehung auf dramatische Art und Weise. Wieso geschieht das? Weil das Gesetz der Vergänglichkeit uns nie in Ruhe lässt. Wenn wir nichts anderes kennen als anhaftende Liebe, dann stehen wir plötzlich eventuell ohne Liebe da und auch, als wären wir nicht mehr liebenswert. Unser Selbstwertgefühl ist geschädigt und vor allem unsere Liebesfähigkeit. Das stimmt überhaupt nicht, denn die Liebesfähigkeit ist immer vorhanden und sollte nicht von einer einzigen Person in diesem Weltall abhängig sein. Wenn das der Fall ist, dann machen wir uns nicht nur äußerst abhängig, sondern begrenzen unser Herz in einer Art und Weise, die total unnötig ist und nichts anderes als Schwierigkeiten bringen kann.
Nichts bleibt so, wie es ist. Es gibt wenig Menschen, die daran zweifeln, dass sich alles ständig verändert. Allein jeder Atemzug, jeder Gedanke, jedes Gefühl, jede Bewegung, unser Körper – alles ist in ständiger Bewegung, man könnte sogar sagen in ständigem Aufruhr. Weil uns das eigentlich gar nicht passt, sind wir schon allein darum niemals völlig zufrieden. Im Prinzip wollen wir das Universum und die Naturgesetze unseren Wünschen anpassen, aber genau das Gegenteil ist nötig. Wir lernen, uns den Naturgesetzen anzupassen.
Das Angstgefühl, die geliebten Personen zu verlieren, schließt das Kennenlernen der wahren Liebe aus. Das wirkliche Problem, das wir mit Liebe haben, ist, dass Liebe ein Reinheitsgefühl in unserem Herzen ist und nicht eine Bestätigung unseres Wertes. Unser ganzer spiritueller Weg hängt davon ab, dass wir die vier »heilenden«, »heilsamen«, »heiligen« Emotionen in uns entwickeln. Wenn wir die Liebesfähigkeit des Herzens nicht erwecken und sie so entwickeln, dass wir unabhängig lieben, dann ist unser Pfad blockiert, weil die Reinheit des Herzens und die Unabhängigkeit von Zuwendung notwendig sind, um das Anhaften zu mindern und eines Tages loszulassen.
Die Freiheit, die der Buddha uns versprochen hat, das absolute Ende jeglichen Dukkhas, bedeutet: nicht anhaften. Das Wort Nibbāna bedeutet wörtlich übersetzt »nicht brennen«, aber hängt von Nicht-Anhaften ab. Wir lernen, uns nicht mehr mit gewissen Emotionen, Menschen und Situationen zu identifizieren. Solange wir eine Liebesbeziehung zu einer Person haben und der Rest der Welt uns nicht zu sehr stört, merken wir nicht, dass wir die wahre Liebe noch nie kennengelernt haben. Diese eine Person mag uns sehr wichtig sein, wir mögen sie sehr liebenswert finden, wir sind sehr froh, dass sie da ist, aber die wahre Liebe haben wir noch nicht kennengelernt.
Wahre Liebe bedeutet, die Fähigkeit des Herzens, die jeder besitzt, entwickelt zu haben. Es ist nicht so, dass wir etwas entwickeln müssten, was noch nicht vorhanden wäre. Das wäre sehr kompliziert und schwierig und kaum denkbar. Aber Liebesfähigkeit hat jeder und kennt sie. Wir haben sie auch alle schon ein oder mehrere Male erlebt. Eine Liebesbeziehung kann daher als ein Samenbeet angesehen werden, als ein Auslöser und ein Erkennen, wie es sich anfühlen würde, wenn wir die Liebe im Herzen so entwickeln, dass wir sie immer fühlen.
Vielleicht können wir uns erinnern, wie wir uns das erste Mal verliebt haben. Das war doch grandios! Alles sah viel schöner aus. Das einzige Hindernis war die Angst, dass es nicht funktionieren würde, und wir haben uns dadurch sehr unsicher gefühlt. Was sollte eigentlich funktionieren? Vor allem wohl die Gegenliebe, das war die Hauptsache. Aber trotz der Angst war das Gefühl der ersten Liebe absolut glückbringend. Wir hatten das Gefühl, als wären wir zwanzig Pfund leichter geworden und könnten springen statt gehen, fühlten uns also leicht beschwingt. Das könnten wir immer fühlen, ohne die Angst, dass wir nicht wiedergeliebt werden.
Wieso wollen wir uns nicht einmal auf diesen Pfad begeben? Es ist doch reine Unvernunft, darauf zu warten, dass ein anderer uns wiederliebt. Was bedeutet es denn überhaupt, von jemandem geliebt zu werden? Doch nichts anderes, als dass wir in den Augen dieses Menschen liebenswert erscheinen. Dann ändert dieser Mensch seine Ansicht, und wir sind nicht mehr liebenswert. Wieso eigentlich? Hundertprozentig liebenswert ist nur ein Erleuchteter, alle anderen Menschen kämpfen mit den fünf Hindernissen, die uns allen das Leben erschweren. Dennoch machen wir uns davon abhängig, ob ein anderer Mensch zustimmt, dass wir trotz unserer Fehler liebenswert sind. Es ist keine Frage, dass wir trotzdem liebenswert sind. Wir brauchen niemanden, der uns das bestätigt. Das können wir selbst empfinden. Und wie geschieht das? Ganz einfach: Indem wir lieben, und nicht danach suchen, geliebt zu werden. Die ganze Menschheit macht diesen Fehler, und dann entstehen Kummer und Trübsal, wenn Freundin oder Freund uns verlassen und wir uns einsam und zurückgesetzt fühlen. Wozu das alles! Das wird bestimmt nicht unsere Liebesfähigkeit vergrößern.
Wenn wir das Gefühl der bedingungslosen Liebe in uns wirklich zur Blüte bringen und in uns verankern, dann braucht uns niemand zurück zu lieben. Im Gegenteil, wenn wir selbst lieben, dann brauchen wir keine Bestätigung dafür.
Man könnte das vielleicht mit einem intelligenten Geist vergleichen. Suchen wir ständig jemanden, der uns sagt: „Du bist aber sehr intelligent!“ oder: „Das ist ja fabelhaft, wie du Kopfrechnen kannst!“? Wir können es und tun es, soweit es uns möglich ist. Wir benutzen unsere Intelligenz für alles Notwendige, egal, ob uns jemand bestätigt, es sei fabelhaft oder nicht, eben nur, weil es unserer Fähigkeit entspricht. Mit der Liebe ist es genauso, weil wir die Fähigkeit haben zu lieben.
Der Buddha hätte dies nie als die zweite Ebene des Glücks bezeichnet, wenn wir nicht das Potenzial dazu in uns hätten. Er hat Menschen, genau wie wir es sind, gelehrt, die all diese Fähigkeiten in sich trugen und auch verwirklichen konnten, wenn sie in Hingabe, Respekt und Ehrerbietung den Anweisungen gefolgt sind. Wir können auch bei uns heute erleben, dass diejenigen, die den Anweisungen folgen, eine deutlich gefestigtere Ebene des Glücks finden, weil sie sich mit einem höheren Ideal identifizieren können, das weit hinausgeht über die Marktplatzebene, in der wir leben. Solange wir genauso viel zurückbekommen wollen, wie wir geben, ist auch die Liebe noch auf der Marktplatzebene. Sehr häufig ist es auch bei Beziehungen so, dass keiner mehr Liebe geben will als der andere, weil er sich sonst übervorteilt oder geschädigt fühlt. Kann man wirklich Liebe auf eine Waagschale legen?
Wir müssen auch mit unseren Beurteilungen und Verurteilungen vorsichtig sein, denn wir können nur das erkennen, was wir selbst in uns tragen. Alles andere ist uns verschlossen. Wenn wir also über jemanden in irgendeiner negativen Weise urteilen, dann können wir sicher sein, dass wir die gleiche Schwierigkeit in uns haben, sonst würden wir sie gar nicht erkennen. Ein Mensch, der lieben kann, spürt die Liebesfähigkeit in anderen Menschen. Sie muss nicht auf ihn persönlich ausgerichtet sein. Das ist die Hauptsache bei dem Erlernen der Liebe. Wenn wir uns auf Persönlichkeiten fixieren, so begrenzen wir unsere Liebesfähigkeit so stark, dass das spirituelle Wachstum unterbrochen und unterbunden wird. Jede Begrenzung, die wir uns auferlegen, egal welcher Art, behindert unsere Entwicklung.
Im Allgemeinen ist es so, dass wir die Menschen, von denen wir glauben, dass sie »mein« sind (meine Kinder, meine Frau, mein Mann, meine Eltern, mein Freund, meine Freundin), in eine Spezialkategorie einteilen und auch fähig sind, zu ihnen wirklich liebevoll zu sein. Je liebevoller wir die Menschen dieser Kategorie behandeln, desto leichter sollte es uns fallen, diese Spezialkategorie aufzulösen. Unsere Liebe in einer Schublade für besondere Menschen aufzuheben, ist nicht sehr vernünftig. Diese Einteilung nutzt uns nichts auf dem spirituellen Pfad. Sie ist zwar allgemein auf der Marktplatzebene anerkannt und je größer die Anhänglichkeit, desto mehr »lieben« wir angeblich. Das stimmt aber leider überhaupt nicht.
Wenn wir unser Herz begrenzen und einteilen in die, die wir lieben, und die anderen, die uns im Prinzip ganz gleichgültig sind, dann haben wir eine ganz deutliche Unterscheidung. Diese Unterscheidung besteht dann in allen Bereichen unseres Lebens. Gleichgültigkeit ist ein großes Hindernis und wird der nahe Feind von Gleichmut genannt, wogegen Gleichmut einer der Erleuchtungsfaktoren ist. Wenn uns also klar geworden ist, dass wir an sich lieben könnten, dann ist die Zeit gekommen, um das zu üben. Es gibt überhaupt nichts anderes als üben.
Natürlich können wir erst einmal lieben üben mit den Menschen, die uns etwas liebenswert erscheinen, die uns näher stehen und bei denen es einfacher ist. Dann üben wir mit denen, die uns schwieriger erscheinen, und am Ende mit denen, die wir ablehnen. Menschen zu lieben, die wir aus irgendeinem Grund ablehnen, ist dann der Schwerpunkt, der Beweis, ob wir lieben gelernt haben oder nicht. Wir haben alle tagtäglich Konfrontationen, und lieben bedeutet nicht, sich alles gefallen zu lassen. Es bedeutet vielmehr, dass wir lieben können, obwohl wir ganz deutlich sehen, dass vieles nicht in Ordnung ist. Wir brauchen das Verbrechen nicht anzuerkennen, im Gegenteil, wir können sehen und verstehen, dass es ein Verbrechen ist. Aber den Verbrecher, der dahinter steckt, können wir trotzdem lieben. Das stellt das erreichbare Ideal dar.
Wie wissen wir, ob wir lieben? Wir können immer wieder auf unsere Liebesbeziehungen zurückgreifen und den Unterschied zwischen dem Gefühl diesem einen und allen anderen Menschen gegenüber erkennen. Das ist eine einfache Art und Weise, uns zu verdeutlichen, ob wir überhaupt lieben. Wenn wir zum Beispiel eigene Kinder haben, ist es leicht, dies zu überprüfen. Wenn unser eigenes Kind ein gutes Zeugnis nach Hause bringt, sind wir beglückt. Ist es uns genauso wichtig, wenn das Nachbarkind ein gutes Zeugnis nach Hause bringt? Das ist materielles Denken. Wenn wir das spirituelle Leben nicht in unseren Alltag integrieren können, dann haben wir es noch nicht verinnerlicht. Wir müssen lernen, Verluste zu akzeptieren, weil wir wissen, dass uns am Ende unseres Lebens sowieso nichts übrig bleibt. Wir müssen üben, uns mit anderen Menschen genauso zu verbinden wie mit denen, die uns besonders wichtig sind. Wieso sind uns einige denn wichtig und andere vollkommen gleichgültig? Weil die wichtigen Menschen uns helfen und unterstützen, also unsere Ichbezogenheit verstärken. Diejenigen, die uns gleichgültig sind, beschäftigen sich mit ihren eigenen Interessen und gehen uns nichts an. Aber wenn es uns nicht möglich ist, unser Herz einmal so zu erweitern, dass wir viele Menschen mit einbeziehen können, dann ist unser Weg blockiert. Wir kennen das Glücksgefühl der Liebe. Wieso kümmern wir uns nicht darum? Wieso benutzen wir so oft und so unnötigerweise das Hass- oder Ablehnungsgefühl? Das beglückt niemanden, weder uns selbst, noch diejenigen, die wir ablehnen, noch die Welt um uns herum.
Es ist erlebbar, dass es ein universelles, kosmisches Bewusstsein gibt. Alles, was wir denken und empfinden, breitet sich um uns herum aus. Es gibt ein altes Lied: „Gedanken sind zollfrei.“ Das stimmt überhaupt nicht, wir müssen überall Zoll bezahlen. Jeder Gedanke, jedes Gefühl fließt aus uns heraus, und wir bekommen den Widerhall. Das sind die Ausstrahlungen, die ein Mensch hat, von denen wir ja oft reden und hören. Aber wissen wir auch, dass wir sie selbst haben und kümmern wir uns darum? Wir spüren vielleicht unsere eigenen nicht, aber wir spüren sie bei jedem anderen. Was sind diese Ausstrahlungen? Hass oder Liebe, Hilfsbereitschaft oder Gleichgültigkeit erwecken Herzenswärme oder Kälte, was leicht zu merken ist, genau wie Sonnenschein oder Schneestürme uns berühren. Wenn wir die Idee haben, anderen helfen zu wollen und dazu beitragen wollen, dass die Welt in Frieden lebt, dann haben wir keine andere Wahl, als erst einmal uns selbst zu helfen, inneren Frieden zu schaffen und das Glücksgefühl der Liebe in uns zu fördern. Wenn wir das getan haben, können wir es auch ausstrahlen, und die Umwelt um uns herum, die Menschen, die nahe sind, werden von dieser Ausstrahlung beeinflusst. Wir selbst sind mit Liebe angefüllt.
Wenn uns jemand liebt, dann erleben wir nichts anderes als Selbstbestätigung und spüren noch lange keine Liebe in uns und strahlen sie auch nicht aus. Vielleicht sind wir in der Lage zu lieben, wenn ein spezieller Mensch vorhanden ist, was häufig der Fall ist. Das Glück unseres Herzens kann uns jedoch nur anfüllen, wenn es unabhängig ist. Abhängigkeit ist gleichbedeutend mit Unfreiheit. Der spirituelle Weg führt zur Freiheit, zur Freiheit von jedem Druck, jedem Stress, führt zum Loslassen von allem, was wir glauben, haben zu müssen, um unser Ich zu bestätigen.
Nun begegnen wir hier auch wieder einer Schwierigkeit, die für intelligente Menschen immer hochkommt; es ist einfach kaum zu vermeiden. Wir können das alles hundertprozentig verstehen und dem auch zustimmen. Aber können wir es tun? Können wir in unser Herz hineinschauen und erkennen, was wir empfinden? Wenn wir negativ oder ablehnend reagieren, in irgendeiner Weise nicht liebend, so ist die Freude des Erkennens und die Möglichkeit des Ersetzens gegeben. Wir merken auch ganz deutlich, dass wir nicht glücklich sind, wenn wir lieblos empfinden.
Am Abend jedes Tages können wir Bilanz ziehen: Wie oft am Tage habe ich geliebt? Wie oft war ich ablehnend oder gleichgültig? Wie oft war ich glücklich? Wie oft schien mir alles neutral, und wie oft fühlte sich die Stimmung grau an und wurde immer grauer, trotz der herrlichen Landschaft, trotz des brillanten Sonnenscheins? Die Gemüter der Menschen sind im Allgemeinen grau. Ab und zu fällt ein Sonnenstrahl hinein und dieser Sonnenstrahl heißt Liebe. Und weil wir glauben, dass dieser Sonnenstrahl von der Sonne abhängig ist, das heißt von irgendeinem Menschen, bringen wir uns in ein Abhängigkeitsverhältnis. Von den Emotionen anderer Menschen abhängig zu sein, ist eine Katastrophe, denn wir schwanken ja schon durch unsere eigenen Emotionen. Abhängigkeit erzeugt ein Gefühl, als ob wir ein Blatt wären, das vom Wind hin und her gerissen wird. So können wir nie zur Ruhe kommen. Lieben möchte im Prinzip jeder, aber verwechselt das mit Geliebtwerden. Es ist eine ganz wichtige Unterscheidung, die man nur im eigenen Gefühlsleben erkennen kann.
Wenn wir jetzt lernen wollen, unabhängig, bedingungslos und unpersönlich zu lieben, so bedeutet das nicht, dass wir dann die einzelnen Personen, die angeblich »mein« sind, nicht mehr lieben können. Im Gegenteil, wir können sie so lieben, dass sie total frei von jedem Druck sind und von jeglicher Erwartungshaltung unsererseits. Dann können wir einmal spüren, was es bedeutet, das Gefühl der Liebe im Herzen wirklich entwickelt zu haben. Es bedeutet Herzenswärme, die umarmend und beschützend ist. Der Buddha hat sie mit Mutterliebe verglichen, ein Wort, das bei uns leider auf Ablehnung stoßen kann. Liebe ist ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Annäherung, des Akzeptierens, des Wirklich-Da-Seins. Es muss nicht unbedingt körperliche Anwesenheit mit einschließen, wir können auch auf weite Entfernungen hin lieben. Wir müssen nicht nur mit denen üben, die vor uns stehen. Aber am Anfang sind unsere Übungsobjekte diejenigen, die uns am nächsten sind, bei uns im Haus wohnen, in unserer Familie oder Gemeinschaft. Es ist ein wunderbares Projekt, diese Menschen bedingungslos zu lieben, vor allen Dingen dann, wenn sie etwas sagen, was uns nicht passt. Das ist eine ganz herrliche Aufgabe und Lernsituation! Es kann jeder, nur macht es fast keiner.
Wir können lernen, alle Menschen zu lieben, ganz gleich, was sie sagen. Sie sagen nämlich fünf Minuten später wieder etwas ganz anderes. Wir brauchen nur ein bisschen Geduld, und schon ist das ganze Ärgernis vorbei. Das heißt, auch uns selbst zu verlangsamen. Wir machen langsame Gehmeditation, wir haben keine Eile, irgendwo hinzukommen. Wir können ruhig langsam sein und schaffen dennoch alles. Was haben wir denn eigentlich zu schaffen? Wir sind alle auf dem Weg zum Friedhof, wozu die Eile? Wir kommen garantiert hin, ob wir uns beeilen oder nicht. Wir haben also zuerst einmal die Übungsobjekte, die bei uns im Hause wohnen. Und wenn der Geist sagt: „Aber das ist ja nun eine Nummer zu groß, da ist einer, den man unmöglich lieben kann!“ Nicht glauben! Der Geist erzählt alles Mögliche. Und sehr häufig erzählt er Unsinn. Die Liebesfähigkeit ist nicht davon abhängig, was Menschen sagen, wie sie aussehen, ob wir sie schön oder hässlich finden, ob sie uns lieben, ob sie von uns geliebt werden wollen, nichts davon! Die Liebesfähigkeit im Herzen ist vergleichbar mit der Intelligenz im Geist. Sie ist entwickelbar.
Wir können immer wieder unsere Umwelt als Spiegel benutzen und erkunden, wieso etwas geschehen ist, und was wir damit zu tun haben. Was immer auch geschieht, wenn wir lieblos sind – und das sind wir alle häufig genug – empfinden wir die anderen Menschen auch als lieblos. Wir haben einfach nicht die Aufnahmefähigkeit und können gar nicht spüren, dass da Liebe herrscht. Genau, wie wir nicht einen Erleuchteten empfinden können, weil wir selbst nicht erleuchtet sind. So machen wir sehr oft Riesenfehler mit unserer Beurteilung und Verurteilung, und es wäre viel besser, wenn wir davon Abstand nehmen und einfach die Liebesfähigkeit immer mehr und mehr in uns entwickeln würden.
Jeder Mensch, den wir treffen, bietet uns die Möglichkeit dazu. Vielleicht sollten wir erst mit denen, die nicht so schwierig sind, von denen wir glauben, dass sie ganz vernünftig sind, anfangen. Sie haben keine enge Verbindung zu uns, sind weder Freunde noch Verwandte, sondern einfach Menschen, die wir sehen oder sprechen. Zum Beispiel der Kassierer oder die Kassiererin im Supermarkt. Wir können versuchen, diesen Menschen wirklich zu lieben und dasselbe Gefühl für ihn zu entwickeln, das wir für den einen speziellen Menschen in unserem Leben haben. Wir merken dabei sofort, was da für ein Unterschied besteht und wieviel Mühe es uns kostet, liebende Gefühle hervorzubringen. Und dann sagt der Geist natürlich: „Diesen Menschen kenne ich doch gar nicht, wie kann ich da lieben!“
Es handelt sich um unpersönliche Liebe, bedingungslose Liebe, die Fähigkeit des Herzens, von Selbstbezogenheit und Anhaften loszulassen und in die Weite zu gehen. Es handelt sich nicht darum, ob wir die Kassiererin kennen oder nicht oder vielleicht den Postboten. Er bringt die Post, legt sie hin, und wir sagen höflich, je nachdem, wo wir leben, „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ und bezeugen mit Ton und Körpersprache unsere Gleichgültigkeit. Mit diesen beiden Beispielen ist es vielleicht gar nicht so schwierig zu üben, weil diese beiden Menschen im Allgemeinen gar nichts Unangenehmes an sich haben. Dass wir im Supermarkt bezahlen müssen, haben wir vorher gewusst, und dass der Postbote kommt, haben wir auch gewusst, also ist nichts Unerwartetes oder Bedrückendes geschehen.
Aber es kann geschehen, dass wir mit jemandem zusammenkommen, der uns total unerwartet Vorwürfe macht. Wir sind überrascht, dass dieser Mensch überhaupt kommt und noch dazu Vorwürfe im Kopf hat. Nun sind wir aufgefordert, ihn trotzdem zu lieben. Das ist schon ein größeres Lernobjekt. Was machen wir damit? Wenn es uns nicht gelingt, dieses Examen zu bestehen, müssen wir das nächste Mal wieder probieren, das schadet nichts. Aber vor allen Dingen müssen wir wissen, dass unpersönliche Liebe für jeden erlernbar ist.
Die Liebende-Güte-Meditation ist ein Mittel zum Zweck, nicht der Zweck an sich. Wenn wir bei der Liebenden-Güte-Meditation etwas empfinden, so ist das hilfreich und förderlich. Sollten wir nichts empfinden, so schadet das am Anfang auch nichts! Je öfter wir den Geist in eine bestimmte Richtung lenken, desto leichter kommen die Empfindungen. Daher soll der Denkprozess auch in die Richtung der unpersönlichen Liebe gehen. Wenn wir uns vorstellen, wie viele Menschen auf diesem Erdball leben, die wir alle gar nicht kennen und die wir lieben sollen, so ist das nicht so schwierig, weil sie noch nie etwas zu uns gesagt oder getan haben, was unsere Ichbehauptung irgendwie in Frage gestellt hat.
So ist es verhältnismäßig einfach, Menschen im fernen Afrika oder China zu lieben. Aber lieben wir sie wirklich oder ist das nur ein Wort? Das Wort muss Gefühl werden. Bei der Liebenden-Güte-Meditation können es am Anfang nur Worte sein, aber sie verwandeln sich eines Tages in ein Gefühl. So müssen wir immer wieder üben, bis das stattfindet. Das Liebesgefühl ist ausfüllend und daher auch in gewisser Weise erfüllend. Menschen, die einen tiefen Glauben haben, der mit Liebe verbunden ist, haben häufig das Gefühl der Erfüllung. Sie brauchen nicht weiter zu suchen, denn die Liebe zu ihrem Glauben erhebt sie schon aus der Alltagsebene. Der Buddha hat gesagt, dass wir durch die unpersönliche, bedingungslose Liebe, wenn sie immer vorhanden ist, erleuchtet werden können, aber ohne sie den Weg nicht finden.
Es ist meistens nicht der Fall, dass wir ausschließlich diesen Übungsweg einschlagen. Im Westen würden wir wahrscheinlich nicht nur den Weg der geläuterten Emotionen gehen, sondern würden das mit dem Weg der Einsicht, des Klarblicks verbinden. Aber die Möglichkeit besteht, nur den Weg der Emotionen als spirituelle Läuterung zu benutzen. Wenn wir uns eingeredet haben, dass wir im Prinzip niemanden hassen, so kann das sehr leicht stimmen. Wieso sollten wir auch? Keiner hat uns etwas angetan. Aber das ist ja gar nicht die Frage, sondern stattdessen: Wie viele Menschen lieben wir? Das ist der Kernpunkt der Praxis. Oft ist dieses Gefühl, keinen zu hassen, nichts anderes als Gleichgültigkeit, da die meisten Menschen uns nichts angehen. Also wieso sollten wir sie hassen? Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird durch die Meditation gestärkt und auch erlebt. Aber wir können nicht darauf warten, die Meditation soweit zu bringen, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl ein Erlebnis wird. Wir müssen jetzt schon anfangen, es zu praktizieren.
Da hilft uns vielleicht auch wieder einmal die Vernunft. Wir kommen uns doch so vor, als wären wir alle separat. Jeder sitzt auf seinem eigenen Kissen, jeder hat einen begrenzten Körper und natürlich auch einen abgegrenzten, eigenen Geist, was alles »Ich« oder »mein« heißt. Alle anderen heißen »Du«, sind also separiert von »Ich«. Es geht schließlich um mein eigenes Glück. Aber in der Abgrenzung und dem Sich-Separieren ist auch das Glück der bedingungslosen Liebe nicht zu finden. Dieser Dualismus bringt nicht die Erweiterung und Ausdehnung des Herzens mit sich und auch nicht dieses Gefühl der Zusammenge hörigkeit, dass es endgültig keinen anderen gibt, sondern einfach nur eine Fähigkeit des Liebens.
Die Vernunft sagt uns: Unsere Wissenschaftler haben schon vor Jahrzehnten entdeckt, dass es keinen einzigen soliden Bauklotz im ganzen Universum gibt, inklusive uns selbst, denn wir gehören mit dazu. Das steht allerdings nicht in ihren Büchern, da es vielleicht etwas schwer zu verinnerlichen ist. Alle Materie besteht aus Energieteilchen, die zusammenkommen und wieder auseinanderfallen. Diese vereinigen sich auch nicht in der gleichen Form wieder, wie sie vorher waren, sondern nur ähnlich. Da das ständig passiert, bekommen wir den Eindruck, als wären wir separate Einheiten.
Wir wollen zum Beispiel einmal an die Luft denken, die hier im Raum ist. Keiner von uns kann sagen: „Bis hierher ist meine Luft, die darf kein anderer atmen, die bekomme nur ich.“ Können wir sie separieren? Die Luft existiert, wir atmen sie ein. Wenn wir jetzt an einem anderen Platz sitzen, atmen wir woanders die Luft ein. Ist es andere Luft? Wenn jemand die Luft begrenzt hätte – wenn er das könnte – und wir sie nicht bekommen würden, würden wir sterben. Dieses Beispiel ermöglicht es vielleicht, uns mit der Einheit aller Schöpfung vertrauter zu machen. Außerdem hängt auch unser körperliches Überleben von vielen Menschen ab. Wir vergessen diese Wahrheiten ständig, weil wir alles andere, was wir tun, für wichtiger halten.
Wir sollten uns täglich daran erinnern, dass wir alle dem Tod entgegengehen. Geburt ist eine Garantie für den Tod, denn alles, was entsteht, muss auch vergehen. Wir können uns auch überlegen, was noch wichtig ist, wenn wir auf unserem Totenbett liegen. Ist es wichtig, wie oft wir Recht gehabt haben oder wie oft wir jemanden verurteilt haben oder wie viele Menschen uns gleichgültig waren? Oder kommt es darauf an, wie oft und wieviel wir geliebt haben und wie voll das Herz immer noch von Liebe ist? Wir können uns überlegen, um was es wirklich geht. Keiner weiß, wann sein Tod kommt. Wir glauben, er kommt im Alter, aber auch das ist ein karmisches Resultat, das nicht jeder hat. Wenn wir uns einen Friedhof beschauen und die Grabsteine lesen, so ist jedes Alter vertreten, von einer Stunde bis über hundert Jahre.
Unser Erinnern an die eigene Sterblichkeit bedeutet auf keinen Fall, dass wir unseren Verpflichtungen und Verantwortungen nicht mehr nachkommen, im Gegenteil: Was wir mit Liebe tun, ist wohlgetan. In Wirklichkeit: Was wir mit Liebe tun, ist spirituell getan. Was wir ohne Liebe tun, kann noch so spirituell aussehen, hat aber keinen spirituellen Inhalt. Wenn wir uns ohne Liebe auf das Kissen setzen, ist kein spiritueller Werdegang möglich. Wenn wir liebevoll Toiletten putzen, sind wir dabei, uns spirituell zu entwickeln. Teresa von Avila hat gesagt: „Ich brauche nicht noch eine , heilige‘ Nonne, ich brauche eine, die Toiletten putzt.“
Heiligkeit ist heil sein und nichts anderes. Selig-sein ist Glückseligkeit. Wir alle haben die Fähigkeiten dazu, aber wir müssen darauf hinarbeiten und erkennen, dass es möglich ist. Glückseligkeit und Heilsein beinhalten Loslassen. Am Ende können wir nichts behalten. Freiheit des Herzens schließt Gutes und Schlechtes mit ein. Das bedeutet nicht, dass wir keinen Unterschied zwischen Gutem und Schlechtem erkennen, dann könnten wir ja die Tugendregeln nicht einhalten. Aber es bedeutet, dass wir niemanden ablehnen müssen, sondern, dass wir lieben können, wodurch wir nicht mehr so oft impulsiv, instinktiv und negativ reagieren. Allein das ist schon eine Ebene des Glücks, die die meisten Menschen nie kennenlernen. Wenn wir nicht mehr auf Dinge, die uns nicht passen, reagieren, weil wir genügend Liebe in uns tragen, dann haben wir endlich einmal Ruhe. Dann sind wir auch in der Lage zu meditieren, weil der Geist sowieso ruhig ist.
Die Meditation muss geliebt werden, dann hat sie eine Chance zu funktionieren. Was immer wir für Schwierigkeiten bei der Meditation haben, auch diese können wir lieben. Wir wissen schon, dass es schwierig ist, Mensch zu sein, und noch schwieriger, ein guter, liebender Mensch. Wenn uns das klar ist, dann werden wir uns vielleicht einmal unseren Schwierigkeiten hingeben und versuchen, sie zu überwinden, was eine der Anweisungen des Buddha ist. Dazu hat er Folgendes gesagt: „Derjenige, der tausendmal tausend Armeen besiegt, ist nichts im Vergleich zu demjenigen, der sich selbst besiegt.“ Die Selbstbehauptung, die Selbstbezogenheit können wir besiegen.
Lieben ist Schenken, Von-Sich-Selbst-Geben. Je mehr wir uns selbst verschenken können, desto leichter fällt uns das Lieben. Wir brauchen keine Bestätigung. Wenn wir das Herz voll Liebe haben, sind wir bestätigt. Wir brauchen niemanden, der uns sagt, dass wir liebenswert sind. Und wenn uns jemand sagt, dass wir nicht liebenswert sind? Auch das ist kein Grund zur Trauer, sondern nur Worte, mit denen wir nichts weiter zu machen brauchen. Der Ärger, den wir um uns verbreiten, die Ablehnung, die Feindseligkeiten, alles existiert im Weltall, im kosmischen Bewusstsein. Wollen wir wirklich die Negativitäten noch vergrößern? Oder wollen wir die Liebe, das Glück, die Freude vergrößern? Wenn wir das Letztere wollen, dann haben wir eine hochinteressante Lebensaufgabe; aber nicht nur das, wir haben einen Lebenssinn gefunden, der den meisten Menschen heutzutage abhandengekommen ist. Dass unser Lebenssinn nicht materiell ist, weiß wohl jeder. Aber worin besteht er stattdessen? Nicht bekommen wollen, sondern schenken und diese Welt um eine Kleinigkeit schöner und reiner verlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Liebende-Güte-Kontemplation
Um anzufangen, bitte die Achtsamkeit auf den Atem lenken für ein paar Momente.
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Wir wollen in unser Herz hineinschauen und einmal feststellen, ob dort ein Liebesgefühl zu finden ist. Vielleicht für einen spezifischen Menschen. Dieses Gefühl nun erkennen, erleben, sich darin vertiefen.
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Jetzt wollen wir diesen besonderen Menschen fallenlassen. Bleibt dieses Gefühl im Herzen? Und können wir es anderweitig verschenken?
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Jetzt wollen wir uns einmal an einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf im Alltag erinnern. Wie oft am Tage fühle ich ablehnende oder negative Empfindungen gegenüber anderen Menschen, weil ich etwas höre oder sehe, was ich negativ interpretiere? Kann ich mich wirklich auf meine Interpretationen verlassen? Stimmen sie oder könnte ich sie auch fallenlassen?
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Wie oft am Tage habe ich spontan ein Gefühl der Liebe einem anderen Menschen gegenüber empfunden, und war dafür immer ein Grund nötig oder konnte ich es auch empfinden ohne einen spezifischen Anlass?
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Habe ich schon versucht ein Liebesgefühl zu empfinden, selbst wenn keine Bestätigung für mich vorhanden war?
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Ist mir klar, dass ein Liebesgefühl in meinem Herzen Glück für mich und die Umwelt bringt?
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Und ist mir klar, dass ein Liebesgefühl in meinem Herzen für mich und die Umwelt heilend wirkt?
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Wie oft an irgendeinem beliebigen Tag habe ich das Glück des Liebesgefühls verspürt?
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Ist mir klar, dass Hass, Ärger und Ablehnung Unheil für mich und die Umwelt bringen?
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Habe ich dieses Unheil in mir gespürt? Wie oft war es mir an irgendeinem Tag bewusst?
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Ist mir klar, dass, wenn ich glücklich sein und Glück um mich verbreiten möchte, das Liebesgefühl im Herzen dazu unumgänglich nötig ist?
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Wie vielen Menschen stehe ich gleichgültig gegenüber? Kann ich erkennen, wieso ich gleichgültig bin?
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Kann ich mir jetzt gleich einen dieser Menschen, dem ich gleichgültig gegenüberstehe, vornehmen und versuchen, ihn in Liebe zu umarmen? Wieviel Abwehr habe ich dabei, oder kann mein Herz sich öffnen?
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Jetzt können wir uns einen Menschen vornehmen, den wir aus irgendeinem Grund abgelehnt haben. Können wir erkennen, warum wir diesen Menschen ablehnen?
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Können wir die Ursache, die wir erkannt haben, fallenlassen und diesen Menschen nur als einen Mitmenschen, einen Teil der Familie der Menschheit sehen und ihn daher liebevoll umarmen?
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Wir nehmen uns wieder irgendeinen beliebigen Tag vor. Wie oft am Tage rechtfertigen wir unsere Ablehnungen, unsere negativen Beurteilungen?
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Und wie oft am Tage haben wir schon versucht, das zu lieben, was uns nicht passt?
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Können wir erkennen, dass wir glücklich sind, wenn wir lieben, und unglücklich, wenn uns etwas nicht passt?
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Ist uns klar, dass wir wählen können, und dass es einzig und allein an unserer Wahl liegt, ob wir glücklich oder unglücklich sind? Wollen wir diese Wahl treffen?
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Können wir erkennen, dass wir eine Verantwortung der Menschheit gegenüber haben? Wenn wir liebend und glücklich sind, strahlen wir das aus, und diese Ausstrahlung verbreitet sich. Wollen wir Verantwortung dafür übernehmen?
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Wir können untersuchen, ob wir die Angst, nicht geliebt zu werden, ersetzen wollen, indem wir selbst lieben.
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Können wir uns erinnern, wie oft am Tage wir mit Ablehnung reagieren, weil wir nicht bestätigt worden sind? Und dass uns das unglücklich macht und wir dadurch Unglück um uns herum verbreiten?
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Wollen wir üben, stattdessen mit Liebe zu reagieren, egal ob wir bestätigt werden oder nicht, und dadurch Glück und Liebe in uns haben und um uns verbreiten?
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Wenn es uns schwerfällt, ein Liebesgefühl für Menschen zu erwecken, die uns gleichgültig sind, können wir uns einmal vorstellen, wie das sein könnte?
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Die Vorstellungskraft ist eine schöpferische Kraft. Wir wollen uns diese schöpferische Kraft, die wir alle haben, zunutze machen.
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Können wir uns vorstellen, wie es sein könnte, wenn wir das Paradies der bedingungslosen Liebe in unserem Herzen tragen? Wir wollen diese Vorstellung in uns verankern, sodass wir unsere schöpferische Kraft dafür verwenden können.
Mögen alle Menschen lieben lernen.
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