Kitabı oku: «Willkommen bei Kitty - 21 erotische Novellen»
LUST Auhtors
Willkommen bei Kitty - 21 erotische Novellen
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Coverbild / Illustration: Shutterstock
Copyright © 2019, 2022 LUST, SAGA Egmont, Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788728043066
1. Ebook-Auflage, 2022
Format: EPUB 3.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.
Willkommen bei Kitty
Willkommen bei Kitty
Elena Lund
Die Wärme liegt diesen Sommer wie eine Decke über allem in Berlin. Auf dem schwarzen Balkongeländer setzen sich Pollen und Abgase ab. Die gelben Punkte auf dem Metall sind von weitem nicht sichtbar, aber dicht und klebrig, wenn man von nahem hinsieht. Die Fingerspitzen bleiben kurz kleben, wenn man das Geländer anfasst. Auf Fionas Haut liegt eine Schicht von Sonnencreme, Schweiß und verwischter Foundation. Geschmolzen und verklebt. Vermischt und getrocknet, getrocknet und wieder geschmolzen. Sie zieht die Gabel langsam durch die Knoblauchnudeln, ein Tropfen Öl fällt auf ihren Bauch, als sie die überfüllte Gabel in den Mund schiebt. Läuft zum Nabel hinab, vermischt sich mit dem Schweiß und der geschmolzenen Sonnencreme und trocknet, schmilzt und trocknet wieder.
Überall ist diesen Sommer alles von einer Schicht bedeckt. Von Großstadt, von Sommer, von billigem angetrocknetem Wein auf Gartenmöbeln und von trockenen 37 Grad.
Es könnte alles etwas eklig sein. Aber vor allem macht es sie kraftlos. Der Schweiß, der sich in den Kniekehlen sammelt und in kleinen Tropfen am Nacken, fühlt sich reinigend an. Ihr Körper, der ausgestreckt auf dem kleinen Balkon liegt, vibriert und ist überempfindlich von der Wärme. Er glänzt und genießt es, sie ist durch die Sonne wie neugeboren und fühlt sich attraktiv. Sie stellt den Nudelteller weg und zündet sich eine Zigarette an. Der starke Rauchgeschmack legt sich in das Fett auf ihren Lippen. Ihr Höschen ist dunkelgrün, eng und hoch ausgeschnitten. Sie legt das linke Bein auf das Geländer. Inhaliert und atmet über den ganzen Rosenthaler Platz aus.
Im Schatten des Balkonbodens liegt Fionas Handy. Es liegt mit dem Bildschirm nach unten, denn sie weiß, dass sie eine Nachricht bekommen hat. Sie ist da. Nichts kann die Tatsache ändern, dass die Nachricht da ist, und sie muss sie noch nicht beantworten. Es ist egal, ob es nicht so wird wie gedacht, wenn sie noch nicht antwortet. Bisher gibt es nur eine unbeantwortete Nachricht, und das ist manchmal der beste Moment, wenn noch nichts passiert ist. Eine Zigarette in der schwitzigen Sommersonne, etwas beschwipst vom Glas Weißwein und ein ausgetrockneter Körper – und den Samstagabend mit seinen Erwartungen verpackt in eine Tindermitteilung. Sie kann die Erwartungen wie kleine Berührungen auf dem ganzen Körper spüren, das Pulsieren unter der Haut ist der Traum der längsten Nacht des Lebens, und das bringt die Fingerspitzen zum Kribbeln.
Hannah
Hi. Du willst also ein Abenteuer, richtig?
Es ist so einfach auf Tinder, zu etwas ja zu sagen, bei dem Fiona sonst errötend weggucken würde. Wo sie nervös mit den Fingern knacken, die Augen rollen und lachen würde. Auf dem Handy ist es anders, aber vor allem ist es im Ausland anders. Niemand, der sie kennt, kann sie hier sehen. Wie sie nervös und schüchtern wird, still und abgewandt. Niemand kennt jemanden, der jemanden kennt, der sie hier sieht, und dadurch ist sie überhaupt nicht mehr nervös.
Fiona
haha, ja, das hab ich wohl gesagt
Hannah
Hast du es dir anders überlegt?
Fiona
Hätte ich sollen?
Hannah
Deine Entscheidung, darling. Ich gehe heute Abend ins Kit Kat. Wenn du willst, komm doch mit mir mit
Es war drei Uhr, als die letzte Mitteilung ankam. Und damit hatte die Unruhe – am Abend allein in Berlin zu sein, allein an einem Samstag zu sein – nachgelassen. Eine rothaarige Hannah mit perfekten Wangenknochen, die sie darling nennt, fragt Fiona, ob sie mit ihr in einen Sexklub gehen will. Also hatte Fiona sich bis auf die Unterwäsche ausgezogen, ihre Nudeln und eine Flasche Wein auf den aufgeheizten Balkon mitgenommen und mit der ganzen Stadt angestoßen. Das Kribbeln im Bauch behalten und über eine Stunde auf der Nachricht rumüberlegt. Was das alles bedeutet, was das alles werden kann. Aber jetzt kann sie nicht mehr. Das Handy ist warm, als sie es in die Hand nimmt.
Da war ich noch nie.
Das löscht sie. Da wollte ich schon immer mal hin. Nein.
Ja, gern. Nein.
Fiona
Sehr gerne.
Der Geruch in der Innenstadt hat sich beim Sonnenuntergang verändert. Die Sommerluft riecht noch immer nach Sommer, aber statt des klebrigen, dünnen Dufts nach Säure und Verkehr riecht es jetzt nach nassem Wald und Hasch. Immer liegt ein dumpfer Haschgeruch über dieser Stadt. Fiona greift wieder nach ihrem Handy. 23:07. Steckt es wieder in die Tasche und nimmt stattdessen ihr Zigarettenpäckchen. Manchmal kommen kleine Menschenströme aus der U-Bahn hoch. Alle gehen an ihr vorbei, entweder zum Kiosk, um Alkohol zu kaufen, oder direkt zur Schlange. Manchen sieht man sofort an, wo sie hinwollen. Oder eher, dass sie genau da hinwollen. Sie tragen enge Lederhalsbänder mit großen Silberringen vorn, hohe Stiefel in glänzendem Lack und eine knallpinke Peitsche, die aus dem Adidas-Rucksack guckt. Sie sehen fantastisch aus. Alle sehen fantastisch aus. Sie kann das Schild am Tor von ihrem Standpunkt aus sehen, rot und leuchtend: „Welcome to the Circus.“
Drei Türsteher stehen am Eingang, die bestimmen, ob man sich genug angestrengt hat, ob die Leute auch wissen, wohin sie gerade gehen. Fiona weiß, wohin sie geht. Sie hat drei Gläser Weißwein im Körper und fühlt sich mutig und sexy. Sie spürt ihre halterlosen Strümpfe – von denen bisher, aber nicht mehr lange, nur sie weiß, dass sie sie trägt –, die sich eng an ihre Schenkel schmiegen. Sie möchte sich nach der pinken Peitsche strecken, nur weil es hier nicht unmöglich ist. Sie will das vielleicht noch nicht ausprobieren, aber sie will sie in der Hand halten, ihre Schwere spüren und die Möglichkeit, sie zu benutzen.
Sie inhaliert noch ein letztes Mal von ihrer Zigarette, wirft sie zu Boden und sucht nach dem Handy in ihrer Tasche, als sie jemand am Oberarm greift. In der einen Sekunde, die Fiona zum Umdrehen braucht, rutscht ihr das Herz erst in die Hose und schlägt dann bis zum Hals und rutscht dann wieder in die Hose.
„Fiona, richtig?“, sagt Hannah. Ihre Stimme ist heller, als Fiona sie sich vorgestellt hat, laut, ohne schrill zu sein, aber klangvoll.
„Richtig“, flüstert Fiona und nimmt sie in den Arm. Sie riecht nach Männerdeo und Apfelsine. Hannahs Umarmung ist hart, sie hält sie fest und wippt zweimal hin und her, als ob sie beste Freundinnen wären, die sich nach sehr langer Zeit zum ersten Mal wiedersehen.
„Bereit?“, fragt sie und lächelt breit. Sie hat Grübchen, die man auf den Tinderbildern nicht sieht, aber ansonsten sieht sie aus wie erwartet. Groß und elegant. Die roten Haare in einem festen, hohen Pferdeschwanz. Sie hat deutlich geschwungene Lippen; deren scharfe Konturen sehen gemalt aus, wenn sie von den Straßenlaternen beleuchtet werden. Fiona möchte sich nach vorne beugen und ihre Zungenspitze in das Grübchen drücken.
„Ja, doch“, sagt Fiona und fängt beinah an zu lachen. Erleichtert und nervös, ängstlich und erregt.
„Dann stellen wir uns jetzt an? Oder willst du erst was trinken?“
„Nein, alles gut. Danke.“
Hannah guckt schnell zur Seite, ehe sie die Straße überquert, und Fiona läuft ihr hinterher.
„Ist nicht so schlimm“, sagt Hannah und deutet auf die Schlange, als Fiona aufholt. „Die Schlange. Es geht schnell, wenn es noch so früh ist.“
Fiona nickt. Die Schlange ringelt sich eng über den schmalen Fußweg und am Kebabstand an der Ecke vorbei. Hannah sieht sie unter blau glänzenden Wimpern an, mit einem Blick, der Fionas Herz so stark zum Schlagen bringt, dass sie es zwischen den Beinen spürt.
„Du bist sehr hübsch“, sagt sie, was Fiona zum Kichern bringt. „Was? Bist du. Sehr“, sagt sie. Wenn sie jetzt spricht, ist ihre Stimme langgezogen und schleppend, vielleicht macht sie das extra, um verführerisch zu klingen, aber sie klingt nicht auf gespielte Art verführerisch. Hannah fühlt sich ganz natürlich verführerisch an, auf eine mitreißende und animalische Art. Es ist etwas Rohes und Sehnsüchtiges in ihrer Art zu gucken und sich zu bewegen, und es scheint, dass ihre Stimme so belegt klingt, weil sie Fiona wirklich süß findet. Fiona selbst findet, dass Hannah die sexyste Person ist, die sie je gesehen hat. Ihre schmalen Finger, wenn sie gestikuliert, die dunkelrosa unangemalten Lippen in ihrem ansonsten scharfen, geschminkten Gesicht. Die deutliche Taille in dem engen, dunkelblauen Oberteil. Wenn Fiona ihre Hand ausstrecken würde, würde sie da perfekt hinpassen, sie würde am Burstkorb unter den Fingern spüren, wenn sie Atem holt.
„Du auch“, antwortet sie endlich, vielleicht ist sie etwas rot geworden. Es ist egal.
Die Schlange geht schnell voran, wie es Hannah gesagt hat, und plötzlich stehen sie vor den Türstehern. Sie fragen etwas und Hannah sagt: „Zwei“. Die Türsteher nicken und sie dürfen weitergehen.
Nach dem ersten Tor kommt ein riesiges Wandgemälde. Ein männlicher gefallener Engel, überwacht von einem ebenfalls nackten Mann, der wie der Teufel aussieht.
„Wunderschön, nicht?“, fragt Hannah und legt gleichzeitig leicht die Hand auf Fionas nackten Oberarm. Die Berührung explodiert in ihrem Körper, und sie muss ihre Füße fest in den Boden pressen, um sich nicht an sie zu lehnen, möchte die Wärme der Fingerspitzen festhalten, sie über den Arm gleiten lassen und die Nägel leicht schaben hören.
„Es ist wunderschön.“
Draußen ist die Nacht warm, aber die Wärme fühlt sich jetzt endlich leicht an, als wäre sie müde nach den unbeherrschten, wilden Wärmewellen des Tages und hätte sich niedergelegt. Die schwere Luft ist jetzt klar. Als der letzte Türsteher die große, schwere Eisentür zum Klub öffnet, betritt Fiona eine andere Art der Wärme. Menschenwärme. Hannah hat schon den Eintritt für beide bezahlt, als Fiona gerade den Mund schließt, der ein klischeehaftes O geformt hat. Hannah sagt: „Passt schon“, bevor Fiona den Mund wieder öffnen und protestieren kann. Dann spürt sie Hannahs warme Hand an der Hüfte und lässt sich führen. Durch einen Meer von Menschen in Leder, Samt und nackter Haut.
„Zeit, sich auszuziehen“, sagt sie und lächelt.
Sie knöpft ihre enge Jeans auf und zieht sie über die Hüfte. Das blaue Oberteil ist ein Body, Spitzenunterteil mit String. Die Spitze ist gemustert, aber man kann sehen, dass sie rasiert ist. Die Haut scheint bleich hindurch, bleicher als die Schenkel. Während sie sich ausziehen, sehen sie einander an, ohne es zu verbergen, und Fiona geniert sich nicht ein bisschen. Als sie ihr dünnes Baumwollkleid auszieht, sieht sie Hannah in die Augen. Hannah lässt ihren Blick langsam über das schwarze Unterwäscheset und Fionas sonnengebräunte Haut wandern. Sie sind fast gleich groß, Hannah ist nur wenige Zentimeter größer. Sie stellt sich so nah an Fiona, dass diese die Wärme ihres Körpers auf ihrer eigenen Haut wie Dampf spüren kann. Sie führt ihre Hände zu Fionas Gesicht und lässt sie durch ihre offenen Haare gleiten. Gräbt die Finger hinein und zieht sie nach oben. Frisiert ihre Haare in einem passenden strammen Pferdeschwanz.
„So ist es einfacher“, sagt sie mit dieser schleppenden Sexstimme. Sie löst eine direkte physische Reaktion in Fionas Körper aus. „Außerdem siehst du toll aus.“ Die Haare in Fionas Nacken stellen sich vor Behagen und Lust auf. Als sie mit dem Pferdeschwanz fertig ist, lässt sie die Finger fallen und streift Fionas Nacken mit einer weichen und lustvollen Berührung. Fiona begreift nicht, wie man jemanden so natürlich und erregend berühren kann. Wenn Hannah sie berührt, vergisst sie, dass sie sich in einem engen Klubfoyer befinden. Das laute Dröhnen der Technomusik ist weit, weit weg.
„Und, bereit für Kit Kat?“
Es hätte nicht viel gegeben, das sie darauf vorbereitet hätte, was sie in dem versteckten, grauen Haus erwartete, aber sie ist nicht schockiert. Es ist nicht unbedingt eine Zirkusvorstellung, wie das rote Schild draußen versprach. Aber es ist ein riesiger, schmutziger, reisender Karnevalsverein.
Hannah führt sie durch den Klub. Über die rappelvolle Tanzfläche und in kleine Zimmer. Treppen hinab und in versteckte Flure. Es ist ein Irrgarten von Sex und es ist berauschend. In einem Zimmer stehen Krankenhausbetten in einer Reihe. Das kalte Licht scheint auf die Paare und Konstellationen auf den mit Latex bezogenen weißen Betten. Andere Gäste stehen mit Drinks drum herum und gucken zu. Fionas Herz schlägt bis zum Hals, ihr ist warm, und sie fühlt sich übersensibel, jede Bewegung von Hannah spürt sie wie kleine Wellen auf ihrer Haut. Vor einigen Tagen hätte sie nicht glauben können, dass es sie so erregen würde, in einem offenen Raum zu stehen und mehreren Paaren beim Sex zuzusehen, aber so ist es. Ihre Nonchalance, ihr Mut, ihre Anonymität und ihre Körper. Eine schwarzhaarige Frau mit zwei geflochtenen Zöpfen hat einen Strap-on an, sie steht an den Rand eines Krankenhausbettes gelehnt, während ein Typ mit Glatze ihr einen bläst. Er streckt die Zunge heraus und leckt um die dunkle Plastikeichel, und die Frau stöhnt. Und das macht es so sexy – dass sie, obwohl sie es physisch gar nicht spüren kann, genießt, dass er ihr einen bläst. Sie hält seinen Kopf mit ihrer Hand, mahnt ihn, sie härter zu nehmen.
Fiona spürt Hannahs Worte, ehe sie sie hört – einen Hauch von heißem Atem an ihrem Ohr.
„Hey, Babe, ich habe mir das Beste für den Schluss aufgehoben. Willst du es sehen?“
Fiona braucht nicht zu antworten. Sie nimmt Hannahs Hand und folgt ihr willig, als Hannah sie wieder die Treppe hochzieht. Sie sah das helle Zimmer aus dem Augenwinkel, als sie reingekommen sind, sie hat darüber gelesen. Das Pool-Zimmer.
Hier sind die Luft und das Licht kristallklar. Hellblau und glänzend. Eine unwirkliche Oase in dem dunklen Klub. Der große Pool in der Mitte, darum Sofas und eine Sauna am Ende. Momentan badet niemand, das Wasser ist still und unberührt. Es wirft glänzende Lichteffekte auf die Wände und Körper im Zimmer, Hannahs Wimpern werfen kleine blaue Sterne auf ihre Wangen.
„Willst du in die Sauna?“
Fiona ist es, die fragt. Ihre Stimme ist tief und schleppend. Sie sagt es, ohne nachzudenken. Will Hannah jetzt ohne Kleider sehen, verschwitzt und warm. Hannah streckt die eine Hand aus und legt sie auf Fionas Rücken, streichelt ihr langsam an der Wirbelsäule hoch bis zum BH und hakt ihn schnell und geschmeidig auf. Führt die Finger weiter zu den Schultern. Sie ist langsam nähergekommen und jetzt steht sie so nah an Fiona, dass diese ihre Atmung hört. Hannah zieht ihr den BH aus und beugt sich nach vorn. Legt ihre Lippen an Fionas Hals, küsst sie federleicht. Der Atem, der Fionas Lippen bei dieser kleinen Berührung verlässt, ist animalisch und innig, ein rasselndes Stöhnen, das Hannah zubeißen lässt. Ein stechender Schmerz und eine Erregung, die Fionas ganzen Körper erzittern lassen.
„Ja“, sagt Hannah. Sie nimmt wieder Fionas Hand und sie gehen zu der kleinen Holzhütte. Sie ziehen sich selbst aus, Hannah legt ihre Kleidung zu einem perfekten Haufen und Fionas Hände zittern leicht.
Sie sind allein in der Sauna. Durch das Türfenster kann man den Pool sehen und die Menschen, die sich drum herum bewegen. Aber hier gilt nur Fionas eigene Fantasie. Die stickige Luft ist warm und vibriert. Hannah legt ihre weißen Handtücher nebeneinander auf die unterste Bank und setzt sich. Sie sieht ohne Kleider elfengleich aus. Schlank, aber mit runden Konturen, deutlicher Taille und weichem Bauch. Die Art von Körper, die man anfassen muss, fühlen muss. Ihre Brüste sind schwer und die Brustwarzen dunkel. Verglichen mit dem Raum davor, ist es in der Sauna leise, hier werden gefühlt alle Bewegungen und Geräusche durch die schwere Luft verstärkt. Alles ist langsamer und trifft einen mit größerer Kraft, wenn es auf 60 Grad erhitzt wurde. Fiona stellt sich vor Hannah, die ihre Hände auf Fionas Hüften legt. Warm und trocken. Fiona streicht ihr mit den Handflächen über die Arme und setzt sie auf die Kante hinter Hannah. Rahmt mit ihren ausgestreckten Armen Hannahs Gesicht ein. Noch berühren sie einander nicht, noch haben sie einander nicht geküsst. Fiona legt ihre Fingerkuppen unter Hannahs Kinn, mutig und impulsiv, allein in dem kleinen, heißen Raum. Fiona lenkt Hannahs Gesicht nach oben zu ihrem. Beugt sich vor und biegt die Knie nach außen. Schwebt über Hannahs Körper, berührt sie aber nicht. Alle Haare auf Fionas Körper recken sich zu Hannah, die Sekunde, die sie ganz stillhält, ist unendlich. Es braucht eine physische Anstrengung, um ihre brennende Haut nicht an Hannahs zu pressen. Dann lässt sie ihren Körper sinken. Ihre nackten Beine und ihre Muschi landen auf Hannah. Das Gefühl der heißen Haut an ihrem Unterleib lässt ihre Selbstkontrolle verschwinden und Fiona wirft sich auf sie. Die Antwort ist ebenso enthusiastisch und gewaltig.
Hannah legt ihre Arme um Fionas Taille und drückt sie an sich. Öffnet ihren Mund und lässt Fiona hinein. Streicht mit ihrer Zunge um ihre, nass und hungrig. Sie schmeckt nach kaltem Bier, Zitrone und Lippenbalsam. Hannah hält mit ihrer Hand Fionas Nacken fest, drückt ihre Fingerkuppen in den Haaransatz, drückt ihr Gesicht und ihre Lippen noch fester an sie. Fiona lässt ihre Zunge über Hannahs Zähne gleiten, es fühlt sich intim und animalisch an. Hannah beißt als Antwort leicht hinein und greift nach Fionas Po. Als Fiona Hannahs Brüste nimmt, gleiten ihre Hände ab; ihre Körper sind bereits glitschig vom Schweiß. Als sie fester zugreift, spürt sie, wie Hannahs Brustwarzen unter ihren Handflächen hart werden. Sie schnauft lauter und fällt noch tiefer auf sie nieder. Hannahs Venushügel wird gegen ihre feuchte Muschi gedrückt, ihr Hüftknochen gegen Fionas Innenschenkel. Es kocht in ihr, und sie erzittert stark und merkbar.
Endlich darf sie die Hand auf die Taille legen und mit den Daumen über ihre Rippen streichen, während sie nach Luft keucht. Ohne darüber nachzudenken, hat Fiona begonnen, ihren Unterleib gegen Hannahs zu stoßen auf der Suche nach einer Stimulierung – sie ist so geil, dass sie ihren Herzschlag in ihrer Muschi spürt. Jede kleine Bewegung, durch die Hannahs Haut ihre Schamlippen berührt, schickt eine Explosion ihre Beine hinunter. Als sie die Zunge herausstreckt und an Hannahs geschwungenen Lippen entlangleckt, liegen kleine Schweißtropfen wie Tau darauf, scharf und salzig. Sie will diesen Geschmack für immer auf der Zungenspitze behalten.
Wo ihre Körper sich berühren – an den Beinen, an Fionas Muschi, die Hannahs Bauch berührt, an Hannahs Armen um Fionas Taille und am Rücken –, fühlt es sich an, als wären sie miteinander in der glühenden Luft verschmolzen. Fionas Körper ist so überempfindlich und so nah an Hannahs, dass sie zu einer Person geworden sind. Sie kann sehen, wie der Schweiß über Hannahs Gesicht läuft, den Brustkorb hinab und zwischen die Brüste. Sie nimmt einen der Tropfen mit dem Daumen und steckt ihn sich in den Mund. Nimmt den Daumen mit einem obszön ploppenden Geräusch aus dem Mund, sodass ein Spuckefaden mitkommt. Sie führt ihn an Hannahs Lippen, die ihn hungrig ableckt. Sie atmen tief und im Takt, rasselnd in der undurchdringlichen Luft. Wenn sie Luft holen, werden ihre Brustkörbe aneinandergedrückt, und eine erneute Welle der Hitze und Erregung fährt durch Fionas Körper. Sie kann Hannahs Brustwarzen – noch immer steif, aber weich durch die Hitze – an ihren eigenen Brustwarzen spüren.
Mit einer starken, ausladenden Bewegung greift Hannah fester um Fionas Taille und ihr rechtes Bein, und legt sie auf dem Rücken auf die Bank. Es gibt ein dumpfes Geräusch, als sie landet, aber es ist kein harter Schmerz. Sie muss Luft holen, um nicht schon durch den Anblick von Hannah über ihr zu kommen. Ihren Wangen sind rosa und der Pferdeschwanz verwuschelt, die Haut glänzt vom Schweiß, und die Augen sind groß vor Ungläubigkeit. Hannah greift wieder nach Fionas Beinen und zieht sie zu sich. Entschlossen und athletisch und unglaublich sexy. Fionas Stimme zittert, als sie fest nach Hannahs Pferdeschwanz greift, sie zu sich führt und sagt: „Fass mich an.“
Als Antwort spürt sie Hannahs Zunge in ihrem Nacken, neugierig und sanft. Eine Mischung aus Küssen und kleinen Zügen mit der Zungenspitze. Kaum dass Fiona reagiert, löst Hannah die rechte Hand von Fionas Schenkel, lässt sie zur Innenseite gleiten und greift nach Fionas Muschi. Nicht grob, aber mit festem Griff. Das Gefühl ist so schön, dass Fiona ein lustvolles Stöhnen entgleitet, ein Wiehern. Hannah lässt ihre Hand an der Stelle, drückt nur ihre Handfläche auf Fionas Venushügel – langsam beginnt sie zu massieren und lässt die Fingerspitzen ganz, ganz leicht über ihre Schamlippen streichen, während sie Fiona am Hals entlang küsst und ihr dann an den Brustwarzen saugt. Fiona biegt sich, ohne darüber nachzudenken, ihr eigener Zopf wird zur Holzunterlage gezogen, und sie spürt, wie ihr der Schweiß die Wirbelsäule entlangläuft. Hannah neckt ihre Brustwarze und lässt gleichzeitig ihren Zeigefinger Fionas äußere Schamlippen massieren, bevor sie ihr den Zeigefinger langsam einführt. Er gleitet leicht hinein und Fiona beugt sich noch mehr, um Hannahs Finger tiefer und schneller in sich aufzunehmen. Aber Hannah bewegt sich weiter in Zeitlupe, lässt den Finger wieder ganz hinausgleiten, an den Schamlippen hinauf und mit einer schnellen Bewegung über die überempfindliche, geschwollene Klitoris, bevor sie ihr den Finger wieder hart, aber langsam einführt. Mit der anderen Hand nimmt sie Fionas Gesicht und küsst sie wieder. Schnell und hart, ehe der Kuss unterbrochen wird, weil sie Luft holen müssen. Fionas Körper wabert vor Schweiß und Lust, die extrem warme Luft stört nicht, liegt aber wie eine warme Decke über ihnen. Macht alles langsamer, stärker und intensiver. Der Schweiß rinnt ihre Gesichter hinunter und ihre Haut pulsiert, aber alles andere ist unbedeutend, als Hannah einen zweiten Finger einführt und sich schneller und schneller bewegt. Weit weg hört Fiona den Bass der Technodisko, er hat den Rhythmus von ihrem Atem, von Hannahs Stöhnen. Ihre Lippen sind so nah an Fionas, dass es sich anfühlt, als hätte Hannahs Atem eine feste Konsistenz, er legt sich auf Fionas Lippen, und sie leckt ihn ab.
In den Beinen spürt sie, wie der Orgasmus sich aufbaut, es kribbelt so stark von den Füßen hinauf, dass es sich anfühlt, als ob sie taub werden. Hannahs Bewegungen sind schnell und präzise, Fionas Körper ist geschmolzen, sie versucht nach Hannahs Körper zu greifen, aber sie ist zu verschwitzt. Fiona öffnet den Mund und lässt zu, dass sie laut ist. Ein scharfes, lautes Stöhnen.
Als sie so kurz vor dem Orgasmus ist, dass sie ihn beinah greifen kann, schlägt sie Hannahs Hand weg. Das ist so ziemlich das Schwerste, was sie in ihrem Leben getan hat. Als sie auf die Arme hochkommen will, zittert sie, ihr Atem geht kurz und tief. Ihr Blick trifft Hannahs hinter dunklen Wimpern, und sie sagt nur: „Noch nicht.“ Stattdessen greift sie nach Hannahs Schenkeln und zieht sie an sich. Hannah klettert über sie, an ihr vorbei und stellt den einen Fuß auf den Plastikboden vor der Bank, sodass ihre Muschi sich genau vor Fionas Gesicht befindet. Sie ist dunkelrosa und nass. Fiona kann nicht warten. Sie greift fest nach Hannahs Hüften und leckt sie hart und fest, direkt von der Öffnung zwischen den Schamlippen entlang bis zur Klitoris. Hannah wimmert über ihr und drängt sich näher heran. Fiona leckt sie wieder, sie schmeckt stark nach Salz, Schweiß und Muschi, aber auch nach etwas Süßem – Melone und Nektar. Sie saugt an der Klitoris und lässt die Zungenspitze vor- und zurückschnellen. Sie streckt die Hand aus und neckt Hannah an der Brustwarze. Sie hört, wie Hannah über ihr auf Deutsch flucht, und ist erleichtert, dass sie beide so schnell kurz vor dem Höhepunkt sind. Als Hannah ihre eine Hand nach hinten nimmt und Fionas Muschi mit zwei Fingern zu massieren beginnt, öffnet Fiona den Mund und stöhnt so laut, dass sie beinah schreit. Das bringt Hannah dazu, selbst noch mehr vor Fionas Gesicht zu wippen. Fiona drückt ihre Zunge so tief sie kann hinein und massiert Hannahs Klitoris mit dem Daumen. Von Hannahs Körper rinnt ein Tropfen Schweiß auf Fionas Gesicht. Sie bemerkt, wie sehr sie jetzt zittert. Hannahs Finger sind schonungslos, wie sie ihre Klitoris zum Klimax kneten, und ihren ganzen Körper durchfährt es, als sie den Orgasmus wieder auf sich zukommen spürt. Er kommt nicht allmählich und kitzelnd wie das letzte Mal, sondern wie ein Tritt in den Magen. Es wird ihr sehr schwer, sich auf einen Rhythmus zu konzentrieren, während sie Hannah leckt, sie wird schneller und schneller, ohne richtigen Takt, aber von Hannahs Atmung zu schließen spielt das für beide keine Rolle.
Fiona streckt die Hand aus und greift nach Hannahs Brust, sie liebt es, wie die weiche Unterseite, die jetzt schweißnass ist, in ihrer Hand wippt. Hannah wirft ihren Kopf nach hinten und schreit, als sie kommt. Dieser innige – fast brüllende – Laut, ihre warme Brust in Fionas Hand, der Geschmack von Hannahs Muschi und der Gedanke, dass jederzeit jemand reinkommen könnte. Alles kommt zusammen und Fiona kommt hart und schnell, es durchschlägt sie geradezu. Sie fühlt sich betäubt von dem Gefühl in den Beinen, knisternd und überempfindlich, kurz überlegt sie in ihrer eigenen Überdramatisierung, ob sie gestorben ist. Hannah nimmt ihre Muschi von Fionas Gesicht weg und obwohl Fiona es genossen hat, ist sie dafür dankbar. Außer Atem von der Wärme und dem Orgasmus schnappt sie zwischen ihrem eigenen Stöhnen nach Luft.
Sie wischt sich mit den Händen über Gesicht und Haare, selbst der Pferdeschwanz ist schweißnass. Sie blickt aus der Tür, eine muskulöse, tätowierte Frau zeigt ihr den Daumen hoch. Ein schockiertes, aber euphorisches Lachen steigt in ihr hoch, und Hannah lacht mit.
„Willkommen bei Kitty, darling“, sagt Hannah mit einem breiten Lächeln. „Willst du tanzen?“
Unter dem karierten Flanellhemd: Erotische Novelle
„Weißt du, wer das ist?“
„Hm, was, wer?“
„Der da. Der Schrank, der da drüben steht, in den ich gerade reingerannt bin. Fühlte sich wie eine Steinmauer an! Das ist mir so peinlich!“ Tina lacht sie unbeschwert an und wartet geduldig auf eine Antwort.
„Du bist so krass! Obwohl, das wusste ich eigentlich. Das ist Glenn, er arbeitet im Krankenhaus.“
„Ist er Arzt?“
„Nein, Krankenpfleger.“
Emelies Telefon plingt und sie nimmt es in die Hand, um nachzusehen.
„Okay … Dieses Tinder besteht darauf, mir ständig Nachrichten zu schicken. ‚Du hast ein Superlike bekommen‘ … Ja, und? Es ist doch eh nie etwas Seriöses an einem, der jemanden ‚superliket‘!“
„Ich mache das die ganze Zeit!“
Emelie lacht über Tinas knuffige Art, ehe sie sie mit auf die Tanzfläche zieht.
„Klar machst du das! Komm, wir tanzen!“
Um sie herum sitzen die meisten und unterhalten sich, nur wenige Gäste tanzen. Die Bar ist dunkel und so eingerichtet, dass die Details aus Holz hervorgehoben werden. Schwarzweiße Fotos an den Wänden, die von der Geschichte der Bergarbeiterstadt erzählen, in die viele im 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen, um Gold zu suchen. Die Bilder zeigen vor allem die ursprüngliche Bevölkerung, vor allem Tlingit, die schon lange vor den Europäern in der Stadt gewohnt haben. Die Bar gehört einer Tlingitfamilie, der auch die Buchhandlung gehört, in der sie und Tina viel zu viel Geld ausgegeben haben. Aber das fühlt sich in Ordnung an, weil das Geld an Juristen und die Leute geht, die das First-Nations-Besitzrecht in der Gegend wieder einführen wollen. Die Atmosphäre in der Bar ist entspannt und Emelie ist froh, dass sie trotzdem hergekommen sind, obwohl es die falsche Saison für Schlittenrennen und Nordlichter ist.
Die Bar ist sehr gemütlich und es gibt viele Winkel, in denen man sich ungestört unterhalten kann. Etwas weiter weg sind auch ein Shuffleboard und eine Dartscheibe. Emelie und Tina hüpfen zu dem dröhnenden Bass. Emelie freut sich über ihre Kurzhaarfrisur, mit der sie springen und den Kopf schütteln kann, ohne dass eine Haarsträhne in ihrem Mund landet. Das nächste Lied ist ein spanischer Hit und die wenigen Personen um sie herum fangen an, Salsa zu tanzen, oder versuchen es zumindest.
Emelie ahmt steif Tinas rollende Hüften nach und findet nach einer Weile den Takt. Sie tanzen sich durstig und lassen sich schließlich mit je einem Bier an einen Tisch fallen.
Emelie blickt auf die Menschen um sie herum, die dasitzen und mit ihren Freunden reden. „Verdammt, könnten nicht mehr Leute auf der Tanzfläche sein? Dass man jemandem zum Tanzen gehabt hätte … Ich hätte jetzt echt Lust auf ein bisschen Engtanz.“
„Ich weiß. Du brauchst ein gutes Date, ehe du ganz aufgibst. Ich kann dir ansehen, dass du Sex brauchst!“
„Ist das so deutlich?“
„Du scannst den Raum, als wärst du ein Jäger im Wald oder sowas.“ Tina lacht. „Wer ist deine nächste Beute?“
„Du hast recht, es ist zu lange her. Jetzt würde mir sogar schon ein schwerer Körper an meinem reichen, und dass mich jemand anders als ich selbst anfasst.“
„Na, das stimmt nicht ganz, und das weißt du. Du brauchst guten Sex. Du brauchst jemanden, der versteht, was du willst und es dir gibt. Du brauchst multiple Orgasmen oder wie das heißt. Das brauchst du.“
„Auch wahr. Verdammt, wie schwierig das sein kann. Dass das Singleleben lustig ist, ist der größte Witz der Weltgeschichte.“
Tina bestellt an der Bar noch ein Bier. Als sie zurückkommt, wedelt sie mit der Hand vor Emelies Gesicht.
„Hallo, jemand zu Hause?“
„Er ist so groß und breit … so maskulin und behaart. Ich will zu ihm und seinen Bart anfassen. Wäre das unverschämt?“
Tina lacht.
„Klar, du sitzt hier und fantasierst über Glenn. Aber ja, er ist echt dein Typ. Ein richtiger Holzfäller. Du hast den gleichen Männergeschmack wie Aaron, der mag Bärentypen. Ihr könnt zusammen auf die Pirsch gehen!“
„Mm. Aber er ist sicher ein Machoschwein. Es ist so typisch, dass die Typen, auf die ich stehe, eine Persönlichkeit haben, die ich nicht ausstehen kann!“
„Er ist Feminist.“
„Ein männlicher Feminist? Ach komm, das sagt er nur, um Frauen rumzukriegen oder um sein Selbstbild zu bekräftigen.“
„Nein, echt jetzt, ich glaub nicht, dass er so ein Typ ist.“
„Bestimmt ist er ‚Feminist‘ und geht zu feministischen Veranstaltungen und spricht über Frauen und …“
Tina unterbricht sie mit mehr Infos.
„Nein, er organisiert so Jungsessen. Weißt du, so Essen, bei denen das Thema ist, dass sich Männer treffen und über ihre Männlichkeit reden, Verantwortung für die sexuelle Gewalt übernehmen, die in der Gesellschaft passiert, und darüber sprechen, wie man die schädliche Männernorm verändern kann.“
Emelie hebt die Augenbrauen in stiller Fragestellung und Tina redet lauter und schneller.
„Plus, ich habe ihn noch nie mansplainen hören!“
Emelie öffnet den Mund um gegenanzureden, aber Tina hebt die Hände.
„Nein, warte, lass mich zu Ende reden. Ich sage nicht, dass er perfekt ist, aber ich glaube, dass er den feministischen Kampf führt, ohne den Platz der Frau einzunehmen. Aber er ist auch ganz schön still als Person, eher ein Denker, also ist das vielleicht darum, und nicht, weil er Frauen respektiert … Dass er ein guter Mensch und ein Feminist ist, ist vielleicht auch einfach nur von mir geraten, wer weiß? Das musst du rausfinden!“
„Also muss ich jetzt glauben, dass er großartig ist, nur weil seine Wertvorstellungen ganz okay sind? Und er Frauen als Personen respektiert?“
„Du weißt, dass ich so nicht denke, hör auf. Ich meine nur, dass er kein Chauvischwein zu sein scheint. Gib ihm doch eine Chance.“
„Ja, vielleicht … ich würde jetzt echt eine Runde harten Sex brauchen. Du weißt schon, einer, der mich hochheben kann und mich hart gegen die Wand drückt. Verdammt, ich bin so geil … Das ist echt nicht mehr witzig.“
„Dann geh mit ihm reden, ehe du explodierst!“ Tina schüttelt lachend den Kopf und knufft Emelie in Richtung Dartscheibe, wo Glenn steht.
*
„Also, was machst du in Kanada?“, fragt er auf Englisch.
„Ich wollte nur mal was anderes sehen, eine Weile work and travel machen und Kanada schien ganz nett zu sein.“
„Und, bist du bisher zufrieden?“
„Äähm, was?“
Sie bekam gar nicht mit, was er sagte, sondern starrte ihn an. Sie musste lächerlich aussehen. Sein Lächeln war schief und er schien mit ihr zu flirten, was ihr Herz schneller schlagen ließ.
„Ich habe gefragt, ob du bisher mit deiner Erfahrung zufrieden bist.“
„Oh, sorry, ja. Bin ich.“
Glenn steht vor Emelie. Sein breiter, kräftiger Körper verdunkelt den Raum hinter ihr und sie kann die Andeutung eines sehr haarigen Brustkorbs sehen. Sie muss ihren Kopf nach hinten biegen, um ihm ins Gesicht sehen zu können, das mit einem dunkelblonden Bart mit leichten Rottönen bedeckt ist. Seine Augen glitzern ungezogen. Sein Blick fühlt sich an, als ob ihr jemand über den ganzen Körper streichelt. Sie spürt, wie ihre Muschi gegen den engen Jeansrock pulsiert und wie nass ihr Höschen vor Erregung ist. Seine bloße Anwesenheit im Zimmer lässt ihr Gehirn alles vergessen und sie kann nur noch an Sex denken. Da steht er, so nah an ihr dran, dass sie die Hand ausstrecken und ihn berühren könnte. Er wartet ab, das sieht sie ihm an. Er lässt sie bestimmen. Er wartet auf ein deutliches Zeichen, eine deutlich bejahende Antwort in Form ihres Beins um seine Taille. Sie weiß, dass sie sich über etwas unterhalten haben, weiß aber nicht mehr, was, das Gespräch ist verstummt. Jetzt stehen sie da und sehen stattdessen einander hungrig in die Augen.
Sie will den ersten Schritt machen, ihm zeigen, wie sehr sie darüber fantasiert hat, dass er sie gegen die Wand drückt. Sie will spüren, wie er seinen harten Schwanz an sie presst. Nur daran hat sie in den letzten Stunden denken können. Eigentlich in den ganzen letzten Jahren. Es ist, als ob ihr Sextraum wahr geworden ist und jetzt vor ihr steht. Begleitet von dem maskulinen Duft, der sich ausbreitet und wie eine Wolke aus süßer Wollust um sie legt. Wenn sie nur ihre Hände unter sein kariertes Flanellhemd schieben könnte, seinen haarigen Brustkorb streicheln und die Hände nach unten über seinen Bauch führen könnte. Mit den Händen am Hosenbund entlangfahren, ihn erschaudern und die entstehende Gänsehaut fühlen. Die Finger in die Jeans einhaken und sich an ihn pressen, um die Beule zu spüren, die sich deutlich abzeichnet. Sie beißt sich auf die Unterlippe und sieht, wie sich ihre eigene rohe Sehnsucht in seinen Augen spiegelt, die sich vor Lust verdunkeln.
Aber nein, sie sind in einer vollen Bar. Leute sitzen um sie herum, trinken, quatschen und leben ihre Leben. Unter anderem ihre Freunde. Auch wenn sie darüber fantasiert hat, vor einer Menschenmenge in der Öffentlichkeit Sex zu haben, muss sie sich doch daran erinnern, dass es gesetzwidrig ist. Und es tatsächlich zu tun, wäre nicht besonders nett denen gegenüber, die zusehen müssen. Das hier ist eine ganz gewöhnliche Bar und kein Sexklub. Aber sie steht in einer dunklen Ecke, wo hoffentlich niemand sieht, was sie tut. Während sie ihm also tief in die grünen Augen sieht, streckt sie ihre Hand aus und greift durch den Stoff seiner Jeans nach seiner Erektion. Er flucht mit seiner tiefen Stimme auf, die ihre Seele streichelt, und geht einen letzten Schritt auf sie zu. Sein Körper drückt sie halb gegen die Wand und ihre Lippen treffen sich in einem nassen und leidenschaftlichen Kuss.
Das weiche, rote Flanellhemd spannt über den breiten Schultern. Sie fährt mit ihrer freien Hand über seinen Bauch, seine Brust und zu seinen Haaren, in die sie ihre Finger flicht und ihn noch näher zu sich zieht. Sie will nichts lieber, als seinen pulsierenden Schwanz direkt auf der Haut spüren. Sein stämmiger Körper, der sich gegen sie drückt und sie umringt, fühlt sich übermächtig an, als würde sie in seinen Armen ertrinken.
Sie flüstert ihm zu, wie sehr sein Körper sie antörnt. Groß, breit und behaart. Und wie sehr sie es mag, hart von dominanten Männern im Bett genommen zu werden. Er lächelt sie schelmisch an und zieht die Wörter in die Länge, während er ihren Rücken mit seiner breiten Hand streichelt.
„Ich werde dich hart ficken und alles machen, was du willst.“
Schauer über Schauer durchfährt sie und sie muss sich Mühe geben, nicht wild vor allen anderen gegen ihn zu stoßen. Sie fragt sich, wie viel sie sehen würden, wenn sie geschmeidig seinen Hosenstall öffnen, ihren Rock heben und ihren Schenkel um seine Taille legen würde. Er könnte in ein paar Sekunden in ihr sein und sie kann an nichts anderes denken. Sie würde sich nicht bewegen, weil das die Aufmerksamkeit der anderen auf sich ziehen würde, sie würde ihn nur unbeweglich in sich haben. Sie beißt ihm in die Lippe und zieht vorsichtig den Reißverschluss auf.
Da nimmt er ihre Hand weg und hält sie an der Wand fest. Sie versucht sich loszumachen, um ihn weiter anzufassen – ihn auszuziehen – aber er ist zu stark. Sie spürt, wie eine weitere Woge unglaublicher Sehnsucht sie erfasst, weil er so stark ist und sie so bestimmend hält. Ihr Körper brennt und wenn er sie nicht so fest halten würde, würde sie ihn jetzt und vor aller Augen bespringen. Die Reaktionen wären ihr egal, sie will jetzt nur noch bei ihm sein.
Er bewegt seinen Mund zu ihrem Ohr, sein Bart kitzelt und sendet Schauer über ihren Körper, als er flüstert: „Willst du zu mir gehen?“, mit dem typisch kanadischen Dialekt in seiner tiefen Stimme.
Sie reckt sich hoch, lässt ihre Lippen sein Ohr streifen und sagt ein bisschen zu laut „FUCK YES“, ehe sie ihm ins Ohrläppchen beißt. Er drückt sie ein letztes Mal an die Wand, sodass sie jeden Zentimeter seines harten Schwanzes an ihrem Körper fühlen kann, eher er zurücktritt und ihr den Weg aus der Bar und zu seinem … Motorrad zeigt. Verdammt, er hat ein Motorrad. Sie bleibt stehen und sieht zu, wie er hingeht und einen extra Helm für sie hervorkramt. Dieser wahr gewordene feuchte Sextraum wird immer besser. Wenn das so weitergeht, läuft ihr die Nässe demnächst an den Beinen runter.
*
Die Fahrt zu seiner Wohnung ist unfassbar schön. Sie umarmt fest seinen kräftigen Körper, um nicht herunterzufallen. Sie drückt ihren Körper an seinen Rücken. Sie hofft, dass er ihre Brüste spürt, dass er genauso ungeduldig und erregt ist wie sie. Einen kurzen Moment lang drückt er mit der einen Hand ihren Schenkel, und diese einfache Berührung bringt sie fast zum Bersten.
Er biegt an einem Waldweg ab und fährt langsam durch die Dunkelheit zu einer Holzhütte. Vor der Hütte steckt eine Axt in einem Stumpf mit Holzspänen drum rum. Sie versteht, dass er nicht nur wie ein Holzfäller aussieht, sondern tatsächlich einer ist. Als er langsamer wird und anhält, lässt sie ihre Hände über seinen Bauch gleiten. Streichelt den gespannten Jeansstoff und die Beule, die sie darunter spürt, eh sie das Bein über den Sattel schwingt und absteigt. Trotz der Dunkelheit sieht sie, dass es auch einen Gartenteil und viele gepflanzte Blumen im Garten ums Haus gibt, sie lässt sich ein paar Sekunden von ihrer heftigen Leidenschaft ablenken und fragt sich, ob er einen grünen Daumen hat oder ob ihm jemand dabei hilft. Eine Freundin? Eine Mutter? Oder sind die Männer in Kanada so selbstsicher, dass sie tatsächlich selber im Garten arbeiten? Sie weiß nichts über ihn, außer, dass er wie ein Traummann aussieht, ein echter Holzfäller, und dass Tina ihn ein wenig kennt. Und dass er sie extrem geil macht.
*
Sobald sie auf die Veranda kommen, ist er bei ihr, drückt sie gegen die Wand und presst seine Erektion gegen ihren Po. Sie macht ein starkes Hohlkreuz und denkt, wenn jetzt nicht Stoff zwischen ihren Geschlechtern wäre, wäre sie jetzt im Himmelreich, also noch mehr als sowieso. Er spreizt ihre Beine mit seinem Schenkel. Streichelt sanft die Innenseite ihres Schenkels mit der einen Hand und küsst dabei ihren Hals. Ihr Hals, der so besonders empfindlich und eine ihrer erogensten Zonen ist. Ihre Beine geben unter ihr nach und es ist ein Glück, dass er sie festhält, damit sie nicht umfällt. Endlich kann sie stöhnen, ohne an die Menschen drum herum zu denken. Es hat etwas Befreiendes, in die stille Nacht und den dunklen Wald hinauszustöhnen. Der Wald verschluckt ihre genussvollen Laute. Glenns andere Hand liegt weit unten auf ihrem Bauch und drückt ihn nach innen, drückt gegen ihr Schambein, während er sie gegen die Hauswand drückt. Er erreicht ihr Innerstes, indem er außen auf ihren Venushügel drückt und sie zur Besinnungslosigkeit massiert. sie steht breitbeinig da, platt gegen die Wand, den Kopf zur Seite gewandt. Ihr Mund ist offen, die Augen geschlossen. Sie genießt, wozu dieser große Mann fähig ist. Welches Geschick er hat.
Er folgt den Außenseiten ihrer geschwollenen Schamlippen durch ihr dünnes Höschen. Umschließt ihre Muschi und massiert ihre Klitoris. Dann schiebt er geschmeidig ihren engen Rock über ihren breiten Po und murmelt: „Ich mag deinen Arsch, der lässt sich so schön greifen“, während er fest in ihre eine Pobacke greift. Sie jault auf, als er ihren Po drückt und seinen Schwanz, der nicht mehr vom Jeansstoff bedeckt ist, zwischen ihre Pobacken presst.
„Bitte, spank mich“, flüstert sie und er lässt ihrer Bitte Taten folgen. Er schlägt und streichelt, wiederholt das ein paar Mal, bis sie vor Wollust zittert. Sie erwartet, dass er ihr Höschen zur Seite schiebt und sie ihn endlich in sich spüren wird, seinen harten Schwanz in ihrem nassen Inneren. Wonach sie sich schon so lange gesehnt hat, dass es sich wie ihr ganzes Leben als Erwachsene anfühlt. Stattdessen tritt er ein wenig zurück und sie fühlt die kühle Luft an ihrem Po. Plötzlich fühlt sie sich unglaublich ausgeliefert. Sie biegt sich noch weiter und sieht zu ihm zurück. Will sich gerade nach seinem harten Schwanz strecken, als er ihre beiden Handgelenke nimmt und mit seiner einen Hand über ihren Kopf hält. Dabei zieht er ihr langsam das Höschen aus.
„Deine Hände sollten da bleiben“, sagt er in ihr Ohr und sein Bart kitzelt sinnlich an ihrem Hals. Er beugt sich herab und leckt ihre Nässe auf. Er spreizt ihre Beine noch weiter und begräbt sein Gesicht in ihrer Muschi, während er weiter ihren Po knetet. Sie steht wie festgefroren nach seinem Befehl und seinem bestimmten Ton. Die Dominanz und die Stärke, die er ausstrahlt, lassen ihren Körper wie Feuer erglühen. Es ist ihr noch nie passiert, dass jemand sie so leicht dominieren konnte. Er hat ihr wirklich zugehört und gibt ihr genau das, was sie haben wollte.
Seine Fingerspitzen umschmeicheln ihre nasse Muschi, die mehr und mehr durch seine energische Zunge durchtränkt wird. Sein Bart hilft der Zunge, überall ranzukommen und sie an ihre Grenze zu bringen. Sie verhakt ihre Finger, um nicht nach seinem Kopf zu greifen, doch nach wenigen Minuten kann sie nicht mehr. Sie dreht sich um, greift seinen Kopf und drückt ihn näher, so nah es geht, um an ihr Inneres zu kommen, während sie gegen seinen offenen Mund stößt. Ihr erster Orgasmus schießt wie ein Elektroschock durch ihren Körper, ihre Schenkel schließen Glenn ein und er schluckt ihren Genuss. Als er sich zu seiner vollen Größe aufrichtet, sieht sie voller gieriger Erwartung zu ihm auf, noch schwindlig vom Nachbeben.
Wieder platziert er ihre Hände an der Wand über ihrem Kopf, küsst sie, als er nach unten zu ihrem Schlüsselbein und ihrer Brust unterwegs ist. Er lässt keinen Zentimeter empfindlicher Haut aus, er behandelt sie wie eine Königin. Sie lässt die Hände über dem Kopf, trotz aller Impulse, ihn wieder anzufassen. Er tritt einen Schritt zurück und knöpft langsam sein Hemd auf, Knopf für Knopf, unerträglich langsam. Dabei lächelt er vorsichtig. Der Anblick ist zu viel. Ihre Hände fliegen zu seinen Brustmuskeln, begraben die Finger in den weichen Locken. Sie beugt sich vor und beißt in seine rechte Brustwarze, sie lächelt, als er brummend antwortet.
Plötzlich verschwinden ihre Beine unter ihr und ihr Gesicht ist auf gleicher Höhe mit ihm. Er hat sie einfach hochgehoben und sie kann endlich ihre Beine um seine Taille legen und sein hartes Glied ist an ihrer nassen Öffnung. Sie will nichts mehr, als ihn in sich zu spüren, sie zerspringt fast vor Erwartung und Sehnsucht, aber zwingt sich, still abzuwarten.
Mit dem tiefstmöglichen Augenkontakt und Lippen, die einander nicht loslassen wollen, fragt er: „Willst du, dass ich dich ficke?“ und bei ihrem stöhnenden „ja“ gleitet er in einer leichten Bewegung bis zur Wurzel in sie hinein. Dann hält er still … Ihre Scheidenmuskeln krampfen um seine ganze Länge und sie kann nicht anders, als ihre Hüfte zu ihm zu bewegen. Sie legt ihre Arme auf seine Schultern und führt ihren Körper an ihm hoch und runter. Er stellt seine Beine breiter hin und lässt sei ein wenig nach hinten kippen, dann stößt er sanft immer wieder in sie. Hart, aber gleichzeitig weich, kommt er ihren Stößen entgegen. Er hält ihre Hüfte mit seinen großen Händen und die Stöße werden immer tiefer, falls das überhaupt möglich ist. Sie kann bald nicht mehr. Wenn sie nicht bald kommt, wird sie sterben, aber wenn sie kommt, dann wird sie wegfliegen oder schmelzen. Ihr ganzer Körper brennt vor Leidenschaft, aber am meisten brennt ihre Klitoris, die immer wieder von seiner Wurzel stimuliert wird.
Er erhöht den Takt und es geht nicht mehr, sie schreit ihren Orgasmus hinaus und drückt ihre Fingernägel mit aller Kraft in seine Muskeln. Sein angespannter Gesichtsausdruckt zeigt, dass er ihr bald auf den Höhepunkt folgen wird, sich aber bemüht, es nicht zu tun. Als sie die Augen schließt, um die Entspannung zu genießen, die durch sie durch rinnt, bittet er sie, die Augen wieder zu öffnen. Dann bedeckt er ihre Lippen sanft mit weichen Küssen und der Blickkontakt lässt alles viel intensiver und wirklicher erscheinen.
Sein Schwanz ist noch immer hart, noch immer in ihr drin und reizt sie noch immer. Sie kann sich gerade noch fragen, was jetzt passieren wird, als er sie mit sicheren Schritten ins Haus und ins Schlafzimmer trägt. Sie sitzt noch immer in derselben Position, auf seinem Arm, aber bald liegt sie unter ihm im Bett. Er folgt ihr nach unten, landet schwer auf ihr, noch immer in ihr drin. Sie ist von seinem großen Körper umgeben und genießt jeden Zentimeter von ihm. Er ist in ihr und auf ihr. Er greift ihre Brüste, ihren Po, ihre Schenkel und ihren Bauch. Seine Lippen sind auf ihren, seine Zunge spielt mit ihrer Zunge und sie haben den intensiven Blickkontakt noch nicht unterbrochen. Das Gefühl von ihm ist überall, er nimmt ihren Körper, als wäre er ein primitives Wildtier, das nach Instinkt handelt und sie haben muss, sie nehmen muss. Das Gefühl ist verblüffend. Er tut alles, was sie will, und lässt sie vor Erregung und Befriedigung schwach werden.
Er hebt ihre Beine und ihren Po hoch und hält sie oben, während er auf seinen Knien hart und schnell in sie hineinpumpt. Er schlägt sie ein, zwei, drei Mal und seine Hand hinterlässt einen roten, herrlich brennenden Abdruck auf ihrem Po. Die Haut kitzelt, wo er sie geschlagen hat, und sie fühlt sich wild unter ihm, als sie seinen Stößen entgegenkommt und seinen harten Schwanz reitet. Ihr dritter Orgasmus überspült sie in dem Moment, als auch er seinen ersten herausbrüllt. Während sie fällt, stößt er weiter in sie hinein und verdoppelt ihren Höhepunkt. Sie verdreht die Augen und ihr ganzer Körper kribbelt und kitzelt vor Genuss und immerwährender Lust.
*
Ein paar Stunden später wacht Emelie auf. Sie liegt auf seiner weichen, haarigen Brust und Glenn atmet noch immer schwer im Schlaf. Sie setzt sich im Bett auf und bemerkt ein Tattoo, das ihr vorher entgangen ist, auf seinen Rippen. Es ist das Zeichen der Frau und das Game-of-Thrones-Zitat „Valar morghulis“, das „Alle Menschen müssen sterben“ bedeutet. Verschlafen denkt sie, dass dieser kanadische Holzfäller, der ihr feuchtester Traum ist, der sie dominiert und hart ran nimmt, auch ein feministischer Nerd zu sein scheint. Bei dem Gedanken verziehen sich ihre Mundwinkel zu einem albernen Lächeln.
Sie zwingt ihre strapazierten Muskeln aus dem Bett, um aufs Klo zu gehen. Ihr ganzer Körper ist steif und empfindlich. Sie sieht sich im Haus um. An einer Wand hängt ein Bild von Frida Kahlo, an einer anderen drei Fäuste in unterschiedlichen Hautfarben und dem Text „Smash the patriarchy“ darüber. Sie vergisst, wie nötig sie muss, und geht weiter durch sein gemütliches und sehr politisches Haus. Sie sollte nicht schnüffeln, kann aber nicht anders. An den Wänden hängen weitere Poster mit feministischen, antirassistischen und antikapitalistischen Parolen. Als sie zum Bücherregal kommt, spiegelt es ihr eigenes wieder, mit dem Unbehagen der Geschlechter von Judith Butler und Unter der rosa Decke von Nina Björk. Da steht auch die gesamte Harry-Potter-Reihe. Sie spürt die psychische Sehnsucht in sich blubbern, und ist plötzlich wieder sehr geil. Im Regal gibt es auch sehr viel Fantasy und Science Fiction sowie Brettspiele. Sie sieht sich die Bilder erneut an. Viele sind nicht nur politisch, sondern auch nerdig. Sie mag das mit dem Regenbogen: Ein My Little Pony in Regenbogenfarben, das die ikonische „We can do it“-Pose mit demselben Slogan imitiert. Sein Zuhause ist überhaupt nicht, wie sie von einem großen, haarigen Biest erwartet hätte. Es widerspricht seinem Aussehen komplett. Ein Zuhause in warmen Tönen, mit weichen Teppichen, Pflanzen und Feminismus. Sehr viel gemütlicher als ihr eigenes kaltes, schwarz-weißes Zimmer. Andererseits scheint er auch ein gemütlicher, haariger Teddy zu sein, insofern wundert sie sich nicht so sehr über die weiche, nerdige Seite.
Nachdem sie endlich auf dem Klo war und zurück im Schlafzimmer ist, möchte sie die wiedererweckte Lust stillen. Sie kann nicht einfach wieder einschlafen. Sie küsst ihn vorsichtig auf Wangen und Nase und streicht mit ihrem Finger leicht über seinen Arm. Zu ihrer Erleichterung blinzelt er ein paarmal und nimmt dann ihren Mund in Besitz. Er schlägt die Decke zurück und hebt sie auf sich, sodass sie erneut auf seiner harten Erektion sitzt. Er hält sie fest an ihren kurzen Haaren und sie reagiert entsprechend. Ihre Küsse sind fast verzweifelt und sie reibt sich an seinem Schwanz, der unter ihr wächst. Sie sind beide nackt. Das Gefühl von Haut an Haut, ehe er das Kondom anlegt und sie ihn umarmt, ist herrlich. Seine weiche Eichel und der harte Schaft gleiten leicht in ihre nasse, offene Muschi und sie reitet ihn langsam mit ihren Händen auf seinem Brustkorb. Sie gleitet über seinen Körper und spannt ihre Muskeln um seine Erektion. Wundersamerweise spürt sie von Anfang an einen Orgasmus in sich aufsteigen. Sein Geschlecht in ihrem fühlt sich so richtig an und ihre gemeinsamen Bewegungen und ihr Genuss funktionieren auf eine Weise, wie sie es noch nie erlebt hat.
Sein Schwanz fühlt sich noch härter in ihr an, wenn das überhaupt möglich ist. Sie beugt sich nach hinten, legt ihre Hände an seine Schenkel und reitet schneller. Seine tiefen stöhnenden Seufzer erregen sie noch mehr. Als er sich aufsetzt und ihre kleinen Brüste in seinen Mund nimmt, werden ihre Stoßseufzer zu Schreien. Er hilft nach und stößt noch tiefer in ihre durchnässte Muschi, drückt ihre Körper so nah aneinander, wie es geht, bis sie den Kopf nach hinten wirft und von tausend Gefühlen überspült wird. Das Zucken des Orgasmus in ihrer Muschi durchdringt sie und sie hat plötzlich das starke Gefühl, aufs Klo zu müssen. Sie bewegt sich kaum noch, merkt aber bald, dass sie keine Wahl hat, ihr Körper ist auf Autopilot und sie nimmt erfreut Glenns harte Penetration entgegen, bis ihre Dämme brechen und Muschisaft herausspritzt und sie beide in einen befreienden Fontänenorgasmus taucht. Die Nässe rinnt an seinem Schenkel herab und sie kichert berauscht mittendrin, weil er es geschafft hat, sie kommen zu lassen wie niemals zuvor.
Glenn gibt einen tierischen Laut des Genusses gepaart mit sexueller Frustration von sich. Dann wirft er sie kräftig auf die Matratze, dreht sie um und penetriert sie von hinten. Das Gefühl ist unbeschreiblich, alles geht so schnell und ihre Muschi pulsiert noch immer in dem wunderbarsten und überwältigendsten Orgasmus. Er hält ihre Hüften kräftig fest und nimmt sie noch härter als vorher. Sie kann gerade noch denken, dass sie bald nicht mehr kann. Es ist so schön, aber es sind so viele Gefühle, dass ihr ganz schwindlig ist. In dem Moment kommt er mit einem Schrei und sie spürt sein letztes Pumpen und die Entleerung durch das dünne Kondom.
Er fällt neben ihr ins Bett, streicht ihr mit einem Finger etwas Schweiß von der Stirn und steckt ihn sich in den Mund. „War das okay? Tut mir leid, ich bin da etwas eskaliert. Du fühlst dich soooo gut an. Ich hab gar nichts mehr mitbekommen.“ Sie sieht in seine besorgten Augen, flicht ihre Finger in seinen Bart und zieht sein Gesicht näher an ihres. „Machst du Witze? Das war unglaublich. Ich habe es geliebt.“ Die Erleichterung in seinem Gesicht und sein schelmischer Blick, als er über sie rollt und sie erneut unter sich festnagelt, während er sie mit seinem Bart kitzelt, lässt den Keim der Verliebtheit in ihr wachsen.
Kann es sein, dass sie endlich einen Mann gefunden hat, für den sie mehr als nur Lust empfinden kann? Ein Mann, der sie wieder und wieder kommen lässt, der genau weiß, was sie im Bett will und fehlerfrei abliefert, und der zusätzlich eine wirklich nette und liebevolle Persönlichkeit hat. Männliches Aussehen, weibliche Persönlichkeit und ein Sexgott im Bett. Sie verfällt ihm total. Obwohl sie nicht an Liebe auf den ersten Blick glaubt, ist das doch genau das, was gerade passiert.
Sugargirl: Erotische Novelle
Sugargirl
Das Jahr vergeht schnell. Ella merkt kaum, wie die Jahreszeiten vergehen, bis sie eines Tages in einer leeren Studentenstadt erwacht und fast von einem Déjà-vu-Erlebnis eingeholt wird. Der Sommer hat die Stadt wieder fest in seinen Krallen, während die Stadt vor nervöser Sehnsucht nach Freiheit vibriert. Die Studierenden verlassen sie für die Sommerferien, für ihren Job oder um nach Hause zu fahren. Die Studentenwohnungen bleiben leer zurück und die Studentenkneipen machen für den Sommer zu. Dieses Jahr haben alle Kommilitonen von Ella die Stadt aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Nicht einmal Josefin ist noch da. Ella sieht vor sich, wie ihr Sommer werden wird – einsam und langgezogen – und einen schwachen Augenblick lang wägt sie ab, einen richtigen, vernünftigen Job anzunehmen.
Im vergangenen Jahr ist Ella zu einem neuen Menschen geworden. Als das Semesternach den Sommerferien wieder anfing, ging sie in manch eine Studentenkneipe mit. Zu mehreren Gelegenheiten nahm sie anschließend Typen mit nach Hause, die sie erforschen durften, genau wie sie sich selbst wenige Monate zuvor erforscht hatte. Das Leben fühlte sich leichter an, wie von einem neuen Sinn erfüllt. Sogar das Studieren ging leichter. Das Damoklesschwert des zurückzuzahlenden Bafögs hatte sich in Luft aufgelöst, als Ella beschlossen hatte, ihre Karriere als Camgirl neben dem Studium fortzusetzen. Um ganz ehrlich zu sein, tat sie es nicht nur fürs Geld, sondern sie genoss es so sehr, von fremden Menschen beobachtet zu werden, dass das Geld fast unwichtig wurde. Das war ganz einfach ein willkommenes Extra – etwas, womit sie die Miete und das Essen bezahlen konnte.
Aber diesen Sommer, der heißer und klebriger ist als je zuvor, ist Ella nicht danach, ihre Tage und Nächte nackt vorm Laptop zu verbringen. Sie will auch nicht in der häuslichen Pflege arbeiten, wovon sie natürlich ihren Eltern gegenüber behauptet hat, dass sie es auch dieses Jahr wieder tut. Sie möchte richtig Urlaub machen und für das kommende Jahr Kraft tanken – das letzte Jahr vor ihrer Abschlussprüfung. Jetzt hat sie Zeit, sich zu entspannen, denn nach dem Examen muss sie sich eine Arbeit suchen, und dann ist es zu spät.
Der Freitag vergeht langsam. Ella liegt zu Hause in ihrer Wohnung und sieht zu, wie der Himmel blaue Himmel sich rosa verfärbt und dann dunkler wird. Den Laptop auf den Knien, sucht sie nach Last-Minute-Reisen, muss aber ziemlich bald einsehen, dass ihr Erspartes nicht reicht, um zu reisen und gleichzeitig die Miete zu bezahlen. Ella sieht keinen anderen Ausweg, als auch diesen Sommer mit ihren Camshows fortzufahren. Sie hat sich eine treue Gefolgschaft aufgebaut, die jede einzelne ihrer Shows ansehen. Auf eine gewisse Art ist das wie eine kleine, wenn auch verkorkste, Familie. Als Ella gerade ihre Livesendung starten will, sieht sie, dass sie eine Privatnachricht bekommen hat. Normalerweise liest sie private Nachrichten nicht, aber diese wurde von einem ihr bekannten Alias gesendet: DaddyDom. Ein Mann, der seit Tag eins mit dabei ist.
Sie haben sich im Espresso House verabredet. Ella merkt, wie ihr das Herz in der Brust schlägt, wie die Nervosität sie fest im Griff hat. Tausend Gedanken schwirren durch ihren Kopf, als sie den kurzen Weg zum Café entlanggeht. Sie trägt ein kurzes, schwarzes Kleid und ihre Lippen sind rot angemalt. Die Haare trägt sie zu einem strengen Dutt im Nack. Er war sehr eindeutig in seinen Wünschen gewesen und Ella hatte fast erleichtert aufgeatmet, als ihr klar wurde, dass sie selbst sich keine Gedanken über ihr Outfit würde machen müssen. Denn wie zieht man sich an, wenn man seinen eventuellen Sugardaddy zum ersten Mal trifft?
Schon im Eingang sieht sie ihn. Er nippt an etwas, das wie ein doppelter Espresso aussieht. Er trägt eine schwarze Anzughose, einen schwarzen Ledergürtel, dunkle Lederschuhe und ein hellgraues Hemd. Ella merkt, wie ihr Herz schneller schlägt. Sie weiß nicht, was sie erwartet hatte – vielleicht einen schmerbäuchigen älteren Herrn mit hohem Haaransatz? Einen gutaussehenden, gut gebauten Mann in seinen Fünfzigern mit grau meliertem Bart war auf jeden Fall das Letzte, was sie sich vorgestellt hatte. So sieht also ein Claude aus?
„Ah, Ella“, sagt der ältere Mann lächelnd. „Setz dich. Ich habe mir erlaubt, einen Cappuccino für dich zu bestellen.“ Seine grünen Augen mustern sie ausgiebig und bringen ihre Wangen zum Leuchten. Sie setzt sich auf den leeren Sessel vor ihm, mit dem niedrigen Tisch als Schutz zwischen ihnen. Ihre Hände zittern, als sie sich nach der Kaffeetasse streckt. Als sie sie anheben will, verschüttet sie etwas von dem warmen Kaffee über den Tisch. „Mist“, flüstert sie und reckt sich nach den Servietten, als seine große Hand sich um ihre schließt. Sie sieht in seine grünen Augen. Er lächelt ihr beschwichtigend zu. „Sei nicht nervös, Ella“, sagt er mild, während sich seinen warmen Finger enger um ihre kalte, zitternde Hand legen.
Sie denkt daran, wie sie am Abend zuvor gechattet haben, als sie gerade ihre Liveshow starten wollte. An seine Nachricht, die sie nur zufällig geöffnet hatte. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ein Sugarbaby zu sein? Ella wusste kaum, was das war, aber der anonyme Mann hatte es gern erklärt. Er beschrieb es etwa wie eine Geschäftsvereinbarung; zwei Menschen gehen eine Abmachung ein, bei der der eine für alles bezahlt und dafür die Gesellschaft des anderen bekommt. Zuerst hatte Ella nicht einmal geantwortet, sie schloss die Nachricht und wollte gerade mit der Show beginnen, als sie begriff. Wenn sie sich auf den Vorschlag des Mannes einließ, müsste sie keine Shows mehr machen. Sie müsste den Rest des Sommers nicht arbeiten. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag zum Kaffeetrinken, um auszuloten, was sie beide wollten. Um zu sehen, ob es passte.
Und nun sitzen sie hier. Ella ist nervös und Claude trägt ein kleidsames Lächeln auf den Lippen. Er kann seinen Blick kaum von ihr wenden, nicht einmal, als er den Kaffee aufwischt, den sie gerade verschüttet hat.
„Also, Ella“, setzt Claude an. „Ich bin froh, dass du mich heute treffen wolltest.“ Ella lächelt ihn nervös an und nickt vorsichtig, während sie nur denken kann: Gott, ist der heiß.
„Wie ich dir gestern geschrieben habe, mache ich gern sugardating. Ich bin also auf der Suche nach einem Verhältnis mit einer jungen Frau, die bereit ist, ihren Sommer mit mir zu verbringen.“ Er hält inne und senkt die Stimme etwas, als er fortfährt: „ich suche nach jemandem, die bereit ist, mich bei Events und auf Reisen zu begleiten und die mir einfach nah sein will. Ich bin mit einer nicht-sexuellen Abmachung zufrieden, aber sollte mein Gegenstück mehr wollen, bin ich gern bereit, diesem Wunsch entgegenzukommen. Im Gegenzug wird diese Person sehr, sehr verwöhnt werden. Und ich möchte sehr gern, dass du diese Frau bist.“
„Okay“, ist das Einzige, das Ella nach einer langen Pause sagen kann. Sie fühlt sich so fehl am Platz, wie sie hier mit diesem Mann in diesem abgewrackten, kleinen Espresso House mit ihrem verschütteten Kaffee sitzt. Es fühlt sich wie ein Traum an, aus dem sie bald aufwachen wird, wenn sie sie nur stark genug in den Arm kneift.
„Ich sehe dass du unsicher und nervös bist.“ Seine Augen blitzen auf und seine Zähne werden sichtbar, als er grinst: „Aber ich bin es gewöhnt, zu bekommen, was ich will, und ich habe vor, es auch diesmal zu bekommen.“
Ella merkt, wie es sie zwischen den Beinen kribbelt. Claudes Blick ist so unglaublich intensiv. Seine Lippen sind dick und unter ihnen versteckt sich ein perfektes Lächeln, das sie komplett zum Schmelzen bringt. Sie stellt sich vor, wie sich diese Lippen an ihren Hals pressen, die groben Hände sie überall berühren und in dem Moment kann sie nicht anders, als seinen Bedingungen zuzustimmen. Sie ist ein Sugarbaby – und er ist ihr Sugardaddy.
Claude ist genauso reich wie gutaussehend. Er steht zu seinem Wort und verwöhnt Ella mit diversen Kleidern, Schmuckstücken und Restaurantbesuchen. Sie verbringen zwei Monate gemeinsam auf Reisen. Zusammen besuchen sie Berlin, Paris, Milano, Venedig, Kreta, Korsika und viele andere Orte auf der ganzen Welt.
Zu Beginn fühlt sich Ella etwas gehemmt in Claudes Nähe, aber während die Tage vergehen, lernen sie einander besser kennen. Er ist nicht nur unglaublich großzügig, charmant und nett – er ist auch intelligent und witzig. Ihr Wohlbefinden ist ihm wirklich wichtig und er achtet immer darauf, dass es ihr gut geht.
Es dauert zwei ganze Wochen, bis sie sich das erste Mal küssen, aber als Ella seine Lippen gekostet hat, gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass sie sich sehr zu ihm hingezogen fühlt. Auf einer privaten Dachterrasse mit Ausblick über den Eiffelturm lässt sie seine groben Hände ihr Höschen herunterziehen. Er streichelt sie vorsichtig, als ob er Angst hat, ihr weh zu tun, während die Gier in seinen Augen brennt. Er stellt sicher, dass sie gut aufgewärmt ist, ehe er seinen Schwanz in sie gleiten lässt. In dem Augenblick, als sie spürt, wie er sie ausfüllt, fragt sie sich kurz, warum sie ihn nicht schon eher reingelassen hat. Claude nimmt sie von hinten – erst sanft, dann schneller. Er legt sich über ihren Rücken und während er weiter stößt, finden seine Finger ihre Klitoris. Während er sie penetriert, streichelt er sie. Sein Gewicht auf ihr fühlt sich sicher an, obwohl sie nicht wegkann. Sie ist ganz in seiner Gewalt und bei dem Gedanken fängt sie an zu stöhnen und spürt den Orgasmus kommen. Er weiß genau, was er tut. An diesem Abend hören die Einwohner von Paris Ella vor Lust schreien. Ihre Stimme schallt zwischen den Gebäuden wider.
Ihre Reise um die Welt setzt sich in den Pariser Fußspuren fort. Sie können nicht die Finger voneinander lassen.
Sie gehen Hand in Hand durch die warme Stadt. Sie sind in Kopenhagen, wo sie später am Abend zur Eröffnung einer Kunstgalerie gehen werden.
Claude bestand darauf, dass sie als sein Date mitgehen sollte, und Ella stimmte zu, ehe sie darüber nachgedacht hatte, was es bedeuten würde, mit Claude mitzugehen. Sie würde zum ersten Mal bei einer wichtigen, öffentlichen Veranstaltung als seine Freundin präsentiert werden, wo auch seine Freunde und Kollegen sein würden. Es war ihr bewusst, dass sie als Claudes neues Mädchen, als sein neues Schmuckstück gesehen werden würde. Jeder konnte sehen, dass dies keine gewöhnliche Beziehung war. Für viele Frauen wäre der Gedanke erniedrigend, als eine von vielen Frauen gesehen zu werden, aber für Ella war er berauschend.
Ella genießt die Blicke, die ihr vorbeigehende Männern und Frauen zuwerfen. Sie kann sehen, dass sie alle dasselbe denken: Was macht eine so junge Frau mit einem so alten Mann? Wenn jemand besonders lange starrt und vielleicht sogar noch die Nase rümpft, stellt sich Ella auf die Zehen und küsst Claude. Lüstern. Genau vor deren Nase.
„Also … was soll ich heute Abend anziehen?“, fragt Ella verführerisch, als sie herumgehen. Claudes Hand steckt in ihrer Jeanstasche und hält ihre Pobacke fest im Griff. Sie kichert und spürt das wohlbekannte Kribbeln. Der Gedanke, dass die Leute sie sehen, dass sie Claudes Hände auf ihrem Körper sehen, macht sie wild vor Lust.
„Hm. Nichts?“, grinst er als Antwort. Ella schüttelt lachend den Kopf.
„Nein, echt jetzt“, insistiert sie. „Was soll ich anziehen?“
Sie gehen in zahlreiche Boutiquen und sehen sich Kleider an. Exklusive Boutiquen mit Marken, von denen Ella noch nie gehört hat. Sie wagt es kaum, auf die Preisschilder zu gucken, weiß aber gleichzeitig, dass Claude das nichts ausmacht. Ein Kleid ist nichts für ihn.
Ob Claude den Boutiquenangestellten Geld zusteckt, damit sie sich fernhalten, oder ob er das Risiko eingeht, weiß Ella nicht. Aber als sie sich gerade in einer Umkleidekabine auszieht, taucht er plötzlich hinter ihr auf. Er zieht den schweren Samtvorhang zu und beobachtet sie still im Spiegel. Seine warmen Finger streicheln ihre Arme und sie erschaudert.
All das ist so neu für Ella – obwohl sie und Claude sich vor über zwei Monaten zum ersten Mal getroffen haben, hat sie sich noch nicht an ihren Platz oben auf dem Marmorsockel gewöhnt. Sie hat sich weder an die Geschenke, noch ans Geld und auch nicht an seine enorme sexuelle Lust gewöhnt. Vor allem kennt sie ihre eigene Gier nach seiner Nähe und seiner warmen Haut nicht. Als Ella sich den vorigen Sommer entdeckt hat, ganz allein, indem sie sich selbst befriedigte, glaubte sie, dass es besser nicht werden könnte. Claude ist in ihr Leben getreten und hat ihr das Gegenteil bewiesen.
„Claude, jemand könnte uns hören“, flüstert Ella, als er seine Hand in ihr Höschen steckt und sie zu streicheln beginnt.
„Genau.“ Er lächelt sie mit seinen blitzenden Augen an und sie seufzt schwer. Sie kann nicht – will nicht widerstehen. Und der Gedanke ist prickelnd. Sie könnten jederzeit entdeckt werden.
Es fängt sanft an. Das wogende Gefühl in ihrem Körper. Er streichelt sie vorsichtig mit seinen großen, harten Fingern. Beide halten in der leisen Umkleidekabine ihren Atem an. Sie lauschen nach Geräuschen, nach der kleinsten Bewegung. Ellas Rücken wird an den kalten Spiegel gepresst und sie keucht laut. Claudes Augen werden dunkel und er streichelt sie härter. Er weiß genau, wo er drücken muss, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Sie schließt die Augen und spreizt die Beine, lässt ihn tiefer in das warme Nass kommen. Draußen gehen andere Kunden vorbei, unwissend, was hinter dem Vorhang vor sich geht.
Claude geht auf die Knie und mit den Händen auf den Innenseiten ihrer Schenkel spreizt er ihre Beine weiter. Sein Mund findet ihren Unterleib und die Zunge beginnt um ihre Klitoris zu kreisen. Abwechselnd saugt er stark an ihr und drückt mit seiner Zunge – das wundervolle Pulsieren schickt elektrische Stöße durch ihren Körper. Das Stöhnen erstickt sie mit der Hand. Ihr Blut kocht unter der Haut und etwas muss raus, sonst muss sie explodieren. Sie kann kaum noch stehen, ihre Beine zittern und Claude stöhnt schwer in ihre Muschi. „Komm für mich, komm für mich!“, murmelt er in ihr und sie drückt beide Hände hart auf ihren Mund, während ihre Augen sich verdrehen.
Das Personal vermeidet peinlich berührt jeden Blickkontakt, als sie zwei Minuten später die Boutique mit einem unnötig teuren, schwarzen Kleid Hand in Hand verlassen. Ihre Wangen sind gerötet, Ellas Haare sind verwuschelt und Claudes Brieftasche ist etwas dünner.
Ella fühlt sich etwas unwohl in dem engen, schwarzen Kleid. Der Ausschnitt ist tief und obwohl sie kleine Brüste hat, formt er eine tiefe Spalte, von der Claude kaum seine Augen nehmen kann. Denk an die Feier, flüstert eine Stimme in ihrem Kopf, alle werden dich haben wollen. Ein Schauer läuft ihr über den Rücken und Claude führt sie durch die offenen Türen.
Sie werden mit Champagnergläsern empfangen. Ella kostet das herbe, bitzelnde Getränk und denkt, dass sie mindesten drei Gläser trinken muss, ehe sie sich ganz entspannen kann. „Ich begrüße nur ein paar Leute, kaufe vielleicht ein Bild und dann fahren wir zurück ins Hotel und machen da weiter, wo wir heute Vormittag aufgehört haben“, flüstert er ihr ins Ohr. Seine Lippen spielen an ihrem Ohrläppchen. Sie spürt seine rauen Bartstoppeln und seufzt mit geschlossenen Augen begierig auf – denkt daran, wie gerne sie möchte, dass sie über ihre Innenschenkel reiben.
Ella bleibt den ganzen Abend in Claudes Nähe. Alle Gäste sind viel älter als sie und außer ihm kennt sie niemanden. Es fühlt sich sicher an, mit ihm herumzugehen und Smalltalk über die verschiedenen Kunstwerke zu halten, die von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Das Gefühl, beobachtet zu werden, begann in dem Moment, als sie den Fuß in die Galerie setzte, und es hört nicht auf – mehrmals an dem Abend hat sie Augenkontakt mit lächelnden Männern und deren verärgerten Frauen.
Als sie bei den Damentoiletten ansteht, ohne Claude, und nervös durch ihr Telefon scrollt, hört sie, wie zwei Däninnen sich halblaut etwas zuflüstern und dann lachen. Als sie den Blick hebt, stellt sie entsetzt fest, dass sie über sie lachen. Ella schluckt hart und senkt den Blick wieder – das ist die Kehrseite davon, Claudes Sugarbaby zu sein. Der Neid.
„Ella?“ Diese wohlbekannte Stimme kann nur einer Person gehören. Eine Person, mit der Ella einen Großteil ihrer Jugend verbracht hat. Sie hat mit ihr geweint und mit ihr gelacht. Sie hat diese Stimme wirklich geliebt. Als sie sich umdreht, sieht sie Victor in die Augen. Das gemeine Lachen der Frauen verstummt im Hintergrund. „Das bist wirklich du! Was machst du hier?“, lächelt er warm und geht ein paar Schritte auf sie zu, um sie in den Arm zu nehmen. Claude taucht schnell hinter Ella auf und legt seine Hand auf ihre Schulter, beschützend, und Ella steht da und sieht, wie Victor verständnislos seine Augenbrauen zusammenzieht. Er lässt die Arme wieder fallen.
„Ich bin hier mit … mit meinem Freund.“ Es klingt eher wie eine Frage als wie eine Antwort. Sie sieht, wie Victors Unverständnis einem angeekelten Gesichtsausdruck weicht. Wie er die Nase rümpft und beinah einen Schritt rückwärts macht. Claude streckt die Hand aus und begrüßt Victor korrekt, wie es ein Gentleman tut. Victor schüttelt die Hand fest, fester als nötig, und entschuldigt sich. Ella sieht ihn in der Menge verschwinden und merkt, wie das Herz in ihrer Brust erwacht, während Claude sich zu ihr beugt und in ihr Ohr flüstert: „Und wer war der kleine Bengel?“ Niemand, antwortet Ella mit zugeschnürter Kehle und einem starren Lächeln auf den Lippen.
Der Abend geht weiter und Ella spielt ihre Rolle gut. Claude stellt sie allen vor, die, mit seinen Worten, etwas bedeuten, und Ella bezirzt sie mit ihrem Aussehen, ihrer schüchternen Art und ihrer Intelligenz. Claude genießt es, sie an seiner Seite zu haben und fühlt sich wie der König der Feier. Er sieht, wie seine Freunde, Männer in seinem Alter, Ella mit wilder Lust betrachten und wie deren Frauen ihn und Ella verachten – aber wohl noch mehr Ella.
Ella spürt, wie an dem Abend zu einigen Gelegenheiten ein paar wohlbekannte, braune Augen die ihren in der Menschenmenge suchen. Sie hält ihren Blick gesenkt, um Victors Blick zu entgehen, und hebt sie nur, um Claude anzusehen oder jemanden, dem er sie gerade vorstellt. Und es funktioniert, der Abend vergeht wie im Flug und sie hat fast vergessen, dass Victor sich in ihrer Nähe befindet, als Claude sie verlässt, um zur Toilette zu gehen. Sie steht allein mit ihrem Champagnerglas da und betrachtet ein Gemälde, das furchtbar hässlich und sicher wahnsinnig teuer ist, als sie Victors Stimme zum zweiten Mal an diesem Abend vernimmt.
„Was denkst du dir nur Ella? Der Mann nutzt dich doch aus, siehst du das nicht?“, hebt Victor sauer an. „Das ist so widerlich! Wie alt ist der überhaupt? Er könnte ja dein Vater sein.“ Ella dreht sich um und blickt in Victors Augen, die wild vor Ärger sind. Er hat ein Glas zu viel getrunken und riecht stark nach Alkohol.
„Hör auf, Victor. Geh nach Hause“, zischt Ella, besorgt, dass die Umstehenden sie hören können. Besorgt, dass Claude wieder auftaucht und Victor verscheucht.
„Geh nach Hause? Er nutzt dich aus!“ Die Spucke fliegt aus seinem Mund, so wütend ist er. Ella wird auch wütend. Sie ist wütend, dass Victor sie wegen einer anderen verlassen hat. Wütend, dass er jetzt vor ihr steht, als sei nichts gewesen, und so tut, als würde es ihn was angehen.
„Kapierst du denn nicht, dass ich ihn auch ausnutze?“, brüllt sie und fixiert ihn mit ihren Blicken. „Glaubst du, dass ich mit ihm ins Bett gehen und seinen Schwanz lutschen würde, wenn ich nichts dafür kriegen würde?“ Die Worte treffen Victor wie ein Faustschlag ins Gesicht. Sie hasst sich selbst, als sie sieht, wie angeekelt Victor ist, und als sie versteht, dass er sie widerlich findet – nicht Claude.
„Habt ihr hier ein Problem?“ Claude legt seine Hand auf Victors Schulter und drückt sie sanft, aber bestimmt. Ella spürt, wie ihr Herz ihr in den Magen rutscht und merkt jetzt erst, wie betrunken sie ist. Der Champagner rebelliert im Magen, als sie sieht, wie Victor sich aus dem Griff befreit und davonläuft, während eine Welle an Schimpfwörtern seinen Mund verlässt. Mit angehaltenem Atem sieht Ella Claude in die Augen und in seinem Blick spiegelt sich eine Mischung aus Enttäuschung und reiner Wut. Er sagt nichts – Worte sind in diesem Moment vollkommen überflüssig.
„Ich fahre zurück ins Hotel“, flüstert sie, während ihr die Tränen über die Wangen laufen. Trotz Claudes offensichtlicher Aufgewühltheit nimmt er sich die Zeit, ihre Tränen zu trocken, ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben und zu flüstern: „Nimm ein Taxi, ich will nicht, dass du allein im Dunkeln unterwegs bist.“
Ella legt sich ihren Schal über die Schultern und verlässt die Galerie. Einen Augenblick lang überlegt sie, Claude zu gehorchen und ein Taxi zu nehmen, aber die laue Abendluft ist so schön auf ihrer warmen Haut. Sie hat das Bedürfnis, sich zu bewegen – sich aufs Gehen zu konzentrieren, statt an die braunen Augen zu denken.
Die braunen Augen befinden sich direkt vor ihr. Victor trifft sie draußen. Seine Wut wird zu Verzweiflung, als er auf sie zukommt. Ohne ein Wort legt er seine warmen, freundlichen Hände auf ihre Wangen und küsst sie voller verzweifelter Lust. Sie braucht einen Augenblick, ehe sie versteht, was passiert, doch da ist es schon zu spät. Ihre Hände in seinen Haaren und ihr geöffneter Mund. Sie lässt ihn hinein.
Sie hatte vorgehabt, durch das dunkle Kopenhagen zu gehen – allein – und die laue, wohltuende Abendluft zu atmen. Um dann ins Hotel zu kommen, etwas Wasser zu trinken und sich hinzulegen. Stattdessen sitzt sie nun in einem Taxi, mit Victor, und fährt zu einem anderen Hotel. Was er in Kopenhagen macht, auf der falschen Seite des Wassers, weiß Ella nicht. Sie hat auch nicht vor zu fragen. Das Einzige, was jetzt zählt, sind seine Lippen auf ihren. Seine Hände überall auf ihr – gierig danach, all die Zeit wieder gutzumachen, die sie voneinander getrennt waren.
Es ist über ein Jahr her, dass sie Victor zum letzten Mal gesehen hat, als er sie wegen einer anderen verließ. Aber das spielt jetzt alles keine Rolle. Dass Claude sich in einer Taxi setzen und zu einem leeren Hotelzimmer fahren wird, spielt auch keine Rolle. Ella wird von einer Lust getrieben, die alles andere ausradiert. Unwirklich. Sie will Victor.
Das Taxi hält vor dem Hotel und zwei Minuten später liegen ihre Kleider auf dem Hotelzimmerboden verteilt. Sie sagen nichts zueinander, Worte sind wahrhaftig überflüssig. Stattdessen lassen sie ihre Körper wieder zueinander finden. Er küsst sie gierig und statt sich zurückzuziehen – wie sie es in den sechs Jahren gemacht hat, in denen sie zusammen waren – öffnet sie ihren Mund noch weiter und lässt seine weiche Zunge die ihre untersuchen. Sein Speichel mischt sich mit ihrem.
Sein Schwanz ist hart, sie spürt ihn gegen ihren Schenkel drücken, während sie sich stehend umarmend und ineinander verdrehen. Das Gefühl lässt sie ihn Victors Mund stöhnen. Ihr war bisher nicht klar gewesen, wie sehr sie seinen vertrauten Körper vermisst hat. „Ich will dich in mir haben“, stöhnt sie, während seine Lippen ihren Hals küssen. Er lässt seine Zunge von ihrem Ohrläppchen zu ihrem Schlüsselbein heruntergleiten. „Jetzt“, sagt sie.
Victor lässt sich Zeit. Es geht langsam – zu ihrer Verzweiflung. Sie will ihn hart und schnell, voller Lust. Sie will mit ihm gemeinsam kommen – es herausschreien. Aber Victor lässt sich Zeit. Er legt sie vorsichtig ins Bett und küsst weiter ihren Hals. Seine weichen Lippen brennen angenehm auf ihrer Haut, was sie noch geiler macht. Küss mich da unten, denkt sie, während sie seinen Kopf vorsichtig nach unten drückt. Er lacht und schüttelt den Kopf. Die freundlichen, braunen Augen bekommen einen triumphierenden Schimmer – er weiß genau, dass er sie in den Wahnsinn treibt. Ella keucht, als die Zunge ihre Brustwarzen erreicht. Victor benetzt sie mit seiner Spucke, bedeckt sie mit Küssen und hebt dann den Kopf. Er betrachtet ihre Brüste einen Moment lang, bevor er vorsichtig auf sie bläst. Ella keucht auf, als ihre Brustwarzen von der schönen Kühle steif werden. Sie öffnet die Augen und blickt in Victors Augen. „Bitte Victor, leck mich“, flüstert sie und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.
„Bin ich das nur, oder war das der beste Sex, den wir je hatten?“ fragt Victor außer Atem in das dunkle Zimmer. Es ist drei Uhr nachts und es wird schon etwas hell. Mit dem Ohr auf seiner Brust hört sie, wie sein Herz fiebrig versucht, Blut in seinen Körper zu pumpen. Sie öffnet die Augen und dreht den Kopf, um ihm in die Augen zu sehen. Er sieht glücklich aus. „Ich meine“, fährt er vorsichtig fort, „so gut war es nie, als wir noch zusammen waren. Da hast du nicht gerade mitgemacht. Aber jetzt … wow, Ella.“ Er lacht leise und legt seine Arme um sie, zieht sie näher zu sich und küsst ihren Scheitel. Der alten Ella hätte das gefallen – in Victors Armen liegen und es gemütlich zu haben. Die neue Ella spürt hingegen die Klaustrophobie unter der Haut. Das Ganze war völlig irre. Mit Victor nach Hause zu gehen und Claude zu verlassen. Der Orgasmus hatte sie wieder nüchtern gemacht.
„Ich muss zurück in mein Hotel.“ Ella setzt sich auf und erinnert sich plötzlich an ihre Nacktheit. Sie wünschte, Victor würde seinen Blick abwenden, dass er sich hinlegen und einschlafen würde. Stattdessen nimmt er ihre Hand.
„Was? Du verlässt mich ja wohl nicht für ihn?“ Wenn Victor über Claude spricht, tut er das mit einem solchen Ekel, dass sich Ella fast schämt. „Ich habe dich doch vor dem Alten gerettet. Du brauchst nicht zurückzugehen!“, fährt Victor fort und seine Finger umklammern ihre Hand noch stärker.
„Victor …“, hebt sie an, wird aber unterbrochen, als er seine Lippen wieder auf ihre drückt.
„Wir können es noch mal versuchen, Ella. Du bist jetzt ganz anders. Hätte ich gewusst, dass es so werden würde, hätte ich nie … bitte, geh nicht. Die Zeit ohne dich war furchtbar. Ich liebe dich doch“, keucht er in ihr Ohr. Das Zimmer dreht sich. Ella weiß nicht, was sie antworten soll. Sie muss etwas Kaltes trinken, und sie will an die frische Luft. Ohne Victor zu antworten, macht sie sich los. Sie zieht sich ihr Höschen an und zieht sich schweigend das Kleid über den Kopf. Im Flur steigt sie in ihre Pumps und ehe sie die Tür schließt, sieht sie zu Victor, der mit dem Kopf in den Händen auf der Bettkante sitzt.
„Ich muss darüber nachdenken, Victor.“ Und schon ist sie fort.
Ella schleicht sich ins Hotelzimmer. Sie hält den Atem an und lauscht nach Bewegungen. Es ist ganz still im Zimmer, abgesehen von den Gardinen, die sich leise in der lauen Morgenbrise des offenen Fensters bewegen. Er schläft, denkt sie, und spürt, wie erleichtert sie ist. Wenn sie es nur schafft, sich zum Bett zu schleichen und sich hinzulegen, ohne ihn zu wecken, dann kommt sie damit vielleicht durch. Vielleicht kann sie behaupten, dass sie sich verlaufen hat und dass er schlief, als sie doch noch zurückkam.
Sie lässt die Pumps auf der Fußmatter stehen und geht barfuß durch den Eingangsbereich, umrundet vorsichtig eine Ecke und schnappt nach Luft, als sie seinem Blick begegnet. Claude sitzt angezogen auf dem gemachten Hotelbett und beobachtet sie dabei, wie sie sich hereinzuschleichen versucht.
„Jetzt passt es dir also gut, zurückzukommen?“ Er sieht weder wütend, noch traurig aus. Vor allem müde. Er hat das Aussehen eines besorgten Mannes, der die ganze Nacht gewartet hat. Ella wäre nicht überrascht, wenn das den Tatsachen entspräche.
„Ich …“, fängt sie an, aber ihr fällt nicht ein, wie sie den Satz beenden soll, deshalb bleibt das Wort in der Luft zwischen ihnen hängen. Die Stille ist kaum auszuhalten. Claude seufzt schwer und steht auf. Er geht auf sie zu und plötzlich bekommt sie fast Angst. Was wird er tun? Aber dann geht er an ihr vorbei – lässt den Windzug die Haare aus ihrem Gesicht streichen. Sie erwartet, dass er gehen und sie allein zurücklassen wird, was sie tatsächlich verdienen würde, nachdem sie ihn vor seiner Nase betrogen hat. Aber dann spürt sie seine Hand in ihrer. Seine Lippen in ihrem Nacken.
„Lass mich dir wenigstens zeigen, was du verpasst“, flüstert er in ihr Ohr, während seine Finger den verstecken Reißverschluss des Kleides finden. Die warmen, rauen Finger an ihrem Rücken lassen Ella erschaudern. Das Kleid fällt zu Boden, dicht gefolgt von ihrer Unterwäsche. Durch die Kühle des Zimmers zieht ihre Haut sich zusammen und die Brustwarzen werden steif. Ihr Körper trägt noch immer die unsichtbaren Spuren von Victors Händen und Lippen, aber Claude radiert sie bald aus.
Wie eine Person bewegen sie sich Richtung Bett. Der Betrug, die Enttäuschung und die Scham brennen in ihnen. Ella küsst Claude heftig, während seine Hände ihren Körper zurückerobern, Stück für Stück. Sie umfassen hart ihre kleinen Brüste, so hart, dass auf der rosa Haut rote Handabdrücke aufblühen. Er penetriert sie mit schonungslos mit zwei dicken Fingern, während sie in seinen Mund stöhnt. Ella, die vor knapp einer Stunde bereits einen Orgasmus hatte, ist kurz davor, wieder zu kommen. Die Muskeln in ihr verkrampfen sich und Claude spürt, wie Ella seine zwei Finger umspannt. Als er sie genau da hat, wo er sie haben will, zieht er die Finger raus und lässt sie zitternd und frustriert im Bett liegen. „Mach weiter, bitte, mach weiter“, stöhnt sie mit flehendem Blick.
Claude steht neben dem Bett und beobachtet sie, wie sie da liegt und ihn anfleht, kommen zu dürfen. Sie hebt die Hand, um es selbst zu Ende zu führen, aber er hält sie ab, verbietet ihr, auch nur einen Muskel zu rühren. Ella lässt die Hand fallen und sieht, wie er anfängt, sich selbst zu berühren. Wie sein bereits steifer Schwanz in seiner Hand noch härter wird, während er sich vor ihr befriedigt. Ella glaubt, dass er sofort kommen wird, dass er auf sie spritzen wird. Die Hoden ziehen sich zusammen und sie sieht, wie sich sein Kiefer auf die ihr wohlbekannte Art anspannt. Aber dann lässt er los und holt ein paarmal tief Luft. Aus Claudes Schwanz quellen ein paar Tropfen Flüssigkeit und rinnen über die geschwollene, dunkelrote Eichel. Der Schwanz zuckt und Claude atmet abgehackt und heftig.
„Stell dich auf alle Viere“, keucht er und ohne zu zögern rollt sich Ella herum und kämpft sich auf ihre Hände und Knie, mit zitternden Armen und Beinen. Einige Sekunden hält sie ganz still und wartet. Aber dann spürt sie Claudes Hände auf ihren Hüften und rutscht zurück, sodass ihre Knie genau an der Bettkante stehen. Er legt eine Hand zwischen ihre Schulterblätter und drückt ihren Oberkörper sanft in das weiche Bett. Der Hintern ragt hoch in die Luft, auf der perfekten Höhe für Claude. Gleich steckt er seinen Schwanz rein, denkt Ella, und bereitet sich mental auf den Stoß vor. Hält vorsichtig gegen.
Claude sieht ihren Po an, der sich ihm präsentiert, rot, feucht und geschwollen. Er steht ihm offen, möchte genommen werden. Er sieht, wie sie zittert und fragt sich, ob es daran liegt, dass sie so geil ist, oder weil sie Angst hat. Er streichelt ihren Unterleib und spürt, wie ihr ganzer Körper aufgrund der plötzlichen Berührung zusammenzuckt. Sein Daumen gleitet in ihre nasse Spalte und ruft ein verwundertes Stöhnen hervor. Er zieht den Daumen heraus und führt ihn zu ihrem Anus, den er streichelt, bis er beinah genauso nass von ihren Säften ist wie ihre Muschi.
Sein Schwanz ist unglaublich hart und er kann kaum noch an sich halten. Er muss sie jetzt haben. Mit der einen Hand an ihrer Hüfte zieht er sie zurück, während er gleichzeitig zustößt. Sein Schwanz gleitet mit einer solchen Kraft in sie hinein, dass sie aufschreit. Ihre Hände halten sich krampfhaft am Bettgestell fest – als würde sie um ihr Leben ringen. Er drückt den Daumen, der gerade noch an ihrem Anus ruhte, in sie hinein, tief in ihr engstes Loch, und der Rest der Hand hält ihre Pobacke, während er sie hart fickt.
Der Daumen tief in ihrem Anus überrascht sie. Sie hat ihren Buttplug dort drin gehabt, sie hat auch einmal mit dem Dildo getestet, aber nie hat sie jemand anderen dort anfassen lassen. Bisher nicht. Oh Gott, wie sie dieses Gefühl liebt. Wie sich die Muskeln um seinen Daumen spannen und wie sein Griff ihm ermöglicht, schneller zu pumpen, schneller und schneller. Vorsichtig zieht er den Daumen aus ihr heraus, um ihn dann wieder reinzudrücken – Ellas Wangen werden rot – sie schämt sich dafür, wie sehr sie es genießt.
Ella gleitet durch Claudes Gewicht nach vorn und liegt nun auf dem Bauch – er zieht den Daumenaus ihrem Anus und fickt sie weiter, mit beiden Händen auf ihrem Hintern. Mit jedem Stoß wird die Luft in einem dumpfen Stöhnen aus Ella herausgepresst. Sie hat keine Kontrolle, was mit ihr geschieht – darüber, kurz vorm Orgasmus gewesen zu sein, ihn dann verweigert zu bekommen und jetzt wieder an der Grenze zum Orgasmus zu sein. Wird er sich noch einmal zurückziehen? Macht es ihm Spaß, sie so zu quälen? Auch wenn sie ihn nicht sehen kann, erkennt sie an seinem lauten Atem und dem Takt, dass er kurz davor ist – genau so nah wie sie. Sie spricht ein kurzes Gebet, dass er weitermachen soll. Bitte, lass mich kommen.
„Magst du das hier?“, schreit er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Ella kann kaum einen Laut aus ihrer Luftröhre bekommen, all die Luft, die sie einatmen kann, verlässt sie mit jedem Stoß wieder. Claude greift ihre langen, roten Haare und zieht ihr Kinn hoch. „MAGST DU DAS HIER?“ Sein Schwanz ist so tief in ihr begraben, er stößt gegen alle empfindlichen Organe – massiert sie von innen.
„Ja-aa“, stöhnt sie geil, als sie merkt, wie der Orgasmus sie zum Fallen bringt. Sie schreit laut heraus und merkt, wie ihre Beine sich unter Claudes Gewicht zusammenkrampfen. Ihr Kopf fällt auf das Bett, als er den Griff in ihren Haaren lockert. Die Wärme in ihrem Bauch verbreitet sich im ganzen Körper und ihre Muschi pulsiert unbarmherzig hart gegen Claude. Der Anblick von ihrer Geilheit und ihr Stöhnen, als sie sich dem Orgasmus hingibt, sind alles, was es braucht. Als Claude ganz tief in ihr drin ist, hält er inne und schwankt, den Kopf erhoben und die Augen geschlossen explodiert seine Ejakulation in Ellas engem Inneren.
Danach liegen beide unbeweglich da und atmen schwer. Claude liegt noch immer auf Ella, mit schlaffem Körper, aber sie ist zu geschafft, um ihn von sich abzuschütteln. Genau so muss Sex sein, denkt Ella schwindlig. Dieser Fick schafft es ganz oben auf ihre Liste von gutem Sex. Sie lächelt für sich und versucht, sich umzudrehen, um Claude zu küssen. Aber irgendwas fühlt sich falsch an. „Claude?“, flüstert sie vorsichtig.
„Nächstes Mal, wenn du mich verspotten willst, denk hieran. Ich kann dir alles geben, Ella. Was kann er dir denn geben?“ Claude umarmt unsanft ihre Schultern. Vor dem Fenster, zu dem gewendet Ella liegt, fliegen die Vögel frei über den Himmel. Die schöne Leichtigkeit nach dem Orgasmus wird zu einem dunklen, unbehaglichen Gefühl, das sich im ganzen Bauch ausbreitet.
Als Claude später am selben Tag verschwindet, um mit einem zukünftigen Kunden Mittag zu essen, beschließt Ella, spazieren zu gehen. Sie geht in den Botanischen Garten von Kopenhagen – Botanisk Have – und streunt durch die prachtvollen Gewächse. Hätte ihr Mobiltelefon nicht in der Tasche vibriert, hätte sie es beinah genießen können. Das ist doch absurd, denkt sie, als sie auf dem Bildschirm sieht, dass sie zehn verpasste Anrufe von Victor hat. Sie entschließt sich, ihn zurückzurufen, und er geht sofort ran, atemlos.
Dreißig Minuten später geht er lächelnd neben ihr. Vielleicht hat er die Tatsache, dass sie sich mit ihm trifft, als ein Zeichen aufgefasst. Als Zustimmung zu seinem Vorschlag von der vorigen Nacht, es noch einmal zu versuchen. Er streckt seine Hand nach ihrer aus, um sie zu nehmen, aber Ella tut, als wäre sie an einem Gewächs in ein paar Metern Entfernung interessiert. Sie eilt zu einer Kletterpflanze mit blauen Blüten und liest „Ipomoea tricolor“ auf einem kleinen Metallschild. Die passende Blume für den Tag. Victor stellt sich hinter sie und Ella bekommt das gleiche Gefühl, wie sie es am Morgen hatte, im Bett mit Claude. Das Gefühl, gefesselt, der Freiheit beraubt zu sein. Sie spürt das Gewicht von Victors Erwartungen und das Gewicht von Claudes Wünschen. Beide wollen, dass sie eine Wahl trifft. Keiner von beiden ist darauf vorbereitet, was eine Wahl bedeuten könnte.
„Woran denkst du, Ella?“ Seine Hand nimmt ihre und er zieht sie vorsichtig zu sich. Etwas in ihr zerbricht. Sie wird wahnsinnig wütend. Wie kann er es wagen hierherzukommen, über ein Jahr danach, und dann eifersüchtig werden, wenn sie endlich den nächsten Schritt gemacht hat? Wie kann er es wagen so zu tun, als ob er an ihren Gefühlen interessiert ist, um ihr eine Sekunde später ein Messer in den Rücken zu rammen?
„Ich brauche nicht gerettet zu werden, Victor.“ Sie funkelt ihn böse an und zieht die Hand weg. Hat sie diesen Mann wirklich geliebt? Hat sie ihn wirklich vermisst – sich nach ihm gesehnt? „Ich will es nicht noch mal versuchen, wir funktionieren nicht zusammen. Es gibt auf meiner Seite keine Gefühle, auf die man aufbauen kann. Gestern ging es nur um Sex. Nichts sonst.“ Ihre harten Worte lassen ihn zurücktaumeln.
Die alte Ella wäre ihm in den Arm gesprungen und hätte „Rette mich!“ geschrien, aber die alte Ella war ausgetauscht. Die neue Ella wendet ihm den Rücken zu und geht. Lässt ihn allein zwischen den Pflanzen zurück, genau wie er sie einst verlassen hat.
Das Spiel mit Claude macht so lange Spaß, wie sie frei ist. Sie hat es genossen, gehegt und geschätzt zu werden. Begehrt und auf ein Podest gestellt zu werden. Aber plötzlich ist das Schöne am Ganzen wie weggeblasen. Sie ist zu einem Wettbewerb geworden. Victor will sie retten. Claude schließt seinen Griff immer härter um sie. Steckt ihr besonders viel Taschengeld zu. Kauft unnötig teure Geschenke.
Ihr freier Sommer, die Möglichkeit, ihren Körper noch weiter zu entdecken – mit jemand anderem zusammen – hat sich von einer herrlichen Unbeschwertheit zu einem Leben voller Regeln und Ängste entwickelt. Sie ist nicht mehr diejenige, die die Kontrolle hat –stattdessen merkt sie, wie sie immer mehr von dem Mann an ihrer Seite kontrolliert wird. Das muss ein Ende haben.
An dem Abend, als sie mit Claude im Grand Hotel zu Abend isst, sagen sie nicht viel zueinander. Claude kann nicht aufhören daran zu denken, was sie getan hat, wie alt er ist im Vergleich zu ihr, und dass es immer jüngere und besser aussehende Männer geben wird, die sie haben will. Aber die haben dafür nicht sein Geld.
Er kann ihre Gesellschaft kaufen, aber ihre Liebe würde er nicht kaufen können, so sehr er es auch versuchte. Tief innendrin weiß er, dass es vorbei ist – er sieht es in ihrem leeren Blick. Sie ist mit den Gedanken woanders. Er räuspert sich und sagt mit zusammengebissenen Zähnen: „Ella, du musst wählen.“
Als sie die Tür aufschließt, fällt ihr ein Haufen Werbung, Zeitungen, Rechnungen und Briefe entgegen. Sie klettert hinüber und sieht sich in dem kleinen Zimmer um. Das Bett steht da, wo sie es verlassen hat, unordentlich gemacht und voller Bücher. Der Laptop liegt auf dem Stuhl am Fußende und die Pflanzen in den Fenstern lassen die Köpfe hängen. Es riecht nach Kaffee, ein wenig nach Parfüm und etwas nach Staub. Sie ist wieder zu Hause in ihrer engen Einzimmerwohnung. Allein, zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit. Sie lächelt breit und spürt, wie ihre Lungen sich mit Luft füllen und sich in ihrem Brustkorb weiten. Der Duft der Heimat, der Freiheit. Sie ist so glücklich, dass sie sich selbst gewählt hat.
Showgirl: Erotische Novelle
Showgirl
„Jetzt stoßen wir an – auf Ella!“ Ihr Vater strahlt sie an. Man sieht in seinen Augen und an seiner Haltung und man hört in seiner Stimme, wie stolz er auf sie ist. Der Garten hallt von den Reaktionen, den fröhlichen Hurrarufen und Beglückwünschungen von Familien und Freunden wider. Ella sitzt mittendrin und lächelt, während sie für den unmittelbaren Weltuntergang betet.
„Also, Ella, was hast du jetzt vor?“, fährt ihr Vater fort. „Kannst du nicht mal herkommen und uns erzählen, was als Nächstes passiert?“ Da war es. Das Todesurteil. Ella sieht, wie sich ihr alle erwartungsvollen, neugierigen Gesichter zuwenden – bereit, an ihrem Lebensplan teilzuhaben. Den Lebensplan, den es nicht gibt. Wie erzählt man seinen Eltern, seinen Verwandten und seinen entfernt bekannten Freunden, dass man die Prüfung zur Sozialarbeiterin gemacht hat, dass man drei Jahre lang richtig hart dafür gearbeitet hat, und dass man alles verabscheut, was damit zu tun hat? Dass man nie in diesem Beruf arbeiten will?
„Ähm … danke, dass ihr heute alle gekommen seid. Und danke für all die tollen Geschenke“, beginnt sie mit zittriger Stimme. Ihre Hände zittern nervös. „Ich hab keinen direkten Plan.“ Sie lacht nervös – sie sieht, wie die schlechte Stimmung sich über den Garten legt. „Oder doch … ich werde nach Stockholm ziehen.“ Das ist neu. Stockholm? Ihre Eltern sitzen mit offenem Mund da, wahrscheinlich haben sie einen Schock. „Ich habe von einem … Freund gehört, dass sie dort Kuratoren für eine Grünanlage für junge Erwachsene suchen. Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch.“ Sie sieht, wie alle Gäste – besonders ihre Eltern – erleichtert aufseufzen. Es gibt einen Plan. Alles ist, wie es sein soll. Ella ist schon fast selbst davon überzeugt.
Ella packt ihre letzten Besitztümer zusammen und sieht sich ein letztes Mal in ihrer engen Einzimmerwohnung um. Ihr Zuhause. Als sie auf ihrer Examensfeier Panik bekam und hervorstotterte, dass sie nach Stockholm ziehen würde, hatte sie nicht einberechnet, wohin ihre Lüge führen würde. Sie würde ihre Wohnung verlassen und fast 500 km weit wegziehen müssen, in eine ganz neue und unbekannte Stadt.
Ihre Eltern hatten eine kurze Weile gebraucht sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ihre Tochter nach Stockholm ziehen würde, doch dann wurde aus ihrem Schock und ihrer Verzweiflung ein Gefühl unglaublichen Stolzes. Sie sind davon überzeugt, dass Ella in Stockholm große Taten vollbringen wird. Ella ist ihrerseits nicht so sehr überzeugt davon. Sie hat weder einen Job, noch eine Wohnung. Stockholm ist eine teure Stadt – das ist etwas ganz anderes als ihr Heimatort, in dem man eine Falafel für 30 Kronen bekommt. Ella will sich gar nicht vorstellen, was eine Falafel in Stockholm kostet. Aber sie hat einen Plan B. Wenn alle Stricke reißen, denkt sie, kann ich immer noch als Camgirl arbeiten. Mit dem Gedanken fühlt sich alles etwas leichter an.
Sie seufzt tief und lässt ein letztes Mal ihren Blick durch die Wohnung schweifen. Erinnert sich an den Tag, an dem sie einzog, das Gefühl der Freiheit, wie sie in genau diesem Zimmer den ersten Orgasmus ihres Lebens bekam und wie sie danach den ganzen Sommer damit verbrachte, sich vor Publikum selbst zu befriedigen. Sie erinnert sich an das Gefühl, als sie letzten Sommer zurückkam – die Sicherheit, die ihr diese Wände boten. Und plötzlich fühlt sich die Wohnung kleiner als je zuvor an.
Ella ist in den letzten Jahren so viel gewachsen in diesem engen Zuhause. Sie kann nicht den Finger darauflegen, aber irgendwann muss sie aus der Wohnung herausgewachsen sein. Dieses Zimmer mit der Kochnische ist das letzte Überbleibsel von der alten Ella. Als ihr dieser Gedanke kommt, fühlt sie, dass sie mit diesem Teil ihres Lebens abgeschlossen hat. Als sie da steht, die Hinfahrkarte nach Stockholm in der Hand, und sich von dem Letzten verabschiedet, das sie hier noch hält, fühlt sie sich das erste Mal bereit – neugierig auf das, was kommen mag.
Sie hatte sich selbst eine Woche gegeben. Eine Woche, um so viele Vorstellungsgespräche wie möglich zu führen. Eine Woche, um eine – eher – dauerhafte Bleibe zu finden. Seit sie nach Stockholm gekommen war, hatte sie bei einer Bekannten auf dem Sofa geschlafen, die keine besonders nahestehende Freundin war. Nicht länger als eine Woche, hatte sie sich nach der ersten Nacht geschworen, als sie mit schmerzendem Rücken aufgewacht war und dann am schrecklichsten Frühstück ihres Lebens teilnehmen musste.
Es ist acht Uhr, als Ella allein durch die Straßen von Stockholm geht. Überall sieht sie fröhliche Menschengruppen, die das Wochenende in Bars und Draußencafés einläuten. Es ist noch hell und ziemlich warm – die Stadt saugt die Sonnenwärme auf und gibt sie fast doppelt zurück.
Sie fühlt sich so einsam, so klein, als sie an diesem Freitagabend herumgeht. Neulich hat sie sich eine Wohnung angesehen, es sah richtig gut für sie aus – sie hätte sie beinah bekommen. Aber als der Vermieter erfuhr, dass sie noch keinen richtigen Job hat, ließ er sie den Vertrag nicht unterschreiben. Sie hatte ihm hoch und heilig versprochen, dass sie eine Möglichkeit hatte, an Geld zu kommen, dass sie Geld hätte. Er hatte sie angeekelt angesehen und nichts gesagt, aber Ella konnte genau sehen, was er dachte. Sie ist eine Nutte.
Nein, denk jetzt nicht daran. Ella schüttelt den Kopf. Es ist Freitagabend, ihr erstes – und letztes – Wochenende in Stockholm. Am Montag wird sie aufgeben und nach Hause fahren. Aber jetzt, heute Abend, ist sie noch frei. Sie biegt in die nächstbeste Kneipe ab und setzt sich an die Bar.
„Einen Gin Tonic, bitte.“ Der Barmann nickt lächelnd und serviert ihr in Windeseile den Drink in einem hohen Glas. Sie will gerade bezahlen, als ein Mann seine EC-Karte herüberreicht und sagt: „Lass mich das …“ Ellas und seine Blicke kreuzen sich, sie lächelt dankbar und bemerkt seine dunklen Augen. Seine vollen Lippen sind zu einem Lächeln verzogen und unter dem Hemd sieht man die Bewegung der Muskeln, als er seinen Barhocker neben ihren schiebt und sich hinsetzt. Schweigend sitzen sie zusammen. Sie nippt nervös an ihrem Drink, im vollen Bewusstsein, dass der Mann sie anstarrt.
„Trinkst du nichts?“, fragt sie nach einer Weile. Die Eiswürfel klingen im Glas. Ella läuft ein Schauer vom Nacken zur Lende herunter, als er beim Lächeln die Zähne entblößt. „Nee, mir reicht das so“, antwortet er heiser. Der Schauer breitet sich weiter aus. Sie spürt, wie ihr ganzer Unterleib warm wird, wie ihr Magen sich zusammenzieht. Es ist lange her, dass sie mit einem Mann geschlafen hat – oder jedenfalls mit einem so gutaussehenden Mann. Sie beißt sich auf die Unterlippe und nickt still. Sie ist überzeugt, dass er diese elektrische Spannung auch spürt. Er will sie genauso haben, wie sie ihn.
Sie nimmt einen großen Schluck vom Drink und schluckt die kalte Flüssigkeit schnell herunter. Das halbvolle Glas bleibt auf dem Tresen stehen, als sie aufsteht. Mit der Hand auf seiner Schulter beugt sie sich kaum merkbar zu ihm und flüstert „Ich muss auf die Toilette“ in sein Ohr. Ihre Haare umschmeicheln sein unrasiertes Kinn.
Die Toilettentür lässt sie unabgeschlossen, sie lehnt sich gegen die gekachelte Wand und zählt leise vor sich hin: eins. Hat er den Wink verstanden? Zwei. Was ist, wenn jemand anders die Tür aufmacht? Drei. Vielleicht habe ich das alles fehlinterpretiert. Vielleicht wollte er nur nett sein. Vier. Ich fahre lieber morgen schon nach Hause. Ella stellt sich wieder richtig hin und will gerade die Türklinke herunterdrücken, als die Tür sich öffnet. Ein Keuchen entfährt ihrem Mund, wird aber sofort von ihm erstickt. Seine Lippen auf ihren und seine Hände um ihre Taille. Die Kraft seines Körpers an ihrem lässt sie ein paar Schritte rückwärts gehen. Sie stößt mit dem Rücken an das Waschbecken und ihre Körper drücken sich aneinander. Sein harter Brustkorb an ihrer zarten Brust und sein steifer Schwanz an ihren weichen Schenkeln. Das Gefühl bringt sie dazu, ihm in den Mund zu seufzen, sie spürt, wie es sie zwischen den Beinen prickelt – wie das Blut in ihre Muschi fließt und sich dort warm und brodelnd sammelt.
Als wäre Ella federleicht, hebt der Mann sie hoch und setzt sie auf das große Waschbecken. Mit den Händen auf den Innenseiten ihrer Schenkel spreizt er ihre Beine und kommt näher, küsst sie intensiver, während seine Hände nach oben gleiten. Sie ist bereits triefend nass. Als seine Finger ihr Höschen erreichen und er ebenfalls die Nässe spürt, hört sie ihn gedämpft stöhnen. Schnell schiebt er das Höschen zur Seite. Ihre Blicke treffen sich und Ella nickt leicht. Er öffnet seinen Gürtel und den Hosenstall und lässt seine Hose samt Boxershorts zu Boden fallen. Die Eichel glänzt im fluoreszierenden Licht der Leuchtröhre.
Ella verschränkt hinter ihm die Beine und drückt ihn näher an sich. So nah, dass sie spürt, wie seine Eichelspitze ihre willige Öffnung berührt. Sie braucht ihre ganze Selbstdisziplin, aber sie sitzt unbeweglich da, mit seinem Schwanz an sie gedrückt, und wartet, dass er reinkommt. Sie will ihn tief in sich haben. Will seine Härte gegen ihr nasses Weiches spüren. Die Augen des Mannes werden dunkler und etwas Wildes und Animalisches kommt über ihn. Sie spürt, wie er mit seinen starken Händen ihre Taille umfasst. Mit geschlossenen Augen nimmt sie ihn auf. Spürt, wie er langsam in sie hineingleitet. Beide atmen aus, als er ganz drin ist. Da öffnet sie ihre Augen und erhascht seinen Blick. Er sieht aus wie im siebten Himmel – sie lächelt.
Hinterher springt sie vom kühlen Waschbecken und zieht ihr Höschen hoch. Sie atmet aus und merkt, wie das warme Sperma ihren Körper verlässt. Der Mann, dessen Namen sie nicht erfragt hat, knöpft seine Hose zu und schließt seinen Gürtel. Im Nachhinein fühlt es sich total irre an. Was hat sie sich nur gedacht? Jemand hätte sie sehen können – hören können. Ihre Blicke treffen sich und er sieht nicht mehr so selbstsicher aus, er lächelt sie nervös an und plötzlich fragt sie sich, wieso sie überhaupt so geil auf ihn war. Und da sieht sie ihn. Den Ring.
„Was ist das denn?“ Sie zeigt auf seinen linken Ringfinger. Er folgt ihrem Blick und sieht auf seinen Ring. Das Lächeln verschwindet.
„Ach, nichts“, antwortet er. Ella sieht, wie er mit dem Gürtel rumhantiert, ihn schnell schließt. Und dann geht er und lässt sie einsam auf dem Klo zurück. Wieso hatte sie den Ring nicht früher gesehen?
Ella spürt die Tränen hochsteigen. Sie eilt aus der schmuddeligen Toilette, aus der Kneipe hinaus und geht planlos durch die Straßen von Stockholm. Es hat angefangen zu dämmern und es ist kühler geworden. Was ein schöner, heißer Moment zwischen zwei vollkommen Fremden hätte sein können, war nun etwas Schmutziges und Falsches. Ella hatte sich geschworen, nie die andere Frau zu sein und heute Abend hatte sie diesen Schwur gebrochen. Sie war arbeitslos, wohnungslos und jetzt auch noch rückgratlos. Wie konnte sie nur? Wie konnte er nur?
Ihre Füße führen sie zu Straßen und Plätzen, von denen sie noch nie gehört hat. Sie bewegt sich aus dem Zentrum und landet in den Außenbezirken der Stadt, wo das meiste schon geschlossen hat. Ihr Magen knurrt sauer. Ella flucht. Wo ist der McDonald’s, wenn man ihn braucht?
Etwas weiter die Straße runter blinkt ein Neonschild mit dem Wort Coffee. Sie beschleunigt ihre Schritte und geht dorthin. Ein Nachtcafé. Es liegt in einem Keller und scheint offen zu sein, denn durch die Milchglasfenster scheint es schwach hindurch. Sie trocknet ihre Augen mit dem Handrücken und geht die Steintreppe hinunter ins Café.
Was sie entdeckt, ist ganz anders als das, was sie erwartet hat. In ihrem Innern – hungrig, wie sie ist – hatte sie Kuchen und süße Stückchen gesehen, Baguettes und Kaffee. Stattdessen trifft sie auf eine starkgeschminkte Frau hinter einem Computerbildschirm. Als Ella eintritt, sieht die Frau sie an.
„Hast du einen Tisch reserviert?“, fragt sie und Ella sieht sich verwundert in dem leeren Kellerraum um. Da sind keine Tische. Sie muss Ellas verwirrten Gesichtsausdruck bemerkt haben, denn plötzlich grinst sie breit. „Oh, ich verstehe“, lacht sie, „Das hier ist kein Café, gute Frau. Aber wenn du Kaffee und ein bisschen Unterhaltung willst, kannst du dem Flur nach links folgen und durch den weinroten Vorhang gehen. Kannst du nicht verfehlen.“
Ella weiß nicht, was sie sagen soll. Stattdessen nickt sie stumm und geht um die Ecke, folgt dem Flur und bleibt vor dem schweren Samtvorhang stehen. Vom weinroten Stoff hebt sich der perlmuttfarben schimmernde Buchstabe „B“ ab. Sie hört dumpfe Musik, Gelächter und einzelne Rufe. Einen Augenblick zögert sie, die Hand an dem weichen Stoff. Ella sieht sich über die Schulter, da ist niemand. Sie seufzt und zieht den Vorhang zur Seite.
Der Raum ist dunkel, von der beleuchteten Bühne abgesehen. An runden Tischen sitzen um die Hundert Menschen und klatschen mit, jubeln und pfeifen, während die halbnackte Frau auf der Bühne ihre Hüften im Takt der Musik bewegt. Ella holt tief Luft, als sie an das helle B auf dem Vorhang denkt. Könnte es sein, dass … nein. Sie kann ja wohl nicht in ein Bordell geraten sein?
„Hallo! Willkommen im Blush!“ Der freundliche und unglaublich gut angezogene Mann legt ihr die Hand aufs Kreuz und führt sie an einen freien Tisch. Er zieht den Stuhl hervor und sie setzt sich automatisch hin. Er reicht ihr eine Speisekarte, feuert ein blendendes Lächeln ab und lässt sie am Tisch zurück. Sie versteht kaum, wie ihr geschieht. Ihre Augen bleiben an der erleuchteten Bühne hängen. Etta James‘ toughe Stimme dröhnt aus den Lautsprechern und drei Frauen in Netzstrumpfhosen, Korsagen, Federboas und hohen Schuhen tanzen zu den Tönen. Sie bewegen sich im Takt und Ella kann ihre Augen nicht von ihnen nehmen. And holla, ow, ow, ow, I’m a woman, a woman.Sie sieht, wie sie die Korsagen aufschnüren, wie sie die Kontrolle über alles haben und bei jedem „ow“ die Korsagen etwas weiter öffnen. Sie entblößen ihre mit Pasties versehenen Brüste und Ella spürt, wie sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitet. Um sie herum brüllt das Publikum, alle lieben das Trio auf der Bühne und Ella versteht das.
Das Licht auf der Bühne geht aus und die vielen Frauen und Männer, die getanzt haben, verschwinden unter den aufmunternden Rufen und dem Applaus des Publikums hinter der Bühne. Ella applaudiert ihnen im Stehen. Sie ist ekstatisch.
Die Bar leert sich schnell. Ella setzt sich wieder und beobachtet das Publikum, das den Club in Paaren oder als Gruppen verlässt – es sind genauso viele Frauen wie Männer und das Alter ist bunt gemischt. Als das Licht angeht, sieht Ella, dass die Serviererinnen, die noch da sind, Strapse und Hüte sowie gut geölte Schnurrbärte tragen, oder dass sie lange Perlenketten, kurze Kleider und rote Lippen haben. Sie wendet den Blick in den Raum und sieht die samtbekleideten Stühle, die düstere Einrichtung und die Schwarzweißfotografien an den Wänden. Auf der Karte vor sich liest sie Blush – Speakeasy & Burlesque in Stockholm und plötzlich ergibt das Puzzle einen Sinn. Sie ist in einer Mondscheinkneipe gelandet – oder zumindest in einer nachgebauten Mondscheinkneipe -, die stark von den 20er-Jahren inspiriert ist.
Mit einem Lächeln, das nicht so recht verschwinden will, steht sie auf und geht in Richtung Ausgang. Und da – gerade, als sie den Samtvorhang aufziehen will – sieht sie sie. An der Wand hängt ein Poster, auf dem Ella lesen kann, dass sie nach neuen Mitarbeiterinnen suchen. Keine Vorkenntnisse nötig – wir bringen alles bei. In Ellas Bauch tanzen die Schmetterlinge. Sie denkt an die Tänzerinnen, die sich gerade gesehen hat und versucht, sich selbst unter ihnen vorzustellen. Würde sie das wirklich hinkriegen?
„Hast du Interesse?“ Die Stimme klingt hoffnungsvoll. Ella dreht sich um, schnell und erschrocken, als wäre sie gerade in flagranti bei etwas Verbotenem erwischt worden. „Wir brauchen echt eine neue Tänzerin, wir suchen schon, seit Nicki schwanger ist, aber wir haben noch keine gefunden, und nun sieht man es ihr langsam an“, fährt die hübsche Frau fort. Es braucht eine Weile, bis Ella bemerkt, dass es eine der jungen Frauen ist, die sie zu Etta James hat tanzen sehen.
„Ich …“, Ella wird unterbrochen, als die Frau sie unterhakt und zum Backstage-Bereich zieht. Das starke Licht, das sich in all dem Glitter und den Kunstdiamanten spiegelt, blendet sie. Der Raum ist voller Kleiderständer, die mit Outfits vollhängen. So viele verschiedene Farben und Materialien. So viele neue Gesichter, die sich ihr zuwenden.
„Das hier ist … was hast du gesagt, wie du heißt?“ Die Frau, die Ella am Arm hält, lächelt sie breit an.
„Ella. Ich heiße Ella“, stammelt sie nervös. Die Tänzer – Frauen wie Männer – betrachten sie neugierig. Von oben nach unten. Einige lächeln und nicken zustimmend, andere schütteln den Kopf und murmeln etwas, das Ella nicht versteht.
„Ella wird unsere neue Tanzpartnerin! Sie übernimmt für Nicki. Oder, Ella?“ Die Frau klingt so selbstsicher und bestimmt, dass Ella nur noch nicken kann. Sie lächelt nervös und spürt, wie es in ihrem Bauch vor Nervosität und Spannung blubbert.
„Weißt du … wir sind hier wie eine Familie“, sagt eine blonde Frau, die am Rand des Zimmers stand und nun auf Ella zugeht, „Wir helfen einander bei allem. Wir sind uns sehr nah.“ Sie sieht Ella tief in die Augen und lächelt. „Bist du bereit, alles für diesen Job und für deine Kollegen zu tun?“
Zunächst versteht Ella nicht, was die Frau meint, aber dann sieht sie, wie sie ihre Lippen benetzt und den Blick von Ellas Augen zu ihren Brüsten heruntergleiten lässt. Ella sieht, wie sie sich auf die Lippe beißt und der Anblick lässt es wunderbar zwischen ihren Beinen prickeln. Der Raum ist voller halbnackter Frauen und Männer, high von dem Gefühl einer geglückten Vorstellung – froh, eine weitere Nacht gemeinsam überstanden zu haben. Nun entspannen sie sich auf ihre eigene Art. In einer Ecke sieht Ella zwei Frauen, die gerade beginnen, einem der männlichen Tänzer einen zu blasen. Sie sieht zwei Frauen, die sich bei einem heißen Kuss ineinander verschlingen, und der Rest des Raumes ist voller Gelächter, von dem Geräusch eines knallenden Sektkorkens und leisem Stöhnen. Ellas Augen treffen wieder die der blonden Frau, sie sagt keinen Mucks. Stattdessen geht sie einen Schritt vorwärts, bis sie so nah vor ihr steht, dass ihre Nasenspitzen sich beinah berühren, und nickt als Antwort. Ja, sie ist bereit, wirklich alles zu tun. Sie braucht diesen Job.
Ella weiß nicht genau, wie es passiert ist, aber als sie das Blush eine Stunde später auf wackligen Beinen verlässt, und die ersten weichen, vorsichtigen Sonnenstrahlen des Tages sie empfangen, tut sie das mit einem Vertrag in der Hand und einem albernen Lächeln auf den Lippen. Sie kann nicht glauben, dass es wahr ist, dass ihre ganze unlösbare Situation mit der Arbeits- und Wohnungslosigkeit wie durch Magie sich in einer Nacht aufgelöst hat.
An Ellas Seite geht die blonde Frau, Linn. Sie ist groß und kurvig, ähnlich der jungen Marilyn Monroe. Wäre sie in den Fünfzigern geboren worden, wäre sie unglaublich von den Jungs begehrt worden, denkt Ella. Auf ihrer anderen Seite geht Malin – die Frau, die Ella in den Backstage-Bereich mitgenommen hat. Malin ist so dunkel wie Linn hell ist. Sie hat ein hübsches Lächeln und sieht wie ein typisches Mädchen von nebenan aus. Laut dem Vertrag soll Ella Nickis Platz im Trio einnehmen und mit Linn und Malin zusammen tanzen – der Gedanke, mit den beiden zu tanzen fühlt sich unwirklich an.
„Danke, dass ihr mich bei euch wohnen lasst. Nur, bis ich was Eigenes gefunden habe, das verspreche ich!“ Ella lächelt die beiden dankbar an und sie legen ihre Arme um ihre Taillen und lachen im Chor.
„Kein Ding, Mädchen. Du kannst gern bleiben“, antwortet Malin und Linn nickt eifrig. „Dann haben wir mehr Zeit fürs Training – mehr Zeit, einander kennenzulernen. Weißt du, die Chemie ist wichtig, denn auf der Bühne sieht man, wenn sie nicht stimmt“, fährt Linn fort.
Als sie zur Wohnung kommen, fallen sie müde ins Bett, hopplahopp, alle drei. Obwohl das Bett groß ist, ist es recht eng. Ella fühlt sich als Eindringling und versucht, auf ihrer Seite zu bleiben und so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Sie zieht das Kleid über den Kopf und kriecht schnell unter die Decke, den Rücken zu den anderen gewandt. Linn und Malin kichern leise und flüstern dazwischen. Ella schließt ihre Augen und spürt, wie sie sich entspannt – sie ist so müde.
Als sie sich zwischen Traum und Wirklichkeit befindet, spürt Ella, wie eine Hand ihren Rücken streichelt. Eine Weile lang ist sie sich sicher, dass es ein Traum ist. Aber dann hört sie Linn mit heiserer Stimme flüstern: „Ella … schläfst du?“ Sie schlägt die Augen auf und dreht sich um. Ihr Gesicht ist nur Zentimeter von Linns entfernt. Die elektrische Spannung zwischen ihnen von vorhin ist wieder da. Ella denkt daran, wie sie backstage so nah an Linn stand, daran, was Linn gesagt hat übers Nah-Sein und sich gegenseitig Helfen. Es war deutlich gewesen, wie Linn sie angestarrt hatte – aber da hatte Ella eher geglaubt, dass es dabei um Macht ging, um ihre Position im Club klarzumachen. Nun wird Ella klar, dass es um Lust ging. Linn wollte sie haben – will sie haben.
Ella spürt das Kribbeln. Eine Weile liegen beide ganz still und atmen dieselbe Luft. Dann passiert es. Linns Augen bewegen sich zu Ellas Mund und Ella kann nicht mehr stillhalten. Sie sucht Linns Lippen und küsst sie gierig. Linns Hände streicheln Ellas Wangen, ihren Hals, ihre Brüste und ihren Bauch. Sie sind überall und Ella kann nicht genug bekommen. Sie stöhnt leise und drückt ihren Körper an Linns.
Am anderen Ende des Betts wacht Malin auf. Sie war gerade eingeschlafen, als das Bett wackelte. Als ob sich jemand bewegte. Sie späht über die Schulter und sieht, wie Linn auf Ella liegt und sie mit Küssen bedeckt, während ihre Hände sich nach unten entlangstreicheln. Malin lächelt stumm und schließt erneut die Augen. Sie hört mit gespitzten Ohren zu, wie Linns Hände Malin zum Aufstöhnen bringen, wie beide sich leise in den Mund stöhnen. Vorsichtig, um nicht zu zeigen, dass sie wach ist, lässt sie ihre eine Hand in ihr Höschen gleiten. Ihre langen Finger beginnen die Klitoris zu streicheln. Sie lässt sich Zeit, streichelt langsam mit kreisenden Bewegungen drumherum und lässt ab und zu den Finger über die geschwollene Perle gleiten. Malin muss sich auf die Lippen beißen, um nicht zu stöhnen. Sie will nicht, dass Ella und Linn merken, dass sie wach ist. Noch nicht.
Ella presst die Fußsohlen in die Matratze und hebt ihren Hintern, als Linn ihr das Höschen über die Schenkel zieht. Die kühle Luft an ihrer warmen, nassen Muschi lässt sie erschaudern und allein der Gedanke daran, was jetzt passieren wird, bringt Ella zum Stöhnen. Sie hat noch nie Sex mit einer Frau gehabt, aber seit sie den Genuss am Sex gefunden hat, hat sie oft gedacht, dass sie es gern probieren würde. Linns lächelndes Gesicht verschwindet, als sie es zwischen Ellas Schenkeln vergräbt. Linns Zunge an ihren Schamlippen, an ihrer Klitoris und in ihr drin lassen Ella laut aufstöhnen. Ihre Hände graben sich in die Decke und ihr Körper lebt sein eigenes Leben. Sie bewegt sich so stark, dass sie beinah eine Brücke macht, bemüht sich, Luft in ihre Lungen zu bekommen und die ganze Zeit denkt sie, dass es nun endlich passiert. Davon hat sie immer geräumt. Linn lässt zwei Finger in Ellas nasse Muschi gleiten. Die Lippen fest um die Klitoris geschlossen, saugt und leckt sie abwechselnd, während die Finger in sie hinein und wieder raus gleiten. Das Gefühl schlägt alles. Ella spürt, wie sie sich dem Orgasmus nähert, wie er sich schnell in ihr aufbaut.
Malin hört, wie Ellas Stöhnen tiefer wird, spürt, wie Ellas Körper sich neben ihr windet und anspannt. Sie muss jetzt kurz davor sein, denkt Malin. Sie wendet sich um und sieht Ellas geschlossene Augen und ihren offenen, o-förmigen Mund. Zwischen Ellas Schenkeln sieht sie Linn, die sehr konzentriert ist. Der Anblick lässt Malin lächelnd ihre Lippen beißen. Sie weiß genau, wie sich Linns weiche Zunge anfühlt und sie weiß genau, wie dieser Abend enden wird. Das Wissen erfüllt sie mit Wärme. Wer braucht schon Schlaf?
Als Ella gerade glaubt, dass es besser nicht werden kann, schließt sich ein zweites Lippenpaar um ihre eine steife Brustwarze. Malins Zunge leckt die empfindliche Haut und ihr Blick trifft Ellas. Linns Finger tief in ihr drin, Linns Zunge an ihrer Klitoris und Malins Lippen an ihrer Brust, kommt Ella mit aller Gewalt. Sie zittert unkontrollierbar und lacht schockiert. Über ihr knien Linn und Malin und küssen einander. Eine Weile liegt Ella still da und beobachtet sie, aber dann sieht sie, wie es an Malins Innenschenkel glänzt. Ellas Finger suchen den Weg und streicheln Malin vorsichtig. Als ihre Fingerspitzen das Nasse erreichen, keucht sie auf – Malin ist so nass, dass es aus ihr herausläuft. Ella zieht ihre Hand zurück und sieht, wie Malin und Linn sich im Einklang bewegen.
Linn legt sich auf den Rücken und Malin küsst ihre Brüste, lässt die Zungenspitze zwischen ihren Brustwarzen und zum Bauchnabel herunter gleiten. Sie setzt den Weg mit der Zunge über den Venushügel fort und findet den richtigen Fleck. Linn seufzt zufrieden und schließt die Augen. Malin kniet vornübergebeugt zwischen Linns Beinen, den Hintern in die Luft gestreckt. Ihre nasse Muschi liegt frei vor Ella, die sich vorsichtig nähert. Vor Anspannung reißt sie die Augen auf und hält die Luft an. Sie legt ihre Hände auf Malins Hintern und spreizt ihn vorsichtig. Oh, Gott. Das Gefühl bringt Malin dazu, ihre Beine weiter zu spreizen. Sie stöhnt in Linn hinein und geht ins Hohlkreuz, sodass Ella noch bessere Sicht bekommt. Heißt sie willkommen.
Malin zuckt zusammen, als Ellas Zunge sie erreicht. Sie drückt ihre Muschi nach hinten zu Ellas Mund, während sie ihre Zunge tiefer in Linns empfindlicher Haut vergräbt. Alle drei bewegen sich im Takt. Ellas Zunge in Malin bringt ihre Zunge in Linn zum Pulsieren. Mithilfe von Zungen, Lippen und Fingern kommen Malin und Linn beide mit wunderbaren, nassen Orgasmen.
„Noch mal“, keucht Ella danach. Sie liegen dicht aneinander nackt im Bett und hören nur den Regen am Fenster in der Stille, die nach den Höhepunkten entstanden ist. Ella ist vollkommen erschöpft, nachdem sie gekommen ist und Malin und Linn beim Kommen geholfen hat. Trotzdem pulsiert die Lust noch immer unter ihrer Haut. Sie bewegt sich an der Grenze und spürt, dass sie mehr will – sie will warme Haut an ihrer spüren. Wieder und wieder. Ella greift die Hände der beiden und führt sie an ihre nasse, pochende Muschi. „Wir machen das noch mal.“
Die Wochen vergehen schnell. Ella wird von fast allen Tänzern und Tänzerinnen mit offenen Armen empfangen. Die meisten helfen ihr sehr, und nach vielen Stunden harten Trainings, unzähligen Blasen und gezerrten Muskeln hat Ella endlich alles Grundlegende gelernt. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnerinnen und Tanzpartnerinnen geht sie Unterwäsche, Federboas, Korsagen, Schuhe, halterlose Strümpfe und Unmengen an Make-up und Accessoires shoppen.
Sie üben einige unterschiedliche Nummern ein, und jedes Mal, wenn sie zusammen tanzen, wird Ella von einer starken Lust erfüllt. Sie ist Malin und Linn so nah, sowohl privat als auch bei der Arbeit, aber wenn sie tanzen, wird es richtig intim. Ihre langen, muskulösen Beine und kurvigen Körper berauschen Ella. Wenn sie sieht, wie sie sich zur Musik bewegen – sich zur Musik ausziehen – kribbelt es in ihrem ganzen Körper und sie muss sich geradezu anstrengen, um weiterzutanzen, um sich nicht von der Lust verschlucken zu lassen und sich auf sie zu werfen. Erst, wenn sie ihre Trainingseinheiten für den Tag beenden, fallen alle Hemmungen. Dann hängen sie untrennbar aneinander. Im Tanzstudio, in der Umkleide, unter der Dusche und auch zu Hause in der Wohnung, die sie teilen. Ella bekommt nicht genug von ihnen, und sie bekommen nicht genug von ihr.
Genau einen Monat, nachdem Ella ihren Vertrag unterschrieben hat, steht sie mit Malin und Linn in der Umkleide und schminkt sich. Sie helfen einander, ihre Körper mit Pasties, Glitter und engen Korsagen zu schmücken. Sie muntern einander auf, beruhigen einander und stoßen mit Sekt an. Zum ersten Mal treten sie als Trio auf. Sie haben ihren Song und ihre Nummer und, was am wichtigsten ist, einander. Eine Show und dann wird gefeiert.
„Oh, Gott. Ich schaff das nicht.“ Ella nimmt Linns Hand und drückt sie fest. Ihr Herz schlägt laut in ihrer Brust und das Zimmer dreht sich. Linn streichelt ihre Wangen und gibt ihr einen großen, feuchten Kuss, der nach Lippenstift, Kaugummi und Tabak schmeckt.
„Du wirst nichts sehen, wegen der Scheinwerfer. Guck einfach nur zu Malin und mir. Mach, was wir machen. Du kriegst das hin, Mädchen.“ Ella versucht, ruhig zu atmen. Im Kopf geht sie zum hundertsten Mal ihre Nummer durch und versucht, die Schmetterlinge im Bauch zu ignorieren.
Als die Lautsprecher losdröhnen, der Vorhang hochgeht und ihr die Scheinwerfer in die Augen leuchten, weiß Ella genau, was sie zu tun hat. Zur Musik von Aretha Franklins Rough Lover, gepaart mit den anfeuernden Rufen und dem Applaus vom Publikum tanzt sie die Nummer vom Anfang bis zum Ende, gemeinsam mit Linn und Malin – und sie macht es perfekt.
Als die Musik vorbei ist und die Scheinwerfer ausgehen, sieht Ella zum ersten Mal die Zuschauer. Sie sieht das Lächeln, die strahlenden Augen und die unglaubliche Energie – beim Publikum sieht sie genau das, was sie selbst bei ihrem ersten Besuch im Blush verspürt hat. Ella, Linn und Malin haken sich unter und wollen gerade von der Bühne gehen, als Ella ein Gesicht aus dem Publikum hervorstechen sieht. Weder lächelt der Mann, noch klatscht er. Er sieht ihr direkt in die Augen und sieht aus, als hätte er einen Geist gesehen.
„Das lief super, Mädels! Ella, you killed it darling!“ Malin legt den Arm und Ellas Schulter und drückt sie fest. Als Ella weder antwortet, noch zurückdrückt, tauschen Malin und Linn einen Blick. „Was ist? Du siehst ganz blass aus, Mädchen.“
Ella setzt sich auf den nächstbesten Stuhl und vergräbt ihr Gesicht in den Händen. Mist, Mist, Mist. Sie spürt, wie sich ihr der Hals zuschnürt – wie es schwer wird zu atmen. Linn hockt vor ihr, die Hände auf ihren Knien, und Malin streicht ihr über den Rücken. Keine der beiden sagt etwas, sie trösten sie still und warten auf eine Antwort.
„Ich habe einen Freund von meiner Familie, von meinen Eltern, im Publikum gesehen.“ Es klingt so kindisch, wenn sie das laut sagt. Sie sieht es nicht, aber sie kann sich vorstellen, wie Linn und Malin sich entspannen und zu lächeln beginnen. Sie ist schließlich erwachsen und kann machen, was sie will – also was macht es, wenn ein Freund der Familie ihre Show sieht?
„Deine Eltern wissen nicht, dass du tanzt, oder?“ Ella blickt hoch. Linn sieht sie an. Besorgt. Weder sie, noch Malin lächeln und der Anblick lässt Ella erleichtert ausatmen. Auf diese Mädchen kann sie sich verlassen. Sie unterstützen sie, worum es auch geht. Ella schüttelt als Antwort den Kopf und alle drei schweigen. Hören, wie ihre Kollegen mit stürmischem Applaus auf der Bühne begrüßt werden. Ella atmet tief ein und aus. „Ich muss es ihnen erzählen“, sagt sie laut zu sich selbst und lächelt tapfer. Sie sieht in die besorgten Augen der anderen und spürt plötzlich, wie ein Kichern in ihr aufsteigt. Laut und unkontrolliert fängt sie an zu lachen.
„Was ist, Ella?“ Jetzt sehen sie noch besorgter aus und der Anblick bringt Ella noch mehr zum Lachen.
„Er war ganz grün im Gesicht! Ich kenne ihn wahrscheinlich, seit ich noch Windeln getragen habe. Auf jeden Fall, so lange ich mich erinnern kann … Das war wohl das Letzte, was er erwartet hat … Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen!“ Malin und Linn sehen einander an und ihre besorgten Mienen entspannen sich langsam. Ella sieht, wie sie vorsichtig zu lächeln beginnen, wie sie ihre Worte begreifen. Bald stehen alle drei da und halten sich die Bäuche vor Lachen.
Es gelingt ihnen, in die Umkleide zu gehen und sich ihre normalen Klamotten anzuziehen. Um sie herum laufen andere Tänzerinnen und Tänzer, halbnackt, geschminkt und mit hohen Hacken. Einige sind für den Abend fertig, wie Ellas Gruppe, andere bereiten sich noch auf ihre Nummer vor.
„Das war ziemlich cool da oben. Es lief besser, als ich gedacht hätte.“ Ella sitzt auf der schmalen Bank in der schlecht beleuchteten Umkleide und sieht Linn an, die ihre nassen Haare föhnt. Malin steht am Spiegel und trägt Eyeliner auf. Beide drehen sich zu ihr um und lächeln sie an. „Das müssen wir feiern!“, fährt sie fort. Ihre Worte lassen Malins und Linns Augen aufleuchten. Darauf hatten die beiden gewartet.
„Ich hole den Sekt!“, ruft Malin über die Schulter, als sie zurück in den Backstagebereich läuft.
Als Ella als frisch examinierte Sozialarbeiterin nach Stockholm kam, ohne Plan oder Ziel, war das Blush überhaupt nicht das gewesen, was sie vorgehabt oder erwartet hatte. Sie hatte sich im Traum nicht vorgestellt, dass sie all die wunderbaren Menschen kennenlernen würde, mit denen sie jetzt ihre Tage und Nächte verbrachte, geschweige denn, dass sie gemeinsam auf der Bühne stehen würden.
In den vorherigen Sommern hatte Ella die Freude und den Genuss durch ein intimes Verhältnis am eigenen Körper entdeckt. Sie hatte angefangen, sich selbst zu lieben und dadurch hatten sich ihr neue Türen geöffnet. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten hatte sie sich ganz gefühlt, und er, als dieses Gefühl in ihr entstanden war, hatte sie erkannt, dass es dieses Puzzleteil gewesen war, das all die Jahre gefehlt hatte. Als Ella an die vergangenen Jahre denkt, an ihre Arbeit als Camgirl und den Sommer mit Claude, erkennt sie, dass sie sich noch nie mehr angekommen gefühlt hat als jetzt. Auf der Bühne, mit den fremden Augen, die an ihrem Körper kleben. Die Liveshows als Camgirl brachten mehr Geld, aber da zeigte sie auch deutlich mehr Haut. Ihr ehemaliger Sugardaddy Claude schenkte ihr alles, worauf sie zeigte, aber auch das hatte seinen Preis. Bei Claude hatte sie sich am Ende eingesperrt gefühlt – wie ein Vogel in seinem Käfig.
Die beiden letzten Sommer waren wundervoll gewesen. Sie hatten sie zu der Person gemacht, die sie jetzt war. Aber im Vergleich ist dieser Sommer besser als die anderen. Zum ersten Mal ist sie nicht in der Bittstellerposition. Zum ersten Mal geht es nur um sie selbst – um ihren eigenen Genuss und keinen sonst. Mit diesem Gedanken erkennt sie, dass es das ist, was sie ausmacht. Ella wird nie in einem Büro sitzen und mit Menschen reden können, um zu versuchen, deren Probleme zu lösen. Sie wird nie etwas anderes als genau das – Burlesque – machen können, weil sie endlich zu Hause ist. Ihre Kolleginnen und Kollegen sind zu ihrer Familie geworden. Das Trio mit Malin und Linn ist die beste Beziehung, in der sie je war – heiß, frei und trotzdem sehr sicher.
Ella zieht ihr Handy aus der Jeanstasche und scrollt durch die Kontakte. Da ist sie. Die Nummer, die sie so oft in ihrem Leben angerufen hat, dass sie im Gedächtnis ihres Fingers festsitzt. Sie spürt das Herz im Hals schlagen. Ihr Mund ist trocken und ihr Bauch grummelt.
„Ella! Wie schön, dass du anrufst. Wie geht’s dir da oben?“ Ihre Mutter klingt aufrichtig froh und wenn möglich, tut Ellas Magen nun noch mehr weh. Alles in ihr versucht sie dazu zu bewegen, wieder aufzulegen, aber sie widersteht dem Drang. Jetzt oder nie. Sie muss für sich selbst geradestehen. Dieses eine Mal in ihrem Leben muss sie die Wahrheit sagen – erst dann kann sie ganz frei sein. Es fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an, bis Ella endlich ihren Mund öffnet.
„Mama, ich muss etwas erzählen.“
Ella, Malin und Linn stehen in der Dunkelheit und halten sich an den Händen. Sie atmen nervös im Takt und lächeln sich breit an. In einigen Sekunden wird ihr Lied einsetzen. Der Vorhang wird geöffnet werden und die Scheinwerfer werden sie anleuchten. Das Publikum wird sie beobachten, wird sehen, wie ihre Körper sich zu der sanften Musik im Takt bewegen. Ihre Kleider werden Stück für Stück fallen und zu Boden gleiten. Das Publikum wird vor Spannung die Luft anhalten, wenn Ella mit ihren Kolleginnen alles geben wird und noch ein bisschen mehr.
Sie bringen sich in Position: Linn mit den Händen auf den Knien, Ella in der Mitte mit den Ellenbogen auf Linns fülligem Hinterteil und Malin mit ihren Ellenbogen auf Ellas Hintern. Etta James‘ Stimme füllt den Raum und der Vorhang geht auf. Die Musik dröhnt und die Drei kreisen die Hüften im Takt dazu. I just want to make love to you. Das Publikum tobt. Ella lächelt breit in die Menge und fühlt sich vollkommen berauscht vor Freude. Sie ist endlich zu Hause – zum ersten Mal bereit, der ganzen Welt zu zeigen, wer sie wirklich ist.
Polyamorie in Paris: Erotische Novelle
Polyamorie in Paris
Andrea setzte sich auf das weiche Hotelbett und schaute aus dem kleinen Fenster. Dort unten schlängelten sich die Straßen von Montmartre bergauf zur Sacré-Cœur und bergab zum Place Pigalle. Sie seufzte leise bei dem Gedanken, wie schön das aussah und wie froh sie war, dass sie zusammen diese Reise unternahmen. James hatte es sich schon auf seiner Seite des Bettes bequem gemacht und lag mit einem Bein über das andere geschlagen und einem Buch in den Händen auf dem Bettüberwurf. Obwohl Andrea mit dem Rücken zu ihm saß, hätte sie detailliert beschreiben können, wie er aussah, als er so dalag. Das dunkle, zerzauste Haar, das ihm ständig hinter die Brillengläser fiel und die Sicht versperrte. Seine langen, kräftigen Beine in einem Paar dunkler Chinos. Ein kurzärmliges Hemd von ihrem gemeinsamen Flohmarktbesuch voriges Jahr in Kopenhagen. Um nicht von den dunkelroten, vollen Lippen zu sprechen, mit denen er beim Lesen meist die Worte formte und die Geschichte beinahe flüsterte.
Es waren diese flüsternden Lippen, sein Charme und sein unglaublicher Sinn für Humor, denen sie elf Jahre zuvor verfallen war. Als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, saß er in einem kleinen Café in Malmö und las. Sie war hereingekommen, um einen schwarzen Kaffee zu kaufen, auf dem Weg zu einem Blind Date, das eine Freundin für sie arrangiert hatte, ohne sie zu fragen. Als sie mit Kopfhörern in den Ohren an ihm vorbeiging, hatte sie gesehen, wie seine Lippen sich bewegten, und hatte gestresst „Was?“ gefragt, beinahe etwas zu laut. Sie hatte die Kopfhörer herausgenommen und er – James – hatte verwundert zu ihr aufgeschaut. „Haben Sie was gesagt?“, hatte sie gefragt, und er hatte sie verwirrt, aber belustigt angelächelt. Die Attraktion war offenbar. Sie hatten sie alle beide gespürt. Und vielleicht lag es daran, dass sich Andrea an jedem Tag an seinen Tisch gesetzt hatte und ihr Blind Date allein in der Kneipe sitzen ließ, wo sie sich treffen sollten.
James streckte die Arme aus, schlang sie um Andreas Taille und zog sie damit aus ihren Erinnerungen zurück in die Wirklichkeit. Zurück nach Paris, in das breite Bett des Hotelzimmers und in seine Arme. Sie legte sich neben ihn, ließ ihre Wange an seinem festen Brustkorb ruhen und sog seinen maskulinen Duft aus frischgewaschener Baumwolle, Zigarettenrauch und süßem Schweiß ein. Er schnupperte an ihrem Nacken, bohrte sein Gesicht in ihren langen Haarschwall und murmelte: „Ich liebe dein Haar“. Sie drehte ihr Gesicht zu seinem und sie küssten sich. Beide hielten beinahe den Atem an. Nun waren sie kurz davor. Gleich würden sie Sex haben. Wie sie sich nach Nähe, klebriger Haut und heißen Küssen gesehnt hatten. Ihre Körper waren einander so vertraut und sie wussten genau, was der andere brauchte, um erregt zu werden und zum Höhepunkt zu kommen. Es war so geborgen, so… langweilig. Während sie sich dort in den Armen lagen, erwischten sie sich dabei, zu hoffen, dass irgendetwas passieren würde. Was auch immer. Natürlich äußerte keiner von ihnen diesen Wünsch laut, aber als es an die Tür klopfte und ihr Willkommenswein gebracht wurde, seufzten sie beide vor Erleichterung auf.
Keiner von ihnen ergriff die Initiative, dort weiter zu machen, wo sie unterbrochen wurden. Stattdessen tranken sie von dem Rotwein, aßen ein bisschen Käse und planten den kommenden Tag. Sie hatten eine lange Liste geschrieben mit allen Plätzen, die sie besichtigen, Restaurants, in denen sie speisen, und allen Parks, in denen sie herumspazieren wollten. Als die Weinflasche leer war, war es draußen dunkel geworden. Beide waren müde nach dem langen Reisetag und Andrea begann, sich bettfertig zu machen. Das Zimmer war warm und James fühlte sich eklig klebrig. Andrea hatte sich schon hingelegt. „Ich geh duschen“, rief er ihr über die Schulter zu und verschwand im Badezimmer. Dort betrachtete er sein Spiegelbild. Er nahm die Brille ab und legte sie ans Waschbecken. Der Anblick im Spiegel wurde etwas verschwommener, aber er konnte trotzdem die deutlichen Bauchmuskeln erkennen und wie das dunkle Haar von seinem breiten Brustkorb in einer geraden Linie hinunter zum Bauchnabel kletterte und dann runter in die Unterhose. Langsam zog er die Boxershorts herunter und streifte sie ab. Er drehte das Wasser auf und ließ es eine Weile laufen, bevor er sich unter den Strahl stellte. Das lauwarme Wasser war eine angenehme Abkühlung für seine warme Haut. Er fuhr sich mit seinen großen Händen über das Gesicht, ließ sie nach unten wandern und seufzte hörbar.
Andrea lag still im Bett und wartete auf das Geräusch der Dusche. Als sie hörte, wie das Wasser aufgedreht wurde, warf sie ihre Decke zur Seite und lief eilig zu ihrem Koffer, wo sie ihren kleinen Vibrator hervorgrub. Sie musste entspannen. Ihr Körper war total unter Strom und ein schöner Orgasmus war genau das, was sie nach einem langen Tag unterwegs brauchte. Sie legte sich unter der Decke zurecht, lauschte nach dem rauschenden Wasser im Bad und startete den Vibrator. Mit einer Hand schob sie routiniert den Slip zur Seite und legte den Vibrator an ihre Klitoris. Die Vibrationen wärmten sie und pulsierten angenehm an ihrer empfindsamen Haut. Wenn sie Augen schloss, konnte sie beinahe so tun, als wäre es eine warme, feste Zunge, die dieses Gefühl hervorrief. Sie lächelte in sich hinein, als sie die Fantasie abspielte, an die sie beim Onanieren immer dachte, wenn sie schnell kommen wollte. Die Fantasie begann immer gleich: Eine Homeparty, sie entdecken einander über das Meer aus Köpfen hinweg und er beginnt, sich einen Weg zu ihr zu bahnen. Er baut sich vor ihr auf, groß und muskulös. Die Lippen formen ein amüsiertes Lächeln. „Komm“, sagt er. Sie spielt unschuldig, aber insgeheim will sie ihn haben. Er nimmt ihre Hand und führt sie durch einen Flur, in ein Zimmer mit einem großen Doppelbett. Dort küsst er sie, erst behutsam, aber dann packt er ihr Haar und zieht daran, bis ihr Kinn sich hebt. Sie sieht ihn an und er sie. Dann küsst er sie wieder, diesmal hungriger. Die Finger seiner freien Hand gleiten von ihrem rechten Knie hoch unter ihren Rock. Sie zittert in seinen Armen, aber er hält sie fest, lässt sie nicht los.
Als James zwanzig Minuten später ins Bett kam, müde und mit rosigen Wangen, tat Andrea, als würde sie schlafen. Ihr Puls war hoch und sie versuchte, ruhig zu atmen, um sich nicht zu verraten. Keiner von ihnen ahnte, was der andere getan hatte, und mit den Rücken aneinander gelehnt – die Position, in der sie immer geschlafen hatten – schliefen sie dicht nebeneinander an.
Der folgende Tag begann auf typisch französische Art. Zumindest so, wie sich vorstellten, dass die Franzosen ihren Tag begannen: mit starkem schwarzen Kaffee, süßem Orangensaft, frisch gebackenem Baguette und Croissants mit Erdbeermarmelade. Andrea und James waren schon früh auf. Die unangenehme Stimmung vom Vorabend war wie weggeblasen, sie waren aufgekratzt, steckten vertraut die Köpfe zusammen und planten ihren Tag. Ihre Liste vom Vorabend war lang geworden und wenn sie vor Ende ihrer Woche alles abhaken wollten, sollten sie sofort loslegen. Sie verschlangen ihre Croissants und kippten den letzten Rest Kaffee herunter. Hand in Hand verließen sie gemeinsam das Hotel. Von außen könnte man sie fast für ein frisch verliebtes Paar halten, immer noch nervös und berauscht von der Nähe des anderen.
Der Spätsommer war gerade in den Herbst übergegangen und Paris im herbstlichen Gewand war genau, was sie sich vorgestellt hatten. Die Luft war immer noch warm genug für dünne Pullover, aber im Wind, der die bunten Blätter oben in den Platanen zum Rascheln brachte, lag eine herrliche Frische. Sie begannen den frühen Morgen damit, zur Sacré-Cœur herauf zu gehen, dem höchsten Punkt in Paris. Von dort konnten sie über die ganze Stadt heruntersehen, die gerade erwachte. James lächelte, als er Andrea dort stehen und die Aussicht bestaunen sah. Er dachte daran, wie sehr er sie liebte und wie froh er war, dass sie zusammen diese Reise unternahmen. Aber der Gedanke an die vorige Nacht spukte immer noch in ihm herum. Er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass alles gut war zwischen ihnen, besonders, wenn er sagen würde, dass sie ein gutes Sexleben hatten. Der Abend zuvor, als sie auf dem Bett gelegen und sich geküsst hatten, war ein Fiasko. Er war so erleichtert gewesen, als der Zimmerservice sie gestört hatte. Die letzten Male, als er und Andrea Sex gehabt hatten, hatten immer genau gleich ausgesehen: Andrea unten, James oben, Missionarsstellung. Ihre Augen geschlossen, geradezu als ob sie darauf warten würde, dass es vorbei wäre. Nein, es war fast trauriger, solchen Sex zu haben, als gar keinen. Er fantasierte darüber, jemanden zu dominieren. Er hatte keine Lust mehr auf die Missionarsstellung, darauf, dass Andrea nur dalag und aussah, als wäre ihr das Ganze lästig. Er wollte etwas spüren – sie etwas spüren lassen. Aber seine wilden Fantasien und Wünsche, zu zerren, beißen, reißen und peitschen passten nicht zu Andrea. Vielleicht lag das Problem gerade darin, dass er sie zu sehr mochte, dass er sie respektierte?
Paris tat ihnen gut. An diesem Tag hatte Andrea wirklich Spaß mit James. Sie redeten, lachten und alberten herum, als wären sie wieder 25. Sie aßen Crêpes, tranken unzählige Tassen Kaffee, aßen Baguette mit Aussicht auf den Eifelturm und spazierten an der Seine entlang und an der Notre Dame vorbei. Die Liste war schon lange vergessen – die fuhren einfach der Nase nach in der Stadt herum und hätte man auf einer Karte rote Fäden zwischen allen Orten gespannt, die sie abklapperten, dann hätte die Karte einem Blutkreislauf geglichen. Nichts hielt sie zurück und Andrea genoss, wie unbeschwert sie in seiner Gegenwart sein konnte. Solange sie ihre Klamotten anhatten.
An diesem Abend saßen sie in einem schicken Restaurant und teilten eine Flasche Rotwein. Ihre Füße waren müde nach einem langen Tag Gehen und Stehen und ihre Köpfe waren müde von allen wunderbaren Eindrücken, die Paris ihnen beschert hatte. Eine unangenehme Stille hatte sich über ihren Tisch gesenkt. James pulte im Weißbrot, das auf dem Tisch stand, und Andrea aktualisierte fieberhaft ihr Instagram-Konto. Es war, als ob sie am Tag alle Gesprächsthemen abgehakt und sich jetzt nichts mehr zu sagen hätten. Peinlich berührt wurde ihnen bewusst, wie andere Paare Händchen hielten und vertraut miteinander tuschelten, und wie steif sie im Vergleich dazu waren. Die Kellnerin hatte gerade ihre Bestellung aufgenommen – zwei Moules Frites, die Spezialität des Hauses – und ihren Tisch wieder verlassen, als es passierte.
„Wir haben zu wenig Sex und ich weiß nicht, ob es an der Zeit ist, das hier zu beenden, oder ob ich hinter deinem Rücken mit jemand anderem schlafen soll“, die Worte verließen James in einem Fluss. Als sie hart zwischen ihnen auf dem Tisch landeten, bereute er es bereits. „Ich meine... erinnerst du dich daran, als wir uns getroffen haben? Wir konnten uns nicht voneinander fernhalten, wie haben mehrmals am Tag miteinander geschlafen. Und es war gut, der Sex also. Aber jetzt… ich weiß nicht, Andrea“, fuhr er vorsichtig fort.
Die Stille war unerträglich. Sie starrte auf den Tisch herunter und er wusste nicht, ob sie gleich anfangen würde zu weinen, oder hier und jetzt in einen Wutausbruch explodieren würde, mitten in dem schicken, französischen Restaurant. Er hatte eine Antwort erwartet wie: „Wovon zum Teufel sprichst du? Wir waren 22 Jahre alt. Das war etwas ganz anderes. Jetzt sind wir fast 35, verdammt noch mal. Ich habe einen Job und einen Haushalt zu erledigen. Du kannst nicht erwarten, dass ich ständig Lust oder überhaupt die Energie übrig habe. Du hast verdammt noch mal keine Ahnung, wie es mir geht!“
Darum war er geschockt, als sie stattdessen antwortete: „Ich weiß, das funktioniert so nicht. Ich brauche mehr.“ Sie starrten einander tief in die Augen, beide ebenso geschockt, beide ebenso erleichtert. Sie empfanden dasselbe. Nichts hatte sich geändert, sie waren immer noch Andrea und James. Mit dem Unterschied, dass sie zum ersten Mal seit mehreren Jahren völlig ehrlich damit gewesen waren, wie sie sich fühlten.
„Also… was machen wir jetzt?“, fragte James mit einem unangenehmen Kloß im Hals. War jetzt Schluss? Er liebte sie so sehr und war nicht bereit für eine Trennung. Noch nicht, nicht so. Andrea dachte schweigend nach. Gleichzeitig kam die junge Kellnerin, die vorhin ihre Bestellung aufgenommen hatte, und balancierte ihre Moules Frites. Sie lächelte James an, der zurücklächelte, etwas zu breit. Andrea sah, wie James ihren Körper abscannte, wie sein Blick der Form ihrer großen Brüste folgte und dann zu ihren wohlgeformten Hüften sank.
„Würdest du mit ihr ins Bett gehen wollen?“, fragte Andrea, während die Kellnerin die dampfende Schale vor James abstellte. Sein Lächeln verschwand und er zischte mit zusammengebissenen Zähnen: „Reiß dich zusammen“. Die Kellnerin verschwand wieder eilig.
„Nein, ich meine es ernst. Würdest du mit ihr schlafen wollen? Sie ist hübsch und ich habe gemerkt, wie du sie angeschaut hast.“ James erwiderte Andreas forschenden Blick. „Wie meinst du das? Ich will mit dir zusammen sein. Nur mit dir. Ich kann nicht mit sonst wem ins Bett springen“, antwortete er, ohne sich selbst richtig überzeugen zu können.
„Aber das hier funktioniert ja nicht, James“, begann Andrea, „wir haben überhaupt keinen Sex mehr und ich brauche Nähe. Das tust du auch. Das wichtigste ist doch, dass wir uns lieben und zusammenleben wollen. Was tut es da zur Sache, wenn wir mit anderen ins Bett gehen?“, fuhr sie mit milder Stimme fort.
„Was willst du eigentlich sagen?“, sagte James, während die Moules Frites seine Brillengläser beschlugen.
„Wir öffnen unsere Beziehung. Wir tun was wir wollen und mit wem wir wollen. Keine Regeln“, sagte Andrea. „Außer vielleicht, dass wir dem anderen hinterher erzählen, was wir gemacht und wann. Das wäre mir wichtig“, setzte sie fort.
„Eine offene Beziehung?“, brach James überrascht aus.
„Es kann ein Versuch sein, Liebling. Was sollten wir sonst tun? Ich liebe dich und will dir alles geben können, aber das kann ich nicht, und du kannst mir nicht geben, was ich brauche. Also will ich dir und mir das hier schenken. Die Chance, ein bisschen leben zu können.“ Zum ersten Mal an diesem Abend sah sie ein bisschen traurig aus. James merkte, dass sie eine ganze Menge über diese Sache nachgedacht hatte. Vielleicht sogar genau so viel, wie er selbst es getan hatte.
„Das… ist keine dumme Idee.“ Er wusste nicht, ob es der Wein war, der sprach, oder ob er sich wirklich vorstellen konnte, die Beziehung zu öffnen. Er konnte und wollte sich Andrea nicht zusammen mit jemand anderem vorstellen. Aber dann dachte er an alle seine Fantasien. Ließ er Andrea frei, wäre auch er frei, seine Fantasien zu erforschen und zu erleben.
„Die da“, flüsterte Andrea ihm ins Ohr und zeigte zur anderen Seite des Raums. Dort an der Bar saß eine große, schlanke Frau mit einem hellen Pagenschnitt. Ihr eines Bein war nonchalant über das andere geschlagen und sie wippte beinahe irritiert mit dem Fuß. Die Frau war Andreas Gegenteil. Sie war blond und Andrea dunkel, sie war groß und Andrea klein. „Ich will, dass sie deine Erste wird.“ Andreas heisere Stimme in seinem Ohr verwirrte ihn. Er sah sie an und merkte, wie ihre Augen unter den dunklen Fransen erregt leuchteten. Sie lächelte ihn aufmunternd und bestimmt an. Machte sie Spaß? War das hier irgendein abgedrehter Test?
Er bahnte sich durch das Gewimmel und erreichte die Bar. Die ganze Zeit spürte er Andreas Blick im Rücken, wie sie ihn von der anderen Seite des Raumes aus beobachtete. Er stellte sich dicht neben die blonde Frau, die tief in Gedanken versunken war. Ohne den Fremden bemerkt zu haben, der plötzlich neben ihr stand, hatte sie ihn versehentlich mit dem wippenden Fuß getreten und begegnete seinem Blick mit entsetzter Miene. „Pardon, Monsieur!“, brach sie aus und legte die Hand auf seinen Arm. Er schenkte ihr ein breites Lächeln und legte seine Hand über ihre. Die Nervosität, mit der er sich ihr genähert hatte, war wie weggeblasen. „Das macht nichts. Was trinken Sie? Lassen Sie mich Sie auf noch ein Glas einladen“, sagte er mit einer Selbstsicherheit, die er selbst nicht kannte. Er bestellte zwei Glas Rotwein und setzt sich neben sie, ohne seinen hungrigen Blick von ihr abzulassen. Er sah, wie nervös sie unter seinem Blick wurde, wie ihre Hand leicht zitterte, als sie das Weinglas an ihre rot bemalten Lippen führte und wie sie jedes Mal erstarrte, wenn er ihr Knie mit seinem berührte.
Andrea sah, wie James anfing, mit der Frau zu sprechen. Sie fragte sich, was er sagte und war gerade dabei, es sich anders zu überlegen – rüber zu gehen und ihn zu bitten, zurück zu kommen, als die beiden sich umdrehten und sie ansahen. James zeigte auf Andrea, während er der Frau etwas ins Ohr flüsterte. Was sagte er wohl? Die blonde Frau schaute Andrea mit großen Augen an, die zurückschaute. Einen halben Augenblick lang wurde sie beinahe eifersüchtig, aber dann schluckte sie ihren Stolz herunter und lächelte die andere Frau warm an. Andrea hob ihre Hand zu einem Winken und machte damit weiter, ihren Verlobten und seinen Flirt zu beobachten. Sie sah, wie James sich erhob und wie die Frau ihm folgte. Sie verließen gemeinsam die Bar, James Hand auf ihrem Rücken. Er schaute sich nicht einmal um und Andrea spürte es da unten kribbeln. Sie biss sich auf die Lippen, als sie überlegte, wo James und die Frau hingehen und was sie tun würden.
Sie setzten sich in ein Taxi und fuhren zum Hotel, ohne auch nur ein einziges Wort zu wechseln. Seine Hand ruhte auf ihrem Knie, Haut auf Haut. Nun passiert es, dachte er. Endlich. Als er seine Hand ihren langen Schenkel hochgleiten ließ, hätte man in James Hose die Wölbung seines steifen Penis gesehen, wäre es im Auto nicht so dunkel gewesen. Ihre roten Lippen öffneten sich vorsichtig und sie schloss die Augen, während Paris vor dem Fenster vorbeisauste. Als er die Frau ins Hotelzimmer hereinließ, dachte er kurz an Andrea, aber als sich die Tür hinter ihnen schloss, blieben sowohl die Geräusche der Stadt als auch die Gedanken draußen. Der Raum wurde von einer gespannten Stille erfüllt, die nur von den nervösen Atemzügen der Frau gebrochen wurde.
Andrea setzte sich auf ihrem Stuhl zurecht und nippte weiter an ihrem Rotwein, der vor ihr stand. Sie konnte kaum glauben, dass sie das hier wirklich taten, und dass es James so schnell gelungen war, diese Frau aufzureißen. Lächelnd ließ sie ihr Glas zwischen den Handflächen kreisen und sah sich zerstreut in der Bar um. Ihr Blick traf ein Paar dunkle Augen einige Tische entfernt. Der Mann hob sein Glas in die Luft und lächelte verschmitzt zu ihr herüber. Sie nickte belustigt und prostete ihm zu. Er schien das als aufforderndes Zeichen zu werten, da er aufstand und langsam zu ihr herüber kam. Ohne ein Wort zu sagen setzte er sich neben sie, immer noch mit diesem schiefen Lächeln. Er nahm einen Schluck von seinem Bier und stellte es dann mit einem leichten Knall auf dem Tisch ab. „Ich konnte nicht vermeiden, dass ihr mir vorhin aufgefallen seid, du und dein… Mann“, sagte er mit einer leisen, vertraulichen Stimme, „und wie er dich hier ganz allein zurück gelassen hat, für eine Frau, die nicht mal halb so hübsch war wie du.“ Die braunen Augen trafen ihre blauen und sie spürte ihre Wangen heiß werden. Der Mann hatte einen dunklen, sorgfältig getrimmten Bart und eine schickte, glatt gekämmte Frisur. Die kräftigen Unternahmen waren mit Tätowierungen geschmückt, die vermutlich unter den hochgekrempelten Ärmeln des groben Jeanshemdes weitergingen. Er sah ihren musternden Blick und sein Lächeln wurde breiter, sodass eine Reihe weißer Zähne zwischen den dunklen Lippen aufblitzte. „Was denkt er sich dabei, habe ich mich gefragt“, fuhr der Mann fort.
„Wir haben gerade unsere Beziehung geöffnet“, antwortete Andrea atemlos und sah, wie sich die Augen des fremden Mannes weiteten.
James setzte sich auf die Bettkante und griff fest in das blonde Haar der Frau. Ihre roten Lippen schlossen sich um seinen harten Penis und er spürte, wie sich ihre feuchte Zunge perfekt um die Eichel und den Schaft krümmte. Er war es, der die Kontrolle hatte – er bestimmte das Tempo. „Sieh mich an“, zischte er und die Frau schaute zu ihm auf, während sein steifes Glied ihren Mund penetrierte. Der Lippenstift verschmierte sich um ihren Mund und jedes Mal, wenn er zu weit in ihren Hals stieß, traten Tränen in ihre Augen. Er spürte, dass er sich dem Orgasmus näherte. Ihre Rehaugen in Kombination mit diesem Mund – das war zu viel. Schnell zog er an ihrem Haar und zwang ihr Gesicht nach oben, sein Penis zuckte heftig, als er ihren warmen, feuchten Mund verließ, aber er durfte nicht kommen. Noch nicht. Ihr zitterndes Kinn war voller Speichel, vermischt mit Lusttropfen und Lippenstiftresten. Ohne groß nachzudenken beugte er sich vor und kostete ihre Lippen, leckte über ihr Kinn und ließ seine Zunge ihre Wange entlangwandern. Sie keuchte unter ihm.
Am nächsten Tag trafen sie sich beim Frühstück, genau wie am Morgen zuvor. James saß schon am Tisch und wartete, als Andrea in ihren Kleidern vom Vorabend hereinkam. Er lächelte, so wie Andrea ihn seit Jahren nicht hatte lächeln sehen, und Andrea selbst strahlte ein Selbstvertrauen aus – sie glänzte richtig. James sah sie an und dachte, dass er sie nie mehr geliebt hatte als in diesem Augenblick.
Zuerst war James unruhig geworden, als Andrea in der Nacht nicht aufgetaucht war. Er hatte erwartet, dass sie sich zumindest ein paar Stunden vom Hotel fernhalten würde. Aber die ganze Nacht? Die Stunden verstrichen und er hatte überlegt, ob er sie anrufen sollte, oder eine Vermisstenanzeige aufgeben. Wer weiß, was einer einsamen, hübschen und angeheiterten Frau in Paris passieren konnte. Dennoch hielt ihn irgendetwas davon ab, eine leise Stimme irgendwo in seinem Kopf sagte ihm, dass es ihr gut ging. Und aus ihrem neugewonnenen Glanz zu schließen hatte sie eine ebenso gute Nacht gehabt wie er.
„Ich muss kurz hochgehen und duschen“, sagte Andrea lächelnd nach dem schweigenden, ruhigen Frühstück. James legte seine Hand auf ihren Rücken, genau wie er es bei der anderen Frau am Vorabend getan hatte, und sie gingen gemeinsam zum Zimmer. Als sie dort ankamen, verloren sie den Faden. James ließ seine Hand fallen. Hob sie wieder, fuhr sich durch das ungestüme, schwarze Haar und lächelte nervös. Andrea ging schnell ins Bad und ließ ihre Kleider hinter verschlossener Tür fallen. Der schwarze Slip war voll mit getrocknetem Sperma, vermischt mit ihren eigenen Säften. Bei diesem Anblick wurde ihr ganz warm. Was für eine Nacht.
Als der mystische Mann am Abend zuvor seine Hand auf ihr Knie gelegt hatte, war es um sie geschehen. Eigentlich schon vorher, um genau zu sein. Die Tatsache, dass er sie beobachtet und zu ihr herüber gegangen war, sich ohne Einladung hingesetzt und Fragen gestellt hatte, die ihn eigentlich nichts angingen – sie war schon längst verloren gewesen, und die Hand auf dem Knie brachte sie lediglich dazu, dem nachzugeben. Wenige Minuten später saßen sie bereits eng umschlungen in einem Taxi, auf dem Weg in die völlig falsche Richtung, zu ihm nach Hause. Irgendetwas in seinem Blick sagte ihr, dass sie im Grunde keine Wahl hatte – sie war völlig in seiner Gewalt – und das war genau, was sie sich wünschte. Als sie schließlich in seinem kleinen Apartment angekommen waren, war sie nervös geworden. Er umkreiste sie wie ein Raubtier, bereit, sie in jedem Moment anzufallen, und sie wusste nicht, ob sie ihren Rachen entblößen oder zur Tür rennen sollte. Er musste ihre Nervosität bemerkt haben, denn er lächelte ihr zu. Fast väterlich. Aber die Augen warnten davor, was kommen würde. „Geh zum Bett“, hatte er ihr befohlen und mit angehaltenem Atem hatte sie getan, was er sagte. Er war ihr gefolgt und stellte sich mit nur wenigen Zentimeter Abstand hinter sie. Ließ seine raue Hand unter ihren Rock wandern, ihren einen Schenkel herauf. Sie zitterte unter seiner Hand und stieß ein paar abgehackte Keuchlaute aus, als er den Saum ihrer Unterhose erreichte. Er war kurz davor, einen Finger unter ihren Slip gleiten zu lassen, als er die Hand fallen ließ. Nur Sekunden später lag sie in seinem Bett, mit hochgezogenen Knien, dem Slip zur Seite geschoben und seiner Zunge tief in ihrer feuchten Scheide vergraben. Er hatte sich über sie geworfen und sie mit so einem Appetit verschlungen, dass sie dalag und nach Luft schnappte. Sie Zunge wirbelte um ihre Klitoris herum, fuhr in sie hinein und wieder hinaus. Er saugte hart an ihren Schamlippen und ließ die Zähne an ihren empfindsamsten Stellen kratzen. Sie schrie aus purer Lust auf und drückte sich mit den Beinen gegen ihn, aber seine Hände in ihren Kniekehlen drückten fester und hielten sie auf ihrem Platz. Sie kam nirgendwo hin, konnte seiner Zunge nicht entfliehen und dem, was er gerade mit ihr tat. Sie spürte ihn kommen, schnell und hart. Das wohlbekannte Gefühl des Orgasmus, der sich aufbaut. Wie alle Muskeln sich im Bauch und in den Beinen anspannen, wie die ganze Scheide beginnt zu pulsieren und sich zu verkrampfen. Wie jede Kontrolle verschwindet und man sich ganz und gar gehen lässt. Sich verlieren lässt. Er knurrte fast, als sie hart in seinen Mund kam. Sekunden später öffnete sie die Augen und erwiderte seinen Blick, wild vor Erregung. Er hatte sich die Lippen geleckt und sie bat ihn mit gespreizten Beinen, sie hart zu ficken.
James setzte sich aufs Bett und wartete, während Andrea duschte. Das Reinigungspersonal hatte das Bett noch nicht gemacht und der Anblick brachte ihn zum Lächeln. Das Laken war verkrumpelt und die Kissen lagen überall verstreut. Manche auf den Fußboden geschmissen, andere unten am Fußende. Spuren von rotem Lippenstift – oder war es Blut? – waren auf den weißen Bettbezügen zu erkennen. Es sah beinahe aus, als hätte sich in dem Bett ein Kampf abgespielt, und auf irgendeine Weise hatte es das auch. Die blonde Frau, deren Namen er immer noch nicht kannte, hatte alles gegeben. Sie hatte alles getan, worum er sie gebeten hatte, und hatte ihm an ihrem Körper freien Lauf gegeben. Er hatte in seinem ganzen Leben keine Frau derart lusterfüllt gesehen – es war ihm noch nie gelungen, jemanden in einem Orgasmus nach dem anderen zum Schreien zu bringen. James merkte, wie sein Penis wieder steif wurde und seufzte unwillig. Er war noch nie so hart gekommen wie heute Nacht, mit so kurzen Intervallen. Seine Hoden krampften und er war gezwungen, die Hand in die Boxershorts zu stecken, um sie zu massieren. Die Berührung brachte ihn zum Stöhnen und er warf einen Blick zur geschlossenen Badezimmertür herüber. War sie abgeschlossen?
James schlich sich in das dunstige Badezimmer, unbemerkt vor Wasserdampf und dem Geräusch von Wasser, das auf Kacheln klatscht. Durch die Glasscheibe sah er Andreas hellbraune Haut. Ihr Kinn war nach oben gereckt und ihre Augen geschlossen. Mit der einen Hand massierte sie ihre Brüste und Brustwarzen, bis sie steif wurden. Die andere Hand arbeitete zwischen ihren Beinen. James sah, wie sie mit zwei Fingern die Klitoris umkreiste und diese mal drückte, mal streichelte. Der Anblick ließ seinen Penis unkontrolliert zucken. Dachte sie daran, was heute Nacht passiert war? Er streifte sich lautlos die Kleider ab und stieg hinter ihr in die Dusche. Als sie merkte, dass sie nicht mehr allein war, schrie sie erschrocken auf, aber James hatte schon seine Hand über ihren Mund gelegt, sodass der Schrei gedämpft wurde. Mit der anderen Hand strich er über ihren Bauch und zog ihren Körper an seinen eigenen heran. Sie spürte seine Härte an ihrem Po und stöhnte, halb vor Überraschung, halb von dem schönen Gefühl.
„Hattest du eine gute Nacht, heute Nacht?“, flüsterte er in ihr Ort, während er die Hand zu ihrer geschwollenen Vulva heruntergleiten ließ. „Mmh, es kommt mir fast vor, als hättest du die gehabt“, knurrte er dumpf. Er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Er war so unglaublich erregt und konnte nicht darüber nachdenken, wie sie seine grobe Art eventuell finden könnte. Etwas Tierisches nahm überhand. Er ließ ihren Mund los, packte ihr langes Haar und wickelte es wie eine Schlinge um seine Hand. Mit einem Ruck zog er es nach hinten und ließ gleichzeitig zwei Finger in sie hineingleiten, hart und schonungslos. Sie stöhnte laut in der Dusche, die die Geräusche erstickte. Er stimulierte sie mit den Fingern, bis sie nicht mehr auf ihren eigenen Beinen stehen konnte und er spürte, wie ihre Beine unter ihr nachgaben. Ohne ihr eine Atempause zu geben, ließ er ihr Haar los und beugte sie nach vorn, mit einem harten Griff um ihre Hüften.
Einen Augenblick lang beobachtete er sie nur, sah, wie ihre Lungen mit keuchenden Atemzügen die warme, feuchte Luft einsogen und wie ihre Beine immer noch unter ihr zitterten. Dann ging er hinter ihr in die Knie und spreizte ihre Pobacken. Als seine Zunge ihren Anus streifte, fuhr ein Stoß durch ihren ganzen Körper. „Nicht da!“, keuchte sie erschrocken. Sie war völlig neben sich durch die Wärme in Kombination mit dem Orgasmus nur Sekunden vorher und wusste nicht, was sie erwartet hatte – aber sicher nicht ausgerechnet das hier. Sie versuchte, sich loszureißen, unglaublich geniert, aber James Griff um ihre Hüften wurde fester und durch die ruckartigen Bewegungen schien seine Zunge nur noch weiter zwischen ihre Pobacken zu gleiten. Das ist so erniedrigend, dachte Andrea, so unglaublich falsch. Er konnte sie doch nicht dort lecken. Sie stöhnte laut in der Dusche, während sie spürte, wie ihr Körper der Behandlung nachgab. Wenn er vorher grob gewesen war, wurde es jetzt beinahe weich. Seine warme, harte Zunge an ihrem Anus fühlte sich trotz allem wunderbar an. Sie schloss ihre Augen und ließ seine Zunge ihre Öffnung umkreisen, ließ sie erst sanft und dann fest darüber gleiten. Sie spreizte sogar ihre Beine und ließ seine Zungenspitze in sie hineingleiten. Wie konnte sich etwas, das so falsch war, so unglaublich schön anfühlen? Als James merkte, dass Andrea entspannte und ihn weiter und weiter hereinkommen ließ, begann er, über die Innenseiten ihrer Schenkel zu streichen. Die eine Hand wanderte zu ihrer geschwollenen Vulva und fand sofort die Klitorisperle. Während seine Zunge sie hinten leckte, massierte er mit dem Daumen genau den richtigen Punkt. Er wollte, dass sie noch einmal kam, und dann würde er sie schnell und hart nehmen. Sie war schon kurz davor. Er spürte, wie sie an seinen Fingern pulsierte, hörte ihren angestrengten Atem. Als sie den Höhepunkt erreichte, verkrampfte ihr ganzer Körper. Ihr Anus pochte gegen seine Zunge und Lippen, während ihr verzweifelter Schrei der Erleichterung ertönte.
Dann kamen die Stöße. Er ließ seinen steifen Penis mit einer derartigen Kraft in ihre enge, feuchte Scheide gleiten, dass sie aufschrie. James Penis war die ganze Zeit, während er sich auf Andrea konzentriert hatte, immer steifer geworden, und als er endlich in sie eindrang, konnte er den Orgasmus kaum zurückhalten. Er spürte, dass er nur ein paar Sekunden Zeit hatte, aber das machte nichts. Dass er Andrea derart zum Schreien gebracht hatte, war ein wahrer Genuss in sich. Er umklammerte ihre Hüften und pumpte in sie hinein. Er spürte, wie sein Penis sie bei jedem Hineingleiten ganz ausfüllte, geradezu als ob sein Penis genau dafür erschaffen war, sie zu ficken. Bei jedem harten Stoß dachte Andrea, dass sie fallen würde, allein ihre Hände an den Kacheln hielten sie davon ab, direkt gegen die Wand gefickt zu werden. Sie stöhnte laut und bemerkte plötzlich, dass sie lächelte. Während sie dort im inzwischen abgekühlten Wasserstrahl der Dusche standen stellte sie fest, wie sehr sie das hier genoss und wie froh sie war, dass James und niemand anderes hinter ihr stand. „James“, wimmerte sie immer wieder, während er das Tempo steigerte. Ihre Stimme ließ James den Kopf heben, seine Augen rollten zurück und aus seinem Rachen stieg ein knurrender Laut, fast wie ein Brüllen. Er pumpte weiter, langsam, aber hart, während er Andrea mit seinem warmen Sperma ganz ausfüllte und in der Duschkabine aufstöhnte.
„Was zum Teufel war das?“, stöhnte Andrea müde an seiner nackten Brust, als sie das fast kalte Wasser abgestellt hatten.
Es war, als ob James in der plötzlichen Stille, nachdem sie beide gekommen waren, plötzlich wieder nüchtern wurde. Ihm wurde klar, was er getan hatte: wie hart er an ihrem Haar gezogen hatte, wie seine Finger sich in ihre Hüften gegraben hatten und wie er ihren Körper benutzt hatte, ohne auch nur daran zu denken, wie sie es haben wollte. Sicher, er hatte sie dazu gebracht, zu kommen, aber er war grob gewesen. Zu grob.
Er legte seine Hände auf ihre Schultern und schaute ihr voll Reue in die Augen. „Entschuldige, Andrea, ich… ich weiß nicht, was…“, fing er an, aber er kam nicht weiter, bevor Andrea ihn unterbrach. „Ich meine, wie konntest du plötzlich einfach genau wissen, was ich mag?“
James lachte überrascht auf. „Was?“ Wovon redete sie? Andrea hatte immer Kuscheln, lange Küsse und Romantik gemocht. Vanillesex. Nicht so was. Sie lächelte ihn breit an und fuhr fort: „Ja, aber… ich habe dir ja auch nie von meinen Fantasien erzählt, oder was ich mag. Du warst im Bett immer so zahm, entschuldige, aber so war es. Und jetzt kommst du und ziehst mich aus heiterem Himmel an den Haaren, leckst mich auf diese Weise und fickst mich hart. Was ist passiert?“ Sie flüsterte die Worte beinahe, während ihre Wangen erröteten. James sah sie geschockt an und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte.
An diesem Tag verließen sie das Hotelzimmer nur zum Essen. Paris lebte draußen vor ihrem Fenster weiter, aber das merkten sie kaum. Erst hatten sie einander detailliert erzählt, was sie in der Nacht zuvor erlebt hatten, was sie so erregt hatte, dass sie erneut übereinander herfielen. Sie entdeckten den Körper des anderen aufs Neue und holten elf Jahre unterdrücktes Sexleben auf. Die Spannung der Nacht hatte etwas mit ihnen gemacht. Anstatt sie voneinander zu distanzieren, hatten ihre getrennten, nächtlichen Entdeckungen sie einander näher gebracht. Sie hatten einen Hunger aufgebaut, der nicht zu stillen war, immer und immer wieder brachten sie einander zum Orgasmus.
In den Nächten in Paris lebten sie ihre Fantasien mit Fremden aus – um am Tage einander auszukosten. Als James und Andrea eine Woche später nach Hause fuhren, waren sie verliebter als je zuvor. Denn egal, mit wie vielen anderen sie im Laufe der Jahre schlafen würden, so wussten beide, dass sie sich gegenseitig hatten und dass nichts jemals wichtiger wäre. Obwohl sie in diesem Urlaub nicht mehr viel von Paris sahen, sagten sie immer, dass sie tolle Entdeckungen gemacht hatten und es die beste Reise ihres Lebens gewesen war, wenn Familie und Freunde nach ihrer Woche in der Stadt der Liebe fragten.
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