Kitabı oku: «Die amerikanischen Präsidenten»

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Univ.-Doz. DDr. Barbara Friehs ist habilitierte Pädagogin und arbeitet an der Universität Graz. Ihr Forschungsinteresse gilt hauptsächlich gesellschafts- und bildungspolitischen Themenbereichen in den Vereinigten Staaten von Amerika und dem EU-Raum.

Zum buch

»Als ich im Weißen Haus mit der Arbeit begann, überraschte mich am allermeisten, dass die Dinge tatsächlich so im argen lagen, wie ich immer behauptet hatte.«JOHN F. KENNEDY

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika regiert nicht nur ein Land des amerikanischen Kontinents, sondern beeinflusst die Taktung der gesamten Welt zu seiner jeweiligen Regierungszeit nachhaltig. Als repräsentatives Staatsoberhaupt, gleichzeitiger Regierungschef und Oberbefehlshaber der US-amerikanischen Streitkräfte sind einige der bisher 43 US-Präsidenten immer wieder in medial teils ausgeklügelt inszenierte innenpolitische Konflikte geraten sowie zum Mittelpunkt außerpolitischer Auseinandersetzungen und Debatten geworden. Die unterschiedlichen Erfolge und Charaktere der verschiedenen US-Präsidenten werden in diesem Band in kurzen Portraits vorgestellt, sodass sich dem Leser ein umfassendes Bild von den mächtigsten Männern der Welt bietet.

Barbara Friehs

Die amerikanischen Präsidenten

Barbara Friehs

Die amerikanischen
Präsidenten

Von George Washington

bis Barack Obama


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Alle Rechte vorbehalten

Copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2014

Der Text basiert auf der Ausgabe marixverlag, Wiesbaden 2014

Lektorat: Hans Joachim Kuhn

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH

Bildnachweis: Mount Rushmore (USA);

Foto: Günther Lachmuth, 1996 / akg images GmbH, Berlin

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0449-3

www.marixverlag.de

INHALT

EINLEITUNG

GEORGE WASHINGTON

JOHN ADAMS

THOMAS JEFFERSON

JAMES MADISON

JAMES MONROE

JOHN QUINCY ADAMS

ANDREW JACKSON

MARTIN VAN BUREN

WILLIAM HENRY HARRISON

JOHN TYLER

JAMES K. POLK

ZACHARY TAYLOR

MILLARD FILLMORE

FRANKLIN PIERCE

JAMES BUCHANAN

ABRAHAM LINCOLN

ANDREW JOHNSON

ULYSSES SIMPSON GRANT

RUTHERFORD B. HAYES

JAMES ABRAHAM GARFIELD

CHESTER ALAN ARTHUR

GROVER CLEVELAND

BENJAMIN HARRISON

WILLIAM MCKINLEY

THEODORE ROOSEVELT

WILLIAM HOWARD TAFT

THOMAS WOODROW WILSON

WARREN GAMALIEL HARDING

JOHN CALVIN COOLIDGE

Herbert Hoover

FRANKLIN DELANO ROOSEVELT

HARRY S. TRUMAN

DWIGHT »IKE« DAVID EISENHOWER

JOHN F. KENNEDY

LYNDON BAINES JOHNSON

RICHARD MILHOUS NIXON

GERALD RUDOLPH FORD

JAMES EARL CARTER, JR.

RONALD WILSON REAGAN

GEORGE HERBERT WALKER BUSH

WILLIAM JEFFERSON CLINTON

GEORGE WALKER BUSH

BARACK HUSSEIN OBAMA

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

Der jeweilige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gilt in der heutigen Zeit als einer der bekanntesten, aber auch mächtigsten Menschen der Welt. Bislang wurden die USA von 43 Präsidenten regiert, wobei Grover Cleveland Ende des 19. Jahrhunderts das Amt mit einer Unterbrechung zweimal innehatte. Nicht alle Präsidenten übten ihre Funktion mit gleichem Erfolg aus, alle prägten allerdings die Geschicke des eigenen Landes, und spätestens ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch jene der ganzen Welt maßgeblich mit.

Der amtierende amerikanische Präsident hat sowohl die Funktion des Staatsoberhauptes als auch des Regierungschefs des Landes inne und ist Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. Als Regierungschef leitet er das von ihm ernannte Kabinett, dessen Mitglieder (»Secretaries«) er jederzeit entlassen kann. Gegenüber dem Kongress, welcher das Parlament darstellt, hat er regelmäßig Berichte zur Lage der Nation zu erstatten, was meist jährlich in der »State of the Union Address« erfolgt.

Der amerikanische Präsident wird für jeweils vier Jahre gewählt, wobei seit 1951 nur eine Wiederwahl zulässig ist. Somit verkörpert er die Exekutivgewalt, der Kongress ist für die Gesetzgebung zuständig und den Bundesgerichten kommt die Verantwortung für die Judikative zu. Der Grundsatz der Gewaltenteilung untersagt dem Präsidenten die Mitgliedschaft im Kongress und die Übernahme von Funktionen in Bundesgerichten. Die Trennung der Staatsgewalten und die damit verbundene wechselseitig Kontrolle wird in den USA als »checks and balances« bezeichnet.

Da der Präsident häufig einer anderen Partei als die Mehrheit der Abgeordneten angehört, muss er sich stets intensiv um die Unterstützung des Kongresses, welcher die oberste Gesetzgebungsinstanz darstellt, bemühen. Falls der Präsident gegen bestimmte Gesetze Vorbehalte hat, kann er ein Veto einlegen, welches allerdings vom Kongress mit Zweitdrittelmehrheit in beiden Kammern, also dem Senat und dem Repräsentantenhaus, zurückgewiesen werden kann.

Der amerikanische Präsident schließt im Namen der USA Verträge mit anderen Staaten ab, die vom Senat mit Zweidrittelmehrheit ratifiziert werden müssen. Er ist zuständig für die Entsendung von Diplomaten und den Empfang von Gesandten aus anderen Ländern, wofür er ebenfalls die Zustimmung des Senats benötigt. Diese ist auch für die Ernennung von Richtern an Bundesgerichten erforderlich, wobei jene von Richtern des Obersten Gerichtshofes auf Lebenszeit erfolgt.

Der Präsident kann den Kongress nicht auflösen, aber auch nicht von diesem entlassen werden. Eine Amtsenthebung ist nur durch das »Impeachment« möglich, welches ein strafrechtliches Verfahren ist, das zum Einsatz kommt, wenn dem Präsidenten Verstöße gegen Gesetze vorgeworfen werden. Das Repräsentantenhaus fasst mit einfacher Mehrheit einen Beschluss zur Einleitung eines solchen Amtsenthebungsverfahrens, über das dann der Senat in Form eines Urteils entscheidet. Zur Enthebung des Amtes ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Die Wahl des Präsidenten folgt einem komplizierten Verfahrensablauf. Am Beginn stehen Vorwahlen, in deren Rahmen die Präsidentschaftskandidaten einer Partei nominiert werden. Daraufhin erfolgt die Wahl eines dieser Kandidaten durch das Volk und anschließend durch die Wahlmänner, deren Stimmenmehrheit letztendlich über den Sieg entscheidet. Aufgrund dieses Systems ist es möglich, dass ein Kandidat Präsident wird, obwohl sein Gegenspieler vom Volk mehr Stimmen erhalten hat: Um als Präsident gewählt werden zu können, muss man von Geburt an die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, darf nicht vorbestraft oder entmündigt sein, muss mindestens 35 Jahre alt sein und seinen Wohnsitz über längere Zeit in den Vereinigten Staaten gehabt haben. Der Amtssitz des amerikanischen Präsidenten befindet sich im Weißen Haus in der Hauptstadt Washington, D. C.

Das vorliegende Buch versucht nun, die Biographien der amerikanischen Präsidenten – bislang hat noch nie eine Frau dieses Amt bekleidet – nachzuzeichnen, ihren Werdegang zu beleuchten und deren Tätigkeit im höchsten Amt des Staates zu dokumentieren. Das private Leben der Präsidenten wird ebenso thematisiert, wie ihre Ausbildung, die politische Laufbahn und die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt.

GEORGE WASHINGTON

* 22. Februar 1732 in Wakefield, Virginia

† 14. Dezember 1799 in Mount Vernon, Virginia

1. Präsident der USA (1789–1797) – Föderalist

»Seine Integrität war die reinste, seine Rechtsauffassung die unbedingteste, die ich je erlebt habe. Keine Motive des Interesses oder der Blutsverwandtschaft, von Freundschaft oder Hass waren fähig, seine Entscheidung zu beeinflussen. Er war in der Tat, in jeder Hinsicht der Worte, ein weiser, ein guter und großer Mann«

(THOMAS JEFFERSON IN EINER WÜRDIGUNGSREDE

ÜBER GEORGE WASHINGTON).

George Washington, ein stattlicher General, war der militärische Oberbefehlshaber im Unabhängigkeitskrieg der USA und der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Geboren wurde er am 22. Februar 1732 in Virginia, als Nachfahre englischer Auswanderer. Der Vater war ein erfolgreicher Plantagenbesitzer und verstarb, als der junge George elf Jahre alt war. Seine Vormundschaft übernahm daraufhin sein älterer Halbbruder Lawrence. George Washington erhielt eine einfache Schulbildung und arbeitete ab dem siebzehnten Lebensjahr als Landvermesser. Nach dem Tod seines Halbbruders erbte er 1752 den familiären Landbesitz Mount Vernon, den er im Laufe seines Lebens noch beträchtlich vergrößern sollte.

Im Alter von zwanzig Jahren wurde er, ebenso wie sein inzwischen verstorbener Bruder, Major der Miliz von Virginia. In dieser Funktion übernahm er Ausbildungsaufgaben und befasste sich intensiv mit militärischer Kriegsführung. George Washington nahm selbst auf Seiten Großbritanniens am »French and Indian War« (1754–1763) teil und errang viel Ruhm als Kriegsheld. Im Rahmen dieser kriegerischen Auseinandersetzungen der beiden Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien wurde, jeweils von indianischen Verbündeten unterstützt, um die Vorherrschaft in Amerika gekämpft.

1759 heiratete George Washington Martha D. Custis, die Witwe eines wohlhabenden Plantagenbesitzers. Sie brachte zwei Kinder mit in die Ehe, die George Washington, der selbst keine Kinder hatte, adoptierte. Die Familie lebte von den Einkünften der Plantagen, die hauptsächlich von schwarzen Sklaven bewirtschaftet wurden. 1758 wurde George Washington in das Kolonialparlament von Virginia gewählt. Er entwickelte sich immer stärker zu einem Führer der Opposition gegen die britische Kolonialpolitik und nahm als Delegierter Virginias 1774 am ersten Kontinentalkongress teil. Ein Jahr später wurde er am zweiten Kontinentalkongress, welcher sich mehr und mehr zum revolutionären Machtorgan der aufständischen Kolonien entwickelte, wegen seiner militärischen Erfahrungen zum General der Kontinentalarmee ernannt. George Washington galt als gemäßigt, für radikale Revolutionäre hatte er wenig Verständnis. Er setzte sich jedoch ganz für die amerikanische Unabhängigkeit ein und verstand sich als überzeugter Republikaner.

George Washington führte seine Armee im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zum Erfolg und kehrte im Dezember 1783 auf sein Landgut zurück. Die ersten Jahre in der Unabhängigkeit machten deutlich, dass die dreizehn Staaten eine starke Zentralregierung benötigten, um Fragen rund um Steuern, Währung, Wirtschaft, Verteidigung, Transport, Außenpolitik und vieles mehr zu koordinieren. Die lose Konföderation von Staaten war nicht nur bedroht von äußeren Feinden, da weder eine funktionstüchtige Armee, noch eine Flotte existierten, sondern auch von inneren anarchistischen Strömungen, die sich etwa im Westen von Massachusetts entwickelten, jedoch letztlich von privaten paramilitärischen Gruppen niedergeschlagen werden konnten.

George Washington machte sich auch daran, die erste Verfassung der USA aus dem Jahre 1777 zu überarbeiten. Auf einem Verfassungskonvent in Philadelphia wurde er einstimmig zum Präsidenten gewählt, woraufhin im September 1787 die neue, bis heute gültige Verfassung der USA verabschiedet werden konnte. Die wichtigsten Punkte waren das Prinzip der Gewaltentrennung, eine föderative Staatsordnung, eine starke Bundesregierung mit einem mächtigen Präsidenten an der Spitze und die Akzeptanz der Sklaverei. Im Zuge der Entstehung der neuen Verfassung begann sich bereits das künftige Zweiparteiensystem in den USA abzuzeichnen. Die Föderalisten, die von Alexander Hamilton angeführt wurden, sprachen sich für eine starke Bundesregierung und eine Finanz- und Wirtschaftspolitik aus, die vor allen Dingen die Interessen von Industrie, Handel und Schifffahrt vertrat. Die Anhänger der Demokratisch-Republikanischen Partei, welche von Thomas Jefferson angeführt wurden, vertraten primär die Interessen einer agrarisch ausgerichteten Demokratie. Sie favorisierten eine Erweiterung der demokratischen Rechte, lehnten eine zu starke Bundesregierung ab und setzten sich verstärkt für die Rechte der Einzelstaaten ein. George Washington selbst stand in seiner politischen Haltung den Föderalisten nahe.

Die Verfassung wurde von neun der dreizehn Einzelstaaten ratifiziert, und George Washington am 4. Februar 1789 vom Wahlmännerkollegium einstimmig zum Präsidenten gewählt. Am 30. April 1789 fand in New York die Vereidigung des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika statt. John Adams, ein Föderalist aus Massachusetts, wurde sein Vizepräsident.

George Washington präsentierte sich als republikanischer, humanistischer und aufgeklärter Staatsmann. Ihm kam die Aufgabe zu, die Stabilisierung und Erweiterung der neuen republikanischen Institutionen des Landes voranzutreiben. Er prägte die politische Tradition der Vereinigten Staaten maßgeblich mit, da er die Unauflösbarkeit der Union, staatliche Gerechtigkeit und die Aufrechterhaltung von Frieden ins Zentrum seiner Politik stellte. Die Wirtschaftspolitik ließ erste kapitalistische Züge erkennen und war geprägt von den Auswirkungen der industriellen Revolution. Ab 1789 wurden Regierungsbehörden errichtet und Minister bestellt. Alexander Hamilton, der Wortführer der Föderalisten, wurde Finanzminister, Thomas Jefferson, der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und überzeugter Demokrat, übernahm den Posten des Außenministers und Henry Knox, ein Freund George Washingtons aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges, wurde zum Kriegsminister ernannt. Die meisten der Kabinettsmitglieder waren Föderalisten und hatten selbst am Unabhängigkeitskrieg teilgenommen. John Adams und Thomas Jefferson waren außerdem Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung.

Das Rechtswesen wurde mit der Etablierung eines Obersten Gerichtes, sowie Distrikts- und Bezirksgerichten weiter ausgebaut. Die gesetzliche Grundlage dafür war der »Federal Judiciary Act« von 1789. George Washington erhielt als Präsident die Befugnis, alle Richter zu berufen. Zudem wurde unter George Washingtons Präsidentschaft ein Postsystem installiert, die Flotte und die Armee der Vereinigten Staaten reorganisiert und 1791 mit der »Bill of Rights« der erste Zusatzartikel zur Verfassung ratifiziert. Damit wurden Religions-, Rede- und Pressefreiheit, das Recht des Volkes Waffen zu besitzen und zu führen, das Recht auf Eigentum und eine Reihe weiterer demokratischer Rechte zu einem fixen Bestandteil der Verfassung. Mit Washington im District of Columbia wurde auch die neue Hauptstadt der Vereinigten Staaten bestimmt.

Die finanz- und wirtschaftspolitische Ausrichtung unter George Washingtons Präsidentschaft wurde primär von Finanzminister Alexander Hamilton festgelegt. Er setzte sich für die Schaffung einer Nationalbank der Vereinigten Staaten ein, führte eine Verbrauchersteuer auf alkoholische Getränke ein und befürwortete staatliche Förderungen für die Landwirtschaft. Außerdem sprach er sich für den Ausbau von Verkehrsverbindungen und den Schutz der heimischen Industrie durch Zölle aus. All diese Bestimmungen wirkten sich positiv auf den Produktionssektor aus, begünstigten Handel, Industrie und Finanz und unterstützten die Entwicklung einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Viele Farmer protestierten gegen die zusätzlichen Belastungen durch die Einführung von Verbrauchersteuern auf Alkohol und erhoben sich im Westen Pennsylvanias 1794 schließlich zu einer Rebellion. Diese wurde durch einen Militäreinsatz der Bundesregierung niedergeschlagen, womit George Washington Stärke bewies und dazu beitrug, dass sich die Lage schnell beruhigte.

Unter seiner Präsidentschaft fanden auch immer wieder Kämpfe mit Indianerstämmen statt. Zwar sprach er sich wiederholt für eine gerechte und humane Politik gegenüber den Indianern aus, in der Realität wurden diese aber Zug um Zug ihres Territoriums beraubt. So verloren sie etwa 1795 durch den »Vertrag von Greenville« große Teile ihres Gebietes, das rasch von weißen Siedlern übernommen wurde.

George Washington wurde am 5. Dezember 1792 zum zweiten Mal zum Präsidenten der USA gewählt. Auch John Adams behielt sein Amt als Vizepräsident. Während Washingtons zweiter Amtszeit wurden außenpolitische Themen gewichtiger, wobei die demokratische Opposition ihren Einfluss deutlich verstärken konnte. Die Revolution in Frankreich blieb auch in den Vereinigten Staaten nicht ohne Resonanz und fand in großen Teilen der Öffentlichkeit Unterstützung. Die Föderalisten fühlten sich durch die als radikal wahrgenommenen Ziele der demokratischen Republik Frankreichs in ihrer gemäßigten, republikanischen Haltung bedroht, während die Demokraten-Republikaner offen mit dem revolutionären Frankreich sympathisierten. George Washington befürchtete, dass die USA in den europäischen Konflikt mit hineingezogen werden könnten, weshalb er sich für außenpolitische Zurückhaltung entschied. In diesem Sinne erklärte er am 20. April 1793 auch ganz offiziell die Neutralität der Vereinigten Staaten im ersten europäischen Koalitionskrieg, in dem sich auf der einen Seite Österreich und Preußen und auf der anderen Seite Frankreich gegenüberstanden. 1794 wurde dieser Kurs vom Kongress mit dem Neutralitätsgesetz unterstützt. Bis zum Ersten Weltkrieg verfolgten die USA erfolgreich den Grundsatz, sich nicht in europäische Kriege und Konflikte involvieren zu lassen. 1794 wurde zudem der »Jay’s Treaty« mit Großbritannien unterzeichnet, in dem festgehalten wurde, dass die britischen militärischen Vorposten und Garnisonen in den USA aufzulösen seien, ein Handelsvertrag bereits abgeschlossen und Grenz- und Schuldenregelungen umgesetzt wurden. In vielen Kreisen der amerikanischen Bevölkerung wurde dieser Vertrag als zu englandfreundlich abgelehnt. Dennoch gelang es George Washington, diesen auch gegen den anfänglichen Widerstand im Kongress 1796 in Kraft zu setzen.

George Washington lehnte es ab, sich ein drittes Mal für das Präsidentenamt zu bewerben. Diese Entscheidung Washingtons hatte für alle seine Nachfolger die Begrenzung der Amtszeit auf zwei Perioden zufolge und prägte somit von Anfang an die politische Kultur der USA mit. In seiner Abschiedsrede ermahnte er die Amerikaner nochmals, an der Einheit der Union festzuhalten, stets das Gesamtwohl des ganzen Landes im Auge zu haben, Machtmissbrauch durch die Regierung zu verhindern, die Trennung der Gewalten sicherzustellen und die Gesellschaft auf religiöse und moralische Werte aufzubauen. George Washington empfahl auch, in Frieden mit anderen Ländern zu leben und kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Er sah die Interessen Europas in eine andere Richtung gehen als jene der USA und sprach sich demnach auch für eine stärkere außenpolitische Isolierung aus.

George Washington zog sich nach seiner zweiten Amtszeit zunächst ins Privatleben zurück, wurde aber 1798 von seinem Nachfolger im Präsidentenamt, John Adams, aufgrund der Krise mit Frankreich abermals zum Oberbefehlshaber der Armee der Vereinigten Staaten ernannt. Der Konflikt konnte schließlich friedlich beigelegt werden und George Washingtons Einsatz war nicht mehr erforderlich. Am 14. Dezember 1799 starb er auf seinem Landsitz in Mount Vernon, Virginia, im Alter von siebenundsechzig Jahren. Er hinterließ ein beträchtliches Vermögen und hatte in seinem Testament verfügt, dass nach seinem, bzw. dem Tod seiner Frau, alle ihre Sklaven freizulassen seien.

JOHN ADAMS

* 30. Oktober 1735 in Braintree, Massachusetts

† 4. Juli 1826 in Quincy, Massachusetts

2. Präsident der USA (1797–1801) – Föderalist

»Er meint es gut mit seinem Land, ist immer ein ehrlicher, oft ein weiser Mann, aber manchmal und in manchen Dingen absolut von Sinnen.«

(BENJAMIN FRANKLIN ÜBER JOHN ADAMS IN EINEM BRIEF

AN ROBERT LIVINGSTON VOM 22. JULI 1783)

John Adams wurde am 30. Oktober 1735 in Braintree, Massachusetts geboren. Seine Familie war aus England emigriert und lebte von der Tätigkeit des Vaters als Farmer und Schuhmacher. John Adams wuchs in einfachen Verhältnissen auf und stellte sich seine Zukunft ebenfalls als Farmer vor, da er das Interesse an schulischer Bildung zeitweilig verlor. Von geringer Körpergröße, wenig umgänglich, launenhaft und an Depressionen leidend, suchte er lange kaum Kontakt zu seinen Mitmenschen.

Seine Eltern drängten ihn, das 1636 gegründete Harvard-College zu besuchen, wo er bis 1755 studierte. Er begann seine berufliche Karriere als Grundschullehrer in Worcester – eine Tätigkeit, an der er sehr schnell jegliches Interesse verlor. Gleichzeitig verwehrte er sich gegen den elterlichen Wunsch, den Priesterberuf zu ergreifen. Stattdessen begann er wenig später ein Studium der Rechtswissenschaften und erhielt 1758 seine Zulassung als Anwalt. Nebenbei betätigte er sich auch als Schriftsteller.

Einige Jahre später heiratete er Abigail Smith, die politisch interessierte Tochter eines Geistlichen, die sich sehr für die Rechte von Frauen einsetzte. Sie schenkte ihrem Mann sechs Kinder – der älteste Sohn, John Quincy Adams, sollte zum sechsten Präsidenten der USA werden – und übte von Anfang an starken Einfluss auf die politische Karriere ihres Mannes aus.

Anfangs machte sich John Adams einen Namen als Verfassungsrechtler und verfasste 1765 anonym vier Artikel in der »Boston Gazette«, in denen er sich mit dem Konflikt zwischen Individualismus und Herrschaft auseinandersetzte. 1765 hatte das britische Parlament das so genannte »Stempelsteuergesetz« verabschiedet. Dieses legte fest, dass ein kostenpflichtiger Stempel auf alle Druckstücke in den Kolonien anzubringen sei. Ziel war es, Geld einzunehmen, um die Kosten der Verteidigung der Kolonien abzudecken, was dort zu großen Proteststürmen führte. Im selben Jahr verfasste John Adams eine Rede für den Gouverneur und begründete die Rechtswidrigkeit der Stempelsteuer damit, dass das Gebiet von Massachusetts keine Vertretung im britischen Parlament hätte. Als 1770 britische Soldaten im Boston-Massaker das Feuer auf protestierende Menschen eröffneten und fünf Männer töteten, übernahm John Adams allerdings die Verteidigung der Soldaten. Dies brachte ihm große öffentliche Kritik ein, obwohl er die Meinung vertrat, dass jeder das Recht auf einen fairen Prozess hätte.

Seiner politischen Karriere schadete das nicht, und 1774 wurde John Adams, zunächst auf dem ersten und ein Jahr später auch auf dem zweiten Kontinentalkongress, Abgeordneter seiner Kolonie. Dort sprach er sich offen für die Unabhängigkeitserklärung Amerikas von Großbritannien aus. John Adams war auch Mitglied des Komitees, welches die Unabhängigkeitserklärung verfassen sollte, wobei Thomas Jefferson die Hauptverantwortung übertragen wurde. John Adams selbst forderte in seiner Streitschrift »Thoughts of Government«, die er 1776 verfasste, eine republikanische Regierung, häufige Wahlen, eine Legislative aus Ober- und Unterhaus, eine mit Vetorecht ausgestattete Exekutive und eine unabhängige Gerichtsbarkeit. Er sprach sich vehement gegen die Erblichkeit von Ämtern aus und unterstützte das Rotations-Prinzip bei der Besetzung von Machtpositionen. In einer Resolution vom 10. Mai 1776 rief er alle Kolonien dazu auf, souveräne, vom Mutterland unabhängige Organe einzusetzen. John Adams wurde vom zweiten Kontinentalkongress auch mit der Funktion eines »Kriegsministers« betraut, war Mitbegründer der amerikanischen Marine und unterstützte die Errichtung der Militärakademie von West Point, New York.

Die Spannungen mit England verschärften sich und der Wunsch nach einer Trennung vom europäischen Mutterland nahm angesichts der Gefechte bei Lexington, Concord und Bunker Hill immer weiter zu. 1777 brach John Adams in diplomatischer Mission nach Frankreich auf und war auch als Unterhändler in Holland tätig. 1780, zu einem Zeitpunkt, als der Abschluss eines Friedensvertrages mit England noch in weiter Ferne lag, setzte sich John Adams bereits für gute Beziehungen mit diesem Land ein. Am 30. November 1782 gelang es ihm auch, Vorvereinbarungen für einen Friedens- und einen Handelspakt zwischen den USA und England zu treffen. Dies geschah in direkten Verhandlungen mit England und ohne, dass die französische Regierung darüber informiert worden wäre, da sie solche Beziehungen zwischen England und den USA abgelehnt hätte. Der eigentliche Friedensvertrag wurde dann 1783 unterzeichnet, womit der Unabhängigkeitskrieg beendet war.

John Adams gelang es auch, ein Freundschafts- und Handelsabkommen mit Preußen zu erzielen und holländische Anleihen auszuhandeln. In den Jahren 1785 bis 1788 war er als erster amerikanischer Gesandter in London tätig. Dort verfasste er eine weitere Schrift, die vor einseitiger Machtkonzentration warnte und eine ausgeglichene Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikative propagierte, um der Gefahr von Tyrannei vorbeugen zu können. Der Französischen Revolution stand er, ganz anders als Thomas Jefferson oder James Madison, eher kritisch gegenüber, da er den unkontrollierten politischen Einfluss des Volkes als Gefahr ansah.

Als 1796 die Amtszeit von George Washington zu Ende ging und dieser auf eine neuerliche Kandidatur verzichtete, kam es zu einem intensiven Wahlkampf zwischen seinen beiden Vizepräsidenten John Adams, der seit 1789 dieses Amt bekleidete, und Thomas Jefferson. 1796 gewann John Adams die Präsidentschaftswahlen gegen Jefferson, der das Amt des Vizepräsidenten übernahm, und sah sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit großen Problemen konfrontiert. Der Gegensatz zwischen den Föderalisten und den republikanischen Oppositionellen wurde immer größer. Zudem drohte die Gefahr eines Krieges mit Frankreich, da sich die Beziehungen weiter verschlechterten, obwohl John Adams mit allen Mitteln versuchte, einen militärischen Konflikt zu verhindern. 1796 brachte die französische Marine amerikanische Handelsschiffe auf und man weigerte sich, den neuen amerikanischen Gesandten in Frankreich zu empfangen. Dennoch gelang es John Adams auch gegen den Widerstand in den eigenen politischen Reihen, 1798 einen Friedensvertrag mit Frankreich zu unterzeichnen.

John Adams verfolgte einen autokratischen Führungsstil, der ihm nicht nur viel Kritik einbrachte, sondern auch ehemalige Freunde, wie beispielsweise Alexander Hamilton, zu erbitterten Gegnern werden ließ. Während etwa Thomas Jefferson in einem Volk gleichberechtigte Menschen sah, und jedem einzelnen das gleiche Recht in seinem Streben nach Glück zusprach, betrachtete John Adams das Volk als ungebildeten Pöbel, den man vor sich selbst schützen musste. Für ihn waren Menschen selbstsüchtig, habgierig und eitel, weshalb eine strenge Ordnungsmacht und Regierung erforderlich wären. Der Idee der natürlichen Gleichheit aller Menschen, die von den Aufklärern der französischen Revolution propagiert wurde, konnte John Adams nichts abgewinnen. Ihm schwebte eine »monarchische Republik« vor, die weniger privilegierte Mitglieder einer Gesellschaft nicht miteinschloss. Als John Adams 1800 abermals als Kandidat der Föderalisten für das Präsidentenamt kandidierte, war seine Popularität aufgrund dieser elitären Haltung auch in der eigenen Partei extrem gesunken. Seinem Gegner Thomas Jefferson wurde weitaus mehr Vertrauen entgegengebracht, was ihm schließlich auch das Präsidentenamt sicherte.

John Adams zog sich nach der Niederlage in seine Heimat Massachusetts ins Privatleben zurück. Er nahm dennoch weiter Anteil am öffentlichen Geschehen und widmete sich wiederum verstärkt seiner publizistischen Tätigkeit. 1825 konnte er noch miterleben, wie sein Sohn John Quincy die Präsidentschaftswahlen gewann. John Adams starb am 4. Juli 1826, und somit am fünfzigsten Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung, im hohen Alter von neunzig Jahren. Nur wenige Stunden zuvor war sein ehemaliger Mitstreiter und späterer Widersacher Thomas Jefferson gestorben.

THOMAS JEFFERSON

* 13. April 1743 in Shadwell, Virginia

† 4. Juli 1826 in Monticello, Virginia

3. Präsident der USA (1801–1809) – Republikaner (auch Demokraten-Republikaner)

»Hier ruht Thomas Jefferson, Autor der Unabhängigkeitserklärung, des Statuts von Virginia über religiöse Freiheit und der Vater der Universität von Virginia.«

(VON IHM SELBST VERFASSTES EPITAPH.)

Thomas Jefferson wurde am 13. April 1743 auf einer Farm in Virginia geboren. Seine Familie war angesehen und wohlhabend und lebte von den Erträgen der Plantagen, die sie bewirtschaftete. Der Vater war auch als Landvermesser und Friedensrichter tätig. In jungen Jahren wurde Thomas Jefferson von Privatlehrern unterrichtet und begann 1760 mit dem Studium am College of William and Mary in Williamsburg. Neben der Beschäftigung mit klassischen Sprachen und Philosophie widmete er sich vor allem den Rechtswissenschaften. 1767 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt und war als Farmer und Anwalt gleichermaßen erfolgreich. In diesen Jahren entdeckte er auch seine Liebe zur Architektur und entwarf Pläne für ein Haus samt Mobiliar auf seinem Landgut Monticello.

Die Übernahme von Verantwortung für die Gemeinschaft durch die Ausübung öffentlicher Ämter war eine Tugend, die von den wohlhabenden Familien Virginias erwartet wurde. So war es nur selbstverständlich, dass der gebildete Thomas Jefferson 1769 mit sechsundzwanzig Jahren Mitglied im Parlament von Virginia wurde. 1772 heiratete er die Witwe Martha Wayles Skelton, mit der er sechs Kinder hatte, von denen allerdings nur zwei das Erwachsenenalter erreichten.

1774 veröffentlichte er die Streitschrift »A Summary View of the Rights of British America«, in der er sich gegen das Recht des britischen Königs aussprach, in den amerikanischen Kolonien Steuern einzutreiben. Er vertrat die Auffassung, dass in jedem Staat die ultimative Autorität beim Volk liegt. Zwei Jahre später wirkte er als Delegierter Virginias im Zweiten Kontinentalkongress in Philadelphia, Pennsylvania maßgeblich an der Verfassung der Unabhängigkeitserklärung der Kolonien mit. Ganz im Sinne der Aufklärung wurde darin festgehalten, dass alle Menschen gleich sind und (von Gott) mit gewissen unveräußerlichen Rechten, wie Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück, ausgestattet wurden.

Als Thomas Jefferson wieder nach Virginia zurückgekehrt war, wurde er abermals ins Parlament gewählt und brachte dort das Virginia-Statut zur Religionsfreiheit ein, welches in diesem Staat Bekenntnisfreiheit garantieren sollte. Außerdem arbeitete er an einer großen Reform des virginischen Rechtssystems mit und war verantwortlich für über hundert Gesetzesentwürfe. Dabei trat er besonders für den Schutz der individuellen Bürgerrechte, die Erweiterung des Wahlrechtes, die Pressefreiheit und das Recht auf Bildung ein.

Zwischen 1779 und 1781 bekleidete er das Amt des Gouverneurs von Virginia. Während seiner Tätigkeit wurde das Territorium im Zuge des Unabhängigkeitskrieges zeitweise von britischen Truppen besetzt, was ihm den Vorwurf einbrachte, Virginia militärisch nicht ausreichend verteidigt zu haben. Eine parlamentarische Untersuchungskommission bestätigte diesen Vorwurf allerdings nicht. Trotzdem zog sich Thomas Jefferson daraufhin vorübergehend aus der Politik zurück und lebte einige Zeit auf seinem Anwesen Monticello, wo seine Frau bald darauf bei der Geburt des sechsten Kindes verstarb.

Die nächsten Jahre verbrachte Thomas Jefferson als Gesandter in Paris, wo er die Anfänge der Revolution miterlebte. Er unterstützte die revolutionären Bestrebungen in Europa und half beim Entwurf der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Zudem nützte er seinen Aufenthalt auf diesem Kontinent auch für ausgedehnte Reisen. 1789 kehrte er in die USA zurück. George Washington ernannte ihn daraufhin zum Außenminister der Vereinigten Staaten, ein Amt, das er bis Ende 1793 ausüben sollte.

Gemeinsam mit Alexander Hamilton wurde Thomas Jefferson in der Folge zu einem der engsten Vertrauten und wichtigsten Berater des Präsidenten. Mit der Zeit nahmen jedoch die Konflikte und Rivalitäten zwischen den beiden zu, da sich Alexander Hamilton etwa für die Errichtung einer nationalen Zentralbank aussprach, während Thomas Jefferson die Meinung vertrat, dass die Verfassung der Regierung diesbezügliche Vollmachten nicht einräume. Dazu kam, dass Alexander Hamilton, der aus New York stammte, vor allen Dingen die Industrie schützen und fördern wollte, für den Plantagenbesitzer Thomas Jefferson im Gegensatz dazu die Landwirtschaft größere Bedeutung hatte. Auch außenpolitisch waren sich die beiden nicht einig, da sich Alexander Hamilton eher auf der Seite der Briten befand und Thomas Jefferson stärkere Bindungen zu Frankreich unterstützte.

Die politischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kontrahenten führten schließlich erstmals zur Bildung von zwei Parteien in den USA. Um Thomas Jefferson gruppierte sich die Republikanische Partei, während Hamilton die Föderalistische Partei anführte. Selbst Vermittlungsversuche des Präsidenten blieben erfolglos. Als die Konflikte anhielten, schied Thomas Jefferson 1793 aus dem Kabinett aus und zog sich wieder auf sein Landgut Monticello zurück. Dieses wurde von Sklaven bewirtschaftet, für die Thomas Jefferson allerdings wie ein Patriarch sorgte. Er selbst war kein direkter Befürworter der Sklaverei, sah aber auch keine Möglichkeit, dieses Problem in zufriedenstellender Form zu lösen. Auch für ihn war dem Zeitgeist entsprechend die schwarze Bevölkerung zweitklassig, während er diese Haltung gegenüber den Indianern nicht hatte. Sie erachtete er aufgrund ihres nomadischen Lebensstils zwar als »Wilde«, aber dennoch als gleichwertig mit den Weißen. Thomas Jefferson empfahl ihnen in Briefen auch die Übernahme des weißen Lebensstils, um so ihre Existenz sichern zu können.

1796 kehrte Thomas Jefferson als Präsidentschaftskandidat der Republikaner in die Politik zurück. Er unterlag dem bisherigen Vizepräsidenten und Kandidaten der Föderalisten, John Adams, noch knapp an Stimmen, bevor er ihm wenige Jahre später im Amt nachfolgen sollte. Aufgrund der damaligen Bestimmungen wurde der stimmenstärkste Kandidat zum Präsidenten gekürt und der zweitstärkste zum Vizepräsidenten ernannt. Daher war es auch möglich, dass beide unterschiedlichen Parteien angehörten. Die Aufgabe eines Vizepräsidenten bestand in erster Linie in der Leitung der Sitzungen des Senates. In dieser Zeit entstand auch Thomas Jeffersons Handbuch mit klaren Anleitungen zu den Abläufen in dieser Einrichtung.

Bei den Wahlen von 1800 bewarb sich Thomas Jefferson erneut um das Präsidentenamt. Er und sein republikanischer Mitbewerber Aaron Burr erhielten gleich viele Stimmen. Die Entscheidung lag nun beim Repräsentantenhaus, das sich – nicht zuletzt auf Empfehlung von Thomas Jeffersons einstigem Gegenspieler, Alexander Hamilton, der in ihm das kleinere Übel sah – mehrheitlich für Thomas Jefferson aussprach. Somit wurde er im Februar 1801 zum vierten Präsidenten der Vereinigten Staaten und Aaron Burr zum Vizepräsidenten gewählt. Die ganze Wahl stand unter schlechten Vorzeichen, da Aaron Burr den Verdacht auf sich zog, die Parteilinien wechseln zu wollen, um sich mit der Stimme der Föderalisten zum Präsidenten wählen zu lassen. Dies beeinträchtigte nicht nur in hohem Maße die Beziehung zwischen ihm und Thomas Jefferson, sondern war auch der Anlass, das Prozedere bei Präsidentschaftswahlen generell zu verändern. Seitdem stimmen bis heute die Wahlmänner für den Präsidenten und den Vizepräsidenten getrennt ab.

Mit Thomas Jefferson kam der Präsident der Vereinigten Staaten zum ersten Mal aus den Reihen der Demokratisch-Republikanischen Partei. Während seiner Amtszeit wurde Louisiana von den Franzosen abgekauft, wodurch sich das Territorium der USA weiter vergrößerte. Er war daran interessiert, einen Wasserweg zum Pazifik zu finden und freundschaftliche Beziehungen mit den im neu erworbenen Gebiet ansässigen Indianern zu pflegen. Zudem hob er eine Reihe von unpopulären Gesetzen aus der Amtszeit John Adams auf.

Die Bedingungen während Antritt der ersten Amtszeit Thomas Jeffersons waren günstig, da sich das Land einer wirtschaftlichen Hochkonjunktur erfreute. Innenpolitisch gelang es ihm mit Hilfe seines Finanzministers, des in der Schweiz geborenen Albert Gallatin, sogar die Staatsschulden zu reduzieren. 1803 erfolgte eine richtungsweisende Entscheidung des Obersten Gerichtes, in dem dieser Institution das Recht zugesprochen wurde, über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen zu entscheiden und diese auch annullieren lassen zu können.

In außenpolitischer Hinsicht war der neue Präsident allerdings gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft mit größeren Problemen konfrontiert. Das Mittelmeer wurde von nordafrikanischen Schiffen kontrolliert, die von ausländischen Handelsflotten Schutzgelder forderten. Zuvor waren die amerikanischen Schiffe von der britischen Marine geschützt worden, doch nach der Unabhängigkeit wurden sie vermehrt Ziel von Piratenangriffen. Der Pascha von Tripolis erhöhte 1801 seine finanziellen Forderungen und erklärte zudem der USA den Krieg. Dieser zog sich über mehrere Jahre hin und mündete 1805 in einem Vergleich.

Thomas Jeffersons Umgang mit Mitarbeitern und Diplomaten war umgänglich und zwanglos. Er war ein guter Gesprächspartner, allerdings kein guter Redner. So verwundert es nicht, dass er die Jahresbotschaften des Präsidenten an den Kongress nicht mehr selbst vortrug, sondern verlesen ließ. Auch seine Nachfolger folgten lange diesem Beispiel, und erst mehr als hundert Jahre später beschloss Präsident Woodrow Wilson, die Reden vor dem Kongress wieder persönlich zu halten.

Die Popularität von Thomas Jefferson als Präsident war auch bei der Bevölkerung sehr groß, und so wurde er 1805 mit großer Mehrheit wiedergewählt. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass ihm im Wahlkampf von der Gegenseite vorgeworfen wurde, dass der Kauf von Louisiana nicht verfassungsmäßig gewesen wäre und er mit einer schwarzen Sklavin namens Sally Hemings zusammenlebe und mehrere Kinder habe. Thomas Jefferson selbst trat letzterer Behauptung nie entgegen und heute gilt aufgrund von DNA-Analysen als ziemlich sicher, dass dies den Tatsachen entsprach.

1807 unterzeichnete Thomas Jefferson ein Gesetz, das fast ein Jahr lang die Einfuhr weiterer Sklaven untersagte. Die Bedeutung der Sklaverei im Süden nahm jedoch zu, da diese besonders im neuen Territorium Louisiana massiv nachgefragt wurden. Die Folge davon war eine rege Schmuggeltätigkeit. Insgesamt war Thomas Jeffersons zweite Amtszeit um einiges schwieriger als die erste. Widerstand kam auch aus den eigenen Reihen, wo man sich teilweise gegen seinen Plan aussprach, den Spaniern Teile von Florida abzukaufen. Außerdem verschärften sich die Napoleonischen Kriege, was negative Auswirkungen auf den amerikanischen Handel und das Wirtschaftswachstum des Landes hatte. Aaron Burr, Thomas Jeffersons Vizepräsident der ersten Amtsperiode, musste sich nach einem tödlichen Duell mit Alexander Hamilton aufgrund einer Mordanklage in zwei Bundesstaaten aus der Politik zurückziehen und plante vermutlich eine Verschwörung im Westen des Landes, wo er einen eigenen Staat errichten wollte. Vom Vorwurf des Landesverrats wurde er zwar freigesprochen, dennoch war der Vorfall Spiegelbild der immer stärker werdenden inneren Zerrissenheit der Demokratisch-Republikanischen Partei.

Thomas Jefferson stellte seine Politik ganz ins Zeichen der Nichteinmischung in europäische Kriege. Ungeklärt blieb aber der Konflikt zwischen England und dessen Kriegsgegner Frankreich hinsichtlich der maritimen Rechte der USA, die neutral bleiben wollten. 1807 wurde daher der »Embargo Act« verabschiedet, der die Ausfuhr amerikanischer Waren nach Europa unterbinden sollte. Amerikanische Schiffe durften keine fremden Häfen mehr anlaufen und umkehrt auch keine ausländischen Schiffe nach Amerika kommen. Thomas Jeffersons Absicht war es, auf diese Weise England und Frankreich zu zwingen, die amerikanische Neutralität zu respektieren. Dieses Ziel konnte nicht erreicht werden, wohl aber begünstigte eine derartige Politik den Ausbruch des britisch-amerikanischen Krieges von 1812. Außerdem verloren viele Seeleute ihre Arbeit, der Handel kam fast völlig zum Erliegen, die Wirtschaft stagnierte und Thomas Jefferson selbst sah sich gezwungen, noch vor Ende seiner Amtszeit dieses kontraproduktive Gesetz wieder aufzuheben.

Für eine dritte Amtszeit wollte Thomas Jefferson nicht mehr kandidieren, sondern entschied sich zu einem endgültigen Rückzug auf sein Landgut Monticello. Dort widmete er sich dem weiteren Ausbau seiner Villa. Er blieb zwar mit einstigen Freunden und engen Vertrauten in brieflichem Kontakt, nahm aber nicht mehr am politischen Leben teil. 1819 gründete er die Universität von Virginia in Charlottesville, deren Mittelpunkt keine Kirche bildete, wie an anderen Universitäten üblich, sondern eine Bibliothek.

Seine letzten Lebensjahre waren gekennzeichnet von großen finanziellen Schwierigkeiten, nicht zuletzt aufgrund der großzügigen Investitionen in den Ausbau von Monticello und der Übernahme einer Bürgschaft für einen Freund. Er musste große Teile seines Landgutes, aber auch die gesamte Bibliothek mit über sechstausend Büchern verkaufen.

Am 4. Juli 1826, genau am 50. Jahrestag der Verkündigung der Unabhängigkeitserklärung, starb Thomas Jefferson – am gleichen Tag wie sein Amtsvorgänger im Präsidentenamt und politischer Gegner John Adams. Er prägte seine Zeit, ebenso wie die Nachwelt mit einer Reihe von beeindruckenden staatstheoretischen Schriften und gilt bis heute neben George Washington und Abraham Lincoln als einer der wichtigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten, dessen Überzeugungen geleitet waren von den humanistischen Bestrebungen der Aufklärung.

JAMES MADISON

* 16. März 1751 in Port Conway, Virginia

† 28. Juni 1836 in Montpelier, Virginia

4. Präsident der USA (1809–1817) – Demokrat-Republikaner (auch Republikaner)

»In Republiken besteht die große Gefahr, dass die Mehrheit die Rechte der Minderheit nicht ausreichend respektieren könnte.«

(JAMES MADISON IN EINER REDE AM KONVENT IN VIRGINIA 1829)

James Madison war gemeinsam mit Thomas Jefferson, zu dem er eine lebenslange enge Freundschaft pflegte, und Alexander Hamilton einer der Vordenker der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Ihm wird die Rolle des Schöpfers der Verfassung von 1787 zugesprochen, da große Teile davon unter der Verantwortung dieses bedeutenden politischen Pioniers entstanden waren.

James Madison stammte ebenso wie George Washington und Thomas Jefferson aus Virginia, wo er am 16. März 1751 als ältestes von zwölf Kindern geboren wurde. Sein Vater war ein vermögender Plantagenbesitzer, der auch als Friedensrichter fungierte und in der Kirche sehr aktiv war. Seine Mutter kam ebenfalls aus einer wohlhabenden Familie. James Madison verbrachte seine Kindheit auf dem väterlichen Landgut, das er später auch erben sollte. Er hatte das Glück einer hervorragende Schulbildung erhalten zu haben und begann seine universitäre Ausbildung am College of William and Mary in Williamsburg. Anschließend studierte er am College of New Jersey, der heutigen Princeton University, alte Sprachen, Philosophie und Geschichte. Diese Studien ergänzte er später noch um weitere Disziplinen.

Ab 1774 engagierte sich James Madison im Namen des revolutionären Virginias und setzte sich für Bürgerrechte und Religionsfreiheit ein. In seinem ersten politischen Amt als Delegierter in Virginia ersetzte er im Text der Verfassung dieses Staates den Begriff der »Religionstoleranz« durch jenen der »religiösen Freiheit«. Wenig später wurde er Mitglied des Gouverneursrates und war von 1780 bis 1783 mit erst neunundzwanzig Jahren der jüngste Delegierte am Kontinentalkongress. Angesichts der Schuldenkrise der neuen Regierung und der hohen Inflationsbelastung befürwortete er eine Gesetzesänderung, die es dem Kongress gestattete, neue Steuern zu erheben.

James Madison war bis 1787 als Delegierter für Virginia tätig und setzte sich für ein stärkeres Miteinander aller Einzelstaaten in wirtschaftlichen Fragen ein. Seine große Stunde schlug beim Verfassungskonvent in Philadelphia, dessen Gelingen zu einem Großteil seiner Genialität zuzuschreiben war und ihm den Ehrennamen »Father of the Constitution« einbrachte. Die am Konvent ins Leben gerufene neue Verfassung stand im Geiste von Montesquieu und Locke und zeichnete sich durch eine ausgewogene Gewaltentrennung, liberale Kontrollmechanismen und später die Sicherung der Grund- und Freiheitsrechte aus. Obwohl es anfangs große Widerstände in der Bevölkerung gab, wurde die Verfassung dank des Einflusses von James Madison in Virginia letztendlich doch ratifiziert.

Unter dem Pseudonym »Publius« verteidigte er gemeinsam mit Alexander Hamilton und John Jay in den »Federalist Papers« diese neue Verfassung, auch wenn er im Gegensatz zu den anderen beiden kein Föderalist war, sondern gemeinsam mit Thomas Jefferson wenig später die Partei der Demokraten-Republikaner gründete. Gewisse Grundsätze und Ideen verbanden ihn zwar mit Alexander Hamilton und John Jay, allerdings lehnte er vor allen Dingen deren Finanzpolitik ab. Als Abgeordneter des Repräsentantenhauses war James Madison zwischen 1789 und 1797 auch federführend bei der Verabschiedung der »Bill of Rights«, jener ersten zehn Zusatzartikel zur Verfassung, in denen die demokratischen Grundrechte verankert wurden.

Nach einer Enttäuschung mit einer jungen Frau heiratete er 1794 mit bereits dreiundvierzig Jahren die sechsundzwanzigjährige Witwe Dolley Payne. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor, wohl hatte seine Frau aber einen Sohn aus erster Ehe und wurde zu einer sehr beliebten First Lady.

In den Jahren von 1801 bis 1809 war James Madison unter Präsident Thomas Jefferson als Außenminister tätig und verhielt sich bei den Napoleonischen Kriegen bewusst neutral. Er unterstützte sowohl den Ankauf Louisianas, als auch Thomas Jeffersons Embargopolitik. 1808 wurde er selbst zum neuen Präsidenten der USA gewählt, wohl auch, weil die Popularität seines Förderers Thomas Jefferson trotz der katastrophalen Auswirkungen des von ihm verursachten Handelsembargos, das die Ausfuhr amerikanischer Waren nach Europa unterband und die Wirtschaft der USA massiv beeinträchtigte, noch immer sehr groß war. Anders als Thomas Jefferson begann James Madison langsam von der Überzeugung einer Höherwertigkeit der Landwirtschaft gegenüber dem Handel und der Manufaktur abzuweichen, und machte sich für ein Nebeneinander der verschiedenen Bereiche stark. Durch eine ausgewogene Berücksichtigung aller Interessen versuchte er, Stabilität im Land zu schaffen.

James Madisons Amtszeit war aber auch gekennzeichnet von annexionistischen Bestrebungen, weshalb er Spanisch-Westflorida eingliederte und das Gebiet zwischen New Orleans und dem Perdido River zu amerikanischem Hoheitsgebiet erklärte. 1811 wurde auch der Osten Floridas annektiert. Der Häuptling der Shawnee-Indianer, Tecumseh, versuchte mit einem Bündnis von Indianerstämmen der weiteren Vertreibung seines Volkes Einhalt zu gebieten, was zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. James Madison brachte für die Anliegen der amerikanischen Ureinwohner insofern Verständnis auf, als er Pläne für das Angebot einer Hilfe zu ihrer Selbsthilfe andachte. Umgesetzt wurden diese Integrationsprogramme für die Indianer allerdings nicht.

Der britisch-amerikanische Krieg von 1812 bis 1814 war die Folge von verschiedenen britischen Übergriffen auf amerikanisches Staatsgebiet. Ziel war die Eroberung Kanadas durch die Briten, die, obwohl geschwächt durch die Napoleonischen Kriege, der amerikanischen Armee immer wieder schmerzliche Niederlagen zufügten. 1814 zerstörten britische Truppen sogar öffentliche Gebäude in Washington. Obwohl die amerikanische Marine einige Erfolge verzeichnen konnte, erreichten die Vereinigten Staaten ihre Kriegsziele nicht. In der Zwischenzeit war James Madison zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden. Da sich ein Zerfall der Union abzeichnete, weil einige der Neuenglandstaaten aufgrund des Krieges gegen die Briten mit der Abspaltung drohten, kam es Ende 1814 zur Unterzeichnung des Friedensvertrages von Gent, der den Status quo der Zeit vor Ausbruch des Krieges wiederherstellte. Man einigte sich auf eine schiedsgerichtliche Schlichtung von offenen Grenz- und Fischereifragen zwischen Großbritannien und den USA, die Neutralitätsrechte wurden allerdings nicht erwähnt. Dennoch war durch den Frieden von Gent die Unabhängigkeit und Souveränität der USA bestätigt worden. Die internationale Stellung des Landes war gefestigt und Präsident James Madison gewann mit Ende des Krieges wieder Sympathien zurück.

Die amerikanische Industrie erlebte endlich auch wieder einen Aufschwung, weshalb Schutzzölle eingeführt wurden, die speziell der Textil- und Eisenindustrie zugutekamen, und den Bau von Straßen und Kanälen forcierten. Schon als Mitglied des Repräsentantenhauses hatte James Madison versucht, gemeinsam mit Thomas Jefferson, ein Gesetz zur Gründung der »First Bank of the United States« als Nationalbank des Bundes zu verhindern. Dies misslang zwar, die Lizenz der Bank sollte aber 1811, also während seiner Präsidentschaft, auslaufen. 1814 sprach sich der Kongress mehrheitlich für ein Gesetz zur Gründung einer neuen Nationalbank aus, woraufhin James Madison von seinem Vetorecht Gebrauch machte und so verhinderte, dass das Gesetz in Kraft treten konnte. Die wirtschaftliche Situation im Land wurde aufgrund der hohen Kriegskosten immer dramatischer, dazu kam eine hohe Inflation. Gemeinsam mit dem Kongress wurde daraufhin eine Lösung gesucht und 1816 die »Second Bank of the United States« gegründet.

Nach dem Ende seiner Amtszeit kehrte James Madison auf sein Anwesen nach Montpelier zurück. Er wurde 1826 Rektor der einst von seinem Freund Thomas Jefferson gegründeten Universität von Virginia und war 1829 Delegierter im Verfassungskonvent des Bundesstaates, der sich der Überarbeitung der Staatsverfassung Virginias widmete. Zu Fragen der Sklaverei äußerte er sich nie eindeutig. Wie viele seiner gebildeten Zeitgenossen besaß er selbst Sklaven, die er für die Bewirtschaftung seiner großen Plantagen benötigte, wurde aber immer wieder von Skrupeln hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Sklaverei befallen. Eine konkrete Lösung für das Problem sah er nicht, dachte aber die Möglichkeit der Befreiung der Sklaven und ihrer Rückführung ins afrikanische Liberia an. Er war auch Vorsitzender der 1817 gegründeten »American Colonization Society«, die sich mit dieser Idee befasste.

Am 28. Juni 1836 starb James Madison, der letzte noch lebende Gründer der Nation und Unterzeichner der Verfassung, im Alter von fünfundachtzig Jahren in Montpelier, Virginia.

JAMES MONROE

* 28. April 1758 in Westmoreland County, Virginia

† 4. Juli 1831 in New York City, New York

5. Präsident der USA (1817–1825) – Demokrat-Republikaner (auch Republikaner)

»Wir haben niemals an den Kriegen der europäischen Mächte teilgenommen oder uns in die Angelegenheiten gemischt, die damit in Zusammenhang standen, denn das ließe sich nicht mit unserer Politik vereinbaren (...). Der Verteidigung aber unserer eigenen Regierungsform, die unter Verlust von so viel Blut und Vermögen durchgesetzt (...) worden ist (...), hat sich diese ganze Nation geweiht. Wir sind es deshalb der Aufrichtigkeit und den freundschaftlichen Beziehungen schuldig, die zwischen den Vereinigten Staaten und jenen Mächten bestehen, zu erklären, dass wir jeden Versuch von ihrer Seite, ihr System auf irgendeinen Teil dieser Hemisphäre auszudehnen, als Gefährdung unseres Friedens und unserer Sicherheit betrachten würden«.

(AUSZUG AUS DER MONROE-DOKTRIN VOM 2. DEZEMBER 1823)

James Monroe war der letzte Zeitgenosse jener Generation, die die amerikanische Unabhängigkeit persönlich miterlebt hatte. Er wurde am 20. April 1758 in Virginia geboren und wuchs in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Mit sechzehn Jahren nahm er sein Studium am College of William and Mary in Williamsburg auf. Bedingt durch die Wirren des Unabhängigkeitskrieges musste er sein Studium zunächst abbrechen und als junger Offizier, später als Major, in der Kontinentalarmee George Washingtons kämpfen. Dabei trug er schwere Verletzungen davon, von denen er sich jedoch schnell erholte. 1780 war er Militärbeauftragter in Diensten des Gouverneurs Thomas Jefferson und setzte auf dessen Anraten sein Studium fort.

Einige Jahre später begann James Monroe in Fredericksburg als Anwalt zu arbeiten und wurde 1782 Mitglied der gesetzgebenden Versammlung Virginias. Daraufhin ging seine politische Karriere steil bergauf: in den Jahren 1783 und 1788 wurde er in den neuen US-Kongress gewählt, wenig später war er bis 1794 Mitglied des Senats. Politisch stand er der Demokratisch-Republikanischen Partei Thomas Jeffersons nahe, mit dem er in enger Freundschaft verbunden war. Er verfolgte nationalistische und expansionistische Ideen und stimmte 1788 gegen die Ratifizierung der neuen Verfassung der USA, in erster Linie deswegen, weil ihr ein Grundrechtskatalog fehlte.

James Monroe vermählte sich 1786 mit Elizabeth Kortright, der Tochter eines zu Reichtum gekommenen ehemaligen britischen Offiziers, mit der er zwei Töchter hatte. In den Jahren 1794 bis 1796 bekleidete er den Posten eines Gesandten in Paris, von dem er allerdings abberufen wurde, als er im Ersten Koalitionskrieg zu sehr mit den Franzosen sympathisierte und damit von der neutralen Haltung George Washingtons abwich. Monroe setzte sich auch für die Freilassung des amerikanischen Revolutionärs Thomas Paine ein, der öffentliche Kritik an der Hinrichtung Ludwig XVI. geübt hatte.

Von 1799 bis 1802 war er Gouverneur von Virginia und wurde 1803, diesmal in der Funktion eines Sonderbeauftragten, abermals nach Paris geschickt, um dort gemeinsam mit Robert R. Livingstone Verhandlungen über den Kauf von Louisiana zu führen. Wenig später konnte er diese Mission erfolgreich abschließen. Seine diplomatischen Bemühungen in Madrid und London verliefen jedoch nicht so erfolgreich, weswegen er bald wieder in die USA zurückkehrte. Dort wurde er abermals zum Gouverneur von Virginia gewählt und bewarb sich bei der Republikanisch-Demokratischen Partei um die Präsidentschaftskandidatur. Allerdings wurde James Madison der Vorzug gegeben, der schließlich auch die Wahl gewann. James Monroe, der zu einem neuerlichen Krieg gegen England positiv eingestellt war, wurde aber 1814 zum Kriegsminister ernannt.

1816 unternahm er einen neuerlichen Anlauf und wurde diesmal auch in das Amt des Präsidenten gewählt. Er war ein politisch sehr erfahrener Mann und in seiner Haltung nationalistisch und pragmatisch. Der Norden des Landes stand bei seiner Amtsübernahme ganz unter dem Eindruck der industriellen Revolution, während im Süden die Sklaverei auch in den neuen Territorien üblich war. James Monroe strebte als Präsident ganz bewusst nach nationaler Einheit und politischer Harmonie.

Außenpolitisch waren er und sein Außenminister John Quincy Adams sehr aktiv. Das »Rush-Bagot-Abkommen« zwischen den USA und Großbritannien führte zu einer Entmilitarisierung der Großen Seen. 1817/18 hatte Andrew Jackson den Indianerstamm der Seminolen in Florida angegriffen, da diese entflohenen Sklaven Schutz gewährten. Zudem wollte er diese Region den USA einverleiben und war verärgert darüber, dass Präsident James Monroe Pensacola an die Spanier zurückgab. Die Angelegenheit wurde schließlich durch den »Adams-Onís-Vertrag« gelöst, welcher am 22. Februar 1819 unterzeichnet wurde und auf dessen Grundlage Spanien Florida an die Vereinigten Staaten verkaufte. Außerdem wurde die Grenze zwischen Louisiana und Mexiko festgelegt und erstmals in völkerrechtlich verbindlicher Weise den USA der Zugang zum Pazifik eröffnet.

Ein Jahr später gelang es unter James Monroes Präsidentschaft, den Missouri-Kompromiss zu erzielen. Dabei wurden sowohl der Sklavenstaat Missouri, als auch der sklavenfreie Staat Maine in die Union aufgenommen, damit im Senat weiterhin ein Gleichgewicht zwischen sklavenfreien und sklavenhaltenden Staaten garantiert war. Den neuen Unionsstaaten nördlich der Trennungslinie am 36. Breitengrad war die Sklaverei nicht erlaubt, jenen südlich davon jedoch schon. Damit konnte der Konflikt rund um die Sklaverei zumindest vorübergehend eingedämmt werden. Allerdings war man weit davon entfernt, diese Frage für immer in zufriedenstellender Form zu lösen. Dazu kam, dass sich die Auseinandersetzungen mit den Indianern durch die Vereinnahmung der neuen Gebiete durch weiße Siedler nach 1815 weiter zuspitzten und es immer wieder zu kriegerischen Zwischenfällen kam.

Unter James Monroes Führung wurde die Infrastruktur der USA verbessert und die Dampfschifffahrt auf den Flüssen vorangetrieben. 1819 kam es allerdings zur ersten großen Wirtschaftskrise, die als »Panic of 1819« in die amerikanische Geschichte einging. Ausgelöst wurde sie durch eine Verknappung und überstürzte Fälligstellung von Krediten durch die Banken, eine allgemeine schlechte Finanzsituation, übertriebene Investitionen in die Manufakturindustrie und unkontrollierte Bodenspekulationen. Überall stieg die Zahl der Arbeitslosen massiv an. Am meisten betroffen von der Krise waren der Westen und Süden des Landes.

Erst 1821 verbesserte sich die wirtschaftliche Situation langsam wieder, und James Monroe wurde 1820 nicht nur Mangels an Mitbewerbern, da die Föderalistische Partei mittlerweile nicht mehr existierte, sondern auch aufgrund seiner ungebrochenen Popularität, unangefochten wieder zum Präsidenten gewählt. Nur ein einziger Wahlmann aus New Hampshire gab seine Stimme für John Quincy Adams ab, da er sicherstellen wollte, dass George Washington der einzige Präsident blieb, der jemals einstimmig gewählt worden war.

Die zweite Amtszeit James Monroes stand im Zeichen des Zusammenbruchs des spanischen Kolonialreiches in Amerika. 1822 entschloss er sich nach anfänglichem Zögern, die nun von Spanien unabhängig gewordenen lateinamerikanischen Staaten Argentinien, Kolumbien, Chile, Peru und Mexiko als erstes Land außerhalb Lateinamerikas anzuerkennen. Der Kongress stimmte daraufhin auch der Aufnahme von offiziellen diplomatischen Beziehungen zu. Am 2. Dezember 1823 erklärte James Monroe, dass die USA jede Form von Rekolonialisierung oder den Erwerb neuer Kolonien in Lateinamerika durch die europäischen Mächte als Gefahr für die Sicherheit des eigenen Landes betrachten würden. Diese Warnung galt auch Russland im Hinblick auf eine mögliche Einmischung in Alaska. Im Gegenzug boten die USA in dieser unter dem Namen »Monroe-Doktrin« bekannt gewordenen Grundsatzerklärung an, sich vollständig aus allen europäischen Angelegenheiten einschließlich jener in den Kolonien in der Karibik und in Südamerika herauszuhalten.

Die Monroe-Doktrin, die weitgehend der damalige Außenminister John Quincy Adams verfasst hatte, war einerseits Ausdruck eines gewissen Hegemonieanspruches der USA gegenüber Lateinamerika, betonte anderseits aber deutlich den Grundsatz einer Politik der Nichteinmischung. Anfangs war die Wirkung der Doktrin gering. Ende des 19. Jahrhunderts diente sie allerdings durchaus als Grundlage für die Rechtfertigung von Herrschaftsansprüchen der USA in Mittel- und Südamerika.

In der Sklavenfrage war James Monroe gespalten, sprach sich aber gegen den internationalen Sklavenhandel aus und befürwortete die Rückführung freier Sklaven nach Liberia, dessen Hauptstadt Monrovia 1824 nach ihm benannt wurde. Eine mit Großbritannien geplante angloamerikanische Konvention gegen den Sklavenhandel fand allerdings nicht die notwendige Zustimmung des Senats.

Nach dem Ende seiner Amtszeit zog sich James Monroe auf sein Landgut in Oak Hill in Virginia zurück, blieb aber weiterhin politisch aktiv. Er entwickelte das neue Grundgesetz von Virginia mit und unterstützte gemeinsam mit Thomas Jefferson und James Madison die Gründung einer Universität in diesem Staat.

Finanzielle Probleme zwangen ihn nach dem Tod seiner Frau, seinen Besitz aufzugeben und zu seiner Tochter nach New York zu ziehen. Dort starb er am 4. Juli 1831 vermutlich an den Folgen einer Malariaerkrankung, die er sich in den Sümpfen des Mississippi River zugezogen hatte. Er wurde in New York begraben. Erst Jahre später überführte man seine sterblichen Überreste nach Virginia.

JOHN QUINCY ADAMS

* 11. Juli 1767 in Braintree, Massachusetts

† 23. Februar 1848 in Washington, D. C.

6. Präsident der USA (1825–1829) – Föderalist/Demokrat-Republikaner/Nationalrepublikaner

»Dies ist der letzte Tag auf Erden, ich bin zufrieden.«

(JOHN QUINCY ADAMS LETZTE WORTE

VOR SEINEM TOD AM 23. FEBRUAR 1848)

Schon John Quincy Adams’ Vater hatte als zweiter Präsident der Vereinigten Staaten das höchste Amt des Landes bekleidet, und wie er begann auch sein Sohn nach einer vorzüglichen schulischen Ausbildung mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Dieses schloss er 1787 an der Harvard University ab und war zunächst als Anwalt in Boston, Massachusetts, tätig.

Beide Eltern waren begeisterte Befürworter der amerikanischen Unabhängigkeit und konnten auch ihren Sohn für die darin verkörperten Ideale begeistern. Sicher auch deshalb, da John Quincy Adams, der am 11. Juli 1767 in Braintree, Massachusetts, geboren worden war, schon als Kind die Gefechte im nahegelegenen Bunker Hill miterlebte, mit denen 1775 der Unabhängigkeitskrieg eröffnet worden war. Schon früh hatte er das Privileg, seinen Vater auf dessen diplomatischen Reisen nach Europa begleiten zu können, was ihn zu einem fundierten Kenner der dortigen Verhältnisse werden ließ. Seine wohlhabende Herkunft machte es zudem möglich, dass er schon im jugendlichen Alter mehrere moderne Sprachen, Altgriechisch und Latein beherrschte.

John Quincy Adams war ein belesener und weltgewandter junger Mann und wurde 1794 amerikanischer Botschafter in den Niederlanden, nachdem er in unter Pseudonymen veröffentlichten Streitschriften die Neutralitätspolitik George Washingtons in den europäischen Revolutionskriegen verteidigt hatte. Dieser wurde auf den jungen Mann aufmerksam und entsandte ihn anschließend auch noch in diplomatischen Missionen nach Berlin, Sankt Petersburg, Lissabon und London. John Quincy Adams war maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt, die 1814 zum Friedensschluss im britisch-amerikanischen Krieg führten. In London hatte er 1797 die Tochter des amerikanischen Konsuls, Louisa Catherine Johnson, geheiratet. Sie war in England aufgewachsen und lernte die Vereinigten Staaten erst nach ihrer Hochzeit kennen. Die beiden hatten drei Söhne, von denen einer auch die Karriere im diplomatischen Dienst wählte.

John Quincy Adams stand politisch anfangs den Föderalisten nahe und verdankte ihnen 1803 auch die Wahl in den Senat von Massachusetts. Doch schon bald wandte er sich von seinen einstigen politischen Gesinnungsgenossen ab und begann, die Embargopolitik Thomas Jeffersons zu unterstützen. Dies führte allerdings innerhalb eines halben Jahres zu seinem Rücktritt vom Amt. Bei der Kandidatur für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus blieb er ebenfalls erfolglos.

1817 berief ihn allerdings Präsident James Monroe als Außenminister ins Kabinett, wo er außergewöhnlich erfolgreiche Arbeit leistete. Es gelang ihm, ein Abkommen mit Großbritannien über offene Fischerei- und Grenzfragen zu erzielen, mit dem »Adams-Onís-Vertrag« von 1819 die Eingliederung von Florida voranzutreiben, welches bis dahin spanisches Hoheitsgebiet gewesen war, und die Territorialansprüche der USA soweit nach Westen auszudehnen, dass der Pazifische Ozean erreicht werden konnte. Dies öffnete die Tür für regen Handel mit den Ländern im pazifischen Bereich.

1824 standen neue Präsidentenwahlen an, bei denen keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Wahlmännerstimmen erreichen konnte. Damit war das Repräsentantenhaus am Zug, welches sich, für viele überraschend, für John Quincy Adams und nicht seinen ursprünglich aussichtsreicheren Kontrahenten Andrew Jackson, der eigentlich mehr Stimmen bekommen hatte, entschied. John Quincy Adams’ Wahlerfolg glich allerdings eher einem Pyrrhussieg, denn alle seine Gegner schlossen sich zusammen und stärkten Andrew Jackson den Rücken. Als Folge davon gab es in der Administration große Spannungen und intensive Parteikämpfe. General Andrew Jackson war populärer als der Präsident und schien bereits als dessen Nachfolger auserkoren zu sein. Auch der Kongress war ganz auf die nächsten Präsidentenwahlen von 1828 ausgerichtet und erwies sich als Hemmschuh für viele Pläne der neuen Staatsverwaltung. John Quincy Adams war dennoch während seiner gesamten Amtszeit bestrebt, die sektorale und parteipolitische Zerrissenheit zu harmonisieren und die nationale Integration voranzutreiben.

Die amerikanische Wirtschaft war im Wachstum begriffen, und 1828 begann der Bau der ersten Passagiereisenbahnlinie, die zwanzig Jahre später fertig gestellt wurde. John Quincy Adams hatte zudem geplant, den Straßen- und Kanalbau voranzutreiben, die Häfen auszubauen und das Patentwesen zu verbessern. Weder Kongress, noch Öffentlichkeit waren allerdings bereit, diese Reformbestrebungen mitzutragen. Somit wurde von diesem ehrgeizigen Programm nur wenig umgesetzt. 1828 wurde ein Zolltarif eingeführt, der die heimische Industrie besonders in Neuengland schützen sollte. Zusätzliche Zollbelastungen für den Import von Rohmaterialien provozierten speziell im Süden entrüstete Ablehnung. South Carolina und später auch Georgia, Mississippi und Virginia erklärten den Tarif für verfassungswidrig und daher ungültig.

Außenpolitisch war John Quincy Adams bestrebt, günstige Handelsbedingungen mit anderen Nationen zu erzielen und die Neutralitätsrechte der USA zu sichern. Er schloss Abkommen mit England, Frankreich, Dänemark, Holland und Österreich ab und unterzeichnete ein Grenzabkommen mit Mexiko.

Bei den 1828 stattfindenden Präsidentschaftswahlen errang Andrew Jacksons einen eindeutigen Wahlsieg über John Quincy Adams, nicht zuletzt deshalb, weil während der Präsidentschaft von John Quincy Adams ein allmählicher Übergang zur Massendemokratie erfolgt war. Viele Bundesstaaten hatten nämlich inzwischen die Erfordernisse eines Mindestvermögens als Grundlage für das Recht zu wählen aufgegeben, weshalb sich im Jahr 1828 die Anzahl der männlichen Wähler – Frauen und freigelassene Sklaven hatten noch kein Wahlrecht – verdreifacht hatte. Diese stimmten zu großen Teilen für den populären Kriegshelden Andrew Jackson.

John Quincy Adams kehrte mit seiner in der Ehe unglücklichen und an Depressionen leidenden Frau enttäuscht nach Massachusetts zurück und widmete sich dem Lesen und Schreiben. So übersetzte er beispielsweise Gedichte der deutschen Romantik ins Englische. 1831 bewarb er sich noch ein weiteres Mal für ein politisches Amt und zog mit einem Abgeordnetenmandat als Vertreter der Nationalrepublikaner ins Repräsentantenhaus in Washington ein, wo er bis zu seinem Tod am 21. Februar 1848 als Kongressabgeordneter aktiv blieb. Er war zudem Vorsitzender eines Wirtschaftsausschusses, widmete sich der Indianerproblematik, trat entschieden für Bürgerrechte ein und verurteilte bis zu einem gewissen Grad auch die Sklaverei. Sein Versuch, 1834 zum Gouverneur von Massachusetts gewählt zu werden, scheiterte. Als Erfolg konnte er hingegen seine anwaltliche Vertretung von Sklaven in den Amistad-Prozessen verbuchen, denen es gelungen war, von spanischen Sklavenschiffen in die USA zu flüchten. Der Supreme Court entschied, dass sie nicht an Spanien ausgeliefert werden durften, sondern als freie Menschen in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Am 23. Februar 1848 starb John Quincy Adams im Alter von achtzig Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde in seinem Heimatort in Massachusetts begraben. So erfolgreich er als Außenminister in der Administration James Monroes war, so wenig glanzlos verlief seine eigene Präsidentschaft. Als Politiker im Außenamt kamen ihm seine Intellektualität und Rationalität sehr gelegen, als Präsidenten machten ihn diese Eigenschaften allerdings wenig beliebt. Obwohl er sich bisweilen sogar von den eigenen Gefolgsleuten entfremdete, bewahrten ihm seine Unparteilichkeit und Prinzipientreue dennoch Respekt und Ansehen.

ANDREW JACKSON

* 15. März 1767 in der Waxhaw Region in South Carolina

† 8. Juni 1845 in Nashville, Tennessee

7. Präsident der USA (1829–1837) – Demokrat

»Es gibt keine notwendigen Übel in einer Regierung. Ihre Übel existieren nur durch ihren Missbrauch.«

(ANDREW JACKSON IM ZUGE SEINES VETOS GEGEN DIE

»SECOND NATIONAL BANK« AM 10. JULI 1832)

Andrew Jackson, der erste Präsident der USA, der nicht den einflussreichen, wohlhabenden Kreisen der Ostküste entstammte, sondern in sehr einfachen familiären Verhältnissen aufwuchs, wurde am 15. März 1767 in South Carolina geboren. Seine Eltern waren Immigranten aus dem heutigen Nordirland. Die früh verwitwete Mutter musste ihre drei Söhne alleine aufziehen. Auch sie starb schon in jungen Jahren an Cholera und ließ Andrew Jackson noch im Teenageralter als Vollwaisen zurück. Er genoss nur eine geringe Schulbildung, da er beschloss, gegen die britischen Truppen zu kämpfen, die in South Carolina einmarschiert waren. Kurzfristig geriet er sogar in britische Gefangenschaft, kam dann aber im Rahmen eines Gefangenenaustausches frei.

Anschließend hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und begann, Rechtswissenschaften zu studieren. 1787 erhielt er die Befugnis, als Anwalt in Nashville, Tennessee, zu praktizieren. Wenig später nahm er seine Tätigkeit als Staatsanwalt für den West District von North Carolina auf.

Tennessee wurde 1796 als neuer Staat in die Union aufgenommen und war geprägt von seiner Lage im westlichen Grenzgebiet. Andrew Jackson war ein typischer Mann dieser Region und in jungen Jahren ungehobelt, mit rauen Manieren und zweifelhaftem Ruf als Raufbold und Spieler. 1791 heiratete er Rachel Donelson Robards, deren Scheidung von ihrem ersten Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtskräftig war. Aus diesem Grund wiederholten sie drei Jahre später ihre Eheschließung. Der Vorwurf der Bigamie konnte nie ganz beseitigt werden und war 1828 auch ein Hauptthema der Presse beim Wahlkampf für das Präsidentenamt. Andrew Jackson und seine Frau hatten keine eigenen Kinder, adoptierten aber 1809 einen ihrer Neffen und nannten ihn nach dem Adoptivvater. Andrew Jackson betätigte sich eine Zeit lang als Unternehmer und Spekulant und kaufte 1795 ein Landgut in Tennessee, das er auch selbst bewirtschaftete. Er widmete sich vornehmlich dem Baumwollanbau und der Pferdezucht.

Seine politische Karriere begann 1796 als Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung des neuen US-Staates Tennessee. Anschließend wurde er Kongressabgeordneter und ging später für einige Monate als Senator nach Washington. Er stand zwar grundsätzlich in seiner politischen Überzeugung Thomas Jefferson und dessen Demokraten-Republikanern nahe, einige Differenzen mit dem amtierenden Präsidenten veranlassten ihn aber, sich vorübergehend dem politischen Leben zu entziehen. Zurück in Tennessee bekleidete er dann bis 1804 das Amt eines Richters am Obersten Gerichtshof dieses Bundesstaates. Sein aufbrausender Charakter verleitete ihn am 30. Mai 1806 dazu, in einem Duell den Anwalt Charles Dickinson, von dem er sich beleidigt fühlte, zu töten. Andrew Jackson selbst wurde ebenfalls verletzt und musste seitdem mit einer Kugel im Brustkorb leben. Es sollte nicht die einzige Auseinandersetzung bleiben. Eine Schussverletzung, die er sich bei einer weiteren Querele zugezogen hatte, trug dazu bei, dass Andrew Jackson von ständigen Schmerzen im Unterleib gequält wurde.

Der britisch-amerikanische Krieg von 1812 war für ihn der Beginn einer beeindruckenden militärischen Laufbahn, die ihm im ganzen Land Ruhm einbrachte und den Beinamen »Old Hickory« verlieh. Er erhielt den Oberbefehl über alle Milizen von Tennessee und fügte den Creek-Indianern im heutigen Alabama eine vernichtende Niederlage zu. In den Friedensverträgen nahm er ihnen große Teile ihres Landes weg. Daraufhin wurde er 1814 zum Generalmajor der offiziellen Armee der Vereinigten Staaten im Krieg gegen die Briten ernannt. Er rückte nach Florida vor und nahm Pensacola ein. Auch bei der Verteidigung von New Orleans war er erfolgreich. Obwohl der Krieg außer großen Verlusten wenig bewirkt oder gar geklärt hatte, wurde der Sieg fanatisch gefeiert, und Andrew Jackson stieg zum Nationalhelden auf.

Im Dezember 1817 übertrug Präsident James Monroe Andrew Jackson die Aufgabe, militärisch gegen die Seminolen-Indianer, die im Grenzbereich zwischen Georgia und Spanisch-Florida lebten, vorzugehen. Wie die meisten Siedler Tennessees war auch Andrew Jackson bestimmt von Hassgefühlen gegen Indianer und Spanier. Er war überzeugt davon, dass weiße Siedler und Indianerstämme nicht friedlich zusammen leben könnten. Mit Härte und Grausamkeit führte er daher den Krieg gegen die Seminolen.

1819 erwarben die USA Florida von den Spaniern und zwei Jahre später wurde das Amt des dortigen Militärgouverneurs an Andrew Jackson übertragen. Nach nur vier Monaten kehrte er allerdings wieder nach Tennessee zurück und wurde von 1823 bis 1825 erneut US-Senator für diesen Staat.

1824 wurde Andrew Jackson von seinen Freunden in Tennessee als Präsidentschaftskandidat nominiert. Obwohl er bei der Wahl die meisten Wählerstimmen erhalten hatte, wurde im Endeffekt dennoch John Quincy Adams vom Kongress zum Präsidenten gewählt. Keinem der vier Kandidaten der Demokratisch-Republikanischen Partei – weder Andrew Jackson, noch John Quincy Adams, William Crawford oder Henry Clay – war es nämlich gelungen, die notwendige Mehrheit an Stimmen bei den Wahlmännern auf sich zu vereinen. Der Wahlverlierer Andrew Jackson bezichtigte den Gewinner John Quincy Adams der Absprache und Korruption, woraufhin sich die Partei spaltete. Somit bildete sich ein neues Zwei-Parteien-System in den USA heraus. Auf der einen Seite waren die Demokraten Andrew Jackson und van Buren, die hauptsächlich von den Siedlern im Westen und Süden des Landes und von Farmern, Handwerkern und Arbeitern, aber teilweise auch Plantagenbesitzern unterstützt wurden. Die National-Republikanische Partei um John Quincy Adams fand ihre Gefolgschaft eher unter den Bewohnern des Ostens, der Neuengland-Staaten und in den etablierten Kreisen des Großbürgertums.

In der Wahl von 1828, also vier Jahre nach seiner Niederlage gegen John Quincy Adams, kandidierte Andrew Jackson abermals für das Amt des Präsidenten. Diesmal gelang es ihm, seinen Gegner mit deutlicher Mehrheit zu besiegen. Die politischen Programme der Kontrahenten unterschieden sich nicht wirklich. Beide sprachen sich für Schutzzölle aus und wollten die innere Situation des Landes verbessern. Ausschlaggebend waren vielmehr die Persönlichkeiten der beiden Kandidaten. Auf der einen Seite war der intellektuelle, reservierte John Quincy Adams und auf der anderen Seite der kriegserfahrene Andrew Jackson, der mit seiner sozialen Herkunft, seinem ungehobelten Auftreten, aber auch seinen persönlichen Ansichten vielen Wählern wesentlich näher stand als sein politischer Gegner, der es weitaus schlechter verstand, die demokratischen Ansprüche des neuen Zeitalters zu verkörpern. Noch bevor Andrew Jackson das Amt des Präsidenten antrat, erlitt er mit dem plötzlichen Tod seiner Frau Rachel einen schlimmen Schicksalsschlag, den er trotz extremer Härte sich selbst und anderen gegenüber nur schwer verkraftete.

Andrew Jackson begann seine Präsidentschaft als Volksheld, er präsentierte sich als Mann der Massen und Repräsentant ihrer kleinbürgerlichen Interessen. Die Rolle der First Lady wurde anfangs von seiner Nichte und später von der Frau seines Adoptivsohnes übernommen. Andrew Jackson gehörte nicht zum politischen Establishment und seine zwei Amtszeiten bedeuteten eine wichtige Wende für das höchste Amt des Staates. Während seiner Präsidentschaft gab es auch verschiedene politische Neuerungen, wie zum Beispiel die Einführung des »Spoil-Systems«, mittels dessen festgelegt wurde, dass die Bundesbürokratie nach Präsidentschaftswahlen personell neu und mit Parteimitgliedern zu besetzen sei. Eine weitere Neuerung im Zusammenhang mit der Nominierung von Präsidentschaftskandidaten geht ebenfalls auf Andrew Jacksons zurück, da die Parteien ihre Kandidaten seit 1832 auf einem nationalen Konvent nominieren.

Andrew Jackson berief Beamte ab, die er für korrupt oder ungeeignet hielt und besetzte die Posten neu. Dabei bewies er keine glückliche Hand, da er zu häufig Stellen an Personen vergab, denen er sich zu Dank verpflichtet fühlte. Das in der Öffentlichkeit als unmoralisch wahrgenommene Verhalten der Ehefrau seines Kriegsministers, John Henry Eaton, einem politischen Freund und Verbündeten Andrew Jacksons aus Tennessee, die nach Meinung des Washingtoner Establishments zu schnell nach dem Tod ihres ersten Mannes wieder geheiratet hatte, löste sogar eine schwere Kabinettskrise aus. Die Administration spaltete sich in Verteidiger und Gegner der Frau, was die Regierung schwer belastete und schließlich 1831 zum Rücktritt John Henry Eatons führte. Die Affäre hatte auch zu einer Entfremdung zwischen Andrew Jackson und seinem Vizepräsidenten John C. Calhoun geführt. Angesichts dieser Vorfälle richtete der Präsident das sogenannte »Kitchen-Cabinet« ein. Dabei handelte es sich um eine informelle Beratergruppe rund um den Präsidenten, deren Einfluss oft jenen von offiziellen Kabinettsitzungen überstieg. Die Mitglieder waren Andrew Jackson gegenüber absolut loyal. Nach dem Rücktritt John Henry Eatons bildete Andrew Jackson sein Kabinett vollständig um und besetzte es ausschließlich mit engen Vertrauten. Seit damals kommt dem Kabinett in erster Linie die Funktion eines ausführenden Organes der Beschlüsse des Präsidenten zu.

1830 unterzeichnete Andrew Jacksons den »Indian Removal Act«, mit dem Indianerstämme gezwungen wurden, einen Großteil ihres Landes aufzugeben und sich im fernen Westen neu anzusiedeln. Die meisten Stämme unterwarfen sich dieser Entscheidung und nur wenige, wie die Seminolen in Florida oder die Cherokees in Georgia, leisteten Widerstand. Natürlich hatten sie gegen die Übermacht der Armee keine Chance und wurden, nachdem sie große Verluste erlitten hatten, gewaltsam nach Oklahoma umgesiedelt. Andrew Jacksons Ziel war es, das »Indianerproblem« zu lösen, um mehr Land für die weißen Siedler zu schaffen. Da er ein Zusammenleben mit den Indianern für unmöglich hielt, schien ihm die Vertreibung der Stämme die einzige Möglichkeit zu sein. Für die betroffenen Indianer hatte diese Politik katastrophale Folgen. Viele von ihnen starben im Zuge der Umsiedlung auf dem »Pfad der Tränen« an Krankheiten und unzureichender Versorgung. Diese Entscheidung Andrew Jacksons wird bis heute in der amerikanischen Geschichtsschreibung heftig kritisiert.

Weitaus positiver sieht man hingegen seine Bewältigung der »Nullifikationskrise«. Einige der südlichen Staaten, allen voran South Carolina, wehrten sich auch weiter gegen den noch von John Quincy Adams unterzeichneten Bundeszolltarif. Wieder drohte das Auseinanderbrechen der Union. Erschwerend kam die gegensätzliche Haltung von Andrew Jackson und seinem Vizepräsidenten John Calhoun hinzu, der sich öffentlich für die Interessen der Südstaaten stark machte. Er war es auch, der die »Nullifikationstheorie« propagierte, die besagte, dass die einzelnen Staaten das Recht hätten, Handlungen der Bundesregierung für ungültig zu erklären, die gegen ihre eigenen Interessen gerichtet waren. South Carolina erklärte daraufhin 1832 die Bundeszolltarife von 1818 und 1828 und einen neuen Tarif von 1832 für ungültig und beschloss, im Falle einer Gewaltanwendung durch den Bund, aus der Union auszutreten. Andrew Jackson reagierte wohlüberlegt und rational und verhinderte so das Schlimmste. Er kündigte eine Reduzierung der Zollsätze an, betonte aber zugleich, dass er entschlossen sei, die Rechte der Union und der Bundesregierung auch militärisch zu schützen. Als er jedoch am 5. Dezember 1832 mit überzeugender Mehrheit wieder zum Präsidenten gewählt wurde, wandte er sich entschieden gegen die Nullifikation und sprach den Staaten das Recht ab, aus der Union auszuscheiden. Ein vom Kongress verabschiedeter Kompromiss in Hinblick auf den Zolltarif wurde von den meisten Staaten des Südens akzeptiert und zwang auch South Carolina letztendlich zum Einlenken.

Die im Jahr 1816 für zwanzig Jahre gegründete Bank der Vereinigten Staaten war Ausdruck der etablierten Interessen der wohlhabenden Bevölkerung der USA. Für Siedler im Westen wie Farmer, aber auch Arbeiter in den Städten, war die Bank eine Institution, die für sie unerschwingliche Kredite verlieh. Somit wurde sie zum Begriff wirtschaftlicher Machtkonzentration und dies ausgerechnet zu einer Zeit, als sich die Gesellschaft zu egalisieren begann. Politisch war die Bank in den Kreisen der etablierten Ostküste rund um Henry Clay angesiedelt und national-republikanischen Idealen verbunden. Andrew Jackson war ein politischer Gegner Henry Clays und entschloss sich 1832 zu einem Veto gegen die vom Kongress geplante Verlängerung der Banklizenz. Nach einer gewissen Zeit unterstützte auch das Repräsentantenhaus die Politik des Präsidenten, weshalb die Nationalbank 1836 ihre Tätigkeit einstellen musste.

Präsident Andrew Jackson hatte sich gegen Ende seiner Amtszeit auch verstärkt außenpolitischen Problemen zu stellen. 1836 wurde nach einigen Kämpfen die Unabhängigkeit der Republik Texas ausgerufen, die sich von Mexiko abgespalten hatte. Jahre später, als Andrew Jackson schon lange nicht mehr im Amt war, sollte er sich noch massiv für die Annexion von Texas einsetzen.

Anfang 1835 blieb er, auf den von einem Geisteskranken zwei Pistolenschüsse aus nächster Nähe abgefeuert wurden, unverletzt. Dies war das erste Attentat auf einen amerikanischen Präsidenten. Ein Jahr später entschied sich Andrew Jackson, der zu diesem Zeitpunkt mit siebzig Jahren der älteste amtierende Präsident war, gegen eine neue Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl. Er zog sich nach der Amtseinführung des von ihm unterstützten neuen Präsidenten Martin Van Buren auf seine Plantage nach Tennessee zurück, wo er mit gesundheitlichen Problemen und den Schulden seines Adoptivsohnes zu kämpfen hatte. Dort starb er auch am 8. Juni 1845 im Alter von achtundsiebzig Jahren.

MARTIN VAN BUREN

* 5. Dezember 1782 in Kinderhook, New York

† 24. Juli 1862 in Kinderhook, New York

8. Präsident der USA (1837–1841)

» Ich bin gegen alle Allianzen, gegen alle bewaffneten Bündnisse, gegen Bündnisse jeder Art.«(Martin Van Buren in einer Rede an den Senat, 1825)

Martin Van Buren wurde am 5. Dezember 1782 in einem kleinen Ort im Staate New York als drittes von fünf Kindern niederländischer Farmer geboren. Er war bis heute der einzige Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Muttersprache nicht Englisch war. Martin Van Buren wuchs in einfachen Verhältnissen auf, weshalb ihm eine gute Schulbildung versagt blieb. Mit vierzehn Jahren begann er, als Gehilfe in einer Anwaltspraxis zu arbeiten, und eignete sich erste juristische Kenntnisse an, die er später während seiner Tätigkeit in einer Kanzlei in New York City erweiterte. Damit erlangte er 1803 selbst die Zulassung als Anwalt. Wenig später kehrte er in seinen Heimatort zurück und begann, dort als Partner in der Anwaltskanzlei seines Halbbruders zu wirken, bevor er seine Karriere in einer Praxis in Hudson, New York, fortsetzte. 1807 heiratete er seine Cousine Hannah Hoes, die ihm vier Söhne gebar, allerdings schon zwölf Jahre später verstarb.

Als erfolgreicher Anwalt war Martin Van Buren seit 1807 auch mit Aktivitäten für die Demokratisch-Republikanische Partei betraut und wuchs so langsam in die Welt der Politik hinein. Ein Jahr später bekleidete er als Richter im Columbia County sein erstes politisches Amt, bevor er in den Staatssenat von New York gewählt wurde, dem er bis 1820 angehören sollte. Er war ein Befürworter des britisch-amerikanischen Krieges von 1812 und forderte als einer der ersten Politiker die Abschaffung von Gefängnisstrafen für zahlungsunfähige Schuldner. Zudem engagierte er sich auch aktiv für eine Wahlrechtsreform im Staate New York. Von 1821 bis 1829 war er als Senator in Washington tätig. Er gewann als Gegner der Politik von Präsident John Quincy Adams weiter an politischem Profil und wurde zu einem eifrigen Unterstützer des Demokraten Andrew Jackson. Tatkräftig unterstütze er ihn im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 1828. Zur selben Zeit gelang Martin Van Buren selbst ein Sieg bei den Gouverneurswahlen in New York. Damit sicherte er die Stimmen für Andrew Jackson in diesem Bundesstaat und begünstigte dessen Wahlsieg.

Den Posten des Gouverneurs hatte Martin Van Buren nur für wenige Monate inne, da ihn Andrew Jackson im März 1829 als Außenminister in sein Kabinett holte. In dieser Funktion gelang es Martin Van Buren, einen Handelsvertrag mit der Türkei abzuschließen, der den USA Rechte am Schwarzen Meer zusicherte. Mit England wurde der Handel in der Karibik geregelt und mit Frankreich vereinbarte er Reparationszahlungen für die Napoleonischen Kriege.

Martin Van Buren wurde zu einem engen Vertrauten des Präsidenten und gehörte auch dessen »Kitchen Cabinet« an, wie die engsten Vertrauten des Präsidenten bezeichnet wurden. Martin Van Buren stand auch in der »Petticoat Affäre«, die die Regierung zu zerreißen drohte, ganz hinter dem Präsidenten. Im Rahmen dieses Skandals, welcher sich bis in die höchsten politischen Kreise zog, heiratete der Senator und spätere Kriegsminister John Henry Eaton nach dem Tod seiner Frau die junge Witwe Margaret O´Neill Eaton. Trotz positiver Haltung des Präsidenten erschien den gehobenen politischen Kreisen Washingtons die Trauerzeit der Frau nach dem Tod ihres Mannes (Suizid) zu kurz, und sie provozierten einen Skandal. Besonders die Frau von Vizepräsident John C. Calhoun, Floride Calhoun, engagierte sich gegen die neue Frau John Eatons. Die Affäre nahm so massive Ausmaße an, dass sie die Regierung spaltete und 1831 fast das gesamte Kabinett von Andrew Jackson zurücktrat. Um die Umbildung der Regierung nicht zu behindern, trat auch Martin Van Buren aus eigenen Stücken und in loyaler Verbundenheit mit dem Präsidenten zurück, der ihn daraufhin zum Botschafter in Großbritannien ernannte. Für dieses Amt verweigerte der Senat allerdings seine Zustimmung. Dies schien das Ende von Martin Van Burens politischer Karriere zu sein. Doch Präsident Andrew Jackson hielt an ihm fest, und so wurde er 1832 als Vizepräsidentschaftskandidat nominiert. Nach dem Wahlsieg von Andrew Jackson übernahm Martin Van Buren in den Jahren von 1833 bis 1837 das Amt des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. Er blieb auch weiterhin Andrew Jacksons engster Berater und war während seiner Amtszeit hauptsächlich mit der Vermittlung zwischen den Interessen der Nord- und Südstaaten in der Frage der Schutzzölle befasst.

Mit Andrew Jacksons Unterstützung gewann Martin Van Buren 1836 dann auch die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Seine parteipolitischen Gegner waren die Mitglieder der neuen Whig-Partei, die sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Deshalb gingen mehrere Kandidaten ins Rennen, das letztendlich Martin Van Buren für sich entscheiden konnte.

Als neuer Präsident und erster in diesem Amt, der den Unabhängigkeitskrieg nicht mehr selbst erlebt hatte, hatte er nicht nur eine pragmatischere Einstellung zu Großbritannien als seine Vorgänger, sondern sah in politischen Parteien auch ein entscheidendes Instrument für die Sicherung einer demokratischen Ordnung.

Martin Van Buren hielt an den Idealen der Demokratischen Partei fest und war überzeugt davon, dass eine bundesstaatliche Einflussnahme beschränkt bleiben und die Rechte der Einzelstaaten gestärkt werden sollten. Er beließ den Mitarbeiterstab fast unverändert, in erster Linie, um Ressentiments im Zuge von Neubesetzungen zu verhindern und die Partei, die durch die »Petticoat Affäre« nach wie vor gespalten schien, nicht weiteren Spannungen auszusetzen. Martin Van Buren war auch um einen Ausgleich der Nord- und Südstaaten in der Sklavenfrage bemüht. Er unterstützte die Anti-Sklaven-Aktivitäten des Nordens nicht, sprach sich aber auch gegen die Annexion von Texas aus, das 1836 von Mexiko unabhängig geworden war. Damit wollte er das Gleichgewicht von sklavenfreien und sklavenhaltenden Staaten im Kongress nicht gefährden. Martin Van Buren strebte zudem eine Verbesserung der politischen Beziehungen zu Mexiko an und verfolgte die Idee, eine Schiedskommission über die strittigen Ansprüche gegen Mexiko entscheiden zu lassen. Damit sicherte er für eine gewisse Zeit den Frieden.

Von einer Kriegserklärung gegen Großbritannien nahm er ebenfalls Abstand, als Kanada gegen die Fremdherrschaft rebellierte und es zu Übergriffen im amerikanisch-kanadischen Grenzgebiet kam. 1838 verlief die kanadische Rebellion im Sande, allerdings drohte 1839 ein neuer Konflikt mit Großbritannien über die Grenze zwischen dem amerikanischen Bundesstaat Maine und dem kanadischen Bundestaat New Brunswick. Ende des 18. Jahrhunderts war der Verlauf der Grenze im Frieden von Paris nicht exakt festgelegt, sondern nachfolgenden Verhandlungen überlassen worden. Daher kam es immer wieder zu kleineren Grenzstreitigkeiten und 1839 zu einem direkten Zusammenstoß amerikanischer und britischer Soldaten. Martin Van Buren reagierte besonnen und einigte sich mit dem britischen Botschafter auf einen Waffenstillstand. 1842 wurde dann ein offizielles Grenzabkommen im Webster-Ashburton-Vertrag unterzeichnet.

In der Indianerfrage unterstützte Martin Van Buren die gewaltsame Umsiedlung von Stämmen in Gebiete, die westlich des Mississippi lagen, und setzte damit die Politik seines Vorgängers Andrew Jackson fort. Seminolen und Cherokee Indianerstämme wurden vertrieben, wobei auf dem »Trail of Tears« viele starben. Die Seminolen, welche in Florida lebten, leisteten gegen diese Politik der Vertreibung massiven Widerstand. Dies führte zum zweiten Seminolenkrieg, der mehrere Jahre dauerte und viele Opfer forderte.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit war Martin Van Buren mit der großen Finanzkrise, die 1837 begann, konfrontiert. Wirtschaftliche und finanzielle Spekulationen hatten im ganzen Land Banken entstehen lassen, von denen nun viele geschlossen werden mussten. Dazu kamen eine hohe Inflation und eine Verknappung der Kredite, die noch auf die letzten Jahre der Präsidentschaft Andrew Jacksons zurückgingen. Die Arbeitslosigkeit stieg und weite Teile der Bevölkerung verarmten. Das ganze Land versank in einer Wirtschaftsdepression, die sogar zu Lebensmittelaufständen führte. Martin Van Buren reagierte mit dem Aufbau eines unabhängigen Depositensystems im Rahmen der staatlichen Finanzverwaltung. Sämtliche finanzielle Regierungstransaktionen hatten in Hartgeld zu erfolgen, wobei diese Maßnahmen nur wenig bewirkten.

Die langanhaltende Wirtschaftskrise war daher vermutlich auch der Grund, dass Martin Van Buren bei den Präsidentschaftswahlen im Jahre 1840 scheiterte. Die Whigs hatten sich für William Harrison als Kandidaten entschieden, der sich als bodenständig präsentierte und die Wahl mit großem Vorsprung gewann. Martin Van Buren konnte nicht einmal genug Stimmen in seinem eigenen Staat New York und in Tennessee, dem seines Freundes Andrew Jackson, sichern.

Positiv anzurechnen ist Martin Van Buren, dass es ihm während seiner Amtszeit gelungen war, den inneren und äußeren Frieden im Land aufrecht zu erhalten. Er arbeitete auch aktiv an der Neuentstehung der Demokratischen Partei mit, die sich als Nachfolgerin von Thomas Jeffersons Republikanisch-Demokratischer Partei etablieren konnte und in vieler Hinsicht das politische Erbe Andrew Jacksons antrat. Dennoch gelang es ihm, aus dem Schatten seines großen Vorgängers herauszutreten und sich ein eigenes politisches Profil zu geben.

Nach dem Ende seiner Präsidentschaft zog sich Martin Van Buren keineswegs verbittert auf seinen Landsitz in Kinderhook, New York, zurück, sondern bereitete seine Rückkehr in die Politik vor. 1844 bewarb er sich noch einmal als Präsidentschaftskandidat, allerdings wurde vor allen Dingen wegen seines Widerstandes gegen eine Annexion von Texas dem weitaus expansionistischer eingestellten James Polk der Vorzug gegeben. Als dieser zum Präsidenten gewählt wurde, bot er Martin Van Buren das Amt des Botschafters der USA in Großbritannien an, was dieser allerdings ablehnte. 1848 wurde Martin Van Buren zum Präsidentschaftskandidaten der »Free Soil Party« nominiert, einer Partei, die sich aus Anhängern der Demokratischen- und der Whig-Partei zusammensetzte und gegen die Sklaverei eintrat. Die Präsidentschaftswahlen gewann Zachary Taylor, der Kandidat der Whigs, und Martin Van Buren wurde lediglich Dritter. Allerdings war durch seine Kandidatur die Frage der Sklaverei erstmals zu einem dezidierten Wahlkampfthema geworden. Außerdem war es Martin Van Buren gelungen, einen Sieg des demokratischen Kandidaten, Lewis Cass, der ein prononcierter Befürworter der Sklaverei war, zu verhindern.

Nach seinem endgültigen Rückzug aus dem politischen Leben unternahm Martin Van Buren eine ausgedehnte Europareise und widmete sich der Verfassung seiner Autobiographie, die er jedoch nie beendete. Er erlebte noch den Ausbruch des Bürgerkrieges und stellte sich ganz auf die Seite von Abraham Lincoln und der Union. Martin Van Buren starb am 24. Juli 1862 im Alter von neunundsiebzig Jahren an einem Asthmaleiden und wurde in seinem Wohnort Kinderhook, New York, beigesetzt.

WILLIAM HENRY HARRISON

* 9. Februar 1773 in Berkley, Virginia

† 4. April 1841 in Washington, D. C.

9. Präsident der USA (1841–1841) – Whig

»Old Tippecanoe hatte praktisch keinen direkten Einfluss auf das Präsidentenamt selbst, aber die Methode seiner Wahl und die Umstände seines Todes waren von bleibender Bedeutung.«

Als William Henry Harrison im Alter von achtundsechzig Jahren an die Macht kam, war er der zweitälteste Präsident in der Geschichte der USA. Er starb bereits einen Monat nach der Amtsübernahme, womit seine Präsidentschaft die kürzeste war, die es bislang in den USA gab. Dieser Umstand erforderte auch erstmals die direkte Übernahme des Präsidentenamtes durch den Vizepräsidenten.

William Harrison wurde am 9. Februar 1773 als jüngstes von sieben Kindern auf einer Plantage in der damaligen Kolonie von Virginia geboren und gehörte einer angesehenen Familie aus Plantagenbesitzern und Politikern an. Sein Vater war 1776 einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung und bekleidete in den Jahren 1781 bis 1784 das Amt des Gouverneurs von Virginia. William Harrison studierte für kurze Zeit Medizin, konnte dann aber aufgrund des Ablebens seines Vaters die Studiengebühren nicht mehr begleichen und musste das Studium abbrechen.

Er trat daraufhin in die amerikanische Armee ein, um an den Kämpfen gegen die Indianer im Nordwesten des Landes teilzunehmen. Schnell stieg er zum Leutnant auf und wurde 1795 zum Kommandanten von Fort Washington ernannt. Dort lernte er auch Anna Symmes, die Tochter eines Richters kennen, die an der Ostküste aufgewachsen war. Ihr Vater zeigte sich anfangs ablehnend gegenüber einer Verbindung mit William Harrison, da ihm für seine Tochter das Leben einer Soldatengattin als zu mühsam erschien. Er akzeptierte jedoch eine Heirat, als das Paar beschloss durchzubrennen. 1797 wurde William Harrison noch ein letztes Mal befördert, bevor er ein Jahr später die Armee verließ. Mit seiner Familie zog er nach North Bend in Ohio, wo er Farmland erwarb. Nach und nach kamen seine zehn Kinder auf die Welt, wobei der 1833 geborene Enkel Benjamin Harrison später zum 23. Präsidenten der USA werden sollte.

1798 wurde William Harrison in den US-Kongress gewählt und setzte sich in dieser Funktion für die Erleichterung von Landkäufen im Nordwest-Territorium ein. Auch verfolgte er die Unterteilung des Gebietes in zwei Territorien, nämlich in Ohio und in Indiana. Präsident Adams ernannte William Harrison 1801 zum Territorial-Gouverneur von Indiana, eine Funktion, die er zwölf Jahre lang ausübte. Er erwarb auf der Grundlage verschiedener Verträge und unter dem gezielten Einsatz von Alkohol viel Land von den Indianern, denen das Konzept von Grundeigentum im Verständnis der weißen Siedler vollkommen fremd war. Damit gelangten große Teile der heutigen Bundesstaaten Illinois, Wisconsin und Missouri in staatliches Eigentum.

Durch dieses Geschäftsgebaren nahmen die Spannungen zwischen Indianern und Weißen allerdings wieder zu. Unter der Führung des legendären Häuptlings Tecumseh schlossen sich einige Indianerstämme zusammen, um gegen die weißen Siedler vorzugehen. William Harrison unterzeichnete mit anderen Stämmen, die nicht der Gruppe um Tecumseh angehörten, den Vertrag von Fort Wayne, mit dem die Indianer aber weiteres Land verloren. Tecumseh suchte daraufhin Verbündete und fand Unterstützung bei den Briten. 1811 kam es bei Tippecanoe zu einem für beide Seiten sehr verlustreichen Überraschungsangriff der Indianer. William Harrison befahl, einige Indianersiedlungen niederzubrennen, was ihm bei weiten Teilen der weißen Bevölkerung großen, wenn auch fragwürdigen Ruhm einbrachte.

Die Schlacht bei Tippecanoe, die er dank der zahlenmäßigen Überlegenheit seiner Armee gewinnen konnte, verlieh ihm auch die Bezeichnung »Washington of the West« und »Old Tippecanoe«. William Harrison hatte mit seinem Sieg nun noch weiteres Gebiet, nämlich den Landstrich zwischen dem Ohio River und den Großen Seen für die weißen Siedler dazu gewonnen. 1813 war er auch gegen die Briten, welche sich mit den Indianern verbündet hatten, in der Schlacht am Thames River siegreich. Dort fiel der große indianische Häuptling Tecumseh. William Harrison wurde zum General ernannt, schied aber 1814 wegen Differenzen mit dem Kriegsminister John Armstrong aus der Armee aus.

Anschließend zog er sich für einige Zeit auf seine Farm in North Bernd, Ohio, zurück. Einen neuen politischen Anlauf nahm er 1816, als er abermals Abgeordneter im Repräsentantenhaus in Washington wurde, wo er den Staat Ohio vertrat. Nach seiner Tätigkeit als Kongressabgeordneter wurde er Senator im Staat Ohio und von 1825 bis 1828 in den US-Senat gewählt. Zwischen 1828 und 1829 war er als Gesandter der Vereinigten Staaten in Großkolumbien tätig, wo er Rebellen unterstützte, die sich gegen die Herrschaft von Simón Bolívar auflehnten. Bevor ihn dieser des Landes verweisen konnte, wurde William Harrison vom neu gewählten Präsidenten Andrew Jackson zurückbeordert.

Wiederum folgte eine Zeit auf seiner Farm in Ohio. 1836 bewarb er sich noch erfolglos als Präsidentschaftskandidat, wurde aber vier Jahre später von den Whigs für eben diese Position nominiert. John Tyler aus Virginia war für die Vizepräsidentschaft vorgesehen, um die Stimmen des Südens zu sichern. William Harrison trat gegen den amtierenden Präsidenten Martin Van Buren an, wobei die Whigs seine Rolle als Kriegshelden hervorkehrten und auf einen ähnlichen Erfolg hofften, wie ihn ehemals Andrew Jackson erzielt hatte, der ebenfalls als Kriegsheld zum Präsidenten gewählt worden war. William Harrison trat zwar für höhere Ausgaben für die Armee, innerstaatliche Reformen und Schutzzölle ein, hatte aber kein überzeugendes politisches Programm. Dennoch half ihm die Tatsache, dass die Whigs den Wahlkampf erstmals in sehr moderner Form führten. Slogans, Lieder, Souvenirs und geschulte Redner brachten William Harrison viele Wählerstimmen ein. Zudem musste sich die Regierung Martin Van Burens die Folgen der großen Wirtschaftskrise zuschreiben lassen. Im Endeffekt siegte William Harrison daher ziemlich deutlich und war der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der zu seiner Inauguration mit der Eisenbahn anreiste. Dort hielt er mit einer Rede von zwei Stunden Dauer die längste, die es bei der Übernahme dieses Amtes jemals gab.

Nur vier Wochen nach Beginn seiner Präsidentschaft starb William Harrison 1841 an den Folgen einer Lungenentzündung und war damit der erste Präsident der USA, der im Amt den Tod fand. Er wurde durch seinen Vizepräsidenten John Tyler ersetzt, was rege Diskussionen über dessen rechtliche Stellung auslöste. Es war nämlich nicht geklärt, ob er überhaupt mit den vollen Rechten eines Präsidenten ausgestattet war. John Tyler setzte sich durch und forderte volle Rechte für sich als Präsident ein. Damit war für alle Zukunft ein Präzedenzfall geschaffen.

William Harrison wurde vorerst in Washington begraben. Seine sterblichen Überreste fanden später ihre letzte Ruhestätte in seiner Heimatstadt North Bend, Ohio. Bedeutung als Präsident erlangte er keine, da er viel zu früh verstorben war.

JOHN TYLER

* 29. März 1790 in Charles City County, Virginia

† 18 Januar 1862 in Richmond, Virginia

10. Präsident der USA (1841–1845) – Whig

»Ein Politiker von monumentaler Unbedeutsamkeit«

(BESCHREIBUNG VON JOHN TYLER DURCH DEN SPÄTEREN

PRÄSIDENTEN THEODORE ROOSEVELT)

John Tyler wurde am 29. März 1790 als sechstes von acht Kindern in Virginia geboren. Er entstammte einer wohlhabenden Familie, die große Plantagen bewirtschaftete. Sein Vater war zudem als Richter und für vier Legislaturperioden als Gouverneur von Virginia tätig. John Tyler studierte nach dem Schulbesuch am College of William and Mary und arbeitete anschließend als Rechtsanwalt.

Während des britisch-amerikanischen Krieges von 1812 wurde John Tyler zum Kommandanten einer Einsatztruppe ernannt, deren Aufgabe es war, den Bundesstaat zu verteidigen. Nach ein paar Monaten verließ er allerdings die Armee und kehrte in seine Anwaltskanzlei zurück. 1813 heiratete John Tyler Letizia Christian, die ihm acht Kinder schenkte. Er verlor seine Frau allerdings schon 1842, als sie, noch recht jung, an den Folgen eines Schlaganfalles verstarb. Zwei Jahre später heiratete er Julia Gardiner, mit der er weitere sieben Kinder hatte.

Eine Besonderheit John Tylers war sein römisch-katholischer Glaube, der im protestantisch geprägten Amerika ungewöhnlich war. Verstärkte Konflikte zwischen den angestammten Protestanten und den eingewanderten Katholiken, die vor allem aus Irland zugezogen waren, führten sogar zur Gründung einer antikatholischen Partei mit dem Namen »Know-Nothing«. John Tyler zeigte sich tolerant in religiösen Fragen und vermied jede Art von Konflikt. Von entscheidender Bedeutung für ihn war aber eine strikte Trennung von Kirche und Staat.

In den Jahren 1811 bis 1825 war er mit einer Unterbrechung von fünf Jahren für zwei Legislaturperioden Abgeordneter im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, wo er sich für einen starken Föderalismus einsetzte. Außerdem wandte er sich gegen den Missouri-Kompromiss von 1820, der ein Abkommen zwischen sklavenhaltenden und sklavenfreien Staaten war, um ihr Gleichgewicht im Kongress sicherzustellen. Nach einer Vorlage von Henry Clay wurde durch geschickte Neuaufnahmen verschiedener Staaten die Parität zwischen Nord- und Südstaaten bewahrt. John Tyler sprach sich auch gegen die durch Bundesmittel finanzierte »Internal improvements«, gegen die Bank der Vereinigten Staaten, die 1816 gegründet wurde, und gegen Schutzzölle aus.

Wie sein Vater, der eng mit Thomas Jefferson befreundet war, unterstützte auch John Tyler dessen Politik und seine Demokratisch-Republikanische Partei. Von 1825 bis 1827 bekleidete er das Amt des Gouverneurs von Virginia und wechselte anschließend in den US-Senat. Dort fungierte er 1835 auch als Vizepräsident. Nach dem Verschwinden der Demokratisch-Republikanischen Partei wandte sich John Tyler der Demokratischen Partei zu und wurde zu einem Unterstützer Andrew Jacksons. Als dieser Präsident wurde, kam es allerdings zu Differenzen mit ihm. Im Zuge der »Nullifikationskrise« nahm John Tyler zunächst eine neutrale und vermittelnde Position, dann eine offene Haltung gegen die Politik Andrew Jacksons ein. Er lehnte nämlich die militärische Erzwingung des Zolltarifes gegen South Carolina 1833 als einziger im Senat offen ab. Dies war auch der Grund, weshalb John Tyler, der als Vorkämpfer für die Rechte der Einzelstaaten galt, die Demokratische Partei verließ und sich der Whig-Partei zuwandte, die von Henry Clay aus Kentucky und Daniel Webster aus Massachusetts neu gegründet worden war.

Obwohl John Tyler selbst Sklaven hatte, wurde er 1838 zum Präsidenten der »Virginia-African-Colonization-Society« gewählt. Diese verfolgte das Ziel, einen Teil der freigelassenen Sklaven nach Afrika rückzuführen. Die Mitglieder solcher Gesellschaften setzten sich einerseits aus Gegnern der Sklaverei und andererseits aus Sklavenhaltern zusammen, die nicht wollten, dass schwarze und weiße Menschen zusammenlebten und deshalb die Deportation von befreiten Sklaven unterstützten.

Bei der Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen von 1836 noch erfolglos, wurde John Tyler 1840 von Präsident William Harrison zum Vizepräsidenten auserkoren. Ein Amt, welches er genau einunddreißig Tage bis zu dessen Ableben ausüben sollte. So war dies auch die kürzeste Vizepräsidentschaft in der amerikanischen Geschichte. Die Nachricht vom Tode des Präsidenten ereilte John Tyler 1841 auf seinem Landsitz in Williamsburg. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA war damit ein amtierender Präsident verstorben und die Präsidentschaft für die verbleibende Amtsperiode auf den bisherigen Vizepräsidenten übergegangen. Die amerikanische Verfassung sah diesen Modus zwar im Grundsatz vor, allerdings war nicht geklärt, ob John Tyler dieses Amt als vollwertiger Präsident oder nur mit präsidialen Vollmachten und Pflichten ausgestattet übernommen hatte. Einige Kongressabgeordnete vertraten die Meinung, dass John Tyler nach wie vor Vizepräsident sei und nur für die Ausführung der Geschäfte des Präsidentenamtes zuständig wäre. Dieser hingegen beharrte darauf, dass das Amt nach dem Tod des Präsidenten vollständig auf ihn übergegangen sei. Das wurde ihm 1841 durch eine Resolution des Kongresses offiziell zuerkannt, woraufhin er auch den Amtseid des Präsidenten ablegte. Damit wurde ein Präzedenzfall in der Geschichte der USA geschaffen, der die Nachfolge von Präsidenten und Vizepräsidenten klar regelte. Erst im Jahre 1967, nachdem weitere sieben Male ein Präsident im Amt verstorben war, wurde mit dem 25. Zusatzartikel zur Verfassung diese Nachfolgeregelung gesetzlich verankert. Seitdem ist auch die nachträgliche Ernennung eines Vizepräsidenten möglich. Dies war John Tyler noch nicht möglich, weshalb dieses Amt bis 1845 auch nicht besetzt war.

John Tyler plante, sein Amt in der Tradition Thomas Jeffersons weiterzuführen, wollte die Macht der Bundesregierung beschränkt und jene der Einzelstaaten gestärkt sehen und sprach sich gegen die Verwendung von Bundesmitteln für den Ausbau von Straßen und Kanälen aus. Damit war auch ein Konflikt mit Henry Clay, dem Führer der Whigs im Kongress, der gänzlich andere Ziele verfolgte, unumgänglich. John Tyler gehörte zwar der Whig-Partei an, allerdings waren seine Interessen als Angehöriger der Oberschicht der Südstaaten jenen der Nordstaaten und ihrer Industrie- und Geschäftswelt vollkommen entgegengesetzt. Als er ein Veto gegen die Gründung einer Nationalbank einlegte, einem wichtigen Anliegen der Whigs, wurde er 1841 aus der Partei ausgeschlossen. Mit Ausnahme von Außenminister Daniel Webster schieden auch sämtliche Kabinettsmitglieder aus der Regierung aus, und John Tyler war gezwungen, alle Posten mit neuen Mitarbeitern zu besetzen. Er war ein »president without a party«, gegen den 1843 sogar der Versuch unternommen wurde, ein Impeachment-Verfahren wegen Korruption und Misswirtschaft einzuleiten. Dies war allerdings erfolglos.

John Tyler wandte sich in der Folge immer mehr den Demokraten zu und machte 1844 sogar den Südstaaten-Demokraten John C. Calhoun zu seinem Außenminister. Damit hatten sich die Whigs tendenziell zu einer Nordstaatenpartei und die Demokraten zu einer Partei der Südstaaten formiert. John Tyler selbst blieb jedoch bis zum Schluss parteilos.

Außenpolitisch konnte John Tyler während seiner Amtszeit größere Erfolge verbuchen. Der Seminolenkrieg wurde 1842 beendet und mit Großbritannien konnte ein Vertrag abgeschlossen werden, in dem die Grenze zwischen dem nördlichen Bundesstaat Maine und Kanada festgelegt wurde. 1844 wurden chinesische Häfen für den amerikanischen Handel geöffnet. Auch der »Preemption Act« aus dem Jahr 1841, der Siedlern gegenüber Bodenspekulanten mehr Rechte einräumte, was die Besiedlung von Iowa, Wisconsin, Illinois und Minnesota begünstigte, wirkte sich positiv aus.

Die Südstaaten forderten wiederholt die Annektierung von Texas, was von John Tyler unterstützt, von dessen Außenminister Daniel Webster allerdings abgelehnt wurde. Dieser trat deswegen 1843 zurück. Auch der mexikanische Präsident drohte im Fall der Annexion mit Krieg. In seinen letzten Amtstagen als Präsident wurde von John Tyler die Resolution über die Annexion von Texas nach Annahme durch den Kongress unterzeichnet. Zudem bestätigte er auch noch die Aufnahme von Florida in die USA.

Eine Splittergruppe der Demokratischen Partei Baltimores nominierte John Tyler 1844 zu ihrem Präsidentschaftskandidaten. Allerdings versuchte ihn sogar der ehemalige Präsident Andrew Jackson zu überzeugen, seine Kandidatur zurückzuziehen, da er von Beginn an chancenlos war. Sein Antreten hätte allerdings dem Kandidaten der Demokraten, James K. Polk, geschadet und den Sieg Henry Clays wahrscheinlicher gemacht. Daraufhin verzichtete John Tyler und machte den Weg frei für James K. Polk, der dann auch die Präsidentschaftswahlen gewann.

Nach dem Ende seiner Amtstätigkeit zog sich John Tyler auf sein Landgut zurück. Nur wenige Wochen vor Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges versuchte er 1861, in einer Friedenskonferenz in Washington D.C. gemeinsam mit den Delegierten aus zweiundzwanzig Staaten zu einem Kompromiss zwischen dem Norden und dem Süden zu kommen. Er setzte sich für die Sezession ein und wurde auch als Mitglied in den Kongress der Konföderierten gewählt. Allerdings starb er am 18. Januar 1862 an einem Schlaganfall und wurde in Richmond, Virginia beerdigt.

JAMES K. POLK

* 2. November 1795 in Pineville, North Carolina

† 15. Juni 1849 in Nashville, Tennessee

11. Präsident der Vereinigten Staaten (1845–1849) – Demokrat

»Es ist wohl bemerkt worden, dass das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten weder angestrebt, noch abgelehnt werden sollte. Ich habe es niemals angestrebt, noch sollte ich die Ermessensfreiheit haben, es abzulehnen, falls meine Mitbürger es mir durch ihre Zustimmung übertragen sollten.«

(JAMES K. POLK, ALS ER VON SEINER NOMINIERUNG

ALS PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT ERFUHR)

James K. Polk wurde am 2. November 1795 als erstes von zehn Kindern einer strenggläubigen presbyterianischen Familie mit schottisch-irischen Wurzeln geboren. Sie zog 1806 nach Tennessee, wo es James K. Polks Vater zu relativem Reichtum als Farmer brachte. James K. Polk, der zeitlebens an gesundheitlichen Problemen litt, wurde von Privatlehrern unterrichtet und besuchte erst im Alter von achtzehn Jahren die Schule. Er war geprägt vom elterlichen Patriotismus, ihren tiefen religiösen Werten, aber auch von deren hohem politischen Interesse. James K. Polk schloss an der University of North Carolina at Chapel Hill sein Studium in klassischen Sprachen und Mathematik ab und setzte seine juristische Ausbildung bei einem Anwalt in Nashville, Tennessee fort. 1820 wurde er selbst als Anwalt zugelassen und eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei in Columbia, Tennessee. 1824 heiratete er Sarah Childress, eine hochgebildete Frau, die in der kinderlosen Ehe ihren Mann bei seinen politischen Ambitionen tatkräftig unterstütze.

1823 bekleidete James K. Polk seinen ersten politischen Posten und begann, die Politik Andrew Jacksons zu unterstützen. Bald wurde er zu einem wichtigen Vertreter der Republikanisch-Demokratischen Partei in seinem Heimatstaat Tennessee, wo er 1823 auch zum Mitglied des Abgeordnetenhauses gewählt und ein enger Mitarbeiter von Gouverneur William Carroll wurde. In dieser Funktion verurteilte er die Auswüchse der Landspekulationen und setzte sich für die Bedürfnisse der einfachen Menschen in Tennessee ein. Auch seine Frau engagierte sich sozial und sprach sich für ein frommes Leben aus, wobei sie die Teilnahme an Pferderennen und Theaterbesuchen ablehnte. Alkohol und gesellschaftliche Unterhaltung wie Tanz waren demnach auch während ihrer Funktion als spätere First Lady im Weißen Haus untersagt.

1825 zog James K. Polk als ein Abgeordneter Tennessees ins Repräsentantenhaus in Washington, D. C., ein. Dort sollte er vierzehn Jahre lang bleiben. Er lehnte die Politik von Präsident John Quincy Adams ab und sprach sich gegen Zollerhöhungen und bundesstaatliche Ausgaben für innere Angelegenheiten aus. Auch die Teilnahme der USA am Panama-Kongress im Jahre 1826 fand nicht seine Zustimmung. Dort trafen sich unabhängige, ehemals unter spanischer Kolonialherrschaft gestandene Länder Lateinamerikas, um ein Bündnis zu diskutieren, das zukünftigen Kolonialisierungsbestrebungen anderer Länder Einhalt gebieten sollte.

Nachdem Andrew Jackson 1828 zum Präsidenten gewählt worden war, unterstützte James K. Polk diesen mit großem persönlichen Einsatz und steigerte gleichzeitig den eigenen Bekanntheitsgrad. Später galt seine Unterstützung auch dessen Nachfolger Martin Van Buren. James K. Polk machte sich als Vorsitzender des »Committee of Ways and Means«, des bedeutendsten Ausschusses des Repräsentantenhauses, für die Auflösung der Nationalbank stark und wurde 1835 zum Sprecher des Repräsentantenhauses gewählt, einer Funktion, der er aufgrund seines fehlenden Charismas nur in sehr formeller und steifer Form nachkam.

Vier Jahre später gewann er die Wahl für das Amt des Gouverneurs von Tennessee. Dieser Erfolg blieb ihm bei weiteren Kandidaturen in den folgenden Jahren allerdings verwehrt. Im Zuge der Präsidentschaftswahlen von 1844 hoffte er, zum Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei nominiert zu werden und an der Seite von Martin Van Buren in den Wahlkampf zu ziehen. Nachdem sich dieser kurz vor dem Parteikonvent allerdings in einem Brief gegen die Annexion von Texas ausgesprochen hatte, der in mehreren Zeitungen abgedruckt wurde, verlor er die Unterstützung vieler Mitglieder seiner Partei, darunter auch des ehemaligen Präsidenten Andrew Jackson. Damit schlug James K. Polks große Stunde. Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte wurde er als »Dark Horse«, gleichsam als Verlegenheitskandidat ohne großen Bekanntheitsgrad und überzeugender Profilierung zum Kandidaten der Demokratischen Partei nominiert. James K. Polk sprach sich allerdings für die Aufnahme von Texas und auch des Oregon-Territoriums im Nordwesten der heutigen USA aus. Damit war für Andrew Jackson und viele andere nicht mehr Martin Van Buren der unterstützungswürdige Kandidat, sondern James K. Polk.

Er war allerdings ohne viele einflussreiche Freunde und ohne charismatische Ausstrahlung, weshalb die Whigs als Gegner im Präsidentschaftswahlkampf diesen mit dem Slogan führten: »Who is James K. Polk?«. Der Wahlkampf war erstmals in der Geschichte der USA ein sehr persönlicher, in dem sich die Kandidaten wechselseitig Verfehlungen und charakterliche Schwächen vorwarfen. In seinem Programm sprach sich James K. Polk neben der Annexion von Texas und Oregon auch für die Wiedererrichtung eines unabhängigen Schatzamtes aus, ebenso für die Reduzierung der Zolltarife und die Annexion Kaliforniens, welches damals noch ein Teil Mexikos war. Zudem versprach er für den Fall seiner Wahl zum Präsidenten auf eine zweite Amtszeit verzichten zu wollen.

Am 4. März 1845 wurde James K. Polk dann auch mit erst neunundvierzig Jahren als elfter Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Er erwies sich als starker Amtsinhaber und seine Politik war planvoll und effizient. Durch sein Versprechen, nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen, versuchte er, die rivalisierenden Gruppen in seiner Partei zu beschwichtigen. Als erster Präsident der USA war James K. Polk ein offener Befürworter der Sklaverei und hielt auch selbst Sklaven, deren Freilassung er nach seinem Tod jedoch testamentarisch verfügte. Er entschied sich dafür, Oregon als Staat ohne Sklaverei und Texas als neuen Staat mit der Genehmigung zur Sklavenhaltung in die Union aufzunehmen, und behielt so das Kräfteverhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern der Sklaverei bei.

James K. Polks Außenpolitik stand ganz im Zeichen der »Manifest Destiny«, worunter er den göttlichen Auftrag verstand, die gesamte USA zu besiedeln, die amerikanische Kultur zu verbreiten und das staatliche Territorium weiter zu vergrößern. Er versuchte, die Interessen des nördlichen und des südlichen Teiles der USA gleichermaßen zu berücksichtigen, und war bestrebt, einerseits Texas und Kalifornien, welches noch zu Mexiko gehörte, einzugliedern, aber auch die nördlichen Staaten Oregon, Washington, Idaho und Teile von Montana, Wyoming und Bereiche des heutigen kanadischen British Columbia zu amerikanischem Staatsgebiet zu machen. Dabei versuchte er, die Briten zu überzeugen, den Streit um Oregon zu beenden. Dieses Gebiet war seit 1818 unter der gemeinsamen Kontrolle beider Staaten, und Großbritannien hatte es der Verwaltung der »Hudson´s Bay Company« überlassen. James K. Polks Vorschlag, das Land entlang des 49. Breitengrades zu teilen, lehnten die Briten ab, da sie den Columbia River in ihrem Staatsgebiet behalten wollten, der mit solch einer Lösung an die USA gefallen wäre. Dort befand sich nämlich mit dem Fort Vancouver eines der wichtigsten Forts der Handelsgesellschaft. Daraufhin brach James K. Polk zunächst sämtliche Verhandlungen ab und beanspruchte wieder das komplette Gebiet für die USA. Er wollte aber Krieg vermeiden und einigte sich mit den Briten auf den Oregon-Kompromiss, der 1846 den ursprünglich vorgesehenen 49. Breitengrad als Grenze festlegte. Obwohl viele Senatoren mit dieser Lösung nicht einverstanden waren und noch immer das gesamte Gebiet beanspruchten, stimmten sie dennoch diesem Kompromiss mit großer Mehrheit zu. Das neu erworbene Oregon-Territorium wurde später in die Bundestaaten Washington, Idaho, Oregon und teilweise Montana und Wyoming unterteilt und der verbliebene britische Teil 1871 zur kanadischen Provinz British Columbia.

Die Republik Texas war 1836 ausgerufen worden, und am 1. März 1845 boten die USA dem Staat den Beitritt in die Union an. Texas akzeptierte das Angebot und wurde noch im selben Jahr zu einem Bundestaat der Vereinigten Staaten von Amerika, obwohl Mexiko Texas im Jahr 1841 nur unter der Voraussetzung zum souveränen Staat erklärt hatte, dass es unabhängig blieb. Nach der Annexion von Texas kam es daher zum Krieg mit Mexiko, das im Vorfeld die USA mehrfach gewarnt hatte, Texas zu annektieren. 1845 entsandte James K. Polk John Slidell noch in diplomatischer Mission nach Mexiko, um Kalifornien und Neumexiko abzukaufen. Mexiko verweigerte jedoch Verhandlungen über diesen Vorschlag. John Slidell kehrte erfolglos nach Washington zurück, nachdem ihm nicht einmal ein Gespräch gewährt worden war. James K. Polk sah dies als Affront und ersuchte den amerikanischen Kongress um die Kriegserklärung gegen Mexiko. 1845 entsandte er unter der Führung von General Zachary Taylor Truppen in das Grenzgebiet von Amerika und Mexiko, um auf das Land mehr Druck auszuüben. Daraufhin kam es zu ersten Kampfhandlungen mit mexikanischen Soldaten. Der Kongress erteilte James K. Polk die Zustimmung zur Kriegserklärung, nachdem mexikanische Truppen ins Grenzgebiet einmarschiert waren und amerikanische Soldaten getötet hatten. Dabei schilderte James K. Polk den Vorfall als wesentlich dramatischer, als er sich überhaupt ereignet hatte, und trotz einiger Bedenken diverser Kongressabgeordneter, beispielsweise Abraham Lincolns, stimmte der Kongress einer Kriegserklärung zu.

Daraufhin wurde 1847 New Mexico von amerikanischen Truppen erobert, und nach einem Aufruhr amerikanischer Bürger in Kalifornien entschloss sich der Präsident, die Armee auch dort einmarschieren zu lassen. Aufgrund des Beginns des kalifornischen Goldrausches stieg die Bevölkerung sprunghaft an. Teile Kaliforniens waren zu diesem Zeitpunkt noch mexikanisches Staatsgebiet. Seit 1836 lebten die Menschen dort in einem Ausnahmezustand, da sie hauptsächlich Amerikaner waren und von mexikanischen Gouverneuren regiert wurden, die sie nicht akzeptierten. Vielmehr setzten sie sich für ein unabhängiges Kalifornien ein. Noch im selben Jahr wurde Los Angeles besetzt und wenig später standen amerikanische Truppen vor der Hauptstadt Mexikos. Daraufhin wurde 1848 der Vertrag von Guadalupe Hidalgo ausgehandelt, durch den zwar nicht die vollständige Annektierung Mexikos erfolgte, wie viele Amerikaner auch in James K. Polks eigener Partei gefordert hatten, aber zumindest der Verlust von Texas anerkannt. Dadurch vergrößerte sich das amerikanische Staatsgebiet um ein ganzes Drittel, und Mexiko verkleinerte sich um mehr als die Hälfte. Aus den neuerworbenen Gebieten wurden 1850 Kalifornien, das New Mexico-Territorium und das Utah-Territorium gebildet. Dafür erhielt Mexiko eine Entschädigung von fünfzehn Millionen Dollar, was wesentlich weniger war, als dem Land vor dem Krieg angeboten worden war. Zudem hatten zehntausend Mexikaner und viele Amerikaner im Krieg ihr Leben verloren. Nach Beendigung des Krieges mit Mexiko wurde dem verantwortlichen General Zachary Taylor einige Zeit lang eine Auszeichnung vom Kongress verweigert, da dieser Krieg von vielen als unnötig und verfassungsfeindlich betrachtet worden war.

James K. Polk setzte sich auch das Ziel, über den Verkauf von Kuba zu verhandeln, und bot Spanien dafür hundert Millionen US-Dollar an. In Kuba war die Sklaverei erlaubt, weshalb sich speziell die Südstaaten für eine Annektierung der Insel aussprachen. Die spanische Regierung lehnte das amerikanische Angebot allerdings ab, weshalb das Vorhaben scheiterte. 1846 schloss James K. Polk mit der Regierung von Neu-Granada in Bogotá, dem späteren Kolumbien, ein Abkommen, das den USA Durchfahrtsrechte durch die Meerenge von Panama gewährte. Dafür bot Amerika die Neutralität dieser Region und die Souveränität von Neu-Granada über diese Landenge an.

Innenpolitisch versuchte James K. Polk das unabhängige Treasury-System wieder herzustellen, das 1841 von den Whigs aufgehoben worden war. Damit wurden die Staatsfinanzen geregelt und festgelegt, dass das gesamte Geldvermögen der Bundesregierung in Schatzämtern und damit unabhängig von privaten Bankinstitutionen deponiert werden sollte. Zudem mussten alle Regierungsschulden in Gold- und Silbermünzen oder in Bundesschatzamt-Banknoten bezahlt werden. James K. Polk legte gegen ein Fluss- und Hafengesetz des Kongresses sein Veto ein, da seiner Meinung nach die in diesem Gesetz geplanten »Internal Improvements«, also die infrastrukturellen Verbesserungsmaßnahmen aus Bundesmitteln, nicht verfassungskonform waren. Damit gab er ein deutliches Signal in Hinblick auf die begrenzten Einflussrechte der Bundesregierung und das Erfordernis der Beachtung von einzelstaatlichen Rechten. Sein Veto stieß allerdings speziell im Westen des Landes auf Unverständnis, da dieses den Ausbau von Verkehrsverbindungen behinderte. Die Schutzzölle, die James K. Polk während des Wahlkampfes versprochen hatte, senkte er ab, was den Konsumenten zugutekam, die Produzenten neuer Produkte jedoch verärgerte. Durch diese Politik entstand ein fast freier Handel. Beraten wurde James K. Polk bei all diesen Entscheidungen primär von seinem Finanzminister und Schwager Robert J. Walker. 1849 wurde das Innenministerium errichtet, in dem ab diesem Zeitpunkt viele Aufgaben, die bis dahin in verschiedenen Abteilungen erledigt worden waren, konzentriert wurden. Dazu zählten Bereiche wie die Landvergabe, die Finanzpolitik, Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Indianerfrage, aber auch die Regelung von Patent- und Handelsmarktrechten.

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