Kitabı oku: «Aramesh»
BARBARA NAZIRI
Aramesh
Sternenlicht und Katzengold
mit Illustrationen von
SCHIRIN KHORRAM
P&L EDITION
Impressum
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der mechanischen, elektronischen oder fotografischen Vervielfältigung, der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, des Nachdrucks in Zeitschriften oder Zeitungen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung oder Dramatisierung, der Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen oder Video, auch einzelner Text- und Bildteile.
Die Rechte aller in diesem Band abgedruckten Texte liegen bei der Autorin.
Copyright © 2020 bei P&L Edition, ein Imprint von Bookspot Verlag GmbH
1. Auflage
Satz/Layout: Martina Stolzmann
Covergestaltung: Martina Stolzmann
Titelmotiv und Grafiken: Schirin Khorram
E-Book: Mirjam Hecht
Druck: CPI – Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany
ISBN 978-3-95669-146-1
www.bookspot.de
Inhalt
Impressum
Inhalt
Widmung
Gedichte
Liebe
Wurzeln
Begegnungen …
Natur
Politik …
Humor
Die Autorin
Die Illustratorin
Widmung
Ich widme dieses Buch all denjenigen, die mich zu meinen Gedichten inspiriert haben, nämlich den Liebenden, Warmherzigen, Friedfertigen, Unverzagten und Couragierten unserer Zeit, insbesondere Daryoush, der alles in sich vereint.
Gedichte
Liebe
Als ich über die Liebe schreiben wollte,
brach mein Stift und der Wind ergriff
das unbeschriebene Blatt …
Da hörte ich sein Wispern:
Über die Liebe schreibe nicht,
lebe sie!
Verzaubert
Du legst Wärme
in mein Lachen,
Leidenschaft
in meine Augen,
Verlangen um
meinen Mund und
in meinen Gang
die Freude auf Dich.
Berührst Du meine
Saiten, werde ich
zur Violine und
folge der Melodie
Deiner Stimme in die
Zärtlichkeit der Nacht,
gebettet im Zauber
aller Liebenden.
1994
Sei mein,
Geliebter!
Sei mir zugleich
Feuer und Wasser,
liegt doch im Feuer
die Kraft des Seins
und im Wasser
sein Schutz.
Wir
In welcher Sprache ich Dir schriebe,
ob Persisch, Deutsch, es ist doch gleich,
denn Liebe reimt sich nur auf Liebe,
sie füllt die Herzen, macht uns reich.
Sie ist der Inbegriff des Schönen!
Füll mir den Kelch mit rotem Wein,
lass heut ihr Lied für uns ertönen!
Komm, Liebster, schenk mir nochmal ein.
Du bist
der Baum, der meinen Schlaf beschattet,
ein Sturm, der Blut durch meine Adern hetzt,
ein Löwe, der niemals ermattet,
der Quell, der meine Rosenblätter netzt.
Ich bin
der See, in dem Du Dich bespiegelst,
ein Traum, der Deine Sehnsucht weckt,
Dein Brief, den Du mit Gold versiegelst,
Dein Honig, den die Zunge schmeckt.
Wärst Du ein Buch, läs’ ich Dich mit Vergnügen
und küsste blätternd in Dir Blatt um Blatt,
die Liebe spricht aus allen deinen Zügen,
werd’ nie an Dir ermüden, niemals satt.
Wir sind auf dieser Erde Schachfiguren,
die nur die Liebe auf dem Brett berührt,
sie schützt uns, pflanzt in unsere Herzen Spuren
und jeder Schritt zum Herz des anderen führt.
2000
Schattenspiele
Wer malt die Schatten auf den Sand,
die tanzend in der Sonne schweben?
Ach, könnte ich so unbeschwert
nur tanzen durch mein ganzes Leben.
An Deiner Seite
Die Zeit bahnt ihre Wege durch
Deine Haut, auf der ich
mit meiner Fingerkuppe
wandere, bis ich im Lächeln
Deiner Augenwinkel ankomme.
In Deinen Armen verschmelze
ich mit Dir, schlüpfe in Dein Herz,
vertraue dem Pfand Deiner
Worte und dem Schutz
Deines Atems.
Heiter baue ich Wolkenschlösser
im Bernstein Deiner Augen,
ungeduldig die Nacht
erwartend, die Kupplerin
der Entflammten.
Das innere Kind
Ich höre Geflüster, ein Wispern in mir,
ein Stimmchen, das mich leis ermahnt:
»Hast Du mich vergessen? Ich weile in Dir.
Sag, hast Du mich jemals erahnt?
Ich lebe in Dir mit den Wellen der Zeit,
bin im Strom Deines Lebens geschwommen,
Du nimmst mich nicht wahr, bist niemals bereit.
Gern wär’ ich bei Dir angekommen.«
Ich schau in den Spiegel vergangener Jahre.
Mein Kindlein – auf ewig verschwunden?
Wo bleibt sie, die Liebe, die ich nicht erfahre?
Ach, hätt’ ich mich nur überwunden!
Der Blick in die Augen verhindert das Wort,
weil ich nicht mehr auf mich zähle.
Wer bin ich? Wer war ich? Das Kind ging fort
und leer ist das Haus meiner Seele.
Bleibt mir nur die Trauer? Da tönt verhalten
in mir ein Klingen und Singen
mit leisen Worten: Du warst gespalten,
gemeinsam wird es gelingen.
Du hast Dich verleugnet. Was Du versteckst,
ist einfach ein klares Bekennen.
Ich werde Dich heilen, bis Du entdeckst,
wir beide sind nicht mehr zu trennen.
Für den Bildhauer Gerd Jörgens und seine Skulptur:
Das innere schlafende Kind, 2015
Aschengesang
Ich brannte,
um mich neu zu denken.
Beflügelt erhebe ich mich
aus den Flammen,
eingerieben mit der Asche
meiner Erinnerungen.
Meine Worte fließen in
der Vogelsprache, doch
werde ich kein Käfig sein.
Ich werde zum Nest.
Auf dem Flug zur Sonne
reinige ich mein Herz, wasche
es mit den Tränen der Liebe
und werde zum Kelch der
Glückseligkeit …
Leichtfüßig tanze ich im
Kreise der Liebenden,
empfange das Licht, löse
die Fesseln meines Herzens,
entferne die Schlösser
und werde zum Schlüssel.
Magie
Umarme mich an der Pforte meiner
Träume, banne die Schatten einsamer
Stunden und liebkose mich mit der
Heiterkeit eines Sommertages.
Berühre meine Haut, lass sie entflammen
und baue ein Nest zwischen meine Schenkel,
pflücke Küsse von meinen Lippen,
bring sie zum Blühen.
Umkreise heute Nacht mein Lager.
Wir brauchen keinen Wein, um trunken
zu werden, gib mir Deinen Honig,
damit ich mich in Dir erkenne.
Flüstere meinen Namen, wenn unsere
Leiber zum Gesang der Liebe werden
und im wilden Tanz versinken, bis
Morgentau auf unserer Haut glänzt.
Was ist das für eine Nacht, in welcher
der Mond sich an die Sterne erinnert
und der Tag uns zwei Sonnen beschert?
Es ist die Zeit der Liebenden.
2012

Deine Hand
Sanft
liebkost mich
Deine Hand,
schenkt mir Kraft und
Geborgenheit.
Ich möchte mich
winzig klein machen,
um mich in diese Hand
hinein zu kuscheln,
mit dem Wissen, sie
wird mich niemals
fallenlassen oder
so fest halten, dass
sie mir den Atem raubt …
1994
Scherben
Versunken
in den Scherben
meines Traumes,
den Blick verloren
im welken Laub der Zeit,
Erinnerungen,
gesponnen in
verwaiste Netze
auf der Suche
nach Deinen Händen.
Verheißung
Ich wünsche mir, in
den Kokon deiner
Einsamkeit zu schlüpfen,
damit Du den Schleier der
Fremdheit von meinem
Gesicht reißt.
Ich werde mich nicht
täuschen lassen von dem
Stacheldraht, der Dein Herz
umschließt und Dir ein
Gedicht hinein schreiben.
Öffne Deine Sinne
und siehe: Ich bin da,
damit die Flammen
Deines Blickes
meine Haut umfassen.
Schließe Deine Augen
und schmecke den Wein,
in den ich getaucht
Dein Prisma bin und
Dir mit den Farben der
Liebe begegne.
2012
Windworte
Wie ein Licht in dunkler Nacht
helltest Du mir manchen Traum,
hoffend bin ich aufgewacht,
doch uns trennten Zeit und Raum.
Die Gedanken sind geblieben,
doch die Wege gabeln sich,
Worte in den Sand geschrieben,
schon verweht der letzte Strich.
Mit dem Hauch des grauen Windes,
der den Frost des Abschieds trägt,
gleicht mein Lächeln dem des Kindes,
weil mein Herz doch für Dich schlägt.
Unsterblich
Meine Träume
sind Schmetterlinge der Zeit.
Wenn ich sie zu fangen
versuche, sterben sie.
Also forme ich
sie zu Gedichten und
verleihe ihnen Unsterblichkeit,
damit sie in Dir leben.
Die Botschaft
Asche bedeckt mein Herz,
in dem versteckt die Glut
der Liebe schlummert, unser
geheimes Nest der Geborgenheit,
Dich wärmend, wie
meine streichelnde Hand
nachts auf Deinen Schenkeln.
Wir sind frei wie der Wind, und
doch durch zärtliche Umarmungen
aneinander geschmiedet. Mit jedem
Pulsschlag singt mein Blut Deinen
Namen und im Gemach der Liebenden
sehe ich die Schönheit mit
geschlossenen Augen tanzen.
Weicht die Trauer grauen Schatten,
macht die Geliebte den Blinden sehend.
Berauscht vom Wein der Liebe
tanze ich hinter den Schleiern
zum Rhythmus meines Herzschlags.
Wie gern opfere ich meinen Verstand
dem Wandelstern der Liebenden.
2016
Die Stille
Von den Töchtern der Wehmut
liebe ich die Stille, welche
die Beredsamste ist.
Im Schweigen meiner Lippen
warten Küsse, wie reife
Trauben gepflückt zu werden.
Meine Gedanken trage ich zum Feuer
der Hingabe, lasse Flammenzungen
meine Schmerzen lecken.
Von den Töchtern der Wehmut
suche ich die Stille am Quell
versunkener Träume.
Tausend Jahre lang sprachen wir von
der Liebe, doch von der Liebe selbst
hörte ich nichts – außer Schweigen.
Lauschend im Takt meines Herzens,
spüre, fühle, bewahre ich …
Von allen Menschen waren die
Liebenden die Stillsten.
2014
Du
In die Pupille meines Auges
hat die Liebe mit zarter Hand
Dein Bild gezeichnet.
Deine Küsse wecken vergessene
Märchen in mir, lassen Rosen
auf meinen Lippen blühen.
Deine Hände weben mir ein Zelt
aus Geborgenheit, unter dem ich
behütet träume.
Mein Blut singt von Liebe. Hör doch!
Der Trommelschlag meines Herzens
hämmert Deinen Namen!
So wandern wir Hand in Hand durch
die geschenkten Jahre. Doch Du und ich,
wir füllen sie mit Leben – jeden Augenblick!
1990
Lausche
Lausche
den Menschenherzen,
wie sie im Takt
zum Leben schlagen.
Du spürst,
jedes Herz, das
sich in Liebe
öffnet, trägt Licht
in unsere Welt …
Erfroren
In der Winternacht
ist die Blume erfroren.
Sie hatte auf den Frühling gehofft,
auf seine Wärme und Sonne,
die sie zum Leben brauchte.
In der Einsamkeit
bin ich erfroren.
Ich hatte auf Dich gehofft,
auf Deine Liebe und Wärme,
die ich zum Leben brauchte.
2010
Erinnerung
Die Erinnerung an Dich füllte
mein Zimmer mit Licht
und dieses Licht war warm.
Doch vor dem Fenster
lauerte die Kälte.
Als ich das Fenster öffnete
entfloh die Erinnerung
wie ein Spatz in die Finsternis.
In der Stille schwebten Schneeflocken,
sich tanzend umarmend und
bedeckten meine Verlassenheit.
Die aufgehende Sonne leckte
mit ihrer Zunge den Schnee,
leckte gnadenlos, bis
meine Einsamkeit nackt
zum Vorschein kam.
2010
Ohne Gewähr
Meine Liebe war
ein wärmendes
Feuer – nur
für Dich bestimmt,
erloschen
am kalten Wind
Deines Gleichmuts.
Warten
Warten,
dort, wo Sonnen sich erheben,
wo Gedanken
entfliehen und im Morgenrot
verdunsten.
Warten
am Stundenglas bleierner Zeit,
Sterntaler zählend,
Erinnerungen belauschen im
Flüstern des Nachtwindes.
Warten
ist ein Becher herber Wein, den ich
leere, um berauscht
den Atem der Liebe zu trinken und
Dein Spiegel zu sein.
2010
Heilung
Die Heilung
meiner alten Narben
liegt verborgen in
den Winkeln Deines Mundes.
Ich will keinen Kuss.
Sprich …
sprich doch!
Federleicht
Federleicht
schwebt die Liebe
durch die Tiefen meiner
Haut bis in die Kammer
meines Herzens,
füllt sie mit Licht,
lässt mich von
innen leuchten.
Und Freiheit,
meine Nachtigall,
singt darin ihre Lieder,
während Schweigen
meine Lippen verstummen
lässt mit dem Wissen,
auch ungesagte Worte,
finden den Weg zu Dir.
2016
Königin der Nacht
Die Uhr tickt, es wird Mitternacht.
Bleib wach, mein Freund, es naht die Zeit,
entfalten wird in zarter Pracht
die Königin ihr Festtagskleid.
Sie wird den Panzer heute sprengen,
der sie mit Stacheln fest umgibt,
und aus der Dunkelheit, der engen,
für den erblühen, der sie liebt.
Die Worte fliehen, es herrscht Schweigen,
das Wissen um die Liebe ist;
in Anmut wird sie sich verneigen,
vor dem, der sie niemals vergisst.
Zartrosa umhüllt Blütenflaum
nur Liebende in dieser Nacht,
bald endet dieser kurze Traum,
sobald das Morgenrot erwacht.
Das Stundenglas lässt keine Wahl,
schon rieselt Sand, zählt die Sekunden,
welkt auch die Blüte und wird fahl,
nichts stirbt, was Liebe einst gebunden.
2018
Der Kuss
ist der Vulkan des Herzens.
Nicht die Vielzahl ist bedeutend,
sondern das Feuer, das er im
Geliebten erweckt.
Herbstzeit
Ein welkes Blatt sinkt leis herab,
die Felder nackt, die Bäume licht.
Was gestern blühte, sinkt ins Grab,
der Herbst zeigt stürmisch sein Gesicht.
Dem Pochen Deines Herzens lauschend,
wie singend Du von Liebe sprichst …
Komm, lass uns 1000 Küsse tauschen,
bevor Du Deine Schwüre brichst.
So tränk’ ich Zweifel mit den Küssen
Ob alle Liebenden so sind?
Bin wie ein Blatt, vom Baum gerissen,
die Ängste schreib ich in den Wind.
Mein Liebster, lass mich Dir bekennen,
blieb auch manch Träne ungeweint,
nie werde ich das Band zertrennen,
das uns von Anbeginn vereint.
Dem Herbststurm schließe ich die Pforten,
den kalten Frost lass ich nicht zu,
vertraue Dir und Deinen Worten,
Geborgenheit heißt: ich und Du.
2016
Glückliche Momente
Schlaftrunken
öffne ich meine Augen, träume
dem neuen Tag entgegen.
Spatzen tschilpen guten Morgen,
Bienen summen Honigmelodien.
Ein Sonnenstrahl schleicht sich
durch Gardinenmaschen
und kitzelt meine Nase.
Der laue Wind hat sich
hereingeschlichen, streicht zärtlich
über mein Gesicht, Vorhänge blähen
sich wie weiße Segel. Ich öffne alle
Türen – und mein Herz.
Ein bunter Falter
schwebt über dem Lächeln
der Narzissen. Flüsternd raschelt
junges Grün in Erwartung
ungeborener Knospen.
Eine Lerche jubiliert, die Wolken
schmiegen sich wattegleich
an den Himmel.
Da kommst Du. Deine Lippen
gleichen Schmetterlingsflügeln,
lassen die Blume meines
Herzens wachsen. »Willkommen
Frühling! – Immer wieder!«
2009
Geheime Wünsche (Habibi)
Habibi, heute Nacht
schmücke ich mein Lager mit
Blütenblättern, flechte Leidenschaft
ins Netz der Zärtlichkeit, lasse den
Garten meines Herzens erblühen.
Ich bin die Geliebte.
Schau, ich mache mich ganz klein,
kuschele mich in die Geborgenheit
Deiner Hände, um dort sinnestrunken
Deiner Stimme zu lauschen und mich an
Deinem Atem zu berauschen.
Habibi, in der Hitze
der Nacht besteige ich den Vulkan,
werde zur Fackel Deiner Liebe und
beiße flammende Tattoos in Deine Haut.
Während die Süße Deiner Küsse
auf meinen Lippen verglühen und
meine Zunge das Salz Deiner Haut
schmeckt, werde ich, gebettet in
Jasmin und dem weichen
Licht der Mondperle,
Deinen Honig empfangen.
2011
Granatapfel (Anar)
Dort, wo die Sonne
Wolkenschiffe zählt,
wächst Du zugleich
mit Blüte in der Krone.
Wo ich auch war, Du
hast mir stets gefehlt,
Du Liebling, schönster
aller Pomerone!
Du zeigst gespalten
mir Dein Purpurherz,
Rubine leuchten Dir
aus Deiner Brust.
Gespalten bin auch ich
vom Heimatschmerz,
doch gleichsam fühl ich
pure Lebenslust.
Ich bin wie Du, will
meine Sinne spüren,
wenn heiße Winde
meine Locken streichen,
will meinen Liebsten bis
zum Morgenrot verführen
und ihm mit Dir, oh Anar,
meine Botschaft reichen.
2014
Herbstzeitlose
Das Frühlingskleid ist längst verschwunden,
es welkt der bunte Sommerkranz,
den Deine Liebste einst gewunden
und trug bei ihrem letzten Tanz.
Der Herbst lässt alle Blüten sterben,
malt Busch und Bäumen farbig Laub,
hebt spielerisch die Blätterscherben,
die haltlos wirbeln, müd und taub.
An Zäunen wiegen Spinnenweben
sich leis im Takt zum Windgesang,
und flüstern von vergangenem Leben,
als fröhliches Gelächter klang.
Du gehst allein auf stillen Wegen,
die Sehnsucht quält Dich allzu sehr,
aus Deinen Augen tropft der Regen,
ach, Deine Liebste ist nicht mehr.
Es treibt Dich fort zum Totengarten,
bald wird die Sonne untergehen,
nur einmal noch willst Du der Liebsten
in veilchenblaue Augen sehen.
So tief das Schweigen über Steinen,
erwärmt nicht durch den Sonnenstrahl.
Wird Dich denn nichts mehr mit ihr einen?
Ach, niemand lindert Deine Qual.
Doch plötzlich, als ob’s Dich liebkose,
wächst aus dem Grab ein Blümchen Dir
mit lila Wangen, Herbstzeitlose,
ein stiller Gruß von ihr … von ihr.
2015
Der Wanderer
Er sagt, er betet mit den Füßen,
um sich sein Leben zu versüßen,
und wandert durch die halbe Welt,
nachts ruht er unterm Sternenzelt.
Er lebt, so sagt er, in den Schuhen,
die er nur auszieht, um zu ruhen,
und geht die Sonne glanzvoll auf,
beginnt er heiter seinen Lauf.
Sind auch die Wege voller Steine,
ihn treibt im Leben nur das Eine,
selbst mit den Blasen an den Füßen,
wird er die Freiheit stets begrüßen.
So manches Land hat er durchquert,
allein, nicht immer unbeschwert,
wusch sich im Fluss, aß trocken Brot,
ging falschen Pfad im Abendrot.
Als nun das Sonnengold versinkt
und leis noch mal zum Abschied winkt,
spürt er, als er die Nacht durchwacht,
dass seine Freiheit einsam macht.
Am nächsten Tag schnürt er sein Glück
und macht sich auf den Weg zurück.
Die Liebe wartet still im Warmen,
empfängt ihn sanft mit offenen Armen.
für D., 2014
Hinter Mauern
Wie lang schon ertrug ich die trotzigen Mauern,
in deren Schatten Dämonen lauern,
die sich durch jeden Mauerspalt zwängen
und das, was ich liebe, heftig bedrängen.
Sie raunen mir zu: Willst Du Dich entscheiden?
Egal, was Du anstrebst, Du wirst sicher leiden.
So kämpfe ich Tag und Nacht ohne Sinn,
weil ich doch mein größter Gegner bin.
Ermüdet von den alltäglichen Kriegen,
bleibt eines mir nur, mich selbst zu besiegen,
mein Herz zu öffnen, Vertrauen zu fassen
und all meine Ängste loszulassen.
Ein Kelch ist die Liebe, erlesen und rein,
macht Liebende trunken wie purpurner Wein.
Ein Lächeln verschönt Deinen warmen Mund,
besiegelt mit einem Kuss unseren Bund.
Ein Buch, unser Leben, in das wir schreiben,
in dem jede Seite ruft: Komm, Du musst bleiben!
Vertrau auf die Liebe, so süß und so leicht,
Gib Dich und Dein Herz!
Schau – die Mauer weicht …
2013

Der erste Kuss
Berührt! Die Unschuld dahin,
im Zauber Deines Kusses
wächst wilder Mohn auf meinen
Lippen und die Süße frischer
Feigen auf meiner Zunge.
Mein Herz spricht ein
Gedicht in Deine Augen,
ich spüre die Leichtigkeit des
Seins und die neuerworbenen
Flügel tragen mich direkt ins
Paradies der Liebenden.
Sprich nicht! Küss mich!
Der Rausch des ersten Kusses
kehrt nie wieder …
2016
In Dir
Ein dichter Käfig ist mein Körper,
der meine Seele fest umhegt,
pulsierend durch die blutigen Bäche
im Kern das Herz, das für Dich schlägt.
Könnt ich den Stäben mal entweichen,
flög ich direkt in Dich hinein,
baute mein Nest in Deinem Herzen,
um lebenslang bei Dir zu sein.
Licht der Nacht
In der Nacht umfing mich mein Geliebter.
Ich bat die Hüterin der Träume,
mein Geheimnis zu wahren.
»Schau, meine Sterne verblassen«,
sprach sie zu mir. »Du hältst die Sonne
an Deinem Busen und forderst Dunkelheit … «
Liebe mich
Liebe mich
bedingungslos, lass
unsere Liebe keine Bilanz
sein von Gewinn und Verlust,
in der ständig
aufgerechnet wird.
Liebe mich
mit dem Gedanken,
dass Liebe sehend macht
und nur Blinde die
Seifenblasen ihrer Illusionen
dem Vakuum opfern.
Liebe mich
mit ganzer Seele,
so wie die Füße Deinen
Körper tragen! Erkenne
in der Flammenschrift
Deines Herzens:
mich.
Zeit der Liebe
Komm Liebster, wir schenken uns Zeit!
Kostbare Zeit, in der unser Mut zur Liebe
die Ketten der Gewohnheit sprengt und in
der wir den Träumen Leben verleihen;
heimelige Zeit, in der wir unsere Gefühle in
der Geborgenheit unserer Herzen hüten
und einander Brücken bauen;
erfreuliche Zeit, in der die Rosen ihre Dornen
abstreifen und ihre Freude darüber mit
einem lächelnden Rot offenbaren;
zärtliche Zeit, die nur uns gehört – Dir und mir,
in der wir den Sturmvogel des Lebens mit
dem Lächeln der Liebe willkommen heißen.
In einem Satz:
Eine Zeit der Liebe, weil wir in UNS zu Hause sind.
achtsam …
Liebe ist ein Gewand,
das die Natur gewebt und
die Zärtlichkeit bestickt hat.
Seiner Kostbarkeit bewusst,
trage ich es mit Achtsamkeit.
Nur zwei Worte
Ich möchte nicht
die Schönste für Dich sein
und kein Juwel in
Samt gebettet
in der Schatulle
Deiner Erinnerung.
Ich möchte keine
Rose für Dich sein, die
lächelnd das Vertrauen
des arglosen
Schmetterlings
auf ihre Stacheln spießt.
Ich will Dich in
meinem Schoß, dem
Trommelschlag Deines
Herzens lauschen
und Deine flammende
Zunge, die sagt:
Liebe mich!
2003
Regenbogenkinder
Ein Regenbogen wölbt sich rund
mit seinen sieben Flammen,
Sie lodern zwischen dir und mir
und schweißen uns zusammen.
Zum Lichtband werden Regentränen,
gebrochen von den Sonnenstrahlen,
die sich nach bunter Färbung sehnen
und diese an den Himmel malen.
Das Leben ist ein Regenbogen,
es spiegelt sich in seinen Farben,
ist mal gebrochen und gebogen
und hinterlässt mitunter Narben.
Verebbt die Schönheit mit dem Leben,
wenn unsere Schimmer sanft verblassen,
werd ich Dir beide Hände geben,
kann selbst im Tod nicht von Dir lassen.
2012
Spuren
Du, dessen Spuren sich im
Wüstensand verlieren,
auf den sich pudernd die
müde Abendsonne legt,
mit Dir weicht jede Wärme,
lässt mein Herz gefrieren
in sternenkalter Nacht, die
sich im Nichts bewegt!
Hör ich dort Deinen
Schritt im Rosengarten?
Noch spüre ich auf meinen
Lippen Deinen Kuss.
Ließ nicht die Nachtigall
die Rose warten,
die sich im Trugbild
ihres Traums verlieren muss?
Ach, Honigmond, gerade
Dir gilt mein Vertrauen,
weil Du mit weisem Lächeln
den Schwur besiegelt hast.
Im Stundenglas den
Sandkristallen nachzuschauen,
wiegt mir manch Körnchen
schwerer als eine Zentnerlast.
Der Schlaf senkt sich auf
meine müden Augenlider,
ein neuer Tag wiegt sich
bereits im Dämmerlicht.
Tautränen spiegeln sich
an Steppenhalmen wider
und über mich beugt sich –
Dein lächelndes Gesicht.
Wäre ich …
Wäre ich ein Vogel, würde ich die Welt
durchfliegen auf der Suche nach Dir.
Wäre ich eine Träne, berührte ich Dein Auge
und zauberte die Sehnsucht nach mir hinein.
Wäre ich ein Gedicht, würde ich mich auf Deine
Lippen legen, damit sie mich sprechen.
Wäre ich ein Herz, würde ich in Deiner Brust
schlagen und Dir von der Liebe erzählen …
Ach, wäre ich …
Geliebte
Nachts atmen die Räume
ihre Schatten aus
und wie der Phönix
erhebt sich die Fantasie
aus den Flammen meiner
Gedanken an Dich.
Die Rose Deines
Herzens hege ich in
der Heimlichkeit unseres
verborgenen Gartens,
ich bin ihre Gärtnerin.
Reiche mir die Hand!
Folgen wir dem Weg
der Liebenden und
zerstören die Trauernester
trüber Gedanken –
werden wir zur Legende!
Verloren
Gebaut aus feingewebten Worten,
umarmte mich mein Wolkenschloss,
in dem ich einst in Jugendjahren
das Lied der Liebe mitgesungen,
nur sind die Farben längst verblasst
und auch die Melodie verklungen.
Kein Weg führt mich zu jenem Wunder,
das einst aus meinem Herzen spross.
Nun stehen wir wie Schachfiguren
auf diesem bunten Brett der Welt,
bewegungslos, im Stand verharrend …
kann ich noch meine Flügel breiten?
Ich könnte sie zum Fluge weiten,
die dunklen Felder überschreiten.
Ach, Nachtigall, auch Du beweinst
die schwarzen Rosen auf dem Feld.
2012
Sein
Durchs Auge, meines Fensters Seele,
gleitet hindurch ein sanfter Schein,
liest mir im Herzen wie im Buche,
will nur das Eine, will nur sein.
Salome
Die Nacht nippt an meinen Locken
und atmet ihr Ritual, wispert mir zu
von den Liebenden.
Blau, alles blau …
Der Mondfürst wandert durch den
Sternenwald, verspeist die Hitze des
sterbenden Tages, um mein Feuer
zu entfachen.
Sein Kelch aus Wehmut netzt meine Augen
und ich tanze – tanze auf seiner Sichel
durch das Labyrinth meiner Träume.
Blau, alles blau …
Licht kleidet mich in Schatten, die Sterne bilden
eine Seufzerbrücke und Nebel, umwoben
von Traumgesichtern, sind meinem
Zauber erlegen.
Zwei Wolken schweben im Windgesang,
umarmen sich, verschmelzen miteinander,
bis sie im Atem einer Brise vergehen.
Blau, alles blau …
Ich trage mein Herz in den Füßen und
Deinen Kopf in einer Schale, schon malt
der Teufel flammende Flüsse ins
Zwielicht der Zeit.
Meine Gedanken an Dich sind aus Glas,
wenn ich ihre Scherben sammle, dann
trink Du vom Regen meiner Tränen!
Blau, alles blau …
Träumereien
Ich male Dir den Mond der Träume,
der silbern in die Fenster scheint,
sein Lächeln gleitet durch die Räume,
in denen Liebende vereint.
Ich bitte Dich, heut wachzubleiben,
denn heute Nacht komm ich zu Dir,
will glücklich Deinen Schlaf vertreiben
und schenke Dir ein Elixier.
Mein Zaubertrank heilt müde Herzen
und wenn ich heute bei Dir bliebe,
vergisst Du Einsamkeit und Schmerzen.
Das Elixier ist meine Liebe.
Blindes Vertrauen
Es gab eine Zeit,
da balancierte ich
mit geschlossenen Augen
auf der Schneide eines Messers,
weil Dein Blick mich lenkte.
Jetzt fürchte ich mich,
auch nur ein Auge
zu schließen, denn
meine Füße bluten.
2009
Die Schönheit eines Mannes
Die Schönheit eines Mannes
liegt nicht in seiner Kleidung, die er trägt,
oder gar in der Stärke seiner Muskeln
und in der Art, wie er sich frisiert.
Die Schönheit eines Mannes,
erblicke ich im Leuchten seiner Augen,
denn sie sind die Pforte zu seiner Seele,
der Ort, wo Liebe und Wahrhaftigkeit leben.
Die Schönheit eines Mannes
liegt in der Wahrheit seiner Worte,
in der Wärme seiner Umarmung,
in der Stärke, Vertrauen zu schenken.
Die Schönheit eines Mannes
liegt in seinen guten Taten und darin,
seine Tränen nicht zu verbergen
und mit dem Herzen zu handeln.
Die Schönheit eines Mannes
gleicht einem guten Wein, der im Laufe
der Jahre gereift, auf der Zunge
den Geschmack der Liebe hinterlässt.

Legofrau
Ich schau zu, bin amüsiert,
wie Dein Bausatz Dich entzückt,
denn Du bastelst ungeniert
eine Frau, die Dich beglückt.
Wär ich Deine Legofrau,
gut gebaut, so Stein auf Stein,
ob Geliebte, Ehefrau –
ich würd’ nie dieselbe sein.
Legofrau bleibt kalt beim Schmusen,
Worte fallen ihr nicht ein,
liegst Du lüstern ihr am Busen,
könnt das für dich kantig sein.
Legofrau schafft Langeweile,
weil sie fügsam sich verhält,
und löst sich in Einzelteile,
wenn Dein Arm sie fester hält.
Fügst Du sie dann neu zusammen,
ändert sich zwar ihr Gesicht,
doch sie steht niemals in Flammen,
wenn Dein Herz von Liebe spricht.
So spuckt mancher Mann ins Süppchen
und damit vorbei am Glück.
Hält er nun im Arm ein Püppchen,
ist’s doch nur ein Legostück.
2009
Moderne Zeiten
Wir sind für jede Schmach empfänglich,
man spricht von Liebe, die vergänglich,
für gute Werte fehlt der Glauben,
statt einfach am Gefühl zu schrauben.
Wir sprechen von Beziehungskisten,
von Lebenspartneraktivisten,
die uns zum Gähnen totlangweilen,
ein Grund, das Leben nicht zu teilen.
Wir liegen einsam in den Betten,
obwohl wir gern ’nen Partner hätten,
um fröhlich dann mit ihm zu kuscheln
und ihm etwas ins Ohr zu tuscheln.
So bleibt das Schöne nun versäumt,
der Traum ist einfach ausgeträumt,
weil keiner festhält, was doch wert
und niemand da ist, der es ehrt.
Illusionen
In dieser mitleidlosen Nacht
will sich der fahle Mond kaum zeigen,
sein Licht malt Schatten an die Wand.
Ein Stern, der meinen Schlaf bewacht,
Traumgeister wiegen sich im Reigen
und Zeit zählt den verlorenen Sand.
Die Illusion jedoch hält Wacht,
sie will die Wahrheit noch verschweigen,
dass keine Liebe uns verband.
Ira (Rachsucht)
Schnaubende Wut stiebt aus den Nüstern
des Rappen Zorn, der wild sich bäumt,
in meinem Blut ein hämisch Flüstern
bricht sich im Schrei, mein Geifer schäumt.
Der Groll hält meinen Geist gepackt,
rennt Amok durch die tiefsten Venen,
entblößt die Seele, macht mich nackt,
spielt mit mir lustvoll Teufelsszenen.
Der Jähzorn fesselt Menschenwürde,
legt meine Ratio in Ketten,
um mich herum nur Zaun und Hürde,
nichts kann mich vor mir selber retten.
Geschmack der Rache auf der Zunge,
die fordernd nach Vergeltung schreit,
und keuchend bebt es aus der Lunge:
Mach Dich zum Angreifen bereit!
In einem Nebelbett der Mächte
thront demagogisch blinder Hass,
mein Führer durch schlaflose Nächte,
mich quälend ohne Unterlass.
Ich speie Feuer, Schutt und Aschen,
sieh’, mein Vulkan aus Rachelust
wird mir mein Blut mit Säure waschen,
ein brennend’ Feuer in der Brust.
Von Deinen Qualen will ich zehren,
ob Herzeleid, ob Angst und Not,
will Dich zerstören und Dich lehren,
Dir nichts zu wünschen als den Tod.
So hab ich Ira mich verschrieben
als Dienerin im Höllenfeuer,
bin roten Flüssen treu geblieben,
kein Mensch, kein Tier – nur Ungeheuer.
2016, gewidmet meiner lieben Freundin,
der Malerin Schirin Khorram, zu ihrem Bild IRA
aus dem Projekt »Sieben Todsünden«

Zu spät
Manchmal denk ich an alte Zeiten,
als wir vom Glück zu zweit geträumt,
heut spießen wir uns auf beim Streiten.
Den Absprung haben wir versäumt.
Wie oft schon wollt ich von Dir lassen,
denn was ich fühle, lässt Dich kalt,
heut kann ich Dich nicht einmal hassen.
Doch werden wir zusammen alt.
Gewohnheit nennt sich unser Laster,
das uns beherrscht mit aller Macht,
und was uns eint, ist ein Desaster.
Das haben wir aus uns gemacht.
Könnt ich noch einmal neu beginnen,
würd ich das Leben anders meistern,
und klopfst Du an, mich flugs besinnen,
die Türe schnellstens zuzukleistern.
Missbraucht
Ich wollte Dir eine Rose sein.
Du sahst jedoch in mir
nur das Gänseblümchen,
zupftest mir die Blätter
einzeln aus –
und warfst mich fort …
2002
Ungesagt …
Die Erinnerungen an Dich
gleichen herbstlichem Laub, das
ich zusammenkehre und dem
Feuer preisgebe, um im Geruch
brennender Asche ungesagte
Worte zu betrauern.
Leb wohl
Es tanzt der Herbst mit Laub gekrönt
auf bunten Blätterscherben,
die Augen schattentief verträumt,
im Morgennebel sterben
die letzten Sommermelodien, die
uns im Herz erklangen,
und unser Lächeln hat der Wind
im Spinnenweb gefangen.
Ich lausche Deinem leichten Schritt,
auf weiches Moos getreten,
hör den Gesang des wilden Schwans
und letzte Rosen beten.
Nun färbt die Zeit mein dunkles Haar
mit Ascheregen ein.
Komm, Liebster, füll’ den letzten Kelch
mit unserer Liebe Wein.
Es sprudelt aus dem Quellenmund
hinab in Traumwalds Tiefen
und formt die bunten Kiesel rund,
die tausend Jahre schliefen.
Ach, könnte ich nur ewig lieben,
wie sich das Weltrad dreht,
doch schon holt mich Dein Schatten ein
und flüstert leis: zu spät.
2012
Worte statt Tränen
Ich spüre diese goldene Kraft,
die nur die Liebe in uns schafft.
Ich rüttle an den Gitterstäben,
will eines nur, will leben – leben.
Lass meiner Trauer freien Lauf,
die Schale fängt die Tränen auf.
Vogel der Nacht erhebt sich leise,
berührt mein Herz in stiller Weise.
Es streicht dein Flügel meine Wangen,
bin frei und doch noch hier gefangen.
Ein Licht auf Rosenblattpapier,
der Stift, er schreibt: So bleib doch hier.
Der Wind raunt leis’, erfass Dein Glück,
die Zeit rinnt vorwärts – kein Zurück.
Schau, wie die Quellen sich ergießen
und statt der Tränen Worte fließen.
An eine sterbende Rose
Vertrocknet ist Dein Angesicht,
im bleichen Licht stehst Du gebrochen,
der Tod aus Deiner Blüte spricht,
an der mein Liebster einst gerochen.
Nun stehst Du still im leeren Raum
und dienst nur den Erinnerungen.
Mit Dir stirbt auch mein Sommertraum,
als wir der Liebe Lied gesungen.
Auf nacktes Grab sinkt sacht der Schnee,
kühlt nicht die Sehnsucht, die hier blühte,
erinnert stumm an tiefes Weh …
ach, meine Liebe nie verglühte.
Der Schmerz
Ein Schrei dringt mir durch Mark und Bein,
frisst sich in meine Eingeweide,
Ich bin der Schrei – nur ich allein!
Ich brenne, sterbe, liebe … leide.
Mit spitzen Nadeln beißt Dein Mund
mir tiefe Wunden in mein Herz,
saugt sich an meinem Wesen wund;
ich hülle mich in Eisenerz.
Hast Du den Panzer nur geliebt
auf unserem Lager, unserem Reich?
Das Licht, das uns noch Wärme gibt,
ist am Verglimmen, blass und bleich.
Die Tage werden wie die Nächte,
gemalt an einer dunklen Wand,
im Banne dieser finstren Mächte
löst bitter sich das Liebespfand.
Ich brenne, sterbe in den Flammen,
obwohl ich nach dem Leben hasche,
mag ich den Abschied auch verdammen:
Ich steig wie Phönix aus der Asche!
für Maggie, 2017
Schicksal (Sar newesht)
Nur noch Erinnerung, sie bleibt …
Der Stift in meiner Hand, der schreibt
von längst vergangenen Zeiten –
er fliegt über die Seiten …
Ein Tropfen fällt auf das Papier.
Gilt diese Träne etwa Dir?
Verwischt das neugeborene Wort
– metapfergleich –
verloren … fort!
Blutmond schweigt still,
Nachtwind haucht mild,
allein mein Herz, das pocht so wild –
warum bin ich gegangen?
Fühl mich in mir gefangen,
starr blind auf eine bleiche Wand.
Im Dunkeln strecke ich die Hand
und möchte Dich berühren,
ein letztes Mal verführen.
Will mit Dir auf den Wolken reisen,
in Persepolis fröhlich speisen,
Dich in Magie verweben,
im Dichterhimmel schweben.
Zitronen, reif und zuckersüß,
pflück ich für Dich im Paradies,
wo Rosen dich bedecken –
kein Tod kann mich mehr schrecken.
Teheran, 2010
Müde
Mein Honig, mein Charme
sind sehr flüchtig,
mein Herz aus Glas
hat Sprünge und
eine unbeantwortete
Frage ertrinkt im
Wortgefüge
leerer Antworten.
Ich sage »Guten Tag«,
doch du liebäugelst mit
der Nacht, die in ihrer
Vergesslichkeit
die Tage verschenkt.
Die Vergangenheit hat
mich gedichtet,
doch die Gegenwart
stahl meine Poesie.
Nun warte ich auf den
Morgen und seine
Reserve in tausend
Tautropfen.
Wurzeln
Robaiyat
Das Geheimnis unserer Welt wird niemand je ergründen,
das Wort, geschrieben in den Sand, wird niemals jemand finden.
Darum schaff’ Dir an diesem Ort Dein Erdenparadies.
So lebe, lieb, erfreue Dich, bevor die Lebensgeister schwinden.
Aramesh
Ich bin kein Baum, der
durch sein Astloch blinzelt
und träumend hofft, von der
Axt verschont zu bleiben.
Betrachte mich nicht als
Blume, von unmündiger
Hand ihrer Wurzeln beraubt,
um in der Vase zu welken.
Suche mich in der hitzigen
Wüste, tauche in den
Kristallsand der Zeit, warte
auf das Erwachen der Sterne.
Könnte ich Herzen regnen
lassen und in die Seelen
Liebe säen, würde ich meine
Hände in Feuer tauchen.
Mit jedem Augenaufschlag
gebäre ich Worte in roter Tinte,
die in der Dunkelheit wachsend
den neuen Morgen erblicken.
Duft der Heimat
Dein Lächeln, ein Versprechen aus
grünen Steinen, gebettet im Flussmund
mit Pappellippen, poliert von emsigen
Quellenzungen.
Deine Hände, wilden Mohn liebkosend
und Steppennarben tröstend, entlocken
den Wüsten Seufzer nach einer schattigen
Umarmung.
Dein Leib, Herberge prachtvoller Gärten,
in denen Rosen neben Palmen tanzen und
Nachtigallen im Einklang mit den Zikaden
ihren Gesang dem Jasmin schenken.
Safran blüht auf Deinem Busen, die Nacht
hängt ihre Diamanten über schweigsame
Gemäuer, spiegelt einstige Schönheit in
stillen Teichen wider.
Deine Poesie, Jahrtausende alt, gemurmelt
auf den Lippen der Zeit, Dichter im Lehm der
Vergänglichkeit gefangen und Menschsein
in einem Ziegel verewigt.
Vorbei die Ära freier Spatzen! Die Freiheit trägt
ein Büßerkleid, Mörderhände werfen Steine
auf Dein Herz und zeichnen Gottes Namen
mit Peitschen auf nackte Haut.
In Deinen Gassen grölt Hass seine grausigen
Lieder und hängt die Gegenwart an zukunftslose
Galgen. Flüsternde Worte werden in Mauern
geritzt und in die Wunde unserer Herzen.
Bedecke Dich nicht mit dem Tschador der Trauer,
Iran, meine Schöne! Unsere Tränen verwahren
wir, bis die Sanduhren von Freiheit singen
und das Blut der Tauben trocknet.
2014
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