Kitabı oku: «Lieblingsplätze Markgräflerland»
Lieblingsplätze Markgräflerland
Barbara Riess
Impressum
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Kur-Bäder GmbH Bad Krozingen 30; Stadt Kandern 142
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Katja Ernst/Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © Clker-Free-Vector-Images – pixabay.com; © SimpLine – stock.adobe.com; © Design Studio RM – stock.adobe.com; © mohamed_hassan – pixabay.com; © paullouis – stock.adobe.com; © Fiedels – stock.adobe.com; © SylwiaNowik – stock.adobe.com; © Susanne Lutz
Kartendesign: Susanne Lutz, © The World of Maps (www.123vectormaps.com)
ISBN 978-3-8392-7028-8
Inhalt
Impressum
Zu Gast im Dreiländereck
Vorwort: Eine Einladung
1 Süffig wandern mit Aussicht
Freiburg: Das Wiiwegli, Wanderweg ab Freiburg
2 Whisky für Helene
Schallstadt: Böttchehof
3 Ausblick im Schatten der Pfropfrebe
Schallstadt: Reblausdenkmal auf dem Batzenberg
4 Zwischen Schlingpflanzen und Moos
Pfaffenweiler: Historische Steinbrüche
5 Candida auf verschlungenen Pfaden
Sölden: Klosterkirche St. Fides und Markus
6 Gastmahl mit Lady Macbeth
Hartheim: Kulturschmiede Zum Salmen
7 Delikatessen am Straßenrand
Bad Krozingen: Markgräfler Spargel
8 Geschichtsstunde auf zwei Rädern
Bad Krozingen: Römerradweg
9 Vom Badezuber zur Wellnessoase
Bad Krozingen: Mineral-Thermalbad Vita Classica
10 Preziosen aus drei Jahrhunderten
Bad Krozingen: Schloss Bad Krozingen mit Sammlung historischer Tasteninstrumente
11 Leuchtturm der Glasmalerei
Bad Krozingen: Meistermann-Fenster der Christuskirche
12 Über 1.000 Jahre alte Fresken
Bad Krozingen: Glöcklehofkapelle
13 Stufe für Stufe ins Paradies
Ehrenkirchen: Die Treppe Himmelsstäpfele auf dem Ölberg
14 Picknick in der TeufelsKüche
Ehrenkirchen: Steinzeitliche Höhlen
15 Ritter, Silber, Abenteuer
Staufen: Burgruine
16 Weltliteratur im alten Schnapslager
Staufen: Auerbachs Kellertheater
17 Zerreißprobe für eine Stadt
Staufen: Mittelalterliche Altstadt
18 Sündenfall im Torten-Tempel
Staufen: Café Decker
19 Explosion in Zimmer fünf
Staufen: Gasthaus zum Löwen
20 Wenn Träume wahr werden
Staufen: Keramikmuseum
21 Wo die Bohnen duften
Staufen: Kaffeerösterei Coffee & more
22 Stilvoll abtauchen
Staufen: Alemannenbad
23 Panorama mit Bibeleskäs und Co
Staufen: Straußenwirtschaft Probst’s Strauße in Grunern
24 Silberminen und eine versunkene Stadt
Münstertal: Kloster St. Trudpert
25 Mehr als Honig
Münstertal: Bienenkundemuseum
26 Felsspalten und finstere Stollen
Münstertal: Besucherbergwerk Teufelsgrund
27 Deftiges von der Bergwiese
Münstertal: Käserei Glocknerhof
28 Donnerbalken, Rauchküche und Natur
Münstertal: Kaltwasserhof
29 Rheingold – magische Flitter
Neuenburg: Goldwaschplatz am Rhein bei Grißheim
30 Landlust nach Römer Art
Heitersheim: Römermuseum Villa urbana
31 300 Jahre Glanz und Gloria
Heitersheim: Museum im Schloss
32 Als die Bauern den Kirchturm stürmten
Buggingen: Kirche in Betberg
33 Weinbergidylle und Wildkräuterduft
Ballrechten-Dottingen: Historische Rebterrassen auf dem Castellberg
34 Im Dorf der Kumpel
Buggingen: Kalimuseum
35 Eine Piscina und viele Rätsel
Sulzburg: Kirche St. Ägidius in St. Ilgen
36 Wo Weltstars erblühen
Sulzburg: Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin in Laufen
37 Badeente trifft Entenküken
Sulzburg: Naturschwimmbad
38 Schlichte Schönheit aus uralten Zeiten
Sulzburg: Kirche St. Cyriak
39 Gegen das Vergessen
Sulzburg: Jüdischer Friedhof
40 Wo der Bammert übernachtet
Müllheim: Rebhüsle bei Muggardt
41 Die Kunst auf der Flasche
Müllheim: Weinetikettenmuseum in Zunzingen
42 Im Fadenkreuz der Politik
Neuenburg am Rhein: Rheinbrücke Neuenburg-Chalampé
43 Willkommen im Tollhaus
Neuenburg am Rhein: Narrenschiff-Brunnen
44 Trutzburg des guten Geschmacks
Müllheim: Landhotel Alte Post
45 Krankenkost war gestern
Müllheim: Hotel-Restaurant Altes Spital
46 Sie klappert wieder
Müllheim: Frick-Mühle, Markgräfler Museum Müllheim
47 Im Salon des Weinbauprofessors
Müllheim: Blankenhorn-Palais, Markgräfler Museum Müllheim
48 Bekenntnis zum Gutedel
Müllheim: Weingut Hermann Dörflinger
49 Die Ruhe über den Reben
Müllheim: Jägerdenkmal
50 Bratwurst und Brägele auf Omas Sofa
Niederweiler: Weinstube Café Klemmbachmühle
51 Flüssiges Gold und altes Handwerk
Badenweiler: Ölmühle Eberhardt in Oberweiler
52 Ort der Literatur und Literaten
Badenweiler: Literarisches Museum Tschechow-Salon
53 Geiersnest und Prachtbau
Badenweiler: Ruine der Burg Baden
54 Quellwasser perfekt in Szene gesetzt
Badenweiler: Inhalatorium
55 Wellness für Vespasian
Badenweiler: Römische Badruine
56 Eiserne Schönheit am Vogesenblick
Badenweiler: Wandelhalle im Kurpark
57 Himmlische Landschaft
Lipburg: Grab von René Schickele
58 Sein Berg-Wunder erleben
Badenweiler: Der Blauen, Hausberg des Markgräflerlands
59 Kalbskopf im Bauerngarten
Müllheim: Landgasthaus Ochsen in Feldberg
60 Markgräfler Kracher und Chriesiwähe
Schliengen: Obstlehrpfad im Eggenertal
61 Ausflug ins Märchenschloss
Schliengen: Schloss Bürgeln
62 Im Tal der Rosen
Bad Bellingen: Landhaus Ettenbühl bei Hertingen
63 Kleine Bühne für große Stars
Kandern: Theater im Hof in Riedlingen
64 Rauchzeichen vom Chanderli
Kandern: Kandertalbahn
65 Ein unvergessenes Wirtshaus
Kandern: Blumenplatz
66 Auf den Spuren des Malers
Kandern: August-Macke-Rundweg
67 Der Kaiser von Kalifornien
Kandern: Geburtshaus von Johann August Sutter
68 Wo die Eulen heulen
Kandern: Wolfsschlucht
69 Zu Besuch bei Berta
Steinen: Bauernhausmuseum Schneiderhof in Kirchhausen
70 Mundartdichter von Weltrang
Hausen im Wiesental: Hebelhaus
71 Die Rettung des Höllenrachens
Efringen-Kirchen: Peterskirche in Blansingen
72 Das steile Objekt der Begierde
Efringen-Kirchen: Felsformation Isteiner Klotz
73 Picknick mit Rheinrauschen
Efringen-Kirchen: Naturschauspiel Isteiner Schwellen
74 Vom Brutkasten per Post in alle Welt
Saint-Louis: Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne
75 Das große Markgräfler Los
Weil am Rhein: Ötlinger Ortsbild
76 Völkerverständigung in den Reben
Haltingen: Rebsonntag am Tüllinger Berg
77 Der Süden vor der Haustür
Lörrach: Marktplatz
78 Allerlei Grenzerfahrungen
Lörrach: Dreiländermuseum
79 Tratsch am Gewerbekanal
Lörrach: Altes Waschhaus
80 Kunst aus der Dose
Lörrach: Bridge Gallery in Haagen
81 Frischer Wind im Salon
Lörrach: Restaurant Villa Feer in Haagen
82 Gelage und Belagerungen
Lörrach: Burg Rötteln bei Haagen
83 Revolution auf dem Schwebebalken
Schopfheim: Lenk-Plastik
84 Explosive Kontraste
Weil am Rhein: Feuerwehrhaus von Zaha Hadid
85 Von Glocke zu Glocke
Weil am Rhein: Stationenweg 24 Stops
86 Wo die Grenzen fließend werden
Weil am Rhein: Dreiländerbrücke
87 Perle im Wassergraben
Inzlingen: Wasserschloss
Karte
Zu Gast im Dreiländereck
Vorwort: Eine Einladung
Himmlische Landschaft am Puls des Südens
So mancher kam, sah und blieb – gefangen vom Zauber des Markgräflerlands. Lang ist die Liste derer, die in dieser sonnenverwöhnten Ecke im äußersten Südwesten Deutschlands zwischen Rhein, Reben und Schwarzwald sesshaft wurden. Schon die Römer schätzten das für sie beinahe heimatliche Klima, Dichter und Denker ließen sich hier inspirieren, Maler vom Charme der Landschaft bezaubern, Altbundespräsident Walter Scheel verbrachte seinen Lebensabend in Bad Krozingen und den bekennenden Markgräfler Ottmar Hitzfeld zog es nach erfolgreicher Karriere als Fußballtrainer in seine Heimatstadt Lörrach zurück.
Als »Himmlische Landschaft« beschrieb der deutsch-französische Schriftsteller René Schickele das Markgräflerland. Das Buch lädt ein, Kulturschätze und Naturschönheiten zu entdecken. Es führt zu außergewöhnlichen Orten, in skurrile Ecken und in verlockende Lokale. Dabei wird auch ein Blick über den Rhein geworfen, der Grenzfluss und Lebensader zugleich ist. Die Lektüre soll Lust machen, diese gastfreundliche Region zu erkunden, beziehungsweise sie als Einheimischer neu zu entdecken, und sich von ihr begeistern zu lassen.
Prima Klima
Das inmitten der Oberrheinischen Tiefebene gelegene Markgräflerland beginnt südlich von Freiburg und reicht bis zur Schweizer Grenze bei Basel. Seine besondere Anziehungskraft verdankt es gleich mehreren Pluspunkten. Da ist zum einen das Klima, welches der Region immer wieder einen – mehr oder weniger treffenden – Vergleich mit der Toskana beschert. Fakt ist, dass das Markgräflerland zu den wärmsten Regionen Deutschlands zählt. Schon der Frühling beginnt hier einige Wochen früher. Während Anfang April noch die Skifahrer auf den Schwarzwaldbergen wedeln, regen sich unten im Tal bereits die ersten Spargel unter der Folie. Im Sommer sprießt auf den Tabakfeldern sattes Grün, und auf den bunten Wochenmärkten kann man Gemüse erstehen, das sonst eher in mediterranen Gefilden zu finden ist. Tatsächlich wird das einmalig milde Klima von den warmen Südwestwinden geprägt. Die Mittelmeerluft, die durch die Burgundische Pforte einströmt, verbindet die Region spürbar mit dem Pulsschlag des Südens.
Essen und Trinken
Zugleich punktet das Markgräflerland mit einer hohen Dichte an Spitzengastronomen. Die regionale Küche hat ihren ganz eigenen Charakter. Auf der Speisekarte finden sich Spezialitäten wie Suuri Leberle mit Brägele (saure Leber mit Bratkartoffeln), Spargel mit Kratzede (Spargel mit zerrupftem Pfannkuchen), Bibeleskäs (Frischkäse, in der Regel mit Kräutern und/oder Zwiebeln angerichtet) oder Chriesichüchli (Markgräfler Kirschküchlein). Sollte die hochdeutsche Übersetzung fehlen, kann man getrost nach der Devise handeln: einfach probieren. Nicht umsonst zählt die Küche am Oberrhein zu den besten in Deutschland.
Mindestens genauso verlockend wie die Speisekarte der Region ist die Weinkarte. Für so manchen Liebhaber ist das nach dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden benannte Anbaugebiet ein Geheimtipp. Der Landesfürst stieg 1783 nicht nur wegen der Abschaffung der Leibeigenschaft auf der Beliebtheitsskala seiner Untertanen, sondern zeigte ihnen auch, wie man die Reben, die vermutlich seit der Römerzeit hier angebaut wurden, als lukrative Erwerbsgrundlage nutzte. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Weingüter und Winzergenossenschaften aneinander. Das Anbaugebiet umfasst neben dem regional typischen Gutedel Spätburgunder und die Sorten Weißer sowie Grauer Burgunder, Müller-Thurgau, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot.
Burgen, Schlösser, Abenteuer
Die uralte Kulturlandschaft im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist gezeichnet von Geschichte und Geschichten. Viele Epochen haben ihre Spuren hinterlassen, die zurück bis in die Steinzeit reichen. Lebendig wird die Vergangenheit anhand der vielen Burgruinen und Schlösser sowie der abenteuerlichen Sagen, die sich darum ranken. Auch sie gehören zur Identität dieser bezaubernden Region.

Tabakfeld vor dem Belchen-Massiv bei Staufen
1 Süffig wandern mit Aussicht
Freiburg: Das Wiiwegli, Wanderweg ab Freiburg
Als Wanderweg der Extraklasse führt das Wiiwegli mitten durch die Weinberge des Markgräflerlandes und offenbart en passant traumhafte Aussichten, die je nach Standort bis nach Basel, zu den Vogesen oder zum Schweizer Jura reichen. Eine Frühlings- oder Herbstwanderung auf dem Wiiwegli gehört mit zum Schönsten, was die Region zu bieten hat. Der liebevoll klingende Name ist alemannisch und bedeutet »Wein-Weglein«. Wobei der im Alemannischen gern benutzte Diminutiv etwas untertreibt, denn das »Weglein« ist rund 80 Kilometer lang und verbindet Freiburg mit Weil am Rhein. Wegweiser ist eine rote Raute mit gelber Weintraube.
Das Wiiwegli besteht aus vier Abschnitten, die man beliebig abkürzen und nach eigenem Geschmack gestalten kann. Es bietet sich also auch für Quereinsteiger an. Eine Tour beginnt im Freiburger Stadtteil St. Georgen und führt über den legendären Ölberg bei Ehrenkirchen nach Staufen. Dazwischen liegen bezaubernde Landschaften, lauschige Picknickplätze, Sehenswürdigkeiten und immer wieder Orte zum Einkehren. Denn das Wiiwegli verläuft nicht nur durch Weinberge, sondern auch durch Winzerdörfer. Und in den Weingütern stehen die Türen zur Probierstube meist offen. Dann wird schnell klar, dass die Wanderung dem Genuss- und nicht dem Leistungsprinzip folgen sollten.
Damit wären wir bei einem Thema angelangt, an dem im Markgräflerland kein Weg vorbeiführt, schon gar nicht das Wiiwegli. Es geht um den Gutedel, die Spezialität der Region, die auf rund 40 Prozent der Rebflächen wächst. Er gilt als eine der ältesten Sorten Europas. Im großen Stil wird er aber nur noch im Markgräflerland kultiviert. Die leichten, süffigen Weine schmecken bestens zum Vesper. Jeder Winzer, der etwas auf sich hält, baut auch seinen Gutedel an, und jeder hat seine individuelle Geschmacksnuance.
Rund um den Gutedel veranstalten die Markgräfler Events, darunter alle zwei Jahre an Christi Himmelfahrt das Gutedelfest auf der Badischen Weinstraße (L 125). Termine unter www.markgraefler-wein-ev.de

1
Blick vom Wiiwegli auf die Weinberge
Startpunkt:
Schneeburgstraße
79114 Freiburg
Schwarzwald Tourismus GmbH
Kompetenzzentrum Tourismus
Wiesentalstraße 5
79115 Freiburg
0761 896460
www.schwarzwald-tourismus.info
2 Whisky für Helene
Schallstadt: Böttchehof
Wer glaubt, im Markgräflerland wird nur Wein angebaut, der irrt. Etwas versteckt in einem malerischen Innenhof in Schallstadt entsteht ein Tropfen, den man sonst eher in Schottland verortet. Der Böttchehof – eine kleine, aber feine Edelbrennerei – produziert als Spezialität badischen Whisky, den Helene-Whisky, benannt nach der ehemaligen Chefin des Hauses, der Großmutter des Brenners. Aus Gerstenmalz, Wasser und Hefe wird er zweimal destilliert, dann geht es ab in den ehemaligen Kartoffelkeller, in dem heute die Schätze des Böttchehofs lagern. Zwei Jahre lang ruht der junge Whisky im Burgunder-Barrique-Eichenholzfass. Anschließend zieht er zur Nachreifung für weitere zwei Jahre um in ein Bourbon-Fass aus Kentucky. Hier erhält er seine dezente Vanille-Note. Das Finishing erfährt er danach im gebrauchten Oloroso-Sherry-Fass. Das Ergebnis ist ein hervorragender Whisky und eine Bereicherung für die im Markgräflerland ohnehin schon reichhaltige Spirituosenlandkarte.
Der Böttchehof ist ein Familienbetrieb mit altem Brennrecht. Jeden Samstag findet in der alten Scheune ein kleiner Bauernmarkt mit regionalen Produkten statt, und im ehemaligen Stall, der zu einer Bauernschänke umgebaut wurde, gibt es Deftiges auf den Teller: Kartoffelsuppe, Flammkuchen, Bauernwürste, Bibeleskäsbrot. Natürlich können auch Wein und die preisgekrönten Edelbrände, Liköre, Gin und Whisky probiert werden. Gleich nebenan glänzen die Kupferkessel der Brennerei und mit etwas Glück kann man beim Destillieren live dabei sein. Wer es weniger hochprozentig mag, genießt die frisch gepressten Säfte. Das Obst stammt aus eigenem Anbau. An warmen Tagen wird die Bauernschänke kurzerhand bis in den Innenhof erweitert.
Eine Spezialität wird im Oktober gegen Ende der Weinlese serviert: Dann lädt der Böttchehof jeden Freitag zum Tresterwurstessen ein.

2
Böttchehof
Familie Küchlin
Basler Straße 76a
79227 Schallstadt
07664 7377
www.boettchehof.de
3 Ausblick im Schatten der Pfropfrebe
Schallstadt: Reblausdenkmal auf dem Batzenberg
Aus der Vogelperspektive sieht der Batzenberg mit seinem Muster aus Wirtschaftswegen und Rebflächen aus wie der Panzer einer riesigen Schildkröte. Der gut 300 Meter hohe Berg erhebt sich zwischen Schwarzwald und der Rheinebene. Er ist vier Kilometer lang und 1,2 Kilometer breit und bildet den größten geschlossenen Weinberg Deutschlands. Ihm zu Füßen liegen die Winzerdörfer Schallstadt, Wolfenweiler, Pfaffenweiler, Scherzingen, Norsingen, Ehrenkirchen, Kirchhofen und Öhlinsweiler.
Wein wächst auf dem Batzenberg schon seit der Römerzeit, eine Reben-Monokuktur prägt ihn erst seit der Flurbereinigung. Als diese 1979 abgeschlossen war, freuten sich die Winzer, denn die nun größeren und gut zugänglichen Flächen konnten sie wesentlich leichter und rentabler bewirtschaften. Damit war für den Weinbau auf dem Batzenberg ein neues Zeitalter angebrochen. Anlässlich dieses Fortschritts legten die acht Winzerdörfer zusammen und errichteten auf dem höchsten Punkt das Reblausdenkmal. Die aus Kalksandstein gehauene Stehle stellt eine Pfropfrebe dar. Sie ist in eine Aussichtskanzel integriert, von der aus man einen famosen Rundumblick über das Markgräflerland hat. Dreht man sich um 360 Grad, ziehen die Rheinebene, die Vogesen, der Schwarzwald und der Schönberg vor den Toren Freiburgs vorüber.
Die Pfropfrebe rettete einst den Weinbau. Insofern erinnert das Denkmal auch an eine der größten Katastrophen, die Mitte des 19. Jahrhunderts Winzer in ganz Europa traf und auch vor dem Markgräflerland nicht haltmachte: Die aus Nordamerika stammende Reblaus verwüstete nahezu sämtliche Weinbaugebiete. Die Rettung kam, als man dazu überging, auf resistente, sogenannte Unterlagsreben einen Zweig einer edleren Sorte aufzupfropfen. So wurde die Reblaus besiegt.
Das Weingut Heinemann in Scherzingen bewirtschaftet rund 13 Hektar Reben auf dem Batzenberg. Seine Weine wurden vielfach ausgezeichnet. www.weingut-heinemann.de

3
Das Reblausdenkmal befindet sich auf dem höchsten Punkt des Batzenbergs. Fahren Sie von Schallstadt auf der B3 bis Norsingen, am Ortsanfang links in die Weinbergstraße, dann dem Artur-Stoll-Weg, ehemals Langgaß, folgen bis zum Parkplatz beim Reblausdenkmal.
Tourist-Information Ehrenkirchen
Jengerstraße 6
79238 Ehrenkirchen
07633 80447
www.ehrenkirchen.de
4 Zwischen Schlingpflanzen und Moos
Pfaffenweiler: Historische Steinbrüche
Hinter dem schlichten Metallzaun beginnt eine versunkene Welt. Ein paar grob gezimmerte Hütten ducken sich an den Berg. Zwischen übereinandergestapelten Steinquadern hindurch führt ein Schienenstrang ins Nirgendwo aus Moos, Schlingpflanzen, Schotter und Lehm. Durch einen Hohlweg gelangt man zu einer senkrecht aufsteigenden Felswand. Hier, im Herzen der historischen Steinbrüche von Pfaffenweiler, wurde das Material gebrochen, das im gesamten Markgräflerland wiederzufinden ist.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts schufteten noch Steinhauer auf dem Gelände. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Steinbruch bereits 1471. Der gelbgraue Sandstein war wegen seiner vorzüglichen Qualität über Jahrhunderte begehrt. Aus ihm wurden unter anderem die Kanzel des Münsters und die Skulpturen der Vier Jahreszeiten im Wentzingerhaus in Freiburg gefertigt, ebenso die Figuren der Bad Krozinger Nepomuk-Brücke. Dem Pfaffenweiler Sandstein begegnet man außerdem bei Fenstersimsen, Brunnentrögen, Grabsteinen, Grenzsteinen oder Wegkreuzen.
Die gesamte Anlage ist heute Teil des Pfaffenweiler Dorfmuseums und wurde als eine Art Freilichtmuseum gestaltet. Durch das frei zugängliche Steinbruchareal führt ein Rundweg, der in Eigenregie erkundet werden kann. In einer der Holzhütten im Eingangsbereich, die als Steinhauerwerkstätten dienten, ist neben einem mächtigen Amboss allerlei Werkzeug ausgestellt. Mit diesen Geräten wurden die aus dem Fels gehauenen Sandsteinblöcke bearbeitet, nachdem sie auf Loren oder Rundhölzern hertransportiert worden waren. Die Feinarbeit fand dann in den Steinmetzwerkstätten im Dorf statt.
Einmal im Jahr, am letzten Sonntag im Juni, erwacht der Steinbruch zu neuem Leben. Beim Steibickfescht wird das alte Handwerk vorgeführt, das einst so viele Menschen in Pfaffenweiler ernährte.
Terminvereinbarung für Führungen unter 07664 97000. Weitere Infos zur Steinhauerei bietet die Ausstellung im Dorfmuseum.

4
Blick in eine Steinhauerwerkstätte
Historische Steinbrüche
Im Steinbruchweg dem Hinweisschild »Schützenhaus« folgen. Parkmöglichkeit am Eingang zum Steinbruch.
9292 Pfaffenweiler
www.pfaffenweiler.de
5 Candida auf verschlungenen Pfaden
Sölden: Klosterkirche St. Fides und Markus
»Mama, da liegt ein Skelett.« Fasziniert steuert die kleine Besucherin auf den goldverzierten Glassarg zu. Was da auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig und gruslig anmutet, ist der mit zahllosen Perlen, glitzernden Steinen und Stickereien geschmückte Corpus der heiligen Candida. Sorgfältig drapiert ruht er in einem gläsernen Schrein. Die Heilige ist eine Reliquie, die eher durch Zufall nach Sölden gelangte. Sie gehört offiziell zu den Katakombenheiligen, die sich im süddeutschen Raum als Reliquien einst großer Beliebtheit erfreuten. Es soll sich dabei um die sterblichen Überreste christlicher Märtyrer handeln, deren Gräber ab 1578 in den Katakomben Roms in großer Zahl gefunden wurden.
Nach Sölden kam Candida auf ziemlich verschlungenen Pfaden. St. Fides und Markus ist die Kirche eines 1115 eröffneten Benediktinerinnenkonvents, der bis circa 1500 bestand und zur Abtei von Cluny gehörte. Nach der Säkularisierung wurde die Propstei ab 1598 vom Kloster St. Peter im Schwarzwald verwaltet. Eigentlich hatte der Pfarrer aus dem schwäbischen Dormettingen bei Balingen die Reliquie in Rom bestellt. Als sie ankam, war ihm die heilige Fracht aus den Katakomben jedoch zu teuer und er verweigerte die Annahme. Das Kloster St. Peter sprang ein, kaufte die Heilige und schickte sie 1762 nach Sölden.
Der Candidaschrein ist eine von mehreren Kostbarkeiten der Barockkirche St. Fides und Markus. Schon beim Betreten des lichtdurchfluteten Raums wird der Blick unvermittelt nach oben gelenkt zur stattlichen Kuppel. Die ist aufgemalt und eine perfekte optische Täuschung. Die prächtige Ausstattung der Kirche stammt von dem Maler Franz Ludwig Hermann und dem Bildschnitzer Matthias Faller, die in der Region etliche Kunstwerke geschaffen haben.
Die ehemalige Klosteranlage von Sölden ist gut erhalten. Ein Gang durch den kleinen, liebevoll gestalteten Garten lohnt sich.

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Klosterkirche St. Fides und Markus
Bürglestraße 12
79294 Sölden
Mehr Informationen beim Pfarrbüro Sölden
Bürglestraße 4
79294 Sölden
0761 404259
www.kath-bom.de
6 Gastmahl mit Lady Macbeth
Hartheim: Kulturschmiede Zum Salmen
Der Lachs, auf Alemannisch Salm, war einst entlang des Rheins der Fisch des armen Mannes, quasi der Hering des Markgräflerlands. Kein Wunder also, dass nach ihm so manches Wirtshaus benannt ist. Während die meisten Fischerkähne längst verrottet sind, erinnert das Wirtshausschild Zum Salmen noch heute an den Berufszweig, der hier einst eine so tragende Rolle gespielt hat. Ein besonderer Salmen ist der in Hartheim, denn das ehemalige Gasthaus ist eine Kulturschmiede. Lesungen, Konzerte, Kabarett, Comedy, Theater bilden den Veranstaltungsmix, der Besucher aus der gesamten Region in den ehemaligen Fischerort zieht.
1767 wurde der Salmen als Zunftlokal der Rheinfischer erstmals erwähnt. Anfang des 20. Jahrhunderts verwandelte er sich in einen Gemischtwarenladen und Supermarkt. Raum für Festivitäten aller Art bot ein Theatersaal im ersten Stock. Irgendwann Anfang der 1970er-Jahre muss es Dietrich Schwanitz, der damals in Freiburg studierte, nach Hartheim verschlagen haben. Offenbar war der spätere Anglistikprofessor, Shakespeare-Experte und Skandalautor (Der Campus) vom Salmen so angetan, dass er ihn 2001 kaufte, um hier eine Theaterwerkstatt einzurichten.
Das ambitionierte Vorhaben konnte er zwar vor seinem Tod nicht mehr realisieren, was ihm jedoch gelang, war, nahezu das gesamte Shakespeare-Figurenpersonal in den Salmen zu holen. Im Stil einer Trompe-l’Œil-Malerei ließ er von der Künstlerin Andrea Berthel die Bühnenwand des Theatersaals bemalen. Vorbild war das Gemälde Das Gastmahl im Hause des Levi von Paolo Veronese. An der Tafel nahmen neben Shakespeare die Promis des Meisters Platz, darunter Othello, Desdemona, Romeo, Julia, Lady Macbeth und Hamlet. Und auch Dietrich Schwanitz hat sich unter die Festgesellschaft gemischt.
Der Salmen gehört heute der Gemeinde Hartheim. Für die Veranstaltungen ist ein Förderverein zuständig. Das aktuelle Programm wird regelmäßig auf der Homepage des Gasthauses veröffentlicht.

6
Kulturschmiede Zum Salmen, Historisches Gasthaus
und Schwanitz-Haus
Rheinstraße 20
79258 Hartheim
07633 9199960
www.salmen-hartheim.de
7 Delikatessen am Straßenrand
Bad Krozingen: Markgräfler Spargel
Bekanntlich macht der April ja, was er will. Im Markgräflerland bietet er oft schon einen Vorgeschmack auf den Sommer. Das wiederum freut die Spargel- und Erdbeerbauern. In guten Jahren sprießt das Edelgemüse bereits, wenn oben auf den Schwarzwaldbergen noch die letzten Schneeinseln leuchten. Die Hochsaison ist von Mai bis Mitte Juni. Gleichzeitig werden die Erdbeeren reif und das große Schlemmen kann beginnen. Die Speisekarten in den Restaurants übertreffen sich mit Spargelkreationen und Erdbeerdesserts. Und am Straßenrand wachsen Verkaufsstände wie Pilze aus dem Boden, an denen Spargel und Erdbeeren direkt vom Feld verkauft werden. Frischer geht’s nicht. Wer sich selbst als Spitzenkoch versuchen will, kann hier beherzt zugreifen. Zumal es den passenden Wein gleich mit zu kaufen gibt. Einer der großen Anbieter ist der Spargel- und Erdbeerhof Fritz Waßmer aus Bad Krozingen, der auch ein renommiertes Weingut betreibt. Als idealen Begleiter für das Edelgemüse findet man hier Weißen Burgunder, Müller-Thurgau oder Gutedel, den Klassiker der Region.
Eine Art badisches Nationalgericht ist frischer Spargel mit Kratzede, einem in Stücke gerissenen Pfannkuchen. Dazu gibt es wahlweise Schinken, und wer Kalorien nicht scheut, kann sich noch einen Klacks selbst gerührte Mayonnaise dazu gönnen. Puristen verzehren das Edelgemüse am liebsten mit neuen Kartoffeln und etwas gebräunter Butter.
Dass sich das Markgräflerland als idealer Spargel-Standort qualifizieren konnte, hat mehrere Gründe. Ein Vorteil ist der sandige Boden, der den zarten Spargelstangen den Weg ans Tageslicht erleichtert. Außerdem sorgen viele Sonnenstunden dafür, dass die Erde im Frühjahr gut vorgewärmt ist. Um die Saison möglichst bald zu beginnen, wird inzwischen meist mit Plastikfolien nachgeholfen.
Das Rezept für Kratzede (Betonung auf der ersten Silbe!) und jede Menge Tipps rund um den Spargel finden Sie auf www.markgraefler-land.com unter dem Stichpunkt »Wein & Kulinarik«.

7
Ein Markgräfler Paar: Spargel und Gutedel
Hofgut und Weingut Fritz Waßmer
Lazariterstraße 2
79189 Bad Krozingen
07633 3965
www.wassmer-spargel-erdbeeren.de
8 Geschichtsstunde auf zwei Rädern
Bad Krozingen: Römerradweg
Lange fühlten sich die Römer auf der rechten Rheinseite in der Provinz Obergermanien ziemlich wohl. Das milde Klima und der fruchtbare Boden mussten den Vergleich mit der Heimat nicht scheuen. Sie gründeten Siedlungen, bauten Straßen und betrieben Handel. Und sie machten die Germanen mit den Finessen römischer Lebensart bekannt. Die Römerzeit im Südwesten dauerte rund 300 Jahre, dann wurde es ungemütlich. Die Alemannen eroberten ein Gebiet nach dem anderen und die Römer zogen sich auf die sicherere Rheinseite gen Gallien zurück. Von ihren Bauwerken sind heute noch reichlich Spuren zu bestaunen. Seit 2016 lässt sich das Markgräflerland auf dem Römerradweg erkunden. Die Tour eignet sich nicht nur für sportive Altphilologen, sondern für jeden Geschichtsinteressierten.
Als Startpunkt bietet sich der Römerkeller auf dem Sinnighofer Buck hinter dem Kurgebiet von Bad Krozingen an. Er gehörte zu einem der römischen Landgüter, die meist an erhabenen Orten der Region standen, und diente der Aufbewahrung von Wein und Lebensmitteln. 1981 wurde das Kellergewölbe von Archäologen ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von hier geht es weiter zur nächsten Attraktion nach Heitersheim.
Der Radweg ist an einem gelben Schild zu erkennen, das einen Radler mit Römer-Helm zeigt. Er wurde von mehreren Gemeinden gemeinsam angelegt und führt bis Rheinfelden. Die Etappen können nach Lust und Laune sowie Kondition gewählt werden. Zur Orientierung dient eine handliche Broschüre, in der die einzelnen Stationen beschrieben und in einer Karte markiert sind. Zu entdecken gibt es Mauerreste von Gutshöfen, Villen, Badeanlagen und Brücken, Spuren von Eisenerzbergbau und eine Fülle von Alltagsgegenständen. Wer das Puzzle zusammensetzt, erhält einen Eindruck vom Leben der Römer im Markgräflerland.
Infos zur Strecke, zum Höhenprofil und Kartenmaterial finden Sie unter www.oberrhein-roemerradweg.de. Die Broschüre ist erhältlich bei allen Tourist-Infos entlang der Strecke, so auch in Bad Krozingen.

8
Römerradweg
Ein guter Einstieg ist der
Römerkeller hinter dem Gelände des Park-Klinikums
Herbert-Hellmann-Allee 46
79189 Bad Krozingen
Tourist-Information
Bad Krozingen
Herbert-Hellmann-Allee 12
79189 Bad Krozingen
07633 4008163
www.bad-krozingen.info
9 Vom Badezuber zur Wellnessoase
Bad Krozingen: Mineral-Thermalbad Vita Classica
Nichts ist unmöglich, dachte Bergrat Dr. Hans Thürach, als er mitten im eiskalten Januar 1911 auf einem Acker nahe dem Markgräfler Dorf Krozingen stand und die Arbeiten an seinem Bohrloch beobachtete. Der Leiter der Geologischen Landesanstalt des Großherzogtums Baden hatte eine geheime Mission im Breisgau zu erfüllen. Er sollte nach Öl suchen, ohne dass die Einheimischen groß Wind davon bekamen. Nicht einfach angesichts des verräterischen Turms, der da in die Landschaft ragte. Nach »eisfreiem Wasser« werde gebohrt, so die offizielle Sprachregelung. Am 25. November sprudelte es tatsächlich. Allerdings kein Öl, sondern Mineralwasser. Das war die Geburtsstunde der Thermalquelle, die das Dorf Krozingen zum Kurort machte. Warum sie ausgerechnet Nena-Quelle nach dem indischen Freiheitskämpfer Nena Sahib genannt wurde, bleibt ein Rätsel. Zumal sich mit dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker eine regionale Alternative angeboten hätte.
Die Krozinger jedenfalls waren von ihrer Nena-Quelle begeistert. Sofort wurde ein Holzzuber aufgestellt und muntere »Badekuren« konnten beginnen. Als sich die Dorfjugend – bevorzugt nachts – in dem Bottich mit dem warmen Quellwasser allzu heftig vergnügte, wurde es der Verwaltung mulmig und der nächtliche Badespaß verboten.
Zwischen dem Badezuber auf der grünen Wiese und dem Gesundheitszentrum mit seinen Kur- und Reha-Einrichtungen liegen über 100 Jahre und eine enorme Entwicklung. Drei Quellen liefern heute das Mineral-Thermalwasser, dessen Kohlensäurekonzentration mit zur höchsten in Europa gehört. Die Vita Classica bietet ein Thermalschwimmbad samt Außenbecken, einen Bereich für Wassergymnastik, außerdem Saunalandschaft, Dampfbad und ein Japanisches Bad. Dank Nena entwickelte sich Bad Krozingen zu einem der beliebtesten Kurorte des Landes.
Mehr über die Geschichte der Thermalbäder der Region erfährt man im Oberrheinischen Bädermuseum in Bad Bellingen.

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Vita Classica
Thürachstraße 4
79189 Bad Krozingen
07633 4008140
www.bad-krozingen.info/vita-classica
Oberrheinisches Bäder- und Heimatmuseum
Alte Weinstraße 25
79415 Bad Bellingen-Bamlach
www.bad-bellingen.de
10 Preziosen aus drei Jahrhunderten
Bad Krozingen: Schloss Bad Krozingen mit Sammlung historischer Tasteninstrumente
Das Ambiente könnte nicht besser passen. Das idyllisch in einem kleinen Park gelegene Schloss von Bad Krozingen beherbergt eine einmalige Sammlung historischer Tasteninstrumente. Das Besondere ist, dass man die außergewöhnlichen Klangkörper nicht nur sehen, sondern auch hören kann. Die meisten wurden von Experten sorgfältig restauriert und sind einsatzbereit. Sie stehen im Mittelpunkt der Bad Krozinger Schlosskonzerte und werden von namhaften Künstlern gespielt. Für die Zuhörer eine wunderbare Gelegenheit, die Musik vergangener Epochen so zu hören, wie sie einst geklungen hat.
Die Sammlung historischer Tasteninstrumente Neumeyer-Junghanns-Tracey umfasst rund 50 Exemplare aus der Zeit von 1600 bis 1860. Darunter ein Orgelpositiv, das um 1730 gebaut wurde, Spinette, Spinettinos, Virginale, Cembali, Clavichorde, Tangentenflügel, Tafelklaviere und Hammerflügel. Die Instrumente kommen aus renommierten Werkstätten, darunter die von Nannette Streicher, die sich 1794 in Wien niederließ und dort Mitbegründerin eines der bedeutendsten Klavierbauunternehmen war. Für eine Frau war das damals eine Ausnahmekarriere. Ihr Grabmal kann man noch heute auf dem Wiener Zentralfriedhof besichtigen.
Dass die Preziosen ausgerechnet in Bad Krozingen zu bestaunen sind, ist der Aneinanderreihung gleich mehrerer Glücksfälle zu verdanken. Zunächst einmal war da die Leidenschaft von Fritz Neumeyer, von 1946 bis 1968 Professor an der Musikhochschule Freiburg und einer der bedeutendsten Interpreten alter Musik. Er legte den Grundstein für die Sammlung, die von seinen Schülern Rolf Junghanns und Bradford Tracey weiter ausgebaut wurde. Eine angemessene Bleibe fanden die Instrumente 1974 in dem 1579 als Propstei des Klosters St. Blasien erbauten Schloss, das am Rande des Zentrums von Bad Krozingen liegt und sich heute in Privatbesitz befindet.
Die Schlosskonzerte finden im ehemaligen Festsaal statt, der allein schon wegen seiner Tapisserien und der reichen Stuckdekorationen ein Erlebnis ist. Im Anschluss sind Führungen durch die Sammlung möglich.

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Schloss Bad Krozingen mit Sammlung historischer Tasteninstrumente
Am Schloßpark 7
79189 Bad Krozingen
07633 3700
www.schlosskonzerte-badkrozingen.de
11 Leuchtturm der Glasmalerei
Bad Krozingen: Meistermann-Fenster der Christuskirche
Was haben die evangelische Kirche in Bad Krozingen und das Willy-Brandt-Forum in Unkel gemeinsam? Der verbindende Name lautet Georg Meistermann. In beiden Häusern sind Arbeiten des 1990 verstorbenen Künstlers zu sehen. In Unkel handelt es sich um das berühmte Willy-Brandt-Porträt, das zunächst im Kanzleramt hing, dann aber das Missfallen des damaligen Hausherrn erregte und ausquartiert wurde. Das kann mit den Kirchenfenstern in Bad Krozingen nicht passieren, denn zum einen sind sie fest installiert und zum anderen sind die Besitzer stolz darauf.
Als die Christuskirche 1981 renoviert wurde, nutzte man die Gelegenheit, um die Fenster künstlerisch gestalten zu lassen. Den Auftrag erhielt der renommierte Professor Georg Meistermann, der unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Kunstakademie Düsseldorf gelehrt hatte. Unter dem Motto Die Erscheinungsweisen Gottes gestaltete er zehn Kirchenfenster mit abstrakten Motiven. Jedes hat ein eigenes Thema, das für ein Zitat aus der Bibel steht. So entstanden beispielsweise das Schöpfungs-Fenster, das Abraham-Fenster, das Moses-Fenster oder das Tor-zum-Leben-Fenster. Letzteres ist kleiner als die anderen und auf der Empore zu finden. An ihm wird das Prinzip Meistermanns besonders deutlich, der Farbgebung als das Werk des Menschen versteht, das durch das Licht Gottes erst zum Leben erweckt wird.
Unbestritten ist, dass Meistermann in Bad Krozingen Kunstwerke geschaffen hat, die die von außen so bescheiden wirkende Christuskirche in einen Leuchtturm moderner Glasmalerei verwandeln. Insgesamt gestaltete der Künstler über 1.000 Kirchenfenster in ganz Europa und prägte damit die Glaskunst des 20. Jahrhunderts, sodass man in den USA sogar von einem »german-Meistermann-style« spricht.
Der Freiburger Künstler Hans-Günther van Look war ein Schüler von Georg Meistermann. Er kreierte 2001 im Freiburger Münster ein Fenster zur Erinnerung an Edith Stein, die 1998 heiliggesprochen worden war.

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Meistermann-Fenster der Christuskirche
Schwarzwaldstraße 7
79189 Bad Krozingen
07633 3242
www.evkirche-bk.de
12 Über 1.000 Jahre alte Fresken
Bad Krozingen: Glöcklehofkapelle
Was für ein Glück, dass man früher als Kurgast in Bad Krozingen zwischen all den gesundheitsfördernden Anwendungen in den Heilquellen Zeit hatte, die Umgebung zu erkunden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass 1936 ein bedeutender Kulturschatz entdeckt wurde. Es handelt sich um das Wandfresko der Glöcklehofkapelle mit einer der ältesten Christusdarstellungen nördlich der Alpen.
Um in der winzigen Kapelle am Stadtrand eine derart herausragende Preziose zu identifizieren, bedurfte es eines in Denkmalsachen geschulten Kennerblicks. Und genau den hatte jener Kurgast seinerzeit, denn er war der Kunstbeauftragte der Diözese Rottenburg. Die an der Altarwand freigelegten Wandmalereien zeigen das Martyrium von Johannes dem Täufer und werden wie die Kapelle auf das Jahr 1000 datiert. Als Vorlage dienten vermutlich Buchmalereien von Mönchen des Klosters von der Insel Reichenau am Bodensee. 2009 wurde das Fresko konserviert.
Die Glöcklehofkapelle wurde im romanischen Stil errichtet. Sie liegt zwischen alten Kastanien, Glyzinien- und Efeuranken in einem besonders idyllischen Winkel neben einem Bauernhof und einem Gasthaus – so versteckt, dass sie leicht übersehen wird. Archäologen fanden heraus, dass sie ursprünglich zu einem mittelalterlichen Gehöft gehörte und im Auftrag des Klosters St. Gallen erbaut wurde. Das weiß verputzte Mauerwerk besteht aus groben Feld- und Wackersteinen aus dem Rhein. Die dicken Wände wirken etwas schief, was der Kapelle ein besonderes Flair verleiht. Auffallend sind die kleinen, hoch oben im Langschiff angebrachten Rundbogenfenster. Seit 1775 ist die Glöcklehofkapelle dem heiligen Ulrich geweiht. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der barocke Dachreiter, der kess auf dem sonst romanischen Bauwerk sitzt.
Wer mehr über die Geschichte von Bad Krozingen und Umgebung erfahren will, dem sei ein Besuch im Stadtmuseum Litschgihaus empfohlen. Basler Straße 10, 79189 Bad Krozingen

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Glöcklehofkapelle
Zufahrt über Staufener Straße 70
79189 Bad Krozingen
Tourist-Information
Bad Krozingen
Herbert-Hellmann-Allee 12
79189 Bad Krozingen
07633 4008163
www.bad-krozingen.info
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