Kitabı oku: «Expedition Körper»

Yazı tipi:


Barbara Zaugg


Titel

Barbara Zaugg

Expedition Körper

Gesundheit ist keine Glückssache

Inhalt

Inhalt

Von der Kuh zur Idee

Über mich

Das Mysterium X

Eine Expedition durch den Körper

Willkommen auf dem Schädeldach

Schaltstelle Gehirn

Unterwegs im Verdauungstrakt

In der Knochenwerkstatt

Das Energiekraftwerk

Rasant durch Herz- und Lungenkreislauf

Das Biochemiewerk Leber

Die unterschätzten Nieren

Im Raum der Sinne

Das Immunsystem: unsere Körperarmee

Das Lymphsystem

Wir sind nicht gleich

Massgeschneidert gibt es nicht

Der gigantische Stoffwechsel und die Macht der Hormone

Das Bauchgefühl – wenn der Körper Sie anruft

Der Reiz und seine Antwort

Das innere Gleichgewicht

Placebo – wenn nichts plötzlich Wirkung zeigt

Alles klar?

Achtung, fertig, Feuerwerk!

Quellen

Inhalt

Es mag etwas seltsam oder gar verrückt klingen, wenn ich Ihnen sage, dass mich eine auffallend lustig gefleckte Bauernhofkuh namens Rita inspiriert hat, dieses Buch zu schreiben. Ich begegne ihr täglich frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit. Sie schafft es immer aufs Neue, mich zum Schmunzeln zu bringen. Sehr genussvoll und fast tänzelnd bewegt sie sich an der automatisch drehenden, gelben Reinigungsbürste hin und her und zelebriert ihre Morgentoilette. Von den Artgenossen in der Warte­schlange, die offenbar gerne das Gleiche tun würden, lässt sie sich weder stören noch vertreiben. Ein Schauspiel der Sonderklasse, das bei mir immer wieder gute Gefühle auslöst und die Morgenmuffelstimmung vertreibt. Man kann hier quasi von einem Gute-Laune-Elixier sprechen.

Dieses allmorgendliche Ritual und sein Effekt haben in mir das unbändige Bedürfnis erweckt, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf sehr einfache und unterhaltsame Weise Einblick in Ihren Körper zu verschaffen. Mit meinen Schilderungen will ich in Ihrem Gehirn Signalstoffe auslösen, ein Kopfkino aktivieren und Sie mitten in Ihren eigenen Körper katapultieren. Voller Erstaunen und Bewunderung werden Sie Strukturen und Funktionsprozesse individuell und visualisiert erleben. Anders ausgedrückt: Sie rücken sich mal selbst auf den Pelz und kommen sich körperlich eine Spur näher. Ich garantiere Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.

Von Geburt an leben wir als individuelle Persönlichkeiten in einem ebenso individuellen Körper. Wir glauben, uns bestens zu kennen. Mit dem Wissen darum, wie wir ausschauen, was wir fühlen und denken, wie wir handeln, was wir mögen oder nicht, was uns freut oder traurig macht, und vielen Fähigkeiten mehr, kommen wir gut durch das Leben. Erst im Falle einer Krankheit, einer Verletzung oder eines psychischen Ungleichgewichts kann es dazu kommen, dass wir auf einmal ein befremdendes Körpergefühl verspüren. Spätestens dann ist es hilfreich, ein Mindestwissen über die Körperstrukturen und -funktionen zu haben. Mein Buch soll Ihnen Einsicht in Ihren Körper verleihen und damit Ihre Wahrnehmung sowie Ihre Eigenverantwortung steigern. Sie benötigen dafür keine medizinischen oder anatomischen Kenntnisse, sondern einzig eine Vorstellungsgabe, damit Sie die amüsante Expedition durch den Körper als Kopfkino erleben können.

Freuen Sie sich auf eine nicht alltägliche Herausforderung, und tauchen Sie ein in Ihre faszinierende Körperwelt. Sie erhalten dabei zwei Arten von Einsichten: zum einen physische Einsichten in die Körperwelt und zum anderen geistige Einsichten, damit Sie künftig im Denken, Fühlen und Handeln in Bezug auf Ihre Gesundheit differenzierter, aber auch kritischer vorgehen können.

Über mich

Mit vier fing alles an. Denn ganz der Norm der anno dazumal vierjährigen Kinder entsprach ich definitiv nicht. Statt Bilderbücher anzuschauen, Stofftiere herumzuschleppen und Seifenblasen nachzublicken, funktionierte ich mein Kinderzimmer in eine Puppenarztpraxis um. Dort frönte ich meiner unbändigen Leidenschaft, Forschungsversuche an meinen Puppen durchzuführen. Hinter verschlossener Zimmertür machte ich mich ans Werk. Keine meiner Puppen blieb unversehrt. Auch tot aufgefundene Fliegen, Spinnen und Mücken waren willkommene Forschungsobjekte. Einigen meiner Puppen malte ich mit Filzstift Verletzungen auf und versorgte sie anschliessend mit Verbänden und Pflastern. Anderen schnitt ich versuchsweise die Haare, um zu schauen, wie lange es dauert, bis sie wieder nachwachsen. Ich wartete Stunden, Tage, ja Wochen, bis ich mit grösster Enttäuschung feststellen musste, dass sich weder in Sachen Wundheilung noch in Sachen Haarwuchs irgendetwas tat.

Ich wurde älter, und meine Praxis entwickelte sich im Laufe der Zeit weiter. Sehr erfreute ich mich an den Utensilien aus dem realen Arztpraxisalltag, die mir Bekannte aus dem Pflegeberuf wohlwollend mitgebracht hatten. Erstaunlicherweise war ich tatsächlich im Besitz von Injektionsspritzen, leeren Infusionsflaschen mit Besteck, Injektionsmittelfläschchen und Operationsklemmen, ja sogar von einem Skalpell. Meine Versuche wurden überlegter, aber auch gewagter. Der Puppenwelt ging es dabei richtig an den Kragen beziehungsweise an den Kautschuk! Ich impfte die Puppen mit Wasser, schnitt ihnen die Mundpartie auf und fütterte sie mit eigens zubereitetem Bananenbrei oder öffnete ihnen mit dem brutal scharfen Skalpell den Bauch. Die Ergebnisse meiner Forschung waren stets ernüchternd: Wenn Haare nicht nachwachsen, aufgemalte Wunden nicht heilen, Injektionsmittel nicht aufgenommen werden, Nahrungsmittel übel zu riechen beginnen, Bäuche einfach Hohlräume sind, ja was zum Teufel kann ich denn hier in Erfahrung bringen? Eine einzige Kautschuklüge? Enttäuscht und entmutigt war ich kurz davor, meine Praxis zu schliessen.

Bald darauf entfachte sich aber eine neue Idee, nämlich mich gezielt auf meinen Traumberuf Ärztin vorzubereiten. Etwa mit acht Jahren begann ich, Miniaturplastiksäckchen zu erstellen, diese mit rot gefärbtem Wasser (in meiner Idee Blut) zu füllen und in die Hohlräume der Puppen zu implantieren. Mein Ziel war es, Blut zu entnehmen und unter dem Mikroskop meines älteren Bruders zu untersuchen. Das erneut knifflige Projekt endete in kleineren und grösseren Sauereien.

Die absolut krönende Herausforderung war schliesslich, eine tote Fliege wieder zum Leben zu erwecken. Ich beträufelte die auf einem Papiertaschentuch aufgebahrte Fliege sanft mit Tropfen aus einer Spritze. Deren Inhalt war nichts anderes als das Lebenselixier Wasser. Voller Spannung wartete ich auf Reaktionen. Nichts geschah, nicht der kleinste Flügelschlag, nicht das leiseste Zucken. Ein weiterer Tropfen Lebens­elixier und die Verlegung auf die Fensterbank folgten, damit zusätzlich himmlische Sonnenstrahlen auf die Fliege einfielen. Wiederum null Reaktion. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich, ähnlich wie bei den Puppen. Nur Materie ohne Leben, nur diesmal nicht aus Kautschuk! Aber ich war um eine Erfahrung reicher: Ich wurde unmissverständlich mit dem Tod konfrontiert. Das kam mir fremd, gruselig und unheimlich vor. Was für ein Unterschied zwischen der lebendigen Fliege, die nervig und unermüdlich herumsummt, und der toten Fliege, die starr und regungslos vor sich hin trocknet! Diese Beobachtung löste in mir ein sonderbares Schaudern aus. Ein Schaudern, das ich heute noch verspüre, wenn ich mit dem Tod in Berührung komme.

Als es um die Berufswahl ging und ich meinen innigsten Wunsch, Ärztin zu werden, kommunizierte, stiess ich bei meinem autoritären Vater auf taube Ohren. Er meinte, meine Mathematiknote sei dermassen schlecht, dass sie mir den Übertritt ins Gymnasium unmöglich mache. Das hat mich hart getroffen. Das Oberhaupt der Familie war zudem der festen Überzeugung, dass ich als sehr feinfühlige, sensitive Persönlichkeit dem Druck der Medizin, sprich den Leidensgeschichten der Patientinnen und Patienten, nicht standhalten würde. Diese beiden fixen Meinungen liessen nicht den geringsten Spielraum für weitere Diskussionen. In mir herrschte einen Moment lang nur noch Weltuntergangsstimmung, und ich hegte einen inneren Groll meinem Vater gegenüber. Aber die kleine Ärztin liess sich nicht unterjochen. Sie wusste im innersten Herzen, dass sie eines Tages ihren Traum realisieren und im Rahmen des Möglichen Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden helfen würde.

Mein vom Vater indoktrinierter Bildungsweg führte anfänglich über Sprachaufenthalte in die kaufmännische Welt. Ich schloss die Handelsschule sowie die kaufmännische Lehre mit Diplom ab und startete die praktische Tätigkeit direkt im Polizeiwesen als Stabsassistentin. Weit weg also vom Gesundheitswesen, aber hautnah am Puls der Menschen. Hier wurde mir erstmals richtig bewusst, wie unterschiedlich wir Menschen im Denken, Handeln und Fühlen sind. Warum ist das so? Warum sind nicht alle gleich? (Lesen Sie mehr darüber im Kapitel «Wir sind nicht gleich».)

Neben meiner spannenden Tätigkeit bei der Polizei drehten sich meine Gedanken ununterbrochen um die Welt der Medizin. Wenn jemand in der Familie, in der Bekanntschaft oder am Arbeitsplatz erkrankte, nahm ich den Pschyrembel (ein medizinisches Fachbuch) zur Hand, suchte nach den vorliegenden Krankheiten und setzte mich im Rahmen des Möglichen damit auseinander, quasi als Fortsetzungsarbeit meiner früheren Puppenarzttätigkeit. So geschah es, dass sich meine Arbeitskolleginnen und -kollegen in eine Warteschlange vor meinem Büro begaben, um sich als Testpersonen für Experimente zur Verfügung zu stellen. Sie wollten mehr wissen über die von mir erklärte Wirkung des Reizes und liessen sich von mir therapieren. Diese Art von Tätigkeit stand natürlich nirgends in meinem Pflichtenheft, und ich bangte, dass Vorgesetzte dies nicht lange billigen würden. Doch einige davon gesellten sich sogar zur Testgruppe. (Im Kapitel «Der Reiz und seine Antwort» erfahren auch Sie mehr.)

Meine Zeit bei der Polizei endete mit der Geburt unserer Tochter. Eine neue Aufgabe erwartete mich. Mit Leidenschaft war ich Mutter und sehr auf ein harmonisches Familienleben fokussiert. Die kleine Ärztin in mir blieb aber hartnäckig und trieb mich ständig dazu, Gesundheitsbeiträge und Fachliteratur zu lesen. Nachdem unsere Tochter flügge geworden war, bäumte sich die ständige Geisseltreiberin so richtig auf und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass ihre Blütezeit nun reif sei, und zwar ohne Wenn und Aber. Hoppla, dachte ich, das heisst Ärmel hochkrempeln, nochmals die Schulbank drücken, und das nicht nur für heute und morgen. So absolvierte ich vorerst die Ausbildung zur medizinischen Sekretärin H+ (H+ ist der nationale Spitzenverband der öffentlichen und privaten Schweizer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen). Nebst der medizinischen Terminologie waren Anatomie und Pathologie die Hauptfächer. Die Ausbildung beflügelte mich und liess mein Herz höherschlagen. Ich spürte eine gewaltige Energie und Motivation, nun der Körperwelt – und nicht dem Kautschuk – auf die Spur zu kommen. Ich entschloss mich, parallel auch noch die viereinhalb Jahre dauernde Ausbildung zur diplomierten Naturheilpraktikerin TEN (traditionelle europäische Naturheilkunde) zu starten. Es war eine intensive Zeit. Unterricht und Prüfungen an zwei Ausbildungsstätten gleichzeitig zu absolvieren, war fordernd. Meine Tage und Nächte waren mit intensivem Lernen ausgefüllt. Meine Familie und meine Freunde wurden in dieser Zeit stiefmütterlich behandelt.

Mit dem erfolgreichen Abschluss beider Ausbildungen hat sich mein Traum erfüllt. Heute bin ich zwar keine Ärztin, dafür aber Komplementärmedizinerin. Mein Fokus richtet sich auf die integrative Medizin. Das heisst, ich strebe eine Symbiose zwischen konventioneller und komplementärer Medizin an. Es ist mir wichtig, dass die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Sparten respektvoll miteinander umgehen und es gemeinsam als das oberste Ziel ansehen, den Patientinnen und Patienten die bestmöglichen Voraussetzungen für ihren Heilungsprozess zu schaffen. In unserem Beruf sind wir das den Menschen schuldig, die uns ihr Vertrauen und ihre Hoffnung schenken. Mein Fachwissen zusammen mit den nicht unbedeutenden Fremd- und Eigenerfahrungen kann ich heute in der Praxis als diplomierte Naturheilpraktikerin gezielt einbringen. Beruflich lebe ich die mir in die Wiege gelegte Passion und bin überzeugt, dass sich selbst mein seliger Vater darüber freuen würde. Mein zweiter Bildungsweg war geprägt von Staunen, Begeisterung, Bewunderung und grossem Respekt unserem Körper gegenüber. Einem Wunderwerk der Natur, das ich Ihnen in meinem Buch näherbringen will.

Das Mysterium X

Die Annehmlichkeiten unseres hoch entwickelten Lebensstandards haben die Menschheit nicht nur geprägt, sondern in gewisser Weise auch verändert. So leben wir heute mit viel Wohlstand in einer Selbstverständlichkeit, ohne uns gross Gedanken über unsere Entstehung, das Leben und die Gesetze der Natur zu machen. Verständlich, denn heutzutage fokussieren wir uns auf ganz anderes als auf diese Fragen: Existenz, Familie, Partnerschaft, Beruf, Gesundheit, Wirtschaft, Politik, Technologie, Wissenschaft und vieles mehr stehen global im Zentrum.

Auf die Fragen, was vor dem Urknall war und wer oder was dafür verantwortlich ist, dass der menschliche Körper und überhaupt alle Lebewesen so perfekt funktionieren, kennt bis heute niemand die wahrhaftige oder ultimative Antwort. Sicher, es gibt Interessierte, die diesen Grundfragen intensiv nachgehen und nach plausiblen Antworten in der Evolution, in der Bibel oder in der weit fortgeschrittenen Wissenschaft und Forschung suchen. Bis heute konnte aber noch keine Theorie klar belegt oder bestätigt werden. Wissen führt immer bis zum Erklärbaren zurück. Was davor war, kann niemand plausibel belegen. Es bleibt etwas Unbekanntes. Deshalb werden wir nie wissen, was uns im Leben, auf der Erde und im Universum mit viel Kraft und Energie unsichtbar umzingelt und tagtäglich begleitet. Hier könnte sich eine Diskussion über Religion, Glauben und Evolution entfachen. Das ist aber nicht Inhalt meines Buches. Vielmehr will ich Sie hiermit dazu anhalten, sich mehr als sonst bewusst zu werden, dass es etwas in unserem Universum gibt, das weder sichtbar noch fassbar ist. Etwas, das sich nicht in einem Begriff, einer Person, einem Symbol oder einem Bild darstellen lässt. Damit Sie nachfolgend aber immer gleich wissen, wovon ich spreche, bezeichne ich es als X, das mächtig, aber trotzdem liebevoll auf Sie herunterblickt.


X ist Begleiter unseres Lebens, der Natur und des Universums und lässt sich von nichts beeindrucken oder besiegen. Es kann uns auf verschiedenste Weise zeigen, wie machtlos wir Mächtigen wirklich sind, trotz unserem grossen Bestreben, alles im Griff zu haben. Es gibt Momente, da mögen wir an X zweifeln. Wir fragen nach Sinn und Unsinn dieser Macht. Wenn wir zum Beispiel in den Medien hören, dass ein gewaltiges Erdbeben Massen von Menschen und Dörfer verschüttet hat, wirkt X bedrohlich. Groll wächst, denn niemand Gutgesinntes würde uns solch ein Elend bescheren. Dass uns damit vielleicht etwas gezeigt werden möchte, ignorieren wir, denn es würde unsere Lebensweise zu stark tangieren. Anpassungen in Bezug auf Umwelt, Wirtschaft, Forschung, Gesundheit und vieles mehr wären die Folge. Ihre Umsetzung scheitert bereits in den Grundgedanken. Ein Umdenken auf verschiedenen Ebenen ist praktisch unvorstellbar. Kaum jemand will sich mit weniger zufriedengeben. Das Streben nach Besserem und nach mehr und noch mehr ist allgegenwärtig und unaufhaltbar. X birgt im Gegenzug aber auch Sanftmut. Nicht selten ergeben sich Chancen im Leben, die man nie erwartet hätte. Auch eine lang aufgegebene Hoffnung kann in einem Wunder enden. Hier hegt niemand Groll. Wir nehmen an, was uns geboten wird, und dies leider zu oft mit Selbstverständlichkeit.

Ich selbst wurde in meinem Leben hautnah mit X konfrontiert. Diese Erfahrung hat mich geprägt und einsichtig gemacht. Mein Leben hat sich verändert, indem Gewisses an Wert verloren, dafür vieles an Bedeutung gewonnen hat. Das Wissen um die Existenz von X ist für mich auch eine Art Basis, um hochkomplexe Körperfunktionen überhaupt nachvollziehen zu können, zumindest da, wo Forschung und Wissenschaft auf Hypothesen beruhen, weil Gewisses nicht erklärbar ist.

Eine Expedition durch den Körper

Sollten Sie müde vom Tag im Bett liegen und beabsichtigen, dieses Kapitel als Schlummerlektüre zu nutzen, rate ich davon ab. Gerade jetzt geht es nämlich darum, Ihre Sinne zu schärfen und Ihr Vorstellungsvermögen auf 100 Prozent Empfang zu schalten. In Kürze starten wir zusammen die imaginäre Reise durch den Körper. Es ist wohl die aussergewöhnlichste und eindrücklichste Expedition, die Sie jemals erleben werden. In sehr vereinfachter Weise erkläre ich die Funktionen und Prozesse der Innenwelt unseres Körpers. Dabei benutze ich keine Fachbegriffe, setze einige aber in Klammern, sodass diejenigen, die mehr wissen möchten, Detailinformationen in der Fachliteratur oder im Netz einholen können.

Unser Körper verfügt über unglaublich viele Strukturen. Dazu gehören Zellen, Gewebe, Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder, Gelenke, Gefässe, Nerven, Organe und noch weit mehr. Dass der menschliche Körper systemisch überhaupt funktioniert, setzt das enge Zusammen­spiel von der kleinsten Zelle bis hin zum grössten Organ – übrigens die Haut – zwingend voraus. Ihnen die physiologischen Zusammenhänge und Abläufe detailliert aufzuzeigen, ist aber nicht meine Absicht. Vielmehr will ich Ihnen die Grundprinzipien erklären. Denn diese zu erkennen, macht es möglich, dass Sie Ihren eigenen Körper besser verstehen und wahrnehmen können. Keine Angst, die Reise wird weder blutig noch gruselig. Also, los gehts, schnappen Sie sich Ihr Expeditionsgepäck, und tauchen Sie ein in Ihre Körperwelt!



Willkommen auf dem Schädeldach

Schöne Aussicht und gute Luft hier oben, auch wenn unsere Füsse mehr oder weniger in einem haarigen Feld stehen. Wussten Sie, dass jedes einzelne Körperhaar über einen eigenen Muskel, den Haaraufrichter (M. arrector pili), verfügt? Kein Wunder, dass einem ab und zu die Haare zu Berge stehen! Die Aktivität dieses Haarmuskels nehmen Sie bewusst wahr, wenn es Sie schaudert oder fröstelt und sich auf der sogenannten Gänsehaut Härchen sichtbar aufstellen. Seien wir froh, müssen wir diese unzähligen Haarmuskeln nicht auch noch einzeln im Fitnesscenter trainieren! Haare sind ein Gebilde aus Keratin, Hornfäden also. Zu unserem Glück besitzen sie weder Nervenzellen noch Blutgefässe, sonst wäre der Coiffeurbesuch wohl eine Tortur. Beim forschen Durchkämmen aber reagieren die Nervenzellen der Kopfhaut, was durchaus mal eine Träne ins Auge drücken kann.

Das Schädeldach, auf dem wir uns gerade befinden, hat wissenschaftlich definiert eine Dicke von 6,5 bis 7,1 Millimetern, ist äusserst robust und nimmt viele Stösse problemlos entgegen. Die Wissenschaft glaubt zu wissen, dass das Schädeldach der Frauen generell dicker ist als das der Männer. Es ist also kein Zufall, dass Frauen von der männlichen Spezies öfter als Dickschädel bezeichnet werden. Liebe Männer, kurzer Verweis auf X: Es ist das Gesetz der Natur, die Frauen trifft keine Schuld.

Jetzt lade ich Sie ein, mit mir in den fiktiven Körperlift zu steigen. Wir starten im Stockwerk G.

Schaltstelle Gehirn

Seien Sie vorsichtig, Sie stehen mitten auf einer glitschigen Masse, die sich optisch fast ein bisschen mit Pudding oder Tofu vergleichen lässt. Es ist finster hier, bitte holen Sie die Taschenlampe aus Ihrem Expeditionsgepäck. Klick: Was für ein Anblick! Da liegt es, unser Gehirn, mit seinen beigefarbenen imposanten Furchen und Windungen, umgeben von rot schimmernden Blutgefässen. Das meisterhafte Konstrukt von durchschnittlich eineinhalb Kilogramm ist die oberste Zentrale und Schaltstelle unseres Körpers. Einen direkten Zusammenhang zwischen Hirngewicht und Intelligenz gibt es übrigens nicht. In der gewaltigen Hirnstruktur befindet sich auch der Sitz unseres Denkens, unserer Gefühle, unseres Handelns und – sehr wichtig – unserer Seele und Psyche.

Das Gehirn hat die Aufgabe, Sinneseindrücke zu verarbeiten und lebenswichtige Körperfunktionen zu koordinieren. Dies geschieht ausschliesslich über Nervenzellen (Neurone). Schauen Sie genau hin, in den spinnennetzartigen Fortsätzen des Nervennetzes fliessen in rasender Geschwindigkeit elektrische Signale von der einen Nervenfaser zur andern. Für die korrekte Übertragung der Informationen sorgen chemische Botenstoffe, die in der Zelle selbst produziert werden. Wenn alle elektrischen Signalweiterleitungen visuelle Lichtblitze aussenden würden, dann sähen wir hier jetzt ein Feuerwerk der Sonderklasse! Denn es finden Millionen von Übermittlungen gleichzeitig statt. Stellen Sie sich vor, sie alle würden farbig leuchtende Funken sprühen. Was für ein eindrückliches Spektakel! Sie kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Halten Sie sich dieses Bild vor Augen, und speichern Sie es ab, denn so bleiben Ihnen die gewaltigen Hirnfunktionen am besten im Gedächtnis.

Das Gehirn ist ein Rechenzentrum von höchster Qualität. Rund 100 Milliarden Nervenzellen in Verbindung mit Billionen von Nervenübertrittsstellen (synaptischer Spalt) müssen ständig miteinander kommunizieren, damit wir fühlen, denken und handeln können. In Millisekunden finden unzählige chemische und elektrische Prozesse für nur eine einzige Handlung statt. Es ist sehr wichtig, zu wissen, dass restlos alle Funktionen im Gehirn, aber auch im Körper über Nervenzellen laufen. Diese steuern sämtliche Signale, die unsere lebensnotwendigen Funk­tionen aufrechterhalten. Ohne sie würde im Körper rein gar nichts geschehen. Liegen bei irgendeinem Nerv oder einer Nervengruppe Fehlsteuerungen vor, bekommen Sie das auf sehr unangenehme Art und Weise zu spüren. Es kann zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen, Taubheit, Funktionsstörungen oder gar zu Lähmungen führen. Vereinfacht erklärt, verfügt die Nervenzelle über drei Bereiche: den Zellkörper, die davon abgehenden sehr feinen Fortsätze (Dendrite) und einen schlauchartigen, langen Fortsatz (Axon), der sich am Ende ebenfalls verästelt.


Damit Sie sich die Vorgänge im Gehirn besser vorstellen können, vergleiche ich es mit einer Computerfestplatte. Dass es sich beim Gehirn um ein viel komplexeres Gebilde handelt, versteht sich von selbst. Sehr simpel ausgedrückt sind auf einer Festplatte Daten gespeichert, die in verschiedenen Ordnern abgelegt sind. Ähnlich ist es im Gehirn: All unsere motorischen oder sensorischen Funktionen entspringen den jeweils zuständigen Ordnern oder ihren Verknüpfungen zu anderen. Gefühle wie Freude, Glück, Wut, Trauer, Schmerz, Neid, Angst und Lust zum Beispiel sind Daten eines bestimmten Ordners.

Wir befinden uns jetzt im Grosshirn (Cerebrum) direkt unter der knöchernen Schädelkalotte. Es stülpt sich als grösster Hirnanteil wie der Hut eines Pilzes über das Mittel- und das Zwischenhirn und bildet die oberste Instanz des zentralen Nervensystems. All unsere Organe, Organsysteme und Gewebe werden von hier aus miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt. Reize aus der Körperinnen- und -aussenwelt werden über Empfänger (Rezeptoren) aufgenommen, weitergeleitet, beurteilt und verarbeitet. Je nach Reiz erfolgt eine Antwort über die Nervenbahnen zum entsprechenden Zielort des Körpers. Lesen Sie im Kapitel «Der Reiz und seine Antwort» mehr dazu.

Das Grosshirn teilt sich in eine linke und eine rechte Hälfte (Hemisphären) mit unterschiedlichen Aufgaben. Man glaubt zu wissen, dass bei Linkshirndominanz das logische, analytische Denken sowie der Sinn für Zahlen vorherrschen. Rechtshirndominante Personen dagegen schweben mehr in der Gefühlswelt, sind intuitiv und kreativ. In der Tat gibt es auch den Ganzhirntyp. Seine Eigenschaften zeigen sich weniger ausgeprägt, dafür breiter gefächert. Ein gefundenes Fressen für Arbeitgeber, die das Wissen über die drei Gehirntypen bei Anstellungen ganz bewusst nutzen und Bewerberinnen und Bewerber entsprechend evaluieren. Machen Sie Gebrauch von der Möglichkeit, mit gezielten Übungen das Zusammenspiel von linker und rechter Gehirnhälfte bewusst zu trainieren. Die Karten liegen dann nicht mehr so offen auf dem Tisch, und Sie können mit einem multifunktionalen Auftritt brillieren.

Die zwei bis vier Millimeter dicke Rinde des Grosshirns (Kortex) ist stark aufgefaltet. Dies vergrössert die Oberfläche um ein Vielfaches. Sie teilt sich in verschiedene Rindenfelder, wo sensorische (Gefühl), aber auch motorische (Bewegung) Signale aufgenommen und verarbeitet werden.

Lassen Sie uns weitergehen. Es wird anstrengender, denn wir müssen uns tief durch all die Hirnwindungen durchkämpfen, damit wir zu den weiteren Ordnern der Festplatte gelangen. Und es ist nicht einfach, in dieser schwabbeligen Masse den Überblick zu behalten.

Das Kleinhirn (Cerebellum) ist der zweitgrösste Ordner des Gehirns. Es liegt in der hinteren Schädelgrube und ist hauptsächlich für die Koordination und die Steuerung der Bewegungen und des Gleichgewichts zuständig. Weiter ist es aber auch an vielen nicht motorischen Leistungen wie der Sprachverarbeitung beteiligt.

Das Zwischenhirn (Diencephalon) ist die Schaltstelle zwischen Grosshirn und Hirnstamm. Dort werden sämtliche Signale aus den fünf Sinnesorganen Haut, Augen, Ohr, Nase und Mund empfangen, verarbeitet und an das Grosshirn weitergeleitet. Ebenso werden wichtige Prozesse des autonomen (vegetativen) Nervensystems gesteuert. Auch die Regelung des Schlafrhythmus sowie des Temperatur- und Wasserhaushalts findet hier statt.

Das Mittelhirn (Mesencephalon) ist Teil des Hirnstamms und mit rund eineinhalb Zentimetern Länge der kleinste Abschnitt des Gehirns. Es erfüllt mehrere Aufgaben innerhalb des komplexen neuronalen Systems. Primär ist es für die Steuerung der optischen, aber auch der akustischen Signale zuständig (Augen, Ohren). Selbst in der Schmerzempfindung spielt es eine nicht unbedeutende Rolle.

Der Hirnstamm mit seinen Strukturen ist ein wichtiges Regulationszentrum. Alle auf- und absteigenden Bahnen des zentralen Nervensystems durchziehen ihn. Stellen Sie sich eine Autobahntangente vor, die Spuren in Richtung Hirn (afferente Bahnen) und Spuren durch das Rückenmark nach unten in den Körper (efferente Bahnen) aufweist. Auf dieser Verbindungsachse rasen in rekordverdächtigen Geschwindigkeiten lebensnotwendige Informationen vom Hirn zum Körper und von da zurück zum Hirn. Zum Glück gibt es weder Geschwindigkeitskontrollen noch Bussen auf dieser Strecke. Das käme teuer zu stehen.

Sehr spannend ist es, dass die Informationen von der linken Grosshirnhälfte über die rechte Spur und diejenigen der rechten Grosshirnhälfte über die linke laufen, also überkreuzt. Dieser Überkreuzungseffekt lässt sich in der Therapie nutzen. Ist zum Beispiel ein Körperteil aufgrund von Schmerzen oder einer Verletzung berührungsempfindlich, kann die gegenüberliegende Seite manuell behandelt werden. Die gesetzten Reize führen in gespiegelter Form ins Gehirn und werden dort verarbeitet. Die daraus resultierende Reizantwort gelangt auf indirektem Weg an den Zielort. Man nennt dies konsensuelle Wirkung.

Das Nachhirn, auch verlängertes Mark (Medulla oblongata) genannt, ist ebenfalls Teil des Hirnstamms und Zentrum für automatische Vorgänge wie Atmung, Herzschlag, Blutzirkulation, aber auch Kauen und Schlucken. Es ist ein lebenswichtiges Regulations- und Reflexzentrum.

Bevor wir uns eine Pause gönnen, möchte ich Ihnen die Genialität Ihres Gehirns in verblüffender Art und Weise vorführen. Lesen Sie bitte den folgenden Text:

D1353 M1TT31LUNG Z31GT 1HNEN, ZU W3LCH3N GRO554RT1G3N L315TUNG3N UN53R G3H1RN F43H1G 15T! 4M 4NF4NG W4R 35 51CH3R NOCH 5CHW3R, D45 ZU L353N, 483R M1TTL3RW31L3 KO3NN3N S13 D45 W4HR5CH31NL1CH SCHON G4NZ GUT L353N, OHN3 D455 35 S1E W1RKL1CH 4N5TR3NGT. D45 L315T3T 1HR G3H1RN M1T 531N3R 3NORMEN L3RNF43H1GK31T. 8331NDRUCK3ND, OD3R?

Lösung:

Diese Mitteilung zeigt Ihnen, zu welchen grossartigen Leistungen unser Gehirn fähig ist! Am Anfang war es sicher noch schwer, das zu lesen, aber mittlerweile können Sie das wahrscheinlich schon ganz gut lesen. Ohne dass es Sie wirklich anstrengt. Das leistet Ihr Gehirn mit seiner enormen Lernfähigkeit. Beeindruckend, oder?

Aufgrund seiner enormen Lernfähigkeit verknüpft und verkabelt das Gehirn optisch sensorische Reize und komplettiert blitzschnell Wortfragmente zu einem erkenn- und lesbaren Text. Einfach genial!

Jetzt haben Sie sich eine Pause verdient. Diese verbringen wir in der Gute-Laune-Bar (dem limbischen System). Sie befindet sich dort, wo das Zwischenhirn an das Grosshirn angrenzt. Barkeeper Johnny mixt hier rund um die Uhr Gefühlscocktails für Sie, auch nachts, wenn Sie träumen. Die lauschige Bar ist sehr bedeutend für Ihre Gefühlswelt. Hier hausen zahlreiche Gefühle wie Freude, Glück, Liebe, Lust, Angst, Groll, Eifersucht oder Trauer. Ja sogar unser Sexualtrieb macht sich von hier aus bemerkbar. Gefühle sind ständige Begleiter unseres Lebens. Sie prägen unser Verhalten und unsere Psyche.

Unser Gehirn, das sich über das ganze Rückenmark hinwegzieht – Sie lesen richtig, das Gehirn befindet sich auch im Rückenmark –, entwickelt sich ab der dritten Schwangerschaftswoche (Neuralrohr). Da die Gute-Laune-Bar ihr Domizil im Gehirn hat, findet zu diesem Zeitpunkt auch ihre Eröffnung statt. Sie ist bereits vorgeburtlich (pränatal) in der Lage, Einflüsse der Aussenwelt aufzunehmen, zu verwerten und als Gefühlselixier in ihrem Lager aufzubewahren.

Erlebnisse, seien sie gut oder schlecht, werden auf ewige Zeit in Form von Gefühlen gespeichert und situativ vom Gehirn, sprich von Johnny aus der Gute-Laune-Bar, abgerufen und als Cocktail an Sie abgegeben. Sollten Sie auf die Idee kommen, Johnny zu kündigen, weil er Ihnen eine miese Stimmung serviert, muss ich Ihnen leider sagen, dass dies nicht funktionieren wird. Er kann nämlich nur die ihm zur Verfügung stehenden Elixiere mixen. Mangelt es ihm zum Beispiel an den Zutaten Freude, Glück, Euphorie, Energie und Lust, ist es ihm nicht möglich, Ihnen einen genüsslichen Cocktail auf die Theke zu zaubern. Zudem muss er die Lieferungen der Hormon AG mitberücksichtigen. Ich sage Ihnen, ein Schuss Hormonzusatz, und ihre Gefühle bekommen Flügel, oder auch nicht. Das haben Sie sicher bereits erlebt, aber möglicherweise nicht so richtig zuordnen können.


Ich übergebe kurz Johnny das Wort:

«Liebe Leserinnen und Leser, es freut mich sehr, Sie auf diese spezielle Art und Weise kennenzulernen. Ich bin Johnny, Barkeeper der Gute-Laune-Bar, und liebe meinen Job. Es liegt mir am Herzen, Sie mit meiner Arbeit voll und ganz zufriedenzustellen. Damit mir dies gelingt, bitte ich Sie um Ihre Mithilfe: So hektisch, beschwerlich und mit Terminen oder Sorgen beladen Ihre Tage auch sein mögen, gönnen Sie sich immer wieder eine Auszeit sowie schöne, erholsame und genussvolle Momente. Die guten Gefühle, die dabei entstehen, werden als Wohlfühlelixier in meiner Bar aufgefangen und säuberlich gelagert. Auf ständigen Nachschub dieses Stoffes bin ich angewiesen, denn so kann ich Ihnen gute Stimmung mixen. Sie und ich arbeiten Hand in Hand, nach dem Motto «Zusammen sind wir stark». Grund genug, zwischendurch an mich zu denken. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche spannende Momente bei der weiteren Expedition.»

Ein sympathischer Kerl, dieser Johnny. Ich bin sicher, Sie werden sich künftig an ihn erinnern. Wir verlassen die Gute-Laune-Bar und betreten den Lift in Richtung Stockwerk V.

Unterwegs im Verdauungstrakt

Wir stehen mitten im Mund. Bereits hier, liebe Leserinnen und Leser, beginnt unser Verdauungstrakt. Haben Sie gewusst, dass wir im Laufe unseres Lebens locker zwischen 30 und 50 Tonnen Nahrung verdauen und so unsere Körperzellen nähren? Eine unvorstellbare Menge! Unserer Verdauung gebührt grosser Dank und Respekt, denn sie leistet Gewaltiges.

Wichtig: Um Ihrer Verdauung behilflich zu sein, müssen die dem Mund zugeführten kompakten Köstlichkeiten gut gekaut werden. Nicht vergebens haben Sie – vorausgesetzt alle Weisheitszähne sind vorhanden – 32 Zähne (je 16 im Ober- und im Unterkiefer). Einerseits sind diese für die Zerkleinerung der Nahrung verantwortlich, andererseits dienen sie auch der Lautbildung beim Sprechen. Wie schräg hört sich ein S oder R an, wenn die oberen Schneidezähne fehlen? Und ohne sie macht auch ein Lächeln vor dem Spiegel keinen Spass. Verabschieden sich die Zähne aus Altersgründen aus unserem Leben, ja dann klingeln die Kassen der Zahnärzte. Denn ohne Gebiss läuft gar nichts mehr, und obendrauf verändern sich noch die Gesichtszüge. Wir werden zum Handeln gezwungen, dies aber auch bei defekten oder ungepflegten Zähnen. Ich bin von der Kernaussage abgeschweift, nämlich: Gut gekaut ist halb verdaut! Je grösser die Speisebrocken, desto härter muss Ihre Verdauung arbeiten, um aus den Mocken zuerst Matsch zu machen. Helfen Sie aktiv mit, es lohnt sich, denn eine reibungslose Verdauung ist garantiert auch in Ihrem Interesse.

Zur Steuerung empfängt und übermittelt der Verdauungstrakt Informationen über das Gehirn. Viele der dafür notwendigen Nervenbahnen befinden sich im Darm. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir ein Darmhirn (enterisches Hirn) besitzen. Dass wir öfter mal vom Bauchgefühl sprechen, kommt nicht von ungefähr. Dieses hat tatsächlich anatomische Strukturen. Ich werde im Kapitel «Das Bauchgefühl – wenn der Körper Sie anruft» eingehend darauf zurückkommen.

Bitte ziehen Sie die wasserfeste und säurebeständige Weste an und klinken Sie die Anseilleine ein, denn in Kürze wird es stürmisch. Unser Weg führt über die Zunge zum Rachenraum. Geben Sie acht auf die links und rechts hervorragenden Zähne, die Sie bei einem Fehltritt sehr schnell irrtümlich zu Kaugummi machen können.

Man fühlt sich in einer Art Tropfsteinhöhle. Das Halszäpfchen sowie die Rachen- und Gaumenmandeln vermitteln diesen Eindruck. Vorsicht, stossen Sie nicht an das Halszäpfchen, sonst wird gleich ein natürlicher Würgeffekt ausgelöst, und Sie kommen arg in die Klemme. Das Halszäpfchen dient nämlich nicht nur der Lautbildung, sondern ist gleichzeitig auch Verkehrspolizist und weist die Speisebrocken in die richtige Spur. Der Würgeffekt verhindert, dass der Nahrungsbrei in die Luftröhre gelangt, was im schlimmsten Fall zu einer Erstickung führen könnte. Glücklicherweise verfügen wir über ein natürliches Sicherheitssystem: die Epiglottis, die ich liebevoll Lotti nenne. Es handelt sich dabei um einen Deckel über der Luftröhre, der sich öffnen und schliessen kann. Lotti sei Dank also, dass wir nicht an unserem Essen ersticken.

Im Vorbeigehen – denn sie gehören nicht zum Verdauungstrakt – erwähne ich die gut erkennbaren Gaumen- und Rachenmandeln. Wer im Kindesalter oft von schmerzhafter Angina geplagt war, kann ein Lied davon singen. Früher wurde solchem Leiden nicht selten mittels operativer Entfernung der Mandeln ein Ende gesetzt. Sie gehören aber zum lymphatischen Rachenring und sind ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Heutzutage ist man mit der Entfernung deshalb zurückhaltender.

Achtung, jetzt geht es für einen Moment sehr steil hinunter. Wir seilen uns durch die mit unwillkürlicher Muskulatur (glatter Muskulatur) umgebene Speiseröhre ab. Sie hat einen Durchmesser von eineinhalb bis zwei Zentimetern. Während rund einer Lineallänge spüren Sie gleich deutliche Wellenbewegungen. Das sind Muskelkontraktionen (Peristaltik). Sie sind notwendig, damit der Nahrungsbrei, der uns gerade umhüllt, überhaupt zum Magen befördert werden kann. Stopp, es wird eng, sehr eng sogar: Wir stehen vor dem Mageneingang. Hier zieht sich die Muskulatur so fest zusammen, dass ordnungsgemäss keine Magensäure in die Speiseröhre aufsteigen kann. Andernfalls würde die ätzende Magensäure ein sehr unangenehmes brennendes Aufstossen (Reflux) bewirken. Dieses Symptom wird Refluxkrankheit genannt und nach dem jeweiligen Grundübel behandelt.

Allmählich wird es wieder geräumiger, dafür aber stürmisch. Wer glaubt, sich in einer Waschmaschine zu befinden, liegt nicht ganz falsch. Hier im Magen wird der Nahrungsbrei zur Verkleinerung so richtig hin und her gepanscht und zusätzlich mit saurem Magensaft angereichert. Der pH-Wert des Safts liegt in nüchternem Zustand bei eineinhalb bis zwei. Im Magen herrscht also ein aggressives Säureklima. Nicht umsonst tragen wir unsere Schutzweste. Damit sich der Magen mit seiner ätzenden Substanz nicht selbst zerstört, ist er mit einer äusserst gut schützenden Magenschleimhaut umgeben. Aus der anfänglich festen Nahrung ist nach dem «Waschprozess» ein verdaulicher Speisebrei geworden. Der Pförtner, auch Pylorus genannt, am Ende des Magens, ist dafür verantwortlich, den Brei portioniert weiter in den Zwölffingerdarm abzugeben.

Aufgepasst, es wird sehr schlammig und, zugegeben, etwas eklig, darum bitte ich Sie, mir ins Darmboot zu folgen. Kapitän Brownie paddelt uns sicher und komfortabel durch die Gedärme. Schützen Sie sich mit der Maske im Exkursionsgepäck vor üblen Gasen.

Unsere erste Station ist der Zwölffingerdarm (Duodenum). Man nennt ihn so, weil er etwa zwölf Finger lang ist. Hier münden die grossen Verdauungsdrüsen Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ein. Er ist der erste der drei Hauptabschnitte des Dünndarms. Und schon sind wir im zweiten Abschnitt, dem Leerdarm (Jejunum). Es ist etwas makaber, aber sein Name rührt daher, dass er nach dem Tod meist leer ist. Nun folgt der dritte Abschnitt, der sogenannte Krummdarm (Ileum). Insgesamt hat der Dünndarm eine Länge von drei bis fünf Metern. Zusammen mit den drei oben genannten Drüsen leistet der gesamte Dünndarm wichtige Verdauungsarbeit und stellt Hormone und andere Botenstoffe zur Verfügung. Hier wird der saure Speisebrei neutralisiert und die Fettverdauung mittels Gallensaft in Gang gesetzt.


Spannend ist, dass die ganze Dünndarmschleimhaut wie eine Handorgel gefaltet und mit Zotten belegt ist. Würde man sie samt Zotten glatt auslegen, käme man auf eine Gesamtfläche von 400 bis 500 Quadratmetern. Unvorstellbar, nicht? Diese enorme Oberfläche dient der Aufnahme von essenziellen Nährstoffen, die zur lebensnotwendigen Ernährung der Körperzellen an das Transportmittel Blut abgegeben werden. Unsere Zellen sind ziemlich verfressen, ohne Nahrung würden sie kläglich eingehen. Sie brauchen täglich ihr Quantum an Nährstoffen, um ihre Funktionen ordnungsgemäss ausführen zu können.

Mein Tipp: Denken Sie öfter mal an sie, und tragen Sie zu ihrem Wohl bei, indem Sie sich gesund, ausgewogen und schmackhaft ernähren. Ihre Zellen werden es Ihnen gebührend danken.

Darmstrukturen besitzen wie alle anderen Organe eine Muskulatur. Es handelt sich um eine glatte (unwillkürliche, nicht beeinflussbare) Muskulatur, die den Speisebrei in rhythmischen Bewegungen (Peristaltik) sukzessive vorwärtsbefördert. Eine weitere wichtige Aufgabe des Dünndarms ist es, rund 80 Prozent Wasser aus der zersetzten Masse aufzunehmen. Das heisst, diese beginnt sich hier allmählich zu verdicken.

Übrigens: keine Angst vor den uniformierten Heerespolizisten, die uns so prüfend mustern. Sie gehören zur Körperarmee, sprich zum Immunsystem, und erkennen Fremdlinge, Viren oder Bakterien und sagen ihnen nötigenfalls den Kampf an (darmassoziiertes lymphatisches Gewebe). Ich habe ihnen unseren Besuch angekündigt, sie werden uns also nicht angreifen. Die Körperarmee lernen Sie später noch näher kennen.

Wir befinden uns nun am Ende des Dünndarms, also beim Übergang zum Dickdarm. Auf der rechten Seite machen wir eine sonderbare Bekanntschaft. Hier haust er, der oft gefürchtete «blinde» Darm mit seinem wurmartigen Fortsatz, der zwei bis zwanzig Zentimeter lang und circa sechs Millimeter breit sein kann. Im Volksmund nennt man ihn Blinddarm und spricht auch von Blinddarmentzündung (Appendizitis), wenn er in der rechten Unterbauchseite äusserst pikante Schmerzen verursacht! Tatsächlich ist es aber so, dass sich nicht der ganze Blinddarm, sondern lediglich der Wurmfortsatz entzündet. Die ursprüngliche Hauptaufgabe des Wurmfortsatzes liegt in der frühen Kindheit. Da war er nämlich Teil der Immunabwehr.

Wir erreichen den Dickdarm. Er ist dicker und mit rund einem Meter Länge deutlich kürzer als der Dünndarm. Er umgibt diesen mit seinen drei Teilen (aufsteigend, quer liegend, absteigend) wie ein Bilderrahmen. Anschliessend zum absteigenden Teil folgt der S-förmige Bereich (Sigmoid), dann der Mastdarm (Rektum) und schliesslich das Ende des Verdauungstrakts, das allseits bekannte After, das durchaus mal After-Work-Party feiern kann, nämlich dann, wenn es gemein juckt oder brennt. Der Dickdarm hat verschiedene Funktionen. Zum Beispiel entzieht er dem Nahrungsbrei noch mehr Wasser. Dies ist wichtig, sonst müssten wir uns ständig mit unliebsamen Durchfällen auseinandersetzen.

Besonders viel Aufmerksamkeit hat das im Dickdarm hausende Heer von guten Bakterien verdient, das ein bis zwei Kilogramm des Körpergewichts ausmachen kann. Sollten Sie gerade etwas zu viel auf der Waage haben und jetzt die Vermutung hegen … Stopp, die Darmbakterien trifft definitiv keine Schuld! Als sehr gute Freunde unseres Verdauungstrakts leisten sie wertvolle Arbeit. Der Grund für Ihre überschüssigen Pfunde muss woanders liegen. Mit diesen Bakterien besitzen wir ein wahrhaftiges Mikrobenimperium, bekannt als Darmflora. Sie verdaut den übrig gebliebenen Rest unserer Nahrung sehr effizient und sorgt gleichzeitig für ein stimmiges Immunsystem. Die Bakterien sind in der Lage, böse Angreifer zu killen und unschädlich für unseren Organismus zu machen.

Das Darmimmunsystem wird laufend erforscht, und die Ergebnisse sind interessant. So weiss man zum Beispiel, dass die Darmflora Einfluss auf unsere Stimmung hat, also mit Johnny aus der Gute-Laune-Bar verknüpft sein muss. Denn Darmbakterien regulieren unter anderem den Cortisolspiegel. Wenn das Stresshormon Cortisol im Übermass vorhanden ist, setzt das Johnny zu: Er muss diesen Stoff im Auftrag der Hormon AG verwenden, und hat er zu viel davon, ist er gezwungen, Cocktails zu mixen, die Ihnen nicht behagen. Im Übrigen glaubt man zu wissen, dass gute Darmbakterien Lebensmittelallergien in Schach halten können oder zumindest eine gute Basis dafür sind, dass sie gar nicht erst auftreten.

Mein Tipp: Versuchen Sie, Stressfaktoren möglichst gering zu halten. Stress ist Gift für die Darmflora, ja ein wahrhaftiger Killer. Reduziert sich die Belegschaft der guten Bakterien, ist das Risiko von Entzündungen viel grösser. Giftstoffe, Allergieauslöser und andere Krankheitserreger können sich so einfacher im Blutstrom, aber auch in den Nervenleitbahnen verbreiten. Dem Teufelskreis von Krankheiten und psychischen Problemen wird so Nährboden geboten.

Sehr wichtig für die Darmflora sind genügend Ballaststoffe, also faserreiche, pflanzliche Ernährung. Die Bakterien erhalten damit Arbeit. Mit der Zersetzung von Fasern produziert ein Teil der Bakterien unter anderem wertvolle kurzkettige Fettsäuren, die wiederum wichtige Bausteine für das Immunsystems sind. Es ist ratsam, zu stark industriell verarbeitete Nahrung zu umgehen. Denn sie lässt die nützlichen Bakterien kaum prosperieren.

Ein wahrer Graus für Bakterien ist die Infektionswaffe Antibiotika. Sollten Sie sie benötigen, bauen Sie Ihre Darmflora direkt nach der Behandlung wieder mit guten Darmbakterien auf. Produkte dafür gibt es genügend. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Apotheker oder Drogisten. Sie finden solche Hilfsmittel in Form von schmackhaften Probiotika auch im Fachhandel, allerdings in weniger konzentrierter Form und leider begleitet von künstlichen Zusatzstoffen. Trotzdem, besser als gar nichts!

Weiter geht es in den S-förmigen Abschnitt des Dickdarms (Sigmoid), der sich wie ein Schwanenhals zeigt. Seine Funktion ist es, den Stuhl weiter einzudicken und durch Muskelkontraktionen portioniert in das letzte Stück des Dickdarms, den Mastdarm, zu befördern. Die im Volksmund bekannte unangenehme und schmerzhafte Zottenentzündung (Divertikulitis) findet sich meist in diesem S-förmigen Abschnitt.

Im Mastdarm (Rektum) wird der Stuhl gesammelt, bis sein Volumen den Grenzwert so übersteigt, dass es zum Stuhldrang kommt. Der Stuhl wird zu guter Letzt via After ausgeschieden. Eine bewegte Reise von Mund bis After und ein Happy End für die Nahrung. Ist es nicht eindrücklich, wie sich das Ganze in Aussehen und Geruch verändert hat? Applaus dem Verdauungstrakt für diese Meisterleistung!

Gönnen wir uns eine kleine (Ver-)Schnaufpause, bevor wir in den Lift steigen und K drücken.

In der Knochenwerkstatt

Unser Skelett besteht aus Knochen, Gelenken, Knorpeln, Bändern, Sehnen und Bandscheiben und wird Bewegungsapparat genannt. Allerdings wird dieser als passiv bezeichnet, da es zur Bewegung noch Muskeln und nervale Impulse braucht. Ohne dieses Zusammenspiel kommen wir nicht in Schwung.

Hier in der Knochenwerkstatt sehen Sie rund 206 verschiedene Knochen. Diese Zahl kann aufgrund genetischer Vorgaben oder infolge zusammengewachsener Knochenteile von Mensch zu Mensch leicht differieren. Babys zum Beispiel haben bei ihrer Geburt sogar noch mehr Knochen (ca. 300). Man denke nur an die Schädelknochen, die sich im Laufe der Zeit zu einer kompakten Schädeldecke verbinden.


Unsere Knochen sind äusserst robust und haben die Funktion, uns zu stützen und unserem Körper Form zu geben. Sie müssen unterschiedlichsten Bewegungen und Belastungen standhalten. Zudem bilden sie einen schützenden Raum für die Organe Herz, Gehirn und Lunge. Ein bedeutendes Knochenkonstrukt ist unsere Wirbelsäule. Sie bildet das Rückgrat und ist die bewegliche Achse des Rumpfes, die mit verschiedenen Teilen des Skeletts verbunden ist (Kopf, Arme, Becken usw.) Im Innern der Wirbelsäule befindet sich unser Rückenmark. Hirn und Rückenmark sind unzertrennlich und bilden eine Einheit, die sich zentrales Nervensystem nennt. Darüber haben Sie im Stockwerk G bereits Genaueres erfahren. Spannend ist, dass die Bandscheiben, die als Puffer zwischen den Wirbelkörpern liegen, in ihrem Kern (Gallertkern) Flüssigkeit enthalten. Unter Dauerbelastung verliert dieser Kern reversibel an Flüssigkeit und damit an Höhe. Mit der Entlastung der Bandscheiben in liegender Position nehmen die Gallertkerne wieder Wasser auf. Es ist deshalb durchaus möglich, dass Sie frühmorgens leicht grösser sind als am Abend. Der Druckwechsel zwischen Be- und Entlastung ist die Grundvoraussetzung für den Stoffwechsel und führt damit zur Ernährung der Bandscheiben.

Mein Tipp: Entlasten Sie Ihren Rücken und die Bandscheiben ein- bis zweimal am Tag, indem Sie sich für ein paar Minuten ganz flach auf den Boden legen. Es mag gut sein, dass sich das im Moment fast ein bisschen schmerzhaft anfühlt, da man sich weiche Unterlagen gewohnt ist. Sie werden aber bald spüren, wie wohltuend und entspannend dies sein kann. Darüber freuen sich Ihre Bandscheiben garantiert. Bandscheiben-Apéro könnte man das nennen.

Aber zurück zur Werkstatt: Kranführer Billy befördert hier unsere Knochentypen und ordnet sie fein säuberlich in vier verschiedene Kisten. In Kiste eins deponiert er Röhrenknochen, wie wir sie im Oberarm und im Oberschenkel vorfinden. Übrigens: Der grösste Knochen unseres Skeletts ist der Oberschenkelknochen (Femur). Er ist bis zu 50 Zentimeter lang und kann bis 200 Gramm wiegen. Stellen Sie sich vor: Er würde sogar eine Druckbelastung von eineinhalb Tonnen aushalten! Wenn wir von Knochen sprechen, stellen wir uns generell einen Röhrenknochen vor, obschon es noch ganz andere gibt. Kiste zwei beinhaltet platte Knochen.

Dazu gehören Teile der Schädelknochen, aber auch Rippen, das Brustbein und das Schulterblatt. Sogenannte kurze Knochen befinden sich in Kiste drei. Sie sehen fast wie kleine Würfel aus und sind hauptsächlich im Hand- und Fussbereich anzutreffen. Die Knochenkonstrukte unserer Hände und Füsse sind sehr delikat und daher nicht immer ganz einfach zu operieren. Kiste vier schliesslich ist eine Mixkiste, in der sogenannte irreguläre Knochen zu finden sind. Diese haben unspezifische Formen, entsprechen also keinem der oben beschriebenen drei Typen. Man findet sie vor allem als Wirbel im Rückenbereich oder im Unterkiefer.

Knochen sind sehr stabil. Nicht ohne Grund haben Steinzeitmenschen die Gebeine von Tieren als Werkzeug, Nadeln und Schmuck verwendet. Sie bestehen hauptsächlich aus kalkhaltiger Knochensubstanz, verfügen aber auch über Gelenkknorpel und Knochenhaut. Autsch! Die kann bei einer Verletzung ganz schön schmerzen. Ebenfalls wichtige Bestandteile sind die Blutgefässe und das Knochenmark im Innern. Letzteres kommt in vielen unserer Knochen vor und ist ganz wesentlich an der Blutbildung beteiligt. Es gibt gelbes und rotes Knochenmark. Das gelbe wird auch Fettmark genannt und trägt nichts zur Blutbildung bei. Hingegen ist das rote, das bei Erwachsenen vor allem in den platten und kurzen Knochen vorkommt, die Brutstätte von roten und weissen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten).

Ein Blick ins Zubehörlager darf nicht fehlen. Sie sehen hier verschiedenste Gelenke und Haltebänder liegen. Diese hat X sehr clever konstruiert, damit wir nicht steif und starr vor uns hin klappern, sondern uns – zumindest theoretisch – geschmeidig bewegen können. Man spricht von sechs grossen Gelenktypen. Tatsächlich verfügt der Mensch über ungefähr 212 Gelenke, vom grössten bis zum allerkleinsten gerechnet. Nicht jedes davon wird als echtes gewertet. Es gibt auch unechte Gelenke, die in ihrem Aufbau und ihrer Funktion differieren. Sie weisen keinen klassischen Gelenkspalt auf, sondern sind bindegewebige oder knorpelige Knochenverbindungen. Überhaupt ist die Zahl der Gelenke in den verschiedenen Fachbüchern unterschiedlich, da ist man sich nicht ganz einig. Ich möchte nicht auf alle Gelenkarten im Detail eingehen, sondern nur die uns bekannten erläutern.

Das Schulter- sowie das Hüftgelenk sind frei bewegliche Kugelgelenke, die sich um jede Achse drehen können, und somit die beweglichsten Gelenke überhaupt.

Unser Handgelenk ist ein Eigelenk. Es hat die Form einer Ellipse und ermöglicht eine kreisförmige Bewegung, aber auch Beugung und Streckung.

Scharniergelenke bewegen sich nur um eine Achse und erlauben die Beugung und Streckung. Hierzu gehören der Ellenbogen, das obere Sprunggelenk sowie die Mittelglieder der Finger. Das Kniegelenk fällt ebenfalls in diese Kategorie. Es ist das grösste und komplizierteste Gelenk unseres Körpers. Als Drehscharniergelenk kann es zwischen Beugen, Strecken und leichter Drehbewegung wechseln.

Eine Gelenkart erinnert uns in ihrer Form an einen Sattel. Darum wird sie Sattelgelenk genannt. Es ermöglicht das Bewegen nach vorne, hinten, rechts und links und ist in unserem Daumen zu finden (Daumensattelgelenk). Nicht selten kommt es zur Daumensattelgelenk-Arthrose, die mit Medikamenten und Ruhigstellung therapiert oder auch operiert wird.

Das Zapfengelenk, das, wie sein Name schon sagt, eine Zapfenform hat, erlaubt Drehbewegungen und befindet sich zuoberst an der Halswirbelsäule (Atlas/Axis). Dank ihm können wir unseren Kopf drehen – jemandem den Kopf verdrehen ist aber wieder etwas anderes, da spielt die Art des Gelenks keine Rolle.

Gelenke sind wichtige Elemente unseres Bewegungsapparats. Besonders zu spüren bekommen wir sie, wenn sie im Sport oder im Alltag überbeansprucht werden, bei einem Unfall Schaden nehmen oder degenerative Strukturveränderungen (Arthrose) aufweisen.

Mein Tipp: Tragen Sie Sorge zu Ihren Gelenken – mit einer gesunden Ernährung und adäquater Bewegung. Bei Übergewicht und übertriebener sportlicher Belastung können Ihre Gelenke nämlich schnell mal protestieren. Das bekommen Sie unmissverständlich zu spüren.

Wir befinden uns immer noch im Zubehörlager. Sie sehen Bänder in verschiedenen Formen und Grössen. Sie bestehen aus Bindegewebe mit vielen festen Fasern aus Kollagen und sind Begleiter von Gelenkstrukturen, können aber auch Organe miteinander verbinden. Den häufig vorkommenden Bänderriss am Knie- oder Fussgelenk kennen wohl alle. Je nach Ort und Ausprägung kann er auch mal zur Operation führen.

Wir setzen unsere Expedition weiter fort und steigen in den Lift: Taste E drücken, bitte.

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

₺1.388,20

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
149 s. 32 illüstrasyon
ISBN:
9783908152613
Yayıncı:
Sanatçı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar