Kitabı oku: «Wissenschaftliches Arbeiten im Wirtschaftsstudium»
utb 3908 utb.
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Die Übungsblätter aus dem Anhang stehen Ihnen unter http://www.uvk.digital/45549 zum Download zur Verfügung.
Prof. Dr. Beate Gleitsmann lehrt an der Rheinischen Fachhochschule in Köln.
Dr. Christiane Suthaus ist Fachreferentin an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.
Beide Autorinnen geben regelmäßig Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten an der Universität zu Köln.
Beate Gleitsmann
Christiane Suthaus
Wissenschaftliches Arbeiten im Wirtschaftsstudium
Ein Leitfaden zum Einstieg
2., überarbeitete und erweiterte Auflage

Umschlagabbildung: © bubaone ns – iStock
Kopf in Abbildung 1: © Ratsanai - iStock
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.dnb.de> abrufbar.
2., überarbeitete und erweiterte Auflage 2021
1. Auflage 2013
© UVK Verlag 2021
– ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Internet: www.narr.de eMail: info@narr.de
Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
utb-Nr. 3908
ISBN 978-3-8252-5549-7 (Print)
ISBN 978-3-8385-5549-2 (ePDF)
ISBN 978-3-8463-5549-7 (ePub)
Vorwort zur 2. Auflage
Liebe Studierende,
Sie halten die zweite Auflage unseres kleinen Ratgebers in den Händen – oder sehen sie am Bildschirm. Hat sich im wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten viel verändert? Nein, eigentlich nicht. Aber manche Fragen von Studierenden sind uns neu begegnet, und es gab die eine oder andere Idee, wie mancher Aspekt übersichtlicher dargestellt werden kann. Entsprechend finden Sie in dieser Auflage deutlich mehr Übersichten, und eine Reihe von Checklisten ist auch dazugekommen. Wir hoffen, dass Ihre Arbeiten davon profitieren werden! Viel Erfolg!
Köln, im Sommer 2021
Die Autorinnen
Vorwort zur 1. Auflage
Liebe Studierende!
Bücher zum wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten gibt es viele. Sie sind unterschiedlich ausführlich, unterschiedlich kompliziert geschrieben und haben unterschiedliche Schwerpunkte. Eigentlich ist bereits für jeden Geschmack und jede Fragestellung etwas dabei. Warum also noch ein Buch zu diesem Thema?
Wir möchten Ihnen mit diesem kleinen Leitfaden den Prozess der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit speziell in den Wirtschaftswissenschaften darstellen. Ausgangspunkt dafür sind die Fragen der Studierenden, die wir in vielen Kursen zum wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten gesammelt haben – also praktische Fragen, vor denen Studierende bei ihren ersten wissenschaftlichen Arbeiten oft stehen. Auf diese Fragen werden wir uns hier konzentrieren, ohne den Anspruch zu erheben, das wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten mit all seinen Facetten umfassend darzustellen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden darüber hinaus sehr komprimiert beschrieben, so, wie Sie es für Ihre erste wissenschaftliche Arbeit voraussichtlich brauchen. Eine Reihe von Literaturhinweisen am Ende des Buches soll denjenigen unter Ihnen helfen, die sich in einzelne Bereiche vertieft einarbeiten wollen.
Sie begleiten in diesem Buch vier Studierende – Nora, Kevin, Annkathrin und David. Diese vier kennen sich aus der Schule und schreiben bei verschiedenen Professoren ihre Abschlussarbeiten. Sie nehmen auch an Kursen zum wissenschaftlichen Arbeiten teil, die aber unterschiedlich ausführlich sind. Als „eingeschworenes Team“ helfen sie sich gegenseitig und tauschen ihr Wissen aus. – Sämtliche Ähnlichkeiten zu realen Personen sind rein zufällig. Wir haben uns unsere vier Kandidaten für wissenschaftliche Arbeiten ausgedacht.
Herzlich danken möchten wir Frau Dr. Barbara Endell, Frau Bianca Reindl, Frau Rebecca Rosenjart, Frau Katharina Runov und Herrn Ralf Depping für geduldiges Lesen und viele hilfreiche Korrekturvorschläge. Frau Rosenjart hat die Abbildung im Abschnitt „Ursprung der Quelle“ für uns erstellt – auch dafür vielen Dank!
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Leitfaden eine Hilfestellung zu geben, die manchen Fehler bei der Erstellung einer Abschlussarbeit vermeidet und vielleicht sogar dazu beiträgt, dass Ihnen das wissenschaftliche Arbeiten Spaß macht. Und wenn Sie eventuell auf die Idee kommen, dass man sich im Team gegenseitig unterstützen kann, wäre ein weiteres Ziel dieses Buches erreicht.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!
Köln, im Sommer 2013
Die Autorinnen
Inhaltsübersicht
Vorworte
1 Wie alles begann
2 Was ist wissenschaftliches Arbeiten?
3 Welche Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sind wichtig?
4 Zeitplanung
5 Was ist beim Literaturverzeichnis zu beachten?
6 Fußnoten und Belege im Text
7 Situationen der Literatursuche
8 Zeitschriften-Rankings
9 Zur Zitierwürdigkeit und Zitierfähigkeit von Quellen
10 Vom Dachthema zur Forschungsfrage
11 Vorgehensweise beim wissenschaftlichen Arbeiten
12 Gliederungsprinzipien
13 Zur wissenschaftlichen Sprache
14 Probleme beim Schreiben
Anhang
Literaturverzeichnis
Glossar
Stichwörter
Inhalt
Vorwort zur 2. Auflage
Vorwort zur 1. Auflage
1 Wie alles begann
2 Was ist wissenschaftliches Arbeiten?
Beschreibung des wissenschaftlichen Arbeitens
Moralische Ansprüche
Technische Ansprüche
Objektivität
Reliabilität
Validität
Formale Ansprüche
3 Welche Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sind wichtig?
4 Zeitplanung
Arbeitsschritte des wissenschaftlichen Arbeitens
Zeitdauer und Lage der einzelnen Arbeitsschritte
5 Was ist beim Literaturverzeichnis zu beachten?
Aufgaben des Literaturverzeichnisses
Grundsätzliche Regeln für das Literaturverzeichnis
Regeln für die Angabe von Autoren und Herausgebern
Regeln für Auflagenangaben
Regeln für Reihenangaben
Regeln für Internetquellen
Regeln für Aufsätze
Regeln für Verlagsangaben
Regeln für die Sortierung
6 Fußnoten und Belege im Text
7 Situationen der Literatursuche
Überblick
Suche nach Büchern im Katalog
Suche nach einem Zeitschriftenaufsatz
Thematische Suche, Überblick zum Thema
Thematische Suche in den Fachdatenbanken
Formulierung von thematischen Suchen
Merklisten und Alerts
Cited Reference Search
8 Zeitschriften-Rankings
9 Zur Zitierwürdigkeit und Zitierfähigkeit von Quellen
Vertrauenswürdigkeit der Quelle
Ursprung der Quelle
Aktualität der Quelle
Verfügbarkeit der Quelle
Beispiele
10 Vom Dachthema zur Forschungsfrage
Dachthema als Ausgangspunkt
Qualitative Untersuchungen
Quantitative Untersuchungen
Vom Dachthema zum Titel der Arbeit
Beispiel zum Dachthema „Virtuelle Realität“
Forschungsfrage
11 Vorgehensweise beim wissenschaftlichen Arbeiten
Problemstellung als Ausgangspunkt für die Einleitung
Wissenschaftliche Methode zur Vorbereitung der Problemlösung im Grundlagenteil
12 Gliederungsprinzipien
Festlegung der Argumentationsweise
Argumentationsweise: Trichter
Argumentationsweise: Kette
Wesentliche Methoden der Untergliederung
Regeln für die Untergliederung
13 Zur wissenschaftlichen Sprache
Regeln für die Wortwahl
Wichtige Anmerkungen für das Zitieren
Zum Textfluss
Inhaltliche Anmerkungen
14 Probleme beim Schreiben
Schreibblockade durch die ‚leere Seite‘
Schreibblockade durch Perfektionismus
Schreibblockade durch zu viel ungeordnete Information
Schreibblockade durch den unbekannten Adressaten
Probleme durch Fehler im Thema oder in der Gliederung
Schwierigkeiten, das Geschriebene zu ändern
Schwierigkeiten, den ‚roten Faden’ einzuhalten
Anhang
Literaturverzeichnis
Glossar
Stichwörter
1 Wie alles begann
Freitag, 20 Uhr. Kevin öffnete die Tür zur Kneipe „Die letzte Klausur“ – ein beliebter Treff für Studierende. Annkathrin, Nora und David saßen schon am üblichen Tisch. Schnell kam das Gespräch auf das bevorstehende nächste Semester – die Abschlussarbeit stand für alle an.

Kevin

Annkathrin

David

Nora
David sah das sehr gelassen. „Mein Professor bietet ab der übernächsten Woche eine Veranstaltung an, bei der uns in mehreren Terminen ausführlich gezeigt wird, wie wir vorgehen sollen. Und dann haben wir während der ganzen Bearbeitungszeit auch noch alle 14 Tage einen Beratungstermin.“ „Kunststück, bei dem Fach!“, meinte Annkathrin. „Bei euch schreiben ja höchstens 10 Leute. Meine Professorin will uns nur an zwei Terminen sehen – zur Themenvergabe und zur Abgabe der Arbeit. Die Mitarbeiter bieten für jeden noch ein Gespräch zur Gliederung an, aber das war’s!“ „Hast du noch nichts von den Kursen im Studium Integrale gehört?“, fragte Kevin. „Nein, was soll das sein? Ich dachte, da gibt es nur Angebote zu Sprachen und zu irgendwelchen berufspraktischen Fähigkeiten?“ „Nein, das Spektrum ist viel umfassender. Es gibt da ein paar Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten für alle, außerdem ein paar fachspezifische und einige zu einzelnen Aspekten, wie etwa zum wissenschaftlichen Schreiben. Gestern habe ich zufällig gesehen, dass nächste Woche an drei Tagen ein Blockkurs für Wirtschaftswissenschaftler angeboten wird, die ihre Abschlussarbeit organisieren müssen. Es sind wohl auch noch Plätze frei. Soll ich dir den Link zur Anmeldung mal schicken?“ „Ja klar, gerne. Und du? Wirst du auch dort sein?“ „Nein, bei uns wird Anfang des nächsten Monats von einem Mitarbeiter der Professorin ein ganzer Tag Einführung als Pflichtveranstaltung angeboten. Ich schätze, das wird reichen – und es wird wohl auch eine Veranstaltung sein, die wesentlich genauer auf die Anforderungen meiner Professorin eingeht. – Was ist mit dir, Nora?“

„Ich habe mir ein Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten ausgeliehen und schon einmal angefangen zu lesen. Aber ehrlich – ich finde das alles ziemlich verwirrend, viel Kleinkram. Und das Thema Plagiate macht mir ein bisschen Angst. Ich hoffe, dass das Seminar, das bei uns das Semester über begleitend angeboten wird, ähnlich wie bei David, mir hilft. Das Lesen allein führt irgendwie zu mehr Fragen als Antworten.“
Die vier saßen eine Weile sehr nachdenklich um den Tisch. Dann meinte Kevin: „Wir treffen uns doch sowieso jeden Freitag. Lasst uns doch in den nächsten Wochen einfach mal austauschen, was wir über das wissenschaftliche Arbeiten und die Erstellung einer Abschlussarbeit lernen. Bis zur Themenvergabe Mitte des Semesters sind es noch genug Freitage. Wenn wir jede Woche vielleicht eine oder anderthalb Stunden darauf verwenden, die einzelnen Themen aus den Kursen zu besprechen, müssten wir eigentlich ganz gut vorbereitet sein. Und dann, wenn es wirklich ans Schreiben geht, können wir einander helfen. Mein Problem war schon bei der Facharbeit die ‚Aufschieberitis‘ – das wird jetzt bestimmt nicht anders werden. Es wäre gut, wenn wir uns gegenseitig motivieren. Wie seht ihr das?“ Alle waren einverstanden.
„Okay!“, meinte Annkathrin, „Wenn ich das richtig sehe, dann ist wohl der Blockkurs nächste Woche, von dem Kevin gesprochen hat, die erste Veranstaltung zu diesem Bereich. Dann schlage ich vor, dass ich versuche, dort einen Platz zu bekommen. Und ich übernehme den nächsten Freitag als ersten Termin und berichte mal zu einem der Themen aus dem Kurs.“
Und so kam es, dass jeden Freitag um 20 Uhr auf dem Tisch in der „Letzten Klausur“ die Aufzeichnungen aus den verschiedenen Kursen ausgebreitet und ausgetauscht wurden. Jeder der vier Studierenden trug zum jeweiligen Thema bei, was sie gehört, gelesen und erarbeitet hatten.
2 Was ist wissenschaftliches Arbeiten?
„Und? Wie war der Kurs?“ „Fühlst du dich jetzt besser vorbereitet?“ „Erzähl mal!“ Annkathrin wurde mit vielen Fragen und großer Neugier empfangen, als sie am folgenden Freitag in die „Letzte Klausur“ kam. Sie grinste. „Ja, der Kurs war sehr interessant. Begonnen haben wir übrigens mit einer langen Diskussion über das Kaffeekochen.“ „Was?“ „So eine Zeitverschwendung!“ „Nix Zeitverschwendung! Ich habe dabei richtig etwas gelernt!“ „Wieso? Hast du keine Kaffeemaschine zu Hause?“
Beschreibung des wissenschaftlichen Arbeitens
„Nein, habe ich wirklich nicht, ihr wisst doch, dass ich Teetrinkerin bin. Aber es ging auch gar nicht darum, wie man Kaffee kocht. Die Dozentin hat das als Beispiel gewählt, um den Unterschied zwischen wissenschaftlichem Arbeiten und den normalen Alltagstätigkeiten deutlich zu machen. Wenn wir Kaffee kochen, dann so, wie wir es mal irgendwo gesehen, von unseren Eltern oder sonst jemandem gelernt haben. Wir nehmen so ungefähr einen Löffel oder ein Kaffeemaß pro Tasse, wobei Tassen natürlich unterschiedlich groß sein können. Manche gießen das Kaffeepulver einfach mit kochendem Wasser auf, manche bevorzugen eine Kaffeemaschine, manche eine Kaffeekanne mit einem Kaffeefilter. Darüber entscheidet vor allem der persönliche Geschmack. Die Erfahrung zeigt dann, dass mit der einen oder anderen Kaffeemarke der fertige Kaffee mehr oder weniger gut schmeckt. Aber sonst denken wir nicht viel darüber nach. In Kaffeefirmen wird da ganz anders vorgegangen. Da wird die Wasserqualität genau analysiert, da werden Kaffeesorten nach Gewicht genau gemischt – es wird kontrolliert vorgegangen, Verfahren und Ergebnis werden exakt protokolliert und zur Optimierung der Produktqualität genutzt.
Dieses Beispiel zeigt den Unterschied zwischen dem wissenschaftlichen Arbeiten und dem dadurch gewonnenen wissenschaftlichen Wissen und der Sammlung von Erfahrungen im Alltag. Es gab dazu ein Tafelbild, das habe ich euch mal kopiert:“
| Merkmale | Alltagswissen | Wissenschaftliches Wissen |
| Erwerb des Wissens | Erwerb durch Erfahrung, eigenes Handeln, „learning by doing“, Erzählungen.→ Wissenserwerb ist das Resultat zufälliger Ereignisse. | Wissen wird unter standardisierten Bedingungen erworben.→ Wissenserwerb ist das Resultat von methodisch kontrolliertem Vorgehen. |
| Status des Wissens | Wissen ist an die Person gebunden. Persönliche Erfahrungen, eigene Meinung, Wertvorstellungen, Vorlieben, Interessen und Wünsche beeinflussen die Verwendung des Wissens.→ Wissen ist subjektiv. | Wissen ist von der Person getrennt. Eigene Erfahrungen, eigene Meinung, Wertvorstellungen, Vorlieben, Interessen und Wünsche dürfen die Verwendung des Wissens nicht beeinflussen.→ Wissen ist objektiv. |
| Verwendung des Wissens | Häufige Verwendung ohne kritische Hinterfragung führt zu Handlungsroutinen, die den Alltag erleichtern. Wiederholung ohne kritisches Denken wird selbstverständlich.→ Traditionswissen | Kritisches Hinterfragen ist zentraler Bestandteil der Verwendung des Wissens. Erneute Verwendung des Wissens wird stets kritisch überprüft und ist auf Forschung ausgerichtet.→ Innovationswissen |
| Vermittlung des Wissens | Formulierung ist unpräzise, mehrdeutig, zwecks schnellerem Verständnis werden häufig Beispiele und Metaphern genutzt.→ Alltagssprache | Formulierung ist präzise, eindeutig und sprach- effizient. Definitionen sind notwendig. Argumentation ist abstrakt und allgemeingültig. Beispiele sind nur zur Veranschaulichung einer allgemeingültigen Argumentation zulässig.→ Wissenschaftssprache |
Tab. 1: Unterschiede zwischen Alltagswissen und wissenschaftlichem Wissen
„Hey Annkathrin, das ist zwar eine echt coole Tabelle, aber so ganz verstehe ich das noch nicht. Ich will doch in meiner Abschlussarbeit keinen Kaffee kochen und auch keine eigene empirische Forschung betreiben. Ich mache auch keine Experimente oder ähnliches. Ich will NUR eine Literaturarbeit schreiben“, sagte David. „In meinem Fall kann ich das gar nicht gebrauchen. Ich muss doch nur zu einem Thema ein paar Bücher finden und die Meinungen zusammenstellen. Da muss ich doch nicht methodisch kontrolliert vorgehen, oder?“ „Doch! Genau das ist es!“, entgegnete Annkathrin. „Auch bei einer reinen Literaturarbeit musst du wissenschaftlich arbeiten, und das bedeutet, dass du schon bei der Literatursuche methodisch kontrolliert vorgehen musst. Auch bei der Suche nach Literatur darf kein Zufall vorkommen. Wenn du zufällig ein paar Bücher oder Artikel zu deinem Thema findest, dann reicht das eben nicht aus. Du musst so lange die Literaturrecherche kontrolliert betreiben, bis du die wesentlichen Literaturquellen zu deinem Thema gefunden hast. Im Seminar haben wir den Tipp erhalten, eine Literatursuchtabelle zu erstellen. Ich berichte Euch später, wenn wir bei Situationen der Literatursuche sind, wie Du das machst. Und dann solltest du grundsätzlich alles hinterfragen, was du liest. Dies gilt insbesondere für Quellenangaben – Literaturverzeichnisse und Belege können sehr fehlerhaft sein. Trau am besten keinem und prüfe alle Quellen und Seitenangaben selbst. Schließlich musst du noch darauf achten, dass deine eigenen Wünsche und Vorstellungen in deiner Arbeit nicht vorkommen. Alles, was du willst, meinst und dir wünschst, ist in einer wissenschaftlichen Arbeit verboten.

Stelle die Fakten zu deinem Thema objektiv dar und achte dabei auf alle deine Formulierungen. Bleib immer präzise, verwende keine Umgangssprache und sorge dafür, dass du spracheffizient schreibst, d.h. keine Wiederholungen in deiner Abschlussarbeit hast. Dazu gab es auch noch einen Tipp, den ich euch im Wortlaut mitgebracht habe“, sagte Annkathrin.
Tipp!
Beginne jede wissenschaftliche Arbeit zunächst damit, dass du dir einen guten Überblick über die Definitionen der zentralen Begriffe deiner Arbeit machst. Die zentralen Begriffe lassen sich aus dem Thema ableiten.
„Hey Leute, das passt ziemlich gut zu den Ansprüchen an die Wissenschaftlichkeit, die ich in meinem Buch gefunden habe“, sagte Nora. „Hier, schaut her, ich habe mir das rausgeschrieben:“
Tipp!
Ansprüche an die Wissenschaftlichkeit
Moralische Ansprüche
Trennung der Eigenleistung von der Fremdleistung
Nicht-Manipulierbarkeit der Person
Technische Ansprüche
Objektivität
Reliabilität
Validität
Formale Ansprüche
Wissenschaftssprache
Zitierregeln
Moralische Ansprüche
„Wir dürfen die moralischen Ansprüche auf gar keinen Fall verletzen, sonst gibt es sofort eine 5,0“, betonte Nora. „Die Trennung der Eigenleistung von der Fremdleistung können wir dadurch sicherstellen, dass wir alle Aspekte, die wir in unserer Arbeit aus anderen Quellen übernommen haben, entsprechend mit Literaturangaben belegen. Wenn wir das nicht tun, ist es ein Plagiat und damit ist die 5,0 berechtigt, da wir geistiges Eigentum geklaut und es als Eigenleistung dargestellt haben. Alles, was wir selbst erarbeitet haben, ist Eigenleistung und wird nicht mit Literatur belegt, da es ja hierzu noch nichts gibt. Das ist relativ einfach, oder?“, stellte Nora fest. „Na ja, so einfach ist das wiederum auch nicht“, entgegnete Kevin. „Was ist, wenn ich eine tolle Idee habe und irgendwo schon mal jemand diese Idee in einem Buch beschrieben hat? Nehmen wir mal an, ich habe dieses Buch wirklich niemals in der Hand gehabt. Der Gutachter meiner Arbeit kennt es aber oder er ist zufällig drauf gestoßen. Jetzt denkt er, dass ich das abgeschrieben habe. Kann er mich dafür bestrafen?“ „Ja, das kann er. Das muss er sogar! Deshalb müssen wir doch die wissenschaftlichen Kriterien erfüllen und vor der eigentlichen Schreibarbeit, die wissenschaftliche Literatur recherchieren. Du hättest diese Idee des anderen Autors finden müssen, wenn du richtig gesucht hättest“, stellte Nora fest. „Stimmt, ich erinnere mich. Zufälle bei der Literaturrecherche sollen wir vermeiden“, sagte Kevin nachdenklich. „Aber heißt das, dass ich Literatur auch dann noch suchen muss, wenn ich zu einem Thema bzw. zu einem Aspekt schon sehr viel weiß, z.B. aus früheren Vorlesungen, aus meinen Erfahrungen durch Praktika oder von Erzählungen meines Vaters, der immerhin ein erfolgreicher Manager ist und vieles selbst erlebt und erfahren hat?“, bohrte Kevin weiter.

„Ja, genau so ist es! Du musst immer die Literatur zu deinem Thema suchen, damit du belegen kannst, wer in der Wissenschaft zu deinem Thema was geschrieben hat. Das ist der beste Schutz vor dem Vorwurf des Plagiierens. Übrigens sind deine eigenen Erfahrungen bzw. die Erfahrungen deines Vaters subjektiv und haben in einer Abschlussarbeit sowieso nichts verloren.“
„Erinnerst du dich noch?“, fragt Nora. „Du hast recht“, antwortete Kevin.
„Mit der Nicht-Manipulierbarkeit der Person ist gemeint, dass der Bearbeiter sich nicht durch einen Auftraggeber der Studie bzw. einer Forschungsarbeit beeinflussen lassen darf. Damit soll also eine Gefährdung durch Auftragsforschung ausgeschlossen werden“, sagte Nora. „Aha, wenn ich also eine Studie zum Thema Gesundheitsbelastung durch Mobiltelefone durchführen würde und der Auftraggeber wäre z.B. ein Hersteller von Mobiltelefonen, der während meiner Forschung dafür sorgen würde, dass es mir so richtig gut geht, dann wäre ich gefährdet,“ sagte Kevin. „Du meinst wohl bestechlich“, unterbrach ihn Annkathrin. „Ja, genau. Dann hat man mich manipuliert und ich erfülle die moralischen Ansprüche an die Wissenschaftlichkeit nicht“, beendete Kevin seinen Gedankengang. „Korrekt“, erwiderte Nora. David lehnte sich entspannt zurück und sagte: „Leute, das kann uns nicht passieren. Im Rahmen einer Abschlussarbeit im Studium ist die Gefahr sehr gering, dass jemand auf die Idee kommt uns zu manipulieren.“ „Sag das nicht. Das muss nicht im großen Stil erfolgen. Ich habe von einem schlimmen Fall gehört, dass ein sehr guter Student für eine Firma eine Abschlussarbeit schrieb. Während der Bearbeitungszeit hat der Student auch für die Firma gearbeitet. Der Abteilungsleiter des Unternehmens, der dem Studenten als Ansprechpartner genannt wurde, hatte aber eigene Interessen und beeinflusste ihn die ganze Zeit. Er stellte ihm nur bestimmte Informationen zur Verfügung, ließ ihn nur mit bestimmten Personen im Unternehmen sprechen etc. Mit dem Ergebnis, dass in die Abschlussarbeit eine einseitige Meinung geflossen ist. Die Arbeit wurde an der Hochschule mit einer 5,0 bewertet und der Student war total überrascht. Erst bei der Besprechung der Note hat er festgestellt, dass er viele Aspekte nicht beachtet hat und eigentlich manipuliert worden ist“, erzählte Nora. „Ist ja der Hammer! Tja, ich schätze, das heißt, dass wir niemandem trauen dürfen und ständig kritisch sein müssen“, stellte Annkathrin fest.
Technische Ansprüche
David schaute nachdenklich und runzelte die Stirn: „Ich habe schon öfter gehört, dass viele Arbeiten von Studierenden angeblich methodisch schlecht gemacht sind. Das hat doch nichts mit Plagiaten oder Manipulierbarkeit der Person zu tun, oder?“ Nora nickte: „Stimmt, das hat was mit den sogenannten technischen Ansprüchen, also der Art und Weise der Literaturrecherche, Datenerhebung und Auswertung zu tun. Es gibt drei wichtige Kriterien, die eine Aussage über die Qualität einer Arbeit ermöglichen. Das sind die sogenannten Gütekriterien: Objektivität, Reliabilität und Validität. Ihr müsst diese drei Kriterien unbedingt beachten, wenn ihr eine gute Note haben wollt. Ich werde Euch diese Kriterien jetzt kurz vorstellen.“
Objektivität
„Die wissenschaftliche Objektivität ist das Kriterium, das am einfachsten zu verstehen ist“, führte Nora weiter aus. „Eine wissenschaftliche Arbeit ist dann objektiv, wenn die Aussagen und das erzielte Ergebnis unabhängig von der Person sind, die die wissenschaftliche Arbeit anfertigt. Unsere eigene Meinung, unsere Wünsche, Vorstellungen und unsere eigenen Erfahrungen dürfen bei der wissenschaftlichen Arbeit keine Rolle spielen. Sie dürfen nicht in die Argumentation einfließen. Gleichzeitig muss unsere Argumentation vollständig sein. Wenn wir Aspekte, die uns nicht in die Argumentation passen, einfach weglassen, dann sind wir nicht objektiv.“
Kevin hakte noch einmal nach: „Okay, das habe ich verstanden. Die Literaturrecherche, Auswertung, Interpretation und Argumentation erfolgen ohne Beeinflussung durch involvierte Personen. Alle Aussagen sind unvoreingenommen und basieren auf nachprüfbaren Fakten bzw. mathematischen Berechnungen, die von Dritten überprüft werden können. Aber was heißt das konkret?“ „Ich habe verstanden, dass Literaturrecherche, Auswertung, Interpretation und die Argumentation in unseren Arbeiten ohne Beeinflussung durch andere beteiligte Personen erfolgen müssen.“ Annkathrin erläuterte weiter: „Vielleicht hilft ein Beispiel: Erinnert Euch mal an die Schule. Bei Klausuren in Mathe konnte man sofort sehen, wie eine Note zustande kam. Das war nachprüfbar und erschien uns objektiv. Aber bei Aufsätzen haben wir oft gerätselt und die Objektivität bezweifelt – wir kannten die Regeln und Maßstäbe nicht, nach denen wir bewertet wurden.“ „Ja, stimmt,“ meinte Nora, „hier habe ich übrigens noch ein paar Beispiele aus dem Buch.“ Sie legte ein Blatt auf den Tisch.
| Thema: Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt. | |
| Nicht objektiv: Bei der Literaturauswahl werden gezielt nur Studien ausgewählt, die zu einem persönlich gewünschten Ergebnis passen, z.B. werden ausschließlich positive Auswirkungen und Vorteile der Globalisierung beschrieben. | Objektiv: Bei der Literaturauswahl werden alle Studien ausgewertet, die zum Thema durchgeführt worden sind. Alle wichtigen Vor- und Nachteile der Globalisierung werden dargestellt. |
| Thema: Attraktivität von Personen in der Werbung. | |
| Nicht objektiv: Für ein Experiment werden Testimonials ausgewählt, die der Forscher optisch ansprechend findet und persönlich als attraktiv beurteilt. | Objektiv: Zur Beurteilung der Attraktivität werden Kriterien festgelegt, z. B. Symmetrie von Gesichtern. Bei der Auswahl werden den Kriterien entsprechende Gesichter ausgewählt. |
| Thema: Effektivität von Wirtschaftsförderungsmaßnahmen in Kleinstädten. | |
| Nicht objektiv: Zu diesem Thema wird ein Interview mit einem Bürgermeister durchgeführt. | Objektiv: Zu diesem Thema wird ein standardisierter Fragebogen erstellt, der einer Vielzahl von Personen vorgelegt wird. Für die Durchführung, Auswertung und Interpretation gibt es konkrete Vorgaben. |
Tab. 2: Beispiele zur Objektivität
Nach einer kurzen Denkpause schaute Kevin alle traurig an und sagte: „Leute, das bedeutet, dass ich meine Abschlussarbeit auf gar keinen Fall meiner Freundin zum Korrekturlesen geben darf.“ „Wieso nicht?“, unterbrach ihn David. „Na ja, weil unsere persönliche Beziehung eine sehr große Rolle spielen wird. Sie wird mich nicht verletzen wollen und deshalb wahrscheinlich auch kein ehrliches Urteil abgeben, auch wenn ich Mist geschrieben habe“, antwortete Kevin.
„Das sehe ich anders“, meinte Nora. “A friend tells you when you have dirt on your nose! So formuliert es meine englische Freundin immer, und ich finde, das stimmt. Freunde wissen, dass Du ehrliche Kritik brauchst, um eine gute Note zu bekommen. Und wir müssen uns beim wissenschaftlichen Arbeiten daran gewöhnen, einander gerecht und objektiv zu kritisieren – und auch Kritik einzustecken. Sonst können wir später auch nie in einem Team arbeiten.“ David grinste. „Irgendwie kann ich Kevin aber auch verstehen. Mir fallen da einige Leute ein, die mir nicht die Wahrheit sagen würden.“ „Okay, dann bittet solche Freunde einfach nur, auf Tipp- und Rechtschreibfehler zu achten. Für diese Korrekturen brauchen wir ja auch jemanden. Und andere, denen ihr mehr zutraut, lesen dann fachlich/sachlich Korrektur. Wir zum Beispiel gegenseitig. Aber nun wieder zurück zum eigentlichen Thema. Ich sehe, ihr habt die Objektivität verstanden. Kommen wir zum zweiten Kriterium“, meinte Nora.
Reliabilität
„Reliabilität lässt sich am besten mit Zuverlässigkeit umschreiben“, fuhr Nora fort. „Die Reliabilität verlangt von einer Methode, dass sie zuverlässig immer wieder zum gleichen Ergebnis führt, d. h. bei einer Wiederholung unter identischen Bedingungen muss man zu einem identischen Ergebnis gelangen“. David unterbrach Nora sofort: „Auch auf die Gefahr hin, dass ich nerve. Ich weise noch mal darauf hin, dass ich keine Experimente mache, sondern eine Literaturarbeit schreibe. Die Sache mit der Reliabilität kann ich mir dann doch sparen, oder?“ „Nein, das kannst du nicht“, antwortete Nora. „Auch bei einer Literaturarbeit müssen deine Aussagen zuverlässig und verlässlich sein, d. h. wenn jeder von uns heute Abend eine eigene Hausarbeit zu dem gleichen Thema und der gleichen Forschungsfrage mit der gleichen Methodik schreiben würden, dann müssten wir alle zu einem identischen Ergebnis kommen. Wenn das nicht gelingt, dann sind unsere Arbeiten nicht reliabel, d. h. man kann sich also auf unsere Ergebnisse nicht verlassen.“ „Hä?“, unterbrach David schon wieder. „Du spinnst! Das kann gar nicht klappen. Jeder von uns würde doch anders vorgehen. Nora würde die Literatur recherchieren, David würde eine theoretische Arbeit dazu schreiben, Annkathrin würde mit einem Onlinefragebogen die Studierenden unserer Hochschule befragen und ich mache ein paar Interviews mit den Studierenden, die ich heute Nacht auf dem Weg nach Hause zufällig auf der Straße treffe. Dann kommen wir doch niemals zum gleichen Ergebnis.“ Nora antwortete ruhig: „Das stimmt, David! Aber Du hast gerade vier unterschiedliche Methoden beschrieben. Das sind keine identischen Bedingungen. Nehmen wir an, wir würden tatsächlich in der nächsten Zeit über dieses Thema eine reine Literaturarbeit schreiben und hierzu empirische Studien auswerten, die sich mit Problemen von Studierenden bei der Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt haben. Dann müsste doch jeder von uns die wichtigen empirischen Untersuchungen, die es hierzu bisher gab, finden und in seiner Arbeit vollständig und objektiv auswerten. Dann kämen wir alle zum gleichen Zeitpunkt zum gleichen Ergebnis“, schlussfolgerte Nora.
David fragte nach: „Und wenn ich drei sehr wichtige empirische Studien zu dem Thema einfach nicht finde – was ist dann?“ „Dann hast du methodisch nicht korrekt gearbeitet. Du musst alle wesentlichen empirischen Studien, die es zu diesem Thema zum Zeitpunkt der Abgabe der wissenschaftlichen Arbeit gibt, aufführen, sonst bist Du nicht reliabel“, schaltete sich Annkathrin ein. „Und wenn ich bewusst ein paar Studien nicht berücksichtige? Aus welchem Grund auch immer …“, fragte David weiter. „Dann bist Du nicht objektiv und damit automatisch nicht reliabel“, antwortete Nora.
Kevin schaltete sich in die Diskussion ein: „Okay Leute, nehmen wir mal an, wir machen tatsächlich alle unabhängig voneinander eine Befragung unter Studierenden unserer Hochschule. Da wird doch jeder von uns anders fragen und wahrscheinlich auch andere Antworten erhalten, dann kommen wir auch nicht zum gleichen Ergebnis.“ „Bei Befragungen kommen häufiger Probleme mit der Zuverlässigkeit vor“, antwortete Nora. „Ort und Zeit der Befragung beeinflussen die Reliabilität. Wir müssten die Studierenden zum gleichen Zeitpunkt in einem bestimmten Semester befragen, damit wir reliabel sind. Auch die Fragen sollten standardisiert sein, damit alle Personen die gleichen Fragen gestellt bekommen, und bei der Auswertung müssen die statistischen Verfahren dafür sorgen, dass eine andere Person die erhobenen Daten auf identische Weise auswerten kann. Alle diese Informationen müssen natürlich in der wissenschaftlichen Arbeit aufgeführt sein, damit jeder nachvollziehen kann, wie wir vorgegangen sind. Das ist das Kriterium der Reliabilität.“
Kevin dachte nun laut nach: „Ja, das leuchtet mir ein. Wenn ich jedem von Euch die Frage stelle ‚Fühlst Du dich für die Anfertigung einer Abschlussarbeit gut vorbereitet?‘, dann bekomme ich von Euch vermutlich drei völlig unterschiedliche Antworten, z. B. ‚ein bisschen‘, ‚etwas‘, ‚ganz Okay‘ oder ‚so la la‘. Damit kann bei der Auswertung niemand etwas anfangen“, stellte Kevin fest. „So ist es, denn jede Person interpretiert ‚ganz Okay‘ anders. Deshalb ist diese Vorgehensweise nicht reliabel. Das wird schon viel zuverlässiger, wenn ich die Antworten standardisiert vorgebe und das auch noch schriftlich festhalte, damit jeder die Datenerhebung, den Untersuchungsgegenstand, den Verlauf der Befragung und die Auswertung nachvollziehen und auch nachprüfen kann.“ „Genau, schaut her – ich habe mir dazu einige Beispiele herausgeschrieben“, antwortete Nora und legte währenddessen ein weiteres Blatt mit Beispielen auf den Tisch.
| Thema: Erfolgsfaktoren von wissenschaftlichen Arbeiten – ein Literaturüberblick | |
| Nicht reliabel: | Reliabel: |
| Die wissenschaftlichen Studien werden in der Arbeit nicht dargestellt. | In der Arbeit wird ein Überblick über alle wichtigen empirischen Studien zum Thema gegeben. |
| Die Literaturangaben sind unvollständig, so dass eine Überprüfung durch Dritte nicht möglich wird. | Alle Angaben zu den Literaturquellen sind vorhanden. |
| Thema: Kriterien für ideale Notebooks zum Studieren – eine Studierendenbefragung | |
| Nicht reliabel: | Reliabel: |
| Die Fragen an die Studierenden werden in der Arbeit nicht dargestellt. | Ein Interviewleitfaden wird entwickelt und in der Arbeit dargestellt. |
| Jede Person bekommt andere Fragen gestellt. | Alle Personen bekommen die gleichen Fragen gestellt. |
| Die Größe eines Notebooks wird mit einer Waage gemessen. | Die Größe eines Notebooks wird mit einem Maßband oder Zollstock gemessen. |
| In der Arbeit wird nicht beschrieben, wann, wo und wie die Studierenden befragt wurden. | Zeit und Ort der Befragung sowie Details zu den Interviewpartnern werden ausführlich beschrieben. |
| Vorgehensweise bei der Auswertungsmethode wird nicht beschrieben. | Auswertungsmethode wird exakt beschrieben. Die Auswertung wurde so weit wie möglich standardisiert. |
Tab. 3: Beispiele zur Reliabilität
Nora fasste nun zusammen: „Das Kriterium der Reliabilität gibt an, inwieweit eine Methode oder ein Instrument, z. B. ein Fragebogen, bei wiederholter Anwendung dieselben Ergebnisse liefert. Dabei kann die Reliabilität auch bei der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse zum Problem werden, indem zwei Personen die gleiche Aussage unterschiedlich bewerten.“ David grübelte etwas und fügte hinzu „Ich gebe zu, Einschätzungen so zuverlässig zu messen, dass dritte Personen zu gleichen Ergebnissen kommen, ist nicht einfach. Aber es geht auch einfacher. Wenn wir z. B. die Länge des Tisches hier messen, dann wird jeder von uns ein Maßband nehmen und 2,20 Meter messen. Egal wer diese Messung wann und wo vornimmt. Dieser Tisch wird zu jeder Tageszeit und an jedem Ort eine Länge von 2,20 Metern haben.“ „Genau, deshalb ist diese Messung reliabel, weil jeder diese Messung wiederholen kann und zum gleichen Ergebnis kommen wird!“, sagte Nora. „Wärst Du auf die Idee gekommen, die Länge der Tischkanten schätzen zu lassen, wäre das nicht reliabel“, betonte Nora. „So einfach ist es nicht immer. Stell Dir vor, Du möchtest Zufriedenheit, Glücksempfinden oder Motivation messen. Da musst Du dir bezüglich der Messmethodik echt gute Gedanken machen, womit wir beim dritten Kriterium wären“, fuhr Nora fort.
Validität
„Die Validität sagt etwas darüber aus, wie gut die gewählte Methode geeignet ist, eine Forschungsfrage zu beantworten bzw. ein bestimmtes Merkmal zu messen. In Bezug auf eine Forschungsfrage fragt man sich also, ob die gewählte Methode bzw. das Instrument wirklich das misst, was gemessen werden soll“, sagte Nora. „Aspekte der Kundenloyalität kann ich nicht unkritisch mit Hilfe irgendeiner Theorie der Kundenbindung ergründen. Das ist selbstverständlich. Aber ich möchte noch mal auf schwierigere Sachen, z. B. die Messung von etwas, was man nicht direkt beobachten kann, zurückkommen. Die Herausforderung bei der Sicherstellung der Validität besteht darin, dass man manche Dinge einfach nicht direkt beobachten und messen kann. Wenn ich zum Beispiel wissen will, ob Studierende motiviert sind, muss ich Annahmen darüber treffen, woran ich die Motivation festmache. Der Rückschluss von Beobachtungen auf die Motivation muss valide sein, d. h. ich muss sicherstellen, dass das was ich überprüfe, auch tatsächlich das ist, was ich überprüfen möchte.“ Kevin unterbrach sie: „Also mit einfachen Worten: Ich muss ständig prüfen, ob meine Literatur, meine Definitionen, meine Methoden und das, was ich schreibe, exakt zum Thema passen.“ Nora antwortete: „Genauso ist es. Das ist mit ‚Validität‘ gemeint. Schau, hier sind wieder ein paar Beispiele.“
| Thema: Auswirkungen der Servicequalität auf die Kundenloyalität | |
| Nicht valide: | Valide: |
| In den Grundlagen wird Kundenbindung statt Kundenloyalität definiert. | Kundenloyalität wird exakt definiert und von ähnlichen Begriffen (z. B. Kundenbindung) klar abgegrenzt. |
| In den Grundlagen werden theoretische Ansätze zur Erklärung der Servicequalität beschrieben. | In den Grundlagen werden theoretische Ansätze zur Erklärung der Determinanten der Kundenloyalität beschrieben. |
| Thema: Rechtschreibkenntnisse von Studierenden mit Migrationshintergrund | |
| Nicht valide: | Valide: |
| Bei der Befragung wird die Zeichensetzung überprüft. | Bei der Befragung werden Rechtschreibkenntnisse überprüft. |
| Alle Studierenden werden befragt. | Ausschließlich Studierende mit Migrationshintergrund werden befragt. |
| Thema: Probleme beim wissenschaftlichen Arbeiten – eine Studierendenbefragung | |
| Nicht valide: | Valide: |
| Bei der Datenerhebung werden Freunde und Bekannte befragt. | Bei der Datenerhebung wird eine repräsentative Auswahl unter den Studierenden durchgeführt. |
| Es werden willkürliche Aspekte erhoben und irrelevante Fragen gestellt. | Es werden nur Aspekte erhoben, die zur Fragestellung passen. |
Tab. 4: Beispiele zur Validität
Annkathrin las sich die Beispiele langsam durch und hatte einen Aha-Moment: „Aha, das heißt, dass zwecks Bestimmung der Länge eines Tisches das Maßband ein reliables Instrument ist. Wenn das Ziel meiner Forschung aber die Untersuchung der Stabilität des Tisches ist, dann muss ich mir Gedanken darüber machen, ob hierfür überhaupt die Länge des Tisches oder andere Merkmale, z. B. die Anzahl an Tischbeinen beobachtet werden muss.“ „Korrekt!“, stimmte Nora zu.

„Validität sollte man nicht nur auf das Thema beziehen, sondern auch auf einzelne Abschnitte der Arbeit. Wenn ein Gliederungspunkt einer Arbeit z.B. Definition und Ziele heißt, dann dürft ihr im Textteil zu diesem Gliederungspunkt nur die Begriffserläuterung und die Ziele beschreiben. Wer im gleichen Kapitel zusätzlich schon Vorteile, Nachteile, Anwendungsbereiche etc. erläutert, dessen Ausführungen sind in diesem Abschnitt nicht valide“, stellte Nora fest.
„Sicherheitshalber habt ihr hier noch eine Zusammenfassung.“
Merke!
» Die Objektivität bezieht sich darauf, wer die wissenschaftliche Arbeit schreibt. Hier ist die Objektivität der durchführenden Person im Fokus.
» Die Reliabilität prüft, wie die wissenschaftliche Arbeit durchgeführt wurde. Hier steht die Zuverlässigkeit der Methode im Vordergrund.
» Die Validität prüft, was überhaupt untersucht wird. Hier wird betrachtet, was die gewählte Methode überhaupt messen kann.
Die drei technischen Ansprüche bedingen sich gegenseitig. Ohne Objektivität gibt es keine Reliabilität und ohne Reliabilität kann es keine Validität geben.
Die vier Freunde lehnten sich entspannt zurück und dachten eine Weile nach. Schließlich unterbrach David die Stille: „Die technischen Ansprüche an die Wissenschaftlichkeit habe ich jetzt verstanden, aber ich habe die Sorge, dass ich das alles während des Schreibens meiner eigenen Arbeit wieder vergesse.“ „Geht mir auch so“, meinte Annkathrin. „In unserem Kurs wurde dazu eine Checkliste aus einem Buch empfohlen – die habe ich mal für uns alle kopiert.“ Sie gab jedem ein Blatt. David guckte darauf und meinte: „Super! Solche Checklisten sollten wir zu jedem Thema haben – dann kann nichts schief gehen!“
Checkliste!
Technische Ansprüche an die Wissenschaftlichkeit
Objektivität: Bezieht sich darauf, wer eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Eine Arbeit ist objektiv, wenn keine ungewollten Einflüsse durch involvierte Personen entstehen.
» Persönliche Empfindungen und Interessen sind in meine Arbeit nicht eingeflossen.
» Bei der Durchführung und Auswertung meiner Arbeit, habe ich standardisierte Regeln und Kriterien angewendet.
» Zwischenmenschlicher Kontakt mit den Befragten/Beobachteten wurde bestmöglich vermieden.
» Bei Interviews und Befragungen habe ich auf Suggestivfragen und persönliche Beeinflussung verzichtet.
Reliabilität: Bezieht sich darauf, wie eine wissenschaftliche Arbeit durchgeführt wurde. Eine Arbeit ist reliabel, wenn sie bei wiederholter Durchführung unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse liefert.
»Eine umfassende Literaturrecherche habe ich durchgeführt.
»Alle wesentlichen Aspekte sind in der Arbeit berücksichtigt.
»Alle Personen erhalten den gleichen Fragebogen.
»Fragestellungen sind idealerweise standardisiert.
»Durchführung der Befragung wird exakt beschrieben.
»Stichprobe wird exakt beschrieben.
»Bei der Auswertung werden statistische Verfahren angewendet.
»Ort und Zeitpunkt der Befragung werden bekannt gegeben.
Validität: Bezieht sich darauf, was untersucht wurde. Eine Vorgehensweise ist valide, wenn sie tatsächlich das behandelt, was behandelt werden muss.
»Die Begriffe des Themas werden exakt definiert und von ähnlichen Begriffen klar abgegrenzt.
»Die gewählten Theorien und Aspekte sind zur Beantwortung der Forschungsfrage geeignet.
»Es werden nur Aspekte dargestellt, die zum Thema bzw. zur Forschungsfrage passen und somit relevant sind.
»Bei Befragungen ist die Datenerhebung anonym.
»Bei der Datenerhebung findet eine repräsentative Auswahl statt.
»Die gewählte Messmethode ist für die Untersuchung eines speziellen Zusammenhanges geeignet.
Formale Ansprüche
„Die formalen Ansprüche beziehen sich auf die wissenschaftliche Sprache und die Zitierweise. Bezüglich der Ausdrucksweise sind wir uns einig, dass wir präzise und eindeutige Formulierungen nutzen, richtig? Ich denke, dass wir alle Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion beherrschen und eine fehlerfreie Arbeit hinkriegen, oder?“, fragte Annkathrin. „Ja, das kriegen wir schon hin, zumal die Arbeit ja auch vor der Abgabe Korrektur gelesen wird. Ich vertraue da voll auf Noras Kenntnisse. Aber das mit der Wissenschaftssprache macht mir etwas Sorgen“, antwortete David. „Wieso, ist doch easy. Du überlegst bei jeder Formulierung, ob du präzise und eindeutig formulierst und auf jegliche Metaphern etc. verzichtest“, meinte Nora. „Wir haben so etwas doch schon im Deutschunterricht in der Schule gehabt. Aber wenn ihr wollt, erzähle ich euch an einem anderen Freitag noch, was in meinem Buch dazu steht und was wir im Begleitseminar haben – das Thema soll wohl relativ früh zur Sprache kommen, wenn ich mir die Seminargliederung so angucke. Das müsste noch vor der Themenvergabe klappen.“
„Und einen Abend zu den Zitierregeln machen wir auch noch. Die haben wir zwar im Kurs ausführlich gehabt, aber das ist ein Wust von Detailregeln. Da bin ich froh, wenn jemand von euch das übernimmt“, meinte Annkathrin. „Gut, das können wir ja dann noch entscheiden.“
3 Welche Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sind wichtig?
„Also, ich finde diese ganzen Hinweise zum wissenschaftlichen Arbeiten ziemlich verwirrend“, meinte David. „Unendlich viele Ansprüche, manches wird unterschiedlich gesehen, neue Fremdwörter – derzeit wächst meine Angst vor der neuen Aufgabe eher, als dass ich sicherer werde und weiß, was ich zu tun habe.“ Nora konnte das gut nachvollziehen: „Das ist mir schon mit meinem Buch so gegangen. Und ich habe nur ein Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten bisher angelesen, aber es gibt doch so viele. Wie entscheide ich denn, welche Anleitungen wirklich wichtig und für meine Arbeit geeignet sind? Was muss ich unbedingt nachlesen und beherzigen, um eine gute Arbeit schreiben zu können?“
„Ich verstehe euch“, sagte Annkathrin. „Mir ist das am Anfang des Kurses auch so gegangen. Aber keine Sorge – es wird hinterher besser, wenn man erst einmal den Überblick über den gesamten Prozess hat. Außerdem wurde im Kurs auch einiges genau zu dieser Frage gesagt.“

„Die wichtigste Anleitung ist zunächst mal die, die der jeweilige Professor oder die Professorin herausgibt. Man findet solche Hinweise meist im Internetangebot zum Fach. Wichtig ist, wirklich die Anleitung zu verwenden, die der Professor herausgibt, bei dem man gerade schreibt. Die, die für die letzte Arbeit bei meinetwegen einer anderen Professorin galt, kann in Einzelbereichen völlig in die Irre führen.“
Also – ich weiß von einigen Leuten, dass es an ihren Hochschulen anders ist“, sagte Kevin. „Dort gibt es einen Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und der gilt für alle wissenschaftlichen Arbeiten und für alle Fachbereiche an der Hochschule. Und andere kennen Anleitungen zumindest für ihren eigenen Fachbereich. Das finde ich viel besser.“
„Einerseits hast du völlig recht. Es ist schon leichter, wenn man die einmal gelernten Regeln immer beibehalten kann. Aber die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Professoren und Professorinnen beziehen sich letztlich nur auf die Formalien, wie Fußnoten, Literaturverzeichnisse etc. Das Wichtigste, die grundlegende Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, bleibt immer gleich. Es gelten auch die gleichen Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit – egal bei wem und wo du schreibst“, entgegnete Annkathrin. „Außerdem bezweifele ich, nach dem, was ich gehört habe, dass diese Einheitlichkeit der Anleitungen wirklich stimmt. Zumindest sind die Regeln beispielsweise bei Naturwissenschaftlern, Psychologen und Medizinern deutlich anders als in den Wirtschaftswissenschaften – was sich übrigens auch auswirkt, wenn wir eine Arbeit in den Überschneidungsgebieten wie Wirtschaftspsychologie oder Gesundheitsökonomie schreiben.“
„Aber wieso sind gerade formale Anforderungen überall anders?“, fragte Kevin. „Gibt es denn keine allgemeingültigen Regeln?“ „Leider nein“, erwiderte Annkathrin. „Vielfach sind diese Regeln über viele Semester ‚historisch gewachsen‘ und einfach Gewohnheiten, die sich für die jeweiligen Lehrenden als sinnvoll herausgestellt haben. Manches darin ist einfach Geschmackssache, nicht ‚richtig‘ oder ‚falsch‘. Übrigens – wenn wir mal irgendwann entscheiden, in der Wissenschaft bleiben zu wollen, wird das eine ständige Frage sein. Oft haben selbst innerhalb eines Verlages die einzelnen Zeitschriften unterschiedliche Formvorschriften und es gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten offensichtlich dazu, dass man sich über diese Vorschriften in der jeweiligen Umgebung, in der man arbeitet, informiert und sie anwendet. Sonst hat man beispielsweise keine Chance, in der Zeitschrift seiner Wahl einen Aufsatz zu veröffentlichen.“ „Ziemlich unwirtschaftlich“, sagte David. „Man sollte doch meinen, dass Wirtschaftswissenschaftler den Sinn von Vereinheitlichung sehen und sich dann einigen können.“ „Vielleicht. Aber offensichtlich werden die Kosten einer Einigung – die ja theoretisch weltweit stattfinden müsste – als höher eingeschätzt als ihr Gewinn. Also bleibt es dabei. Es ist sicher sinnvoll, wenn wir uns jetzt schon die jeweiligen Anleitungen besorgen, dann können wir bei den einzelnen Themen zum wissenschaftlichen Arbeiten vorab gucken, welche spezifischen Regeln für unsere Abschlussarbeiten gelten, und eventuell auch Fragen klären. – Aber das war nur ein erster Schritt zu den notwendigen Informationen. Uns wurde auch geraten, die Literatur zu solchen Anleitungen mal zu sichten und zu entscheiden, welches Buch uns gut gefällt, damit wir Sonderfragen klären können. Und dann wurden wir noch auf einige Internetseiten hingewiesen, die auch hilfreich sein können. Eine davon hat mich wirklich verblüfft: Es wurde tatsächlich ausdrücklich auf YouTube verwiesen.“
„Ach nee – sind da dann Filmchen zu sehen, wie ein Student am Schreibtisch sitzt und über seiner Arbeit brütet?“ Kevin grinste. „Quatsch, das würde wohl kaum helfen. Aber wenn du zum Beispiel auf der Seite mal nach dem Wort ‚Fußnoten‘ suchst, findest du für mehrere Textverarbeitungsprogramme gute Anleitungen. Und eine Suche nur nach dem Ausdruck ‚wissenschaftliches Arbeiten‘ ist wegen des großen Angebots mit über 800 Treffern tatsächlich schon zu ungenau, um problembezogene Hilfe zu finden.“ „Hätte ich ja nicht gedacht! Das probiere ich nachher noch aus!“ „Cool, das macht bestimmt mehr Spaß, als trockene Anleitungen in Büchern zu lesen!“ „Stimmt, aber es ist auch eine Gefahr damit verbunden, vor der wir gewarnt wurden: Man kann sich in allen diesen Anleitungen ziemlich verlieren. Und dann verwendet man viel Zeit darauf, die ‚richtigen‘ und ‚wichtigsten‘ Anleitungen zu finden, anstatt schon seine Arbeit zu schreiben. Also Vorsicht …!“
4 Zeitplanung
„Heute bin dann ja wohl ich dran, denn wir hatten diese Woche den ersten Termin“, meinte David, als sie am nächsten Freitag wieder zusammensaßen. „Habt ihr in eurem Blockkurs die Zeitplanung gehabt, Annkathrin?“ „Ja, kurz. Wir haben eigentlich nur durchgesprochen, was für Arbeitsschritte insgesamt zu tun sind, und wie man die Dauer dieser einzelnen Schritte einschätzt.“ „In meinem Buch steht auch ein bisschen was dazu“, sagte Nora. „Okay, dann könnt ihr ja ergänzen, wenn bei meiner Zusammenfassung noch etwas fehlt. Bei uns wurde eine Methode zur Zeitplanung vorgestellt, die man die Alpen-Methode nennt. Hat aber nix mit den Bergen zu tun, das ist ein Akronym.“ „Und was bitte ist das?“, wollten die anderen wissen. „Musste ich auch erst nachgucken. Ein Akronym ist ein Wort, das aus den Anfangsbuchstaben anderer Wörter gebildet wird. Hier sind es die Anfangsbuchstaben der einzelnen Planungsschritte. Das
A steht für ‚Aktivitätenliste aufstellen‘, das
L für ‚Lage und Dauer der Aktivitäten schätzen‘, das
P für ‚Pufferzeiten einplanen‘, das
E für ‚Erledigen‘ und das
N für ‚Nachkontrolle‘.
Pufferzeit ist übrigens ein Begriff aus der Netzplantechnik. Das ist die Zeit, um die ich eine Aktivität verschieben kann, ohne den Endzeitpunkt zu gefährden.“
Arbeitsschritte des wissenschaftlichen Arbeitens
„Wir haben dann zuerst mal überlegt, welche ‚Aktivitäten‘, also einzelne Arbeitsschritte, für unsere Abschlussarbeit notwendig sind. Das ist jetzt teilweise natürlich auf die Vorgehensweise bei meinem Professor bezogen. Wir bekommen eine Art Oberthema, auch ‚Dachthema‘ genannt. Dazu gibt es zwei oder drei Literaturhinweise, mit denen wir uns in die Thematik einarbeiten sollen. Dabei ergeben sich wohl automatisch verschiedene Fragestellungen, von denen wir uns eine als eigentliches Thema der Arbeit aussuchen sollen. Das wird dann mit dem Betreuer besprochen und endgültig formuliert, bevor die Arbeit dann beim Prüfungsamt angemeldet wird. Daraus ergeben sich einige Arbeitsschritte, die bei euch vielleicht nicht in dieser Form relevant sind. Die Liste für meinen Zeitplan habe ich euch aber mal mitgebracht:“
Tipp!
Zeitplanung
[1] angegebene Literatur suchen und lesen
[2] Definitionen klären
[3] Absprache mit Betreuer zur endgültigen Themenfestlegung
[4] weitere Literatur zum Thema suchen
[5] Literatur lesen
[6] Gliederung erstellen
[7] Text verfassen
[8] Korrekturen
[9] weitere Formalien (Verzeichnisse erstellen, Silbentrennung, Seitenlayout etc.)
[10] kopieren, binden, abgeben
„Stimmt, die Liste sah bei uns ein bisschen anders aus, aber nur am Anfang“, meinte Annkathrin. „Das war in meinem Kurs mehr allgemein, welche Arbeitsschritte überhaupt vorkommen können. Bei manchen Professoren darf man zum Beispiel ein Thema auch selbst wählen und dann vorschlagen. Dann kommt der Arbeitsschritt ‚Themensuche‘ dazu – in deiner Liste ist das ja nur die Einschränkung auf die konkrete Fragestellung. Und manchmal muss man innerhalb der ersten Tage nach der Themenfestlegung ein Exposé erstellen. Das gibt eine zusätzliche Aktivität, außerdem muss der Arbeitsschritt 4 mehrfach auftauchen – denn in so einem Exposé wird meist eine Grobgliederung verlangt, und dazu muss man schon ein bisschen Einblick in die Literatur haben. Das wurde uns zumindest geraten.“
„Du sprichst da etwas an, was bei uns ohnehin sehr betont wurde: Einzelne Arbeitsschritte können und sollen auch mehrfach auftauchen“, erwiderte David.

„Viele machen wohl den Fehler, die einzelnen Aktivitäten nacheinander abzuarbeiten. Das ist aber nicht wirklich sinnvoll, viele Dinge können und sollten parallel erledigt werden. Zum Beispiel sollte man schon anfangen, die Literatur zu lesen, bevor man alle notwendigen Literaturquellen in der thematischen Literatursuche gefunden hat. Und es ist normal, dass man sogar während des Schreibens noch feststellt, dass der eine oder andere Aspekt noch nicht genug mit Literatur belegt ist. Dann muss man unter Umständen am letzten Tag der Abschlussarbeit nochmal thematisch suchen, nur eben für ein Detail, was man bisher nicht berücksichtigt hat. Daher werden wir wohl an den einzelnen Arbeitstagen während unserer Abschlussarbeit meist mehrere verschiedene Teilarbeiten erledigen. Wir haben übrigens dazu, wie sich die einzelnen Arbeitsschritte gegenseitig beeinflussen, eine Abbildung bekommen. Guckt mal hier.“

Abb. 1: Arbeitsprozess ist nicht linear!
„Das ist doch eigentlich eine Hilfe, oder? Ich jedenfalls kann besser arbeiten, wenn ich die Aufgaben zwischendurch mal wechseln kann“, meinte Nora. „Genau!“, sagte David. „Darauf wurde im Kurs sehr viel Wert gelegt. Wir wurden aufgefordert, unseren eigenen Arbeitsrhythmus zu finden, festzustellen, wann wir was am besten erledigen. Offensichtlich gibt es Menschen, die mitten in der Nacht prima Texte schreiben können, aber tagsüber auf den leeren Bildschirm starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Und andere sind offensichtlich die totalen Frühaufsteher und arbeiten von 6 bis 15 Uhr durch. Ich kann zwar beides nicht nachvollziehen, aber ich kenne so etwas noch vom Lernen für Klausuren – manche Tageszeiten waren da einfach besser geeignet als andere.“
„Mir erscheint deine Aufgabenliste aber ziemlich grobschrittig“, sagte Nora. „In meinem Buch wird geraten, mit einzelnen Tagen oder sogar halben Tagen zu planen und mehr Details einzubeziehen. Ich könnte mir vorstellen, dass das übersichtlicher ist.“ „Stimmt“, meinte David. „Aber es geht ja auch noch weiter. Zuerst ist es sicher schwierig, die Teilaufgaben so detailliert darzustellen. Ich weiß doch beispielsweise am Anfang noch gar nicht, in welchem Kapitel ich wie viele Abbildungen einfügen muss. Wenn ich eingearbeitet bin, kann ich den Zeitplan verfeinern und eben solche Arbeitsschritte zusätzlich einfügen. Zu Anfang reicht eine Grobplanung, die wochenweise die groben Teilaufgaben zuordnet. Bei der Nachkontrolle werden dann immer wieder die noch nicht erledigten Arbeiten auf den Rest der Zeit verteilt und das kann dann auch mit immer kleinschrittigeren Aufgabenlisten erfolgen. – Aber jetzt haben wir den letzten Teil der Planung vorgezogen.“
Zeitdauer und Lage der einzelnen Arbeitsschritte
„Wir waren ja eigentlich erst bei dem L der ALPEN: Schätzung der Länge, der Zeitdauer der einzelnen Aktivitäten. Auch dazu haben wir eine Reihe von Tipps bekommen. Verblüfft hat mich, dass der erste Tipp ausgerechnet war, ausreichend Freizeit einzuplanen. Zum einen sind zwei halbe oder ein ganzer Tag Pause pro Woche absolut notwendig, wenn die Produktivität hoch sein soll. Es ist offensichtlich gar nicht so gut, 12 Stunden pro Tag an sieben Tagen pro Woche am Schreibtisch zu sitzen – wie es uns zu den Klausurzeiten immer schien. Ich jedenfalls hatte immer ein schlechtes Gewissen, weil ich das nicht geschafft habe. Das war sicherlich nicht produktivitätsfördernd … Und zum anderen wurde uns geraten, an unabdingbare, feste Termine zu denken, auch im privaten Bereich – etwa runde Geburtstage in der Familie oder so. Ärger mit der Familie wegen Fehlens bei einer Feier senkt die Produktivität nämlich auch!“ „Oh, da erinnerst du mich an was.“ Kevin unterbrach David plötzlich. „Meine Großmutter wird mitten in der Bearbeitungszeit 70 Jahre alt – da bin ich sicher ein verlängertes Wochenende in Norddeutschland. Stimmt, das sollte ich bei der Zeitplanung berücksichtigen. Viel werde ich in den Tagen nicht tun können.“ „Ja, um genau diese Termine geht es“, sagte David. „Wenn man solche Zeiten rechtzeitig berücksichtigt, kommt man weniger in Zeitdruck.
Als nächstes ging es um die Literaturrecherche. Wir haben das ja noch nicht gelernt, müssen also noch Erfahrungen sammeln. Daher wurde betont, dass wir diesem Arbeitsschritt ausreichend Zeit einräumen sollten. Allerdings wurde gleichzeitig vor der Gefahr gewarnt, zu viel Literatur anzuhäufen. Wenn man sich drei dicke Stapel Papier zu sammenkopiert bzw. ausdruckt, kann man davon ausgehen, dass zwei davon ungelesen bleiben, weil die Zeit nicht reicht. Nach Murphys Gesetz sind aber die besten Literaturquellen dann immer im dritten Stapel ganz unten, werden also nicht mehr gelesen. Und solche Stapel machen uns ein schlechtes Gewissen, weil wir dieses viele Zeug ja eigentlich noch komplett lesen müssten. Ein schlechtes Gewissen, wie schon gesagt, finde ich aber nicht produktivitätsfördernd.“ „Oder man liest viel zu flüchtig“, warf Annkathrin ein. „Dann überliest man bestimmt die wichtigsten Punkte.“ „Stimmt“, sagte Kevin. „Das ist mir bei der Facharbeit damals passiert. Da habe ich viel zu spät mit dem Lesen angefangen und zwei Sachen komplett missverstanden. Meine Note hinterher war wohl reine Gnade …“
„Aber wie verhindert man diese Bildung von riesigen Papierstapeln?“, fragte Nora. „Gerade wenn man sich in ein Thema einarbeitet, erscheint doch fast alles interessant. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich dann aus Vorsicht eher zu viel als zu wenig ausdrucke oder kopiere.“ „Dazu gab es bei uns im Kurs zwei Hinweise“, antwortete Annkathrin. „Der erste bezog sich auf Selbstdisziplin. Wir sollten einfach unsere Lesefähigkeiten realistisch einschätzen. Wenn ich nicht mehr als 30 Seiten pro Tag lesen und bearbeiten kann, dann sollte ich diese Zahl mit der Anzahl Tage multiplizieren, die ich für das Lesen vorgesehen habe. Und dann einfach diszipliniert nur das berücksichtigen, was wirklich zum Thema gehört. Wenn ich mir bei einigen Artikeln unsicher bin, kann ich zumindest die, die ich online als PDF-Datei finde, in einen separaten Ordner kopieren, möglichst mit sprechenden Dateinamen. Dann finde ich die Artikel im Notfall ohne große Suche wieder.“ „Klingt sinnvoll. Und der zweite Hinweis?“ „Der gehört hier eigentlich noch nicht hin. Ich berichte euch gerne beim Thema ‚Zitierfähigkeit‘ genauer darüber. Es gibt Ranglisten von Zeitschriften, die es ermöglichen, besonders wichtige von weniger wichtigen Artikeln zu unterscheiden. Bücher übrigens braucht man nur wenige, wenn überhaupt – wir brauchen also keine Angst zu haben, mehrere Bücher in der kurzen Zeit durchlesen zu müssen.“
„Okay“, fuhr David fort.

„Der nächste Tipp bezog sich auf Korrekturen. Uns wurde dringend geraten, mit anderen zusammenzuarbeiten und gegenseitig Korrektur zu lesen. Dabei sollte mindestens eine Person ein bisschen was vom Thema verstehen, um festzustellen, ob der ‚rote Faden‘ eingehalten wird. Und eine weitere Person sollte ausschließlich das Deutsch überprüfen – Stil, Rechtschreibung, Zeichensetzung. Ich wusste vorher gar nicht, wie viel Wert manche auf diese Aspekte legen – uns wurde bis zu einer ganzen Note Abzug angekündigt, falls sich solche Fehler häufen.“
„Ja, das habe ich auch in meinem Buch gelesen. Also – ich sage euch schon einmal zu, dass ich Eure Arbeiten sprachlich überprüfe. In Deutsch hatte ich immer gute Noten, auch in Grammatikarbeiten.“ „Cool, danke!“ „Wir sollten vielleicht wirklich einfach jeder die drei anderen Arbeiten lesen. Sechs Augen sehen vermutlich immer noch mehr als vier.“ Kevins Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Wozu hatte man sich schließlich als Team zusammengetan?
„Einen letzten Tipp gab es“, sagte David. „Wir sollten uns rechtzeitig darum kümmern, wo wir die Ausdrucke kopieren und binden lassen. Schließlich ist das das erste selbstverfasste Buch, da ist es schon sinnvoll, einen Einband auszusuchen, der nicht nur die Anforderungen des Prüfungsamtes erfüllt, sondern einem auch noch gefällt. Es wurde geraten, wenn man merkt, dass man nicht mehr lesen oder schreiben kann, einfach mal einen Spaziergang zu machen und Copyshops und Buchbindereien abzuklappern. Die Angebote sind ziemlich unterschiedlich, nicht nur im Aussehen der Einbände, sondern z.B. auch in der Bearbeitungszeit. Wenn man sich rechtzeitig informiert, weiß man sofort, wohin man gehen kann und was man sich ausgesucht hat, falls es am Schluss zeitlich eng wird. Manche Einbände sind schon in wenigen Stunden fertig, andere brauchen mehrere Tage.“
„Gut, ich fasse mal zusammen:
Tipp!
Genügend Freizeit einplanen,
ausreichend Zeit für die thematische Literatursuche vorsehen,
nicht zu viel kopieren und ausdrucken,
gegenseitig die Arbeiten korrigieren und
rechtzeitig um einen Einband kümmern.
Jetzt haben wir viele Hinweise zu diesem L der ALPEN-Methode gehört, aber so richtig praktisch umgesetzt noch nichts. Wie viel Zeit muss ich denn nun beispielsweise für das Schreiben einplanen?“, fragte Kevin. „Richtig, mit diesen Hinweisen muss man sich jetzt jeden einzelnen Arbeitsschritt vornehmen und die voraussichtliche Zeitdauer und die Lage schätzen, also wann genau der einzelne Schritt eingeplant wird. Manches muss ja erledigt sein, bevor man die nächste Aktivität anfängt. Vor der genauen Festlegung des Themas beispielsweise kann ich noch nicht gezielt Literatur zum Thema suchen. Andere Arbeitsschritte können parallel laufen. Wenn man meint, dass die jeweilige Aktivität mehrfach auftauchen wird, kann man das in der Liste kennzeichnen. Bei mir sieht das so aus:“
Tipp!
[1] angegebene Literatur suchen und lesen – 1 Tag
[2] Definitionen klären – 1 Tag
[3] Absprache mit Betreuer zur endgültigen Themenfestlegung – 1/2 Tag
[4] weitere Literatur zum Thema suchen – 5 x 1 Tag
[5] Literatur lesen – 6 x 2 Tage
[6] Gliederung erstellen – 2 Tage + 1 Tag Überarbeitung
[7] Text verfassen – 14 Tage
[8] Korrekturen – 7 Tage
[9] weitere Formalien (Verzeichnisse erstellen, Silbentrennung, Seitenlayout etc.) – 2 Tage
[10] kopieren, binden, abgeben – 1 Tag
„Und wie kommst du jetzt auf die Zeitdauern?“, fragte Kevin. „Das sind in diesem Stadium nur grobe Schätzungen, noch mit relativ viel Pufferzeit und Freizeit. Und auch hier wurde betont, dass man sich gut selbst kennenlernen muss. Noch weiß ich z.B. nicht, wie schnell ich Texte verfassen kann. Manche brauchen wohl einen ganzen Tag für eine Seite Text mit allen Fußnoten, andere schaffen zwei oder drei Seiten an einem Tag. Wir sollen 25 Seiten schreiben, und ich bin mal von ungefähr zwei Seiten pro Tag ausgegangen. Bisher fiel mir das Schreiben nicht so schwer. Aber da kann man natürlich auch vorsichtiger vorgehen und mehr Zeit einplanen. Für die Korrekturen wollte ich wenigstens ein paar Tage vorsehen, damit ich niemandem meine Arbeit in die Hand drücken muss mit der Verpflichtung, sie mir einige Stunden später zurückzugeben. Dann wird nämlich niemand gründlich lesen.“ „Guter Gedanke, das wird uns helfen!“ „Außerdem baut uns das ein bisschen Zeitdruck auf, rechtzeitig fertig zu werden. Das hilft vielleicht, den ‚inneren Schweinehund‘ zu überwinden …!“
„Ehrlich gesagt, sehr übersichtlich und einfach finde ich deine Liste noch nicht“, meinte Kevin. Jetzt kann ich zwar schon sehen, wie lange ich für die einzelnen Schritte wohl in etwa brauche, aber das eigentliche L, die Lage im Zeitplan, ist immer noch unklar. Habt ihr dazu eine Idee?“ „In meinem Buch stand etwas, was ich ganz hilfreich fand“, meinte Nora. „Man sollte sich eine senkrechte Fläche, wie etwa eine Tür, für die genaue Planung suchen. Dann schreibt man die einzelnen Arbeitsschritte auf Post-its®, vielleicht sogar in verschiedenen Farben und Formen, und sortiert sich das anschaulich auf dieser Fläche. Das hat noch einen Motivationseffekt: Am Anfang sind das meist ja ganz viele Post-its®, aber immer, wenn etwas erledigt ist, kann man den Zettel abnehmen und wegwerfen. Man sieht also so richtig, dass man etwas geschafft hat.“ „Das klingt fast ein bisschen wie Mindmapping“, sagte Annkathrin. „Die Methode wurde uns im Kurs zur Strukturierung des Themas empfohlen, aber für die Zeitplanung geht es bestimmt auch. Übrigens sogar am PC!“ „Der Tipp, den wir bekommen haben, ist, glaube ich, sogar noch einfacher umzusetzen“, sagte David.

„Uns wurde geraten, einfach ein Koordinatensystem oder eine Tabelle zu nehmen. Die x-Achse bzw. Spaltenkennzeichnung ist dann die Zeitachse, auf der y-Achse oder als Zeilenkennzeichnung stehen die Nummern der einzelnen Arbeitsschritte. Und dann werden die Aktivitäten als Balken mit einer Länge, die der Zeitdauer entspricht, eingetragen. Wenn ein Arbeitsschritt mehrfach vorkommt, wird der Balken einfach entsprechend oft unterbrochen. Was allerdings mit keiner dieser Methoden ohne einen Kommentar an der Darstellung der Aktivität klappt: die Berücksichtigung der Pufferzeiten. Die Kennzeichnung muss ich zusätzlich vornehmen.“
„Und wie sieht so ein Koordinatensystem dann aus?“ „Das aus dem Kurs habe ich euch mitgebracht. Wir haben mal mit neun Wochen Bearbeitungszeit gerechnet.“

Abb. 2: Zeitplanung
„Das erscheint jetzt schon deutlich übersichtlicher – aber so ganz verstehe ich das noch nicht. Du hattest für den Schritt ‚Text verfassen‘ 14 Tage vorgesehen, der Balken ist aber drei Wochen lang. Wie passt das zusammen?“, fragte Nora. „Das liegt einfach daran, dass ich hier ja noch keine taggenaue oder gar stundengenaue Planung habe. Diese 14 Tage werden innerhalb der markierten drei Wochen liegen, aber andere Aktivitäten, wie etwa die Suche nach Literatur zu ganz bestimmten Teilaspekten oder die Überarbeitung der Gliederung, müssen ja parallel erfolgen.“ „Und bei der nächsten Nachkontrolle planst du dann mit kleineren Zeitabschnitten?“ „Genau. Übrigens noch ein Tipp: Wenn man die einzelnen Balken einträgt, fängt man immer vom Zeitpunkt der Abgabe an, plant also vom Endzeitpunkt her. Denn der ist fix; alle Arbeitsschritte müssen so geplant sein, dass dieser Zeitpunkt eingehalten wird.“
„Muss man denn jetzt immer mit so groben Zeitabschnitten anfangen und dann bei den Nachkontrollen immer detaillierter werden? Geht das nicht auch gleich mit kürzeren Zeitabschnitten?“, fragte Kevin. „Bestimmt“, meinte David, „aber ich stelle mir die Detailplanung gerade am Anfang ziemlich schwierig vor. Ich könnte mir vorstellen, dass man dann sehr viel Zeit in die Zeitplanung steckt, anstatt einfach mal mit dem anzufangen, was man schon weiß. Ich glaube, es ist einfacher, die Details dann einzufügen, wenn sie sich aus dem Arbeitsfortschritt ergeben. – Hier ist übrigens noch als Zusammenfassung die Folie zur ALPEN-Methode, die in der Veranstaltung genutzt wurde:“
Tipp!
ALPEN-Methode
A → Aktivitätenliste erstellen
L → Länge und Lage der Aktivitäten schätzen
P → Pufferzeiten
E → Erledigen
N → Nachkontrolle
„Okay, die Zeitplanung müsste jetzt einigermaßen klappen“, meinte Nora. „Mit welchem Thema machen wir denn jetzt weiter, und wer übernimmt den nächsten Freitag?“ „Mein Kurs ist nächste Woche“, sagte Kevin. „Ich übernehme gerne den nächsten Termin, aber ich weiß noch nicht, welches Thema als nächstes wichtig wird. Annkathrin, was kam denn in eurem Kurs als nächstes dran?“ „Bei uns ging es dann um das Literaturverzeichnis und die Fußnoten. Ziemlich viele Regeln, ein sehr trockenes Gebiet. Wenn du das übernehmen würdest, wäre ich dir echt dankbar. Diese Formalien erinnern mich mit ihren vielen Details, die exakt eingehalten werden müssen, immer an Buchhaltung – und das war so gar nicht mein Lieblingsfach!“ „Echt nicht? Mir hat das Spaß gemacht – aber ich will ja auch ins Controlling. Okay, dann übernehme ich das Thema. Bis nächsten Freitag!“
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