Kitabı oku: «Souveräne Impulskontrolle bei Hunden»

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Inhalt
Vorwort
KAPITEL 1: Das Märchen vom perfekten Hund
Ideal- und Realzustand
Gesetzliche Mindestanforderungen an die Hundehaltung
Der Hund als Teil unserer Gesellschaft
Ansprüche an Hund und Halter im Wandel der Zeit
Verminderte Impulskontrolle im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung
Der Hund als Sozialpartner und Therapeut
Impulsgesteuertes Verhalten liegt in den Genen
Warum das Training beim Menschen beginnt
KAPITEL 2: Den Hund verstehen – Was geht im Körper und Geist des Vierbeiners vor?
Mögliche Ursachen im Überblick
Neurologische Abläufe im Zusammenhang mit Kontrollverlust
Defensive Trainingsmethoden – so lernt der Hund
Die sichere Mensch-Hund-Beziehung
KAPITEL 3: Welcher hund passt zu mir?
Die genetische Vielfalt
Beliebte Hunderassen im Direktvergleich
Rassezucht, Privatabgabe oder Schutzorganisation?
Hunde aus professioneller Zucht
Hunde aus dem Tierschutz
Hunde aus dem Privatverkauf
Wie ernähre ich meinen Hund?
Altersbedingte Impulsivität – Welpe
Altersbedingte Impulsivität – Senior
Herausforderung ängstlicher Hund
Kompensatorische Beschäftigung
Insomnisches Problemverhalten
Die Bindung zwischen Mensch und Hund
Der richtige Umgang mit dem Hund
Das erste Training mit dem Hund
Die eigene Fehlertoleranz als erzieherischer Begleitaspekt
Artgerechtes Strafen – ja oder nein?
Negativerlebnisse aus Auslöser der Verhaltensproblematik
Konfliktfall Freiheit – zwischen Gehorsam, Gesellschaft und Gesetz
KAPITEL 4: Management- und trainingsmethoden zum arbeiten mit dem hund
Die begriffliche Theorie
Ressourcenkontrolle
Die richtige Belohnung als wirkungsvolles Steuerinstrument
Die Reiz-Reaktions-Kette
Die Gegenkonditionierung
Die Desensibilisierung
Das Abbruchsignal
Exkurs: Das Aufmerksamkeitsdefizit beim Hund
Das Clickertraining
KAPITEL 5: Grundlagentraining – Typische Probleme eines impulsiven Hundes aus der Praxis
Ressourcenkonkurrenz am Futternapf
I. Welpentraining
II. Training mit dem erwachsenen Hund
Problem: Straßenfund
Horrorszenario Gift
Warum der Hund Lebensmittel stiehlt
Appetitverlust beim Hund
Stubenreinheit – Ursachen und Trainingsmethoden
Lob und Strafe – sinnvoll oder nicht?
Kommunikation richtig einordnen
Das Leinenführigkeitstraining
Begegnungen mit einem anderen Hund
KAPITEL 6: Spezialtraining – Impulskontrolle und Antijagd-Konditionierung
Impulsives Jagdverhalten – Problembeschreibung
Antijagdtraining – die wesentlichen Prinzipien
Impulskontrolltraining
Sonderfall – Mehrhundhaltung
Sonderfall – Schilddrüsenerkrankung
Sonderfall – Traumata
Sonderfall – ADHS
Exemplarischer Übungsplan für das erste Lebensjahr
KAPITEL 7: AUSBLICK – DIE ARBEIT MIT IHREM HUND zum kontinuierlichen Erfolg
Weiterführende Literatur Und Medien
Über den Autor
Vielen Dank
Haftungsausschluss
Medizinischer Haftungsausschluss
Anmerkungen
„Durch Sanftmut wirst du mehr gewinnen als durch Gewalt und Ungestüm.“
Jean de La Fontaine
Vorwort

Die Impulskontrollstörung beim Hund ist ein gängiges Problem, das augenscheinlich in der Moderne behaftet ist. Oftmals ergeben sich Verhaltensänderungen aus den Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen unserer Zeit sind so gewählt, dass sie das sich darin befindliche Individuum – artübergreifend – an die Grenzen seiner Flexibilität, Resistenz sowie der emotionalen, sozialen, kognitiven und körperlichen Leistungsfähigkeit bringt. Dieser Zustand spiegelt sich in dem Querschnitt an Verhaltensproblemen des Hundes, die zum Leidwesen des Hundehalters zu bemängeln sind.
Wir leben in vielen Bereichen in einer sich selbst optimierenden, nach Leistung strebenden Ellenbogengesellschaft. Selbst die daran beteiligten Individuen tun sich häufig schwer, diesen Lebenswandel zu akzeptieren. Während der Mensch das dahinterstehende System jedoch erfassen und die Gründe rational entschlüsseln kann, sodass am Ende alles einen Sinn ergibt (Selbstoptimierung für persönlichen Erfolg, Leistungsdenken für beruflichen Aufstieg), sind die äußeren Anforderungen für den Hund völlig fremd. Er kann die geltenden Regeln auf logischer Ebene nicht nachvollziehen (Beispiel: temporärer Leinenzwang zum Artenschutz). Obgleich Hunde sehr flexibel sind, können die individuellen Lebensumstände deshalb sehr belastend für ihn sein. Das gilt besonders dann, wenn sie ihm jegliche artentypischen Attribute aberkennen.
Die Forderung: Der Hund ist der bessere Mensch. Er eckt nicht an, er fällt nicht auf, er gehorcht und ist universal einsetzbar. Die desillusionierte Wirklichkeit: Der Hund hat Charakter und Persönlichkeit, er hat tierische Bedürfnisse, er ist ein Jäger und er jagt.
Wenn sich zwei Arten zusammentun, müssen Sie sich in der Weise miteinander arrangieren, dass der Sozialverbund für beide Seiten funktioniert.
Sind Hunde nun von Natur aus impulsgestört, sind sie von uns so gemacht oder definieren wir ihnen die Störungsbilder an?
Nur weil das hündische Verhalten als problematisch empfunden wird, müssen die Auffälligkeiten noch lange nicht pathologisch sein. Zum einen steht die Diagnostik vor dem Problem der symptomatischen Überschneidungen. Einige Krankheitsbilder äußern sich in weiten Teilen gleich (Beispiel: körperliche Krankheiten wie die Schilddrüsenunterfunktion und psychische Leiden wie Traumata). Zudem setzt sich das konkrete Verhaltensbild aus einer Vielzahl einflussgebender Faktoren zusammen, von denen die Erziehung (neben Genetik, Rasse, Persönlichkeit, Umfeldfaktoren u. v. m.) einen großen Raum einnimmt.
Der Mensch verlangt aber danach, den Hund mit einer griffigen Diagnose zu etikettieren.
Einigen dient der Befund als Universalentschuldigung, andere brauchen ein konkretes Krankheitsbild, um an Heilung zu glauben und Prognosen darüber aufzustellen.
Allerdings wird kaum eine diagnostische Beschreibung der Einzigartigkeit Ihres Hundes, Ihrer selbst und dem Bündnis zwischen Ihnen im Detail gerecht.
Dieses Buch zeigt organische Zusammenhänge auf, es macht aber auch frei von etwaigen Stempeln, Werten und Diagnosen, weil diese die Wahrnehmung kontrollieren und der Einstellung zum Gesamtproblem eine negative Note verleihen. Die Begrifflichkeiten machen einen wichtigen Teil des Problemverständnisses aus und prägen den emotionalen Umgang mit der jeweiligen Situation.
Nach Durchsicht der Lektüre sollen Sie dazu imstande sein, artgerechtes Verhalten und den daran gekoppelten Sinn zu erkennen. Ihr Blick soll sich klären und anschließend differenzierter sein, sodass Sie sich neu zu der Thematik (nicht Problematik!) positionieren.
Ziel dieses Buches ist unter anderem ein Verständnisgewinn. Sie werden für die einzelnen Entwicklungsschritte des Hundes inklusive der neuronalen Zusammenhänge sensibilisiert. Das Hintergrundwissen trägt zur Horizonterweiterung bei, in der Hoffnung, dass es nicht während, sondern bestenfalls schon vor dem Kauf, zur Bewusstwerdung der Materie kommt. Das wissenschaftliche Fundament soll Halbwissen und Irrtümer klären, damit Sie Missverständnissen und Fehlentscheidungen entgehen.
Dieser Praxisratgeber zeichnet ein realistisches Bild möglicher Szenarien, in Kenntnis dessen Sie sich mental auf die Verantwortung als Hundehalter vorbereiten können. Die exemplarische Verbildlichung ist weniger als Abschreckung denn als Chance auf die mentale Vorbereitung zu verstehen.
Neben dem theoretischen Hintergrund erwartet Sie ein strukturierter Praxisteil, der sowohl als langfristiges Erziehungsmittel wie auch als direkt anwendbarer Notfallplan fungiert.
Am Ende verfolgen die einzelnen Hilfestellungen das Ziel, dass Sie mit Ihrem Hund zufrieden sind und die gemeinsame Zeit in vollen Zügen genießen können.
Bedenken Sie: Für Sie ist das Hundeleben eine lange Zeit, für Ihren Hund ist ebendiese Zeit alles, was er hat.
Der Rezipient dieses Handbuchs sind in erster Linie Sie. Sinnbildlich gesprochen sind Sie also der c/o-Adressat, an den all die Ratschläge vorrangig gerichtet sind. Sie wiederum teilen die Informationen mit Ihrem Hund. Denn auch wenn es der Hund ist, der die Verhaltensauffälligkeiten zeigt, leiten Sie die Veränderungen ein. Sie konstruieren das übergeordnete System aus Ritualen und Regularien, Sie legen die individuellen Freiheiten fest, Sie teilen die Ressourcen zu, Sie gewähren existenzielle Versorgung und überlebenswichtigen Schutz. Sie bestimmen, welche Verhaltenseigenschaft Ihnen nicht gefällt und durch welche sie ersetzt werden soll. Sie kennen Ihren Hund und sehen, wann er Hilfe braucht.
Sie sind im Leben Ihres Hundes der zentrale, soziale und sinngebende Bezug. Ohne Sie fehlt der Veränderungsimpuls. Ohne Sie hat der Hund keine Richtung, der er folgt.
In diesem Sinne: Nur Mut, Sie schaffen das! Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg!
Herzlichst,
Ihr Benedikt Wittner
KAPITEL 1: Das Märchen vom perfekten Hund

Schenkt man den Medien Glauben, dann steigt die Zahl der Problemhunde kontinuierlich an. Vor allem in Ballungszentren kommt es immer wieder zu Beißattacken oder Unfällen im Verkehr.
Dabei erfahren Hundehalter von heute mehr Unterstützung denn je: Stationäre Hundeschulen und Onlinekurse, kostenlose Beratungsangebote, Hundetherapeuten und -physiologen – das Hilfsangebot ist schier unendlich. Hinzu kommen materielle Erziehungshilfen wie der Maulkorb oder das Anti-Zug-Geschirr.
Woran liegt es dann, dass die Flut an Problemen trotzdem nicht abklingen will?

Ideal- und Realzustand
Hund und Halter müssen einem bestimmten Bild entsprechen, welches sich kontextbezogen verändert. Mal sind es die Mitmenschen, die vorgeben, wie der Idealhund auszusehen hat, mal sind es die gesetzlichen Vorgaben und mal sind wir es selbst.
Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn es sich um den Ersthund handelt. Natürlich kann sich der Hundehalter in spe vorab darüber informieren, was auf ihn zukommt. Er wird aber keine konkrete Idee davon entwickeln, wie weit Optimum und Realität auseinanderliegen können.
In der Vorstellung ist das gemeinsame Zusammenleben vor allem eins: harmonisch. Der Hund ist sozialisiert, freundlich und offen. Beim Spazierengehen knüpft er schnell tierische Kontakte. Er ist gelehrig und wendet das Gelernte zuverlässig an. Zu Hause ist er unauffällig. Er kennt und mag sein Bettchen und wartet dort, während sein Mensch nicht zu Hause ist. Generell hat er kein Problem damit allein zu sein. Umso mehr genießt er das gemeinsame Spiel und sportliche Aktivitäten.
Die nüchterne Wirklichkeit sieht jedoch oft anders aus.
Der Hund ist ein Lebewesen mit individuellen Stärken und Schwächen. Er folgt keinem Algorithmus, der maschinell durchlaufen wird, sondern ist instinktgesteuert und agiert häufig bedürfnisorientiert. Zwangsläufig wird er dabei auch Verhaltensweisen an den Tag legen, die sein Halter als störend empfindet.
Mit gezieltem Training lassen sich die Reaktionsmuster des Hundes jedoch gut steuern. Erziehung und die bewusste Einflussnahme auf das tierische Betragen sind also möglich, jedoch nicht bis zur Perfektion. Denn der Hund kann die Geballtheit der menschlichen Erwartungen weder verstehen noch kann er Wünsche, die aus einem Mangel resultieren, kompensieren.
Gesetzliche Mindestanforderungen an die Hundehaltung
Einen Hund zu halten ist zunächst einmal ein bürokratischer Akt. Das Gesetz schreibt vor, welche Bedingungen im Einzelfall zu erfüllen sind. Neben Bundesgesetzen wie dem Tierschutzgesetz oder dem Bürgerlichen Gesetzbuch, die ganz wesentliche Informationen enthalten, bestehen weitere Regelungen auf Länderebene. Hundehalter in Niedersachsen müssen demnach andere Anforderungen erfüllen, als jene in Bayern.
Neben der Hundesteuer, die immer zu entrichten ist, kann ein Sachkundenachweis oder der Hundeführerschein verlangt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass der Hundehalter Grundkenntnisse über Hund und Haltung hat und den unterschiedlichen Alltagssituationen gewachsen ist.
Ob ein Nachweis dieser Art erforderlich ist, steht manchmal in Abhängigkeit zu der Rasse oder der Größe des Hundes. Bei Listenhunden, also Hunden, denen eine gewisse Kampfbereitschaft nachgesagt wird, kommen Wesenstest und Gehorsamsprüfung verpflichtend hinzu. Ebenso bei Hunden, die bereits negativ aufgefallen sind.
Nach bestandener Prüfung oder mit einem sogenannten Negativzeugnis, das belegt, dass der Hund nicht zur Risikogruppe zählt, können beschränkende Maßnahmen, wie die Anleinpflicht, aufgehoben werden.
Für Listenhunde gibt es zusätzlich einen Katalog an Meldevorschriften, Zucht-, Handels- und Haltungsbedingungen sowie die Pflicht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, deren Einhaltung durch unterschiedliche Kontrollstellen geprüft wird.
Wer sein Können und den Gehorsam seines Hundes freiwillig unter Beweis stellt, obwohl er keinen gelisteten Hund hält, profitiert mancherorts von einem Steuererlass.
Personen, die bereits Erfahrung in der Führung von Hunden haben, sind in einigen Bundesländern von der Pflicht etwaiger Wissensnachweise befreit.
Trotzdem gibt es einen gesetzlichen Mindestrahmen, von dem nicht abgewichen werden darf. Die Maulkorb- oder Anleinpflicht an bestimmten Orten, für bestimmte Rassen und zu bestimmten Zeiten, wie zum Beispiel während der Brut- und Setzzeit, zählen dazu.
Bei all diesen Vorschriften, fällt es schwer, den Überblick zu wahren. Vor allem, weil sie keinen Bestand haben, sondern den aktuellen innerpolitischen Entwicklungen angepasst werden. Einen Ausgangspunkt zu gesetzlichen Vorschriften der Hundehaltung finden Sie im Literaturverzeichnis am Ende des Buches. Für kommunale Vorschriften erkundigen Sie sich bitte bei Ihrer zuständigen Gemeinde.
Der Hund als Teil unserer Gesellschaft
Das Bündnis von Mensch und Hund wird zu einem Großteil von externen Faktoren, wie der Gesetzgebung, bestimmt. Aber auch unsere Mitmenschen setzen hohe Standards, die gerade in dicht besiedelten Gegenden massiv mitbestimmen, wie die Mensch-Hund-Beziehung auszusehen hat.
Einige dieser Vorgaben verdrängen das Individualinteresse des Hundehalters und müssen erfüllt werden, wenn er weder sozial ausgegrenzt noch rechtlich angegriffen werden will. So können Wohnungseigentümer in der Hausordnung festlegen, welchen Verhaltenskodex der Hund zu befolgen hat. Kommt der Hundehalter diesen Anforderungen nicht nach, muss er die Wohnung räumen oder den Hund abgeben.
Darüber hinaus gibt es ein ganzes Konglomerat an Eigenschaften, die ein gesellschaftstauglicher Hund mitbringen muss. Der Hund soll unauffällig sein. Er muss seinen Jagdtrieb beherrschen, verlockende Reize ignorieren und darf nicht bellen. Generell darf er nicht selbst entscheiden, zum Beispiel darüber, ob er angefasst werden will oder nicht. Er muss freundlich, gehorsam und aufgeschlossen sein, darf sich gleichzeitig aber nicht aufdrängen. Es wird verlangt, dass der Hund von selbst erkennt, ob er Abstand wahren muss, weil sein Gegenüber ängstlich ist oder ob er den Kuschelhund herauskehren soll.
Damit all das gelingt, muss der Halter seinen Hund erziehen. Möglichst früh und möglichst effizient. Der Druck, der auf einem Hunde-Neuling lastet, ist groß. Denn andere haben ihn ja schon – den perfekten Hund! Zumindest ist das der Eindruck, der schnell entsteht, wenn man in Kontakt zu anderen Hundehaltern tritt. Sie wissen alles ganz genau, sind stets Herr der Situation und haben immer einen Kommentar parat, wenn ein fremder Hund nicht das tut, was er soll.
Ansprüche an Hund und Halter im Wandel der Zeit

Unsere Vorfahren nutzten den Hund als Arbeitstier. Er half dabei, die Herde beisammen zuhalten und den Hof vor Eindringlingen zu schützen. Je zutraulicher und zuverlässiger der Hund, desto größer waren seine Chancen, mit dem Menschen zu kooperieren und die Vorzüge der wechselseitigen Beziehung zu genießen.
Der perfekte Hund von damals zeigte sich Fremden gegenüber aggressiv, er half bei der Jagd und verteidigte sein Territorium. Mit der Industrialisierung und Digitalisierung verloren seine Fähigkeiten jedoch an Relevanz und wurden zunehmend als störend empfunden. Der Hund von heute muss ein hohes Maß an Selbstbeherrschung aufbringen, um sich von seinem früheren Ich loszusagen. Was ihm dabei hilft, ist sein erstaunliches Talent, sich den wechselnden Umweltbedingungen anzupassen.
Aber nicht nur der Hund muss sich variabel zeigen. Auch sein Halter hat allerhand damit zu tun, den Alltagsanforderungen gerecht zu werden. Konkurrenz im Berufsleben, die Globalisierung mit all ihren Möglichkeiten, Hektik, moderne Kommunikationswege und die ständige Erreichbarkeit, Selbstoptimierung, finanzieller Druck. Der stetige Wandel mag fortschrittlich sein, er verunsichert aber auch und hält das Stresslevel auf einem konstant hohen Niveau. Vor diesem Hintergrund erfüllt der Hund eine weitere, wichtige Funktion: In unserer zunehmend komplexen Welt ist er ein verlässlicher Ankerpunkt.
Mit der Rollenverschiebung von Mensch und Tier veränderten sich auch die Gründe für den Hundekauf. Manch einer sucht gezielt nach hilfsbedürftigen Tieren, um Gutes zu tun. Ein anderer hofft auf soziale Bindung und der nächste nutzt seinen Hund, um Status und Etikette zu unterstreichen. Gerade der letzte Punkt geht jedoch häufig zulasten der Tiere. Begehrt ist was anders ist. Seltene Hunde sind aber oft ungesunde Zuchtmutanten (Anm.: persönliche Meinung des Autors). Viele von ihnen leiden gesundheitlich unter den Schönheitsmaximen der Menschen. Einige von ihnen können nur schlecht sehen oder erblinden im Laufe des Lebens, sie können ohne operativen Eingriff kaum atmen oder haben Schwierigkeiten beim Gehen. Wer sich einen Hund zulegt, sollte also genau überlegen, welche Motive er damit verknüpft und zu welchem Preis er seine Ziele erreicht.
Verminderte Impulskontrolle im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung
Eine gestörte Impulskontrolle steht häufig im direkten Zusammenhang mit einem Mangel an Bewegung. Jedenfalls für Außenstehende, die immer einen gut gemeinten Rat auf den Lippen tragen. Sie legen dem Hundehalter nahe, den Hund systematisch zu beschäftigen. Dabei ist das oft genau der falsche Weg.
Nicht selten fallen gerade die Hunde durch störendes Verhalten auf, die besonders gefördert werden. Leistungsorientierte Halter treiben ihre Vierbeiner zu Hochleistungen an und entwickeln ein Sportkonzept, das den Hund an seine körperlichen Grenzen bringt. Das Problem: Ein konstant hohes Erregungslevel widerspricht dem Naturell des Hundes. Dadurch kann er sich zu einem aufgedrehten und überreizten Tier entwickeln, das dem ständigen Drang unterliegt, auf Umweltreize zu reagieren.
Der Halter steht damit in der Verantwortung, seinen Hund von ebendiesen Reizen abzuschirmen und ihm einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen. Und das nicht nur in den Abendstunden, sondern über den ganzen Tag verteilt.
Abgesehen davon setzt sich der Hundehalter selbst unter Druck, wenn er die sportliche Betätigung seines Gefährten allzu streng taktet. Schließlich muss er seinen Hund dabei begleiten, ganz gleich, vor welchen beruflichen oder privaten Herausforderungen er steht und in welchem gesundheitlichen Zustand er sich selbst befindet. Kann er die Anforderungen zeitweise nicht erfüllen, kommen Schuldgefühle auf und die eigene Erziehungstauglichkeit wird infrage gestellt.
Die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten beim Hund verlaufen manchmal konträr. So kann ein unruhiger Hund sowohl an zu viel als auch an zu wenig Bewegung leiden. Gerade Wohnungshunde, die den ganzen Tag darauf warten, dass ihr Mensch nach Hause kommt, nur um dann schnell in den Garten geschickt zu werden, um dort die Notdurft zu verrichten, verlangen nach Beschäftigung. Sie sind physisch und kognitiv unterfordert und jagen neuen Impulsen freudig hinterher. Der Hund hilft sich selbst aus der Eintönigkeit hinaus, indem er monotone Bewegungsmuster durchbricht und stattdessen offensiv mit seiner Umwelt interagiert.
Das Gute daran: Unterbeschäftigte Hunde lassen sich leicht in ihrem Verhalten korrigieren, indem der Alltag spannender gestaltet wird. Gemeinsame Spieleinheiten und abwechslungsreiche Laufrunden können schon zu einer spürbaren Veränderung beitragen. Aber wieder ist es der Hundehalter, der in der Verantwortung steht. Er muss sein Bedürfnis nach situativem Komfort zurückstellen und seinem Hund stattdessen neue Betätigungsfelder erschließen.
Der Hund als Sozialpartner und Therapeut
Für viele Menschen ist der Hund aber weit mehr als nur ein Accessoire oder ein sportlicher Begleiter. Er ist Freund, Partner oder Kind. Gerade in der heutigen Zeit schließt der Hund eine Lücke, die die Oberflächlichkeit sozialer Medien und die Unbeständigkeit realer Kontakte geschaffen hat. Der Hund steht für Eindeutigkeit und für ein unkompliziertes Beziehungsmodell. Er liebt bedingungslos und ist immer da, er kompensiert körperliche Distanz und hegt keine trügerischen Absichten. Wer sich in der schnelllebigen Welt verloren glaubt, findet in seinem Hund konstanten Halt. Er vereint Menschen, indem er den Gesprächseinstieg erleichtert und für eine Vielfalt an Gesprächsthemen sorgt. Gerade introvertierte Menschen profitieren davon.
Teilweise geht die Vermenschlichung des Hundes aber so weit, dass eine symbiotische Beziehung zwischen ihm und seinem Halter entsteht. Der Hund wird dann als vollwertiges Familienmitglied angesehen. Er gibt die Tagesstruktur vor und darf sich verhalten, wie es ihm beliebt.
Obgleich dem Hund heute ein höherer Stellenwert beigemessen wird als je zuvor, funktioniert dieses Rollenverständnis nicht. Ein Hund kann sich faktisch nicht auf Augenhöhe mit seinem Halter befinden, weil ihm nicht die gleichen Rechte zukommen und er nicht über dieselben Fähigkeiten verfügt. Er entscheidet nicht darüber, ob es ihm in seiner neuen Zwangsfamilie gefällt und hat auch in Alltagsfragen keine Entscheidungskraft. Zwar kann der Mensch eine Vorstellung darüber entwickeln, wie der Hund entscheiden würde, wenn er denn könnte. Dennoch ist die Entscheidungsgrundlage stets die eigene.
Dessen ungeachtet erleben viele Menschen die Beziehung zu ihrem Hund als besonders intensiv. Sie haben das Gefühl, intuitiv verstanden zu werden.
Grund dafür sind psychosoziale Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Hund. Beim Verarbeiten emotionaler Informationen werden die gleichen Hirnareale aktiv. Außerdem sind beide Arten dazu in der Lage, die Stimmungen des jeweils anderen wahrzunehmen.
Neben den Parallelen im Erfassen emotionaler Zusammenhänge können beide Spezies auch ähnliche Verhaltensstörungen ausbilden. Kein Wunder also, dass der Hund den Menschen immer wieder erfolgreich therapiert.
Hunde können sich mit nahezu jeder Aufgabe arrangieren. Die Arbeit mit heftigen Emotionen kann aber in einer Überforderungssituation enden. Therapeut zu sein übersteigt das eigentliche Rollenverständnis des durchschnittlichen Haushundes und sollte deshalb speziell ausgebildeten Therapiehunden vorbehalten sein. Wer mit dem Gedanken spielt, einen Hund aufzunehmen, um körperlichen und seelischen Ballast abzuladen, sollte lieber alternative Möglichkeiten in Betracht ziehen.
Impulsgesteuertes Verhalten liegt in den Genen
Ob ein Hund zu impulsivem Verhalten neigt, kann rassespezifisch vererbt werden.
Einige Hunderassen tendieren zu Auffälligkeiten, die man bei der Kaufentscheidung berücksichtigen sollte. So werden spezialisierte Jagdhunde, wie die Setter, vermutlich Probleme mit dem sicheren Rückruf haben. Arbeitshunde, wie die Border Collies, können sich ohne klar umrissene Aufgaben schnell langweilen und Zwänge entwickeln. Und zurückhaltende Hunde, wie der Spanische Wasserhund, können auf Menschenansammlungen besonders sensibel reagieren und ihren Stress durch lautes Bellen kundtun.
Zusätzlich zu manchen Rassen sind auch Straßen- und einige Mischlingshunde vorbelastet. Sie haben sich über Generationen hinweg Überlebensmechanismen antrainiert, die sie nur schwer wieder ablegen können.
Neben den rassetypischen Erscheinungsformen störenden Verhaltens gibt es auch alters- oder geschlechtsbedingte Probleme.
Hunde, die in einer reizarmen Umgebung aufwachsen, haben später Schwierigkeiten mit dem Trubel einer Großstadt umzugehen. Sie neigen zu Unsicherheit und ziehen sich lieber zurück. Ein weiteres Phänomen vorrangig junger Hunde ist das Urinieren im Wohnbereich oder das Zerstören materieller Güter.
Alte Hunde hingegen reagieren häufig sehr empfindlich auf laute Geräusche.
Ferner sind es in der Mehrzahl Rüden, die impulsiv reagieren.
Es zeigt sich: Die vermeintliche Impulsstörung kann genetisch bedingt und damit arttypisch sein.
Warum das Training beim Menschen beginnt
Hunde orientieren sich stark an ihrer menschlichen Bezugsperson und übernehmen einige ihrer Charaktermerkmale. Gerade deshalb ist es wichtig, dass der Mensch mit gutem Beispiel voranschreitet. Er muss sich seiner Verantwortung gegenüber dem Hund bewusst werden. Sein eigenes Handeln und Innenleben werden von seinem Vierbeiner aufgesaugt und gespiegelt. Hektik und Stress können beim Hund Symptome wie Aggressionen verursachen. Sobald der Hund unerwünschte Verhaltensausprägungen zeigt, sollte der Halter deshalb die eigene Haltung reflektieren und überprüfen, ob er selbst vielleicht Anlass dazu gibt.
Als Leitfigur muss er zum einen ein besonderes Feingespür für die Bedürfnisse seines Hundes entwickeln. Er muss erkennen, wann dieser an seine Grenzen stößt und Unterstützung braucht. Zum anderen muss er diese Unterstützung auch zuverlässig bieten. Das kann er nur, wenn er Sicherheit vermittelt und seinem Hund dabei hilft, knifflige Situationen zu bewältigen. Der Hundehalter muss also erkennen, wann es an der Zeit ist, Veränderungsprozesse einzuleiten.
In vielen Fällen kann unangebrachtes Hundeverhalten mit dem richtigen Training vermieden oder zumindest gemildert werden.
Das Training muss sich an dem Hund orientieren, daran, welche Veranlagung er mit sich bringt und daran, welchen Anforderungen er im Alltag begegnet. Denn obgleich Gene und einzelne Charakterausprägungen der Hunde unveränderlich sind, kann auf die Intensität des Fehlverhaltens Einfluss genommen und eine lästige Gewohnheit durch sozialverträgliches Alternativerhalten ersetzt werden. Der Hund kann lernen, Frust zu ertragen und seine Emotionen anders zu kanalisieren, sprich, seine Impulse zu kontrollieren.
Aber: Kein Hund wird jemals zu 100 Prozent gehorchen. Fest verwurzelte Probleme und Verhaltensweisen, die sich über Jahre hinweg manifestiert haben, bleiben manchmal ein Leben lang. Das gilt erst recht dann, wenn die Schwierigkeiten krankheitsbedingt auftreten. Auch emotional aufgeladene Situationen, in denen besonders viele oder unbekannte Reize auf den Hund einwirken, stellen ein Risiko dar, das sich auch mit gutem Training nicht ganz vermeiden lässt.
Abgesehen davon kann es immer wieder zu Rückschlägen kommen. Wichtig ist dann, nicht nur selektiv all das wahrzunehmen, was nicht funktioniert, sondern zu hinterfragen, ob überhaupt etwas nicht funktioniert. Denn gemessen an den tierischen Bedürfnissen ist das Betragen, das wir als anstößig empfinden, völlig normal.
Das gemeinsame Training ist ein Prozess. Es erfordert Zeit und Einsatz, macht aber auch Spaß und stärkt das Band zwischen dem Hund und seinem Halter.
KAPITEL 2: Den Hund verstehen – Was geht im Körper und Geist des Vierbeiners vor?

Die Probleme mit impulsiven Hunden nehmen augenscheinlich zu. Doch woher kommt diese Impulsivität?
Leider ist die Antwort darauf spekulativ und vielschichtig. Eine Einzelursache steckt nur selten dahinter. Vielmehr geht es um ein komplexes Gefüge aus Genetik, Biologie, Psychologie, Kommunikation sowie zahlreichen weiteren Einflüssen aus dem direkten Umfeld des Hundes.
Mögliche Ursachen im Überblick
Es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen, die eine Impulsstörung auslösen oder verstärken können. Häufig bedingen sich mehrere Faktoren wechselseitig, weshalb punktgenaue Diagnosen so schwer zu treffen sind.
Krankheit:
Die Impulsstörung des Hundes kann mit einer Krankheit beginnen, sie kann eine solche aber auch hervorrufen.
Viele Erkrankungen, zum Beispiel hormonelle Störungen, gehen ohne sichtbare Symptomatik einher. Die krankhaften Veränderungen spielen sich im Körperinneren des Hundes ab und sind ohne den geschulten Blick eines fachkundigen Tierarztes nicht zu erkennen.
Eine der häufigsten Hormonerkrankungen, die den Hund in einen Zustand von Nervosität und Dauererregung versetzt, ist die Schilddrüsenüberfunktion (im medizinischen Fachjargon Hyperthyreoidismus).
In Folge einer Schilddrüsenüberfunktion wird der Körper des Hundes mit einem Übermaß an Energie versorgt. Das äußert sich unter anderem an einem gesteigerten Temperament und einer scheinbar grundlosen Aggression sowie einer Gewichtsreduktion und einem verstärkten Hunger- und Durstgefühl, über das der Hund versucht, seine Energiereserven zu füllen.
Die Schilddrüsenüberfunktion ist durch Medikamente gut in den Griff zu bekommen. Je nach Ursache kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, zum Beispiel dann, wenn die Dysfunktion auf einen Tumor zurückzuführen ist.
Stoffwechsel:
Bereits im vorgeburtlichen Stadium passt sich der Stoffwechsel des ungeborenen Hundes an die Umgebung an. Die Erfahrungen, die die Mutter während der Trächtigkeit macht, beeinflussen ihren Hormonspiegel und damit auch den der Embryone. Stress, Angst, Schmerz, Wetterumschwünge und die Zusammensetzung des Futters werden zu wichtigen Faktoren im Zusammenhang mit der späteren Neigung zu impulsivem Verhalten. Aus evolutionstheoretischer Perspektive erfüllt diese pränatale Prägung vor allem den Zweck, den Hund möglichst gut auf die Umweltbedingungen vorzubereiten, die ihn erwarten werden. Die individuelle Ausprägung des Stoffwechselsystems ist also von überlebenswichtigem Charakter, jedenfalls in der freien Natur.
Eingeschränkte Sinneskraft:
Neben kranken Hunden sind es vor allem ältere Tiere, die auffällig sind. Hunde, die in ihrer Sinneswahrnehmung eingeschränkt sind, also zum Beispiel nicht richtig sehen oder hören können, entwickeln häufig Ängste, denen sie teils unkontrolliert Ausdruck verleihen. Die verminderte Fähigkeit, Impulse angemessen zu kanalisieren, kann deshalb im Alter nachlassen.
Verhaltensstörung als Zuchtresultat:
Überzüchtete Hunde leiden häufig an Erbkrankheiten, die genetisch verankert sind. Der Mensch fokussiert sich in der Zucht gezielt auf die Wesensmerkmale, die der Kunde fordert. Die Genetik ist jedoch multidimensional und in weiten Teilen noch immer nicht erforscht. Einzelne Merkmale stehen in direktem Zusammenhang mit anderen Aspekten, deren plötzliches Fehlen aufgrund von Selektion dazu führen kann, dass es zu neurologischen Fehlschaltungen kommt. Das experimentelle Selektieren geht deshalb zu lasten der daraus entstehenden Bausatzhunde.
Wenn die Hunderasse nicht zum Halter passt:
Die Impulsstörung eines Hundes kann auch damit zusammenhängen, dass das Lebensmodell des Halters nicht zur gewählten Hunderasse passt. Die Kaufentscheidung sollte deshalb alle entscheidenden Rassemerkmale berücksichtigen. Bestenfalls wird sie durch ein Beratungsgespräch abgesichert. “Fehlkäufe” lassen sich später nämlich nicht einfach rückabwickeln, jedenfalls nicht, ohne bleibende Schäden auf der Hundeseele zu hinterlassen.
Traumata im Welpenalter:
Die Tendenz zu aggressivem Verhalten kann neurologische Ursachen haben.
Traumatische Erlebnisse während der Präge- und Sozialisierungsphase eines jungen Hundes können die Hirntätigkeit irreparabel schädigen und spätere Verhaltensabläufe nachteilig beeinflussen. Postnatale Belastungen sind deshalb so folgenschwer, weil dem jungen Hund noch keine Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen. Je einschneidender das Ereignis, desto gravierender der gesundheitliche Schaden: Verknüpfungen innerhalb des Gehirns werden gekappt und das Lernen insgesamt erschwert.
Ernährungs- und Fressgewohnheiten:

Verhaltensauffälligkeiten beim Hund entstehen häufig aus verschiedenen Fragmenten, die ungünstig zusammenwirken. Falsch abgestimmte Futtermittel oder schlechte Fressgewohnheiten können ein solches Fragment sein.
Protein: Je höher der Proteingehalt im Hundefutter, desto aggressiver der Hund. Dieses Ergebnis konnte einer Versuchsreihe zur Verhaltensforschung am Hund1 entnommen werden.
Kohlenhydrate: Kohlenhydrate wirken auf den Hund beruhigend, weil sie den Transport von L-Tryptophan unterstützen, welches sich im Gehirn zum Neurotransmitter Serotonin verändert.
Fette: Als natürlicher Energielieferant sind Fette unabdinglich. Doch auch sie können zur Synthese von Serotonin beitragen und dadurch ein Stück weit die Kohlenhydrate ersetzen bzw. ergänzen.
Futterzeiten: Gestaffelte Mahlzeiten verteilt über den Tag beugen Verhaltensauffälligkeiten vor und sorgen dafür, dass biologische Prozesse kontinuierlich ablaufen, anstatt im Laufe des Tages einzubrechen und bei der nächsten Fütterung schlagartig wieder hochzufahren.
Territorialverhalten:
Hunde in freier Wildbahn haben ein Territorium und verteidigen diesen Bereich durch Drohgebärden vor Fremdlingen.
Das Miteinander in einem Sozialverbund funktioniert aber nur, wenn der Hund seine Revieransprüche, entgegen seiner Veranlagung, nicht geltend macht. Jedenfalls in keiner Form, die gefährlich werden kann. Spätestens beim Anspringen und bei Beißereien muss der Hund zugunsten der Allgemeinheit gemaßregelt werden. Vor allem, weil nicht nur die eigenen vier Wände geschützt werden, sondern auch der Außenbereich (Parks, Wanderroute, einzelne Objekte außerhalb der Wohnung, etc.) partiell in Anspruch genommen wird.
Störverhalten bei Stress:
Stress ist ein körpereigenes Instrumentarium der Überlebenssicherung. Wird Stress empfunden setzt der Körper Stresshormone frei, die die Reaktions- und Leistungsfähigkeit optimieren (positiver Stress).
Dadurch, dass der Fokus dem Überleben gilt, stehen dem Hund aber keine weiteren Ressourcen mehr zur Verfügung, die er braucht, um sich sozialkonform zu verhalten und etwaige Leistungsanforderungen zu erfüllen. Der Zugang zu bereits erlernten Lösungsansätzen ist bei lang anhaltendem Stress blockiert, das Denken funktioniert insgesamt nur noch rudimentär und auch die Konzentrationsfähigkeit ist vorübergehend beeinträchtigt (negativer Stress).
Stress kann im Äußeren entstehen, sich also zum Beispiel aus den konkreten Haltungsbedingungen ergeben (äußerer Stress). Er kann sich aber auch unmittelbar auf den Organismus des Hundes beziehen, zum Beispiel durch Schlaflosigkeit oder Mangelernährung (innerer Stress).
Ärger mit dem jagenden Hund:
Die Jagd wird durch bestimmte Reize eingeleitet. Das können Sichtreize sein, zum Beispiel ein Eichhörnchen, das über den Boden huscht und dabei vom Hund erblickt wird. Es können aber auch Sinneseindrücke wie tierische Gerüche oder Geräusche sein, die den Hund in seinen Bann ziehen.

Die Jagd ist eine Verkettung einzelner Teilelemente. Zu ihnen zählen das Ausschauhalten, das Aufnehmen von Fährten und das Aufstöbern von Wild gefolgt vom Treiben und Hetzen, dem Packen und Apportieren sowie dem Töten und Fressen. Der letzte Punkt schließt die natürliche Jagdsequenz ab, ist in der Arbeit mit geschulten Jagdhunden aber strikt verboten.
Im Alltag sind besonders die Jagdaspekte Ausschauhalten und Hetzen ein Problem. Befindet sich der Hund tief in einem der beiden Modi, ist er kaum noch abrufbar. Er entfernt sich aus dem Sicht- und Handlungsbereich seiner menschlichen Bezugsperson und widmet seine ganze Aufmerksamkeit dem Jagdprozess.
Der Hund jagt normalerweise nicht, weil er einen Ernährungsmangel kompensieren muss. Häufig ist es ganz einfach die Freude, die ihn währenddessen überkommt.
Ein Großteil der jagdlichen Ambition wird aber auch vererbt. Unabhängig von der Jagdbereitschaft, die dem Hund seit Anbeginn der Zeit in den Knochen steckt, weil er vom Wolf abstammt und nur durch das Erlegen von Wildtieren überdauern konnte, entscheidet die Veranlagung darüber, wie intensiv das Jagdverhalten zutage tritt.
Jagdrassen reagieren verstärkt auf Jagdreize. Sie können ihre Emotionen weitaus schlechter zügeln, als Hunde, denen dieses genetische Gepräge fehlt.
Zu den Hunderassen, die jagdlich besonders ambitioniert sind, gehören unter anderem die Weimaraner, die Setter, die Magyar Vizslas, Dackel, Bracken oder die Deutschen Wachtelhunde.
Es gibt Jagdhunde, die in enger räumlicher und kommunikativer Abhängigkeit zum Jäger arbeiten und andere, die in Eigenregie tätig sind. Hunde, die der ersten Gruppe angehören, sind in der Regel umgänglicher und weniger problematisch.
Wer Jagd- oder Hütehunde favorisiert, aber selbst in einem familiären Zusammenschluss lebt, den Hund also nicht beruflich entsprechend dessen Jagdkompetenz einspannen will, muss sich darauf einstellen, die Erziehung mit einer Menge Durchhaltevermögen betreiben zu müssen. Wichtig ist es, die Triebe des Hundes nicht ins Leere laufen zu lassen oder vollständig zu unterbinden, sondern alternative Beschäftigungen zu finden.
Neurologische Abläufe im Zusammenhang mit Kontrollverlust
Wie der Hund denkt, ist abhängig von den Funktionen, die das Gehirn übernimmt, den übrigen organischen Vorgängen, dem Erbgut sowie den Erfahrungen und den Einflüssen, denen der Hund ausgesetzt ist und war. Aufgrund dessen, dass die Liste aller einflussgebenden Faktoren kontinuierlich wächst und damit niemals abschließend aufgeführt werden kann, sollen nachfolgend nur exemplarisch jene Abläufe im Gehirn benannt werden, die maßgeblich an der Impulsproblematik beteiligt sind.
Allgemeine Funktionsweise:
Das Gehirn ist im Prinzip ein riesiger Schaltkreis, der ständig neue Verbindungen knüpft. Die Verbindungspunkte sind die sogenannten Neuronen. Zwischen den einzelnen Neuronen befindet sich der synaptische Spalt. Das ist der Ort, an dem eine Information, die ihre Reise durchs Gehirn als elektrisches Signal startet, in ein chemisches Signal umgewandelt wird. Die Übertragung des chemischen Signals erfolgt durch Botenstoffe, die von der nächstgelegenen Zelle empfangen werden. Die Botenstoffe können dazu führen, dass der Informationsfluss unterbrochen wird oder eben nicht.
Wird eine ähnliche Information mehrmals nacheinander übertragen, verbessert sich die Verbindung und es bilden sich eigene Transportwege, damit die Übertragung der gleichen Signale für die Zukunft möglichst effektiv ist. Die Stärkung der neuronalen Pfade ist genau das, was im Hundetraining passieren soll. Der Hund wiederholt gewünschte Verhaltensweisen und polt sein Gehirn darauf um. Der Informationsfluss zu dem neuen Reaktionsmuster kann dadurch mit jeder Wiederholung leichter abgerufen werden, wohingegen die alten Übertragungswege allmählich verblassen.
Botenstoffe:
Es gibt vier Transmittersysteme zur Übertragung der Informationen. In der Frage um die Entstehung von impulsgestörtem Verhalten spielen das dopaminerge und das serotonerge System eine entscheidende Rolle.
Dopamin ist ein Glückshormon. Es wird im Zusammenhang mit positiven Empfindungen freigesetzt und wirkt dann, wenn Motivation und Belohnung am Ausgang der Situation beteiligt sind.
Dopamin beeinflusst die motorische Reaktion, indem es den Erregungsimpuls an entsprechende Stelle weiterleitet. Weil der Hund nach dem Prinzip des Lustgewinns und der Schmerzvermeidung vorgeht, wird die körperliche Handlung so ausfallen, dass die Folge darauf möglichst angenehm ist.
Serotonin ist immer dann im Spiel, wenn es darum geht, gelassen auf Veränderungen zu reagieren. Es schützt davor, bei Stress aus der Haut zu fahren. Die vorhandene Menge Serotonin kann aber nur ein gewisses Stressaufkommen kompensieren. Alles, was darüber hinausgeht, wird vom Serotonin nicht mehr abgefangen. In lang anhaltenden Stressphasen oder bei Stress von besonders hoher Intensität greift der Beruhigungsmechanismus also nicht und der Hund neigt zur Unruhe und Aggression.
Das limbische System:
Noch bevor rationale Denkprozesse in Gang gesetzt werden, bewertet das limbische System, ob eine Handlung lohnenswert ist, weil sie positive Folgen nach sich ziehen wird, oder ob von ihr abgelassen werden sollte, weil die Konsequenzen eine emotionale Disharmonie verursachen könnten. Die unterbewusste Kategorisierung von Ereignissen in gut oder schlecht beeinflusst den Grad an Motivation, mit der diesem Ereignis begegnet wird. Das limbische System speichert die Bewertung ab, sodass sie in einer ähnlichen Situation als Entscheidungshilfe für die darauf folgende Reaktion genutzt werden kann.
Der Kortex:
Zum limbischen System gibt es ein Gegenstück, den sogenannten Kortex. Der Kortex ist für das rationale Denken verantwortlich. Auf Grundlage des Gefühlsspeichers im limbischen System werden im Kortex Handlungen geplant und gegenkontrolliert. Hier entscheidet sich also, ob der Hund seine Impulse steuern kann oder nicht.
Der Hypothalamus:
Eines der Hirnareale, das immer wieder an Impulskontrollstörungen beteiligt ist, ist der Hypothalamus. Er steuert die Hormonproduktion. Der Hypothalamus wird auch aktiv, wenn sich der Hund nicht zu helfen vermag, weil er keine Bewältigungsstrategie kennt, die zur Lösung einer akut belastenden Situation beitragen könnte. Er greift dann auf alternative Verhaltensweisen (Übersprunghandlungen und Instinkte) zurück, die zwar nicht zur Problemlösung beitragen, aber das Gehirn ersatzbefriedigen und damit den hormonellen Erregungszustand stoppen (Dopaminbremse).
Kortisol:
Wird der Hund mit einer Gefahr konfrontiert, steigt der Kortisolspiegel. Kortisol ist das Stresshormon, welches dafür verantwortlich ist, dass man sich auf die wesentlichen, lebenserhaltenden Maßnahmen konzentriert und alles Weitere vorerst in den Hintergrund gerät. Der Körper befindet sich in einem Zustand, in welchem er sein gesamtes Leistungspotenzial schlagartig entfalten kann, nachdem er die instinktive Entscheidung für Kampf oder Flucht getroffen hat.
Defensive Trainingsmethoden – so lernt der Hund
Damit der Hund auf Stressoren selbstbeherrscht reagieren kann, muss er lernen, Frustration zu ertragen und instinktives Störverhalten gegen alternative Lösungsmuster einzutauschen. Im Extremfall kann er dann auf diese erlernten Strategien zurückgreifen und den Akutmoment souverän meistern.
Ein ganz wesentlicher Teil beim Lernen geschieht im mesolimbischen System, also jenem Teil des Gehirns, der für Belohnung und Motivation zuständig ist. Beide Aspekte gehen Hand in Hand, denn in Erwartung einer Belohnung ist der Hund motiviert dazu, Verhalten abzurufen, das ihm Mühe bereitet. Je beschwerlicher der Weg, desto mehr Motivation ist dafür erforderlich.
Als Belohnung kommen alle Aktivitäten oder Objekte in Betracht, die bei dem Hund angenehme Gefühle auslösen, also alles, was er als Erfolg verbucht. Das können kleine Leckerbissen sein, lobende Worte, Körperkontakt, Gerüche, Sinnesempfindungen oder das Spiel mit dem Ball.
Dieser Trainingsansatz nennt sich positive Verstärkung. Körperliche Strafen, Schreie oder Ignoranz werden bei dieser Herangehensweise ausgeklammert. Das Erfolgsbemühen des Hundes ist nämlich derart ausgeprägt, dass er versuchen wird, Misserfolge möglichst zu vermeiden. Ein Misserfolg kann auch das Ausbleiben einer Belohnung sein. Sobald der Hund in seinem Verhalten nicht bestärkt wird, sucht er also nach einer Alternativlösung, die einen Erfolg auslöst. Ist der Hund nun einer vergleichbaren Situation ausgesetzt, die seine Selbstbeherrschung fordert, erinnert er sich an die erlernte Strategie. In Erwartung an das folgende Lob wird er das erwünschte Verhalten abrufen.
Der Hund lernt aber auch durch Struktur und wiederkehrende Abläufe. Er lässt sich auf ein bestimmtes Verhalten konditionieren, wenn er mehrere Komponenten miteinander in Verbindung setzt. So kann er zum Beispiel den Zusammenhang bestimmter Geräusche und Tätigkeiten erkennen.
Ferner lernt der Hund am Modell. Er orientiert sich also an seinen Artgenossen oder am Halter und kopiert, was er sieht. Der Hundehalter ist deshalb ein wichtiges Vorbild. Wenn er sich selbst nicht stressen lässt, kann auch der Hund einen Teil seiner Anspannung ablegen. Über einen längeren Zeitraum lernt er dadurch, dass bestimmte Reize ungefährlich sind und er nicht impulsiv darauf reagieren muss.
Der Hund ist also durchaus dazu in der Lage, sein Handeln zu steuern. Er kann vorausschauend und planerisch vorgehen. Er kann sich für oder gegen eine Aktion entscheiden. Für ein gesundes Miteinander und das Nutzen sozialer Strukturen sind Fähigkeiten dieser Art unverzichtbar.
Die sichere Mensch-Hund-Beziehung
Stabilität und Vertrauen sind die Basis, auf der Veränderungsprozesse stattfinden. Deshalb steht zunächst der Halter in der Pflicht, an der Beziehung zu seinem Hund zu arbeiten und klassische Erziehungsfehler wie Bestrafungen, Überforderung oder Wankelmut zu vermeiden.
Er sollte einen möglichst realistischen Blick für die Probleme seines Hundes entwickeln. Wer das Jagdverhalten als natürlich betrachtet und versteht, dass die artgerechte Hundehaltung ohne die Konfrontation mit einzelnen Jagdfaktoren gar nicht möglich ist, kann besser damit umgehen, wenn der Hund seine Instinkte von Zeit zu Zeit durchblicken lässt. Vor diesem Hintergrund werden vermeintliche Trainingsrückschritte auch weniger verbissen gesehen. Der Hund bildet seine Veranlagung zur Jagd nämlich bis ins Erwachsenenalter aus. Und auch die Jagdlust ist nicht stabil, sondern verändert sich mit den Jahreszeiten. Kommt es also wieder zu einem Entwicklungsschub oder einer saisonalen Verlagerung, kann sich das im Trainingserfolg bemerkbar machen.
KAPITEL 3: Welcher hund passt zu mir?

Die Kaufentscheidung ist ein ganz wesentlicher Schritt. Welcher Hund soll es sein? Was erwarte ich, was kann ich bieten und welcher Hund passt am ehesten dazu?
Jeder Hund ist ein Unikat. Wie er sich im Laufe seines Lebens präsentiert, weiß niemand so genau. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte (Genetik, Rassenbeschreibung, Bezugsquelle u. v. m.), die eine erste Einschätzung erlauben.
Die genetische Vielfalt
Hunde haben fast doppelt so viele Chromosomen wie der Mensch und schätzungsweise 19.000 Gene. Die Erkenntnisse über genetische Zusammenhänge haben seit dem Jahr 2003 einen ordentlichen Schub gemacht. In diesem Jahr gelang es der Wissenschaft nahezu vollständig das Genom eines Pudels und wenige Jahre später das eines Boxers zu sequenzieren.
Eine konkrete Merkmalsausprägung entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Einheiten des Genoms, die gemeinsam vererbt werden. Ziel der Forschung ist demnach, diese Zusammenhänge zu erkennen und in der DNA-Sequenz zu verorten.
Es konnten bereits Gene lokalisiert werden, die an der Entstehung rassespezifischer Krankheiten beteiligt sind. Auch der Geschlechtsdimorphismus, zum Beispiel der Größenunterschied weiblicher und männlicher Tiere, lässt sich mittlerweile erklären.
Optische Merkmale und organische Erkrankungen sind also bereits fester Bestandteil der aktuellen Forschungsarbeit. Die Prognose lässt vermuten, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Sektor weiter rasant wachsen werden und eines Tages auch mentale Abläufe und Verhaltensausprägungen zu ihrem Gegenstand gehören.
Trotzdem steckt die Säugetiergenetik noch in den Kinderschuhen. Die Verfahren sind aufwendig, erfordern technische und finanzielle Mittel, müssen vielfach wiederholt und miteinander abgeglichen werden.
Beliebte Hunderassen im Direktvergleich
Der Schäferhund

Der Deutsche Schäferhund ist so facettenreich, dass er sich beinahe in jede Lebensform integrieren lässt. Er ist selbstbewusst, sehr robust und mit einem starken Nervenkostüm versehen und deshalb im Personenschutz häufig erste Wahl. Gleichzeitig ist er familien- und harmonieorientiert, sodass er auch als Begeleit- oder Familienhund infrage kommt.
Der Deutsche Schäferhund ist mit allen Fähigkeiten ausgerüstet, der er braucht, um sich selbst optimal versorgen zu können. Wenn sein Halter also nicht signalisiert, dass er die Rudelführung übernimmt, kann der Hund diesen Posten für sich beanspruchen. Durchsetzungskraft und ein stringenter Erziehungsstil sind deshalb essenziell.
Die Attribute Sportlichkeit, Arbeitseifer und Beschützerinstinkt liegen dem Schäferhund im Blut. Das optimale Wohnareal wäre deshalb ein weitläufiger Grund, den er vor Fremdzutritt schützen kann. Als Begleitung einer sportlichen Person, die ihn in gemeinsame Aktivitäten einzubinden vermag, findet er sich aber auch in einer Stadtwohnung zurecht.
Schäferhunde leiden häufig an Ellenbogen- und Hüftgelenkdysplasie und einem schmerzhaften Rücken. Seriöse Züchter achten darauf, nur beschwerdefreie Tiere miteinander zu verpaaren. Der finanzielle Mehraufwand für einen Hund aus professioneller Zucht ist also eine Direktinvestition in die Gesundheit des Tieres.
Der Chihuahua

Der Chihuahua gilt als Modehund und ist aus dem heutigen Stadtbild kaum noch wegzudenken. Er ist verspielt und oft von freudigem Naturell. Dadurch bringt er sich und seinen Halter immer wieder in den Genuss gewisser Vorzüge. Bei der Wohnungssuche, die sich gerade im städtischen Bereich für Hundehalter oft als zäh erweist, wird zum Beispiel gern einmal ein Auge zugedrückt.
Die geringe Körpergröße und das niedrige Gewicht schlagen auch auf die monatlichen Kosten durch: Die Futtermenge ist gering, ein kleines Hundegeschirr kostet weniger als ein großes und Medikamente in geringer Dosierung sind preiswerter als hoch dosierte Arzneien.
Viele Menschen suchen in ihrem Chihuahua einen Ersatz. Der Hund soll einen Mangel kompensieren und wird zwecks dessen objektifiziert. Er wird zwangsbekuschelt und ist mehr Accessoire denn Hund. Einige dieser Hunde werden dadurch fordernd und aggressiv.
Auch Chihuahuas können beim Kauf bereits vorerkrankt sein oder die Veranlagung für spätere Krankheiten in sich tragen. Dazu gehört der fehlentwickelte Knochenbau, die krankhafte Beeinträchtigung der Sinnesorgane und eine Menge mehr.
Der Pudel

Der Pudel ist ein empathischer und gut gelaunter Hund, der die Nähe zu seinem Rudel sucht. Er ist begeisterungsfähig, vor allem wenn es um Apportier- und Dummyspiele geht.
Pudel sind robust und nervenstark. Sie sind ausdauernde Arbeitshunde und stellen ihr Können in unterschiedlichen Branchen unter Beweis (Rettungsdienst, Blindenführhund, …).
Die Lockenpracht des Pudels ist häufig das ausschlaggebende Kaufargument für Allergiker, denn Pudel haaren kaum. Auch Mischlingshunde, die auf den Pudel zurückzuführen sind (sogenannte Doodle-Hunderassen) lassen meist nur wenig Haar. Aufgrund der Tatsache, dass der Pudel kaum Haare verliert, darf er außerdem oft an Orte mitgenommen werden (Hotels, Restaurants, …), an denen sonst ein Pauschalverbot besteht.
Der größte Vorteil des Pudels ist gleichzeitig eine Last. Das kontinuierliche Wachstum der Haare erfordert einiges an Pflege, damit es nicht verfilzt.
Pudel leiden schnell an entzündlichen Augen oder einer Patella Luxation. Pflege und Vorsorge können das Risiko mindern.
Die Englische Bulldogge

Die Englische Bulldogge ist ein charmanter kleiner Hund, der zu seinem Glück gezwungen werden will. Er befindet sich stets in der Schwebe zwischen Lethargie und Leidenschaft.
In seiner Gemächlichkeit nimmt er die meisten Umstände an, wie sie sind. Ob großes Anwesen auf dem Land oder komprimiertes Einzimmerapartment - eine bestimmte Wohnpräferenz hat er nicht.
Aufgrund von Ausprägungen der Brachycephalie kann die Englische Bulldogge mit körperlichen Beeinträchtigungen kämpfen, welche oft fälschlicherweise als Gemütlichkeit wahrgenommen werden. Der Hund braucht den Stimulus von außen, um seine Trägheit zu bezwingen. Deshalb sollte der Halter dazu in der Lage sein, liebevolle, aber nachdrückliche Überzeugungsarbeit zu leisten. Außerdem sollte er darauf achten, dass der Hund frei atmen kann und keine offensichtliche Gangstörung hat.
Der Dalmatiner

Dalmatiner sind vom Charakter eher ruhig. Sie arbeiten gern eng mit ihrem Halter zusammen und genießen den direkten Kontakt.
Im Training zeichnen sich schnell Erfolge ab, weil sie stets darauf bedacht sind, ihren Menschen zu gefallen.
Der starke Wunsch nach Zuwendung und Interaktion wird manchmal zum Problem. Dalmatiner sind sehr sensibel und reagieren auf temporäre Trennung mit Stress. Gerade weil sie so empfindsam sind, muss der Umgang mit ihnen behutsam sein. Strafen, Leistungsdruck und mentale Belastungen ähnlicher Art verursachen Verhaltensanomalien, die einem harmonischen Zusammenleben im Wege stehen.
Leider zählt der Dalmatiner zu den Rassen, bei denen es aufgrund von Überzüchtung zu Rasseerkrankungen wie Taubheit, einer Überproduktion an Harnsäure oder fehlentwickelten Gelenken kommen kann.
Der Dackel

Der Dackel ist klug und charakterstark. Er ist ein tapferer Krieger, der sich und seine Liebsten schützt. Viele Jäger nehmen den Dackel noch heute mit zur Jagd.
Der Dackel ist aber auch lauffreudig und agil. Im Beisein einer aktiven Einzelperson fühlt er sich deshalb genauso wohl.
Der Jagdinstinkt des Dackels ist je nach Art (insbesondere Standard- und Rauhaardackel) sehr präsent. Im Jagdgeschehen ist er auf sich allein gestellt, entscheidet selbst und geht zu seinem Halter infolgedessen ein eher lockeres Bündnis ein. Wer dennoch einen Dackel halten will, muss sich darauf einstellen, dass die Erziehung etwas anspruchsvoller werden kann als bei einer bindungsstarken Rasse. Die Vergesellschaftung mit anderen Tieren kann problematisch sein. Und auch der Hundesport zählt nicht zu seinen Stärken, weil der lang gestreckte Rücken schnell Schaden nimmt.
Der Australian Shepherd

Der Australian Shepherd ist ein hochintelligenter Hund, der eigenständige Gedanken fasst und lösungsorientierte Entscheidungen trifft. Er ist ein leistungsstarkes Arbeitstier und unter anderem in Berufen wie dem Rettungsdienst zu Hause.
Auch die Eingliederung in eine Familie ist prinzipiell vorstellbar, wenn der Hund gut und früh sozialisiert worden sind. Einmal in die Familie integriert, verspürt er ein starkes Wir-Gefühl. Diese Sympathie für die Spezies Mensch verbleibt jedoch im familiären Raum. Außenstehenden gegenüber ist er eher reserviert.
Der scharfsinnige Hund erkennt die individuellen Schwächen seines Menschen und spielt sie strategisch gegen ihn aus, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht.
Wer einen Australian Shepherd hält, muss ein Gespür dafür haben, wie viel Auslastung sein Hund verträgt und wann er eine Pause braucht. Viele dieser Hunde stehen unter Dauerstrom und finden ohne eine helfende Hand einfach nicht zur Ruhe.
Rassezucht, Privatabgabe oder Schutzorganisation?
Wer mit dem Gedanken spielt, einen Hund bei sich aufzunehmen, sieht sich früher oder später mit der Frage konfrontiert, wo er einen passenden Vierbeiner kaufen soll. Der Hundeneuling verliert sich schnell in einer Welt zwischen betrügerischen Absichten, selbstloser Rettungsaktion, dem privaten Graufeld und der hoch qualifizierten Zucht.
Hunde aus professioneller Zucht

Vorteile:
1) Zuchthunde sind vor allem dann gewünscht, wenn ein ganz spezieller Rassewunsch besteht oder eine wirtschaftliche Intention damit verbunden wird.
2) Ein guter Züchter wird medizinische Vorsorge betreiben und die Elterntiere auf rassetypische Krankheiten (zum Beispiel ein Audiometrietest beim Dalmatiner oder die Ellenbogen und Hüftdysplasie beim Schäferhund) testen lassen, um das Übertragungsrisiko zu mindern. Auch die Nachkommen werden auf das Vorliegen der jeweiligen Rassekrankheiten überprüft.
Zusätzlich erhalten die Welpen einen Impfpass und Transponder, sie werden antiparasitär behandelt und altersentsprechend geimpft.
3) Gewissenhafte Züchter verpaaren nur Elterntiere miteinander, die sich vom Charakter dazu eignen. So soll vermieden werden, dass die Welpen die Veranlagung für bestimmte Verhaltensauffälligkeiten mitbringen und sich später zu Problemhunden entwickeln.
4) Ein guter Züchter beschäftigt sich intensiv mit dem Wurf. Das ist wichtig, damit er beurteilen kann, welcher Hund am besten zum Käufer passt. Zudem ist der Direktkontakt ein wesentlicher Schritt im Sozialisierungsprozess.
5) Vertrauliche Züchter können nicht einfach tun, wonach ihnen beliebt, sondern müssen bürokratische Anforderungen erfüllen:
Jeder Welpe erhält Papiere, die unter anderem Aufschluss darüber geben, woher er stammt, welche Gene er in sich trägt und welche körperlichen und charakterlichen Merkmale seine Vorfahren hatten.
Abgesehen davon sind anerkannte Züchter gem. § 11 TSchG offiziell zugelassen und können auf Nachfrage einen entsprechenden Nachweis dazu erbringen.
Und auch die Menge an Parallelwürfen ist gesetzlich geregelt, damit es nicht zur Massenzucht kommt.
6) Viele Züchter stehen dem Käufer auch über den Kauf hinaus beratend zur Seite. Gerade in der Anfangszeit kann das sehr hilfreich sein. Die meisten Züchter leisten diesen Dienst kostenfrei. Andere schließen dafür einen kostenpflichtigen Servicevertrag.
Nachteile:
1) Der Preis eines reinrassigen Hundes beläuft sich schnell auf einen vierstelligen Betrag (je nach Rasse, Ursprung und etwaigen Zusatzleistungen).
Der Züchter investiert allerdings auch selbst. Kosten beim Veterinär, hochwertiges Futter, kostenpflichtige Mitgliedschaften in Vereinen und Teilnahme an Rasseshows, Werbung, das Installieren einer welpengerechten Unterbringung, steuerliche Abzüge und Weiteres summieren sich.
2) Unseriöse Händler sind von Laien oftmals nicht als solche zu erkennen. Alles, was sie tun, ist monetär bedingt, persönliches Interesse am Nachwuchs besteht nicht. Die Tiere sind oft ungepflegt und haben kaum Kontakt zur Außenwelt.
Hunde aus dem Tierschutz

Vorteile:
1) Viele Hundeliebhaber verbinden mit dem Kauf einen moralischen Aspekt. Sie wenden sich an das örtliche Tierheim (oder an eine Tierschutzorganisation, die ihre Tiere aus dem Ausland bezieht) und lassen sich von der dortigen Vielfalt inspirieren. Meistens muss man dafür nicht einmal weit fahren, weil fast jede größere Stadt eine Auffangstation für Hunde hat.
2) Ziel dieser Einrichtungen ist es, die Tiere langfristig zu vermitteln. Deshalb gehen sie mit Problemen offen um. Der Halter weiß dadurch bereits vorab, welche Konflikte möglich sind.
3) Hund und Halter sollen nur zueinanderfinden, wenn es wirklich passt. Deshalb gibt es meist die Möglichkeit, den Hund auf Probe mitzunehmen.
4) Die Kosten bewegen sich in einem überschaubaren Rahmen von durchschnittlich 100 bis 300 Euro. Der Kaufpreis deckt lediglich einen Bruchteil der Gesamtkosten, die dem Tierheim für Unterbringung, Betreuung, medizinische Versorgung und textiles Material entstanden sind.
Nachteile:
1) Viele Hunde werden abgegeben, weil sie Eigenschaften haben, die problematisch sind.
Einige Auffälligkeiten ergeben sich auch aus dem Aufenthalt im Tierheim selbst. Das beengte, oft eintönige Leben weckt in manch einem Hund einen unstillbaren Drang nach Bewegung. Dementsprechend dürftig kann die Leinenführigkeit ausfallen.
2) Hunde aus dem Tierheim haben die schmerzliche Erfahrung gemacht, ihr Zuhause zu verlieren. Damit das nicht noch mal geschieht, legen die Mitarbeiter anhand einiger Kriterien fest, wer als Käufer überhaupt infrage kommt. Um ganz sicher zu sein, nehmen sie auch Hausbesuche vor.
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