Kitabı oku: «Sprüche der Väter. Das Weisheitsbuch im Talmud»

Yazı tipi:

Sprüche der Väter

Das Weisheitsbuch im Talmud

Übersetzt, erklärt und herausgegeben von Bernhard Lang

Reclam

2020 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen

Made in Germany 2020

RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN 978-3-15-961815-9

ISBN der Buchausgabe 978-3-15-014042-0

www.reclam.de

Inhalt

  Sprüche der Väter Erstes Kapitel Zweites Kapitel Drittes Kapitel Viertes Kapitel Fünftes Kapitel Sechstes Kapitel

  Anhang Zu dieser Ausgabe Anmerkungen Gliederung und Entstehung Glossar rabbinischer Wörter Stimmen aus der Literatur Literaturhinweise Nachwort

[5]Sprüche der Väter

Pirke Avot

[7]Erstes Kapitel

(Vorwort)

1 Mose empfing das Tora(-Amt) vom Sinai und gab es weiter an Josua; Josua gab es weiter an die Ältesten, die Ältesten an die Propheten, die Propheten an die Männer der großen Synagoge. Diese gaben dreifachen Rat:

Zögert beim Urteilsspruch!

Bildet aus der Schüler viele!

Pflanzt eine Hecke um die Tora!

2 Schimon der Gerechte, einer der Letzten der großen Synagoge, lehrte:

Die Welt steht auf der Dinge drei:

auf Tora und Tempeldienst und frommer Tat.

3 Antigonos aus Socho empfing (das Tora-Amt) von Schimon dem Gerechten.

(Wie die Schüler den Weisen dienen sollen)

Er gab den Rat:

Seid nicht wie Sklaven, die ihrem Herrn dienen, nur um pars zu erhalten.

[Seid vielmehr wie Sklaven, die ihrem Herrn dienen, ohne pars zu erhalten.

Ehrfurcht vor dem Himmel sei bei euch!]

[8]4 Josse ben Joëser aus Zereda und Josse ben Jochanan aus Jerusalem empfingen (das Tora-Amt) von ihm.

(Wie man die Weisen unterstützen soll)

Josse ben Joëser aus Zereda sprach (die Bitte aus):

Dein Haus sei ein Haus der Begegnung für Weise!

Beschmutze dich mit dem Staub ihrer Füße,

dann trinke mit Durst ihre Worte!

5.1 Josse ben Jochanan aus Jerusalem sprach (die weitere Bitte aus):

Weit steh dein Haus offen,

dort seien die Armen angetroffen!

Mit einer Frau flüstere nicht viel!

5.2 [»Mit der eigenen Frau«, sagt man; um wie viel mehr gilt dies von der Frau eines andern. Daher sprachen die Weisen: Jedes Mal, wenn ein Mann mit der Frau viel flüstert, bringt er Unheil auf sich; er vernachlässigt die Worte der Tora und erbt am Ende die Gehenna.]

6 Jehoschua ben Perachja und Mattai aus Arbel empfingen (das Tora-Amt) von ihnen.

(Wie man das Studium beginnt)

Jehoschua ben Perachja gab den Rat:

Einen Lehrer dir nimm,

einen Kameraden gewinn!

Beurteil jeden nach seiner besseren Seite!

[9]7 Mattai aus Arbel gab den (weiteren) Rat:

»Vom bösen Nachbarn halte Abstand«,

den Bösen nimm dir nicht zum Freund!

An der Vergeltung (Gottes) zweifle nie!

8 Jehuda ben Tabai und Schimon ben Schetach empfingen (das Tora-Amt) von ihnen.

(Rat für die Rechtsprechung)

Jehuda ben Tabai gab den Rat:

Mach dich (als Richter parteiischen) Rechtshelfern nicht gleich!

Wenn vor dir die Streitenden stehn,

betrachte sie beide als schuldig.

Gehn sie hinweg von dir, betrachte sie beide als schuldlos,

denn sie nahmen das Urteil auf sich.

9 Schimon ben Schetach gab einen (weiteren) Rat:

Sei gründlich im Zeugenverhör,

doch vorsichtig mit deinen Fragen;

sonst lernen sie lügen daraus!

[10]10 Schemaja und Avtaljon empfingen (das Tora-Amt) von ihnen.

(Rat und Warnung für die Weisen)

Schemaja gab den Rat:

Liebe die Arbeit!

Hasse den Rabbi-Titel!

Meide die Obrigkeit!

11 Avtaljon warnte:

Ihr Weisen, achtet wohl auf eure Worte:

Sonst trifft euch die Strafe der Verbannung

an einen Ort schlechten Wassers!

Die Schüler, die euch folgen,

trinken davon und finden den Tod –

und des Himmels Name wird entweiht.

12 Hillel und Schammai empfingen (das Tora-Amt) von ihnen.

Hillel gab die Weisung:

Sei von Aarons Schülern einer:

ein Freund des Schalom, dem Schalom auf der Spur (Ps 34,15),

ein Freund der Menschen,

ihr Führer zur Tora!

[11]13 Derselbe (Hillel) sprach (die aramäischen Sprüche):

»Der Ruhm ist da, der Ruf ist weg.«

»Wer nicht vermehrt, vermindert.«

Wer nicht lernt (geduldig), ist des Todes schuldig.

[Wer sich der Krone bedient, schwindet dahin.]

(Hillels drei Fragen)

14 Derselbe (Hillel) fragte:

Wenn nicht ich, wer für mich?

Wenn ich (nur) für mich, was bin ich?

Wenn nicht jetzt, wann dann?

(Ratschläge für die Freunde der Weisen)

15 Schammai gab den Rat:

Für das Studieren finde stets eine Zeit!

Rede wenig, tu aber viel!

Mit freundlicher Miene empfang jedermann!

16 Rabban Gamliël gab den (weiteren) Rat:

»Einen Lehrer dir nimm!«

Über den Zweifel erheb dich!

Verzehnte nicht oft nach bloßer Schätzung!

[12](Was ist das Ergebnis des Studiums?)

17 Sein Sohn Schimon berichtete:

Mein Lebtag war ich unter Weisen, unter ihnen wuchs ich auf:

Ich fand nichts Besseres als Schweigen (und Gelassenheit).

Aufs Tun, nicht aufs Studieren kommt’s an.

Wer viel Worte macht, schafft Sünde.

18 Rabban Schimon ben Gamliël lehrte:

Durch der Dinge drei ist der Welt Bestand beschieden:

durch Recht, durch Treue und durch Frieden.

[13]Zweites Kapitel

(Lebensregeln für alle)

1 Rabbi (Jehuda ha-Nasi) lehrte:

Welcher Weg ist der rechte,

den der Mensch soll wählen?

Jeder (Weg), der ihn zu Tugend und Ehre führt

und beiträgt zur Ehre (Gottes) durch Menschen.

Nimm das kleine Gebot so ernst wie das große:

du weißt ja nicht, welchen Lohn die Gebot(serfüllung) dir bringt!

Drum wäg ab Verlust und Gewinn der Erfüllung,

wie auch Verlust und Gewinn der Übertretung!

Merk auf der Dinge drei,

dann fällst du nicht in Sünde.

Bedenke, was über dir ist:

ein sehendes Auge,

ein lauschendes Ohr

und der Eintrag all deiner Taten im Buche.

(Lehren und Regeln für die Weisen)

2 Rabban Gamliël, Sohn des Rabbi Jehuda ha-Nasi, lehrte:

Schön ist das Torastudium verbunden mit Arbeit und Familie;

die Mühe um beide lässt das Sündigen vergessen.

[14]Ist mit der Tora kein Handwerk verbunden,

gibt man sie schließlich auf, und Sünde folgt.

Wer um die Gemeinschaft (der Weisen) sich müht,

der müh sich um sie im Namen des Himmels.

[»Da der Väter Verdienst euch stützt,

deren Gerechtigkeit ewig besteht,

schreib ich euch gut viel Lohn,

als hättet ihr ihn selber verdient.«]

(Unechte und echte Freundschaft)

3 Vor Mächtigen seid auf der Hut!

Sie kommen zu einem nur, wenn sie selber in Not.

Als Freunde erscheinen sie, wenn ihr Vorteil es heischt,

doch stehn sie keinem bei, wenn die Not ihn bedrängt.

4.1 Derselbe (Gamliël) gab diesen Rat:

Mach seinen Willen zu deinem,

dass deinen er mache zu seinem!

Beug deinen Willen vor seinem,

dass er beuge den Willen der andern vor deinem!

[15](Regeln für die Weisen)

4.2 Hillel stellte diese Regeln auf:

Du sollst dich nicht absondern von der Gemeinschaft (der Weisen)!

Du sollst dir nicht trauen bis zum Tag deines Todes!

Du sollst nicht urteilen über deinen Kollegen,

damit du nicht selbst in seine Lage kommst (und von ihm beurteilt wirst)!

Du sollst nichts sagen, was nicht gehört werden soll,

denn am Ende wird’s doch gehört!

Du sollst nicht sagen: »Habe ich Zeit, so werde ich lernen«;

denn du hast nie Zeit!

5 Derselbe (Hillel) sprach (diese Sprüche):

[Der Tor versteht sich nicht auf Sündenfurcht;

der Weltmensch ist nicht fromm.]

Der Schüchterne taugt nicht zum Lernen,

zum Lehren nicht, wer aufbraust.

Wer viel Handel treibt, wird niemals weise.

Wo es an Männern fehlt, bemühe dich, ein Mann zu sein!

[16](Eine Anekdote)

6 Einmal sah er (Hillel) einen Totenschädel auf dem Wasser schwimmen und richtete an ihn dieses Wort:

»Weil du ertränkt hast, ertränkt man dich;

und zuletzt ertrinken deine Ertränker!«

(Worte für die Freunde der Weisen)

7 Derselbe (Hillel) sprach die Sprüche:

»Viel Fleisch, viel Gewürm.«

»Viel Güter, viel Sorgen.«

»Viel Frauen, viel Magie.«

»Viel Mägde, viel Unzucht.«

»Viel Knechte, viel Raub.«

Viel Tora, viel Leben.

Wer einen guten Namen erwirbt,

erwirbt ihn zum Nutzen (im Diesseits).

Wer Worte der Tora erwirbt,

erwirbt das Leben der künftigen Welt.

8.1 Rabban Jochanan ben Sakkai empfing (das Tora-Amt) von Hillel und Schammai. Er mahnte:

Hast du viel Tora(gebote) erfüllt,

so bilde dir nichts darauf ein;

denn (zur Gebotserfüllung) bist du erschaffen!

[17](Jochanans fünf Schüler)

8.2 Jochanan ben Sakkai hatte der Schüler fünf:

Rabbi Eliëser ben Hyrkanos,

Rabbi Jehoschua ben Hananja,

Rabbi Josse, den Priester,

Rabbi Schimon ben Netanel,

Rabbi Elasar ben Arach.

8.3 Er (Jochanan) erteilte ihnen dieses Lob:

Rabbi Eliëser ben Hyrkanos – eine gekalkte Zisterne, wo kein Tropfen versiegt!

Rabbi Jehoschua – selig, die ihn gebar!

Rabbi Josse – ein Frommer!

Rabbi Schimon ben Netanel – mit Sündenfurcht begabt!

Rabbi Elasar ben Arach – ein kräftig sprudelnder Quell!

Auch diesen Spruch hat er gesprochen:

Lägen alle Weisen Israels auf der einen Waagschale

und Eliëser ben Hyrkanos auf der andern:

trotz aller würde die seine sinken.

[18]Doch Abba Scha’ul überliefert (Jochanans) Spruch in anderer Gestalt:

Lägen alle Weisen Israels auf der einen Waagschale,

dazu noch Rabbi Eliëser ben Hyrkanos mit ihnen,

Rabbi Elasar (ben Arach) aber auf der andern:

trotz aller würde die seine sinken.

(Das Gespräch mit den fünf Schülern)

9.1 Er (Jochanan) sagte zu ihnen:

Geht hinaus und schaut: Was zeichnet die gute Wesensart (eines Menschen) aus, an den man sich anschließen soll?

Rabbi Eliëser sprach: (Er hat) ein gütiges Auge.

Rabbi Jehoschua: (Er ist) ein guter Gefährte.

Rabbi Josse: (Er ist) ein guter Nachbar.

Rabbi Schimon: Er achtet auf die Folgen.

Rabbi Elasar (ben Arach): (Er hat) ein gutes Herz.

Da gab (der Meister) zur Antwort:

Ich sehe: Elasar ben Arachs Worte übertreffen die euren;

in seinem Wort sind eure Worte enthalten.

[19]9.2 Er (Jochanan) sagte zu ihnen:

Geht hinaus und schaut:

Was zeichnet die schlechte Wesensart (eines Menschen) aus,

vor dem man sich hüten soll?

Rabbi Eliëser sprach: (Er ist) einer mit geizigem Auge.

Rabbi Jehoschua: (Er ist) ein schlechter Gefährte.

Rabbi Josse: (Er ist) ein schlechter Nachbar.

Rabbi Schimon: Er borgt und gibt nicht zurück.

[Von einem Menschen borgen ist wie von Gott borgen, wie es heißt (Ps 37,21): »Der Böse borgt und gibt nicht zurück; der Gerechte gönnt und verschenkt.«]

Rabbi Elasar (ben Arach): (Er hat) ein böses Herz.

Da gab (der Meister) zur Antwort:

Elasar ben Arachs Worte übertreffen die euren;

in seinem Wort sind eure Worte enthalten.

10 Ein jeder von ihnen sprach der Worte drei:

Rabbi Eliëser (ben Hyrkanos):

(Die Goldene Regel und weitere Ermahnungen)

Deines Nächsten Ehre sei dir lieb wie die eigene!

Werde nicht gleich zornig!

Bekehr dich einen Tag vor deinem Tod!

[Wärm dich am Feuer der Weisen!

Doch sei auf der Hut vor ihrer Glut,

[20]sonst verbrennst du dich gleich!

Ihr Biss ist der des Fuchses,

ihr Stich der des Skorpions,

ihr Zischen das der Schlange –

jedes Wort wie glühende Kohlen.]

11 Rabbi Jehoschua:

(Lehrwort über den Bösen)

Geiziges Auge, böser Trieb und Menschenhass: (diese drei) vertreiben einen Menschen aus der Welt.

12 Rabbi Josse:

(Kaufmannsregel und weitere Ermahnungen)

Deines Nächsten Geldbeutel sei dir lieb wie der eigene!

Strenge dich an, Tora zu lernen,

denn sie fällt dir als Erbschaft nicht zu!

Alles, was du tust, sei im Namen des Himmels getan!

13 Rabbi Schimon:

(Wie man beten soll)

Sei gewissenhaft beim Sprechen des »Höre (Israel)!« und der anderen Gebete!

Betest du, so sei dein Beten kein äußeres Muss,

vielmehr ein inneres Flehen um Barmherzigkeit vor dem »Ort«, gepriesen sei er!

[Denn es heißt (Joel 2,13): »Er ist barmherzig und gnädig,

langmütig und reich an Erbarmen.«]

Sei kein Böser in den eigenen Augen!

[21]14 Rabbi Elasar (ben Arach):

(Wie man studieren soll)

Studiere mit Wachheit, was dem Epikureer zu antworten ist!

Wisse, vor wem du dich abmühst und wer dein Arbeitgeber ist!

…*

15 Rabbi Tarfon lehrte:

»Zu viel Arbeit, zu wenig Zeit.«

Die Arbeiter sind träge, (trotz) hohen Lohns.

Und der Hausherr drängt.

16 Derselbe (Tarfon) lehrte auch dies:

Es besteht keine Pflicht, das Werk zu vollenden,

doch steht’s dir nicht frei, es liegen zu lassen.

*Hast du viel Tora gelernt, so ist treu der Herr, der dir Arbeit gibt – er zahlt dir Lohn für die Mühe.

[22]Drittes Kapitel

(Lehren für alle)

1 Akavja ben Mahalalel lehrte:

Merk auf der Dinge drei,

dann wirst du nicht fehlen und fallen:

Wisse, woher du gekommen,

wohin du musst gehn,

vor wem einst Rede und Antwort stehn!

Woher du gekommen? – Aus stinkendem Tropfen!

Wohin du musst gehen? – Zur Stätte des Staubs,

zu Maden und Würmern!

Vor wem einst Rede und Antwort stehn? –

Vor ihm, aller Könige König, dem Heiligen, gepriesen sei er!

2.1 Rabbi Hananja, der Vorsteher der Priester, gab die Weisung:

Bete beständig für das Wohl der Regierung! Denn gäbe es keine Furcht vor ihr, wir hätten einander schon »lebend verschlungen« (Ps 124,3).

2.2 Rabbi Hananja ben Tardejon lehrte:

Sitzen zwei beieinander und es fallen nicht Worte der Tora – dann ist’s eine »Sitzung von Taugenichtsen«! [23][Denn es heißt (Ps 1,1): »Er sitzt nicht in der Sitzung der Taugenichtse.«]

Sitzen aber zwei beieinander und tauschen aus Worte der Tora, so lagert bei ihnen die Schechina.

[Denn es heißt (Mal 3,16): »Die den HERRN fürchten, sprechen dann einer zum andern. Der HERR lauscht und hört’s. Im Merkbuch vor seinem Angesicht wird es denen zugutegeschrieben, die den HERRN fürchten und seines Namens gedenken.«]

3 Rabbi Schimon lehrte:

Wenn drei an einem Tisch essen und keine Toraworte sprechen – wie ein »Totenopfermahl« (Ps 106,28) ist’s!

[Denn es heißt (Jes 28,8): »Denn all ihre Tische sind voll Unrat und Gespei, und ohne ›Ort‹.«]

Wenn aber drei an einem Tische essen und Toraworte sprechen – dann ist’s, als würden sie essen vom Tisch des »Ortes«, gepriesen sei er!

[Denn es heißt (Ez 41,22): »Und er sprach zu mir: Dies ist der Tisch, der vor dem HERRN steht.«]

(Rätsel, Sprüche und Lehren aus der Schule)

4 Rabbi Hananja ben Hachinai lehrte:

Wer nachts wacht,

allein durch die Straßen strolcht,

sein Herz auf Müßiggang richtet,

der, fürwahr, verwirkt sein Leben.

[24]5 Rabbi Nechonja ben Hakkana sprach (den Rätselspruch):

Wer auf sich nimmt der Tora Joch,

dem nimmt man ab des Königs Joch

und das Joch des Alltagstuns.

Wer von sich wirft der Tora Joch,

dem legt man auf des Königs Joch

und das Joch des Alltagstuns.

6 Rabbi Halafta aus Kfar Hananja lehrte:

Sind’s zehn, die beisammen sitzen im Bemühen um die Tora,

so weilt bei ihnen die Schechina.

[Denn es heißt (Ps 82,1): »Gott steht auf in der Gottesversammlung.«

Wieso gilt das auch für fünf? Weil es heißt (Ps 82,1): »In der Gottesmitte richtet er.«

Wieso auch für drei? Weil es heißt (Am 9,6): »Seine Vereinigung hat er auf Erden gegründet.«

Wieso auch für zwei? Weil es heißt (Mal 3,16): »Die den HERRN fürchten, sprechen einer zum andern; der HERR merkt auf und hört, und ein Buch der Erinnerung wird vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und seines Namens gedenken.«

Wieso auch für einen Einzigen? Weil es heißt (Ex 20,24): »An jedem Ort, wo ich meinen Namen kundtue, werde ich zu dir kommen und dich segnen.«]

[25](Bitte um Spenden)

7.1 Rabbi Elasar aus Bartota sprach diese Bitte aus:

Gib ihm, was sein, denn du und was dein, sind sein.

[Denn so heißt es (in der Erzählung von) David (1 Chr 29,14): »Alles kommt von dir, und aus deiner Hand geben wir’s dir.«]

(Worte für die Weisen und ihre Schüler)

7.2 Rabbi Ja’akov lehrte:

Wer seines Weges geht und (Gelerntes) wiederholt, das Wiederholen unterbricht und ausruft: »Wie schön ist dieser Baum, wie schön der Acker da« – mit ihm ist es so gut wie aus.

8 Rabbi Dostai erfuhr von Rabbi Jannai diesen Spruch des Rabbi Meïr:

Wer ein Wort seines Lehrtexts vergisst, von dem gilt: Mit ihm ist es so gut wie aus.

[Denn es heißt (Dtn 4,9): »Hüte dich und nimm dich gar wohl in Acht, dass du keines der Worte vergisst, die deine Augen gesehen.« – Man fragt: Gilt dies auch, wenn der Lehrtext für ihn zu schwer ist? Die Lehre lautet (Dtn 4,9): »Lass sie aus deinem Herzen nicht weichen alle Tage deines Lebens.« Also ist’s mit ihm nur aus, wenn er sie mit Absicht aus dem Herzen entfernt.]

[26]9.1 Rabbi Hanina ben Dosa lehrte:

Bei wem Sündenfurcht vor Weisheit geht,

dessen Weisheit ist von Dauer.

Bei wem Weisheit geht vor Sündenfurcht,

dessen Weisheit wird nicht dauern.

9.2 Derselbe (Hanina) lehrte auch dies:

Wer mehr Werke hat als Weisheit,

dessen Weisheit ist von Dauer.

Wer mehr Weisheit hat als Werke,

dessen Weisheit wird nicht dauern.

(Was die Weisen über ihre Freunde sagen)

10.1 Derselbe (Hanina) lehrte auch dies:

Auf jedem, auf dem der Menschen Geist mit Wohlgefallen ruht,

auf dem ruht auch des »Ortes« Wohlgefallen.

Auf jedem, auf dem der Menschen Geist nicht ruht mit Wohlgefallen,

auf dem ruht auch des »Ortes« Wohlgefallen nicht.

(Wie sich die Freunde der Weisen nicht verhalten sollen)

10.2 Rabbi Dossa ben Harkinas lehrte:

Schlaf am Morgen, Wein am Mittag, kindisches Geschwätz, mit Weltvolk zusammensitzen – das alles treibt den Menschen fort aus der Welt.

[27](Über Irrlehrer)

11 Rabbi Elasar aus Modeïn lehrte:

1 Wer Heiliges entweiht,

2 Festtage schändet,

3 die Tora frech auslegt,

4 den Bund unseres Vaters Abraham bricht,

5 seinen Nächsten öffentlich bloßstellt,

(von dem gilt:) Hat er auch sonst gute Werke getan –

Anteil an der künftigen Welt hat er nicht.

(Gedankenkette: Frohsinn, Leichtsinn, Keuschheit)

12 Rabbi Jischmaël gab den Rat:

Sei frohen Sinns und dienstbereit!

Empfange jeden Menschen mit Freuden!

13 Rabbi Akiva (Akiba) lehrte:

Lachen und Leichtsinn führen zu liederlichem Leben.

»Der Tora (Dornen-)Zaun ist die Masora.«

Der Zaun des Reichtums ist der Zehnt,

Gelübde sind der Zaun der Keuschheit,

der Weisheit Zaun – Gelassenheit.

[28]14 Derselbe (Akiva) lehrte:

(Gottes Liebe zum Menschen und zu Israel)

Ein Geliebter ist der Mensch, als Ebenbild erschaffen!

Noch mehr der Liebe: es ward ihm offenbart,

dass er als (Gottes) Ebenbild erschaffen ward.

[Ist doch gesagt (Gen 9,6): »Als Gottes Ebenbild schuf er den Menschen.«]

Geliebt ist Israel, genannt des »Ortes« Sohn;

noch mehr der Liebe: Es ward ihm offenbart,

dass sie des »Ortes« Söhne sind.

[Ist doch gesagt (Dtn 14,1): »Söhne seid ihr des HERRN, eures Gottes.«]

Geliebt ist Israel: Ein Kleinod ward ihm gegeben!

Noch mehr der Liebe: Es ward ihm offenbart,

dass ihm das Kleinod ward gegeben,

durch das die Welt erschaffen ward.

[Ist doch gesagt (Spr 4,2): »Eine gute Lehre gab ich euch, verlasst nicht meine Tora.«]

(Wie Gott mit dem Menschen umgeht)

15 Alles ist vorhergesehen, doch Willensfreiheit ist gegeben.

Mit Großmut wird die Welt gerichtet – stets mit Blick auf die Zahl der (guten) Werke.

[29]16 [Derselbe (Akiva) lehrte auch dies:]

Alles ist nur geborgt –

»ein Netz ist ausgebreitet über alles, was lebt«.

Offen steht das Geschäft, der Händler gibt auf Kredit.

Offen liegt das Buch, es schreibt hinein die Hand.

Beständig, jeden Tag, gehn die Kassierer um.

Sie nehmen zurück vom Menschen, ob er’s erwartet oder nicht,

auf Unterlagen stützen sie sich.

Das Gericht bringt (zuletzt) die Treue ans Licht.

Und alles ist bereit zum (festlichen) Mahl.

(Eine Bitte um Unterstützung)

17.1 Rabbi Elasar ben Asarja lehrte:

»Keine Tora, kein Alltagstun.«

Kein Alltagstun, keine Tora.

Keine Weisheit, keine (Gottes-)Furcht,

keine (Gottes-)Furcht, keine Weisheit.

Kein Wissen, keine Einsicht,

keine Einsicht, kein Wissen.

Kein Mehl, keine Tora,

keine Tora, kein Mehl.

[30](Worte aus der Schule)

17.2 Derselbe (Elasar ben Asarja) lehrte:

Wessen Weisheit größer ist als seine Werke,

wem der wohl gleicht?

Einem Baum, der viele Äste hat und wenig Wurzeln.

Es kommt der Sturm, er reißt ihn aus und wirft ihn um.

Wessen Taten aber größer sind als seine Weisheit,

wem der wohl gleicht?

Einem Baum, der wenig Äste hat, doch viele Wurzeln.

Stürmen alle Winde der Welt auch gegen ihn heran,

sie können von der Stelle ihn nicht rücken.

18 Rabbi Elasar ben Hisma lehrte:

»Vogelnester« und »Menstruation« gehören zum Corpus der Halacha. Zeiten und Ziffern sind Zukost zur Weisheit.

[31]Viertes Kapitel

(Lehren und Regeln für alle)

1 Ben Soma lehrte:

Wer ist ein Weiser? – Wer von jedermann lernt!

[Wie es heißt (Ps 119,99): »Von allen, die mich lehrten, wurde ich klug.«]

Wer ein Held? – Wer seinen (bösen) Trieb besiegt!

[Wie es heißt (Spr 16,32): »Langmut ist besser als Kriegsruhm, Selbstbeherrschung besser als Städte erobern.«]

Wer ein Reicher? – Wer glücklich, was immer sein Los!

[Wie es heißt (Ps 128,2): »Lebst du von deiner Hände Arbeit, Heil dir und Glück!« »Heil dir« schon in dieser Welt, und »Glück« in der kommenden.]

Wer ein Ehrenmann? – Wer selber die Menschen ehrt!

[Wie es heißt (1 Sam 2,30): »Wer mich ehrt, den ehre ich; wer mich verachtet, kommt in Schande.«]

2 Ben Asai gab diesen Rat:

Erledige schnell das kleinste Gebot!

Vor Übertretung sei auf der Hut!

Denn Gebot(serfüllung) verursacht (weitere) Gebot(serfüllung),

Übertretung verursacht (weitere) Übertretung.

[32]Der Lohn der Gebot(serfüllung) ist (weitere) Gebot(serfüllung),

der Lohn der Übertretung – (weitere) Übertretung.

3.1 Derselbe (Ben Asai) gab den Rat:

Niemand sollst du verachten!

Für unnötig halte kein Ding!

Denn es gibt keinen Menschen, der seine Stunde nicht hätte;

auch gibt es kein Ding, für das sich nicht fände ein Platz.

3.2 Rabbi Levitas aus Javne mahnte:

Werde demütig, demütig immer noch mehr!

Denn »auf den Menschen wartet Gewürm«.

4 Rabbi Jochanan ben Beroka lehrte:

Wer des Himmels Namen im Geheimen entweiht, den trifft die Strafe öffentlich. Im Fall der Entweihung des Namens sind Irrtum und Vorsatz dasselbe.

(Worte aus der Schule)

5.1 Sein Sohn Rabbi Jischmaël lehrte:

Wer (Tora) lernt mit der Absicht zu lehren,

wird nicht zugelassen zum Lernen und Lehren.

Wer lernt mit der Absicht zu tun,

wird zugelassen zum Lernen, Lehren und Tun.

[33]5.2 Rabbi Zadok mahnte:

Mach sie nicht zur Krone, um damit zu prunken;

auch nicht zur Hacke, um damit zu graben!

[Denn so hat Hillel gesagt: »Wer sich der Krone bedient, vergeht.«

Wer die Worte der Tora zum Erwerb missbraucht, nimmt sein Leben fort aus der Welt.]

6 Rabbi Josse (ben Halafta) lehrte:

Jeder, der die Tora ehrt, wird mehr als andere Menschen geehrt.

Jeder, der die Tora geringachtet, wird geringer geachtet als andere Menschen.

7 Sein Sohn Rabbi Jischmaël lehrte:

Wer vom Prozessführen Abstand nimmt, verzichtet auf Hass, Meineid und Raub. Und wer sich aufspielt als Richter, ist töricht, böse, von Sinnen.

8 Derselbe (Jischmaël) gab diesen Rat:

Sei niemals alleiniger Richter; alleiniger Richter ist allein der Eine!

Sage nicht: »Übernehmt meine Ansicht!« Denn sie sind befugt, du aber nicht.

[34]9 Rabbi Jonatan lehrte:

Wer trotz Armut das Torastudium hochhält, hält es am Ende trotz seines Reichtums hoch. Wer trotz Reichtums das Torastudium vernachlässigt, vernachlässigt es am Ende trotz seiner Armut.

10 Rabbi Meïr gab diesen Rat:

Sei klein im Geschäft, groß in der Tora und voll Demut gegen jedermann.

[»Doch lässt du von der Tora ab, so schicke ich dir Verlust um Verlust. Gibst du dir Mühe mit der Tora, so ist’s an mir, dir reichen Lohn zu geben.«]

11.1 Rabbi Eliëser ben Ja’akov lehrte:

Für jede Gebotserfüllung erwirbt man sich einen Fürsprecher (im Himmel); für jede Übertretung einen Ankläger. Umkehr und gute Werke schützen wie ein Schild vor (Gottes) Strafgericht.

11.2 Rabbi Jochanan der Sandalenmacher lehrte:

Jede Vereinigung, die sich im Namen des Himmels bildet, wird am Ende bestehen. Wenn sie sich aber nicht im Namen des Himmels bildet, wird sie am Ende nicht bestehen.

[35]12 Rabbi Elasar (ben Schammua) schlug diese Regel vor:

Die Ehre deines Schülers sei dir so lieb wie die Ehre deines Kameraden; und die Ehre deines Kameraden wie die Ehrfurcht vor deinem Lehrer; und die Ehrfurcht vor deinem Lehrer wie die Ehrfurcht vor dem Himmel.

13.1 Rabbi Jehuda (ben Elai) warnte:

Sei gewissenhaft beim Lehren, gilt doch ein Fehler beim Lehren als Frevel.

13.2 Rabbi Schimon lehrte:

»Es sind der Kronen drei: der Tora Krone, des Priesters Krone und des Königs Krone.« Doch des guten Namens Krone muss sie begleiten.

14 Rabbi Nehorai gab diesen Rat:

Wandre nur dorthin aus, wo es Tora gibt! Sag nicht: »Sie wird schon zu mir kommen.« In deiner Hand gedeiht sie nur durch die Gefährten.

[»Verlass dich nicht auf deine eigene Einsicht!« (Spr 3,5)]

15.1 Rabbi Jannai lehrte:

Wir sind weder imstande, das Glück der Bösen noch die Leiden der Gerechten zu begreifen.

[36]15.2 Rabbi Matatja ben Heresch gab den Rat:

Grüße zuerst, gleich wen du triffst!

Sei lieber der Löwen Schwanz als der Füchse Haupt.

16 Rabbi Ja’akov ermahnte:

»Diese Welt gleicht dem Vorraum zur kommenden Welt.« Rüste dich im Vorraum, damit du eintreten darfst in den Speisesaal!

17 Derselbe (Ja’akov) lehrte:

Wertvoller ist eine Stunde der Umkehr und der guten Werke in dieser Welt als das ganze Leben der kommenden Welt. Wertvoller aber als das ganze Leben in dieser Welt ist eine Stunde Seligkeit in der kommenden Welt.

18 Rabbi Schimon ben Elasar gab diesen Rat:

»Nicht sollst du beschwichtigen deinen Nächsten in der Stunde seines Zorns!«

Und du sollst ihn nicht trösten in der Stunde, da ein Toter vor ihm liegt!

Und du sollst ihn nicht befragen in der Stunde seines Gelübdes!

Und du sollst ihn nicht besuchen in der Stunde seiner Erniedrigung!

[37]19 Schmuël der Kleine warnte:

»Fällt dein Feind, so freu dich nicht,

nicht juble dein Herz, wenn er strauchelt.« (Spr 24,17)

20.1 Elischa ben Avija bemerkte:

Wer als Kind schon lernt, wem ist er gleich? Der Tinte, die auf ein neues Blatt schreibt! Wer als Alter lernt, wem ist er gleich? Der Tinte, die auf ein schon benutztes Blatt schreibt!

20.2 Rabbi Josse ben Jehuda aus Kfar ha-Bavli bemerkte:

Wer von Kindern lernt, wem ist er gleich? Dem, der saure Trauben isst und Wein aus der Kelter trinkt. Wer von den Alten lernt, wem ist er gleich? Dem, der reife Trauben isst und alten Wein trinkt.

20.3 Rabbi (Jehuda ha-Nasi) bemerkte dagegen:

Schau nicht auf den Krug, sondern auf das, was drin ist! Manch neuer Krug ist voll alten (Weins), und manch alter Krug – ist leer.

21 Rabbi Elasar ha-Kappar lehrte:

Neid, Sex und (Sucht nach) Ruhm: (diese drei) vertreiben einen Menschen aus der Welt.

[38]22 Derselbe (Elasar ha-Kappar) lehrte:

(Der Mensch ist seinem Schöpfer ausgeliefert)

Geboren zum Sterben,

gestorben zum Leben,

um lebend gerichtet zu werden,

zu erfahren, zu offenbaren und zu verstehn:

Er ist der Bildner, er der Schöpfer,

er der Kenner, er der Richter,

er der Zeuge, er der Kläger,

er der Herr des Gerichts und künftiger Richter!

In seinem Gericht gibt es kein Unrecht,

kein Vergessen, kein Ansehen der Person

und, weil alles ihm gehört, keine Annahme von Bestechung.

Wisse: Für alles ist Rechenschaft abzulegen!

Lass dir vom (bösen) Trieb nicht einreden,

die Scheol wäre eine Zuflucht für dich.

Ohne dein Ja bist du erschaffen,

ohne dein Ja geboren,

ohne dein Ja bist du am Leben,

ohne dein Ja wirst du einst sterben,

ohne dein Ja musst du bereit sein,

Rede und Antwort zu stehen

vor ihm, dem König der Könige,

dem Heiligen, gepriesen sei er!

[39]Fünftes Kapitel

(Zehn Schöpfungsworte)

1 Durch der Worte zehn ward die Welt erschaffen. Welche Lehre liegt in diesem Spruch? Konnte sie nicht durch ein einzig Wort erschaffen werden? Es geschah, um die Bösen zu bestrafen, die die Welt verlieren, die durch der Worte zehn erschaffen ward; und um reichen Lohn zu geben den Gerechten, die die Welt erhalten, die durch der Worte zehn erschaffen ward.

(Zweimal zehn Geschlechter)

2.1 Der Geschlechter zehn waren es von Adam bis auf Noach, um kundzutun, wie groß seine (Gottes) Langmut ist. Der Geschlechter alle erregten seinen Zorn, bis er über sie der Sintflut Wasser brachte.

2.2 Zehn Geschlechter waren es auch von Noach bis Abraham, um kundzutun, wie groß seine Langmut ist. Der Geschlechter alle erregten seinen Zorn, bis Abraham kam und den ganzen Lohn erhielt.

(Abraham zehnfach durch Leid geprüft)

3 Durch der Prüfungen zehn ward unser Vater Abraham geprüft. Er bestand sie alle, um zu bekunden, wie groß unseres Vaters Abraham Liebe (zu Gott) gewesen!

[40](Zweimal zehn Wunder im Kampf gegen Ägypten)

4.1 Der Wunder zehn geschahen für unsere Väter in Ägypten und zehn am Meer:

Der Plagen zehn brachte der Heilige, gepriesen sei er, über Ägypten in Ägypten, und zehn am Meer.

(Zehnmal forderten die Väter Gott heraus)

4.2 Durch der Versuchungen zehn versuchten unsere Väter den »Ort« in der Wüste.

[Denn so heißt es (Num 14,22): »Zehnmal versuchten sie mich und hörten nicht auf meine Stimme.«]

(Zehn Wunder des Tempels von Jerusalem)

5 Der Wunder zehn geschahen im Haus des Heiligtums:

1 Nie hat eine Frau vorzeitig geboren wegen des Geruchs des heiligen Fleisches.

2 Niemals ward das heilige Fleisch übelriechend.

3 Niemals hatte der Hohepriester am Versöhnungstag einen Samenerguss.

4 Nie ward im Schlachthaus eine Fliege gesehen.

5 Niemals ward Untaugliches gefunden an Erstlingsgarbe, Zweibrot und Schaubrot.

6 Nie löschte der Regen das Feuer der Scheite des Holzstoßes.

7 Niemals vertrieb der Wind die Rauchsäule (vom Altar).

[41] 8 Man stand gedrängt und hatte doch Platz, sich niederzuwerfen.

9 Niemals verletzten Schlange und Skorpion einen Menschen in Jerusalem.

10 Nie sagte einer zum andern: »Zum Übernachten in Jerusalem finde ich keinen Platz.«

(Die zehn letzten Werke der Schöpfung)

6 Der Dinge zehn wurden in der Abenddämmerung erschaffen:

1 der Erde Schlund,

2 des Brunnens Mund,

3 der Eselin Maul,

4 des Regens Bogen,

9 das Manna,

6 der Stab,

7 der Diamant,

8 die Schrift,

9 das Geschriebene,

10 die Tafeln (der Zehn Gebote).

Manche fügen hinzu:

11 die Dämonen,

12 des Mose Grab,

13 der Widder unseres Vaters Abraham.

Andere sagen noch:

14 die Zange wurde mit einer Zange gemacht.

[42](Sieben Grundsätze des Gesprächs)

7 Sieben Regeln kennt der Weise, der Dumme kennt sie nicht:

1 Der Weise ergreift nicht das Wort vor einem, der höheren Ranges ist.

2 Dem anderen fällt er nicht ins Wort.

3 Er antwortet nicht voreilig.

4 Er fragt höflich, gibt Antwort der Sache gemäß.

5 Das Erste nennt er zuerst, das Letzte zuletzt.

6 Hat er etwas nicht gehört, dann sagt er: »Das hab ich nicht gehört.«

7 Er bekennt sich zur Wahrheit.

Jeweils anders handelt der Ungebildete.

(Sieben Strafen, die das jüdische Volk treffen können)

8.1 Der Strafen sieben, jede anders, werden verhängt für sieben verschiedene Vergehen:

1 Wenn ein Teil (der Leute) den Zehnten entrichtet, ein anderer den Zehnten nicht entrichtet, entsteht Hungersnot infolge von Dürre. Dann hungern die einen, die andern sind satt.

2 Entrichtet keiner den Zehnten, entsteht Hungersnot infolge von Aufruhr und Belagerung.

3 Wenn man die Teighebe (challa) nicht mehr vollzieht, entsteht eine alle hinraffende Hungersnot.

[43]8.2 4 Pest kommt über die Welt, wenn die in der Tora genannten todeswürdigen Verbrechen bei Gericht nicht angezeigt werden. Auch wegen der (verbotenerweise geernteten) Früchte des siebten Jahres.

8.3 5 Das Schwert kommt über die Welt wegen Verzögerung des richterlichen Urteils und Beugung des Rechts. Auch wenn die Tora nicht gemäß der Halacha erklärt wird.

9.1 6 Raubtiere kommen über die Welt wegen Meineids und Verunehrung des Namens (Gottes).

9.2 7 Verbannung kommt über die Welt wegen Götzendienstes, Inzests, Mordtat und des (nicht beachteten) Brachjahrs.

(Vier Zeiten der Pest)

9.3 Zu der Zeiten vier nimmt die Pest überhand: im vierten, im siebten und am Ausgang des siebten Jahres sowie am Ausgang des Laubhüttenfestes, Jahr für Jahr:

1 im vierten – wegen des (vorenthaltenen) Armenzehnten im dritten Jahr,

2 im siebten – wegen des (vorenthaltenen) Armenzehnten im sechsten,

3 am Ausgang des siebten – wegen der (unrechtmäßig geernteten) Früchte des siebten,

4 am Ausgang des Festes Jahr für Jahr – wegen Raubes der Armengaben.

[44](Vier Arten von Menschen)

10 Der Arten vier gibt’s von den Menschen:

1 Wer sagt: »Mein ist mein, dein ist dein« – der Gewöhnliche, andere sagen: der mit Sodoms Maß misst.

2 »Mein ist dein, dein ist mein« – der Ungebildete.

3 »Mein ist dein, dein ist dein« – der Fromme.

4 »Mein ist mein, dein ist mein« – der Böse.

11 Der Sorten vier gibt’s von menschlicher Wesensart:

1 Der leicht zu erzürnen, leicht zu besänftigen ist – Minus und Plus heben sich auf.

2 Der schwer zu erzürnen, schwer zu versöhnen ist – Plus und Minus heben sich auf.

3 Der schwer zu erzürnen, leicht zu versöhnen ist – der Fromme (zweimal Plus).

4 Der leicht zu erzürnen und schwer zu versöhnen ist – der Böse (zweimal Minus).

12 Der Arten vier gibt’s von Schülern:

1 Der schnell von Begriff ist und schnell vergisst – Plus und Minus heben sich auf.

2 Der schwer von Begriff ist und schwer vergisst – Minus und Plus heben sich auf.

3 Der schnell von Begriff ist und schwer vergisst – ein Weiser (zweimal Plus).

4 Der schwer von Begriff ist und schnell vergisst – einer mit üblem Los (zweimal Minus).

[45]13 Der Arten vier gibt’s von Almosenspendern:

1 Er will allein spenden, die andern sollen’s nicht – er richtet das geizige Auge auf die andern.

2 Die andern sollen spenden, er aber nicht – er richtet das geizige Auge auf sich selbst.

3 Er selbst spendet, und die anderen sollen’s auch – das ist ein Frommer.

4 Er selber spendet nicht, und die andern sollen’s auch nicht – das ist ein Böser!

14 Der Arten vier gibt’s von denen, die das Lehrhaus besuchen:

1 Der hingeht, doch (nach den Geboten der Tora) nicht handelt – er hat nur das Verdienst des Hingehens;

2 der handelt, nicht aber hingeht – er hat nur das Verdienst der Tat;

3 der hingeht und auch handelt – der Fromme;

4 der weder hingeht noch handelt – der Böse.

15 Der Arten vier gibt’s von denen, die bei den Weisen studieren: Schwamm, Trichter, Filter und Sieb:

1 der Schwamm saugt alles auf;

2 der Trichter nimmt oben auf und lässt unten wieder hinaus;

3 das Filter lässt den Wein durch und behält die Hefe;

4 das Sieb aber scheidet das Grobmehl vom Feinmehl.

[46](Zwei Arten von Liebe)

16.1 Für jede Liebe, die an einer Sache hängt, gilt: Hört die Sache auf, hört auch die Liebe auf. Hängt sie nicht an einer Sache, hört sie niemals auf.

16.2 [Welches ist die Liebe, die an einer Sache hängt? Die Liebe Amnons zu Tamar (2 Sam 13). Und die nicht an einer Sache hängt? Die Liebe Jonatans und Davids (1 Sam 18,1).]

(Streit in der Religion – ein Ketzerspiegel)

17.1 Jeder Streit, im Namen des Himmels geführt, hat Berechtigung; der aber nicht in des Himmels Namen geführte hat keine.

17.2 [Welcher Streit wird im Namen des Himmels geführt? Der Streit zwischen Hillel und Schammai. Welcher wird nicht im Namen des Himmels geführt? Korachs Streit (mit Mose).]

18.1 Jeder, der die Menge zum Rechttun führt, über den hat die Sünde keine Macht. Jeder, der die Menge zur Sünde verführt, hat keine Möglichkeit zur Umkehr.

18.2 [Mose war gerecht und führte das Volk (zum rechten Leben); des Volks Verdienst hängt von ihm ab. Ist doch gesagt (Dtn 33,21): »Was recht ist vor dem HERRN, führte er aus, dessen Rechtsentscheide gemeinsam mit Israel.«

18.3 Jerobeam sündigte und verführte das Volk zur Sünde; des Volkes Sünde hängt von ihm ab. Ist doch gesagt (1 Kön 15,30): »Wegen der Sünde Jerobeams, der sündigte und Israel zur Sünde verführte.«]

[47]19.1 Jeder, welcher zeigt der einen Dinge drei, ist Abrahams unseres Vaters Schüler; wer aber zeigt der anderen Dinge drei, ist Bileams des Bösen Schüler. Gütiges Auge, demütiger Geist, selbstbeherrschte Wesensart sind die Dinge der Schüler Abrahams unseres Vaters. Böses Auge, hochfahrender Geist, unbeherrschte Wesensart (sind) die Dinge der Schüler Bileams des Bösen.

[Was ist der Unterschied zwischen den Schülern unseres Vaters Abraham und den Schülern von Bileam dem Bösen? Bileams Schüler erben die Gehenna und fahren hinab in die Grube des Verderbens. Heißt es doch (Ps 55,24): »Du lässt sie in die Grube des Verderbens fahren, Mörder und Betrüger erreichen die Hälfte ihrer Tage nicht, doch ich vertraue auf dich.«

19.2 Unseres Vaters Abraham Schüler erben den Garten Eden. Heißt es doch (Spr 8,21): »Ich gebe Erbbesitz denen, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle ich.«]

(Vier Tiere)

20.1 Jehuda ben Teima gab diese Weisung:

Sei stark wie der Panther,

schwerelos wie der Adler,

flink wie die Gazelle,

und wild wie der Löwe –

den Willen deines Vaters im Himmel zu tun.

[48](Zwei Mienen)

20.2 Derselbe (Jehuda) lehrte:

Mit frechem Blick geht’s zur Gehenna; mit schüchternem Blick zum Garten Eden.

20.3 Möge es dir, HERR, unser Gott, Gott unserer Väter, gefallen, deine Stadt (Jerusalem) wieder zu erbauen, noch in unseren Tagen. Und gib uns, was uns deine Tora verspricht!

(Die Stadien des Lebens)

21 [Er lehrte:

Mit fünf Jahren zur Bibel,

mit zehn zur Mischna,

mit dreizehn zur Gebotserfüllung,

mit fünfzehn zum Talmud,

mit achtzehn zum Brautgemach,

mit zwanzig zum Verdienen,

mit dreißig zur vollen Kraft,

mit vierzig zur Einsicht,

mit fünfzig zum Ratgeben,

mit sechzig ein alter Mann,

mit siebzig vollständig graues Haar,

mit achtzig ein Buckel,

mit neunzig tief gebeugt,

mit hundert wie tot –

hinübergegangen, der Welt entschwunden.]

[49](Schlusswort)

22 Ben Bag-Bag gab diese Weisung:

Wende sie hin und wende sie her –

alles ist in ihr, alles von dir.

Nie weiche von ihr –

es gibt keine bessere Regel als sie.

23 Ben He-He lehrte: »Wie die Last, so der Lohn.«

[50]Sechstes Kapitel

1 Rabbi Meïr lehrte:

(Der Weise – ein Gedicht)

Wer sich um die Tora um ihrer selbst willen bemüht,

dem sind beschieden der Güter viele.

Mehr noch: Ihm steht zu die ganze Welt.

[Freund (Gottes), Geliebter wird er genannt. Er liebt den »Ort«, er liebt die Menschen; erfreut den »Ort«, erfreut die Menschen.]

Ins Gewand der Demut und (Gottes-)Furcht hüllt ihn (die Tora),

macht ihn gerecht, fromm, aufrecht und treu.

Von Sünde hält sie ihn fern, führt ihn zu verdienstvoller Tat.

[Von ihm bekommt man »Rat und Stärke, Einsicht und Kraft« (Spr 8,14).]

Königtum, Herrschaft, Größe und Rechtskenntnis verleiht sie ihm.

[Enthüllt vom Himmel sind ihm der Tora Geheimnisse und die Geheimnisse der Schriftgelehrten.]

Er wird wie ein Quell, der nie versiegt,

wie ein Strom, der noch kräftiger wird (Sir 24,30 f.).

[Er ist sanftmütig, geduldig, Kränkung verzeihend.]

Sie macht ihn groß, hebt ihn empor über alle Werke (Gottes).

[51]2 Rabbi Jehoschua ben Levi lehrte:

(Die tadelnde Stimme vom Berge Gottes)

Tag um Tag erschallt vom Berge Horeb herab

eine Stimme, die kund und zu wissen tut:

»Wehe den Menschen ob der Verachtung der Tora.«

[Wer sich nicht dem Studium der Tora widmet, heißt »dem Tadel verfallen«. Ist doch gesagt (Spr 11,22): »Ein goldener Ring im Rüssel der Sau ist eine Frau, zwar schön, doch ohne Scham.« Weiter heißt es (Ex 32,16): »Die Tafeln waren Gottes Werk, und die Schrift war Gottes Schrift, eingraviert in die Tafeln.« Lies nicht »eingraviert« (charut), sondern »Freiheit« (cherut), denn es gibt keinen Freien außer dem, der sich dem Studium der Tora widmet. Wer sich der Tora widmet, steigt immer höher empor, ist doch gesagt (Num 21,19): »Vom Geschenk zum Gotteserbe bis zu den Höhen.«]

(Jedem Lehrer gebührt Ehre)

3 Wer von seinem Mitschüler ein Kapitel oder einen Abschnitt, einen Satz oder ein Wort oder auch nur einen Buchstaben lernt, muss ihm Ehre erweisen.

[Ein Beispiel bietet Israels König David, der von Ahitofel nur zwei Worte lernte, und ihn dennoch seinen Lehrer, Freund und Vertrauten nannte – denn es heißt (Ps 55,14): »Aber du, Mensch, den ich mir gleich achte, mein Freund und Vertrauter.« Hier gilt der Schluss vom Kleineren aufs Größere. Wenn also Israels König David nur zwei Worte von Ahitofel gelernt hat und ihn dennoch seinen Freund und Vertrauten nannte, umso mehr wird der, der von seinem Mitschüler ein Kapitel oder [52]einen Abschnitt oder einen Satz oder ein Wort oder auch nur einen Buchstaben gelernt hat, diesen ehren müssen. Ehre kommt aber nur vom Studium der Tora – denn es heißt (Spr 3,35; 28,10): »Ehre erben die Weisen, und die Frommen erben Gutes.« Gutes kommt nur von der Tora – denn es heißt (Spr 4,2): »Ich gab euch eine gute Lehre: verlasst nicht meine Tora! «]

(So muss der Tora-Schüler leben)

4 Das ist die Regel für das Studium der Tora:

Iss einen Bissen (Brot) mit Salz,

»trink Wasser abgemessen« (Ez 4,11).

Schlaf auf dem Boden

und führe ein Leben der Entbehrung.

Und mühe dich um die Tora.

Wenn du so tust: »Heil dir und Glück!« (Ps 128,2)

[»Heil« schon in dieser Welt und »Glück« in der kommenden Welt.]

Erstrebe nichts Großes

und verlange nach keiner anderen Ehre

als der Gelehrsamkeit.

Begehr nicht der Könige Tisch;

dein Tisch ist größer als ihrer,

deine Krone größer als ihre.

»Treu ist der Herr, der dir Arbeit gibt;

er zahlt dir Lohn für die Mühe.« (Avot II 16)

[53](Achtundvierzig Dinge, die man zum Torastudium braucht)

5 Die Tora(-Wissenschaft) ist größer als Priestertum und Königtum, denn das Königtum wird durch dreißig Dinge erworben, das Priestertum durch zwanzig und vier, doch die Tora erwirbt man durch der Dinge vierzig und acht. Als da sind:

1 Lernen:

2 Hinhören mit den Ohren,

3 (Nachsprechen) mit den Lippen,

4 Verstehen mit dem Herzen,

5 kluges Erwägen im Herzen.

6 Respekt und

7 Furcht (vor Gott).

8 Bescheidenes Auftreten,

9 Bedienung der Weisen,

10 Anschluss an die (Studien-)Genossen,

11 Disputation mit (anderen) Schülern,

12 Studiensitzung,

13 Lesung (der Bibel),

14 Alltagstun,

15 Geduld,

16 scharfen Verstand,

17 Vertrauen zu den Weisen,

18 Ertragen von Leiden,

19 Verzicht auf Schlaf,

20 Verzicht auf Reden,

21 Verzicht auf Vergnügen,

22 Verzicht auf Scherzen,

[54]23 [Verzicht auf Handel,

24 Verzicht auf Arbeit,]

25 Verzicht auf Beischlaf.

6 26 (Der Torastudent ist einer,) der seinen Platz kennt,

27 fröhlich ist mit dem (Wenigen), was er hat,

28 einen Zaun legt um seine Worte,

29 sich nichts einbildet,

30 geliebt ist (von Gott),

31 den »Ort« liebt,

32 die Menschen liebt,

33 Zurechtweisung liebt,

34 Gerechtigkeit liebt,

35 Geradheit liebt,

36 auf Ehre verzichtet,

37 auf sein Wissen nicht stolz ist,

38 am Rechtsprechen kein Vergnügen hat,

39 das Joch (des Torastudiums) zusammen mit seinem Genossen trägt,

40 ihn nach der besseren Seite beurteilt,

41 ihn zu beständigem Wohlergehen führt.

42 Der fragt und antwortet,

43 hört und dazulernt,

44 lernt, um (Tora) zu lehren,

45 lernt, um zu tun (entsprechend den Geboten der Tora),

46 (selbst) seinen Lehrer weiser macht,

47 das Gehörte (unverändert) stehen lässt,

48 und jeden Spruch mit Namen des Sprechers versieht.

[55][Du hast ja gelernt: Wer einen Spruch mit Namen des Sprechers zitiert, bringt der Welt die Erlösung – heißt es doch (Est 2,22): »Und Ester sprach zum König im Namen Mordechais.«]

7 Groß ist die Tora! Wer sie befolgt, dem schenkt sie Leben in dieser Welt und auch in der künftigen Welt.

[Denn es heißt (Spr 4,22): »Leben sind sie (die Worte der Weisheit) für alle, die sie finden, Medizin für den ganzen Leib.« Weiter (Spr 3,8): »Heilsam sei sie (die Weisheit) für deinen Leib, Erfrischung für deine Glieder.« Weiter (Spr 3,18): »Ein Lebensbaum für alle, die sie (die Weisheit) ergreifen; glücklich zu preisen, wer sie festhält.« Weiter (Spr 1,9): »Ein lieblicher Kranz sind sie (die Lehren der Weisheit) für dein Haupt, ein Geschmeide für deinen Hals.« Weiter (Spr 4,9): »Sie (die Weisheit) verleiht deinem Haupt einen lieblichen Kranz, beschenkt dich mit prächtiger Krone.« Weiter (Spr 3,17): »Ihre (der Weisheit) Wege sind schöne Wege, all ihre Pfade führen zum Schalom.« Endlich (Spr 3,2): »Sie (die Lehren der Weisheit) mehren die Tage und Jahre deines Lebens und bringen dir Schalom.«]

(Sieben schöne Gaben für die Gerechten)

8 Rabbi Schimon ben Jehuda überliefert diesen Spruch des Rabbi Schimon ben Jochai:

Schönheit, Kraft, Reichtum, Ehre, Weisheit, Alter und graues Haar und Söhne – (diese sieben) sind eine Zierde für die Gerechten: eine Zierde für sie selbst und eine Zierde für die Welt.

[56][Denn es heißt (Spr 16,31): »Eine prächtige Krone ist graues Haar, zu finden auf dem Weg der Gerechtigkeit.« Und weiter (Spr 17,6): »Die Krone der Alten sind die Enkel, die Krone der Söhne ihre Väter.« Und weiter (Spr 20,29): »Kraft ist der Jugend Schmuck, graues Haar der Alten Zier.« Und weiter (Jes 24,23): »Der Mond errötet, die Sonne erblasst, denn der HERR Zebaot ward König auf dem Zionsberg und in Jerusalem. Vor seinen Ältesten leuchtet seine Herrlichkeit.«]

Rabbi Schimon ben Menasja erläuterte: Die sieben Dinge, welche die Weisen für die Schüler aufzählen, treffen zu auf Rabbi (Jehuda ha-Nasi) und seine Söhne.

(Begegnung auf einer Reise)

9 Rabbi Josse ben Kisma erzählte:

Einst ging ich auf Reisen. Da begegnete mir ein alter Mann und entbot mir den Friedensgruß. Kaum hatte ich den Gruß erwidert, da hob er an und fragte: »Rabbi, woher des Wegs?«

Ich sagte: »Ich komme aus der großen Stadt der Weisen und Schriftgelehrten.«

Da fuhr er fort: »Rabbi! Wärst du gewillt, dich bei uns niederzulassen? Ich biete dir tausendmal tausend Golddenare.«

Ich gab zur Antwort: »Gäbst du mir auch alles Silber und Gold der Welt, ich will nur an der Stätte der Tora wohnen – denn es heißt bei David, dem König von Israel (Ps 119,72):

[57]›Die Tora, von deinem Mund erzählt,

ist besser als alles Gold und Silber der Welt.‹«

Darauf er: »Welche Bewandtnis hat es damit?«

Ich entgegnete: »Stirbt der Mensch, so begleiten ihn weder Silber noch Gold, weder Edelsteine noch Perlen, sondern nur die Tora und gute Werke – denn es heißt (von der Tora, Spr 6,22):

›Wenn du gehst, geleitet sie dich;

wenn du schläfst, bewacht sie dich;

wenn du erwachst, spricht sie mit dir.‹«

[»Wenn du gehst, geleitet sie dich« – in dieser Welt;

»wenn du schläfst, bewacht sie dich« – im Grab;

»wenn du erwachst, spricht sie mit dir« – in der künftigen Welt.]

(Vier Besitztümer Gottes)

10 Vier Besitztümer hat der Heilige, gepriesen sei er, in seiner Welt im Besitz:

die Tora – ein Besitz,

Himmel und Erde – ein Besitz,

Israel – ein Besitz,

der Tempel – ein Besitz.

[Wieso ist die Tora sein Besitz? Weil es heißt (Spr 8,22): »Der Herr brachte mich am Anfang seines Weges in seinen Besitz, als erstes seiner Werke in der Urzeit.«

Wieso sind Himmel und Erde sein Besitz? Weil es heißt (Jes 66,1): »So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron [58]und die Erde meiner Füße Schemel. Wo ist das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo die Stätte meiner Ruhe?« Weiter (Ps 104,24): »Wie groß sind deine Werke, HERR! Sie alle schufst du mit Weisheit; die Erde ist voll von deinem Besitz.« Weiter (Gen 14,19): »Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet seist du, Abram, vom höchsten HERRN, der Himmel und Erde besitzt!«

Wieso ist Israel sein Besitz? Weil geschrieben steht (Ex 15,16): »Bis dein Volk, HERR, hindurchzieht, bis hindurchzieht das Volk, das du besitzt.« Weiter (Ps 16,3): »An den Heiligen im Lande, an ihnen und den Edlen habe ich mein ganzes Wohlgefallen.«

Wieso ist der Tempel sein Besitz? Weil geschrieben steht (Ex 15,17): »Der Sitz, den du dir, HERR, zu deiner Wohnung hergerichtet, das Heiligtum, HERR, das deine Hände bereitet.« Weiter (Ps 78,54): »Er führte sie in sein heiliges Gebiet, zum Berg, von seiner Rechten in seinen Besitz gebracht.«]

(Schlussworte)

11 Alles, was der Heilige – gepriesen sei er – in seiner Welt erschuf, hat er zu seiner Ehre erschaffen.

[Denn es heißt (Jes 43,7): »Alles, was nach meinem Namen genannt ist, zu meiner Ehre hab ich’s erschaffen, hab ich’s gebildet und gemacht.«]

Ben Bag-Bag gab diese Weisung:

Wende sie hin und wende sie her –

alles ist in ihr.

Verweile in ihr und nie weiche von ihr –

es gibt keine bessere Regel als sie.

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