Kitabı oku: «Gunter Sachs und die Akte Astrologie»

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Inhalt

Die Fragestellung

Der Anlass für diese Analyse

Die Durchführung der Analyse

Statistik und Astrologie

Psychologie und Astrologie

Zur Methodik von Gunter Sachs

Berufe und berufliche Stellungen

Das „Landwirteproblem“

Die Angestellten

Die Unternehmer

Berufe: die Anzahl signifikanter Abweichungen

Berufswahl unter astrologischem Einfluss?

Studienfächer

Interesse an Astrologie

Der Familienstand

Eheschließungen

Heirat und Scheidung

Die Ehepartner der Widder-Frauen

Die Ledigen

Die Nachbarzeichen der Sonnenstellung

Todesursachen

Suizide

Verkehrsunfälle

Kriminalität

Fußballspieler

Astrologie und Demoskopie

Ein methodischer Fehler

Qualität und Element

Zu den Umfrageergebnissen

Die sich selbst erfüllende Prophezeiung (SEP)

Zusammenfassung Akte Astrologie

Schlussbemerkung

Anhang: Mein astrologisches Vermächtnis

Heirat und Scheidung

Beruf und Berufung

Gesundheit und Tod

Heliozentrische Ansätze

Zu den erwähnten astrologischen Details

Fortschritt mit Selbsthemmung?

Über den Autor:

Die Fragestellung

In seinem 1997 veröffentlichten Buch Die Akte Astrologie1 prüfte Gunter Sachs, ob mit den Mitteln der Statistik die Existenz astrologischer Effekte nachweisbar ist. Seine Auswertungen eines sehr umfangreichen Datenmaterials ergaben zahlreiche hochgradige Auffälligkeiten in der Verteilung der Geburtstagsstellungen der Sonne auf die astrologischen Tierkreiszeichen. Die Anzahl und Stärke dieser statistisch signifikanten Abweichungen von den zu erwartenden Ergebnissen ist nicht mit Zufall zu erklären. Sie müssen eine Ursache haben.

In etlichen Fällen stellte Sachs Korrelationen zwischen den Ergebnissen und Verhaltensmerkmalen her, die von der Astrologie dem jeweils betroffenen Zeichen zugewiesen werden. Insgesamt kam er zu dem Schluss, dass das menschliche Verhalten durch das Zeichen beeinflusst wird, in dem die Sonne zum Zeitpunkt der Geburt steht. Die Auffälligkeiten in der Zeichenverteilung sind demnach durch astrologische Effekte bedingt.

Von mathematisch kompetenten Kritikern wurde seine statistische Methodik als fehlerhaft und dem Untersuchungsgegenstand nicht angemessen kritisiert. Seine Ergebnisse wurden von ihnen zumindest als großenteils fragwürdig beurteilt2, zum Teil auch pauschal zu Makulatur erklärt. Ein Nachweis der Existenz astrologischer Einflüsse sei damit jedenfalls nicht erbracht worden.

Andere Kommentatoren dagegen bestätigten ihm eine einwandfreie Vorgehensweise3, zuletzt im Jahr 20114 Diese massive Widersprüchlichkeit von Expertenmeinungen zu einem statistischen Sachverhalt, zu einem mathematischen, Zahlen und ihre Logik betreffenden – und damit eigentlich klar definierten, überschaubaren – Thema ist merkwürdig. Im Folgenden wird auf eine Erörterung dieser unverständlichen Diskrepanz verzichtet, da eine Kompromissfindung zwischen den gegensätzlichen Auffassungen unmöglich erscheint.

Kritik erntete das Buch aber auch von astrologischer Seite. So erklärte der bekannte Astrologe Peter Niehenke 1997 die Sachs'schen Ergebnisse für völlig bedeutungslos5. Sein Argument: Wird das Jahr, abweichend von den Tierkreiszeichen, in zwölf beliebige andere gleich große Abschnitte unterteilt, können ebenfalls signifikante Häufigkeitsabweichungen auftreten. Sachs habe also nur die Selbstverständlichkeit „nachgewiesen“, dass die Geburtsdatenverteilungen ungleichmäßig sind, und dies vereinzelt zufällig auch signifikant6.

Dies veranlasste Sachs zu einer entsprechenden Überprüfung, deren Ergebnis in der Wiederauflage seines Buches im Jahr 1999 veröffentlicht wurde. Dazu wurden aus den Geburtsdaten zwölf gleich große, nach dem Zufallsprinzip zusammengestellte Gruppen gebildet. Die Abschnitte der Tierkreiszeichen wurden also, ganz in Niehenkes Sinne, aufgehoben und durch Gruppen bunt gemischter Daten ersetzt. So waren beispielsweise 5. April, 18. Juli, 2. November etc. nicht mehr den Zeichen Widder, Krebs und Skorpion zugeordnet, sondern konnten zufällig in der gleichen Gruppe Nr. 4 oder Nr. 7 etc. erscheinen.

Die Auswertung ergab, dass bei dieser zufälligen Verteilung der Daten keine Signifikanzen auftreten Damit wurde der Einwand Niehenkes vollkommen entkräftet: Nur bei einer Jahreseinteilung in Tierzeichenkreisabschnitte sind die signifikanten Abweichungen von den Erwartungswerten nachweisbar. Der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen Ergebnissen und astrologischen Einflüssen wurde damit bestätigt.

Unabhängig davon ist es sogar gleichgültig, ob andere Einteilungen ebenfalls signifikante Abweichungen ergeben. Entscheidend ist, ob die Abweichungen, die bei der Kreiseinteilung in Tierzeichen gefunden werden, mit astrologischen Erwartungen übereinstimmen. Denn die astrologischen Hypothesen beziehen sich ausschließlich und ganz explizit auf diese Einteilung.

Zwischen der Behauptung, Sachs habe die Existenz der Astrologie bewiesen, und der, dass die statistischen Auffälligkeiten allesamt nicht Folge astrologischer, sondern konkreter materiell-realer Einflüsse oder methodischer Fehler seien7, gibt es natürlich noch die dritte Möglichkeit: Wenn einige Resultate nachweislich irrelevant sind, schließt das nicht aus, dass andere sehr wohl eine Aussagekraft besitzen können.

In den 17 Jahren seit Erscheinen des Buches wurde kein wirklich ernst zu nehmender Versuch unternommen, Sachs' Ergebnisse zu astrologischen Behauptungen in Beziehung zu setzen und zu prüfen, ob sie mit diesen Behauptungen korrelieren. Da Sachs selbst das nur in wenigen Fällen getan hat, hole ich es im Folgenden nach und ermögliche damit endlich eine seinen Ergebnissen gerecht werdende Beurteilung. Die Frage, mit der sich dieser Text auseinandersetzt, lautet also:

Korrelieren die Ergebnisse von Gunter Sachs mit astrologischen Erwartungen und Annahmen?

Bei ihrer Beantwortung berücksichtige ich nur solche Annahmen, über die in allen bedeutsamen Varianten der abendländischen Astrologie Einigkeit zu bestehen scheint. Ich stelle Bezüge nur zu einigen ihrer grundlegenden Behauptungen her, prüfe die Ergebnisse nur an astrologisch unumstrittenen, den verschiedenen Tierkreiszeichen zugeordneten typischen Verhaltensmerkmalen.

Von einer „Skeptiker“-Vereinigung (GWUP) wurde die Akte Astrologie 2009 für „geschlossen“ erklärt.8 Mit dieser Veröffentlichung öffne ich sie wieder.

Der Anlass für diese Analyse

Ein Teil der Kritik ist leicht nachvollziehbar und durchaus plausibel, während andere Kritikpunkte offensichtlich unsinnig sind. So monierte ein Mathematiker, dass Sachs eine Bevölkerungs- und eine Heiratsstatistik der gesamten Schweiz verwendete, obwohl …diese Werte jedoch innerhalb der Schweiz stark variieren… Gerade deswegen aber wertete Sachs, selbst Mathematiker, die Statistiken der Kantone Obwalden, Appenzell oder Schwyz nicht isoliert aus. Denn folgt man diesem Argument, können keinerlei statistische Untersuchungen über große Bevölkerungsgruppen oder gar Gesamtbevölkerungen von Staaten durchgeführt werden.

Ein anderer Einwand aus der Kategorie „inkompetent“ lautete sinngemäß: Zwillinge beispielsweise gibt es überdurchschnittlich viele. Also ist es selbstverständlich, dass zwischen ihnen auch mehr Ehen zustande kommen. Dass Sachs im diesbezüglichen Kapitel Wer heiratet wen? den erhöhten Anteil der Zwillinge, Widder, Stiere etc. sorgfältig berücksichtigte und die Erwartungswerte für die Anzahl der Ehen aus diesen erhöhten Anteilen errechnete, ist diesem „Kritiker“ offensichtlich völlig entgangen.

Dies sind nur zwei Beispiele für Äußerungen, die das Fehlen eines ausreichenden Verständnisses beweisen und daher zu ignorieren sind. Andere Beanstandungen verfehlen das Thema, so beispielsweise, dass die statistischen Auffälligkeiten für ernst zu nehmende Aussagen über einzelne Personen viel zu schwach sind. Sachs ging es nur um den Nachweis der Existenz astrologischer Effekte, noch nicht aber um Möglichkeiten ihrer praktischen Anwendung.

Als repräsentativ für die leider häufig anzutreffende Qualität astrologiekritischer Äußerungen sei hier noch eine Behauptung erwähnt, die sich nicht auf Sachs' Buch bezieht. Der laut einer Statistik einer österreichischen Unfallversicherung erhöhte Anteil von Personen mit der Geburtssonne in Fische an 169 000 Unfällen9 wurde damit begründet, dass es besonders viele Menschen mit diesem „Sternzeichen“ gibt. Das ist aber definitiv unzutreffend.

Neben einigen Irrtümern und unzweifelhaft voreiligen Interpretationen hat Sachs, wie ich zeigen werde, einige sehr aufschlussreiche Ergebnisse produziert, die in der großenteils unsachlichen Kritik bisher weitestgehend untergegangen sind. Der insgesamt entstehende Eindruck einer oberflächlichen, inhaltlich nicht begründeten oder von Vorurteilen gelenkten Ablehnung der Sachs'schen Feststellungen war der Hauptanlass für diesen Text.

Vielfach wird der Astrologie eine Beliebigkeit der Interpretation astrologischer Faktoren im Sinne eines „Irgendetwas passt immer“ vorgeworfen. Das ist aber überwiegend unzutreffend. Zum Beispiel kann ich, als „gelernter Mediziner“ überaus skeptisch gegenüber naturwissenschaftlich nicht begründbaren Hypothesen, praktisch keine Schnittmengen zwischen den von der Astrologie behaupteten Auswirkungen der Tierkreiszeichen Widder, Waage und Steinbock erkennen, gleich, wie sehr ich mich auch bemühe. Es ist hier fast unmöglich, zeichentypische Verhaltenstendenzen dem falschen Zeichen zuzuordnen. Gleiches gilt für die postulierten Effekte der Planeten: Wirkungen von Venus, Mars und Saturn können schwerlich miteinander verwechselt werden. Daher ist eine Prüfung astrologischer Erwartungen und Behauptungen an den Sachs’schen Ergebnissen grundsätzlich möglich, wenn auch, wie deutlich werden wird, nur in beschränktem Ausmaß.

Die Durchführung der Analyse

Nach einigen Anmerkungen zur Problematik statistischer Untersuchungen der Astrologie, zu Methodik und methodischen Schwächen der Sachs’schen Arbeit und zu Gemeinsamkeiten zwischen Astrologie und Psychologie werden die Ergebnisse der einzelnen Buchkapitel zu astrologisch begründeten Ergebniserwartungen in Beziehung gesetzt.

Dabei werden einige Ergebnisse, die große Kollektive betreffen, direkt astrologisch plausibel. In der Mehrzahl der Fälle sind sie aber aus verschiedenen Gründen infrage zu stellen, zumindest aber zu relativieren. Teils können Effekte einer sogenannten sich selbst erfüllenden Prophezeiung (SEP) vorliegen, teils erscheinen die untersuchten Kollektive in Anbetracht der offensichtlich nur schwachen astrologischen Effekte als zu klein. Vereinzelt machen auch Ungenauigkeiten eine abschließende Beurteilung unmöglich. So ist beispielsweise nicht klar, ob es sich im Kapitel „Wer fährt wie“ nur um Unfallverursacher oder um alle an Unfällen beteiligten Fahrer handelt. Auch setzt Sachs „ledig“ mit „allein lebend“ gleich.

Weiterhin werden Ergebnisse verschiedener Buchkapitel zueinander in Beziehung gesetzt, was neue Erkenntnisse ermöglicht. Auch werden neue Auswertungen vorgenommen, wodurch einige von Sachs nicht dargestellte oder bemerkte Bedeutungen seiner Ergebnisse offenbar werden. Unter anderem wird der in Sachs’ Resultaten enthaltene scheinbare Widerspruch „männliche Steinböcke heiraten am seltensten“ und „männliche Steinböcke über 30 sind am seltensten ledig“ aufgelöst, da er sehr einfach zu erklären ist.

Zuletzt erfolgt eine Auflistung der im Text im Zusammenhang mit den einzelnen Tierkreiszeichen genannten Begriffe, um die astrologische Differenzierung zwischen den 12 Zeichen zu verdeutlichen. Schließlich wird noch auf mögliche sinnvolle Ergänzungen der Sachs’schen Untersuchungen hingewiesen.

Noch drei „technische“ Anmerkungen:

• Worte, die in Zusammenhang mit den Themenkreisen der Zeichen stehen, sind kursiv gesetzt.

• Wie Sachs ersetze ich exakte Formulierungen wie „Personen mit Sonnenstellung bei ihrer Geburt im Tierkreiszeichen Widder“ vereinfachend und unkorrekt, aber die Lesbarkeit fördernd durch „die Widder“, „die Stiere“ etc.

• Das im Zusammenhang mit den Auswertungsergebnissen wohl am häufigsten im Text vorkommende Wort ist „signifikant“. Eine statistische Signifikanz eines Ergebnisses, eine deutliche Auffälligkeit, liegt dann vor, wenn es nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit auf Zufall beruhen kann.

Auf die mathematischen Grundlagen und Hintergründe statistischer Berechnungen gehe ich nicht ein, da dieses Buch nicht die Frage beantworten soll, ob Sachs nun in jedem Fall die richtigen mathematischen Mittel eingesetzt hat oder nicht. Selbst Experten sind hier ja sehr unterschiedlicher Meinung. Aber auch Leserinnen und Lesern, die über keine diesbezüglichen Kenntnisse verfügen, werden meine Ausführungen verständlich, wenn ihnen die Bedeutung der sogenannten Signifikanz-Niveaus klar ist. Hier die von mir verwendeten Bezeichnungen:

• 0,1 %, hoch signifikant, bedeutet, dass das betreffende Ergebnis in höchstens einer von 1000 gleichartigen Auswertungen zufällig zu erwarten ist,

• 1 %, mäßig signifikant, bedeutet, dass es in höchstens einem von 100 Fällen,

• 5 %, schwach signifikant, dass es in höchstens einem von 20 Fällen zufällig zu erwarten ist.

Ergebnisse auf der letztgenannten Signifikanzstufe sind stets mit Vorbehalt zu bewerten. Denn bei mehreren Tausend Einzelergebnissen, wie sie Sachs produziert hat, treten derartige Abweichungen zwangsläufig rein zufällig mit eben dieser Häufigkeit auf. Bei 1000 Ergebnissen zum Beispiel ist 50-mal mit zufälligen schwachen Signifikanzen zu rechnen, und immerhin noch 10-mal mit zufälligen Signifikanzen auf 1%-Niveau.

Daher sei an dieser Stelle noch einmal das Ziel dieses Buches genannt. Es besteht in der Herstellung von Korrelationen signifikanter Sachs'scher Ergebnisse zu astrologischen Annahmen. Wenn also bei 120 Einzelergebnissen ein oder zwei Signifikanzen auf 1%-Niveau auftreten, ist es irrelevant, dass das Zufall sein kann. Entscheidend ist, ob diese Signifikanzen astrologisch herleitbar und plausibel sind oder nicht.

Dass es sich bei den von mir jeweils erwähnten astrologischen Inhalten um hypothetische Annahmen handelt, ist mir bewusst. Wenn ich großenteils aus astrologischer Perspektive schreibe, bedeutet das also weder, dass ich mich für einen Astrologen halte, noch dass ich diese Annahmen als bereits erwiesene Tatsachen verstehe.

Statistik und Astrologie

Es wurden bereits zahlreiche zum Teil recht umfangreiche Versuche unternommen, einen rein statistischen Nachweis der Astrologie zu führen. Das ist weit überwiegend nicht gelungen, was von ihren Gegnern als Beweis für ihre Nicht-Existenz verstanden wird. Denn nur, was den auf einer binären Logik basierenden wissenschaftstheoretischen Paradigmen genügt und daher statistisch leicht zugänglich ist, kann auch „wissenschaftlich anerkannt“ werden.

Was aber wurde bisher untersucht? Fast ausschließlich die Sonnenstellung in den Tierkreiszeichen. Auch die von Michel Gauquelin durchgeführten umstrittenen, umfangreichen Untersuchungen10 berücksichtigten nur einen sehr kleinen Teil der astrologischen Einflüsse. Die Astrologie postuliert aber einen Einfluss von mehreren Dutzend Faktoren. Auch wird ja die Bedeutung von Erbgut und Umwelteinflüssen keinesfalls negiert: Persönliche Eigenschaften und Neigungen entstehen durch das Zusammenwirken dieser beiden Einflussgrößen mit zahlreichen astrologischen Faktoren. Davon ist die Sonnenstellung nur ein einziger. Es ist daher nicht zu erwarten, dass allein durch sie ein Persönlichkeitsmerkmal signifikant gefördert werden kann. Es ist im Gegenteil fast unmöglich: Die Wirkung eines jeden Faktors wird durch andere Faktoren beeinflusst. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und eine Grundlage aller astrologischen Interpretationen. Jeder Mensch verfügt über ein vollständiges „Set“ von Persönlichkeitsanteilen11, und zwischen ihnen allen bestehen Wechselwirkungen. Diese sollen den Wechselwirkungen zwischen verschiedenen astrologischen Faktoren analog sein.

Aus dem gleichen Grund blieben auch sogenannte Zuordnungstests, bei denen Astrologiekundige den Testpersonen aufgrund von deren Eigenschaften das ihnen zugehörige Horoskop zuordnen sollten, ohne Ergebnis im Sinne eines Nachweises astrologischer Einflüsse. Denn eine solche Zuordnung kann nur dann sicher möglich sein, wenn ein Teil der Persönlichkeit extrem stark in den Vordergrund tritt, wenn also eine persönlichkeitsstrukturelle (= astrologische) Einseitigkeit zur deutlichen Ausprägung ihr entsprechender Verhaltensmerkmale führt. Das ist aber nur selten der Fall.

Es liegt also ein großes Missverständnis vor. Die Seltenheit statistisch signifikanter Korrelationen zwischen einzelnen Komponenten der astrologischen Geburtskonstellationen und Persönlichkeitsmerkmalen ist kein Hinweis auf die Nichtexistenz der Astrologie, sondern allenfalls im Gegenteil sogar eine Bestätigung ihrer Annahmen. Denn ihre hochgradige Komplexität schließt derartige Korrelationen weitgehend aus. Das wurde von keinem der Initiatoren dieser Untersuchungen bedacht.

Sachs nun hat ganz gezielt und bewusst versucht, trotz dieses Zusammenhangs die isolierte Wirkung eines einzelnen astrologischen Faktors durch Verwendung besonders großer Probandenkollektive aus den komplexen Gesamtwirkungen herauszufiltern. Wenn dieser Faktor, die Sonne, auch der stärkste und wichtigste sein soll, bleibt dieser Ansatz aus astrologischer Sicht dennoch fragwürdig. Die Ergebnisse müssen teilweise in die Irre führen, da die Wirkung der Zeichen auch über Mond und Planeten vermittelt wird. Wenn zum Beispiel eine Häufung der Sonnenstellung im Zeichen Jungfrau vorliegt, kann das leicht auch dadurch zustande kommen, dass in den Nachbarzeichen Löwe oder Waage oft zwei oder gar drei Planeten stehen. Die Entwicklung des betreffenden Merkmals wird dann möglicherweise nicht durch den Einfluss des Zeichens Jungfrau auf die Sonne, sondern durch die Einflüsse von Löwe oder Waage auf die Planeten gefördert. Das Merkmal ist dann nicht typisch für die Sonne in Jungfrau, sondern für die Planeten im Nachbarzeichen. Es resultiert daraus eine Zuordnung des Merkmals zum falschen Zeichen. Auf diese Problematik gehe ich auf Seite 53 noch einmal ein.

So ist kaum anzunehmen, dass die statistischen Auffälligkeiten bei den isolierten Auswertungen der Sonnenstellungen allesamt astrologische Ursachen haben. Denn das widerspricht den angenommenen multiplen Wechselwirkungen zwischen den astrologischen Komponenten. Korrelationen zwischen Sonnenstellung und Verhaltensmerkmalen sind daher ohne Berücksichtigung anderer Faktoren eigentlich kaum zu erwarten. Daher sind Sachs' Ergebnisse insgesamt sehr erstaunlich.

Psychologie und Astrologie

Mit dem gleichen Komplexitätsproblem infolge multipler Wechselwirkungen hat auch die Psychologie zu kämpfen. Hier wirkt es sich als Unmöglichkeit aus, eindeutige, allgemeingültige Kausalzusammenhänge zwischen Lebensereignissen und späterem Verhalten, zwischen Ursache und Wirkung, herzustellen. Denn alle Anteile der Persönlichkeit sind untereinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Es gibt keine Monokausalität.

• In der Psychologie gilt: Ein bestimmtes Ereignis kann unterschiedliche Folgen haben, und ein bestimmtes Symptom verschiedene Ursachen.

• In der Astrologie gilt: Ein bestimmter Teil der Konstellation kann unterschiedliche Auswirkungen haben, und ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal kann durch verschiedene Konstellationsmerkmale, Ursachen, gefördert werden.

Wie in der Psychologie gibt es auch in der Astrologie nichts, was eine zwangsläufige Entwicklung bestimmter Verhaltensmerkmale bedingen kann.

Grundlage meiner astrologischen Prüfung ist die Revidierte Astrologie Thomas Rings, dargestellt in seinem Lehrwerk Astrologische Menschenkunde12, die die psychologische Bedeutung astrologischer Effekte bereits ausreichend berücksichtigt. Rückgriffe auf Werke der Psychologischen Astrologie oder Astrologischen Psychologie waren nicht nötig. Abweichend von Ring fasse ich unterschiedliche Manifestationsweisen eines Tierkreiszeichens, die von ihm „Ausdrucksprinzipien“ oder „Stilformen“ genannt werden, mit den Begriffen „Thema“ bzw. „Thematisierung“ zusammen, da sie das Prinzip astrologischer Wirkungen treffender beschreiben bzw. leichter verständlich sind.

Diese Wirkungen bestehen nicht aus der Förderung bestimmter Merkmale, sondern bedingen eine Förderung bestimmter Ausrichtungen der Wahrnehmungs- und Reaktionsbereitschaft. Diese wiederum haben eine bevorzugte Beschäftigung mit bestimmten Lebensthemen und -inhalten zur Folge, die dann sekundär die Entwicklung bestimmter, mit diesen Themen korrelierender Merkmale begünstigt. Daraus ergibt sich, dass diese thematischen Schwerpunkte auch in einander gegensätzlichen Merkmalen zum Ausdruck kommen können.

Beispielsweise kann eine Thematisierung von Sicherheit, Vorsicht und Zurückhaltung durch das Zeichen Steinbock zwar eine Hemmung oder sogar Blockade aktiven Handelns fördern, andererseits durch die astrologisch provozierte intensive Auseinandersetzung mit diesem Themenkreis aber auch eine sehr konsequente Überwindung dieser Zurückhaltung, bis hin zu ihrem Umschlagen ins Gegenteil.

Eine Manifestation dieses Gegenteils ist ein starker Wille zur persönlichen Durchsetzung, der astrologisch eigentlich dem Einfluss des Zeichens Widder zugeordnet wird. Eine Unterscheidung ist aber möglich. Die widderhafte – primäre – Handlungsdynamik erscheint sehr direkt, offen, spontan, und kann bei unerwarteten Widerständen schnell erlahmen. Die sekundäre Dynamik des „entwickelten Steinbocks“ erscheint demgegenüber wie geplant, von Vorsicht begleitet, die Aktivität tendenziell perseveriert, so dass ein Ziel fast zwanghaft sogar dann noch mit hohem Einsatz verfolgt werden kann, wenn es sich eigentlich schon als unerreichbar erwiesen hat.

So ist es nicht nur überflüssig, sondern sogar unsinnig und irreführend, Listen möglicher Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale für einzelne astrologische Komponenten zu erstellen. Dafür ist der Sachverhalt zu komplex und vielschichtig. Die Merkmale sind stets im Einzelfall zu betrachten und zu den individuellen astrologischen Einflüssen in Beziehung zu setzen. Sogar aus einander gegensätzlichen Merkmalen und Reaktionsweisen bei verschiedenen Personen lässt sich gegebenenfalls eine zugrunde liegende identische Thematik abstrahieren und definieren.

Verhaltensmerkmale entstehen auf der Grundlage persönlichkeitsstruktureller Merkmale. Diese können von der Astrologie dargestellt werden. Somit ist Astrologie eine Grundlage der Psychologie, die sich mit den konkreten individuellen Auswirkungen der astrologisch definierten Persönlichkeitsstrukturen auseinandersetzt.

Zur Methodik von Gunter Sachs

Sachs berücksichtigte die für seine Analyse relevanten Sachverhalte, so insbesondere die saisonale Ungleichverteilung der Geburtsdaten. Sie wurden bei der Berechnung der statistischen Erwartungswerte sorgfältig beachtet. Die unterschiedliche zeitliche Ausdehnung der Tierkreiszeichen infolge der schwankenden Erdumlaufgeschwindigkeit um die Sonne – von Schütze und Steinbock mit 29,4 bis Zwillinge und Krebs mit 31,4 Tagen – musste nicht gesondert berücksichtigt werden, da sie bereits in die Verteilung der Geburtshäufigkeiten eingeht.

Alle Erwartungswerte beruhen also auf den Zeichenverteilungen bestimmter Geburtsjahrgänge, deren Auswahl auf den Inhalt des jeweiligen Untersuchungsgegenstands abgestimmt wurde. Darüber, ob die getroffene Auswahl in allen Fällen optimal war, lässt sich zwar streiten. Da aber die Verteilungen in verschiedenen Jahrzehnten bis etwa 1985 nicht stark differierten, kann eine etwas unglückliche Wahl einer Vergleichspopulation nur bei sehr großen Gruppen eine relevante Verfälschung der sich auf sie beziehenden Ergebnisse zur Folge haben. Sie würde dann aber an den Resultaten als systematischer Fehler erkennbar, da bei Verwendung der gleichen Jahrgangsstatistik für verschiedene Auswertungen gleichgerichtete Abweichungen bei den betroffenen Tierkreiszeichen aufträten. In Grenzfällen können allerdings geringfügige Abweichungen von den Erwartungswerten mit der Folge entsprechender Veränderungen der Signifikanzniveaus entstehen. Einseitige und dennoch unauffällige relevante Abweichungen sind aber nicht möglich, sogar nicht im Falle einer vorsätzlichen, manipulativ falschen Wahl der Bezugspopulationen – der Fehler fiele auf.

Nicht beachtet wurde von Sachs lediglich, dass die Sonne bei einer Stellung an einer Grenze zwischen zwei Zeichen nur bei bekannter Geburtszeit sicher einem dieser Zeichen zugeordnet werden kann: Die Sonne wechselt nicht um Mitternacht, sondern irgendwann im Tagesverlauf ins Nachbarzeichen. Da die Geburtszeiten in keinem Fall bekannt waren, sind von dieser Ungenauigkeit auch über 3 % des Datenmaterials betroffen. Bei durchschnittlich der Hälfte dieser Stellungen kommt es zu irrtümlichen Zuordnungen zu einem Nachbarzeichen, was sich bei kleineren Testgruppen nicht sicher durch konträre falsche Zuordnungen ausgleicht. In einzelnen Grenzfällen kann dadurch das Signifikanzniveau verändert werden. Dieser Sachverhalt kann aber weitestgehend vernachlässigt werden, da dadurch die große Anzahl der signifikanten Ergebnisse allenfalls sehr geringfügig vermindert oder erhöht wird und hoch oder mäßig signifikante Abweichungen bei großen Gruppen davon fast gar nicht berührt sein können.

Basler13 monierte „handwerkliche“ mathematische Fehler und stellte ausführlich dar, weshalb ein großer Teil der von Sachs gefundenen Signifikanzen lediglich als Tendenzen interpretiert werden dürfen. Unabhängig von möglichen formalstatistischen Fehlern erscheinen aber schwache Signifikanzen, besonders bei kleineren Kollektiven, auch inhaltlich generell fragwürdig. So wurden von 687.850 verstorbenen Personen 128 statt zu erwartender 111 mit der Geburtssonne in Wassermann Opfer von angeborenen Missbildungen. Dieser Befund, obwohl schwach signifikant, lässt ganz sicher keinen Rückschluss darauf zu, dass dieses Zeichen tatsächlich die Sterbewahrscheinlichkeit infolge vorliegender Missbildungen erhöht. Und wenn von 4 045 170 Personen bei 378 statt 344 Coiffeuren die Sonne in Skorpion stand, kann daraus nicht geschlossen werden, dass das Zeichen Skorpion diese Berufswahl fördert.

Sachs verwendete zu einem großen Teil schweizerische Daten, da deutsche Behörden weniger bereit waren, ihm anonymisierte Daten zur Verfügung zu stellen. In der Schweiz existiert eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber der Astrologie als in Deutschland. Daher ist zu berücksichtigen, dass bei Verwendung schweizerischer Daten und dafür geeigneten Fragestellungen die Gefahr des Effekts einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung (SEP) erhöht ist: Die Kenntnis astrologischer Hypothesen kann die Entwicklung von Verhaltensweisen, ganz besonders aber von Selbsteinschätzungen fördern, die diese Hypothesen dann scheinbar bestätigen.

Berufe und berufliche Stellungen
Das „Landwirteproblem“

Sachs wertete die freiwilligen Angaben zu Beruf und beruflicher Stellung von 3.580.913 Teilnehmern an der schweizerischen Volkszählung von 1990 aus. Es zeigte sich eine sehr auffällige Verteilung der 104.906 Landwirte:


Abbildung 1:

Landwirte: Abweichungen von den Erwartungswerten in Prozent

Die fünf größten negativen und alle fünf positiven Abweichungen sind hoch signifikant. Von Sachs als eindeutiger astrologischer Effekt interpretiert, wurden die offensichtlich mit den Jahreszeiten korrelierenden Unterschiede von Kritikern ganz „irdisch“ gedeutet.

Bei der Berufswahl „Landwirt“ ist der Einfluss des Umfelds ungewöhnlich hoch. Landwirte werden vornehmlich die, die aufgrund ihrer Herkunft eine Affinität dazu entwickeln, die, familiär oder lokal bedingt, mit der Landwirtschaft aufwuchsen. Sie werden es, weil sie von klein auf durch Eltern oder Nachbarn mit dieser Tätigkeit konfrontiert wurden und an sie „gewöhnt“ sind. Das heißt: Ein sehr großer Anteil der 105.000 Landwirte hatte Eltern, die selbst Landwirtschaft betrieben.

Die Kritiker nehmen nun an, dass deren Kinder in Zeiträumen gezeugt werden, die ihre Geburten in Phasen geringerer beruflicher Belastung bedingen. Arbeitsumfang und -intensität sind bei den Landwirten ja von den Jahreszeiten abhängig. Nun kann zum einen der in den ersten Lebensmonaten besonders hohe notwendige Zeitaufwand leichter im Winter aufgebracht werden. Die Arbeit wird durch ihn weniger behindert. Zum anderen wird die körperliche Belastbarkeit durch die Schwangerschaft besonders in ihrem letzten Drittel deutlich begrenzt. Wahrscheinlich noch wichtiger ist daher, dass die eingeschränkte Arbeitskraft der Frauen weniger relevant wird. Damit ist sogar erklärt, warum die Häufigkeitsmaxima der Geburten erst gegen Ende des Winters erreicht werden. Bei einer Geburt im November beispielsweise kann sich die verminderte Belastbarkeit der Frauen Ende des Sommers bereits auswirken, kaum aber, wenn die Geburt erst im Februar erfolgt.

Das erscheint tatsächlich plausibel. Wenn nur 5% der 105.000 Geburtszeitpunkte durch ein solches Verhalten von Eltern, die selbst Landwirte waren, bedingt sind, ist die auffällige Geburtenverteilung, von Sachs als „außergewöhnliches Kuriosum“ bezeichnet, vollständig erklärt.

Bestätigt wird das durch die Verteilung der 486.616 beruflich Selbstständigen:


Abbildung 2:

Selbständige: Abweichungen von den Erwartungswerten in Prozent

Landwirte sind selbstständig. Es ist nun zwar anzunehmen, dass etliche der Personen, die diesen Beruf angaben, bei Landwirten angestellt, nicht aber selbstständige Landwirte waren. Ohne Berücksichtigung dieser Ungenauigkeit ergibt sich nach Abzug der Landwirte eine Verteilung, an der deutlich wird, dass die Geburtenverteilung der Landwirte der der anderen Selbstständigen fast konträr ist, und das besonders in den Wintermonaten:


Abbildung 3:

●–● Selbstständige ohne Landwirte, ●–● Landwirte

Abweichungen von den Erwartungswerten in Prozent; die deutlich größeren relativen Abweichungen bei den Landwirten sind durch die erheblich kleinere Personenzahl (105000 gegenüber 382000) bedingt.

Die oben beschriebene ganz „weltliche“ Erklärung der Auffälligkeit ist also vermutlich zutreffend, und Sachs’ Deutung war tatsächlich ein Irrtum. Die Geburtenverteilung der Landwirte ist nicht durch astrologische Einflüsse bedingt.

Die Angestellten

Bei einer anderen Auffälligkeit ist dagegen eine nicht-astrologische Erklärung unmöglich. Die Verteilung der 234.807 leitenden Angestellten und der gut 2,56 Millionen „einfachen“ Angestellten und Arbeiter:


Abbildung 4:

Berufliche Stellungen: Abweichungen von den Erwartungswerten in Prozent ●–● Leitende Angestellte: hoch signifikante Abweichungen in Zwillinge, Krebs, Löwe (+) und Steinbock, Wassermann, Fische (–)

●–● Arbeiter und einfache Angestellte: hoch signifikante Abweichungen in Widder, Stier, Zwillinge, Krebs (–) und Waage, Skorpion, Steinbock (+) Die deutlich geringeren relativen Abweichungen bei Letzteren sind durch die 11-fach höhere Personenzahl bedingt. Durch diese ist auch eine Abweichung von nur +0,71% (Skorpion) bereits hochgradig auffällig.

Warum sollten sich Eltern von zukünftigen leitenden Angestellten hinsichtlich der Zeugungszeitpunkte ihrer Kinder anders verhalten als die Eltern von Menschen, die später Arbeiter oder „einfache“ Angestellte werden? Aus der Suche nach Erklärungen im Zusammenhang mit den Jahreszeiten resultieren hier nur Absurditäten. So müssten in Analogie zu den Landwirten Eltern von leitenden Angestellten, selbst leitende Angestellte und in Ghettos von leitenden Angestellten lebend, von Ende August bis weit in den November hinein Kinder zeugen, die dann unter dem massiven Einfluss ihres Umfelds vermehrt die ihnen von klein auf bekannte berufliche Position erreichen. Warum aber gerade in dieser Jahreszeit? Weil die leitenden Angestellten nach Ende ihres Sommerurlaubs, gut erholt, drei Monate lang vermehrt zu den notwendigen Aktivitäten neigen. Die Arbeiter und einfachen Angestellten dagegen verfallen in eine diese Aktivitäten hemmende Frühherbstdepression und blühen erst mit dem Frühling wieder auf. Dass ihre Kinder seltener Führungspositionen erreichen, ist ja soziologisch leicht zu erklären.

Mit dieser leicht satirischen Einlage will ich verdeutlichen: Es gibt keine Erklärung für die gegensätzlichen Verteilungen. Als Ursache ausgeschlossen ist ein systematischer Fehler wie z.B. eine Diskrepanz zwischen zugrunde gelegter Bezugspopulation und realer Geburtenverteilung in den Zeichen. Denn ein derartiger Fehler kann unmöglich bei 2,6 Millionen Personen hoch signifikante Abweichungen in der Reihenfolge negativ-positiv ergeben, bei 235.000 anderen Personen des gleichen Kollektivs aber in der entgegengesetzten Folge positiv-negativ.

Es gibt aber eine astrologische Erklärung. Personen, die dem Einfluss der ersten Hälfte des Tierzeichenkreises, der sogenannten persönlichen Zeichen von Widder bis Jungfrau, unterliegen, neigen nach astrologischer Vorstellung tendenziell dazu, die subjektiven Eigeninteressen gegenüber Fremd- und Gesellschaftsinteressen zu betonen. Das Ergebnis zeigt offenbar, dass sie beruflich höhere Positionen erreichen – ein wenig Egozentrik macht erfolgreicher. Dagegen hat die diskret stärkere Berücksichtigung dieser Fremdinteressen, als Auswirkung der „überpersönlichen“ Gegenzeichen, einen gegenteiligen Effekt.

Nun ist einzuwenden, dass nur ein Teil der Gezählten eine Angabe zur beruflichen Stellung gemacht hat, da diese Angabe ja freiwillig war. Es ist also gut möglich, dass Personen in gehobenen Positionen im Stolz auf das von ihnen Erreichte sie häufiger angegeben haben als die „kleinen“ Angestellten die ihren. Dann wäre aber auch im Falle einer zufälligen Verteilung der beruflichen Stellungen ein entsprechendes Phänomen vorhanden: Die eher Ego-Zentrierten mit Sonnenstellungen in der ersten Kreishälfte hätten demnach ihre gehobenen Positionen vermehrt angegeben, untergeordnete Positionen dagegen eher mit verminderter Häufigkeit. Die Personen der zweiten Hälfte aber hätten sich in dieser Hinsicht anders verhalten und ihre gehobenen beruflichen Stellungen nicht betont.

Analoges gilt auch für die Möglichkeit unwahrer Angaben im Sinne von Beschönigungen der Stellungen, wie sie Sachs erwähnt. Sie wären demnach erheblich häufiger unter dem Einfluss der persönlichen Zeichen und ihrer Egozentrik-Förderung zustande gekommen, während die Gegenzeichen eine Tendenz zum Herunterspielen der eigenen Bedeutung fördern. Im ersten Fall erklärt sich der Leiter eines kleinen Teams zum leitenden Angestellten – ich bin wichtig –, im zweiten kreuzt der Leiter einer großen Abteilung bei der Beantwortung der Frage nur „angestellt“ an – die Funktion des Einzelnen ist nicht so wichtig.

Entweder haben also die Personen mit der Sonne in der ersten Hälfte tatsächlich höhere berufliche Stellungen erreicht, oder sie haben sie häufiger angegeben bzw. beschönigt. Auch wenn, sehr wahrscheinlich zu Recht, unterstellt wird, dass die Freiwilligkeit der Angabe hier nicht-repräsentative, nicht die Realität abbildende Antworten bedingt hat – in jedem Fall weist das Ergebnis sehr nachdrücklich auf astrologische Einflüsse hin. Sie sind die einzig plausible Erklärungsmöglichkeit.

Weiterhin fällt bei der Auswertung auf, dass unter den leitenden Angestellten die Krebse am häufigsten sind, die Steinböcke, unter dem Einfluss des gegenüberliegenden Zeichens, am seltensten. Umgekehrt bilden bei den einfachen Angestellten und Arbeitern die Steinböcke die größte und die Krebse die kleinste Gruppe (siehe oben, Abbildung 4). Da das Zeichen Krebs im astrologischen Verständnis mit dem Thema Emotionen korreliert, kann deren hier betonte Bedeutung den beruflichen Erfolg oder aber eine unrealistische Überbewertung der eigenen beruflichen Funktion fördern, während Steinbock mit seiner Thematisierung gesellschaftlicher, von außen herangetragener, „objektiver“ Erwartungen ihn eher beeinträchtigt. Auch wird dem Zeichen Steinbock die Förderung von Perfektionismus mit der häufigen Folge von Unzulänglichkeitsgefühlen unterstellt. So können eine dem Krebs konträre, „übertrieben unemotionale“ selbstkritische Bewertung der eigenen Stellung und ihre unbegründete Herabstufung erfolgen.

Ähnlich der Verteilung der leitenden Angestellten ist die der Selbstständigen nach Abzug der Landwirte (siehe oben, Abb. 3). Deren spezielle Verteilung wurde ja anders begründet. Die anderen Selbstständigen wurden deutlich häufiger unter dem Einfluss der ersten sechs Zeichen geboren. Hier gilt: Die leicht erhöhte Bedeutung des „Selbst“ fördert auch ein Streben nach Unabhängigkeit und „Selbst“-ständigkeit.

Sachs kommentierte die Ergebnisse zurückhaltend mit dem Satz Es ist festzuhalten, dass es offenbar ausgeprägte Zusammenhänge zwischen Sternzeichenzugehörigkeit und beruflicher Stellung gibt. Das Fazit kann aber erheblich deutlicher formuliert werden:

Diese Auswertung der Schweizerischen Volkszählung von 1990 ist einer der bedeutendsten Hinweise auf die Existenz der Astrologie. Nur mit deren Wirkung ist das Ergebnis zu erklären.

Als alternative Erklärung dieser extremen statistischen Auffälligkeit fällt eine SEP aus. Denn die Kenntnisse der astrologischen Laien sind auf Verhaltensmerkmale der Zeichen beschränkt: Ich bin Waage, darum kann ich mich so schwer entscheiden, ich bin so stur, weil ich Steinbock bin, als Krebs bin ich eben empfindsam, etc. Den thematisch sehr unterschiedlich orientierten Schütze- und Steinbock-Laien ist aber nicht bekannt, dass sie einer ihren Zeichen übergeordneten generellen Tendenz unterliegen, und auch der gefühlsorientierte Krebs ahnt nichts von einer durch die gleiche Kreishälfte bedingten Gemeinsamkeit mit dem vernunftbetonten Zwilling.

Die Unternehmer

Zunächst: „Unternehmer“ wurde 109.175 Mal als „Beruf“ angegeben. Unternehmer ist aber kein Beruf, sondern eine übergeordnete Funktion. Welcher Beruf des Unternehmers der Unternehmensgründung oder -führung zugrunde liegt, bleibt offen. Jedenfalls fehlen die Unternehmer bei den anderen Berufen, was möglicherweise eine statistisch nicht ganz unbedeutende Abweichung von der wirklichen Verteilung der Berufe bedingt (s. u.).

Weiterhin ist die Anzahl nicht plausibel. Denn „Unternehmer“ macht 3 % der rund 3,6 Millionen Berufsangaben aus. Somit müsste es in schweizerischen Kleinstädten mit 20.000 Einwohnern 1990 durchschnittlich 600 Unternehmer gegeben haben, in Dörfern mit 2.000 Einwohnern immerhin 60. Das ist unrealistisch.

Die hohe Anzahl kommt dadurch zustande, dass die Begriffe „selbstständig“ und „Unternehmer“ inhaltlich nicht immer klar zu trennen sind. Die subjektive Bewertung der eigenen Tätigkeit führte offenbar dazu, dass etliche Selbstständige nicht ihren Beruf angaben, sondern sich als Unternehmer bezeichneten. Dringend zu vermuten ist, dass beispielsweise selbstständige Handwerker bereits ihren 3-Mann-Betrieb als Unternehmen definierten. Die Wahl der Antwort war auch hier ein Ausdruck des Selbstverständnisses (siehe oben: Angestellte).

Ohne Berücksichtigung dieser Einschränkungen unterscheiden sich die beiden Kreishälften auch bei den Unternehmern deutlich, was hier im Wesentlichen durch einen Gegensatz zwischen zweitem und viertem Viertel bedingt ist:


Abbildung 5:

Unternehmer: Abweichungen von den Erwartungswerten in Prozent

Sehr aufschlussreich sind die Extremwerte für Löwe und Wassermann. An ihnen wird der oben im Zusammenhang mit den Arbeitern/Angestellten und den leitenden Angestellten erläuterte Gegensatz zwischen „persönlichen“ und „überpersönlichen“ Zeichen besonders deutlich. Dem Zeichen Löwe wird astrologisch eine Förderung des Unternehmertums zugeschrieben, dem Wassermann eine starke Tendenz zur Objektivität. Entsprechend dem Beispiel Teamleiter/Abteilungsleiter (siehe oben) ist es gut denkbar, dass auch hier ein Ich bin wichtig des Löwen ihn sich zum Unternehmer erklären lässt, während der Wassermann mit einer stärkeren Ausrichtung an sachlicher Objektivität weniger zu einer Selbstüberschätzung tendiert: Nüchtern betrachtet ist mein Betrieb so bedeutsam nun doch nicht. Ich bin selbstständig, ja – aber kein Unternehmer. Am Beispiel der handwerklichen Drei-Mann-Betriebe: Der Löwe-Installateur nennt als Beruf „Unternehmer“, der Wassermann bezeichnet sich als selbstständig und gibt „Installateur“ als Beruf an.14 Im Unternehmertum der Löwen könnte sich aber auch sehr gut der Effekt einer SEP verbergen. Wenn nur 15 % der 40.903 beruflich selbständigen Löwen von der astrologisch behaupteten Korrelation zwischen Löwen und Unternehmertum wissen und 6% von diesen, also weniger als 1% der 40.903, ihre Selbständigkeit infolge dieses Wissens für Unternehmertum halten, entsteht bereits die vorliegende signifikante Erhöhung des Unternehmeranteils. Da es sich um schweizerische Daten handelt, ist dieses Ergebnis aus dem oben genannten Grund tatsächlich nicht sicher verwertbar (siehe Seite 21).

Schwieriger ist die hoch signifikante Verminderung der Wassermänner zu erklären. Die Astrologie behauptet bei ihnen keine übertriebene Bescheidenheit. Astrologische Kenntnisse können hier zwar eine bewusst kritische Prüfung der Realität fördern. Diese muss aber nicht gehäuft zu einer Unterbewertung der eigenen beruflichen Funktion führen. Denn das entspräche einer unrealistischen, nicht objektiven Beurteilung. Dieses Teilergebnis erscheint also astrologisch nicht plausibel.

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Yaş sınırı:
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148 s. 31 illüstrasyon
ISBN:
9783958110052
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