Kitabı oku: «Wechseljahre - nein danke!»
Beth Rosenshein
Titel der englischen Originalausgabe: Preventing Menopause
Inhaltsverzeichnis
Danksagungen
Vorworte
Einleitung
1. Kapitel: Denken wir um
2. Kapitel: Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Ziel
Was sind Hormone?
Was sind Östrogene?
Wie Östradiol gebildet wird
Bindung von Hormonen im Blut
Hormonpräparate
Wodurch unterscheiden sich synthetische, natürliche, bioidentische und patentrechtlich geschützte Hormone?
Warum sollte man von einem Versagen der Eierstöcke sprechen und nicht von Menopause?
Die Hormone der Eierstöcke haben vielfältige Aufgaben
3. Kapitel: Warum sollte man dem Versagen der Eierstöcke (Ovarialinsuffizienz) vorbeugen?
Was ist eine Ovarialinsuffizienz?
Ist die Ovarialinsuffizienz natürlich, normal oder keines von beidem?
Die Reaktion des Brustgewebes
Testosteron als Schutz vor Brustkrebs
Eindeutige Studienergebnisse belegen: Testosteron verhindert Brustkrebs
Brustkrebs und Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus)
Krebsrisiko und Ovarialinsuffizienz
Der Einfluss der Ovarialinsuffizienz auf das Risiko von Herzerkrankungen
Ovarialfunktion und Herzerkrankung
Osteoporose
Schlaf
Das Wechselspiel zwischen Ovarialhormonen und Melatonin
Gewichtszunahme und Muskeltonus
Sexuelle Reaktionsfähigkeit
Hitzewallungen als Vorboten für das Versagen der Eierstöcke
4. Kapitel: Wie Sie die Ovarialinsuffizienz verhindern können
Der Eizellvorrat ist begrenzt
Der Vorrat an Eizellen erschöpft sich zu früh
Die Veränderung der ovariellen Hormonspiegel im Laufe des Lebens
Das Risiko angeborener Schäden
Geburtenkontrolle
Schützen Sie Ihre Eierstöcke
5. Kapitel: Die Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts
Wie Sie das normale hormonelle Gleichgewicht der Eierstöcke wiederherstellen können
Bestimmen Sie Ihre Ziele
Entsprechende Hormonpräparate
Die Normalisierung der Ovarialfunktion
6. Kapitel: Die Standard-Hormonersatz-Therapie der Women’s Health Initiative
Meine Erkenntnisse
Die Ziele der WHI
Was in der WHI wirklich getan wurde
7. Kapitel: Die Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt
Spezialisten für gynäkologische Endokrinologie
Was Ihr Laborbericht aussagt
8. Kapitel: Zusammenfassung
Meine Reise geht weiter
Die Zukunft der Menopause – für uns, unsere Töchter und unsere Enkelinnen
Anhang A
Checkliste
Anhang B
Suchen Sie Hilfe beim Spezialisten
Ärzteliste
Selbsthilfegruppen
Vom Verlag empfohlene Literatur
Literaturverzeichnis
Über die Autorin
Dieses Buch widme ich meiner Großmutter Fanny, einer Kämpferin für das Frauenwahlrecht, die mich lehrte, dass die Stimme einer jeden Frau zählt.
Danksagungen
Ich möchte all jenen danken, die mir am nächsten stehen, die an mich glaubten und die mich in meinem Ziel unterstützten, es den Frauen zu ermöglichen, den Zeitpunkt ihrer Menopause eines Tages selbst zu bestimmen. Insbesondere danke ich meiner Mutter Barbara Diamond Wilson dafür, dass sie mich immer gefördert und meine unersättliche Wissbegierde ertragen hat.
Ich möchte all jenen danken, die das Buch in seiner Entstehungsphase gelesen und mir wertvolle Rückmeldungen gegeben haben. Es sind dies (in alphabetischer Reihenfolge):
Dr. Elizabeth Anton; Nechama Batt-Michelson; Lisa Behar; Bob Bonds (Apotheker); Rebecca Clark; Robin Cohn; Jane Courage; Dr. Scott Eberly; Lorre Goldberg; Ron Kornfeld; Stephanie Mailman; Susan Matalon; Dr. med. dent. Anthony McLaughlin, Rita Rosenshein; Dr. Leon Speroff; Danya Sterner; Cricket Stimson: Liz Thayer; Laura Wall sowie Libby Yuskaitis. Außerdem danke ich natürlich auch meinen Mah-Jongg-Freunden Erin, Lesley, Sarah und Shelley, die mich jede Woche zum Lachen bringen und mich nicht vergessen lassen, was wirklich zählt.
Mein Dank geht an die Bibliothekarin unserer öffentlichen Bücherei, Christine Kernick-Fletcher. Ohne ihre außerordentlichen Bemühungen hätte das Buch nicht geschrieben werden können. Sie machte mir Hunderte von Artikeln zugänglich, an die ich selbst nur unter Schwierigkeiten herangekommen wäre. Des Weiteren danke ich Caroline Pincus, die mich in allen die Veröffentlichung betreffenden Fragen professionell unterstützt hat; ich schätze ihre Ermutigung und ihre Ratschläge.
Dr. Elena Christofides möchte ich für die Durchsicht meines Buches unter medizinischen Gesichtspunkten danken. Ich schätze ihre Kenntnisse und Vorschläge außerordentlich. Schließlich möchte ich meinem amerikanischen Verleger und dem Team von Your Health Press, Dr. phil. M. Sara Rosenthal, Larissa Kostoff und Laura Tulchinski, für ihre unschätzbare Hilfe und ihr Feedback danken. Sara gab mir und meinen Ideen eine Chance, dafür stehe ich tief in ihrer Schuld.
Für Leon, meinen Mann, Freund und den Partner, den ich liebe – er ist ein wirklich wundervoller Mensch –, der Seite an Seite mit mir arbeitete und mir half, dieses Buch zu verwirklichen: Ich bin dir ewig dankbar für deine Liebe, deine Hingabe und deine Inspiration.
Lasst unsere Generation die letzte sein, die unter den Wechseljahren zu leiden hat.
Vorworte
Vorwort zur deutschen Ausgabe von Dr. Volker Rimkus
1943 machte der amerikanische Chemiker Russel Marker eine Entdeckung, die höchste Anerkennung hätte finden müssen: Es gelang ihm, aus der in der wilden Yamswurzel vorhandenen Substanz Diosgenin unter anderem bioidentisches Progesteron zu gewinnen. Schon damals wäre es also möglich gewesen, die in den Wechseljahren auftretenden Hormonmangelzustände auszugleichen, ohne bei richtiger Dosierung Nebenwirkungen befürchten zu müssen.
Doch was geschah? Russel Marker wurde gekündigt, denn diese Hormone ließen sich durch kein Patent schützen. Um sie für die Pharmaindustrie dennoch interessant zu machen, änderte man kurzerhand die Molekülstrukturen. So entstanden völlig neue Substanzen, die den Namen „Hormone“ eigentlich nicht hätten tragen dürfen. Noch schlimmer: Man vermarktete sie unter dem gleichen Namen und nannte sie – wider besseres Wissen – Östrogen, Progesteron und Testosteron. Als nach einigen Jahren dieser konventionellen Hormonersatz-Therapie jedoch Nebenwirkungen auftraten, wurde die Ursache leider nicht auf die chemisch veränderten Moleküle geschoben, sondern man riet den Frauen von einer Behandlung des Hormonmangels in den Wechseljahren einfach ab, statt ihnen bioidentische Hormone zur Verfügung zu stellen.
Es ist typisch, dass das vorliegende Buch nicht von einem Arzt oder einer Ärztin verfasst wurde, sondern dass es der Aufschrei einer Frau ist, die in dramatischer Weise den Beginn ihrer Wechseljahre erleben musste, ohne dass die moderne Medizin ihr hätte helfen können. Zum Glück hat sie sich aber von der auch in Amerika geltenden Lehrmeinung nicht abschrecken lassen und allein mit ihrem gesunden Menschverstand die große Täuschung erkannt, die in der konventionellen Hormonersatz-Therapie verborgen ist.
Vielleicht schafft es nun dieses Buch, das Bewusstsein für den tatsächlich vorhandenen Segen der bioidentischen Hormone zu wecken und sowohl bei Patientinnen als auch bei Ärzten ein Umdenken einzuleiten. Es würde mich persönlich sehr zufrieden machen!
Dr. Volker Rimkus
Dr. med. Volker Rimkus ist Gynäkologe (Frauenarzt) und Mitbegründer eines neuen Therapiekonzepts zur Behandlung der männlichen Wechseljahre. Basierend auf der Anwendung von bioidentischen Hormonen entwickelte er außerdem ein alternatives Therapiekonzept für Frauen in den Wechseljahren. Weitere Informationen zur RIMKUS-Methode für die Frau und den Mann finden Sie auch im Internet: www.rimkus.info. Die ab S. 116 genannten Ärzte behandeln größtenteils nach der RIMKUS-Methode.
Vorwort zur amerikanischen Ausgabe von Dr. Elena Christofides
Frauen in der Menopause steht heute eine erschreckende Vielfalt von Informationen zur Verfügung. Sie sollen ihnen beim Übergang in die neue Lebensphase helfen, und doch ist leider vieles davon widersprüchlich. Als Endokrinologin habe ich nie verstanden, warum wir einem solch komplexen Organismus, wie es unser Körper ist, nicht zurückgeben, was er verloren hat. Das Hormonsystem ist ganz präzise ausbalanciert, und schon der Mangel an nur einem Hormon, geschweige denn an mehreren, kann ernsthafte Konsequenzen für jede Patientin zur Folge haben. Manche Frauen spüren das sehr heftig in der Zeit kurz vor der Menopause, wenn ihre Eierstöcke langsam beginnen, die „Produktion herunterzufahren“. Angesichts der abwechselnd als rettende Gnade und nächstes großes Übel betrachteten Hormontherapie ist der wichtigste Punkt in jeder Diskussion auf jeden Fall die Aufklärung der Patientinnen. Ich habe in meiner Praxis die Erfahrung gemacht, dass es tatsächlich immer schwieriger geworden ist, Frauen in diesem durch mangelnde Information und übermäßige Medienhysterie massiv beeinflussten Bereich hinsichtlich ihres Hormonbedarfs zu beraten.
Als ich gebeten wurde, dieses Buch durchzusehen, war ich mir nicht sicher, ob wir nicht zusätzlich noch ein weiteres Buch brauchen würden. Kaum hatte ich jedoch zu lesen begonnen, wurde mir klar, dass genau dieses Buch das „fehlende Glied“ sein könnte. Ich fand darin so viele der Informationen wieder, die meine Patientinnen auch von mir erhalten, weil ich mich bemühe, ihnen ein vielseitiges, ausgeglichenes Bild aller Risiken und Vorteile zu geben, denn sie möchten ja auch nach der Menopause gesund bleiben. Beth Rosenshein hat die wissenschaftlichen Feinheiten klar erfasst und präsentiert sie schließlich in einer Weise, die es den Frauen in den Wechseljahren ermöglicht, sich im Labyrinth der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zurechtzufinden.
Ich hoffe, die Frauen und die ihnen nahe Stehenden nutzen die in diesem Buch enthaltenen Informationen als Hilfe, um sich vernünftig, sachkundig und gezielt auf das vorzubereiten, was in dieser oftmals schwierigen Zeit mit ihnen geschieht. Und für diejenigen Frauen, die diesen Übergang relativ unbeschadet zu meistern scheinen, hoffe ich, dass sie daraus lernen, wie wichtig es doch ist, über die Veränderungen im eigenen Körper Bescheid zu wissen, egal, ob sie sie spüren oder nicht.
Elena A. Christofides
Dr. med. Elena Christofides ist Endokrinologin (Fachärztin für hormonell bedingte Erkrankungen). Sie wird auf der Website der „ Spitzenmediziner “ in Columbus, Ohio, geführt, wo sie jetzt eine Privatpraxis betreibt. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Staatlichen Universität von Ohio in Columbus, ihre Assistenzzeit absolvierte sie am Mount Carmel Medical Center. Sie ist Mitglied der Universität von Louisiana in New Orleans und gehört mehreren medizinischen Beratungsausschüssen an. Außerdem gibt sie klinische Ausbildungskurse und sie ist Vizepräsidentin der Vereinigung der klinischen Endokrinologen in den USA. Weitere Informationen finden Sie in englischer Sprache auch im Internet: www.endocrinology-associates.com
Einleitung
Als ich noch nicht von der Menopause betroffen war, verschwendete ich kaum einen Gedanken daran. Ich akzeptierte einfach, dass ich eines Tages „den Wechsel“ durchmachen würde, so wie jede andere Frau auch. Das Einzige, was ich darüber wusste, war, dass man für eine kurze Zeit Hitzewallungen haben und dass das Leben danach aber ganz normal weitergehen würde, außer, dass man keine Kinder mehr bekommen könnte. Ich dachte allen Ernstes, das Leben wäre nach dem Ausbleiben der Menstruation, also nach der Menopause, genauso wie davor. Aus diesem Traum sollte ich sehr unsanft erwachen.
Als ich 43 Jahre alt war, stellten sich Veränderungen ein, auf die ich überhaupt nicht vorbereitet war. Meine sexuelle Reaktionsfähigkeit war völlig verschwunden, und nach mehreren Monaten wurde mir klar, dass sie von alleine auch nicht wiederkommen würde. Ich musste herausfinden, woran das lag, ob es überhaupt normal war, und wie ich mit dieser Veränderung umgehen sollte. Ich war verwirrt. Damals hatte ich keine Ahnung, dass das, was ich durchmachte, mit der Menopause zu tun hatte, die, wie ich später erfuhr, im völligen Versagen der Eierstöcke, der Ovarien, bestand. Ich entdeckte auch, dass es möglich war, dieses Versagen zu verhindern oder zu verzögern. Aber ich hatte keine Ahnung, dass ich den Zeitpunkt der Menopause vielleicht selbst bestimmen könnte.
Als ich mich jedoch in unzählige medizinische Studien vertiefte und entdeckte, dass es tatsächlich so war, da wusste ich, dass ich ein Buch schreiben musste. Ursprünglich hatte ich geplant, nur über den Einsatz von bioidentischen Hormonen zu schreiben, mit denen die prä-menopausalen Hormonspiegel wiederhergestellt werden, und sie den künstlichen Hormonen, wie Premarin TM (wird in Deutschland unter dem Namen Presomen® vertrieben, Anm. d. Übers.) und Provera TM (in Deutschland wird Prodafem® in der Hormonersatz-Therapie (HET) eingesetzt; Provera gibt es hier nur als Depo-Provera® und dient der Empfängnisverhütung, Anm. d. Übers.) gegenüberzustellen, die bei der allgemein üblichen HET verschrieben werden, um die sexuelle Reaktionsfähigkeit in der Prä-Menopause wiederherzustellen. Doch als ich mehr und mehr über die Funktion der Eierstöcke (Ovarien) erfuhr, entdeckte ich, dass sich die Menge unserer Eizellen (Follikel) im Laufe des Alterungsprozesses immer schneller reduziert und wir ungebremst auf das völlige Versagen der Ovarien zusteuern. Ich lernte außerdem, dass es vielleicht möglich ist, dieses Phänomen durch einen besseren Umgang mit dem uns von Geburt an zur Verfügung stehenden Kontingent an Eizellen erheblich zu verzögern. Im Gegensatz dazu, was nahezu jede Frau und ihr behandelnder Arzt oder ihre Ärztin glauben, gelangte ich zu der Überzeugung, dass das Versagen der Eierstöcke nicht unausweichlich ist.
Daraus ergaben sich natürlich Fragen: Es mag vielleicht möglich sein die Menopause zu verhindern, doch ist es auch klug? Sind Risiken damit verbunden? Gäbe es genügend gesundheitliche Vorteile, die eine Verlängerung der Ovarialfunktion bis ins hohe Alter rechtfertigen würden? Wäre für ältere Frauen eine Geburtenkontrolle notwendig? Stellt eine Schwangerschaft ein Risiko für eine Frau in den Fünfzigern, Sechzigern oder Siebzigern dar? Ich musste mir selbst beweisen, dass es für eine Frau nicht gesundheitsschädlich wäre, wenn ihre Eierstöcke länger funktionsfähig blieben. Das ist mir gelungen! Durch meine Forschungsarbeit konnte ich belegen, dass das Brustkrebsrisiko dramatisch sinkt, wenn die ovarielle Funktionsfähigkeit durch den Einsatz kleiner Dosen bioidentischer Hormone, die eine Schlüsselfunktion einnehmen, wiederhergestellt wird. Dasselbe gilt auch für Herzerkrankungen. Ich sah, dass es möglich war, das Risiko von Geburtsschäden bei Babys älterer Mütter in gleicher Weise zu senken. Ich fand heraus, dass die Eierstöcke einen großen Anteil am gesamten Wohlbefinden einer Frau haben und dazu beitragen, dass alle anderen Organe ebenfalls ihre Funktion erfüllen. Im Gegensatz zum Verlust des Appendix, des Wurmfortsatzes, der gemeinhin als Blinddarm bezeichnet wird, spürt man es, wenn die Eierstöcke nicht mehr arbeiten. Sie sind nicht einfach nur Reproduktionsorgane, sie sind vielmehr lebenswichtige Organe, die das Wohlbefinden eines jeden anderen Organs im weiblichen Körper beeinflussen und daher für die Gesamtgesundheit von maßgeblicher Bedeutung sind. Wir verdienen es, darüber Bescheid zu wissen.
Ich hoffe, dieses Buch hilft Ihnen zu erkennen, dass die Menopause nur dann verhindert werden kann, wenn Sie und Ihr Arzt (siehe Kapitel 2) gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten. Er muss wissen, wie er Sie bei der Regulierung Ihrer Ovarialfunktion unterstützen kann und welche Medikamente diese Bemühungen wieder zunichtemachen können.
Zur Regulierung der Ovarialfunktion sind nur sehr geringe Hormonmengen nötig. Ich weiß, dass Hormone seit ein paar Jahren in einem schlechten Ruf stehen, vor allem aufgrund der Ergebnisse der amerikanischen Women’s Health Initiative (WHI, zu deutsch etwa „Initiative für Frauengesundheit“, Anm. d. Übers.). Wie Sie in Kapitel 6 erfahren werden, wurde durch die in der WHI-Studie angewandte Hormonersatz-Therapie (HET) die Eigenproduktion von Hormonen in den Eierstöcken gar nicht wieder in Gang gesetzt, geschweige denn, dass die übliche HET überhaupt auf die Eierstöcke ausgerichtet war. Dieser Irrtum ist weit verbreitet. Die Hormone, die den Frauen in der Studie verabreicht wurden und die seit einem halben Jahrhundert als Standard gelten, führten zu einem Hormonstatus, den es bei einer Frau in ihrem ganzen Leben normalerweise gar nicht gibt, weder vor noch nach der Menopause. Wenn Sie das Ziel der WHI verstehen und wie und warum bestimmte Hormone eingesetzt wurden, werden Sie auch verstehen, warum dieser klinische Versuch gescheitert ist.
Viele Menschen schrecken vor dem Gedanken zurück, an ihren Hormonen „herumzupfuschen“. Tatsache ist aber, dass es gar nicht um ein „Herumpfuschen“ geht, sondern nur darum, zu ersetzen, was die Eierstöcke sowieso immer selbst produziert haben. Die geringen eingesetzten Mengen sind absolut sicher, und diese Art von Behandlung ist auch nichts anderes als das, was Ärzte täglich tun, um jedem anderen Organ im Körper wieder zu seiner optimalen Funktionsfähigkeit zu verhelfen. Sie werden sehen, dass es nichts zu befürchten gibt.
Ich bin Ingenieurin mit den Spezialgebieten Bio-Medizin und Elektrotechnik und sehr erfahren in der medizinischen Forschung. Ich halte zwei US Patente, eines auf die neuartige Gestaltung eines Vaginalspekulums (gynäkologisches Untersuchungsinstrument) und eines auf ein speziell für Frauen entworfenes Urinsammelgefäß. Ich entdeckte eine wichtige Wechselwirkung zwischen den Wirkstoffen Esomeprazol (Nexium mups®) und Testosteron. Meine Ergebnisse wurden im Mai 2004 in einer Fallstudie in der Fachzeitschrift The American Journal of Medical Sciences veröffentlicht. Im August 2003 richtete ich eine Petition an die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA, die eine Änderung der Etiketten auf Hormonpräparaten zum Ziel hatte. Der Petition wurde im September 2004 stattgegeben.
Darüber hinaus bin ich auch Ehefrau und Mutter. Ich schrieb dieses Buch sowohl im Interesse meiner Kinder, als auch in meinem eigenen. Sie sollen eine bessere Zukunft haben. Gemeinsam können wir die Zukunft für unsere Kinder und für uns verbessern.
Je besser wir unseren Körper kennen, desto besser sind wir für seine Gesunderhaltung gerüstet.
1. Kapitel: Denken wir um
Wenn man sich mit dem Thema Menopause beschäftigt, dann spielt der richtige gedankliche Rahmen eine große Rolle. Für mich war es am wichtigsten zu verstehen, was in meinem Körper vor sich ging, und was, wenn überhaupt, ich tun konnte. Anfangs nahm ich wie alle anderen an, dass die Menopause unvermeidlich sei und dass ich mich schon damit abfinden würde. Als es dann so weit war, merkte ich, dass das Versagen der Eierstöcke einen immensen Tribut vom gesamten Körper fordert und dass der weibliche Körper mit funktionierenden Ovarien am leistungsfähigsten ist. Schnell wurde mir klar, dass die Menopause verhindert werden musste.
Der April 2003 markierte den Beginn eines Weges, den zu gehen ich mir niemals hätte vorstellen können, und eines Lebens, das niemals mehr so sein würde, wie ich es bisher kannte. Die Beziehung zu meinem Mann hatte sich dramatisch verschlechtert, genauso wie das Verhältnis zu meinen vier Kindern. Vorbei war die ungezwungene Hingabe, die ich meinem Mann entgegenbrachte, und vorbei war auch die Freude, die ich empfand, wenn ich meine Kinder nur ansah. Ich war 43 Jahre alt und am Ende. Ich fragte mich, wie mein Mann mir so treu ergeben sein konnte, wenn ich doch gar keine Geduld mehr mit ihm hatte. Ich fragte mich, wie ich so viele Kinder erziehen sollte, wenn ich mich fast ständig überfordert fühlte und mich nicht einmal mehr darüber freuen konnte, im selben Raum mit ihnen zu sein. Ich fühlte mich von meinem Leben abgeschnitten. Ich vermisste meinen Mann und meine Kinder, auch wenn sie direkt vor mir standen. Ich dachte, ich würde verrückt.
An eine Nacht erinnere ich mich ganz besonders. Ich saß auf der Bettkante und mir wurde bewusst, dass ich seit zwei Monaten nicht mehr mit meinem Mann schlafen konnte. Mir war aufgefallen, dass meine sexuelle Reaktionsfähigkeit seit etwa sechs Monaten abnahm; doch in den letzten beiden Monaten hatte ich auf keinerlei sexuelle Reize mehr reagieren können. Ich machte einen Termin bei meiner Gynäkologin, um herauszufinden, was mit mir los war. Verschiedene Bluttests ergaben, dass sich meine Eierstöcke im „Ruhezustand“ befanden und möglicherweise auch nicht mehr aktiv werden würden. „Ruhende“ Eierstöcke sind gekennzeichnet durch Zeiten mit geringer oder fehlender Funktion, in denen die Hormonspiegel sehr niedrig sind, die zwischendurch von Zeiten mit normaler Funktion abgelöst werden. 1 Die Gynäkologin erklärte mir, dass ich innerhalb der nächsten zehn Jahre jederzeit mit der Menopause und den damit einhergehenden Wechseljahren rechnen müsste. Dann bot sie mir ein Östrogenpflaster (mit Östradiol) an. Zur Verbesserung meiner sexuellen Reaktionsfähigkeit schlug sie mir die zusätzliche Einnahme von Testosteron vor. Ich hatte keine Ahnung, was Östradiol war. Ich fragte, warum sie mir nicht die Östrogenpille Premarin™ (in Deutschland bekannt als Presomen®) verschrieb, die die Women’s Health Initiative einsetzte. Sie sah mich erstaunt an und sagte:„Warum etwas wegnehmen, wenn Sie es nur zurückgeben müssen?“ Ich war in Eile, wie sie auch, und so konnte ich nicht nach einer Erklärung für diese geheimnisvolle Antwort fragen.
Ich fuhr nach Hause, klebte mein Pflaster auf und begann, den Übergang in die Menopause zu ergründen. In kürzester Zeit fühlte ich mich wieder „in Stimmung“ und rief meinen Mann von der Arbeit nach Hause, um die gute Nachricht zu feiern. Dieses kleine Pflaster funktionierte! Zwei Tage lang sonnten wir uns in der Wonne, miteinander zu schlafen. Dann verschwand meine Reaktionsfähigkeit auf unerklärliche Weise wieder. Wie konnte das sein? Wie grausam! Wie war es möglich, dass ein Pflaster zwei Tage lang funktionierte und dann nicht mehr? Ich war verzweifelt. Ich wünschte mir so sehnlich mein Leben zurück.
Also zog ich los, kaufte mehrere Bücher über die Menopause und las sie, so schnell ich konnte. Die Bücher behaupteten, dass alles, was ich gerade durchmachte, zu einem natürlichen und normalen Prozess gehörte, auf den mein Körper sich einstellen würde. Ich würde wieder die Alte sein. Also wartete ich darauf, dass genau das geschah. Meine Periode war seit fast drei Monaten ausgeblieben. Ich hatte mich verändert – nicht gerade zu meinem Besten –, und meine ganze Familie hatte darunter zu leiden. Ich suchte nach Antworten und fand keine. Wenn ich nur einen normalen Menstruationszyklus hätte, würde ich mich wieder gut fühlen, dachte ich. Nicht dass ich die Blutungen an sich vermisste, aber ich wusste aus Erfahrung, dass es mir nach meiner Periode immer besser ging. Ich wollte einfach, dass es mir besser ging. Ich wollte mein Leben zurück. Ich wollte wieder fühlen können, wenn mein Mann mich berührte, und ich wollte den Geruch seiner Haut genießen. Ich wollte das Bettgeflüster, das mir jetzt entging. Der Gedanke, dass wir kein Liebespaar mehr waren, machte mich fertig; wir würden schließlich einfach nur noch ein Zimmer miteinander teilen, mehr nicht. Die Vorstellung, dass wir, wenn wir zusammenblieben, ein Leben ohne den Zauber der Intimität führen müssten, trieb mir die Tränen in die Augen. Ich konnte keinen Frieden finden. Nichts konnte mich trösten. Ich brauchte Antworten. Mein Leben brach buchstäblich auseinander. Wie konnte das bloß „normal“ oder „natürlich“ sein? Ich kam mit den Wechseljahren überhaupt nicht zurecht.
Ich ging erneut in die Buchhandlung und kaufte noch mehr Bücher von bekannten und renommierten Autoren. Ein kleines Vermögen gab ich für Bücher aus! Dennoch konnte ich die Antworten nicht finden, nach denen ich suchte. Es sollte mir doch eigentlich gut gehen. Diese Autoren, alles hochangesehene Ärzte, schrieben, ich würde mich rechtzeitig anpassen, und meine sexuelle Reaktionsfähigkeit käme wieder zurück. In der Zwischenzeit trug ich pflichtschuldigst mein Östrogenpflaster – doch körperliche Liebe war immer noch nicht möglich. Was ging da vor? Ich konsultierte meinen Internisten, einen einfühlsamen Arzt mit großem Wissen, doch er hatte auch keine Antworten. Vielleicht stand ich unter Stress; vielleicht lag es an den Kindern oder dem anspruchsvollen Arbeitsplan meines Mannes; vielleicht würde es einfach noch dauern. Um meinem Mann nahe bleiben zu können, brauchte ich wenigstens zeitweise die sexuelle Verbindung. Ich war so einsam. Ich war abgestumpft – mein ganzes Leben bestand nur noch aus Alltag.
Die Monate vergingen, und ich fühlte mich elend. Meine ganze Familie fühlte sich elend. Mein Mann war besorgt und tat wirklich alles Erdenkliche, um mich zu unterstützen. Dennoch, direkt vor meinen eigenen Augen, entglitt mir mein Leben, und ich hatte nicht die Kraft, es aufzuhalten. Das kleine Pflaster brachte mir gar nichts, soweit ich das beurteilen konnte. Ich kaufte noch mehr Bücher über die Menopause und begann ein Muster zu entdecken. Diese Ärzte waren nichts weiter als Animateure, Schwätzer, die gebetsmühlenartig ihr Programm herunterspulten. Die Bücher wiederholten dieselben Gemeinplätze immer wieder: Ich würde zur Einsicht gelangen, die Intimität würde wiederkehren und das Leben wieder normal werden. Was also war bei mir anders? Warum veränderte sich nichts zum Besseren? Meine Brüste schmerzten und stachen, meine Haut war trocken und mein Geist war benebelt. Mein ganzes Leben überforderte mich total.
Zu der Zeit verfolgte ich regelmäßig Berichte über Probleme der WHI-Studie in den Nachrichten. Darin wurde behauptet, dass durch die Hormonersatz-Therapie (HET) die Anzahl der Fälle von Brustkrebs und Herzerkrankungen sogar stieg, wenn auch nur leicht. Es wurde auch behauptet, dass weder die Lebensqualität noch die sexuelle Reaktionsfähigkeit durch die übliche HET verbessert würden. Der Gedanke, dass mein Leben durch die Einnahme von Hormonen nicht verbessert, sondern sogar noch verschlechtert werden könnte, ließ mich verzweifeln. Bei jedem neuen Bericht über eine weitere negative Wirkung der gängigen HET fühlte ich mich buchstäblich krank. Ich steckte nicht nur in einem Leben fest, aus dem kein Entkommen in Sicht war; mir wurde auch noch durch wichtige klinische Studien bestätigt, welche finstere Zukunft mir, meinem Mann und meinen Kindern bevorstand. Ich würde mir andere Frauen in den Vierzigern, Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern anschauen, Frauen, die keine Probleme mit den Wechseljahren hatten, und mich fragen, warum ich so ein Jammerlappen war.
Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Bücher über die Menopause nicht weiterhalfen. Ich verstand kaum, wie die Eierstöcke arbeiteten, und warum einige Frauen früher in „den Wechsel“ kamen oder besser damit fertig wurden als andere. Ich erinnere mich an eine TV-Sendung mit dem Titel „Die Libido“. Hier wurde noch einmal bestätigt, dass Sex in der Menopause möglich sei und nichts mit der Funktion der Eierstöcke zu tun habe. Warum bloß nicht bei mir? Mein Mann sah die Sendung mit mir an und hielt mich fest im Arm, als ich über den Verlust eines geheiligten Teils unserer Ehe weinte. Er kam besser damit zurecht als ich, aber ich konnte die Trauer in seinem Gesicht sehen, und das brach mir das Herz.
Nichts von all dem ergab einen Sinn. Wenn die Menopause lediglich das Ende der Fortpflanzungsfähigkeit sein soll, warum führt sie dann zu einem vollständigen Versagen der Eierstöcke? Warum produzieren die Eierstöcke nicht weiter Hormone, aber eben ohne fruchtbar zu sein? Weil die Menopause eine totale Insuffizienz der Eierstöcke bedeutet, ein komplettes Organversagen. Wenn es also so gedacht ist, dass die Eierstöcke in der Mitte des Lebens ihre Funktion einstellen, manchmal so abrupt wie meine, dann wäre es doch nur sinnvoll, wenn mein Körper sich auf diesen Wechsel einstellen und normal weiter funktionieren würde. Doch anstatt sich anzupassen, versinkt der Körper – mein Körper – in einem „ovariellen Hormondefizit“. Jedes Organsystem wird davon negativ beeinflusst, wie das erhöhte Risiko an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Osteoporose zu erkranken, belegt. Es ergibt keinen Sinn, dass die Östrogenmenge im Brustgewebe nach der Menopause etwa genauso hoch ist wie davor. Denn wie kann Östrogen vor Darmkrebs schützen, aber Brustkrebs verursachen? Wenn sich die Sexualität nach dem Ovarialversagen angeblich nicht verändert, warum gibt es dann so viele Bücher über Sexualität nach der Menopause? Warum gibt es keine Bücher über Sexualität nach dem Versagen der Hoden? Ist das sexistisch oder realistisch? Warum produziert ein Eierstock doppelt so viel Testosteron wie Östrogen? Ich hatte so viele Fragen und nur sehr wenige Antworten.
Am wichtigsten war mir die Erhaltung meiner Gesundheit. Wenn Hormone nicht die Lösung waren, was war es dann? Die Berichte über die Women’s Health Initiative bestätigten, dass Frauen mit zunehmendem Alter unter der üblichen HET gesundheitliche Probleme bekommen. Wenn diese Hormonersatz-Therapie also keine Lösung war, funktionierte dann eine andere? Ich fand zwei kleinere Studien der amerikanischen Gesundheitsbehörde NHI (National Health Institute) mit Primaten, die zeigten, dass das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, verhindert oder zumindest deutlich reduziert werden konnte, wenn sich die Ovarialhormone im Gleichgewicht befanden. 2, 3 Wenn das stimmt, wo sind dann die größeren Studien, die eine solch wichtige Erkenntnis bestätigen würden? Wenn Brustkrebs bei Primaten verhindert werden kann, dann sollte man Studien mit Frauen durchführen. Wenn sich dann die Ergebnisse bestätigen ließen, sollte das dann nicht Standard der Vorsorge sein?
Ich begann mich damit zu beschäftigen, wie die Eierstöcke funktionieren und warum sie zu einem so frühen Zeitpunkt im Leben bereits ihren „Dienst quittieren“. Erstaunlicherweise fand ich heraus, dass so etwas eigentlich gar nicht vorgesehen ist; sie stellen ihre Funktion vielmehr deshalb ein, weil ihr Vorrat an Eizellen (Follikeln) erschöpft ist. Beobachtende Studien zeigen, dass der Zeitpunkt, an dem alle Follikel „aufgebraucht“ sind, sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden kann. Die Belastungen, denen unsere Eierstöcke ausgesetzt sind, wirken sich auf die Geschwindigkeit aus, mit der das Kontingent an Follikeln verbraucht wird. Ich glaube nicht, dass mein Körper je mit einem Versagen seiner Eierstöcke gerechnet hat. Viel logischer und natürlicher wäre doch, dass die Fruchtbarkeit der Frau mit zunehmendem Alter abnimmt und die Eierstöcke ihre Arbeit im hohen Alter verlangsamen, aber niemals einstellen. Doch ob der Körper einer Frau es erwartet oder nicht, wenn keine Eizellen mehr vorhanden sind, die Zyklus für Zyklus heranreifen können, dann hören auch die Eierstöcke auf, zu arbeiten. Da wir Frauen inzwischen eine Lebenserwartung von 80 Jahren und darüber hinaus haben, liegt es also an uns, die Funktionsfähigkeit unserer Eierstöcke zu verlängern und unserer Lebenserwartung anzupassen. Die moderne Medizin hat es den Frauen ermöglicht, selbst zu bestimmen, wann sie Kinder haben möchten. Es ist an der Zeit, dass sie den Frauen auch ein Selbstbestimmungsrecht darüber einräumt, wann und ob sie überhaupt in die Menopause kommen möchten. Jedes andere Organversagen wird mit lebensverlängernden Maßnahmen behandelt, warum also nicht auch die Eierstöcke?
Den Frauen wird von jeher erzählt, dass die Menopause unvermeidlich sei. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass das nicht so bleibt; das heißt, dass wir sie nicht länger als unvermeidlich werden akzeptieren müssen. Dies kann jedoch nur Wirklichkeit werden, wenn wir alle gemeinsam an diesem Ziel arbeiten. Es ist an der Zeit, dass wir anfangen, anders über die Menopause zu denken.
Die wichtigsten Punkte dieses Kapitels:
✔ Durch die Insuffizienz der Eierstöcke verändert sich unser Denken und Fühlen.
✔ Das Versagen der Eierstöcke beeinflusst den gesamten Körper negativ.
✔ Heutzutage leben Frauen länger als ihre Eierstöcke.
✔ Die amerikanische Women’s Health Initiative hat gezeigt, dass die übliche Hormonersatz-Therapie (HET) gesundheitsschädlich ist.
✔ Frauen sollten selbst wählen können, ob und wann sie in die Menopause kommen.
2. Kapitel: Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Ziel
Die Art unserer Kommunikation bestimmt die Art unseres Denkens. Wenn wir unser Denken verändern wollen, müssen wir zuerst sicherstellen, dass wir alle auf dieselbe Weise kommunizieren. Alle, wir Frauen und unsere Ärzte, müssen dieselben Worte gebrauchen und dasselbe damit ausdrücken wollen. Ärzte sprechen von männlichen und weiblichen Hormonen, von freien Hormonspiegeln und solchen, die den gesamten Hormonstatus betreffen; Pharmafirmen sprechen von natürlichen, synthetischen und bioidentischen Hormonen, und jeder definiert die Menopause auf seine ganz persönliche Weise. Es gibt Dutzende Bücher und Artikel, und alle beschreiben mit eigenen, leicht unterschiedlichen Worten im Wesentlichen dasselbe. Solange wir uns nicht auf einen gemeinsamen Wortschatz einigen, wird es uns auch nicht gelingen, uns auf ein gemeinsames Ziel zu einigen.
Wenn wir verstehen wollen, warum die Leistungsfähigkeit unserer Eierstöcke bis ins hohe Alter erhalten bleiben sollte und wie viel besser das für die Gesundheit wäre, müssen wir erst einmal verstehen, welche Hormone in den Ovarien produziert werden und für welche Art von Gleichgewicht sie sorgen. Wir müssen wissen, dass die zurzeit angebotene Hormonersatz-Therapie (HET) sich im Ergebnis sehr von dem Gleichgewicht unterscheidet, das funktionierende Eierstöcke gewährleisteten. Die HET ist ein dehnbarer Begriff, der die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten der Verabreichung von Ovarialhormonen beschreibt, in der Hoffnung, dass damit ein Status erreicht werden kann, der dem vor der Menopause möglichst ähnlich ist. Leider gibt es keine verbindlichen Standards, sodass die einzelnen Ärzte und die Frauen selbst ihre eigenen Behandlungspläne aufstellen müssen, oft mit enttäuschenden Ergebnissen (mehr dazu in Kapitel 6).
Was sind Hormone?
Hormone sind chemische Botenstoffe des Körpers. Die Form des Hormons, genau genommen die Form des Moleküls, bestimmt die Botschaft, für die es zuständig ist. Wie ein Schlüssel in ein Schloss passt, so verbindet sich ein Hormon mit einem passenden Rezeptor. Die Stärke eines Hormons richtet sich danach, wie gut es in seinen Rezeptor passt. Nachdem beide sich verbunden haben, faltet sich der Rezeptor um das Hormon und verändert seine Form. Diese neue Form bestimmt die Wirkungsdauer. Östradiol zum Beispiel ist ein Langzeithormon und wird daher nur in sehr kleinen Mengen im Körper gebildet. Progesteron ist dagegen ein kurzzeitig wirkendes Hormon; davon wird etwa hundert Mal mehr gebildet als von Östradiol, dem stärksten des von den Eierstöcken produzierten Östrogens.
Was sind Östrogene?
Jedes Hormon, das sich an einen Östrogenrezeptor anlagern und eine Reaktion hervorrufen kann, wird als Östrogen-Agonist bezeichnet. Ein Östrogen hat entweder eine schwache oder eine starke Wirkung, je nachdem, wie lange die Reaktion dauert und wie fest es an den Rezeptor gebunden ist.

Abbildung 1: Östradiol und sein Rezeptor
Wenn man ein Hormon als Östrogen bezeichnet, wird damit nicht seine Wirkung auf den Körper beschrieben. Das Hormonderivat Tamoxifen™ (in Deutschland unter den Handelsnamen Novaldex®, Istubal® und Valodex® erhältlich; Anm. d. Übers.) ist sehr wirksam bei der Behandlung von Brustkrebs, denn es bindet sich mit größerer Wahrscheinlichkeit an die Östrogenrezeptoren als das vom Körper selbst gebildete Östrogen. Tamoxifen verhindert daher, dass sich körpereigenes Östrogen an den Rezeptor bindet. An den Rezeptor gebundenes Tamoxifen zeigt nur eine sehr schwache Reaktion und verhindert somit das Zellwachstum, das durch körpereigenes Östrogen stimuliert worden wäre. Ein weiteres vom Körper gebildetes Östrogen ist das Östron. Es ist wie Tamoxifen ein sehr schwaches und um viele Male weniger wirksames Östrogen als Östradiol. Dann gibt es noch das Östriol, ein noch schwächeres Östrogen. Östradiol, Östron, Östriol und das Hormonderivat Tamoxifen sind alles ähnliche Stoffe, da sie sich an Östrogenrezeptoren binden. Sie verursachen aber sehr unterschiedliche Reaktionen und werden zu ganz verschiedenen Zwecken eingesetzt.
Wie Östradiol gebildet wird
Östradiol wird durch ein Enzym namens Aromatase direkt aus Testosteron hergestellt. Es entsteht in einem sich entwickelnden Follikel im Eierstock, wird aber auch von den Nebennieren und im Fettgewebe gebildet. Zunächst entsteht das Testosteron an der Außenseite der Eizelle; eine geringe Menge davon wird in Östradiol umgewandelt. Dann werden beide Hormone in das Blut freigesetzt.1

Abbildung 2: Hormonbildung in einer sich entwickelnden Eizelle; Testosteron + Aromatase (Enzym) = Östradiol
Bindung von Hormonen im Blut
Im Blut werden die Hormone entweder sehr fest an Bindungsproteine (Moleküle) gebunden oder sie befinden sich ungebunden und „frei“ im Blutstrom. Gebundene Hormone werden als biologisch inaktiv erachtet, das heißt, sie haben keine Wirkung auf die Körperzellen. „Freie“ oder biologisch aktive Hormone stehen dem Körper hingegen zur Verfügung. Jedes Hormon kommt in extrem kleinen Mengen in „freier“ Form im Blut vor. Der „gesamte“ Spiegel eines Hormons setzt sich aus der Summe der „freien“ und „gebundenen“ Mengen zusammen. Die folgende Abbildung 3 veranschaulicht die relativen Mengen von freien und gesamten Spiegeln der Ovarialhormone. Von besonderer Wichtigkeit ist der extrem geringe Prozentsatz an freiem Östradiol, freiem Testosteron und freiem Progesteron. Mit anderen Worten: Gesamthormonspiegel = freie + gebundene Hormone.

Abbildung 3: Freie und Gesamtspiegel von Ovarialhormonen (pg/ml = Picogramm pro Milliliter)
Die Menge an freiem Hormon ist von Bedeutung, da es der biologisch aktive Teil ist, also der Teil, der die Dinge in Gang setzt. Östradiol und Testosteron werden an dasselbe Molekül, das Sexualhormon-bindende Globulin oder kurz SHBG, gebunden (siehe Abb. 4). SHBG wird in der Leber gebildet, seine Produktion wird von steigenden Östradiol- und Testosteronspiegeln unterschiedlich beeinflusst. Wird in der Leber ein stark ansteigender Östradiolspiegel registriert, zum Beispiel durch die Einnahme einer Östrogenpille, wird die Produktion von SHBG erhöht. Bei einem stark ansteigenden Testosteronspiegel, zum Beispiel durch eine Testosteronpille, produziert die Leber weniger SHBG. Auf eine langsamere Aufnahme von Östradiol über die Haut, zum Beispiel über ein Pflaster, eine Creme oder ein Gel, reagiert die Leber schwächer und der SHBG-Spiegel steigt, wenn überhaupt, nur leicht an. Dasselbe gilt umgekehrt für eine langsamere Aufnahme von Testosteron über die Haut durch ein Pflaster, eine Creme oder ein Gel. Auch hier kommt es nur zu einer geringfügigen Reaktion der Leber und der SHBG-Spiegel sinkt, wenn überhaupt, nur leicht ab. Ein wichtiger Vorteil der Einschleusung von Hormonen über die Haut ist daher die direkte Absorption unter Umgehung der Leber. Außerdem wird durch diese so genannte perkutane Anwendung von Östrogen und Testosteron der Triglyzeridspiegel nicht erhöht, der einen Risikofaktor für Herzerkrankungen darstellt. Die Menge von SHBG spielt eine wichtige Rolle, da höhere SHBG-Spiegel die Menge an freiem Östradiol und freiem Testosteron im Blut verringern.

Abbildung 4: Höhere SHBG-Spiegel führen zu weniger freiem Östradiol und weniger freiem Testosteron

Abbildung 5: Weniger SHBG führt zu höheren Spiegeln an freiem Östradiol und freiem Testosteron
Hormonpräparate
Um die Menopause zu vermeiden oder um einen ausgeglichenen ovariellen Hormonstatus wiederherzustellen, wären Hormonpräparate notwendig, die Östradiol, Testosteron oder Progesteron oder eine Kombination dieser Hormone enthalten. Zum besseren Verständnis einer Behandlung, die der Gesundheit unserer Eierstöcke dient, sollte vorausgesetzt werden können, dass alle Beteiligten dasselbe Produkt mit demselben Namen bezeichnen. Dass dem nicht so ist, zeigt die folgende Liste mit den verschiedenen gängigen Bezeichnungen für die in den Eierstöcken produzierten Hormone.
| Östradiol: | Testosteron: | Progesteron: |
| 1. Östradiol | 1. Testosteron | 1. Progesteron |
| 2. 17beta-Östradiol | 2. T | 2. P4 |
| 3. 17-Östradiol | 3. Testosteron USP | 3. Progesteron USP |
| 4. E2 | ||
| 5. Östradiol USP | ||
| 6. Östrogen | ||
Wodurch unterscheiden sich synthetische, natürliche, bioidentische und patentrechtlich geschützte Hormone?
Oft werden Hormone als natürlich vermarktet, wodurch der Anschein erweckt wird, sie seien besser als synthetische. Es reicht aber nicht aus, ein Hormonpräparat als natürlich oder synthetisch zu bezeichnen, da sich daraus nicht ableiten lässt, was man von ihm erwarten kann. Die Wirksamkeit eines Hormons wird nur durch seine chemische Struktur bestimmt, nicht durch seine Herkunft. Am wirksamsten sind daher bioidentische (auch naturidentische oder körperidentische) Hormone, die exakte Kopien der körpereigenen Hormone sind. Mit Ausnahme einiger weniger bioidentischen Hormone, die aus Urin (Abb. 6) gewonnen werden, werden sie alle im Labor hergestellt und sind oft pflanzlichen Ursprungs. Es kommt darauf an, sie in den vom Körper selbst produzierten Mengen einzusetzen, um damit so exakt wie möglich dieselbe Wirkung zu erzielen. Da bioidentische Hormone eine exakte Nachbildung der vom Körper selbst produzierten Hormone sind, kommt es nur selten, wenn überhaupt, zu Nebenwirkungen.

Abbildung 6: Beispiele für natürliche, synthetische und patentierte Hormone
Die Pharmafirmen wissen all das. Die Entwicklung beginnt mit einem bioidentischen Hormon, das dieselbe Molekularstruktur wie das körpereigene hat. Dann wird es so geringfügig wie möglich, aber gerade so weit verändert, dass es patentiert werden kann. Dieses Hormon ersetzt dann das bioidentische; seine Wirkung ist zwar ähnlich, aber eben nicht dieselbe, und es hat meist Nebenwirkungen, da es nicht genau dem vom Körper selbst hergestellten Hormon entspricht. Mit dem Verkauf von patentrechtlich geschützten Hormonen, auf die sie ein Monopol haben, können Pharmafirmen natürlich wesentlich mehr Geld verdienen, denn diese können nicht von anderen Firmen vertrieben werden. Auch die Herstellung von Generika, also wirkstoffgleichen Kopien, ist siebzehn Jahre lang nicht möglich. Bioidentische Hormone selbst sind nicht patentfähig, lediglich das Verfahren zu ihrer Herstellung, und damit lässt sich natürlich viel weniger Geld verdienen.
Warum sollte man von einem Versagen der Eierstöcke sprechen und nicht von Menopause?
Das Wort Menopause leitet sich von einer griechischen Redewendung ab und bedeutet etwa „der letzte Monat steht bevor“. Das Wort Menopause bedeutet also eigentlich, dass der letzte Monat, in dem die Eierstöcke ihre Funktion ausüben, gekommen ist, was wiederum heißen würde, dass die allerletzte Menstruation bevorsteht. Dementsprechend beschreibt das Wort Menopause also gar nicht die Funktion der Eierstöcke, sondern ihr Versagen. Der Begriff Prä-Menopause hat folgende Bedeutungen bekommen: Entweder a) die Zeit, in der der Menstruationszyklus unregelmäßig geworden ist, oder b) Symptome einer bevorstehenden Ovarialinsuffizienz werden beobachtet.
Die Begriffe Menopause und Prä-Menopause können auf die unterschiedlichste Weise benutzt werden und bedeuten immer etwas anderes. Ich denke, es ist eindeutiger und verständlicher, von einem Versagen oder einer Insuffizienz der Eierstöcke und nicht mehr funktionierenden Eierstöcken zu sprechen. Das mag drastisch erscheinen, kommt der Wahrheit aber viel näher. Wir verstehen uns gegenseitig wahrscheinlich viel besser – und unsere Ärzte können den Ernst unserer Lage eher nachvollziehen, wenn wir von nicht mehr funktionierenden Eierstöcken anstatt von Prä-Menopause sprechen. Der Gebrauch einer solch direkten Sprache ermutigt uns auch dazu, klarere und klügere Entscheidungen für uns selbst zu treffen.
Manchen Frauen lassen ihre Eierstöcke entfernen und andere nehmen Medikamente, die den Ovarien schaden, sodass sie ihre Funktion einstellen. Alle diese Frauen haben dieselben Symptome wie diejenigen, deren Eierstöcke schon versagt haben, nur dass die Symptome abrupter und weniger schleichend auftreten. Ein weiterer Begriff für die durch die Entfernung der Eierstöcke verursachte Menopause ist „operative Kastration“ oder „operative Menopause“. Stellen die Eierstöcke ihre Funktion aufgrund von Medikamenten ein, zum Beispiel durch eine Chemotherapie, so spricht man von „chemischer Kastration“. Die Hormonspiegel nach der Menopause und nach einer „Kastration“ sind identisch. Es ist in der Tat so, dass die Auswirkung der Menopause – ungeachtet ihrer Ursache – dieselbe ist wie die einer Kastration.
Ob die Eierstöcke durch Verletzung, Operation, medikamentöse Behandlung oder Organversagen ohne Einwirkung von außen insuffizient werden – es handelt sich immer um eine Kastration. Jede Frau, die länger lebt als ihre Eierstöcke, lebt bis zu ihrem Tod als Kastratin. Der Gedanke, dass man alle Männer über fünfzig Jahre kastrieren würde, ist ungeheuerlich. Doch dass alle Frauen ihr Leben als Kastratinnen beenden, wird nicht nur hingenommen, sondern auch noch von der Ärzteschaft unterstützt. Man erzählt ihnen, das sei eben ihr Los. Die Ärzte haben niemals wirklich versucht, die Funktion der Eierstöcke mit Ovarialhormonen wieder in Gang zu bringen. Obwohl das Ziel der Women’s Health Initiative darin bestand, „Strategien zur Vorbeugung und Kontrolle von allgemeinen Ursachen der Morbidität und Mortalität zu erforschen“ 2, wie Herzkrankheiten, Knochenschwund und Krebs, wurde die Studie als Hormonersatz-Therapie (HET) dargestellt, um Teilnehmerinnen zu akquirieren. Es klingt, als werde dadurch die Funktion der Eierstöcke ersetzt. Ein Vergleich der Hormonspiegel unter einer HET und in der Prä-Menopause zeigt jedoch, dass die HET überhaupt keinen Einfluss auf die Funktion der Eierstöcke hat. Sie arbeitet nur mit minimalen Mengen normaler Ovarialhormone und war niemals dafür konzipiert, die Funktion der Eierstöcke zu ersetzen (mehr dazu in Kapitel 6).
Die Ärzte erzählen den Frauen, dass die Menopause ein normaler und natürlicher Vorgang sei, was gleichbedeutend mit der Aussage ist, kastriert zu werden sei normal und natürlich. Sie raten den Frauen, sich damit abzufinden und weiterhin so zu leben, als seien sie nicht kastriert. Es ist an der Zeit, dass wir selbst und unsere Ärzte ehrlich mit uns sind. Wir sollten die Menopause endlich einer realistischen Betrachtungsweise unterziehen.
Die Hormone der Eierstöcke haben vielfältige Aufgaben
Die primär in den Eierstöcken gebildeten Hormone Testosteron, Progesteron und Östradiol unterstützen jedes Organsystem in seiner Funktion; insofern ist jedes Organ von einer Ovarialinsuffizienz betroffen. Die Eierstöcke leisten weitaus mehr als die bloße Bereitstellung von Eizellen für die Fortpflanzung sowie von Östradiol und Testosteron für die Sexualität; sie tragen in erheblichem Maße dazu bei, die Frau gesund zu erhalten. Östradiol wird seit Langem als weibliches, Testosteron als männliches Hormon bezeichnet. Doch in Wirklichkeit existiert eine solche Trennung nicht; Männer und Frauen produzieren lediglich unterschiedliche Mengen derselben Hormone.
Wie viele Organsysteme von den Hormonen der Eierstöcke beeinflusst werden, sieht man daran, wo überall im Körper sich Rezeptoren für Östrogen, Androgen (z.B. Testosteron) und Progesteron befinden. In der folgenden Tabelle werden einige Organsysteme genannt, deren optimale Funktion von Ovarialhormonen abhängt, und wie sie auf den Funktionsausfall der Eierstöcke reagieren.
| Organsystem | Ovarialinsuffizienz |
| Brust | 30-facher Anstieg von Brustkrebs 3, Verminderung des Brustfettgewebes, wodurch sie erschlafft; Empfindlichkeit und Erektion der Brustwarzen gehen verloren |
| Blutgefäße, Herzkrankheiten | Beschleunigter Elastizitätsverlust der Arterien 4, Bluthochdruck, deutlich erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen 5, Herzklopfen 6, Hitzewallungen |
| Mund, Zähne | Mundtrockenheit, Zunahme von Zahnfleischerkrankungen, vermehrtes Risiko von Zahnverlust durch Osteoporose, abnormes Geschmacksempfinden, menopausale Zahnfäule, Zahnfleischschwund, Karies 7, 8 |
| Haut | Beschleunigte degenerative Veränderungen, Verlust der Elastizität, zunehmende Faltenbildung, trockene Haut 3, Verlust der Berührungssensibilität, Kribbeln in Händen und Füßen |
| Gehirn | „Vernebeltes“ Denken, Gedächtnisprobleme 10 |
| Gebärmutter | 15-fache Zunahme von Gebärmutterkrebs nach Ovarialinsuffizienz 3 |
| Scheide, Klitoris | Elastizitätsverlust und Schrumpfung (kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen), vermehrtes Risiko von Vaginalfissuren (Schleimhautrisse), deutlicher Empfindlichkeitsverlust der Klitoris, deutlich verminderte sexuelle Reaktionsfähigkeit (Stimulation und Orgasmus) 11,12, Anorgasmie (Unfähigkeit zum Orgasmus zu kommen) 12 |
| Speiseröhre | Vermehrtes Sodbrennen |
| Magen-Darm-Trakt | Vermehrte Blähungen 13 bei 2/3 der Frauen |
| Leber | Erhöhung von Cholesterin und anderen Fetten |
| Knochen | Knochenschwund bei allen Frauen in unterschiedlichen Graden; Osteoporose als Risikofaktor für Zahnfleischerkrankungen 14, vermehrte Gelenkschmerzen |
| Augen, Ohren | Trockene Augen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Schwindel |
| Blase, Harnröhre | Schrumpfen von Blase und Harnleiter, Inkontinenz, häufigeres Wasserlassen |
| Stoffwechsel, Fettverteilung | Gewichtszunahme, verlangsamter Stoffwechsel 15, Schilddrüsenunterfunktion, Neuverteilung von Fett im Bauchbereich 16, verminderte Ansprechbarkeit auf Insulin |
| Muskel | Verminderter Muskeltonus und verminderte Muskelkraft 17, 18 |
| Schlaf | Schlaflosigkeit bei 50 Prozent der Frauen über 50 Jahre, vermehrtes Auftreten von Atemstörungen während des Schlafes (Schlaf-Apnoe) 19, 20, vermehrtes Schnarchen 21 |
| Haare, Nägel | Haarausfall, auch im Genitalbereich, vermehrte Gesichtsbehaarung, brüchige Fingernägel |
| Nervensystem | Angstzustände, Stimmungsschwankungen, Depressionen |
Tabelle 1: Einfluss der Ovarialinsuffizienz auf die Körperorgane
Alle Organsysteme werden durch die in den Eierstöcken gebildeten Hormone in ihrer Funktion unterstützt. Daraus folgt, dass das Versagen der Eierstöcke jedes Organ negativ beeinflusst.
Außer den drei normalerweise mit den Eierstöcken assoziierten Hormonarten Östrogen, Androgen und Progesteron gibt es noch viele andere. So bilden die Eierstöcke auch Hormone, die mit dem Gehirn in Verbindung stehen. Zudem werden in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus, also vor dem Eisprung (Ovulation), andere Hormone gebildet als in der zweiten Hälfte des Zyklus, nach der Ovulation. Aus mehreren kleinen Studien geht hervor, dass Frauen, die in der zweiten Hälfte ihres Menstruationszyklus an Brustkrebs operiert werden, geringfügig höhere Überlebensraten zeigen, als diejenigen, deren Operation in die erste Zyklushälfte fällt.22, 23 Das kann am Progesteron liegen; es kann aber auch mit den in der zweiten Zyklushälfte gebildeten Hormonen zu tun haben. Solche Studien werfen interessante Fragen auf, und wir hoffen, dass wir künftig durch eine größere Anzahl weiterer Studien dieser Art noch mehr Antworten bekommen werden.
Der Einfluss funktionierender Eierstöcke auf den ganzen Körper zeigt sich zum Beispiel auch daran, wie Frauen durch die entsprechenden Hormone vor Herzerkrankungen geschützt werden. Wenn die Eierstöcke langsam insuffizient werden, bilden sie zunehmend weniger Hormone, bis sie schließlich nach dem völligen Versagen die Produktion ganz einstellen. Anhand von Studien kann man zeigen, dass zeitgleich mit dem Abfall der Hormonspiegel die Plaquebildung in den Arterien zunimmt.24, 25, 26 Interessanterweise bilden die Hoden dieselben Hormone, jedoch weniger als die Eierstöcke. Dies legt den Verdacht nahe, dass ein Mangel an Ovarialhormonen zur Entwicklung von Herzerkrankungen beitragen kann und bietet eine Erklärung dafür, warum Männer im Durchschnitt etwa zehn Jahre früher herzkrank werden als Frauen. Auch hier können nur weitere Studien die entsprechenden Antworten liefern.
Der Menopause vorzubeugen heißt, die Insuffizienz der Eierstöcke zu verhindern. In diesem Bemühen müssen wir zusammenarbeiten, dieselbe Sprache sprechen und dieselben Ziele verfolgen. Wir müssen unser Handeln und den Grund für unser Handeln verstehen. Die Eierstöcke werden als Organe unterschätzt; doch sie leisten einen großen Beitrag zum gesamten Wohlbefinden der Frau. Daher sollten sich die Behandlungsangebote darauf konzentrieren, die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke so lange wie möglich zu erhalten. Die Menopause ist so drastisch wie eine Kastration, denn sie ist eine Kastration. Wir müssen alles daransetzen, damit die Generation von heute die letzte ist, die unter dem Versagen ihrer Eierstöcke zu leiden hat, und damit die Menopause künftig nicht mehr unausweichlich ist.
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