Kitabı oku: «Die Regulus-Botschaften»
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Bettina Büx
Die REGULUS-Botschaften
Band I
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1. Ein-Sicht
Die Frage nach der Frage
2. Ein-Sicht
Zum Bilde Gottes schuf Er ihn
3. Ein-Sicht
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
4. Ein-Sicht
Die Göttliche Komödie
5. Ein-Sicht
Der Kampf der Giganten
6. Ein-Sicht
Wo ein Wille, da ein Schöpfer
7. Ein-Sicht
Wünsch Dir, was Du willst
8. Ein-Sicht
Die Spiegelfunktion der Außenwelt
9. Ein-Sicht
Himmlisches Netz und irdisches Hochseil
10. Ein-Sicht
Das Maß aller Dinge
11. Ein-Sicht
Jeder ist Dir selbst der Nächste
12. Ein-Sicht
Die Angst vor der Liebe
13. Ein-Sicht
Von meinen Schultern alle Last
14. Ein-Sicht
Handeln und Sein
15. Ein-Sicht
Geist und Materie
16. Ein-Sicht
Im Zentrum der Macht
17. Ein-Sicht
Die Logik des Universums
18. Ein-Sicht
Die Illusion der Schuldfähigkeit
19. Ein-Sicht
Und Er schuf Dich als Mann und Frau
20. Ein-Sicht
... bis dass der Tod Euch scheidet
21. Ein-Sicht
Die Lust mit dem Frust
22. Ein-Sicht
Schicksal und Liebe
23. Ein-Sicht
Irdische Herrschaft und himmlische Autorität
24. Ein-Sicht
Was heilt, hat Recht
25. Ein-Sicht
Vom Himmel hoch, da komm ich her
26. Ein-Sicht
Des Wahnsinns fette Beute
27. Ein-Sicht
Walt Disneys »Der König der Löwen«(USA 1993)
Nachwort
Über die Autorin
Quellenverzeichnis
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eBook
(1. Auflage Printversion April 2017)
Erstauflage: © EchnAton Verlag Diana Schulz e.K.
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf –
auch teilweise – nur mit Genehmigung des
Verlages wiedergegeben werden.
Gesamtherstellung: Diana Schulz
Coverfoto: dreamstime©Vitaliy Smolygin
Lektorat: Angelika Funk
ISBN (Printversion): 978-3-937883-91-5
ISBN (E-Book): 978-3-937883-92-2
www.echnaton-verlag.de
In ganz besonderer und tiefer Liebe und Dankbarkeit widme ich dieses Buch Herrn Raul Niemann (†), der zu keinem Zeitpunkt den klaren und ungetrübten Blick für das Wesentliche verlor. Ohne ihn würde es das hier vorliegende Werk in dieser Form nicht geben.
Liebe ist ...
... Gott und Gott ist Liebe. Liebe ist gänzlich offenbar und dennoch gänzlich Geheimnis.
Liebe ist der Stoff, aus dem alles gemacht ist, was jemals nach ihr fragen kann und dennoch das größtmögliche aller Mysterien. Sie genügt sich selbst vollkommen und ist dennoch in ewiger Ausdehnung begriffen.
Liebe ist nicht teilbar. Sie gibt sich ganz und gar hinweg und bleibt dennoch ganz und gar bei sich selbst.
Liebe ist wahrhaft wunderbar, denn sie ist selbst das Wunder. Sie ist die unendliche Faszination des Göttlichen vor sich selbst. Sie ist der Kniefall des Schöpfers vor seinem eigenen Spiegelbild. Sie ist die ewige und einzige Antwort Gottes auf seine Frage nach sich selbst. Sie ist die Wahrnehmung von Vollkommenheit.
Liebe ist die heilige Selbstwahrnehmung Gottes.
Regulus
Vorwort
»Wer spricht denn eigentlich hier?«
Liebe Leserin, lieber Leser,
dieses Buch, das Sie in Händen halten, darf wohl mit Fug und Recht von sich behaupten, einer höheren Quelle als meines bewussten, rationalen Verstandes zu entstammen, und wenn ich auch die Verfasserin bin, so bin ich dennoch nicht der geistige Urheber dieser Seiten.
Seit der Niederschrift der ersten Kapitel von Des Menschen Wunsch und Gottes Wille wurde ich oft zur Identität ›meiner‹ Autoren befragt, die mit ihren einfühlsamen, verständnisvollen Worten der Liebe und der Weisheit unseren Weg in Richtung Dimensionensprung begleiten. Auch jetzt bin ich selbst immer noch und immer wieder von der Tragweite der geduldigen und liebevollen Worte überrascht, die in sehr warmherziger Weise übermittelt werden. Ich bin dankbar für die wohltuende Klarheit der Aussagen, die niemals den Blick vom Wesentlichen abwenden und eindeutige Orientierungshilfe bieten.
Wie Sie sich selbst überzeugen werden, spricht die Botschaft der Übermittlungen für sich selbst und damit auch für die erhabene Qualität ihrer Quelle, denn der einzige Punkt, in dem die Aussagen von unbestechlicher Kompromisslosigkeit sind, ist die immer wiederkehrende eindringliche Aufforderung zur Liebe. Obwohl der ›Autor‹ in dieser Hinsicht absolut ›unnachgiebig‹ ist, übermittelt er seine Einsichten mit ausgesprochen warmer Herzlichkeit. Weil Sie, liebe Leser, die emotionale Schwingung der Mitteilungen nicht unbedingt ›originalgetreu‹ nachempfinden können, merke ich im Verlauf der Aufzeichnungen ausdrücklich an, wenn eine Übermittlung augenzwinkernd gemeint ist. Die Quelle dieser Worte hat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass alle formalen Mittel zu nutzen sind, die der Betonung und Unterstützung der Botschaft dienen. Dem Folge leistend wird, entgegen der Rechtschreibreform, auf die Großschreibung der direkten Anrede zurückgegriffen. Da dies ebenso der Fall ist bei allen Anreden, die sich unmittelbar auf Gott beziehen, wird der Mensch sprachlich-formal bewusst auf ein und dieselbe Ebene mit dem Göttlichen erhoben. Alles andere würde der Kernbotschaft der Mitteilungen widersprechen. Was nun die Identität angeht, so lasse ich ›sie‹ im Folgenden am besten selbst zu Wort kommen:
»Da unser Sein im Bewusstsein des All-Einen ist, würdet ihr Menschen unsere Namen nicht als Namen erkennen. Ihr würdet nicht wahrnehmen können, dass sie bei völligem Gewahrsein der Einheit dennoch Individualität kennzeichnen, denn dies scheint aus Eurer dualen Sichtposition heraus ein unüberwindlicher Widerspruch.
Namen trennen uns genauso wenig von der Urquelle allen Seins, wie Namenlosigkeit uns identitätslos macht. Somit sind Namensgebung und Namenlosigkeit für uns gleich-gültig, denn wir sind, was wir sind. Eure Frage nach Namen ist Eurer Sichtposition entsprechend angemessen und nachvollziehbar und wir werden ihr Folge leisten, jedoch nicht, ohne ausdrücklich zu betonen, dass wir, wenn wir Euch Namen nennen, immer nur das bieten können, was Ihr als Pseudonym bezeichnen würdet.
Ihr Menschen bezeichnet uns als geistige Führer, Lehrer, Wegbegleiter, außerhalb des aktiven Inkarnationszyklus stehend und Euch dennoch seit Äonen zutiefst verbunden. Wir sind hier mit der ausdrücklichen Intention, gezielt unter jenen Einfluss nehmend zu wirken, die sowohl das Potenzial als auch den Willen für den Umstieg in die neue Schwingungsqualität mitgebracht haben. Wir sind hier, das in Bewegung zu setzen, was bewegt sein will.
Wir sind die Gruppe um Regulus.«
——————————
(Anm. der Verfasserin:
Regulus: lat.: ›kleiner König‹.
Regulus: hellster Stern im Sternbild des Löwen.
Regulus: zool.: das ›Goldhähnchen‹; kleinster Singvogel Europas.)
Einleitung
»Sagen Sie, hier ist so viel los, gibt's hier was umsonst?«
Kein Mensch geht auf Erden, der sich nicht die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens gestellt hätte. So jemand dies tatsächlich nicht getan hat, wird ihn sein Leben mit Sicherheit irgendwann in eine Situation bringen, die ihn geradezu dazu zwingt, es zu tun, er selbst wird sich dazu ›zwingen‹. Kein Lebewesen, das über ein Bewusstsein seiner selbst verfügt, kommt um diese Frage umhin – und keines würde es wollen.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist so alt wie die Menschheit selbst, denn sie zu stellen wurde ihr das Bewusstsein gegeben, es zu können. Die Frage der Sinnhaftigkeit ist letztlich deshalb so unwiderstehlich, weil sie die Frage nach der Identität impliziert. Niemand kann jemals für sich klären, warum er lebt, ohne zu wissen, wer und was er ist, denn die Sinnhaftigkeit dessen, was jemand tut, definiert sich zwingend durch seine Identität.
In dieser Zeit bevölkern mehr Menschen die Erde als jemals zuvor. Wenn wir voraussetzen, dass Sie dies nicht als bloßen Zufall werten, stellt sich die Frage, wieso dem so ist. In diesen besonderen Zeiten des allgemeinen geistigen Umbruchs scheinen mehr Menschen als je zuvor ein Interesse daran zu haben, hier zu sein, von all den unsichtbaren geistigen Wesenheiten, die die Erde besuchen, ganz zu schweigen. Nun, offenbar gibt es hier tatsächlich etwas umsonst. Die Analyse der Frage, worum es sich dabei handeln könnte, ist Sinn und Zweck dieser Aufzeichnungen, um sie schließlich mit den besonderen Möglichkeiten und gewaltigen Chancen zur Selbsterkenntnis, die das irdische Leben bietet, zu beantworten.
Diese Worte sind lediglich eine liebevolle Einladung an Sie. Es sei ganz Ihnen überlassen, sie anzunehmen oder abzulehnen, denn Wahrheit ist für einen Menschen immer das, was er dafür halten will. Und das ist gut so.
Bettina Büx
1. Ein-Sicht
Die Frage nach der Frage
Dem winkt der Erfolg, wer der rechten Fährte folgt
Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, dies ist ein Buch über Dich. Es ist ein Buch nur über Dich, ausschließlich, auch wenn es Dir nicht so scheinen mag. Aber Du weißt, dass der Schein trügt. Wüsstest Du es nicht, würdest Du dieses Buch nicht in Händen halten. Nur um Dich geht es hier und das ist gut so, denn Du selbst bist das Wichtigste, das es in Deinem Leben geben kann. Du solltest es sein wollen. Wenn dem nicht so ist, dann bist Du bei Deiner Lektüre noch nicht einmal bei Zeile zehn und bist Dir schon selbst auf der Spur. Du bist soeben auf die Ursache all Deiner Probleme gestoßen.
Mir bist Du sehr wohl das Wichtigste auf der Welt, deshalb erschaffst Du, mit meiner Unterstützung, dieses Buch über Dich. Du bist mir das Wichtigste, weil Ich mir selbst das Wichtigste bin. Sieh, Du und Ich, wir sind eins und deshalb kannst auch Du mir nur das Wichtigste sein. Ich bin Du und Du bist Ich. Der einzige Unterschied zwischen Dir und mir, zwischen uns beiden, ist der, dass Ich das weiß. Aus diesem Grunde ist es völlig offensichtlich, dass Du selbst es bist, der sich mit diesen Zeilen ein Geschenk anbietet.
Zweifelst Du daran? Wie kannst Du daran zweifeln wollen, so Du es doch in Händen hältst und Deine physischen Augen über die Zeilen huschen, suchend nach Dir selbst? Diese Worte, die Du Dir selbst anbietest, der höchsten Quelle, dem Größten in Dir entstammend, sind wahrlich ein Geschenk. Du hast es Dir erschaffen, jetzt, in diesem heiligen Augenblick, erschaffst Du diese Zeilen. Und so legt schon allein die Tatsache, dass Du Dir selbst dieses Geschenk bringst, Zeugnis ab, Zeugnis Deiner unermesslichen Größe und Deiner wahren Identität. Sie mag noch vor Dir selbst verborgen scheinen, doch bist Du im Begriff, zur Erkenntnis dessen, wer und was Du wirklich bist, erwachen zu wollen. Wenn dem nicht so wäre, hättest Du das Geschenk der Offenbarung dankend abgelehnt, wie Du es so oft getan hast. Es ist Deine bewusste Absicht, es dieses Mal anzunehmen, die diesen Augenblick wahrhaft heiligt. Du heiligst ihn, weil Du Dich selbst heiligst.
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, gewiss hast Du viele Bücher gelesen, die Dir die Sinnhaftigkeit Deines irdischen Lebensausdrucks offenbaren. Du suchst nach Antworten auf all Deine Fragen, nach Lösungen für Deine Probleme. Und davon hast Du viele, so will es Dir zumindest scheinen. Da Du jedoch fühlst, dass der Schein oftmals trügt, wird es Dich vielleicht nicht wundern, wenn Ich Dir sage, dass Du im Grunde nur ein einziges Problem hast.
Ein einziges Problem, in verschiedene Gewänder gekleidet, kann Dir vorgaukeln, dass es deren viele sind, doch vermag das nichts an der Wirklichkeit zu ändern. Noch hast Du Deine Antworten und Lösungen nicht in zufriedenstellender Weise gefunden, doch diese Zeilen, die Du in Händen hältst, legen Zeugnis davon ab, dass Du fragst und Dir selbst gleichermaßen antwortest. Nur da und dort, wo die Frage ist, kann auch die Antwort sein, denn nie kann eine Energie von ihrer Quelle getrennt sein und nie kann eine Frage ohne Antwort existieren. Die Antwort liegt allzeit in der Frage, so wie die Lösung im Problem liegt und nur hier gefunden werden kann. Die Frage beantwortet sich selbst und das Problem löst sich selbst. Beide sind eins, das Potenzial der Frage ist auch ihr Antwortpotenzial, das Potenzial des Problems ist auch sein Lösungspotenzial.
Nun, mein lieber Freund, meine liebe Freundin, Du hast des Rätsels Lösung offenbar am falschen ›Ort‹ gesucht. Kein Buch der Welt kann Dir wirklich Lösungen für Deine Probleme bieten, wie könnte es auch, es ist nur Papier und Druckerschwärze. Dennoch ist es sehr viel mehr, denn in Buchgestalt kannst Du Dir selbst begegnen und Dir sagen, wo Du suchen musst, um Deiner Antworten und Problemlösungen gewahr zu werden.
Diese Deine Zeilen hast Du zu Dir gerufen, in Deine physische Ausdrucksform hinein, um Dir zu geben, wonach Dein Herz verlangt. Es hat gerufen und es ist niemals möglich, dass Du vergeblich bittest. Nichts Geringeres als das Höchste in Dir, das, was sich selbst erkennen will, hat Deine Fürsprache für Dich erbeten.
Nie bist Du allein in Deiner Not.
Bevor Du Dir die Fragen, die Du stellst, beantworten kannst, solltest Du Dich einigen Fragen öffnen, die Du Dir bisher nicht gestellt hast, zumindest hast Du dies nicht in Zusammenhang mit Deinen Problemen getan.
Nun, dies beweist sich einfach aufgrund der Tatsache, dass Du Probleme hast. Siehst Du, es ist notwendig diese grundlegenden Dinge klarzustellen, denn Deine Nöte gründen zum maßgeblichen Teil auf der Tatsache, dass Du Dir diese Fragen nicht stellst. Es geht um Dich, um Deine Identität, es geht darum, wer und was Du bist. Du magst glauben, es gebe in Bezug auf Dich selbst keine Geheimnisse, keine offenen Fragen und nichts mehr zu entdecken.
Ihr lieben bekümmerten Menschen, all Eure Schwierigkeiten, individuell wie kollektiv, entspringen der Tatsache, dass Ihr nicht wisst, was Ihr tut. Wahrlich, Ihr wisst es nicht. Ihr könnt nicht wissen, was Ihr tut, weil Ihr nicht wisst, was und wer Ihr seid. Die Einsicht des einen ist ohne die Einsicht des anderen nicht möglich. Sie bedingen sich gegenseitig, da Ihr das tut, was Ihr seid. Tun ist sich in Handlung selbsterkennendes, selbsterschaffendes Sein. Handlung ist bewegtes Sein, Energie in Bewegung.
Du bist, was Du tust – Du tust, was Du bist:
Deine Handlungen entsprechen dem, was Du zu sein glaubst.
Einzig das Erkennen Deiner wahren Natur, das Gewahrwerden Deiner wirklichen Identität, kann Dir bei Deiner Problemlösung weiterhelfen.
Dieses Erkennen ist Deine Problemlösung: vollkommen, allumfassend. Das Gewahrwerden Deines wirklichen Selbst enttarnt all Deine Kümmernisse und Nöte als das, was sie wirklich sind: Illusionen. Sie sind Irrtümer in Bezug auf Dich selbst, Fehlwahrnehmungen. Nun, meine Lieben, wenn das keine Problemlösung ist! Kann es eine vollständigere Problembewältigung geben als die Erkenntnis, dass es keines ist? Wo ist das Problem, wenn Du erkennst, dass Du Dich einfach nur geirrt hast? Ist ein Problem kein Problem mehr, dann ist es gelöst! Vollkommen.
Für Dich, der Du diese Zeilen in Händen hältst, sind Deine Kümmernisse und Ängste jedoch sehr real, begründet und berechtigt. Nun, das sind sie in gewisser Weise tatsächlich und damit Du Mittel und Wege für eine Wendung zum Besseren erforschen kannst, solltest Du Dir im Klaren darüber sein, wer Du bist.
In diesem Gewahrwerden, diesem Erkennen, liegt die Lösung. Das Gewahrsein bedingt nicht die Lösung, es ist die Lösung. Solange Du diesbezüglich keine Klarheit hast, kannst Du unmöglich erkennen, warum Deine Probleme überhaupt Probleme sind. Willst Du effektive Problemlösung betreiben, dann ist es also völlig logisch, Du stellst erst einmal fest, mit wem Du es eigentlich zu tun hast.
Sieh in den Spiegel und blicke auf Dein Menschsein, dann schließe die Augen und blicke auf Dich selbst.
Erst dann, wenn Du ›nichts‹ siehst, siehst Du alles. Wenn Du ›nichts‹ siehst, siehst Du Dich selbst, denn sowie Du ›etwas‹ siehst, begrenzt Du Dein Gewahrsein Deiner selbst auf das, was Du siehst. Wo Du Begrenzung wahrnimmst, siehst Du nur Bruchstücke und wo nur Bruchstücke sind, kannst unmöglich ›Du‹ sein.
Stell Dir vor, Wesen aus einer weit entfernten Galaxie im Universum besuchen erstmals die Erde. Wenn sie Dich fragen, wer oder was Du bist, wie erklärst Du Dich ihnen? Als wer und was definierst Du Dich? Wie siehst Du Dich selbst? Wie würde Deine erste Aussage über Dich lauten? Da man bei ihnen als Erdenneulinge offenbar bei null anfangen muss, wirst Du ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit erst einmal sagen, dass Du ein Mensch bist. Dessen bist Du Dir sicher und kein Mensch auf Erden, der seine Sinne noch beisammen hat, würde dies ernsthaft infrage stellen wollen.
Nun, ein irdisches Menschenleben ist kurz und wenn Du Deinen biologischen Lebensausdruck umwandelst, bist Du schon etwas anderes. Sowie Du Deinem physischen Körper entsteigst, ist das Hauptkriterium Deiner Menschlichkeit hinfällig. Hier hast Du also eine erste Deiner Eigenschaften: Du bist ein Wesen, das zeitweise in einem und durch einen biologischen Körper agiert und sich so in einer materiellen Welt zum Ausdruck bringt.
Dieser Selbstausdruck ist jedoch nicht zwingend abhängig von ihrer physikalischen Form. Du könntest jetzt dagegenhalten, dass wir hier kühn als Tatsache postulieren, was nicht zweifelsfrei erwiesen ist. Dann höre jetzt, was Du Dir selbst sagst: Du bist der zweifelsfreie Beweis.
Die Antwort liegt in der Frage. Wie die Frage selbst, so ist auch die Antwort Teil des Fragenden. Du könntest Dir unmöglich die Frage nach einem unbegrenzten Leben stellen, wenn dem nicht so wäre, denn nur was innen ist, kann außen erkannt werden. Die Tatsache beweist sich zweifelsfrei dadurch, dass sie nach sich selbst fragt. Nur was ist, kann sich erkennen. Der Fragende erkennt sich selbst in seiner Frage, in seiner Fähigkeit, die Frage zu stellen. So beantwortet die Frage sich selbst, denn Frage und Antwort sind dasselbe.
Die Frage ist die Antwort.
Wir erinnern uns an die ursprüngliche Frage: Was bist Du? Wie wir gesehen haben, bist Du ein multidimensionales Wesen, eine Wesenheit, deren Sein sich nicht auf die dreidimensionale Erfahrungswelt begrenzt.
So ist also Deine anfängliche Definition dessen, was Du bist, bestenfalls drastisch eingeschränkt. Du begrenzt Dich selbst auf das in Deiner Dimension Sichtbare, auf die äußere, vergängliche Erscheinungswelt. Du vertraust dem scheinbar Offensichtlichen so sehr, dass Du blind bist für das wahrhaft Offenbare. Nur das kann offensichtlich sein, was Du zu sehen entscheidest. Das ist logische Folge Deiner unbegrenzten Macht und Deines freien Willens.
Was der Mensch nicht infrage stellen will, stellt er auch nicht zur Diskussion mit sich selbst. Was ihm gesichert und über jeden Zweifel erhaben scheint, dem gibt er die Macht, ihn zu verblenden und irrezuführen. Der Mensch findet erst dann zu der richtigen Antwort, wenn er die richtige Frage stellt. Nur dort kann gefunden werden, wo es etwas zu finden gibt.
Was bist Du nach Deinem Übergang, wenn Du Deinem biologischen Körper entsteigst? Was bist Du dann noch von alledem, was Du jetzt zu sein gewiss bist?
Alle Definitionen scheinen, wenn überhaupt, nur innerhalb eines gewissen Zeitrahmens zu funktionieren. Wenn wir voraussetzen, dass Du fühlst und somit weißt, dass Du ein ewiges Wesen bist, muss es auch eine Definition geben, die ewige Gültigkeit hat. Besonders Mutige werden sich den Definitionen der Natur- oder Geisteswissenschaftler anschließen, je nach persönlicher Disposition und erzieherischem Hintergrund. Allem Anschein zum Trotz spielt es kaum eine Rolle, in welchem Lager Du bei Deinen Erklärungsversuchen landest, sie alle werden der unendlichen Komplexität Deiner Existenz nicht im Geringsten gerecht. ›Weltliche‹ Erklärungsmodelle bedienen sich ›weltlicher‹ Mittel und müssen, ihrer Substanz entsprechend, schließlich dort aufhören, wo Du anfängst. Allesamt sind sie einschränkende, reduzierende und begrenzte Konzepte.
Es sind Glaubenssysteme, die die wahre Größe und Herrlichkeit Deines Wesens nicht erkennen, ja, sie sogar verleugnen und sich ihrer Erkenntnis entgegenstellen, um ihre eigene Gültigkeit zu postulieren. Sie spiegeln die Selbstwahrnehmung derer, die diese Glaubenssysteme begründet haben und sie unterstützend bewahren wollen. Sowie Du Dich entscheidest, ihre unangetasteten Inhalte infrage zu stellen, haben sie wahrlich ihre Schuldigkeit getan.
Alle Wahrheit über Dich liegt in Dir selbst und nur dort, wo sie ist, kann sie gefunden werden. Wage es, das goldene Kalb zu schlachten und all das, was andere Dir über Dich sagen, infrage und zur Diskussion mit Dir selbst zu stellen. Andere können Dich nur soweit wahrnehmen, wie sie sich selbst wahrnehmen wollen. Lasse Dich nicht von ihrem Irrtum verblenden und Dir von ihnen sagen, wer Du bist. Vertraue Dir selbst und wisse, dass nur Du selbst Dir sagen kannst, wer und was Du bist. Jetzt und ewig. So sind wir bei unseren Betrachtungen wieder bei der Ausgangsfrage angelangt, bei der Frage: »Was bin ich?«
Vertraue nicht auf der Welt Antwort, dies führt Deine gesegnete Aufmerksamkeit nur auf eine falsche Fährte. Der Mensch wird dem Menschen niemals auf die Schliche kommen, wenn er sich Affen anschaut. Du wirst Dich selbst nur erkennen, wenn Du Dich selbst anschaust. Der Mensch weiß nicht, was er ist, und weil dem so ist, kann er auch nicht erkennen, was die Erscheinungsformen um ihn herum sind, die Natur und alles, was da ist in seinem materiellen Wahrnehmungsbereich. Weil Du Dich selbst nicht als ein über die Materie hinausreichendes Wesen begreifst, kannst Du auch anderes Sein nicht über die Materie hinaus begreifen. Solange Du Dich nicht an dem Dir gebührenden Standort einordnest, kannst Du auch alles um Dich herum nicht in einen sinnvollen Zusammenhang stellen.
Um jeglichem Missverständnis zuvorzukommen, möchten wir deutlich hervorheben, dass wir hier nicht etwa behaupten, es gäbe keine Evolution. Im Gegenteil: Unaufhörlicher Wandel, Anpassung, Veränderung und Fortschritt sind Grundvoraussetzung für die Beständigkeit von allem, was da ist. Beständiges Sein ist beständiges Werden und nur das kann sein, was allzeit im Werden begriffen ist.
Beständiges Sein ist beständiges Werden.
Wandel, Veränderung, Ausdehnung ist ewiges göttliches Prinzip und damit Eigenschaft und Bedingung für die Existenz von allem, was es geben kann.
Die Wissenschaft missversteht dieses göttliche Konzept und interpretiert es falsch, da sie die Ursache mit der Wirkung verwechselt, den Schöpfer mit seinem Geschöpf.
Das Geistige gebiert das Materielle und nicht umgekehrt. Jede physische Manifestation setzt ein Bewusstsein voraus, das sie in den physischen Ausdruck bringt. Nichts kann jemals existieren ohne eine Ursache, einen Urheber.
Bewusstsein erschafft Materie und niemals kann es Materie geben ohne ein Bewusstsein, das sie in den physischen Ausdruck denkt. Alle Informationen, die Du brauchst, um Deiner Herkunft und damit Deiner Identität auf die Spur zu kommen, sind Dir gegeben, sie sind in Dir, in Deinem Sein begründet. Sie sind Dir völlig frei zugänglich und waren es immer.
Die Menschheit hat sich, kollektiv betrachtet, bis etwa gegen Ende des vorigen Jahrtausends dafür entschieden, sie zu ignorieren, zu verleugnen oder sogar zu bekämpfen. Nun, der Mensch lebt zwar in der Welt, nicht aber von der Welt. Selbst wenn Du die Frage Deiner irdisch-biologischen Herkunft zweifelsfrei klärst, ist Dir nur bedingt geholfen.
Die sich in neuerer Zeit häufenden Offenbarungen betreffend Eures außerirdisch-biologischen Erbanteils mögen objektiv gesehen korrekt sein, doch sind sie dann irreführend für den Suchenden, wenn er seinen Blick für das Wesentliche trüben lässt. Die Chance in diesen Offenbarungen liegt für den Menschen, der sie ergreifen will, in der mit diesen Entdeckungen einhergehenden Erweiterung seiner Selbstwahrnehmung.
Du weißt nicht, aus welchem Stoff Du gemacht bist, und deshalb kannst Du auch die Essenz alles anderen nicht erkennen. Du nimmst Dich selbst als ein materielles Wesen wahr und dieser Blick auf Dein Selbst ist sehr begrenzt. Dieser reduzierte Blick auf Dich selbst ist unendlich tief unter Deiner Würde und wird Deiner wahren Größe weitaus weniger gerecht, als Du zu erkennen in der Lage bist.
Es ist das geistige Wesen aller Materie, das Du nicht anerkennst, denn Materie kann in der Form, wie Du sie verstehst, niemals ein ›Eigenleben‹ führen. Materie ist beseelt, Bewusstsein in physischer Ausdrucksform. Alle Materie ist Diener des Geistes, ein wundervoller, treuer und unfehlbarer Diener. Aber eben ein Diener und niemals der Herr. Leben ist Sein und ›funktioniert‹ immer von innen nach außen. Die Ursache kommt vor der Wirkung und bedingt sie, denn niemals kann Wirkung ohne Ursache sein. Wirkung beweist Ursache und nicht umgekehrt. Wir werden auf diesen scheinbar offensichtlichen Aspekt oftmals zurückkommen, denn viele Deiner Probleme entstammen der direkten Verwechslung dieser Ebenen.
Bevor uns nun die wissenschaftlich Orientierten unter unseren verehrten Freunden scharfsinnigerweise und auch nicht ganz ohne Berechtigung entgegenhalten, dass die Wissenschaft überhaupt nicht den Anspruch für sich erhebt, die Frage nach dem »Was bin ich?« beantworten zu wollen, sei dies an dieser Stelle deutlich zum Ausdruck gebracht.
Die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft, hat die Beantwortung dieser Frage immer mehr oder weniger deutlich in den Kompetenzbereich der Religionen gerückt. Die Wissenschaft untersucht, wie die Dinge funktionieren. Doch zu welchem Zweck sollte sie das tun, wenn es nicht schlussendlich doch um die Klärung der Frage ginge, was die Dinge denn da sind, deren Funktionsweisen erforscht werden?
Die Frage nach dem Wie impliziert immer die Frage nach dem Was, darin liegt allzeit der Antrieb des Fragenden, mag er sich dessen nun bewusst sein oder nicht. So wird denn niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der allgemein akzeptierte Glaubenssatz, der Mensch sei ein »mehr oder weniger zufälliges Produkt einer mehr oder weniger willkürlichen Abfolge von Anpassungsprozessen an eine sich willkürlich verändernde Umwelt zum Zwecke der Lebenserhaltung« einen entscheidenden Einfluss auf die Selbstwahrnehmung des Menschen hat. Wenn auch die Frage nach dem Warum des ganzen Aufwandes förmlich unter den Nägeln brennt und unbeantwortet bleibt, kann doch niemand von sich behaupten, dieses Gedankenkonstrukt sei spurlos an seiner Selbstsicht vorbeigegangen. Der Mensch ist unendlich viel mehr als eines von unzähligen unwichtigen Salzkörnern in einer mysteriösen Suppe, von der niemand weiß, wer sie gekocht hat und warum. (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt).
Wenn die Wissenschaft den Menschen und all das, was ihn ausmacht, auf biochemische Prozesse im Gehirn reduziert, wird er sich auch nicht wirklich besser fühlen. Hier wird erneut das Was mit dem Wie verwechselt, die Ursache mit der Wirkung, der Schöpfer mit seiner Schöpfung.
In dem verzweifelten Bemühen des Menschen, sich selbst endlich auf die Schliche zu kommen und das Geheimnis seiner Existenz zu lüften, ja sogar etwaige Gesetzmäßigkeiten menschlichen Schicksals zu entdecken, stürzt sich die medizinische Forschung in neuerer Zeit mit wilder Entschlossenheit auf die Gene. Nun, langer Rede kurzer Sinn: Wieder stehen wir vor der leidigen Frage, wer denn nun der Herr im Hause ist. Diese Bestrebungen als solche sind so nachvollziehbar wie berechtigt. Die Sehnsucht des Menschen nach Erkenntnis und Verständnis seiner selbst ist Herzenswunsch und Bedürfnis aus viel tieferer Ebene, als ihm klar sein dürfte.
Es ist grundsätzlich klug, sich in ein Haus zu begeben, die Einrichtung zu betrachten und alles ganz genau zu untersuchen, um Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen, die Rückschlüsse auf den Hausherrn ermöglichen. Jedoch ist es alles andere als klug, das Haus selbst für den Hausherrn zu halten. Ist dieses Missverständnis aufgelöst, wird der Forschende von völlig anderen Prämissen ausgehen. Beide, Hausherr wie Behausung, werden sodann aus völlig anderen Blickwinkeln betrachtet. Diese korrigierte Sichtweise würde sich selbst völlig mühelos mit wertvollen und bahnbrechenden Erkenntnissen belohnen.
Du wirst Deine Sichtweise korrigieren. Du wirst Dich entscheiden, die Wahrheit über Dich selbst zu erkennen. Du wirst Dich entscheiden, die ›wahre‹ Wirklichkeit der Dinge hinter der scheinbaren wahrzunehmen.
Wäre dies nicht Dein Wille, hättest Du Dich nicht in Form dieser Zeilen selbst dazu eingeladen. In dem Maße, in dem Du Dich entscheidest, mit dem Herzen zu sehen, mit Deiner Intuition, Deinem Gefühl, Deiner Vorstellungskraft, mit Deiner Fantasie, wirst Du Dir selbst und Deinem wahren Sein auf die Spur kommen. Dies alles sind völlig gültige Aspekte Deines umfassenden Selbst.
In dem Maße, in dem Du Dich entschließt, Deinem Gefühl zu vertrauen, wenn es Dir sagt: »Das ist Wahrheit«, wirst Du sie erkennen. Dieses intuitive Wissen ist Gott selbst in Dir, der sich über Deinen intellektuellen menschlichen Verstand erhebt und sich Dir als einzige und ewig gültige Wahrheit über Dich selbst offenbart. Es ist Gottes Blick auf Dich, der sich Dir zu erkennen gibt und niemand Geringerer als Dein Schöpfer kann jemals die Wahrheit über Dich kennen. Hier ist jeder Irrtum über Dich auf ewig ausgeschlossen und nur hier wird Dir unfehlbare Wahrheit zuteil.
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, dazu laden wir Dich herzlich ein. Das Fazit Deiner ersten Einsicht dürfte also sein, dass Du nichts von alledem bist, was Du zu sein geglaubt hast, denn da, wo die Sicht auf das Ganze eingeschränkt ist, kann sie nur fehlerhaft sein. Das Fehlerhafte liegt im Wesen der Einschränkung als solche begründet. Also fangen wir wieder bei null an. Das ist eine wunderbare Ausgangsposition zur Enthüllung der Wahrheit, ja sogar die denkbar beste. Wo keine Prämisse ist, kann sie nicht fehlerhaft sein. Das wirklich Einzige, das wir bis zum jetzigen Zeitpunkt zweifelsfrei über Dich herausgefunden haben, ist die Tatsache, dass Du ein Wesen bist, das lesen kann.
»Der Mensch ist ein ewiger Gottsucher.
Was man auch sonst von ihm aussagen wollte,
wäre sekundär. Denn aus dieser einen Quelle
strömt alles, was er tut und unterlässt.«
Egon Friedell
2. Ein-Sicht
Zum Bilde Gottes schuf Er ihn
Wo der König inkognito geht,
kniet niemand vor ihm nieder
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, wir haben schon allerhand erreicht. Zumindest weißt Du jetzt, was Du nicht bist. Zumindest nicht nur. Es ist für jeden Menschen ein scheinbar gewagtes Unterfangen, sich auf ein neues Selbstkonzept einzulassen, sei es auch nur ›probeweise‹.
Bevor Du korrekte Informationen bezüglich Deiner Identität aufnehmen und integrieren kannst, musst du Dich von Fehleinschätzungen und Irrmeinungen befreien. Bevor neues Bewusstsein den ihm angemessenen Platz einnehmen kann, muss das alte weichen.
Wie wir später noch sehen werden, ist sich selbst erkennen sich selbst ›erschaffen‹ und Du kannst Dich nicht neu ›erschaffen‹ und gleichzeitig unverändert bleiben. Wo Alt ist, kann nicht Neu sein und wo Neu ist, da ist Alt verschwunden. Wahrheit und Irrtum können nicht nebeneinander existieren, das eine ist die Aufhebung des anderen.
Du stehst bei Deiner Entdeckungsreise hin zu Dir selbst erst ganz am Anfang, denn diese Reise ist unendlich und doch hast Du schon viel erreicht. Du bist wahrhaft großartig, großartig menschlich. Der drängenden Sehnsucht des Herzens nach Sinnhaftigkeit nachgebend, machst Du Dich auf die Suche nach Dir selbst. Wie sonst könnte Sinn zu finden sein? Diese Sehnsucht enthüllt den Sinn und Zweck all Deiner Inkarnationen und nun, da Du ihr bewusst nachgibst, solltest Du Dich so großartig fühlen, wie Du bist. Du solltest Dir wahrhaft die Ehre erbieten, denn Ehre gebührt allzeit dem, der sucht.
Da Du suchst, was Du bist, schon immer warst und ewig sein wirst, kann es unmöglich sein, dass Du nicht findest. Vielleicht kannst Du den Zusagen des Christusbewusstseins vertrauen, das mit den Worten »Wer sucht der findet« göttliches Versprechen zum Ausdruck brachte. Niemals kann sein, dass Gott sein Wort bricht, und wo Er¹ sein Wort gibt, da ist es für die Ewigkeit gegeben.
Gottes Schöpfung ist Er selbst, in ewiger Ausdehnung, und Gott kann sich selbst niemals verlassen. So ist sein Wort ewig gültig, wie alles, was aus Gott ist, ewige Gültigkeit hat. Es ist nicht möglich, dass Du vergebens suchst, Du wirst immer und unfehlbar finden. Deine Suche selbst impliziert die göttliche Garantie, dass Du finden mögest, denn wenn es nichts zu finden gäbe, könntest Du Dich nicht auf die Suche begeben.
Die Antwort liegt in der Frage, die Frage ist die Antwort. Es ist Gottes Plan, dass der Mensch finden möge, denn was ist, das will so sein. Der Wille zur Suche beweist sich selbst dadurch als begründet, dass er ist.
Nun, Du hast also allen Grund zuversichtlich und vertrauensvoll zu sein, wenn es um Deine Selbsterforschung geht, und so wollen wir denn da und dort weitermachen, wo Du jetzt bist.
Es dürfte Dir sehr dienlich sein, Dein Herz zu öffnen für das Wesentliche und Deinen menschlichen Verstand zu klären für eine Denkweise, die jenseits aller Klischees und Werturteile liegt. Nur dann kann und wird sich Dir das Wesentliche in allen Dingen, das Wesentliche in Dir, offenbaren, denn niemals kann etwas gegen Deinen Willen verstoßen.
Deinem Willen wohnt wahrhaft alle göttliche Macht inne und so ist es allzeit unmöglich, dass Du Dich gegen Deinen gottgegebenen freien Willen selbst erkennen kannst. Der Freiheit Deines Willens sind keine Grenzen gesetzt, Dir sind keine Grenzen gesetzt. Es wartet darauf, von Dir erkannt zu werden, so Du Dich entscheidest, es zu wollen.
Wer Wahrheit sucht, wird von Wahrheit gefunden. Wahrheit ist allgegenwärtig.
In der Welt der Materie wird das intellektuelle Wissen höher bewertet als das Glauben. Doch Glauben ist kein willkürlich gewähltes Hirngespinst, es ist intuitives Wissen und damit weitaus verlässlicher, wenn es um die Wahrheit geht, als alle scheinbare Weisheit, die dem Verstande entspringt.
Glaube ist Wissen, das einer anderen Quelle entstammt als dasjenige des Verstandes. Wenn Dir nun langsam klar wird, wie absurd es ist, Deinen intellektuellen Verstand höher zu bewerten als Deine Intuition, bist Du auf der Suche nach Deinen Antworten einen entscheidenden Schritt weiter. Deine Intuition ist Deiner wahren Natur, Deiner Wirklichkeit, so viel näher als Dein menschlicher Intellekt, der sich nur an Deinen Erfahrungen orientiert.
Du bist Gedanke und Gefühl, Herz und Verstand und doch bist Du weitaus mehr als das. Du bist eine Energiebündelung, die sich aus einem wandelbaren, vergänglichen, menschlichen Aspekt und dem wahren Ich, das göttlich und ewiglich ist, zusammensetzt. Der menschliche Aspekt Deines Seins verändert sich nach Deinem Willen, der Gottes Wille ist, mit jeder Deiner Inkarnationen. Gott in Dir aber bleibt ewig Er selbst. In ewigem Wandel begriffen, bleibt Er unwandelbar immer sich selbst gleich. Das ist göttliche Unermesslichkeit, die Deine Unermesslichkeit ist und jede Vorstellung übersteigt.
Durch die mangelnde Würdigung, die Du Deiner Intuition entgegenbringst, reduzierst Du Dich selbst in weit größerem Maße, als Du zu diesem Zeitpunkt ahnen kannst. Dein mangelndes Vertrauen in das, was Dir die Wahrheit über Dich selbst zuflüstert, beschränkt Deine Wahrnehmungsfähigkeit um ein Vielfaches und beraubt Dich der bewussten Erfahrung Deiner wahren Identität.
Niemals kann etwas gegen Deinen Willen geschehen und die Stimme Deiner Intuition kann sich in Dir nur in dem Maße erheben, in dem Du sie zu hören gewillt bist und ihr Vertrauen schenkst. Ein unendlich großer Schatz an Informationen und Erfahrungen geht Dir dadurch verloren, dass Du Dir selbst nicht glaubst, Deinen Eingebungen mit skeptischem Misstrauen gegenüberstehst und die Datenflut, die Dich auf diesem Wege erreicht, einfach verleugnest. Welche Blindheit für Deine eigene Schönheit! Welche Blindheit für die Schönheit und Größe Gottes in Dir!
Es ist Deine Intelligenz, die Dich direkt zur Anerkennung der Wahrheit über Dich führen will, es ist die Intelligenz Deines Herzens. Die Intelligenz Deines Herzens ist Deine Liebesfähigkeit. Sie ist einzig klug genug, Dir zu zeigen, in welche Richtung Du blicken musst, wenn Du die Wahrheit erkennen willst.
Die Intelligenz des Herzens ist wahrhaft weise und über jeden Zweifel erhaben, weil sie Dir direkt von Deinem Schöpfer gegeben ist. Wenn Du es wagen willst, Dich von Deinem Herzen zu Deiner Intuition führen zu lassen, wird die Wahrheit selbst sich Dir und durch Dich offenbaren und Deinem intellektuellen Menschenverstand schließlich die sichtbaren Beweise liefern, auf die er so dringlich beharren will.
Entscheide Dich, Dir selbst, Deinem Gefühl, Deiner inneren Wahrnehmung zu glauben, denn nichts weniger ist Deiner würdig. Willst Du das? Oder willst Du weiterhin unter Deiner Würde leben?
Ein wahrhaft heiliger Schritt ist getan in der Absicht, Dich selbst ernst zu nehmen und Deinem Herzen zu vertrauen, das Dir sagt, dass diese Worte Wahrheit sind, Wahrheit von Dir, über Dich und für Dich. Glauben ist Wissen. Die Erfahrung tiefster innerer Gewissheit, die den nicht menschlichen Aspekten Deines Wesens entspringt und jedes Drängen nach weltlichem ›Beweis‹ hinwegfegt, beweist sich selbst durch ihr Sein.
Meine lieber Freund, meine liebe Freundin, Dir ist ein unfehlbarer Wegweiser bei der Suche nach der Wahrheit über Dich selbst gegeben. Diese Orientierungshilfe ist – wie könnte es auch anders sein – nur in Dir selbst zu finden. Wenn Du den Wahrheitsgehalt eines Konzeptes über Dich selbst in Zweifel ziehst, findest Du in diesem Kriterium unfehlbare Auskunft. Das Kriterium für Wahrheit liegt schlicht und ergreifend in der Tatsache, dass dieses Gedankenkonzept Dich glücklich macht.
Nur weil Du nicht erkennst, wer Du bist, kannst Du lieblose Gedanken über Dich selbst hegen und akzeptieren. Was Dich nicht mit Jubel erfüllt, kann nicht Wahrheit über Dich sein. Was Dich nicht mit Jubel erfüllt, kann nicht liebevoll sein. Was aber nicht liebevoll ist, kann niemals der Wahrheit in Dir und über Dich entsprechen.
Gott jubelt im Angesichte jedes Selbstausdrucks, den Er sich geschaffen hat, und so jubelt Er auch in dem Deinen. Nur der Blick dessen, der Dich schuf, ist unfehlbar und wenn Gott Dich anblickt, sieht Er allzeit nur Liebe. Gott kann sich in seiner Einschätzung seiner selbst unmöglich irren und so kann Er auch in der Deinen nicht fehlgehen.
Würdest Du Dich selbst lieben, dann wüsstest Du um die Liebe Gottes, denn beide sind eins und es gibt nur eine Liebe. Es würde Dir nicht im Traume einfallen, ein Glaubenskonstrukt über Dich zu akzeptieren, das Dich nicht mit Glückseligkeit erfüllt. Die Welt fürchtet Gott und wo Angst ist, kann niemals Freude sein. Die Menschen fürchten Gott, weil sie sich selbst fürchten. Deine Gotteswahrnehmung kann immer nur Spiegelung Deiner Selbstwahrnehmung sein, denn niemals kann ein Wesen über sich selbst hinaus erkennen.
Dein verzerrtes Bild Deiner selbst kann nur ein ebenso verzerrtes Bild Deines Schöpfers hervorbringen. Das eine ist die logische und unvermeidbare Konsequenz des anderen. Gott ist vollkommene Liebe. Vollkommene Liebe ist vollkommene Glückseligkeit. Wenn Dich das, was man Dich lehrt, was Du denkst und glaubst, nicht mit Glück erfüllt, kann es unmöglich Wahrheit sein.
Niemals kann etwas erschaffen sein, das nicht inhärent in seinem Schöpfer vorhanden wäre. Nichts kann sein, das nicht Teil seines Schöpfers wäre. So wie kein Maler jemals ein Bild hervorbringen könnte, das nicht in ihm ist, und wie kein Dichter jemals Gedanken formulieren kann, die nicht Teil seines Geistes sind, so kann auch Gott bei seiner Schöpfung nur sich selbst hervorbringen. Nur was innen vorhanden ist, kann nach außen drängen, denn nur was ist, kann sein.
Da jede Schöpfung den ›Rohstoff‹ seines Schöpfers spiegelt, kannst auch Du nur aus derselben Essenz beschaffen sein, die Gottes Essenz ist. Alles erschafft aus sich selbst heraus und so hat Gott auch Dich aus sich selbst hervorgebracht. Im Klartext bedeutet das: Du bist ein Teil Gottes, ihm gleich und nach seinem Bilde erschaffen. So siehst Du Dich denn hier zwei Prinzipien gegenüber, die für Deine Wahrheitsforschung von unvorstellbarem Wert sind:
1. Es gibt ein absolutes Prinzip, Gott, Schöpfer von
allem, was da ist.
2. Weil dieses absolute Prinzip Dich erschaffen hat,
kannst Du nur von ihm auf Dich selbst schließen.
Es gibt viele Formulierungen und Namen, die Menschen Gott gegeben haben. Sicher ist Dir bewusst, dass es mit menschlichen Begriffen, mit dem reduzierenden und begrenzten Medium Sprache, niemals auch nur annähernd möglich ist, der Größenordnung und Komplexität des ›absoluten Prinzips Gott‹ gerecht zu werden. Gewiss bist Du Dir im Klaren darüber, dass Worte Gott nie wirklich und gültig erklären und begrifflich machen können.
Nun sind wir eben auf Sprache als Transportmittel für diese spirituelle Energieübertragung angewiesen. Anstelle von ›Gott‹ können wir ebenso gut vom ›Liebesprinzip‹ reden, vom ›Prinzip Leben‹, vom ›Schöpfer‹, vom ›Urvater‹, von der ›Urmutter‹ ...
Die meisten Menschen bevorzugen eine Benennung, die eine Personifizierung impliziert. Eine weniger persönliche Formulierung ist ihnen zu abstrakt und daher beängstigend, da sie ein Gefühl von Distanziertheit begünstigt. Dies lässt Euch zurück mit einem schalen Gefühl von Verlassenheit, Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit. Nichts wäre weiter entfernt von der Wirklichkeit Gottes als das. Da es niemals Schubladen geben kann, in die Gott passen könnte, ist klar, dass Er sowohl gänzlich persönlich als auch gänzlich unpersönlich ist. Niemals kann es etwas geben, was Gott nicht ist. Gott ist nie ›Entweder-oder‹, Gott ist immer ›Sowohl-als-auch‹. Weil dem so ist, werden wir uns im weiteren Verlauf oft der Formulierung ›Alles-was-Ist‹ bedienen, da sie, besser als jede andere, der Absolutheit des Göttlichen gerecht wird.
Es gibt kein Konzept, das sich dieser Formulierung entziehen und sich von ihr ausschließen könnte. Sie beinhaltet alles nur Vorstellbare. Sie beinhaltet das Persönliche und das Unpersönliche, das Belebte und das Unbelebte, das Materielle und das Geistige, das Sichtbare und das Unsichtbare, das Irdische und das Außerirdische, das Männliche und das Weibliche, das Mögliche und das Unmögliche, ja sogar das Liebevolle und das Angstvolle. Alles-was-Ist ist alles, was ist und was jemals sein kann. Punktum. Nichts anderes hat es je gegeben, gibt es und wird es jemals geben können. Nichts kann sein, das da jemals außerhalb dieses Prinzips wäre. Wir sprechen vom Superlativ dessen, das jenseits jeglicher Vorstellungskraft existiert. Um es in den schönen und treffenden Worten von Anselm von Canterbury zu sagen: »Gott ist das, wovon etwas Größeres nicht gedacht werden kann.«
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, gleich welchem Gotteskonzept Du auch anhängen magst, ihnen allen ist ein fundamentaler Denkfehler, dem ein Wahrnehmungsfehler zugrunde liegt, gemeinsam. Diese Fehlwahrnehmung ist Ursache für alle Leiden und Nöte, die es jemals geben kann: die Unerreichbarkeit Gottes.
Dies ist der wohl tragischste Aspekt des menschlichen Gottesbildes, das sich die Welt geschaffen hat. Gott ist Dir so unendlich viel näher, als Du ahnen kannst, und es ist jetzt an der Zeit, dass die Menschheit in besonderer Weise zu dieser Erkenntnis erwacht. Diese Wahrnehmungserweiterung, die mit dem Erkennen einhergeht, wird dem vorhin erwähnten ›Spaßfaktor‹, den ihr Menschen in Eurem spirituellen Leben im Allgemeinen bis dato so schmerzlich vermissen musstet, deutlichen Aufschwung verleihen. Wo Gott ist, da ist Freude. Wo Freude ist, da ist Gott. Und wo bist Du?
Das Fazit Deiner zweiten Einsicht ist also, dass Du nun zumindest weißt, warum Du lesen kannst. Oder, um es korrekt zu formulieren, Du weißt jetzt, warum Du lesen lernen konntest. Du verstehst, warum Du alles andere lernen konntest und warum Du überhaupt lernen kannst. Du weißt, warum Du all die anderen Dinge tun kannst, die immer Du tust. Du weißt, warum Du denken und fühlen kannst. Du weißt, warum Du Dir Gedanken darüber machen kannst, dass Du Dir Gedanken machen kannst. Du weißt, warum Du Dich infrage stellen und Dir Deiner selbst bewusst sein kannst. Du weißt, warum Du sozusagen aus Dir selbst hervortreten, Dich von ›außen‹ betrachten und nach Selbsterkenntnis streben kannst: Weil Dir all diese wundervollen göttlichen Eigenschaften von Deinem Schöpfer gegeben sind. Deine Eigenschaften sind seine, denn aus Dir selbst heraus hast Du kein Sein.
Du hast wahrlich allen Grund zur Freude. Könntest Du diese fantastische Wahrheit in ihrer ganzen Tragweite und Dimension für Dich erfassen, würdest Du wahrhaftig nur noch jubelnd und freudestrahlend durchs Leben gehen.
Wenn Du einen Augenblick innehältst, um Dir der Bedeutung Deiner Erkenntnis auf einer tieferen, wahrhaftigen Ebene bewusst zu werden, um sie in Deinem Herzen zu fühlen, dann veränderst Du Dein Leben in ungeahnter Weise. Das Einzige, das wirklich Einzige, das in Deinem Leben Änderungen hervorbringen kann, ist eine Korrektur der Wahrnehmung Deiner selbst. Alles, wirklich alles in Deinem Leben entscheidet sich an der Frage, wie Du Dich selbst siehst.
»Der Mensch kann in sich ein Göttliches finden,
weil sein ureigenstes Wesen dem Göttlichen entnommen ist.«
Rudolf Steiner
3. Ein-Sicht
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Wer auf Knien sucht, findet nur,
was unten liegt
Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, vielleicht willst Du es wagen, Dich selbst richtig zu sehen. Wahrhaft Wundervolles kannst Du dort entdecken. Zum richtigen Sehen musst Du einen einzigen wichtigen Grundsatz beherzigen, den einzigen, der jetzt und ewig von Bedeutung ist, wenn Du der Wirklichkeit in den Dingen auf die Spur kommen willst.
Wie so oft, nein, wie immer, lehrt Dich Dein Schöpfer selbst, wie es richtig zu machen ist, wie Du richtig hinsiehst, damit Du überhaupt etwas Reales erkennen kannst. Du musst mit den Augen dessen schauen, der alle Dinge erschaffen hat: Du musst mit Liebe auf das schauen, was Du betrachtest. Alles, was Du sehen kannst, was immer sich Deinem Blick erschließt ohne Deine Liebe, ist nur Blendwerk, nur der Schein, der das Sein verhüllt. Es ist gar nichts.
Immer dann, wenn Du ohne Liebe schaust, wenn Du ohne Liebe bist, kannst Du nur trügerische Illusion wahrnehmen: vergängliches äußeres Haben, das ewiges inneres Sein verschleiert. Der Blick ohne Liebe kann Dir niemals die wahre Dimension der Erscheinungen, die Seele der Dinge und ihre ewig gültige Wahrheit enthüllen. Der lieblose Blick ist der gottlose Blick und zeigt immer nur die vergängliche Form, die den ewigen Inhalt verschleiert. Die immerwährende Wirklichkeit, die wahre und wahrhaftige Realität in allem, was da ist, kann sich Dir nur in und durch Liebe erschließen. Dies gilt nicht weniger, ja ganz besonders, für Deinen Blick auf Dich selbst. Nur was Du in Liebe anschaust, kannst Du so sehen, wie es wirklich ist.
Der abstruseste Gedanke, dessen ein menschlicher Geist fähig ist, entspringt dem Glauben, dass Liebe blind mache. Nichts könntest Du jemals in Worte fassen, das da weiter entfernt wäre von der Wahrheit und damit von Dir selbst. Verbanne diesen lebensfeindlichsten aller Gedanken ins Reich der enttarnten Fehlwahrnehmungen, er ist eines Kindes Gottes, Deiner, nicht würdig. Gott in Dir sei Dank, weißt Du auch um Redewendungen wie »nur mit dem Herzen sieht man gut«. Und so ist es. Deine Augen sehen Illusion, denn sie sind Illusion, Vergänglichkeit.
Dein liebendes Herz sieht Gott. Dein liebendes Herz ist Gott, der sich selbst sieht.
Dein liebendes Herz ist Gott der sich selbst erkennt und manifestiert. Das ist die einzig gültige Wahrheit über Dich, die es jetzt und ewig geben kann. Wer aber die Wahrheit über und in sich selbst erkennt, sieht sie in jedem anderen und in allem, was ist.
Wer Gott in sich selbst wahrnimmt, erkennt ihn ebenso in all seinen anderen Erscheinungsformen. Jemanden zu lieben heißt nicht, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gewünscht hat, es heißt, ihn so zu sehen, wie Gott ihn geschaffen hat. Lieben heißt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Es geht um Dich, um Deinen Blick auf Dich selbst. Um also endlich die Frage nach dem »Was bin ich?« aufzuklären, musst Du Dich selbst liebevoll anschauen. Wenn Du Dein wahres Selbst erkennen willst, musst Du Dich selbst lieben. Wenn Du Dich jetzt erkennen willst, musst Du Dich jetzt lieben.
Du hast festgestellt, dass Du unmöglich aus einer anderen Essenz bestehen kannst als der desjenigen, aus dem Du hervorgegangen bist. Erforsche also den Baum, dessen Frucht Du erkennen willst, denn die Frucht ist im Baume wie der Baum in der Frucht.
Du magst im ersten Moment vielleicht verwundert sein zu hören, dass es nicht besonders schwierig ist, Erkenntnisse über Gott zu erlangen. Alles, was ist, was war und was jemals sein wird, legt Zeugnis von Ihm ab. Was auch immer in seiner Schöpfung Du anschauen magst, erzählt Dir von Ihm.
Alles-was-Ist offenbart sich in allem, was ist.
Wir haben gesehen, dass Gott der Schöpfer von allem ist, was da ist, was jemals war, was jemals sein wird. Die Sache ist vergleichsweise einfach, weil es im Prinzip des Absoluten keine Ausnahmen und somit keine »Fehlerquoten« geben kann. Gott ist weder ein Mysterium noch ein Verwirrspiel. Weil Alles-was-Ist eben ist, was sein Name sagt, kann Er niemals etwas erschaffen, das nicht Teil seiner selbst wäre.
Könnte ein Prinzip, das alles einschließt, etwas hervorbringen, das außerhalb seiner selbst ist? Das ist völlig unmöglich, denn Gott ist Alles-was-Ist. Gott ist das Absolute, das Ich-Bin in allem, was ist. Und so ist Gott das Leben selbst. Gott gibt nicht Leben, Gott ist Leben. Gott gibt auch keine Liebe, genauso wenig, wie Gott Leben gibt. Gott gibt nicht Liebe, Gott ist Liebe. So Du Dir der Tragweite dieser großen Wahrheit bewusst bist, wirst Du erkennen, welch wunderbare Botschaft für Dich in dieser Erkenntnis liegt: Gott ist Liebe.
Kaum eine andere Wahrheitsverzerrung bringt so viel Kummer über Dich wie der Glaube an einen Gott, der Liebe ›gibt‹. Auf diesem furchtbaren Irrtum beruht Deine tiefste Angst: die Angst vor Liebesentzug und Verlassenwerden. Der Glaube an einen Gott, der Liebe geben könne, impliziert die logische Möglichkeit, Er könne Liebe ebenso verweigern. Was Du geben kannst, das hast Du und kannst es somit auch verweigern. Was Du jedoch bist, das kannst Du nicht verleugnen, die Essenz des Seins kann sich nicht verweigern.
Du hast aus Gottes Liebe eine Frage der Wahl gemacht, aber Gott hat diese Wahl nicht. Du hast in fataler Weise die Ebenen verwechselt, wie diese Welt das so oft tut: Du hast das Sein mit dem Haben verwechselt. Haben ist Illusion. In Wahrheit und Wirklichkeit kannst Du nichts haben, niemand kann das. Du kannst nur sein. Weil Gott Wahrheit und Wirklichkeit ist, jegliche Illusion ausschließend, kann Alles-was-Ist niemals irgendetwas haben, sondern nur sein.
Gott ist Leben, Liebe, Macht. Alles-was-Ist hat nichts von alledem und Du auch nicht, denn – Du erinnerst Dich – wie könnest Du etwas anderes sein als Dein Schöpfer, würde das doch bedeuten, dass Er nicht absolut ist und es etwas außerhalb göttlichen Seins geben könne. Wir werden an anderer Stelle noch ausführlich auf die Haben-Sein-Thematik eingehen, zu der es noch einiges zu sagen gibt. Halte vorläufig fest, dass Gott Liebe ist. Wenn nun aber nichts existieren kann, das nicht von Gott erschaffen und somit Teil von Ihm ist, dann ergibt sich in der logischen Konsequenz die einzig mögliche Erkenntnis: Alles ist Liebe, alles besteht aus Liebe, es kann nichts existieren, das nicht aus Liebe bestünde.
Liebe muss der Urstoff aller Dinge sein, das allem zugrunde liegende Seinsprinzip. Anders ausgedrückt: Liebe ist die einzig real existierende Energie. Und jetzt, endlich, löst sich Dein Rätsel um Deine Natur und Deine Frage nach dem »Was bin ich?« findet Antwort. Lasse diese Erkenntnis bis auf den Grund Deines fragenden Herzens sinken, auf dass sie dort reichlich Früchte trage. Die einzig wahre Aussage, die Du jetzt und in alle Ewigkeit über Dich selbst machen kannst, ist: »Ich bin – Liebe.«
Du bist Geist vom Geiste Gottes, Liebe von der Liebe Gottes, Leben vom Leben Gottes, Bewusstsein vom Bewusstsein Gottes.
Nun, meine liebe Freundin, mein lieber Freund, vielleicht tust Du Dich schwer damit, diese Erkenntnis annehmen zu wollen. Noch ist Dein Blick auf Dich selbst von Irrtum und Illusion getrübt und vielleicht willst Du die Wahrheit über Dich noch nicht anerkennen.
Noch fürchtest Du Dich vor Dir selbst, doch so Du Dich entscheidest, Dich mit dem Blick Deines Schöpfers anzusehen, wirst Du nur Schönheit und Liebe erkennen. Alles andere, was Du in Dir selbst und folglich auch in anderen zu sehen glaubst, ist nur vergängliche Illusion, aus Angst geborene Sinnestäuschung. Allein Deine verzerrte Wahrnehmung Deiner selbst verhindert Dein Gewahrwerden der offensichtlichen Allgegenwart Gottes. Alles, was Du bist, kommt aus Gott und ist doch ebenso in Ihm. Nichts anderes kannst Du jemals sein.
Dein Problem ist nicht das, was Du bist,
Dein Problem ist, was Du zu sein glaubst.
Der unwiderlegbare Beweis für die Wahrheit dieser Worte liegt in Dir selbst – Du bist Liebe. Weil Du bist, was Du bist, kann es niemals irgendetwas anderes als Liebe geben, das Dich vollkommenes Glück empfinden lässt.
Nur in der Liebe kannst Du Dich selbst wiederfinden und Dich mit Dir verbinden. Nur hier kannst Du Deinen Schöpfer wiederfinden und Dich rückbesinnen auf Dich selbst. In der Liebe kann Dein rastloses Herz deshalb zur Ruhe kommen, weil sie Dich in Deine gottgegebene natürliche Schwingung zurückversetzt.
Liebe lässt Dein Herz vor Freude hüpfen und singen, weil sie die Schwingung Deiner ewigen und einzigen Heimat ist. Wenn Du liebst, erkennt Gott sich selbst wieder. In Liebe schwingt Deine Seele mit sich selbst in Gleichklang und Du erkennst Dich als Teil Gottes, der Du bist.
Liebesenergie ist der ›Stoff‹ aus dem Du geschaffen bist. Nichts anderes kannst Du sein, weil nichts anderes existiert. Alles, was Du mit Deinen physischen Augen wahrnehmen kannst, alles, was Du unter ein Mikroskop legen und erforschen kannst, verkörpert nur verschiedene Aspekte einer unendlichen Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten ein und desselben Liebesprinzips. Wenn Du erkennen willst, was in Deiner irdischen Welt und der ganzen Schöpfung wirklich ist, wenn Du zum Wahrhaftigen vordringen und Dich nicht länger dem Irrtum und dem äußeren Schein der Dinge hingeben willst, dann hast Du ein weiteres unfehlbares Kriterium, an dem Du den Wahrheitsgehalt Deiner Wahrnehmung feststellen kannst:
Alles, was wirklich ist, ist unendlich. Was jedoch nicht unendlich ist, kann nicht wirklich sein.
Was vergänglich ist, kann nicht von einem unendlichen Gott kommen und somit kann es nicht wirklich existieren, sondern nur Illusion sein. Alles Vergängliche ist nur vorübergehende äußere Erscheinungsform einer ewigen inneren Wahrheit. Um es mit den Worten des wunderbaren Kurs in Wundern² zu sagen: »Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Frieden Gottes.« Hier wird Deinen Betrachtungen eine weiterführende wichtige Wahrheit hinzugefügt. Gott ist wirklich und somit von ewiger Gültigkeit.
Als Teil von Alles-was-Ist bist auch Du von ewiger Gültigkeit. Du bist so wirklich wie Gott selbst, weil Du Teil von Ihm bist. Der göttliche Anteil in Dir ist unzerstörbar, das Göttliche in Dir verleiht Dir ewiges Leben, es ist ewiges Leben. Du bist ewiges Leben, ewiges Bewusstsein. Es lehrt Dich, dass das, was in Dir Deiner göttlichen Natur entspricht, unangreifbar, unzerstörbar und ewig unveränderlich ist. Jenseits jedes möglichen Irrtums und aller denkbaren Illusionen über Dich selbst ist Dein wahres Sein in Gott in vollkommener Sicherheit. Du hast wirklich allen Grund zu großer Freude.
»Wenn ein Wilder an seinen hölzernen Gott
zu glauben aufhört, so heißt das nicht,
dass es keinen Gott gibt, sondern nur,
dass er nicht aus Holz ist.«
Lew N. Graf Tolstoj
4. Ein-Sicht
Die Göttliche Komödie
Die (fast) perfekte Inszenierung des Vergessens
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, stell Dir vor, es gibt nur Dich. Stell Dir vor, es gibt nichts anderes. Was immer Du anschaust, wohin auch immer Du Dich wendest, immer siehst Du ›nur‹ Dich selbst.
Du kannst nichts anderes wahrnehmen, weil es nichts gibt, was nicht ›Du‹ ist. Es gibt kein ›Nicht-Ich‹, nichts, was außerhalb von Dir wäre, nichts, was nicht Teil von Dir wäre. Doch wie könntest Du das wissen? Wie kannst Du wissen, was Ich-Sein ist, wenn Du nicht weißt, was Nicht-ich-Sein ist?
Wie kann sich das Absolute erkennen, wenn es kein Nicht-Absolutes gibt? Um es in andere Worte zu fassen, die versuchen, das Unbeschreibliche zu beschreiben und das Unermessliche zu ermessen:
Gott wusste um sich selbst, doch Er erkannte sich nicht.
Was hier versucht, sich in Worte, in verständliche Begriffe zu kleiden, entzieht sich allem intellektuellen Verständnis und übersteigt jedes Fassungsvermögen im wahrsten Sinne des Wortes um ein Unendliches. Dennoch ist es der Erweiterung Deiner Selbstwahrnehmung dienlich, Dich dieser intellektuellen und spirituellen Herausforderung zu stellen.
In Deiner Welt ist die Bestrebung, Gott erkennen und erklären zu wollen oftmals mit einem ketzerischen Beigeschmack behaftet, was nur dem Zwecke dient, Dich vor Dir selbst zu verbergen.
Gott jedoch will verstanden, erfasst und begriffen sein. Gott will erfahren und erkannt sein. Alles-was-Ist will sich selbst in Dir und durch Dich erkennen. Wenn dem nicht so wäre, könntest Du Dir niemals solcherlei Gedanken machen und die Frage nach Dir selbst stellen. Niemals kann irgendetwas oder irgendjemand gegen göttlichen Willen verstoßen. Da Du ein lebendiger, gültiger Teil des Absoluten bist, kannst auch Du das nicht.
Aus diesem Grunde ist die menschliche Besorgnis um die Angemessenheit im Umgang mit Gott ein sinnloses Konzept. Die Sorge um Angemessenheit ist aus der Unkenntnis dessen, wer Du bist, geboren und hat keinerlei Wirklichkeitsgehalt und damit keine Berechtigung. Nichts, was wirklich ist, kann jemals unangemessen sein. Nur Begrenzung kann Unangemessenheit hervorbringen, da alles, was außerhalb dieser Begrenzung wäre, unangemessen sein müsste. Wo Gott ist, ist Grenzenlosigkeit und in Ihm kann keine Unangemessenheit sein. Nichts kann je etwas hervorbringen, das nicht in ihm und Teil von ihm wäre, keinen Gedanken und auch keine Frage.
Nichts kann je sich selbst übersteigen.
Es geht um nichts Geringeres, als um den Urgrund allen Lebens. Dein Leben ist gottgewollt, Du bist es, denn Du bist Dein Leben. Du bist vollkommen gottgewollt so, wie Du bist. Du bist der Aspekt, die Eigenschaft Gottes, der sich selbst als der Mensch, der Du bist, erkennen und erfahren will. Alles-was-Ist erschafft sich selbst ewig in unermesslicher, grenzenloser Vielfalt der Formen und Selbsterkenntnisstufen, um sich zu erfahren in allem, was Er ist und sein will.
Gott blickt auf sein eigenes ›Ich-Bin‹ und erkennt sich in allem, was ist, als Er selbst. Um es vereinfacht auszudrücken: Du bist Gott, der erfahren will, wie es ist, Gott zu sein in menschlichem Ausdruck. Da Gott sich seiner selbst bewusst ist, bedient Er sich sozusagen eines Planes: Gott tritt scheinbar aus sich selbst heraus und ›tut, als ob‹. Gott ›tut, als ob‹ Er nicht wüsste, wer Er ist. Gott ›vergisst‹ scheinbar die Erkenntnis, das Bewusstsein seiner selbst.
Der göttliche Plan ist vollkommen. Im allmählichen Erwachen zum Bewusstsein seiner wahren Natur ›erinnert‹ und erkennt Er sich selbst als Gott, der Er ist. Gott ›erkennt‹, wie es ist und was es bedeutet, Gott zu sein dadurch, dass Er erfährt, wie es ist, nicht Gott zu sein oder besser gesagt, es nicht zu wissen. Das Wie ist variabel, das Was jedoch ist auf ewig gesichert.
Gott ist alle Macht, Gott ist Alles-was-Ist. Die allumfassende Identität Gottes schließt alles und jedes ein, bis auf eine Ausnahme. Ja, da gibt es tatsächlich eines, das Gott nicht kann: Gott kann nicht nicht Gott sein. Das ist ein Kernpunkt in unseren Überlegungen und für Dich ist es eine Erkenntnis von zentraler Bedeutung. Du wirst verstehen warum, denn da Du ein Teil Gottes bist, muss alles, was Gott betrifft, auch Dich betreffen.
Alles, was Gott betrifft, gilt auch für Dich.
Hier begegnet uns erneut die bedeutende Aussage, die Du schon zuvor angetroffen hast: »Nichts Wirkliches kann bedroht werden.«
Du bist Gott, der so tut, als habe Er vergessen, wer Er ist. Nichts anderes bist Du. Alles, was sein kann, ist Teil Gottes in unendlicher Vielfalt der Ausdrucksformen. Alles, jedes und jeder, ist Teil ein und derselben Quelle. Alles ist eins. Du bist Teil Gottes, ein göttlicher Aspekt, eine seiner unzähligen Ausdrucksformen, eine seiner Eigenschaften auf der Suche nach Rückerinnerung seiner selbst. Du magst glauben von zu Hause ausgezogen zu sein, um den Weg in die Heimat wiederzufinden. Tatsächlich bist Du dann wieder zu Hause, wenn Du nicht nur weißt, dass Du in Wirklichkeit Dein Zuhause nie verlassen hast, sondern wenn Du erkennst, dass Du selbst das Zuhause bist, das wiederzufinden Du so sehr ersehnst.
Das ist Schöpfung. Das ist Evolution. Schöpfung und Evolution sind ein und dasselbe, denn nie kann etwas Lebendiges nicht in Bewegung sein. Nicht in Bewegung sein wäre nicht sein und daher ein unmögliches Konzept.
Die Schöpfung lebt in immerwährender Bewegung, in ewiger Ausdehnung ihrer selbst. Das ist Grund, Sinn, Bedeutung und Selbstzweck von allem, was ist. Es ist die Essenz aller Schöpfung. Gott ist der allgegenwärtige Inhalt, verborgen in jeder nur denkbaren Form, ihre Ursache, ihr Sein und ihre Natur.
Vielleicht willst Du jetzt verstehen, dass es in Dir und Deinem Leben nur um das Eine gehen kann: um Selbsterkenntnis. Sich selbst erkennen, ist Gott erkennen, es ist dasselbe. Weil Gott alles ist, was ist, gibt es nichts anderes zu erkennen. Da ist nichts anderes. Aus diesem Grunde ist Selbsterkenntnis nicht etwa eine von vielen Formen der Erkenntnis, sie ist die einzig mögliche.
Du bist ein Teil, eine Form, ein Ausdruck, eine Manifestation, eine Eigenschaft Gottes. Selbstverständlich kannst Du nichts anderes sein! Es wäre vermessen zu glauben, Du könntest getrennt von Gott existieren. Wie könntest Du das, wie sollte das möglich sein? Nichts kann jemals außerhalb von Gott sein, da es nichts geben kann, das nicht Gott ist.
Wie wir gesehen haben, ist es Teil des schöpferischen Planes, dass Du es ›vergisst‹. Wer aber Gott in sich vergisst, vergisst sich selbst und erkennt sich nicht. Wer Gott in sich nicht anerkennt, kennt sich selbst nicht. Dies ist sozusagen die ›Göttliche Komödie‹, die Du mit Dir und für Dich selbst aufführst, eine perfekte Vorstellung. Die (fast) vollkommene Inszenierung des Vergessens: Das ist Menschwerdung, das ist Ego.
Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, jetzt kommst Du dem eigentlichen Ziel unserer Ausführungen einen entscheidenden Schritt näher. Wir erinnern uns, schließlich geht es hier um die Lösung Deiner Probleme. Und die ergeben sich samt und sonders aus Deinem Ego oder, um es korrekt zu formulieren, aus der Illusion, Du seiest Ego und nichts darüber hinaus.
Wie wir gesehen haben, kann Gott niemals wirklich nicht Er selbst sein, sondern nur ›so tun, als ob‹. Dein Ego, Dein Glaube, Du seiest etwas anderes als Teil des Göttlichen, kann also nur irreal und vollkommen illusorisch sein. Du kannst nicht getrennt von Gott exisieren, Du kannst nichts anderes sein als Teil von Ihm. Mit anderen Worten: Ego ist nur ein Irrtum über Dich selbst und entbehrt jeglicher Wirklichkeit. Ego, das ist der absurde Glaube, Du seiest etwas anderes als Liebe, denn was nicht Gott ist, kann nicht Liebe sein. Ego ist der Glaube, Du seiest getrennt von Deinem Schöpfer, allein, einsam, verlassen. Was aber vom Schöpfer verlassen ist, kann nicht gut sein: Ego ist die Überzeugung, Du seiest nicht gut. Nein, hier hat sich kein Schreibfehler eingeschlichen. Ego hat keine Überzeugungen,
Ego ist die Überzeugung: »Ich bin nicht gut.«
Ego ist also, wie gesagt, der absurde Glaube an die Möglichkeit einer von Gott losgelösten, unabhängigen Existenz. Da Gott nur ein anderes Wort ist für Liebe, Leben, Allmacht, Vollkommenheit, impliziert Ego den Glauben an die Abwesenheit, das Nichtvorhandensein, all dieser Attribute.
Die ›Geburtsstunde‹ des Ego ist auch die Geburtsstunde all Deiner Probleme. Das sprichwörtliche Paradies, der ersehnte Himmel, ist die Wahrnehmung, die Erkenntnis der Einheit mit Deinem Schöpfer, den Du scheinbar verlassen hast. Das Paradies ist da, wo auch Gott ist, es ist in Dir. Nun weißt Du, dass Du die Einheit niemals wirklich verlassen hast, dass Du es niemals könntest, weil nichts außerhalb existieren kann. Es kann kein ›Außerhalb‹ geben.
Die Geburtsstunde des Ego ist nicht der Verlust der Einheit mit Alles-was-Ist, sondern ›nur‹ der Verlust ihres Gewahrseins. Mit diesem Unterschied steht und fällt alles, denn dies ist Dir göttliche Gewähr, dass niemand jemals wirklich verloren ist, mag er noch so tief in das Vergessen und damit in die Fehlwahrnehmung seiner selbst sinken. »Nichts Wirkliches kann bedroht werden«³ und Ego ist nicht wirklich. Nur Du bist wirklich, das ›Ich-Bin‹ in Dir ist wirklich, real, ewiglich. Was auch immer Deinem Ego, Dir, so wie Du Dich wahrnimmst, widerfährt, es ist keine reale Bedrohung. Ego existiert nicht wirklich, weil »nichts Unwirkliches existiert«⁴.
Das sind wahrhaft wunderbare Neuigkeiten. Der Christus war sich seiner eigenen und damit auch Deiner Identität gänzlich bewusst und nannte die Menschen Brüder und Schwestern. Er nannte Euch so, weil Ihr es wirklich und wahrhaftig seid. Du bist Bruder, Schwester des Gottessohnes, weil auch Du Sohn und Tochter des All-Einen bist.
Nun ist es an der Zeit, ein grundsätzliches Missverständnis in Bezug auf das menschliche Ego auszuräumen, das in neuerer Zeit viel Kummer über den spirituell Suchenden bringt. Es entspricht der Fehleinschätzung Deiner Gesamtwesenheit, das menschliche Ego in Bausch und Bogen zu verteufeln und zum schlimmsten Feind Deiner Spiritualität zu erklären.
Ego ist zum ärgsten Feind Gottes, zu Seinem schlimmsten Widersacher im Kampf um die menschliche Seele erhoben worden. Ego gilt als Saboteur jeglicher wahren Gotteserfahrung und Verursacher aller Untat, derer ein Menschenwesen fähig sein kann. Mit anderen Worten: Das Ego ist sozusagen der Teufel im Menschen, der Teufel in Dir, den es um jeden Preis zu bekämpfen und zu überwinden gilt.
Dies alles mag in gewisser Weise stimmen und dennoch stimmt es auch wiederum nicht. Es ist, wie so oft, eine Frage der Ebene, von der aus Du die Dinge betrachtest. Gerade hier liegt ein fundamentaler Denkfehler verborgen, der Dich geradewegs in Deine eigene Egofalle lockt: Das Göttliche hat keinen Feind. Gott hat keinen Gegenpol. Alles-was-Ist hat kein Gegenteil.
Das Absolute kann keinen Gegenpol haben, sonst wäre es nicht absolut. Alles-was-Ist ist, was sein Name sagt und kann per Definition seiner allumfassenden Natur keinen Feind oder Gegenspieler haben. Gott kann sich selbst nicht Feind sein.
Der Mensch ist nicht aus der Wahrnehmung seiner Einheit mit Gott gefallen, gestürzt oder vertrieben worden, weil er ihrer unwürdig ist. Er ist aus dem bewussten Gewahrsein des All-Einen hervorgetreten. Es war Gottes Wille, es war der Wille Gottes, der auch in Dir ist. Der Mensch wurde nicht aus dem Paradies vertrieben, er hat es ›bewusst vergessen‹, um sich selbst als das Paradies zu erkennen. Das ist Alles-was-Ist, wie Er sich ewig neu erschafft und sich selbst erkennt in dem, was Er schon immer war und sein wird. Da alles Teil von Ihm ist, kann niemals etwas gegen Gottes Willen geschehen, denn was alles ist, das ist auch jeder Wille.
Alles-was-Ist kann nicht gegen sich selbst sein. Der sogenannte Sündenfall, der Austritt aus dem Einheitsbewusstsein, ist göttlicher Schöpfungsplan, sonst könnte er niemals sein. Die Geburt des Ego ist die Geburt des Glaubens an das Böse.
Dieser Glaube liegt in der Natur des Ego selbst, er ist die Essenz des Ego und das größtmögliche Missverständnis des Menschen. Ego ist des Menschen Miss-Verständnis seiner selbst. Etwas, das sich selbst als potenziell böse und unvollkommen wahrnimmt, kann seine eigene Geburt unmöglich als positives, freudiges Ereignis feiern und muss sich selbst, wie auch seinen Schöpfer, schließlich fürchten. Gott selbst hat das Vergessen seiner selbst zum Zwecke der Selbsterfahrung erschaffen. Im Sinne der Evolution ist Dir die Möglichkeit der Wahl und somit die Fähigkeit, in dieser Weise zu denken und zu fühlen gegeben. Anders ausgedrückt: Du hast die freie Wahl der Selbstwahrnehmung und damit die Fähigkeit zum Irrtum über Dich selbst.
Ego ist gottgewollt, sonst könnte es unmöglich Wesensaspekt Deiner Gesamtpersönlichkeit sein. Alles-was-Ist will alles, was ist. Wie könnte es sonst sein? Wer sonst hätte es erschaffen können?
Aus Dir selbst heraus kannst Du nichts erschaffen, da alle Schöpferkraft aus Ihm ist. Es gibt kein ›Aus-Dir-selbst-Heraus‹, es gibt nur Alles-was-Ist. Ego ist heiliges Werkzeug Gottes, erschaffen zur zeitweiligen Verhüllung Deiner ewigen Wirklichkeit. Ego ist Fehlwahrnehmung und damit auch dasjenige, was die Wahl der rechten Wahrnehmung ermöglicht.
Das Ego ist das Geschenk des Vergessens, geschaffen, die Gnade der Rückbesinnung zu ermöglichen.
Ego lebt von dem Glauben, Gottes Willen zuwiderhandeln zu können. Ego ist dieser Glaube. Gott spielt mit sich selbst in vollkommener Weise. So tappst Du, in gutem Glauben, der Teilaspekt von Dir, den Du Ego nennst, sei schlecht und müsse bekämpft werden, in Deine eigene Egofalle.
Du lebst in einer polaren Welt und kannst Dir die Abwesenheit von Dualität nicht vorstellen. Die Welt der Materie erschafft und nutzt Dualität zum Zwecke der Selbsterkenntnis. So hat die Dualität, die in Deiner Dimension nichts auszulassen scheint, auch eine duale Vorstellung und Wahrnehmung Deiner selbst hervorgebracht. Duale Wahrnehmung erlaubt ein absurdes Selbstbild von Gut und Böse. Jeder und jedes ist sich selbst naturgemäß das Maß aller Dinge.
Weil es unmöglich ist, irgendeinen anderen Maßstab anzusetzen als sich selbst, kann jedwede Bewusstseinsform immer nur ein Gottesbild erschaffen, das das eigene Selbstbild spiegelt. Wir wissen: Nichts kann jemals sich selbst übersteigen. So musste es unausweichlich zu einem Gott kommen, der nicht allmächtig ist, sondern einen dualen Gegenspieler hat, ein Gegenteil, einen Feind.
Die Vorstellung eines Teufels, der sich einem dann wohl doch nicht so allmächtigen Gott in den Weg stellt, war geboren. Nur der, der sich selbst wahrnimmt als ein Wesen, das Gottes Willen untergraben kann, ist fähig, sich einen Gott vorstellen, der einen mächtigen Rivalen hat. Dieser illusionäre Satan ist die abstruse äußere Version der inneren Egoillusion.
Wenn das Böse, das Ego, der Widersacher des Göttlichen im Menschen ist, dann muss der Teufel der große Widersacher Gottes sein. Niemand kann der Wahrnehmung seiner selbst entfliehen und sie nicht nach außen projizieren. Der Mensch hat das absolute, das allumfassende Wesen Gottes nicht verstanden. Wo Spaltung und Dualität sind, kann das Absolute nicht als Einheit wahrgenommen werden. Gott hat kein Gegenteil. Dualität ist Spaltung, Ausschluss des einen zugunsten des anderen.
Spaltung ist Illusion, Mittel und Werkzeug zum Zweck der Erkenntnis. Spaltung führt zur Erkenntnis von Einheit, denn alle Wirklichkeit ist jenseits jeglicher Dualität. Gott ist das Helle und das Dunkle, das Große und das Kleine, das Sichtbare und das Unsichtbare, das Gute und das Böse. Gott ist das ›Ich-Bin‹ in allem, was ist.
5. Ein-Sicht
Der Kampf der Giganten
Wie man einen Schattenboxkampf gewinnt
Meine liebe Freundin, mein lieber Freund, wer glaubt, Dualität sei eine Art Fluch, der auf Euch lastet und Eure Welt regiert, hat das machtvolle Prinzip dieses göttlichen Werkzeugs nicht verstanden und den Segen, der in ihm liegt, nicht erkannt.
So wie die Egoillusion, die ihr entspringt und sie begünstigt, so ist auch die Wahrnehmung von Spaltung ein großartiges und heiliges Geschenk Gottes an sich selbst. Spaltung ist ein Geschenk unermesslicher Liebe an Dich. Dualität ist vollkommenes Mittel zum göttlichen Zweck der Erkenntnis. Die Einheit erkennt sich selbst als das, was sie ist, durch die Spaltung. Dualität überwinden heißt heilen, heil werden, ganz sein.
So wie das Gute im Bösen ist, so ist das Böse im Guten. Wie könntest Du ›gut‹ erkennen, wie könntest Du es definieren, wenn Du nicht ›böse‹ kennst? Wie könntest Du es fühlen? Ohne das Böse kann das Gute nicht als gut erkannt werden. Ohne das Böse wäre das Gute Unwissenheit über sich selbst.
Du erkennst und definierst Dich selbst in Deinem Sein durch das, was Du nicht zu sein glaubst. In der Einheit der göttlichen Wirklichkeit bist Du jedoch alles gleichzeitig, beide Seiten, beide Aspekte. Gott ist alles und es kann nichts geben, das Er nicht ist. Weil sich Dir alles, was Du in dieser Dimension wahrnimmst, gespalten darstellt, solltest Du Dich dieses vollkommenen Werkzeugs freudig bedienen und die Dualität als eine zu Deinem höchsten Wohle eingesetzte Wahrnehmungsform ehren. Dualität ermöglicht Dir die Manifestation des freien Willens. Sie ermöglicht Dir Wahl und damit die Erkenntnis Deiner selbst.
Was immer der Mensch an Gottes Schöpfung verabscheut und verurteilt, das hat er nicht begriffen. Duale Wahrnehmung ist, genau wie das Egokonzept, kein Hemmnis auf dem Weg zu höherer Erkenntnis, sondern heiliges Mittel zum göttlichen Zweck.
Wenn Du weiterkommen willst, musst Du Deine feststehenden Wertvorstellungen und Urteile über Dich selbst überdenken. Du musst Deine eingefahrenen und begrenzten Vorstellungen von Gut und Böse auf eine höhere Ebene verschieben. Nichts verändert Deine Wahrnehmung grundlegender als die Erweiterung und Verschiebung Deiner Gut-Böse-Vorstellungen. Warum ist das so? Weil Du Dir selbst nicht entfliehen kannst. Du kannst nichts und niemanden mit einem anderen Maß messen als Dich selbst. Niemand entkommt sich selbst. Du kannst immer nur mit ein und demselben Wertesystem umgehen, mit Deinem eigenen. Das ist vollkommene göttliche Gerechtigkeit.
Du kannst Dich selbst nicht überlisten, das ist völlig unmöglich, wenn es auch noch so sehr danach aussehen mag. Du bist das Maß aller Dinge. Im Urteil über Dich selbst beurteilst Du Gott und alles, was Du als außerhalb Deiner selbst existierend wahrnimmst.
Im Urteil über andere sprichst Du Dir immer Dein eigenes. Du bist das Maß aller Dinge.
Wie wir gesehen haben, kannst Du Dir selbst niemals entfliehen. Dies ist die göttliche Garantie dafür, dass Deine wahre Natur ewig in Sicherheit bleibt und niemals bedroht werden kann durch die Fehlwahrnehmung Deiner selbst. Weil dem so ist, ist Dich selbst zu lieben und Deinen Nächsten zu lieben ein und dasselbe. Wenn Du dies verstehen willst, dann kannst Du nun, ohne Furcht vor Dir selbst, Deinen ungetrübten Blick mit Sanftmut Deinem Ego zuwenden.
Ego ist weder böse noch gut: Ego ist einfach. Du bist einfach. Du bist das ›Ich-Bin‹, hervorgegangen aus Alles-was-Ist und dennoch gänzlich in Ihm. Von diesem neutralen Ausgangspunkt aus kannst Du es wagen, Dich selbst vollkommen neu zu bewerten. Wenn Du Dich entschieden hast, die unbegrenzte Allmacht des Göttlichen anzuerkennen, dann hast Du auch verstanden, dass es nichts geben kann, das nicht gottgewollt wäre.
Von dieser Last befreit, kannst Du Dich endlich Deinem Ego ohne Schuldgefühle zuwenden und es Dir genauer anschauen. Ist es nicht eine große Erleichterung für Dich zu erkennen, dass Du so wie Du bist vollkommen Gottes Plan entsprichst? So wie Du jetzt bist, bist Du ein großartiger Teil des schöpferischen Evolutionsprozesses. Dein Ego ist keine Fehlschöpfung, es ist göttliche Absicht. Du bist göttliche Absicht und Du bist es jetzt, denn der Weg und das Ziel sind ein und dasselbe.
Du entsprichst der göttlichen Ordnung und die Tatsache, dass Du es nicht erkennst, ist Teil dieser Ordnung. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes in Ordnung, dass Du Dich als ein von Deinem Schöpfer getrenntes Wesen wahrnimmst, scheinbar fähig, seinem Willen nicht zu entsprechen. Vielleicht entscheidest Du jetzt, liebevoll auf das zu schauen, was Du als Dein Selbst wahrnimmst.
Da ist niemand, der erwartet, dass Du Dich selbst verdammst.
Alles-was-Ist erkennt Dein Ego, Deinen Glauben an eine Existenz außerhalb der Einheit als das, was es ist: ein Irrtum. Dein Ego, so aufgebläht es auch sein mag in seiner Arroganz, ist doch nur Illusion, Fehlwahrnehmung. Es ist der höchstmögliche Gipfel der Vermessenheit, an eine von Alles-was-Ist getrennte Existenzfähigkeit zu glauben. Sich außerhalb Gottes zu wähnen, bedeutet nichts weniger, als sich als ein gottlos-es Wesen wahrzunehmen und da Alles-was-Ist absolut ist, kann niemals etwas sein, das da gottlos wäre.
Ego ist gottgewollte Fehlwahrnehmung, eingesetzt zum Zweck der Wahlfreiheit, welche die Möglichkeit der Wahrnehmungskorrektur impliziert. Nichts kann jemals sein, was nicht sein darf, was nicht sein soll, was nicht sein will. Dein Ego mag noch so sehr glauben, Du könntest Gott durch Ungehorsam gegen seinen Willen bedrohen, doch Gott anzugreifen ist und bleibt ewig völlig unmöglich. Gott kann nicht bedroht werden, weil nichts außerhalb von Ihm existiert.
Dein Ego, Dein Glaube an Sünde, ist nur die Illusion, dass Du es könntest. Illusion jedoch ist nicht wirklich und was nicht wirklich ist, kann die Wirklichkeit nicht bedrohen. Das Wesen der Illusion ist die Abwesenheit von Wirklichkeit und damit die Abwesenheit von Macht.
In gewisser Weise bist Du wie ein kleines, verängstigtes Kind. Das Kind ›träumt‹, es habe das beste Porzellan seiner Mutter zerschlagen. Es erkennt nicht, dass dieses Porzellan unzerbrechlich ist. Das Kind, das Du bist, träumt so lebhaft, dass es seinen Alptraum mit der Wirklichkeit verwechselt und ihm Realität zuspricht.
Die Mutter aber, die zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann, sieht mit unendlich liebevollem Blick auf ihr Kind und weiß, dass es gar nichts zerstört hat. Sie weiß, dass ihr geliebtes Kind das gar nicht kann. So sehr das Kind auch in seinem Schuldgefühl darauf beharrt, es habe furchtbare Verwüstung angerichtet, die Mutter sieht ewig nur die Wahrheit.
Das Kind wähnt sich böse, schuldig und unvollkommen und fürchtet in seiner Selbstverdammnis den Zorn und ewigen Liebesentzug seiner Mutter. In seinem illusionären Schuldwahn und seiner Selbstverachtung geht das verängstigte Kind so weit, imaginäre Scherben aufzusammeln, die es vor sich selbst und ihr zu verstecken sucht. Keine Mühe ist ihm zu groß, dem gefürchteten Zorn und der erwarteten Strafe der Mutter zu entkommen. Und so verhüllt der Mensch sein Antlitz in Schamesröte vor seinem Schöpfer und hofft, vielleicht durch einen letzten Akt der Gnade seiner gerechten Strafe entfliehen zu können. Das ist Ego.
Ego ist Glaube an Trennung. Glaube an Trennung bewirkt Angst vor Gott und damit Angst vor Dir selbst. Niemand kann ein Geschöpf fürchten, ohne dessen Schöpfer zu fürchten.
Ebenso überträgt sich die Furcht vor dem Schöpfer unausweichlich auf seine Schöpfung. Wer würde furchtlos die Frucht einer giftigen Pflanze essen wollen und wer würde die Pflanze nicht für das Gift in der Frucht verantwortlich machen? Angst vor Gott und Dir selbst ist die Hölle, die Hölle in Dir, denn nichts kann jemals außerhalb sein. Die Bedingungslosigkeit Gottes unendlicher Liebe nicht zu erkennen, ist die einzige Hölle, die es jemals geben kann. Sie ist nur in Dir selbst und entbehrt jeder Wirklichkeit.
Dieses Gewahrsein von Trennung und Schuld ist nur ein furchterregender Traum. Es ist ein Alptraum, den zu träumen Du selbst gewählt hast, um in unermesslicher, unvorstellbarer, unendlicher Freude von Deinem Alptraum in die Wirklichkeit der allumfassenden Liebe Gottes erwachen zu können. Das ist die Rückkehr ins Paradies, die bewusste Wiedervereinigung von und mit Alles-was-Ist.
Das ist Gott, der sich selbst in Deiner menschlichen Persönlichkeit erfahren und wiedererkannt hat. Das ist Gott, der sich neu erschafft im Gewahrsein seiner selbst. Das ist Evolution, ewige unendliche Ausdehnung der Selbstwahrnehmung.
Wissend, dass ihr über alles geliebtes Kind niemals wirklich in Gefahr schwebt, überlässt es die Mutter seinem Traumzustand, den es selbst gewählt hat, bis es zu erwachen bereit ist. Liebevoll überwacht sie seinen Schlaf und stupst es hie und da sanft an, um zu sehen, ob es seinem Alptraum ein Ende zu machen gewillt ist. Ihre unermessliche, allumfassende Liebe zu sich selbst, die gleich der Liebe zu ihrem Kinde ist, verbietet ihr, ihrem Kind den lebensspendenden Schlaf zu rauben. Niemals würde sie es gegen seinen Willen aufwecken, kennt sie doch die heilsame Wirkung des Schlafes. In grenzenloser Liebe, die keinen Zwang und keine Ungeduld kennt, erwartet sie freudig sein Erwachen in die erlösende Wirklichkeit.
Dein Ego ist Dein Glaube an Unvollkommenheit. Die Wahrnehmung von Unvollkommenheit impliziert die Wirklichkeit von Sünde, denn nur wo Unvollkommenheit gesehen wird, ist Sünde möglich. Das Konzept der Sünde ist nichts anderes als eine verzerrte Wahrnehmung der gottgegebenen Willensfreiheit und damit Deiner Berechtigung zur freien Wahl.
Wenn es Sünde geben kann, kann es Gott nicht geben. Wenn Sünde wirklich ist, kann Gott nicht allumfassend und damit allmächtig sein. Die Wirklichkeit von Sünde schließt die Existenz Gottes aus, denn das würde bedeuten, dass es etwas geben kann, das nicht Teil Gottes wäre.
Wenn es denn so etwas wie Gotteslästerung geben könnte, dann wäre die einzige Gotteslästerung, die Du begehen könntest, der Glaube, Du könntest Gott lästern. Das Gedankenkonzept der Sünde hat außerhalb des Egokontextes keinen Sinn und keinerlei wirkliche Substanz. Die allumfassende Natur von Alles-was-Ist macht Sünde vollkommen unmöglich. Du erkennst Deine göttliche Natur, die Deine einzige Wirklichkeit ist, wenn Du anerkennst, dass Sünde Illusion ist, nichts als Irrtum über Dich selbst.
Sünde ist Illusion, nichts als Irrtum über Dich selbst.
Mein lieber Freund, meine liebe Freundin, wir haben unsere fünfte Einsicht Der Kampf der Giganten genannt. Die erste Voraussetzung für einen Kampf ist naturgemäß die Anwesenheit von mindestens zwei sich feindlich gegenüberstehenden Kontrahenten. Nur dort ist Kampf, wo zwei widersprüchliche Energien aufeinanderprallen. In dieser Dimension, wo kein Prinzip ohne Gegenpol vorstellbar ist, müssen wir denn auch nicht lange nach dem Gegensätzlichen suchen: Wenn Dein Ego in Deinem selbst inszenierten Lebenskrimi der Bösewicht ist, dann ist Dein Höheres Selbst der ehrbare Gesetzeshüter. Damit wären die Fronten erst einmal geklärt und der Kampf um ewige Glückseligkeit und Errettung Deiner Seele kann in die erste Runde gehen. (Anm. der Verfasserin: Scherzhaft gesagt).
Diesem Grundprinzip folgend stellt sich der Mensch die Sache mit der spirituellen Entwicklung vor, die dann in der großen Erleuchtung ihren endgültigen Höhepunkt findet – irgendwann, in einer weit entfernten Zukunft. Doch gerade das, was Du durch dieses Konzept zu überwinden suchst, erhältst Du. Bevor wir diesen grundlegenden Zwiespalt menschlichen Seins näher betrachten, sollten die Begrifflichkeiten geklärt und definiert werden.
Was und wer Du wirklich bist, haben wir bereits klargestellt. Wenn Du es nicht mehr weißt, weil Du zu ›vergessen‹ beschlossen hast, so ändert das doch nichts daran, dass ewig wahr bleibt, was ewig wahr ist.
Weil die letztgültige Wirklichkeit ewig unbedroht bleibt, ist Deine wahre göttliche Natur allzeit in vollkommener Sicherheit. Mit anderen Worten: Du kannst noch so tief in die Egoillusion sinken und vergessen, wer Du bist, Gott in Dir vergisst es niemals. Die große Mutter verwechselt niemals den Traumzustand mit der Wirklichkeit, sie schläft nie. Du magst Dich noch so sehr in Bezug auf Dich selbst irren, Gott in Dir, Dein Höheres Selbst, ist der Aspekt Deiner Gesamtpersönlichkeit, in dem Irrtum völlig unmöglich ist. Die Wirklichkeit ist nicht abhängig davon, dass Du ihrer gewahr bist und sie anerkennst: Die Wahrheit über Dich ist ewig unveränderlich.
Ego ist dem Irrglauben verfallen, Du und die ganze Schöpfung seien zwar vor langer Zeit von einem Gott erschaffen worden, jedoch aus einer ganz anderen Substanz hervorgegangen als die seine, ausgestattet mit einer Art von Lebensfähigkeit, die unabhängig von Ihm ist. Das ist Ego, das ist Menschsein. Nicht einen Menschen gibt es in der Welt, der nicht in der einen oder anderen Weise dieser Wahnvorstellung erlegen ist.
Du erlebst Dich selbst, in dieser wie in jeder anderen Welt, entsprechend Deinem Glauben bezüglich Deiner selbst. Was Du über Dich selbst glaubst und wie Du Dich wahrnimmst, entspringt und entspricht dem Grad Deiner Selbsterkenntnis.
Umgekehrt bestätigt Dir Deine Selbsterfahrung die Glaubensvorstellungen in Bezug auf Dich selbst und Deine Welt. Du erlebst Dich selbst und Deine gesamte Außenwelt entsprechend Deinen Glaubensvorstellungen, die Deinen Willen ausdrücken. So erschaffst Du Dich selbst und Deine Erfahrungswelt entsprechend Deinem Willen. Dies stellt die Dir gegebene göttliche Schöpferkraft sicher.
Du bist Ego. Du bist auch Ego, aber Du bist nicht nur Ego. Du bist ein Wesen, sich ausdrückend und erkennend als Gedanken- und Gefühlsenergie. Du bist Gedanke und Gefühl in Bewegung. In Gedanken- und Gefühlsbewegungen verschaffst Du Dir Information über Dich selbst und erkennst Dich als seiendes Wesen. Du bist ein wunderbares, komplexes Energiekonglomerat. Nie hattest Du Gedanken und Gefühle, Du bist Gefühl und Gedanke. Jenseits des Ego bist Du weitaus mehr als das, Deine Intuition ist Dir Beweis, dass dem so ist und sie ist es, die Dir bestätigt, dass Dein Sein jenseits dieser eingeschränkten Selbstwahrnehmung unabhängig ist von Deinem Denken und Fühlen. Du bist Geist von Gottes Geist, Bewusstsein von seinem Bewusstsein. Denken und Fühlen sind göttlicher Seinszustand und Selbstausdruck.
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