Kitabı oku: «Snørgl der Waldwicht»

Yazı tipi:

Betty Kamer

Snørgl der Waldwicht

Das verlorene Licht

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Über meine Schreiberline

Lieber Leserling

Ein aufgeregter Besucher

Rettung im letzten Augenblick

Gosi der Baumeister

Bettys neues Zuhause

Unglaubliche Neuigkeiten

Die besonderen Kinder

Hummelige Nachrichten

Auf nach Neuseeland

Ein ungewöhnliches Gefährt

Grösser als gedacht

Gemeinsam geht alles leichter

Auf nach Shantytown

Eine wundersame Begegnung

Ein komischer Vogel

Mit vereintem Wissen

Glühwürmchen, die keine sind

Waitomo Caves

Was tut sich denn da?

Der schöne Luis

Unerwartete Hilfe

Wichtenehrenwort

Sonderbar

Ein perfektes Team

Amirias Geheimnis

Eine spektakuläre Flucht

Wieder vereint

Die verbannten Wichte

Hüterin der Jade

Der Herr des Waldes

Waipoua Forest

Elfenzauber

Alles nur ein Traum?

Gosis Insektenhotel

Die Legende des Tane Mahuta

Besondere Orte dieser Geschichte

Impressum neobooks

Über meine Schreiberline

Snørgl,

der Waldwicht


Das verlorene Licht

Teil III

für Kinder ab 8 Jahren und junggebliebene Erwachsene

Sie wurde 1965 in Berlin (a.B.) geboren, wo sie nach dem Realschulabschluss an einer Gesamtschule, erfolgreich eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notariats-fachangestellten absolvierte.

Bereits während der Schulzeit entdeckte sie ihre Vorliebe für das geschriebene Wort, doch als berufstätige Mutter von drei Kindern ruhte diese Leidenschaft für eine lange Zeit.

Schon vor über 25 Jahren dachte sie zum ersten Mal an mich und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie mich und meine Freunde aufregende Traumreisen unternehmen ließ und uns in ihren Büchern Leben einhauchte.

Deutsche Erstveröffentlichung November 2020

Copyright © der Originalausgabe Betty Kamer

Impressum:

Betty Kamer

c/o Autorenservice Paessler

Benninger Str. 26

87700 Memmingen

Mail: kontakt@betty-kamer-schriftstellerin.com oder direkt an mich:

wichtenpost@gmail.com

Illustration & Covergestaltung: Betty Kamer

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile und des Covers, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Figuren dieser Geschichte

Die Oberwichte:

Vegard (der Kluge), Dellingur (der Glänzende) und Dagbjartur (der Taghelle)

Die Waldwichte:

Snørgl (wird bei uns Snörgl ausgesprochen, der Lesewicht), Djarfur (der Mutige), Galdur (der Wilde), Vökull (der Wachsame), Tamin (der Schneider), Pokki (der Koch und Bäcker), Pegjandi (der alle Blumen kennt), Styggur (der Nachdenkliche), Stubbur (der Arzt), Reifur (der Kreative), Léttféti (der Kletterer), Svipdapur (der Dichter), Gulltoppur (der Maler) und Gosi (der Handwerker)

Die Elfen:

Lýsa (die Leuchtende), Elin (die Strahlende) und Sóla (die Sonnige) und diesmal mit dabei: Amiria (die Fleißige)

Die Tiere:

Kibuz der Kauz, das Glühwürmchen, Pauri der Papageitaucher, Mink der Marder, Halia und Sami die Seeadler, Betty die Hummel, Finy der Kakapo, Luis die Mandarinente, Isi - die Cousine des Pfeifhasen und Jala das Kiwi-Mädchen

Die verbannten Waldwichte:

Böggvir (einer der Schaden anrichtet), Amur (der Große) und Allsvartur (der die Farbe schwarz liebt)

Die Kobolde:

Varas (der Dieb), Gylfi (der Täuschende) und Ahne (der Gierige)

Die Glückskinder in diesem Buch:

Lia Isabell, Pius, Sophie, Timo und Lennie

Lieber Leserling

Du begleitest meine ‚wichtigen‘ Freunde und mich schon seit zwei Abenteuern, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte. Auch das besondere Büchlein ‚Meine wichtigen Freunde‘ hat inzwischen vielleicht schon deine Aufmerksamkeit bekommen. Als kleines ‚Dankeschön‘ kannst du oder ein liebes Familienmitglied mir gerne nach dem Lesen dieser Geschichte über meine Mailadresse

wichtenpost@gmail.com

schreiben, welcher Wicht, welches Tier oder welche Elfe dir besonders gefallen hat. Meine Schreiberline wird dir dann ein kleines Dankeschön-Geschenk zusenden. Vergiss bitte nicht, deinen Namen und deine Anschrift in der Mail mit anzugeben und wenn du magst kannst du mir gerne dein Geburtsdatum verraten. Ich weiß nämlich, dass meine Schreiberline ein Geburtstags-Buch hat, in dem sie all die ihr wichtigen Geburtstage notiert (und dann auch kleine Geschenke zu diesen Tagen verschickt… aber pst!... das ist eigentlich Geheimnis).

Nun wünsche ich dir beim Lesen dieser dritten Geschichte viel Spaß und eine gute Zeit… bleib bitte immer achtsam und gesund!

Dein

Snørgl


Ein aufgeregter Besucher

Bsssss… bsssss… bsssss…

„He, lass das!“

Bsss… bsss… bsssssssss… bsss… bsss…

„Also wirklich, was zum Wicht soll denn das?“

Wer auch immer mich da aus dem Schlaf reißen wollte, war schon sehr hartnäckig.

„Jetzt komm schon, werde endlich wach. Wie kann man denn so fest schlafen?“ summte es mir erneut um die Ohren.

Meine Neugierde war inzwischen größer als das Verlangen, noch ein wenig weiter in meinem kuscheligen Bett zu liegen und von dem letzten Abenteuer zu träumen, das wir gerade überstanden hatten.

Herrje, wie schlecht es mir ging als mir bewusst wurde, dass ich meinen Freunden das Bild des falschen Flughafens gezeigt hatte. Wegen meines Irrtums waren wir mit dem letzten verbliebenen magischen Pulver auf der verkehrten Insel gelandet. Aber meine Freunde haben so großartig reagiert: Das hätte jedem passieren können, haben sie gesagt. Na, das sah ich aber ganz anders. Ich hatte doch die Verantwortung – irgendwie.

Doch die Rettung der Xanthis und das Kennenlernen unserer neuen tierischen Freunde überstrahlte letztendlich alle meine traurigen Gedanken. Zwar konnten wir die Orchideen nicht wieder zurückbringen, doch hatten wir es einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass wir eine Nebenhöhle in der Tropfsteinhöhle im Tal der Tsingys entdeckten. Dort, so stellte sich heraus, wollten Böggvir, Allsvartur und Amur zusammen mit den Kobolden wohl versuchen, magisches Glas herzustellen. Wozu genau, blieb ein Rätsel. Derzeit gehen wir aber davon aus, dass sie nicht alle geheimen Zutaten kennen, die zur Herstellung notwendig sind. Aber zu wissen, dass die Kobolde so etwas vorhaben, konnte den Elfen sicherlich helfen, sich und ihr Geheimnis noch besser zu schützen. Und wir haben den Kobolden wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht!

Bsss… bsss… bsssss… bsss…

„Ist ja schon gut. Wer zum Wicht noch einmal bist du denn?“ fragte ich erstaunt das kleine Geschöpf, welches unablässig um meinen Kopf herumsauste. Er oder sie hatte es also wirklich geschafft, dass ich mich in meinem Bett aufsetzte und mit umschlungenen Knien darauf wartete, meinen Gast näher betrachten zu können.

Nun flog dieses Wesen direkt auf mich zu und setzte sich wie selbstverständlich auf meinen Arm. Bevor ich jedoch eine Antwort erhielt, wurde ich eingehend betrachtet.

„Du siehst ganz anders aus, als ich dachte. Viel netter und nicht so wie ein oller verschrumpelter Wicht.“

„Na hör mal, wieso sollte ich denn verschrumpelt sein? Wie kommst du denn auf so etwas?“ fragte ich verwundert und entdeckte nun ihre langen Wimpern.

„Und was soll das heißen, du hast mich dir anders vorgestellt? Wieso kennst du mich denn?“

„Meine Güte, bsssss, so viele Fragen auf einmal, da schwirrt mir ja mein Köpflein“, brummte dieses flauschige und (bitte verzeihe mir diesen Ausdruck) etwas rundliche Wesen und flog tatsächlich rückwärts ein Stückchen von mir weg.

„He, wie hast du das denn gemacht? Bist du etwa gerade rückwärts geflogen?“ Fasziniert beobachtete ich sie dabei, wie sie sich auf meiner Bettdecke, die ich mir über die Knie gezogen hatte, niederließ.

„Du weißt wirklich nicht, welches Tier ich bin. Na, da bin ich aber enttäuscht. Über dich wird erzählt, dass du ja soooooooo belesen bist. Da hätte ich aber erwartet, dass du mich auf den ersten Blick erkennst“, schmollte sie nun.

Puh, dass hatte gesessen. Nun hatte ich aber ein schlechtes Gewissen.

„Ich bin Betty, die Hummel.“


Betty

(Die Hummel)

Oh ha. Von so nahem hatte ich noch nie eine Hummel gesehen und umso länger ich sie mir ansah, desto schöner erschien sie mir. Bienen hatte ich schon des Öfteren dabei beobachtet, wie sie den Nektar aus den Blüten aufsogen. Doch im Vergleich zur Honigbiene war diese Hummel deutlich größer und dicker. Sie hatte mehr und längere Haare. Nun erinnerte ich mich auch wieder, was ich einmal über sie gelesen hatte… Hummeln haben ca. drei Millionen Haare auf dem ganzen Körper, genauso viele wie bei einem Eichhörnchen - obwohl das Eichhörnchen viel größer ist. Manche Hummelarten haben vor allem schwarze Haare, bei vielen kommt aber noch orange dazu. Bei Betty wirkte diese Farbe eher golden. Das wird dem Gulltoppur sicherlich gut gefallen, dachte ich mir und musste schmunzeln.

„Warum lächelst du?“ fragte sie mich und neigte ihr Köpflein etwas zur Seite.

Täuschte ich mich, oder wurde das Brummen etwas leiser?

„Ist alles gut bei dir? Fühlst du dich nicht wohl? Du wirkst plötzlich so müde!“ fragte ich sie besorgt. Schlaff hingen die Flügelchen an ihrem Körper herab.

Bss… bss… bss…

„Ich… habe… keine Energie… mehr. Ich… brauche… deine… Hilfe…“ summte sie nur noch leise und schloss ihre Äuglein.

Rettung im letzten Augenblick

Mir blieb fast das Herz stehen.

„Betty? Um Himmels willen, Betty? So sag doch etwas. Öffne bitte wieder deine Augen. Was soll ich denn tun?“ bettelte ich sie an, doch sie rührte sich nicht.

So behutsam ich konnte, trug ich sie zum Tisch, auf dem in einer Vase die Blumen standen, die ich zur Begrüßung nach der Rückkehr von unserer letzten Reise von Lýsa geschenkt bekommen hatte. Sanft legte ich sie auf ein Blütenblatt, das auf die Tischplatte gefallen war.

Behutsam streichelte ich ihr über die flauschigen Haare, doch nur leicht hob und senkte sich ihr kleiner Körper beim Atmen.

Wie von der Tarantel gestochen rannte ich hinaus und schrie laut: „HILFE!“

„Schnell, Betty braucht Hilfe! So helft mir doch!“ rief ich aus vollem Herzen und wischte mir eine Träne von der Wange.

Augenblicklich kamen meine Freunde herbeigestürmt. Allen voran Stubbur, unser Arzt.

„Snørgl, was ist denn geschehen?“ rief er aufgeregt und japste nach Luft. Mit seinen kurzen Beinen musste er immer doppelt so viele Schritte laufen wie wir.

„Betty,“ schluchzte ich und deutete mit ausgestrecktem Arm durch die offene Tür meiner Baumwohnung. „Sie rührt sich nicht mehr!“ wimmerte ich.

Raschen Schrittes eilte er in meine Wohnung, während Galdur, Gulltoppur, Tamin und Pegjandi, die kurz nach Stubbur eingetroffen waren, mich doch etwas verwirrt ansahen.

„Wer ist denn Betty?“ fragte mich der inzwischen neben mir aufgetauchte Styggur außer Atem und blickte mich fragend an. „Die kenne ich ja gar nicht.“

Auch die anderen sahen mich erwartungsvoll an. Und so erzählte ich ihnen von der kleinen Besucherin, die mich so hartnäckig geweckt hatte.

„Seit wann gibt es denn in unserem Teil des Waldes Hummeln?“ fragte nun Reifur und kaute wieder einmal auf einem Halm herum. Als ich mich zu ihm umblickte sah ich, dass alle anderen Wichte und auch unsere tierischen Freunde sich inzwischen vor meinem Baum versammelt hatten.

„Snørgl, komm sofort herein!“ hörte ich Stubbur nach mir rufen und augenblicklich eilte ich wieder in meine Baumwohnung zurück.

„Schnell, löse einen halben Teelöffel Zucker in lauwarmen Wasser auf und fülle es hier hinein in dieses Blütenblatt“, forderte er mich auf, sobald ich die Türschwelle überschritten hatte.

„Wofür soll das denn…“, wollte ich noch fragen, doch sein strenger Blick verriet mir, dass ich diese Frage lieber zu einem anderen Zeitpunkt stellen sollte.

Glücklicherweise hatte ich immer etwas Zucker in meinem Schränkchen. Während ich den Zucker in eine kleine Schale füllte, drückte ich Vökull, der hinter mich getreten war, einen kleinen Becher in die Hand und bat ihn mir etwas Wasser zu bringen. Ich habe immer ein Fässlein vor meiner Baumwohnung stehen, in dem ich das Regenwasser sammele. Ich dachte mir, dass die Sonnenstrahlen das Wasser sicherlich bereits etwas erwärmt haben würden. Doch eigentlich hatte ich ihn nicht gebeten, sondern fast schon angebrüllt. Flugs lief er aus der Wohnung und nach seiner Rückkehr nahm ich ihm dankend den Becher ab und goss das Wasser in das Schälchen mit dem Zucker. Schnell löste sich der Zucker in dem warmen Wasser auf. Sorgsam goss ich das Zuckerwasser in das Blütenblatt und brachte es zu Stubbur, der immer noch beruhigend zu Betty sprach und ihr dabei sanft über ihr Köpflein strich. Als ich ihm das Blütenblatt überreichte, nickte er leicht mit dem Kopf und zwinkerte mir zu.

„Betty“, flüsterte er wieder an das kleine Hummelmädchen gewandt. „Sieh nur, Snørgl hat dir Zuckerwasser zubereitet. Bitte, nimm ein paar Schlucke, dann wird es dir schnell wieder besser gehen.“

Dicht gedrängt standen wir nun alle um den Tisch herum: Gulltoppur, Pokki, Léttféti, Gosi, Vökull, Pegjandi, Svipdapur, Tamin, Galdur, Reifur, Djarfur, Styggur, Vegard, Dellingur, Dagbjartur und wen haben wir denn da noch? Ah ja, natürlich Stubbur, der unsere Wunden verarztet und Beschwerden lindert. Als unser Arzt weiß er stets, was zu tun ist.

Er ist so klein und doch so mächtig, wie er da so neben mir steht und die kleine Hummel betrachtet, die über ihren klitzekleinen Fühler das energiebringende Zuckerwasser zu sich nimmt.

Wir alle waren sehr beeindruckt, als wir während unseres letzten Abenteuers erfuhren, dass er und Pokki bereits im Tal der Schmetterlinge gewesen waren und von den Elfen in das Geheimnis der Vanille eingeweiht worden waren.

Auch die anderen warteten gespannt draußen vor meiner Baumwohnung: Kibuz der Kauz, der einen uralten Baum am Ufer des Sees bewohnt, welcher an das Tal der Schmetterlinge angrenzt. Pauri der Papageitaucher, der zusammen mit dem flinken Mink, der Seeadlerdame Halia und ihrem Sohn Sami nach unserem ersten Abenteuer bei uns geblieben waren. Aber wo war denn das Glühwürmchen? So sehr ich auch nach ihr Ausschau hielt, ich konnte es nirgends entdecken. Wahrscheinlich war es bei den Elfen Lýsa, Elin und Sóla im Tal der Schmetterlinge. Mich selbst kennst du ja noch aus den ersten beiden Abenteuern, die wir schon zusammen erlebt haben. Wie hat Tamin mich immer genannt? Ach ja: Snørgl, der lesende Wicht…

„Sie schafft das – sie ist ein tapferes Hummelmädchen“, hörte ich Stubbur wie aus weiter Ferne zu mir sagen.

Gosi der Baumeister

„Hallo“, sagte Betty leise, nachdem sie endlich wieder ihre Augen aufgeschlagen hatte. „Habe ich lange geschlafen?“

„So könnte man sagen“, lächelte Stubbur sie an und war sicherlich genauso erleichtert wie ich, als sie wieder zu sich kam. Stubbur hatte unsere Wichtenfreunde und auch die Tiere wieder nach Hause geschickt, damit Betty sich in Ruhe erholen konnte. Er und ich hingegen hatten den ganzen Tag neben ihr Wache gehalten und sie nicht aus den Augen gelassen. Noch etwas erschöpft schloss sie erneut ihre Augen und… schnarchte sogar ein wenig.

„Woher wusstest du, was ihr helfen würde?“ flüsterte ich Stubbur zu.

„Es ist schon sehr viele Jahre her, da entdeckte ich an einem recht kalten Frühlingsmorgen, ich denke es waren sicherlich nicht mehr als 5 Grad, eine junge Hummel. Sie war sehr schwach und bat mich um Hilfe – genau wie unsere Betty.“

„Wie bitte?“, unterbrach ich ihn verwundert. „Die können bei so einer kalten Temperatur überleben? Ich wusste gar nicht, dass das geht. Von Bienen weiß ich, dass sie erst bei Temperaturen ab 10 Grad Celsius ausfliegen.“

„Da hast du recht. Hummeln erzeugen die zum Fliegen notwendige Körpertemperatur durch Vibration ihrer Brustmuskulatur. Doch hör weiter zu: Die junge Hummel erzählte mir, dass sie eine Jungkönigin war, die nach überstandener Winterruhe nun ein neues Volk gründen wolle. Dazu müsse sie einen geeigneten Platz für das Nest finden. Ich wunderte mich, da ich nicht wusste, dass Hummeln Nester haben. So fragte ich sie, wie diese Nester denn bei den Hummeln aussehen würden. Sie erklärte mir, dass dies zum Beispiel eine kleine Erdhöhle oder ein Mauseloch wie bei den Erdhummeln sein kann. Sie selbst bevorzugt eine Moosschicht oder auch einen hohlen Baumstamm. Als Königin sammelt sie Nektar und Pollen, die sie zu sogenanntem ‚Bienenbrot‘ verarbeitet. Dieses Bienenbrot legt sie in eine aus Wachs gefertigte Zelle und darauf später ihre Eier.“

„Woher hat sie denn das Wachs? Von einer Kerze? Wie soll ich mir das denn vorstellen?“, fragte ich Stubbur und musste bei dem Gedanken lächeln, wie eine Hummel vor einer Kerze sitzt und darauf wartet, dass das Wachs herunterläuft.

„Ich stellte fast die gleiche Frage, lieber Snørgl. Sie hat mir daraufhin erklärt, dass dieses Wachs nichts mit Kerzen zu tun hat, sondern sie und später auch die Hummelarbeiterinnen, die aus den Larven entstehen, dieses Wachs ausscheiden. Übrigens heißen die männlichen Hummeln, genau wie bei den Bienen, Drohnen.“

„Wie bitte? Sie scheiden das Wachs aus? Du meinst, so wie wir auf der Toilette? Das ist eklig!“ lachte ich nun.

„Das ist ganz und gar nicht eklig“, hörten wir Betty leise sagen und als wir uns erstaunt zu ihr umsahen, lächelte sie. Doch kurze Augenblicke später war sie bereits wieder eingeschlafen.

„Sie hat recht“, fuhr Stubbur wieder an mich gewandt fort. „Die Natur hat die Hummeln mit Wachsdrüsen ausgestattet, über die sie an ihrer Bauchseite das Wachs ausscheiden. Mit ihren Mundwerkzeugen modellieren sie das Wachs in sogenannte Brutzellen oder sie dichten das Nest damit ab, um es vor Wärmeverlust zu schützen.“

„Uih, wie interessant. Was die alles können.“

Beeindruckt sah ich zu dem schlafenden Geschöpf und spürte, wie sehr ich dieses kleine Wesen in mein Herz geschlossen hatte. Hoffentlich wurde sie wieder gesund.

„He Leute, wie geht es denn unserer kleinen Patientin? Besser hoffe ich“, flüsterte Gosi - er hatte zusammen mit den anderen meine Wohnung verlassen, um Betty in Ruhe schlafen zu lassen. Nun war er wieder zurückgekehrt und ich wunderte mich als ich sah, dass er voller Sägespäne war und nach frischem Harz und Moos roch.

„Ich habe eine Überraschung für die kleine Betty. Doch davon erzähle ich euch gleich.“ Und an Stubbur gewandt sagte er: „Entschuldige, ich habe euch unterbrochen. Erzähle doch bitte weiter, lieber Stubbur.“

Und so erzählte Stubbur, was ihm die junge Hummelkönigin noch erklärt hatte.

„Als Nahrungsquelle für sich, die Larven und die geschlüpften Hummeln baut die Königin außerdem einen kleinen Topf, den sie mit Honig füllt. Um die Eier warm zu halten, setzt sich die Königin nach der ersten Eiablage bei Bedarf zum Brüten darauf. Das Töpfchen hat sie zuvor in die Nähe der Eier platziert. Während des Brütens kann sie nun jederzeit mit dem Rüssel Honig aufnehmen, ohne dass sie die Eier zur Nahrungsaufnahme verlassen muss.“

„Und warum hat sie dich dann um Hilfe bitten müssen?“ fragte nun Gosi interessiert.

„Nun, nach dem Verlassen des Nestes, in dem sie überwintert hatte, war sie schon sehr lange Zeit unterwegs. Hummeln, müsst ihr Wissen, fliegen täglich in bis zu 18 Stunden bis zu 1000 Blüten an, um Nahrung zu suchen. Doch zu dieser Jahreszeit konnte sie noch nicht genug Blüten finden. Sie war, ebenso wie unsere Betty hier, am Ende ihrer Kräfte und brauchte dringend Nahrung.“

Ganz in Gedanken kratzte ich mich am Hinterkopf.

„Also hat sie dir damals gesagt, was du tun musst, um ihr zu helfen?“ fragte ich ihn.

„Stimmt. Da ich keinen Honig hatte, bat sie mich um ein Schälchen Zuckerwasser. Als ich es ihr brachte, konnte sie das Wasser mit ihrem Rüssel, der so ungefähr 13 mm lang ist, trinken, wodurch sie wieder zu Kräften kam. Einige Zeit später flog sie davon. Leider habe ich sie nie mehr wiedergesehen. Aber das, was sie mir damals erzählte, hat nun unserer Betty das Leben gerettet.“

Puh, da musste ich tatsächlich erst einmal schlucken. Stubbur und Gosi sahen mich erstaunt an. Doch bevor sie etwas sagen oder fragen konnten, wandte ich mich an Gosi.

„Wieso bist du denn voller Sägespäne?“

Gosi sah an sich hinunter und klopfte sich die Späne von der Kleidung.

„He, was machst du denn da? Du krümelst meinen ganzen Moosteppich voll. Lass das!“ entfuhr es mir und weil ich über sein entsetztes Gesicht lachen musste, entspannte er sich wieder. Denn ich glaube, es war ihm unangenehm.

„Ich habe für das Hummelmädchen eine kleine Überraschung. Sie kann bis sie wieder zu Kräften kommt schlecht in dieser Blüte auf deinem Tisch liegen bleiben. Da dachte ich mir, ich baue ihr rasch ein eigenes Zuhause, in dem sie mit anderen Insekten zusammen wohnen kann, solange sie möchte. Kommt mit hinaus vor die Tür, dann zeige ich es euch. Wir bekommen ja mit, wenn sie wach wird.“

Na, das war ja wirklich eine gelungene Überraschung, denn ich hatte mir noch gar keine Gedanken darüber gemacht, wo wir Betty unterbringen sollten, bis es ihr wieder besser ging und sie weiterfliegen konnte. Insgeheim hoffte ich aber, dass sie noch eine Weile bei uns bleiben würde.

Gemeinsam traten wir vor meine Wohnung und bestaunten Gosis Meisterwerk.


Bettys neues Zuhause

Das ein solch kleines Wesen sich derart Recken und Strecken kann, fasziniert mich sehr. Neugierig betrachtete sie ihre Umgebung, bis ihr Blick schließlich an mir hängen blieb, wie ich da so gemütlich in meinem Moossessel neben dem Tischlein Wache hielt. Ich hatte ihn ganz dicht an den Tisch herangerückt, um in ihrer Nähe zu sein, falls sie mich brauchen würde.

Nachdem Betty den ganzen Tag und auch die ganze Nacht hindurch geschlafen hatte, schien sie heute, an diesem wundervollen und vor allem sonnigen Tag wieder richtig fit zu sein. Wie sie da so auf meinem Tischlein saß und sich die Fühler und auch ihre Flügelchen putzte war wirklich sehr goldig anzusehen.

„Uahhhh, was habe ich doch gut geschlafen. Stelle dir einmal vor, mein lieber Snørgl, ich habe tatsächlich geträumt, dass ich in einem eigenen Haus wohnen kann, in dem ich viele andere Insekten als Nachbarn habe. Verrückt, oder?“ summte sie wieder völlig erholt um mich herum.

„Aber nein, liebe Betty! Gosi hat dir tatsächlich ein Häuslein gebaut. Darin kannst du wohnen, solange du möchtest. Komm mit mir, ich zeige es dir.“

Und so schauten wir uns gemeinsam das Insektenhotel – so nennen es die Menschen – an, das Gosi an einem Ast vor meinem Baumhaus befestigt hatte.

Neugierig umflog sie es und sah sich jedes einzelne ‚Zimmer‘ an.


Bettys neues Zuhause

oder – wie die Menschen sagen –

Insektenhotel

„Ach du meine Güte… ist das schön! Guten Morgen, ihr lieben Wichte“, begrüßte sie meine Wichtenfreunde, die inzwischen vor meiner Tür standen, um sich nach Bettys Wohlergehen zu erkundigen.

„Sag Gosi, was ist denn da in den einzelnen Zimmern alles untergebracht?“ fragte nun Léttféti neugierig und trat noch einen Schritt näher an das kleine Häuslein heran.

Stolz sah Gosi in die Runde und hatte tatsächlich leicht gerötete Wangen. Wie ein Lehrer, der seinen Schülern etwas zu erklären wünscht, stellte er sich neben das Häuschen und zeigte mit dem Wichtenmaß, das er immer in einer Tasche seiner Hose bei sich trug, auf die einzelnen Zimmer.

„Nun, das erkläre ich euch sehr gern. Seht her: in dem einen Zimmer befinden sich angebohrte Rundhölzer und hier haben wir Stroh. Unten seht ihr einige Tannenzapfen und hier herüben haben wir Holzwolle und gleich daneben Pflanzenstängel. Der Birkenstamm dient der Stabilisierung und sieht zudem noch richtig schön aus, finde ich.“

„Und das da? Sind das etwa Blumentöpfe, die verkehrt herumstehen?“ wollte nun Svipdapur wissen.

„Ja genau. Darin befindet sich Moos und etwas Stroh, damit unsere Betty sich dort richtig wohlfühlen kann“, antwortete Gosi ihm und lächelte.

Bsss… bsssss… bsss…

„Und durch dieses Loch gelange ich hinein?“ fragte unsere neue kleine Freundin und kaum hatte sie es ausgesprochen, verschwand sie im Innern des Topfes.

„Das sieht richtig gemütlich aus, lieber Gosi. Doch sag, für wen sind denn all die anderen schönen Zimmerchen? Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wer darin wohnen soll“, fragte Pegjandi und stellte sich auf die Zehenspitzen, um über die Wichtenmützen vor ihm hinweg zu sehen.

„Über diese Frage freue ich mich natürlich ganz besonders, denn ich habe mir wirklich große Mühe gegeben, für viele unserer kleinen Freunde hier im Wald die richtige Unterkunft anzubieten. Ja, wo fange ich am besten an? … Ah ja, hier mit diesen Pflanzstängeln: Die sind hohl und werden als Nisthöhlen von den Wildbienen und den Wildwespen bevorzugt. Ich hatte noch etwas Schilfrohr in meiner Werkstatt, das ich gut verwenden konnte. Dazu habe ich einige Stängel der Brombeeren, der Disteln und auch der Himbeeren gegeben. Und seht einmal hier… das ist Hartholz, das ich angebohrt habe. Auch das mögen sie sehr. Am besten eignet sich hierzu das Holz der Buche, der Esche oder Eiche. Sehr gut geht auch das Holz eines Apfelbaums oder vom Haselnussstraus. So, lasst mich mal sehen, was haben wir denn da noch? Genau! Diese dünnen Äste hier mögen die Schmetterlinge sehr gern, vor allem wenn sie noch frisch sind und nicht schon so ausgetrocknet.“

„Du bist ja witzig. Wenn die Schmetterlinge noch frisch sind?“ lachte Pokki und klatschte sich vor Lachen auf die Oberschenkel.

„Nein, ich meinte, wenn die Äste noch frisch sind, du Knalltüte“, lachte nun auch Gosi.

„Die Holzwolle hier ist für Marienkäfer, Ohrwürmer und die Florfliegen. Auch das Stroh und die Tannenzapfen werden gern von diesen Tieren genutzt. Und für die Zeit, wenn es ab Herbst kälter wird, habe ich für die einzelnen Zimmer noch entsprechende Abdeckungen gebaut, die ich dann zum Schutz vor Kälte, Wind und Feuchtigkeit befestigen kann.“

Nach diesen Worten blickte er stolz in die Runde und freute sich sehr über das Lob, das er nun von allen Seiten erhielt.

„Danke, lieber guter Gosi!“ freute sich Betty, die wieder aus ihrem Töpfchen-Zimmer herausgeflogen kam. „Es ist wirklich wunderschön und du hast dir eine solche Mühe gegeben. Doch nun ist es an der Zeit, dass ich euch erzähle, warum ich zu euch gekommen bin…“

Unglaubliche Neuigkeiten

Wir schlugen ihr vor, dass wir uns alle am Versammlungsplatz zusammenfinden wollten, an dem unsere Wichtentreffen regelmäßig stattfanden. So könnte sie uns allen gleichzeitig erzählen, warum sie zu uns gekommen war. Ich war ja schon so gespannt.

Mithilfe unseres lieben Glühwürmchens, das sich uns zwar etwas unkonzentriert, aber emsig wie eh und je ebenfalls angeschlossen hatte, konnten wir auch die Elfen und unsere tierischen Freunde Kibuz, Mink, Pauri, Sami und Halia zu unserem Treffen bitten. Warum das Glühwürmchen in dieser merkwürdigen Verfassung war, sollten wir erst viel später erfahren.

Bald darauf waren wir dann tatsächlich alle wieder beisammen und auch die schönste aller Elfen, meine Lýsa, war wieder in meiner Nähe… (seufz). Nachdem wir uns alle ein Plätzlein gesucht hatten und nun endlich stillsaßen, ließ Betty sich auf Sólas Knie nieder, die auf der Kante des Podestes saß und blickte uns aufmerksam an. Einen nach dem anderen. Dann lächelte sie.

„Hallo, meine lieben neuen Freunde. Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, dass ihr mich so freundlich aufgenommen habt. Dir, lieber Stubbur und auch dir lieber Snørgl danke ich, dass ihr mich so lieb versorgt habt, als es mir schlecht ging. Und dir, lieber Gosi, natürlich auch meinen herzlichen Dank, dass du mir und den Insekten hier aus der Umgebung eine so schöne Unterkunft gebaut hast. Es freut mich sehr, euch alle kennenzulernen. Ja, wo fange ich mit meiner Erzählung an? Bsss… bss… bssss… ich denke, ich richte euch zunächst die Grüße von Amiria aus. Und ach ja, für diejenigen unter euch, mit denen ich noch nicht persönlich gesprochen habe: ich bin Betty, die Hummel.“

Von allen Seiten kam ein herzliches „Hallo, Betty!“

„Sag, liebe Betty, du kennst Amiria?“ wandte sich nun Sóla an das kleine Hummelmädchen und sah dabei so verwundert zwischen ihr und ihren Schwestern Elin und Lýsa hin und her, dass ich stutzig wurde.

„Ja, also eigentlich kenne ich sie nicht persönlich. Aber die Kakapodame kennt sie“, antwortete Betty ihr und als sie gerade weiterreden wollte, unterbrach Vökull sie.

„Bitte was ist ein Kaka… was?“

Gespannt warteten wir auf ihre Erklärung und ich dachte noch so bei mir, dass das sicherlich eine interessante Geschichte werden würde. Das wir jedoch auf dem Weg in ein neues Abenteuer waren, ahnte ich nicht im Geringsten.

„Ich vergaß, dass ihr ja noch nie einen Kakapo gesehen habt. Bss… bsss… Ich im Übrigen auch nicht. Aber ich weiß, dass das ein Vogel ist, der nicht fliegen kann und nach Honig und Blumen riecht. Ja genau. Also der Kakapo hat der Amiria erzählt, dass er verschwunden ist und die glühenden Würmer in Gefahr sind. Also die könnten verschwinden, sagt Amiria. Nein, wartet… nicht Amiria sagt das, sondern diese merkwürdige Ente, deren Namen ich mir nicht merken kann. Oder war das doch der Kakapo und die Ente ist weg? Bss… bss… bss … Nun bin ich völlig durcheinander. Ich wollte mir doch alles genau merken. Jetzt habe ich doch ein paar Dinge vergessen und in meinem Kopf ist alles verheddert. Da war doch noch irgendetwas mit dieser Stadt, die eigentlich keine ist. Und den Gleisen, die ins Nirgendwo führen. Bss… bss… bss… jetzt schwirrt mir aber der Kopf.“

Was für ein Kauderwelsch. Also wenn ihr da schon der Kopf schwirrt, dann schlägt meiner aber einen Kabolz.

Was sagst du, lieber Leserling? Dieses Wort kennst du gar nicht? Das wundert mich nicht. Du musst wissen, dass unsere Schreiberline eine Berlinerin ist und weil ich das Wort auch nicht kannte, habe ich es mir erklären lassen: Also Du und ich würden dazu Purzelbaum sagen.

Aber lass mich dir weiter erzählen…

Zunächst herrschte einen Moment lang absolute Ruhe, bis Vökull losprustete:

„Das hält der stärkste Wicht ja nicht aus. Ich habe nicht ein Wort verstanden, was die Betty da erzählt hat. Weiß einer von euch, wovon sie spricht?“ lachte er so sehr, dass ihm die Tränen kamen. Und wir anderen lachten mit. Nur Betty nicht. Die saß in sich zusammengesunken noch immer auf dem Knie von Sóla und senkte Köpflein und Flügel.

„Ich konnte mir das nicht alles merken“, seufzte sie und wie sie so dasaß, tat sie mir unendlich leid.

„Hört auf zu lachen!“ rief ich den Wichten zu.

„Verzeih uns bitte, liebe Betty“, wandte ich mich behutsam an sie. „Aber für unsere Ohren waren das gerade unglaubliche Neuigkeiten. Vielleicht solltest du noch einmal ganz von vorn beginnen und uns zunächst erzählen, was passiert ist, denn ich glaube, dass du uns um Hilfe bitten wolltest, oder? Wir haben aber noch nicht verstanden, wer unsere Hilfe braucht.“

Ich sah mich um und als ich in die Gesichter der Oberwichte blickte wurde mir klar, dass ich mit meiner Frage genau richtig lag.

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, versuchten wir noch einmal Betty zu befragen. Doch sie wirkte noch immer etwas erschöpft und musste zunächst ihre Gedanken sortieren, weswegen wir ihr zunächst etwas Ruhe gönnten…

Die besonderen Kinder

Lange blieb es jedoch nicht ruhig, denn die Oberwichte Vegard, Dellingur und Dagbjartur nahmen die Versammlung zum Anlass, uns von unseren neuen Auftragskindern zu berichten. Auch wenn wir durch Bettys Erzählungen von einer besonderen Aufregung erfasst waren, so wurden wir doch alle wieder mucksmäuschen still, als Vegard zu sprechen begann.

„Meine lieben Wichte, liebe tierischen Freunde, liebe Elfen! Diesmal haben wir es mit ganz besonderen Auftragskindern zu tun, denn sie haben nach euch gefragt“, sprach er mit seiner ruhigen und besonnenen Stimme zu uns, doch wurde er jäh unterbrochen. Nämlich von Djarfur, der verwundert dazwischenfragte:

„Bitte wie meinst du das – sie haben nach uns gefragt? Das geht doch gar nicht. Sie können uns doch gar nicht kennen, oder doch?“

Auch wir anderen hatten uns diese Frage insgeheim gestellt, getrauten uns jedoch nicht, sie laut zu auszusprechen. Vegard mochte es gar nicht gern, wenn man ihn unterbrach. Das hatte Djarfur in seiner Aufregung wohl vergessen…

Nachdem Vegard sich ein paar Mal kopfschüttelnd geräuspert hatte, fuhr er fort:

„Djarfur, Djarfur! Sei doch nicht immer so ungeduldig. Deine Ungeduld lässt dich unhöflich werden, sonst hättest du mich wohl nicht unterbrochen. Denke bitte beim nächsten Mal daran, bevor du mich oder jemand anderem ins Wort fällst. Nun, wie ich gerade zu erzählen versuchte: diese Kinder sind ganz besondere Kinder! Sie glauben an uns Wichte, an unsere tierischen Freunde, die uns begleiten und an euch Elfen, die ihr so wundervolle magische Dinge herstellt. Diesmal sind es keine unglücklichen Kinder, die euch begleiten werden. Nein, ganz im Gegenteil: sie werden euch auf eurer nächsten Reise begleiten, weil sie mit euch ein neues Abenteuer erleben wollen.“

Nun herrschte erst einmal Stille. Also richtige, absolute Stille… nicht einmal das Rauschen des Windes war zu hören.

„Entschuldige bitte, lieber Vegard, aber ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, wie du das meinst. Erkläre es uns doch bitte einmal so, dass wir es alles verstehen können“, wandte sich nun Svipdapur an Vegard und blickte in die Runde. Dabei konnte er feststellen, dass wir alle zustimmend nickten, da wirklich niemand von uns dem Oberwicht folgen konnte.

Vegard blickte sich nun seinerseits um Hilfe bittend zu den Elfen um und so stand nach kurzem Zögern Elin auf und lächelte uns an.

„Auch ich war ehrlich gesagt sehr überrascht“, wandte sie sich nun an uns, „als ich von diesen Kindern erfuhr und wir haben uns eine Zeit lang besprochen, ob eine Reise mit ihnen wirklich möglich ist. Sie kennen euch, ohne dass ihr ihnen jemals begegnet seid. Denn die Glückskinder aus dem vergangenen Abenteuer haben ihnen von euch, den Tieren und uns Elfen erzählt. Sie berichteten ihnen von den aufregenden Erlebnissen, die sie mit euch hatten. Jan und Felli haben dann gemeinsam mit Sven, Annicke und Annerose einen Brief an die Oberwichte geschrieben und ihn an der Uferstelle abgelegt, von der ihr gemeinsam abgereist seid. Durch einen Zufall sind die Glühwürmchen darauf aufmerksam geworden und haben Halia gebeten, diesen Brief zu uns in den Wald zu bringen. Wartet, ich lese ihn euch einmal vor.“

Liebe Oberwichte, liebe Elfen!

Unser Abenteuer mit den Wichten und Tieren war so schön und aufregend, dass wir unseren Freunden davon erzählt haben. Sie möchten auch so gerne einmal mit ihnen auf Reisen gehen. Deswegen schreiben wir euch und bitten euch ganz lieb, ob ihr das vielleicht möglich machen könnt.

Sie heißen:

Lia Isabell

Pius

Sophie

Timo

Lennie

Viele liebe Grüße an die Wichte

Felli Jan Annicke Sven Annerose

Zunächst geschah nichts…

Doch dann brach ein großer Jubel los und viele Wichtenmützen flogen durch die Luft.

Was für ein wunderschöner Gedanke! Die Kinder hatten sich über uns und unser gemeinsames Abenteuer unterhalten.

„Es ist so schön, man hält es kaum aus!“ war Pokki in den Jubel hinein zu hören.

Dem konnte ich nur zustimmen.

Hummelige Nachrichten

Sicherlich kannst du dir vorstellen, dass es noch eine ganze Weile dauerte, bis wir uns wieder beruhigt hatten. Die Freude war einfach sehr groß und die Vorstellung mit Kindern zu reisen, die sich auf uns freuten, war schon wirklich überwältigend.

Doch zunächst einmal galt es zu verstehen, wie wir Betty, unserem Hummelmädchen, denn helfen konnten.

Dellingur war es schließlich, der uns sagte, wie wir vorgehen sollten: Die Elfen, die Oberwichte, Betty und ich sollten uns in Ruhe besprechen, während die anderen die Reisevorbereitungen trafen. Schließlich hatten wir ja inzwischen richtig Erfahrung damit, was für Utensilien und Proviant auf einer Reise gebraucht wurden.

„Wohin reisen wir eigentlich?“, wollte Galdur wissen.

„Das, mein Lieber, werdet ihr schon noch früh genug erfahren“, antwortete Dagbjartur ihm und als er sich wieder zu uns umsah, konnten wir seinem Gesicht sehen, dass zu diesem Zeitpunkt keiner von uns diese Frage hätte beantworten können.

Nachdem die anderen sich auf den Weg zurück in unser Wäldchen gemacht hatten, wandte sich Lýsa an Betty.

„Nun können wir dir in Ruhe zuhören, liebe Betty“, begann Lýsa, die schönste aller Elfen das Gespräch und hielt Betty ein Blütenblatt entgegen, auf dem sie sich niederlassen konnte.

„Hmmm… bsss… bsss… bsss…, dass ist die liebste meiner Blümlein“, summte sie und setzte sich auf die Blüte. „Das ist Sonnenbraut, wie lieb von dir!“

Nach kurzer Zeit blickte sie uns an und begann zu erzählen:

„Amira sagt, sie wollen die Glühfäden aus der Höhle stehlen.“

„Betty, nichts für ungut, aber du erzählst wieder so, dass ich nicht verstehe, was du meinst. Welche Fäden aus welcher Höhle sollen gestohlen werden? Und wer sind ‚sie‘?“ fragte ich nun noch verwirrter, als ich es vorher schon war.

„Es tut mir so leid, aber ich weiß doch auch nicht, was das für eine Höhle ist. Diese Nachricht wurde von so vielen Tieren weitergegeben, dass ich nicht einmal sagen kann, wer was zu wem gesagt hat.“ Nun blickte sie so traurig, dass ich ein wenig Mitleid mit ihr bekam.

„Vielleicht kann ich da ein wenig Licht in die Dunkelheit bringen“, sagte nun Sóla und streichelte dabei behutsam über das samtene Köpflein von Betty.

„Du sagtest, Amiria hat davon erzählt? Nun, dass würde bedeuten, dass diese Höhle in Neuseeland sein muss, denn dort lebt sie. Ich habe sie kennengelernt, als ich meinen Vater auf einer seiner Reisen begleiten durfte. Elin und Lýsa waren damals noch zu jung, um mit uns zu kommen. Seither besuchen wir sie regelmäßig. Erst vor einigen Monaten war ich bei ihr und wir unterhielten uns auch über euch Wichte. Über eure Traumreisen mit den Glückskindern und wie sehr ihr zusammenhaltet. Auch von eurem ersten gemeinsamen Abenteuer mit den Kindern erzählte ich ihr. Über dich, lieber Snørgl, haben wir auch gesprochen. Wie gut es dir gelungen ist, die Wichte, Tiere und die Glückskinder durch dieses letzte Abenteuer zu führen und wie bewundernd es ist, dass du so wichtige Entscheidungen für euch alle treffen kannst. Spannend fand sie, was euch im Schloss über den Wolken widerfahren ist. Klug und besonnen hast du alle zusammengehalten und an das Wohl aller gedacht. Das hat sie beeindruckt. Deswegen wird sie auch die Tiere gebeten haben, uns ihren Hilferuf zu übermitteln. Und diese Höhle… ich glaube, dass könnten die Waitomo Caves sein. Von ihnen hatte sie mir erzählt. Sie wurden über Jahrtausende hinweg von unterirdischen Wasserströmen aus dem weichen Kalkgestein gewaschen. Die Höhlenwände werden von Glühwürmchen geheimnisvoll erleuchtet. Doch sind es keine Glühwürmchen, wie diejenigen, die hier bei uns im Wald leben, sondern es handelt sich dabei um durchsichtige wurmförmige Pilzmückenlarven, die an den Decken hängen. Diese lassen lange klebrige Fäden herunterhängen. Und soweit ich weiß, leuchten diese. Aber, liebe Betty, welches Tier konnte denn den weiten Weg von Neuseeland hierhergekommen sein?“

Der kleine dicke Hummelkörper flog in die Höhe und umkreiste einmal unsere Köpfe, bevor sie sich wieder auf ihrer Blume niederließ.

„Oh nein, wo denkst du denn hin? Das wäre doch viel zu weit. Soooo lange fliegen kann kein Tier, das ich kenne. Obwohl… wo liegt eigentlich Neuseeland? Na egal. Ich kann euch aber verraten, dass die Hummeln untereinander sehr gut kommuni… äh… also miteinander sprechen. Und gerade dann, wenn Tiere in Not geraten, halten wir zusammen, wie Nektar und Hummeln.“

„Du meinst wie Pech und Schwefel“, merkte ich an und erntete einen so strengen Blick von ihr, dass ich laut auflachen musste.

„Nein, ich meinte das genauso… und jetzt unterbrich mich nicht. Vegard sagt, dass ist unhöflich. Stimmts Vegard?“ wandte sie sich an den neben ihr sitzenden Oberwicht. Doch der zuckte nur mit den Schultern und zwinkerte mir zu.

„Ihr verständigt euch also untereinander und gebt Informationen weiter. Habe ich das so richtig verstanden?“ fragte er sie.

„Aber ja doch. Ihr müsst wissen, dass es in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Hummelarten gibt. Ich habe meine Informationen von meiner Freundin Rosalia. Sie ist eine Dufthummel.“


Rosalia, die Dufthummel

„Ihre Art lebt im Osten Europas, der Türkei, dem Iran, in West- und Zentralasien bis hin nach Westchina. Und sie hat die Botschaft von der Felsenkuckuckshummel, die in der Mandschurei lebt.“

„Bitte wo lebt die? Das habe ich ja noch nie gehört“, fragte ich total verwundert.

„Mach dir nichts daraus. Das habe ich auch nicht gewusst, bis mir die Dufthummel davon berichtete. Die Mandschurei liegt in der Volksrepublik China. So, jetzt habe ich den Faden verloren… bsss… bsss… bsss… Wie war das noch mit der bunten Ente, die manchmal nicht fliegen kann? Auf jeden Fall hat die Felsenkuckuckshummel Ili den Pfeifhasen getroffen, der wiederum ihr alles erzählt hat. Und der Ili sucht seine Cousine. Die ist nämlich auch weg. Dazwischen waren noch andere Tiere, an die ich mich nicht erinnern kann. Mir schwirrt schon wieder der Kopf … bsss… bsss… bsss.“

Wenn ich ehrlich sein soll, war ich jetzt genauso schlau, wie vorher. Nichts hatte ich wirklich verstanden. Doch Sóla holte mich aus meiner Nachdenklichkeit.

„Leider sehe ich keine Möglichkeit, Amiria zu kontaktieren, um nachzufragen, warum sie unsere Hilfe braucht. Ich bin immer etwas skeptisch, wenn Nachrichten durch so viele Wesen übermittelt werden. Ihr seht ja, dass Betty sich nicht an jedes Tier und die Nachrichten erinnern kann. Es wird euch wohl nichts anderes übrigbleiben, als direkt nach Neuseeland zu reisen und sie selbst zu fragen, warum sie unsere Hilfe braucht oder für wen“, sagte Sóla in die Stille hinein.

Ücretsiz ön izlemeyi tamamladınız.

₺305,02

Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
134 s. 25 illüstrasyon
ISBN:
9783753192574
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

Benzer kitaplar