Kitabı oku: «Scheidungskind Samantha»
Scheidungskind Samantha
1 Titel Seite
2 Prolog
3 I
4 II
5 III
6 IV
7 V
8 VI
9 VII
10 VIII
11 IX
12 X
13 XI
14 XII
15 XIII
16 XIV
17 XV
18 XVI
19 XVII
20 XVIII
21 XIX
22 XX
23 XXI
24 XXII
25 XXIII
26 Epilog
Titel Seite
Scheidungskind Samantha
Eine wahre Geschichte
erzählt von
Bine & Piter Thunder
Copyright: © 2021 Bine & Piter Thunder
Personen die sich in dieser Geschichte eventuell wiedererkennen sind rein zufällig hineingeraten und sind von den Autoren nicht beabsichtigt …
Druck: epubli
www.epubli.de
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Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Über die Autoren
Bine und Piter Thunder sind ein Autoren-Paar und haben erst im Rentenalter ihre Liebe zum Schreiben entdeckt. Viele Jahre lebten sie getrennt in München, Saarbrücken und Berlin, bevor sie sich in Berlin kennen und lieben lernten. Ihre Wahlheimat nach Saarbrücken ist die Costa Blanca in Spanien geworden, wo sie seit einigen Jahren sesshaft sind.
Bisher erschienen:
Schatten auf meiner Seele
Zwölf sind einer zu viel
Scheidungskind Samantha
Prolog
Diese Geschichte schrieb das Leben. Die Namen und Orte sind frei erfunden, sollte sich ein Leser oder eine Leserin darin wieder erkennen, so soll es Ihnen das Spiegel-Bild ihres Handelns und Ihres Charakters vorhalten. Es sollte ein Anstoß sein, es beim nächsten Mal etwas besser zu machen, falls es ein nächstes Mal gibt.
I
I
D iese sich tatsächlich zugetragene Geschichte beginnt mit dem Ende, wobei ein Ende auch einmal ein Anfang sein kann …
… Samantha, erinnerst Du dich noch an unsere wunderschöne Ferienreise im Sommer vor drei Jahren? Wir, das waren Dein Papa und Du, wir fuhren mit unserem Wohnmobil kreuz und quer durch Süd-Deutschland und ich erfüllte dir dabei Deinen Wunsch, viele Freizeit-Parks zu erkunden.
Wir kamen ins „LEGO-LAND“ in der Nähe von Günzburg bei Ulm, wo wir sehr viel Spaß und noch viel mehr Zeit mit einander hatten.
Erinnerst Du dich noch an unsere, doch so oft besuchte Holz-Wasserbahn, wo wir nach der Auffahrt im oberen Wasser-Labyrinth, mit Piter Thunder zum ersten Mal zusammen getroffen waren?
Drei Jahre und zwei Tage später beschloss „Piter Thunder“ für immer (?) aus Deinem, noch so jungen Leben zu verschwinden …
***
Piter Thunder
geb. 26.09.XX … gest. 12.07.XX
in Sorge um seine Tochter Samantha, die jedoch nichts damit anfangen konnte.
Von Beileids-Bekundungen ist Abstand zu nehmen, da diese sicherlich auch nur geheuchelt sind.
Auch zukünftige Handyanrufe sind zu unterlassen, denn in diesem Bereich wird nicht mehr kommuniziert!
***
Am Meisten hat Piter Thunder bereut, Dich nicht lange behalten zu dürfen, aber das Leben erzählt bekanntlich viele Geschichten, die eigentlich nur eine Geschichte ist …
Es war in der Mitte des Wonnemonats Mai, im einundzwanzigsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung.
Mein Papa „durfte“ wieder einmal zum Familiengericht nach Neker anreisen, da hier eine erneute Verhandlung, wegen des Umgangsrechtes an stand.
Mein Papa hatte hierzu mir einen Brief geschrieben und mir erzählt, dass er dem zusätzlich von meiner Mutter gestellten Antrag, zustimmen werde.
Toll, dachte ich, meine Eltern werden sich doch nicht mehr bekriegen und sie wollten, dass ich selbst bestimmen darf, wann und wo ich mit meinem Papa telefonieren darf.
Für was so alles die Erwachsenen ein Gericht benötigen, war mein Gedanke.
Papa wollte noch erreichen, dass ich über meine Ferien-Aufenthalte und deren Dauer selbst bestimmen darf, da er der Meinung war, dass ich seine Tochter, reif und alt genug war, hier für mich die richtige Entscheidung selbst zu treffen.
Ach ja, darf ich mich erst einmal vorstellen?
Ich bin Samantha, ein Mädchen von elf einhalb Jahren, geboren am 24. Dezember, wo die Welt noch in Ordnung war und sich meine Eltern noch sehr lieb hatten …
Man(n) oder Frau soll ja hin und wieder versuchen Anderen seine Meinung aufzuzwingen und so hatte ich den sehnlichsten Wunsch, Weihnachten, genauer schon den Hl. Abend mit Mama und Papa zu verbringen, aber bis dort hin war es noch eine schwere Zeitreise, bis ich das Licht der Welt erblicken durfte …
Meine Mama und mein Papa hatten am 23. Dezember, den Vorabend meiner Geburt, bei einer lieben ehemaligen Nachbarin verbracht. Diese liebe Frau hatte einen ganzen, ofenwarmen Brotlaib eingekauft und der Geruch strömte durch das Treppenhaus als meine zukünftigen Eltern nach Hause kamen.
Dies war doch ein Grund zum Läuten und meine Eltern in Spe, wurden herein gebeten. Meine Mutti konnte diesem schönen, warmen, knusprigen Mischbrot nicht widerstehen, allein der feine Geruch ließ jedes Genießerherz höher schlagen, einfach nur lecker und der Laib wurde angeblich komplett und gemeinsam „verputzt“, mir im Bäuchlein von Mama wurde es ganz schön eng …
Jeder Tag und auch jeder Abend musste einmal zu Ende gehen und so verschoben meine angehenden Eltern das Vorweihnachtliche Baumschmücken und das Aufstellen, auf den folgenden Hl. Abend, so dachten zumindest die angehenden Eltern, ha, ha. Der Verzehr des frischen, warmen und so lecker schmeckenden Brotes stellte nun die vorweihnachtliche Nacht total auf den Kopf.
Meine Mama schlief in dieser Nacht besonders unruhig, was sich natürlich auf mein immer enger werdendes Zuhause derart auswirkte, dass ich mich mit kleinen Fußtritten bemerkbar machen musste.
Ich konnte damals noch nicht zählen, aber Mama ging in dieser Nacht mehr als einmal zum „Pullern“, Papa hatte dagegen schon immer einen guten und festen Schlaf.
Gegen Morgen, naja sagen wir einmal, wenn die Bäcker normal in der Backstube stehen, wurde meine Mama sehr unruhig und sehr hektisch, etwas „feuchtes“ entfleuchte ihr und nun wollte Mama vehement ins Krankenhaus. Papa versuchte noch etwas Zeit zu schinden und er wollte erst die regelmäßigen Wehen abwarten, aber Mama setzte sich mit ihrem Dickkopf durch und so fuhr Papa seine kostbare Fracht in das bereits seit langen feststehende Krankenhaus, gute fünfunddreißig Kilometer von unserem Wohnort entfernt.
Die Nachtschwester erledigte die Aufnahme-Formalitäten und führte die erforderlichen Eingangs-Untersuchungen durch, danach wurde meinen werdenden Eltern ein wunderschön, eingerichtetes Doppelzimmer, schöner als in so manchen Hotel, zugeteilt.
Das lange, nervenaufreibende Warten auf die bevorstehende Geburt konnte fortgesetzt werden, aber lange hat es meine Mutti mit mir nicht ausgehalten, irgend etwas Beunruhigendes lag in der Luft, besser in meinem Fruchtwasser, jemand hatte so schien es mir den Stöpsel gezogen …
Die Nachtschwester wollte meiner Mama etwas Entspannung und Ablenkung zu kommen lassen, also erst einmal in das warme Wasser der Unterwasser-Geburtswanne. Ich fand die anfängliche Ruhe schon sehr angenehm, aber mich befragte in diesen Moment keiner, wie sollte er auch mich erreichen? Meine Mama fand dies echt ätzend, nach ein paar Minuten war die doch so beruhigende Lage für mich, schlagartig vorbei. Also wieder raus aus der Wanne und ab zu X-ten Male zum „Pullern“. Mein zukünftiger Papa, noch die Ruhe selbst, konnte einem leid tun, er machte alles ohne Murren mit, sogar auf die Toilette begleitete er die Mama, er meinte es sei besser so, falls das Baby und das war ich, doch noch früher heraus wollte. Nach dieser unfreiwilligen Pflichtübung wurde die Wasserkür fortgesetzt, aber so beruhigend, wie die Schwester einst meinte, so wurde es leider nicht.
Mit einer Unterwasser-Geburt sollte es nun nichts mehr werden, ich legte auch keinen großen Wert mehr darauf und außerdem wurde ich auch nicht gefragt, ich musste oder „durfte“ zum ersten Mal die Unruhe und die Hektik meiner Mutter ertragen, sollte dies mein erster negativer Eindruck von der „lieben“ Welt da draußen sein?
Sicherlich war es auch eine gute Idee darauf zu verzichten, mit dem Wasser hatte ich so meine liebe Not, schwimmen und wohlfühlen im kalten oder warmen Nass, dafür hatte ich erst mit neun Jahren mein Glücksgefühl.
Bei all dieser Aufregung verging die Zeit wie im Fluge, für mich war es zwar dunkel wie immer, aber ich konnte verspüren, dass Heute noch ein besonderes Ereignis in der Luft lag, nun ging es in den berühmt, berüchtigten Kreißsaal, wo aller „Beschiss“ im Leben anfängt …
Papa erzählte mir später, dass dieser Saal nicht kreisförmig, sondern rechteckig war und so beginnt in fast jeden Leben, das Dasein mit einem kleinen Schwindel. Dieser „hübsche“ Saal war mit Paravents unterteilt und je nach Nachfrage oder Frequentierung, erledigten einige Mütter ihr „Geburts-Geschäft“.
Als wir noch als „Doppelpack“ dorthin gebracht wurden, da war bereits eine andere Mama mit ihrer Schwerarbeit beschäftigt. Die Tonleiter wurde rauf und runter gestöhnt und geschrien, manchmal wie ein Wehklagen, langgezogen, schrill bis an die Trommelfell-Schmerzgrenze, das konnte ja noch heiter werden.
Nun wurde bei uns Beiden die Vorbereitung getroffen, mein Papa war selbstverständlich mit von der Partie, er wollte dabei sein wenn ich das Licht der Welt erblickte. Schon während der Schwangerschaft war Papa zu allen Arztterminen mit gekommen, hatte mich schon auf den Ultraschall-Bildern, vorab zu Gesicht bekommen, meine kleine Stupsnase war damals schon als Erkennungszeichen ausfindig zu machen. Er war dabei, als bei meiner Mutti eine Fruchtwasser-Untersuchung anstand. Papa erzählte später einmal, wie man auf dem Monitor genau sehen konnte, wie ich im Fruchtwasser im Mutterleib, um die Injektionsnadel ausgewichen war und mich dabei davon bewegte.
Ein besonderes Vergnügen bereitete meinen Papa der wöchentliche Besuch, in den letzten Schwangerschafts-Wochen des Geburts-Vorbereitungs-Lehrganges, er war einer der wenigen Väter, die daran teilnahmen. Aber Papa war schon immer etwas anders als die üblichen Väter und das war sicherlich nicht verkehrt …?
Die Geburts-Wehen und das im Kurs erlernte „Hecheln“ hat Papa beherrscht wie kein Anderer und dieses Hecheln, das Unterstützen bei der Geburt, sollte noch von ganz großer Hilfe sein.
Die Wehen-Abstände wurden nun immer kürzer und erhielten eine gleichmäßige Resonanz, mit anderen Worten, „ich wollte nun endlich hinaus, ich hatte jetzt die Faxen meiner Mutter satt“.
Mit dem „Fahrstuhl“ ging es mehr schlecht als recht durch den Geburtskanal und dann war erst einmal große Pause angesagt, nix ging mehr, Mutti war fix und alle, Bock hatte sie auch keinen mehr, sie wollte ihre Klamotten zusammen packen und nach Hause …
Super … und wie es mir dabei ging, wer interessierte sich dafür?
Die Wehen waren weg, ich lag vor dem Licht der Welt, Papa konnte meinen Haarschopf schon sehen, aber nichts rührte sich, ich hing hilflos fest, nun war guter Rat teuer und es sollte nachgeholfen werden.
Mutti bekam erst einmal eine Standpauke von der Hebamme, was sicherlich angebracht war, sie sollte gefälligst intensiver mitarbeiten, denn schließlich ginge es ja um MICH!
Manchmal hilft bei störrischen Menschen nur eine Radikalkur, also einen „Pickser“ in Muttis Po und die nicht überhörbare Aufforderung noch einmal alle Kräfte für den Endspurt zu mobilisieren. Mit der nächsten Wehe schaffte ich den „Flutsch“ nach Draußen, aber nur mit meinem Köpfchen und meiner kleinen Stupsnase.
Ich hing zum ersten Mal in meinem noch sehr jungen Leben fest, vorher war alles noch schön warm, gedämpftes Licht, Zimmerlautstärke und nun pfiff der erste raue Wind um mein feuchtes Wuschel-Köpfchen, laut und voller Unruhe nahm ich meine Umgebung wahr und ich steckte in der Klemme, fest zwischen den Beinen meiner Mutter.
Kein Vor und kein Zurück, halb da, halb drinnen, noch nicht richtig auf der Welt, wie sollte dies wohl weiter gehen?
Die nächste Wehe sollte nun die Entscheidung bringen, noch einmal alle Kräfte gebündelt, ein kräftiger Ruck und ich war da, ein echtes
Christkind,
geboren am Hl. Abend und ich hatte dies doch bestens hinbekommen oder …?
Mein erster Geburtstag konnte gefeiert werden, ich war angekommen in der reellen Welt, ich war geboren …!
Wenn das kein Glückstag war?
Papa hatte dann seinen großen Auftritt, mit einer OP-Schere trennte Papa mich von meiner Mama, er zerschnitt das Band, das uns neun Monate verband. Ein kleiner Schnitt, aber ein ganz großer Schritt in mein neues Leben, dass noch sehr viele Überraschungen für mich bereit halten sollte.
Kurz danach wurde ich noch vermessen und gewogen, ach ja mein weibliches Geschlecht wurde auch noch festgestellt, aber das wussten meine „neugierigen“ Eltern schon seit der Fruchtwasser-Untersuchung. Der erste Check verlief zufrieden stellend, ich wurde meiner Mutti an die Brust gelegt, aber Fehlanzeige, ich hatte nach dieser Tortour und all den Anstrengungen, dem Festsitzen, und dem Abnabeln, keinen Bock auf Essen und war es in noch so schöner Form angeboten, wie bei Mamas Brust.
Mutti ging es nicht ganz so „lecker“, sehr starke Blutungen stellten sich ein und hörten nicht auf zu bluten, ein Ärzteteam wurde in den rechteckigen Kreißsaal gerufen, der Geburtsstuhl wurde im Handumdrehen, mit wenigen Griffen, in einen OP-Tisch umgewandelt, zuerst erfolgte eine Akupunktur, danach eine Vollnarkose mit lebensnotwendiger OP.
Ich wurde mit Papa hinausgeschickt, nur eingewickelt in eine leichte Decke, hinaus in die noch ungewohnte, grausame kalte Welt der Krankenhausflure. Das Leben meiner Mutti war nun viel wichtiger, es hing am berüchtigten seidenen Faden, ich war gut aufgehoben und war bei meinem Papa.
Papa versteckte mich unter seinem aufgeknöpften Hemd, ich verspürte Geborgenheit, hier war es schön kuschelig und warm. Ich stellte mir vor, dass es ein Leben lang so bleiben könnte, das wäre sicherlich Super.
Später erzählte Papa mir, dass ich nun Hunger bekommen hatte und mich schmatzend, unter dem Hemd auf Nahrungssuche begab, aber leider fand ich nichts, wo Milch und Honig floss, ich hatte Brand …
Eine vorbeikommende Schwester versorgte mich mit dem ersten Willkommens-Trunk …
Prost meine Lieben, Fröhliche Weihnachten, ich bin endlich da … angekommen in meiner Familie.
***
28. Dezember in meinem noch so jungen Leben, ganz schön anstrengend, was so auf mich zugekommen war, wie schön war es doch in Mamas Bauch, keine Termine, mollig und kuschelig und nun der Rhythmus des Krankenhaus-Alltages mit Wecken, Windel wechseln, Waschen, Abtrocknen, An- und Ausziehen und ab und zu zur Mutti an die Brust, danach „Bäuerchen“, abglucksen, Abholen der Streicheleinheiten und so KO sein, auf was hatte ich mich nur eingelassen?
Papa verbrachte jeden Tag im Krankenhaus, stolz wie ein „Gockelhahn“ ging er auf der Säuglingsstation den Schwestern zur Hand, es war abgeminderter Feiertags-Dienst.
Aber Heute sollte es nun endlich nach Hause gehen, aber zuvor noch eine Hiobs-Botschaft, die Ärzte wollten mich im Krankenhaus behalten. Mutti hatte sich angeblich in der Schwangerschaft eine Art der Blutvergiftung zugezogen, wahrscheinlich eine Infektion mit Katzenkot bei der Gartenarbeit, Dinge gibts, die gibt es gar nicht!
Die Ärzte machten darauf aufmerksam, dass diese Vergiftung bei mir später böse Folgeschäden, wie Schäden am Gehirn auslösen könnten.
Eine Entscheidung musste nun gefällt werden, auf der einen Seite freuten sich meine Eltern mich mitnehmen zu können, andrerseits wollten sie auch kein Risiko eingehen und die Bedenken der Ärzte in Frage stellen.
Guter Rat war teuer oder besser gefragt …
***
Ein junger Assistenzarzt brachte als Alternative das Kinderkrankenhaus am Rande der Stadt in die Gesprächsrunde, hier könnte der Aufenthalt des Kindes sehr minimiert werden. Er stellte in Aussicht, dass einige Tage mit Übernachtungs-Möglichkeit für einen Elternteil und eine ambulante Beobachtung mit erforderlicher Therapie bestehen würde.
***
Meine Eltern entschieden sich für dieses Modell, dass bedeutete, Packen und nichts wie nach Hause, wollte nun endlich mein neues Zuhause kennen lernen.
Das war eine große Freude, denn meine Mama hatte auch noch Geburtstag und den wollte sie schon mit mir zu Hause feiern.
Ein kalter Wintertag mit Schneegestöber und Minus-Temperaturen erwartete uns vor der Kinderklinik, Papa fuhr mit dem vorgeheizten Auto vor und schnell war seine kostbare Fracht eingeladen. Wir begaben uns auf den Heimweg und ich schlief beruhigt in meinem Babykörbchen ein, nach vierzig Minuten waren wir am Stadtrand angekommen. Mein neues Zuhause war ein Traumhaus, wie ich später noch kennen lernen sollte, es hatte mein Papa und meine Mama entworfen und zum Teil selbst gebaut und kurz vor meiner Geburt sind meine Eltern dann erst eingezogen, so als Vorhut, wie man so schön sagt …
Das Haus war ein wahres Schmuckstück geworden, es stand auf einem Grundstück, dass im hinteren Teil an ein kleines Wäldchen anschloss und es war auf einem wunderschönen Golfplatz-Areal, es war zur damaligen Zeit der Lebenstraum meines Vaters, aber das sollte sich eines Tages noch bösartig entwickeln …
***
Am Abend kamen Freunde und Bekannte, Geschwister von Mama, Oma und Opa, sowie Mamas Lieblings-Onkel, ein buntgemischter Teller, mein Papa sagte später: „… unsere bucklige Verwandschaft“.
Ich stand natürlich im Mittelpunkt, ohne zu wissen was dies bedeutet, Jeder schaute mit seinen abgegebenen Kommentar in mein Körbchen, wo es fast so kuschelig war wie in Mamas Bauch, nur wenn mein Höschen voll war, dann war „Rabats“ angesagt.
Das große Stimmengewirr riss mich des Öfteren aus meinem Schönheits-Schlaf, Rücksicht ist leider vielen Menschen gleichgültig, Mama hatte ja Geburtstag und da drückte man schon einmal ein Auge oder beide zu.
Es war eine kleine Feier, denn Mama war selbst noch sehr schwach, trotzdem hatten einige Besucher mit Mamas Erlaubnis im Raum geraucht, was sollte das? Stand hier schon einmal ein Machtkampf an?
Gegen dieses Qualmen von Zigaretten in der Wohnung, hatte ich später noch sehr große Abneigung, aber schön der Reihe nach.
Vor der Geburt hatte meine Mama das Rauchen aufgegeben oder auch nur eingestellt und es war ausgemacht, dass nur auf der Terrasse geraucht werden darf und mit dieser Maßnahme sollte unser Zuhause für immer eine rauchfreie Zone bleiben.
Meine ersten Lebenswochen und Monate gingen mit dem üblichen Alltags-Kram und den auferlegten Untersuchungen im Kinder- Krankenhaus sehr gut über die Runden, nur was mich damals schon störte war der Rauchgeschmack bei meiner Mutter, denn sie qualmte wieder wie ein Ofen!
An den Wochenenden kamen regelmäßig Oma und Opa um zwei Uhr, zum Kaffee, pünktlich wie die Maurer, Papa hatte hier höchst diplomatisch, die Zusammenführung zu Stande gebracht. Meine Mama und ihr Papa, mein neuer Opa, hatten früher kein sehr gutes Verhältnis, wenn man überhaupt von einem Verhältnis reden konnte.
Die Stimmen und die Gesichter meiner Groß-Eltern sind mir jedoch schon sehr gut vertraut.
Große Abwechslung in meinem noch so jungen Leben, sind die täglichen Ausfahrten mit dem Kinderwagen, wenn da nicht jeweils das lästige Anziehen in den dicken „Astronauten-Anzug“ wäre, aber es war hier am Stadtrand von Berlin bitterkalt und es bestand die große Gefahr, dass ich mir mein kleines Stupsnäschen verfriere. Das Thermometer hatte seit Tagen nicht mehr die Kraft in den Plusbereich zu klettern und zu allen Übel hatten wir auch noch genügend Schnee im Nordosten von Deutschland.
Die Tage sind noch kurz, die Nächte lang und zum Teil bitterkalt, Papa meinte zwar „Arschkalt“, aber dies war sicherlich das Gleiche? Es schien hier der „Eisschrank“ der Nation zu sein, mein Papa kommt aus den Bergen und war stets der Meinung, dass dort die kälteste Region von Deutschland war?
Die Vorboten des Frühlings liesen doch noch lange auf sich warten, das Thermometer kletterte zwar wieder etwas nach Oben und die ersten, wärmenden Sonnenstrahlen liesen viel Optimismus aufkommen. Die Natur erwachte aus ihrem Winterschlaf, frisches Grün breitete sich aus und Ostern stand vor der Tür und wir feierten zu Dritt oder auch mit der „buckligen Verwandschaft“ dieses Fest, viel hatte ich da sicherlich nicht mitbekommen, aber ich war dabei und dieser Gedanke zählte.
Mama und Papa beschlossen sich zu trauen, es sollte eine tolle Hochzeit mit allem Schick gefeiert werden, um so auch vor dem Gesetz zu bestehen, der Gedanke war beschlossene Sache und der Termin auf dem Standesamt wurde für den Wonnemonat Mai festgelegt.
Es folgte der ganze Vorbereitungskram, wie Mutti mir später erzählte, dazu die Einladungen, das Hotel mit dem Hochzeits-Menü wurde ausgesucht und Mutti machte ein großes „Gedönse“ um ihr Weißes Hochzeits-Kleid, Papa kaufte einen Smoking, das war so`n Ding mit Pinguin-Flügel, dazu als Überraschung eine Hochzeits-Kutsche für das Brautpaar, meine schicken Eltern.
Ein sonniger Samstag sollte der schönste Tag für meine „Erzeuger“ werden …
Papa erzählte mir später einmal, dass der schönste Tag in seinem Leben, der Tag meiner Geburt war, ohne wenn und aber!
Aber irgend etwas musste in den folgenden Jahren nicht nach Plan verlaufen sein …?
II
II
F eiertag, 1. Mai, Tag der Arbeit, Tag der Sozialisten und der Aufmärsche in den kommunistischen Ländern, wo die Präsenz der Stärke auch Heute noch, gezeigt werden muss.
Wir hatten für solche Dinge und an diesem Tag keine Zeit und schon gar nicht zum Demonstrieren und was geht uns die „Masse“ an? Morgen sollte unsere Hochzeit sein und wir wollen auch nach Außen eine richtige, kleine Familie werden. Samantha sollte auch zukünftig meinen Namen tragen, denn sie hatte seit der Geburt den Mädchen-Namen meiner Verlobten getragen.
Die Wetter-Aussichten standen auf Schön, es konnte nur ein Bilderbuch-Tag werden und die Vorbereitungen waren allesamt abgeschlossen, die Überraschungen abgeklärt, die Feier konnte beginnen, unsere eingeladenen Gäste reisten im Laufe des Tages an und unser Baby, zwischenzeitlich schon fast fünf Monate alt, verschlief noch die meiste Zeit des Tages und auch die der Nacht.
Samantha hatte sich prächtig entwickelt, es gab auch keine weiteren Probleme mit der Kinderklinik und die Abstände der Vorsorgeuntersuchungen wurden immer, in größeren Abständen, absolviert. Es sollte bald die generelle Entwarnung eintreffen.
Zu unserer Hochzeit hatten wir uns ein neues Auto bestellt, einen „knallgelben“ Van für die Familie, mit integrierten Kindersitz, so etwas gab es damals vor der Jahrtausend-Wende auch schon. Diese Familien-Kutsche sollte schon seit einigen Wochen ausgeliefert werden, aber leider konnte man sich damals schon nicht auf die Zusagen, beim Vertrags-Abschluss verlassen. Der Autoverkäufer, ein Geschäfts-Partner aus dem Bayernland, hatte sich nun selbst stark eingesetzt und nun sollte am Abend das Korpus-Delikt, unsere neue Familien-Kutsche, persönlich von ihm abgeliefert werden.
Der freundliche Herr vom Bayerischen Auto-Haus hatte diesen Deal zur Chefsache erklärt und das nagelneue Gefährt direkt in Emden vom Schiff abgeholt und dann zu uns nach Hause gebracht.
Die Vorzeichen für ein Gelingen der Feierlichkeiten standen auf gut …
Freunde und Bekannte, nebst der „buckligen“ Verwandschaft waren im Lauf des Tages eingelaufen, wir hatten die Quartiere verteilt und alle waren hoffentlich zufrieden mit der Unterbringung, die älteren „Semester“ hatten wir gleich im Hotel, wo die Hochzeits-Feier statt finden sollte, einquartiert.
Die Arbeit war getan, alle versorgt und nun wollten wir feiern, der Polterabend war angesagt mit allen Facetten der überlieferten Bräuche und jeder unserer Freunde hatte hier etwas beigesteuert.
In einer kleinen, gemütlichen Gaststätte, nicht weit von unserem neuen Wohnhaus entfernt, das ich auf den alleinigen Namen meiner nun bald Angetrauten gebaut hatte. Unser Heimweg war in dieser Nacht sicherlich der Kürzeste und hier sollte unsere erste Fete steigen …
Für alles war gesorgt, gutes Essen, Tanz-Musik, ausreichend zu Trinken und sogar ein Plätzchen zum Poltern war reserviert worden. Nach alten Brauch war nur Weißporzellan, vom Waschbecken bis zur WC-Schüssel und natürlich das übliche Haushalts-Geschirr, jedoch keine Gläser und Glaswaren waren zugelassen. Unsere Freunde und die „bucklige“ Verwandtschaft hatte schon Wochen vorher mit der Sammlung begonnen, denn es wurde ein großer Haufen Geschirr zerschlagen, jeder gab sein Bestes, nicht nur sein Geschirr, aber dafür seinen gesammelten „Krempel“.
Nun traf es den Bräutigam und der war leider ich oder wie sich viel später heraus stellte der „Blödmann“. Mit Besen, Schaufel und Handfeger, Zipfelmütze und Schlafanzug, so musste ich mit meiner bald Angetrauten, dieses Schlamassel beseitigen und im Container entsorgen, die Hauptarbeit durfte oder musste ich erledigen und das hätte mir zu diesem Zeitpunkt, schon zu denken geben müssen? Tat es aber nicht, eine kleine Schnittwunde gab es auch noch im Eifer des Gefechtes und es sollte nicht die einzige Wunde sein, in unserem neu beginnenden Eheleben …
War es die Anspannung, oder meine Dusseligkeit oder mein Übermut an diesem Abend? Ich wusste es nicht und es hatte mich auch nicht weiter interessiert, es war unser Tag und ich war sehr happy, die Kneipen-Apotheke hatte schnell das Malheur beseitigt und die Schnittwunde versorgt.
Unsere Feier ging weit über Mitternacht und die Mitstreiter-Schar wurde immer dezimierter, zum Schluss sassen nur noch der ganz harte Kern und die Kampftrinker, die bei keiner Feier fehlen durften, zusammen. Für Viele blieb von der Nacht nicht mehr viel übrig, Einige bekamen nur noch eine „Mütze“ Schlaf ab, denn der Termin am Standesamt war für elf Uhr dreißig angesetzt und diesen wollte doch keiner verpassen?
Ein gemütliches Frühstück war ursprünglich angedacht, aber irgendwie ist man(n) oder Frau an seinem „schönsten“ Tag voller Unruhe, aufgeregt oder nur nervös. Gedanken über den geplanten Ablauf, der minutiös vorgegeben war, über das Essen, die bestellte Tanzmusik und vieles mehr hatten uns doch zappelig gemacht. Hinzu kam, dass die Braut auch noch zum Friseur musste, das Hochzeitskleid durfte nicht fehlen und auch unser Baby sollte mit dabei sein. Eine Busenfreundin meiner Braut, die schon Taufpate bei Samantha war, hatte sich bereit erklärt, den Babysitter zu mimen.
Diese „liebe“ Patentante, sollte Jahre später sich von ihrer hässlichsten Seite zeigen und mir das wahre Bild meiner Angetrauten vergegenwärtigen.
Pünktlich fuhr meine Überraschung, die für Kassandra bestellte Hochzeits-Kutsche vor, es war „Kaiserwetter“, strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und der Kutscher hatte vierfach angespannt und kam mit einer offenen Kutsche aus seinem Repertoire.
Es sollte eigentlich eine Fahrt nur für uns Zwei werden, aber es kam wie so oft danach alles anders und in dieser Beziehung hatte meine Braut und spätere Ehefrau einen fanatischen Egoismus. Kurzerhand lud meine Verlobte ihre angereiste Schwester samt deren Tochter mit in die Kutsche und so wurde es keine für „uns“ bestimmte Fahrt ins Glück. Allzu viel Taktgefühl konnte ich auch später bei meiner Frau nicht feststellen …
Nach dieser fünfzehn minütigen Kutschfahrt kamen wir gut gelaunt zum Standesamt in der Nachbar-Gemeinde. So ein dörfliches Standesamt ist in seinen Räumlichkeiten manchmal sehr beengt und unsere Hochzeits-Gesellschaft umfasste doch circa achtzig Personen, warum kleckern, wenn klotzen angesagt war …
Wir wollten im „Osten“, nein besser in den Neuen Bundesländern, unseren zukünftigen neuen Wohnsitz, heiraten und leben, einige Jahre nach der Wiedervereinigung.
Nur die engsten Verwandten und die besten Freunde und die beiden Trauzeugen konnten mit zu der Eheschließung vor der Standesbeamtin. Meine nun bald angetraute Ehefrau hatte ein traumhaftes Brautkleid aus reiner Seide mit einer sehr langen Schleppe, wahrscheinlich der Traum eines jeden Mädchens?
Ein sommerlicher Hut mit breiter Krempe rundete dieses wunderbare Bild ab. Später dachte ich mir, „dass man für dreitausend Mark schon etwas Qualität erwarten durfte“. Unsere geladenen Gäste hatten bereits auf der Bestuhlung des Standesamtes Platz genommen. Schwiegervater, stolz wie ein Pfau, führte seine Tochter in die erste Reihe, wo ich bereits auf meine Zukünftige wartete.
Vor dieser Trauungs-Zeremonie gab es im Vorraum noch einen Zwischenfall mit unserem Baby Samantha, die von ihrer Patentante an diesem Tage betreut und versorgt wurde. Ich wollte dass unser Kind an diesem Tag auch bei der Trauung dabei sein sollte, aber als Samantha ihre Mutter ganz in Weiß mit großen Sommerhut sah, da war es mit der sprichwörtlichen Ruhe im Standesamt vorbei. Samantha schrie wie von Sinnen und wollte sich um nichts auf der Welt beruhigen lassen. Als ob sie etwas verhindern wollte, was ihr nicht in den „Kram“ passte? Es war ein herzzerreißendes Wehklagen, dass unsere Tochter in ihrer Not hinaus schrie, selbst ich schaffte es kaum, beruhigend auf das kleine Baby einzuwirken. Wahrscheinlich erinnerte sich unsere Tochter an die stets weiß gekleideten Ärzte im Krankenhaus und da ging es auch nie ohne weinen und schreien ab.
Die Hochzeits-Zeremonie musste nun beginnen, denn wir waren nicht das einzige Paar an diesem schönen Frühlingstag. Wir hatten eine sehr nette, einfühlsame Standesbeamtin, die auch später von uns zu unserer Feier ins Hotel eingeladen wurde. So richtig war ich nicht bei den ausschmückenden Worten der Beamtin, denn ich vernahm immer wieder das weinerliche Stimmchen unserer Tochter aus dem Vorraum. Die Rede bekam ich später von der Beamtin überreicht, sie verglich das uns aufgegebene Lebenskonzept, mit einem noch nicht vollendeten Fertighausbau, wo auch noch Jahre nach dem Einzug, noch etliche Rest- und Renovierungs-Arbeiten zu erledigen waren, diese nette Beamtin sollte mit ihrem Vergleich und der ausgegebenen Prognose schon sehr treffend, den Nagel auf den Kopf getroffen haben.
Wir hatten schon einige kleine Baustellen, die sich nach der Schwangerschaft und dem beruflichen Werdegang aufgetan hatten, aber wir waren, an diesem unseren Tag hier angetreten, ehrlich und offen diesen Weg gemeinsam zu gehen, so war zumindest meine Absicht …
Schnell war der Bund fürs Leben geschlossen, wesentlich schneller als so manche Scheidung im Nachhinein, nach dem Gesetz waren wir nach dem beiderseitigen „Ja-Wort“ nun Mann und Frau, was wir übrigens vorher auch schon waren? Als musikalische Untermalung hatten wir uns den Song von Herbert Grönemeyer „Träume für bare Münze …“ ausgesucht, dieser Titel war schon etwas tiefgründig und sollte uns symbolisch durch alle Lebensstürme führen, naja träumen durfte ich ja noch?
Mit den Worten, „… Sie dürfen nun die Braut küssen …“ und dem anschließenden Sektumtrunk, so verließen wir an diesem Tag den Trauungs-Saal.
Nun durften an diesem lauen Frühlingstag die Gratulationen und die Glückwünsche über uns herein brechen, Küsschen hier, Schmatzer da und viele Hände schütteln, es wurde geherzt und gedrückt. Vor dem Standesamt wartete der Rest der Hochzeits-Gesellschaft, nun waren die Kleinen mit ihren Blumen-Körben an der Reihe und die Großen mit dem Werfen von Reis, der sicherlich pfundweise auf uns nieder regnete.
Die Hochzeits-Kutsche, eine ehemalige Königskutsche aus dem königlichen Preußen, wurde an diesem Tag offen gefahren und die Schwester samt Tochter nahm gleichfalls wieder Platz, war sicherlich so geplant? Wir fuhren durch das Brandenburger Land, vorbei an Wiesen und Felder, vorbei an gelbblühenden Raps, vorbei am Sommerhaus von Einstein in Caputh und weiter zu unserem Ziel, zur Hotelinsel im Schwielowsee.
Es war eine zauberhafte Kutschfahrt, aber ich hatte wohl an diesem Tag, alles zauberhaft empfunden, ich war stolz wieder eine Familien zu haben.
Die Schwester meiner Frau, der Parasit in der Hochzeits-Kutsche, war ohne Ehemann angereist. Meine nun Angetraute hatte ihn bewusst nicht eingeladen, da sie ihn nicht leiden konnte und nur noch primitiv und blöd befand, sie war schon immer sehr direkt gewesen …
Zu diesem Zeitpunkt kannte ich den „Herren“ noch nicht, lernte ihn später noch ausgiebig kennen, zumal meine Frau in späteren Jahren, unsere Tochter zu den Beiden, aus Bequemlichkeit wegen neuer Männer-Bekanntschaften, in Obhut gab. Zehn Jahre später sollte ich diesem Unhold noch einmal im Gerichtssaal gegenüber stehen …
Über die Nicht-Einladung hatte ich mir keine großartigen Gedanken gemacht, den Wunsch meiner Frau akzeptiert, die Ansage für bare Münze genommen und ich wollte bei der Feier keinen Ärger aufkommen lassen. Nur eigenartig war das Verhalten ihrer Schwester samt Tochter, ich wäre ohne meine Frau nicht allein zu einer Einladung gefahren …?
Der offizielle Part vor dem Gesetz war nun vorbei und ohne Panne und ohne einem Eklat zur Zufriedenheit verlaufen, nun durfte ausgelassen auf unsere Kosten fröhlich gefeiert werden.
Wir hatten insgesamt fünfundachtzig Gäste eingeladen und den Umständen nach, so richtig ran geklotzt, nur nicht kleckern, wie der Berliner „sacht“ und nur Sekt statt Selters! All unsere Gäste, Freunde und Verwandte waren gekommen, engste und vertraute Mitarbeiter waren genauso willkommen, wie unsere neuen Nachbarn, ein schönes Fest konnte beginnen.
Bei meinen Schwiegervater hatte ich nach guter alter Sitte im Frühjahr, um die Hand seiner Tochter angehalten, obwohl das „Schmuckkästchen“ bereits geplündert war. In seiner Verlegenheit damals oder weil er mit einer solchen Geste meinerseits nicht gerechnet hatte, erwiderte er, dass er mindestens fünf Kamele für seine Tochter haben wollte.
Diesen Tauschhandel wollte ich um alles in der Welt, an unserem Hochzeitstag, in die Tat umsetzen, auch wenn dies eine logistische Herausforderung mir abverlangte.
Im Vorfeld weit vor unserem Hochzeits-Termin, war ich einigen Zirkus-Unternehmen hinterher gefahren, musste leider einige Absagen wegen terminlicher Verpflichtungen hinnehmen. Meine Idee mit der Überraschung war stets mit viel Humor aufgenommen worden, aber die Unternehmen waren zu unserem Termin, leider alle nicht mehr in unserer Nähe.
Aber dann änderte sich das Blatt und es sollte ein glücklicher Umstand eintreten. Ein Zirkus-Unternehmen gastierte bis nach unserer Hochzeit in circa dreißig Kilometer Entfernung und zu deren Repertoire gehörten auch zwei Kamele in ausgewachsener Größe, auch der An- und Abtransport sollte keine Probleme darstellen. Wir waren uns sehr schnell handelseinig, ich wollte die Überraschung und für den Zirkus war es ein lukratives Zubrot vor der Abendveranstaltung.
Die Überraschung für meinen Schwieger-Vater und den Rest der Gäste sollte dann am Hochzeitstag, zur Kaffeezeit erfolgen.
Im schön angelegten Park des Hotels hatten wir noch einmal für alle Gäste, die Rede der netten Standesbeamtin nachgelesen, da nicht Alle in dem kleinen und beengten Standesamt Platz fanden.
Das morgendliche Frühstück lag nun auch schon einige Stunden zurück, einige Gäste bekamen vor Aufregung und Nervosität keinen Bissen hinunter und Manche waren durch den Polterabend noch stark in Mitleidenschaft gezogen, das waren unsere bekannten „Kampftrinker“.
Es wurde letztendlich zu Kaffee und Kuchen geladen. Unsere dreistöckige Hochzeitstorte war der überwältigende Blickfang, gleich nach der traumhaften Braut, die obere Torten-Dekoration bestand nicht aus einem Brautpaar, wie man vielleicht vermutet hatte, sondern aus zwei Kamelen aus Marzipan. Nach dem Anschnitt gemeinsam durch das Brautpaar, bekam Schwiegervater das erste Tortenstück mit den Deko-Kamelen, die ersten Zwei seiner fünf geforderten Kamele …
Der Vollzug der Wette hatte nun begonnen, etwas später bekam mein Schwiegervater noch ein schön verpacktes Stoff-Kamel in einer Käseglocke überreicht, Nummer drei war also auch übergeben …
Die Nachmittags-Kaffeerunde ging gemütlich zu Ende, der Bandleader gab sich viel Mühe unsere Gäste zu unterhalten, es wurden Spiele getätigt und zum Tanz aufgespielt, Langeweile kam so nicht auf. Die Jugend hatte dann die Braut entführt, wir hatten aber darauf bestanden, dies in einem kleinen Zeitrahmen abzuhalten, damit bei den nicht beteiligten Gästen keine Unzufriedenheit entstand. Die Braut wurde durch den Bräutigam noch ausgelöst, was jedoch nur symbolischen Charakter hatte, denn die gesamte Bezahlung erfolgte aus meiner Schatulle, stets mit dem Bestreben, meiner noch jungen Braut eine Traum-Hochzeit zu schenken.
Die älteren „Semester“ einer jeden Hochzeits-Gesellschaft neigen sicherlich dazu, den Nachmittag etwas geruhsamer angehen zu lassen, so ein kleines Nickerchen stand bei einigen Herrschaften nun an der Tagesordnung. Da wir all unsere „Pappenheimer“ kannten, so hatten wir diesen erlauchten Personenkreis, gleich im Hotel untergebracht. Die Schwiegereltern gehörten auch zu den Glücklichen, ich war nicht traurig über diesen Umstand, denn so konnte meine Überraschung einen noch besseren Effekt erzielen …
Das Zirkus-Unternehmen kam mit seinem Tiertransportwagen pünktlich und wie wir später erfuhren, mit einer Höchst-Geschwindigkeit von maximal zwanzig Stunden-Kilometer, bei uns im Hotel an. Das Gefährt war lang und riesengroß, beladen mit den zwei Kamelen und als Reisebegleitung mit einem niedlichen Pony, ohne diese Begleitung wollten die Kamele nicht in den Transport-Wagen, wie uns der Zirkus-Direktor erzählte. Nun waren sie aber hier und wir konnten zur Tat schreiten und waren gespannt auf das Gesicht von meinem Schwiegervater.
Das Ausladen dieser drei Tiere dauerte eine Weile und es bedarf viel Überredungskunst des Zirkus-Direktors, aber es gelang ihm .
Ich erzählte diesem netten Herrn kurz die weitere Vorgehensweise und dann ging er zur Hotelrezeption, hier wurde die Telefon-Nummer meines Schwiegervaters angewählt und der Zirkusdirektor übernahm seinen Part. „Hallo, noch nen schönen juten Tach, hier ist Herr Klabumke, kommen sie doch bitte herunter an die Rezeption, denn ich habe eine persönliche Lieferung für sie“.
Es dauerte nicht sehr lange, denn getriebene Neugierde an diesem Tag, beschleunigte sicherlich so manches Verlangen. Schwiegervater kam so dann herunter von seinem Hotelzimmer und Herr Klabumke machte ihm klar, daß er eine lebende Fracht zu übergeben hatte.
So geschah es dann auch, den überraschten und ängstlichen Gesichtsausdruck bei meinem Schwiegervater werde ich sicherlich noch einige Zeit in Erinnerung behalten, als er vernahm, dass diese beiden Tiere nun ihm gehören … , so stand mein Schwiegervater angeleint an zwei Kamelen, verdattert und ratlos da … , meine „Schuldeinlösung war hiermit bravourös erledigt …“
Der Hotel-Direktor wurde im Vorfeld von unserer Überraschung eingeweiht und dieser wiederum bestellte die örtliche Presse hinzu, so wurde unsere Feier auch noch in der Zeitung abgedruckt, auch Schwiegervater war auf diesem Bild zu sehen, obwohl wir keine so große Publicity ursprünglich beabsichtigt hatten.
Später war mein Schwiegervater sichtlich erleichtert, als die einhöckrigen Tiere mit dem Pony als Bezugstier wieder eingeladen wurden, wo sollte er auch hin mit der eingeforderten „Brautschuld“, aber das sollte nicht unser Problem gewesen sein?
Die Hochzeitsfeier war ein schönes, anspruchsvolles und auch ein sehr teures Fest, aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine finanziellen Sorgen, jedoch feste Ausgaben für „unser“ Haus am Golfplatz.
Dieses kleine Traumhaus hatten wir kurz vor der Geburt unseres kleinen „Sonnenscheins“ Samantha bezogen und ich hatte dieses Haus selbstlos auf den Namen meiner nun angetrauten Ehefrau gebaut, verbrieft und dummerweise, auch noch allein bezahlt. Es sollten drei Fehler auf einmal begangen worden sein?
Wir waren nun eine „richtige“ kleine Familie mit großen Erfolg im Berufsleben, hatten eine liebe kleine Tochter, die sich prächtig entwickelte, die Krankheits-Bedenken entpuppten sich als negativ, gute Freunde und Schwiegereltern, die pünktlich am Wochenende aufkreuzten und keine Langeweile aufkommen ließen, … Mensch was brauchst Du mehr …?
Meine Frau wollte nun auch wieder beruflich tätig sein, so hatte sie sehr schnell den Gedanken von einem eigenen Ladengeschäft in der Nachbar-Gemeinde umgesetzt, für Samantha wurde aus ihrem Bekanntenkreis eine Halbtags-Nanny engagiert.
Wir waren stolz auf unser gut florierendes Familien-Unternehmen in den Neuen Bundesländern, sollte es doch noch die „blühenden Landschaften“ unseres Vereinigungs-Kanzlers Kohl geben …?
III
S amantha, unsere Kleine mit der Stups-Nase, entwickelte sich prima, es war ein liebes, ruhiges und ausgeglichenes Kind und Papas ganzer Stolz. Sie bereitete uns keine Sorgen, hatte keine Wehwehchen, schlief nachts ohne Komplikationen durch und war ein sehr fröhliches Kind.
Die Zeit verging im Fluge, wir hatten uns alle sehr gut eingelebt, das Haus und die Außen-Anlagen waren fertig gestellt, bis auf ein paar unvollständige Elektroarbeiten, die von meinem Bruder Saulus nicht mehr zu Ende gebracht wurden, aber so war er und so blieb er auch weiterhin …
Das Ladengeschäft meiner Frau lief für die „östlichen“ Verhältnisse sehr gut und auch mein eigenes Konstruktionsbüro mit den Angestellten, wir hatten genug Arbeit und hinzu kamen die wöchentlichen Geschäftsreisen nach Bayern zu dem Fertigungsbetrieb, an dem wir Beide mit fünfzig Prozent beteiligt waren. Da wir auch hier von dem geschäftlichen Erfolg überzeugt waren, so hatten wir ohne großes Zögern, eine Bürgschaft in sechsstelliger Höhe übernommen.
Samantha wurde langsam ein Kleinkind und meine Frau musste sich wohl oder übel von ihrem italienischen Cabrio trennen, da dieses nicht für einen Kindersitz und einem Kinderwagen ausgelegt war. Eine kleine, handliche Familienkutsche musste her, später sollte auch noch ihr heiß geliebtes Motorrad, mit sehr wenig gefahrenen Kilometer „verscherbelt“ werden, weil eine Ladenvergrößerung mit Umzug anstand. Das aus dem Verkauf erstandene Kapital wurde in den erneuten Warenbestand investiert.
Samantha kam in den Kindergarten und wir konnten nun auf die Hilfe unseres Kinder- und Haus-Mädchens verzichten. Wir mussten nun alles etwas umorganisieren und die zusätzlichen Arbeiten, wie Abholung und Hinbringen zum Kindergarten sowie den Aufenthalt von Samantha, bis zum Ladenschluss meiner Frau, verteilen.
Die Nerven waren des Öfteren sehr angespannt und mit dem liebevollen Umgang war es nicht zum Besten bestellt, hinzu kam, dass die beruflichen Geschäfte und Aufträge nicht mehr so einträglich liefen. Nicht nur im Osten wurden die Lebenshaltungs-Kosten immer größer, die Menschen waren gezwungen, den Gürtel für Sonderausgaben wesentlich enger zu schnallen und sparten zuerst an den Dingen, die nicht notwendig waren und zu allem Übel, stagnierte die Bau-Wirtschaft.
Es sah garantiert nicht rosig aus und in dieser Phase der Rezession, ohne Staats-Unterstützung, hatten wir noch einen großen, vom Vermieter verursachten Wasserschaden im Ladengeschäft meiner Frau und in dem angegliederten Konstruktionsbüro. Das Ausmaß war erschütternd, mit Deckeneinsturz, zerstörter Ware, aufgequollenen Konstruktions-Zeichnungen, ein Weiterarbeiten war nicht mehr möglich und das in einer Phase, wo wir schon mit jedem Erlös rechnen mussten. Das Beste kam von dem beauftragten Gutachter, der „hamsterte“ sich erst einmal einige Sahnestücke aus dem Geschenkeladen, für sich ein und versprach darauf hin ein sehr kulantes Schätzgutachten zu erstellen, dies hatten unsere Landsleute in den Neuen Bundesländern schon einmal von uns „Wessis“ gelernt …
Die Ursache des Wasserschadens lag an dem Waschmaschinen-Zulaufschlauch, der ohne Schelle auf die Wasserleitung nur aufgeschoben war und die Leitung war nicht verriegelt, so teuer kann die Sparsamkeit von fünfzig Pfennige kommen und so manche Existenz zerstören …
Hier wurde sicherlich vom Hausherren an der falschen Stelle gespart, tausende Liter Wasser ergossen sich nachts durch zwei Etagen des Wohn- und Geschäftshauses und die vollgesaugten Lehmdecken wurden so zum Einsturz gebracht.
Nun war guter Rat wieder einmal sehr teuer, große Teile der Ware zerstört, Konstruktionspläne waren unbrauchbar geworden, die Einrichtung aufgequollen, überall Feuchtigkeit und Nässe und der Kampf mit der Versicherung begann. Für meinen Part des Konstruktionsbüros gab es kaum eine Entschädigung und meine „liebe“ Frau hielt sich mit der Höhe ihrer Abfindung im Stillschweigen, zeichneten sich hier bereits düstere „Gewitter-Wolken“ am Ehehimmel ab, probierte hier meine so „treue Gattin“ schon ihren Absprung …?
Ich kündigte meinen Mitarbeitern, musste mehrfach zum Arbeitsgericht und verlor den Prozess, obwohl ich an der Einsturz-Misere keine Schuld trug, aber das Gericht ging da wohl von anderen Prioritäten aus.
Meine Frau suchte sich neue unlukerative Geschäftsräume, preislich günstiger aber ohne Perspektive für die Zukunft. Mit viel zu viel Ehrgeiz gestaltete ich die neuen Geschäftsräume, denn dafür war ich immer noch gut genug und die Eröffnung ließ nicht lange auf sich warten. Die Kosten waren jedoch höher als der Erlös und so konnte es mit dem Zusatz-Geschäft nicht weiter gehen. In dieser unserer Zeit des Niederganges, gab es viel „Knatsch“ in unserer Ehe.
Der Laden im Innenhof eines Geschäftshauses an der Hauptstraße war ein Flop geworden und meine Frau wollte vor der Anmietung nicht auf meine Abneigung eingehen, sie wollte sich selbst verwirklichen …
Bei dem Fertigungsbetrieb in Bayern, an dem wir auch zur Hälfte beteiligt waren, stellten sich ebenfalls Probleme ein. Die eingesetzte Geschäftsleitung war überfordert und sie konnte trotz guter professioneller Ratschläge, das angeschlagene Schiff nicht manövrieren.
Die Lage war kurz gesagt: „Besch …“.
Die öffentlichen Auftraggeber hatten wegen ihrer leeren Kassen, keine Notwendigkeiten gesehen, pünktlich nach den Gesetzesvorgaben, zu den vereinbarten Terminen zu zahlen. Es war eine Zeit der Anspannung und wir mussten überall sparen und unnötige Geldausgaben vermeiden.
Die Geschäftsbanken engten uns in den Spielräumen stark ein, durch erforderliche Bürgschaften bei den öffentlichen Aufträgen war unser Spielraum des Dispo-Kredites sehr begrenzt, es fehlte das notwendige Geld für den Material-Einkauf und die anstehenden Löhne und Gehälter, obwohl die Außenstände beachtlich waren.
Die Finanzierung von Neuaufträgen wurde immer komplizierter, Anzahlungen gab es auch nur auf Bürgschaften und diese konnten so auch nicht mehr gewährt werden, ein Teufelskreis tat sich auf, ein Anfang vom Ende …
Konnte es hier überhaupt noch einen Ausweg geben?
Die gesamte Konjunktur in Deutschland und in der gesamten Welt bekam eine erschreckende „Delle“ und nur die Stärksten sollten überleben und sicherlich nicht die, die sich gerade einmal mit viel Geschick einen Anschluss erschaffen hatten. Die Arbeitslosenzahl stieg auf über vier Millionen Erwerbslose an, ohne die nicht genannten „Beschönigung-Zahlen“ der „ABM“, dies war die Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme.
***
Die ersten grauen Wolken waren bereits über unseren so perfekt geglaubten Ehehimmel aufgezogen, die Sorgen um unsere Einkünfte, mein stärkerer, erforderlicher Einsatz in Bayern und all die kleinen Ungereimtheiten fanden nicht das Wohlwollen meiner Ehefrau. Wir lebten im Krisenmodus und ich wollte so schnell wie möglich, wieder Wasser unter den Kiel unseres „Lebens-Schiffes“ bekommen, mein Arbeitseinsatz wurde verstärkt, oft sahen wir uns nur am Wochenende.
In dieser Zeit der Anspannung, ließ die Busenfreundin meiner Frau und die Patentante von Samantha, von einem türkischen „Dönerdomteur“, ein Kind andrehen. Meine Frau hatte nun wieder eine Zusatzbeschäftigung und es herrschte reger Interessenausgleich und Bemutterung war angesagt. Die Fürsorge meiner Frau kannte keine Grenzen, erst war von einer geplanten Abtreibung die Rede, da diese Bettbeziehung sofort nach der Schwängerung beendet war und der Erzeuger wusste nichts von der Schwangerschaft, ahnte aber kurz vor der Geburt etwas, was dann zur extremen Geheimhaltung durch beide Frauen bestimmt wurde. Der gezeugte Junge wuchs später mit der Lebenslüge auf, „… dass sein Vater bei einem Unfall ums Leben gekommen war …“, im Geschichten erfinden waren diese beide Frauen unschlagbar, wie ich später noch feststellen sollte.
Die von meiner Frau so heiß geliebte Patentante von Samantha lebte nach ihrem Umzug von der Großstadt, in der für Ostdeutschland so typischen „Platte“. Ihr neues Zuhause war ab sofort in einer Plattenbau-Siedlung, das Haus sechs Stockwerke hoch, ringsum tristes Alltags grau, mit einigen bereits sanierten Häusern mit ansprechenden Fassadenfarben. Ihre Wohnung bestand aus einem Wohn-Schlafzimmer mit „Pfurzbalkon“, kleiner Küche, WC und Bad, dazu der „fantastische“ Ausblick in das Elend, vor dem Haus der berühmte Dönerstand, mit dem Helden des One Night Stand, hier war es schön, hier wollte sie bleiben?
In den folgenden Wochen hatte meine Frau viel Mühe, ihre Freundin davon zu überzeugen, dass man mit den Folgen einer „Liebesnacht“ nicht so oberflächlich umgehen sollte, der einfachste Weg der Abtreibung wurde verworfen. Meine Frau konnte sich bei ihrer Freundin durchsetzen und sie bekam die Bestätigung von ihr, dass die nun begonnene „Sache“ letztendlich auch zu Ende gebracht werden sollte. Der „Braten“ in der Röhre zeigte sich an der nun schon sichtbaren Wölbung und mit dem Nachwuchs sollte doch schon bald gerechnet werden. Die beiden Frauen beschlossen, eine größere Wohnung für die alleinerziehende Mutter zu suchen, zumindest taten Beide so, obwohl für mich ein anderer Weg bereits vorgezeichnet war und warum musste dies alles vor der Geburt sein, waren die Beiden „Hellseherisch“ unterwegs oder wollten sie mich nur hinter das Licht führen?
Tage und Wochen waren beide Frauen mit dieser Aufgabe überfordert und beschäftigt, ich bekam die neuesten „News“ stets am Wochenende aufs Tablett, nichts war so wichtig wie das Wohlergehen der Busenfreundin.
Viele Wohnung waren einfach nur Super, aber was hilft es, wenn das Portemonnaie dafür nicht ausreicht? Aber es sollte doch noch viel besser kommen, vielleicht in der Richtung, wo es gar nichts kostet …?
Eines Tages hatte mir meine sehr selbstbewusste Ehefrau dann klar gemacht, dass sie ihre Freundin nicht „so hängen lassen“ konnte und außerdem hatte sie ja niemanden, der ihr nachts zur Seite stand und wenn nachts was sein sollte, dann wäre niemand da, oh, oh wie schrecklich … , das waren doch „haarsträubende Argumente, schluchz …
Mir kamen die sprichwörtlichen Krokodils-Tränen … , um es kurz zu machen, meine Frau hatte mit ihrer Freundin beschlossen, dass die werdende Mutter am Monatsende in „unser“ Traumhaus mit einzieht, so geht im Osten eine „Ehe“ zu Dritt …
Ich war über diesen femininen Beschluss geplättet und brachte mein energisches Veto bei meiner Gattin vor, hier musste ich mir zum ersten Mal von „Pretty Woman“ sagen lassen, dass „unser“ Haus, „ihr“ Haus war und sie bestimme wer hier ein- bzw. auszieht! Ich bereute an diesem Tag, meine damalige Großzügigkeit und ahnte Schlimmes, denn es sollte noch „knüppeldicker“ von dieser Frau Kassandra kommen …
Jegliches Schamgefühl musste ich hier bei meiner Frau vermissen, ich hatte nichts gegen ihre Freundin, war ihr gegenüber hilfsbereit im Rahmen des Erlaubten, was jetzt hier ablief, dass schlug dem Fass den Boden heraus. Meine Frau besaß noch nie einen Cent an Gesparten, als ich sie kennen lernte. Sie hatte einen gut bezahlten Job, eine kleine angemietete Wohnung von ihrem Bruder, eine Katze, kein Verhältnis zu ihrem Vater, ein kleines Auto und eine schwere „Yamaha“ mit tausend Kubik, das war ihr kleiner Wohlstand.
Ich hatte meine „große Liebe“ bei unseren Kennenlernen noch aus den Schulden bei ihrem Exfreund auslösen müssen, so schnell kann man sich zum Reichtum „hochdienen“ oder wie man immer dazu sagen möchte …
Der Einzug in unser Wohnzimmer im ersten Stock war nur noch Formsache und doch sehr schnell vollzogen, die junge Frau im spät gebärenden Alter brachte nicht viel mit und der Rest kam von uns, denn in „kleinen“ Dingen waren wir immer sehr großzügig, auch wenn uns das Wasser selbst bis zum Halse stand. Die Baby-Grundausstattung war noch von Samantha vorhanden, dazu der Wickeltisch und die Babywanne, hatte ja alles nichts gekostet und was sollte der Geiz? Die werdende Mama hatte zum ersten Mal in ihrem Leben eine Familie mit Badbenutzung und was hatten wir, ich den geschwollenen Hals und kein zweites Wohnzimmer mit Kaminofen mehr, man kann doch nicht alles haben, nun war Teilen und Rücksichtnahme angesagt. Hatte ich mich für diese „Ost-Verhältnisse“ so ins Zeug gelegt, waren das meine Träume nach der ersten Scheidung oder war dies alles nur ein schlechter Film?
Unsere Ehe hatte sich in dieser Zeit zu einem „Beisammensein zu Dritt“ entwickelt, meine Frau zog sich immer mehr zurück und mit der Freundin war der Umgang ganz okay, wenn ich zu Hause war. Beide Frauen waren jedoch noch sehr mit den Vorbereitungen der nahenden Geburt beschäftigt und ich kam mir wie das fünfte Rad am Wagen vor. Aber auch bei den Frauen lief nicht alles nach Plan, die große Gemeinsamkeit der Anfangs-Tage, die Rücksichtnahme bei vielen Dingen, wie der Badbenutzung, Eigenheiten und die eigene Lebensweise, hatte bei den Frauen auch des Öfteren für Zoff gesorgt.
Ich wurde bei diesen sich häufenden Disputen, oft zum Ansprechpartner und zum Seelentröster. Meine Frau wurde verschlossenener und bereute wahrscheinlich ihre Handlungsweise wie den Ritt auf einer Rasierklinge, ich war mir sicher, sie plante damals schon ihren Ausbruch aus der Ehe und ihr neues Leben.
In dieser Zeit entdeckte ich meine Leidenschaft zum Kochen, irgend etwas braucht doch auch der Mensch, es bereitete mir viel Spaß und Freude „meine“ zwei Frauen zu bekochen. Meistens hatte ich deren seltsamen Geschmack getroffen und sogar hin und wieder auch ein Lob bekommen. Die Freundin war ein sogenannter „Kaltesser“, das spart Energie und Kochtöpfe, aber sie konnte sich doch an meinen Mahlzeiten erwärmen, ging doch ganz gut.
Der Tag der Geburt kam näher, meine Frau stand ihrer Freundin Händchen haltend zur Seite als es ins Krankenhaus ging, den Part des „verstorbenen“ Mannes übernahm meine Frau und sie stand auch im Kreißsaal ihr zur Seite. Nach einigen Tagen im Krankenhaus kam „das sorglos Rundumpaket“ zu uns ins Haus zurück. Wir hatten nun ein zweites Baby unter unserem Dach, dies führte auch im Ort zu Spekulationen, ob ich auch hier der stolze Vater war? Sacul war unser fünfter Bewohner, ein schmächtiges Bürschlein mit Kohlraben schwarzen Haaren, die türkische Herkunft, nähe Anatoliens konnte man nicht leugnen und unsere Wohngemeinschaft sollte noch einige Monate Bestand haben …
***
Samantha war nun schon zwanzig Monate alt und wir hatten einen wunderschönen Hochsommer zu verzeichnen, die schönste und wärmste Zeit des Jahres. Wir verbrachten unsere Freizeit in „unserem“ Traumhaus am Golfplatz, zum Teil im Garten, beim Grillen an unserer imposanten Grill-Anlage, selbstgebaut aus Uralt-Klinkersteinen, mit Freunden oder auch alleine, Abwechslung brachte unser solarbeheiztes Hallenbad. An den Wochenenden kamen, manchmal auch zu oft, meine Schwiegereltern zu Besuch, irgendwie war ich darüber froh, dass meine Frau wieder mit ihrem Vater klar kam. Ich legte auf Harmonie schon einen verstärkten Wert. Bis zu unserer Hochzeit war das Verhältnis zwischen Vater und Tochter doch sehr abgekühlt, um nicht zu sagen eingefroren. Über die Familienbande bin ich nie so richtig klar gekommen. Mit dem Schwiegervater war es scheinbar nie ganz einfach auszukommen, aber hier schaffte ich an einen seiner Geburtstage den familiären Durchbruch, wo wir unverhofft in die Feierlichkeiten, ohne Einladung hinein platzten. Wir waren zu dieser Zeit noch nicht verheiratet und es sollte mein Antrittsbesuch bei den Schwiegereltern in Spe werden.
Das Gesprächsthema der eingeladenen Geburtstagsgäste beschäftigte sich hauptsächlich, wenn man sich nichts zu erzählen hatte, mit Anekdoten aus der Vergangenheit und mit der Endlosschleife „Krankheiten“.
Jeder der Anwesenden hatte bestimmt ein bewegtes Leben hinter sich und sie gaben ihren Teil zum Besten, ich als das berühmte Mittelalter und Kassandra mit den jugendlichen Jahren konnten gar nicht so mitreden, denn jeder wollte die „bessere“ Krankheit, in seinem Leben überstanden haben. Krankheiten waren mir immer schon ein rotes Tuch, das Beste war, wenn man kein Wehwehchen pflegen musste. Hier entwickelte sich aber ein echter Wettstreit unter den geladenen Gästen, es ging über eine feine Gastritis, Leberschmerzen, Gallenkoliken und vieles Mehr, wir hatten außer einer Mandelentzündung und eines „verklemmten“ Furzes nichts beitragen können. Ich kam mir vor wie im Wartezimmer des Virchower Krankenhauses in der Notaufnahme und so hatte ich mir diesen Nachmittag sicherlich nicht vorgestellt. Ich wollte auch keinen Grundkurs in der gehobenen Allgemein-Medizin erhalten. Aus Höflichkeit schenkte ich dem praktizierenden Kreis noch meine Aufmerksamkeit, bevor ich mich auch einmal zu Wort meldete. In meiner unbekümmerten und sicherlich auch charmanten Art, fragte ich die überwiegend älteren Semester, „ob wir uns nicht auch einmal über meine Gesundheit unterhalten könnten?“. Außerdem würde dies, sich bestimmt positiv auf die allgemeine Lebensfreude auswirken“. Ola, la, auf einmal war es mucksmäuschen still im Raume, was hatte ich nun angerichtet? Der noch unbekannte Schwiegersohn in Spe, zum ersten Mal auf Besuch und so auf die „Kacke“ zu hauen? Mir war nicht wohl in meiner unbekümmerten Haut, aber das vermeintliche Entsetzen hielt nicht lange an und die bereits ins Stocken geratene Unterhaltung, wurde durch meinen Themenwechsel noch recht amüsant.
Später lernte ich auch noch die Geschwister meiner Braut kennen, alle zeigten ein recht herzliches Verhältnis zu ihrer Mutter, der Vater wurde kaum beachtet und spielte eine sehr untergeordnete Außenseiterrolle, er war nur Beiwerk. Er wurde nicht akzeptiert von seinen Kindern und es schien, keine harmonische Familie zu sein?
Die Halbschwester meiner Braut war ein bezauberndes Wesen, immer gut drauf, trotz zweier fast erwachsenen Kinder und sie war allein erziehend, irgendwie hatten alle Geschwister ein schweres Päckchen zu tragen, was war in der Vergangenheit nur vorgefallen?
Wie ich später erfuhr, war ein größerer Bruch zum Stiefvater voraus gegangen, diese Frau war in ihrer Jugendzeit wegen Problemen mit dem Stiefvater, freiwillig in ein Jugendheim gegangen. Ich hatte nie den gesamten Hintergrund erfahren, nur soviel, dass der Schwiegervater sehr dominant war und keinen Widerspruch duldete. Dies war autoritäre Erziehung vom Feinsten, ganz alte Schule, anno Tobak!
Später wurde mir sehr schnell bewusst, dass Menschen, die keine Liebe erfahren hatten, sich besonders schwer taten Liebe für jemanden Anderes zu entwickeln bzw. zu leben.
Nun hatte der Schwiegervater seinen „Biss“ verloren und wurde von seinen Kindern geschnitten und wurde links liegen gelassen.
Zu seiner Ehrenrettung muss ich jedoch erwähnen, dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm aufgebaut hatte, ich versuchte ihm Aufmerksamkeit zu vermitteln, ihm das Gefühl zu geben, dass auch er wichtig sei. Ich war sein Hauptgesprächs-Partner geworden, aber auch stiller Zuhörer bei all seinen sonntäglichen Besuchen, pünktlich um zwei Uhr Nachmittags in unserem Haus, am Golfplatz vor den Toren der Großstadt und das hauseigene „Katzenvieh“ wurde stets im Raubtierkäfig mitgeführt.
Diese Familie hatte mir von Anfang an schon sehr viele Rätsel aufgegeben …
Meine Braut hatte als junges Mädchen ein Kind ausgetragen, sie war bereits Mutter.
Es war ein Junge, nennen wir ihn Ralf, dieser Knabe kam mit einer Gaumenspalte und einer offenen Bauchdecke auf die Welt. Die ersten Lebensmonate verbrachte dieses arme Geschöpf ausschließlich im Krankenhaus, ohne Liebe und ohne Zärtlichkeiten. Einige Operationen musste er in seinem noch so jungen Leben über sich ergehen lassen. Der leibliche Vater wollte von seinem „Familienversuch“ nichts wissen und kümmerte sich weder um seinen Sohn noch um dessen Mutter.
Viele Jahre später erzählte meine Frau dann vor dem Familiengericht in einer selbst verschönernden Ansprache: „… aus diesem eheähnlichen Verhältnis ging mein Sohn Ralf hervor …“ , bei dieser Frau war schon alles irgendwie eine Ansichtssache und der Richter glaubte es ihr …
Schöne Geschichten konnte meine Frau stets zum Besten geben, ich hatte manchmal das Gefühl, dass sie diese Geschichten in ihrer aufgebauten Scheinwelt, sogar selbst glaubte, denn rot geworden war sie eigentlich nie?
Ich war mir schon sehr sicher, dass sie sich in ihrer nicht reellen Welt geborgen fühlte.
Ihr Sohn Ralf wurde nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zur Adoption, von ihr freigegeben. Das eheähnliche Verhältnis war somit beendet, die elterliche Unterstützung fehlte komplett und die junge Frau war ihre Verantwortung los, so schnell kann man den Versuch einer Familiengründung vergessen, es blieb nur ein junger Mensch auf der Strecke …
Später als wir schon zusammen wohnten, musste ich auch einige Male ihre „Kälte“ mit erleben, sei es das ihre Katze von Heute auf Morgen weggegeben wurde oder das in unserer Ehe ohne Ankündigung der liebgewonnene Hund, bei fremden Menschen ein neues Zuhause bekam.
Eine Ankündigung oder ein Gespräch im Vorfeld fand leider nie statt, stets wurde von ihrer Seite eine vollendete Tatsache geschaffen, immer nach dem Motto: „Friss Vogel oder stirb …“. In einigen Gesprächen mit ihrer Mutter und ihrer Halbschwester und mit ihr selbst wollte ich heraus finden, warum eine junge Frau, ihr „eigen Fleisch und Blut“, wie ein altes Kleidungsstück weg gab?
Eine für mich verständliche und tiefgründige Antwort hatte ich von keiner der drei Frauen erhalten, Ausreden gab es genügend, aber schlüssig war keine der gegebenen Antworten.
Dieses Handeln stellte mein Bild einer intakten Familie sehr weit ins Abseits. Ihre Familie entschuldigte sich mit der pauschalen Begründung, dass das junge Mädchen, meine Frau, damals überfordert war, weil der Kindesvater nichts von seinem „eheähnlichen Verhältnis“ wissen wollte und sie selber für sich sorgen musste. Auf meine gut gemeinte Frage, warum kein Familien-Mitglied der jungen Frau unter die Arme gegriffen hatte, ihr Hilfe anbot oder das Kind in seine Obhut genommen hatte, darauf gab es keine Antworten, nein, es herrschte nur ein verwunderliches Staunen.
Ich konnte diese Familie in dieser Hinsicht nicht verstehen, dass man sein eigenes Kind, sein Enkelkind, seinen Neffen so mir nichts, dir nichts aus seinem Leben verschwinden lässt, als hätte es dieses Lebewesen von Baby, nie gegeben?
Dieser Vorfall beschäftigte mich noch sehr lange, ich überdachte meine noch so junge Beziehung, sollte die von einem Happy-End beschieden sein und sollte die auch als Flop enden? Aber vielleicht würde unsere gemeinsam geplante Zukunft, all diese Fragen beantworten?
Nach der Trennung vom Kindesvater zog Mutter und Kind in die Großstadt zurück, in Folge eines schweren Motorrad-Unfalls war sie kaum in der Lage, für sich selbst und den Jungen zu sorgen. Der Junge kam deshalb zu Pflegeeltern, von denen er auch später adoptiert wurde.
Der „Unfall“ war entsorgt …
… übrigens der Motorrad-Unfall hatte mit der Kindes-Weggabe nichts zu tun, wie meine Frau mir später schilderte, aber diese dargelegte Version hörte sich viel mitfühlender an, als die gnadenlose Weggabe ihres Kindes …
IV
IV
I n diesem Jahr wurden wir schwer auf die Probe gestellt. Die Firma in Bayern, an der wir Beide mit der Hälfte beteiligt waren, ging das Umlauf-Kapital aus. Die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand, sprich der Gemeinden und Städte, ließ weiter sehr zu wünschen übrig.
Anfang des neuen Jahres bin ich als Mitgeschäftsführer in das Unternehmen mit eingestiegen, mein Arbeitsplatz war nun fernab meiner kleinen Familie. Obwohl ich nun vor Ort als Chef fungierte und den Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite stand, so konnte das angeschlagene Schiff nicht wieder auf Kurs gebracht werden. Wir probierten alles was möglich war, setzten die Teilhaber-Gehälter herunter, nur um die Mitarbeiter und die offenen Rechnungen zu bezahlen. Wir versuchten die Intensität der Bearbeitung zu optimieren, bessere Konditionen in den Auftrags-Verhandlungen zu erreichen, aber wir stießen immer an irgendwelche starre Barrieren, es war zum Verzweifeln. Es änderte nichts an der Tatsache, diese Firma war nicht mehr zu retten, die Außenstände waren zu groß, der Girorahmen war mit Bürgschaften überladen und die Banken forderten neue Sicherheiten, woher nehmen und nicht stehlen? Das Ende vom Lied, die offenen Rechnungen häuften sich und die Mitarbeiter hatten sich auch schon innerlich von ihrer Firma verabschiedet, da die ehemalige Ehefrau und Witwe des verstorbenen Firmengründers, sich nur noch um ihr angeschlagenes Liebesleben kümmerte. Das Firmeninteresse hatte nicht mehr den Stellenwert bei dieser Frau, den es eigentlich in dieser Krise haben sollte. Das Überleben dieses Mittelbetriebes mit den fünfunddreißig Mitarbeitern war sehr in den Hintergrund getreten. Die „Dame“ des Hauses pflegte viel lieber ein sündiges Verhältnis mit einem Autohaus-Besitzer, wobei die hintergangene Ehefrau, die Hand auf dem Firmenkapital hielt. Der gesamte Ort, so wie dies in Bayern üblich war, zerriss sich darüber das „Maul“ über diese Liebschaft, was wiederum auch nicht gerade werbewirksam für unseren Betrieb war.
Es kam wie es kommen musste, der schwere Gang zum Amtsgericht, Abteilung Konkurs-Gericht sollte eingeschlagen werden, diesen Weg bin ich jedoch nicht mehr mitgegangen, wofür hat man seine Mitgesellschafter, die das Übel seit der Neuausrichtung nicht in den Griff bekamen.
Später erfuhren wir von der Konkursanmeldung der Mitgeschäftsführer, die jedoch schon Tage vorher, hinter unseren Rücken und ohne Absprache, diesen Schritt vollzogen hatten, es war auch nicht die feine Art …
Wir als leitende Angestellten, hatten schon auf zwei Monatsgehälter verzichtet und die beiden Großbanken standen sofort mit ihren Rückforderungen vor der Tür, da wir als Gesellschafter die Bürgschaften privatrechtlich unterschrieben hatten.
Nicht in den dunkelsten Träumen hätten wir uns diese nun eingetretene Situation vorstellen können, das nun sehr wacklige „Fertighaus“, aus der Rede unserer Standesbeamtin, schien einzustürzen …
Wo war unser Fehler, wir waren doch immer sehr sorgfältig, nie leichtsinnig mit unserem Geld umgegangen?
Hatten wir zu „blauäugig“ dem örtlichen Steuerberater vertraut? Die Zahlen waren nicht Himmelhoch jauchzend, aber auch nicht schlecht, die Forderungs-Aufstellungen realistisch und dazu die öffentlichen Auftraggeber, die normaler Weise irgendwann, die längst fälligen Rechnungen bezahlen sollten, ließen uns am ausgestreckten Arm verhungern …
… und nun hatten wir auch privat den kompletten Scherbenhaufen und dazu keine Einnahmen.
Meine Frau besaß zwar noch ihr Ladengeschäft im Hinterhof dieser sogenannten Einkaufs-Passage, aber die spärlichen Einnahmen deckten nicht einmal die Betriebskosten ab, es war ein Zuschussgeschäft.
Es war ein guter Rat gefragt, unser Leben musste weiter gehen, wenn es nicht irgendwo in der berühmten „Gosse“ enden sollte. Andere Einnahme-Quellen mussten schnellstens gefunden oder erschlossen werden, in einem Bundesland, wo die Rezession und die Arbeitslosigkeit schon brüderlich Hand in Hand einhergingen. In jedem anderen westlichen Bundesland wäre sicherlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont erkennbar gewesen, so aber nicht in den Neuen Bundesländern mit den prophezeiten „blühenden Landschaften“.
Ein Hauch von Optimismus war jedoch noch in mir und ich war mir der Verantwortung für meine kleine Familie bewusst und ich hatte die Fünfzig noch nicht überschritten, ich besorgte mir bei der Gemeindeverwaltung einen Gewerbeschein für einen Metallverarbeitenden Betrieb, mein letzter Startversuch in eine Ost-Deutsche Karriere?
Auch dieser Anfang war schwer, von alleine nahm keiner Notiz von diesem neugegründeten Betrieb, also zuerst Anzeigen schalten, Flyer drucken und verteilen, dann geduldiges Warten …
Die ersten Aufträge flatterten sprichwörtlich in unser Büro, von der vereinbarten Anzahlung wurde das Material eingekauft, Fertigungs-Maschinen waren wirklich Mangelware, bis auf einige elektrische Handwerksmaschinen, besaß mein kleines Einmannunternehmen nichts, rein gar nichts!
Ich hatte wirklich einen Handwerksbetrieb, aber dieser kleine Betrieb florierte immer besser, ich nahm jeden Auftrag an und wickelte den zu aller Zufriedenheit ab, die Kunden zahlten und Geld wurde wieder in unsere Kasse gespült. Es ging langsam wieder aufwärts, wir hatten endlich wieder Geld zum Leben oder besser zum Überleben.
Meine Frau half mir des Öfteren auf den Baustellen aus, wenn Not am Mann war und ein Handlanger benötigt wurde, sie war sich in dieser Zeit für keine Arbeit zu schade.
Ich verkaufte und montierte Türen, Fenster, Markisen und Sonnenschutz, fertigte kleine Sonderkonstruktionen in unserer Doppelgarage an und montierte Vordächer, Gartentore und Zaunanlagen.
Die körperliche Arbeit, die ich in dieser Form nur beim Hausbau kannte, sowie der gesamte „Bürokram“ wie Auftrags-Disposition, Material-Einkauf, Kundenbesuche, Angebots- und Rechnungsstellung und vieles mehr, bescheinigten mir ganz locker einen Arbeitstag von achtzehn Stunden.
Ich kam des Öfteren erschöpft und ausgelaugt nach Hause, innerlich zwar zufrieden, äußerlich jedoch nur noch der Wunsch, sich ausruhen zu dürfen.
Nur nicht jeder versteht dieses Wunschbedürfnis. Von Samantha und meiner Frau bekam ich unter der Woche nicht viel zu sehen, das Wochenende war jedoch heilig, zumindest der Sonntag. Nach dem Ausschlafen und dem Herumtoben im Bett mit der Familie, ging es zwanglos zum Frühstück über, endlich Zeit für die Familie.
Aber es kam wie es kommen musste …
… meine „verständnisvolle“ Ehefrau war nun Vieles zu viel geworden, sie fühlte sich vernachlässigt, unverstanden, hatte keine Lust mehr auf einige Dinge zu verzichten, die wir bei unserem Kennenlernen in vollen Zügen genossen hatten.
Nun hatte ich wieder einmal die Ar … karte gezogen.
Von dem sauer verdienten Geld und dem Gefühl, unsere Ehe retten zu müssen, so hatten wir einen vierzehntägigen Urlaub auf den Kanarischen Inseln gebucht.
Später dachte ich mir jedoch, dass das benötigte Geld besser in dem kleinen Unternehmen angelegt gewesen wäre …
Aber wir wollten wieder einmal nur für uns Drei da sein, Zeit haben, etwas gemeinsames unternehmen, was uns wieder ein Stück weiter nach Vorne bringen sollte, ein schöner Gedanke?
Ich hatte wieder einmal die Rechnung ohne meine „selbstlose“ Frau gemacht, sie hatte ihre Bekannte, unser ehemaliges Kindermädchen samt Ehemann überzeugt, mit uns in den Urlaub zu fliegen, SUPER!
Mir ging dieser Vorschlag, der bereits beschlossene Sache war, so gegen den Strich, das ich am liebsten den Urlaub gekänzelt hätte, aber dann waren die horrenden Stornierungs-Gebühren, die mich davon abhielten. Warum mussten wir immer Jemanden um uns herum haben, warum gab es keine Zwei- oder Dreisamkeit? Ich hasste es, in der Freizeit stets meinen Tagesablauf mit fremden Menschen abzustimmen, obwohl hier überhaupt keine Veranlassung bestand und wir in den letzten Monaten genügend eigene Probleme hatten.
Dieser Urlaub ging ohne große Problem-Bewältigung in den schon bekannten Alltag über, nach der „gefrusteten“ Rückkehr. In unserer Beziehung war der „Wurm“ drin, es gab keine Gemeinsamkeiten mehr, Madame zog sich in ihr Schneckenhaus zurück und die kommenden Wochenenden verliefen sehr eintönig. Das sonntägliche Herumtollen im Bett fiel dem Rotstift zum Opfer, Madame schmollte, lehnte jede „Dreisamkeit“ mit unserem Kind ab und war nicht ansprechbar, die Schwiegereltern wurden stets mit vagen Ausreden abgewimmelt und Papa und Samantha unternahmen Kind gerechte Ausflüge an die umliegenden Seen oder in die Streicheltier-Gehege.
Wir hatten Steine ins Wasser geworfen, auch kleine Stöckchen-Schiffe auf die Reise geschickt, Samantha hatten diese Ausflüge sichtlich Freude bereitet. Auf der Heimfahrt schlief mein kleiner Liebling stets vor Erschöpfung und von der frischen Luft in der freien Natur, ein. Bei einen unserer Ausflüge kamen wir zu einem privaten Kleintierzoo mit vielen gefräßigen Ziegen, diese Tiere bekamen von dem gekauften Tütenfutter überhaupt nicht genug, unsere Hände konnten wir gar nicht so hoch halten, denn diese Tiere schienen überall hin zu kommen und Samantha hatte ihre helle Freude an diesen Vielfraßen.
Etwas abgelegen waren in einem großen Gehege alle Sorten von Meerschweinchen untergebracht, hier herrschte genüssliche Stille zum Verweilen, gleich daneben waren die Kaninchen und einige hatten sich schon einen Tunnel zu den Meerschweinchen gebuddelt, um deren Futter zu stibitzen oder vielleicht auch etwas mehr „Unterhaltung“ zu haben?
Am Besten war jedoch „Fips“ der Affe, vor diesem Spaßmacher wurde schon am Eingang gewarnt, denn dieser „Bursche“ stahl mit Vorliebe Hüte, Brillen und die Hand-Taschen der weiblichen Besucher und stets schlich sich dieser Affe heimlich an, er kam aus dem Nichts! Auch wir wurden einmal von ihm überrascht, aber er konnte Papas Brille nicht abgreifen. Dieses Kapuziner-Äffchen war dem Zoobetreiber einst entwischt und „erfreute“ die Zoobesucher mit seinen Raub-Zügen.
Unser Zusammenleben im Haus war im Lauf des Jahres auch wieder ruhiger geworden, man gewöhnte sich an alles oder man nimmt es nicht mehr bewusst wahr. Samanthas Patentante hatte uns nach einigen Wochen verlassen und sich eine eigene Wohnung, hoch oben unter dem Dach, im Nachbarort angemietet, denn irgendwie klebten diese beiden Frauen zusammen wie Pech und Schwefel. Diese Frau mit Kind war von eher ein „Eigenbrötler“ und wollte sicherlich wieder Abstand von „so viel Familie“ haben.
Irgendwie sollte sie und ihr Baby mir doch auch fehlen, ich hatte mich sehr an diese ungewollte Zweckgemeinschaft gewöhnt. Die abendlichen Gespräche, das Babygeschrei, der morgendliche Kampf um das Bad, es war nun mit einem Schlag, wie ausgelöscht, nicht mehr vorhanden, es herrschte unsere triste Ruhe im Salon. Meine Frau brödelte still vor sich hin, war in sich gekehrt, redete wenig und ihre Laune war auch schon mal besser gewesen, dazu der viele Zigaretten-Konsum, kurz es stank im gesamten Haus und die ursprüngliche rauchfreie Zone war schon seit der Geburtstagsfeier abhanden gekommen. Raucher und Hundebesitzer sind die größten Egoisten, die ich in meinem Leben kennen gelernt hatte.
Der tief graue Alltag hatte seine Schatten über uns herab gesenkt …
Das Ladengeschäft meiner Frau erlebte den dritten Umzug, dieses Mal jedoch zurück in die erste Reihe der gut frequentierten Hauptstraße, aber die Zeiten für den Einkauf von „unnützen“ Accessoires standen schlecht, es änderte sich nicht viel an der Kassen- und Lebens-Aufheiterung bei meiner Frau, ihr Seelenleben war an einem Tiefpunkt angekommen. Ich hatte die kompletten Regaleinbauten und Ausbaukosten von meinen Einnahmen bestritten, in der Hoffnung auch wieder privat ein Stück Nähe zu gewinnen. Ein Hoffnungsschimmer waren die Zusatz-Geschäfte zu Ostern und zu Weihnachten, aber dies war leider nicht genug, wir waren ja im Armenhaus der Nation, wo die Menschen nicht vom Handwerk, sondern von Dienstleistungen lebten und zwanzig Prozent von der staatlichen Stütze.
Im Laufe des Jahres beschloss meine Frau das Ladenlokal zu schließen, der Ausverkauf wurde abgewickelt und der Rest verramscht, die bereits aufgelaufenen Mietschulden konnten mit dem Vermieter in beiderseitigem Einvernehmen, außergerichtlich aus der Welt geschaffen werden.
Nun waren wir dieses Verlustgeschäft endlich wieder los und konnten wieder nach vorne schauen … , wohin wussten wir zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht?
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Wenn Polen verloren ist, dann hilft den überlieferten Weisheiten nach, nur noch das Beten, aber bei uns Atheisten war der Glaube schon lange verpufft, die Moral quasi im Eimer, die Stimmung im Keller, wir redeten kaum noch mit einander, lebten wie Bruder und Schwester. Ich nahm eines Tages all meine Gefühle zusammen und schrieb meiner Frau einen langen emotionalen Brief. Ich wollte mir nicht das Ende unserer Ehe eingestehen, unser Kind sollte weiterhin bei ihren Eltern glücklich aufwachsen …
Ich wusste nicht wie meine Frau auf meinen Hilfeschrei reagieren würde, denn es herrschte schon sehr lange ein Stillstand unserer Gefühle und das bedeutete nichts Gutes.
Eines Abends fand ich einen Brief von meiner Frau auf dem Kopfkissen in meinem Bett, sie wählte den selben Weg, ihre Gefühle und ihre Emotionen mir darzulegen …
Nach diesem Briefwechsel, der wahrscheinlich doch ein guter Weg war, so durften wir Beide wieder etwas Mut und vielleicht auch Hoffnung schöpfen, das Kind war zwar in den Brunnen gefallen, aber es konnte noch gerettet werden. Was uns am Meisten belastete waren die hohen Rückzahlungsraten von unserem Traumhaus, das langsam zum „Albtraum-Haus“ wurde. Nun mussten wir wesentlich kleinere Brötchen backen, auch wenn es uns schwer fiel. Wir beschlossen einen Hausverkauf in Erwägung zu ziehen, unsere beiden Golfplatz-Aktien mit lebenslangen Spielrecht hatten wir bereits verhökert um die letzte Grundstücksrate damit zu tilgen. Die Schulden waren nun getilgt, aber die Spielberechtigung war auch ausgelaufen, ich sah diesen Umstand nicht so verbissen, denn unter diesen Umständen, hatte ich sowieso keinen Spaß am Golfspiel …
Unsere Wohnadresse war immer noch ganz exklusiv der Golfplatz, aber dies war das Einzige was uns davon übrig blieb. Das einst so geliebte Golfspiel hatte seinen Reiz verloren, Golf ist eine mentale Kopfsache und diesen Kopf hatten wir schon sehr lange mit anderen wichtigen Existenzfragen überbelegt. Außerdem fehlte uns nun das nötige Kleingeld, aber eines Tages, und da war ich mir damals schon ganz sicher, würde ich wieder Golf spielen, mit einer Leidenschaft, die keine Leiden schafft …
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D ie Jahreszeiten kamen und gingen wie seit Millionen von Jahren, das begonnene Frühjahr ging Hand in Hand in den Sommer über und ehe wir uns versahen, es war September geworden.
Ende des Monats stand mein fünfzigster Geburtstag an. In meinen früheren Planungen hatte ich mir diesen Ehrentag schon als etwas Besonderes vorgestellt, es war nun alles Makulatur, denn es war Ebbe in unserer Kasse und ich sah auch keinen Grund, auch nur eine kleine Feier zu begehen. Ursprünglich hatte ich eine Feier mit meinen Bekannten, Freunden und Geschwistern geplant, dazu ein kleines Golfturnier veranstalten, aber es kam leider ganz anders. Die Kasse war leer und ich konnte zwar Sprünge wie ein Känguru unternehmen, aber nur mit leeren Beutel?
Es wurde nichts mit meinem Traum zum Fünfzigsten …
Eine meiner Schwestern bekam davon Wind, dass ich nicht feiern konnte oder wollte, denn Beides traf zu und diese Schwester lud uns Drei, zu sich nach Rügen an der Ostsee ein, wo sie mit ihrem Partner ein Hotel, recht erfolgreich führte. Wir erhielten einen günstigen Preis und zur Überraschung ein kostenloses Galadiner. Wir verbrachten ein paar sorglose Tage in teils stürmischer, aber auch sonniger Ostseeluft. Es war ein gelungenes Geburtstagsfest in einem ganz kleinen, feinen Rahmen und in Gedanken dachte ich bereits an eine verschobene Feier zu meinen Sechzigsten, aber das war dann schon wieder „der Schnee von Gestern …“
Die größte Überraschung, wieder einmal im negativen Sinne, kam von meiner „sozial angehauchten“ Ehefrau, sie hatte ohne mein Wissen, naja sonst wäre es keine Überraschung gewesen, ihre schmarotzerische Busenfreundin samt Kind eingeladen, natürlich auf unsere Kosten und in das von uns bewohnte Appartement im Hotel, „Super mein Freund, was willst Du mehr …?“
Irgendwie hatte ich damals schon das komische Gefühl, diese Frau kann es schon nicht mehr anders …
… so ist es mit „Murphys-Gesetz“ und für das fünfte Rad am Wagen war für die restlichen Tage ausreichend gesorgt.
Das was ich nicht leiden konnte, trat nun unverzüglich wieder ein, alle Tätigkeiten und Unternehmungen abzustimmen, ob man wollte oder nicht? Diese Ostsee-Tage gingen ohne größere Aufregungen vorbei und wir fuhren, getrennt von ihrer Freundin, nach Hause. Das Faxgerät und der Briefkasten quoll über mit Glückwünschen und gut gemeinten Ratschlägen, ein großes „Notfall-Paket“ meiner Lieblingsschwester erinnert mich Heute noch an deren Übermut.
Mein Handwerks-Betrieb versprach keine goldenen Eier, aber die Aufträge plätscherten so dahin und ich musste mir Gedanken machen, wo ich über die nahende, kalte Jahreszeit produzieren konnte. Unsere Doppelgarage war dazu nicht geeignet und das Haus wollten wir bekanntlich verkaufen. Bei der Bank waren wir auch schon mit unseren Raten im Rückstand und schon unangenehm aufgefallen, Mahnungen flatterten ins Haus.
Ich machte mich auf die Suche nach einer geeigneten Bleibe, mir schien ein geräumiger Bauernhof mit guter Substanz und ausbaufähigen Räumlichkeiten, als das Idealbild meiner Vorstellungen. Die Neuen Bundesländer verfügten zwar über diese Verkaufs-Objekte in Hülle und Fülle, aber die meisten Angebote waren schon sehr marode und zum Teil verfallende Ruinen, die schon zu „Honys-Zeiten“ von besseren Besitzern bewirtschaftet worden waren.
Meine Frau wollte „Ihr“ Haus auch nicht weiter behalten, sie hatte bereits den Gedanken gefasst, getrennt mit ihrer Busenfreundin, als allein erziehende Mädels-WG zu leben. Aber eine solch enge Beziehung oder Nähe wollte ihre Freundin auch wieder nicht, sie hatte wahrscheinlich von den an den Tag gelegten Launen, während ihrer Untermieterzeit bei uns, noch die „Schnauze“ voll.
Vorerst blieb alles beim Alten, Waffenstillstand und Abwarten, Veränderungen waren angesagt …
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Im Herbst trat ein neues „Familien-Mitglied“ in unseren Dunstkreis, meine Frau brauchte wieder einmal einen neuen Kostenfaktor in unserem beengten, finanzschwachen Haushalt. Ohne Absprache und ohne Ankündigung, wie es bei ihr schon üblich gewesen war, kam „Peppels“ in unser Leben, es war ein süßer kleiner Hundewelpe, eine Mischung aus Colly und Schäferhund, rabenschwarz und ein „Mädchen“. Das „Hallo“ war richtig groß, Samantha war begeistert und in diesem Alter schon so richtig tierliebend und den Namen hatte sie unserem Hunde-Mädchen gegeben.
Ich hatte generell nichts gegen Hunde, den ich war immer mit einem Hund aufgewachsen. Bei meiner Familie durften Hunde stets in der Familie alt werden und hatten bis zu ihrem Ende auch ihr Gnadenbrot bekommen, bei der Sprunghaftigkeit meiner Ehefrau war ich mir jedoch nicht sicher, ob Peppels auch so ein glückliches Los gezogen hatte.
Die Hundedame wurde von meiner Frau erstanden, es war eine der letzten (schwer verkäuflichen) weiblichen Welpen, die ihre Großstadt-Freunde, Hände ringend los werden wollten und für so einen sozialen Abnehmer mit dem gleichnamigen Syndrom, musste meine Frau herhalten. Der Sonder-Preis von einhundertfünfzig Euro, für eine „Stiegengeländer-Rasse“ war sicherlich im freundschaftlichen Bereich?
Von nun an war Peppels unser Haus- und Hofhund, Papa machte sich daran eine wärmegedämmte Hundehütte in Luxus-Ausführung mit Teppichboden zu bauen, diese wurde Wind und Regen geschützt, in einer Ecke der Terrasse aufgestellt, denn Peppels Platz sollte zumindest außerhalb des Hauses sein?
Wir, besser gesagt Papa, war der Meinung, dass so ein großer Hund, wie Peppels zum Winter geworden war, nicht ins Haus gehörte. Aber wie so vieles in diesen turbulenten Zeiten, wurde auch diese Vereinbarung von meiner lieben Gattin revidiert.
Peppel, unser Hundemädchen bekam von einer Nachbarin ein ausgedientes Hunde-Körbchen und hatte von sofort an seinen Stammplatz im Vorraum des Erdgeschosses, zumindest war das Obergeschoss, nach dem Auszug unseres „Schmarotzers“, Hunde frei.
Die Macht-Durchsetzung meiner Oberbefehlshaberin wurde hiermit unangefochten weiter in die Tat umgesetzt. So wurde doch sehr schnell klar, dass nur „Einer“ im Haus das Regiment übernehmen konnte, denn bekanntlich verderben zu viele Köche den Brei?
Für meine Belange war schon seit Monaten kein Verständnis mehr vorhanden, wir hatten durch die Pleite in Bayern und dem unverschuldeten Wasserschaden im Büro- und Ladengeschäft so ziemlich alles gegen die Wand gefahren. Nun begann ich mit meinem neu gegründeten Handwerks-Betrieb wieder auf die Beine zu kommen und nun war mein Arbeitseinsatz von täglich achtzehn Stunden, der „Gran Madame“ ein Dorn im Auge, verstehe die Welt wer es wollte …!
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt und nach all den Querelen, mich auch innerlich von diesem „netten Familienleben“ verabschiedet, hatte aber im Bezug auf Samantha noch keine Zukunftslösung gefunden. Mein Gedanke beruhte darauf, dass wir einen Bauernhof mit viel Ausbaufläche von dem Erlös, des Wohnhauses am Golfplatz, kauften. Hier sollte eine Art Wohngemeinschaft, jeder für sich ein Zuhause finden und Samantha hätte beide Eltern in Reichweite. Diese Idee durchkreuzte meine Gattin mit ihrer Vorstellung, dass ihre Busenfreundin auch noch einen Teil unseres Bauernhofes mit bewohnen sollte.
Na Super, scheinbar ging ohne diesen stillen Schmarotzer gar nichts mehr? Ich suchte nach diesem Reinfall, allein ein Objekt, denn mir war, mit großer Verzögerung, klar geworden, dass ich meine weitere Zukunft ohne dieser weiblichen Dominanz verbringen musste. Das Thema „Pretty Woman“ war somit traurige Vergangenheit …
Nicht weit von unserem Golfplatz entfernt, bekam ich von einem Makler einen Vierseitenhof mit guter Bausubstanz angeboten, dieses Objekt war circa vierzig Kilometer vom Golfplatz entfernt und über einen Autobahn-Anschluss zu erreichen. Hier wollte ich all meine noch verbliebenen Träume verwirklichen, Arbeit hatte ich noch nie gescheut und von diesem Bedarf, war bei diesem Objekt jede Menge gefordert.
Der Bauernhof lag an der Hauptstraße eines kleinen Dorfes mit ungefähr vierhundert Einwohner, der Dornröschen-Schlaf hatte auch hier nach der Wende Einzug gehalten oder dieser Ort war noch gar nicht daraus erwacht gewesen? Vor zehn Jahren war in dem Wohnhaus noch der örtliche Konsum untergebracht und hatte die Dorfbewohner mit den Lebensmitteln des täglichen Bedarfs versorgt. Die einzige Gastwirtschaft im Dorf hatte auch zum Ende des Jahres geschlossen, kurz um, es war eine tote Hose draußen am Land. Aber dies alles konnte mich nicht davon abschrecken, meine Kaufzusage an diese Verkäufer, eine Erbengemeinschaft aus dem Westen, abzugeben.
Das Haus und auch die ehemaligen Stallungen hatten keine Grundnässe und keinen Schimmelbefall, aber es war viel Mut und genauso viel Arbeitsgeist erforderlich aus diesen alten Hof ein neues Zuhause zu zimmern. Hinter den Gemäuern verbarg sich viel Spielraum für all meine Vorstellungen und davon gab es doch einige bei mir. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, für wem ich all diese erforderliche Arbeit aufbringen wollte, war es mein eigenes Ego oder war es für Samantha oder wahr es für jemanden, der noch gar nicht am Horizont erschienen war? Aber vielleicht war es auch nur ein Verdrängen der letzten Wochen und Monate, mit all seinen Verletzungen und den Herabwürdigungen meiner noch angetrauten Frau. Ich hatte nach den steten Bemühungen, unsere Ehe noch retten zu können, einfach nur das Bedürfnis diese chaotische Frau hinter mir zu lassen, koste was es wolle!
Dies war der Grund der mich nach Vorne trieb, es sollte hier kein Zurück mehr geben, einzig leidtragend war hier, ganz unverschuldet, unser Töchterlein Samantha.
Von Beruf war ich immer schon ein „Workaholic“ und somit hatte ich keine Angst vor der bevorstehenden Renovierung. Mit der Erbengemeinschaft war ich sehr schnell handelseinig geworden, der Makler unterstützte mein Kaufinteresse, da die Immobilie schon einige Jahre zum Verkauf leer stand und doch schon einige Mängel im Dachbereich anstanden, die eigentlich sofort behoben werden mussten.
Ich wollte die Immobilie nicht mehr auf meinen Namen erwerben, sondern auf den Namen meiner Tochter Samantha, die bis dahin noch keine Hinterlassenschaft von mir erhalten hatte und bei mir war immer noch eine Forderungsklage meiner ersten, nimmersatten „Ex“ anhängig, die auch sehr fordernd war.
Ich hatte aus diesen Ehen gelernt, dass es viel zu viele Menschen gibt, die nie genug bekommen können, obwohl sie in der Ehe nur den angenehmen Part des Geldausgebens eingenommen hatten, dass dieses Geld aber auch von einem Anderen verdient werden musste, dieses Gefühl schien bei beiden Frauen komplett abhanden gekommen zu sein. Jeder sollte doch noch in der Lage gewesen sein, zu erkennen, wann das Ende der Fahnenstange erreicht war.
Karl Valentin, einer der bekanntesten Bayerischen Komiker sagte einmal: „… der Mensch is guad, nur de Leut san schlecht“ , mit dieser Feststellung hatte er bestimmt den Nagel voll auf den Kopf getroffen.
Samantha erfüllte vom Gesetz, wegen ihres Alters, nicht die geforderten Auflagen, sie war noch keine sechzehn Jahre alt und demnach nicht geschäftsfähig und außerdem benötigte sie bei einer eventuellen Scheidung einen Vormund. Dies war mir alles zu schwammig. Ferner wollte ich erreichen, dass ihre Mutter und meine Nochehefrau keinen Anspruch auf diese Immobilie haben sollte. Denn ein „gebranntes Kind“ scheute bekanntlich das Feuer …
Die in der letzten Zeit aufgetretene Habgier war für mein Handeln Grund genug. Bei all meinen Überlegungen, fiel meine Wahl auf das vermeintliche, kleinere Übel, auf die Busenfreundin meiner Frau und Patentante von Samantha, die bei mir noch in einer Bringschuld während der Schwangerschaft und einer von mir bezahlten Rechtsangelegenheit war.
Ich wiegte mich deshalb auch in Sicherheit, da das Verhältnis zu meiner Frau auch nicht zum Besten stand, da sie wegen der WG-Absage nicht mehr das beste Verhältnis pflegten. Aber dies besagte gar nichts und ein Irrtum in dieser Annahme, war bei diesen beiden Frauen nicht ganz abwegig …
In der Vergangenheit hatte sich schon des Öfteren bewahrheitet, wenn man meiner Frau die Rote Karte zeigte, dann musste man mit den Konsequenzen rechnen und ihre Rache konnte fürchterlich ausfallen, so war Kassandra gestrickt …!
Die Patentante erklärte sich bereit das Grundstück in Samanthas Namen zu erwerben, die Anzahlung wurde überwiesen und die restliche Kaufsumme war in einem Jahr fällig gestellt worden. Diese Restsumme sollte aus meinem zugesagten Anteil, aus dem Hausverkauf am Golfplatz, erfolgen. Ein besonderes Risiko war für mich eigentlich nicht gegeben, Samanthas Patentante erwarb für ihr Patenkind den Bauernhof, soviel Ehrlichkeit und Vertrauen sollte doch sicherlich nicht enttäuscht werden?
Wenn nicht überall, selbst wie im Paradies geschehen, die böse Versuchung wäre …?
Es war vereinbart, dass Samantha mit sechzehn Jahren, spätestens nach meinem Tod, dieses Gehöft ihr Eigen nennen durfte.
Der Verkauf erfolgte im Dezember und wir erlebten wieder einen sehr kalten Winter im Umland dieser Großstadt …
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Aus dem Haus meiner Frau holte ich mit ihrem Einverständnis, den von mir bezahlten dänischen Kaminofen und einen liebevoll restaurierten und funktionstüchtigen, gusseisernen Kanonenofen, den ich von einem holländischen Geschäftsfreund erhalten hatte. Um es einmal klar zustellen, alles was zur Erstellung oder Anschaffung „unseres“ Hauses am Golfplatz benötigt und erforderlich war, wurde von mir bezahlt, meine Nochehefrau brachte außer ihren einst guten Willen, nichts mit in „unsere“ Ehe, dafür zeigte sie mir eines Abends ihre „aufrichtige“ Dankbarkeit“, aber davon später mehr …
Unsere Tochter Samantha erzählte mir einmal später, dass ihre Mutter in einem vertrautem Gespräch ihr „steckte“, „Papa wurde aus dem Haus geworfen, weil er die Öfen ausgebaut und einfach mit genommen hatte“.
Meine einst so geliebte Frau entpuppte sich als sehr hinterhältig, trotzdem hoffte ich, wie es so schön heißt, „im beiderseitigen Einvernehmen“ die Erziehung und Versorgung unserer Tochter zu gewährleisten.
Dies aber sollte ein sehr einseitiger Weg für uns Beide werden …
Nun war erst einmal das größte Problem der kalten Räume gelöst, es wurde geheizt auf Teufel komm heraus, Holzabfälle waren genügend vorhanden und die reichten auch noch für die nachfolgenden Winterperioden.
Von den mir verbliebenen Einnahmen, aus meinem Handwerks-Betrieb, wurde das benötigte Baumaterial wie Isolierung, Holzlatten und jede Menge Gipskarton-Platten gekauft. Mein Bruder Saulus, ein schlitzohriger Elektromeister, er stellte mir das benötigte Elektromaterial wie Leitungen, Steckdosen und Schalter zur Verfügung, die ich nach seinen Angaben fachmännisch einbaute, denn einem „Ingenieur war nix zu schwer“.
Später verrechnete er mir meine Arbeit zu seiner Materiallieferung, so wie es unter „Brüdern“ sicherlich zum Sonderpreis üblich war? Ob ich zu diesem Zeitpunkt schon senil war oder ob ich nicht in meiner Aufbruchs-Stimmung bemerkte, dass ich wie eine Weihnachtsgans von allen Seiten ausgenommen wurde, dies musste noch geklärt werden?
Das gesamte Gehöft verfügte über keinen Wasser-, Strom- und Kanalanschluss, dies war ein krasser Gegensatz zur Kaufvereinbarung. Nun musste ich erst einmal Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen. Die erforderlichen Anschlüsse erfolgten in sage und schreibe drei Werktagen, ich war begeistert!
Die Firmen in Ost-Deutschland, pardon in den Neuen Bundesländern, standen Gewehr bei Fuß, wie in „Honys-Sozialismus“. Die Zubereitung des Abendessens erfolgte auf dem Campingkocher und das „Gala-Diner“ wurde bei Kerzenschein eingenommen, diese Tage waren jedoch gezählt, denn es ging sehr schnell aufwärts draußen am Land …
Zuerst tauschte ich die defekten Dachziegeln aus, damit der mehrfach einsetzende Regen nicht noch mehr Unheil anrichten konnte, zwei Tragbalken musste ich schon wegen Fäulnis austauschen, dann war jedoch erst einmal alles dicht und der Winter konnte über das Brandenburger Land ziehen.
Ich hatte in dieser Phase schon wieder ein sehr positives Lebensgefühl und ein trockenes neues Zuhause.
Der Innenhof war stark verwildert, zehn Jahre Leerstand hinterließen seine Spuren und alles lag wie im Dornröschen-Schlaf, es fehlte nur noch die neue Prinzessin, aber die zu finden sollte doch noch einige „Bräute“ benötigen.
Auf dem Grundstück hinter der großen Scheune waren „Honys-Umweltsünder“ voll zu Werke gegangen, alles was in diesem Volkseigenen Betrieb, kurz VEB genannt, nicht benötigt wurde und das war so Allerlei, dies wurde auf der Wiese entsorgt, mit Erde überdeckt und die Natur waltete mit ihrem Unkrautbewuchs. Unter diesem Wildwuchs wurde ein angerostetes tausend Liter-Fass mit Altöl und Ölschlamm entdeckt, das kurz vor dem Durchrosten war. Die örtliche Umweltbehörde sorgte hier für eine fachgerechte und kostenlose Entsorgung, Monate später sollten noch einige gravierende Funde ans Tageslicht gelangen.
Mein Bruder Saulus zeigte sich großzügig, denn er hatte schon wieder einmal an eine steuerfreie Zuwendung sein Augenmerk gerichtet und sorgte für den ersten provisorischen Stromanschluss.
Tagsüber wurden die vorhandenen Kunden-Aufträge und Anfragen abgearbeitet, denn Ersparnisse gab es schon lange nicht mehr, ich lebte von der Hand in den Mund und musste hier auch noch sehr sparsam sein, denn das benötigte Material für die Kunden-Aufträge musste auch noch bereit gestellt werden, sonst wäre sehr schnell „Schicht im Schacht“ gewesen. Mein gesamtes Kapital hatte ich für das Wohnhaus meiner Frau hingegeben und der letzte Notgroschen, ging für die Anzahlung und den üblichen Kosten für den Bauernhof drauf, es war ein Spagat auf der Rasierklinge und dieser Zustand sollte noch einige Monate anhalten. Das einzig Gute an dieser Situation war die, dass ich keine Freizeit mehr hatte, denn nach der lebensnotwendigen beruflichen Arbeit des Geldverdienens, erfolgte nach dem etwas kargen Abendessen, die Renovierung und der Ausbau des Bauernhofs, mein neues Zuhause. Es gab eine Menge zu tun, nicht das ich die Arbeit unterschätzt hatte, aber es taten sich dann doch immer wieder kleinere Zusatz-Baustellen auf und gewissenhaft wie ich nun einmal war, so sollte es eine Grundsanierung auf Jahre hinaus sein und nicht nur von optischer Natur. Die Stunden am Abend und am Wochenende vergingen wie im Fluge und selten kam ich vor Mitternacht ins Bett, der Tag hatte wieder seinen achtzehn Stundentag, der aber auch wieder viel Freude und Spaß machte. Aber ich stellte in dieser Zeit auch fest, wie schön alles laufen konnte wenn ein weibliches Wesen an meiner Seite dabei gewesen wäre, war es aber nicht und so fehlte all abendlich der Gedanken- und der Ideenaustausch. Mir war klar geworden dies würde bei der angespannten Situation noch eine ganze Zeit so anhalten und es wurde eine sehr lange Zeit allein auf meinen Bauernhof …
Ich war mein einziger und bester Handwerker, hin und wieder half ein guter Berliner Freund mit aus, bei dem ich noch einiges gut hatte. Nach neun bis zehn Monaten sah das Gehöft schon sehr ansehnlich aus, es gab schon ein Bad, einen Wintergarten und zwei Wohnräume mit dem Kaminofen und eine tolle Küche, es war schon sehr gemütlich, aber doch noch sehr einsam.
Das bevorstehende erste Weihnachtsfest in meinen neuen Gemäuern war sehr spartanisch, aber mit Weihnachtsbaum, dies ließ ich mir nicht nehmen. Unsere kleine Tochter Samantha wurde drei Jahre alt, für einige kleine Geschenke hatte mein Etat gerade so gereicht und ich besuchte „meine Familie“ am zweiten Feiertag, das Hallo war zumindest bei Samantha sehr groß.
„Meine“ Frau hatte sich schon für eine Trennung ausgesprochen und versuchte mit Hilfe eines genauso geldgeilen Maklers „Ihr“ Haus am Golfplatz gewinnbringend zu verscherbeln. Die Bank hatte ihr schon gehörig Druck bereitet und meine Hilfe war aus „Diskretions-Gründen“ schon nicht mehr gefragt, mich hatte Madame aus „ihrem“ Geschäft bereits ausgebootet. Das von mir finanzierte und gebaute Traumhaus mit einem Kurswert von über einer Million Deutsche Mark, wollte Madame so schnell wie möglich vertickern, aber es sollte ein doch sehr langer Weg werden. Interessenten gab es genügend, für Viele war es eine Art von Kaffeefahrt, aber es gab auch Interessenten mit konkreten Vorstellungen, die das Haus aber nicht hatte.
Meine Wenigkeit wurde in die Verkaufs-Verhandlungen nicht mehr mit eingebunden, denn „der Mohr hatte bereits seine Schuldigkeit getan“, aber dafür zeigte sich die „Hausherrin“ von ihrer „charmantesten“ Seite, ganz skrupellos und ohne Rot zu werden.
Madame konfrontierte mich per SMS mit einer Einladung in „unser“ Haus am Golfplatz, für einen der nächsten Abende …
… der abgehalfterte „Ehemann“ wurde einbestellt, den Grund bekam ich nicht mitgeteilt, aber ein gemeinsamer Freund und ihr Bruder waren bereits „rein zufällig“ anwesend? Ich sollte hier sicherlich ganz schnell den wahren Grund dieses hinterhältigen Zusammentreffens erfahren …?
Meine geldgierige Nochehefrau wollte mit diesem Schachzug, jegliche Mitwisserschaft von mir, sich von ihrem Halse schaffen, sie überreichte mir ein Schriftstück vor den „rein zufällig“ anwesenden Personen, dieses doch sehr primitive Schreiben zeigte mir in aller Deutlichkeit, die Eiseskälte und Arroganz dieser nicht ganz richtig tickenden Frau, es war eine Kündigung übelster Art …
Herrn
Piter Thunder
- persönliche Übergabe durch Zeugen -
Außerordentliche fristlose Kündigung des
Mietverhältnisses
hiermit kündige ich Dir außerordentlich und fristlos das Mietverhältnis für die Räume, gemäß Mietvertrag im Anwesen … am Golfplatz. Die fristlose Kündigung beruht u. a. auf Nichtzahlung des vereinbarten Mietzinses seit November 19 xx.
Einer stillschweigenden Fortsetzung durch Fortsetzung des Gebrauchs widerspreche ich bereits jetzt.
Ich untersage Dir, ab sofort das Grundstück und das Haus zu betreten.
Deine persönlichen Sachen kannst Du in Anwesenheit meiner Person abholen bzw. werde ich diese in einem Garagenteil abstellen, die Du nur zur Räumung betreten darfst.
Ort, Datumgez. Kassandra …
Bumm`s, das saß doch, zwar nicht perfekt, aber mit Wirkung!
Das Thema Traumhaus am Golfplatz war somit Geschichte, wieder einmal waren einige Jahre harter Arbeit für die „Familie“ umsonst aufgewendet worden. Samantha bekam von dem bösen Intrigenspiel nicht allzu viel mit, wunderte sich vielleicht, dass sie Papa nur zum Wochenende sah oder mit ihm Ausflüge unternahm.
Übrigens einen Mietvertrag hatten wir nie miteinander abgeschlossen, aber im naiven Geschichten erfinden war diese Frau unschlagbar und das sollte ich in den nächsten Monaten und Jahren noch des Öfteren leidvoll erfahren müssen …
Von unserer getroffenen Vereinbarung, den Verkaufgewinn zu gleichen Teilen auszuzahlen, war keine Resonanz zu hören. Ich hatte nicht in Erfahrung bringen können, welchen Erlös Madame erzielt hatte, sie war die „Eigentümerin“ laut den Urkunden und somit mir keiner Rechenschaft verpflichtet. Auch die Lebensversicherungs-Police mit einem Wert von circa ein hundertsiebzig Tausend Mark wurde mir nicht zurück gegeben, auch dies war einst vereinbart, eines Tages wurde mir von der Bank mitgeteilt, dass die Police zur Tilgung eingelöst wurde. Das war mein finanzieller Teil und mein Desaster, was aber die Mutter von Samantha kalt ließ, was ging sie auch das Leid der Anderen an?
Das Haus war nun verkauft, Mutter, Tochter und der Hund zogen in die Nachbargemeinde, in eine Neubau-Wohnung, schön gelegen im Erdgeschoss mit großem Gartenanteil, Madame hatte ihr abgezocktes Geld gut angelegt …?
Nach all diesen Querelen und menschlichen Enttäuschungen, die mir meine „Nochehe-Frau“ wie Nadelstiche mitten in mein Herz setzte, so dachte ich sehr viel an unsere Tochter Samantha. Mir kamen die kaltherzigen Bilder von der Katzen-Entsorgung und das menschliche Drama mit ihrem Sohn Rolf in Erinnerung, den sie damals zur Adoption weg gab. Ich wusste, dass ich bei dieser unberechenbaren Frau, ein wachsames Auge offen halten musste. Schon vor einigen Jahren, bei Beginn der Schwangerschaft, da wollte diese „liebevolle“ Mutter, am Liebsten das ungeborene Kind abtreiben und ich benötigte viel Überzeugungs-Arbeit und den Beistand des Gynäkologen, dass unsere kleine, unschuldige Samantha, das Licht der Welt erblicken durfte. Damals hatte ich mir schon vorgenommen, dieses kleine Mädchen, unsere kleine Samantha nicht aus meinen Augen zu verlieren …
Die folgenden Jahren hatten mir jedoch schmerzhaft gezeigt, was das durchtriebene Intrigenspiel von Samanthas Mutter, so alles anrichten konnte, aber davon später mehr. Dieser Frau war keine Lüge und keine Anschuldigung für ihren Vorteil, zu schade. Ich glaubte in manchen Fällen sogar, das sie von ihrer Unwahrheit überzeugt war? Besonders gut konnte sie sich mit ihren Falschaussagen bei einigen Institutionen, wie dem Jugendamt, der Schule und dem Familiengericht, in Szene setzen. Diese wurden arglistig getäuscht und meine Handlungsweise als unwahr abgestempelt, es sollten sehr turbulente Jahre in dem noch jungen Leben von Samantha geschehen.
Die „Mission Kind entzweien“ konnte beginnen …
***
Bei meiner wöchentlichen Lektüre der Zeitschriften und Magazinen kam ich auf das Thema, wie hatte meine „Ex“ jemals wieder Kontakt zu ihrem zur Adoption freigegebenen Kind bekommen? Diese Kinder wurden einst ohne Herausgabe einer Adresse anonym an Pflegeeltern vermittelt. Wie ich meine Frau kennen lernte, da prahlte diese mit ihrer Sympathie zur RAF-Organisation in den achtziger Jahren. Ein bekannter Anwalt aus dieser Zeit sollte ihr damals schon die Adresse der Pflegeeltern besorgt haben und für alle die Jenigen, die diese verbrecherische Organisation bisher nicht kannten, hier eine kurze Analyse über die
RAF
Rote Armee Fraktion
1. Generation
Verwendung des Namens erstmals im Herbst 1970
Führende Köpfe: Horst Mahler, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan-Carl Raspe
Aktionen: Banküberfälle, Polizistenmorde, Bombenanschläge, vor allem gegen US-Einrichtungen, 1976 und 1977 töten sich vier führende RAF-Mitglieder im Gefängnis Stuttgart-Stammhein.
2. Generation
Hauptziel: Freipressung der inhaftierten RAF-Mitglieder
Führende Köpfe: Peter-Jürgen Boock, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt, Stefan Wisniewski
Aktionen: Polizistenmorde, Ermordung von Siegfried Buback, Jürgen Ponto, Hans Martin Schleyer
3. Generation:
Hauptziel: Zusammenarbeit mit anderen Westeuropäischen linken Terrorgruppen
Führende Köpfe: Wolfgang Grams, Eva Haule, Birgit Hogefeld
Aktionen: Bombenanschläge, Morde an Managern und Politikern.
Auflösung
Am 20. April 1998 verkündet die RAF ihre Selbstauflösung.
Opfer
33 Tote, circa 200 Verletzte
Mehr als 1400 Personen wurde als RAF-Mitglieder oder RAF-Unterstützer verurteilt.
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Dieser damaligen Darstellung hatte ich keine Aufmerksamkeit beigemessen, vielleicht hätte ich in der Phase unseres Kennenlernens und unseres Verliebtseins gezielter darauf eingehen sollen? Diese Terror-Organisation war in der Brutalität den heutigen Links- oder Rechts-Organisationen gleichgestellt und diese hatten und haben mit unserer Demokratie nichts „am Hut“, um so bedauerlicher ist die sympathisierende Haltung meiner „Ex“ aus heutiger Sicht. Ihre Handlungen bekamen so eine andere Ansichtsweise …
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M ein neues Zuhause wurde immer komfortabler, einige Wohnräume waren bereits bezugsfertig, eine neue Küche wurde installiert und ein großer Wintergarten mit winkelförmigen Grundriss zierte den Innenhof.
Auch nach einigen Monaten Abstinenz, so kam auch in mein Liebesleben wieder etwas Bewegung. Ich lernte eine nette junge Dame aus den Neuen Bundesländern kennen, die schon zwei erwachsene Söhne hatte und sie konnte sich sehr schnell mit Samantha anfreunden, was mir auch sehr wichtig war. Wir Drei verstanden uns prima und diese Beziehung hielt fast dreieinhalb Jahre und endete, wegen nicht vorhandener Entschlusskraft der weiblichen Seite.
Der Hausverkauf brachte mir keinen Erlös in meine Kasse, mein gesamtes Kapital steckte in dem Haus am Golfplatz und meine „Ex“ rückte keinen „Heller“ heraus, auch nicht die hochdotierte Lebensversicherung, die dann die Bank zum Rückkaufwert einlöste. Die Lage schien wieder einmal sehr hoffnungslos. Ich hatte hier doch mit gutem Recht auf einen Ausgleich aus dem Verkauf gerechnet, so aber nicht die Verkäuferin. Wie sollte ich nun die Erbengemeinschaft bedienen, einige tausend Euro hatte ich schon auf die hohe Kante gelegt aber es fehlte schon noch ein größerer Teil zur vereinbarten Rückzahlung. Ich musste um einen Zahlungs-Aufschub bei der Erbengemeinschaft nachsuchen, gleichzeitig hatte ich meine Geschwister, drei Brüder und sieben Schwester um einen Kredit gebeten. Einige wollten nicht, einige hatten akzeptable Ausreden parat, eine Schwester hielt mich über Wochen mit ihrer Überweisungs-Absicht hin, die aber nie eintraf. Der Elektromeister und drei meiner Schwestern halfen mit ihrer Finanzspritze ohne zu zögern, mir war so die fällige Terminzahlung ermöglicht worden und ich konnte erst einmal wieder frei atmen. Die kleine noch offene Summe, die eigentlich eine Schwester ausgleichen wollte, klaffte als Restkaufsumme, immer noch offen und diese pingelige Summe sollte noch für großen Ärger sorgen …
Samantha war nun schon ein großes und sehr hübsches Mädchen, ging in den Kindergarten und war einmal wöchentlich, meistens Mittwoch über Nacht bei mir und alle zwei Wochen über das Wochenende. Es war eine schöne, lustige und auch tiefgründig verbindende Zeit, das gemeinsame Wochenende hatten wir dann stets mit der Ablieferung am Montag-Morgen im Kindergarten verbunden. Samanthas Hundedame „Peppels“ war sehr oft mit von der Partie, sie fühlte sich bei dem großen Auslauf im Innenhof und auch später hinter der Scheune sehr wohl. In dieser schnelllebigen Zeit erlebte Samantha viele Neuigkeiten, vom Aussäen und Anpflanzen von Gemüse, das Ernten von Tomaten, Radieschen und Bohnen und wie man daraus leckeres Essen zubereitet, wir verbrachten viele schöne Wochenenden und der Wissensdurst von Samantha war riesengroß, man merkte das rege Interesse und ich hatte ein sehr positives Gefühl mit der stattfindenden Entwicklung unseres Kindes. Für den Sommer hatte ich einen Schwimmingpool angeschafft und somit auch meine liebe Not die kleine Wasserratte, hier immer wieder heraus zu bekommen. Samantha genoss diese Aufenthalte, ich nahm mir die erforderliche Zeit und bekam so ein gleichwertiges Feedback zurück. Samantha war glücklich und fühlte sich wohl …
Nach all den vorausgegangenen Querelen und negativen Umständen, beantragte ich beim Amtsgericht unsere Scheidung.
„Peppels“ blieb manchmal die gesamte Woche bei mir, denn wo sich Madame das Leben leichter machen konnte, da war sie voll mit dabei. Hier konnte die Hundedame nicht Ausbüchsen, höchstens viel Blödsinn unternehmen, wenn es ihr alleine im Innenhof zu langweilig wurde. An ein Erlebnis erinnerte ich mich besonders, eines Abends kam ich mit einigen Sträuchern, die ich von einer Kundschaft geschenkt bekommen hatte, zu meinem Bauernhof und diese Sträucher mussten noch am selben Abend in die Erde. Peppels war bei dieser Arbeit voll dabei, sie schnupperte voll an den umgegrabenen Erdhäufchen herum und entdeckte wahrscheinlich tausend und eins Aromen? Ich machte mir kaum weitere Gedanken. Am nächsten Abend, ich kam wieder von einer Außenmontage zurück und wurde überschwänglich von „meiner“ Hundedame begrüßt, so nach dem Motto, „… schau einmal was ich Tolles in Deiner Abwesenheit gemacht habe …“, dann sah ich auch schon die „Bescherung“. Peppels hatte alle Sträucher fein säuberlich wieder ausgegraben und wartete auf die Belobigung, das konnte aber beim besten Willen nicht sein? Es setzte erst einmal ein kleines Donnerwetter und Peppels verzog sich beleidigt, mit eingezogenen Schwanz zu seinem Schlafplatz, sie war sichtlich sauer, was für eine verkehrte Welt …
Ein späteres Fell kraulen mit Streicheleinheiten am Abend beendete diesen aufregenden Tag. Wir hatten eine sehr gute Symbiose zwischen Mensch und Tier, die eines Tages, wieder einmal durch meine „Ex“ jäh zu Nichte gemacht wurde, denn Hass und Neid waren ihre besten Ratgeber …
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Der Scheidungs-Termin vor dem Amtsgericht, war für das nahende Frühjahr angesetzt worden, eineinhalb Jahre nach Einreichung des Antrages und wieder einmal zeigte sich, dass Frauen doch zu allem fähig sein können, wenn es um den schnöden „Mammon“ Geld ging. Während dieser Zeit versuchte meine „Ex“, noch zusätzliches Kapital, aus der von ihr verursachten Situation zu schlagen. Sie nahm sich meinen Freund und Golfpartner, der Anwalt war und stellte eine Unterhaltsklage, obwohl wir einen Ehevertrag vor der Hochzeit, notariell abgeschlossen hatten. Dieser war jedoch erst nach der Scheidung gültig und ich musste mich eines Besseren belehren lassen, dass ich während dieser Zeit einen „Ehegatten-Unterhalt“ zu zahlen hatte, von was, war mir zwar unklar, den mein Einkommen reichte gerade zum Überleben. Aber dies hatte meine „Ex“ noch nie interessiert, sie lebte nach dem „Geiz ist geil“-Motto und „Kassandra first“.
Meine „Ex“ wollte hier, so schien es, besonders geschäftstüchtig auftreten, obwohl sie wusste, dass sie mein ganzes eingebrachte Vermögen, samt Auto, Motorrad und Ladengeschäft verballert hatte. Das Selbe hatte diese liebe Frau mit einer unbezahlten Rechnung von meinem Bruder, dem Elektro-Meister, in Höhe von fünf Tausend Euro verbockt. Diese Rechnung musste ich später auch noch begleichen, um endlich Frieden mit meiner Verwandschaft zu bekommen.
Viele Kleinigkeiten hatten uns in dieser Zeit der Auflösung, doch noch gemeinsam betroffen. Eines Tages erreichte uns die Hiobs-Botschaft aus dem nahegelegenen Kindergarten, wo Samantha von einem Spielkameraden, während des Mittagsschlafes sexuell „missbraucht“ wurde. Es gab eine große Aufregung über diesen Vorfall.
Samantha war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre und einige Monate alt und der kleine „Casanova“ ein paar Monate jünger. Dieser kesse Knabe nutzte die Gunst der Stunde und befummelte unsere Samantha während des Mittagsschlafes und küsste ihre kleine Vagina. Wahrscheinlich hatte dieser Junge heimlich zu Hause, seine Eltern beim Sex überrascht oder sogar gespannt? Samantha musste nun diesen „sexuellen“ Übergriff in dem Kindergarten ausbaden und hier konnten wir damals schon unsere verkehrte, heuchlerische Welt kennen lernen. Nicht dem „Täter“ wurden Auflagen gemacht, nein unsere Tochter sollte von Heute auf Morgen sich einen anderen Kindergarten-Platz suchen und nur weil das Personal, die Schlafpause der Kinder nicht ausreichend kontrollierte und sich wahrscheinlich eine Auszeit gönnte. Gegen diese, ausgesprochene Maßnahme wehrten wir uns vehement, trotzdem nahmen wir den Ratschlag der Einrichtung an, mit Samantha, therapeutische Gespräche bei einem Psychologen auf zunehmen, zumal Einnässen und Alpträume sich einstellten. Wir sahen zum ersten Mal wie sich auch unter Gleichaltrigen, solche Handlungen im Seelenleben widerspiegeln konnten. Am Anfang waren diese Gespräche wöchentlich und später im vierzehn tägigen Abstand. Ich hielt eigentlich von diesem psychologischen „Gequatsche“ nicht allzu viel, da Samantha an einem Nebentisch malte und wir uns mit dem Psychologen nur unterhielten, es war sicherlich eine gute Honorar-Einnahme.
Der einst abgelehnte Kindergarten-Wechsel sollte nun doch noch vollzogen werden, nicht so wie die Kindergarten-Leitung es sich vorgestellt hatte, sondern wie es sich meine „Ex“ in ihrer weiteren Lebensplanung zurecht gelegt hatte. Der kleine „Casanova“ wurde nicht weiter zur Rechenschaft gezogen, er stand nur unter weiterer Beobachtung, wie uns die Leiterin einst noch versicherte. Meine „Ex“ plante den Umzug in den „Westen“, ohne mich vorher zu befragen, nein, sie hatte schon alle Details abgeklärt und mich nur noch vor vollendete Tatsachen gestellt, der Umzugswagen war bereits gebucht und die Wohnungsübergabe zum nächsten Termin besiegelt.
Sicherlich hätte ich hier meinen Einspruch vorbringen können, eventuell mit einem Eilantrag bei Gericht, aber was hätte es gebracht? Ich hatte gerade nach den gesamten, verlustreichen Begebenheiten mit meiner „Ex“, beruflich wieder Fuß gefasst und da sollte ich nun vor Gericht ziehen, mein Bekannter riet mir vor dieser Klage aus Eigennutz ab und ich verzieh mir Jahre später nicht, dass Samanthas Mutter mich damals schon wieder über den berühmten Tisch gezogen hatte.
Heute kann ich mit Recht behaupten, hier versagt zu haben, dass dieses Versagen einmal solche gravierenden Auswirkungen auf das Verhalten von Samantha zu mir haben würde, konnte ich bei diesem Schritt und in diesem Ausmaße nicht ahnen.
Wie ich vernehmen konnte so wollte sie in die Nähe von Krefeld ziehen, hier wohnte bereits ihre Schwester und der nicht zur Hochzeit eingeladene Schwager. Über diesen Umzug war ich überhaupt nicht begeistert, denn wenn ich meine Tochter sehen wollte dann musste ich einige hundert Kilometer Wegstrecke stets zurücklegen, mir vor Ort ein Zimmer suchen und dafür auch noch die Kosten tragen. Dieser Umzug war ein genau kalkulierter Schachzug meiner „Ex“, sie nutzte meinen beruflichen Neuanfang für ihre hintergründigen Machenschaften aus, unsere Tochter mir zu entfremden und wenn erst einmal vier hundertfünfzig Kilometer dazwischen lagen, dann wird der „Alte“ schon sein Interesse verlieren?
Mir wurde in den Wochen darauf schnell klar, dass ich um unsere Tochter kämpfen musste, denn diese Frau kannte in dieser Phase nur den alleinigen Vorteil. Zu aller Enttäuschung hat meine „Ex“, ohne Rücksicht auf Samantha und im Endstadion auch auf mich, unsere Hundedame „Peppels“, einfach weggegeben. Ich hätte liebend gerne Peppels bei mir auf dem Bauernhof, ein neues Zuhause gegeben, aber diese heimtückische Frau setzte ihre Nadelstiche weiter in jedes Herz, ohne Rücksicht auf Verluste.
Zu ihren unmenschlichen Weggaben, nach der Katzen-Entsorgung, der Weggabe ihres Sohnes Rolf nach seiner Geburt und nun die „Entsorgung“ von Samanthas Hund, fiel mir nichts Positives ein. Diese Frau schien mit ihrem Hass, keiner zu stoppen?
Als ich vor vielen Jahren diese Frau kennen und lieben lernte, da hatte sie schon die ersten Anzeichen zu dieser Eiseskälte, vielleicht hätte ich damals schon die Reißleine ziehen sollen. Aber wahrscheinlich schlägt man als Neuverliebter ohne Hirn, alle Warnsignale in den Wind? Das einzig Positive aus dieser ruinösen Verbindung, war meine Tochter Samantha und hier hatte ich mir einst vorgenommen, alle Wege meiner „Ex“ mit Argusaugen im Wohle meiner Tochter zu beobachten und ich wollte so lange ich lebe, für Samantha ein guter Vater und Freund sein und wenn alle „Stricke“ reißen auch ein Zufluchtsort …
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Die Scheidung war überstanden, meine Zukunfts-Planung umfasste nur noch mein Kind Samantha und ich hatte in dieser Phase eine Wochenend-Beziehung, die sich sehr gut mit Samantha verstand. Das Verhältnis zu meiner „Ex“ war sehr abgekühlt, die Eiszeit war jedoch noch nicht angebrochen, da ich durch den Umzug der „Ex“, auch noch Kontakt zu meiner Tochter unterhielt. Diese Zeiten waren doch sehr schwer, aber danach fragte leider niemand den erzeugenden Vater, der hatte sich mit dem geschaffenen Umstand abzufinden, denn das Kind verblieb bei der Mutter, ein geglückter Schachzug …
Bei einem der letzten Besuche beim Kinderpsychologen, wegen der Kindergartenüberraschung, erfuhr ich von dem geplanten Umzugstag. Diesen Tag wollte ich mir live gönnen und ich fuhr zu der Wohnung meiner „Ex“, die Speditionsarbeiter hatten größte Probleme mit der Verladung des Umzugsgutes, kurz es waren noch zu viel Hausrat und Möbel einzuladen und es gab zu wenig Stauraum, hier schlug unbarmherzig „Murphys-Gesetz“ zu.
… angenommene Gesetzmäßigkeit, nach der alles misslingt, was misslingen kann.
Hier lernte ich einen „Kleiderschrank“ von Mann kennen, der nur so von Leibesfülle strotzte, ein „Fettsack“ im wahrsten Sinne des Wortes, unästhetisch, verschwitzt bei der kleinsten Bewegung und wie ich später erfuhr, der nur Vater Staat auf der Tasche lag, er bezog wegen seiner Unvermittelbarkeit, Sozial- und Arbeitslosengeld. Was dieser Kerl von Mann bei meiner „Ex“ zu suchen hatte, wurde mir nicht mitgeteilt, vielleicht hatte die einstige Gran Madame eine „Geschmacks-Verirrung“ durchlaufen?
Die Verschärfung der Sozialgesetz-Gebung erfolgte erst später mit der Agenda 2010 und der großen Koalition, angeführt mit meiner „Lieblings-Kanzlerin“ Angie, auf die wir in Deutschland aus vielen Gründen bestimmt verzichten hätten können.
Detlef, war dieser Schweiß durchtränkte Kleiderschrank und stellte sich als guter Freund des „Hauses“ und meiner „Ex“ vor, also doch Geschmacks-Verirrung, wie mir sofort in den Sinn kam. Früher kannte ich nur die Einstellung meiner Frau, die auf Ästhetik und Sauberkeit fixiert war, bei diesem Mann war der Geschmack und die Ausstrahlung total aus den Fugen geraten. Detlev hatte nun die vertrauenswürdige Aufgabe erhalten, die nun leer geräumte Wohnung in einen Übergabe gerechten Zustand zu versetzen und diese an den Hausbesitzer zu übergeben. Meine „Ex“ hatte wieder einmal einen „Doofen“ für die niedrigen Arbeiten gefunden und ich sollte Monate später noch einmal das Vergnügen erhalten, mit diesen „Schmuddelbatzen“ zusammen zu treffen.
Aber Heute im Nachhinein betrachtet, war ich auch nicht der Hellste oder ich war mit dem berühmten „Klammerbeutel“ gepudert worden, denn ich ließ mich auch stets von der „Ex“, für ihre Arbeiten kostenfrei einspannen, ich redete mir zwar ein, ich täte es für meine Tochter, aber glaubte ich dies tatsächlich?
Ich wollte zu dem Umzugstermin eigentlich nur vorbei schauen, um Samantha ein Abschieds-Geschenk zu überbringen. Ich hatte aber nicht die Rechnung mit meiner „Ex“ gemacht, schwupps war ich für die nächsten Tage dienstverpflichtet in Krefeld. Da ich Kumpel wie „Sau“ war, so ließ ich mich nicht zweimal bitten, also wurde mein Werkzeug eingeladen, das Auto vollgetankt und auf eigene Kosten ging es in den Ruhrpott …
Der Umzugswagen war schon dagewesen und ein Großteil des Hausrates war schon nach Oben gebracht worden. Nun lernte ich zum ersten Mal, den nicht zur Hochzeit eingeladenen Schwager Franz kennen. Auch Franz hatte sich samt seinem Sohn zur kostenlosen Arbeit bei meiner „Ex“ rekrutieren lassen, obwohl sie ihn nur als doof und blöd abstempelte. Aus dieser Frau konnte man bei bestem Willen nicht schlau werden, hatte sie überhaupt kein Schamgefühl, oder hatte sie schon wieder den Eklat aus der Vergangenheit vergessen? Aber sicherlich war es aus ihrer Sicht konsequent, wenn man solche verachtete Menschen, für niedrige Arbeiten verwendet, denn so lange war die Sklaverei auch noch nicht abgeschafft worden? Von seiner fachlichen Qualifikation konnte ich mich gleich an Hand seines Redeschwalls überzeugen, er hatte fachlich nicht viel drauf, dafür lauter gescheite Sprüche, um sich wichtig in den Vordergrund zu stellen. Die Möbel standen bereits in den bestimmten Räumen und warteten auf meine Arbeit an die entsprechenden Wände fachgerecht angebracht zu werden. Dann musste noch die komplette Küche in den neuen Grundriss eingepasst werden, was mir auch anstandslos gelang.
Samantha war ganz happy, dass ihr Papa wieder bei ihr war. Sie erzählte mir von dem neuen Kindergarten, ihren neuen Freunden und davon, dass auch ein Kindergarten für behinderte Kinder angeschlossen war. Samantha fand diesen Umstand ganz aufregend und toll, da die gesunden Kinder den Nicht-Gesunden behilflich sein konnten. Ich fand diese Idee der Einrichtung im Zusammenspiel von gesunden und kranken Kindern einfach nur gut, denn so lernten die Großen von Morgen, den Umgang und die Akzeptanz von Behinderten und benachteiligten Mitmenschen. Die Arbeiten gingen gut von der Hand, so wie man es ebend gelernt hatte, ohne viel Reden, einfach abarbeiten. Es war von „Madame“ geplant, dass ich zwei Tage bleiben sollte, denn Arbeit gab es genügend, sogar so viel, dass „Madame“ sich zum Feier-Abend zum Rendezvous verdrückte und dies ließ sie sich ganz besonders heraus hängen, naja. Später erfuhr ich, dass sie ein Date mit einer Internet-Bekanntschaft hatte und diese Bekanntschaft sollte Wochen später ein erneuter Umzugsgrund werden.
Die Arbeiten wurden „pflichtbewusst“ erledigt, Samantha hatte am Abend noch viel Spaß, weil wir gemeinsam kochten und dazu das Gemüse schnippelten und dann gemeinsam gegessen hatten, aber auch der Abwasch wurde von uns Zwei erledigt. Mit dem Kochen hatte es „Madame“ nicht so, mit diesen Arbeiten stand sie auf dem Kriegsfuß, allzu oft gab es nur die Stulle aufs Brot, wie Samantha mir erzählte oder Spagetti mit Tomatensoße. Aber sehr oft blieb die Küche kalt …
„Madame“ liebte nach ihren Aussagen die mediterrane Küche, draußen heiß, gekühlter Lambrusco, so dass das Kondenswasser außen herunter lief und irgend etwas dazu, was nicht unbedingt mit Kochen zu tun hatte und für alle Notfälle gab es noch den Pizza-Boten.
Ich sehe Heute noch immer Samanthas leuchtende Augen, wenn ich nachfragte ob sie mir beim Kochen helfen wollte, Kinder sind hier sehr kreativ und wissbegierig.
Die Silikonfugen in der neu eingepassten Küche waren noch gar nicht richtig ausgehärtet, also noch elastisch und die Möbel hatten sich gerade an die neue Umgebung gewöhnt, Samantha wollen wir gar nicht erwähnen, denn auf unser Kind wurde von dieser Frau keine Rücksicht genommen, der Leitspruch lautete doch „Kassandra first“. Das Gastspiel im Kindergarten war von sehr kurzer Dauer und „Madame“ mit Anhang wollte zu der großen Internet-Liebe umziehen, warum erst einmal abwarten, der Mensch braucht doch Veränderung und wie sich ein Kind dabei fühlt, … scheiß egal!
Später stand in der Gerichtsakte, „die statt gefundenen Wohnungswechsel erfolgten aus arbeitspolitischer Sicht“, aber so genau, wie angekündigt, nahm sie es damit nicht, denn sie kündigte die Arbeitsstelle und wollte bei ihrer neuen großen Liebe, nennen wir ihn Bernd, im Büro arbeiten.
Samantha wurde wieder einmal aus ihrem neuen Umfeld heraus gerissen, weil Mutter nur ihre Interessen kannte und ohne Rücksicht auf Verluste ihr Ding und nur ihr Ding durchzog.
Ich hatte dies alles kommen sehen und leider nichts unternommen, ich hätte hier einschreiten müssen, was ich aber nicht tat. In dieser Situation hatte ich auch Verständnis für meine „Ex“, warum eigentlich? Ich ließ hier meine Tochter im Stich, eine Ausrede wollte ich auch im Nachhinein nicht mehr abgeben, aber vielleicht war ich damals noch der Ansicht, dass ein Kind zu seiner Mutter gehört?
Samantha konnte sich nicht wehren, Bernd der Neue, wie auch immer, wickelte sie am Anfang mit vielen Schmeicheleien und kleinen Geschenken in einer solchen Art ein, das es Samantha sehr gut gefiel. Bernd hatte ein eigenes Schwimmbad im Haus, einen lieben „Cäsar-Hund“, den aus der Hundefutter-Werbung und Samantha erhielt einen eigenen Kindersturzhelm und einen Kinder-Sitz für das hauseigene Motorrad, welches Kind konnte da schon ablehnend herüber kommen?
Die einst so geliebten Pferde bei ihrer Tante und dem Schwager Franz am Reiterhof, blieben somit nur noch zum Wochenende übrig oder zu den angesetzten Kurzurlauben. Der „brave“ Onkel Franz musste nun auf die Abholung von Samantha aus dem Kindergarten mit seinem Moped verzichten, denn dieser „Liebesdienst“ war nun durch den Umzug hinfällig geworden.
Ich kannte die Wegstrecke durch das parkähnliche Wohngebiet mit der dunklen Durchfahrt durch den Wald, bis hin zu dem Reiterhof, aber welcher „Unhold“ würde hier Böses vermuten und dann noch in der Verwandtschaft?
Sieben Jahre später sollte sich damit jedoch die Kripo beschäftigen …
„Madame“ hatte natürlich sofort an meine Mithilfe beim Umzug gedacht, „leider“ konnte ich beim Abbau und beim selbst engagierten Umzug nicht mithelfen, denn ich war bei einem Terminauftrag unabkömmlich, wie schade! Aber zum nächsten Wochenende fiel mir keine passende Ausrede mehr ein, denn es sollte auch ein letzter Umzug zu ihrer großen Liebe des Lebens sein, ich willigte ein und begab mich abermals Richtung Ruhrpott.
Die einst angepasste und eingebaute Küche sollte nun in Bernds Haus eingebaut und noch vergrößert werden, eine Mammut-Aufgabe übers Wochenende mit viel Arbeit und mit vielen Ecken und Kanten.
Zum Dank verkaufte mir Bernd, ein großes Schlitzohr, einige alte Biertisch-Garnituren und ein paar Ausstellungs-Trennwände, natürlich zum aktuellen Schnäppchen-Preis, verstand sich sicherlich von alleine. Meine Anlaufstelle war nun Hamm in Westfalen, etwas näher und bequemer zu erreichen. Samantha lebte sich sehr schnell dort ein und hatte viel Spaß mit dem Hündchen, obwohl dies auch mit einigen Pflichten verbunden war, was wiederum für ihrer Erziehung nicht schadete. Das Haus war jedoch in keinster Weise kindgerecht, es war sehr dunkel, mit vielen exotischen Reiseandenken voll „gepflastert“ und hier sollte eine Veränderung von statten gehen, so der Plan. Samantha bekam ein eigenes Zimmer und dieses sollte sie eigentlich auch nicht verlassen, denn der „große Meister“ wollte am Abend seine Ruhe vor dem überdimensionalen TV-Gerät, kurz um, das Kind ging dem Liebespaar gehörig auf den „Keks“. So schnell hatte sich für meine Tochter das Traumhaus zur Schreckenskammer gewandelt und „Madame“ schritt nicht ein, warum auch?
Bernd war in der Straßen- und Pflasterbau-Branche tätig, also gab es im Winter nichts zu tun und er bevorzugte in dieser Zeit den wärmeren Süden von Europa und auch die Nordafrikanischen Staaten. Das Auto wurde bepackt, die Motorräder auf den Anhänger verladen und mit Freundin und Kind ab nach Spanien, wo der Winter sie jedoch wieder einholte. Das Reiseziel wurde somit erweitert und sie setzten mit der Fähre über das Mittelmeer nach Marokko über, wo das Wetter wesentlich besser war. Madame hatte sich jedoch eine Unpässlichkeit eingehandelt und die vorzeitige Rückreise musste, zum Leidwesen aller, erfolgen.
Wie ich später erfahren konnte, so sollte dieses „Schwächeln“, gar nicht in die Vorstellungen von der großen Liebe Bernd, hinein gepasst haben. Da half doch nur der Spruch, „… schaff dir ein Polenmädchen an, die was vertragen kann und nicht beim ersten Kuss krepieren muß …“.
Das Verhältnis der beiden „Liebenden“ hatte die große Bewährungsprobe vorerst nicht bestanden, aber wie sollte dieses Familien-Verhältnis wohl weiter gehen …?
In der Osterwoche hatte ich Samantha eine Woche bei mir auf dem Bauernhof in den Ferien, Bernd und „Madame“ hatten sie mir vorbei gebracht und sich gleich, wie bei „guten Freunden“ üblich, sich zum Frühstück eingeladen. Diese Woche ging wieder einmal viel zu schnell vorbei und Samantha musste mit mir die Rückreise antreten, ich bemerkte das Samantha nicht sehr gerne zurück fuhr, irgend etwas bedrückte mein Kind, aber die kleine wollte nicht mit der Sprache heraus rücken. Bei meinem kurzen Aufenthalt vor der Rückfahrt bemerkte ich schon das gesamte Elend, das Liebespaar passte auch mit der Internet-Hilfe nicht zusammen und die Trennung war für mich nur noch eine Frage der Zeit.
Meine „Ex“ hatte mich in einigen Telefon-Gesprächen über die verzwickte Situation, am Laufenden gehalten, wahrscheinlich war ich als „Seelenklempner“ doch noch gut zu gebrauchen oder vielleicht auch nur, weil ich gut zuhören konnte. Ich erfuhr sehr kurzfristig von dem großen „Liebesaus“ und natürlich von dem geplanten neuen Umzug, wohin sollte es nun dieses Mal gehen?
Oh, es sollte wieder nach Krefeld zurück gehen, wegen den „beruflichen Umständen“, wie sie später ihre Umzugsreisen vor Gericht begründete.
Für den außenstehenden Betrachter ergibt sich sicherlich die eindeutige und zwingende Frage, warum hier kein Jugendamt im Sinne des Kindeswohls eingeschritten war, aber es fühlte sich niemand für unsere Samantha zuständig. Der abermalige Wohnungswechsel erfolgte erneut ohne Auflagen, aber dieses mal ohne meine Hilfe, denn ich sah nicht ein, dass ich diese Treiben weiterhin unterstützen sollte. Aber niemand von den Behörden war für das Kindeswohl verantwortlich, es war nichts an dem grauen Ruhrpott-Himmel zu erkennen, kein Jugendamt, kein Kinderschutzbund, kein weiß nicht wer …?
Bernd mit seinem Eigenheim und seinem so angepriesenen Schwimmbad im Haus, war nun Vergangenheit, die große, so standesgemäße Seifenblase war geplatzt und nur Einer durfte sich wieder etwas mehr freuen, dieses Mal war es wieder der gute Onkel Franz, der schon soviel Erfahrung mit der Abholung vom Kindergarten hatte …
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