Kitabı oku: «Freundschaft», sayfa 2
Tiefe Freundschaft
Tiefe Freundschaft bedeutet, Nähe zulassen und sie nicht nur aushalten sondern auch genießen zu können. Sich an der gemeinsamen Zeit zu freuen. Zum Freund kann ich werden, wenn ich bereit bin, Einblicke in meine Schwächen zuzulassen und mit den verletzlichen Seiten meines Freundes behutsam umzugehen. Dann entsteht etwas, das wir auch als Bindung bezeichnen. Menschen verbinden sich miteinander, weil sie Vertrauen zueinander gefunden haben und sich aufeinander verlassen können. Die Verbundenheit untereinander gibt ihnen Sicherheit und Halt. In schlechten Freundschaften hingegen gelingt es kaum, sich an der Anwesenheit des anderen zu erfreuen. Vielleicht strahlen Besitztümer, Macht und gesellschaftlicher Einfluss Anziehungskraft aus. Aber die Person an sich wird eher als anstrengend, ermüdend oder langweilig erlebt.
Wenn wir uns diese Werte näher anschauen, werden wir tiefe Freundschaften von bloßen Zweckgemeinschaften oder schlechten Freundschaften unterscheiden lernen. Wir werden verstehen, welchen Reichtum wahre Freundschaft bereit hält und warum sie eine wesentliche Antwort auf die Frage ist, was das Leben lebenswert macht. Denn als Menschen sind wir auf gelingende Beziehungen ausgerichtet. Unser Leben ist davon geprägt, dass wir uns weiterentwickeln, was uns insbesondere im Spiegel unserer Freundschaften gelingt. Der lebendige Austausch lehrt uns zu leben, führt zu Weisheit und trägt zu unserem Lebensglück bei.
Vielleicht lesen Sie dieses Buch, weil es Ihnen nicht leicht fällt, Freundschaften einzugehen. Und das Wissen, dass es in der Regel viel Zeit braucht, Freundschaften aufzubauen, wirkt eher entmutigend auf Sie. So ist es aber vielleicht tröstlich, dass Sie sich schon heute freundschaftlich verhalten können. Ob Sie einen Freund finden, liegt nicht allein in Ihrer Macht. Sie entscheiden aber, ob Sie den nächsten Menschen, dem sie begegnen, anlächeln. Es liegt bei Ihnen, einem Menschen, der Ihnen über den Weg läuft, Ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist nicht entscheidend, ob Ihr Gegenüber positiv darauf reagiert. Entscheidend ist, ob Sie Ihren eigenen Maßstäben gerecht werden.
Haben Sie sich beispielsweise vorgenommen, beim nächsten Einkauf an der Supermarktkasse dem Kassierer freundlich und aufmerksam gegenüber zu treten, könnte es gelingen, dass Sie sich mit dem Kassierer einen Augenblick lang emotional verbinden. Vielleicht gelingt Ihnen eine lustige Bemerkung, mit der Sie ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern. Vielleicht starrt er auch nur angespannt vor sich hin und Sie erkennen, dass er auch schon einen anstrengenden Tag hinter sich hat, weshalb er auf Ihre Einladung nicht eingeht. Entscheidend ist, ob wir uns freundlich benehmen, denn unser Verhalten unterliegt allein unserer Steuerung. Dann werden wir auf Menschen stoßen, die unseren freundschaftlichen Umgang zu schätzen wissen. Und vielleicht ist das schon der Beginn einer langen Freundschaft.
2.
Vom Wesen der Freundschaft
„Wollen wir Freunde sein?“ fragt die kleine Hannah ihren neuen Spielkameraden. Florian nickt kurz und bestätigt seine Antwort mit einem zackigen „Ja klar!“. Hannah und Florian sind nun Freunde. Die Sache ist rasch geklärt und sie vertiefen sich wieder in ihr Spiel.
Während Kinder nur einen Augenblick benötigen, um ihre Freundschaften zu besiegeln, nehmen Erwachsene sich oft sehr viel mehr Zeit, um sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Wir sind einfach nicht mehr so spontan wie in jungen Jahren. Unsere Welt und unser Denken sind komplexer geworden. Wir haben negative Erfahrungen gesammelt, wir vertrauen nicht mehr jedem. Wir haben genaue Vorstellungen davon, was zu uns passt und wer zu uns passt, haben unsere Vorurteile ausgebildet Und bevor wir eine engere Beziehung eingehen, prüfen wir, ob unser Gegenüber vertrauenswürdig erscheint.
Einerseits sind wir vorsichtig, weil wir Angst haben, verletzt zu werden. Andererseits hegen wir einen tiefen Wunsch nach Beziehungen zu Menschen, denen wir vertrauen können. Um uns aus diesem Zwiespalt befreien zu können, lohnt es sich anzuschauen, was Freundschaft im Kern ausmacht.
Freundschaft ist Liebe
Freundschaft ist eine Variante der Liebesbeziehung. Mit dieser Begriffsbestimmung weiche ich von dem heute üblichen Gebrauch des Wortes „Liebe“ ab, mit dem zumeist eine erotische Beziehung beschrieben wird. Diese Verwendung empfinde ich als zu einseitig. Über Jahrhunderte wurde das Wort Liebe, geprägt durch den christlichen Glauben, im Sinne von Nächstenliebe verstanden. Hier wird in der Regel eine sexuelle Beziehung ausgeschlossen. Wenn ich also von Freundschaft als Liebesbeziehung spreche, meine ich eine liebevolle Beziehung, in der keine Sexualität ausgelebt wird.
In der psychotherapeutischen Fachliteratur findet sich der Begriff Liebe nur selten. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ihm die unterschiedlichsten Bedeutungen zugeschrieben werden, er nicht selten auch instrumentalisiert wird und es deshalb kaum möglich ist, eine allgemeingültige Definition aufzustellen. Auch meine Definition ist nicht immer in jedem Fall zutreffend. Sie kann uns aber eine Orientierung geben und einen Weg weisen in dem Dschungel zwischenmenschlicher Beziehungen.
Liebe heißt auf der Verhaltensebene einander Gutes zu tun. Ein Liebender will, dass es dem anderen gut geht und verhält sich deshalb so, dass er seinen Freund in seinem Wohlergehen unterstützt. Nur der Empfangene kann beurteilen, ob ihm das Verhalten seines Freundes gut tut. Man ist also gut beraten zu unterscheiden, was „lieb gemeint“ ist, möglicherweise aber nach hinten losgeht, und was tatsächlich Liebe ist. Wahre Liebe beglückt den Empfangenden. Ist sich der Gebende unsicher, ob sein Verhalten als liebevoll aufgefasst wird, kann eine Regel des Psychoanalytikers Erich Fromm weiterhelfen: Liebe ist es, wenn es Gegenliebe erzeugt (Erich Fromm: Die Kunst des Liebens).
Liebe heißt auf der emotionalen Ebene, die Gegenwart des Freundes genießen zu können. Wir erfreuen uns an der Anwesenheit unseres Freundes oder unserer Freundin. „Schön, dass Du da bist!“ Es geht hier jedoch nicht nur um schöne Momente, sondern auch um längere Zeitspannen. Dazu gehören auch Menschen, mit denen wir uns hin und wieder gestritten, dann aber auch wieder versöhnt haben und für die wir grundsätzlich Dankbarkeit empfinden, weil sie zu einem Teil unseres Lebens geworden sind.
Aus dieser Definition lässt sich ableiten, dass wir mehrere Eigenschaften mitbringen sollten, wenn wir unsere Freundschaften vertiefen wollen. Wir sollten in der Lage sein, grundsätzlich die Anwesenheit eines Menschen, der uns sympathisch ist, genießen zu können. Das klingt banal, im psychiatrischen Alltag begegne ich aber täglich Menschen, die damit größte Schwierigkeiten haben. Oft suchen sie deshalb professionelle Hilfe bei uns. Darüber hinaus ist es wichtig, dankbar sein zu können. Auch das klingt banal, ist aber ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Als dritte Eigenschaft ist die Freiheit zu nennen, geben zu können. Eng damit verknüpft ist eine vierte Eigenschaft, nämlich empfangen zu können. Auch damit haben viele Menschen Schwierigkeiten, was in der heutigen Zeit paradox erscheinen mag. Einerseits leben viele im Konsumrausch und können gar nicht genug bekommen, auf der anderen Seite existieren aber auch viele Menschen, die ihre Existenzberechtigung über ihre Leistung definieren, die größte Schwierigkeiten damit haben, sich einfach mal beschenken zu lassen und Hilfe anzunehmen.
Bauen wir uns liebevolle Freundschaften auf, dann geben wir uns den Freiraum, sämtliche Lebensbereiche miteinander zu teilen und von Liebe durchdringen zu lassen. Liebe heißt, mitzuleiden, wenn es dem Freund schlecht geht, und sich mitzufreuen, wenn es ihm gut geht. Liebe heißt, ihn zu unterstützen, ihm zu helfen und ihm beizustehen. Liebe heißt auch, dem Freund hin und wieder einen Spiegel vorzuhalten. Ihn zu warnen, wenn wir den Eindruck haben, dass er sich in eine Sache verrennt, und ihn zu beruhigen, wenn er sich in einer Angelegenheit festgebissen hat. Liebe heißt, ihm wieder aufzuhelfen, wenn er über einen Fallstrick oder die eigenen Füße gestolpert ist. Liebe heißt, keine Bedingungen und keine Forderungen zu stellen.
Liebe heißt, Formen von Gemeinschaft zu entwickeln, die beide Beteiligten genießen können.
Liebe heißt, sich anzuvertrauen. Wir lassen die Abwehrmauern gegenüber unserem Freund fallen und erlauben einen unverfälschten Blick auf unser Seelenleben. Liebe heißt, keine Angst zu haben, sondern zu vertrauen und die Sicherheit zu haben, dass unser Freund für uns da ist und behutsam mit dem umgeht, was wir ihm anvertrauen. Wenn wir am Boden liegen, weil wir über unseren Leichtsinn gestolpert sind oder uns ein schwerer Schicksalsschlag getroffen hat, ergreifen wir die ausgestreckte Hand unseres Freundes, der uns wieder aufhilft. Liebe heißt, kritische Fragen unseres Freundes ernst zu nehmen. Liebe heißt, Ohnmachtserleben mitzuteilen und uns an der starken Schulter des Freundes aufzurichten, um wieder sicheren Boden unter unseren Füßen zu spüren.
Freundschaft ist ein Kind der Freiheit
Freundschaft als Verkörperung einer Liebesbeziehung ist immer ein Kind der Freiheit. Es ist unmöglich, Freundschaft zu erzwingen. Das Wohlbefinden in der Gegenwart des anderen kann nicht erzeugt oder produziert werden. Freunde haben eine gewisse Seelenverwandtschaft oder – weniger pathetisch ausgedrückt – die Chemie zwischen ihnen stimmt. Man versteht sich, ist sich sympathisch, hat ähnliche Interessen und Wertvorstellungen. Der respektvolle und achtsame Umgang miteinander lädt dazu ein, allmählich mehr von sich preiszugeben. Wünsche und Bedürfnisse werden mitgeteilt, verletzliche Seiten gezeigt. Diese Schritte geht man nur, wenn man sich frei fühlt. Jede Form von Zwang würde sofort dazu führen, dass man sich verschließt und auf Abstand geht.
Hat man Freundschaft geschlossen, ist jedes Treffen und jeder Austausch Ausdruck von Freiheit. Wir lassen uns nur auf eine Freundschaft ein, wenn wir sie wollen. Fühlen wir uns verletzt oder unverstanden, neigen wir zum Rückzug. Sind die Spannungen nicht zu lösen, steht die Freundschaft ernsthaft in Gefahr. Dann stellt sich die Herausforderung, aufeinander zuzugehen, Konflikte offen anzusprechen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Haben wir die Ursachen der Spannungen geklärt, können wir wieder aufeinander zugehen und die Gegenwart des Freundes genießen.
In einer Freundschaft kann ich mich öffnen, ich kann mich mitteilen, weil ich weiß, dass mein Freund behutsam mit mir umgeht. Er gestaltet mit mir gemeinsam einen Raum der Freiheit. Wir verurteilen einander nicht, sondern nehmen uns an, wie wir sind. Wir bewerten nicht, wir moralisieren nicht, sondern lassen unsere Meinungen und Sichtweisen nebeneinander stehen. Wir müssen uns nicht rechtfertigen. Jeder Kontakt, jeder Austausch, jede Hilfe findet unter dem Vorzeichen der Freiheit statt.
Die Kehrseite der Freiheit ist das Abhandensein absoluter Sicherheit. Grundsätzlich können wir uns auf unsere Freunde verlassen, aber es existiert keinerlei Garantie für Freundschaft. Wer meint, Freundschaft einklagen zu können, der hat sich getäuscht. Die vehemente Forderung nach einer absoluten Sicherheit wäre der Beginn des Endes einer Freundschaft. Was unser Freund für uns tut und was wir für ihn tun, ist nicht berechenbar. So stößt jede Hilfsbereitschaft irgendwann an ihre Grenze. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Die Kunst liegt darin, den Freund nicht zu überfordern. Es ist gut, um Hilfe zu bitten, wenn wir sie benötigen. Genauso wichtig ist es, Grenzen zu respektieren, wenn sie aufgezeigt werden. Nur wenn Freunde die Freiheit haben, auch Nein sagen zu dürfen und sie sich sicher sein dürfen, dass dieses Nein respektiert wird, ist die Freiheit vorhanden, die Freundschaft benötigt, um atmen zu können.
Das Gebot der Freiheit ist unumstößlich. Entsprechend will Freundschaft den anderen nicht verändern. Eine Freundschaft will nicht erziehen, nicht bevormunden, sie will dem Freund nicht sagen, was er zu tun und zu lassen hat oder was gut für ihn wäre. Freundschaft nimmt an, Freundschaft lässt stehen.
Freundschaften sind kein Zweckbündnis
Freunde gehen keine Beziehung ein, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Eine Freundschaft ist kein Zweckbündnis. Die Frage, wohin eine Freundschaft führt, ist offen. Es existieren viele Zweckbündnisse, deren Existenz zweifellos berechtigt ist. Freundschaften hingegen unterscheiden sich von diesen insofern, als dass sie nicht eingegangen werden, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Ein gemeinsames Ziel kann zwar der Beginn einer Freundschaft sein. Echte Freundschaften stellen aber den Freund über das Ziel. Der Mensch ist hier wichtiger als die Sache. In tiefen Freundschaften können sich Ziele auseinander entwickeln, die Freundschaft aber bleibt. Freunde sind füreinander da und stehen sich bei, unabhängig davon, wie unterschiedlich die Themen sind, die das jeweilige Leben bestimmen.
In welche Richtung sich Freunde im Lauf des Lebens entwickeln, ist nicht vorhersehbar, genauso wenig, wie das Leben an sich vorhersehbar ist. Neben dieser Ungewissheit wissen wir aber, dass wahre Freundschaften Halt und Sicherheit geben. Es kann kommen was will, in Zeiten der Not werden unsere Freunde für uns da sein und wir für sie. Auch in glücklichen und erfolgreichen Zeiten teilen sie unsere Freude. Wohin das Schiff der Freundschaft segelt, erfahren wir oft erst, wenn wir ankommen. Freundschaft bleibt ein Abenteuer, das es wert ist.
Jede Freundschaft hat eigene Qualitäten
Wenn Liebe, Bedingungslosigkeit und Freiheit unbedingte Bestandteile echter Freundschaften sind, warum reicht uns dann nicht ein guter Freund im Leben? Warum pflegen wir mehr als eine Freundschaft? Wenn wir über unsere Freunde nachdenken, werden wir feststellen, dass sie ganz unterschiedliche Charakterzüge aufweisen. Selbstredend sind Merkmale dabei, die uns faszinieren und andere, die wir als anstrengend empfinden. Die individuellen Charakterzüge unserer Freunde geben den Beziehungen zu ihnen eine jeweils ganz eigene Prägung. Bestimmte Freunde stoßen unterschiedliche Anteile in uns an, die durch gegenseitigen Austausch aktiviert werden. Der eine Freund bringt uns dazu, besonders witzig zu sein, bei einem anderen werden wir zu guten Zuhörern, beispielsweise weil er phantastisch erzählen kann. Bei einem dritten Freund können wir uns alles von der Seele reden, was uns belastet. Mit einem vierten tauschen wir uns über unsere Lieblingsmusik aus und treiben gemeinsam Sport. In Freundschaften existieren immer verbindende Interessen, über die man in ganz unterschiedlichen Formen der Beziehungsgestaltung zusammenfindet. Jede Freundschaft hat eigene Qualitäten, die sie wertvoll sein lassen.
Bei Paaren, die miteinander befreundet sind, verhält es sich ähnlich. Manche befreundete Paare genießen ein gemeinsam zubereitetes Mahl, das durch einen herausfordernden Austausch über Politik und Arbeit begleitet wird. Mit anderen kann man Quatsch machen und viel zusammen lachen, mit einem dritten berät man über Kindererziehung und unternimmt gemeinsame Ausflüge.
Jeder Freund bringt eine bestimmte Saite in uns zum Klingen und prägt unser Erleben und unser Verhalten in einzigartiger Weise. Unser Leben wird durch den Austausch enorm bereichert. Die Gegenwart jedes einzelnen Freundes erzeugt eine unvergleichliche Resonanz in uns. Eine Gruppe von Freunden lässt die gemeinsame Zeit aufgrund vielschichtiger Interaktionen spannend und intensiv werden. In diesen Beziehungen werden wir lebendig und finden einen Lebenssinn.
Wenn wir die Einzigartigkeit jeder einzelnen Freundschaft betrachten, wird auch verständlich, warum gesunde Partnerschaften von guten Freundschaften profitieren und stabilisiert werden. Der Anspruch, dass ein Partner für alle Bedürfnisse des anderen zur Verfügung stehen soll, stellt immer eine Überforderung dar. Geht er gerne auf Rockkonzerte und sie lieber in die Philharmonie, können Freunde hier aushelfen. Liebt sie philosophische Gespräche und er ist ein Pragmatiker, ist sie gut beraten, sich mit einer ähnlich denkenden Freundin zu treffen, während er mit einem guten Freund eine Maschine auseinander bauen und reparieren kann.
Selbstverständlich benötigen Partnerschaften Interessen, die große Überschneidungsbereiche aufweisen. Teilt man sich die Freude an gemeinsamer Aktivität mit befreundeten Paaren, kann sie sich, der Volksweisheit entsprechend, verdoppeln. Für Bedürfnisse jedoch, die der Partner nicht erfüllen kann, können Freunde einspringen. Durch ihre Eigenarten, Sichtweisen und Interessen gestalten sie die Interaktionen auf einzigartige Weise und bereichern damit das Leben ungemein. Die Ansprüche an den Partner, die dieser nicht erfüllen kann oder will, können losgelassen und von anderen erfüllt werden, was die Partnerschaft entspannt und stark macht.
Freundschaftliche Beziehungen sind keine Freundschaften, aber wertvoll
Der Aufbau von Vertrauen benötigt Zeit. Wir müssen einen Menschen eine Weile kennen und unsere Erfahrungen mit ihm gesammelt haben, um herausfinden zu können, ob er vertrauenswürdig ist. Freundschaften entwickeln sich oft allmählich. Im Alltag existieren aber zahlreiche Situationen, in denen wir tatsächlich wildfremden Menschen unser Vertrauen schenken, sogar unser Leben in deren Hände geben. Freundschaftliches Verhalten baut in solchen Situationen Brücken und hilft uns, Vertrauen aufbauen zu können.
Sollten Sie einen Tauchkursus für Anfänger belegt haben, gehen Sie nicht davon aus, dass der Tauchlehrer Sie in Anbetracht Ihrer Unwissenheit ertrinken lassen wird. Sondern Sie schenken Ihm das Vertrauen, dass er Sie gefahrlos in die Kunst des Tauchens einführen wird. Obwohl der Tauchlehrer nicht Ihr Freund ist, verhält er sich, wie es ein Freund tun würde. Er wird auf Sie aufpassen wie auf seinen Augapfel, er wird Sie genau beobachten und jede Situation sofort abbrechen, die eine Gefahr nach sich ziehen könnte.
Er ist nicht Ihr Freund, aber er verhält sich freundschaftlich. Und das ist gut so. Sie brauchen in dieser Situation einen Menschen, auf den Sie sich absolut verlassen können.
Freundschaftliches Verhalten ist hier vom ersten Moment an notwendig: ein freundliches Lächeln zur Begrüßung, ein fester Blick in die Augen, ein zupackender Handschlag. Kann der Tauchlehrer zuhören, Ihre Fragen klar und eindeutig beantworten? Nimmt er ernst, was Sie bewegt? Erklärt er dann Schritt für Schritt und gut nachvollziehbar, wie die ersten Vorgänge unter Wasser ablaufen werden, dann wird er Ihr Vertrauen rasch erlangen. Sie müssen dieses Vertrauen aufbauen können, um sich auf das Abenteuer Tauchen einzulassen. Gelingt Ihnen das nicht, ist es ratsam, die ganze Sache abzubrechen. Für einen erfolgreichen Tauchkursus, aber auch viele andere alltägliche Situationen, ist eine freundschaftliche Beziehungsgestaltung halt- und sicherheitsgebend und nicht selten eine Voraussetzung.
Haben Sie eine neue Arbeit angenommen, wird Ihnen der Einstieg wesentlich erleichtert, wenn Ihnen Ihr neuer Chef offen für Fragen und vertrauenswürdig begegnet. Fahren Sie über die Autobahn, vertrauen Sie darauf, dass die anderen Verkehrsteilnehmer sich an die Regeln halten und aufmerksam fahren, um sich nicht gegenseitig zu gefährden. Gehen Sie essen, vertrauen Sie darauf, kein schadstoffbelastetes Essen vorgesetzt zu bekommen. Wir sind im Alltag auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen. Auch flüchtige Begegnungen werden angenehmer, wenn sie durch Freundlichkeit, Achtsamkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Respekt, Empathie und Wertschätzung geprägt sind. Freundschaftliches Verhalten erleichtert für alle Beteiligten die Bewältigung des Alltags und eine freundliche Bemerkung lässt das Leben in diesem Moment etwas schöner werden.
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