Kitabı oku: «Stanislav Grof und das LSD»
Brigitte Grof
Stanislav Grof und das LSD: Von der Pharmakologie zu den Archetypen
Eine Hommage zum 90. Geburtstag

E-Book-Ausgabe
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Herstellung: Bookwire GmbH Kaiserstraße 56 60329 Frankfurt am Main Deutschland
Verlag: Nachtschatten Verlag AG Kronengasse 11 4500 Solothurn Schweiz
Impressum
Brigitte Grof
Stanislav Grof und das LSD:
Von der Pharmakologie zu den Archetypen
Eine Hommage zum 90. Geburtstag
Nachtschatten Verlag AG
Kronengasse 11
CH-4500 Solothurn
Telefon: 0041 32 621 89 49
Fax: 0041 32 621 89 47
www.nachtschatten.ch
© 2021 Brigitte Grof
© 2021 Nachtschatten Verlag
Redaktion: Roger Liggenstorfer, Markus Berger
Übersetzung: Christine Heidrich
Korrektorat: Inga Streblow
Lektorat: Agnes Halski
Umschlaggestaltung: Nina Seiler
Layout: Nina Seiler. Silvia Aeschbach
Die Abbildungen in diesem Buch stammen aus den Archiven der beteiligten Autoren.
ISBN 978-3-03788-487-4
eISBN 978-3-03788-489-8
Alle Rechte der Verbreitung durch Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art, elektronische digitale Medien und auszugsweiser Nachdruck sind nur mit Genehmigung des Verlags gestattet.
Inhalt
Widmung
Grußworte
Paul Grof • Jack Kornfield • Richard Tarnas • Rick Doblin • Sandra Harner • Roger Walsh • Cathy Coleman • Bruder David Steindl-Rast • Fritjof Capra • Ervin László • Rupert Sheldrake • Cyril Höschl
Über das außergewöhnliche Potenzial der Psychedelika
Vorwort von Stanislav Grof zu Albert Hofmann: LSD – Mein Sorgenkind
Bildergalerie
Meine Erkundungen von LSD: Von der Pharmakologie zu den Archetypen
Stan Grof über sein Lebenswerk. Gespräch mit Brigitte Grof
Grußworte
Roger Liggenstorfer • Chris Heidrich • Markus Berger • Jutta Berger • Ingo Benjamin Jahrsetz • Christian Rätsch • Claudia Müller-Ebeling • Friederike Meckel Fischer • Theo Steiner-Vonzun & Leta Vonzun Steiner • Viktoria Luchetti • Sylvester Walch • Rashna Imhasly Gandhy • Torsten Passie • Peter Gasser • Carmen Giger
Bilbliografie
Danksagung
Stanislav Grof
Brigitte Grof

Stan Grof in Big Sur 2017
WIDMUNG
Für Stan, zur Feier Deines 90. Geburtstags
In tiefer Dankbarkeit und großer Liebe für Deine lebenslange Forschung zur heilenden Kraft von Psychedelika, Holotropem Atmen, Transpersonaler Psychologie und holotropen Bewusstseinszuständen. Dein liebevoller, mitfühlender, selbstloser und demütiger Dienst an der Menschheit hat dazu beigetragen, das spirituelle Wissen darüber, wer wir wirklich sind, wieder in die Welt zu bringen.
Du bist nicht nur ein unglaublicher Forscher, Wissenschaftler, Gelehrter, Psychiater und Psychotherapeut mit so riesengroßem Wissen und enormer Erfahrung. Du bist auch ein wunderbarer Mensch mit dem größten liebenden Herzen, dem ich je begegnet bin, mit so schönen Augen, einem ausgelassenen Sinn für Humor und einer unbegrenzten Neugier, einem mitfühlenden und freien Geist, sanft und stark zugleich.
Du bist die Liebe meiner Leben, die andere Hälfte meiner Seele. Nachdem wir viele innere und äußere Reisen zusammen unternommen haben, fühle ich mich gesegnet durch das Geschenk unserer bedingungslosen Liebe und geehrt und unendlich dankbar, Deine Frau zu sein.
Ich spreche auch für die vielen Menschen auf der ganzen Welt, deren Leben, Herzen und Seelen Du durch Deine Arbeit und Dein Sein tief berührt und transformiert hast.
Wir wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag!
Mögest Du noch viele Jahre glücklich, gesund und wohlauf sein und noch viele interessante Abenteuer erleben.
Von ganzem Herzen, Deine Brigitte

Stan und Brigitte Grof in Esalen, 2017
Grußworte
Liebster Stan,
unser Leben ist nun schon seit über acht Jahrzehnten eng miteinander verbunden. Es wäre schwer, ein Ereignis zu wählen, das diese Verbindung am besten widerspiegelt.
Du hast mein Leben so tiefgreifend beeinflusst, praktisch wie auch konzeptionell. In praktischer Hinsicht war wohl das wichtigste Ereignis, dass Du mich einludst, Dich in Amerika zu besuchen. Der Besuch war für zwei Monate geplant. 53 Jahre später bin ich noch immer auf dieser Seite des Atlantiks. Was für ein Besuch!
Auch auf mein gesamtes Denken hast Du einen tiefgreifenden Einfluss gehabt. Und nach dem Studium der Neurobiologie außergewöhnlicher Bewusstseinszustände, ihrer Entfaltung während des Lebens und ihrer Erscheinungsformen in großen Familien, deuten alle meine Beobachtungen darauf hin, dass diese Erfahrungen nicht vom Gehirn erzeugt werden können. Sie scheinen aus dem Bewusstseinsfeld zu entstehen.
Eine Erkenntnis, die Du schon bei Deinem ersten Selbstversuch mit LSD-25 vor 65 Jahren gewonnen hast, bei dem ich als Sitter dabei war.
Alles Liebe und viele Jahre mehr, die wir alle noch mit Dir teilen wollen.
Paul Grof, MD, PhD, Psychiater, Professor für affektive Störungen, Toronto Ottawa, 30. März 2021

Paul und Stan Grof in China, 2015
Mein lieber Herzensfreund Stan,
90 Jahre sind ein majestätisches Alter – und doch auch begrenzt …
Für mich bist Du ein unsterbliches Wesen.
In Deinen 90 Jahreskreisen um unseren Stern warst Du für mich eine Inspiration und ein Kollege, ein visionärer Begleiter und außergewöhnlicher Lehrer und Spielkamerad.
In jeder Inkarnation haben wir das Glück, einigen wenigen wirklich bemerkenswerten Menschen zu begegnen, deren Genialität, Vision und Herz den Lauf unseres Lebens verändern.
Das bist Du für mich gewesen. Die Weite Deines Verständnisses, die neuen und tiefgründigen Landkarten und Praktiken, die Du entdeckt oder wiederentdeckt hast, die kosmische Perspektive, die Du mir und all jenen in Deinem Orbit geboten hast, waren mächtige Kräfte zum Lernen und Erwachen und um mehr Mitgefühl in unser Leben zu bringen.
Ich könnte noch weiter über die vielfältigen Dimensionen Deines Wissens und Verständnisses sprechen, von Psychologie und Psychiatrie bis hin zur modernen Physik, Weltmusik, Kunst, Literatur, Sprachen, Anthropologie und Mythologie, Systemtheorie, Astronomie, Astrologie und allen Formen der menschlichen Transformation.
Doch so großartige Dimensionen sie auch sind, diese kreativen Aspekte Deines Geistes und Deiner Vision sind eingebettet in etwas Wichtigeres.
Es ist Dein weiser, übernatürlich beständiger, ausgesprochen mitfühlender und grenzenlos interessierter Geist …, der der unerträglichen Schönheit und dem Ozean der Tränen, die unsere menschliche Inkarnation und den Kosmos jenseits ausmachen …, auf liebevolle, fürsorgliche, neugierige und befreite Weise begegnet.

Jack Kornfield und Stan Grof in China, 2015
Du bist der Meister des kosmischen Spiels, und es war ein Segen und eine Ehre, fast ein halbes Jahrhundert liebevoller Verbindung, kreativer Zusammenarbeit und Inspiration zu teilen.
So wie Albert Hofmann sein letztes Jahrzehnt mit Freude und einem magischen Triumph genossen hat, möge dieses 90. Jahr der Beginn eines besonderen, nährenden Jahrzehnts voll weiterer Abenteuer und Liebe sein.
Mögen Du und die ausgesprochen wunderbare Brigitte an Deiner Seite gesegnet sein.
Jack Kornfield, buddhistischer Vipassana-Lehrer und Autor
An meinen lieben Freund zu seiner 90. Sonnenwiederkehr
Es gibt niemanden in meinem Leben, der mit Dir vergleichbar ist und mich auf so viele tiefgreifende Weisen beeinflusst hat wie Du, lieber Stan, nicht nur in der Entfaltung meines Verstandes, sondern auch meiner Seele und meines Geistes. Du und ich wurden beide von vielen brillanten Lehrern und Denkern gesegnet, aber für mich bist Du eine Klasse für sich. Was für ein phantastisches liebreizendes Geschenk Du bist!
Wenn ich jetzt auf fast ein halbes Jahrhundert seit unserer Ankunft in Esalen zurückblicke, sehe ich vor meinem geistigen Auge die Hunderte von Vortragssälen, Unterrichtsräumen und Podien, in denen wir gemeinsam Vorträge gehalten haben, in so vielen Ländern auf allen Kontinenten der Welt, angefangen im Wohnzimmer des Big House und bei Huxley, weiter nach Prag und Zürich, nach Hollyhock und Eranos, nach Brasilien und China. Wir haben Situationen erlebt, die gefährlich waren, und andere genossen, die idyllisch waren. Wir haben uns gemeinsam mit komplexen Ideen auseinandergesetzt und die Freude an verblüffenden Entdeckungen gespürt. Ich habe kaum einen tiefgründigen Gedanken, der nicht auf irgendeine grundlegende Weise durch Deine Einsichten und Deinen Einfluss geprägt wurde.
Und bei all dem kann ich mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht das Gefühl liebevoller Freundschaft und Freude in Deiner Gesellschaft verspürt habe. Das warme Licht Deiner lächelnden Augen strahlt aus einer großen Tiefe des Geistes, die wir alle in Dir erkennen. (Frag einfach Deine liebevolle Seelenverwandte Brigitte.) Während sich sicherlich viele Götter und Göttinnen durch uns alle ausdrücken, habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass in Deiner sanften Erscheinungsform als Mann in diesem Leben die Große Muttergöttin mit besonderer Kraft durchschien. Wie viele Tausende hast Du betreut, ihnen zu einer neuen Geburt verholfen, mit so viel Geschick, Freundlichkeit, Geduld und Weisheit. Du bist für unzählige Menschen eine Seelen-Hebamme gewesen. Aber mehr als das, durch Deine Ruhe, Deinen Mut, Dein Vertrauen in das Universum und in die einzigartige heilende Intelligenz, die tief in jedem Menschen steckt, bist Du in einer sehr realen Weise das Gefäß der grenzenlosen Liebe der Großen Mutter für andere gewesen, die diese in sich selbst tragen. Wie sonst ist es zu erklären, dass in Deiner Gegenwart so viele die Geburt und Wiedergeburt erfahren haben, das untrügliche Zeichen für die Anwesenheit einer Großen Muttergöttin?

Rick Tarnas und Stan Grof in Esalen
Du kamst in eine moderne Welt, in der die alten Mysterien und heiligen Rituale für unsere Zivilisation verloren gegangen waren. In den vielen Jahrzehnten Deines Lebens warst Du wie ein Hohepriester der Mysterienreligionen von Tod und Wiedergeburt von vor Jahrtausenden, wie ein Schamane aus den großen indigenen Traditionen, der irgendwie in die Welt der Wissenschaft und Psychiatrie befördert wurde. Und irgendwie hast Du es durch Deine erstaunliche Kraft und Dein Können, und zweifellos auch durch Karma und Gnade, geschafft, diese große Spannung der Gegensätze zu halten und sie zu einer wahren Synthese zusammenzuführen, einer heiligen Ehe, die noch über Generationen hinweg Früchte tragen wird.
Diese Worte sollen auf Deine besondere historische Rolle hinweisen, aber hier möchte ich Dir einfach für das unermessliche Geschenk Deiner persönlichen Anwesenheit danken. Du warst so gütig, so großherzig und hast mir geholfen, meine innere Reise von diesen frühesten Jahren an zu leiten. Und Du hast mir als Vorbild gedient, wie man vor der Welt steht und über Realitäten spricht, die die konventionelle Denkweise aufs Tiefste herausfordern und Wege der Weisheit und Heilung bieten.
Alle Hochachtung für Dich, Stan, und meine unendliche Dankbarkeit. Möge Dein Stern weiterhin hell leuchten, in diesem Leben und in vielen kommenden.
Rick Tarnas, PhD, Professor der Philosophie, Kosmologie und des Bewusstseins California Institute of Integral Studies

Rick Doblin und Stan Grof, Mill Valley 2018
Da Du 90 Jahre alt wirst, wünsche ich Dir zum Geburtstag, dass Du mit eigenen Augen die erste FDA-Zulassung für die psychedelisch unterstützte Therapie siehst, wahrscheinlich die MDMA-gestützte Therapie für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), dann Psilocybin bei Depressionen und anschließend andere. Es wird die Frucht des Baumes sein, den Du gepflanzt hast, als Du die Anfänge der LSD-Forschung miterlebt hast, als Du Mitglied der herausragenden LSD-Forschungsteams in Prag und in Spring Grove warst, als Du die Gegenreaktionen erlebt hast, als Du Grundlagenbücher zur LSD-Forschung geschrieben hast, als Du mit dem Holotropen Atmen begonnen und geholfen hast, die Transpersonale Psychologie und die International Transpersonal Association (ITA) aufzubauen, und als Du im Laufe der Jahrzehnte viele der heute führenden psychedelischen Forscher ausgebildet hast.
Albert und Anita lebten lange genug, um den Beginn der Wiederaufnahme der LSD-Forschung nach Jahrzehnten der Unterdrückung mitzuerleben, eine meiner stolzesten Erfolge bei MAPS. Mein Wunsch zu Deinem 90. Geburtstag ist Gesundheit, damit Du noch zu Lebzeiten die Verwirklichung der legalen psychedelisch gestützten Therapie auf Rezept, übernommen von der Krankenkasse, miterleben kannst – Dein Vermächtnis.
Rick Doblin, PhD, geschäftsführender Leiter und Gründer von MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies)
Zur Feier von Stans 90. Geburtstag
Wie fange ich an, die Erinnerungen an 50+ Jahre auszudrücken und mit ein paar Worten zu erfassen? Es ist nicht möglich. Zu sagen, dass es ein erlebnisreiches Abenteuer war, ist ein Anfang. Wir (Michael und ich) haben außergewöhnliche Ereignisse mit Dir erlebt und geteilt. Einige waren alltäglich, andere waren etwas ganz Besonderes; alle waren kreativ, großherzig und humorvoll. Deine besondere Gabe der ernsthaften Absicht und Entschlossenheit, verbunden mit diesem Funkeln in Deinen Augen, ist unvergesslich.
Ich danke Dir. Wahre Freundschaft lebt in allen, die das Privileg haben, Dich zu kennen.
In Liebe und Dankbarkeit, Sandra Harner, PhD, Mitbegründerin und Vizepräsidentin der Stiftung für schamanische Studien

Sandy und Michael Harner, Stan Grof, Mill Valley 2016
Lieber Stan
Was für ein Geschenk es ist, Dich in den letzten 40 Jahren zu kennen!
Du bist so viel für mich und so viele andere:
– ein lieber Freund,
– Wegbereiter,
– Wegweiser,
– Türöffner,
– Kartenersteller,
– Konferenzmacher,
– Inspirator,
– Wachstumskatalysator,
– Lebensveränderer
– und Bewusstseinserweiterer.
Es ist eine lange Liste!
Du hast so viel getan und geschaffen:
1.Du hast die Psychologie vertieft und spiritualisiert,
2.die Transpersonale Psychologie geschaffen,
3.das Bewusstsein über Kulturen und Disziplinen hinweg kartiert,
4.Psychologie, Mythologie und Spiritualität integriert,
5.neue Praktiken wie das Holotrope Atmen entdeckt,
6.neue spirituelle Herausforderungen wie die spirituelle Emergenz und den spirituellen Notfall erkannt,
7.neue Organisationen wie die International Transpersonal Association und das Spiritual Emergence Network gegründet,
8.und diese Erkenntnisse auf das Verständnis unserer individuellen, sozialen und globalen Probleme angewandt.
Und wieder ist es eine lange Liste.
Doch wie Ken Wilber einmal zu mir sagte: «Selbst wenn Stan nur Das kosmi sche Spiel geschrieben hätte, würde er immer noch einen Platz in der Geschichte verdienen.»
Es wird wahrscheinlich Jahrzehnte dauern, bis die ganze Bedeutung und die zahlreichen Implikationen Deiner Arbeit vollständig verstanden und gewürdigt werden.

Roger Walsh, Michael Harner und Stan Grof, Kalifornien 2016
Aber egal, wann das sein wird, Du hast unser Verständnis der menschlichen Natur – der menschlichen Psychologie, Potenziale, Möglichkeiten, Pathologien und Therapien – eindeutig erweitert und vertieft, wie es nur wenige in der Geschichte getan haben. In dem Maße, in dem Deine Entdeckungen anerkannt und umgesetzt werden, wird die Welt ein besserer Ort sein, mit weniger persönlichem Schmerz und kollektivem Leid und mehr Wohlbefinden und Aufblühen.
Nun sind es neun Jahrzehnte, 90 Jahre, in denen Du das Leben erkundet und genossen hast. Du hast so viel erforscht, entdeckt, gelebt und geliebt, dank Deines erstaunlichen Intellekts, Deines großen Herzens, Deiner freudigen Neugierde und Deiner furchtlosen Bereitschaft, Konventionen zu überschreiten und heilige Kühe zu grillen.
Stan, Du bist ein unbezahlbares Geschenk für uns alle, und vielleicht wirst Du mit der Zeit als ein Weltschatz anerkannt werden. Du bist wahrlich ein Meister des kosmischen Spiels.
Danke, lieber Freund, für alles, was Du mir und der Welt gegeben hast – und wäre Frances hier, würde sie Dir genauso danken wollen wie ich.
In Dankbarkeit und Liebe
Roger Walsh, MD, PhD., Professor für Psychiatrie, Philosophie und Anthropologie an der University of California, Irvine
Lieber Stan
Anlässlich Deines 90. Geburtstags möchte ich Dein langes Leben feiern und Ralph und mir selbst Dankbarkeit dafür aussprechen, dass sich unsere Wege in diesem Leben so innig mit Deinen gekreuzt haben. In der Tat war es eine zufällige Begegnung, als Du 1965 mit Peter John in Millbrook einen unerwarteten Zwischenstopp eingelegt und Ralph kennengelernt hast. Ihr seid über 50 Jahre lang gute Freunde geblieben, und wir hatten das Glück, in der selben Gegend zu wohnen und uns bei verschiedenen gesellschaftlichen Anlässen zu treffen.
Ich bin glücklich, durch Ralph in euren Freundeskreis aufgenommen worden zu sein. Ich weiß es zu schätzen, dass Du eng mit Ralphs geliebter Partnerin Angeles Arrien befreundet warst. Ich war dankbar, dass Du mich, obwohl ich so viel jünger war, als Ralphs neue Partnerin angenommen hast.
Ich erinnere mich an einen besonderen Abend, den Du, Christina, Ralph und ich im Mai 2014 im Taj Restaurant in San Rafael verbrachten, nachdem Angie am 24. April 2014 gestorben war, vor Christinas Tod am 15. Juni 2014. Wir haben an diesem Abend die Freundschaft zwischen den dünnen Schleiern von Leben und Tod zweier wunderbarer und wichtiger Frauen in Deinem und Ralphs Leben bekräftigt.
Ich bin voll Dankbarkeit für die Art und Weise, wie Du und Brigitte Ralph und mich in eure wunderbare neue Liebesbeziehung aufgenommen habt, und ich genieße das erfrischende Leben, das Du und Brigitte gemeinsam geschaffen habt und das uns alle nährt.
Während Du Deine neun Jahrzehnte in diesem Leben feierst, ziehe ich den Hut vor Deinem großartigen Leben als Akademiker, Forscher, Schriftsteller, Lehrer, Leiter des Holotropen Atmens und vor Dir als einem lieben Freund. Ich hatte das große Glück, dass meine erste Erfahrung mit dem Holotropen Atmen bei IONS unter Deiner Leitung stattfand, und dass ich erfreulicherweise in der kleinen Integrationsgruppe war, die Du geleitet hast. Ich bin Dir auch dankbar für Deine Unterstützung meiner Vision, die ITA-Jugendkonferenzen zu gründen, eine Leidenschaft und Mission von mir, junge Menschen durch erweiterte Erfahrungen zu stärken. Die ITA-Konferenzen waren großartig und unvergesslich für uns und für alle, die daran teilnahmen.
Unsere Leben umspannen akademische, intellektuelle Inhalte über transpersonale psychologische und psychedelische Themen, astrologisches Wissen und Interessen, großartige Konferenztreffen und vertraute, gesellige Zusammenkünfte mit lieben Freunden.

Ralph Metzner und seine Frau Cathy Coleman, Kalifornien 2016
Hier ist der Trinkspruch, den Ralph wohl auf dem Foto gehalten hat, das Brigitte, wie ich glaube, zur Feier Deiner Hochzeit mit ihr bei Betsy Gordon zu Hause aufgenommen hat:
Der L-Trinkspruch von Ralph Metzner
| Die 4 Ls (Elfen) | Die 8 Ls (Elfen) |
| Leben | Langes Leben |
| Lieben | Licht der Liebe |
| Lachen | Lustvolles Lachen |
| Loslassen | Leichtherziges Loslassen |
Cathy Coleman, PhD, Astrologin

Stan und Brigitte Grof, Bruder David Steindl-Rast, ITA-Konferenz, Prag 2017
Dieses Bild, lieber Stan, zeigt Dich von Deiner fröhlichsten Seite, Dein Gesicht erhellt von dem Strahlen, das aus Brigittes Augen scheint. Es fängt einen Moment ein, den ich sehr schätze und der mich an so viele gesegnete Momente erinnert, die ich mit Dir teilen durfte. Was für ein großes Geschenk ist unsere Freundschaft für mich in diesen Jahrzehnten gewesen!
Dein 90. Geburtstag ist ein Anlass, Dir für dieses Geschenk zu danken. Es erinnert mich auch daran, was für ein Privileg es war, Deine Mutter kennenzulernen. Wie dankbar bin ich, diese großartige Frau kennengelernt zu haben, die uns Dich vor 90 Jahren geschenkt hat. Lass Dich von der Zahl 90 nicht erschrecken. Da ich Dir ein halbes Jahrzehnt voraus bin, was das Zählen von Geburtstagen angeht, kann ich Dir versichern: Trotz der unvermeidlichen Einschränkungen können die 90er Jahre eine Zeit wachsender Süße sein. Und mit Brigitte an Deiner Seite, wie könnte das nicht so sein?
So wünsche ich Dir (mit einem poetischen, von Rilke entlehnten Bild) getrost jenen herbstlichen Sonnenschein, der die letzte Süße in den schweren Wein Deiner Lebensleistung lenkt. Gott segne Dich an diesem besonderen Geburtstag und für immer.
Mit einer feierlichen Umarmung, Dein Bruder David (Benediktinermönch und Autor)

Stan Grof und Fritjof Capra,1976
Meine herzlichsten Wünsche zu Deinem 90. Geburtstag – Gesundheit, Glück und Gelassenheit!
In Dankbarkeit für viele Jahrzehnte der inspirierenden Freundschaft, Fritjof Capra, PhD, Physiker und Autor
Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die eine wirklich grundlegende Entdeckung nicht nur über die Welt, sondern auch über uns gemacht haben. Über unser wahres Selbst. Stan Grof ist einer dieser Menschen. Es ist ein Privileg, ihn zu kennen und die Vision zu teilen, die er zum Leben erweckt – über das Leben, über den tiefsten Sinn und die Bedeutung des Lebendigseins.
Sein Denken und seine Arbeit werden ein Vielfaches seiner 90 Jahre überdauern. Zum Nutzen unseres Verständnisses von Leben, Geist und jener tiefen Schicht, die wir Psyche nennen. Langes Leben dem Psychonauten Stanislav Grof!
Ervin László, PhD., Wissenschaftsphilosoph, Systemtheoretiker

Brigitte und Stan Grof, Ervin László und Maria Sagi, ITA Konferenz, Prag 2017

Rupert Sheldrake und Jill Purce
Happy Birthday, Stan! Du bist ein Licht und eine Inspiration für mich, wie für viele andere auch. Deine weitsichtige und prophetische Arbeit trägt dazu bei, unsere Kultur zum Besseren zu verändern, und ich bin sicher, dass sie das auch weiterhin tun wird.
Rupert Sheldrake, PhD, Autor von Ways To Go Beyond and Why They Work
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lassen sich die böhmischen Länder als Wiege des kritischen Denkens und der Musik der Spätromantik betrachten. Die Wurzeln solcher Größen wie Antonín Dvořák, Leoš Janáček, Karl Popper, Kurt Gödel, Erich Korngold und Franz Kafka gehen auf ein relativ kleines Gebiet in Böhmen und Mähren in Mitteleuropa zurück.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereicherte diese Region die Weltkultur, die Philosophie, die Wissenschaft und den Sport mit kosmopolitischen Persönlichkeiten, die dank ihres Talents und ihrer Größe weltweite Bedeutung erlangten. Im Sport waren es z. B. Martina Navrátilová, Ivan Lendl und Jaromír Jágr, im Film zweifellos Miloš Forman, in der Literatur Milan Kundera und in den psychologischen Wissenschaften Stan Grof.
Im Fall von Stan Grof kamen mehrere wichtige historische Umstände zusammen: Erstens herrschte das «goldene Zeitalter» der 1960er Jahre, als einige Enthusiasten am Psychiatrischen Forschungsinstitut in Prag mit Halluzinogenen und deren Anwendung in der Psychotherapie zu experimentieren begannen. Der zweite wichtige Umstand ist eine besondere Reflexion der relativen Begrenztheit des Reduktionismus in der Wissenschaft und ein Verständnis für die transzendentale Dimension unseres Seins. Stan Grof hat diesen Bereich später in seinem Buch Beyond the Brain (auf Deutsch: Geburt, Tod und Transzendenz. Neue Dimensionen in der Psychologie) ausgearbeitet.
Und der dritte und vielleicht wichtigste Umstand im Fall von Stan Grof war seine Emigration in die Vereinigten Staaten, die durch den Einmarsch sowjetischer Truppen in die damalige Tschechoslowakei erzwungen wurde. Hand in Hand mit der folgenden Ära, in der Psychedelika aufgrund der restriktiven Drogenpolitik in Verruf gerieten, erweiterte Stan Grof sein Konzept der LSD-induzierten veränderten Bewusstseinszustände nicht nur auf veränderte Bewusstseinszustände im Allgemeinen, sondern auch auf die Transpersonale Psychologie.
Mit dieser Überschneidung in das Philosophie- und Denkgerüst des ausgehenden 20. Jahrhunderts wurde Stan Grof zu einer der oben erwähnten kosmopolitischen Größen, deren Wurzeln an denselben Ort führen. Alle zukünftigen Generationen von Wissenschaftlern, Denkern, Philosophen und an der Psychologie Interessierten werden sich mit Stans Werk auseinandersetzen müssen.

Stan Grof und Cyril Höschl
Ob es sich um ein Verständnis oder eine kritische Analyse handelt, es wird in jedem Fall eine bleibende Spur sein, die Stan Grof in der menschlichen Zivilisation hinterlässt und damit die Tradition solcher Größen wie Sigmund Freud und Carl Gustav Jung fortsetzt. Das bedeutende Lebensjubiläum von Grof ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Bedeutung seines Lebenswerkes ausreichend zu verstehen und zu würdigen.
Prof. MU Dr. Cyril Höschl, Dr Sc., FRC Psych. Leiter des Nationalen Instituts für Psychische Gesundheit & Professor für Psychiatrie, Abteilung für Psychiatrie und Medizinische Psychologie, Prag

Albert Hofmann und Stan Grof bei Hofmanns zuhause in der Schweiz 1985
Vorwort
Über das außergewöhnliche Potenzial der Psychedelika
Der Gebrauch psychedelischer Substanzen lässt sich über Jahrtausende zurückverfolgen, bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte. Seit undenklichen Zeiten wurden Pflanzenstoffe, die machtvolle bewusstseinserweiternde Substanzen enthalten, in zahlreichen unterschiedlichen Teilen der Welt verwendet, um außergewöhnliche Bewusstseinszustände in verschiedenen rituellen und spirituellen Zusammenhängen hervorzurufen. Sie haben eine wichtige Rolle in schamanischen Praktiken, Heilungszeremonien von Urvölkern, Übergangsriten, Mysterien von Tod und Wiedergeburt und spirituellen Traditionen gespielt. Die Ur- und indigenen Kulturen, die psychedelische Substanzen verwendeten, schätzten diese und betrachteten sie als Sakramente, als «Fleisch der Götter».
Menschengruppen, die über psychedelische Pflanzen verfügten, nutzten ihre entheogenen Effekte (entheogen bedeutet wörtlich «das Göttliche im Inneren erwecken») und machten sie zum hauptsächlichen Werkzeug ihres rituellen und spirituellen Lebens. Die aus diesen Pflanzen hergestellten Zubereitungen vermittelten diesen Menschen den erfahrungsorientierten Kontakt mit den archetypischen Dimensionen der Wirklichkeit – Göttern, mythologischen Reichen, Krafttieren sowie numinosen Kräften und Aspekten der Natur. Ein weiterer wichtiger Bereich, in dem die durch Psychedelika erzeugten Zustände eine entscheidende Rolle spielten, war die Diagnose und Heilung verschiedener Störungen. Die anthropologische Literatur enthält zahlreiche Berichte, die darauf hinweisen, dass indigene Kulturen Psychedelika zur Ausbildung der Intuition und außersinnlichen Wahrnehmung für eine Vielzahl von divinatorischen, aber auch praktischen Zwecken verwenden, wie dem Auffinden vermisster Personen und Gegenstände, dem Erhalten von Informationen über Menschen an fernen Orten, und um die Bewegungen des Wildes zu verfolgen, das diese Menschen jagten. Darüber hinaus dienten psychedelische Erfahrungen als wichtige Quellen künstlerischer Inspiration und lieferten Ideen für Rituale, Bilder, Skulpturen und Lieder.
In der Geschichte der chinesischen Medizin lassen sich Berichte über psychedelische Substanzen bis etwa 3000 Jahre zurückverfolgen. Der sagenumwobene göttliche Trank, der im altpersischen Zend Avesta als Haoma und in den indischen Veden als Soma bezeichnet wird, wurde von den indoiranischen Stämmen vor Jahrtausenden verwendet. Die mystischen Bewusstseinszustände, die durch Soma hervorgerufen wurden, bildeten sehr wahrscheinlich die Hauptquelle der vedischen und hinduistischen Religion. Zubereitungen aus unterschiedlichen Hanfsorten wurden geraucht und eingenommen, unter verschiedenen Namen – Haschisch, Charas, Bhang, Ganja, Kif und Marihuana – in Asien, Afrika und im karibischen Raum, zur Erholung, zum Vergnügen und während religiöser Zeremonien. Sie stellten ein wichtiges Sakrament für so unterschiedliche Gruppen wie die indischen Brahmanen, bestimmte Orden der Sufis, die alten Skythen und die jamaikanischen Rastafari dar.

Pilzfigur aus Stein, ca. 1000 v.u.Z. – 500 n.u.Z., Guatemala-Stadt, in: The Wonderous Mushroom, © Gordon Wasson
Der zeremonielle Gebrauch verschiedener psychedelischer Substanzen hat auch in Mittelamerika eine lange Geschichte. Hochwirksame bewusstseinsverändernde Pflanzen waren in mehreren präkolumbianischen Kulturen bekannt – unter anderem bei den Azteken, Mayas, Olmeken und Mazateken. Die berühmtesten unter ihnen sind der mexikanische Kaktus Peyote (Lophophora williamsii), der heilige Pilz Teonanacatl (Psilocybe mexicana, Anm. auf Deutsch: mexikanischer Kahlkopf) und Ololiuqui oder Samen der Prunkwinde/Ololiuquiranke (Turbina corymbosa). Diese Stoffe werden bis zum heutigen Tag von mehreren mexikanischen Indianerstämmen (Huichols, Mazateken, dem Volk der Cora und anderen) und von der Native American Church verwendet.
Das berühmte südamerikanische Yajé oder Ayahuasca ist ein Sud aus einer Dschungelliane (Bantsteriopsis caapi) und anderen pflanzlichen Zusätzen. Das Amazonasgebiet ist auch für eine Vielzahl psychedelischer Schnupftabaksorten (Virola callophylla, Anadenanthera peregrina) bekannt. Zubereitungen aus der Rinde des Ibogastrauchs (Tabernanthe iboga) wurden von afrikanischen Stämmen in geringer Dosierung als Stimulans bei Löwenjagden und langen Kanufahrten und in höheren Dosierungen als rituelles Sakrament verwendet. Die obige Auflistung stellt nur einen kleinen Bruchteil der psychedelischen Verbindungen dar, die über viele Jahrhunderte in verschiedenen Ländern der Welt verwendet wurden. Der Einfluss, den die Erfahrungen auf das spirituelle und kulturelle Leben vorindustrieller Gesellschaften hatten, war gewaltig.

Huichol Yarn-Gemälde
Menschen aus unserem Kulturkreis, die den Gebrauch psychedelischer Pflanzen als etwas sehen, das in exotischen und «primitiven» Kulturen praktiziert wird und unserer eigenen Tradition fremd ist, wären sehr überrascht zu erfahren, dass psychedelische Substanzen sehr wahrscheinlich die antike griechische Kultur beeinflusst haben, die allgemein als die Wiege der europäischen Zivilisation gilt. Viele Größen der griechischen Kultur, einschließlich Platon, Aristoteles, Alkibiades, Pindar und anderen, waren Eingeweihte der Mysterien von Tod und Wiedergeburt im Mittelmeerraum, die im Namen von Demeter und Persephone, Dionysos, Attis, Adonis, Orpheus und anderen ausgeübt wurden. Nach einer von einem Forscherteam, dem auch Albert Hofmann angehörte, aufgestellten Theorie, enthielt der heilige Trank kykeon, der fast zwei Jahrtausende lang Tausenden von Eingeweihten in die Eleusinischen Mysterien alle fünf Jahre verabreicht wurde, ein dem LSD ähnliches Mutterkornalkaloid. Psychedelika waren höchstwahrscheinlich auch Bestandteile der Weine, die bei den Bacchanalien verwendet wurden.

Modell von Telesterion, dem Eleusinischen Heiligtum
Die lange Geschichte der rituellen Verwendung psychedelischer Pflanzen steht in scharfem Kontrast zu einer vergleichsweise kurzen Geschichte der wissenschaftlichen Bemühungen um die Identifikation ihrer psychoaktiven Alkaloide und die Untersuchung ihrer Wirkungen. Die erste psychedelische Substanz, die in chemisch reiner Form synthetisiert und systematisch unter Laborbedingungen erforscht wurde, war Meskalin, das aktive Alkaloid aus dem Peyote-Kaktus. Klinische Experimente, die in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit dieser Substanz durchgeführt wurden, konzentrierten sich auf die Phänomenologie der Meskalin-Erfahrung und ihre interessanten Auswirkungen auf die künstlerische Wahrnehmung und den kreativen Ausdruck. Überraschenderweise enthüllten sie nicht ihr therapeutisches, heuristisches und entheogenes Potenzial. Kurt Beringer, Autor des einflussreichen Buches Der Meskalinrausch, veröffentlicht im Jahr 1927, gelangte zu dem Schluss, dass Meskalin eine toxische Psychose auslöst.
Nach diesen bahnbrechenden klinischen Experimenten mit Meskalin wurde auf diesem faszinierenden und schwierigen Gebiet bis zu Albert Hofmanns epochaler schicksalhafter Entdeckung der psychedelischen Eigenschaften von LSD-25, oder Lysergsäurediethylamid, einer Substanz von außergewöhnlicher Potenz, sehr wenig geforscht. Dieses neue halbsynthetische Mutterkornderivat, das in unglaublich kleinen Mengen von Mikrogrammen oder Gammas (Millionstel Gramm) wirkt, entfachte eine revolutionäre Epoche der Forschung in der Psychopharmakologie, Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Aufgrund der unglaublichen Verheißungen, die sie in vielen verschiedenen Forschungsbereichen besaß, schien diese neue Substanz Albert Hofmanns «Wunderkind» zu sein.

Albert Hofmann in seinem Labor in Basel zu der Zeit, als er LSD entdeckte
Die Entdeckung der starken psychedelischen Wirkung winziger Dosierungen von LSD löste eine Zeit aus, die als «goldene Ära der Psychopharmakologie» bezeichnet wurde. Innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums legten die gemeinsamen Anstrengungen von Biochemikern, Pharmakologen, Neurophysiologen, Psychiatern und Psychologen erfolgreich den Grundstein für eine neue wissenschaftliche Disziplin, die man «Pharmakologie des Bewusstseins» nennen kann. Die Wirkstoffe aus mehreren sonst noch vorhandenen psychedelischen Pflanzen wurden chemisch identifiziert und in chemisch reiner Form hergestellt. Nach der Entdeckung der psychedelischen Wirkung von LSD-25 identifizierte Albert Hofmann die Wirkstoffe der mexikanischen Zauberpilze (Psilocybe mexicana), Psilocybin und Psilocin sowie den von Ololiuqui oder den Samen der Prunkwinde/Ololiuquiranke (Turbina corymbosa), das sich als das eng mit LSD-25 verwandte Lysergsäureamid (LSA, LA-111, Ergin) herausstellte.
Das Handwerkszeug der psychedelischen Substanzen wurde weiter durch psychoaktive Tryptaminderivate – DMT (N,N-Dimethyltryptamin), DET (N,N-Diethyltryptamin) und DPT (N,N-Dipropyltryptamin) – bereichert, die von der Budapester Chemikergruppe unter der Leitung von Steven Szára synthetisiert und untersucht wurden. Der Wirkstoff des afrikanischen Strauchs Tabernanthe iboga, Ibogain, und das reine Alkaloid der Ayahuasca-Pflanze Banisteriopsis caapi, bekannt unter den Namen Harmalin, Yagein und Telepathin, waren bereits früher im 20. Jahrhundert isoliert und chemisch identifiziert worden. In den 1950er Jahren stand den Forschern eine breite Palette psychedelischer Alkaloide in reiner Form zur Verfügung. Es war nun möglich, ihre Eigenschaften im Labor zu untersuchen und die Phänomenologie ihrer klinischen Wirkungen und ihr therapeutisches Potenzial zu erforschen. Die Revolution, die durch Albert Hofmanns glückliche Entdeckung des LSD ausgelöst wurde, war eingeleitet.
Nach der Veröffentlichung der ersten klinischen Abhandlung zu LSD durch Walter A. Stoll in den späten 1940er Jahren, in der der Autor die Wirkung dieser außergewöhnlichen Substanz bei einer Gruppe von Probanden und psychiatrischen Patienten und ihr mögliches therapeutisches Potenzial beschrieb, wurde Albert Hofmanns «Wunderkind» über Nacht zu einer Sensation in der wissenschaftlichen Welt. Nie zuvor in der Geschichte der Wissenschaft galt eine einzelne Substanz als so vielversprechend in den unterschiedlichsten Bereichen.
Für Neuropharmakologen und Neurophysiologen bedeutete die Entdeckung des LSD den Beginn einer goldenen Ära der Forschung, die viele Rätsel über Neurorezeptoren, synaptische Transmitter, chemische Antagonismen, die Rolle des Serotonins im Gehirn und die komplizierten biochemischen Wechselwirkungen, die den zerebralen Prozessen zugrunde liegen, lösen konnte.
Die Experimentalpsychiater sahen in LSD ein einzigartiges Mittel, um ein Labormodell für natürlich vorkommende funktionelle oder endogene Psychosen zu schaffen. Sie hofften, dass die durch winzige Dosen dieser Substanz ausgelöste «experimentelle Psychose» unvergleichliche Einblicke in die Natur dieser mysteriösen Störungen liefern und neue Behandlungswege eröffnen könnte. Es war plötzlich vorstellbar, dass das Gehirn oder andere Teile des Körpers unter bestimmten Umständen kleine Mengen einer Substanz mit ähnlichen Wirkungen wie LSD produzieren könnten. Das bedeutete, dass Störungen wie die Schizophrenie keine Geisteskrankheiten wären, sondern Stoffwechselanomalien, denen man durch gezielte chemische Maßnahmen entgegenwirken könnte. Das Versprechen dieser Forschung war nichts weniger als die Erfüllung des Traums der biologisch orientierten Mediziner, der Heilige Gral der Psychiatrie – ein Heilmittel für Schizophrenie im Reagenzglas.
LSD wurde auch als außergewöhnliches unkonventionelles Lehrmittel empfohlen, das es klinischen Psychiatern, Psychologen, Medizinstudenten und Krankenschwestern ermöglichen würde, ein paar Stunden in der Welt ihrer Patienten zu verbringen und sie daraufhin besser zu verstehen, mit ihnen effektiver zu kommunizieren und ihre Fähigkeit, ihnen zu helfen, zu verbessern. Tausende von Fachleuten für psychische Gesundheit nutzten diese einmalige Gelegenheit. Diese Experimente brachten überraschende und verblüffende Ergebnisse. Sie lieferten nicht nur tiefe Einblicke in die Welt der psychiatrischen Patienten, sondern revolutionierten auch das Verständnis des Wesens und der Dimensionen der menschlichen Psyche.
Viele fanden, dass das bisherige Modell, das die Psyche auf die postnatale Biographie und das individuelle Unbewusste nach Freud beschränkte, oberflächlich und unzureichend war. Die neue, aus dieser Forschung hervorgegangene Landkarte der Psyche, fügte zwei große transbiographische Bereiche hinzu – die perinatale Ebene, die eng mit der Erinnerung an die biologische Geburt verbunden ist, und die transpersonale Ebene, die die historischen und archetypischen Bereiche des kollektiven Unbewussten beherbergt, wie es sich C.G. Jung vorgestellt hatte. Frühe Experimente mit LSD zeigten, dass die Wurzeln emotionaler und psychosomatischer Störungen nicht auf traumatische Erinnerungen aus der Kindheit und dem Säuglingsalter beschränkt waren, wie die traditionellen Psychiater annahmen, sondern viel tiefer in die Psyche, in die perinatalen und transpersonalen Regionen reichten. Berichte psychedelischer Psychotherapeuten offenbarten das einzigartige Potenzial von LSD als ein mächtiges Werkzeug, das die Möglichkeit bietet, den psychotherapeutischen Prozess zu vertiefen und zu beschleunigen.
Mit LSD als Auslöser wurde es möglich, den Anwendungsbereich der Psychotherapie auf Patientenkategorien zu erweitern, die sich bis dahin schwer erreichen ließen – Menschen mit sexuellen Abweichungen, Alkoholiker, Drogenabhängige und kriminelle Rückfalltäter. Besonders wertvoll und vielversprechend waren die frühen Versuche der Psychotherapie mit LSD in der Arbeit mit Krebspatienten im Endstadium. Die Forschung an dieser Bevölkerungsgruppe zeigte, dass LSD in der Lage war, starke Schmerzen zu lindern, oft sogar bei Patienten, die auf eine medikamentöse Behandlung mit Narkotika nicht ansprachen. Bei einem großen Prozentsatz dieser Patienten war es auch möglich, schwierige emotionale und psychosomatische Symptome, wie Depressionen, allgemeine Anspannung und Schlaflosigkeit, zu lindern oder sogar zu heilen, die Angst vor dem Tod zu vermindern, die Lebensqualität während der verbleibenden Tage zu erhöhen und die Erfahrung des Sterbens positiv zu verändern.

Universal Mother, Gemälde der visionären Künstlerin Martina Hoffmann
Für Kunsthistoriker und -kritiker boten die LSD-Experimente ungewöhnliche neue Einblicke in die Psychologie und Psychopathologie der Kunst, insbesondere verschiedener moderner Bewegungen, wie dem Abstraktionismus, dem Kubismus, dem Surrealismus und dem phantastischen Realismus, und in Gemälde und Skulpturen verschiedener indigener, sogenannter «primitiver» Kulturen. Für professionelle Maler, die an der LSD-Forschung teilnahmen, bedeutete die psychedelische Sitzung oft eine einschneidende Veränderung ihres künstlerischen Ausdrucks. Ihre Vorstellungskraft wurde gehaltvoller, ihre Farben lebendiger und ihr Stil wesentlich freier. Oft erlangten sie auch Zugang zu entlegenen Winkeln ihrer unbewussten Psyche, und sie konnten archetypische Inspirationsquellen anzapfen. Gelegentlich waren Menschen, die noch nie zuvor gemalt hatten, in der Lage, außergewöhnliche Kunstwerke zu schaffen.

Ralph Metzner, Timothy Leary und Richard Alpert (Ram Dass),1965
Die LSD-Experimente lieferten auch faszinierende Beobachtungen, die für spirituelle Lehrer und Gelehrte der vergleichenden Religionswissenschaft von großem Interesse waren. Die häufig in LSD-Sitzungen beobachteten mystischen Erfahrungen boten ein völlig neues Verständnis unzähliger Phänomene aus der Welt der Religion, einschließlich des Schamanismus, der Übergangsriten, der alten Mysterien von Tod und Wiedergeburt, der östlichen spirituellen Philosophien und der mystischen Traditionen der Welt. Die Tatsache, dass LSD und andere psychedelische Substanzen in der Lage waren, eine ganze Bandbreite spiritueller Erfahrungen auszulösen, wurde zum Gegenstand heftiger wissenschaftlicher Diskussionen. Sie drehten sich um das faszinierende Problem des Wesens und des Wertes dieser «unmittelbaren» oder «chemischen Mystik», die LSD-Forschung schien auf dem besten Weg zu sein, all die genannten Versprechungen und Erwartungen zu erfüllen, als sie durch das unkontrollierte Massenexperimentieren der jungen Generation plötzlich unterbrochen wurde. In der berüchtigten Harvard-Affäre verließen Timothy Leary, Richard Alpert und Ralph Metzner die Universität (Leary und Alpert gaben ihre Lehraufträge auf, und Metzner verlor ein Stipendium), nachdem sie übereifrig LSD und Psilocybin propagiert hatten. Die darauffolgenden repressiven, administrativen, rechtlichen und politischen Maßnahmen hatten nur wenig Einfluss auf den Straßenkonsum von LSD und anderen Psychedelika, aber sie beendeten drastisch die legitime klinische Forschung. Doch während die mit dieser Entwicklung verbundenen Probleme von sensationslüsternen Journalisten überproportional aufgebauscht wurden, war dies nicht der einzige Grund, warum LSD und andere Psychedelika von der europäisch-amerikanischen Kultur abgelehnt wurden. Ein wichtiger Einflussfaktor war auch die Einstellung der technologischen Gesellschaften zu außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen.
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