Kitabı oku: «Hildegard von Bingen – Einfach Leben»
Brigitte Pregenzer
Brigitte Schmidle
Hildegard
von
Bingen
Einfach leben
Ein praktischer Ratgeber
für Einsteiger

Mitglied der Verlagsgruppe engagement
Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
8. Auflage 2015
© Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck
Covergestaltung: Unisono, Innsbruck
Illustrationen: Thomas Schmidle
Druck und Bindung: Alcione, Lavis
ISBN 978-3-7022-2462-2
eISBN 978-3-7022-4040-0
E-Mail: buchverlag@tyrolia.at
Internet: www.tyrolia-verlag.at
»Achte mit Sorgfalt darauf, dass durch die Wechselhaftigkeit deiner Gedanken die grünende Kraft, die du von Gott hast, in dir nicht dürr wird.«
Hildegard von Bingen
Inhaltsverzeichnis
Warum wir dieses Buch schreiben
Das Leben der hl. Hildegard von Bingen
Grundlagen der Hildegard-Lehre
Viriditas, Discretio, Ratio, Subtilität
Die sechs goldenen Lebensregeln
Ernährungsrichtlinien nach Hildegard
Hildegard-Gewürze und ihre Bedeutung
Getränke im Sinne Hildegards
Heilsteine und ihre Wirkung
Rezepte
Kräuterweine
Hildegard-Kuren
Hildegard-Heilmittel
Fasten
Der ideale Hildegard-Tag
Einfach leben
Stichwortverzeichnis
Abkürzungen
Literaturverzeichnis/Quellennachweis
Warum wir dieses Buch schreiben
»Warum soll ich Maß halten und mich täglich bewegen? Wie sehen die ersten Schritte aus, wenn ich mein Leben an den Grundsätzen der Hildegard-Lehre ausrichten möchte? Wie fange ich konkret an?«
Diese Fragen begleiten uns, seit wir uns mit der Lehre der hl. Hildegard von Bingen beschäftigen. Und genau diese Fragen brachten uns auf die Idee, ein Hildegard-Buch für »Einsteiger« zu schreiben. Ein Buch, das einem interessierten »Hildegard-Neuling« möglichst einfach und konkret die Grundzüge der Lebensführung nach Hildegard von Bingen näher bringt.
Es gibt bereits zahlreiche Hildegard-Bücher. Sie setzen jedoch zum großen Teil schon ein gewisses Basiswissen voraus. Genau dadurch bleiben aber beim Lesen immer wieder Fragen offen. Fragen, die für manche Grund genug sind, nicht mit einem Leben nach den Prinzipien von Hildegard zu beginnen:
Warum soll ich keine Erdbeeren essen?
Warum ist Rohkost ungesund?
Warum soll ich nur noch Dinkel verwenden?
In diesem Buch wird versucht, diese und andere Fragen zu beantworten und Vorurteile auszuräumen.
Wir erheben dabei natürlich keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit, denn jeder ist persönlich gefordert, sein Maß und sein Ziel zu finden. Die »Discretio« (Bedachtnahme, Zurückhaltung – eine der Haupttugenden Hildegards) ist dabei eine wertvolle Hilfe.
Die Beschäftigung mit den Lebensprinzipien der Hildegard von Bingen bietet in jedem Falle unerwartete und ungewohnte Perspektiven, die sich aber schnell als bereichernd und beglückend erweisen. Sie bieten in der Flut von Informationen einen klaren Wegweiser, der unserer Kultur, Tradition und Religion entspricht.
Das vorliegende Buch kann nicht allumfassend sein, sondern soll bewusst eine kurze und klare Anleitung bieten, mit »Hildegard« zu beginnen. Bei weiterführenden Fragen bietet sich eine Reihe von Büchern an. Wir haben im Anhang einige davon aufgelistet.
Wenn wir die hl. Hildegard von Bingen salopp nur »Hildegard« nennen, geschieht dies nicht aus Geringschätzung, sondern weil sie uns in den letzten Jahren zu einer lieben Weggefährtin geworden ist. Ihre ganzheitliche Lehre hat sich in unserem Leben als enorme Bereicherung erwiesen. Sie ließ uns erkennen, dass es immer wieder um die Selbstverantwortung geht. Wenn wir unser Leben in die eigene Hand nehmen, gibt es keine Zwänge mehr, sondern wir gewinnen Freiheit – das ist beglückend und herausfordernd zugleich.
Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen
1098 wird Hildegard als zehntes Kind des Grafen Hildebert und seiner Frau Mechthild von Bermersheim im Rheinland geboren.
Sie hat von Kindheit an die so genannte »Schau« (Ahnung von bevorstehenden Ereignissen), hält aber ihr Wissen mehr und mehr zurück, da sie Unverständnis und Furcht bemerkt.
Hildegard ist von Natur aus schwächlich und oft krank – aber genau deshalb ist sie glaubwürdig in ihrem Bestreben, ganzheitlich gesund zu werden.
1106 wird sie gemäß der herrschenden Tradition als »Zehent« dem Kloster sozusagen als Dank überlassen.
Sie kommt unter die Obhut von Jutta von Sponheim und erhält eine für die damalige Zeit umfassende Ausbildung.
Die einzigen Bildungsstätten zu jener Zeit sind die Klöster. Frauen haben überdies keine andere Möglichkeit sich Wissen anzueignen. Zudem dürfen nur Adelige ins Kloster gehen, die sich auf diese Art auch oft einen Platz als »Rentenversicherung« erkaufen. Die Klöster sind auf die finanzielle Unterstützung der Adeligen angewiesen. So erst wird Studium und Forschung im damaligen Sinn möglich.
Klöster sind aber auch Anlaufstellen für Reisende, für Schutzsuchende und das »gemeine« Volk, wenn es um medizinische Belange geht.
Jutta von Sponheim – eine kluge, gebildete Frau und mütterliche Freundin von Hildegard – ist Äbtissin in der Frauenklause des Klosters Disibodenberg. Sie unterrichtet ihre Zöglinge in Schreiben und Lesen, im Singen der Psalmen und in praktischen Arbeiten.
1136 stirbt Jutta von Sponheim und hinterlässt eine blühende Klause bzw. ein stattliches Benediktinerkloster.
Hildegard wird von ihren Mitschwestern einstimmig zur neuen Äbtissin gewählt, obwohl sie oft kränkelt. Aber ihr Wesen, das als demütig und bescheiden beschrieben wird, muss eine immense Ausstrahlung besessen haben.
Hildegard ist 38 Jahre alt, als sie das schwere Amt antritt.
1141, nachdem sie fünf Jahre als Äbtissin gewirkt hatte, erhält sie von Gott den Auftrag, ihre Visionen niederzuschreiben. In ihrer Demut will sie diesen Ruf nicht annehmen und erkrankt wieder einmal schwer, möglicherweise aus Angst, dem göttlichen Ruf nicht gerecht zu werden, sich gegen Gott zu versündigen oder aus Furcht vor den Reaktionen des Klerus. Jedenfalls kann man nachfühlen, dass Hildegards Begabung mehr Belastung als Freude war.
Als sie sich entschließt, ihre Visionen niederzuschreiben, gesundet sie sofort und beginnt mit ihrem ersten großen Werk: »SCIVIAS« – »Wisse die Wege«.
Als Kostprobe der damaligen Sprache und zur Erläuterung ihrer Schau ein kurzes Zitat:
»Im Jahre 1141 der Menschwerdung Christi, des Gottessohnes, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war, kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder. Es durchströmte mein Gehirn und durchglühte mir Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern wärmte, wie die Sonne einen Gegenstand erwärmt, auf den sie ihre Strahlen legt. Nun erschloss sich mir plötzlich der Sinn der Schriften, des Psalters, des Evangeliums und der übrigen katholischen Bücher des Alten und Neuen Testaments …«
Ihre Visionen hat sie immer in wachem Zustand. Sie sind mystischen Ursprungs, entstehen aus einem geistigen Dialog mit Gott.
In einem Antwortbrief an den Mönch Wibert von Gembloux, der sich sehr für ihre Niederschriften interessiert, schreibt sie viele Jahre später:
»Von meiner Kindheit an erfreue ich mich der Gabe dieser Schau in meiner Seele bis zur gegenwärtigen Stunde, wo ich doch schon mehr als siebzig Jahre alt bin.
Und meine Seele steigt – wie Gott will – in dieser Schau empor bis in die Höhe des Firmaments.
Ich sehe aber diese Dinge nicht mit den äußeren Augen und höre sie nicht mit den äußeren Ohren, auch nehme ich sie nicht mit den Gedanken meines Herzens wahr, noch durch irgendwelche Vermittlungen meiner fünf Sinne. Ich sehe sie vielmehr einzig in meiner Seele, mit offenen leiblichen Augen, so, dass ich dabei niemals die Bewusstlosigkeit einer Ekstase erleide, sondern wachend schau ich dies, bei Tag und Nacht.«
»Das Licht, das ich schaue, ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel, viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt. Weder Höhe noch Länge noch Breite vermag ich an ihm zu erkennen. Es wird mir als der ‚Schatten des lebendigen Lichtes‘ bezeichnet. Und wie Sonne, Mond und Sterne in Wassern spiegeln, so leuchten mir Schriften, Reden, Kräfte und gewisse Werke der Menschen in ihm auf …
Alles, was ich in der Schau sehe und lerne, das behalte ich lange Zeit in meinem Gedächtnis, wie, sobald ich es sehe oder höre, es in mein Gedächtnis eingeht. Ich sehe, höre und weiß gleichzeitig, und wie in einem Augenblick erlerne ich das, was ich weiß. Was ich aber nicht sehe, das weiß ich nicht, denn ich bin ungelehrt und wurde nur unterwiesen, in Einfalt Buchstaben zu lesen …«
»In diesem Licht sehe ich zuweilen, aber nicht oft, ein anderes Licht, das mir das ‚lebendige Licht‘ genannt wird. Wann und wie ich es schaue, kann ich nicht sagen.
Aber solange ich es sehe, wird alle Traurigkeit und alle Angst von mir genommen, so dass ich mich wie ein junges Mädchen fühle und nicht wie eine alte Frau …«
Nahtod-Berichte und Grenzerfahrungen zeugen ebenfalls immer von einem hellen Licht und einem unbeschreiblichen Wohlbefinden. Wer diesen Berichten Glauben schenkt, kann auch Hildegards Visionen problemlos annehmen. Wem Hildegards Visionen suspekt erscheinen, der sollte jedoch bedenken, dass ihre Anleitungen immer wieder wirken.
An diesem großen Werk »SCIVIAS« und den aufwendigen Bildtafeln arbeitet sie zehn Jahre lang. Der Mönch Volmar vom Disibodenberg wird bis zu seinem Tod ihr Sekretär und treuer Freund. Zu dieser Zeit tritt Richardis von Stade ins Kloster ein und die beiden Frauen verbindet eine lebenslange innige Beziehung. Die Familie von Stade wiederum ist mit ihrem weltlichen Einfluss sehr hilfreich für Hildegard.
Ihre Begabungen und Visionen werden bekannt und bringen ihr nicht nur Freude und Freunde ein. Neid und Missgunst (warum wird ausgerechnet eine Frau mit wenig Bildung von Gott auserwählt?) begleiten sie ebenso wie Freude und Begeisterung.
1147 anerkennt Papst Eugen III. während der Synode in Trier ihre Sehergabe als echt.
Da ihre Klostergemeinschaft ständig wächst und sie – sei es Wunsch oder Vision – ein eigenes unabhängiges Kloster gründen will, bittet sie den Abt vom Disibodenberg um Erlaubnis.
Das Stammkloster ist nicht erfreut, da durch Hildegard ein reger Zulauf zum Kloster entstanden ist und zahlreiche Spenden eingehen.
Nach einem anfänglichen »Nein« erkrankt Hildegard einmal mehr und als der Abt schließlich einwilligt – vielleicht nach dem Motto »Besser eine weit entfernte Äbtissin als gar keine« –, gesundet sie und zieht mit ihren Schwestern an den dreißig Kilometer entfernten Rupertsberg.
1150 gründet sie dort das gleichnamige und eigenständige Kloster.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten wächst die Gemeinschaft intensiv und das »Sprachrohr Gottes«, als das sie sich mittlerweile selbst bezeichnet, wird immer mehr zur Mahnerin und Lehrerin für die Persönlichkeiten ihrer Zeit und für die einfachen Leute, die in ihrem Kloster beraten, betreut und gesund gepflegt werden.
1151–1158: In dieser Zeit schreibt Hildegard zwei weitere Werke: »PHYSICA« – »Heilkraft der Natur« und »CAUSAE ET CURAE« – »Ursachen und Behandlung von Krankheiten«.
1158–1163: In diesem Zeitraum entsteht das »LIBER VITAE MERITORUM«, das Buch der Lebensverdienste, bekannt als »Der Mensch in der Verantwortung«. Gleichzeitig unternimmt sie Predigtreisen ins Frankenland, nach Lothringen und ins Rheinland.
Dies ist deshalb hervorzuheben, da es für Frauen damals völlig unüblich war, öffentlich Reden zu halten. Auf Marktplätzen appelliert sie an das Volk, die Liebe zu Gott nicht zu verlieren, zumal das Schisma (= Kirchenspaltung) damals eine zusätzliche Bedrohung für den Glauben darstellte.
1163 entsteht »LIBER DIVINORUM OPERUM«, das Buch vom Wirken Gottes, auch bekannt unter »Welt und Mensch«.
Während all der Zeit ist sie als Äbtissin, Mahnerin und Korrespondentin aktiv. Von ihrem regen Briefwechsel mit Adel und Klerus sind rund 300 Briefe erhalten geblieben. In der spärlichen Freizeit komponiert sie 77 Lieder und ein Singspiel. Sie wagt sich an eigene Klangbilder heran und beschreitet für damalige Verhältnisse völlig neue Wege. Sie empfiehlt das Singen und Musizieren zum »Stimmen der Seele«, denn nur eine gut gestimmte Seele diene zur Freude Gottes.
1164: Hildegard gründet auf der anderen Seite des Rheins bei Rüdesheim das Kloster Eibingen. Diese zweite Klostergründung wird notwendig, da der Rupertsberg einen immensen Zuwachs erfährt.
Sie fährt zwei Mal pro Woche über den Rhein, um in beiden Klöstern nach dem Rechten zu sehen. (Das nur noch teilweise erhaltene Kloster Eibingen ist das einzige, in dem heute ein Museum untergebracht ist.)
1178 wird das »Interdikt« (= Verbot kirchlicher Amtshandlungen) über das Kloster am Rupertsberg verhängt, weil Hildegard einen exkommunizierten Adeligen auf dem Klosterfriedhof beerdigen lässt. Als sie sich weigert, ihn exhumieren zu lassen, kommt es zu dieser schwerwiegenden Strafe.
Für ein Kloster war es die größte Strafe überhaupt, keine Gottesdienste mehr feiern, keine Sakramente empfangen und keine Loblieder mehr singen zu dürfen.
Sie gibt nicht nach und schreibt einmal mehr an den Klerus, sich seiner eigentlichen Aufgaben zu besinnen.
1179: Am Anfang dieses Jahres wird das Interdikt schließlich wieder aufgehoben.
Am 17. September 1179 stirbt Hildegard. An ihrem Todestag ist Berichten zufolge ein großes helles Kreuz am Himmel zu sehen.
Am 7. Oktober 2012 erhebt Papst Benedikt XVI. die heilige Hildegard zur Kirchenlehrerin.
Grundlagen der Hildegard-Lehre
Auf der persönlichen Wunschliste eines jeden von uns stehen Glück und Gesundheit ganz oben. Was diese Begriffe allerdings wirklich bedeuten, erfahren wir meist erst, wenn uns das Gegenteil, nämlich Unglück und Krankheit begegnen. Dabei liegt oft schon allein in der Gesundheit der Schlüssel zum Glück.
Erst wenn wir mit Krankheit konfrontiert werden, lässt sich erkennen, dass wir selbst für unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unser Glück verantwortlich sind.
Die Heillehre Hildegards geht immer von »Ganzheit« aus. Das bedeutet, wenn ein Teil des Körpers leidet, müssen nicht nur dieser Teil, sondern der gesamte Körper und darüber hinaus auch noch Seele und Geist behandelt werden.
Hildegard gibt keine Garantie für einen Heilerfolg, denn nur wenn Gott will und der Mensch seinen Beitrag leistet, ist ein »Heil werden« auf allen drei Ebenen möglich.
Unsere Aufgabe besteht darin, Verantwortung zu übernehmen und ein gesundes, freudvolles Leben zu führen.
Eine weitere Herausforderung an uns selbst stellt aber auch die Rückbesinnung auf uns und unsere Kultur, auf überlieferte Werte und daraus entstehende Richtlinien dar, die das Leben durchaus erleichtern.
Eine dieser Richtlinien ist die persönliche Einschränkung. Gerade sie birgt viele Vorteile, denn wir leiden am Überfluss. Wir alle sind mit zu viel Information, zu viel Freizeitangebot, zu viel beruflicher Anforderung und zuviel materiellen Gütern konfrontiert.
Welche Klarheit liegt in der Einschränkung.
Die Hildegard-Lehre in Bezug auf Ernährung
Trennkost, Rohkost, Vollwertküche und Kochen nach den Fünf Elementen sind nur einige Beispiele für Küchentrends der vergangenen Jahre.
Immer gab es zunächst begeisterte Berichte darüber, die bald gegenteiligen Meldungen Platz machen mussten. Das hat bei vielen gesundheitsbewussten und selbstverantwortlichen Menschen große Verunsicherung ausgelöst.
Die Hildegard-Ernährung unterscheidet sich von diesen Trends dadurch, dass sie absolut unspektakulär und einfach ist, zudem aber spürbares Wohlbefinden erzeugt.
In der Hildegard-Küche werden bestimmte Lebensmittel bevorzugt eingesetzt, andere werden nach und nach ausgetauscht und das Ganze wird mit bestimmten Gewürzen ergänzt.
Achten Sie dabei gut auf Ihr eigenes Gespür: Ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch ist immer ein gutes und sicheres Zeichen, dass das Nahrungsmittel »richtig« ist.
Blähungen, Aufstoßen und Völlegefühl hingegen zeigen auf, dass das Nahrungsmittel nicht gut tut.

Die Umstellung auf die Hildegard-Küche bietet die Chance, den Körper wieder spüren zu lernen und diesem Gespür auch wieder zu vertrauen.
Die Hildegard-Lehre in Bezug auf Krankheit und Therapie
Die meisten Krankheiten und ihre Ursachen sind heute zwar wissenschaftlich erforscht und bis ins kleinste Detail durchleuchtet, Diagnose und Therapie bleiben aber meistens auf den Körper beschränkt.
Die seelischen Ursachen der jeweiligen Krankheit und der Grund, warum ein Virus oder ein Bakterium beim einen »zur Wirkung kommt« und einen anderen verschont, werden kaum oder gar nicht berücksichtigt.
Die Gesundheitslehre Hildegards macht immer wieder deutlich, dass eine wirkliche Gesundung nur dann erfolgen kann, wenn auch die seelischen Ursachen behandelt werden.
Nach dem Motto »vorbeugen ist besser als heilen« können wir mit einer ganzheitlichen Lebensführung Krankheiten verhindern bzw. minimieren.
Wir können uns aber auch mit Hildegard-Mitteln selbst helfen, wenn wir – und das ist absolut zu betonen – den Arzt aufgesucht haben und die Diagnose kennen.
Die Erhaltung oder Erlangung der Gesundheit ist ein lebenslanger Prozess, den wir immer wieder aufs Neue selbst in die Hand nehmen müssen.
Die Hildegard-Lehre in Bezug auf Mystik und Religiosität
Die Frage nach Sinn und Inhalt des Lebens beschäftigt immer mehr Menschen. Die Antworten von traditionellen Institutionen sind nur noch teilweise befriedigend und glaubwürdig. Aber auch neue »Heilslehren« oder Sekten weisen keine neuen, gangbaren Wege.
Bei der Frage nach dem geistigen Hintergrund unseres Seins geht es auch um eine Rückbesinnung und das Beleben der Werte unserer Kultur und Religion.
Auch hier bietet die Hildegard-Lehre wunderbare Möglichkeiten der Sinnfindung.
Begriffe wie Disziplin, Barmherzigkeit, Demut oder Reue klingen für uns heutzutage verstaubt, befremdlich oder gar abschreckend.
Aber gerade in diesen Eigenschaften liegt oft die Lösung für einen ganzheitlichen Heilungsprozess.
Wenn uns z. B. unser aufbrausendes und ungeduldiges Verhalten Rheuma einbringt und Freunde vertreibt, können wir dies inständig bereuen. Wir können Gott und unsere Freunde mit Demut bitten, es mit uns doch nochmals zu versuchen, und mit Disziplin an unserem Verhalten arbeiten.
Die Reue hat therapeutische Wirkung. Wenn wir ab und zu »unsere Seele putzen«, reinigen wir uns von innen her.
Viriditas, Discretio, Ratio, Subtilität
Diese Begriffe sind mit Hildegard untrennbar verbunden. Wenn man sie beherzigt, bilden sie bereits die Grundlage einer Lebensführung nach Hildegard und bereichern unser Leben.
Viriditas
Die Viriditas wird allgemein mit »Grünkraft« übersetzt, ist aber vielmehr eine Grundkraft, die der gesamten Schöpfung (Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien) innewohnt.
Sie steckt in uns allen und ist die Grundkraft der Heilung. Mit einem modernen Ausdruck könnte man sie auch als »Spannkraft« bezeichnen.
Grünkraft kann man auftanken und von außen beziehen, indem man mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde Kontakt pflegt.
Die Spannkraft zwischen Leib und Seele ist täglich zu pflegen.
So geschieht z. B. durch einen einfachen Spaziergang in der Natur sehr viel für unser Wohlbefinden:
–Wir erden uns und stimulieren über die Reflexzonen der Füße unsere inneren Organe.
–Wir atmen die sauerstoffreiche Luft der Bäume.
–Wir »befeuchten« unsere Augen mit dem Grün der Natur. (Die moderne Farbpsychologie hat Grün als entspannende und beruhigende Farbe nachgewiesen.)
–Wir »hören die Stille«, ein Rascheln oder Zwitschern.
–Wir riechen je nach Jahreszeit unterschiedliche Düfte.
Wir empfehlen die Farbe Grün sehr bewusst und immer wieder einzusetzen:
– Tragen Sie grüne Kleidung.
– Verwenden Sie grünen Tischschmuck.
– Spazieren Sie im »Grünen«.
– Betrachten Sie Ihre Blumen und Pflanzen aufmerksam.
– Entdecken Sie Ihre ganz persönliche Viriditas.
Mit einem einfachen Spaziergang beschäftigen wir alle unsere Sinne und bringen sie so in ein Gleichgewicht. Wir können uns aber auch ein Beispiel nehmen an Kindern, die noch einen unverdorbenen Umgang mit den Elementen haben und ihre Viriditas täglich unter Beweis stellen.
Die Viriditas kann durch eine einseitige Lebensführung gestört werden, indem wir uns entweder nur materiell ausrichten oder nur geistig beschäftigen und dabei leibliche Bedürfnisse abwerten.
Aber auch wenn wir Körperkult um der reinen Optik willen betreiben, stören wir die Viriditas, weil sie sich nur voll entfalten kann, wenn Körper, Seele und Geist gleichermaßen gestärkt werden.
Nehmen wir uns ein Beispiel an den Kindern:
– Die Faszination einer Kerze oder eines Lagerfeuers wirkt ansteckend.
– Das Planschen im Wasser oder das fahren lassen eines Schiffchens zieht jeden in seinen Bann.
– Drachen steigen lassen oder draußen sein an der frischen Luft sind elementare Bedürfnisse.
Das Ideal sieht ein gesundes Maß vor:
Ein beschäftigter und reger Geist wohnt in einem gestärkten, gepflegten Körper und ist durch ein gesundes Maß an materiellen Dingen abgesichert.
Discretio
Die Discretio ist die Lieblingstugend Hildegards. Sie ist die Gabe der Unterscheidung, die Gabe, das rechte Maß zu finden.
Das rechte Maß ist immer das eigene Maß. Denn nur ich selbst kann spüren und wissen, was mir gut tut oder was für mich geeignet ist – vorausgesetzt ich bin noch fähig zu spüren. Wenn ich mich körperlich, geistig und seelisch wohl fühle, habe ich mein rechtes Maß gefunden.
Ich soll mir selbst keine übertriebene Strenge oder Askese auferlegen, sondern mit einer gesunden Disziplin in allen Bereichen des Lebens agieren.
Die Discretio ist stets dort anzuwenden, wo ich Neues kennen lernen und Altes verändern möchte:
Mit »meinem« rechten Maß, zu »meinem« richtigen Zeitpunkt werde ich das Richtige für mich finden.
Ratio
Die Ratio wird meist mit »Vernunft« übersetzt, ist aber in der Bedeutung von Einsicht, Denk- und Urteilsvermögen treffender gewählt.
Die Ratio ist eine weitere Lieblingstugend von Hildegard, denn sie ist die Fähigkeit wahrzunehmen, aufzunehmen und zu unterscheiden.
Gerade weil wir mit so viel Information konfrontiert werden, müssen wir kritisch abschätzen, ob wir glauben können, was wir hören.
Wenn wir sorglos glauben, überlassen wir anderen die Verantwortung und werden so leichter manipulierbar. Außerdem sollten wir auch hinterfragen, ob das, was wir wahrnehmen, unseren eigenen Erfahrungen entspricht oder ob es sich um übernommene Vorurteile handelt.
Vorsicht vor Klatsch: Kein Wort verhallt ohne Wirkung.
Subtilität
Die Subtilität ist ein wichtiger Begriff, der nur in der Ernährungslehre nach Hildegard vorkommt. Sie ist die Heilwirkung, die jedem Teil der Schöpfung innewohnt. Die Wechselwirkung zwischen Heilmittel und Lebensmittel wird in der Hildegard-Küche offensichtlich.
Hildegard unterteilt Lebensmittel (Kräuter, Pflanzen, Tiere) in die Kriterien warm, kühl, trocken, feucht und neutral und zeigt damit eine interessante Parallele zur chinesischen Ernährungslehre. Orangen wirken zum Beispiel kühlend und sollten idealerweise im Sommer genossen werden. Kürbis hingegen ist in seiner Subtilität neutral und ist deshalb auch für jeden Menschentyp geeignet.
Über die Lebensmittel beziehen wir unsere Energie und je besser deren Qualität ist, desto energiegeladener und fröhlicher sind wir. Hildegard beschreibt die Wirkung vieler Lebensmittel, wir sind dennoch auch immer wieder selbst gefordert nachzuspüren und nachzuprüfen. So können wir selbst feststellen, dass
– Erdbeeren Allergien hervorrufen können,
– Lauch und Rohkost blähen,
– Heidelbeeren verstopfen und
– Frohmachergewürze unsere Laune heben.
In verschiedener Art wirken alle Lebensmittel auf uns und wenn wir auf die Subtilität von Lebensmitteln achten, werden wir essen, was für uns gut ist. Wir werden spüren, dass Dinkel wärmt und dass die verschiedenen Gewürze tatsächlich so wirken, wie Hildegard schreibt.
Es wird uns leicht fallen, z. B. auf Lauch und Chicorée zu verzichten, die in ihrer Subtilität dem Menschen schaden.
Wir werden auch hier in der freiwilligen Einschränkung einen Zugewinn erkennen.
Spüren Sie selbst nach und entdecken Sie den »echten« Geschmack von Lebensmitteln. Sie werden dann manche Nahrungsmittel und Fertigprodukte nicht mehr schätzen.
Vitamin A ist nicht gleich Vitamin A, auch wenn es im Labor nachgewiesen ist.
Das Vitamin A eines Apfels und das Vitamin A einer Banane unterscheiden sich durch ihre Subtilität.
Subtilität ist nicht messbar, aber sehr wohl spürbar, wenn man bereit ist, sich wieder auf sich selbst zu verlassen und seinen Gefühlen und seinem Wohlbefinden zu vertrauen.
Subtilität ist sozusagen die »spezifische seelische Komponente«, die jedem Wesen und jeder Pflanze innewohnt und auf den Menschen wirkt.
Deshalb sind industriell gefertigte Produkte (Fertigmenüs) in ihrer Subtilität nicht zu vergleichen mit selbst gemachten Speisen aus Bio-Produktionen.
Die Subtilität eines Lebensmittels hängt auch vom Boden, von den klimatischen Verhältnissen und von der Betreuung ab. Ein liebevoll gepflegter Garten bringt andere Erträge als ein verwahrloster. Eine Mahlzeit, die mit Freude zubereitet wird, schmeckt anders, als seelenloses »Schnellfutter«.
In einem Versuch wurden zwei Samenkörner von zwei Mädchen unter denselben Bedingungen angebaut und versorgt. Dieselbe Erde, dieselbe Fensterbank, dieselbe Temperatur und dieselbe Wassermenge bildeten die Grundlage dieses Experiments.
Der Unterschied lag in der Betreuung: Ein Mädchen sprach liebevoll mit der Pflanze und war während der Pflege gedanklich ganz bei der Sache. Das zweite Mädchen beschimpfte ihre Pflanze und betreute sie lust- und lieblos.
Während die liebevoll gepflegte Pflanze Höchsterträge mit ausgezeichnetem Geschmack hervorbrachte, kümmerte die beschimpfte Pflanze vor sich hin und brachte nur ein karges Ergebnis.

Die sechs goldenen Lebensregeln nach Hildegard von Bingen
Diese Regeln hat Hildegard nicht in dieser Form niedergeschrieben, sondern sie wurden von den Hildegard-Spezialisten Dr. Gottfried Hertzka und Dr. Wighard Strehlow aufgrund langjähriger Studien erstellt.
1.Lebensenergie schöpfen aus den vier Weltelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde durch positive Naturerlebnisse und natürliche Heilmittel.
2.Beim Essen und Trinken auf die Subtilität der Lebensmittel achten – also auf die nützlichen Kräfte, die die Natur bereithält.
3.Bewegung und Ruhe in ein Gleichgewicht bringen. Für das richtige Maß an Spannung und Entspannung sorgen.
4.Schlafen und Wachen regulieren – zur Regeneration strapazierter Nerven.
5.Ausleitung von Verunreinigungen und Schadstoffen im Bindegewebe.
6.Seelische Abwehrkräfte stabilisieren, indem wir eigene Schattenseiten (Laster) erkennen und durch Tugenden ausgleichen.
Gesundheit ist ein lebenslanger Prozess, ein Suchen nach der Mitte, nach sich selbst. Sie ist eine Auseinandersetzung mit den Fragen, die das Leben an uns stellt, um die Harmonie mit uns selbst, dem Nächsten und der Umwelt herzustellen.
1. Lebensenergie schöpfen aus den vier Elementen
Positive Naturerlebnisse erfreuen uns, tun der Seele wohl und stärken Körper und Geist.
Feuer
–der Schein einer Kerze
–die Wärme eines Kaminfeuers
–die Romantik und Kraft, die von einem Lagerfeuer ausgehen
–ein sonniger Tag
All das trägt zu unserem Wohlbefinden bei.

Luft
–frische, saubere Luft bewusst einatmen
–Drachen steigen lassen
–dem Treiben der Blätter im Wind zusehen
–ziehende Wolken verfolgen
Diese »ganz normalen« Dinge bewusst wahrnehmen stärkt uns ganzheitlich.
Wasser
Wasser ist Leben. Reines Wasser ist alles, was wir im Prinzip zum Trinken brauchen. Wasser als reinigendes Element spült uns innerlich, reinigt uns aber auch äußerlich beim Baden und Duschen. Das Wasser bewusst über sich rinnen lassen reinigt nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich.
–dem Lauf eines Baches zusehen
–die Füße ins Wasser stellen
–Schiffchen fahren lassen wie die Kinder
All das bringt uns Energie.

Erde
Aus ihr kommt alles, was wir zum Leben brauchen.
–bei Spaziergängen und Wanderungen »erden« wir uns
–gleichzeitig massieren wir die Reflexzonen unserer Füße
–Gartenarbeit oder der Umgang mit Zimmerpflanzen verbindet uns mit dem Element Erde.
Shopping und Asphaltkilometer zählen nicht zum Spazieren.
Überhaupt wäre es am besten, mehr barfuß zu gehen.
2. Subtilität der Lebensmittel
Die Subtilität ist ein wichtiger Begriff in der Hildegard-Lehre. Da es nicht egal ist, was wir essen, müssen wir auf die Ernährung ein besonderes Augenmerk legen. So werden Lebensmittel zu Heilmitteln!
(Ausführliches Kapitel s. Seite 27)
3. Bewegung und Ruhe ins Gleichgewicht bringen
Das Leben ist immer bipolar:
–wo es Schatten gibt, ist auch Licht
–zur Männlichkeit gehört die Weiblichkeit
–nach Spannung folgt Entspannung
Es ist wichtig, für Ausgleich zu sorgen, indem wir nach einem anstrengenden Tag die notwendige Ruhe zulassen. Der Sonntag sollte ein Ruhetag sein und nicht zum stressigen Freizeittag ausarten.
So sollten z. B. hyperaktive Kinder nicht in ihrer Aktivität unterstützt werden (in der Hoffnung, dass sie leer laufen). Vielmehr sollten sie mit kurzen Ruhepausen, die im Laufe der Zeit länger werden, an Entspannung gewöhnt werden.
4. Schlafen und Wachen regulieren
Schlaf ist keine vergeudete Zeit, in der wir nichts tun, sondern dringend notwendige Ruhezeit, um die Tageserlebnisse zu verarbeiten und unseren Nerven die verdiente Pause zu gönnen.
Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Schlafbedürfnis und jeder sollte nachspüren, was für ihn das richtige Maß ist.
Wenn wir »in der Ordnung« sind und bereit sind, auf unsere Organuhr bzw. auf unsere innere Uhr zu hören, ist 22.00 Uhr die ideale Zeit, um schlafen zu gehen.
Wenn sich der Schlaf-Wach-Rhythmus eingependelt hat, ist das Aufstehen nicht mehr täglicher Kampf, sondern ein Vergnügen.
Auch der Mittagsschlaf (s. Seite 141) »kostet keine Zeit«, sondern bringt neue Energie und damit einen wachen Nachmittag. Allerdings sollte dieser Mittagsschlaf auf 20 Minuten begrenzt sein, da sonst nach Hildegard »die Säfte durcheinander geraten« und wir für den Rest des Tages nicht mehr in den Rhythmus finden.
5. Ausleitung von Verunreinigungen und Schadstoffen
Wir nehmen täglich mehr oder weniger viele Schadstoffe über Umwelt und Nahrung zu uns. Wir selbst produzieren aber auch durch unser Verhalten wie z. B. Zorn, Ungeduld, Trauer usw. »Fehlsäfte«.
Diese Stoffe lagern sich im Bindegewebe, im Blut und im Fett ab, und wir sollten sie von Zeit zu Zeit durch typische Hildegard-Maßnahmen ausleiten, z. B. durch:
– fasten (s. Seite 125ff.)
– spezielle Kuren (s. Seite 93ff.)
– Aderlass
– schröpfen.
Der Aderlass
Beim Aderlass wird – ähnlich dem Blutspenden – Blut entnommen, um den Körper zur Selbstheilung anzuregen.
Der Aderlass reinigt Körper und Blut von Giftstoffen, das sind die überhand nehmenden schlechten Säfte, die durch übermäßiges Essen, Diätfehler, Stress, Sorgen, Angst und Enttäuschungen entstehen können.
Durch all diese Faktoren wird nach Hildegard die »Schwarzgalle« (ein Blutgift) vermehrt, die zu Zornesausbrüchen oder zu stillem Kummer führen kann und chronische Krankheiten verursacht. Der Aderlass reinigt nicht nur das Blut von diesen krank machenden Schlacken- und Fäulnisstoffen, sondern beseitigt auch die schlechte Mischung der Säfte, die aus Stoffwechsel- und Hormonregulationsstörungen resultieren.
Da der Mond den Säftehaushalt in der Natur steuert (Ebbe und Flut, Saftanstieg bei Bäumen, Früchten usw.), hat er auch Einfluss auf den Menschen und seine »Säfte«.
Der Aderlass darf nur an den ersten 6 Tagen nach Vollmond gemacht werden.
Am Tag des Aderlasses ist auf komplette Nüchternheit zu achten! Sogar Zähneputzen ist verboten, da die Inhaltsstoffe der Zahnpasta den Säftehaushalt beeinflussen.

Am Tag des Aderlasses und zwei Tage danach sind nachfolgende Punkte besonders zu beachten:
–Diät mit Dinkelprodukten und gekochtem Gemüse
–Ruhe und gelöste Atmosphäre
–kein grelles Sonnenlicht (im Freien Sonnenbrille tragen)
–kein Fernsehen oder Arbeiten am Computer
–keine anstrengenden Unternehmungen
Schröpfen
Bei dieser Methode werden vom Arzt Glaskugeln mit angewärmter Luft an jenen Stellen des Körpers angebracht, wo es zur bestmöglichen Reinigung kommen kann. Beim Abkühlen der Glaskugeln entsteht ein Vakuum, das durch die Poren der Haut Schlackenstoffe absaugt.
Das Schröpfen hat sich bei Nackenverspannungen, Kopfschmerzen und Krampfadern hervorragend bewährt.
Aderlass und Schröpfen dürfen und sollen nur von einem Arzt vorgenommen werden.
6. Seelische Abwehrkräfte stabilisieren
Hildegard beschreibt sehr eindrücklich 35 „Untugenden“, mit denen ein Mensch im Laufe seines Lebens konfrontiert werden kann (z. B. Maßlosigkeit, Bequemlichkeit, Neid, Streitsucht, Vergnügungssucht oder Zorn). Sie weist auch ganz klar darauf hin, wie mit diesen Problemen umgegangen werden soll. Es geht darum, die Tugenden bzw. die persönlichen Stärken zu pflegen, damit die Schwächen in den Hintergrund treten können und mit der Zeit idealerweise völlig verschwinden.
Neigt ein Mensch zum Zorn, sollte er nicht anderen von seinen Zornausbrüchen und seiner Wut erzählen, sondern sich bewusst in geduldigem Schweigen üben. Auf diese Weise wird dem Zorn die Nahrung entzogen und die Geduld kann ihre positive Kraft entfalten.
Ernährungsrichtlinien nach Hildegard
»Wie ernähre ich mich richtig?«, heißt auch gleichzeitig: »Wie lebe ich richtig?« und »Wie übernehme ich meinen Teil der Verantwortung?«
So steuert jeder Einzelne in seinem Ess- und Einkaufsverhalten Mechanismen, die weit greifende Folgen haben. Wir können Verantwortung nicht an Supermärkte delegieren, sondern müssen uns bewusst sein, dass wir mit unserem Kaufverhalten eine Nachfrage steuern, die in anderen Kontinenten Auswirkungen hat.
Wir können unsere Gesundheit durch gesunde Ernährung selbst beeinflussen und somit selbst die Verantwortung übernehmen, anstatt sie z. B. an Krankenhäuser, an die Krankenkassa oder an Ärzte abzuschieben.
Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und die Wirkung von eigenverantwortlichem Denken und Handeln wird von Hildegard genau beschrieben.
Sie schildert die Zusammenhänge von Mikrokosmos und Makrokosmos und wie wichtig es sei, mit sich selbst einen guten Umgang zu pflegen, damit jeder zu seinem Nächsten, zur Umwelt und zur Welt – und eben auch zum Kosmos und damit zum Schöpfer – ein gutes Verhältnis habe und somit positiven Einfluss nehme.
Seelisches Fehlverhalten, das die Gesundheit zerstört, führt gleichzeitig auch zu kosmischen Katastrophen. Und so schreibt sie:
»Wenn die Menschen sich untereinander in Kriegen schrecken, sich in Hass und Neid und sonstige sündhafte Widersprüche verwickeln, verkehren sich auch die (vier) Elemente in eine andere, ihnen eigentlich entgegengesetzte Weise … und bringen der Welt und den Menschen viele Gefahren … und machen den Menschen hinfällig und krank.«
Wir sehen, was für weit reichende Folgen eine so alltägliche Sache wie die Ernährung haben kann.
Die Ernährungsrichtlinien nach Hildegard könnte man kurz und bündig auf einen Nenner bringen:
Im »Maß halten« liegt Freiheit, die ich mir selbst gebe.
Freiwillige Einschränkung, Besinnung und Maß halten
Bei Hildegard werden die einzelnen Lebensmittel nicht nach Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen usw. aufgelistet, sondern gemäß ihres Subtilitätsprinzips (s. Seite 27) und ihrer Wirkung beschrieben.
Gerade in diesem Punkt unterscheidet sich die Hildegard-Lehre von anderen Ernährungslehren: auch hier ist sie ganzheitlich.
Wir sollten uns auch die Frage stellen, was uns die genaue Analyse der Lebensmittel tatsächlich nützt.
Letztlich ist immer unser Wohlbefinden entscheidend.
Bei Hildegard gibt es zwar die so genannten »Küchengifte«, die unsere Abwehr schwächen; sie sind jedoch kein Grund, sich von der Hildegard-Küche zu distanzieren.
Denn gemäß der Hildegard’schen Anweisung »das Positive fördern, damit das Negative automatisch in den Hintergrund treten kann«, werden wir diese »Küchengifte« mit Discretio und Ratio nach und nach von unserem Speiseplan streichen.
Küchengifte sind:
–Schweinefleisch
–Erdbeeren
–Pflaumen
–Pfirsiche
–Lauch
–Chicorée
Wir werden diese Lebensmittel auf lange Sicht nicht vermissen, wenn wir am Dinkel unsere Freude gefunden und seine Vielfältigkeit schätzen gelernt haben.
Wir werden nicht mehr an die Erdbeere denken, wenn wir die erlaubten Obstsorten wieder zu Ehren kommen lassen – und Hand aufs Herz: wie oft schmecken Erdbeeren wirklich gut?
Während der Erdbeerzeit gibt es auffallend viele Allergien, Halsentzündungen und Ohrenprobleme.
Stellen Sie Ihre gewohnte Küche nicht von heute auf morgen um, sondern nehmen Sie Veränderungen Schritt für Schritt vor.
Sie müssen nicht sofort auf Ihren geliebten Kaffee verzichten, sollten aber daran denken, dass Kaffee ein Genussmittel und kein Getränk ist.
Wenn der allgemeine Gesundheitszustand oder z. B. die Leber bereits sehr geschwächt sind, trägt Kaffee sicherlich nicht zur Gesundung bei.
Wenn jemand an Allergien, chronischen Atemwegsproblemen, Asthma oder Rheuma leidet, ist eine konsequente Einhaltung der Hildegard-Ernährung angebracht.
Die so genannten Küchengifte werden Ihnen nicht fehlen, da es immer einen vollwertigen Ersatz für sie gibt:
–So werden z. B. Erdbeeren durch Himbeeren, Johannisbeeren oder Brombeeren ausgetauscht.
–Pfirsiche und Pflaumen werden nach und nach zugunsten von Marillen und Äpfeln aus der Obstschale weichen.
–Schweinefleisch fehlt nicht wirklich auf dem Speiseplan, wenn »erlaubte« Fleischsorten – mit Hildegard-Gewürzen verfeinert – zur vollwertigen Variante werden.
–Chicorée lässt sich durch verschiedene Blattsalate und Lauch durch Frühlingszwiebeln ersetzen.
Beachten Sie die Schimmelbildung bei Erdbeeren, Pflaumen und Pfirsichen im Vergleich zu faulenden Äpfeln, Marillen und Quitten.
Hildegard beschreibt den »Nachtschatten«, der auch als »Nachtschattenkraut« vorkommt, nur für äußere Anwendungen. Da alle Nachtschattengewächse giftige Alkaloide enthalten, gibt es dazu unter den »Hildegardianern« durchaus geteilte Meinung:
So meidet die eine Gruppe diese Pflanzen, zu denen Kartoffel, Tomate, Paprika und Aubergine zählen. Die andere Gruppe ist der Meinung, dass Hildegard nur das Kraut meint, und isst daher oben genannte Gemüsesorten.
Sollte es Ihnen schwer fallen, völlig auf Nachtschattengewächse zu verzichten, sollten Sie diese Gemüsesorten wenigstens nicht als Hauptnahrungsmittel einsetzen.
Bei chronischen Leiden und Allergien ist unbedingt eine strenge Hildegard-Diät einzuhalten.
Auch hier gilt es nachzuspüren, was gut tut:
–Wie lange stoßen Paprika auf?
–Wie oft schmecken Tomaten wirklich sonnenreif und süß?
–Womit könnte ich Kartoffeln wenigstens ab und zu vollwertig ersetzen?
Zu Ihrem Trost – wenn wir mit »Discretio« und mit »Ratio« ab und zu Nachtschattengewächse essen und uns dieser Ausnahme bewusst sind, so ist dies auch in Ordnung.
Bitte lassen Sie sich von nachfolgenden »Verboten« nicht abschrecken. Sehen Sie es vielmehr als Anleitung und als Chance und spüren Sie selbst nach, welche Wirkungen sich ergeben.
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