Kitabı oku: «Organisation und Inspiration»
EHP – ORGANISATION
Hrsg. von Gerhard Fatzer in Zusammenarbeit mit Wolfgang Looss, Sonja A. Sackmann, Sabina Schoefer
Die AutorInnen:
Gerhard Fatzer, Dr. phil, leitet seit 1991 das Trias Institut für Coaching und OE und unterrichtet im Rahmen von Gastprofessuren oder Seminaren an der Uni Ljubljana, Bled, ZU, ETH, HSG und in Indien. Zudem hat er Seminare in China, Vietnam, Tunesien und Indien und langjährige Entwicklungsprojekte für GIZ in Afrika durchgeführt. Seit 1987 ist er Gastforscher am M.I.T.
Im Rahmen eines Gastforschungsaufenthalts in den USA arbeitete er 1980 bis 1982 an der UCLA, USC, am M.I.T., Harvard und an der UMass Amherst. Dabei entstand eine langjährige Zusammenarbeit mit vielen Begründern der OE wie Edgar Schein, Warren Bennis, Fred Massarik, Chris Argyris, Ed Nevis, Larry Lippitt und zudem Carl Rogers. Für die Reihe EHP-Organisation wurden viele dieser Autoren ins Deutsche übersetzt.
Im Rahmen der Trias-Konferenzen mit IBM und GDI hat Gerhard Fatzer die Themen »Transformation«, »Führung«, »Inspiration« und »Veränderung« bearbeitet. In der Reihe »Trias in Boston« sind zudem wichtige OE-Protagonisten wie Kathrin Dannemiller, David Kantor, Billie Alban und Barbara Bunker, Bob Putnam, Bill Isaacs, Peter Senge, Otto Scharmer eingeladen worden.
Britta Schönberger, Jg. 1965, lebt in Rafz (ZH) und arbeitet dort als reformierte Pfarrerin. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Deutschland erfolgte eine Weiterbildung zur Tanztherapeutin nach dem Konzept der Gestalttherapie und die Zulassung zur heilkundlichen Psychotherapeutin. Sie war langjährig im pädagogischen und kirchlichen Bereich tätig, in der Familientherapie und als Dozentin für künstlerischen Ausdruckstanz. An der Ev. FH Freiburg erhielt sie einen Masterabschluss für Supervision.
Sabina Schoefer, Dr.; studierte Soziologie sowie Ost- und Westslawistik in Würzburg; 1999 sozialwissenschaftliche Promotion über Organisationsentwicklung; ausgebildete systemische Beraterin, Trainerin und Coach, hat diverse didaktische Modelle der demokratischen Beteiligung in Boston / USA gelernt; sieben Jahre Dozentin und Seminarleiterin in der Erwachsenenbildung und drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der »Forschungsinitiative Verbände« der Fernuniversität Hagen; ab 1997 als Unternehmensberaterin in Bremen tätig; von 2006 bis 2011 als Senior Consultant und Director Research in einem internationalen Unternehmen der Privatwirtschaft und dort unter anderem mit der Entwicklung und strategischen Steuerung von Projekten zu Change, Cultural Change und Diversity+Inclusion in Organisationen befasst; seit 2011 Direktorin der Volkshochschule Bremen und seit 2014 Vorsitzende des Vorstands der Bürgerstiftung Bremen; Autoren- und Herausgebertätigkeit.

© 2015 EHP – Verlag Andreas Kohlhage, Bergisch Gladbach
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Umschlagentwurf: Gerd Struwe / Uwe Giese
– unter Verwendung eines Bildes von Rainer Sturm / pixelio.de:
NYC – Im Chinesenviertel -
Satz: MarktTransparenz Uwe Giese, Berlin
Gedruckt in der EU
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ISBN 978-3-89797-587-3 (PDF)
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
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Inhalt
Zur Reihe EHP-Organisation
Einleitung: Wenn Inspiration auf Organisation trifft, wird Kreativität konkret
Führung und Veränderung – auf dem Weg zum Führungssystem (Gerhard Fatzer)
1. Führung und Veränderung für unsere Zeiten – von der »inspirierten Führung zum Führungs-System«
2. Führung von der Person zur Führung im System
2.1 Das Leadership System: Führung als Team oder Systemfunktion
2.2 Fünf Führungs Pfade
2.3 Führung und Heldengeschichten
2.4 Neue Formen der Führung
Die Weiterentwicklung der Theorie U
Transformation und Theorie U – aus spiritueller Sicht (Britta Schönberger)
Einleitung
I. Herunterladen
1. Der Transformationsprozess
2. Innehalten
II. Hinsehen
III. Hinspüren
Bibel
A Das Alte Testament
1. Der Sündenfall
2. Die Sintflut
3. Jakobs Kampf am Jabbok
4. Moses
5. Der Auszug aus Ägypten
6. Die Gottesbegegnung
7. Das goldene Stierbild
8. Der Prophet Jona
B Das Neue Testament
1. Die Taufe Jesu
2. Die Versuchung Jesu
3. Die Verklärung Jesu
4. Jesus in Gethsemane
5. Tod und Auferstehung Jesu
6. Petrus
7. Das Pfingstwunder
8. Die Heilung eines Kranken am Teich Betesda
9. Die Frage des Nikodemus
10. Jesus und die Ehebrecherin
11. Jesus und der sinkende Petrus auf dem See
12. Die Rollen Jesu
IV. Gegenwärtig sein
V. Verdichten
VI. Erproben
VII. In die Welt bringen
Literatur
Religiöse Erwartungen an die Rolle des Beraters (Britta Schönberger)
Einleitung
Erste Hypothese
Der Begriff der Religion
Die Lebensbewegung
Zweite Hypothese
Der Seher
Entstehen von Rollen
Erwartungen an den Rollenträger
Dritte Hypothese
Heutige Anliegen an einen Seher
Aufgaben, die sich für den Berater ergeben
Schluss
Literatur
Coaching als Begleitung von Transformationsprozessen (Gerhard Fatzer / Sabina Schoefer)
Person und System entwickeln
Supervision – Coaching – Organisationsentwicklung
Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung in der Neuorintierung
Veränderungen in den Berufsanliegen und in den Organisationen
Literatur
Nachhaltige Transformation für die Organisation (Sabina Schoefer)
Wir sind, also ist Zukunft: Preferred Futuring als Ansatz der Transformation
I. Eine Anmaßung
II. Denk-Geschichten
III. Wir sind
IV. Differenzierung
V. Transformationsinstrument Preferred Futuring
VI. Ausblick in die Zukunft
Anmerkungen
Literatur
Zur Reihe EHP-Organisation
Die Reihe stellt wichtige Basistexte zum Bereich der Organisationsentwicklung und des Change Managements sowie neue, grundlegende Texte und Übersetzungen für den deutschsprachigen Leser vor, und leistet damit seit 1988 Pionierarbeit. Dabei werden unterschiedliche Interventionsformen ausführlich dargestellt, um zur Entwicklung einer Beratungswissenschaft jenseits der reinen Technikorientierung beizutragen. Die Reihe widmet sich besonders dem interkulturellen Austausch zwischen Europa, Amerika und anderen Kulturräumen.
EHP-Organisation stellt sowohl Diskussionsgrundlagen und Denkfiguren im Bereich der OE für das 3. Jahrtausend als auch historische Grundlagen der OE in ihrer Aktualität bereit. Anliegen war es stets, eine Reihe mit sorgfältig ausgewählten Titeln zu entwickeln, inspiriert durch amerikanischen Kollegen und die langjährigen Wegbegleiter Chris Argyris († 2014), Edgar H. Schein, Fred Massarik († 2009), Ed Nevis († 2006) (mit Nevis’ Organisationsberatung startete die Reihe), Warren Bennis und die Kollegen um Peter Senge am M. I. T. und Claus Otto Scharmer, aus deren Kreis sich auch die Consulting Editors von EHP-Organisation rekrutieren.
Der verantwortliche Herausgeber der Reihe stellte mit Supervision und Beratung die Grundlagen von Supervision und Organisationsberatung umfassend dar – mit seinen zahlreichen Auflagen ist es bis heute eines der erfolgreichsten Handbücher des Feldes. Ergänzend dazu erschien Gute Beratung von Organisationen – Supervision und Beratung 2.
Die Trias-Kompasse bilden Trends und Diskussionslinien ab und ermöglichen eine Orientierung im Feld der Organisationen und unterschiedlicher Beratungsformen (Bd. 1: Erfolgsfaktoren von Veränderungsprozessen, Bd. 2: Schulentwicklung als Organisationsentwicklung, Bd. 3: Nachhaltige Transformation in Organisationen).
Organisationsentwicklung für die Zukunft, widmet sich ausführlich den Grundlagen der lernenden Organisation von Peter Senge u. a. und machte sie – wie ebenfalls die Arbeiten von Chris Argyris zur »eingeübten Inkompetenz« und zu »defensiven Routinen« – zum ersten Mal im deutschen Sprachraum bekannt. Außerdem liegt eine Neuauflage eines Standardwerks zur Lernenden Organisation und zur Schulentwicklung vor (Gerhard Fatzer: Ganzheitliches Lernen).
Neben internationalen Autoren publizieren wichtige deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Reihe wie zum Beispiel eine Autorengruppe um die VW-Coaching-Abteilung (Der Beginn von Coachingprozessen): Billmeier, Kaul, Kramer, Krapoth, Lauterbach und Rappe-Giesecke. Wolfgang Looss hinterfragte als erster kritisch den Coaching-Begriff, als der große Hype um den Begriff im deutschsprachigen Raum noch gar nicht gestartet war: Zusammen mit Kornelia Rappe-Giesecke und Gerhard Fatzer untersuchte Looss in dem Band Qualität und Leistung von Beratung die drei Beratungsmethoden Supervision, Organisationsentwicklung und Coaching. Looss’ Klassiker Unter vier Augen: Coaching für Manager ist bis heute eines der wichtigsten Bücher zum Thema geblieben.
Die Reihe orientiert sich nicht an Trends, und dort, wo die Professional Community der Berater, Coaches und Supervisoren ihre eigenen Grundlagen und Methoden nicht ausreichend berücksichtigt, ist es Ziel von EHP-Organisation, Einbahnstraßen der Wahrnehmung und kulturelle Ignoranz zu unterlaufen. Es kommen die Autorinnen und Autoren zu Wort, die diesen interkulturellen Dialog praktizieren und konzeptionell untermauern. So wird mit dem Band von Fatzer / Jansen (Die Gruppe als Methode) die oft ignorierte Kenntnis gruppendynamischer Grundlagen für die Entwicklung von Gruppen, Teams und Organisationen wieder zugänglich gemacht. Ein weiteres Beispiel ist die Monographie von Albert Koopman (Transcultural Management), die als erste ein erfolgreiches interkulturelles OE-Projekt dokumentierte und daraus ein breit anwendbares Modell der interkulturellen Beratung entwickelte. Das Buch von Barbara Heimannsberg und Christoph Schmidt-Lellek (Interkulturelle Beratung und Mediation) wendet die Grundlagen der Mediation auf den interkulturellen Bereich und auf die Organisationsentwicklung an. Zuletzt erschien dazu ein Buch, das dem Lebenswerk von Burkard Sievers gewidmet ist: Ahlers- Niemann / Beumer / Redding Mersky / Sievers: Organisationslandschaften mit einer weitgefächerten internationalen und multiprofessionellen Perspektive auf die destruktiven Prozesse in Organisationen. Arndt Ahlers- Niemann hat zusammen mit Edeltrud Freitag-Becker einen Band zu Netzwerken in die Reihe eingebracht, der ein breites Spektrum an Themen erschließt (Netzwerke – Begegnungen auf Zeit. Zwischen Uns und Ich).
Eine der wichtigen Interventionsformen, die EHP-Organisation (wie übrigens auch andere Veröffentlichungen im selben Verlag) besonders berücksichtigt, ist ›Dialog‹ als Methode: William Isaacs (Dialog als Kunst gemeinsam zu denken) und der Band von Christoph Mandl, Markus Hauser und Hanna Mandl (Die schöpferische Besprechung) haben hier im deutschsprachigen Raum Qualitätsstandards gesetzt. Die Autoren sind gleichzeitig Beiträger der Zeitschrift Profile. Internationale Zeitschrift für Veränderung, Lernen, Dialog/ International Journal for Change, Learning, Dialogue, die mit ihrem Anliegen, das Verständnis von Menschen, Teams und Organisationen zu fördern, die Reihe EHP-Organisation ergänzt.
Die Arbeit von Ed Schein stand von Anfang an im Zentrum des publizistischen Auftrags von EHP-Organisation. Zahlreiche seiner Aufsätze erschienen früh in den Sammelbänden der Reihe, und hier liegen seine Grundlagentexte in Übersetzungen vor. Sein Klassiker Prozessberatung für die Organisation der Zukunft ist einer der erfolgreichsten Bände der Reihe. Der Referenzcharakter von Scheins Büchern wird auch im provozierenden Buch Organisationskultur (›The Ed Schein Corporate Culture Survival Guide‹) unter Beweis gestellt. Seine Fähigkeit, auf lesbare Art komplexe Organisationszusammenhänge zu vermitteln, macht die Lerngeschichte von Digital Equipment Corporation auch zu einem Lektüregenuss (Aufstieg und Fall von Digital Equipment Corporation. DEC ist tot, lang lebe DEC) – die wahrscheinlich einzige Dokumentation des Beratungsprozesses eines Unternehmens über dessen gesamte Lebenszeit. Scheins Führung und Veränderungsmanagement fasst zum ersten Mal seine Gedanken zu Führung in Unternehmen zusammen und wird durch eine Video-DVD mit einer Rede von Schein ergänzt. Als jüngster Titel unserer Reihe mit Titeln von Schein erschien Prozess und Philosophie des Helfens, das ausführlich eine der Grundkompetenzen von Managern und Beratern vorstellt. Die neuesten Bände unserer Reihe waren der an Schein anknüpfende Band Prozesspsychologie von Heidig, Kleinert, Dralle und Vogt, der einen Ansatz vorstellt, mit dem Unternehmen in entscheidenden Phasen von Veränderung begleitet werden, Non-Profit-Organisationen in die Zukunft entwickeln von Barbara Heimannsberg, Heribert Namokel und Heike Fischer mit der Darstellung unterschiedlich erfolgreicher Entwicklungsprozesse und Christof Schnecks Management-Coaching X.0, der narzisstische Phänomene im Management darstellt.
Der vorliegende Band macht erstmalig den Versuch, Transformation und Führung sowie den Begriff der Inspiration für Management, Organisations- und Personalentwicklung auf dem Hintergrund westlicher Theologie zusammenzudenken. Ausgehend von der momentan populären Theorie U von Claus Otto Scharmer, die grundlegend von Ansätzen des Buddhismus, also östlichen Denkmodellen, ausgeht, erschließen wir das Thema Inspiration für Führung und Transformation unter Rückgriff auf westliche Ansätze (z. B. Altes und Neues Testament).
Dabei zeigen wir, dass Führung ein immer komplexeres Phänomen wird, das auch über die Person des Führenden hinausgedacht werden muss, nämlich im Kontext von Teamführung als Systemsteuerung und Beziehungsaufbau im Team statt Einzelleistung.
Dabei werden auch die in der Führung üblichen Heldengeschichten und damit verbundenen Annahmen aufgezeigt. Das Ganze wird in exemplarischen Heldengeschichten illustriert. Den Abschluss macht eine organische Ergänzung der Theorie U im Kontext von Zukunftsfähigkeit, nämlich der Ansatz des »Preferred Futuring« von Larry Lippitt.
Allgemeiner Bezugsrahmen sind die Organisationsentwicklungsansätze von Edgar H. Schein, nämlich Helfen, Prozessberatung, Gutes Befragen und Kulturentwicklung, die in langjähriger Zusammenarbeit entstanden sind.
Herausgeber, Autoren und Verlag sind neugierig auf die Rückmeldungen unserer Leser auf diesen Band wie auf die gesamte Reihe, die wir als Möglichkeit zum Dialog innerhalb der globalen Professional Community verstehen.
Gerhard Fatzer
Einleitung
Gerhard Fatzer
Wenn Inspiration auf Organisation trifft, wird Kreativität konkret.
Zum Titel der Einleitung wurde ich durch Britta Schönberger in einem unserer zahlreichen Dialoge inspiriert.
Wie entstand die Idee zu diesem Buch?
Ich hatte mich schon seit über 30 Jahren im Rahmen der Profession als Organisationsentwickler mit den Themen »Veränderung«, »Transformation« und »Führung« oder »Nachhaltigkeit« beschäftigt. Als Herausgeber vieler Standardwerke zu Beratung und Organisationsentwicklung, als Ausbildungsleiter von Lehrgängen und eines eigenen Instituts, als Gastprofessor an vielen Universitäten, als Coach und Berater von Firmen und Führungskräften. Organisationsentwicklung als Wissenschaft, Technologie und Philosophie stellt die Methodik und das Know How für Veränderungsprozesse zur Verfügung, ob dies eine Person, eine Gruppe oder eine ganze Organisation betrifft. Was der OE häufig fehlt, ist die Inspiration. Das Gleiche gilt für Führungskräfte.
Britta Schönberger hatte sich schon seit langer Zeit mit Geschichten, Gleichnissen oder Gedichten beschäftigt, die die spirituelle Welt ihrer Profession, der Theologie, zur Verfügung stellt. Es gibt dazu reichhaltige Quellen. Womit dieses Wissensgebiet sich intensiv beschäftigt, ist Inspiration. Was wieder auflebt, sind die rituellen, traditionellen christlichen Übungen, um Inspiration vorzubereiten. Auch die Kirche als jahrhundertealte weltweite Institution muss sich darum bemühen, inmitten der Tradition und ihren festen Formen Räume für die unverfügbare Inspiration offen zu halten.
Als wir im Rahmen einer Seminarwoche »Transformation und Führung« die Transformationsgeschichte der Theorie U von Claus Otto Scharmer als Grundfolie aus der OE nutzten, wurde klar, dass die OE diesen methodischen Rahmen schon gelegt hatte.

Der spirituelle Rahmen als mentales Modell von Veränderung bildet in seiner Erzählform diesen Prozess anschaulich ab. Es gibt gleichnisartige Transformationsgeschichten in vielfältiger Form. Beispiele dazu sind im Mittelteil kurz geschildert und paraphrasiert. So ist die Frage zu Theorie U und Transformation generell entstanden:
Wenn Presencing oder der Prozess der Umstülpung (sich und seine Seele auf den Kopf stellen) der anspruchvollste Schritt ist, begleitet durch Angst und Widerstand, braucht es dazu ermutigende Heldengeschichten. Können diese Heldengeschichten eine Vorlage sein, um erfolgreiches Presencing zu vollbringen?
Kann man Transformationsfähigkeit als Kernkompetenz einer Führungskraft lernen und üben?
Aus diesem Zusammenführen von OE und spirituellen Heldengeschichten ist die Erkenntnis entstanden, dass einzelne Geschichten auf Gefahren oder erfolgsversprechende Haltungen hinweisen.

Wenn wir dies in einer Landkarte darstellen, treffen sich hier zwei Räume der Transformation, nämlich Organisation (OE) und Inspiration (erlebte Transformationsgeschichten und Spiritualität). Dies haben wir in der nachfolgenden Abbildung veranschaulicht.
Den Lesern und Kunden soll eine verlässliche und verständliche Grundinformation gegeben werden, wie sie Veränderungsprozesse im persönlichen oder im organisationalen Bereich angehen können.
Dies schließt auch an die Grundfrage unseres Kollegen Peter Senge vom M.I.T. an: Können Organisationen oder Systeme lernen oder sind es immer nur Führungskräfte oder Gruppen, die lernen, und Systeme sind eigentlich lernunfähig? Vielleicht ist es so, wie Ed Schein in einem Interview zur »lernenden Organisation« erzählt hat (siehe Profile 8, Fatzer 2008). »Es waren in den Projekten zur lernenden Organisation immer Menschen oder Gruppen, die lernten, nie die Systeme. Im Gegenteil: Bei Ford Corporation wurde der Teil, welcher als Projekt mit uns am M.I.T. zusammenarbeitete, vom System abgestoßen.«
BP oder das größte Umweltdesaster der USA: Transformation und Krise als Sintflut
Im Frühling 2010 erlebten wir mit der Explosion der Plattform »Deepwater Horizon« die größte Umweltkatastrophe der USA im Golf von Mexiko. BP oder British Petroleum betrieb eine von Tausenden von Ölbohrplattformen und -türmen, welche aus der Tiefe von 1.600 Metern Öl aus dem Meeresboden pumpen. Diese explodierte, und es kam die übliche Art des Umgangs mit Katastrophen in Gang.
Eine ganze Armada von Schiffen der BP wurde dorthin geschickt mit dem Auftrag, Kriseninterventionen anzuwenden. Jedermann in der Welt und speziell die betroffenen Bewohner der Anrainerstaaten gingen davon aus, dass BP wüsste, was zu tun sei. Am Anfang wurde primär mit Meldungen operiert, man habe alles im Griff. Wertvolle Tage verstrichen, und BP stellte einen Trichter her, der über das sprudelnde Bohrloch gestülpt werden sollte. Es zeigte sich allerdings, dass in dieser Tiefe die Mischung aus Wasser und Oel das Bohrloch verstopfte (wegen der niedrigen Temperatur). So musste man diesen Lösungsansatz aufgeben. In der Zwischenzeit wurde mit dem massiven Einsatz von Chemikalien versucht, das ausgetretene Öl aufzulösen. Wie man jetzt weiß, bildeten sich einige hundert Meter unter dem Meeresspiegel große Filme oder Vorhänge, die immer noch im Golf von Mexiko großflächig vorhanden sind. In der Zwischenzeit versuchten Forscher herauszufinden, ob dies einen Einfluss auf die Meerestiere haben könnte. Niemand kann es sagen.
Der CEO von BP, ein Techniker, versuchte in einer eher hilflosen Aktion, mit ersten Rettungskonstruktionen das Leck abzudichten. Allerdings traten dabei unvorhergesehene Nebeneffekte auf, z. B. dass die Mischung aus Öl und Wasser mit einer Eisschicht umgeben wurde. Im Sinne der Systemarchetypen (Meadows 2010, Senge 1990, Forrester 1961) deutet dies auf den Systemtyp »Fixes that fail« hin (Problemlösungen, die fehlschlagen). Wie öfter in der Expertenberatung geschehen, kreiert ein Lösungsvorschlag das nächste Problem.
Dann wurde vom amerikanischen Publikum gefordert, dass dieser Konzernchef mindestens durch seine Präsenz eine Art von Hoffnung verbreiten solle. Da dies nicht geschah, trat Präsident Obama auf und wies darauf hin, dass er als Politiker von den technischen Details eines Rettungsplanes nichts verstehen könne, dass er sich hier aber voll auf die technische Expertise der BP-Fachleute verlassen müsse. Als dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, begann Obama sich in sehr pragmatischer Art in die operativen Geschäfte von BP einzumischen. Zuerst einmal hob er hervor, dass es sich um ein britisches Unternehmen handele und dass man den Führungskräften doch gerne mal »einen Tritt in den Hintern« geben solle. Systemisch gesehen handelt es sich hier um das Systemverhalten »Shifting the burden«, das zum Ziel hat, Schuldige zu suchen.
Als dann der britische Premier sich einmischte und sich verbat, dass das wichtigste britische Unternehmen in den Dreck gezogen werde, wurde wieder nach gemeinsamen Lösungen gesucht. Zudem begannen die amerikanischen Aktionäre zu realisieren, dass sie ja über Aktien mit dem Schicksal von BP verbunden waren. Entsprechend würde ihre Altersvorsorge verloren gehen. So realisierte man gemeinsam, dass man im gleichen Boot sitzt (systemisch: »Tragedy of the Commons«), dass also dieses hektische Suchen nach Schuldigen nichts bringen würde.
Der Britische Konzernchef wurde in der Folge geopfert und durch einen amerikanischen ersetzt, der besser mit den betroffenen Amerikanern kommunizieren konnte. Das Problem wurde schließlich nach vielen Fehlversuchen und nach drei Monaten durch die vollständige Versiegelung des Bohrlochs gelöst, so dass kein Öl mehr austreten konnte. Vieles von den gigantischen Ölmengen im Wasser hatte sich »wundersam« aufgelöst und mit Wasser vermischt, so dass lediglich ein großer und langer Ölteppich unter der Oberfläche trieb. BP wurde gezwungen, einen riesigen Schadenfonds zu eröffnen und große Teile seiner wertvollen Ölfelder zu verkaufen. Obama erklärte dann die Katastrophe offiziell für beendet.
Die bleibenden Folgen der Ölauflösung mittels Chemie sind noch unbekannt, auch kennt man die Auswirkungen auf die Fische und die Pflanzenwelt nicht. Es besteht die Gefahr, dass aus der Krise »nichts gelernt« wurde und dass die nächste genauso unprofessionell angegangen wird.
Hierzu ein paar Zitate aus Ed Scheins Autobiographie (Right Time, Right Place, 2012, unveröff.)
»As Perrow pointed out a long time ago, as technologies become more complex there will occur interactions between processes that are safe under some conditions and not others.« (p. 295)
»On the day that the BP platform in the Gulf of Mexico was failing to cap the undersea well for various technical reasons, OSHA awards were being given to some employees!!! BP has had an exemplary record in the personal safety area, measured by OSHA statistics, and yet had major accidents in Texas City and in the Gulf because of process failures that were not foreseen.
So the CEO of the site that has nuclear plants, and indeed the CEO of BP and other companies in high hazard complex industries, must also have a chief technology officer (CTO) whose job it is to make clear what the risks are of compromising on standards or not monitoring practical drift.« (ibid.)
»When an open discussion finally occurs between the employees, the engineers and the executives they discover that the conditions for safety are also the conditions for longer-range organizational health, productivity and growth. Open communications based on psychological safety and trust are the rock bottom conditions for effective operations. When safety is compromised, so is the organization’s basic operation. The very conditions for effectiveness that go back to McGregor, Lewin, Drucker and most other management thinkers have been reaffirmed in the search for safety. The ultimate irony may turn out to be that concern for safety will make us pay more attention to productivity factors than concern for productivity ever did.« (p. 298)
Die Führungsaufgabe ist eng verbunden mit der Fähigkeit zur Veränderung und Transformation. Was weit verbreitet bei Führungskräften und Transformationsprozessen fehlt, ist die Inspiration. Wir zeigen auf, dass neue Entwicklungen in Organisationen und in der Gesellschaft weltweit im Gange sind, welche Inspiration erfordern.
Führung wird neu umschrieben mit Wahrnehmungsfähigkeit von zukünftigen Möglichkeiten. Organisationen selbst sollten Orte werden, wo Inspiration möglich ist und wo zukünftige Lösungen nicht nur aus der Vergangenheit entwickelt werden.
»Spiritualität kann als Quelle von Kreativität beschrieben werden. Damit unterscheidet sich Spiritualität von Religion, indem sie eine Erfahrung und nicht ein Glaubenssystem ist.« (Scharmer, 102)
Lassen Sie uns an dieser Stelle zu einer Inspirationsquelle greifen, die auf den ersten Blick von einer ganz anderen Quelle herzukommen scheint: der Sintflut. Sprache und Duktus der Geschichte sollten Sie dabei nicht irritieren. Wenn wir die Katastrophen-Geschichte von BP mit der Transformationsgeschichte der »Sintflut« vergleichen, so lassen sich möglicherweise Inspirationen finden, wie man die Krise hätte angehen können. Jede Transformationsgeschichte enthält ja eine Schlussfolgerung oder Meta-Geschichte. Oft ist dies eine Weisheit, wie man hätte mit der Situation umgehen können.
Die Geschichte von der Sintflut spielte sich folgendermaßen ab oder wird so dargestellt:
Transformationsgeschichte
»Die Sintflut
Genesis 6,5–8,22
Gott bereut, dass er die Menschen gemacht hat, als er sieht, dass ihre Bosheit groß ist auf Erden. Er beschließt sie zu vertilgen, zusammen mit den Tieren. Erschaffen und Vernichten sind die beiden extremen Möglichkeiten Gottes, das ist, was er vollzieht. Er hält inne durch die Frömmigkeit des Noah. Gott will alles verderben, was den Odem des Lebens hat (Gen. 6,17), es soll untergehen. Aber mit Noah will Gott einen Bund schließen und ihn und seine Familie retten, zusammen mit jeweils einem Paar jeder Tiersorte. (Gen. 6,18–19).
Gott öffnet seinen Blick für die Frömmigkeit des Noah und bestätigt in seinem Empfinden dessen Lebensrecht. Alles, was voller Frevel ist, soll dagegen untergehen. Gott trennt sich von dem, was sich von ihm getrennt hat, und lässt es los. Selbst Gott kann den nicht halten, der sich von ihm entfernt, er kann aber seine Lebenskraft und seinen Lebensraum von ihm zurückziehen. Hier versenkt er einfach die Erde im Wasser, so dass alles ertrinkt, was nicht mehr im Einklang mit ihm wandelte. Es gibt noch eine Vorbereitungszeit von sieben Tagen, bevor es 40 Tage und Nächte regnen wird. (Gen. 7,4)
Gott selbst begibt sich in den Transformationsprozess. Er lässt das, was nicht mehr mit ihm in Kontakt ist, untergehen. Seine Phase 4 = Anwesend sein hat er für 40 Tage angesetzt. Das ist die Zeit, die Jesus später in der Wüste sein wird, bevor der Satan ihn versucht. Anscheinend sind 40 Tage die Zeit, die Gott braucht, um sich neu zu erschaffen.
Die Wasser steigen, so dass selbst die hohen Berge versinken und alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb. (Gen. 7,22) Nur Noah, seine Frau, ihre drei Söhne mit den Frauen und die ausgewählten Tiere in der Arche überleben.
150 Tage bleiben die Wasser auf Erden, dann verlaufen sie wieder. Es braucht noch weitere Zeit, bis die Erde wieder ganz trocken ist und die Lebewesen die Arche wieder verlassen können. Es zeigt sich also erst allmählich ein neuer Lebensraum, der sich wieder zu Land verdichtet (Phase 5). Gott gibt den Überlebenden den Auftrag, fruchtbar zu sein und sich zu mehren. (Gen 8,17) Sie sind die Ausgangswesen, durch die neues Leben die Räume füllen soll. Sie sind die experimentelle Grundlage (Phase 6), nach der die Belebung der Erde wieder umgesetzt werden soll (Phase 7).
Noah baut einen Altar und opfert Gott zum Dank. Gott spricht in seinem Herzen: »Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.« (Gen 8,21) Gott selbst will die Vernichtung des Lebens nicht mehr wiederholen. Selbst angesichts der Bosheit der Menschen, will er auf diese Möglichkeit nicht mehr zurück greifen.
Gott, der Gerechte, ist transformiert zu Gott, dem Liebenden. Er verpflichtet sich selbst durch den Bund mit Noah, seinem Impuls der Auslöschung von Leben zu widerstehen und den Lebensraum in seinen rhythmischen Ordnungen bestehen zu lassen.
Noah ist der Mann, der mit Gott wandelt (Gen 6,9). Er begleitet den Transformationsprozess Gottes wie ein Supervisor. Mit ihm schließt Gott den Vertrag, den Zerstörungsimpulsen nicht mehr zu folgen. Als sichtbares Zeichen setzt er den Regenbogen in die Wolken. (Gen 9,11–17)« (s. u. S. 98)
Es sind offensichtliche Parallelen vorhanden. Und das Lernen aus der Geschichte könnte folgendermaßen aussehen:
1. Die Ölflut soll der Menschheit zeigen, dass der Umgang mit dieser Ressource nicht in ihren Händen liegt.
2. Das endlose Ansteigen des Oil Spills zeigt den Menschen auf, dass sie gegenüber Naturressourcen machtlos sind.
Die Art der gottähnlichen Führung, welche Obama für sich reklamiert, kann nicht erfolgreich sein. Sie rüttelt nicht an den Grundannahmen. Er lässt sich zu sehr verstricken in der operativen Ebene. Dadurch wird er wirkungslos.
3. Eine höhere Macht erbarmt sich schließlich und schickt Rahmenbedingungen, welche auf natürlichem Weg bei der Lösung helfen. Wirklich Analysen bleiben aus. Dadurch ist auch der Lerneffekt nicht sehr nachhaltig. Man denkt, man hätte diese Krise noch einmal glimpflich hinter sich gebracht.
4. Es fehlt eine Figur wie Noah, der als Supervisor amten könnte. Obama, der diese Rolle potenziell einnehmen könnte, verstrickt sich im operativen Geschäft. Es zeigt sich auch, dass er nicht wirklich über die Kompetenzen spiritueller Führung verfügt.
5. Die schöpferische Instanz erbarmt sich der Menschheit im Golf von Mexiko und stoppt das Desaster selbsttätig.
Es wären also:
1. Das Abstimmen von Sicherheitsprozessen und »practical drift«, also eingeschliffenen Gewohnheiten.
2. Abstimmen von Sicherheitsbestimmungen mit Aspekten der Organisationsgesundheit. Offene Kommunikation basierend auf psychologischer Sicherheit und Vertrauen.
3. Die Einführung und Durchsetzung von Sicherheitsstandards.
Der Aspekt der Kommunikation wurde dadurch verbessert, dass der Britische CEO ersetzt wurde durch einen amerikanischen, der dann diese schwierigen Verhandlungen in Angriff nahm und dadurch mehr Akzeptanz erreichte.
Fehlerhaft war in der Handhabung des BP-Desasters sicher auch der Einfluss von Präsident Obama, der in populistischer Manier das nationale und das Qualitätsbewusstsein der Briten attackierte, indem er vorgab, dies wäre einer amerikanischen Firma wie Exxon kaum passiert. Die katastrophale und jämmerliche Handhabung des Wirbelsturms Kathrina durch den texanischen Cowboy-Präsidenten Bush zeigte das glatte Gegenteil.
Zum offiziellen Untersuchungsbericht (Wikipedia):
In January 2011 the White House oil spill commission released its final report on the causes of the oil spill. They blamed BP and its partners for making a series of cost-cutting decisions and the lack of a system to ensure well safety. They also concluded that the spill was not an isolated incident caused by »rogue industry or government officials«, but that »The root causes are systemic and, absent significant reform in both industry practices and government policies, might well recur«. After its own internal probe, BP admitted that it made mistakes which led to the Gulf of Mexico oil spill.
Aus aktuellem Anlass können wir diese sinnbildliche Geschichte durch ein zweites Beispiel ergänzen.
Fukushima und Japan: Wie ein Tsunami und eine atomare Katastrophe die Welt verändern
Im März 2011 erschütterte ein Erdbeben mit dem nie vorher erreichten Ausmaß von 9.0 auf der Richterskala den japanischen Graben vor Tokio. Den Tsunami mit Flutwellen von 23 Metern Höhe und einer Geschwindigkeit von 800 Kilometern pro Stunde zeigte der Fernsehsender CNN »fast in einer Live-Aufnahme« als Videos von Zeugen, die sichtbar machten, dass die Wassermassen nicht nur ganze Häuser, sondern auch riesige Schiffe wegrissen und unter Brücken durchspülten. Wenn es je eine Sintflut gegeben hat, muss sie so ausgesehen haben.
Zuerst gingen der japanische Reaktorbetreiber TEPCO und die politische Behörde davon aus, dass man die Katastrophe in den Griff bekommen könne. Neben den weggespülten Opfern des Tsunami, die man im Verlaufe der zurückkehrenden Tsunami-Welle fand, waren ganze Landesteile verschüttet. Nur die Freiwilligenarmee hatte Zutritt zu diesem Chaos.
Durch die Wucht des Tsunami waren sämtliche Sicherheitssysteme des Reaktors inkl. der Ersatzsysteme zur Kühlung ausgefallen. Die Brennstäbe begannen sich mit immer weniger Kühlwasser zu erhitzen und man versuchte zunächst, via Helikopter Meerwasser über die Kühltürme zu schütten.
Aufgrund der gezeigten Bilder wurde klar, dass vermutlich schon am zweiten Tag nach dem Tsunami die Kühlung ausgefallen war und heftige Explosionen die Reaktoren erschütterten. Experten aus aller Welt urteilten, dass es sich um einen Supergau, vergleichbar mit Tschernobyl oder noch größer, handeln musste. Der einzige Unterschied war, dass es sich in Japan um modernere Kraftwerke handelt, welche nicht mit Graphitstäben operierten. Dadurch wurde die Verstrahlung nicht in die hohe Atmosphäre geschleudert.
Die Information der Bevölkerung war dabei jedoch gänzlich ungenügend, und Beschönigungen und Verharmlosungen herrschten vor. Während man noch die kulturell bedingte Gleichmut der Japaner bewunderte, brodelte es allerdings mit Fortschreiten des Dramas hinter den Fassaden. Am Schluss begannen sich die Verantwortlichen von TEPCO zu entschuldigen für das, was sie der japanischen Nation angetan hatten.
Lebensmittel, Meerwasser und der Boden waren verstrahlt, und zwar zum Teil mit Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Brennstäbe lagen frei, während über 400 Liquidatoren versuchten, unter Einsatz ihres Lebens die Situation zu retten. Die Führung oder das Management verlor das, was man in einer Krise zuletzt verlieren kann: die Glaubwürdigkeit.
Auch hier kann man die Geschichte der Sintflut als paradigmatische Geschichte anführen und die Schlussfolgerung ziehen, dass wir die Technik und die Natur nicht im Griff haben. Erst mit vereinten Kräften aller Experten weltweit konnte schließlich die Katastrophe bewältigt werden.
»IPPNW-Unfallanalyse: Der Unfallablauf bis zum Eintritt der Kernschmelzen und sicherheitstechnische Schlussfolgerungen
Weltweit wird geglaubt, der Tsunami sei maßgeblich für den Super-GAU in Fukushima verantwortlich gewesen, doch er ist eingetreten, weil wichtige Hochdruck-Einspeisesysteme unabhängig von Tsunami-Schäden ausgefallen sind. Die vorliegende Unfallanalyse der IPPNW stützt sich auf offizielle Dokumente der japanischen Regierung und anerkannte Gutachterorganisationen der Atombehörden.
Am 11. März 2011 kam es im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nach einem Erdbeben zu einem Super-GAU. Weltweit wird der Legende geglaubt, ausschließlich der dem Erdbeben folgende Tsunami sei für die atomare Katastrophe verantwortlich gewesen. Denn: Die Ereignisse wurden von der Betreiberfirma Tepco und der japanischen Regierung so dargestellt, dass in der Öffentlichkeit als Ursache mehr der Tsunami und weniger das Erdbeben wahrgenommen worden ist. Dieser offensichtlich interessengeleitete Versuch einer Geschichts(um)schreibung geht an der Realität vorbei. Dies kann mit einer minutiösen Analyse der Geschehnisse nachvollzogen werden.
Der Super-GAU ist eingetreten, weil wichtige Hochdruck-Einspeisesysteme unabhängig von behaupteten Tsunami-Schäden ausgefallen sind. Die Tsunami-Wellen wurde mit 14 Metern deutlich höher dargestellt als sie vermutlich war. Es fehlen Beweise für die behaupteten Überflutungen in der angegebenen Höhe und für die Schäden an sicherheitstechnischen Einrichtungen. Zudem wurde mit unzureichender räumlicher Trennung, Redundanz und Diversität das Einmaleins der Reaktorsicherheit sträflich missachtet.
Die vorliegende Unfallanalyse der IPPNW stützt sich insbesondere auf offizielle Dokumente der japanischen Regierung und anerkannte Gutachterorganisationen der Atombehörden. Diese wiederum bezogen ihre Informationen fast ausschließlich von der Betreibergesellschaft Tepco. Jenseits von verschleiernden Darstellungen und des Unterschlagens von wichtigen Informationen etwa zur Ursache von Komponenten und Systemausfällen enthalten die offiziellen Berichte brisante Informationen, die eine Rekonstruktion der Unfallabläufe näherungsweise erlauben. Diese Rekonstruktion stellen wir vorbehaltlich der Annahme, dass die von Tepco gelieferten Informationen und Daten den tatsächlichen Abläufen entsprechen.
Die IPPNW-Analyse zeigt, dass das Erdbeben als ›auslösendes Ereignis‹ in Kombination mit einer defizitären sicherheitstechnischen Ausstattung zum Super-GAU geführt hat. Es gab in Fukushima beispielsweise nur eine geringe Zahl an Sicherheits(teil)systemen (Redundanzen) und eine unzulängliche räumliche Trennung der Systeme.
Auf der anderen Seite erwies sich die Ausstattung mit passiven bzw. nur mit Dampf und Batterien betriebenen Sicherheitssystemen in Fukushima als Vorteil, etwa gegenüber den in Deutschland noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken. So verfügten die stillgelegten älteren Siedewasserreaktoren ebenso wie der stillgelegte deutsche Druckwasserreaktor Biblis A noch über dampfgetriebene Einspeisesysteme. Die derzeit in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke hingegen nicht.
Es gibt weltweit zahllose Atomkraftwerke, deren Sicherheitssysteme erbebenanfällig sind. Häufig fehlen zudem ausreichend vorgehaltene Kühlwassermengen, notwendige Stromversorgungssysteme und deren räumliche Trennung und Flexibilität im Notfall.
Eine weitere Lehre aus Fukushima ist, dass Atomkraftwerke noch lange nach erfolgreicher ›Abschaltung‹ unvorstellbar gewaltige Wärmemengen produzieren, die bei nur kurzer Unterbrechung der Kühlung zwangsläufig zur Überhitzung des atomaren Kerns führen. Die Folge ist eine massive Freisetzung extrem gefährlicher radioaktiver Partikel in die Umgebung, die vom Menschen über die Luft, Trinkwasser und Nahrung aufgenommen werden können. Damit drohen gesundheitliche Folgen auch für kommende Generationen.«
Henrik Paulitz, Atomenergieexperte der IPPNW
Reinhold Thiel, Mitglied des Vorstandes der IPPNW
Wie sähen Lösungen aus?
Einmal mehr zitieren wir Schein (2012 unv.)
»The nearest thing to a ›solution‹ to such intercultural problems is Amy Edmondson’s (2012) concept of ›teaming,‹ the team learning together, combined with my concept of doing this in a ›cultural island‹ setting. By a cultural island I mean a setting in which cultural rules can be temporarily suspended so that how different team members deal with authority can be examined and new shared norms developed. Before they get into a work situation the team members must be able to explore the communication norms that they have grown up with, share their different views in a safe environment, and find accommodations that they can all live with. Pre-knowledge of the cultures involved will be less important than a safe practice field or simulation setting and a facilitator who can open up the tricky authority norms and help the team to deal with them.
Preselecting team members in terms of competences and personality will still play a role, but the ability of the team to learn together will be the major factor. So as health care leaders begin to plan their various change programs, factoring in time for teaming will be necessary. Facilitating the dialogues in cultural islands will provide more than enough challenges to process consultants as we look ahead.« (p. 309)
Dies würde also heißen, dass wir zu einer Führung im Team kommen, wo die besten Kernkompetenzen gebündelt werden können. Das Vertrauen ins Team ist natürlich schwierig in einer Kultur, die letztlich auf Wettbewerb und Konkurrenz setzt.
Schein (2012, unv.)
»And, speaking of cultures, will the U.S. have a particular problem because of our ambivalence about groups and meetings. On the one hand, our pragmatism makes heroes out of groups that collaboratively get a job done such as effective sports teams, but at the same time we prefer to glorify the individual heroes on the team and point out how ineffective meetings are and how groups are bad because they diffuse responsibility. I have been astonished in my own consulting how ineffective senior executives are in running meetings and working effectively with their own subordinates. They call it a team but treat each subordinate as an individual competitor for the boss’s job. I actually heard a CEO say to his group, »Now I want you all to work together as a team, but don’t forget that you are all competing for my job.‹
Whether we like it or not, we are a deeply individualistic competitive culture and may have as yet unknown difficulties ahead as we encounter the more communitarian groupist cultures of other countries such as China.« (p. 309)
Wir wollen in unserem Buch aufzeigen, dass Führung und oberste Führungskräfte in einer Glaubwürdigkeitskrise stecken und dass ein neues Verständnis von Führung notwendig ist. Die Führungsaufgabe ist eng verbunden mit der Fähigkeit zur Veränderung und Transformation. Was weithin bei Führungskräften und Transformationsprozessen fehlt, ist die Inspiration. Wir zeigen auf, dass neue Entwicklungen in Organisationen und in der Gesellschaft weltweit im Gange sind, welche Inspiration erfordern.
Führung wird neu umschrieben mit Wahrnehmungsfähigkeit von zukünftigen Möglichkeiten. Organisationen selbst sollten Orte werden, wo Inspiration möglich ist und wo zukünftige Lösungen nicht nur aus der Vergangenheit entwickelt werden. Hier lassen wir uns durch Claus Otto Scharmer inspirieren.
Führung beinhaltet neu die Kernkompetenz des Helfens (Ed Schein 2010) und der Unterstützung, und zwar in der Selbststeuerung als auch in der Unterstützung von Mitarbeitern. Führung wird als Führungssystem und als »Inspirierte Führung« vorgestellt. Dies geht von der Grundthese von David Kantor aus, dass kein »Leader« alle Aspekte seiner Organisation abbilden kann. Entsprechend kann auch die Organisation nicht durch den gleichen »Leader« durch alle Phasen der Entwicklung geführt und gesteuert werden.
In einem zweiten Teil (von Britta Schönberger) stellen wir dar, wie Veränderung und Transformation heutzutage verstanden und in einem spirituellen Kontext gesehen werden kann: Transformation und Theorie U aus spiritueller Sicht. Diese Darstellung stammt für den Leser vorerst aus einem anderen Kontext, kann aber vollumfänglich auf Management übertragen werden.
Wir stellen als Hauptorientierung die von Claus Otto Scharmer vorgestellte und maßgebliche Theorie U vor, die er auf einem anthroposophischen und wissenschaftlichen Hintergrund aus der Forschung von über 150 Führungskräften in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Diese wird um den spirituellen Hintergrund von Transformationsgleichnissen erweitert. Bilder zu Veränderungsprozessen und Transformation aus dem spirituellen (religiösen) Hintergrund werden vorgestellt. Spiritualität unterscheidet sich hier von Religion, indem sie eine Erfahrung und nicht ein Glaubenssystem ist.
Dadurch werden Führung und Veränderung angereichert. Es wird aus der Diskussion heutiger Veränderungsanlässe deutlich, dass die spirituelle Dimension von Führung und Organisation vielfach fehlt. Diese Ansätze wurden bereits mit der Zielgruppe von Managern erfolgreich angewandt. Wir gehen ebenfalls der Frage nach, inwieweit die heutige Glaubwürdigkeitskrise der obersten Führungskräfte durch einen Mangel an spirituellen Grundlagen entstanden ist und wie Veränderungsprozesse nachhaltiger gestaltet sein könnten.
In diesem Kontext wird auch die Rolle des »Helfens als Kernkompetenz von Führungskräften und Beratern« (Schein 2010) beleuchtet. Ein Fallbeispiel aus der Organisationsentwicklung illustriert diese Ansätze konkret.
In einem weiteren Teil wird die Rolle des Intravisors vorgestellt, eines Prozessberaters mit einem größeren Abstand zur Organisation. Er hat die früher in historischen Kontexten bekannte Rolle des »Propheten« inne mit der Aufgabe, in der Organisation die Aspekte und Themen zu sehen und anzusprechen, welche die im operativen Geschäft gebundenen Manager nicht sehen können. Dies entspricht in der von uns vorgestellten »Leadership«-Typologie (nach Kantor) dem Exit Leader.
Im vierten Teil »Organisationsentwicklung und Transformation: Führung für die Zukunft« wenden wir diese Überlegungen auf das Coaching von Transformationsprozessen an, wo der persönliche Entwicklungsprozess des Managers mit der Entwicklung seines Organisationskontexts verbunden wird. Coaching krankt ja öfters daran, dass es als rein persönliche Begleitung einer Führungsperson verstanden wird. Eine zentrale Dimension ist die Zukunftsfähigkeit von Führungskräften. Die Führungskräfte und die Organisation als Ganzes entwickeln sich in die Zukunft. Sabina Schoefer: Wir sind, also ist Zukunft. In diesem Teil wird der bekannte Ansatz des »Preferred Futuring« von Larry Lippitt vorgestellt. Dieser ist Grundlage aller bekannten Großgruppenmethoden.
Wie immer ist auch dieses Buch nicht ohne die Mithilfe meines weltweiten Netzwerks möglich gewesen. Zuerst bedanke ich mich bei meinem Staff im Trias Institut, der zum Teil über 20 Jahre die Treue hält und mit seinem Commitment seinen Beitrag leistet für eine hochprofessionelle Weitergabe unseres Handwerks und unserer Kunst, allen voran den Mentoren Edgar Schein vom MIT, Peter Senge, Claus Otto Scharmer, George Roth (alle MIT), Chris Argyris (Harvard, † im Herbst 2014) und Fred Massarik von UCLA (†), meinem Ausbildungsstaff von Trias sowie Sabina Schoefer, Sylvia Böcker, Wolfgang Looss; Susanne Kempken, den Lehrsupervisoren Brigitta Marti und Ruedi Karlen; dann Jane Salk von der UT Dallas, Frank Wolff aus Paris, Wolfgang Weber von der Uni Innsbruck, Padmakumar Nair von der Thapar University in Indien, Karin Vey von IBM Research, den Redaktionsmitgliedern von Profile, den Dozenten von »Trias in Boston« wie Carolyn Lukensmeyer aus Washington, Kathie Dannemiller (†) und David Kantor aus Boston.
Besonders inspirierend waren Gespräche anlässlich der Academy of Management 2012 in Boston, die ich zusammen mit Sylvia Böcker mit Ed Schein und David Kantor führen konnte. Ebenso das Panel über »Führung und Kunst« mit Ian Sutherland von IEDC Bled und Nancy Adler. Hier kamen neu dazu die extrem spannenden Gespräche mit Usman Ghani von der UT Dallas, mit dem mich eine Zusammenarbeit in einem spannenden Leadership Programm und eine gemeinsame Begeisterung mit den Grundwerten von OE verbindet.
Dankenswert auch die Jubiläumsausgabe (22) von Profile, die Sylvia Böcker und Sabina Schöfer für mich herausgegeben haben. Dort werden unsere Lernwege der letzten 30 Jahre beschrieben.
Für die gute Unterstützung danke ich natürlich auch Andreas Kohlhage von der EHP, der uns allen ermöglicht, unsere Ideen und unser Werk einer breiten Leserschaft zugänglich zu machen.
Für gute Lernprozesse danken wir den vielen Teilnehmern von Ausbildungsgruppen, die wir seit über 20 Jahren begleiten, und natürlich den Kunden von Firmen und Institutionen, wo wir dies alles anwenden und entwickeln können. Lassen Sie sich also inspirieren. Wir sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen.
Dieses Buch widme ich Daniela Stöcklin als Dank für ihre Liebe, für ihre Einblicke in die Psychosynthese und als Dank für die Seelenbegleitung in meiner schwersten Transformation (Gerhard Fatzer), zudem unserem Freund Edgar H. Schein, der mich großzügig unterstützt hat.
Führung und Veränderung – auf dem Weg zum Führungssystem
Gerhard Fatzer
1. Führung und Veränderung für unsere Zeiten – von der »inspirierten Führung zum Führungs-System«
Angesichts der allgemeinen Krise in Organisationen, die ihren Höhepunkt in der Finanzkrise des kapitalistischen Systems im Jahre 2009 fand, sind Führung und die Führungskräfte selbst in eine Krise geraten. Primär handelt es sich um eine Glaubwürdigkeitskrise, in deren Verlauf vor allem in den USA das Wort »CEO« (Corporate Executive Officer oder Konzernchef) direkt nach dem Wort »Drogenhändler« zum Schimpfwort wurde. Wir nennen hier als Extrembeispiele für Krise den Zusammenbruch von Enron, dessen oberster Führungsverantwortlicher zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, der Lehman Brothers als einem der wichtigsten Investmenthäuser der Welt, und die Krise der Schweizerischen Grossbank UBS, welche nur durch Staatsintervention gelöst werden konnte und in deren Verlauf der Konzernchef vom Helden zur Unperson wurde.
Wie kann es kommen, dass frühere Helden, denen das Publikum und die Aktionäre mit Staunen zuschauten, wie sie die Spielarten des Wirtschaftssystems, das Streben nach immer grösserem Profit, öffentlich inszenierten, so tief stürzen können?
Was hat dies auch mit der Verbindung zu Heldengeschichten zu tun, deren Ideale sich in »Luft« auflösen?
Wenn Organisationen in eine Krise geraten, können sie sich der Entscheidung stellen, das komplexe Netz ihres Niedergangs zu betrachten oder ihre Hoffnungen auf einen Helden zu setzen, der sie von allem retten wird. Wie der große Wechsel an obersten Führungskräften in den letzten Jahren zeigt, ist die Figur des »weißen Ritters« oder des »Superman« das Universal-Heilmittel. Dabei liegen, angesichts systemischer Ursachen der Probleme, die gegenwärtigen Zeitspannen, in denen Konzernchefs in ihrer Position ausgewechselt werden, bei weniger als zwei Jahren.
Vermutlich ist es das Hineinwirken dieser herausfordernden Mythen oder Märchen, welche uns hartnäckig an solche Heldenfiguren glauben lässt. Wie allerdings die Erfahrung immer und immer wieder gezeigt hat, können solche Helden-Führungskräfte selten die in sie projizierten Erwartungen erfüllen. Was ist, wenn das Problem nicht in der Person liegt?
Scharmer (2010, 92) beschreibt Führung als »Führung vor der leeren Leinwand«.
»Führung unterscheidet sich von Management darin, dass es darum geht, den größeren Kontext zu sehen und weiterzuentwickeln.
… Die drei Phasen lassen sich gut im Bereich Führung nachvollziehen. Die erste Phase ist eindeutig. Die Aufgabe von Führung ist es, eine klare Richtung vorzugeben und dann die Durchführung der Anweisungen zu kontrollieren …
In dieser zweiten Phase mussten Führungskräfte lernen, Mitarbeiter in der ganzen Organisation in den Zielsetzungs- und Richtungsfindungsprozess einzubeziehen.
Heute lässt sich eine dritte Phase wahrnehmen. Führung heißt jetzt, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Menschen in einer Organisation inspiriert sind, d. h. dass sie beginnen, von einer anderen Energie oder von einem anderen Ort her zu handeln.
… Der Moment vor der leeren Wand wird Individuen oder Gruppen die Quellen der Inspiration, Intuition und Imagination erschließen.«
Was, wenn das Problem im Führungsmodell liegt, weil man davon ausgeht, dass Führung durch eine einzelne Person wahrgenommen wird? Was ist, wenn keine einzelne Person die Komplexität und die Herausforderungen der modernen Organisation meistern kann? Die Erwartungen an die Führungskräfte steigen ins Unermessliche. »Abstürze« sind programmiert. Wieder Scharmer (ebd., 98):
»Was fehlt, sind institutionenübergreifende Orte, an denen produktive Gespräche mit allen Hauptakteuren eines in Frage stehenden Systems möglich sind. Das ist der heutige strukturelle blinde Fleck. Der andere blinde Fleck betrifft das Thema Führung, dass wir nicht wissen, wie wir gemeinsam führen können, wenn die alten Strukturen und Prozesse um uns auseinander- und zusammenbrechen.«
Mit anderen Worten, wenn »inspirierte Führung« nötig ist. Dies geht im gesellschaftlichen Bereich einher mit einer »Revolution von innen«: Das Entstehen der Zivilgesellschaft als globale Kraft, das Entstehen einer neuen und weltweiten kreativen Klasse und das Entstehen eines neuen Umgangs mit Spiritualität.
»Spiritualität kann als Quelle von Kreativität beschrieben werden. Damit unterscheidet sich Spiritualität von Religion, indem sie eine Erfahrung und nicht ein Glaubenssystem ist.« (ebd., 102)
Dies geht einher mit der größer werdenden Akzeptanz erfahrungsorientierter Praktiken in Führungsetagen (Fatzer 2011). In diesem Sinne sind auch die folgenden Teile dieses Buches zu lesen: nicht als Transformationsgeschichten und Inspirationen aus dem religiösen Bereich, sondern als Quellen spiritueller Inspiration.
Lassen Sie sich durch die andersartige Sprache und die andersartigen Bilder nicht befremden, sondern inspirieren. Es zeigt sich, dass wir Führung neu sehen müssen, als »inspirierte Führung« und als »Führung nicht durch eine einzelne Person, sondern durch ein Führungssystem«. Wichtig ist auch, dass Führung, wie Scheins Modell zeigen wird, durch die Entwicklungsphasen der Organisation geprägt ist. Führung in der Pionierphase sieht anders aus als Führung in einer Differenzierungsphase einer Organisation.
Ein neues Modell von Führung: Von der Führung zum Führungssystem
In den letzten Jahren sind viele Versuche gemacht worden, das Phänomen der Führung eingehender zu beschreiben. Viele der Versuche haben in »terrible simplifications« oder in »Quick Fixes« geendet. Wir wollen dazu etwas komplexere Sichtweisen vorstellen, die wir in Zusammenarbeit mit unseren langjährigen amerikanischen Partnern Edgar H. Schein (2010) und David Kantor (2010) entwickelt haben.
In den »vier Gesichtern der Führung« hat Edgar H. Schein gezeigt, dass Führung je nach Entwicklungsphase einer Organisation anders aussieht. Er hat diese Überlegungen das erste Mal an unserem Trias Kongress »Transition and Transformation« vorgestellt und im Buch »Führung und Veränderungsmanagement« (2009) beschrieben.
Der Manager oder die Führungskraft prägen die jeweilige Kultur eines Unternehmens. Führung in der Pionierphase, in der Differenzierung, im Aufbau und in der Reifephase sehen jeweils anders aus. Zudem prägen unterschiedliche »Karriere-Anker« (Schein 2009) die jeweiligen Führungskräfte in den jeweiligen Entwicklungsphasen. Er hat dies eindrücklich an den Lerngeschichten von Ken Olsen und Digital, von Ciba Geigy und von Con Edison gezeigt. Er kommt aufgrund dieses reichhaltigen Materials zu der Schlussfolgerung, dass Führungskräfte drei Kernkompetenzen brauchen: Die Beobachtungsgabe eines Ethnologen, die Interventions- oder Verhaltensmöglichkeiten eines Familientherapeuten und die Kreativität eines Künstlers. Entsprechend kann eine Organisation nicht über längere Zeit nur von einer Person gesteuert werden.
Schein (2009) entwickelt unterschiedliche Führungsmodelle:
FÜHRUNG PHASE 1: AUFBAU EINER NEUEN ORGANISATION
• FÜHRUNGSKRAFT ODER GRÜNDER ALS KULTURSCHÖPFER
• KARRIEREANKER UNTERNEHMERISCHE KREATIVITÄT
• WERTE UND ANNAHMEN DES GRÜNDERS WERDEN ZUR BASIS DER NEUEN KULTUR, WENN DIE ORGANISATION ERFOLGREICH IST
• DAHER SOLLTEN SICH GRÜNDER, DIE EINE NEUE ORGANISATION SCHAFFEN, DER ART DER KULTUR BEWUSST SEIN, DIE SIE SCHAFFEN
FÜHRUNG IN PHASE 2: MANAGEN VON WACHSTUM UND ALTER
• VON »FACE TO FACE«-FÜHRUNG ZU MANAGEMENT-SYSTEMEN VON BELOHNUNG UND KONTROLLE
• KARRIEREANKER »GENERAL MANAGEMENT«
– ANALYTISCHE KOMPETENZ
– INTERPERSONELLE KOMPETENZ
– EMOTIONALE KOMPETENZ
– INTERESSE AN FINANZIELLER GESUNDHEIT UND EFFIZIENZ
FÜHRUNG PHASE 3: MANAGEN VON KULTURVERÄNDERUNGEN
• VERÄNDERUNG IN GANG SETZEN DURCH DEN EINSATZ DER BESTEHENDEN KULTUR, UM IHRE DYSFUNKTIONALEN ELEMENTE ZU ÄNDERN
• VERSTEHEN DER DYNAMIK VON WANDEL UND DES VERÄNDERUNGSPROZESSES UND DER ROLLE VON FÜHRUNG
• KONZERNCHEF ALS REPRÄSENTANT DES WILLENS ZUR VERÄNDERUNG
– DIE QUELLE DES »AUFTAUENS«, DIE UNBESTÄTIGTE INFOS VERMITTELT. -› INDUZIEREN VON ÜBERLEBENSANGST
– ARTIKULATION VON NICHT VERHANDELBAREN VERÄNDERUNGSZIELEN -› SCHAFFT LERNANGST
• DER FÜHRUNGSVERANTWORTLICHE ALS REPRÄSENTANT VON LERNEN -› REDUZIERT LERNANGST
– ZEIT UND RESSOURCEN FÜR LERNEN ZUR VERFÜGUNG STELLEN
– MÖGLICHKEITEN ZUR ANWENDUNG DES GELERNTEN IM LERNPROZESS BIETEN
– NEUE BELOHUNGSSYSTEME, KONTROLLEN UND STRUKTUREN ZUR UNTERSTÜTZUNG DES NEUEN VERHALTENS ZUR VERFÜGUNG STELLEN
• FÜHRUNGSKRAFT, DIE DIE GEFORDERTE KONTINUITÄT BIETET, UM DAS ERLERNTE ZU FESTIGEN, SO DASS DER LERNPROZESS IM GESAMTEN SYSTEM STATTFINDEN KANN
• KARRIEREANKER VON SICHERHEIT UND STABILITÄT
PHASE 4: FÜHRUNG AUS DER MITTE
• FÜHRUNGSKRÄFTE DER MITTLEREN EBENE ALS »LÖSER« VON SUBKULTURELLEN KONFLIKTEN
• DAS PROBLEM DER »PRAXISDRIFT« IN ALLEN GESCHÄFTSBEREICHEN
• FÜHRUNG ALS INFORMATIONSSAMMLUNG UND -ÜBERMITTLUNG
SCHLUSSFOLGERUNGEN
• ES GIBT KEINEN ALLGEMEINGÜLTIGEN FÜHRUNGSSTIL
• WAS FÜHRUNGSKRÄFTE TUN MÜSSEN, HÄNGT VON DER JEWEILIGEN ORGANISATIONSSITUATION AB
• WAS GUTE FÜHRUNGSKRÄFTE UND VERÄNDERUNGSMANAGER HABEN MÜSSEN, IST:
– DIE FÄHIGKEIT, WIE EIN ANTHROPOLOGE ZU DENKEN
– DIE INTERVENTIONSFÄHIGKEITEN EINES FAMILIENTHERAPEUTEN
– DIE KREATIVEN INSTINKTE EINES KÜNSTLERS
Hier taucht erstmals die Idee eines Führungsteams auf, wie sie später von David Kantor (2010) ausgeführt worden ist.
Noch radikaler ist die Idee von Schein, dass Helfen die neue Kernkompetenz von Führungskräften und guten Prozessberatern ist. Dies ist in seinem Buch »Helping« (2009, dt. 2010) beschrieben. Hier führt er aus, wie die Führungskraft zum Prozessberater wird und welche Dilemmata sie dabei erlebt.





Das Dilemma des Helfens
Interessant und weiterführend sind auch die Betrachtungen und Forschungen von Barbara Kellerman (2009 und 2005), die sie bei unserer Trias Konferenz 2009 unter dem Stichwort »Followership« präsentierte. Grundsätzlich ist Führung in vielen Fällen schlechte Führung, wie das gleichnamige Buch Bad Leadership zeigt. Hier werden, vor allem abgeleitet von politischen Figuren, Merkmale schlechter Führung gezeigt.
Eigentlich aber sind Gefolgsleute viel wichtiger, und das Phänomen Führung kann erst durch die Rolle der »Followers« genügend erklärt werden. Gute Führung kann nur dann funktionieren, wenn Führungsverantwortliche durch ihre Mitarbeiter unterstützt werden (und umgekehrt). Dies sieht man insbesondere bei politischen Wahlen oder Umwälzungen.
Trotz dieser grundlegenden Überlegungen auch weiterer Autoren wie Jim Collins, Howard Gardner und Heifetz stellt jedoch immer noch eine bestimmte Führungsgestalt, nämlich der charismatische Manager oder Held, das Idealbild von Mitgliedern von Stiftungsräten, Kirchenbehörden, Verwaltungsräten, Bildungsinstitutionen oder ehrenamtlichen Gremien dar.
2. Führung von der Person zur Führung im System1
Stattdessen plädieren wir für ein »Führungs-System«, das die Kernkompentenzen »Guter Führung« in die Hände eines ganzen Teams legt. Was sind die Fähigkeiten eines Führungs-Systems?
• Es umfasst eine breitere Palette von Führungsstilen und -fähigkeiten im Dienste der Organisation.
• Die Organisation wird widerstandsfähiger und adaptiver gegenüber unvermeidbaren Schocks und Turbulenzen.
• Die Mitglieder des Führungs-Systems agieren authentischer und wirkungsvoller
• Die Last der Führung der Organisation ist verteilt innerhalb einer Gruppe von gut miteinander vernetzten Individuen
• Die Führungsverantwortlichen sind verantwortlich für gemeinsame »Checks and balances«
2.1 Das »Leadership« System: Führung als Team oder Systemfunktion
Führung, wie wir sie hier vorstellen, basiert auf Lateralität und kollektiver Autorität statt personeller Hierarchie. Es ignoriert die Notwendigkeit für Hierarchie nicht, da die Qualität von Führungsentscheiden, vor allem in kritischen Situationen, eine Konzentration auf wenig Personen erfordert. In diesem System wird erwartet, dass jeder der unterschiedlichen Führungsverantwortlichen periodisch nach vorne tritt, wenn die Umstände oder die Situation es erfordern. Ed Schein hat in seinem Führungsmodell der Kulturentwicklung ausgeführt, dass je nach Situation der eine oder andere Führungsverantwortliche geeigneter ist. Dies hat auch mit Fähigkeiten und Karriereankern zu tun.
Die Mitglieder des Führungsteams arbeiten kollaborativ, teilen die Macht, antizipieren und steuern Organisationskrisen und bringen ihre persönlichen und kollektiven Stärken ein, um Organisationsthemen anzugehen.
Ein Führungssystem ist sehr anders beschaffen und unterscheidet sich vom heroischen Modell der Führung in mindestens vier wichtigen Bereichen:
1. Wie die Mitglieder sich selbst und ihre Rollen sehen
Ein Führungssystem ist kein Führungsteam, wo jedes Mitglied die Verantwortung für das Management eines Teils der Organisation übernimmt. Es ist stattdessen ein Team von Führungsverantwortlichen, die kollektiv die Verantwortung für die gesamte Organisation übernehmen. Die Teammitglieder sind diesem Konzept verpflichtet und sehen sich selbst diese systemische Führungsrolle spielen.
2. Seinen Umfang an Fähigkeiten
Das Führungssystem ist ein Team von »Leaders«, welche durch Training und Design die Fähigkeiten für fast jede wahrnehmbare oder mögliche Organisationsherausforderung besitzen. Dazu gehört im Sinne von Scharmers Führungsverständnis auch die Wahrnehmung offener Situationen und ein Bewusstsein für die systemisch bedingten Blindheiten oder »Blind Spots« der Organisation. Diese wird in den acht Systemarchetypen und in der Grundfähigkeit des »Systems Thinking« eingeübt.
Sie umfassen eine Reihe von Intelligenzen – rationale, emotionale, moralische, soziale und strukturelle. Sie sind trainiert und eingeübt im Führen von Gesprächen über schwierige Themen, und zwar in einem produktiven Sinne. Die meisten Führungssituationen scheitern unter anderem darin, dass Gespräche defensiv sind und nicht weiterführend. Dies kann man aufzeigen bei der Untersuchung von Restrukturierungen, welche gescheitert sind. Ed Schein hat dazu bemerkt, kritisch sei in Organisationen und Führungssituationen, dass »die Kommunikation von unten nach oben in der Organisation« fehle und darum die Organisation defensiv und lernunfähig sei. Chris Argyris hat dies mit dem Konzept der »Eingeübten Inkompetenz« und der »Defensiven Routinen« beschrieben (Argyris in: Fatzer »OE für die Zukunft«).
Sie haben gelernt, systemisch zu denken und werden zu »Meistern der systemischen Wahrnehmung« ihres Unternehmens. Während sich ihre Organisationen entwickeln, wissen die Teammitglieder des FührungsSystems, wie alle wichtigen Teile, nämlich Prozesse, Schlüssel-Teams, verschiedene Abteilungen und die Position und Funktion, innerhalb des Systems funktionieren und mit den guten oder schwierigen und kranken Wirkungen zusammenhängen. Sie können sich auf das Gesamt-System fokussieren, sehen, wie es funktioniert oder nicht funktioniert und sie können korrigierende Aktionen entwerfen.
Mitglieder des Führungssystems sollten ein breites Repertoire von Aktionen, operativen Stilen, Problemlösungstechniken, Gebrauch von Sprachen und Arten der Zusammenarbeit haben.
3. Sein Platz innerhalb des Organisations-Designs
In seiner reinen Form sieht das Führungssystem innerhalb der Organisationsarchitektur neu und innovativ aus. Während ein traditionelles Führungsteam dem CEO gegenüber in einer direkten Kommunikationslinie berichtet, ist das Führungssystem so konzipiert, dass es die Organisation kollektiv und systemisch führt.
4. Seine kollektive Intelligenz
Wegen all dieser Eigenschaften – einer unterschiedlichen Identität, einer breiteren Anzahl von Fähigkeiten, eines neuen Organisationsdesign, gekoppelt mit einem intensiven Training, wie man effektiv in einem Führungssystem arbeitet, entwickelt das Team ein »Amalgam«, das ihm erlaubt, weit effektiver und auf einem höheren Level zu funktionieren. Es entwickelt eine kollektive Intelligenz, einen Zustand, wo das Ganze wirklich mehr ist als die Summe seiner Teile. Es ist so, dass das traditionelle »Executive Team« eine Form darstellt, das Führungssystem eine andere.
Wir glauben, dass ein Führungssystem in dieser Form effektiver wäre im Umgang mit den vielen komplexen Herausforderungen, vor denen Organisationen gegenwärtig und zukünftig stehen.
2.2 Fünf Führungs-Pfade
In unserer Vorstellung eines Führungssystems existieren fünf Typen von Führungskräften, welche das vollständigste und wirkungsvollste »Leadership«-System repräsentieren und bilden. Wir nennen sie die fünf Führungspfade. Jeder von diesen Führungstypen nutzt natürliche Eigenschaften, welche ein wirkungsvolles Gesamtsystem konstituieren. Jeder der Pfade macht wichtige Beiträge zur Gesundheit und zum Erfolg der Organisation. In unserem Modell sind für ein gut funktionierendes Führungssystem alle Führungstypen erforderlich:
– der Performance »Leader«
– der Vision »Leader«
– der Weisheits-»Leader«
– der Citizen »Leader«
– der Exit »Leader«
Der »Performance Leader«
Dieser Führungsverantwortliche ist der Wächter des Unternehmensprofits. Er hat die kurzfristigen Ziele vor Augen. Er versucht den Weg der ökonomischen Leistungsfähigkeit zu beschreiten und die kreative Spannung zwischen kurz- und langfristigem Denken und Handeln nicht aus den Augen zu verlieren. »Performance Leader« sind nicht nur wegen ihres Charismas und ihrer Leistungsfähigkeit erfolgreich. Weil sie erfolgreiche Resultate in ihren Bereichen liefern (Jack Welch von General Electric ist ein hervorragendes Beispiel), haben solche Führungskräfte viele Anhänger. Sie werden als Kulturhelden gesehen, welche das Recht auf »Followers« verdient haben.
Spezielle Eigenschaften
– Der Performance Leader trägt das Unternehmen mit seiner hohen Energie;
– demonstriert Vertrauen in Umgang mit Macht und Situationen mit hohen Risiken;
– kann entschieden reagieren, selbst unter Druck;
– tut, was er verspricht, und ist in hohem Maße loyal;
– ist willens, Risiken zu tragen und hinter schwierigen Entscheidungen zu stehen und volle Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen;
– ist ehrlich gegenüber schwierigen Entscheidungen und Verlässlichkeiten;
– ist hoch kompetitiv;
– kann Abstand nehmen von Gier und persönlichen Vorteilen;
– kann eine »Krisen-Mentalität« entwickeln und immer wieder neue Herausforderungen schaffen;
– geht das hohe Risiko des »Burn Out« ein;
– neigt dazu, sich auf symptomatische Aspekte oder »Quick Fix«-Lösungen zu konzentrieren;
– kann autoritär werden, wenn er glaubt, er sei es nicht.
– Fast alle Führungskräfte beginnen ihre Karriere als Performance Leaders. Es ist ein »Rite de Passage« in die nächste Führungsrolle hinein.
– Einige Führungskräfte mögen auch einen der vier anderen Wege auswählen.
Der »Visions Leader« oder der Führungsverantwortliche für die Vision
Der Visions Leader ist der Futurist der Organisation. Er kombiniert seinen tiefen Glauben an die Vernunft mit einem ebenso tiefen an die Intuition. Mit dieser zweifachen Vision ist er imstande, seine persönlichen und organisationalen Grundannahmen, Leitgedanken und Richtungen für die Veränderung – ökonomischer, industrieller, finanzieller und organisationsbezogener – Art zu formulieren, so wie es sich wenige nur vorstellen können.
Von all den Führungstypen ist der »Vision Leader« derjenige, der die größten Fähigkeiten hat, die eigenen und organisationalen »Paradigmen« zu verändern, indem er wahrnimmt, wie das, was ist, anders sein könnte. Er hat die Fähigkeit, über das Denken nachzudenken und hat einen großen Hunger nach Ideen.
Indem er seine Vision von dem, was aus der Organisation werden könnte, formt und immer wieder neu formt, lädt dieser Führungstyp Beiträge von allen Seiten innerhalb und außerhalb der Organisation ein, und er sorgt dafür, dass der Zugang zu ihm leichtfällt. Mit einer starken und klaren Stimme sagt der Vision Leader »Ich sehe sehr klar, in welche Richtungen wir gehen müssen. Und er hat den Mut, mit seiner Überzeugung zu gehen.
Der Vision Leader sieht Möglichkeiten für die Zukunft, welche andere nicht sehen, unterstützt durch seine Fähigkeit, vorwärts und rückwärts zu pendeln zwischen Vergangenheit und Gegenwart als eine Form, seine Intuition für die Zukunft anzuleiten.
Die Achillesferse dieses Leaders ist seine Faszination von der Zukunft. Indem er seinen Blick nach vorne richtet, kann er manchmal unbequeme Aspekte der Gegenwart vernachlässigen. Der Vision Leader stützt sich daher stark auf andere Führungsverantwortliche, um eine nachhaltige Organisationszukunft aufzubauen, die er, oft als Einziger, detailliert sieht.
Der »Weisheits«-Leader oder der Führungsverantwortliche für die spirituellen Dimensionen.
Der »Wisdom Leader« ist der Wächter der spirituellen Essenz der Organisation, seiner Daseinsberechtigung. Er kann artikulieren, was diesen Ort »ausmacht«, und er inspiriert andere mit seinem Engagement und seinen Werten. Als derjenige, der am meisten auf die Werte und spirituellen Aspekte der Organisation konzentriert ist, nimmt er seinen Standpunkt ein, wenn er mit Zynismus über die »weichen Aspekte der Organisation« konfrontiert ist. Er ist mutig und stellt Fragen wie: »Was ist der Sinn von Arbeit? Was ist der Sinn des Lebens? Ist unsere Werteorientierung nachhaltig und verlässlich?
Er hat eine passive und eine aktive Seite, und er kann sie in Balance halten. Auf der passiven Seite kann er sich zurückhalten, eine Aktion in Gang zu setzen, wenn Mitarbeiter mit einem Reflex reagieren. Auf der aktiven Seite kann er andere durch eine Wildnis von Ambiguität und Unsicherheit führen. Beides hängt davon ab, wie gut er mit Paradoxien umgehen kann. Der Führungsverantwortliche für Weisheit hat eine »Sowohl- als-auch«-Perspektive. Er kann sowohl mit den Werten von innerer, subjektiver Erfahrung als auch mit Ansätzen wissenschaftlicher Analyse umgehen, ohne das eine oder andere zu verwässern. Seine Grundannahme ist, dass jede Perspektive verankert ist in innerer Weisheit, Autorität und guten Ressourcen.
Er bejaht die Kraft und Schönheit guter menschlicher Intention, und damit kann er verborgene Fähigkeiten von Mitarbeitern oder ganzen Teams hervorholen.
Der »Citizen Leader« oder der Führungsverantwortliche für die Entwicklung
Für den Citizen Leader ist das Unternehmen oder die Organisation selbst das Produkt. Er widmet sich selbst der Entwicklung der Organisation und ihrer Kultur. Er sieht die Produkteziele der Organisation als auch der Mitarbeiter als miteinander verbunden. Er konzentriert sich selbst auf Strukturen, welche funktionieren oder nicht funktionieren, und er benutzt dabei neben Analyse auch seine Beobachtungsfähigkeit. Er informiert das Führungsteam über seine Beobachtungen und macht Designvorschläge zu strukturellen Korrekturen. Er ist ein Designer von Strukturen und er versucht, die Organisation so zu steuern, zu formen und zu reformieren, dass die kreativen Energien aller Mitarbeiter voll genutzt werden.
Er sieht es als seine Pflicht, den »Esprit de Corps« der Mitarbeiter zu kultivieren. Er ist mit ihnen gut im Kontakt und hilft denen, die sich verletzbar fühlen, ohne sie aber in ein Gefühl von »Opfer des Systems« zu bringen.
Durch seine starken Beziehungsfähigkeiten, kann er produktive Kommunikation und »kollaboratives Befragen« zwischen Managern und Mitarbeitern fördern.
Der Exit Leader oder der Führungsverantwortliche für kritisches Bewusstsein
Sein Beitrag zur Führung besteht in seiner Fähigkeit, alle Aspekte und kritischen Themen der Organisation anzusprechen, welche die andere nicht zu thematisieren wagen. Sein Fokus besteht nicht in der Kritik, sondern in dem Willen zur Verbesserung, indem man fortwährend höhere und höhere Ebenen der Leistungsfähigkeit erstrebt, und in einer offenen Selbst- und Organisationsreflexion. Er perfektioniert seine Praxis der positiven Opposition dadurch, dass er die Organisation zwingt, sich selbst kritisch zu betrachten, sich zu balancieren in den Aspekten der Logik, der Vorgehensweisen und der Aktionen. Er ist kritisch gegenüber der »Tyrannei des Erfolgs« (ein Systemarchetypus nach Senge, welcher einen plötzlichen Absturz eines Systems voraussieht), gegenüber Arroganz. Er fühlt sich der Wahrheit verpflichtet und hält die Grenzen des Systems offen. Er versucht offen zu bleiben gegenüber Aspekten, die kritisch sind und ermuntert den freien Ausdruck von unpopulären Aspekten eines Themas.
Der Exit Leader bleibt absichtlich an der Peripherie der Organisation, um eine gewisse Objektivität zu garantieren. Es wäre dies auch die Rolle, welche in letzter Zeit »Whistleblowers« übernommen haben, wie in den Beispielen von UBS und dem Zürcher Sozialamt. Leider werden solche Personen noch allzu oft bestraft.
Diese Rolle ist eine kritische, aber meist fehlende in einem gut funktionierenden »Leadership« System. Allzu oft wird diese Rolle in den Hintergrund oder Untergrund gedrängt. Bei Krisen wie bei Enron, Lehman Brothers oder dem Madoff Skandal wäre diese Rolle vital gewesen.
Wenn eine Organisation sich entschließt, diese Rolle hinzuzunehmen, kann sie eine hohe Wirksamkeit und Zukunftsfähigkeit erreichen.
Erste Schritte zu seiner Anwendung
No matter how attractive a Leadership System may appear on paper, it is of no value if organizations and the leaders within them cannot actualize this vision.
What does it take, then, to cultivate a Leadership System and put it into action?
Building a system of interconnected leaders with equivalent but widely varying sets of capabilities is no small feat. It requires an incredible commitment: a commitment to the long-term development of leaders from within; to the essential value of the differences between individuals; to honest and frank dialogue about individual leaders’ real strengths and weaknesses; to a lateral rather than a hierarchical leadership structure. The scope of these requirements adds up to no less than a total reframe of how most organizations think about leadership, power, and performance.
Given the resounding failure of current leadership models, however, the way forward seems evident. Organizations have the opportunity to take the reins of their future rather than reacting to market performance and replacing their leaders in times of trouble. History has proven that those CEO saviors are a beautiful myth that too often proves to be just that—a fiction rather than a reality.




2.3 Führung und Heldengeschichten
Die Heldentypen von David Kantor (2012) basieren auf der Annahme aus der systemischen Familientherapie, dass Führungskräfte bei Herausforderungen, vor allem in Grenz- oder Krisensituationen, auf Archetypen von Helden zurückgeworfen werden. Sie agieren in ihrem Grenzprofil (Schnittstelle ihrer biographischen Lerngeschichte mit Institutionen oder Organisationen) nach folgenden drei paradigmatischen Mustern (mit den Grauzonen und den Schattenseiten):

David Kantor postuliert, dass wir in »kritischen Situationen« bestimmte Kindheitssituationen gleichsam noch einmal inszenieren, um uns und andere möglichst gut durch eine Krise zu bringen. Er unterscheidet drei Helden- und Heldinnenrollen:
a) ProblemlöserIn (Fixer)
Sonnenseite dieses Helden / dieser Heldin ist die Fähigkeit, das System voranzubringen. Er ist der siegreiche Macher, welcher nicht lange fackelt, sondern sich um die fragliche Angelegenheit kümmert. In seiner Grauzone betätigt sich der Problemlöser als Eroberer.
Gerät er auf die Schattenseite, wird er zum Missbraucher.
b) Überlebende/r (Survivor)
Sonnenseite dieses Helden ist seine Fähigkeit durchzuhalten, ausdauernd zu sein. Er ist Überlebensspezialist, der keine Zeit und keine Entwicklung kennt, sondern nur um die immer wiederkehrende Notwendigkeit weiß, auf irgendeine Weise zu überleben. In seiner Grauzone wird der Überlebende zum Märtyrer (Schuld tragen immer die anderen) und schließlich
verfällt er/sie auf seiner/ihrer Schattenseite der Rolle des/der Verlassenen oder des/der Verlassenden.
c) Beschützer/Beschützerin (Protector)
Sonnenseite dieses Helden / dieser Heldin ist seine/ihre Fähigkeit, beschützend und abschirmend zu wirken. In seiner/ihrer Grauzone wird der/die BeschützerIn zum/zur Leidenden und schließlich
verfällt er/sie auf seiner/ihrer Schattenseite der Rolle des Opfers oder des Anklägers / der Anklägerin.
Wenden wir dies auf konkrete Beispiele aus der jüngeren Unternehmensgeschichte an, können wir folgende Illustrationen sehen:
Bei der schweizerischen Firma Swisscom wurde der deutsche Manager Carsten Schloter CEO und installierte eine Unternehmenskultur, die als Macher- oder Macho-Kultur beschrieben werden könnte. Er setzte sich 24 Stunden, also rund um die Uhr, für seine Mitarbeiter ein, war immer online erreichbar, installierte für sich selbst ein fast masochistisch anmutendes Element von Fitness (ab morgens um 5 Uhr) und verlangte das gleiche von seinen Mitarbeitern.
Einschneidend in seiner Biographie war das Erlebnis, dass er sich via Scheidung von seinen Kindern trennen musste, die er nur noch alle 14 Tage sah. Er meinte in einem vielbeachteten Interview mit Roger Schawinski im Schweizer Fernsehen, dass ein Manager einen solchen Spagat nur schwer aushalte. Später nahm sich Carsten Schloter das Leben, was sich niemand erklären konnte. Es war eine große Betroffenheit spürbar, man fragte sich auch, warum seine aktuelle Lebenspartnerin, welche esoterisches Coaching betrieb und sich gerade auf einer Reise nach Indien befand, von dieser Entwicklung nichts gemerkt hatte.
Schloter hatte den Heldentyp des Machers kombiniert mit dem Survivor und endete als Missbraucher und Verlassender.
Es ist schwierig, solche Verhaltensmuster vorauszusagen und Signale zu erkennen. Darum ist es umso wichtiger, dass Manager solche Muster kennen und auch ihre Umgebung damit umgehen kann.
Zweites Beispiel wäre Harry Hohmeister, der deutsche CEO von Swiss, der sich in einem Kampf gegen die schwer subventionierte Arabische Etihad, die den Schweizer Flugmarkt stören wollte, wehrte und diese vertrieb, gleichzeitig aber seinen hoch motivierten Mitarbeitern vieles abverlangte.
Er war eine Kombination von Macher und Beschützer mit den jeweiligen Schattenseiten.
Drittes und sehr aktuelles Beispiel ist das eines Machtkampfes beim größten Autohersteller Deutschlands, der Volkswagen AG. Ferdinand Piëch, dessen Großvater Ferdinand Porsche ihn zuerst zu Porsche holte und ihm dann die Sanierung der Marke Audi anvertraute, fasste zusammen mit den Hauptaktionären der Familie Porsche den Entscheid, dass niemand im operativen Geschäft weiterhin tätig sein werde.
Er hatte ja die Spitze von VW eingenommen. Fortan betätigte er sich als Kontrollgremium und Verwaltungsratspräsident. In dieser Funktion hatte er Martin Winterkorn als CEO und seinen Kronprinzen aufgebaut. In einem beispiellosen Coup mithilfe von ›Der Spiegel‹ inszenierte er eine Absetzung, verlor dann aber im Verwaltungsrat haushoch, so dass er und seine Frau von allen Funktionen zurücktreten mussten.
Piëch war immer ein Macher gewesen, hatte unendlich viele Mitstreiter missbraucht, und hatte immer die »Guillotine« früher gebraucht als seine Widersacher. Da er kein Protector oder Survivor war, überlebte er auch seinen Coup nicht. Er bedeutete den fast totalen Gesichtsverlust.
Übersetzen wir diese Konzepte auf einen Coaching-Prozess, wo ein Coach eine Führungskraft unterstützen und begleiten würde, könnte dies so aussehen:


Sieht man die Heldentypen auch als Projektionsfiguren, so ergibt sich folgendes Bild:
Ein Projektionsspiegel: König, Magier, Liebender und Krieger
Wichtig vor jedem Gebrauch des Projektionsspiegels:
Es geht nicht darum, dass man König, Liebender, etc. ist, sondern dass die göttliche Energie durch einen hindurchgehen kann (Epiphanie), wenn man eine der vier Rollen einnimmt.
1 Der Projektionsspiegel umfasst zwei Gegensatzpaare:
| Liebender | – | Krieger |
| König | – | Magier |
2 Dann gibt es noch eine diagonale Polarität, die man mit Würdigen und Kämpfen umschreiben könnte. König und Liebender sind mit Würdigen beschäftigt, wogegen Krieger und Magier dem Kampf verpflichtet sind.
Man könnte auch sagen, dass Liebender und König auf der einen Seite sind, während Magier und Krieger auf ihre je spezifische Weise dafür sorgen, dass »es« vorwärts geht.
Alle vier Formen können auf zwei Arten »entgleisen«:
Durch die Identifikation mit dem Archetypus entsteht eine Starrheit, ein Hypertrophieren der entsprechenden Energie. Durch die Ablehnung der entsprechenden Energie und durch deren Projektion auf andere entstehen verschiedene Formen von negativen Gefühlen und Haltungen.

König – Magier
Der König stellt die Verbindung nach oben zum Heiligen her. Er sichert die gerechte Ordnung (du hast einen Platz in der Welt) und spendet Anerkennung, indem er seinen Segen gibt (ich sehe dich). Er nennt die Dinge beim Namen und stellt damit die Ordnung des Kosmos her und dar.
In der pathologischen Entgleisung ist er entweder Tyrann, der panische Angst vor dem Neuen entwickelt, der sich in narzisstischer Weise Macht aneignet oder zum Schwächling verkommt, der aus lauter Furcht vor Vernichtung paranoid wird – er dankt ab und unterwirft sich.
Der Magier stellt die Verbindung nach unten zum Unbewussten her. Durch Tiefen-Wissen und Rituale (Symbole, Metaphern und Geschichten) transformiert er Realität und heilt Wunden. Bei ihm geht es um Wandlung, Einweihung und Heilung.
Entartet kann er zum Manipulator werden, wenn er sich mit der magischen Macht identifiziert. Er wird dann zum Trickster, der sich kontraphobisch beweihräuchert. Wenn er die magische Macht an andere delegiert, wird er zum Zyniker, der verzweifelt, weil alles beliebig und trostlos wird; nichts ist dann mehr veränderbar.
Liebender – Krieger
Der Krieger dient aus überpersönlicher Verpflichtung heraus und kämpft mit seinem Schild für den Schutz vor Angriffen auf die Integrität und setzt damit Grenzen und kanalisiert Energie. Mit seinem Schwert kämpft er für Werte, für die Klarheit des Denkens, für die Fokussierung von Aufmerksamkeit. In einer Art »Schulter-an-Schulter-Identität« hilft er dem anderen vorwärts zugehen. Er entlarvt Unsinniges (Rationalisierungen und Pseudowerte) und stellt sich gegen alle Formen von Verführung.
In Polarität zum Liebenden stellt er Distanzierung und Separierung sicher. Wenn er sich seiner Energie bemächtigt, wird er größenwahnsinnig. Hass auf Schwächere erfüllt ihn, er wird zum Sadisten. Wenn er die Kriegerenergie projiziert, wird er kleinmütig, schämt sich seiner Feigheit wegen und kann masochistisch verkommen. Der Liebende hilft dem anderen, »face-to-face-Intimität« zu erleben. Er spürt die Einheit aller Dinge, ist bedingungslos akzeptierend, berührt und lässt berühren, bringt sich und andere mit der Leidenschaft in Kontakt. Er lebt mit dem dritten Auge und Ohr, die nötig sind, um verbunden zu bleiben mit der Einheit des Kosmos. Wenn der Liebende sich mit der Liebesenergie identifiziert, wird er zum Süchtigen, der Angst vor der Verlorenheit bekommt, der Teile als Ganzes sieht. In der Projektion der Liebesenergie wird er leb- und lieblos, entwertet sich selbst und wird depressiv.

2.4 Neue Formen der Führung
Neben den Führungsansätzen von David Kantor, wie wir sie vorher geschildert hatten, finden sich diverse neue Führungsmodelle oder -verständnisse. Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass sie auf »Relationship Building« als Grundvoraussetzung bauen. Bevor wir diese darstellen, listen wir kurz die Hauptherausforderungen heutiger Führung oder heutiger Führungskräfte auf. Sie stammen aus drei Bereichen.
Führung und Informationstechnologie
• Weniger Notwendigkeit für co-location
• Mehr Arbeit in »distributed networks«
• Weniger face-to-face Kontakt
• Mehr Fokus auf Design und Definition von jobs
• Mehr Probleme Performance zu messen
• Neuere Konzepte von Kommunikation, Vertrauen und Kollaboration ohne Ko-location
Führung gegenüber Globalisierung und Multikulturalismus
• Kulturelle Themen rund um Nation, Rasse, Ethnie, Beschäftigung und Organisation
• Mehr Probleme der Kommunikation über die Sprachen hinweg
• Größere Notwendigkeit für eine gemeinsame Sprache
• Größere Notwendigkeit für gemeinsame Konzepte von Autoritäts- und Intimitätsregeln
Führung und heutige Herausforderungen
• Spezialisierung aller Business-Funktionen
• Größere Individualisierung von Karrieren
• Weniger Organisations-Lokalismus (Loyalität)
• Mehr Professionalisierung und Kosmopolitismus
• Größere Flexibilität von skills
• Mehr Vertrags- und Teilzeit-Arbeit
• Mehr Einstellen von Außenarbeit
• Mehr Probleme von alignment, Koordination und Kollaboration
Nach Schein entstehen jetzt auch vier neue Kernkompetenzen guter Führung:

Führung wird dann speziell zu einem Aufbau von Beziehungen.
Hier ist vor allem die Arbeit von Judi Gittell (2005/2009) zu nennen. Sie hat dies in zwei Büchern über Southwest Airlines und das Hospital von Seattle mit der neuen Art von Zusammenarbeit zwischen Chefchirurg und Teammitgliedern genannt.
Neu ist an diesem Verständnis von Führung, dass nicht der Chef oder die Heldenperson zählt, sondern die Teamfähigkeit des gesamten Teams.
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