Kitabı oku: «Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte»

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Carl Ploetz

Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2021

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066115579

Inhaltsverzeichnis

Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte.

Die Rassen in der Weltgeschichte.

I. Alte Geschichte.

A. Die ägyptisch-semitischen Völker.

B. Die asiatischen Arier.

C. Die Völker Ostasiens.

D. Die Griechen.

E. Die Römer.

II. Mittlere Geschichte

A. Vom Beginn der Völkerwanderung bis zum Vertrage von Verdun. 375–843.

B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge. 843–1096.

C. Das Zeitalter der Kreuzzüge. (1096–1270) .

D. Vom Ende der Kreuzzüge bis zur Entdeckung Amerikas. (1270–1492.)

III. Neuere Geschichte.

A. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westfälischen Frieden. (1492–1648.)

B. Vom Westfälischen Frieden bis zur französischen Revolution. (1648–1789.)

C. Vom Beginn der französischen Revolution bis zum Wiener Kongress. (1789–1815.)

D. Vom Wiener Kongress bis auf unsere Zeit.

Anhang.

I. Brandenburgisch-preußische Geschichte.

II. Die andern Staaten des Deutschen Reiches.

Namen- und Sachregister

Fussnoten

Einteilung der allgemeinen Weltgeschichte.

Inhaltsverzeichnis


Bis 375 n. Chr. I. Alte Geschichte, von der Zeit der ersten geschichtlichen Kunde bis zum Beginn der Völkerwanderung.
375–1492. II. Mittlere Geschichte, vom Beginn der Völkerwanderung bis zur Entdeckung Amerikas.
Seit 1492. III. Neuere Geschichte, von der Entdeckung Amerikas bis auf unsere Zeit.

Die alte Geschichte gliedert sich nach den hervortretenden Völkern in fünf Abschnitte. Diese Völker sind:

1. Die ägyptisch-semitischen Völker. 2. Die asiatischen Arier. 3. Die Völker Ostasiens. 4. Die Griechen. 5. Die Römer.

Die mittlere Geschichte teilt man nach den hervorragenden Ereignissen in vier Perioden:


375–843. 1. Vom Beginn der Völkerwanderung bis zum Vertrag von Verdun.
843–1096. 2. Vom Vertrag zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge.
1096–1270. 3. Das Zeitalter der Kreuzzüge.
1270–1492. 4. Vom Ende der Kreuzzüge bis zur Entdeckung Amerikas.

Die neuere Geschichte gliedert sich ebenfalls in vier Perioden:


1492–1648. 1. Von der Entdeckung Amerikas bis zum Westfälischen Frieden.
1648–1789. 2. Vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der französischen Revolution.
1789–1815. 3. Vom Beginn der französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß.
Seit 1815 4. Vom Wiener Kongreß bis auf unsere Zeit.

Die Rassen in der Weltgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

Die Naturforschung bestimmt die Rassenunterschiede des Menschengeschlechts nach körperlichen Merkmalen; anders müssen sie von der geschichtlichen Forschung aufgefaßt werden. Reine Rassen im Sinne der Naturforschung liegen für den Zeitraum unserer Weltgeschichte nirgends vor. Nur die Nachklänge der Rasseneinheiten, die man für vorgeschichtliche Zeiten voraussetzen darf, nämlich der Durchschnitt der körperlichen und geistigen Eigentümlichkeiten, und als Haupteinteilungsprinzip die Sprache, sind die Merkmale der Rasse im Sinne des Historikers. In Betracht kommen dabei hauptsächlich folgende Rassen:


I. Die sumerische Rasse, die Urbewohner von Babylonien.
II. Die ägyptisch-semitische (Semiten im weiteren Sinne), deren Ursitz Arabien gewesen zu sein scheint.
III. Die zagrische mit dem Hauptsitze um die Grenzgebirge zwischen der heutigen Türkei und Persien (die herrschende Bevölkerung in Elam).
IV. Die kleinasiatische (Hethiter), die mit der indo-atlantischen verwandt zu sein scheint (Urarthier, Mitanier).
V. Die arische (indo-europäische): Iranier, Inder, Phryger, Griechen, Italiker, Kelten, Germanen, Litu-Slaven. Diese Völker sind die Hauptträger der geschichtlichen Entwickelung.
VI. Von der altaischen Rasse haben die Chinesen und Japaner im Osten einen eigenen Kulturkreis gebildet, die Bulgaren, Magyaren und Türken in Europa eine gewisse Bedeutung gewonnen.

Andere Rassen (Ainos, Dravidas, Malaien, Iberer, Basken, Amerikaner, Neger) haben eine mehr passive Rolle gespielt als zurückweichende Urbevölkerung.

I. Alte Geschichte.

Inhaltsverzeichnis

A. Die ägyptisch-semitischen Völker.

Inhaltsverzeichnis

§ 1. Ägypter.

Ägypten, das von Höhenzügen und Wüsten eingeschlossene, oberhalb des Delta nur wenige Stunden breite, etwa 1100 km lange Tal des untern Nil, der alljährlich vom Juli an auf fast 4 Monate seine Ufer überflutet und so das Land befruchtet. Zwei Landesteile: Unter-Ägypten mit der Hauptstadt Memphis und dem Deltalande; Ober-Ägypten mit der Hauptstadt Theben (Nu-Amôn), Südgrenze die Stromschnellen bei Syene, jetzt Assuan. Beide bestanden ursprünglich als selbständige Staaten nebeneinander. Ackerbau, Handwerk und Kunst erscheinen im vierten Jahrtausend v. Chr., wo die geschichtlichen Nachrichten beginnen, schon hoch entwickelt.

Staatswesen: Erbliches Königtum, die Könige gelten als Söhne des Sonnengottes Râ selbst für göttliche Wesen. Glänzende Hofhaltung, viele Beamte, das Land in bestimmte Gaue geteilt. Bedeutender Einfluß der Priester, denen auch die Pflege der Wissenschaften (Sternkunde, Heilkunde, Rechtskunde) obliegt. Frühzeitige Feststellung des Sonnenjahres. Strenge Regelung des gesamten Lebens durch religiöse Satzungen. Erbliche Stände, nicht völlig gegeneinander abgeschlossene Kasten.

Religion: Verehrung der persönlich gedachten Naturkräfte, verbunden mit symbolischem Tierdienst. Die einzelnen Gaugötter schließen sich allmählich zu Götterkreisen zusammen. Oberster Gott der Sonnengott Râ ihm sind die Obelisken geweiht. Neben ihm andere Gottheiten der Sonne, des Mondes, des Nils usw. Besondere Verehrung des Ptah in Memphis, des Amôn in Theben, der Neit in Saïs. Der Kampf der dem Menschen heilsamen und feindlichen Naturkräfte, wie er sich in dem alljährlichen Aufblühen, Absterben und Wiedererwachen der belebten Natur ausprägt, wird dargestellt in dem Mythus von Osiris. Osiris, der Gott des Lebens, wird von Set (Typhon), dem Dämon der verzehrenden Gluthitze, getötet, von seiner trauernden Gemahlin Isis gesucht; endlich überwindet Hôrus, der Sohn beider, den Set. Osiris, wieder belebt, herrscht in der Unterwelt über die Seelen der Abgeschiedenen (Totengericht).

Sorgfältige Bestattung der Toten, die für die einmal wiederkehrenden Seelen durch Einbalsamierung in Felsengräbern und Pyramiden erhalten wurden (Mumien). Heilige Tiere: der Stier Hapis in Memphis als Abbild des Ptah verehrt; die Kühe der Isis, die Katzen der Bast, die Sperber dem Hôrus geheiligt.

Die Hieroglyphenschrift,[1] ursprünglich Bilderschrift, hat Buchstaben-, Silben- und Wortzeichen; oft wird dem mit Buchstaben- und Silbenzeichen geschriebenen Worte ein Bild zur Verdeutlichung angefügt. Sie wurde hauptsächlich zu Inschriften an den Wänden der Tempel und Grabkammern benutzt; für den gewöhnlichen Gebrauch schrieb man auf Papyrusblättern mit einer abgekürzten, der hieratischen Schrift, später mit der noch mehr verkürzten demotischen Schrift.

vor Chr. Vor 3000.

Das alte Reich,

begründet von König Mena durch Vereinigung der beiden Landesteile. Wechselnde Residenzen der Könige in der Gegend von Memphis (oberhalb Kairo). Ihre Grabdenkmäler sind die Pyramiden; über 70 noch erhalten. Die höchsten (bei dem Dorfe Gizeh) sind von den Königen der 4. Dynastie[2] (um 2800) erbaut: Snofru, Chufu (Cheops bei Herodot),[3] Chafrâ, Menkaurâ. Unter der 6. Dynastie zerfällt die Einheit des Reiches; mehrere Könige herrschen nebeneinander. Herstellung der Einheit durch die von Theben in Ober-Ägypten ausgehende 11. Dynastie.

Um 2100.

Das mittlere Reich,

die klassische Zeit Ägyptens. Blüte der Baukunst und der Literatur (religiöse, medizinische, biographische Schriften; Märchen, Fabeln und Lieder). Handelsverkehr mit Syrien und dem Weihrauchlande Punt (Südarabien). Residenzen in der Landschaft Fajjûm oberhalb Memphis.

Amenemhât I. (12. Dynastie) baut den Amôntempel in Theben, seine Nachfolger unterwerfen das Land Kusch (Nubien), Wesertôsen III. ist der in der griechischen Sage hervortretende Sesostris. Amenemhât III. legt im Fajjûm den Moeris-See an, um die Überschwemmungen des Nils zu regeln, und erbaut dort einen großen Reichstempel, von den Griechen Labyrinth genannt. Auch diese Dynastie hat Pyramiden gebaut; Felsengräber von Priestern und hohen Beamten bei Beni-Hassan.

Um 1800.

Eroberung Ägyptens durch die Hyksôs, Hirtenkönige semitischer Abkunft, die über die Landenge von Suez eindrangen. Sie beherrschten hauptsächlich das untere Land, Ober-Ägypten wurde von einheimischen Statthaltern verwaltet. Einer von diesen, Ahmôse, Statthalter in Theben, vertreibt endlich im 16. Jahrhundert die Hyksôs und herrscht dann als König.

Um 1530.

Das neue Reich (Hauptstadt Theben)

erhebt sich bald zu bedeutender Macht und Größe. König Dhutmôse I. (Thutmosis) aus der 18. Dynastie macht Nubien zur Provinz und dringt in Syrien bis zum Euphrat vor. Seine Tochter Hatschepsowet sendet Schiffe aus nach dem Weihrauchlande Punt. Dhutmôse III. macht Syrien und Palästina zu Provinzen: höchste Machtfülle Ägyptens.

Seine Nachfolger erhalten diesen Umfang des Reiches aufrecht. Amenhotep III. schmückt Theben mit glänzenden Bauten; Ruinen bei den jetzigen Dörfern Karnak, Luksor und Medinet-Abu; bei letzterem noch jetzt zwei sitzende Kolosse, Statuen des Amenhotep, deren eine von den Griechen die tönende Säule des Memnon genannt ward.

Um 1400.

Amenhotep IV. führt einen Sonnen-Monotheismus ein; alle anderen Götter sollen dem Râ weichen. Er gründet eine neue Residenz in Mittel-Ägypten (Ruinen von El-Amarna), steht in freundschaftlichen Beziehungen zu den Königen von Babel und Assur. Nach seinem Tode Wiederherstellung der früheren Götterverehrung, zumal des Amôn von Theben.

Um 1300–1270.

Seti I. und sein Sohn Ramsês II. (19. Dynastie) kämpfen mit den Hethitern (Cheta), die in Nordsyrien ein Reich gegründet haben (S. 15). Ramsês siegt in der Schlacht bei Kadêsch am Orontes, deren epische Beschreibung (der Schreiber Pentaur) in Tempelinschriften erhalten ist. Blüte des Reichs unter seiner fernerhin friedlichen Regierung; Residenz zu Tanis im Deltalande, Tempelbauten zu Theben und Abu-Simbel (in Nubien), Nilkanal bis zum Timsah-See.

Um 1180.

Ramsês III. (20. Dynastie) behauptet das Ansehen des Reichs durch Kämpfe gegen die »Seevölker«, welche in Syrien eindringen, und gegen die Libyer im Westen.

Zeit des Verfalles unter den folgenden Herrschern, Syrien wird unabhängig, in Nubien erhebt sich das Reich von Napăta. Die Priesterschaft des Amôn von Theben wird allmächtig, und endlich stößt der Oberpriester Hĕrihôr den letzten Ramsês (XII.) vom Throne. Gegen seine Nachfolger erhebt sich eine neue Dynastie (21.) in Tanis. Kriegerisch tritt noch einmal König Scheschonk I. auf (22. Dynastie), der um 920 für kurze Zeit Jerusalem erobert. Dann Schwäche der Königsmacht gegenüber den Gaufürsten.

Um 775.

Pianchi, König von Napăta, erobert Ägypten; doch wird es nach einiger Zeit wieder selbständig. Dauernde Eroberung 728 durch Schabăka, König von Napăta, der die 25. Dynastie begründet. Sein zweiter Nachfolger Taharka tritt den Assyrern in Syrien entgegen.

670.

Assurachiddin, König von Assur, erobert Ägypten und ernennt 22 Statthalter, meist ägyptische Gaufürsten; doch hat er, wie auch sein Nachfolger Assurbanipal, gegen den von Napăta zurückkehrenden Taharka und dessen Nachfolger Tantamôn um den Besitz des Landes zu kämpfen. Nach des letzteren Tode treten die ägyptischen Statthalter wieder in ihre Rechte.

645.

Herstellung des Reiches. Psamêtik von Sais, einer der Statthalter, macht sich mit Hilfe karischer und ionischer Söldner unabhängig von Assyrien (S. 10), residiert zu Sais im Deltalande (26. Dynastie), öffnet das Land dem Fremdenverkehr (Syrer, Karer, Ionier). Unzufriedenheit im Stande der Krieger, ein Teil derselben wandert nach Nubien aus. Sein Sohn

610–594.

Neko (Necho) setzt den Bau des Kanals vom Timsah-See bis zum Roten Meere fort, ohne ihn zu vollenden, läßt durch phönikische Seeleute Afrika umfahren, versucht Syrien wiederzuerobern, wird aber 605 von den Babyloniern unter Nebukadnezar II. bei Gargămisch am Euphrat zurückgeschlagen. Sein Enkel Wahabrê (bei Herodot Apries) wird entthront von

570–526.

Ahmôse (Amāsis), dessen Regierung die letzte Glanzzeit Ägyptens ist. Freundschaft mit den Griechen von Kyrēne und mit Polykrătes von Samos; den ionischen Griechen wird die Ansiedlung in Naukrătis gestattet. Tempelbauten in Sais und Memphis. Sein Sohn

525.

Psamêtik III. wird in der Schlacht bei Pelusium von Kambyses besiegt. Ägypten persische Provinz.

§ 2. Babylonier und Assyrer.

Ebenso alt wie im Niltal ist die Kultur in der fruchtbaren Ebene am Unterlauf des Euphrat (Purat) und Tigris (Diglat), welche später nach ihrer Hauptstadt Babylonien hieß. Träger dieser bis ins fünfte Jahrtausend vor Chr. nachweisbaren Kultur sind die nichtsemitischen Sumerer, doch sind zu der Zeit, wo die geschichtlichen Nachrichten beginnen, schon semitische Stämme eingedrungen, zumal in Nord Babylonien, und haben sich die vorgefundene Kultur angeeignet.

Die Entwickelung von Gewerbtätigkeit und Handel führt frühzeitig zur Ausbildung eines genauen Gewichts- und Maßsystems, bei welchem die Zahl 60 der Einteilung zugrunde liegt (Sexagesimal-System); an die Beobachtung der Sterne knüpft sich genaue Zeitrechnung, doch auch der Aberglaube der Sterndeutung (Astrologie).

Religion: Von der Verehrung der leuchtenden Himmelskörper ausgehend bildet sich eine vielgestaltige Götterwelt. Oberster Gott Ellit, später Bêl genannt, Sohn des Himmelsgottes Anu; seine Gemahlin Belit. Andere Götter Samas, der Sonnengott, Sin, der Mondgott, Rammân, der Gott des Gewitters, Marduk, der Stadtgott von Babel, Nergal, Istar, Nabu. Hohes Ansehen der Priester, die wie in Ägypten zugleich Lehrer der Wissenschaft sind.

An der altbabylonischen Kultur nimmt teil das von zagrischen Völkern bewohnte Land Elam (Hauptstadt Susa am Choaspes) und allmählich auch das weiter nördlich am oberen Tigris gelegene Land Assur (Assyrien). Überall ist die Keilschrift im Gebrauch, mit Griffeln auf Tontafeln und Tonzylinder eingeritzt, später in vereinfachter Form von den Persern angenommen.[4]

Um 3000.

Stadtkönigtümer im Lande der Sumerer (Südbabylonien), gestützt auf alte Kultstätten: Ur, Eridu, Larsa, Lagas (Sirpurla), Nipur mit dem auf Terrassen hochgebauten Tempel des Ellit.

Im Norden Stadtkönigtümer der Semiten: Akkad, Sippara, Borsippa, Babel.

Um 2800.

König Sargon von Akkad (Nordbabylonien) gründet ein Reich, das sich bis nach Syrien erstreckt.

Um 2600.

Im Süden erheben sich die Könige von Ur, dann die von Larsa; die Herrscher dieser Dynastien bezeichnen sich auch als Könige von Sumer und Akkad.

Um 2300.

Kudur-Mabuk, König von Elam (Susiana), erobert Ur und Larsa.

Um 2200.

Hammurabi, König von Babel, befreit den Süden von dem Joch der Elamiter und zwingt ihn für immer unter die Herrschaft des Nordens; begründet damit das Babylonische Reich. Die Hauptstadt, ein großes ummauertes Viereck, vom Euphrat durchströmt; auf der einen Seite des Flusses die Königsburg, auf der andern ein in 8 Stockwerken sich erhebender Tempel des Bêl. Sorgfältiger Ackerbau, Anlage von Kanälen. Eine umfassende Gesetzgebung, bekannt geworden durch eine 1901 in Susa gefundene Inschrift dieses Königs, regelt das bürgerliche Leben: Landbau, Schiffahrt, Handel, Eherecht, Erbrecht.

Um 1700.

Herrschaft der vom Zagrosgebirge her eingedrungenen Kassu (Kossäer) über Babel;[5] seit etwa 1250 wieder einheimische Könige.

Um 1500.

Reich Assur am oberen Tigris. Alte Hauptstadt gleichen Namens; spätere Residenzen der Könige sind Ninua (Ninive)[6] und Kalach. Ausbildung des Kriegswesens und geordnete Verwaltung; die Jahre werden nach dem Wechsel der obersten Staatsbeamten (Limu) gezählt.

Um 1450.

König Assurubállit von Assur, befreundet mit Burnaburjasch von Babel, zerstört das Nachbarreich der Mitani am oberen Euphrat. Lange Zeit bestehen die drei Reiche Babel, Elam, Assur nebeneinander, verbunden durch Handelsverkehr, aber auch öfters in Feindschaft. Tiglatninib von Assur herrscht um 1280 eine Zeitlang auch über Babel, Nabukudrossor I. (Nebukadnezar I.) von Babel ist um 1130 siegreich gegen Elam, führt die geraubte Mardukstatue aus Susa zurück.

Um 1100.

Tiglatpilêsar I. von Assur schlägt einen Angriff der kleinasiatischen Muski (S. 15) zurück, dringt erobernd vor nach Naīri (den Gebieten nördlich vom oberen Tigris) und nach Nordsyrien, wo das Reich der Hethiter (S. 5) sich in kleinere Staaten aufgelöst hat; er erreicht bei Arwad (Aradus) in Phönizien das Mittelmeer. Die nächstfolgenden Könige haben diesen Umfang der Herrschaft nicht behauptet; dann aber folgt die Gründung der Assyrischen Großmacht.

885–860.

Assurnâssirpal (III.) erobert die Länder am oberen Euphrat und Nordsyrien und dringt wieder bis zum Mittelmeer vor. Tyrus und Sidon zahlen Tribut.

860–825.

Salmanâsar II. wiederholt diese Züge, greift zwar Damaskus mehrfach vergeblich an, hält aber Tyros, Sidon und das Reich Israel (König Jehu) tributpflichtig, ebenso im Osten die indogermanischen Madai (Meder) (S. 17); in Babel greift er bei einem Thronstreit mit Heeresmacht ein. Sein zweiter Nachfolger Râman-nirari III. (um 800) erobert auch Damaskus und führt reiche Beute davon. Unter ihm reicht die assyrische Macht von Medien über ganz Palästina bis nach Edom. Dann folgt eine Zeit des Niedergangs; Salmanâsar III. (um 780) kämpft erfolglos gegen das in den nördlichen Bergländern (Armenien) entstandene Reich Urarthu.

745–727.

Tiglatpilêsar III. (Pulu), ein Usurpator, stürzt den schwachen König Assur-nirari und erhebt die assyrische Macht aufs neue. Er bekriegt das westliche Medien, bricht die Macht der Urarthier, stellt die Herrschaft über Syrien wieder her. Die Könige von Damaskus, Israel, Tyros zahlen ihm Tribut. In Babel bestätigt er zuerst den König Nabunâssir[7] als aber nach dessen Tode Ukînzêr, Fürst der Kaldi (Chaldäer, im südlichen Babylonien) sich des Thrones bemächtigt, vertreibt er diesen und macht sich selbst unter dem Namen Pulu zum König von Babylon, Sumer und Akkad. So wird er der Gründer des assyrischen Weltreichs, indem er

729.

Assur und Babel vereinigt.

722–705.

Sarrûkîn (Sargon), Begründer einer neuen Dynastie, beendet die von seinem Vorgänger Salmanâsar IV. begonnene Belagerung von Samaria, führt die Einwohner nach Medien, schlägt einen Angriff des ägyptischen Königs Schabăka (S. 6) bei Raphia (unweit Gaza) zurück, vernichtet durch Eroberung von Gargamisch (Karchemisch) den letzten Hethiterstaat in Syrien (S. 8). Dann unterwirft er das westliche Medien, siegt über den König Rusas von Urarthu, zwingt Mita, den König der Muski (Midas von Phrygien, S. 8), zur Huldigung. Cypern tributpflichtig. Inzwischen hat sich in Babel Mardukbaliddin, Fürst der Kaldi, von Elam her unterstützt, der Herrschaft bemächtigt; Sarrûkîn besiegt ihn 710 und stellt die Vereinigung beider Reiche wieder her. Elam bleibt selbständig. Neue Residenz Dûr-Sarrûkîn (Chorsâbâd) nördlich von Ninive. Sein Sohn

705–681.

Sinachirib (Sanherib) behauptet Syrien gegen die Ägypter, belagert aber Tyros und Jerusalem vergeblich (König Hiskia), zerstört die Stadt Babel nach abermaligem Aufstande der Einwohner.

681–668.

Assurachiddin (Assarhaddon) stellt Babel wieder her, begünstigt die Babylonier, unterwirft Ägypten (S. 6, Memphis 670 erobert) und mehrere arabische Stämme. Sidon erobert und zerstört, wird assyrische Provinzialstadt. Unter diesem König hat das Reich seine größte Ausdehnung. Aber schon unter seiner Regierung beginnen nomadische Indogermanen, die Skutscha und Gimirai (Skythen und Kimmerier), das Reich vom Norden her zu bedrohen.

668–626.

Assurbanipal (Sardanapal) wird durch den Aufstand seines Bruders Samassumukîn, den Assurachiddin zum König von Babel eingesetzt hatte, genötigt, Ägypten aufzugeben (vgl. S. 6), unterwirft jedoch Babel wieder und macht dem Reiche Elam ein Ende durch Eroberung der Hauptstadt Susa. Seine durch Bauten verschönerte Residenzstadt ist Ninive; dort ist in den umfangreichen Ruinen der größte Teil seiner großartigen Bibliothek aufgefunden worden (Tafeln und Zylinder aus Ton mit Keilschrift). Nach seinem Tode wird Babel wieder selbständig und erhebt sich bald zu großer Macht, während das assyrische Reich durch die verheerenden Kriegszüge der Skythen, die bis nach Syrien vordringen, geschwächt wird.

626–539.

Das Neu-Babylonische (chaldäische) Reich.

626–605.

Nabupalôssor, ein Chaldäerfürst, König von Babel, erkennt die assyrische Oberhoheit nicht mehr an, verbündet sich mit dem König der Meder Kyaxāres (S. 17).

606.

Ende des assyrischen Reiches, die vier Residenzstädte, namentlich Ninive, von den Medern unter Kyaxāres zerstört. König Neko von Ägypten, welcher Syrien zu erobern versucht (609 Schlacht bei Megiddo, wo König Josia von Juda fällt), wird von Nabukudrossor, Nabupalôssors Sohn, zurückgeschlagen.

605–561.

Nabukudrossor II. (Nebukadnezar) läßt die vergrößerte Stadt Babel (Babylon) mit einer doppelten Mauer umziehen, legt die sogen. schwebenden Gärten der Semiramis (Terrassen) an, stellt den Tempel des Bêl und die das Land vor Versumpfung schützenden Kanäle wieder her (Wasserbecken bei Sippāra), sichert das Land im Norden durch die vom Euphrat bis zum Tigris reichende medische Mauer. Amasis von Ägypten, der sich mit griechischen Inselmächten verbündet hat, 605 bei Karchemisch besiegt. Krieg gegen Juda. 586 Jerusalem zerstört, die Einwohner am Euphrat angesiedelt, 573 Tyros unterworfen.

Nach dem Tode des großen Königs Verfall des Reiches durch Thronstreit. Kurze Regierungen der drei Nachfolger aus Nebukadnezars Familie; dann wird die chaldäische Dynastie von den Priestern gestürzt, die einen Babylonier Nabunêd auf den Thron erheben. Dieser bemüht sich um Herstellung der Tempel und Einkünfte der Priester, erliegt aber dem Angriffe der Perser.

539.

Babylon von Kyros erobert; Babylonien wird zunächst ein Kronland der Perserkönige, dann nach einem Aufstand unter Xerxes persische Provinz. Der Marduktempel von Xerxes zerstört, bleibt seitdem in Trümmern.

§ 3. Juden (Hebräer, Israeliten).

Syrien, von semitischen Völkern bewohnt, hat nach dem Verfalle der Macht der Hethiter (S. 8) keine zusammenfassende Staatsbildung aufzuweisen; im 9. Jahrhundert wird es von den Assyrern abhängig. Doch behalten die Einwohner ihre alte Religion und Sprache; in Nordsyrien herrscht die aramäische Sprache.

Geschichtlich bedeutsam durch seine Religion ist das im Lande Kanaan (Palästina) wohnende jüdische Volk, dessen ältere Geschichte sagenhaft ist. Stammväter: Abraham, Isaak, Jakob; Auswanderung nach Ägypten, Rückkehr unter Mose, Gesetzgebung am Sinai. Unter Josuas Führung werden die Völker Kanaans besiegt; Verteilung des Landes zu beiden Seiten des Jordan unter die 12 Stämme; der Stamm Levi zur Priesterschaft bestimmt. Verehrung des einigen unsichtbaren Gottes Jahveh (Jehovah); sein Heiligtum die tragbare Stiftshütte, darin die Bundeslade, in welcher die Gesetztafeln aufbewahrt werden. Das Gesetz Jahvehs beherrscht das ganze bürgerliche Leben. (Theokratie.)

Weitere Kämpfe mit den Völkern Kanaans unter Führung der Richter: Gideon, Jephtah, Simson, Samuel.

Um 1000.

Auf Verlangen des Volkes salbt Samuel den Saul (aus dem Stamme Benjamin) zum König. Saul, siegreich gegen die Nachbarvölker, entzweit sich bald mit dem Priestertume. Samuel salbt einen andern König, David, aus dem Stamme Juda. Diesen nötigt Saul zur Flucht, tötet sich aber selbst nach einem unglücklichen Kampfe gegen die Philister.

Um 980.

David treibt die Feinde zurück, entreißt den Jebusitern Jerusalem, wohin die Bundeslade gebracht wird, und macht diese Stadt zur Hauptstadt.

Um 950.

Salomo baut den Tempel zu Jerusalem; Freundschaft mit dem König Hirôm I. von Tyros, gemeinsame Seefahrten nach dem Lande Ophir (Ostarabien?); glänzende Regierung. Nach seinem Tode

Um 925.

Teilung des Reiches der Juden. Die Stämme Juda und Benjamin halten zu Rehabeam, dem Sohne Salomos, die andern zehn Stämme unter Jerobeam bilden das Reich Israel (Hauptstadt Sichem, später seit Ahab Samaria).

Im Reiche Israel gelangt unter König Ahab (um 870) durch den Einfluß seiner Gemahlin Isebel, Tochter Itobaals I. von Tyros, der phönikische Baal- und Astartedienst zu großer Verbreitung. Kampf der Propheten (Elîa, Elisa u. a.) gegen das götzendienerische Königtum. Ahab fällt im Kampf gegen Damaskus. Der Feldhauptmann Jehu, von Elisa gesalbt, tötet Isebel, rottet das Geschlecht Ahabs aus, macht sich zum König und verbietet den Baaldienst; er wird 842 dem assyrischen Könige Salmanâsar II. tributpflichtig (S. 9). Dann Bedrängnis durch die Könige von Damaskus, glücklichere Zeit unter Jerobeam II. König Menachem wird 738 wiederum den Assyrern untertan; König Hosea wird, als er sich der assyrischen Herrschaft zu entziehen sucht, 724 von Salmanâsar IV. geschlagen und gefangen. Nach 3 jähriger Belagerung wird

722.

Samaria von Sarrûkin (S. 9) erobert, das Reich Israel zerstört; über 27000 Einwohner weggeführt und in Assyrien und Medien angesiedelt.

Das Reich Juda wird noch unter Rehabeams Regierung von den Ägyptern unter Scheschonk (S. 6) mit Krieg überzogen. König Josaphat (um 870) vermählt, um ein friedliches Verhältnis mit dem Reiche Israel herzustellen, seinen Sohn mit Athalja, der Tochter Ahabs von Israel und der Isebel. Athalja bemächtigt sich 843 in Jerusalem der Herrschaft, ermordet, um Davids Stamm auszurotten, ihre eigenen Enkel (nur Joas wird wunderbar gerettet und im Tempel Jehovahs auferzogen) und führt in Jerusalem den Baaldienst ein. Sie wird 837 von dem Hohenpriester Jojada gestürzt und getötet, der junge Joas auf den Thron gesetzt, der Baaldienst aufgehoben.

König Hiskia (um 700), der Leitung des Propheten Jesaja folgend, verbannt aufs neue die Abgötterei, verweigert den Assyrern den Tribut und verbindet sich mit Ägypten. Die Assyrer unter Sinachirib belagern vergeblich Jerusalem, führen aber viele Bewohner des offenen Landes in die Gefangenschaft.

Unter Josia (640–609) verheeren die Skythen (s. S. 10) das Land. Herstellung des Jehovahdienstes nach Auffindung des Gesetzbuches im Tempel (621); der Prophet Jeremia. König Josia fällt im Kampfe gegen den ägyptischen König Neko (s. S. 10) bei Megiddo 609. Das Reich Juda wird den Ägyptern und nach der Schlacht bei Gargamisch (S. 6) den Babyloniern Untertan. Ein Versuch des letzten Königs Zedekia, die Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, mißlingt trotz ägyptischer Hilfe.

v. Chr. 586.

Nabukudrossor, König von Babylon, zerstört Jerusalem. Viele Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt.

539.

Kyros gestattet den Juden die Rückkehr nach Palästina und die Wiederherstellung eines Staates Juda. Jerusalem und der Tempel wieder aufgebaut. Herstellung des mosaischen Gesetzes durch Esra 458, Mauerbau unter Nehemia 445. An der Spitze des kleinen Staates steht unter persischer Oberhoheit der Hohepriester; Feindschaft gegen Samaria, wo Vermischung mit anderen Völkern eingetreten ist.

§ 4. Phöniker und Karthager.

Phönikien, der schmale, hafenreiche Küstenstrich westlich vom Gebirge Libanon, bewohnt von einem semitischen Volke, welches frühzeitig Städte gründete: Arwad (Arados), Gubal (Byblos), Berut (Berytos), Sidon, Zor (Tyros). Sidon seit etwa 1500 v. Chr. die bedeutendste Stadt.

Die Religion der Phönīker mit der babylonischen verwandt, durch Ausschweifung und Grausamkeit entstellt. Hauptgötter Baal, Astarte und Moloch, der Feuergott, welchem Menschenopfer dargebracht wurden. In Tyros Melkart besonders verehrt, in Gubal der Frühlingsgott Adonis.

Die Phöniker trugen als Handelsvolk die in Ägypten und Babylonien begründete Kultur nach den Ländern des Westens. Ihre Häfen standen durch Karawanenstraßen (über Damaskus und Thadmor) mit dem Euphratlande in Verbindung. Mannigfache Gewerbtätigkeit: Weberei, Purpurfärberei, Glasbereitung, Bergbau, Bearbeitung der Metalle. Ausbildung der (konsonantischen) Lautschrift, von der die europäischen und neueren asiatischen »Alphabete« abstammen.

Gründung zahlreicher Kolonieen auf Cypern, Rhodos, Kreta, Kythera, auf Inseln des Ägäischen Meeres, auf Sicilien, an der Nordküste von Afrika (Utica, Leptis), an der Südküste von Spanien (Gades). Weitere Handelsfahrten teils nach der Westküste Afrikas, teils nach Britannien und der deutschen Seeküste, wo sie u. a. den Bernstein fanden.

Um 1100.

Tyros gelangt an Stelle von Sidon zum Vorrang unter den phönikischen Seestädten.

Um 950.

Blüte von Tyros unter König Hirôm I., dem Freunde Salomos (S. 11). Neu-Tyros, auf einer Insel der Altstadt gegenüber gelegen, wird erweitert, befestigt und durch einen Damm mit dem Festlande verbunden. Später entstehen innere Zwistigkeiten; ein großer Teil der alten Geschlechter verläßt unter Führung der Königstochter Elissa die Stadt Tyros und gründet

v. Chr. Um 814.

Karthāgo, punisch Kartchadast (d. h. die neue Stadt), an der Meeresbucht zwischen dem Schönen und dem Hermäischen Vorgebirge, nicht weit von dem heutigen Tunis (Doppelhafen, Burg Byrsa). Die Gründerin Elissa wird später als Göttin Dido-Astarte (Beschützerin der Kolonisation) verehrt.

Verfassung Karthagos: Aristokratische Republik, die Herrschaft in der Hand der reichen Großkaufleute und Gewerbetreibenden, an der Spitze zwei jährlich erwählte Suffeten, d. h. Richter, auch Könige genannt, ein engerer und ein weiterer Senat; die Bürgerschaft hat das Wahlrecht und wird bei wichtigen Entscheidungen befragt.

Allmähliches Sinken der Städte des Mutterlandes; sie geraten unter die Botmäßigkeit der Assyrer, dann der Babylonier; nur Tyros erhält sich bis 573 frei. Währenddessen breiten sich die Griechen, welche schon früher (um 1000 v. Chr.) die Phöniker aus dem Ägäischen Meere verdrängt hatten, an den Küsten und Inseln des westlichen Mittelmeeres aus und bedrohen die phönikischen Niederlassungen mit Vernichtung.

Um 600.

Gegenüber dieser Gefahr beginnt Karthago die Phöniker des Westens unter seiner Führung zu sammeln und gründet ein seemächtiges Reich in Nordafrika, Westsicilien und Südspanien. Grenzkriege mit den Griechen von Kyrēne; die Altäre der Philänen (östlich von Groß-Leptis) als Grenze festgestellt. Auch Sardinien wird von den Karthagern besetzt; aus Korsika vertreiben sie, im Bunde mit den Etruskern, die Griechen von Phokäa (Seeschlacht bei Alalia 540).

586–573.

Tyros hält eine dreizehnjährige Einschließung (von der Landseite) durch Nabukudrossor aus, muß aber zuletzt die Oberherrschaft des Königs von Babylon anerkennen (S. 10).

539.

Nach Zerstörung des Babylonischen Reiches durch Kyros werden die Phöniker den Persern Untertan, sie stellen fortan den Hauptteil der persischen Seemacht. Sidon wird nunmehr wieder die erste Stadt Phönikiens. Tripolis als Bundesstadt gegründet von Arados, Sidon und Tyros.

332.

Nach der Eroberung von Tyros durch Alexander d. Gr. wird Phönikien und ganz Syrien, bald auch Ägypten und Babylonien ein Teil der großen griechisch-makedonischen Monarchie.

B. Die asiatischen Arier.

Inhaltsverzeichnis

Ein neues Zeitalter beginnt mit dem Auftreten der Arier (Indoeuropäer). Zuerst treten die asiatischen Zweige dieser Völkergruppe hervor in Iran, Kleinasien, Armenien, Indien, dann die südeuropäischen (Griechen und Italiker), weiterhin die Kelten und Germanen, zuletzt die Slaven und Letten.

§ 1. Völker Kleinasiens.

Um 1500 v. Chr. erscheinen zuerst die den Phrygern verwandten Muski und Stämme der iranischen Saken (Skythen) in Kleinasien. Sie verdrängen die Hethiter (S. 5, 8, 9), von deren früherer gewaltiger Herrschaft sich Denkmäler westlich vom Halys in Syrien, Mesopotamien, Kilikien, Kappadokien, auch am Sipylos finden. Das Phrygische Reich, dessen König Mita (Midas) 710 den Assyrern huldigt (S. 9), erliegt bald darauf dem Ansturm der Kimmerier (S. 10), die ebenso wie die Saken oder Skythen iranische Stämme sind, die nicht seßhaft werden. Als selbständige seßhafte Stämme erscheinen die Armenier, Kappadokier, Lykier; an der Westküste bildet sich das Lydische Reich und gewinnt dann weitere Ausdehnung.

Um 670.

König Gyges, Begründer der Mermnaden-Dynastie, huldigt dem assyrischen Reiche, fällt im Kampf gegen die Kimmerier, welche die Hauptstadt Sardes bis auf die Burg erobern, dann aber zurückweichen. Seine Nachfolger unterwerfen Mysien und Phrygien, bekämpfen die Griechenstädte. Alyattes, der vierte Mermnade, gerät in Krieg mit Kyaxâres von Medien.

585.

Unentschiedene Schlacht am Halys zwischen Alyattes und Kyaxâres (Sonnenfinsternis, vorhergesagt von Thales von Milet). Der Halys wird als Grenze zwischen dem lydischen und dem medischen Reiche festgesetzt. Des Alyattes Tochter wird mit Astyages, dem Sohne des Kyaxâres, vermählt. Alyattes unterwirft Bithynien, Paphlagonien, Karien, auch die meisten Griechenstädte, zerstört Smyrna. Aufhäufung großer Schätze in der Königsburg von Sardes.

554–541.

Kroisos, Sohn des Alyattes; er unterwirft nach der Einnahme von Ephĕsos alle griechischen Küstenstädte, mit Ausnahme von Milet, mit dem er das von Alyattes erzwungene Bundesverhältnis erneuert. Reger Verkehr mit dem europäischen Griechenland.

Nach der Entthronung seines Schwagers Astyages von Medien durch den Perser Kyros überzieht Kroisos das persische Reich mit Krieg. Auf den (zweideutigen) Rat des delphischen Orakels überschreitet er den Halys. Unentschiedene Schlacht bei Pterĭa. Kroisos geht unschlüssig nach Sardes zurück. Kyros folgt ihm, siegt in einer zweiten Schlacht, erobert Sardes und nimmt Kroisos gefangen.

Um 545.

Untergang des lydischen Reichs, das mit dem persischen vereinigt wird.

§ 2. Die Inder.

Um 1500 v. Chr. Einwanderung arischer Stämme in das Tiefland des Indus; sie breiten sich allmählich aus über das Gangesland, über die Halbinsel Dekhan und die Insel Ceylon (Singhala), überall eine dunkelfarbige Urbevölkerung (Dravidas) verdrängend. Gründung zahlreicher Staaten.

Der alt-arische Götterglaube, den die Eroberer mitbrachten, bilderlose Verehrung der Naturmächte (der Himmelsgott Diausch-Asura, der Gott des allumfassenden Weltraumes Váruna, der Feuergott Agni, der Gewittergott Indra u. a.), ward unter dem Einfluß der Priester allmählich zu der mehr monotheistischen Brahma-Religion umgebildet, die das gesamte Denken und Leben in strenge Satzungen einfügte. Viele Vorschriften der Reinigung, Lehre von der Seelenwanderung. Das Volk wird in vier streng geschiedene Stände (Kasten) geteilt: Priester (Brahmanen), Krieger (Kschatrija), Ackerbauer und Gewerbetreibende (Vaiçja), die unterworfenen Ureinwohner als Dienende (Çudra): am niedrigsten stehen die als unrein verachteten Paria. Die Könige gehen aus dem Kriegerstande hervor, sie wählen ihre Ratgeber und Beamten aus den Brahmanen.

Reiche Entwickelung der Literatur; Sanskrit die Schriftsprache, von der Volkssprache unterschieden. Vedas die heiligen Bücher (Hymnen, Gebete, Sprüche), Gesetzbuch des Manu. Die epischen Dichtungen Mahabhârata und Ramâjana schildern die Heldentaten der Kriegszeit, doch hat ihr ursprünglicher Inhalt manche Umbildung in priesterlichem Sinne erfahren. In Baukunst und Skulptur ist seit dem 6. Jahrhundert persischer Einfluß erkennbar.

Um 520.

Buddha, ein Königssohn (seine Heimat an den Vorhöhen des Himâlaya), tritt als Reformator auf, verwirft die strengen Satzungen und Kastenunterschiede, lehrt sittliche Vervollkommnung durch Entsagung und Mitleid, stellt als Ziel die Ruhe der Seele (Nirwāna) auf. Er wird später selbst als Gott verehrt, sein Bild in den Tempeln aufgestellt.

Um 450.

Das Reich von Magādha im Gangeslande erhebt sich nach Unterwerfung mehrerer Nachbarstaaten zu größerer Bedeutung: seine Könige nehmen den Buddhismus an. Residenz Pataliputra (Patna).

317–291.

Tschandragupta, ein Flüchtling aus Magadha, vertreibt die Makedonier aus dem Induslande, macht sich zum König von Magadha und erweitert das Reich fast über die ganze vorderindische Halbinsel. Sein Enkel

263–226.

Açoka durch milde und sorgsame Regierung berühmt. Blütezeit des Buddhismus; die Stupa, Kuppelbauten zum Schutz der Reliquien Buddhas, Bhagavāti die pyramidenförmig aufsteigenden Tempel (Pagoden). Anlage von Straßen, Brunnen, Krankenhäusern (auch für Tiere). Inschriften bezeugen seine Beziehungen zu den Herrschern der Diadochenreiche.

Im Reiche Magadha lebte im 6. Jahrhundert nach Chr. der Dramendichter Kalidâsa (Sakuntăla). Im 3. Jahrhundert gelangt die Brahmalehre wieder zur Herrschaft; der Buddhismus breitet sich nach Hinterindien, Tibet, China, Japan aus. Das Eindringen fremder Eroberer beginnt erst in der Zeit des Islam.

§ 3. Die Iranier.

Das Hochland Iran (Ariân, Land der Arier) ist ein Land der Gegensätze; zwischen schneebedeckten Gebirgen und glühenden Sandwüsten liegen oasenartig Strecken fruchtbarsten Bodens, die natürlichen Mittelpunkte des Landes. Am stärksten bewohnt sind die Gebirgsländer am Rande des Hochlandes; im Westen Medien und Persien, im Norden Hyrkanien und Parthien, im Osten Baktrien und Arachosien; dort hat sich in der Landschaft Arīa (Herat) auch der alte Gesamtname erhalten.

Der alte Götterglaube erfuhr auch hier eine priesterliche Umbildung durch die Lehre des Zarathuschtra (Zoroaster), der in unbekannter Zeit unter einem Fürsten Vistâspa lebte. Als Staatsreligion erscheint diese Lehre erst unter Dareios I., um 520. Über die anderen Götter erhebt sich Ahura-Mazda (Ormuzd), Beschützer des Ackerbaues und Verteidiger der Wahrheit; ihm stehen zur Seite die 6 guten Geister, Amĕscha-Spenta. Sein Dienst fordert die Bekämpfung der verderblichen Mächte, an deren Spitze Angramanjusch (Ahriman) steht. Keine Götterbilder und Tempel; nur Feueraltäre im Freien, namentlich auf Bergen; das Feuer gilt als heiliges Symbol der Reinheit. Später (um 400 v. Chr.) finden auch Götter der alten Volksreligion wieder große Verehrung, namentlich Mithra, der Gott des Sonnenlichts, und Anāhĭta, Göttin der Gewässer, denen man auch Bilder und Tempel errichtet. Heiliges Buch Avesta, nur zum Teil erhalten in einer aus der Sassanidenzeit (3. Jahrhundert nach Chr.) stammenden Bearbeitung. Die Priester (Magier) zu einer erblichen Kaste vereinigt.

Die Meder im nordwestlichen Gebirgslande, seit 835 den Assyrern Untertan (S. 9), doch oft sich empörend, befreien sich zur Zeit des Einbruchs der Skythen (S. 10). Schon um 670 wird Kastarita, ein medischer Fürst, von den Assyrern als gefürchteter Gegner genannt. Nach Herodot ist Deiokes (700 bis 647) als der Begründer des medischen Reiches anzusehen. Der Befreier Mediens von den unter Partatua (Protothyas bei Herodot) infolge des babylonisch-assyrischen Krieges in großen Scharen (S. 10) eingedrungenen Skutscha (Skythen), die unter Madyas, dem Sohn Partatuas, 28 Jahre über »Asien« herrschten, war

624–585.

Kyaxâres, vermutlich ein Nachkomme Kastaritas. Er ist wohl der eigentliche Gründer des Mederstaates, schuf ein stehendes Heer, stand im Bunde mit Babylonien (S. 10). Er zerstört Ninive, kämpft mit den Lydern (S. 15) und dehnt seine Herrschaft über andere iranische Stämme (Sagartier, Hyrkanier, Parther) aus. Sein Reich vom Halys im Westen bis an die Grenze Elams (zu Babylon) im Südosten. Residenz Hagmatâna (Agbatana). Sein Nachfolger ist

584–550.

Astyages (babylonisch Ischtuvegu). Er macht einen Vorstoß gegen das neubabylonische Reich und belagert um 555 Harrân. Seine Erfolge werden vereitelt durch den Aufstand der Perser, eines medischen Vasallenstaates in Elam, unter Kurusch II.

Um 630.

Die Perser dringen aus ihrem Gebirgslande im Südwesten Irans nach Elam vor und gründen hier unter dem Achämeniden Tschischpisch (Teïspes bei Herodot) das Königreich Antschan. Hier herrschen die Könige Kurusch I. und Kambudschija I., dann des letzteren Sohn

558–529.

Kyros (Kurusch II.), welcher 550 seinen Lehnsherrn Astyages stürzt und die medische Hauptstadt Hagmatâna erobert. Er vereinigt die persischen Stämme unter seiner Herrschaft und gründet das große

559–330.

Persische Reich,

welches die Völker Vorderasiens zu einer politischen Einheit zusammenfaßt. Ihm gehorchen die früher den Medern unterworfenen Völker Irans, die Armenier und Kappadoker; er stürzt das lydische Reich (S. 16), und während seine Feldherren Mazares und Arpagos die Griechenstädte an der kleinasiatischen Küste unterwerfen, erobert er Babylon. Das babylonische Reich wird dem persischen angegliedert (S. 11), jedoch in Sitte und Religion nicht angetastet. Die phönikischen Städte und die Kilikier behalten ihre einheimischen Könige unter persischer Oberhoheit, in den Griechenstädten werden persisch gesinnte Fürsten (Tyrannen) eingesetzt, den Juden wird die Rückkehr nach Palästina gestattet. Hauptstadt zunächst wohl Susa, denn Kyros’ Stammland Antschan gehörte zu Elam.

Die Meder sind in diesem Reiche zunächst den Persern gleichgestellt, ebenso wie die Babylonier; auch aus ihnen nimmt der König seine Beamten. Bei den Persern herrschen einfache Sitten; als kräftiges Gebirgsvolk sind sie den in der Kultur vorgeschrittenen Nachbarvölkern überlegen. Kyros fällt 529 im Kampfe gegen die Nomaden im Nordosten des Reiches (Massageten, ihre Königin Tomyris nach Herodot); sein Grabmal zu Pasargădã ist erhalten. Sein Sohn und Nachfolger

529–522.

Kambyses (Kambudschĭja) tötet seinen jüngeren Bruder (Smerdis) Baraĭja, der sich an die Spitze eines Aufstandes der östlichen Reichshälfte gestellt hat. (Kyros hatte sich nicht auf das Persertum gestützt, sondern auf die alten Kulturländer; erst unter Dareios gewann das Persertum die führende Stellung im Reich.) Er erobert Ägypten (S. 6), zieht den Nil aufwärts gegen Napata, das sich unterwirft. Die Griechen in Kyrene erkennen ebenfalls die Oberherrschaft der Perser an, aber eine beabsichtigte Unternehmung gegen Karthago scheitert an der Weigerung der Phöniker, gegen ihre Pflanzstadt Schiffe zu stellen. Inzwischen empört sich in Medien der Magier (Priester) Gaumâta, indem er sich für den getöteten Bardija ausgibt. Kambyses stirbt auf der Rückkehr aus Ägypten; der falsche Bardija wird nach kurzer Herrschaft gestürzt von den sieben Stammfürsten der Perser, deren erster König wird, der Sohn des Achämeniden Vischtâspa (Hystaspes),[8]

521–485.

Dareios I. (Darijavahusch). Aufstände im ganzen Reiche, zuerst in Elam und Babylon, dann empören sich die Meder, Sagarter, Hyrkanier und Parther unter angeblichen Nachkommen des Kyaxâres, die Armenier, in Persien selbst ein zweiter falscher Bardija. Die Niederwerfung aller dieser Aufstände (Babylon durch die List des Zopyrus erobert) berichtet die dreisprachige Keilinschrift (persisch, elamitisch, babylonisch) an der Felswand von Bagistâna (Behistun, südwestlich von Agbatana am oberen Choaspes).

Darauf Neuordnung des Reiches; es wird in 20 Satrapien geteilt, die bestimmte Steuern zu entrichten haben in Geld und Naturalien. Nur die eigentlichen Perser sind steuerfrei, nicht mehr die früher ihnen gleichgestellten Meder. Die Perser bilden den Kern des Heeres. Die übrigen Reichsvölker stellen Truppen oder Schiffe. Einheitliche Reichswährung, deren Einheit der Dareikos (Goldmünze von etwa 23 M. Wert) bildet, der auch in Griechenland und Indien in Umlauf kommt. 300 Dareiken gleich einem babylonischen Silbertalent, 7030 M. unseres Geldes. Große Heerstraßen angelegt, namentlich die Königsstraße von Sardes nach Susa mit Stationen für die reitenden Boten des Königs. Palastbauten in Susa und der neuen Hauptstadt Persepŏlis; auch Babylon und Agbatāna bleiben Residenzen des Großkönigs.

Dareios erweitert das Reich durch Unterwerfung des Induslandes, läßt von der Indusmündung aus Arabien umfahren und den Nilkanal nach dem Roten Meer (S. 6) vollenden. Karthago zahlt Tribut. Nach Westen vordringend überschreitet er 514 mit Heeresmacht den Bosporus, dann auch die untere Donau, dringt in das Skythenland ein, muß jedoch umkehren (Histiaios, Tyrann von Milet, rettet die Donaubrücke gegen den Rat des Atheners Miltiades) (S. 36); sein Feldherr Megabazos unterwirft Thrakien und Makedonien. Von den griechischen Inseln werden Lemnos und Imbros Untertan, wie früher schon Lesbos, Chios, Samos.

500–494.

Aufstand der ionischen Griechen,

angestiftet durch den mit einem Fürstentum in Thrakien beschenkten, dann aber bei Dareios verdächtigten und nach Susa berufenen Tyrannen Histiaios von Milet und dessen Schwiegersohn Aristagŏras. Mit Hilfe von Athen und Eretria wird Sardes eingenommen, die Stadt geht in Flammen auf. Aber bald werden die Ionier von dem persischen Landheere geschlagen, von den Bundesgenossen aus Athen und Eretria verlassen, die ionische Flotte wird bei der Insel Lade (vor Milet, 494) besiegt. Nach Unterwerfung der Ionier Milet zerstört, die noch übrigen Einwohner an der Mündung des Tigris angesiedelt. Histiaios gekreuzigt. 492 folgt die Wiederunterwerfung von Thrakien und Makedonien (S. 38).

490.

Seezug der Perser, um die Unterwerfung der griechischen Inseln zu vollenden; die Landung in Attika mißlingt. Weitere Unternehmungen gegen Griechenland gehemmt durch einen Aufstand der Ägypter.

485–465.

Xerxes I. (Khsijârscha) unterwirft Ägypten, sein Zug gegen Griechenland mißlingt; die Herrschaft über Thrakien, Makedonien, die Inseln, die kleinasiatischen Griechenstädte geht verloren. Schwelgerisches Leben am Königshofe; die alten einfachen Sitten der Perser schwinden. Xerxes und sein ältester Sohn werden von Artabān, dem Führer der Leibwache, in Susa ermordet. Es folgt der zweite Sohn

465–424.

Artaxerxes I. (Artachschâtra) mit dem Beinamen Langhand (Longimănus). Zweiter Aufstand der Ägypter unter Inărōs, von den Athenern unterstützt, von Megabyzos, dem Satrapen von Syrien, unterdrückt (S. 44). Friede mit den Griechen nach 449; Empörung des Megabyzos durch Verhandlungen beigelegt. Sein Sohn Xerxes II. wird im zweiten Monat seiner Regierung ermordet von seinem jüngeren Bruder Sogdianos; diesen stürzt der Halbbruder

424–405.

Dareios II. (Nothos), der dann mit Satrapenaufständen zu kämpfen hat. Dritter Aufstand der Ägypter, die über 60 Jahre lang ihre Unabhängigkeit behaupten.

405–359.

Artaxerxes II. (Mnemon) besiegt seinen jüngeren Bruder Kyros, der als Statthalter in Kleinasien sich empört hat, 401 bei Kunaxa unweit Babylon, nimmt die Griechenstädte in Kleinasien wieder unter seine Herrschaft (S. 55).

359–338.

Artaxerxes III. (Ochos) unterwirft die Phönīker, nach drei Kriegen auch die Ägypter, herrscht als tatkräftiger Despot, wird endlich von seinem Günstling, dem Ägypter Bagoas, vergiftet. Dieser setzt Arses, des Königs jüngsten Sohn, auf den Thron, beseitigt ihn aber nach zwei Jahren und macht den Enkel eines Bruders von Artaxerxes II.,

336–330.

Dareios III. (Kodomannos), zum König. Bagoas muß den Giftbecher trinken. Dareios regiert wohlwollend, erliegt aber dem Angriff der makedonischen Macht.

330.

Vernichtung des Perserreiches durch Alexander d. Gr. Die griechische Kultur kommt in Vorderasien zum Siege.

C. Die Völker Ostasiens.

Inhaltsverzeichnis

Durch die weiten Hochflächen des inneren Asiens von den westlichen Kulturvölkern getrennt entsteht frühzeitig in China ein bedeutendes Reich, gegründet auf den Ackerbau in den fruchtbaren Flußtälern des Hoangho und Jantsekiang. Die sagenhafte Überlieferung stellt an den Anfang fünf große Kaiser, die in der Zeit von 3300–2207 v. Chr. regiert haben sollen. Als Gründer des Reiches gilt Fohi, der seine Untertanen den Gebrauch der Haustiere und die Schriftzeichen lehrte; Schinnung führte den Ackerbau ein, Hoang-ti lehrte die Zeitrechnung und ordnete die Verwaltung der Provinzen, seine Gemahlin begründete die Seidenweberei.

Zwei Dynastieen regieren von 2207–1122 v. Chr.; unter der zweiten wird die Macht des Kaisers durch die großen Lehnsträger sehr beschränkt. Wu-wang, Begründer der dritten Dynastie (1122–256). Diese erwirbt zu dem ursprünglichen Reichsgebiet am unteren Hoangho auch die Länder am Jantsekiang, verliert aber alle Macht an die großen Feudalherren.

551–478.

In einer Zeit des Verfalls und innerer Wirren tritt Kong-fu-tse (Confucius) als religiöser Reformator auf. Er sammelt Sittensprüche und Lieder der älteren Zeit in den fünf heiligen Büchern (King); seine Lehre wird zu seinen Lebzeiten nicht beachtet, später jedoch unter der Dynastie Han zur Staatsreligion erhoben. Die Grundzüge der alten Religion (Verehrung des Himmels, der mächtigen Geister und der Ahnen) hat er nicht verändert. Er will die Menschen glücklich machen als Mitglieder der Familie und des Staates. Das Einzelindividuum hat sich der Gewalt und Autorität der Älteren und Höheren unbedingt zu unterwerfen.

255–206.

Der Kaiser Schi-huang-ti, Begründer der vierten Dynastie, bricht die Feudalherrschaft der Großen, stellt die Einheit des »Reiches der Mitte« her, beginnt den Bau der Großen Mauer (2500 km lang, mit Wachttürmen) zur Abwehr der Einfälle nördlicher Mongolenvölker.

206 vor Chr. bis 263 nach Chr.

Die Han-Dynastie gibt dem Reiche seine größte Ausdehnung und höchste Blüte im Innern. Im Süden werden Tongking, Anam, Cochinchina unterworfen, im Westen das Tarim-Gebiet, im Nordosten Korea.

Seit 65 n. Chr.

Eindringen des Buddhismus. Handelsverbindungen nach dem Westen; den Römern wird die Seide (vestis Serĭca) bekannt. Der römische Kaiser Marcus Aurelius soll 166 eine Gesandtschaft nach China geschickt haben.

220–617.

Zeit innerer Kriege; es bilden sich mehrere Reiche, die aber unter Wuti, dem Stifter der Dynastie Tsin (263–420) und dem großen Kaiser Taitsung (627–659) aus der Dynastie Tang (618–906) vorübergehend wieder vereinigt werden. Später China unter tatarischen und mandschurischen Dynastien.

Die chinesische Kultur verbreitet sich namentlich nach Japan, dessen Geschichte um 600 v. Chr. mit der Gründung eines Reiches auf der Insel Kiusiu beginnt.

D. Die Griechen.

Inhaltsverzeichnis

Einen großen Fortschritt in der weltgeschichtlichen Entwickelung hat das hochbegabte Griechenvolk bewirkt. Gegenüber der religiösen und politischen Gebundenheit der asiatischen Völker zeigt es die freie Entwickelung der menschlichen Kräfte und hat in Staat, Kunst und Wissenschaft eine noch jetzt in vieler Beziehung vorbildliche Höhe erreicht. Die griechische Kultur, begünstigt durch ein wohlgelegenes, reich gegliedertes Land, stand noch in Blüte, als das Christentum in die Welt eintrat, und hat ihm die Wege gebahnt.

§ 1. Mythische Zeit.

Der Name Griechen ist deutsche Umformung des von den Römern gebrauchten Namens Graeci.[9] Sie selbst nannten sich Hellenen; als Ureinwohner ihres Landes bezeichneten sie die Pelasger. Alte Heiligtümer des pelasgischen Zeus waren zu Dodōna in Epirus und auf dem Berge Lykaios in Arkadien. Der Name Hellenen erscheint bei Homer noch nicht als Gesamtname des Volkes; die später gewöhnliche Ansicht unterschied vier Hauptstämme des hellenischen Volkes: Äŏler, Achäer, Dorier, Ionier.

Merkwürdige Überreste aus der hellenischen Vorzeit sind seit 1870 durch die von Schliemann und seinen Nachfolgern zuerst in Troja (Hissarlik), dann in Amyklä, Mykenä, Orchomenos, Tiryns veranstalteten Ausgrabungen zu Tage gekommen. Man fand in den Unterbauten weit ausgedehnter Königspaläste und in wohlerhaltenen Gräbern vielerlei Waffen, eine erstaunliche Menge Goldschmuck, Wandmalereien, bemalte Tongefäße und anderes. »Schatzhaus des Atreus«, Löwentor in Mykenä. Weitere Grabungen auf den Inseln, namentlich Cypern, Rhodos, Thera, Kreta, haben gezeigt, daß eine frühe altertümliche Kultur die Küsten und Inseln des Ägäischen Meeres umfaßte und unter orientalischem Einfluß, hauptsächlich infolge der regen Handelsbeziehungen mit den Phönīkern, sich höher entwickelte. Die Zeit dieser Mykenischen Kultur, deren bedeutsamster Mittelpunkt Kreta war (König Minos), ist 1500 bis 12 v. Chr.; eine jüngere Zeit schildern die Homerischen Gedichte. Von alters her viele kleine Staaten unter kriegerischen Königen, aber kein grausamer Despotismus wie bei den Assyrern; milde Behandlung der Sklaven.

Religion. Die den arischen Völkern gemeinsame Verehrung der Naturkräfte bildet sich bei den Griechen frühzeitig um zur Verehrung persönlich gedachter Götter. Aus dem Chaos sollen Himmel und Erde (Urănos und Gaia) entstanden sein, von diesen stammt das Göttergeschlecht der Titanen (Krŏnos, Rhea, Promētheus u. a.). Dieses verdrängen die olympischen Götter, an ihrer Spitze der Himmelsgott Zeus, Sohn des Kronos und der Rhea, welcher die Herrschaft der Welt mit seinen Brüdern Poseidon (Meer) und Hades oder Pluton (Unterwelt) teilt. Als olympische Götter werden besonders folgende 12 zusammengefaßt: Zeus, Hera, Poseidon, Demēter, Hestia, Hephaistos, Ares, Apollon, Artĕmis, Pallas Athene, Aphrodite, Hermes (die letzten 7 gelten als Kinder des Zeus). Andere Gottheiten: Persephŏne (Tochter von Zeus und Demeter, Gemahlin Plutons), Eros, der ständige Begleiter der Aphrodite, Dionysos oder Bakchos (Sohn des Zeus und der thebanischen Königstochter Semĕle), in seinem Gefolge der Hirtengott Pan, die Satyrn und Nymphen; Asklepios (Sohn des Apollon), die 9 Musen (Klio, Euterpe, Thalīa, Melpomĕne, Terpsichŏre, Erăto, Polymnia, Urania, Kalliŏpe, Töchter des Zeus und der Mnemosy̆ne), ferner Eos, Iris; die Meergottheiten Nereus (seine Töchter die Nereĭden), Amphitrīte, Triton, Proteus, Glaukos.

Die Abhängigkeit des Menschengeschlechts von den Göttern gibt sich kund in Gebeten, Opfern, Festzügen; durch Orakel, Vorzeichen (Weissagung aus dem Vogelflug und aus den Eingeweiden der Opfertiere) geben die Götter ihren Willen kund. Glaube an ein Fortleben nach dem Tode (Elysion, Tartăros).

Reiche Entwickelung der Götter- und Heldensage, ein Schatz für die griechische Poesie der folgenden Zeiten.

Die Erinnerung an die Tatsache, daß Griechenland die Anfänge höherer Kultur von den Völkern des Ostens erhalten hat, spiegelt sich wieder in den Einwanderungssagen:

Danăos, Gründer der Burg von Argos, soll aus Ägypten gekommen sein, seine 50 Töchter, die Danaiden, ermorden ihre Männer, die Söhne des Äigyptos; nur Hypermnestra rettet den Lynkeus. Ihr Nachkomme Perseus, Sohn des Zeus und der Danae, gründet nach der Rückkehr von seinen Heldentaten (Medusa getötet, Andromĕda befreit) die Burg von Mykēnä als Herrschersitz. Aus seinem Geschlecht stammen Eurystheus und Herăkles.

Pelops, Sohn des Königs Tantălos, soll aus Lydien nach Elis gekommen sein. Seine Söhne Atreus und Thyestes bemächtigen sich, nachdem Eurystheus im Kampfe gegen die Herakliden gefallen ist (s. S. 25), der Herrschaft in Mykenä. Atreus’ Sohn Agamemnon herrscht nach ihm in Mykenä, der jüngere Sohn Menelāos in Sparta als Erbe des Königs Tyndareos, dessen Tochter Helĕna ihm vermählt ist.

Kadmos, Sohn des phönikischen Königs Agenor von Sidon, gründet die Burg von Theben (Kadmēa), wo seine Nachkommen herrschen; er soll den Griechen die Buchstabenschrift gebracht haben.

In Attika gilt als uralter einheimischer König Kekrops, Gründer der Burg von Athen; an ihn knüpft sich die attische Königsreihe, in welcher Erichthonios, Erechtheus, Jon, Ägeus, Theseus hervortreten. Unter Ägeus soll Attika der Seeherrschaft des Königs Minos von Kreta untertan geworden sein. Letzterem wird, wie dem Kadmos, phönikische Abstammung zugeschrieben; er gilt als Sohn des Zeus und der Europa, Tochter des Königs Agenor.

Nationalhelden der griechischen Sage sind Herăkles und Theseus.

Herăkles (Hercŭles), Sohn des Zeus und der Alkmēne aus Perseus’ Stamm, in Theben geboren, wird seinem Vetter Eurystheus in Mykenä dienstbar,[10] zieht in Gemeinschaft mit Telămon und Peleus, den Söhnen des Königs Aiăkos von Ägina, gegen Troja (König Laomĕdon, Vater des Priamos), besiegt den König Neleus in Pylos. In Kaly̆don heiratet er die Königstochter Dejaneira, welche ihm später das mit dem Blut des Kentauren Nessos getränkte Gewand sendet; er verbrennt sich selbst auf dem Öta und wird unter die Götter aufgenommen. Die Dorier haben ihn zu ihrem Stammheros gemacht; ihre Könige nannten sich seine Nachkommen, von ihm leiten sie ihr Recht auf den Besitz der Peloponnes ab. Seine Söhne, die Herakliden, sollen gegen die Verfolgungen des Eurystheus bei Theseus in Athen Schutz gefunden haben; sie versuchen vergebens die Rückkehr, erst den Nachkommen gelingt sie (dorische Wanderung, S. 28).

Theseus; Sohn des Kekropiden Ägeus, ist der Stammheros der Ionier, insbesondere der Athener. Er fährt nach Kreta, tötet dort den Minotauros und rettet mit Hilfe der Königstochter Ariadne die demselben zum Opfer bestimmten athenischen Jünglinge und Jungfrauen. Bei der Rückfahrt bleibt Ariadne auf Naxos zurück und wird Gemahlin des Gottes Dionysos; Theseus vergißt das schwarze Segel mit dem weißen zu vertauschen, Ägeus stürzt sich in das nach ihm benannte Meer. Theseus wird König von Athen, vereinigt die Bewohner Attikas zu einem Staate. Er stirbt auf der Insel Skyros im Kampf gegen den König Lykomēdes.

Als Gründer des attischen Staates soll er das Volk in drei Stände geschieden haben: Eupatriden (Adel), Geomoren (Bauern) und Demiurgen (Gewerbtreibende). Dagegen wird die Einrichtung der vier alten Phylen (d. i. Stämme): Geleonten, Hoplēten, Argadeis, Aigikoreis (die Glänzenden, Wehrhaften, Feldarbeiter, Ziegenhirten), deren jede wieder in drei Phratrien zerfiel, auf Ion, den mythischen Stammvater des ionischen Stammes, zurückgeführt.

Drei gemeinsame Unternehmungen in der heroischen Zeit sind durch Sagen verherrlicht, die den Hauptstoff für die griechische Poesie bilden.

1. Der Argonautenzug. Phrixos, Sohn des Minyerkönigs Athămas von Orchomĕnos, flüchtet vor der Stiefmutter Ino mit seiner Schwester Helle auf dem Widder mit goldenem Vlies, den beide von ihrer Mutter Nephĕle erhalten haben. Helle stürzt auf der Flucht bei Abȳdos ins Meer, welches nun Hellespontos, d. h. »Meer der Helle«, heißt. Phrixos kommt nach Kolchis (am Pontos Euxeinos, Schwarzen Meere) zum Könige Aiētes. Der Widder wird geopfert, das goldene Vlies in einem Haine des Gottes Ares von einem Drachen bewacht. — Iason aus Iolkos, von seinem Oheim Pelĭas aufgefordert, fährt auf dem Schiffe Argo an der Spitze einer Heldenschar nach Kolchis, um das Vlies zu holen; es wird mit Hilfe der Zauberin Medeia, Tochter des Aiētes, gewonnen. Rückkehr nach Iolkos; Pelĭas auf Antrieb der Medeia getötet.—

2. Krieg der Sieben gegen Theben. Ödipus, Sohn des Laïos, Königs von Theben aus Kadmos’ Stamm (die Labdakiden) und der Jokaste, wird infolge eines unheilverkündenden Orakels von den Eltern ausgesetzt, in Korinth von Poly̆bos erzogen. Er tötet bei Delphi den Vater, ohne ihn zu kennen, löst das Rätsel der Sphinx, wird König in Theben und heiratet seine eigene Mutter. Als ihm der Greuel entdeckt wird, beraubt er sich selbst des Augenlichts. Seine Töchter Antigŏne und Ismēne geleiten ihn in die Verbannung. Theseus gewährt ihm Aufnahme; sein Grab am Hügel Kolōnos bei Athen. In Theben Bruderzwist seiner Söhne Eteŏkles und Polyneikes.

Mit dem vertriebenen Polyneikes ziehen gegen Theben: Adrastos (König von Argos), Tydeus, Amphiarāos, Kapăneus, Hippomĕdon, Parthenopaios. Die feindlichen Brüder fallen im Zweikampf, auch die andern Fürsten alle bis auf Adrastos kommen um. Kreon, der Oheim der Brüder, wird König von Theben, verurteilt Antigŏne zum Tode, weil sie den Polyneikes bestatten wollte.

Zehn Jahre später Zug der Epigonen (Söhne der Sieben). Theben wird eingenommen; Thersandros, des Polyneikes Sohn, als König eingesetzt.

3. Trojanischer Krieg.[11] Priămos, König von Troja oder Ilios; seine Gemahlin Hekăbe (Hekŭba). Von seinen Söhnen treten in der Sage hervor: Hektor (Gem. Andromăche) und Paris (Alexandros). Dieser entführt Helĕna, die Gemahlin des Menelāos von Sparta. Um sie zurückzuholen, vereinigen sich die edelsten Fürsten aller griechischen Gaue: des Menelāos Bruder Agamemnon von Mykēnä, Anführer der Griechen: Nestor von Pylos; Achilleus, König der Myrmidonen aus Phthia in Thessalien, Sohn des Peleus und der Nereïde Thĕtis; sein Freund Patroklos; Aias und Teukros, Söhne Telamons aus Salămis; der jüngere Aias des Oïleus Sohn, Anführer der Lokrer; Diomedes von Argos, des Tydeus Sohn; Odysseus von Ithăka, des Laërtes Sohn; Idomĕneus von Kreta, Enkel des Minos, u. a.

Bundesgenossen der Troer: Thraker, Päoner, Paphlagonier, Myser, Phryger, Lyder, Karer; die Lykier unter Sarpēdon und Glaukos; später die Amazonen unter ihrer Königin Penthesileia, die Äthiopen unter Memnon.

Abfahrt der Griechen vom böotischen Hafen Aulis (der Seher Kalchas; Opferung der Iphigeneia, welche nach Tauris entrückt wird). Schiffslager an der troischen Küste, Beutezüge in die Umgegend. Im zehnten Jahre Streit zwischen Agamemnon und Achilleus wegen der Sklavin Brisēis, Achilleus zieht sich vom Kampfe zurück. Die Troer dringen unter Hektors Führung siegreich in das Schiffslager ein, werden aber zurückgetrieben, als Achilleus, um den Tod des Patroklos zu rächen, wieder am Kampfe teilnimmt. Hektor von Achilleus getötet, dieser durch einen Pfeil des Paris. Das hölzerne Pferd auf Odysseus’ Rat gezimmert. Bei der Einnahme Trojas tötet Neoptolĕmos, Achills Sohn, den greisen Priamos. Aeneas entkommt, rettet seinen Vater Anchīses. Irrfahrten der heimkehrenden Helden (Odysseus).

Agamemnon wird nach der Rückkehr von seiner Gemahlin Klytämnestra und Aigisthos getötet; sein Sohn Orestes rächt ihn, wird von den Erinnyen, den strafenden Göttinnen der Unterwelt, verfolgt, in Athen auf dem Areopag freigesprochen, nachdem er seine Schwester Iphigeneia aus Tauris zurückgeführt hat. Er herrscht dann in Mykenä.

§ 2. Staaten und Kolonien.

Eine große Umwandlung trat ein durch die Wanderungen hellenischer Stämme. Die aus Epīrus in das nach ihnen benannte Land einwandernden Thessăler verdrängen die Böoter aus ihren Wohnsitzen in Arne; diese nehmen nach Unterwerfung der Kadmeer und Minyer die fortan nach ihnen benannte Landschaft Böotien in Besitz. Ebenso wandern die am Pindos in Thessalien ansässigen Dorier nach Süden; ein Teil von ihnen bleibt in dem Berglande Doris am Öta, die anderen ziehen, durch Ätōler verstärkt, bei Naupaktos über die Meerenge nach der Peloponnes. Diese

1104 (?)

dorische Wanderung

hat die Gründung dorischer Staaten zur Folge. Nach der Sage sind die Herakliden Tēmenos, Kresphontes, Aristodēmos Anführer der Dorier; Temenos wird König in Argos, Kresphontes in Messenien; die Söhne des Aristodemos, Eurysthĕnes und Prokles, herrschen gemeinsam in Sparta. Oxylos, Anführer der Ätōler, wird König in Elis. Ein Teil der älteren achäischen Bevölkerung zieht sich nach Achaja zurück und vertreibt die dort wohnenden Ionier, die sich nach Attika wenden, in Arkadien bleiben die alten Einwohner; dorisch dagegen werden, Korinth, Sikyon, Phlius, Epidauros, Megara, Ägina, Kreta.

1066 (?)

Kodros, König von Athen, fällt, nach der Sage sich freiwillig opfernd, im Kampf gegen die aus der Peloponnes nach Norden vordringenden Dorier; Attika wird von ihnen nicht unterworfen.

1000–900.

Äolische, ionische, dorische Kolonien an der Küste Kleinasiens und auf den Inseln.

Äŏler und Achäer gründen Mytilēne und Methymna auf der Insel Lesbos; Kyme, Smyrna u. a. Städte auf dem kleinasiatischen Festlande; Smyrna wird später ionisch.

Ionier, nach der Sage meist von Athen ausgewandert unter Führung der Söhne des Kodros, besetzen die Inseln Chios und Samos und gründen an der lydischen und karischen Küste 12 Städte, namentlich Milet, Ephĕsos, Kolŏphōn, Klazomĕnä, Phokäa. Gemeinsames Heiligtum (Panionion) der Tempel des Poseidon am Vorgebirge Mykăle.

Dorier besetzen die Inseln Melos, Thera, Kōs und Rhodos und gründen an der karischen Küste Halikarnassos und Knidos. Auch Kreta galt als dorisch.

Auf Cypern sind Ansiedlungen von Peloponnesiern aus vor-dorischer Zeit nachgewiesen; nach Euböa und den Kykladen sind die Ionier früher als nach Asien gekommen.

In Ionien entstanden in der Zeit von 900–800 v. Chr. die homerischen Gesänge (Ilias, Odyssee, Hymnen). Homēros nach der Sage ein blinder Sänger aus Smyrna oder Chios; Sängerschule der Homeriden auf Chios. Wandernde Rhapsoden sangen dem Volk und den Edlen von den Taten der Götter und Helden und erweiterten allmählich die überlieferten Sagenkreise. Die epische Dichtung wurde die Grundlage hellenischer Bildung und Gesittung. Zu dem heroischen Epos trat ergänzend hinzu das Lehrgedicht; Hesiodos aus Askra in Böotien um 700: Theogonie, Werke und Tage.

Staatsverfassungen. Das patriarchalische Königtum der heroischen Zeit wird allmählich verdrängt durch die Herrschaft der Edlen (Aristokratie). Diese entartet oft zu einer drückenden Herrschaft weniger (Oligarchie), gegen welche sich in manchen Staaten Tyrannen als Führer der Gemeinde (Demos) erheben; in andern findet friedlicher Ausgleich durch einen erwählten Schiedsrichter (Aisymnētes) statt. Tyrann heißt der nicht auf gesetzliche Weise zur Herrschaft gelangte Herrscher, ursprünglich ohne die Nebenvorstellung willkürlicher oder grausamer Regierung. Auf die Tyrannis folgt meist eine gemäßigtere Aristokratie oder Demokratie. In der Demokratie entscheidet die Mehrzahl der Bürger über die Staatsangelegenheiten; die Fremden und Sklaven sind von politischen Rechten ausgeschlossen.

Der spartanische Staat wurde das Vorbild der Aristokratie, besonders für die dorischen Staaten, der athenische Staat das Vorbild der Demokratie, besonders für die ionischen Staaten.

In dem dorischen Sparta bestand die Bevölkerung aus drei streng geschiedenen Klassen: 1. Spartiaten, die dorischen Eroberer, welche die fruchtbarsten Teile des lakonischen Landes, das Eurotastal und die Niederungen bis zum Meere, besaßen. 2. Periöken (d. h. Herumwohnende), Nachkommen der vertragsmäßig unterworfenen Achäer. Sie waren persönlich freie, aber zinspflichtige Eigentümer ohne politische Rechte, wurden jedoch zum Kriegsdienst herangezogen. 3. Heloten, Leibeigene des Staats. Sie waren auf die Landlose der Spartiaten verteilt, bestellten deren Äcker und lieferten ihren Herren einen bestimmten Teil des Ertrages ab. Im Kriege dienten sie als Schildknappen und Leichtbewaffnete.

820. (?)

Lykurgische Verfassung und Gesetzgebung.

Lykurgos, nach sagenhafter Überlieferung aus königlichem Geschlecht, Vormund des jungen Königs Charilāos, schlichtet die Streitigkeiten und ordnet das Verhältnis der drei Klassen der Bevölkerung zu einander. Seine Gesetze, auf die Autorität des delphischen Orakels gegründet und nur mündlich in kurzen Aussprüchen überliefert, gelten als die Grundlage spartanischer Tüchtigkeit.

An der Spitze des Staats bleiben zwei erbliche Könige aus heraklidischem Geschlecht, der eine ein Agiade (von Agis, nach der Sage Sohn des Eurysthenes), der andere ein Eurypontide (von Eurypon, Enkel des Prokles, s. S. 28). Sie bringen die Staatsopfer dar, entscheiden Streitigkeiten des Familienrechts, führen das Heer, ernennen die Beamten, namentlich die 5 Ephoren (d. h. Aufseher, ursprünglich wohl für die 5 Bezirke des Periökengebietes).

Der Rat der Alten (Gerusia), bestehend aus 28, mindestens 60 Jahre alten, auf Lebenszeit gewählten Geronten unter dem Vorsitz der beiden Könige, hat: 1. die Vorberatung über alles der Volksversammlung Vorzulegende, 2. die Gerichtsbarkeit über Kapitalverbrechen.

Die Volksversammlung, bestehend aus allen über 30 Jahre alten Spartiaten, beschließt endgültig über Gesetze, Verträge, Krieg und Frieden, doch ohne Beratung und Abstimmung, nur durch Zuruf.

Die Spartiaten sollen unter sich gleich sein in Besitz und Kriegstüchtigkeit. Jeder Spartiatenfamilie wird aus dem nach Kriegsrecht von den Doriern gewonnenen Landbesitz ein unveräußerliches Erbgut (Klēros, d. h. Los) zugewiesen, dessen Bestellung den Heloten obliegt. Man zählte 4500, später 9000 Landlose der Spartiaten, 30000 der Periöken. Verbot der Reisen und des Fremdenverkehrs in Sparta; eisernes Geld, nur der Staat darf Gold und Silber besitzen.

Gemeinschaftliche Erziehung der Knaben vom 7. Jahre an, auf Abhärtung und kriegerische Übung gerichtet, doch wurden auch die homerischen Gesänge und Chorlieder lyrischer Dichter (Tyrtaios) gelernt. Zusammenleben der Männer; die Zeltgenossenschaften hatten auch im Frieden ihre gemeinsamen Mahlzeiten (Syssitien).

Sehr ähnliche Gesetze galten in Kreta, wo zahlreiche selbständige dorische Städte bestanden. Später dort auch schriftliche Gesetze; eine 1884 gefundene Inschrift enthält das Recht der Stadt Gortyn, Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Stellung der Sklaven u. a.

776.

Erste Olympiade,

Beginn einer gemeinsamen griechischen Zeitrechnung, die sich an die alle 4 Jahre dem höchsten Gotte Zeus zu Ehren in Olympia gefeierten Spiele knüpfte. In Elis, am Flusse Alpheios, lag der ummauerte heilige Bezirk, die Altis, mit Altar und Tempel des Zeus, Säulenhallen und Schatzhäusern, wo die Weihgeschenke aufgestellt wurden.[12] Die Spiele fanden außerhalb der Altis statt im Stadion (Springen, Laufen, Diskoswerfen, Speerwerfen, Ringen) und im Hippodrom (Wettfahren der Viergespanne). Den Siegern wurden Kränze von Ölzweigen zuteil; Dichter verherrlichten sie im Liede. Unter dem Schutze Spartas gewannen die Olympischen Spiele große Bedeutung für die Erhaltung des Nationalbewußtseins unter dem politisch sehr zersplitterten Griechenvolke.

Ähnliche Spiele, doch vermehrt durch musische Wettkämpfe der Sänger und Zitherspieler, wurden seit 586 bei Delphi dem Apollon zu Ehren gefeiert, in jedem dritten Olympiadenjahr (Pythische Spiele). Das Orakel zu Delphi, oft befragt bei wichtigen Unternehmungen, z.B. Gründungen von Kolonien, Kriegszügen, stand unter dem Schutze der delphischen Amphiktyonie (Umwohnerschaft), zu welcher die Phokier, Lokrer, Böoter, Thessaler u. a. gehörten.

Dem Poseidon zu Ehren wurden auf dem Isthmos, dem Zeus zu Ehren zu Nemea in Argolis alle zwei Jahre Spiele gefeiert. Die Wettkämpfe stählten die Volkskraft und weckten den Sinn für freie Entwickelung der Persönlichkeit.

Die Hellenen, ihrer körperlichen und geistigen Überlegenheit über die Barbaren sich bewußt, breiten sich, Städte gründend, weit über die Grenzen des Mutterlandes aus. Die Ansiedlungen an den Küsten des Ägäischen Meeres genügen nicht mehr, Milet allein sendet gegen 80 Kolonien aus.

750–550.

Ionische, dorische, achäische Kolonien

an den pontischen Küsten und im westlichen Teile des Mittelmeers.

Ionier von Milet gründen Abȳdos und Lampsăkos am Hellespont, Kyzĭkos an der Propontis, Sinōpe und Trapĕzūs an der Südküste des Schwarzen Meeres, Olbia, Istros, Odessos an der Westecke, Pantikapaion und Theodosia auf der Krim (Chersonēsus Taurica), Tanais am Asowschen Meer (Palus Mäotis), Phasis und Dioskurias an der Ostküste des Schwarzen Meeres. Zu Naukrătis in Ägypten gemeinsame Kolonie der kleinasiatischen Griechen.

Dorier von Megara gründen Chalkēdon und Byzantion (659) am Bosporus, Herakleia an der Südküste des Schwarzen Meeres, Megăra (Tochterstadt Selinūs) auf Sicilien.

Ionier von Chalkis auf Euböa besiedeln die Chalkidike mit mehr als 30 Städten, darunter Olynthos (Poteidaia korinthische Niederlassung), gründen Kyme (Cumae) in Campanien (Tochterstadt Neapolis), Naxos auf Sicilien (Tochterstädte Leontini und Katăna), Zankle (später Messana) und gegenüber auf dem Festlande Rhegion.

Dorier von Korinth gründen 734 Syrakūs, später Kerkyra, Dorier von Sparta 708 Tarent; Dorier von Rhodos Gela; und Akrăgas auf Sicilien; Dorier von Thera Kyrēne (um 630) und Barka in Afrika.

Achäer gründen Sybăris, Kroton, Metapontion, Lokrer das epizephyrische Lokri in Unteritalien (Groß-Griechenland).

Am weitesten nach Westen gehen die Ionier von Phokäa; ihre Kolonien sind Massalia (600) an der gallischen Küste, Mainăke im südlichen Spanien, Alalia auf Korsika. Als die Küste Kleinasiens unter persische Herrschaft kam (s. S. 18), verließen die Phokäer ihre Stadt und segelten zuerst nach Korsika; von dort vertrieben (S. 14), gründeten sie Elĕa in Unteritalien.

Infolge dieser Kolonisation griechische Kultur über einen großen Teil der Mittelmeerküsten verbreitet. Lebhafter Seeverkehr und Eintausch von Rohprodukten gegen die Erzeugnisse der griechischen Kunst und Industrie. An die Stelle der Naturalwirtschaft tritt nach und nach die Geldwirtschaft.

Spartas Hegemonie in der Peloponnes.

In älterer Zeit Argos der bedeutendste Staat. König Pheidon von Argos leitet die Festfeier zu Olympia (748, nach anderer Ansicht erst 668), ordnet Maß und Gewicht (dem babylonischen (S. 20) entsprechend, Vermittler die Phöniker), läßt zuerst in Ägina Münzen prägen. Bald aber erhebt sich Sparta zu höherer Macht durch die Eroberung der argivischen Landschaft Kynuria und Messeniens. Argos seitdem für immer mit Sparta verfeindet.

Um 740.

Erster Messenischer Krieg. Tapfere Gegenwehr der Messenier unter ihrem Könige Aristodēmos, namentlich auf der Bergfeste Ithōme. Ein Teil ihres Landes wird von den Spartanern in Besitz genommen, das übrige zinspflichtig.

708.

Die aus Sparta infolge von Zwistigkeiten auswandernden Parthenier gründen Tarent. Seitdem Auswanderung in Sparta verboten. Um diese Zeit Beschränkung des spartanischen Königtums durch die vergrößerte Macht der Ephoren, welche fortan jährlich von der Spartiatengemeinde erwählt werden.

Um 640.

Zweiter Messenischer Krieg. Aristomĕnes Held der Messenier; 11 Jahre lang wird die Feste Eira verteidigt. Der athenische (?) Sänger Tyrtaios begeistert die Spartaner durch seine Marschlieder. Nach dem Fall von Eira flüchten viele Messenier nach Unteritalien (Rhegion); die nicht auswandernden werden Heloten. Von Rhegion aus besetzen später (um 500) Nachkommen der Ausgewanderten die Stadt Zankle auf Sicilien, die dann den Namen Messana erhält.

Um 600.

Aufschwung Korinths unter dem Tyrannen Periander, dem Sohne des Kypsĕlos, der um 650 die Adelsherrschaft der Bakchiaden gestürzt hat. Entfaltung der Seemacht; Korinth wird erste Handelsstadt Griechenlands. Zu der älteren korinthischen Kolonie auf Kerkyra kommen unter Kypselos hinzu Leukas und Ambrakia, unter Periander Epidamnos und Apollonia an der illyrischen Küste, Poteidaia auf der Halbinsel Chalkidĭke. Perianders Neffe Psammetich wird 582 gestürzt, die Aristokratie hergestellt.

In Megăra um 630 Tyrannis des Theagĕnes, nach dessen Sturz Parteikämpfe (der Dichter Theognis um 540), endlich siegt die Aristokratie.

In Sikyon um 600 Tyrannis des Kleisthĕnes, welcher die Genossen der delphischen Amphiktyonie zum ersten heiligen Kriege gegen die phokischen Städte Krisa und Kirrha (Hafenstadt) vereinigt. Beide Städte zerstört, ihr Gebiet dem pythischen Apollon geweiht. Nach Kleisthenes’ Tode wird die Aristokratie hergestellt.

Auch in Milet, Ephesos u. a. Koloniestädten herrschen um dieselbe Zeit vorübergehend Tyrannen, in Mytilene auf Lesbos waltet um 600 der weise Pittăkos als Äsymnet. Vergl. S. 37.

Um 550.

Sparta vereinigt die peloponnesischen Staaten (außer Argos und Achaja) zum peloponnesischen Bunde unter seiner Hegemonie. Die Griechenstädte an der Westküste Kleinasiens stehen unter lydischer (S. 15), seit 545 unter persischer Herrschaft (S. 18). Auch die Inseln Cypern, Chios, Lesbos werden den Persern untertan; Samos erst 522 nach dem Sturz des mächtigen Tyrannen Polykrates.

Athens Emporkommen.

Nach Kodros’ Tode (S. 28) wird das Königtum eingeschränkt, aber nicht beseitigt; Adelsherrschaft der Eupatriden (S. 26). Den Königen treten erwählte Beamte zur Seite; seit 683 werden jährlich neun Archonten erwählt. Der erste, Archon epōny̆mos, führt den Vorsitz und wacht über das Familien- und Erbrecht; der zweite, Basileus, bringt die früher den Königen obliegenden Opfer dar, hütet das heilige Recht und leitet den Areopag; der dritte, Polemarchos, ist Heerführer und Gerichtsherr für die Metöken und Fremden, die andern sechs, Thesmotheten genannt, leiten die bürgerliche Gerichtsbarkeit. Die Oberaufsicht über das gesetzliche Verhalten der Bürger führt der Areopag, der auf dem Areshügel vor der Burg (Akropŏlis) sich versammelnde Gerichtshof, aus früheren Archonten gebildet; er richtet auch über die schwersten Verbrechen, Mord und Brandstiftung.

Um 632.

Aufstand Kylons, der sich, unterstützt von seinem Schwiegervater Theagĕnes von Megara, an der Spitze des über die Bedrückung der Adligen (s. u.) empörten Volkes der Akropolis bemächtigt. Er wird von dem Archon Megăkles, aus dem Geschlecht der Alkmäoniden, vertrieben, seine an den Altären Schutz suchenden Anhänger werden ermordet. Wegen dieses Frevels Verbannung der Alkmäoniden. Der Priester Epimenĭdes aus Phaistos auf Kreta berufen, um die Stadt durch Sühnopfer zu reinigen,

Um 620.

Gesetzgebung Drakons. Die bestehenden Übelstände nicht beseitigt. Die Adelsherrschaft bleibt; geschriebene Gesetze, aber sehr hart; das Recht von den adligen Richtern auch weiterhin nicht selten gebeugt; seit Einführung der Geldwirtschaft Geld nur gegen hohe Zinsen ausgeliehen; daher wachsende Unzufriedenheit der ärmeren Bürger, besonders über das strenge Schuldrecht. Solon, aus Kodros’ Geschlecht stammend, 594 zum ersten Archon erwählt, erhält Vollmacht, durch neue Anordnungen Frieden zu stiften. Er war dadurch zu Ansehen gelangt, daß er die Wiedereroberung der von den Megarern besetzten Insel Salamis bewirkte; auch hatte auf seinen Antrieb Athen am heiligen Kriege teilgenommen, und das delphische Orakel war ihm deshalb günstig gesinnt.

594.

Gesetzgebung Solons. 1. Entlastung der ärmeren Bürger (Seisachtheia): die auf dem Grundbesitz haftenden Schulden werden aufgehoben, alle Schuldsklaven in Freiheit gesetzt, Schuldknechtschaft für die Zukunft verboten Festsetzung eines Höchstmaßes von Grundbesitz, damit das attische Land nicht in den Besitz weniger Reicher komme, Abzahlung anderer Schulden erleichtert durch Herabsetzung des Münzfußes; 100 Drachmen neuen Geldes = 73 älteren; das euböische Talent, der persischen Goldwährung entsprechend tritt an die Stelle des äginetischen (S. 32).[13]

2. Bestimmung der bürgerlichen Pflichten und Rechte nach dem Ertrage des Grundbesitzes. Die Bürger werden in vier Klassen geteilt: 1. Pentakosiomedimnen, deren Güter 500 Scheffel Getreide bezw. Maß Öl und Wein oder mehr bringen; 2. Ritter, 300–500 Scheffel; 3. Zeugiten, d. h. die mit einem Gespann wirtschaften, 150–300 Scheffel; 4. Thēten, die ärmeren. Nach der Absicht des Gesetzgebers sollten alle Bürger Grundbesitz haben; bei steigender Bedeutung des Geldbesitzes wurde der Ertrag des Getreides in Geld umgerechnet und danach die Klasseneinteilung bestimmt.

Die Mitglieder der drei ersten Klassen dienen im Kriege als Hoplīten (schwerbewaffnete Fußsoldaten), die der zwei ersten Klassen auch als Reiter; für die Ausrüstung der Flotte bestand schon eine Einteilung der Bürger in 48 Naukrarien. Die Theten sollen nur zur Verteidigung des Landes als Leichtbewaffnete oder (seit Themistokles) zur Bemannung der Flotte aufgeboten werden. Eine regelmäßige Besteuerung der Vollbürger gab es nicht, die Ämter wurden umsonst verwaltet, die Staatsausgaben durch den Ertrag der Bergwerke, die Strafgelder, das Kopfgeld der Metöken, d. h. der eingewanderten Kaufleute und Handwerker, durch Markt- und Hafenzölle bestritten. Außerordentliche Steuern wurden in Zeiten der Not auf Volksbeschluß nach den Vermögensklassen erhoben, die vierte war steuerfrei.

3. An der Spitze des Staates bleiben die neun Archonten, jährlich erwählt aus den Bürgern der ersten Vermögensklasse. Neu eingerichtet wird der Rat der Vierhundert, jährlich erwählt aus den über 30 Jahre alten Bürgern der drei ersten Klassen. Die Volksversammlung (Ekklesia) besteht aus allen über 20 Jahre alten Bürgern. Sie erwählt die Beamten und entscheidet über die durch Vorbeschluß des Rates an sie gebrachten Angelegenheiten. Zur Entscheidung wichtigerer Prozesse werden Geschworenengerichte aus der richtenden Bürgerschaft, der Heliaia (Gesamtzahl 6000) gebildet. Der Areopag behält seine Gerichtsbarkeit und Oberaufsicht über das Privatleben der Bürger sowie über das gesamte Staatsleben.

Diese Verfassung wird als Timokratie bezeichnet; erst später entstand durch Aufhebung der Klassenunterschiede volle Demokratie. Ausgeschlossen von politischen Rechten blieben auch später die Schutzverwandten (Metöken), die vor Gericht eines Bürgers als Vertreter bedurften, und die sehr zahlreichen Sklaven, die jedoch durch Gesetz und Sitte gegen Mißhandlung geschützt waren.

Solon gab auch Gesetze für das bürgerliche Leben (Familienrecht, Strafrecht, Beschränkung des Luxus, Schutz des Ackerbaues und der Ölbaumzucht, Sorge für die körperliche Ausbildung der Jünglinge in den 3 Gymnasien: Akademie, Lykeion, Kynosarges). Nach Vollendung der Gesetzgebung verließ er Athen auf 10 Jahre und unternahm Reisen nach Ägypten, Cypern, Kleinasien. Rechtfertigung seiner Maßnahmen in seinen Elegieen.

Neue Parteiungen in Athen. Den Grundbesitzern in der Ebene (Pediäer) treten gegenüber die handeltreibenden Küstenbewohner (Parăler) und die ärmeren Gebirgsbewohner (Diakrĭer), letztere geführt von Peisistrătos, der trotz der Gegenbemühungen Solons immer mehr Anhang gewinnt und sich zuletzt der Akropolis bemächtigt.

560–527.

Peisistrătos, Tyrann von Athen.

Auswanderung von athenischen Adligen, zum Teil nach der thrakischen Chersŏnēs, unter des älteren Miltiădes Führung. Solon † 559, wahrscheinlich in Athen, nach anderen in Soloi auf Cypern (Unterredung mit Kroisos in Sardes?).

Peisistrătos regiert in Athen innerhalb der Formen der solonischen Verfassung, die er nicht aufhebt. Er versteht es, das Volk Archonten wählen zu lassen, welche ihm genehm sind. Zweimal durch Bündnis der Gegenparteien vertrieben, gewinnt er zuletzt eine dauernde Herrschaft. Die durch Solon zurückgeführten Alkmāoniden (S. 34) gehen abermals in die Verbannung, da ihr Führer Megăkles (an der Spitze der Parăler) sich gegen Peisistrătos nicht behaupten kann. Er erhöht das auswärtige Ansehen Athens: Sigeion am Eingang in den Hellespont athenische Kolonie, Schutzherrschaft über Delos, Befreundung mit den Tyrannen Lygdămis von Naxos und Polykrătes von Samos. Er erweitert und schmückt die Stadt Athen durch Bauten (der große Zeustempel bleibt unvollendet), baut eine Wasserleitung, ordnet die Feier der Panathenäen und der Dionysien (die Dithyramben des Thespis Anfänge der Tragödie), zieht Dichter an seinen Hof, z.B. Simonides, Anakreon, läßt die homerischen Gesänge schriftlich aufzeichnen und ordnen. Er vererbt die Herrschaft auf seinen Sohn

527–510.

Hippĭas. Dieser herrscht gemäßigt im Sinne des Vaters, bis sein Bruder Hipparchos von Harmodios und Aristogeiton aus Privatrache am Panathenäenfest ermordet wird (514). Hippias übt grausame Vergeltung, wird von dem ausgewanderten Adel (Kleisthĕnes an der Spitze der Alkmäoniden) in Verbindung mit einem spartanischen Heere unter Kleomĕnes vertrieben (510). Er begibt sich nach Sigeion und sucht später Hilfe beim Perserkönige Dareios.

509.

Gesetzgebung des Kleisthĕnes (Sohn des Megăkles, Enkel des Kleisthĕnes von Sikyon); die solonische Verfassung wird in demokratischem Sinne weiter gebildet. Die 4 Vermögensklassen bleiben bestehen, an Stelle der 4 alten Phylen (S. 26) treten zehn Phylen (Bezirke), deren Unterabteilungen die Demen (Ortsgemeinden) sind. Dadurch soll der Einfluß des Adels gebrochen und das Wiederaufleben der früheren Parteien verhindert werden. Jede Phyle wählt jährlich 50 Mitglieder in den Rat, dessen Zahl also von 400 auf 500 erhöht wird. Die 10 Abteilungen des Rats wechseln in der Geschäftsleitung ab, so daß das Amtsjahr nach dem Wechsel der 50 Ratsvorsteher (Prytanen) in 10 Prytanieen zerfällt. Die Besetzung der meisten Ämter wird fortan durch das Los entschieden, nach Vorwahl durch die Phylen; durch Abstimmung erwählt wurden die Archonten und die 10 Feldherrn. Für alle Ämter war eine Prüfung in bezug auf das bürgerliche Verhalten vor dem Amtsantritt und Rechenschaft nach Ablauf des Amtsjahres vorgeschrieben. Die Volksversammlung hat nach wie vor die Entscheidung über Gesetze, Bündnisse, Krieg und Frieden.

508.

Die Eupatriden unter Führung des Archon Isagŏras rufen abermals die Spartaner zu Hilfe, um die Durchführung dieser Staatsordnung zu hindern. Kleisthĕnes flüchtet, die Akropolis wird den Spartanern überliefert. Aber ein Aufstand des athenischen Volks zwingt den König Kleomĕnes zum Abzug. Die adligen Parteiführer werden hingerichtet; Kleisthĕnes zurückberufen.

507.

Ein Feldzug der Spartaner gegen Athen unter den Königen Kleomĕnes und Demarātos scheitert infolge des plötzlichen Abzugs der Korinther und der Uneinigkeit der spartanischen Könige. Die mit Sparta verbündeten Böoter und Chalkidier von Euböa werden von den Athenern geschlagen. Diese erobern einen Teil von Euböa, wo 4000 Bauerngüter an ärmere attische Bürger (Kleruchen) verteilt werden. So gewinnt Athen nach Befestigung seiner inneren Verfassung auch Ansehen nach außen.

Damit nicht eine Tyrannis wiederkehre, ordnet Kleisthĕnes den Ostrakismos an: die Volksversammlung ist befugt, mittels geheimer Abstimmung durch Tonscherben (Ostrăka) die Verbannung eines die Freiheit gefährdenden Bürgers zu beschließen; doch müssen 6000 Stimmen abgegeben sein.

Auch in den westgriechischen Städten herrschen zeitweise Tyrannen: Phalăris in Akrăgas (Agrigentum) um 570, Anaxĭlas in Rhegion 494. Zu besonderem Ansehen gelangt Syrakus unter der Herrschaft Gelons (seit 485), der mit Theron von Akragas befreundet ist. Die unteritalischen Städte behaupten sich gegen Angriffe der einheimischen Völkerschaften; die Bürger von Kroton zerstören 510 die reiche Nachbarstadt Sybaris.

Entwickelung der Kultur. Baukunst und bildende Kunst besonders zur Ausschmückung der Tempel geübt (dorische, später ionische Säulen, Weihgeschenke aus Erz, Marmor, Gold und Elfenbein). Erhalten sind namentlich der Tempel von Pästum am Tyrrhenischen Meer und die Skulpturen des Athenetempels zu Ägina (aus der Zeit um 510, jetzt in München).

Zu hoher Blüte entfaltete sich die Dichtkunst; bei den Ioniern namentlich die Elegie: Kallīnos von Ephĕsos um 670, Mimnermos von Kolŏphon um 600, Tyrtaios und Solon von Athen, auch Theognis von Megara (S. 33) dichtete in ionischem Dialekt;

bei den Doriern der lyrische Chorgesang: Terpander von Lesbos um 676 in Sparta, Alkmān von Sardes um 650 ebendaselbst, Stesichŏros von Himera um 600, Arion von Lesbos, Freund des Periander, Iby̆kos von Rhegion um 550;

bei den Äŏlern der lyrische Einzelgesang: Alkaios und Sappho von Lesbos um 600; der Ionier Anakrĕon von Teos um 540. Jambische Spottgedichte des Archilŏchos von Paros (um 650) und Hippōnax von Ephesos (um 540). Die Vollendung der lyrischen Dichtung in mannigfaltigen Formen zeigt sich in Simonĭdes von Keos und Pindăros von Theben, beide zur Zeit der Perserkriege.

Anfänge der Philosophie (zunächst Naturforschung) und der Himmels-, Erd- und Völkerkunde bei den Ioniern: Thales von Milet (s. S. 15). Herakleitos von Ephesos um 500: »Alles ist in ewigem Wechsel«. Pythagŏras von Samos wandert um 530 nach Kroton aus (Bund der Pythagoreer), Xenophănes von Kolophon um dieselbe Zeit nach Elĕa in Unteritalien (seine Schüler Parmenides, Zeno). Hekataios von Milet um 510.

In späterer Überlieferung werden als die sieben Weisen dieser Zeit genannt: Thales von Milet, Bias von Priēne, Pittăkos von Mytilene, Periander von Korinth, Cheilon von Sparta, Kleobūlos von Lindos, Solon von Athen.

§ 3. Perserkriege und Blütezeit Athens.

500–449.

Perserkriege.

500–494.

Aufstand der ionischen Griechen gegen die Perser (s. S. 20). Der von Athen und Eretrĭa ihnen geleistete Beistand ist die Veranlassung zu dem Versuch der Perser, auch das europäische Griechenland zu unterwerfen.

492.

Erster Zug der Perser unter Mardonios.

Das Landheer unterwirft das Küstenland von Thrakien, die Flotte die Insel Thasos. König Alexander von Makedonien erkennt die persische Hoheit an. Dann aber erleidet das Landheer große Verluste im Kampf mit den Thrakern, und ein großer Teil der Flotte wird am Vorgebirge Athōs durch Sturm vernichtet; dies bestimmt den Mardonios zur Rückkehr.

An der thrakischen Küste werden feste Plätze angelegt als Stützpunkt für spätere Feldzüge; Byzanz, Sēstos, Abdēra erhalten persische Besatzungen.

491.

Persische Herolde, welche Erde und Wasser als Zeichen der Unterwerfung verlangen, werden in Sparta und Athen getötet. Die Kykladen und Ägīna dagegen, auch manche Gemeinden des Festlandes versprechen dem Perserkönige Unterwerfung. Der spartanische König Kleomĕnes zwingt die Ägineten, den Athenern Geiseln zu stellen.

490.

Zweiter Zug der Perser unter Datis und Artaphernes, dem jungen Neffen des Dareios.

Eine große Flotte (nach Herodot 600 Trieren) durchfährt das Ägäische Meer, landet auf Naxos, dann auf Euböa, wo die Stadt Eretria zerstört wird, dann an der Ostküste von Attika. Hippias (S. 36) im Gefolge des Artaphernes. Das athenische Heer, 9000 Hopliten und außerdem leichtbewaffnete Sklaven (eine tüchtige Reiterei nur bei den Thessalern), geführt vom Polemarchos und den 10 Feldherrn, unter welchen Aristides und der vor den Persern aus der Chersones (S. 36, 20) geflüchtete (jüngere) Miltiades, lagert mehrere Tage dem Feinde gegenüber in verschanzter Stellung. Durch 1000 Platäer verstärkt, greift es, ohne die Ankunft der Spartaner abzuwarten, unter Führung des Miltiădes an und siegt in der

490. (Sept.)

Schlacht bei Marăthon.

Der Plan der Perser, Athen von der Seeseite zu überraschen, wird durch schleunigen Rückmarsch des Heeres nach der Stadt vereitelt. Die persische Flotte kehrt nach Kleinasien zurück. Hippias stirbt auf Lemnos.

489.

Unglücklicher Zug des Miltiădes gegen Paros. Verwundet nach Athen zurückgekehrt, wird er von Xanthippos angeklagt und zur Erlegung der Kosten des Unternehmens (50 Talente) verurteilt, welche sein Sohn Kimon nach dem Tode des Vaters zahlt.

Parteikämpfe in Athen; 487 Wahl der Archonten durch das Los eingeführt, 485 Xanthippos durch Ostrakismos verbannt, 483 der bedächtige und am Althergebrachten hängende Aristides. Themistokles erhält dadurch freie Hand zur Durchführung seines Planes, Athen zur ersten Seemacht Griechenlands zu machen. Schon 493 hatte er als Archon die Befestigung des Hafens Piraieus durchgesetzt; jetzt werden, zunächst um gegen Ägina Krieg zu führen, auf seinen Antrag die bisher zur Austeilung an die Bürger bestimmten Einkünfte aus den Silberbergwerken von Laurion dazu verwendet, die Flotte bis auf 200 Trieren zu bringen. Die bisherigen Naukrarien (S. 35) werden aufgehoben und durch die Einrichtung der Trierarchie ersetzt. Der Staat liefert die Schiffe; den wohlhabenderen Bürgern liegt ihre Ausrüstung als Staatsleistung (Liturgie) ob; dafür erhält der Trierarch die Anführung des von ihm ausgerüsteten Schiffes. Die Theten zum Flottendienst herangezogen,

480.

Dritter Zug der Perser unter König Xerxes.

Große Rüstungen, das Landheer sammelt sich schon 481 bei Kritalla in Kappadokien, von dort führt Xerxes es nach Sardes. Zwei Schiffbrücken über den Hellespont geschlagen, für die Flotte Kanal bei Akanthos gegraben, um das Vorgebirge Athos zu vermeiden. Im Frühjahr 480 Aufbruch von Sardes; Demaratos, der abgesetzte König von Sparta, und Peisistratos, Sohn des Hippias, begleiten den König. Musterung des Heeres bei Doriskos in Thrakien, nach Herodots übertreibender Angabe 1700000 Mann Fußvolk, 80000 Reiter und zahlreicher Troß; eine Flotte von 1207 Trieren.

Nachdem die Griechen den Plan, den Paß von Tempe zu verteidigen, aufgegeben haben, durchzieht das persische Heer Thessalien, ohne Widerstand zu finden. Die Thessăler und die böotischen Städte, mit Ausnahme von Platää und Thespiä, senden dem Könige Zeichen der Unterwerfung. Argos, Achaja und das westliche Mittelgriechenland nehmen am Kampfe gegen ihn nicht teil.

480. (Juli.)

Schlacht bei Thermopylä.

Der spartanische König Leonĭdas an der Spitze von etwa 6000 Schwerbewaffneten (Hopliten) (darunter 300 Spartiaten, 1000 lakedämonische Periöken und 700 Thespier) verteidigt 2 Tage lang den Engpaß, während 1000 Phokier den Fußpfad über den Kallidrŏmos bewachen. Die Perser, durch den Verräter Ephialtes auf diesen Pfad geführt, vertreiben die Phokier und kommen dem griechischen Heere in den Rücken. Leonidas befiehlt den Periöken und den Bundesgenossen, nach Hanse zu gehen und stirbt mit den noch übrigen Spartiaten und Thespiern, welche sich weigern, ihn zu verlassen, den Heldentod. Bekannte Grabschrift des Simonides. (S. Schillers »Spaziergang«). Die gezwungen (?) mit Leonidas fechtenden Thebaner strecken die Waffen, werden teils niedergemacht, teils auf des Königs Befehl gebrandmarkt nach Theben zurückgeschickt.

Zu gleicher Zeit unentschiedene Seegefechte bei Artemision, einem Vorgebirge und Tempel an der Nordspitze von Euböa. Dreitägige Kämpfe; Verluste der Perser namentlich durch den Untergang der um die Südspitze von Euböa herum entsandten Schiffe. Auf die Kunde von der Einnahme des Passes von Thermopy̆lä zieht die hellenische Flotte sich zurück nach der Bucht von Salămis. Das peloponnesische Landheer beginnt am Isthmos den Bau einer Schutzmauer.

Xerxes durchzieht Mittelgriechenland. Die Lokrer und Dorier unterwerfen sich. Das Gebiet der Phokier wird verwüstet, die gegen Delphi geschickte Truppe soll durch Gewittersturm zurückgeschreckt worden sein. Böotien wird als Freundesland behandelt, nur Thespiä und Platää werden zerstört.

Die Athener verlassen ihre Stadt, nur die Akropolis bleibt besetzt. Die waffenfähigen Bürger besteigen die Flotte, die »hölzerne Mauer«; Greise, Frauen und Kinder werden mit der beweglichen Habe nach Salămis, Ägina und Troizen gebracht. Den Verbannten wird die Rückkehr gestattet. Die Akropolis wird von den Persern erstürmt; Zerstörung der Stadt Athen.

480. (Ende Sept.)

Seeschlacht bei Salămis.

Die vereinigte hellenische Flotte (378 Trieren, 7 Fünfzigruderer) steht unter dem Oberbefehl des Spartaners Eurybiădes. Uneinigkeit im Kriegsrat; der athenische Feldherr Themistŏkles bewirkt durch eine geheime Botschaft an Xerxes, daß die Griechen in der Meerenge zwischen Salamis und Attika von der persischen Flotte eingeschlossen werden. Xerxes schaut von dem Berge Ägāleos dem Kampfe zu. Glänzender Sieg der Griechen. Aristides, von Ägina herbeigeeilt, nimmt während des Flottenkampfes die von den Persern besetzte kleine Insel Psyttaleia, macht viele vornehme Gefangene.

Die persische Flotte sammelt sich in der Bucht von Phalēron, Xerxes beschließt den Rückzug. In Thessalien bleibt Mardonios mit einem großen Teil des Heeres zurück. Xerxes erreicht nach großen, durch Seuchen und Mangel an Lebensmitteln verursachten Verlusten den Hellespont, wo er die Flotte findet, die das Heer übersetzt, da die Brücke vom Sturm zerstört worden ist.

Die griechische Flotte, statt, wie Themistokles wollte, die persische zu verfolgen, wendet sich gegen die Inseln, belagert Andros vergeblich und löst sich beim Eintritt des Winters auf. Rückkehr der Athener nach ihrer Stadt, deren Wiederaufbau sofort begonnen wird.

480.

Schlacht bei Himera,

Sieg der sicilischen Griechen unter Gelon von Syrakus und Theron von Akragas (S. 37) über die mit Persien verbündeten Karthager. Diese sollen den Frieden durch Zahlung von 2000 Talenten erkauft haben; sie bleiben im Besitz ihrer sicilischen Städte (Panormos, Soloeis, Motye).

479.

Nachdem Mardonios den Athenern durch Alexander von Makedonien (s. S. 38) vergebens einen Sonderfrieden angeboten hat, rückt er, verstärkt durch griechische Bundesgenossen (Thessăler, Böoter, Lokrer, Phokier) in Attika ein. Die Athener retten sich wieder nach Salămis. Was in der Stadt aufgebaut worden, wird von den Persern von neuem zerstört. Endlich rückt die ganze peloponnesische Streitmacht (30000 Hopliten und zahlreiche Leichtbewaffnete) über den Isthmos vor, Mardonios geht zurück und nimmt eine vorteilhafte Stellung in Böotien am Asōpos ein. Mehr als 10000 Athener, Platäer und Thespier vereinigen sich mit dem peloponnesischen Heere. Anführer der gesamten Streitmacht (angeblich 110000 Mann, doch keine Reiterei) war Pausanïas (Regent in Sparta für den unmündigen Sohn des Leonidas).

479. (Sept.)

Schlacht bei Platää.

Nach längerem Zaudern entschließt sich Pausanias zum Kampfe. Glänzender Sieg, Mardonios fällt. Die Griechen erobern das persische Lager; von der reichen Beute wird den Göttern der Zehnte geweiht.[14] Das griechische Heer rückt vor Theben, die Häupter der persischen Partei werden ausgeliefert und auf dem Isthmos hingerichtet.

Die hellenische Flotte unter dem Oberbefehl des Spartanerkönigs Leotychĭdas (die athenischen Schiffe unter Xanthippos) eröffnet den Angriffskrieg gegen die Perser, der mit Unterbrechungen bis 445 dauert. Der persische Flottenführer Mardontes, den kleinasiatischen Griechen in seinem Heere mißtrauend, wagt nicht, die ihm bei Samos angebotene Seeschlacht anzunehmen. Er läßt dieser Insel gegenüber bei dem Vorgebirge Mykăle die Schiffe aufs Land ziehen und verschanzt sich. Die Griechen landen und siegen in der

479. (Ende Sept.)

Schlacht bei Mykăle,

nehmen das Lager und stecken die persischen Schiffe in Brand. Mehrere Inselstädte (namentlich Samos, Lesbos und Chios), dann die Küstenstädte Kleinasiens, auch das hergestellte Milet (S. 20), werden als Bundesgenossen aufgenommen. Die Peloponnesier fahren nach Hause zurück, die Athener und Ionier erobern Sēstos (S. 38).

Wiederaufbau der Stadt Athen; sie wird trotz des Einspruchs der Peloponnesier mit einer starken Mauer von vergrößertem Umfang (60 Stadien) umgeben. List des Themistokles, der als Gesandter nach Sparta geht.

478.

Unter Anführung des Spartaners Pausanĭas vertreibt die vereinigte Flotte der Peloponnesier, Athener und Ionier persische Besatzungen von der Insel Cypern, fährt dann nach Byzanz und befreit diese Stadt. Hochmut des Pausanias gegen die Bundesgenossen, er tritt mit dem persischen Hofe in geheime Verbindung. Das gewinnende Auftreten der Anführer der Athener, Aristides und Kimon, hat nach Abberufung des Pausanias durch die Ephoren zur Folge, daß die Führung (Hegemonie) zur See von Sparta auf Athen übergeht,

477.

Gründung des attischen Seebundes.

Die Insel- und Küstenstädte des Ägäischen Meeres schließen ein dauerndes Bündnis mit Athen; die größeren stellen Schiffe zum Kampf gegen die Perser, die kleineren zahlen Geldbeiträge. Organisation des Bundes durch Aristides. Bundeskasse im Apollotempel zu Delos.

Themistokles, bei den olympischen Spielen 476 von den versammelten Hellenen geehrt, gerät bei den Athenern allmählich in Mißgunst, wird 470 durch den Ostrakismos verbannt und geht nach Argos. Dort wird er der Teilnahme an den fortgesetzten hochverräterischen Umtrieben des Pausanias verdächtig. Dieser, von den Ephoren mit Verhaftung bedroht, rettet sich in Sparta in den Tempel der Athene und stirbt durch Hunger (468). Themistokles muß aus Argos fliehen, geht nach Kerkȳra, dann nach Epīrus, endlich nach Susa zum Perserkönig Artaxerxes (s. S. 21), dem er seine Dienste anbietet. Er erhält eine fürstliche Schenkung in Kleinasien, stirbt (460) zu Magnesia (am Maiandros).

Fortsetzung des Angriffskriegs gegen die Perser unter Führung Kimons, des Sohnes des Miltiades (S. 39). Er erobert mit der Bundesflotte die noch von den Persern besetzt gehaltenen Plätze an der thrakischen Küste, namentlich Eïon an der Strymonmündung, besetzt die Insel Skyros (die Gebeine des Theseus von dort nach Athen gebracht), unterwirft die vom Bunde abgefallene Insel Naxos, besiegt Flotte und Landheer der Perser in der

466.

Doppelschlacht am Eurymĕdon

in Pamphylien. Darauf vertreibt er die Perser von der thrakischen Chersŏnēs, stellt die athenische Kolonie daselbst wieder her und unterwirft die abtrünnige Insel Thasos. — Bauten in Athen; Stoa Poikile am Markt mit Wandgemälden von Polygnōtos, Befestigung der Akropolis, Bau der langen Mauern nach dem Peiraieus und nach Phalēron.

464.

Erdbeben in Sparta, Aufstand der unterdrückten Messenier und Heloten. Die Spartaner bitten Athen um Hilfe; sie wird auf Kimons Antrag gewährt. Aber bald schicken die Spartaner aus Argwohn das athenische Hilfsheer zurück. Dadurch beleidigt, treten die Athener in ein Bündnis mit Argos. Mit Mühe unterdrücken die Spartaner 455 den Aufstand (dritter Messenischer Krieg) (S. 44).

In Athen erhebt sich gegen Kimons Politik, die auf gutes Einvernehmen mit Sparta, Fortsetzung des Kriegs gegen Persien und Mäßigung der Demokratie im Sinne Solons gerichtet ist, die demokratische Partei, geleitet von Ephialtes und Perikles, dem Sohne des Xanthippos (S. 39).

461.

Beschränkung des Areopags; ein Gesetz des Ephialtes entzieht ihm die altherkömmliche Oberaufsicht über die bürgerliche Ordnung und die Staatsverwaltung und läßt ihm nur die richterliche Tätigkeit. Zugleich Ausdehnung der Volksgerichtsbarkeit; auf Perikles’ Antrag wird den Heliasten (S. 35) ein Richtersold aus der Staatskasse gewährt. Kimon durch Ostrakismos verbannt.

Weitere Maßregeln der durch den Areopag nicht mehr gehemmten demokratischen Partei: Einführung des Ratssoldes und des Schaugeldes (Theorikon) für die Theateraufführungen an Festtagen; das Archontat wird auch der dritten Vermögensklasse zugänglich. Einschätzung in die Vermögensklassen nicht mehr nach dem Grundbesitz, sondern nach dem Gesamtvermögen.

459.

Fortsetzung des Krieges gegen Persien; eine athenische Flotte fährt nach Cypern und leistet dann den aufständischen Ägyptern unter Inaros Hilfe (S. 21). Das Unternehmen endet 455 unglücklich; die Athener, auf einer Nilinsel eingeschlossen, müssen sich ergeben. Zwiespalt der Griechen untereinander kommt den Persern zustatten.

459–445.

Kriege der Peloponnesier und Böoter gegen Athen.

Athen nimmt das benachbarte Megara in seine Symmachie auf, befestigt den Hafen. Korinth und Ägina dadurch bedroht, erklären den Krieg. Seesieg der Athener bei der Insel Kekryphaleia. Nunmehr kommt ein spartanisches Heer 457 den Doriern in Mittelgriechenland (S. 28) gegen einen Angriff der Phokier zu Hilfe; die Athener verlegen ihm den Rückweg, werden aber bei Tanăgra in Böotien von den Spartanern besiegt. Die Spartaner kehren nach Hause zurück; die Athener dringen abermals in Böotien ein, siegen bei Oinophy̆ta über die Thebaner und gewinnen die andern böotischen Städte, die Phokier und die opuntischen Lokrer zu Bundesgenossen. Ägina muß sich nach langer Belagerung unterwerfen (456), die Kriegsschiffe ausliefern und dem attischen Seebunde beitreten.

455.

Die attische Flotte unter Tolmides umfährt die Peloponnes, verbrennt die spartanische Schiffswerft bei Gytheion, landet an den Küsten von Ätolien und Sikyon, siedelt die Messenier (S. 43), welchen die Spartaner freien Abzug aus Ithome bewilligen, in Naupaktos am Eingang in den Korinthischen Meerbusen an.

454.

Verlegung der Bundeskasse von Delos nach Athen. Die Bundesgenossen, zu regelmäßigen Beiträgen verpflichtet (jährlich 460 Talente) und der Gerichtshoheit Athens unterworfen, werden tatsächlich zu Untertanen. Athen ist Hauptstadt eines ansehnlichen Insel- und Küstenreiches, welches nach den erhaltenen Tributlisten in 5 Provinzen geteilt war: Hellespont, Thrakien, Ionien, Karien, Inseln.

453.

Seezug des Perikles von dem megarischen Hafen Pagä aus, die Achäer schließen sich dem athenischen Bunde an; ein Angriff auf Öniadä (an der akarnanischen Küste) mißlingt. Aussöhnung zwischen Perikles und Kimon, welcher aus der Verbannung zurückberufen wird. Durch Kimons Einfluß kommt 451 ein Waffenstillstand zwischen Athen und Sparta zustande.

Neuer Seezug gegen die Perser. Kimon fährt mit 200 Schiffen nach Cypern, sendet 60 davon nach Ägypten, stirbt aber während der Belagerung von Kition an einer Krankheit. Seine Truppen erringen in der

449.

Doppelschlacht bei Salamis auf Cypern einen glänzenden Sieg über die persische (d. h. phönikisch-kilikische) Flotte und die am Lande befindlichen feindlichen Truppen, kehren dann aber nach Hause zurück. Alsbald erneut sich der Krieg in Mittel-Griechenland.

447.

Schlacht bei Koroneia; Sieg der von Athen abgefallenen Böoter. Gleich darauf Einfall eines spartanischen Heeres in Attika, um einen Aufstand auf Euböa gegen Athen zu unterstützen. Perikles bewirkt durch Bestechung des spartanischen Königs Pleistoanax den Abzug des Heeres, unterwirft darauf Euböa, ist aber zum Frieden und zum Verzicht auf die Landhegemonie bereit.

445.

Dreißigjähriger Friede zwischen Athen und Sparta.

Gegenseitige Anerkennung der peloponnesischen und der athenischen Bundesgenossenschaft.

Um diese Zeit (jedenfalls nach Kimons Tode) finden auch Friedensverhandlungen zwischen Athen und Persien statt, eine athenische Gesandtschaft unter Kallias geht nach Susa. Doch wird kein förmlicher Friede geschlossen, man begnügt sich mit stillschweigender Anerkennung des Besitzstandes. Die Athener geben Cypern auf und schicken den aufständischen Ägyptern keine weitere Hilfe. Später erzählte man von einem Kimonischen Frieden, in welchem der Perserkönig die Unabhängigkeit der kleinasiatischen Griechen anerkannt und versprochen haben soll, kein Kriegsschiff mehr ins Ägäische Meer zu schicken.

Folgen der Perserkriege: 1. Die politische Freiheit der Griechen in Asien und Europa ist gesichert gegen die Machtansprüche des persischen Despotismus. 2. Die griechische Kultur entfaltet sich zu ihrer höchsten Blüte in Gewerbtätigkeit und Handel, Kunst und Wissenschaft, besonders in Athen, während Sparta zurückbleibt.

444–429

Nachdem Thukydĭdes (Sohn des Melesias, nicht der gleichnamige Geschichtschreiber), eine Zeitlang Führer der kimonischen Partei, durch den Ostrakismos verbannt ist, beginnt die Blütezeit Athens unter der Verwaltung des Perikles, welcher, obwohl niemals Archon, den Staat durch seinen Einfluß als Redner in der Volksversammlung und in amtlicher Eigenschaft als Strateg, als Finanzvorsteher und Vorsteher der öffentlichen Bauten leitet.

Unbestrittene Herrschaft Athens im Gebiet seines Seebundes; nur Samos versucht 441 einen Aufstand. Verstärkung der Kolonie auf der thrakischen Chersones (S. 36, 43), Flottenfahrt des Perikles nach dem Schwarzen Meere zur Unterstützung der dortigen Griechenstädte Sinōpe, Amīsos, Pantikapaion (letztere wichtig für den Getreidehandel nach Athen). Neue Kolonien Thurii in Unter-Italien, an der Stelle des zerstörten Sybăris (443), und Amphipŏlis am Strymon (437). — Vollendung der Befestigung Athens durch eine dritte lange Mauer (parallel mit der nach dem Peiraieus führenden, s. S. 43). Neubau der Hafenstadt Peiraieus, Tempel zu Eleusis, in Athen das Odeion neben dem vergrößerten Dionysostheater am Südabhang der Akropolis, in der Nähe das noch gut erhaltene Theseion.

Prachtbauten auf der Akropolis: Der Parthĕnon, von Iktīnos und Kallikrătes erbaut, von dem Bildhauer Pheidĭas mit dem Standbild der Göttin Athene aus Gold und Elfenbein, an den Außenseiten mit Marmorskulpturen geschmückt;[15] die Karyatidenhalle des Erechtheion; die Propyläen, als Eingangstor von Mnesĭkles erbaut; daneben die Pinakŏthek mit Wandgemälden von Polygnōtos. Tempel der Athena Nike. Auf dem freien Platz vor den beiden Tempeln das große eherne Standbild der Athene Promăchos von Pheidias, welcher auch nach Olympia berufen wurde, um dort das Standbild des Zeus aus Gold und Elfenbein aufzurichten.

Athen jetzt der Brennpunkt des wirtschaftlichen Lebens in Hellas. Handel nach allen Plätzen des Mittelmeeres. Großindustrie durch Sklaven betrieben. Bedeutende Ausfuhr von Erzeugnissen des Gewerbefleißes, Einfuhr von Getreide, Schiffsbauholz und Rohstoffen aller Art.

Blüte der dramatischen Dichtung: Die drei Tragiker Aischy̆los (526–455, die Perser 472, die Oresteia 458, eine Trilogie), Sŏphŏkles (496–405, Antigone 441, Ödipus auf Kolōnos), Euripĭdes (480–406, Medeia 431. Iphigeneia in Tauris 412). Etwas später entfaltet sich die Komödie; besonders bedeutend sind die politischen Komödien des Aristophănes in der Zeit des Peloponnesischen Krieges (die Ritter 424, die Wolken 423, der Friede 421, die Vögel 414). Dramatische Aufführungen fanden statt an den Diony̆sosfesten (kleine Dionysien oder Lenäen, große Dionysien); die Ausstattung des Chores war eine den reicheren Bürgern obliegende Liturgie (vgl. S. 39).

Geschichtschreibung: Herodot von Halikarnaß (484–424?), Teilnehmer an der Koloniegründung in Thurii; Thukydĭdes von Athen (470–400?).

Philosophie: Anaxagŏras von Klazomĕnä, Lehrer des Perikles (Empedŏkles in Akragas. Demokritos in Abdēra, um 450). Protagŏras von Abdera, neben Gorgias von Leontini und Prodikos von Keos der berühmteste unter den Sophisten, welche als Lehrer der Weisheit und der Redekunst auftraten. Sokrătes von Athen (469–399), Gegner der Sophisten. Ihrer subjektiven Richtung (der Mensch ist das Maß der Dinge) stellt er das Streben nach objektivem, begriffsmäßigem Wissen entgegen.

§ 4. Peloponnesischer Krieg. (431–404 v. Chr.)

Nach kurzer Friedenszeit erneuert sich die Feindschaft der auf Athens politisches und wirtschaftliches Übergewicht eifersüchtigen aristokratischen Peloponnesier gegen die attische Demokratie; es beginnt ein fast dreißigjähriger, für Griechenland verderblicher Krieg.

Veranlassungen: 1. Einmischung Athens in den Krieg, welcher zwischen Kerkyra und Korinth wegen der Kolonie Epidamnos (S. 33) entstanden war.[16] Die Athener erklären sich für Kerkyra und nehmen (zunächst mit 10 Schiffen) teil an der Schlacht bei Sybŏta (432) zwischen den Korinthern und Kerkyräern, in der die Korinther erst Sieger sind, sich aber nach dem Erscheinen weiterer 20 attischer Trieren zurückziehen. 2. Die Bewohner von Poteidaia (S. 33) fallen vom athenischen Bunde ab (432), werden von Korinth unterstützt, aber von den Athenern geschlagen und in ihrer Stadt belagert.

Die Korinther, unterstützt durch Beschwerden der Megărer, welche von allen attischen Häfen und Märkten ausgeschlossen worden waren, und der Ägineten, klagen gegen die Athener in Sparta. Die Volksversammlung der Spartiaten erklärt, daß die Athener die Verträge gebrochen haben, worauf die peloponnesische Tagsatzung Kriegsbereitschaft beschließt.

Streitkräfte beider Parteien: Achaja und Argos bleiben zunächst neutral; mit den Peloponnesiern verbündet: die Megărer, Böoter, opuntischen Lokrer, Phokier.— Selbständige Bundesgenossen der Athener: Platää, Naupaktos, Kerkyra, Zakynthos, Chios, Lesbos, die Thessăler und Akarnanen. Flotte von 300 Trieren, Bürgerheer von 29000 Hopliten, Staatsschatz von 6000 Talenten, Jahrestribut aus dem Bundesgebiet 600 Talente.

Perikles behauptet sein Ansehen gegen alle Anfeindungen (Anklagen gegen Pheidias, Anaxagoras, gegen seine Gemahlin Aspasia, endlich gegen ihn selbst wegen der Verwaltung des Staatsschatzes). Sein Kriegsplan: Verteidigung in der befestigten Stadt, Angriff mit der Flotte.

431.

Der Archidamische Krieg. 431–421. Der Krieg beginnt mit einem Überfall von Platää durch die Thebaner, welche zurückgeschlagen werden. Darauf Einfall der Peloponnesier in Attika unter dem Spartanerkönig Archidāmos. Verwüstung des Landes. Die Landbewohner flüchten in die befestigte Stadt Athen oder lagern zwischen den langen Mauern. Die athenische Flotte verheert die Küsten der Peloponnes und nimmt Ägina in Besitz; das Gebiet von Megăra von dem Landheer verwüstet.

430.

Zweiter Einfall der Peloponnesier, in Athen bricht die Pest aus (der Arzt Hippokrătes aus Kōs). Perikles verheert mit der Flotte die Küste von Argolis, wird im Rechenschaftsprozeß verurteilt, aber für das nächste Jahr wieder zum Feldherrn erwählt.

429.

Die Athener nehmen Poteidaia ein; ihre Flotte unter Phormion ist siegreich im korinthischen Meerbusen bei Naupaktos.

Perikles stirbt an der Pest. An die Spitze der demokratischen Partei tritt Kleon, der »Gerber«, d. i. Besitzer einer durch Sklaven betriebenen Lederwarenfabrik, an die Spitze der aristokratischen Nikĭas.

428.

Dritter Einfall der Peloponnesier, dann Abfall der Stadt Mytilēne auf Lesbos vom athenischen Seebunde (Methymna bleibt den Athenern treu). Die Spartaner belagern Platää.

427.

Während des vierten Einfalls der Peloponnesier in Attika wird Mytilēne auf Lesbos von der athenischen Flotte zur Übergabe gezwungen. Die athenische Volksversammlung beschließt auf Kleons Antrag, alle Bürger von Mytilēne, am andern Tage jedoch, nur die Aristokraten hinrichten zu lassen. Über tausend werden getötet, die Mauern der Stadt geschleift, die Äcker der Insel, mit Ausnahme des Gebiets von Methymna, an attische Bürger verteilt.

Die Spartaner nehmen Platää ein, die letzten 225 tapferen Verteidiger der Stadt werden hingerichtet. — Blutige Parteikämpfe in Kerkyra, wo zuletzt mit Hilfe Athens die Demokraten Sieger bleiben.

426.

Glückliche Kämpfe der Athener unter Demosthĕnes in Akarnanien gegen die von den Peloponnesiern unterstützten Ambrakioten.

425.

Fünfter Einfall der Peloponnesier. Demosthenes, mit einer nach Sicilien (S. 50) bestimmten Flotte aussegelnd, landet in Messenien und besetzt die verfallene Burg von Pylos. Die Peloponnesier (Brasĭdas) besetzen die gegenüberliegende Insel Sphakteria, werden aber durch die athenische Flotte abgeschnitten. Der von spartanischen Gesandten in Athen angebotene Friede auf Kleons Antrag verworfen. Kleon und Demosthenes erobern Sphakteria; 292 Hopliten, darunter 120 Spartiaten, werden nach Athen gebracht. Die Athener drohen diese hinzurichten, wenn ein neuer Einfall in Attika geschehe.

424.

Die Insel Kythēra von den Athenern unter Nikias besetzt. Von Kythēra und von Pylos aus beunruhigen sie fortwährend das lakonische Gebiet. Ihr Landheer bei Delion in Böotien von den Böotern geschlagen (Sokrates von Alkibiades gerettet).

Brasĭdas, der durch Böotien und Thessalien nach Makedonien und Thrakien gezogen ist, bringt die dortigen Küstenstädte zum Abfall von Athen, nimmt auch Amphipŏlis ein. Der athenische Feldherr Thukydĭdes (der Geschichtschreiber), der mit einem Geschwader bei Thasos lag und diesen Verlust nicht hatte verhindern können, wird deshalb verbannt. Nach abermals vergeblichen Friedensverhandlungen senden die Athener Kleon nach Thrakien. Er wird in der

422.

Schlacht bei Amphipŏlis

von Brasidas geschlagen und fällt auf der Flucht, Brasidas stirbt an seinen Wunden.

421.

Friede des Nikĭas,

geschlossen auf 50 Jahre. Beide Teile geben die Gefangenen und die Eroberungen heraus, doch wird diese Bestimmung nur unvollständig ausgeführt. Schon nach drei Jahren bricht der Krieg wieder aus, da Alkibiădes die Athener beredet, dem Bündnis beizutreten, welches Argos mit anderen peloponnesischen Staaten (Elis und Mantineia) geschlossen hatte, um dem drückenden Übergewicht Spartas entgegenzutreten.

Die vereinigten Argiver und Athener werden in der

418.

Schlacht bei Mantineia

geschlagen. Die Spartaner stellen durch diesen Sieg ihre Herrschaft über die Peloponnes wieder her. In Athen bekämpfen sich die Parteien des Nikias und Alkibiădes; durch Anwendung des Ostrakismos wird nur der unruhige Hyperbŏlos verbannt.

416.

Die Athener nehmen Mēlos und töten alle Bürger der Insel.

415–413.

Unternehmung der Athener gegen Syrakus.

Syrakus, nach dem Siege bei Himĕra über die Karthager (S. 41) aufblühend unter der milden Herrschaft Hierons (Bruder des Gelon) seit 466 mit demokratischer Verfassung, steht an der Spitze der sicilischen Griechenstädte.

427.

Hilfsgesuch der Stadt Leontini (der Redner und Sophist Gorgias) bei den Athenern gegen Syrakus; eine athenische Flotte wird nach Rhegion gesandt, doch gelingt es den Athenern nicht, sich auf Sicilien festzusetzen. Der Syrakusaner Hermokrătes vermittelt 424 Frieden unter den sicilischen Städten.

416.

Hilfsgesuch der Stadt Egesta und der vertriebenen Leontiner gegen Selinus und Syrakus, bei den Athenern von Alkibiădes befürwortet, von Nikias widerraten. Eine Flotte von 134 Trieren fährt unter Anführung von Alkibiădes, Nikias und Lamăchos nach Sicilien. Nachdem Naxos und Katăna besetzt sind, wird Alkibiades zurückgerufen, abwesend angeklagt wegen Teilnahme an Religionsfreveln, die kurz vor Abfahrt der Flotte begangen waren (Verstümmelung der Hermen. Verspottung der eleusinischen Mysterien). Er flieht nach Argos, wird abwesend zum Tode verurteilt, seine Güter werden eingezogen. Hierauf begibt er sich, um Rache an Athen zu nehmen, nach Sparta.

414.

Die Athener erfechten einen Sieg vor Syrakus und beginnen mit Erfolg die Belagerung der Stadt, wobei Lamăchos fällt. Die Spartaner schicken auf Alkibiades’ Antrieb ein kleines Geschwader unter Gylippos den Syrakusanern zu Hilfe. Die Athener werden zurückgedrängt, leiden durch Krankheit und Mangel. Nikias der Lage nicht gewachsen.

413.

Sie erhalten Verstärkung aus Athen (73 Trieren, 5000 Hopliten) unter Demosthĕnes, werden aber bei einem nächtlichen Angriff auf die Höhen von Epipŏlä besiegt. Der Abmarsch beschlossen, verzögert durch abergläubische Bedenken des Nikias wegen einer Mondfinsternis (27. August). Unglückliche Seeschlacht in dem von den Feinden gesperrten Hafen von Syrakus; das zu Lande abziehende Heer wird am Flusse Assinăros teils niedergemacht, teils gefangen. Nikĭas und Demosthĕnes in Syrakus hingerichtet, 7000 Gefangene in die Steinbrüche gesteckt, wo viele elend umkommen, oder als Sklaven verkauft.

413. (März.)

Auf Alkibiădes’ Rat halten die Spartaner, gereizt durch eine Landung attischer Schiffe in Lakonien, den Flecken Dekeleia in Attika besetzt. Von dort aus machen sie (unter König Agis) oft wiederholte Streifzüge. Die dauernde Besetzung wirksamer als die früheren vorübergehenden Einfälle, Die letzten 9 Jahre des Peloponnesischen Krieges heißen deshalb der

413–404.

Dekeleïsche Krieg.

Bedrängnis der Athener, Flucht vieler Sklaven, Geldnot des Staates. Die aristokratische Partei kommt wieder zu Ansehen. Einsetzung einer neuen Behörde von 10 Vorberatern. Ordnung der Finanzen; die Tribute der Bundesgenossen werden in Hafenzölle umgewandelt. Neue Rüstungen.

Alkibiădes bewirkt den Abfall von Chios, Erythrä, Klazomĕnä und Milēt vom athenischen Bunde. Er bringt ein Bündnis zustande zwischen den Spartanern, die sich bereit erklären, dem Perserkönig alle ihm ehemals untertänigen Griechenstädte wieder zu überlassen, und dem persischen Satrapen Tissaphernes in Sardes, der den Spartanern Hilfsgelder zahlt.

412.

Eine neue athenische Flotte erscheint an der ionischen Küste; die Peloponnesier werden im Landkampf bei Milēt geschlagen, aber die Einnahme der Stadt wird durch das Erscheinen syrakusischer Schiffe (unter Hermokrates) gehindert. Die athenische Flotte, wieder auf 104 Schiffe gebracht, ankert vor Samos. Alkibiădes, von den Spartanern angefeindet und beargwöhnt, begibt sich zu Tissaphernes, auf den er bald großen Einfluß gewinnt. Zugleich knüpft er Unterhandlungen mit den Oligarchen (Gegnern der Demokratie) im athenischen Heere an.

411. (März.)

Verfassungsänderung in Athen,

von der oligarchischen Partei (Antĭphon, Theramĕnes) gewaltsam durchgesetzt. Rat von 400 Mitgliedern eingesetzt, die Volksversammlung auf 5000 Bürger beschränkt, alle Staatsbesoldungen, mit Ausnahme des Soldes der im Heere dienenden Bürger, werden abgeschafft. Friedensverhandlungen mit Sparta. Aber das Heer bei Samos weigert sich, die Verfassungsänderung anzuerkennen, erwählt neue Feldherren (Thrasybūlos) und ruft Alkibiades zurück. Dieser übernimmt den Oberbefehl, weigert sich aber, die Flotte gegen die Oligarchen nach Athen zu führen, und verlangt, daß sie vor dem Feinde bleibe. In Athen wird auch ohne Eingreifen des Heeres die Oligarchie nach kurzer Dauer gestürzt, der alte Rat der 500 wieder eingesetzt, bald auch der Zutritt aller Bürger zur Volksversammlung wieder hergestellt.

Die Spartaner brechen jede Verbindung mit Tissaphernes ab und schließen ein Bündnis mit Pharnabāzos, dem Satrapen von Bithynien. Aber die peloponnesische Flotte (unter Mindăros) wird von den Athenern in zwei

411.

Seegefechten bei Abȳdos geschlagen und schließlich unter Alkibiădes’ Oberbefehl vernichtet in der

410.

Doppelschlacht bei Kyzĭkos (Mindaros † im Landkampf an der Küste). Alkibiădes sichert die athenische Herrschaft auf der thrakischen Chersones, erobert Chalkēdon, schließt Vertrag mit Pharnabazos, erobert endlich auch die von dem Spartaner Klearchos verteidigte, für die Getreidezufuhr aus den Pontusländern wichtige Stadt Byzanz (409).

408.

Alkibiădes kehrt nach Athen zurück.

Seine Verurteilung wird widerrufen, die Athener ernennen ihn zum unumschränkten Feldherrn zu Wasser und zu Lande. Er schützt mit seinem Heere den langentbehrten Festzug nach Eleusis, fährt dann an der Spitze der athenischen Flotte wieder nach Kleinasien. Dort hatte unterdessen der Spartaner Lysander den Oberbefehl erhalten, und des persischen Königs Dareios II. jüngerer Sohn Kyros, Freund der Spartaner, war Satrap in Sardes geworden. Während Alkibiădes sich an einer Belagerung von Phokäa beteiligt, wird die von seinem Unterfeldherrn Antiochos befehligte Flotte von Lysander in dem

407.

Seetreffen bei Notion im Golf von Ephĕsos geschlagen. Wegen dieses unverschuldeten Unglücks wird Alkibiădes von den Athenern des Oberbefehls entsetzt. Er zieht sich nach der thrakischen Chersones zurück.

Der neue spartanische Nauarch (Admiral) Kallikratĭdas schließt die athenische Flotte unter Konon im Hafen von Mytilene ein. Die Athener rüsten mit äußerster Anstrengung eine neue Flotte aus; diese schlägt die Peloponnesier in der großen

406. (Sept.)

Seeschlacht bei den Arginusen,

kleinen Inseln an der Küste Kleinasiens, südöstlich von Lesbos; von 120 peloponnesischen Schiffen entkommen nur 43. Aber die siegreichen Feldherren werden in Athen angeklagt, weil sie die Schiffbrüchigen bei dem nach der Schlacht eingetretenen Sturm nicht gerettet und die Leichen nicht bestattet haben; 6 von ihnen, die sich dem Gericht stellen, werden zum Tode verurteilt. Vergeblicher Widerspruch des Sokrates, der am zweiten Verhandlungstage Vorsteher der Prytanen (S. 36) war, gegen das abgekürzte (summarische) Gerichtsverfahren. Lysander, wiederum Anführer der spartanischen Flotte, vernichtet die athenische Flotte in der

405. (August.)

Schlacht bei Aigospotamoi (Ziegenflüsse), Lampsăkos am Hellespont gegenüber. Nur Konon rettet sich mit wenigen Schiffen. Niedermetzelung von 3000 gefangenen Athenern. Lysander vernichtet die athenische Herrschaft über die Küsten und Inseln, richtet überall oligarchische Verfassungen ein, die durch spartanische Statthalter (Harmosten) überwacht werden, erscheint dann mit seiner Flotte vor dem Peiraieus, während die Landtruppen unter den beiden spartanischen Königen Agis und Pausanias Athen von der Landseite einschließen. Unterhandlungen durch Theramĕnes. Endlich bewirkt der Hunger die

404. (Frühjahr.)

Übergabe Athens, Ende des Krieges.

Die Mauern des Peiraieus und die langen Mauern zwischen Stadt und Häfen werden niedergerissen. Anerkennung der spartanischen Hegemonie, Verzicht auf alle auswärtigen Besitzungen, Auslieferung der Kriegsschiffe bis auf 12. Nach Annahme dieser Friedensbedingungen wird unter Lysanders Einfluß die Neuordnung des Staates dreißig Männern der oligarchischen Partei (Tyrannen) übertragen.

Folgen des peloponnesischen Krieges: 1. Fortdauernde Zersplitterung der Griechen, Beginn ihres politischen Niedergangs, erfolgreiche Einmischung Persiens. 2. Sparta ist mit persischer Hilfe wiederum im Besitze der Hegemonie, aber durch Auflösung der altspartanischen Zucht entartet. 3. Athen, die Siegerin über den Nationalfeind, ist gedemütigt, hat jedoch noch Kraft zu neuer Erhebung und bleibt die geistige Hauptstadt Griechenlands.

§ 5. Makedoniens Emporkommen.

Da Sparta seine Hegemonie gegen die Abneigung der anderen Staaten, besonders gegen das aufstrebende Theben nicht behaupten kann, erheben sich neue Kriege unter den griechischen Staaten, bis sie der Herrschaft Makedoniens untertan werden, welches unter den Königen Perdikkas II. (454–413) und Archelāos (413–399) allmählich erstarkt war, dann unter Thronstreitigkeiten zu leiden hatte bis zum Regierungsantritt Philipps 359.

404–403.

Herrschaft der Dreißig in Athen.

Sie nehmen eine spartanische Besatzung in die Akropolis auf, verhängen Verbannung und Hinrichtung über mißliebige Bürger, die von Angebern (Sykophanten) angeklagt sind. Theramenes, der als Mitglied der Dreißig zur Mäßigung rät, wird auf Betreiben des leidenschaftlichen Kritias ebenfalls hingerichtet. Darauf sammelt Thrasybūlos in Theben die aus Athen entflohenen Anhänger der Demokratie, besetzt mit ihnen die Bergfeste Phyle im Parnēsgebirge, schlägt die Truppen der Dreißig und bemächtigt sich der Hafenstadt Munychia (403); Kritias fällt. An Stelle der 30 wählen die Bürger in Athen 10 gemäßigtere Oligarchen. Unter Vermittelung des Spartanerkönigs Pausanĭas kommt ein Vergleich zwischen diesen und Thrasybūlos zustande. Die vereinigten Bürger ziehen gegen Eleusis, wo die meisten der Dreißig getötet werden, dann wird Amnestie verkündigt.

403.

Herstellung der Demokratie; neue Aufzeichnung der Gesetze unter dem Archon Eukleides. Bald werden auch die Besoldungen und Schaugelder (S. 44) wieder eingeführt, erstere sogar vermehrt durch den Volksversammlungssold.

401.

Aufstand des von Sparta unterstützten Kyros (S. 21) gegen König Artaxerxes Mnemon. Alkibiădes, welcher schon im Jahre 404 den König hatte warnen wollen, war auf der Reise zu ihm in Phrygien auf Betreiben Lysanders getötet worden. 13000 griechische Söldner kämpfen für Kyros in der Schlacht bei Kunaxa (unweit Babylon); mühsamer Rückzug unter Führung des Atheners Xenophon. Nicht ganz 10000 erreichen bei Trapezūs das Schwarze Meer, die meisten treten bei dem spartanischen Feldherrn Thibron (s. u.) in Dienst.

399.

Sokrates in Athen zum Tode verurteilt und durch Gift hingerichtet. Sein Schüler Platon erhebt die Philosophie zur umfassenden Wissenschaft.

399–394.

Krieg der Spartaner gegen Persien, gehemmt durch Zwiespalt unter den Griechen.

Der persische Satrap Tissaphernes will die griechischen Städte Kleinasiens für ihren Anschluß an die Sache des Kyros züchtigen. Die Spartaner kommen den Städten zu Hilfe, erst unter Thibron, dann unter Derkyllĭdas, endlich unter dem König Agesilaos. Dieser dringt 396 siegreich in Asien vor, schlägt am Paktōlos die Reiter des Tissaphernes, der auf Befehl des Großkönigs von seinem Nachfolger Tithraustes hingerichtet wird. Aber Athen, Theben, Korinth, Argos verbünden sich, durch persisches Geld unterstützt, gegen Sparta, dessen Harmosten sich überall verhaßt gemacht hatten.

395.

Lysander fällt bei Haliartos (in Böotien) im Kampf gegen die Thebaner.

394.

Seeschlacht bei Knidos; die spartanische Flotte wird von der persischen, von dem Athener Konon geführten Flotte besiegt. Vertreibung der Harmosten aus den griechischen Städten Kleinasiens. Agesilāos, aus Asien zurückberufen, zieht durch Thrakien, Makedonien und Thessalien, schlägt die Verbündeten in der

394.

Schlacht bei Koroneia (im westl. Böotien)

und gelangt in die Peloponnes zurück. Konon stellt mit persischem Gelde die 2 langen Mauern zwischen Athen und dem Peiraieus wieder her. Darauf Landkrieg in der Gegend von Korinth, das den Zugang zur Peloponnes beherrscht; die athenischen Peltasten Iphikrătes bringen den Spartanern schwere Verluste bei.

Der Spartaner Antalkĭdas gewinnt die Gunst des persischen Satrapen Tiribazos; Sparta sendet nochmals eine Flotte nach der asiatischen Küste aus, die aber vor der athenischen unter Thrasybūlos zurückweicht. Endlich entscheidet der Perserkönig; die griechischen Staaten nehmen die von ihm gestellten Bedingungen an.

387.

Friede des Antalkĭdas. Die Griechenstädte Kleinasiens, sowie die Inselstadt Klazomĕnä und Cypern werden den Persern preisgegeben. Die Athener behalten nur die Herrschaft über Lemnos, Imbros und Skyros, alle übrigen Staaten und Inseln sollen selbständig sein. Messenien jedoch bleibt unter spartanischer Herrschaft. Gewalttätiges Auftreten der Spartaner zur Durchführung dieser Bestimmungen.

379–362.

Krieg zwischen Theben und Sparta,

veranlaßt durch die Besetzung der Kadmeia (383). Ein spartanisches Heer war gegen die Stadt Olynthos gesandt, welche ihre Hegemonie über die kleineren Städte der Halbinsel Chalkidĭke nicht aufgeben wollte. Phöbĭdas, mit einer zweiten Abteilung nachgesandt, besetzt die Kadmeia, die Burg von Theben, im Einverständnis mit der aristokratischen Partei daselbst. Olynth wird 379 von den Spartanern erobert.

379.

Thebanische Flüchtlinge, die in Athen Aufnahme gefunden haben, befreien von dort aus unter Führung des Pelopĭdas ihre Vaterstadt und nötigen, unter Mitwirkung des Epameinondas, die Spartaner zum Abzug aus der Kadmeia.

378.

Die spartanischen Könige Kleombrŏtos und Agesilāos ziehen gegen Theben zu Felde, kämpfen aber ohne Erfolg. Der Versuch eines spartanischen Unterfeldherrn, sich des Peiraieus zu bemächtigen, veranlaßt die Athener zum Bündnis mit Theben. Darauf gründen sie den zweiten athenischen Seebund (Chios, Lesbos, Rhodos, Byzanz, Euböa, Kerkyra, chalkidische Städte, Kykladen; keine Kleruchieen in bundesgenössischem Gebiet, geringere Geldbeiträge). Seesiege des Chabrias (bei Naxos) und Timotheos (bei Leukas) über die peloponnesische Flotte. Olynth wird wieder selbständig. Sparta und Athen als Vertreter ihrer Bundesgenossen schließen 371 Frieden; Theben aber weigert sich, seine Hegemonie über Böotien aufzugeben, soll von den Spartanern dazu gezwungen werden.

371.

Schlacht bei Leuktra.

Der spartanische König Kleombrotos von Epameinondas besiegt. Schiefe Schlachtordnung, Pelopĭdas mit der heiligen Schar auf dem linken Flügel bringt durch sein Vordringen den Kampf zur Entscheidung.

370.

Angriff der Thebaner auf Sparta. Spartas Hegemonie wird durch den Abfall der Arkăder und die von Epameinondas angeordnete Befreiung der Messenier schwer erschüttert. Gründung der Städte Megalopŏlis in Arkadien und Messēne am Fuß der Berges Ithōme. Die offene Stadt Sparta wird von Agesilaos erfolgreich verteidigt; ein athenisches Heer kommt den Spartanern zu Hilfe; Rückzug der Thebaner.

369–367.

Epameinondas zieht noch zweimal nach der Peloponnes, um den erlangten Einfluß zu sichern; Pelopidas bekämpft in Thessalien den Tyrannen Alexander von Pherā und schlichtet einen Thronstreit in Makedonien, wird auf dem Rückweg unweit Pherä gefangen genommen, aber von Epameinondas befreit.

367.

Gesandte der griechischen Staaten gehen nach Susa; Thebens Versuch, einen Vertrag auf Grund der vom Perserkönige gutgeheißenen Vorschläge zustande zu bringen, mißlingt.

364.

Pelopidas fällt im Kampfe gegen den Tyrannen von Pherä bei Kynoskephălä; Epameinondas unternimmt mit einer neugebildeten Flotte eine Fahrt bis Byzanz, um der athenischen Seemacht entgegenzutreten. Unterdessen neue Streitigkeiten in der Peloponnes; Epameinondas unternimmt einen vierten Zug dorthin.

862.

Schlacht bei Mantineia,

Epameinondas fällt als Sieger im Kampfe gegen die Spartaner und ihre Bundesgenossen (darunter 6000 Athener). Damit endet die kurze Zeit der thebanischen Hegemonie (371 bis 362).

Friedensvertrag unter den griechischen Staaten, doch treten die Spartaner nicht bei, da sie die Unabhängigkeit Messeniens nicht anerkennen wollen. Agesilāos geht nach Ägypten zur Unterstützung der Aufständischen gegen die Perser (s. S. 21), deren Flotte der Athener Chabrĭas befehligt. Agesilāos stirbt auf der Rückfahrt (360).

359–336.

Philipp, König von Makedonien,

Sohn des Königs Amyntas, war von Pelopidas als Geisel auf 3 Jahre nach Theben gebracht worden und hatte dort griechische Bildung und Kriegskunst kennen gelernt. Er wird, 23 Jahre alt, nach dem Tode seines älteren Bruders Perdikkas, König von Makedonien. Tapfer und staatsklug befestigt er seinen Thron in dem von Parteikämpfen zerrissenen Lande, sichert die Grenzen gegen die unruhigen Nachbarvölker (Päŏner, Illyrier) und richtet ein stehendes Heer ein (Phalanx). Hauptwaffe die Sarissa, ein 5 m langer Speer. Dann beginnt er die Ausbreitung seiner Herrschaft an der thrakischen Küste und greift in das Bundesgebiet der Athener ein, die er durch schlaue Unterhandlungen täuscht.

357–356.

Philipp erobert Amphipŏlis (reiche Goldbergwerke in der Nähe), Pydna, Poteidaia, schließt Bündnis mit Olynth. Athen unterdessen bedrängt durch Abfall der Bundesgenossen. Chios, Kos, Rhodos, Byzanz sagen sich vom Seebunde los. Nach kraftloser Kriegführung (Chabrias † im Hafen von Chios) erkennt Athen 355 auf Antrag des Eubūlos ihre Selbständigkeit an. Der Seebund fortan unbedeutend. Eubūlos Vertreter der Friedenspolitik; die Überschüsse der Staatsverwaltung werden auf seinen Antrag der Festgelderkasse (S. 54) überwiesen.

355–346.

(Zweiter) Heiliger Krieg gegen die Phokier,

die wegen Benutzung des dem delphischen Gotte geweihten Landes von Kirrha (s. S. 33) von den Amphiktyonen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt waren. Die Thebaner übernehmen die Eintreibung dieser Geldstrafe, die Phokier aber bemächtigen sich der Schätze des delphischen Tempels, verstärken sich durch Söldner und verteidigen sich längere Zeit mit Erfolg.

352.

Onomarchos, Feldherr der Phokier, fällt in Thessalien im Kampfe gegen Philipp, welcher von den mit Theben verbündeten Thessălern zu Hilfe gerufen war. Ein athenisches Heer hindert durch Besetzung des Passes von Thermopy̆lä Philipp am Einmarsch in Mittel-Griechenland; die Phokier behaupten sich noch weiter.

Philipp wendet sich wieder nach Thrakien und greift Olynth an. Demosthĕnes, seit 351 (erste Philippika) Führer des nationalen Widerstandes gegen die drohende makedonische Macht, veranlaßt Hilfssendungen der Athener nach Olynth.

348.

Philipp erobert Olynth

durch Verrat, zerstört diese Stadt sowie eine große Zahl kleinerer Orte auf der Halbinsel Chalkidike und verkauft die Einwohner als Sklaven.

346.

Friede zwischen Philipp und den Athenern auf Antrag des Philokrătes. Demosthenes und Äschines Gesandte an Philipp. Dieser zieht, abermals von den Thessalern und Thebanern zu Hilfe gerufen, nach Phokis und gewährt dem phokischen Feldherrn Phalaikos und seinen Söldnern freien Abzug.

346.

Philipp unterwirft die Phokier,

zerstört ihre Städte, wird an ihrer Stelle in den Amphiktyonenbund aufgenommen. In Athen Unwille über sein gewaltsames Vordringen; Demosthenes’ Rede vom Frieden.

344.

Philipp tritt an die Spitze des thessalischen Bundes, unterstützt Argos, Messenien, Elis gegen Sparta. Demosthenes’ zweite Philippika.

343.

Philipp bringt Epirus und einen Teil von Euböa in Abhängigkeit. Äschines, von Demosthenes wegen seines Verhaltens bei der Gesandtschaft angeklagt, wird freigesprochen.

342–341.

Philipp dringt in Thrakien bis zum Pontos vor, gründet Philippopolis am Hebros, unterstützt die Stadt Kardia in ihrem Streit mit den athenischen Kolonisten der thrakischen Chersones (S. 46). Die nationale Partei in Athen (Demosthenes’ dritte Philippika) bringt ein Bündnis hellenischer Staaten (Megarer, Korinther, Euböer, Achäer, Akarnanen u. a.) unter Athens Leitung gegen Philipp zustande.

340.

Philipp belagert vergeblich Perinthos und Byzanz. Die Athener erklären ihm den Krieg, schicken zwei Flotten mit Hilfstruppen (unter Chares und Phokion) nach Byzanz und erzwingen die Aufhebung der Belagerung.

339–338.

(Dritter) Heiliger Krieg gegen Amphissa, nachdem die Amphiktyonen, auf Veranstaltung des von Philipp bestochenen Äschines, die Lŏkrer von Amphissa wegen Aneignung eines dem delphischen Gotte geheiligten Ackers in Strafe genommen hatten. Philipp, von den Amphiktyonen mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt, besetzt die Stadt Elateia, welche den Zugang zu Böotien beherrscht. Große Bestürzung in Griechenland. Die Athener rüsten Flotte und Landheer; Demosthenes bringt ein Bündnis mit Theben zustande. Philipp zerstört Amphissa und besiegt die verbündeten Athener, Thebaner, Phokier, Korinther, Achäer in der

338. (Aug.)

Schlacht bei Chaironeia.

Sein Sohn Alexander entscheidet die Schlacht durch Vernichtung der heiligen Schar der Thebaner. Philipp straft die Thebaner hart (Aufhebung der Hegemonie über Böotien, Rückkehr der Verbannten, makedonische Besatzung in der Burg Kadmeia); den Athenern bewilligt er einen günstigen Frieden. Er rückt in die Peloponnes ein, nimmt den Spartanern einen großen Teil ihres Gebietes und gibt es den Messeniern, Argivern und Arkadern.

Makedonische Hegemonie. Auf einer Nationalversammlung zu Korinth, an der nur die Spartaner nicht teilnehmen, läßt sich Philipp zum unumschränkten Heerführer der Griechen gegen die Perser wählen. Im übrigen behalten die griechischen Staaten ihre Selbständigkeit; eine Bundesversammlung (Synedrion) zu Korinth soll ihre Streitigkeiten schlichten.

§ 6. Alexander der Große.

Philipp, der bereits Truppen nach Asien gesandt hat, um den Krieg gegen die Perser zu beginnen, wird 336 von Pausanias, einem seiner Leibwächter, ermordet. Ihm folgt sein von Aristotĕles gebildeter zwanzigjähriger Sohn

336–323.

Alexander der Große.

Er zieht mit Heeresmacht nach Korinth (Diogenĕs) und läßt sich die Machtstellung seines Vaters übertragen, sichert dann die Nordgrenze seines Reiches durch einen Zug gegen die Triballer, Geten und Illyrier, wobei er die Donau überschreitet. Auf die Nachricht von einer Erhebung der Griechen erscheint er 335 zum zweitenmal in Griechenland, schlägt die Thebaner, zerstört Theben mit Ausnahme der Kadmeia, der Tempel und des Hauses des Dichters Pindar (522–422), und läßt die Einwohner als Sklaven verkaufen. Die Athener unterwerfen sich und erhalten Verzeihung. Antipăter bleibt als Reichsverweser in Makedonien zurück.

334.

Zug Alexanders gegen Persien.

Alexander fährt mit 30000 Fußsoldaten und 5000 Reitern (Feldherren Perdikkas, Kleitos, Parmenion, Hephaistion, Kratĕros, Ptolemaios, Antigŏnos) bei Abȳdos über den Hellespont, schlägt die persischen Satrapen und Memnon, den Führer der griechischen Söldner des Dareios, in der

334. (Mai.)

Schlacht am Granīkos,

einem kleinen Flusse in Troas. Rettung Alexanders durch Kleitos.

Alexander zieht südwärts, erklärt die griechischen Städte und Inseln für frei von der persischen Herrschaft (S. 55), erobert Milet und Halikarnassos. Weiterer Marsch durch Karien und Lykien, dann nordwärts in das Innere; Aufenthalt zu Gordion in Phrygien, wo Verstärkungen seines Heeres eintreffen; er löst den gordischen Knoten mit dem Schwert.

333.

Zug durch Kappadokien nach Kilikien, Erkrankung in Tarsos (Bad im Flusse Kydnos, der Arzt Philippos); durch die syrischen Pforten nach der Küstenstadt Myriandros in Syrien. Unterdes ist König Dareios III. (Kodomannos) mit einem großen Heere vom Euphrat herangezogen und den Makedoniern in den Rücken gekommen. Auf die Kunde hiervon kehrt Alexander um und erficht über die Perser in der

333. (Nov.)

Schlacht bei Issos

an der Küste von Kilikien einen glänzenden Sieg. Dareios entkommt, seine Mutter, Gemahlin und Kinder fallen in die Hände des Siegers.

Um die persische Seemacht aufzulösen, erobert Alexander Syrien und Phönikien (7monatige Belagerung der Inselstadt Tyros) dringt dann in Ägypten ein, wird in Memphis als Befreier begrüßt. Gründung der Stadt Alexandreia in trefflich gewählter Lage. Zug durch die libysche Wüste nach der Oase Siwah zum Orakel des Zeus Ammon. Von Ägypten zieht Alexander 331 zurück nach Tyros, dann durch Syrien zum Euphrat, den er bei Thapsakos überschreitet, dann durch Mesopotamien. Jenseits des Tigris schlägt er mit 47000 Mann das vielfach überlegene Heer der Perser in der

331. (Okt.)

Schlacht bei Gaugamēla oder Arbēla

nicht weit von den Ruinen von Ninive. Während Dareios nach Medien entflieht, wendet sich Alexander nach Süden, zieht, ohne Widerstand zu finden, in Babylon ein, nimmt darauf Susa, dringt durch die persischen Pässe, zieht als Sieger in Persepŏlis und Pasargădä ein. Verbrennung des Königspalastes der Achämeniden in Persepolis,

330.

Alexander zerstört das Perserreich.

Dareios flieht weiter nach Osten; Alexander zieht in Agbatana ein, gelangt dann durch die kaspischen Pässe nach Parthien. Dareios wird in der Nähe von Hekatompylos von dem Satrapen Bessos ermordet, der nach Baktrien entweicht und den Königstitel annimmt. Die Leiche des Königs auf Alexanders Befehl feierlich in Pasargadä bestattet. In Hyrkanien unterwerfen sich dem Sieger die noch übrigen griechischen Söldner des Dareios. Alexander zieht weiter durch Areia nach Drangiana; hier wird in Prophthasia die Verschwörung des Philōtas entdeckt. Er wird vom Heere verurteilt und hingerichtet, sein Vater Parmenion wird auf Alexanders Befehl in Agbatana getötet. Dann Zug durch Arachosien bis zum Fuße des Paropamīsos (Hindukusch).

329.

Alexander überschreitet den Paropamisos und dringt in Baktrien ein; Bessos wird ihm ausgeliefert und hingerichtet. Dann Zug durch Sogdiana bis zum Jaxartes (Sir Darja), wo er an der Grenze gegen die Skythen die Stadt Alexandreia Eschăte gründet. Durch einen gefährlichen Aufstand unter Spitamĕnes wird er längere Zeit in diesen Gegenden festgehalten. In Marakanda (jetzt Samarkand) ersticht er im Jähzorn den Kleitos 328. In Baktra Vermählung mit Roxane, der Tochter eines baktrischen Fürsten. Alexander beginnt orientalische Kleidung und Lebensweise anzunehmen. Verurteilung seines Jugendgefährten Kallisthĕnes, der dies mißbilligte.

327–325.

Zug Alexanders nach Indien.

Mit seinem durch asiatische Truppen ansehnlich verstärkten Heere gelangt Alexander unter harten Kämpfen mit den Bergvölkern zum Indus, überschreitet den Strom und betritt das Fünfstromland (Pendschab). Vereint mit dem indischen Fürsten von Taxila (Taxĭles), der sich ihm unterwirft, besiegt er in der

326.

Schlacht am Hydaspes

den Pōros, der gefangen, großmütig behandelt und als Vasall wieder in seine Herrschaft eingesetzt wird.

Gründung der Städte Nikäa und Bukephăla. Alexander rückt nach Osten bis zum Hyphăsis vor. Hier weigern sich die Makedonier weiter zu marschieren; Alexander entschließt sich zur Umkehr, führt aber seinen Vorsatz, den Ozean zu erreichen, durch. Bau einer großen Flotte, auf der ein Teil des Heeres den Hydaspes hinab in den Akesĭnes einfährt, während der andere (mit 200 Elefanten) am Flußufer entlang marschiert. Kampf mit den Mallern; Alexanders tollkühne Tapferkeit und schwere Verwundung. Nach seiner Genesung setzt er Marsch und Fahrt fort und gelangt zum Einfluß der vereinigten Pendschabströme in den Indus.

325.

Fahrt und Zug den Indus hinunter. Kratĕros tritt mit einem Teile des Heeres auf dem näheren Wege nach Westen den Rückzug nach Persien an, Alexander marschiert und fährt mit dem andern Teile bis zum Indus-Delta. Hier läuft die Flotte unter Nearchos in den Indischen Ozean ein (Ebbe und Flut). Nearchos fährt die Küste nach Westen entlang in den Persischen Meerbusen, während Alexander mit dem Landheer durch das wüste Gedrosien (Belutschistan) zieht. Nach beschwerlichem Marsche kommt er in Karmanien an, trifft mit Kratĕros zusammen und später an der Küste mit Nearchos, der dann weiter fahren und die Mündung des Euphrat und Tigris erkunden muß. Damit ist der Seeweg von Babylon nach Indien erforscht.

324. (Jan.)

Rückkehr Alexanders nach Persien und Strafgericht über habsüchtige und grausame Statthalter, die den König und sein Heer für verloren gehalten hatten. Ankunft in Susa. Hier enthüllt Alexander seinen großen Plan, den Orient zu hellenisieren, Sieger und Besiegte zu einer Nation zu verschmelzen und ein großes makedonisch-persisches Weltreich zu gründen. Er vermählt sich mit Stateira, der älteren Tochter des Königs Dareios III., sein Feldherr Hephästion mit der jüngeren; viele Offiziere des Heeres und über 10000 Soldaten nehmen asiatische Frauen. Große Pläne zur Eröffnung neuer Handelswege (Umfahrt Arabiens), zum Bau von Verkehrsstraßen für die mehr als 70 in allen Provinzen des Reiches gegründeten griechischen Städte. Alexander beansprucht als Nachfolger des »Großkönigs« göttliche Verehrung.

324. (Juli.)

Aufstand des makedonischen Heeres in Opis am Tigris, durch Alexanders Mut und Klugheit beschwichtigt. Entlassung der reich belohnten Veteranen unter Kratĕros nach Makedonien, während Antipăter von dort neue Truppen herbeiführen soll. — Zug nach Agbatana, wo Hephästion stirbt. Im Lager unweit Babylon erscheinen vor Alexander zahlreiche Gesandtschaften aus Griechenland, Italien und Afrika (Karthago). Von Babylon aus wird eine Erforschung des Euphrat unternommen.

323. (Juni.)

Tod Alexanders des Großen

in dem zur Hauptstadt des neuen Weltreichs bestimmten Babylon.

In Griechenland erheben sich 330 die Spartaner unter ihrem Könige Agis III., Antipăter besiegt sie in der blutigen Schlacht bei Megalopŏlis. Gleich darauf in Athen Prozeß des Äschines gegen Ktesiphon, welcher 336 einen Ehrenkranz für Demosthenes beantragt hatte. Äschines geht nach der glänzenden Verteidigungsrede des Demosthenes in die Verbannung nach Rhodos. Neue Aufregung 324, als Alexanders Schatzmeister Harpălos nach Griechenland flüchtet und Alexander das Gebot verkünden läßt, ihn als Gott zu verehren und die Verbannten wieder aufzunehmen. Demosthenes, fälschlich angeklagt wegen Veruntreuung der dem Harpalos abgenommenen Gelder, wird nun verbannt, kehrt aber bald zurück und bewirkt, als die Kunde von Alexanders Tode kommt, in Gemeinschaft mit Leosthĕnes und Hypereides eine Erhebung der Griechen unter Athens Führung,

323–322.

Lamischer Krieg.

Die Hellenen kämpfen anfangs glücklich unter Leosthĕnes und schließen Antipăter in Lamia ein, doch wird er durch ein von Leonnātos herangeführtes Entsatzheer befreit. Auch Kratĕros mit den Veteranen Alexanders kommt ihm zu Hilfe; beide vereinigt siegen bei Krannon in Thessalien (322). Das griechische Heer zerstreut sich, die Staaten unterwerfen sich einzeln. Die Athener müssen eine makedonische Besatzung in Munychia aufnehmen und die demokratische Verfassung beschränken (Phokion und Demādes an der Spitze des Staats), das Bürgerrecht wird an einen Census geknüpft. Demosthenes flüchtig, nimmt auf der Insel Kalaurĭa (an der Küste von Argŏlis) Gift (322).

§ 7. Hellenistische Zeit.

323–301.

Kämpfe der Diadochen (Nachfolger Alexanders).

Diese langen und verwickelten Kämpfe, die unmittelbar nach Alexanders Tode ausbrechen, zerstören das kaum gegründete makedonisch-persische Weltreich, führen aber das von Alexander begonnene Werk der Hellenisierung des Orients, der Ausbreitung griechischer Kultur und Sprache, in anderer Weise erfolgreich weiter.

Perdikkas wird 323 zum Reichsverweser ernannt für die regierungsunfähigen »Könige«, Alexanders Halbbruder Philipp Arrhidaios († 317) und seinen nachgeborenen Sohn von der Roxane, Alexander († 311). Die Verwaltung Makedoniens und seiner Nebenländer führen Antipăter und Kratĕros. Auch die übrigen Feldherren erhalten Statthalterschaften, namentlich Ptolemaios: Ägypten; Antigŏnos: Groß-Phrygien, Pamphylien und Lykien; Eumĕnes, Alexanders Geheimschreiber: Paphlagonien und Kappadokien, die er noch erobern soll; Leonnātos († 322): das hellespontische Phrygien; Lysimachos: Thrakien. Der Plan des Perdikkas, sich selbst zum Könige zu machen, bewirkt ein Bündnis der meisten übrigen Feldherren gegen ihn; er wird auf einem Zuge gegen Ptolemaios von seinen eigenen Truppen getötet.

321.

Antipăter Reichsverweser, neue Verteilung der Statthalterschaften, wobei namentlich Seleukos die Satrapie Babylon erhält. Krieg zwischen Antigŏnos und Eumĕnes.

319.

Polysperchon Reichsverweser, gelangt zu keinem Ansehen. In den fortdauernden Kämpfen siegt Antigŏnos in Kleinasien über Eumĕnes; Kassander, Antipaters Sohn, gewinnt die Herrschaft in Makedonien, läßt Alexanders Mutter Olympias töten und vermählt sich mit Alexanders Schwester Thessalonīke, gründet ihr zu Ehren eine bald aufblühende Handelsstadt (jetzt Saloniki).

Da Antigŏnos das ganze Reich unter seine Botmäßigkeit bringen will, so entsteht ein.

315–301.

Krieg zwischen Antigŏnos und den übrigen Statthaltern.

Antigŏnos und sein Sohn Demetrĭos Poliorkētes (der Städtebelagerer) nehmen 306 den Königstitel an. Diesem Beispiele folgen Ptolemaios, Seleukos, Lysimachos, Kassander.[17]

Demetrios belagert 304 vergeblich die feste Stadt Rhodos, sucht dann sich in Griechenland festzusetzen.

301.

Schlacht bei Ipsos (in Phrygien).

Antigŏnos fällt, sein Sohn Demetrĭos entflieht und führt mehrere Jahre lang ein abenteuerliches Freibeuterleben.

In Asien für die nächste Zeit Friede; in Europa dauern die Kämpfe fort. Nach Kassanders Tode (297) bemächtigt sich Demetrios der Herrschaft in Makedonien, wird aber 287 vertrieben und stirbt als Gefangener in der Gewalt des Seleukos in Syrien. Sein Sohn Antigŏnos Gonātas behauptet sich nach wechselvollen Kämpfen im Besitz Makedoniens.

Aus dem Weltreich Alexanders d. Gr. sind drei große Monarchien entstanden (Ägypten, Syrien, Makedonien), in denen Griechisch die Sprache des Hofes, der Regierung und der Gebildeten ist. Daneben mehrere kleinere Monarchien, griechische Freistädte und im Osten halbgriechische Staaten (S. 65ff).

1. Ägypten unter den Ptolemäern.

323–285.

Ptolemaios I. Lagi (d. h. Sohn des Lagos), auch Sotēr genannt, weil er den Rhodiern Hilfe brachte, sorgt für gute Verwaltung, herrscht auch über Cypern, setzt in Kyrene seinen Stiefsohn Magas ein.

285–247.

Ptolemaios II. Philadelphos gründet in der Hauptstadt Alexandrīa das Museum und die Bibliothek, gewinnt im Kriege gegen das Seleukidenreich Phönikien, Cölesyrien und die Südküste Kleinasiens.

247–221.

Ptolemaios III. Euergĕtes (der Wohltäter) behauptet noch den Umfang des Reiches, fördert Wissenschaften und Künste. Mit Ptolemaios IV. Philopātor (221–205) beginnt der Verfall; unter Ptolemaios V. Epiphănes (205–181) beginnt die Abhängigkeit von den Römern, doch erst 30 v. Chr. wird Ägypten römische Provinz.

2. Syrien unter den Seleukiden.

321–281.

Seleukos I. Nikātor herrscht weithin nach Osten bis zu den durch Alexander festgesetzten Grenzen; nur das Indusland wird aufgegeben (S. 16). Viele griechische Städte gegründet (Seleukeia am Tigris, Edessa, Hekatompylos); Residenz Seleukeia neben Antiochīa am Orontes. Durch den Sieg bei Ipsos gewinnt er einen großen Teil Kleinasiens, erweitert dies Gebiet 281 durch den Sieg in der Koros-Ebene (im hellespontischen Phrygien) über Lysimăchos, fällt aber bald darauf durch Mörderhand.

281–261.

Antiochos I. Soter schlägt die Gallier zurück (s. S. 66), behauptet noch den Umfang des Reiches. Unter Antiochos II. Theos (261–248) entstehen selbständige Königreiche in Baktrien und Parthien.

222–187.

Antiochos III. der Große kämpft gegen Ägypten, gegen die Parther und Baktrer, wird 190 von den Römern gedemütigt, behält aber immer noch ein ansehnliches Reich.

167–130.

Befreiungskampf der Juden unter Führung der Makkabäer (Mattathias und seine Söhne) gegen Antiochos IV. Epiphănes und dessen Nachfolger. Palästina wird ein unabhängiger Priesterstaat, seit 63 unter römischem Schutze.

83.

Tigrānes, König von Armenien, macht dem durch das Vordringen der Parther geschwächten Seleukidenreiche ein Ende.

64.

Syrien wird römische Provinz.

Das Reich der Parther, die unter den Arsakiden (250 vor Chr. bis 226 nach Chr.) alle Länder zwischen Euphrat und Indus erobern, bildet im Orient einen Damm erst gegen den Hellenismus, dann gegen die Römerherrschaft.

3. Die kleinasiatischen Länder.

a) Bithynien, das sich 298 von dem thrakischen Reich des Lysimachos losriß; Residenz Nikomedeia, gegründet um 264 von König Nikomedes I. Nikomedes III. setzt 74 die Römer zu Erben ein.

b) Das pergamenische Reich unter den Attaliden mit der Hauptstadt Pergămon in Mysien,[18] nach Lysimachos’ Tode 281 selbständig, aufblühend unter König Attălos I. († 197), der die Galater (s. u.) zurückschlug und die Bibliothek gründete, und seinem Sohne Eumenes II. († 159), dem treuen Bundesgenossen der Römer. Attalos III. setzt 133 die Römer zu Erben ein.

c) Die griechischen Seestädte, namentlich Sinōpe, Herakleia am Pontus, Lampsăkos, Smyrna, Ephesos, Rhodos.

d) Der Bundesstaat der Galăter, gegründet von gallischen Heerhaufen, welche 280 in Makedonien und Griechenland einbrachen, dann den Hellespont überschritten und sich in Phrygien niederließen; drei Stämme (Tolistobojer, Tektosagen, Trokmer) unter je 4 Tetrarchen; Hauptstädte Ankȳra (Angora) und Pessinūs.

e) Kappadokien, Pontus, Armenien, drei Königreiche unter einheimischen Dynastien, welche ebenso wie die Galăter nur zum Teil griechische Kultur annahmen.

4. Makedonien unter den Antigoniden.

Antigonos Gonātas (277–239) beruhigt das durch die Thronkämpfe und den Einfall der Gallier verwüstete Land, gibt die Ansprüche auf Herrschaft über Griechenland nicht auf. Sein zweiter Nachfolger Antigonos Doson (229–220) befestigt diese Herrschaft aufs neue (s. S. 68); Philipp V. (220–179) muß 197 darauf verzichten. Perseus (179–168) wird von den Römern entthront; 146 wird Makedonien römische Provinz.

5. Die altgriechischen Länder.

In Italien (Großgriechenland) behaupten sich die Griechenstädte, besonders Tarent, Thurii, Metapont, Lokri, öfters vom Mutterlande her unterstützt (338 Archidamos von Sparta, Sohn des Agesilaos, 330 Alexander von Epirus, Bruder der Olympias), gegen Angriffe der Lukaner und Bruttier; ebenso in Gallien Massalia gegen die einheimischen Stämme. Später treten sie unter römische Schutzherrschaft, Massalia erst 125 v. Chr.

Syrakus behauptet nach Abwehr des athenischen Angriffs (S. 50) noch lange eine bedeutende Stellung.

406–367.

Dionysios I., Tyrann nach glücklicher Abwehr der Karthager. Er vereinigt die sicilischen Griechenstädte unter seiner oft grausamen Herrschaft, unterwirft auch Rhegion und Kroton, bekämpft noch dreimal die Karthager. Auf Veranlassung seines Schwagers Dion verweilt der athenische Philosoph Platon eine Zeitlang an seinem Hofe. Ihm folgt sein Sohn

367–344.

Dionysios II., anfangs unter Leitung des Dion und Platon. Er wird 357 von Dion vertrieben, wendet sich nach Lokri, kehrt 346 zurück, wird 344 von dem korinthischen Feldherrn Timoleon besiegt und nach Korinth gesandt, wo er noch einige Jahre als Privatmann lebt.

339.

Timoleon, der Befreier Siciliens, schlägt die Karthager am Flusse Krimīsos.

317–289.

Agathŏkles, Tyrann von Syrakus, bekämpft die Karthager in Afrika, erkennt aber schließlich ihre Herrschaft über den Westen Siciliens an.

278–276.

Pyrrhos, König von Epirus, schützt die sicilischen Städte gegen Angriffe der Karthager.

270–215.

Hieron II., König von Syrakus, schließt mit den Römern ein Bündnis. Unter seiner milden Regierung blüht die Stadt wieder auf.

212.

Syrakus von den Römern erobert, wird zinspflichtige Provinzialstadt.

In Athen kommt während des Kampfes gegen Kassander (S. 64) die demokratische Partei noch einmal zur Herrschaft; Phokion wird 318 zum Giftbecher verurteilt. Bald aber muß Athen sich der makedonischen Macht wieder unterwerfen. Demetrios von Phalēron regiert als Statthalter Kassanders, wird 307 von Demetrios Poliorkētes vertrieben. Nach der Schlacht bei Ipsos versucht Athen seine Freiheit wieder herzustellen, wird aber 294 dem Demetrios Poliorkētes als König von Makedonien untertan.

266–263.

Befreiungskrieg der Athener unter Glaukon und Chremonides, doch ohne Erfolg.

229.

König Antigonos Doson zieht, auf Verwendung des Aratos (s. S. 68), die makedonische Besatzung zurück. Athen ist fortan selbständig, aber ohne politische Macht, es bleibt jedoch Sitz der Bildung und Gelehrsamkeit.

Theben, von Kassander wieder hergestellt (vgl. S. 59), sendet 278 zusammen mit Athen, Phokis, Lokris und den Ätolern ein Heer zur Verteidigung des Thermopylenpasses gegen die durch Makedonien vordringenden Gallier (S. 66); diese erobern den Paß, kehren aber um nach einer Niederlage bei Delphi. Thessalien, Euböa, Korinth sind um diese Zeit makedonisch. Die vollständige Unterwerfung Griechenlands unter die makedonische Herrschaft verhindert der um

280.

erweiterte Ätolische Bund und der zur selben Zeit erneuerte Achäische Bund.

Letzterer gelangt zu ansehnlicher Macht durch den von Arātos bewirkten Beitritt der Städte Sikyon und Korinth; aus Korinth wird 243 die makedonische Besatzung vertrieben. Bald schließen sich Megara, Megalopolis, Argos u. a. peloponnesische Städte dem Achäischen Bunde an. Verfassung des Bundes: An der Spitze ein jährlich gewählter Feldherr (Strategos), ihm zur Seite ein Kanzler (Grammateus) und ein Rat von 10 Demiurgen; in den Bundesversammlungen (zu Ägion) dürfen alle über 30 Jahre alten Bürger der verbündeten Städte erscheinen, jede Stadt hat eine Stimme. Ähnlich ist die Verfassung des Ätolischen Bundes, zu welchem auch Lokris, Phokis, Teile von Akarnanien und Thessalien gehören.

In Sparta, das unter der Herrschaft einer reichen Oligarchie entartet ist, büßt der junge König Agis IV. den Versuch, die lykurgischen Einrichtungen herzustellen, mit dem Leben (241). Besseren, aber nur vorübergehenden Erfolg hat der gleiche Versuch des Königs Kleomĕnes III., welcher die Ephoren überfallen und töten läßt, 80 Oligarchen verbannt und eine Verfassungsreform durchsetzt (226). Aber unheilvoll ist die Feindschaft zwischen Sparta und dem Achäischen Bunde. Arātos ruft den makedonischen König Antigŏnos Doson herbei und übergibt ihm die Burg von Korinth. Die Spartaner werden in der

221.

Schlacht bei Sellasĭa

geschlagen; Kleomĕnes flieht, stirbt 220 in Ägypten. Antigonos rückt in Sparta ein und stellt dort die Herrschaft der Oligarchen wieder her. Die makedonische Oberhoheit wird durch Abschluß eines makedonisch-hellenischen Bundes befestigt. Dagegen erhebt sich ein neuer Krieg von Seiten des Ätolischen Bundes, mit welchem die Spartaner sich verbinden; die Peloponnes wird furchtbar verwüstet (220–217).

Nach kurzer Friedenszeit abermals Krieg (211–205) der mit Rom verbündeten Ätōler und Spartaner gegen Philipp V. von Makedonien; dieser behauptet die Herrschaft über Thessalien, Euböa, Phokis, Lokris, Korinth. Im dritten Kriege (200–197) schließt sich auch der Achäische Bund den Feinden Philipps an.

197.

Aufhebung der makedonischen Herrschaft über Griechenland. Die Römer walten fortan als Schiedsrichter über den griechischen Staaten.

192.

Philopoimen, Feldherr des Achäischen Bundes, bringt Sparta zum Anschluß an den Bund, nachdem der von ihm bekämpfte Tyrann Nabis gefallen ist. Bald schließen auch Elis und Messenien sich an; die Freundschaft mit Rom wird aufrecht erhalten.

189.

Die Ätoler wegen feindlicher Erhebung gegen Rom bestraft.

183.

Philopoimen von den abtrünnigen Messeniern gefangen und getötet; der Achäische Bund durch Streitigkeiten zerrüttet.

167.

Tausend angesehene Achäer werden zur Verantwortung nach Rom gefordert.

146.

Krieg des Achäischen Bundes gegen Rom, veranlaßt durch Klagen der Spartaner gegen den Bund. Der Bundesfeldherr Kritolāos wird von Q. Caecilius Metellus bei Skarpheia am Malischen Meerbusen besiegt, sein Nachfolger Diaios von L. Mummius bei Leukopĕtra auf dem Isthmos.

146.

Korinth von den Römern erobert und zerstört.

Die griechischen Staaten werden zum Teil tributpflichtig; sie behalten ihre eigene Verfassung und Verwaltung, stehen aber fortan unter der Aufsicht des römischen Statthalters von Makedonien.

27.

Einrichtung der römischen Provinz Achaja (Peloponnes, Mittel-Griechenland, Thessalien und Epirus).

§ 8. Griechische Kunst und Wissenschaft.

Das in Griechenland frühzeitig entwickelte Geistesleben (S. 28 f., 37 f.), welches in Athen zu Perikles’ Zeit zu hoher Blüte gelangte (S. 46), hat auch nachher noch mannigfaltige und bedeutende Erscheinungen aufzuweisen.

In der bildenden Kunst sind berühmte Zeitgenossen des Pheidias Myron von Eleutherä in Böotien (Diskobolos) und Polykleitos von Argos (Hera in Argos); Schüler des Pheidias Alkamĕnes und Paionios (Skulpturen in Olympia). Dann folgen Skopas von Paros (Mausoleum zu Halikarnaß 350, Niobegruppe) und Praxitĕles von Athen (Hermes zu Olympia); in Alexanders Zeit der Erzgießer Lysippos von Sikyon. Nach den Diadochenkämpfen die pergamenische Kunstschule (Zeusaltar zu Pergamon, der sterbende Fechter) und die rhodische Kunstschule (Laokoongruppe, farnesischer Stier).

Als Maler ragen hervor Zeuxis von Herakleia, Parrhasios von Ephesos (beide in Athen zu Sokrates’ Zeit), Apelles von Kos in Alexanders Zeit.

In Athen entfaltete sich Philosophie, Geschichtschreibung und Beredsamkeit zur höchsten Blüte; Platon von Athen (427–347) und seine Nachfolger (Akademiker) lehrten in der Akademie, Aristoteles von Stageira, Lehrer Alexanders des Großen (388–322), lehrte im Lykeion; seine Schüler die Peripatetiker. Um 300 gründete Zenon von Kition in der Stoa (Halle) die Schule der Stoiker, Epikūros von Samos die Schule der Epikureer. Diese vier Philosophenschulen erhalten sich bis weit in die römische Kaiserzeit hinein.

Geschichtschreiber: Xenophon von Athen, Ephŏros von Kyme, Theopompos von Chios († um 320), Timaios von Tauromenion († um 250). Redner: Antĭphon, Lysias, Isokrătes († 338), Demosthenes († 322), Äschines, Hypereides, Lykurgos.

Dichter der neuern Komödie: Philēmon und Menander um 300 zu Athen.

In Alexandria um 270 die Dichter Kallimachos von Kyrene, Theokrit von Syrakus, Apollonios, der später in Rhodos lebte; der Mathematiker Eukleides um 300, der Geograph Eratosthĕnes um 240, die Grammatiker Zenodotos um 280, Aristarchos um 180 (Erklärung des Homer).

Für die Aufnahme der griechischen Bildung bei den Römern waren besonders wirksam der Stoiker Panaitios von Rhodos und der Geschichtschreiber Polybios von Megalopolis, beide mit dem jüngeren Scipio befreundet (um 146). Nachblüte der griechischen Literatur und Kunst in der römischen Kaiserzeit.

E. Die Römer.

Inhaltsverzeichnis

Italia,[19] ursprünglich Name des südlichsten Teils der Halbinsel, wird allmählich Gesamtname. Ursprünglich von sehr verschiedenen Völkerschaften bewohnt, gelangt Italien durch die Machtausbreitung der Stadt Rom zu nationaler und politischer Einheit, ohne die landschaftlichen Unterschiede zu verlieren.

Als älteste Einwohner erscheinen in Ober-Italien westlich die Ligŭrer, östlich die Venĕter, beides illyrische Stämme. Ihnen verwandt sind in Unter-Italien die Japyger. Die Mitte der Halbinsel bewohnen westlich die Latiner und Ausoner (Latium und Campanien), östlich die Umbrer und die sabellischen Stämme, welche sich erobernd ausbreiten: nach Latium dringen die Aequer und Volsker vor, in südlicher Richtung die Samniten und Lucaner, im Stammlande bleiben die Sabiner.

Höhere Kultur entwickelt sich zuerst bei den Etruskern oder Tyrrhenern (etrusk. Rasenna), die in Etrurien und in der mittleren Po-Ebene wohnen, unter phönikischem Einfluß (s. S. 13). Sie gründen Städte und stehen seit etwa 750 v. Chr. in lebhaftem Handelsverkehr mit Karthagern und Griechen. In den Gräbern (Gewölbebauten) bei Tarquinii, Caere, Clusium, Bononia (jetzt Bologna) haben sich bedeutende Reste ihrer Kultur erhalten: Wandmalereien, Goldschmuck, Waffen, Tongefäße. Sie dringen um 600 v. Chr. erobernd vor nach Latium und Campanien, werden aber gehemmt durch die selbständige Entwickelung Roms und verlieren seit 438 Campanien an die vordringenden Sabeller. In die Po-Ebene dringen um diese Zeit keltische Stämme von Norden her ein; nach ihnen heißt dieses Land fortan Gallia cisalpina.

In Latium bestand in alter Zeit ein Bund von 30 Gemeinden mit jährlichem Bundesfest auf dem Albanerberge zu Ehren des höchsten Gottes Juppiter; Vorort war Alba longa, auf halber Höhe des Berges gelegen. Rom, als Grenzplatz gegen die Etrusker gegründet, verstärkt durch Aufnahme von Sabinern, erhebt sich zur herrschenden Stadt. An der Spitze der Latiner unterwirft es die andern Völker Italiens nach und nach und wird dann Mittelpunkt eines Weltreiches. Die ältere Geschichte Roms ist in der Überlieferung sagenhaft ausgeschmückt.

§ 1. Zeit der Königsherrschaft. (753–510.)

Gründungssage: König Numĭtor von Alba longa, Nachkomme des mit trojanischen Flüchtlingen in Latium gelandeten Aenēas, wird von seinem Bruder Amulĭus des Thrones beraubt, sein Sohn getötet, seine Tochter Rea Silvia, damit das Geschlecht des Numĭtor aussterbe, unter die vestalischen Jungfrauen aufgenommen. Die Zwillinge Romŭlus und Remus, Söhne der Rea Silvia und des Kriegsgottes Mars, befiehlt Amulĭus in den über die Ufer getretenen Tiber zu werfen. Die Kinder werden gerettet, von einer Wölfin gesäugt und von dem königlichen Hirten Faustŭlus auferzogen. Zu Jünglingen herangewachsen, machen Romulus und Remus an der Spitze anderer Hirten Jagd- und Beutezüge. Remus wird gefangen und vor Numitor geführt, dieser erkennt seine Enkel. Sie töten den Amulius, setzen Numitor wieder als König ein und gründen mit seiner Erlaubnis an der Stelle des Tiberufers, wo sie einst ausgesetzt wurden, eine Stadt. Bei dem Streit darüber, wer sie nach seinem Namen nennen und beherrschen soll, wird Remus getötet; Romulus, alleiniger König, gründet die Stadt Roma auf dem Hügel Palatinus. Als Gründungstag galt seit Varro (1 Jahrh. vor Chr.) der 21. April (Fest der Hirtengöttin Pales) des Jahres 753 v. Chr.

Romulus, kriegerischer König, nimmt Flüchtlinge aus anderen Städten auf (Asyl auf dem Mons Capitolinus), erwählt einen Senat von 100 Mitgliedern. Raub der Sabinerinnen beim Fest der Consualia; deshalb Krieg mit den Nachbarstädten Caenina, Antemnae, Crustumerium (Romulus gewinnt die ersten spolia opima) und mit den Sabinern, deren König Titus Tatius sich durch den Verrat der Tarpeia des Burgfelsens bemächtigt. Die Schlacht zwischen Römern und Sabinern wird durch die geraubten Sabinerinnen unterbrochen. Vereinigung der Römer und Sabiner zu einem Staate unter gemeinschaftlicher Regierung des Romulus und Tatius bis zu des letzteren Tode. Romulus führt Kriege gegen die Etruskerstädte Fidenae und Veii. Er wird während eines Gewitters zu den Göttern entrückt und fortan als Gott Quirīnus verehrt.

Numa Pompilius, aus Cures, nach einjährigem Interregnum von den Römern aus den Sabinern erwählt. Friedlicher König, Ordner des römischen Gottesdienstes, nach dem Rat der Camene Egerĭa, seiner Gemahlin. Janustempel, ein in Kriegszeiten geöffnetes Tor zwischen den beiden Ansiedelungen auf dem Palatinus und Quirinalis, am Fuße der gemeinschaftlichen Burg auf dem Capitol. Einsetzung der Pontifices, Augŭres, Flamĭnes, Salii, Fetiales, virgines Vestales.

Tullus Hostilius, kriegerischer König. Krieg mit Veii und Fidenae, Verrat des Diktators von Alba, Mettius Fuffetius, der von Pferden gevierteilt wird. Alba longa zerstört (Horatier und Curiatier), die Bewohner siedeln nach Rom über.

Ancus Marcius, Enkel des Numa, zugleich friedlicher und kriegerischer König (»et Numae et Romuli memor«). Er stellt die von seinem Vorgänger vernachlässigten gottesdienstlichen Ordnungen wieder her und verpflanzt die Einwohner kleiner latinischer Ortschaften nach Rom, gilt deshalb als Begründer der Plebs (S. 74). Befestigung des Ianiculum, Bau der Pfahlbrücke (pons sublicius) über den Tiber. Gründung der Hafenstadt Ostĭa.

Tarquinius Priscus, aus der etruskischen Stadt Tarquinii mit seiner Gemahlin Tanaquil nach Rom eingewandert (ihm wird griechische Abstammung von dem Bakchiaden Demaratus aus Korinth zugeschrieben), wird Vormund der Söhne des Ancus und zum römischen Könige gewählt. Er beginnt den Bau des Juppitertempels auf dem Kapitol, der Kloaken (Abzugsgräben für die Niederungen zwischen den Hügeln der Stadt) der Stadtmauer und des Circus maximus. Der Senat wird auf 300 Mitglieder gebracht (patres minorum gentium). Verdoppelung der Zahl der Ritter; der Augur Attus Navius widersetzt sich der Bildung neuer Rittercenturien. Kriege gegen Sabiner und Latiner. Nach Ermordung des Tarquinius durch die Söhne des Ancus wird durch die List der Tanaquil König

Servius Tullius, Sohn der Sklavin Ocrisia und eines Gottes, von Tanaquil infolge eines Wunderzeichens königlich erzogen, Schwiegersohn des Tarquinius. Krieg gegen Veii, Aufnahme Roms in den latinischen Bund. Bau der Ringmauer um die 7 Hügel der Stadt (Palatinus, Capitolinus, Aventinus, Caelius, Esquilinus, Viminalis, Quirinalis), Einrichtung des Census und der Centurieneinteilung (s. S. 74). Servius Tullius wird ermordet von seinem Schwiegersohn

Tarquinius Superbus, den die Sage als grausamen Despoten darstellt. Er befragt den Senat nicht und zwingt das Volk zu Frondiensten beim Bau des kapitolinischen Tempels; er unterwirft sich den latinischen Bund, bemächtigt sich durch die List und den Verrat seines Sohnes Sextus der Stadt Gabii. Er erwirbt die sibyllinischen Bücher, sendet aber seine Söhne auch zum delphischen Orakel, wohin sie ihr Vetter L. Iunius Brutus begleitet, der den Spruch des Orakels am besten versteht. Während der Belagerung von Ardĕa Frevel des Sextus Tarquinius gegen Lucretia, die Gemahlin des L. Tarquinius Collatinus. Diese tötet sich selbst; Brutus ruft vor ihrem Leichnam das Volk in Rom zu den Waffen und wiegelt das Heer gegen den König auf, der die Tore der Stadt verschlossen findet und in die Verbannung geht.

Die letzten drei Könige gehören einer etruskischen Dynastie an; durch ihre Vertreibung wird Rom wieder eine latinische Stadt.

Religion. Die altitalischen Götter wurden nicht wie die griechischen menschenähnlich gedacht, sondern als unsichtbare Gewalten; Tempel und Götterbilder wurden allmählich eingeführt unter griechischem Einfluß, zuerst bei den Etruskern. Janus, Saturnus, Juppiter, Mars (Quirinus), Juno, Vesta, Ceres, Minerva sind italische Gottheiten, die später mit griechischen Göttern gleichgestellt wurden; ihre Verehrung wurde von besonderen Priestern geleitet (drei Flamines: Dialis, Martialis, Quirinalis: zwölf Salii, Diener des Mars, Träger der heiligen Schilde, ancilia; sechs Vestalinnen). Neben diesen Hauptgöttern viele andere, die als Beschützer des Landbaues an bestimmten Festen und heiligen Stätten verehrt wurden: Pales, Consus, Ops, Faunus, Silvanus, Terminus, Feronia, Flora, Pomona, Vertumnus u. a. Als Beschützer des Hauses und der Vorräte wurden die Lares und Penates angerufen. Auch sittliche Begriffe wurden als Götter gedacht und verehrt: Fides, Pietas, Honor, Virtus, Fortuna, Concordia.

Den Willen der Götter erforschten die Augŭres aus Himmelszeichen (Donner und Blitz), Vogelflug (Auspicien) und anderen Zeichen; aus Etrurien kamen die Haruspĭces hinzu, die namentlich aus den Eingeweiden der Opfertiere weissagten. Besondere Priester hatten die im kapitolinischen Tempel aufbewahrten sibyllinischen Bücher aufzuschlagen. Die Aufsicht über den gesamten Götterdienst, auch über die von einzelnen Geschlechtern und Genossenschaften (z. B. den fratres Arvales) dargebrachten Opfer hatten die Pontifices; ihnen lag daher auch die Ordnung des Kalenders ob. Verträge mit fremden Völkern unter heiligen Gebräuchen zu schließen und zu lösen war die Aufgabe der Fetiales.

Älteste Verfassung: Das Bürgerrecht umfaßt commercium, conubium, suffragium, honores (Berechtigung zu Ämtern). Die Hausväter (patres) mit ihren nächsten Angehörigen (patricii) bilden die Bürgergemeinde (populus) und zugleich die Kriegerschaft (Quintes). Sie sind eingeteilt in drei Stämme (tribus), die Ramnes, Tities und Luceres, jeder Stamm in 10 curiae, jede Curie in 10 gentes (Geschlechter). Die vom Könige zu einer Mitteilung oder Befragung berufene Bürgergemeinde der Patrizier bildet die comitia curiata. Der von ihnen erwählte König übt die Befehlsgewalt (Imperium) als oberster Priester, Richter und Heerführer aus. Beratend steht ihm zur Seite der Senat (Rat der Ältesten); er bestellt, wenn das Königtum erledigt ist, aus seiner Mitte den interrex, alle 5 Tage wechselnd. Die außerhalb der Geschlechter stehenden Schutzverwandten, welche einen Beschützer (patronus) haben müssen, heißen diesem gegenüber clientes (Hörige, von cluēre). Ihre Nachkommen, vermehrt durch Einwohner der im Kriege unterworfenen latinischen Nachbargemeinden, bilden allmählich eine Gemeinde der Nichtbürger (plebs oder plebes, verwandt mit pleo, plenus, die Menge). Sie sind ohne politische Rechte. Ihre erste Ansiedelung auf dem Aventinus.

Die Änderung dieser Verfassung beginnt mit der Heranziehung der Plebejer zum Kriegsdienst durch die dem Servius Tullius zugeschriebene Heeres- und Steuerverfassung. Er bildet 18 Reitercenturien und 80 Centurien schwerbewaffnete Fußsoldaten; Besitzmaß 20 Morgen Land, nach späterem Ansatz in Geld 100000 As.[20] Zu dieser ersten Klasse der Bürger treten vier weitere hinzu, 90 Centurien mit leichterer Bewaffnung, ohne Panzer, dem geringeren Besitz entsprechend; 2 besondere Centurien bilden die Schmiede und Zimmerleute (fabri), ebenso die Hornbläser und Trompeter (cornicines et tubicines); die Armen ohne Grundbesitz (proletarii) bilden als Ersatzmannschaft eine große Centurie. Gesamtzahl 193 Centurien.

In der Volksversammlung (comitia centuriata) fortan Abstimmung der Bürger nach Centurien. Die Begüterten haben also mit 98 Stimmen stets das Übergewicht über die anderen 95 Centurien.

Das Fußvolk bildet 2 Legionen für den Felddienst (centuriae iuniorum) und 2 für die Stadtverteidigung (centuriae seniorum). Behufs der Aushebung und Entrichtung der Kriegssteuer (tributum) wird Stadt und Gebiet in eine Anzahl von Quartieren (tribus) geteilt. Alle 4, später alle 5 Jahre findet eine neue Einschätzung (census) der Bürger nach dem Vermögen statt; sie schließt mit einem Reinigungsopfer (lustrum). Die nicht in Tribus aufgenommenen Einwohner ohne Bürgerrecht sind vom Kriegdienst frei und zahlen ein Schutzgeld (aerarii).

Diese Kriegsverfassung, getragen von Sittenstrenge und bürgerlicher Zucht, machte die Römer ihren Nachbarn überlegen.

§ 2. Rom als Republik.

510. (?)

Vertreibung der Tarquinier.

An die Spitze des Staates treten 2 consŭles, auf ein Jahr gewählt; die ersten waren L. Iunius Brutus und L. Tarquinius Collatinus. Der letztere, als Verwandter der vertriebenen Königsfamilie beim Volke unbeliebt, wird bald ersetzt durch P. Valerius Poplicŏla, den ersten consul suffectus, der sich durch die lex Valeria de provocatione die Gunst des Volkes sicherte.

Die consŭles üben während ihres Amtsjahres die früher den Königen zustehende Gewalt aus: imperium und auspicia publica, d. h. Befragung der Götter von Staats wegen. Für gewisse Opfer, welche früher die Könige dargebracht hatten, wird ein Priester als rex sacrificulus bestellt und dem pontĭfex maximus untergeordnet. Jeder Konsul kann die Maßnahmen des andern durch das ius intercedendi unwirksam machen. Gehilfen der Konsuln für Kriminalgerichtsbarkeit und Verwaltung des Staatsschatzes (aerarium) sind die 2 quaestores. Die Konsuln haben als äußere Zeichen ihrer Amtsgewalt den Amtssessel (sella curulis) und das Obergewand mit Purpurstreif (toga praetexta); ihnen schreiten vorauf 12 lictores, welche in Rutenbündeln (fasces) Beile (secures) tragen, doch nicht im Stadtgebiet, weil in Friedenszeit die obrigkeitliche Gewalt der Konsuln durch das Berufungsrecht beschränkt ist. Nach der lex Valeria de provocatione[21] steht es dem zum Tode oder zu körperlicher Züchtigung verurteilten Bürger frei, die Entscheidung der Volksversammlung, der comitia centuriata, anzurufen.

Hauptrechte dieser Volksversammlung sind die Beamtenwahl, die Gesetzgebung und die Entscheidung über Krieg und Frieden. Bei der Abstimmung haben die 6 alten, vorwiegend patrizischen Rittercenturien das Vorstimmrecht (centuriae praerogativae). Sind die Centurien der ersten Klasse (S. 74 f.) mit den Rittern einig, so werden die übrigen Klassen nicht befragt. Die comitia curiata verlieren ihre frühere Bedeutung, doch bleibt ihnen das Recht, die gewählten Konsuln zu bestätigen (lex curiata de imperio).

Der Senat, früher nur aus Patriziern bestehend, wird durch zugeschriebene Plebejer (daher die Formel: patres (et) conscripti) ergänzt, und zwar aus den Rittern, d. h. den Reichen. Der Senatsbeschluß (senatūs consultum) ist für die Konsuln maßgebend, hat aber nicht Gesetzeskraft. Zur Zeit besonderer Gefahr tritt an die Spitze des Staates ein Dictator, ohne Mitwirkung der Bürgerschaft, aber mit Beirat des Senats von einem der Konsuln ernannt (dictatorem dicere). Die Konsuln sind ihm untergeordnet; er ernennt seinen Gehilfen, den magister equitum; beide dürfen ihr Amt nicht länger als sechs Monate führen.

509.

Verschwörung junger Patrizier zur Herstellung des Königtums. Der Konsul L. Junius Brutus läßt seine eigenen Söhne als Teilnehmer an der Verschwörung hinrichten. Darauf Krieg mit den Etruskern von Veii und Tarquinii; Brutus fällt im Zweikampf mit Aruns Tarquinius vor der Schlacht am Walde Arsia. An seine Stelle wird zuerst Sp. Lucretius, nach dessen Tode M. Horatius gewählt, welcher den in der Königszeit erbauten Tempel des Juppiter Capitolinus weiht.

508.

Unglücklicher Krieg der Römer gegen den etruskischen König Porsenna von Clusium; sie müssen den Frieden durch Gebietsabtretung und Entwaffnung erkaufen. Römische Sagen von Horatius Cocles, dem tapferen Verteidiger der Tiberbrücke, von dem Heldenmute des Mucius Scaevola und der Cloelia. Die weiter in Latium vorrückenden Etrusker werden vor Aricia von den Latinern und ihren Bundesgenossen, den Griechen aus Cumae (unter Aristodemos), geschlagen und können sich auf dem linken Tiberufer nicht behaupten. Rom erlangt bald seine frühere Machtstellung wieder. König Tarquinius stirbt in Cumae.

Vielleicht in dieser Zeit schon Handelsvertrag zwischen Rom und Karthago. Die Küstenstädte bis Terracina unter Roms Oberhoheit (S. 82).

496.

Sagenhafter Sieg der Römer über die Latiner und Tarquinius am See Regillus (bei Tusculum); der Dictator Aulus Postumius siegt mit Hilfe der Dioskuren (Kastor und Pollux), denen alsbald ein Tempel in Rom errichtet wird.

494.

Auswanderung der Plebejer auf den Heiligen Berg (secessio plebis in Montem sacrum).

Die Plebejer waren durch häufigen Kriegsdienst, durch das strenge Schuldrecht, welches auch die Person des Schuldners in die Gewalt des Gläubigers gab, und durch Verweigerung eines Anteils am Gemeindelande (ager publicus) in Not geraten. Sie wollen eine neue Stadt gründen, werden aber durch Vermittelung des Patriziers Menenius Agrippa zur Rückkehr bewogen. Darauf Erlaß der drückendsten Schulden, Einsetzung besonderer plebejischer Beamter: Die Volkstribunen (tribuni plebis, anfangs 2, dann 5, endlich 10) sind unverletzlich (sacro-sancti) und haben das Recht des Schutzes (ius auxilii) für jeden Plebejer gegen Unbill eines Beamten. Daraus entwickelt sich ein Verbietungsrecht (Veto, ius intercedendi) gegen Senatsbeschlüsse und Befehle der Beamten; nur gegen das imperium militare, also gegen den Dictator und gegen die Konsuln außerhalb der Stadt gilt der tribunicische Einspruch nicht. Ferner haben sie das Recht, Widerstrebende zu verhaften (ius prensionis) und das Recht, mit der von ihnen vertretenen Gemeinde zu verhandeln (ius agendi cum plebe). Damit hängt die Einrichtung der comitia tributa zusammen: Versammlungen der Plebejer nach den Wohnbezirken (tribus). Man unterschied 4 tribus urbanae, 17 rusticae; bei wachsendem Gebiet wurde die Zahl bis auf 35 erhöht. Jede Tribus hat in den Komitien eine Stimme, innerhalb der Tribus wird nach Köpfen (virītim) gestimmt.

Als Gehilfen stehen den Tribunen 2 Volksädilen (aediles plebis) zur Seite; sie üben Polizeigerichtsbarkeit, namentlich über den Marktverkehr, und verwahren die schriftlich aufgezeichneten Volksbeschlüsse (plebiscīta) im Tempel der Ceres am Abhang des Aventin.

493.

Der Konsul Spurius Cassius erneuert das Bündnis zwischen Rom und den latinischen Städten auf Grund der Gleichberechtigung (foedus aequum). Erst allmählich gewinnt Rom die Hegemonie über die Latiner wieder. Fortwährende Fehden mit Etruskern, Sabinern, Äquern, Volskern.

Im Innern dauern die Kämpfe zwischen Patriziern und Plebejern fort; letztere streben auch nach politischer Gleichberechtigung. Einen Versuch zur Beseitigung des Tribunats macht der Patrizier

491.

Cn. Marcius Coriolanus, der während einer Hungersnot vorschlägt, den Plebejern Getreide aus Staatsmitteln nur gegen Verzichtleistung auf das Tribunat zu bewilligen. Von den Tribunen vor die comitia tributa gefordert, erscheint Coriolan nicht, wird abwesend verbannt, geht zu den Volskern, führt sie gegen Rom, gibt aber auf das ernste Wort seiner Mutter Veturia und auf die Bitten seiner Gemahlin Volumnia den Kampf gegen die Vaterstadt auf.

486.

Spurius Cassius, zum dritten Male Konsul, beantragt das erste Ackergesetz (lex agraria): Verteilung von Gemeindeland an bedürftige Plebejer und latinische Bundesgenossen. Die Patrizier und die reichen Plebejer vereinigen sich gegen ihn; er wird nach Ablauf seines Amtsjahres verurteilt und hingerichtet.

479.

Das Geschlecht der Fabier (gens Fabia), aus welchem mehrere Jahre nacheinander immer ein Konsul erwählt war, zerfällt mit den anderen patrizischen Geschlechtern; der Konsul Kaeso Fabius befürwortet die Ackerverteilung an die Plebejer. Auszug der Fabier mit ihren Klienten (zusammen 306), um den Krieg gegen die Etrusker zu führen; sie werden am Bache Cremĕra überfallen und fast sämtlich vernichtet.

471.

Die Plebejer erhalten durch den Gesetzvorschlag des Volkstribunen Volĕro Publilius das Recht, ihre Beamten fortan in den Tributkomitien zu wählen (lex Publilia: ut plebei magistratus tributis comitiis fierent).

462.

Antrag des Volkstribunen C. Terentilius Arsa auf Ernennung einer Kommission zur schriftlichen Aufzeichnung der Gesetze. Heftiger Widerstand der Patrizier. L. Quinctius Cincinnatus, 458 zum Dictator gewählt, befreit ein von den Äquern am Berge Algidus eingeschlossenes römisches Heer und zwingt die Feinde, unter dem Joch durchzugehen.

451.

Decemvirn zur Aufzeichnung der Gesetze.

(Decemviri consulari potestate legibus scribundis), mit zeitweiliger Aufhebung des Konsulats, des Tribunats und des Provocationsrechts. Die Gesetze werden vom Volke angenommen, in zehn Erztafeln eingegraben und auf dem Forum aufgestellt. Da noch ein Nachtrag nötig erscheint, so werden 450 noch einmal Decemvirn (davon drei Plebejer) ernannt, welche noch zwei Tafeln hinzufügen. Die in den Zwölftafelgesetzen enthaltenen Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Schuldrecht usw. sind bleibende Grundlagen des römischen Rechts geworden (Liv. III, 34: fons omnis publici privatique iuris).

449.

Zweite secessio plebis,

veranlaßt durch Gewalttaten der Decemvirn, die nach Vollendung der Gesetzgebung ihr Amt nicht sogleich niederlegten. Ungerechter Richterspruch des Appius Claudius über Virginia, die infolgedessen von ihrem Vater auf dem Forum getötet wird. Neugewählte Konsuln, L. Valerius und M. Horatius, vermitteln den Ausgleich durch drei Gesetze (leges Valeriae Horatiae): 1. Gleichstellung der Beschlüsse der Tributkomitien (plebiscita) mit denen der Centuriatkomitien (ut quod tributim plebs iussisset, populum teneret). 2. Herstellung des Provocationsrechts. 3. Herstellung der Unverletzlichkeit des Volkstribunen, welche auch auf die Ädilen und die Richter über Privatklagen (decemviri litibus iudicandis) ausgedehnt wird.

445.

Gesetz des Tribunen Canuleius, welches die Ehen zwischen Patriziern und Plebejern für gültig erklärt (lex Canuleia de conubio): die Kinder folgen fortan dem Stande des Vaters (nicht mehr der pars deterior). Dagegen wird der zweite Antrag der Tribunen, daß auch Plebejer zu Konsuln gewählt werden dürfen, abgelehnt. Es findet ein Vergleich statt: an Stelle der Konsuln können einige der jährlich erwählten Legionsanführer (in der Regel 6) mit konsularischer Gewalt ausgestattet werden (tribuni militum consulari potestate): hierzu sind auch Plebejer berechtigt.

443.

Einsetzung der Censur, eines neuen patrizischen Amtes. Die zwei Censoren werden in den Centuriatkomitien erwählt, alle 4 oder 5 Jahre; doch wird ihre Amtsdauer auf 18 Monate beschränkt, so daß das Amt in der Zwischenzeit ruht. Befugnisse der Censoren: 1. Abhaltung des Census; die Bürger werden in die Klassen und Centurien eingeordnet (discriptio classium et centuriarum), die Ritter gemustert (recognitio equitum), die Senatsliste wird von ihnen aufgestellt (lectio senatus): 2. Verwaltung des Staatseigentums; die Abgaben vom Gemeindelande (vectigalia) und die Zölle (portoria) werden verpachtet, die Ausführung von Bauten (Tempeln, Heerstraßen (via Appia des Ap. Claudius Caecus), Wasserleitungen) an Unternehmer verdungen; 3. in Verbindung mit dem Census Aufsicht über die Sitten (regimen morum: senatu movere, equum adimere, tribu movere et aerarium facere; nota censoria). Durch diese letztere Befugnis gelangt das Amt der Censur zu einer hohen moralischen und politischen Bedeutung.

439.

Spurius Maelius, ein reicher Plebejer, der während einer Teuerung Getreide zu geringem Preise abgibt, wird beschuldigt, nach der Königsherrschaft zu streben, und von C. Servilius Ahāla, dem Magister equitum des achtzigjährigen Dictators L. Quinctius Cincinnātus, auf der Straße erschlagen.

421.

Die Zahl der Quästoren, denen die Verwaltung der Staatskasse (aerarium) obliegt, auf 4 vermehrt; die Plebejer erhalten Zutritt zu diesem Amte.

396.

Ein erster großer Erfolg in den Nachbarfehden ist die Eroberung der Etruskerstadt Veii durch den Dictator M. Furius Camillus. Er wird aber wegen ungerechten Verfahrens bei Verteilung der Beute angeklagt und geht in die Verbannung. Die Macht der Etrusker, durch den Einbruch der Gallier (Kelten) und den Seesieg der Syrakusaner unter Hieron I. (S. 50) bei Cumae schon 474 geschwächt, ist seitdem gebrochen.

Einfall der Gallier (Senonen) in Latium,

veranlaßt durch Teilnahme römischer Gesandter an dem Kampfe der Etrusker von Clusium gegen dieselben.

388. (18. Juli.)

Schlacht an der Allia,

einem Bache, der 15 km nördlich von Rom in den Tiber fließt. Niederlage und Flucht der Römer auf das rechte Tiberufer, wodurch die Stadt preisgegeben wird.

Das von den Einwohnern verlassene Rom (nur der Mons Capitolinus bleibt besetzt) wird von den Galliern (unter Brennus) eingenommen, geplündert und niedergebrannt. Vergeblich versuchen sie, das Kapitol zu ersteigen, die Gänse der Juno; M. Manlius Capitolinus. Nach 7monatiger Einschließung des Burgfelsens wird der Abzug der Gallier durch Gold erkauft. Nach der römischen Sage verbietet der aus der Verbannung zurückgerufene Camillus als Dictator das Abwägen des Goldes (Vae victis!) und vertreibt die Feinde. — Rückkehr der Bewohner. Der Plan, nach Veii auszuwandern, wird von Camillus vereitelt. Rascher, aber unregelmäßiger Aufbau der Stadt, die bald wieder in ihrer alten gebietenden Machtstellung dasteht, nachdem Camillus die Äquer, Volsker, Etrusker besiegt hat.

Ausgleich der Stände, Entstehung der Nobilität.

Der Ständekampf beginnt aufs neue; die reicheren Plebejer streben nach Gleichberechtigung und Zutritt zu den Staatsämtern, die ärmeren nach Erleichterung des Schuldrechts und Anteil am Gemeindeland.

384.

Der Patrizier M. Manlius Capitolinus, der mit seinem Vermögen plebejische Schuldner löst, wird beschuldigt, nach der Königswürde zu streben, als Hochverräter verurteilt und vom Tarpejischen Felsen herabgestürzt.

366.

L. Sextius Lateranus, erster plebejischer Konsul, nach zehnjährigem Kampfe um die von ihm und C. Licinius Stolo als Volkstribunen beantragten Gesetze (leges Liciniae Sextiae), welche anordnen: 1. Erleichterung der Schuldner durch Abzug der gezahlten Zinsen vom Kapital, dessen Rest dann binnen drei Jahren in gleichen Raten zu zahlen ist; 2. Niemand soll mehr als 500 Morgen Gemeindeland in Besitz haben; 3. Aufhebung der tribuni militum consulari potestate; einer der Konsuln soll unbedingt Plebejer sein.

Als neues patrizisches Amt wird die Prätur eingerichtet zur Leitung der Rechtspflege, die bisher den Konsuln oblag. Der Prätor, von 6 Liktoren begleitet, ist auch Stellvertreter der Konsuln, wenn sie von Rom abwesend sind. Später außer dem praetor urbanus ein praetor inter peregrinos (für die Ausländer) eingesetzt. Ferner treten den plebejischen Ädilen zwei kurulische Ädilen zur Seite; sie üben gemeinsam mit ihnen die Markt- und Straßenpolizei und veranstalten die öffentlichen Festspiele, namentlich die ludi Romani alljährlich im September (cura annonae, cura urbis, cura ludorum); in der Führung dieses Amtes wechseln Patrizier und Plebejer Jahr um Jahr ab.

Nach und nach werden alle Ämter den Plebejern zugänglich, die Censur 351, die Prätur 337. Auch zu den Priesterkollegien der Pontifices und Augures erhalten die Plebejer Zutritt (300 lex Ogulnia).

Nach diesem Ausgleich entwickelt sich allmählich ein neuer Gegensatz zwischen dem Amtsadel (Optimates, Nobiles), der die Patrizier und reicheren Plebejer umfaßt, und dem Bürgerstande (Plebs im späteren Sinne). Doch kann sich der Amtsadel (ius imaginum) nicht so schroff wie der bisher geltende Geburtsadel gegen den Bürgerstand abschließen, sondern ergänzt sich fortwährend durch Aufnahme neuer Mitglieder (homines novi). Durch Volkswahl gelangt der Bewerber (candidatus) zu den Ämtern, durch das Vertrauen der Censoren in den Senat. Reihenfolge der Ämter: Quästor, Ädil, Prätor, Konsul, Censor. Über das gesetzmäßige Alter s. S. 96.

Der Senat leitet namentlich die auswärtige Politik und die Finanzverwaltung. Die oberste Entscheidung in der Gesetzgebung und bei Kriminalprozessen steht nach wie vor bei den Komitien, und zwar sowohl bei den Centuriat- wie bei den Tribut-Komitien, welche alle Bürger, Patrizier und Plebejer, jedoch mit verschiedener Abstimmungsordnung, umfassen. Hinsichtlich des Wahlrechts bleibt der Unterschied, daß die magistratus maiores (Konsuln, Prätoren, Censoren) in den Centuriat-Komitien, die magistratus minores (Ädilen und Quästoren) sowie die Volkstribunen in den Tribut-Komitien gewählt werden.

Die Volkstribunen erscheinen fortan nicht mehr in so scharfem Gegensatz zum Senat wie während des Ständekampfes; sie nehmen an seinen Sitzungen teil, berufen ihn auch bisweilen.

Der Not der armen Plebejer, die auch nach den Licinischen Gesetzen wiederkehrt, wird durch Ackerverteilungen und Gründung von Bürgerkolonien nach glücklich geführten Kriegen abgeholfen. Aufhebung der Schuldknechtschaft durch das Gesetz des Konsuls C. Poetelius 326.

Im Jahre 287 secessio plebis auf den Janiculus. Durch die lex Hortensia werden die plebiscita (S. 77) der concilia plebis den populiscita der Centuriat-Komitien gleichgestellt.

Umgestaltung der Heeresverfassung, hauptsächlich von Camillus veranlaßt. Die Legion wird in 30 Manipel zu je 2 Centurien eingeteilt, ihre Aufstellung in drei Treffen (hastati, principes, triarii) gegliedert. Die so zusammengesetzte Schlachtordnung übertrifft die alte Phalanx bedeutend an Beweglichkeit. Die Bewaffnung gleichmäßiger als nach der servianischen Ordnung. Die Stoßlanze (hasta) wird bald auf das dritte Treffen (triarii) beschränkt; die beiden vorderen Treffen erhalten einen kürzeren Wurfspeer (pilum); gemeinsam für alle Schwerbewaffneten sind Schwert, Schild, Helm und Panzer. Die Legion zählt in der Regel 4200 Mann, darunter 1200 Leichtbewaffnete (velĭtes) ohne Panzer, mit leichtem Schild, Lederhelm und leichten Wurfspeeren; dazu kommen 300 Reiter. Zwei Legionen, begleitet von Truppen der Bundesgenossen, bilden gewöhnlich ein konsularisches Heer.

367–349.

Wiederholte Kämpfe mit den Galliern, welche sich in Ober-Italien (Gallia cisalpina) bleibend niedergelassen haben und von dort häufig Einfälle in Mittel-Italien machen. Zweikämpfe des T. Manlius Torquatus und M. Valerius Corvus mit gallischen Kriegern.

348.

Erster Handelsvertrag zwischen Rom und Karthago,[22]

in welchem Rom als Vorort der mittelitalischen Westküste erscheint.

§ 3. Unterwerfung Italiens.

343–341.

Erster Samnitenkrieg.

Veranlassung: Die Sidicīner in Teānum und die Campāner in Capua, beide Nachkommen ausgewanderter samnitischer Volksstämme, suchen Schutz bei den Römern gegen ihre eigenen Stammgenossen, die Samniten des Gebirges, welche in dem eigentlichen Samnium eine Eidgenossenschaft bildeten und von dort aus in immer neuen Schwärmen die Ebene (Campania) brandschatzten.

Nach römischer Überlieferung erfechten die Römer drei Siege, doch wird ein Vergleich geschlossen, welcher den Römern Capua, den Samniten Teanum überliefert. Die Samniten werden zu diesem Vergleiche bestimmt durch einen Krieg mit Tarent, die Römer durch den

340–338.

Krieg der Latiner,

welche sich gegen Roms Hegemonie auflehnen und vollständige Gleichstellung mit den Römern verlangen: ein Konsul und der halbe Senat sollen Latiner sein. Capua und die Volsker mit den Latinern verbündet, die Samniten mit den Römern.

Kampf in Campanien; der Konsul T. Manlius Torquatus läßt seinen Sohn hinrichten, weil er dem Verbot zuwider sich in einen Zweikampf eingelassen, und siegt, von den Samniten unterstützt, in einer Schlacht unweit des Vesuv; Opfertod des andern Konsuls P. Decius Mus. Entscheidungsschlacht bei Trifanum unweit Minturnae, Sieg des Manlius über die Latiner und Campaner.

Auflösung des latinischen Bundes. Den latinischen Städten wird gegenseitiges Commercium und Conubium untersagt, sie müssen einzeln mit Rom Verträge schließen und Land abtreten (so Tibur und Praeneste); einige erhalten römisches Bürgerrecht (so Lanuvium und Aricia). Die Volskerstadt Antium wird römische Kolonie; mit den Schnäbeln der erbeuteten Schiffe dieser Stadt wird die Rednerbühne auf dem Forum Romanum geziert (daher rostra genannt). Capua und andere Städte Campaniens erhalten römisches Bürgerrecht ohne Stimmrecht.

Bald jedoch wird den nunmehr abhängigen Latinern Anteil an den römischen Eroberungen gewährt; Cales und Fregellae werden als latinische Kolonien eingerichtet.

326–304.

Zweiter Samnitenkrieg.

Veranlassung: Übergriffe der Römer am Liris, namentlich die Einrichtung der Kolonie Fregellae; ferner die Besetzung der Griechenstadt Palaeapolis (neben Neapolis) durch Q. Publilius Philo (den ersten Prokonsul).

Bündnis der Römer mit den Apŭlern und Lukanern; zum erstenmal überschreiten römische Heere den Apennin. Die Römer sind zu Anfang des Krieges im Vorteil. Aber

321.

Niederlage in den Caudinischen Pässen. Die beiden Konsuln werden, als sie der apulischen Stadt Luceria von Campanien aus zu Hilfe eilen wollen, von dem samnitischen Heerführer Gavius Pontius in den furculae Caudinae eingeschlossen und zur Ergebung genötigt. Sie beschwören einen Friedensvertrag; 600 römische Ritter bleiben als Geiseln zurück, das Heer darf unter dem Joch abziehen. Der römische Senat verweigert die Anerkennung dieses Vertrages und liefert die Konsuln den Samniten aus, welche sie nicht annehmen.

Die Samniten erobern Luceria und Fregellae. Durch äußerste Kraftanstrengung gewinnen die Römer wieder die Oberhand. Im Jahre 319 soll der Konsul L. Papirius Cursor Luceria wiedererobert, die römischen Geiseln befreit und die samnitische Besatzung unter das Joch geschickt haben; 314 wird Luceria römische Kolonie.

312.

Bau der Via Appia, einer großen Heerstraße von Rom nach Capua durch die pomptinischen Sümpfe, begonnen von dem Censor Appius Claudius Caecus. Derselbe legt auch die erste Wasserleitung (aqua Appia) in Rom an.

310.

Sieg des Konsuls Q. Fabius Maximus Rullianus über die zu spät sich erhebenden Etrusker und Marser am Vadimonischen See.

309.

Erstes Erscheinen einer römischen Kriegsflotte bei der Belagerung der campanischen Stadt Nuceria.

305.

Bovianum, Hauptwaffenplatz der Samniten, eingenommen.

304.

Friede; die Samniten erlangen gleich ihren sabellischen Bundesgenossen Freiheit innerhalb ihrer Stammesgrenzen; Erneuerung der alten Verträge zu gleichem Recht (foedus aequum).

Zur Befestigung ihrer Herrschaft legen die Römer wiederum mehrere Kolonien und neue Heerstraßen an, so Narnia in Umbrien (spätere via Flaminia) und Alba Fucentia am Lacus Fucĭnus (spätere via Valeria).

298–290.

Dritter Samnitenkrieg.

Die Samniten schließen mit den Lukanern ein Bündnis, um einen letzten Kampf für Italiens Unabhängigkeit zu wagen. Neue Erhebung der Etrusker und Umbrer.

Der Konsul L. Cornelius Scipio[23] nötigt 298 die Lukaner, dem Bündnis mit Samnium zu entsagen. Die Samniten stellen mit äußerster Kraftanstrengung drei Heere ins Feld, eins zur Verteidigung ihres Gebiets, das zweite für Campanien; das dritte führt ihr Feldherr Gellius Egnatius durch das marsische und umbrische Gebiet nach Etrurien. Gallische Stämme schließen sich dem Bündnis der Italiker gegen Rom an. Große Rüstungen in Rom. Die Konsuln Q. Fabius Maximus Rullianus und P. Decius Mus rücken mit 60000 Mann nach Umbrien vor.

295.

Entscheidungsschlacht bei Sentinum, Todesweihe des jüngeren P. Decius Mus.

Die Umbrer unterwerfen sich, die Etrusker bitten um Frieden und werden Rom Untertan; die Samniten kämpfen weiter, werden aber 293 bei Aquilonia besiegt. Endlich erneuert der Konsul M’. Curius Dentatus das Bündnis mit ihnen; sie behalten ihr Gebiet, lassen aber fortan den Römern freie Hand, ihre Herrschaft im übrigen Italien zu befestigen.

Abermals Kolonien gegründet: Minturnae und Sinuessa im Gebiet der Aurunker (römische Bürgerkolonien), Hatria in Picenum, Venusia in Apulien (latinische Kolonien). Die Sabiner müssen römisches Bürgerrecht ohne Stimmrecht annehmen. Gegen die Gallier wird 283 die Bürgerkolonie Sena Gallica in Umbrien eingerichtet. Der Schutz, welchen Rom der von Lukanern und Bruttiern angegriffenen Griechenstadt Thurii gewährt, führt herbei den

282–272.

Krieg mit Tarent.

Veranlassung: Ältere Verträge mit Tarent, der reichsten und mächtigsten Griechenstadt in Unter-Italien, untersagten den Römern, mit Kriegsschiffen über das Lacinische Vorgebirge bei Kroton hinauszufahren. Trotzdem erscheint eine nach der umbrischen Küste bestimmte römische Kriegsflotte im Hafen von Tarent. Die Tarentiner greifen sie an, nehmen fünf Schiffe, vertreiben die römische Besatzung aus Thurii. Römische Gesandte, welche Genugtuung verlangen, werden in Tarent beschimpft; darauf Kriegserklärung.

Die Tarentiner rufen den König Pyrrhos von Epirus zu Hilfe; dieser schickt zuerst seinen Feldherrn Milon mit 3000 Epiroten nach Tarent (281), im folgenden Jahre landet er selbst mit einem aus Epiroten, Makedonen, Griechen bestehenden Söldnerheere von 25000 Mann und 20 Elefanten in Italien. Strenges militärisches Auftreten des Königs in Tarent; die Bürger werden zum Kriegsdienst gezwungen.

280.

Schlacht bei Herakleia (am Meerbusen von Tarent); die römische Manipularordnung erliegt dem Angriff der makedonischen Phalanx und der Elefanten. Die Griechenstädte, die Bruttier, Lukaner und Samniten schließen sich Pyrrhos an. Er bietet den Römern Frieden an; sein Gesandter Kineas wird abgewiesen (Rede des blinden Konsulars Appius Claudius im Senat). Pyrrhos rückt durch Campanien bis Anagnia vor, kehrt aber um, da die Bundesgenossen der Römer diesen treu bleiben. C. Fabricius Gesandter an Pyrrhos wegen Auswechselung der Gefangenen.

279.

Schlacht bei Asculum in Apulien;

Pyrrhos siegt wiederum, doch mit großen Verlusten. Er folgt einem Hilferuf der von den Karthagern bedrängten Syrakusaner (S. 67), läßt nur eine Besatzung in Tarent zurück. Kriegsbündnis zwischen Rom und Karthago, doch lehnen die Römer die Landung einer karthagischen Flotte in Italien ab und bekämpfen allein die Griechenstädte. Pyrrhos kehrt 276 nach Tarent zurück. Als er den Samniten Hilfe bringen will, wird er von M’. Curius Dentatus in der

275.

Schlacht bei Beneventum

völlig geschlagen und kehrt nach Epirus zurück († 272 in Argos). Erst nach seinem Tode überliefert Milon Stadt und Burg von Tarent den Römern unter der Bedingung freien Abzugs. Die Tarentiner müssen Waffen und Schiffe ausliefern und die Mauern niederreißen, behalten aber ihre eigene Stadtverwaltung.

Nach Tarents Fall Unterwerfung der Samniten, Lukaner und Bruttier. Alle müssen Teile ihres Gebiets abtreten und Kolonien aufnehmen (Beneventum und Aesernia in Samnium). Im J. 270 Einnahme von Rhegium, welches 10 Jahre in den Händen aufständischer campanischer Soldaten gewesen war, die jetzt mit dem Tode bestraft werden. Italien (bis zum Apennin) geeinigt unter römischer Herrschaft. Verlängerung der Via Appia(S. 84) von Capua über Venusia und Tarent bis Brundisium. In bezug auf das Verhältnis der unterworfenen Gemeinden zu Rom sind zu unterscheiden:

1. Municipien (municipia), d. h. Gemeinden mit beschränktem römischem Bürgerrecht (civitas sine suffragio et iure honorum). Sie haben also commercium und conubium, römische Rechtsprechung und römischen Kriegsdienst.

2. Kolonien (coloniae), d. h. römische Festungen. Viele unterworfene Orte müssen einen Teil ihrer Ländereien abtreten. Dieses Land wird an römische Bürger verteilt, die ihr volles Bürgerrecht behalten und fortan in der Kolonie die herrschende Gemeinde, gleichsam die Patrizier, bilden, während die alten Einwohner zu Insassen ohne politische Rechte herabsinken. Die Rechtspflege wird in den Municipien wie in den Kolonien durch Präfekten (praefecti iure dicundo) ausgeübt, welche der praetor urbanus (s. S. 81) ernennt.

3. Verbündete (socii, civitates foederatae), deren Verhältnis zu Rom durch Verträge geordnet ist. Sie haben eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit und sind vom Dienst in der Legion befreit, müssen dagegen Hilfstruppen oder Schiffe stellen. Tribut wird nicht von ihnen gefordert. Am meisten begünstigt sind die Latiner, sie können unter gewissen Bedingungen römisches Bürgerrecht erwerben und werden zusammen mit römischen Bürgern in latinische Kolonien ausgesandt.

§ 4. Die Punischen Kriege.

264–241.

Erster Punischer Krieg. Kampf um Sicilien.

(Die frühere Geschichte der Karthager oder Punier siehe S. 131, 41, 67.)

Karthago mit seiner oligarchischen Verfassung, welche der Bürgergemeinde geringen Einfluß gewährt und die Untertanen durch Tributforderung drückt, und mit seinen Söldnerheeren ist trotz seines Reichtums im Nachteil gegen Rom, wo gleichmäßigere Verteilung der bürgerlichen Rechte und allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienst besteht.

Veranlassung: Die Mamertiner, d. h. Marsmänner, ehemalige campanische Söldner des Agathŏkles (S. 67), hatten sich der Stadt Messana bemächtigt. Sie werden von König Hiero II. von Syrakus bekriegt. Ein Teil von ihnen ruft die Karthager, ein anderer die Römer zu Hilfe. Der römische Senat schwankt, die Bürgerschaft beschließt, den Mamertinern Hilfe zu gewähren. Eine römische Kriegsflotte, meist aus Schiffen der süditalischen Bundesgenossen bestehend, setzt Truppen von Rhegium nach Messana über; die karthagische Besatzung wird aus der Burg vertrieben.

264.

Die Karthager und Hiero von Syrakus belagern die Römer in Messana, müssen aber zurückweichen. Hiero schließt sich bald den vordringenden Römern an. Nach Eroberung der Stadt Agrigentum (Akrăgas, s. S. 32) 262 beschließen die Römer den Bau einer großen Kriegsflotte. Sie bauen Schiffe mit fünf Ruderreihen (Pentēren) nach dem Muster eines gestrandeten karthagischen Kriegsschiffs.

260.

Erster Seesieg der Römer unter C. Duilius bei Mylae, westlich von Messana, mit Hilfe der Enterbrücken. Zum Andenken an den Sieg die columna rostrata auf dem Forum errichtet.

256.

Nach einem zweiten Seesiege bei Eknomos an der Südküste Siciliens landen die Konsuln M. Atilius Regulus und L. Manlius Volso an der afrikanischen Küste. Die Karthager, durch Verwüstung ihres Gebiets erschreckt, bitten um Frieden; Regulus stellt zu hohe Forderungen, wird 255 bei Tunes geschlagen und gefangen.

Fortsetzung des Krieges in Sicilien; die Römer erobern Panormus und behaupten es durch einen Sieg des Konsuls L. Caecilius Metellus (251), der bei seinem Triumph in Rom über 100 Elefanten aufführt.

Friedensgesandtschaft der Karthager nach Rom. Nach der römischen Legende soll Regulus die Annahme des Friedens widerraten haben und in Karthago unter Martern getötet worden sein. Die Römer nehmen den Seekrieg wieder auf, belagern aber vergeblich die starke karthagische Seefestung Lilybaeum. Der Konsul P. Claudius Pulcher (die heiligen Hühner) wird in der

249.

Seeschlacht bei Drepăna

von den Karthagern geschlagen. Darauf in den nächsten Jahren nur Landkrieg auf der Westseite Siciliens. Der karthagische Feldherr Hamilkar, genannt Barkas (d. h. der Blitz), verteidigt sich 6 Jahre mit Erfolg gegen die Römer, erst auf dem Berge Eirkte (Monte Pellegrino bei Palermo), dann auf dem Eryx bei Drepana, beunruhigt auch durch Kaper die Küsten Italiens. Durch das Zusammentreten reicher Bürger in Rom wird endlich aus Privatmitteln eine neue Flotte gebaut. Mit dieser erringt der Konsul C. Lutatius Catulus den entscheidenden

241.

Seesieg bei den Agatischen Inseln

(gegenüber Lilybaeum) über die karthagische Flotte unter Hanno.

Friede: 1. Die Karthager verzichten auf ganz Sicilien. 2. Sie zahlen 3200 Talente (16½ Mill. Mark) Kriegsentschädigung in zehn Jahren. — Der größere, westliche Teil Siciliens wird die erste römische Provinz unter der Verwaltung eines Prätors; der kleinere südöstliche Teil bleibt unter der Hoheit des mit Rom verbündeten Königs Hiero von Syrakus.

238.

Karthago in großer Gefahr durch den Aufstand der Söldner und der libyschen Untertanen, welcher endlich von Hamilkar unterdrückt wird. Die Römer benutzen dies, um von den Karthagern die Abtretung von Sardinien und Zahlung von 1200 Talenten zu erzwingen. Die Insel wird mit dem früher etruskischen Korsika zu einer Provinz vereinigt. Doch besetzen die Römer nur die Küsten dieser Inseln; die Gebirgsbewohner im Inneren werden gelegentlich bekriegt, um Sklaven zu erbeuten.

236.

Hamilkar beginnt Eroberungen in Spanien, um neues Gebiet für Karthago zu gewinnen; sein Schwiegersohn Hasdrubal, Nachfolger im Oberbefehl, gründet 227 Neu-Karthago (Cartagena).

229–228.

Krieg der Römer gegen die seeräuberischen Illyrier von Skodra. Eine römische Flotte beschützt die Griechenstädte Kerkyra, Apollonia, Epidamnos; die Königin Teuta muß Tribut zahlen und Gebiet abtreten.

225–222.

Die Römer unterwerfen Nord-Italien, Gallia cisalpina, gereizt durch einen Einfall gallischer Stämme in Etrurien. Diese werden bei Telamon an der etruskischen Küste vernichtet. Der Konsul Cn. Cornelius Scipio besiegt die Bojer und Cenomanen und erobert 222 Mediolanum (Mailand), die Hauptstadt der Insŭbrer. Zur Sicherung des neuen Gebietes werden die latinischen Kolonien Placentia, Cremona, Mutĭna angelegt. Die schon früher gebaute Heerstraße nach Spoletium wird weiter geführt über den Apennin bis an das Adriatische Meer, dann die Küste entlang bis Arimĭnum (Via Flaminia). Weitere Maßregeln zur Befestigung ihrer Herrschaft im cisalpinischen Gallien unterbricht der

218–201.

Zweite Punische Krieg.

Ursachen: Eifersucht der Römer auf die durch Erwerbungen in Spanien neu aufblühende Macht Karthagos; Bestreben des Hauses Barkas, an Rom Rache zu nehmen.

Veranlassung: Die Eroberung der mit Rom verbündeten spanischen Stadt Saguntum (Murviedro, nördlich von Valencia) durch Hannibal, den Sohn Hamilkars, 219. Eine römische Gesandtschaft fordert in Karthago Hannibals Auslieferung; diese wird verweigert, obgleich ein großer Teil des karthagischen Senats der Machtstellung der Familie Barkas abgeneigt ist. Darauf Kriegserklärung der Römer.

Den römischen Kriegsplan, mit dem Hauptheere von Sicilien aus eine Landung in Afrika zu machen, während ein zweites Heer die karthagischen Truppen in Spanien beschäftigen soll, vereitelt

218.

Hannibals kühner Zug nach Italien auf dem Landwege. Er überschreitet nach Zurücklassung genügender Truppen in Spanien unter seinem Bruder Hasdrubal, die östlichen Pyrenäen mit 50000 Mann Fußvolk, 9000 Reitern, 37 Elefanten und durchzieht das südliche Gallien. Der römische Konsul P. Cornelius Scipio, welcher auf der Fahrt nach Spanien in Massilia angelegt hatte, kann Hannibals Übergang über den Rhodănus (Rhône) nicht hindern, kehrt nach Italien zurück, sendet aber seinen Bruder Cn. Scipio mit dem Hauptteil des Heeres nach Spanien. Hannibal zieht am Rhodanus aufwärts bis zum Nebenfluß Isăra (Isère), dann östlich durch die Gebiete der Allobrŏger und Ceutronen, überschreitet kämpfend die Alpen (Paß des Mont Genèvre oder des Kleinen St. Bernhard) und gelangt nach unsäglichen Mühen mit nur 26000 Mann und wenigen Elefanten nach Ober-Italien.

218. (Sept.)

Reitertreffen am Ticinus, linkem Nebenfluß des Po. Scipio verwundet, wird durch seinen 17jährigen Sohn, den späteren »Africanus«, gerettet. Verstärkt durch aufständische Gallier (S 89), schlägt Hannibal in der

218. (Dez.)

Schlacht an der Trebia (rechtem Nebenfluß des Po) den andern Konsul Tib. Sempronius Longus, der, aus Sicilien zurückberufen, die beiden vereinigten römischen Heere befehligte.

Hannibal befördert den nationalen Aufstand der cisalpinischen Gallier, entläßt alle gefangenen römischen Bundesgenossen, überschreitet den Apennin und vernichtet ein römisches Heer von 30000 Mann unter dem Konsul C. Flaminius in der

217.

Schlacht am Trasimenischen See. Schrecken in Rom; man rüstet sich aber zur Verteidigung der Stadt. Q. Fabius Maximus zum Dictator ernannt. Hannibal wendet sich nach Osten, um den Abfall der römischen Bundesgenossen allgemein zu machen, zieht durch Picenum nach Apulien. Fabius folgt ihm in gemessener Entfernung, eine Schlacht vermeidend (daher Cunctator, der Zauderer, genannt). Als Hannibal, wieder den Apennin überschreitend, nach Campanien vordringt, hindert Fabius ihn nicht an der Plünderung der reichen Landschaft, verlegt ihm aber den Rückweg bei Casilīnum am Volturnus. Hannibal gewinnt durch eine List freie Bahn und kehrt nach Apulien zurück.

Die römische Bürgerschaft, mit Fabius’ Kriegführung unzufrieden, gibt dem magister equitum M. Minucius, der bei Gerunium glückliche Gefechte gegen die Karthager besteht, als zweitem Dictator einen unabhängigen Oberbefehl über die Hälfte des Heeres. Er greift Hannibal an, wird geschlagen und nur durch Fabius vor vollständiger Vernichtung gerettet.

Zu Konsuln des Jahres 216 werden der als Feldherr bewährte L. Aemilius Paullus von der Optimatenpartei und der unfähige C. Terentius Varro von der Volkspartei erwählt, um mit einem Heere von 86000 Römern und Bundesgenossen Hannibal zu vernichten. Varro greift an dem Tage, wo er den Oberbefehl hat, unvorsichtig an.

216.

Schlacht bei Cannae (in Apulien, am Aufidus), furchtbare Niederlage der Römer; gegen 50000 werden getötet, darunter mehr als 80 Männer senatorischen Ranges und der Konsul L. Aemilius Paullus, die übrigen werden gefangen oder zersprengt. Varro rettet sich mit einer kleinen Schar nach Venusia und sammelt allmählich einen Rest von 10000 Mann.

In demselben Jahre wird auch eine nach dem cisalpinischen Gallien geschickte Legion vernichtet. Der Abfall von Capua, die Lossagung der Samniten, Lukaner, Bruttier und vieler unteritalischer Städte vom römischen Bündnis ist die unmittelbare Folge der Schlacht bei Cannae.

Bewundernswürdige Haltung des römischen Senats. Die Trauer um die Gefallenen wird auf 30 Tage beschränkt, Hannibals Gesandten, welche die Lösung der Gefangenen anbieten, der Eintritt in die Stadt verboten; mit Heranziehung aller irgend Waffenfähigen, selbst Sklaven, wird ein neues Heer gebildet und zum Teil mit alten Beutestücken aus den Tempeln bewaffnet. Der Prätor M. Claudius Marcellus, schon im gallischen Kriege erprobt, und der Dictator M. Junius Pera verteidigen die römischen Stellungen bei Neapolis, Cumae und Nola. Hannibal bezieht Winterquartiere in Capua. Karthago schließt Bündnis mit Philipp V. von Makedonien und Hieronymus, dem Enkel und Nachfolger des Königs Hiero in Syrakus (S. 88).

215.

Wendung des Krieges zugunsten der Römer. Hannibal, bei Nola von Marcellus zurückgeschlagen, geht nach Apulien und gibt den Angriffskrieg auf. Aus Karthago erhält er, mit Ausnahme einer Sendung von 4000 Mann, keine Unterstützung. Die Römer dagegen bringen ihre Kriegsmacht bald auf 21 Legionen; ihre Flotte beherrscht von Lilybaeum aus das Meer und macht öfters Landungen an der afrikanischen Küste. Hannibals Hoffnung auf Zuzug aus Spanien wird vereitelt durch den

218–206.

Krieg der Römer gegen die Karthager in Spanien.

Die Feldherrn P. und Cn. Cornelius Scipio besiegen Hasdrubal, Hannibals Bruder, 216 am Ibērus (Ebro) und dringen bis in das Gebiet des Baetis (Guadalquivir) vor, wo sie sich unter wechselvollen Kämpfen bis 211 im ganzen siegreich behaupten. Zugleich bedrängen sie durch ihren Bundesgenossen Syphax, König von Westnumidien, die Karthager in Afrika. Das Bündnis mit Philipp von Makedonien bringt dem Unternehmen Hannibals ebenfalls keine Hilfe.

215–205.

Erster Makedonischer Krieg,

von den Römern mit geringen Streitkräften glücklich geführt. Der unentschlossene König Philipp wagt nicht, die versprochene Landung in Italien auszuführen. Die Römer bringen gegen ihn ein Bündnis griechischer Staaten zustande (die Ätōler an der Spitze), dem sich illyrische und thrakische Häuptlinge, sowie König Attălos von Pergamon anschließen.

214–210.

Krieg in Sicilien (Belagerung von Syrakus),

durch Marcellus zugunsten der Römer entschieden. Nach Vernichtung des karthagischen Entsatzheeres unter Himilko durch Niederlagen und Seuchen in den sumpfigen Niederungen des Anāpos wird trotz tapferer Verteidigung (Archimēdēs)

212.

Syrakus erobert und geplündert.

In Italien nimmt Hannibal die Stadt Tarent ein, mit Ausnahme der Burg, und kämpft glücklich in Lukanien.

211.

Unglück der Römer in Spanien. Beide Scipionen werden von den Karthagern und ihrem Verbündeten Massinissa, Sohn des Königs von Ostnumidien (selbst König 208), geschlagen und getötet; ihre Truppen weichen nach Norden über den Ebro zurück.

Hannibal greift das römische Belagerungsheer vor Capua an, wird aber zurückgeschlagen. Um die Römer zur Aufhebung der Belagerung zu bewegen, rückt er gerade auf Rom los und schlägt am Anio ein Lager auf (Hannibal ad portas!), geht aber nach Verwüstung der Umgegend, da die Römer zur Verteidigung bereit sind, nach Unter-Italien zurück, ohne seinen Zweck erreicht zu haben.

Capua muss sich den Römern ergeben, welche über die Stadt ein furchtbares Strafgericht ergehen lassen (viele Bürger als Sklaven verkauft, 53 Senatoren enthauptet, die Selbstständigkeit der Gemeinde vernichtet). Hannibals Angriff auf Rhegium und auf die Burg von Tarent mißlingt; seine italischen Bundesgenossen beginnen ihn zu verlassen.

210.

Der junge P. Cornelius Scipio (Sohn und Neffe der in Spanien gefallenen Brüder) wird als Prokonsul nach Spanien geschickt; er geht 209 über den Ebro und erobert Neukarthago, während in Italien Q. Fabius Maximus Tarent wiedergewinnt.

208.

Marcellus fällt in einem Reitertreffen bei Venusia. Ausharren der Römer trotz der durch die Dauer des Krieges sich fühlbar machenden Erschöpfung der Kräfte. Zwölf latinische Kolonien erklären sich außer stande, fernerhin Geld und Mannschaften zu liefern, 18 andere dagegen halten treu zu Rom.

In Spanien dringt Scipio siegreich bis zum Süden vor, kämpft aber bei Baecula ohne Entscheidung mit Hasdrubal und kann ihn nicht hindern, über die (westlichen) Pyrenäen zu gehen, um seinem Bruder Hannibal Hilfe zuzuführen.

207.

Hasdrubal, in Ober-Italien angelangt, ruft die cisalpinischen Gallier aufs neue zu den Waffen. Große Rüstungen in Rom (23 Legionen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen), um die Gefahr abzuwehren. Gegen Hasdrubal wird der Konsul M. Livius Salinator, gegen Hannibal der Konsul C. Claudius Nero gesendet. Dieser entschließt sich, während Hannibal ihm gegenüber in Apulien lagert, zu einem Eilmarsch mit 7000 Mann auserlesener Truppen und vereinigt sich mit seinem Amtsgenossen. Beide Konsuln siegen in der

207.

Schlacht bei Sena Gallica, nicht weit vom Flusse Metaurus. Hasdrubal fällt. Auf die Nachricht von dieser Niederlage (die Römer werfen den karthagischen Vorposten den Kopf des Hasdrubal zu) zieht Hannibal nach dem Bruttierlande zurück.

206.

Die Karthager räumen Gades (Cadix), ihre letzte Besitzung in Spanien.

205.

Scipio, zum Konsul erwählt, bereitet in Sicilien einen Zug nach Afrika vor. Mago, Hannibals jüngster Bruder, landet mit den Trümmern des spanischen Heeres der Karthager bei Genua und ruft die Ligurer zu den Waffen. Sofort werden drei römische Heere gegen ihn aufgeboten.

204.

Scipios Landung in Afrika. Den Kern seines Heeres bilden die Reste des einst bei Cannae besiegten Heeres (2 Legionen). Mit ihm vereinigt sich Massinissa, der von den Karthagern und dem jetzt mit ihnen verbündeten Syphax (Gemahl der Karthagerin Sophonĭba) aus seinem Reiche vertrieben war.

203.

Scipio schlägt die Karthager und Numider durch nächtlichen Überfall (das Lager in Brand gesteckt) und bedroht Karthago. Syphax wird in der Nähe seiner Hauptstadt Cirta (Constantine) von einer römischen Heeresabteilung unter C. Laelius und den numidischen Reitern unter Massinissa besiegt und gefangen. Friedensunterhandlungen ohne Ergebnis. Die Karthager rufen Hannibal und Mago nach Afrika zurück; Mago stirbt auf der Überfahrt. Hannibal schifft sich in Kroton ein, nachdem er die italischen Soldaten, die ihm nicht folgen wollen, hat niedermachen lassen, und landet bei Leptis. Nach einer fruchtlosen persönlichen Unterhandlung zwischen Scipio und Hannibal kommt es zur

202.

Entscheidungsschlacht bei Zama,

in der das karthagische Heer geschlagen und vernichtet wird. Hannibal flüchtet nach Hadrumētum.

201.

Scipio gewährt den Karthagern Frieden unter folgenden Bedingungen: 1. Abtretung der spanischen Besitzungen und der Inseln des Mittelmeeres. 2. Übergabe des numidischen Reiches an Massinissa. 3. Zahlung eines jährlichen Tributs von 200 Talenten (etwa 1 Mill. Mark) fünfzig Jahre lang. 4. Auslieferung und Verbrennung aller Kriegsschiffe bis auf 10. 5. Verbot, ohne Erlaubnis der Römer irgendwo Krieg zu führen. — P. Cornelius Scipio, der den Beinamen Africanus erhält, feiert in Rom einen glänzenden Triumph (Syphax).

Die italischen Bundesgenossen Hannibals werden zu bedeutenden Gebietsabtretungen verurteilt: in diesen Gebieten werden Kolonien gegründet (Puteoli, Salernum, Croton, Vibo); das Gebiet von Capua bleibt ager publicus. Nach einer nochmaligen Erhebung der cisalpinischen Gallier und der Ligurer wird

200–191.

Ober-Italien nach schwerem Kampfe wieder unterworfen. Wiederherstellung der Kolonien Placentia, Cremona, Mutina; Via Aemilia von Ariminum bis Placentia; Kolonie Aquileia an der Nordostgrenze.

Folgen des zweiten Punischen Krieges: 1. Durch den glücklichen Ausgang des Kampfes, bei welchem der Bestand des römischen Staats gefährdet war, ist die nationale Einigung und Unabhängigkeit Italiens unter Roms Herrschaft sichergestellt. 2. Rom gewinnt außeritalische Provinzen und beschreitet, durch keinen ebenbürtigen Gegner mehr gehindert, die Bahn zur Weltherrschaft.

§ 5. Ausbreitung der römischen Herrschaft.

In Spanien werden 197 zwei Provinzen eingerichtet: Hispania citerior (Tarraconensis) und Hispania ulterior (Baetica). Doch bedarf es noch oft wiederholter Feldzüge (195 der Konsul M. Porcius Cato), um die römische Herrschaft zu befestigen.

Durch Unterwerfung der griechischen Länder des Ostens entsteht ein mächtiges, zweisprachiges Reich, welches die Mittelmeerländer zu einer großen Einheit zusammenschließt.

200–197.

Zweiter Makedonischer Krieg.

Veranlassung: Makedonische Söldner hatten bei Zama gegen die Römer gekämpft. Außerdem bitten König Attălos von Pergămon und die Städte Rhodos und Athen die Römer um Hilfe gegen Philipp, der im Bunde mit Antiochos III. von Syrien Ägypten bekriegt und auch sie schwer bedrängt.

Zwei römische Legionen unter P. Sulpicius Galba landen in Illyrien bei Apollonia. Die römische Flotte schützt den Peiraieus und bedroht Euböa. Philipp, vor Athen zurückgeschlagen, wird gezwungen, Mittel-Griechenland zu verlassen. Erfolglose Kriegführung der Römer in Illyrien; die Flotte versucht vergebens eine Landung auf der Halbinsel Chalkidike. Aber der Konsul T. Quinctius Flamininus (198) gewinnt, nach Umgehung der festen Stellung Philipps, Epirus, besetzt dann Phokis und Böotien und siegt endlich in der

197.

Schlacht bei Kynoskephălae in Thessalien.

Friede: Philipp muß die Hegemonie über Griechenland sowie überhaupt alle Besitzungen außerhalb des eigentlichen Makedoniens aufgeben und in 10 Jahren 1000 Talente zahlen; ferner darf er nur 5000 Soldaten und 5 Kriegsschiffe halten und nur mit römischer Erlaubnis Krieg führen. — Bei den Isthmischen Spielen läßt Flamininus den Senatsbeschluß verkünden, welcher die bisher Philipp untertänigen griechischen Staaten für frei erklärt. Die meisten treten in den Achäischen Bund; die Römer beschränken die Herrschaft des Tyrannen Nabis von Sparta, lassen sie aber als Gegengewicht gegen den Achäischen Bund bestehen (s. S. 69).

195.

Die oligarchische Partei in Karthago, wo auf Hannibals Anregung eine demokratische Reform der Verfassung stattgefunden hat, verdächtigt diesen beim römischen Senat, der seine Auslieferung verlangt. Hannibal flüchtet nach Tyrus, von da zum König Antiochos.

192–189.

Krieg mit Antiochos III. von Syrien.

Antiochos, herbeigerufen von den mit Roms Schutzherrschaft unzufriedenen Ätōlern, eröffnet den Krieg mit einer Landung in Thessalien. Von da geht er nach Euböa. Die meisten Griechen, namentlich der Achäische Bund, bleiben den Römern treu, mit denen sich auch Philipp von Makedonien, Eumĕnes von Pergamon und Rhodos verbinden. Landung des Konsuls M’. Acilius Glabrio in Epirus und Marsch nach Thessalien.

191.

Schlacht bei Thermopylae. Der Konsular und Besieger der Spanier, M. Porcius Cato, welcher als Kriegstribun im römischen Heere dient, überrumpelt die Ätoler auf dem Bergpfade des Ephialtes (S. 40), der Konsul Acilius nimmt den Hauptpaß und zersprengt das Heer des Antiochos, der mit wenigen Truppen nach Chalkis entkommt und sich dort nach Ephĕsus einschifft.

190.

Eine rhodische Flotte besiegt die von Hannibal geführte Flotte des Königs an der Mündung des Eurymedon (s. S. 43), die römische Flotte siegt am Vorgebirge Myonnesos unweit Ephesus. Das römische Landheer unter L. Cornelius Scipio, welchen sein Bruder Scipio Africanus als Legat begleitet, marschiert durch Makedonien und Thrakien, setzt über den Hellespont und schlägt den Antiochos bei Magnesia am Sipy̆los, nicht weit von Smyrna.

189.

Friedensschluß: Antiochos tritt Kleinasien bis zum Taurusgebirge ab, zahlt in zwölf Jahren 15000 Talente (über 70 Mill. Mark) Kriegskosten, liefert seine Kriegsschiffe bis auf zehn aus. Hannibal entflieht nach Bithynien zum Könige Prusias, tötet sich dort 183 durch Gift.

In Rom glänzender Triumph des L. Cornelius Scipio, der den Beinamen Asiaticus annimmt. Der Senat beschließt, vor der Hand keine unmittelbaren Besitzungen in Asien zu erwerben, verteilt die abgetretenen Länder an die Bundesgenossen, namentlich an Eumĕnes von Pergamon und die Rhodier, und nimmt die griechischen Städte Asiens in Schutz gegen die Galăter (189 Zug des Konsuls Cn. Manlius Volso von Ephĕsus aus). In Griechenland werden die Ätōler besiegt und unterworfen, die übrigen Staaten behalten vorläufig ihre Selbständigkeit. Die inneren Zwistigkeiten dauern unter den Griechen fort, der römische Senat wird als Schiedsrichter angerufen,

186.

Senatus consultum de bacchanalibus gegen die Ausartung griechischer Götterdienste.

184.

M. Porcius Cato (234–149) strenger Censor in Rom, bekämpft als Vertreter altrömischer Sittenstrenge die zugleich mit der griechischen Bildung sich ausbreitenden Laster der Nobilität (ambitio, avaritia, luxuria), erbaut nach griechischem Vorbilde die erste Säulenhalle am Forum, Basilica Porcia. P. Cornelius Scipio Africanus, mit seinem Bruder L. Scipio von zwei Volkstribunen angeklagt wegen willkürlicher Verwendung der von Antiochos gezahlten Gelder, schlägt durch sein Ansehen den Prozeß nieder, verläßt dann Rom und stirbt 183 auf seinem Landgute zu Liternum in Campanien.

180.

Lex Villia annalis, beantragt von dem Tribunen L. Villius, zur Beschränkung der Ämtersucht (ambitio). Sie setzt ein bestimmtes Alter für die kurulischen Ämter fest: nach zehnjährigem Kriegsdienst Ädilität im 37. Lebensjahre, Prätur im 40., Konsulat im 43. Von der Bewerbung um die Ädilität waren Unvermögende schon dadurch ausgeschlossen, daß die Kosten für die öffentlichen Spiele (ludi Romani, ludi plebei, Megalesia, Cerealia, Floralia) größtenteils von den Ädilen selbst getragen wurden.

171–168.

Dritter Makedonischer Krieg.

Philipps V. Sohn Perseus will Makedoniens Macht über Griechenland herstellen; König Eumĕnes von Pergamon verklagt ihn in Rom. Die römische Kriegführung in Thessalien anfangs erfolglos, so daß unter den Griechen sich Neigung zum Abfall zeigt; dann aber dringt L. Aemilius Paullus, Sohn des bei Cannae gefallenen Konsuls, nachdem er die Mannszucht im Heere hergestellt hat, in Makedonien ein und gewinnt die entscheidende

168.

Schlacht bei Pydna.

Perseus entflieht zu Schiff, ergibt sich dann auf der Insel Samothrake den Römern. Glänzender Triumph des Aemilius Paullus. Die nach Rom gebrachte Beute ist so bedeutend, daß fortan den Bürgern das Tributum (s. S. 75) erlassen werden kann.

Makedonien wird noch nicht zur Provinz gemacht, sondern in 4 von Rom abhängige Bezirke aufgelöst, die untereinander weder commercium noch conubium haben; ebenso Illyrien nach Besiegung des Königs Genthios, eines Bundesgenossen des Perseus, in 3 Bezirke. Über Epirus wird ein grausames Strafgericht verhängt (70 Städte zerstört, die Einwohner als Sklaven verkauft); die griechischen Staaten werden in das Verhältnis der Untertänigkeit herabgedrückt. 1000 vornehme Achäer werden zur Untersuchung nach Rom geführt (unter ihnen der Geschichtschreiber Polybios) und dann 16 Jahre in italischen Städten in Gewahrsam gehalten. Die alten Bundesgenossen der Römer, Eumĕnes von Pergamon und die Rhodier, welche im Kriege eine vermittelnde Stellung hatten einnehmen wollen, werden gedemütigt und den letzteren ihre Besitzungen auf dem Festlande abgenommen. In einem zwischen Syrien und Ägypten ausgebrochenen Kriege schreitet der Senat zum Schutze der Ptolemäer ein. Der römische Gesandte C. Popillius Laenas (168) befiehlt dem König Antiochus IV. von Syrien vor Alexandrīa in herrischer Weise den Rückzug.

149–146.

Dritter Punischer Krieg.

Veranlassung: Streitigkeiten der Karthager mit König Massinissa, der ihr Gebiet schmälert; sie bekämpfen ihn ohne römische Erlaubnis. Der Senat beschließt Krieg auf Betreiben des greisen M. Porcius Cato: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam († 149).

Zwei konsularische Heere landen bei Utĭca; die Karthager unterwerfen sich, liefern Schiffe und Waffen aus. Als aber gefordert wird, daß sie ihre Stadt verlassen und sich 2 Meilen vom Meere neu anbauen sollen, entschließen sie sich zu verzweifeltem Widerstande. Mit äußerster Anstrengung aller Bewohner Karthagos wird eine neue Kriegsrüstung zustande gebracht, Tag und Nacht werden Waffen geschmiedet, im inneren Hafen wird eine neue Flotte gebaut. Ein Sturm der Römer wird zurückgeschlagen. Belagerung Karthagos.

147.

P. Cornelius Scipio Aemilianus, Sohn des L. Aemilius Paullus, durch Adoption Enkel des Scipio Africanus[24] erhält den Oberbefehl. Er schließt die Stadt von der Land- und Seeseite vollständig ein.

146.

Einnahme und Zerstörung Karthagos.

Sechstägiger Straßenkampf und 17tägiger Brand. Die überlebenden Einwohner werden als Sklaven verkauft.

Das Land vom Tuscafluß, gegenüber der Insel Galatha, bis zur kleinen Syrte wird unter dem Namen Africa römische Provinz (Hauptstadt Utĭca). Das übrige Land kommt an das verbündete Königreich Numidien. Glänzender Triumph Scipios, der den Beinamen Africanus (minor) erhält.

146.

Makedonien wird römische Provinz

nach Besiegung des Andriskos, der sich für einen Sohn des Perseus ausgibt, durch Q. Caecilius Metellus.

140.

Einnahme und Zerstörung von Korinth

nach einem kurzen Kriege des Achäischen Bundes gegen die Römer. Der Konsul L. Mummius siegt bei Leukopetra, besetzt Korinth und zerstört es auf Befehl des Senats. Die Kunstschätze werden nach Rom geschickt, sämtliche Einwohner als Sklaven verkauft. Das Gebiet der Stadt wird teils an Sikyon gegeben, teils für römisches Gemeindeland erklärt.

Die anderen griechischen Städte werden im allgemeinen mit Milde behandelt, doch sind sie dem in Thessalonike residierenden Statthalter von Makedonien untergeordnet (s. S. 69).

Die ersten vier Provinzen (Sicilia, Sardinia nebst Corsica, Hispania citerior und ulterior) wurden anfänglich von Prätoren verwaltet, so daß es mit dem Praetor urbanus und dem Praetor inter peregrinos (seit 241), welche stets in Rom blieben, 6 jährlich erwählte Prätoren gab. Später wird es üblich, daß alle Prätoren während des Amtsjahres in Rom bleiben als Vorsitzende der aus Senatoren gebildeten Gerichtshöfe (quaestiones perpetuae). Im nächsten Jahre gehen dann die Prätoren als Proprätoren, begleitet von Quästoren als Finanzbeamten, in die ihnen durch das Los zugefallenen Provinzen; doch werden in solche Provinzen, wo noch Krieg zu führen ist, in der Regel die Prokonsuln gesandt. Neben der Verwaltung steht den Prokonsuln und Proprätoren die höchste Militär- und Justizgewalt zu.

149.

Einsetzung des Gerichtshofs über Erpressungen (de repetundis) zur Abstellung der aus den Provinzen kommenden Klagen.

Im Jahre 146 bestanden acht Provinzen, außer den vier oben genannten noch Gallia cisalpina, Illyricum, Africa, Macedonia. Die Einrichtung einer Provinz wird in der Regel von dem erobernden Feldherrn und einer Kommission von 10 Senatoren vorgenommen. Die Provinzen sind im Gegensatz zu Italien steuerpflichtige Gebiete. Doch behalten einige Städte auf Grund eines Vertrages (civitates foederatae), andere auf Grund eines Senats- oder Volksbeschlusses (civitates liberae et immunes) Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit und Verwaltung durch selbstgewählte Behörden (divide et impera!).[25] Die Abgaben der Provinz [Grundsteuer (tributum); Pacht- und Weidegelder von Staatsländereien (vectigal, scriptura); Hafenzölle (portoria)] werden an Abgabenpächter (publicani) verpachtet, meist Gesellschaften von römischen Bürgern aus dem Ritterstande (ordo equester, S. 102), von denen viele auch als Bankiers (negotiatores) und Großkaufleute (mercatores) in der Provinz Handelsgeschäfte trieben. Dem Amtsadel (ordo senatorius) waren Geld und Handelsgeschäfte untersagt; er legte sein Geld in Ländereien an, die durch Sklaven bearbeitet wurden.

In Italien bleibt der Gegensatz zwischen römischen Bürgern und Bundesgenossen; die Municipien (S. 86) erhalten nach und nach römisches Bürgerrecht. Die Herrschaft der Nobilität mit ihrem regelmäßigen Ämterwechsel ist so befestigt, daß Ernennung von Dictatoren lange Zeit nicht mehr vorkommt. Seit 153 v. Chr. treten die Konsuln ihr Amt stets am 1. Januar an (früher am 1. März). In Zeiten der Gefahr überträgt der Senat ihnen diktatorische Gewalt durch den Beschluß: Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat.

Zunehmende Verweichlichung und Genußsucht in Rom seit dem Ende des zweiten Punischen Krieges. Beginn des Großkapitalismus und der Latifundienwirtschaft. Vergebliche Bestrebungen von Männern wie M. Porcius Cato Censorius (234–149).

§ 6. Bürgerliche Unruhen.

153–133.

Unterwerfung Spaniens.

Wiederholte Einfälle der freien Lusitaner (in Portugal) in die südliche Provinz. Ihr Feldherr Viriāthus, in mehreren Schlachten siegreich, wird 139 durch Verräter aus seiner Umgebung ermordet. In der nördlichen Provinz ist die Stadt Numantia (unweit Soria am oberen Duero) Mittelpunkt des Widerstandes. Endlich erhält den Oberbefehl P. Cornelius Scipio Aemilianus Africanus (minor), der die Mannszucht im Heere wiederherstellt und nach 15monatiger Einschließung die Stadt aushungert. Verzweifelte Verteidigung.

133.

Übergabe und Zerstörung von Numantia.

Scipios Beiname Numantinus. Seit dem Fall von Numantia ist ganz Spanien, mit Ausnahme der nördlichen Bergvölker, der römischen Herrschaft unterworfen.

135–132.

Erster Sklavenkrieg.

Aufstand der mißhandelten Sklaven in Sicilien unter dem Syrer Eunūs, der sich König Antiochos nennt, glücklich gegen mehrere römische Heere kämpft, endlich aber gefangen und mit einer großen Anzahl Aufständischer hingerichtet wird.

133–121.

Gracchische Unruhen,

hervorgerufen durch die auf gewaltsame Weise betriebenen politischen und sozialen Reformen der Brüder Tiberius und Gaius Sempronius Gracchus.

Fortwährende Vermehrung der großen, durch Sklaven bewirtschafteten Güter (Latifundia). Billiges Getreide aus den Provinzen. Dadurch schmilzt der freie Bauernstand zusammen; viele arme Bürger ziehen nach Rom, gelockt durch die Aussicht auf Getreidespenden und Wahlbestechungen. Deshalb stellt

133.

Tib. Sempronius Gracchus, durch seine Mutter Cornelia Enkel des Siegers von Zama, als Volkstribun den Antrag auf Erneuerung des in Vergessenheit geratenen Licinischen Ackergesetzes (S. 81), doch sollen außer den 500 Morgen für zwei Söhne noch je 250 vom Gemeindeland von den Besitzern behalten und für die auf dem zurückzugebenden Lande ausgeführten Bauten und Anlagen Entschädigungen gezahlt werden. Aus dem dadurch frei gewordenen Gemeindeland sollen unveräußerliche Bauerngüter von je 30 Morgen gebildet und zur Bewirtschaftung gegen einen mäßigen Erbzins an arme Bürger verteilt werden. Nachdem Tib. Gracchus den Volkstribunen M. Octavius, der dagegen beharrlich Einspruch erhebt, durch Volksbeschluß widerrechtlich hat absetzen lassen, wird das Gesetz vom Volke angenommen; mit seiner Ausführung werden beauftragt: Tib. Gracchus, sein Schwiegervater Appius Claudius und sein Bruder C. Gracchus (tresviri agris dandis assignandis).

133.

Tod des Königs Attălos III. von Pergămon, der sein Reich (fortan römische Provinz Asia) und seine Schätze den Römern hinterläßt (S. 66).

Tib. Gracchus beantragt gegen das bestehende Herkommen, wonach der Senat über auswärtige Angelegenheiten entscheidet, beim Volke, den pergamenischen Schatz an die neuen Landbesitzer behufs Anschaffung des nötigen Inventars zu verteilen.

Vorbereitung weiterer volkstümlicher Gesetze (Abkürzung der Dienstzeit, Ausdehnung des Provokationsrechtes u. a.).

Tib. Gracchus will sich entgegen dem bestehenden Gesetz für das folgende Jahr wieder zum Tribunen wählen lassen, wird aber mit 300 seiner Anhänger von den Optimaten unter Führung des P. Cornelius Scipio Nasica auf dem Forum erschlagen. Die Konsuln des folgenden Jahres schreiten gegen die Volkspartei (populares) mit Hinrichtungen und Verbannungen ein, die beschlossene Ackerverteilung aber kommt zur Ausführung.

131.

Der Volkstribun C. Papirius Carbo setzt, um den Einfluß der Optimaten auf die Tributkomitien zu brechen, schriftliche geheime Abstimmung in denselben durch (lex tabellaria), welche für die Wahlen schon seit 139 angeordnet war. Seinen weiteren Vorschlägen tritt P. Cornelius Scipio Aemilianus (Gemahl der Sempronia, Schwester der Gracchen, S. 98), entgegen; auch hemmt er die weitere Tätigkeit der tresviri agris dandis assignandis, indem er bewirkt, daß ihnen die richterliche Entscheidung über streitiges Land entzogen wird.

129.

Am Tage nach einer aufgeregten Verhandlung wird Scipio in seinem Hause tot (ermordet?) gefunden.

125.

Der Konsul M. Fulvius Flaccus, welcher im Sinne der gracchischen Partei beantragt, den italischen Bundesgenossen römisches Bürgerrecht zu gewähren, wird vom Senat der von gallischen Stämmen bedrängten Stadt Massilia (S. 66) zu Hilfe geschickt. Bald darauf werden, um den Landweg von Italien nach Spanien zu sichern, römische Kolonien in Aquae Sextiae und Narbo gegründet, zur Sicherung des Seeverkehrs werden die Balearischen Inseln besetzt.

121.

Gallia Narbonensis römische Provinz (Massilia civitas foederata).

123.

Gaius Sempronius Gracchus erneuert als Volkstribun das Ackergesetz seines Bruders und knüpft daran eine Reihe von Gesetzen, welche die Herrschaft der Optimaten zu stürzen bestimmt sind. Er gewinnt die Menge der ärmeren Bürger für sich, indem er die persönliche Freiheit sichert (lex Sempronia de civibus Romanis: ne de capite civium Romanorum iniussu populi iudicaretur), den Kriegsdienst erleichtert (lex militaris) und Getreideverkauf von Staats wegen an die Bürger zu billigem Preise anordnet (lex frumentaria). Für 122 wird er auf Grund eines Gesetzes, welches bei Mangel an Bewerbern um das Tribunat dem Volke freie Wahl gestattet, wieder zum Tribunen gewählt.

Durch die lex iudiciaria überträgt C. Gracchus die Besetzung der Geschworenengerichte (quaestiones perpetuae, S. 98) vom Senatorenstand (ordo senatorius) auf den Ritterstand (ordo equester). Dieser umfaßte die reicheren Bürger, welche als Besitzer eines Vermögens von mindestens 400 000 sestertii (70 000 Mark) zum Kriegsdienst zu Pferde eingeschätzt waren; die Senatoren aber waren seit 129 gesetzlich verpflichtet, mit ihrem Eintritt in den Senat aus den Rittercenturien auszuscheiden. Die einflußreichen Mitglieder der Geldaristokratie (publicani und negotiatores, S. 99) saßen also fortan auch über Senatoren zu Gericht.

Auch die Besetzung der Statthalterschaften in den Provinzen wird (durch die lex de provinciis) der freien Verfügung des Senats entzogen; die Provinz Asia wird durch die Anordnung, daß die Verpachtung der Abgaben in Rom durch die Censoren geschehen soll, der Habsucht der publicani aus dem Ritterstande ausgeliefert. Um die Ackerverteilung zu fördern, wird Aussendung von Kolonien durch Volksbeschluß angeordnet (lex de coloniis deducendis). Während Gracchus von Rom abwesend ist, um die Gründung der Kolonie Iunonia an der Stelle des zerstörten Karthago zu leiten, tritt der Tribun M. Livius Drusus mit Gegenvorschlägen, besonders die Gründung von Kolonien in Italien betreffend, auf und wird vom Senat unterstützt

Der Antrag des Gracchus, den Latinern volles Bürgerrecht, den übrigen Italikern latinisches Recht zu bewilligen (lex de civitate sociis danda), kommt bei dem vereinigten Widerstande der Optimaten und eines großen Teiles der Bürgerschaft nicht zur Annahme. Gracchus wird für das Jahr 121 nicht wieder zum Tribunen erwählt.

121.

Bürgerkampf in der Stadt, veranlaßt durch einen von einem Anhänger des Gracchus verübten Mord. Die Volkspartei besetzt den Aventin, der Senat erteilt dem Konsul L. Opimius durch das Senatus consultum ultimum (S. 99) Vollmacht zu Gewaltmaßregeln. Der Aventin wird von Bewaffneten erstürmt, C. Gracchus und M. Fulvius werden auf der Flucht erschlagen. Gegen 3000 Anhänger des Gracchus werden bei der folgenden Untersuchung verhaftet und getötet.

Herstellung der Senatsherrschaft; die Kolonien (außer Narbo) kommen nicht zur Ausführung. Das verteilte Gemeindeland wird 111 durch Volksbeschluß in zinsfreies Eigentum umgewandelt, kann also von reicheren Bürgern wieder angekauft werden.

§ 7. Marius und Sulla.

Die Behauptung des zu ansehnlicher Ausdehnung gelangten römischen Reiches macht immer wieder Kriege notwendig, deren Führung durch die inneren Parteikämpfe beeinflußt wird.

111–105.

Jugurthinischer Krieg. Jugurtha, Enkel Massinissas, hatte seine Vettern und Miterben Adherbal und Hiempsal aus dem Besitz Numidiens vertrieben und getötet. Der Krieg gegen ihn wird anfangs von bestochenen Anführern nachlässig geführt; ein Sieg des Caecilius Metellus (Numidicus) am Flusse Muthul ist nicht entscheidend. C. Marius, Unterfeldherr des Q. Caecilius Metellus, aus niederem Stande, Sohn eines Bauern aus der Gegend von Arpinum, 107 zum Konsul erwählt, nötigt Jugurtha, zum Könige Bocchus von Mauretanien zu fliehen. Von diesem erlangt der optimatische Quästor L. Cornelius Sulla durch geschickte Unterhandlungen die Auslieferung des Feindes. Jugurtha wird in Rom im Triumph aufgeführt, dann im Gefängnis (Tullianum) getötet. Numidien wird zwischen Bocchus und Jugurthas Halbbruder Gauda, dem letzten noch lebenden Enkel Massinissas, geteilt.

113–101.

Krieg gegen die Cimbern und Teutonen.

Der germanische Stamm der Cimbern, von Norden her aus der Chersonesus Cimbrica (Schleswig und Jütland) auswandernd, dringt in die Alpengegenden ein, schlägt 113 bei Noreja (in Kärnten) den Konsul Cn. Papirius Carbo, wendet sich darauf nach Westen dem Rhein zu, überschreitet diesen Strom und schlägt 109 in Gallien den Konsul M. Junius Silanus. Große Niederlage zweier römischer Heere 105 bei Arausio (Orange) an der Rhone. Schrecken in Rom; die Volkspartei setzt für 104 die Erwählung des Marius zum Konsul durch; er wird auch in den folgenden Jahren wiedergewählt und rüstet sich, während die Cimbern nach Spanien ziehen, in der Provinz Gallia Narbonensis zur Abwehr.

Die Cimbern, nach Gallien zurückgekehrt, vereinigen sich mit dem gleichfalls germanischen Volke der Teutonen und mit helvetischen (keltischen) Stämmen, namentlich den Tigurinern. Einbruch in Italien beschlossen; die Cimbern und Tiguriner ziehen nach Kärnten, um von Norden her die Alpen zu überschreiten; die Teutonen mit den Ambronen, der Kernschar der Cimbern, ziehen durch die römische Provinz an Marius’ Lager vorüber, um die Pässe der Westalpen zu erreichen.

102.

Schlacht bei Aquae Sextiae (Aix in der Provence, s. S. 101); Marius vernichtet in gewaltigem Kampfe die Teutonen und Ambronen. Dann zieht er über die Alpen dem optimatischen Konsul Q. Lutatius Catulus zu Hilfe, der vor den Cimbern in die Gegend am oberen Po zurückgewichen war.

101.

Schlacht bei Vercellae (nördlich am oberen Po), Sieg der beiden Konsuln; das Hauptverdienst gebührt Marius.

Man erwartet von ihm, daß er die Herrschaft der Optimaten stürze. Im Jahre 100 zum sechsten Male Konsul, tritt er in Verbindung mit den Führern der Volkspartei, dem Prätor C. Servilius Glaucia und dem Volkstribunen L. Saturninus, entzweit sich aber bald mit ihnen und unterdrückt schließlich, der Aufforderung des Senats Folge leistend, die von ihnen erregten Unruhen mit Waffengewalt, geht dann auf einige Zeit nach der Provinz Asia.

91.

Zur Versöhnung der Parteien beantragt der Volkstribun M. Livius Drusus: 1. Rückgabe der Geschworenengerichte (S. 102) an den Senat, der aber durch 300 Mitglieder des Ritterstandes vermehrt werden soll; 2. Ackerverteilung und ein neues Getreidegesetz. Heftige Erörterungen darüber im Senat. Als er dann den Italikern die Erteilung des Bürgerrechts in Aussicht stellt, gilt er wie C. Gracchus als Aufrührer und wird durch Meuchelmord beseitigt. Die Italiker aber erheben sich nun zum Kriege gegen Rom.

91–88.

Marsischer oder Bundesgenossenkrieg.

Corfinium im Gebirgslande, östlich vom Fucinus-See, wird zur Hauptstadt des neuen Staates bestimmt; dort soll ein Senat von 500 Mitgliedern aus allen italischen Stämmen tagen; zwei Konsuln treten an die Spitze. Aber die Latiner, Etrusker und Umbrer halten zu Rom; es kommt nicht zu großen Entscheidungskämpfen, da der Antrag des Konsuls L. Julius Caesar, den treu gebliebenen Bundesgenossen das Bürgerrecht zu verleihen, bald dahin erweitert wird, daß es allen Abgefallenen, die sich binnen 60 Tagen melden, gewährt werden soll (lex Plautia Papiria, von zwei Volkstribunen des Jahres 89 vorgeschlagen). Damit wird die Bevölkerung Italiens zur Teilnahme an der Weltherrschaft Roms zugelassen. Die nach Annahme dieser Anträge noch Widerstrebenden werden von Sulla und anderen Feldherrn nach und nach besiegt. Ein auswärtiger Feind erhebt sich, und durch neuen inneren Hader kommt der römische Staat in die größte Gefahr.

88–84.

Erster Mithradatischer Krieg.

Gleichzeitig Bürgerkrieg zwischen Optimaten und Volkspartei.

Mithradates VI., König von Pontus (S. 66), hatte seine Herrschaft bis nach Kolchis und dem Kimmerischen Bosporus (Krim) ausgedehnt, den König von Bithynien vertrieben und war dann in der römischen Provinz Asia als Befreier aufgetreten. Auf seinen in Ephesus erlassenen Befehl werden alle in der Provinz sich aufhaltenden Italiker ermordet.

In Rom beantragt der Volkstribun P. Sulpicius Verteilung der Neubürger in alle 35 Tribus und Übertragung des Oberbefehls gegen Mithradates an Marius. Sulla, als Konsul des Jahres 88 entschlossen, sich den Oberbefehl nicht entreißen zu lassen, führt seine 6 Legionen von Nola aus gegen Rom und erstürmt die Stadt. Sulpicius auf der Flucht getötet, Marius entkommt über Minturnae nach Afrika. Sulla stellt die alte, um 241 abgeschaffte Stimmordnung der Servianischen Verfassung für die Centuriatkomitien wieder her und bestimmt, daß fortan in der Bürgerschaft über keinen Antrag ohne Vorbeschluß des Senats abgestimmt werden darf.

87.

Nachdem Sulla zur Kriegführung gegen Mithradates abgereist ist, beruft der aus der Volkspartei erwählte Konsul L. Cornelius Cinna den flüchtigen Marius zurück und beginnt mit ihm eine revolutionäre Schreckensherrschaft in Rom. Viele Optimaten werden getötet, ihr Vermögen eingezogen. Marius, zum siebenten Male Konsul 86, stirbt zu Anfang des Jahres; Cinna führt seine Willkürherrschaft weiter, wird 84 in Ancona getötet, als er die Flotte gegen Sulla führen will.

Mithradates’ Feldherr Archelaos hat inzwischen einen großen Teil Griechenlands zum Abfall von der römischen Herrschaft gebracht. Sulla schlägt ihn in Böotien, nimmt 86 nach längerer Belagerung Athen ein, schlägt Mithradates’ Truppen nochmals bei Chaironeia und 85 bei Orchomenos, geht dann nach Asien hinüber.

84.

Friede mit Mithradates zu Dardănos in Troas; er muß die besetzten Gebiete (die Provinz Asia, die Königreiche Bithynien und Paphlagonien) räumen, alle Kriegsschiffe ausliefern und 3000 Talente zahlen. Darauf wendet sich Sulla gegen das Heer der Volkspartei, welches 86 nach Asien gekommen war, aber nichts ausgerichtet hatte; die Soldaten fallen ihm zu, der Anführer C. Flavius Fimbria tötet sich selbst.

83.

Sulla landet mit etwa 40000 Mann in Brundisium, sichert den Bundesgenossen das volle Bürgerrecht zu, schlägt in mehreren Treffen, unterstützt von dem jungen Cn. Pompeius, der ihm ein Heer von Freiwilligen zuführt, die Heere der Volkspartei.

82.

Sulla nimmt Rom ohne Widerstand ein, schlägt die Samniten, welche noch immer das Bürgerrecht verschmähen, in einer Schlacht am Kollinischen Tor, verhängt über aufständische Städte ein Strafgericht. In Rom verfügt er als Dictator blutige Verfolgung der Marianischen Partei; es werden Proskriptionslisten aufgestellt; die Zahl der Geächteten steigt auf 4700. Ihre Güter werden eingezogen und die Sklaven freigelassen, ihre Kinder von allen Ämtern ausgeschlossen. Nach Beendigung des Bürgerkrieges folgen Landanweisungen an die Veteranen des Heeres; in die besiegten italischen Städte (Faesulae, Praeneste, Pompeii u. a.) werden ganze Kolonien geschickt. Seine Unterfeldherrn besiegen die Marianer in Spanien, Sicilien und Afrika. Pompeius, aus Afrika 81 zurückkehrend, zieht im Triumph in Rom ein und wird von Sulla mit dem Beinamen Magnus begrüßt.

Gesetzgebung Sullas (leges Corneliae) zur Befestigung der Optimatenherrschaft: 1. Der an Zahl sehr zusammengeschmolzene Senat wird durch 300 von den Tributkomitien erwählte Mitglieder ergänzt; für die Zukunft wird der Eintritt in den Senat gesetzlich an die Bekleidung der Quästur geknüpft. Die Zahl der jährlich von den Tributkomitien zu erwählenden Quästoren wird auf 20 erhöht. Das Amt der Censur mit seiner Befugnis, alle fünf Jahre die Senatsliste neu aufzustellen, hört tatsächlich auf. Die von C. Gracchus dem Ritterstande übertragenen Geschwornengerichte werden dem Senat zurückgegeben.

2. Die Komitien behalten das Recht, Gesetze zu bestätigen und Beamte zu wählen; den Priesterkollegien (S. 81) wird das Recht der Selbstergänzung zurückgegeben. Die im J. 88 versuchte Wiederherstellung der Servianischen Stimmordnung wird aufgegeben.

3. Das Recht der Volkstribunen, Gesetzvorschlage an die Komitien zu bringen, wird an die Genehmigung des Senats geknüpft; Mißbrauch ihres Einspruchsrechts wird mit schweren Geldbußen bedroht; wer das Tribunat bekleidet, ist zur Übernahme anderer Ämter unfähig.

4. Die Zahl der stehenden Gerichtshöfe (quaestiones perpetuae, S. 98) wird vermehrt, daran schließt sich die Vermehrung der Prätoren auf 8 und eine umfassende Kriminalgesetzgebung.

81.

Sulla läßt Konsuln wählen, führt aber selbst als Dictator die Regierung weiter. Für das Jahr 80 läßt er sich selbst und seinen Waffengenossen Q. Metellus (Sohn des Numidicus, S. 103) zu Konsuln erwählen, und bahnt so den Übergang zur verfassungsmäßigen Ordnung an.

79.

Sulla legt freiwillig die Dictatur nieder und tritt ins Privatleben zurück († 78).

§ 8. Pompeius und Cäsar.

Die Sullanische Staatsordnung gewinnt keinen festen Bestand, da der Senat auf die Dauer nicht imstande ist, den Ehrgeiz einzelner Machthaber zu zügeln.

Pompeius bekämpft 77–72 in Spanien den Marianer Q. Sertorius, der sich dort eine unabhängige Herrschaft gegründet hat, schließlich aber durch Verschworene ermordet wird. Bei der Rückkehr 71 vernichtet er flüchtige Scharen aufständischer Sklaven, die unter Führung des Thrakers Spartăcus seit 73 Italien stark beunruhigt hatten, aber von M. Licinius Crassus bereits besiegt worden waren (2. Sklavenkrieg, s. S. 100).

70.

Umsturz der Sullanischen Verfassung. Die Konsuln Pompeius und Crassus stellen die von Sulla beschränkte tribunicische Gewalt wieder her. Auf Antrag des Prätors L. Aurelius Cotta werden die Gerichte fortan zu gleichen Teilen aus Senatoren, Rittern und Männern des Bürgerstandes gebildet. Auch werden wieder Censoren erwählt; bei Aufstellung der Senatsliste werden 64 von Sulla ernannte Senatoren ausgestoßen. Der Volksgunst verdankt Pompeius zweimalige Übertragung des Oberbefehls in den damals entstandenen Kriegen.

78–67.

Krieg gegen die Seeräuber. Seit Zerstörung Karthagos war die römische Kriegsflotte vernachlässigt. Erpressungen der Statthalter in Asien trugen dazu bei, daß das Unwesen des Seeraubes den Handelsverkehr auf dem ganzen Mittelmeer gefährdete. Die italischen Küstenstädte von ihnen gebrandschatzt, eine römische Flotte vor Ostia geschlagen. Kreta und Cilicien Hauptsitze der Seeräuber. Nachdem im J. 103 ein Teil Ciliciens zur Provinz gemacht war, besetzt der Prokonsul P. Servilius Vatia 78–75 auch die westlich angrenzenden Landschaften Pamphylien, Pisidien, Isaurien und zerstört viele Seeräuberstädte, Kreta wird nach längeren Kämpfen 67 zur Provinz gemacht (bald mit Cyrenaica vereinigt). Da indes das Piratenunwesen noch fortdauert, so erhält

67.

Pompeius auf Antrag des Volkstribunen A. Gabinius (lex Gabinia) auf drei Jahre den unumschränkten Oberbefehl über das ganze Mittelmeer und über alle Küsten desselben bis 10 Meilen (75 km) landeinwärts; alle Staatskassen, alle Hilfsmittel der Provinzen und der Schutzstaaten werden ihm zur unbedingten Verfügung gestellt. Pompeius säubert mit 120000 Mann und 500 Schiffen in drei Monaten (durch 2 kurze Feldzüge) erst das westliche, dann das östliche Mittelmeer, nimmt viele Seeräuber gefangen und siedelt sie meist landeinwärts an (Pompeiopolis, bisher Soloi, in Cilicien).

74–64.

Dritter Mithradatischer Krieg.

Gegen den König von Pontus hatte der Proprätor L. Licinius Murena 83–81 einen zweiten Krieg geführt, um ihn zu völliger Ausführung des Friedens zu Dardanos zu zwingen. Nach Sullas Tode erhebt sich Mithradates von neuem, verbündet mit seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, der dem Reiche Syrien (S. 65) ein Ende macht. Mithradates besetzt Bithynien, das König Nikomedes den Römern vermacht hatte (S. 66), wird aber von dem Prokonsul L. Licinius Lucullus 72 bei Kabira geschlagen und aus seinem Reiche vertrieben. Lucullus siegt 69 auch über Tigranes bei Tigranokerta und besetzt die Landschaft Kommagēne am oberen Euphrat, wird aber 68 bei dem Zuge durch die armenischen Berge gegen die Hauptstadt Artaxăta durch Meuterei seiner Soldaten zur Umkehr genötigt. Alle Erfolge gehen verloren; Mithradates kehrt in sein Reich zurück. Lucullus vom Senat zurückgerufen.

66.

Pompeius erhält den Oberbefehl in Asien auf Antrag des Tribunen C. Manilius (Ciceros Rede de imperio Cn. Pompei oder pro lege Manilia). Er schließt ein Bündnis mit den Parthern, besiegt Mithradates in einer nächtlichen Schlacht am Flusse Lykos, verfolgt ihn bis zum Phasis und wendet sich dann nach Armenien. Bei Artaxata unterwirft sich Tigranes; er bleibt König von Armenien, muß aber auf alle Eroberungen verzichten und 6000 Talente Kriegskosten zahlen.

65.

Pompeius kämpft mit den kriegerischen Bergvölkern im Kaukasus, gibt aber die weitere Verfolgung des nach der Taurischen Chersones (Krim) geflüchteten Mithradates auf und zieht nach Pontus, von da nach Syrien.

64–63.

Einrichtung des asiatischen Römerstaates durch Pompeius.

Neue Provinzen: 1. Pontus, bestehend aus Bithynien, der Küste von Paphlagonien und dem westlichen Teil des früheren Reiches des Mithradates. 2. Syria, zunächst nur das Küstenland, vom Meerbusen von Issus bis Damaskus, später bedeutend erweitert. Neugeordnet wird die schon bestehende Provinz Cilicia (mit Pamphylien und Isaurien, S. 107). Die asiatischen Provinzen sind vielfach durchbrochen und umgeben von unabhängigen Stadtgebieten, sowie von fürstlichen und priesterlichen (Pessinūs, Komana) Herrschaften unter römischer Oberhoheit. Von den Vasallenkönigen sind die bedeutendsten der König von Kappadokien und der König Deiotărus von Galatien (S. 66). In Palästina setzt Pompeius nach Einnahme Jerusalems und des Tempels den von seinem Bruder Aristobulos vertriebenen Makkabäer Hyrkanos als Hohenpriester und dem römischen Volke tributpflichtigen Herrscher ein.

63.

Auf die Nachricht, daß Mithradates sich in Pantikapaion infolge des Aufstandes seines Sohnes Pharnăces den Tod gegeben, zieht Pompeius wieder nach Pontus; er bestätigt den Pharnăces im Besitz des bosporanischen Reiches.

61.

Pompeius, nach Italien zurückgekehrt, entläßt in Brundisium sein Heer und kommt als Privatmann nach Rom. Einige Monate später zweitägiger prachtvoller Triumph.

66–63.

Catilinarische Verschwörung.

Bund der Volkspartei mit den Anhängern des verschuldeten Patriziers L. Sergius Catilina, welche durch gewaltsamen Umsturz des Staates und Schuldentilgung (tabulae novae) Besitz und Macht zu erlangen hoffen.

Die erste Verschwörung im J. 66, nach welcher die Konsuln des J. 65 ermordet, darauf Crassus (S. 107) zum Dictator, C. Julius Cäsar[26] zum magister equitum erhoben werden sollen, kommt wegen Unschlüssigkeit einiger Teilnehmer und sonstiger Hindernisse nicht zur Ausführung. Für das Jahr 63 soll die Erwählung des Catilina und des C. Antonius zu Konsuln durchgesetzt werden, aber nur der letztere wird gewählt; sein Amtsgenosse wird der als Redner und Anwalt beliebte, bisher keiner Partei vollständig angehörige M. Tullius Cicero.[27] Dieser sichert dem verschuldeten Antonius durch eigene Verzichtleistung im voraus die einträgliche Statthalterschaft Makedonien zu und macht ihn dadurch den Verschworenen abwendig.

Cicero verhindert während seines Konsulates mehrere Anträge der Volkspartei, namentlich ein weitgehendes Ackergesetz, überwacht die Anschläge der Verschwörung und vereitelt den Versuch Catilinas, bei der Konsulwahl für 62 die Mitbewerber und ihn selbst, den die Wahl leitenden Konsul, zu ermorden. Der Senat, von der Bildung eines aufständischen Heeres unter G. Manlius in Etrurien unterrichtet, erteilt den Konsuln Vollmacht zur Rettung des Staates (S. 99). Catilinas Plan, Cicero in seinem Hause ermorden zu lassen, wird ebenfalls verraten und mißlingt. Cicero enthüllt die Verschwörung in der Senatssitzung am 8. Nov. 63 (erste Catilinarische Rede); Catilina verläßt darauf die Stadt und geht zu dem Heere nach Etrurien. Seine Mitverschworenen, der Prätor Lentulus, Cethegus, Gabinius u. a., lassen sich mit den Gesandten der Allobreger (in der provincia Narbonensis) in Verhandlungen ein; diese werden bei der Abreise von Rom angehalten; auf Grund der bei ihnen gefundenen schriftlichen Beweise wird am 5. Dez. im Senat über die Verschworenen Gericht gehalten. Der Senat beschließt trotz Cäsars Gegenrede, durch Cicero (vierte Catilinarische Rede) und M. Porcius Cato (Urenkel des M. Porcius Cato Censorius) bestimmt, die fünf Verhafteten hinrichten zu lassen; das Urteil wird am Abend des 5. Dez. im Tullinanum vollzogen. Cicero vom Volke als pater patriae begrüßt.

Mit der Kriegführung gegen das Catilinarische Heer wird der Konsul C. Antonius beauftragt. Dessen Legat M. Petreius schlägt den Catilina bei Pistoria (62). Catilina und 3000 seiner Anhänger fallen.

61.

Cäsar gewinnt seinen ersten Kriegsruhm als Proprätor in der Provinz Hispania ulterior, verzichtet aber nach seiner Rückkehr (60) auf den Triumph, um als Bewerber um das Konsulat auftreten zu können.

Die Weigerung des Senats, die von Pompeius beantragte Ackerverteilung an seine Veteranen zu bewilligen und seine in Asien getroffenen Anordnungen zu bestätigen, führt einen vollständigen Bruch zwischen Pompeius und den Optimaten herbei. Die drei mächtigsten Männer Roms verbinden sich zu gegenseitiger Unterstützung:

60.

Das erste Triumvirat, Pompeius, Cäsar und Crassus.

59.

Cäsar Konsul, bringt die von Pompeius gewünschten Anträge an die Komitien: sie werden trotz des Widerstandes, den der andere Konsul M. Calpurnius Bibulus leistet, vom Volke angenommen. Die Freundschaft zwischen Cäsar und Pompeius wird durch Vermählung des lezteren mit Cäsars Tochter Julia befestigt.

Auf Antrag des Tribunen P. Vatinius erhält Cäsar durch Volksbeschluß die Statthalterschaft von Gallia cisalpina und Illyricum auf 5 Jahre; auf Pompeius’ Antrag fügt der bestürzte Senat noch Gallia Narbonensis (S. 101) hinzu. Die Ausführung des Ackergesetzes wird einer Kommission übertragen, an deren Spitze Pompeius und Crassus stehen. Ehe Cäsar in seine Provinzen abgeht, wird

58.

Catos und Ciceros Entfernung aus Rom auf Cäsars Betreiben durchgesetzt von dem durch Adoption aus einem Patrizier zum Plebejer gemachten Volkstribunen P. Clodius, Nachkommen des App. Claudius Caecus. Cato wird durch Volksbeschluß beauftragt, die den Römern durch Testament des Königs von Ägypten zugewiesene Insel Cypern zu übernehmen. Cicero wird geächtet, weil er römische Bürger ohne gerichtliches Urteil habe hinrichten lassen; er geht nach Thessalonike in Makedonien.

58–51.

Eroberung Galliens durch Cäsar.

Gallien bewohnt von keltischen Stämmen, die sich zu Gauverbänden vereinigt haben (im N. die Belger, im S. die Aquitaner, in der Mitte die Äduer, Arverner, Sequaner mit ihren Genossen). Zur Ausgleichung der Streitigkeiten jährliche Landtage im Gebiet der Carnuten unter Leitung der Priester (Druiden). Die Arverner und Sequaner aber haben im Streit mit den Äduern germanische Stämme, Sueben unter dem König Ariovist, herbeigerufen und ihnen Land abtreten müssen. Cäsar schützt, indem er zunächst für die Sicherheit der römischen Provinz sorgt, die Gallier in ihren Wohnsitzen.

58.

Cäsar siegt über die in Gallien einbrechenden Helvetier bei Bibracte (unweit Autun), dann über den Germanenfürsten Ariovist nordöstlich von Vesontio (Besançon), in der Gegend von Mülhausen im Elsaß.

57.

Unterwerfung der meisten belgischen Volksstämme nach einem schwer errungenen Siege über die Nervier am Flusse Sabis (Sambre). Im Süden vergeblicher Versuch, durch Besetzung von Octodurus (Martigny in Wallis) den Alpenübergang über den Paß des Großen St. Bernhard zu sichern.

56.

Unterwerfung der Seestaaten, namentlich der Venĕter, in Arĕmorĭca (Bretagne und Normandie) durch schwere Kämpfe Cäsars zu Lande und zur See. Im Süden unterwirft der Legat P. Crassus, Sohn des Triumvirs, die Aquitaner.

55.

Cäsar treibt die germanischen Stämme der Usipĕter und Tenktĕrer über den Rhein zurück. Übergang über den Strom auf einer Pfahlbrücke (in der Gegend von Neuwied). Rückkehr nach 18tägigem Verweilen auf dem rechten Ufer.

Erste Überfahrt nach Britannien mit 2 Legionen, Landung nordöstlich von Dover, doch baldige Rückkehr. Cäsars Legaten unterwerfen die nördlichsten gallischen Küstenvölker, die Morĭner und Menapier.

54.

Zweite Überfahrt nach Britannien mit 5 Legionen. Der Äduer Dumnorix, der die Mitfahrt verweigert, wird getötet. Cäsar landet, dringt in das Innere vor, überschreitet die Themse, kämpft glücklich gegen die britischen Kelten unter Cassivellaunus. Unterdessen Angriff auf sein Schiffslager; er kehrt zurück, nachdem Cassivellaunus sich unterworfen und Geiseln gestellt hat.

Im Winter Aufstand mehrerer gallischer Völkerschaften, veranlaßt von dem Trevĕrer Indutiomārus. Die Eburonen unter Ambiorix vernichten 15 römische Kohorten (unter Sabinus und Cotta) bei Aduatŭca und bestürmen mit den Nerviern das Winterlager des Legaten Q. Tullius Cicero (Bruder des Redners), der tapfer standhält und von Cäsar befreit wird. Indutiomārus fällt bei einem Angriff auf das Winterlager des T. Labienus.

53.

Labienus unterwirft die Trevĕrer, Cäsar überschreitet zum zweiten Male den Rhein, um die Sueben abzuwehren. Nach der Rückkehr Strafgericht über die Eburonen.

52.

Allgemeiner Aufstand der Gallier unter dem Arverner Vercingetŏrix. Cäsar erobert Cenăbum (Orléans) und Avarĭcum (Bourges), entsendet den Legaten T. Labienus zur Besetzung von Lutetia Parisiorum (Paris), belagert aber vergeblich Gergovia (in der Nähe von Clermont in der Auvergne). Aufstand der bisher ihm treu ergebenen Äduer. Cäsar vereinigt sich wieder mit Labienus, schließt Vercingetorix in Alesia (Alise Sainte-Reine nordwestlich von Dijon) ein. Harter Kampf gegen ein großes, aus allen Teilen Galliens zusammengebrachtes Entsatzheer, welches zurückgeschlagen wird. Vercingetorix muß sich ergeben (6 Jahre später in Rom hingerichtet). Bestrafung der Aufständischen.

51.

Vollendung der Unterwerfung des transalpinischen Galliens, welches Cäsar mit 10 über das ganze Land verteilten Legionen im Gehorsam erhält.

Ergebnisse und weltgeschichtliche Bedeutung der achtjährigen Kämpfe Cäsars: 1. Das römische Reich wird durch die Unterwerfung des großen Keltenlandes erweitert und gegen Angriffe der nordischen Völker gesichert. 2. Die Ausbreitung des römischen Handels (Massilia) und der griechisch-römischen Kultur über West- und Mitteleuropa wird durch Erschließung Galliens, Britanniens und Germaniens wesentlich gefördert. 3. Cäsar gewinnt ein ihm ergebenes, kriegsgeübtes Heer, um die notwendig gewordene Umgestaltung der römischen Republik in eine Monarchie durchzuführen.

Während diese großartigen Erfolge Cäsars den alten Kriegsruhm des Pompeius in Schatten stellen, bemüht sich dieser vergebens, in Rom die von P. Clodius erregten Unruhen der Volkspartei zu unterdrücken. Doch wird im J. 57 die Zurückberufung Ciceros durchgesetzt, und die beiden Tribunen T. Annius Milo und P. Sestius treten mit bewaffneten Anhängern den Scharen des in Cäsars Diensten stehenden Clodius entgegen.

56.

Erneuerung des Triumvirats zu Lucca (in Etrurien). Cäsar, Pompeius und Crassus vereinigen sich dort mit ihren Anhängern (über 200 Senatoren). Infolge der getroffenen Verabredungen werden für das J. 55 mit Anwendung von Gewalt als Konsuln durchgesetzt Pompeius und Crassus. Durch Volksbeschluß erhält dann auf 5 Jahre Pompeius die Statthalterschaft beider Spanien, Crassus die von Syrien, während Cäsars Oberbefehl in Gallien auf weitere 5 Jahre verlängert wird. Die Optimaten müssen sich diesen Beschlüssen fügen.

53.

Crassus unternimmt einen Kriegszug gegen die Parther (S. 65), wird aber bei Carrhae in Mesopotamien von ihnen geschlagen und bald darauf bei einer Verhandlung getötet. Sein Heer nahezu aufgerieben, römische Feldzeichen von den Parthern erbeutet (S. 123).

Pompeius bleibt in Rom, erbaut dort das erste steinerne Theater, veranstaltet glänzende Spiele, läßt seine spanischen Provinzen durch Legaten verwalten.

52.

Clodius getötet bei einem Zusammenstoß mit der Bande des Milo auf der Via Appia. Aufstand in Rom bei der Leichenfeier für Clodius, die Curia Hostilia in Brand gesteckt. Pompeius, zum alleinigen Konsul erwählt (consul sine collega), stellt die Ruhe wieder her. Auf Grund der von ihm beantragten Gesetze de ambitu und de vi wird Milo trotz Ciceros Verteidigungsrede verurteilt und geht in die Verbannung. Cicero als Prokonsul Statthalter von Cilicien (51–50) und damit wieder aus Rom entfernt.

Pompeius, seit dem Tode der Julia (54) dem Cäsar entfremdet, heiratet die Tochter des Optimaten Q. Metellus Scipio, der für die letzten 5 Monate des Jahres 52 sein Mitkonsul wird. Er läßt sich die Statthalterschaft in Spanien auf 5 Jahre erneuern.

Verhandlungen im Senat (51–50) über die durch widersprechende Bestimmungen unlösbar verwickelte Frage, ob Cäsar seine Statthalterschaft am 1. März 49 oder erst Ende 49 niederzulegen habe. Cäsars Gegner bestehen, um ihn zu stürzen, auf dem früheren Termin, wollen auch einen Volksbeschluß, der ihm gestattete, sich abwesend um das Konsulat (für das Jahr 48) zu bewerben, nicht anerkennen. Cäsar fügt sich dem Verlangen, daß er zwei Legionen (darunter eine früher von Pompeius entliehene) zum Partherkrieg abgebe, läßt aber durch den ihm gleich Clodius ergebenen Volkstribunen C. Scribonius Curio die Forderung stellen, daß er und Pompeius gleichzeitig am 1. März 49 den Oberbefehl niederlegen sollen.

vor Chr 49–46.

Bürgerkrieg zwischen Cäsar und den Optimaten.

49. (1. Jan.)

Der Senat erklärt nach Abweisung wiederholter Vermittelungsvorschläge Cäsar für einen Reichsfeind (hostis), wenn er nicht innerhalb einer bestimmten kurzen Frist seine Provinzen an die ernannten Nachfolger übergebe und sein Heer entlasse. Ein zweiter Senatsbeschluß (7. Jan.) gibt den Konsuln und Prokonsuln Vollmacht zu außerordentlichen Maßregeln (S. 99). Die Cäsar ergebenen Volkstribunen fliehen zu ihm nach Ravenna.

Cäsar geht mit einer Legion über den Bach Rubico, die Grenzscheide zwischen seiner Provinz und Italien, und beginnt damit den Bürgerkrieg.

Große Bestürzung in Rom. Pompeius, dessen Rüstungen erst begonnen haben, entweicht mit den Konsuln und einem Teile des Senats (darunter Cicero) nach Capua, dann nach Brundisium (Staatskasse in Rom zurückgelassen). Cäsar zieht durch Umbrien und Picenum, zwingt, durch 2 nachgekommene und 3 neugebildete Legionen verstärkt, den L. Domitius in Corfinium zur Übergabe und rückt vor Brundisium. Pompeius entkommt mit der Flotte nach Dyrrhachium. Cäsar ordnet den Bau neuer Schiffe an und wendet sich zunächst nach Rom; dort beschwichtigt er die Besorgnis vor Wiederkehr der Greuel des ersten Bürgerkrieges. Großmütiges Verfahren gegen seine Feinde.

49.

Cäsar geht auf dem Landwege nach Spanien zur Bekämpfung der Legaten des Pompeius: ein Teil seines Heeres belagert Massilia. Die Legaten L. Afranius und M. Petreius werden bei Ilerda, nördlich vom Ebro, zur Übergabe gezwungen, ihr Heer wird aufgelöst.

M. Terentius Varro, der in Hispania ulterior den Oberbefehl führt, zieht sich nach Gades zurück und ergibt sich ohne Kampf, da die meisten Städte der Provinz sich für Cäsar erklären. Als dieser nach Italien zurückmarschiert, unterwirft sich ihm die ausgehungerte und mit Erstürmung bedrohte Stadt Massilia. Während dieser Zeit hat sein Legat C. Scribonius Curio Sicilien unterworfen. Derselbe setzt nach Afrika über, siegt erst bei Utĭca, wird aber von Iuba, König von Numidien, der sich für Pompeius erklärt hatte, am Bagradasfluß geschlagen und fällt.

Cäsar wird (abwesend) in Rom von dem Prätor M. Aemilius Lepidus zum Dictator ernannt, legt aber die Dictatur nach 11 Tagen nieder, nachdem er für das Jahr

48.

zum Konsul erwählt ist (zusammen mit P. Servilius Isauricus), während der nach dem Osten geflüchtete Teil des Senats (in Thessalonike) dem Pompeius und allen Beamten des letzten Jahres die Amtsgewalt verlängert.

Landung Cäsars an der Küste von Epirus; er rückt nach Illyrien vor und nimmt die Städte Oricum und Apollonia ein. Sein Legat M. Antonius kann erst nach einigen Monaten mit dem anderen Teil des Heeres folgen, da die pompejanische Flotte das Meer beherrscht. Cäsar schließt das Heer des Pompeius bei Dyrrhachium ein, aber seine Verschanzungen werden durchbrochen. Cäsar, geschlagen und zum Rückzug gezwungen, geht nach Thessalien, wohin ihm Pompeius folgt. Cato und Cicero bleiben in Dyrrhachium zurück. In der thessalischen Ebene kommt es zur

48. (9. Aug.)

Schlacht bei Pharsālus.

Cäsar schlägt mit etwa 22000 Mann das mehr als doppelt so starke Heer des Pompeius und zersprengt es vollständig. 20000 Pompejaner strecken die Waffen, Pompeius flieht nach der Küste, geht zu Schiff über Lesbos nach Ägypten. Dort wird er bei der Landung auf Befehl des Ministers des jungen Königs Ptolemäus XII. ermordet. Cäsar landet mit 4000 Mann in Alexandria.

In Rom wird dem Sieger Cäsar die Dictatur auf unbestimmte Zeit (wie früher Sulla, S. 106), das Konsulat auf 5 Jahre, die tribunicische Gewalt auf Lebenszeit übertragen. Er nimmt das Konsulat erst wieder für das Jahr 46 an und sendet den M. Antonius als seinen Stellvertreter (magister equitum) nach Rom.

48–47.

Alexandrinischer Krieg.

Aufstand der Einwohner von Alexandrīa, unterstützt durch das seit Zurückführung des Königs Ptolemäus Aulētes (55) dort befindliche römische Besatzungsheer. Cäsar, in der Königsburg belagert, gerät in die größte Gefahr, aus der ihn nur seine Verwegenheit rettet. Er läßt die ägyptische Flotte in Brand stecken, wobei ein Teil der Stadt in Feuer aufgeht, auch die berühmte alexandrinische Bibliothek (s. S. 65). Er verläßt die Stadt, nachdem er sich den Besitz der den Hafen beherrschenden Leuchtturminsel Pharos gesichert hat, und schlägt mit Hilfe eines aus Asien herbeigekommenen Entsatzheeres das ägyptische Heer am Nil. Der junge König Ptolemäus ertrinkt auf der Flucht. Die Regierung wird, unter römischer Oberhoheit, seiner Schwester Kleopatra und ihrem jüngsten Bruder übergeben, in Alexandrīa bleibt eine römische Besatzung. Cäsar geht nach Kleinasien und beendet in einem fünftägigen Feldzug (veni, vidi, vici) den

47.

Krieg gegen Pharnăces,

Sohn des Mithradates (s. S. 109), welcher Pontus, Klein-Armenien und Kappadokien besetzt hatte. Cäsar besiegt ihn bei Zela und zwingt ihn zur Rückkehr in sein bosporanisches Reich, wo er bald umkommt. Ordnung der asiatischen Verhältnisse. Deiotărus (S. 109), der bei Pharsalus gegen Cäsar gefochten hatte, verliert den größten Teil seiner Herrschaft.

Rückkehr Cäsars nach Rom. Cicero, von ihm begnadigt und ehrenvoll behandelt, zieht sich auf sein Tusculanum zurück, bleibt aber sein Gegner. Nach Beschwichtigung eines Aufstandes der in Campanien stehenden Legionen unternimmt Cäsar den

46.

Krieg in Afrika

gegen die Pompejaner (Cn. und Sextus Pompeius, Q. Metellus Scipio, Cato, Labienus, Petreius, König Iuba). Er landet bei Hadrumētum, gerät in Gefahr, da der größte Teil der Truppen infolge eines Sturmes erst später eintrifft, führt dann den Krieg mit Vorsicht gegen die an Zahl überlegenen Feinde, siegt endlich in der blutigen Schlacht bei Thapsus. Cato tötet sich in Utĭca, um den Untergang der Republik nicht zu überleben, daher »Uticensis« genannt. Labienus und Sextus Pompeius entkommen nach Spanien. — Ein Teil Numidiens wird von Cäsar mit der Provinz Afrika vereinigt, der andere an König Bocchus von Ost-Mauretanien gegeben.

Rückkehr Cäsars nach Rom, wo er vier Triumphe feiert (Gallien, Ägypten, Pharnăces, Afrika). Bewirtung des Volkes an 22000 Tischen, prächtige Festspiele, Geld- und Getreidespenden. Cäsars Dictatur wird zunächst auf 10 Jahre, später auf Lebenszeit (dictator perpetuus) verlängert. Er beginnt die Neuordnung des zerrütteten Staatswesens: Census der Bürgerschaft; Beschränkung der Zahl derer, welche regelmäßig Getreidespenden empfangen, auf 150000; Bestimmungen über die Verfassung der Bürgerstädte (lex Iulia municipalis); Herstellung des Senats; Ackerverteilung an die Veteranen. Verbesserung des Kalenders mit Hilfe des alexandrinischen Astronomen Sosigĕnes. Das Jahr 46 wird durch Einschaltung um 67 Tage verlängert; an Stelle des bisher üblichen Mondjahres mit Schaltmonaten tritt das Sonnenjahr von 365¼ Tagen (alle 4 Jahre ein Schaltjahr).

Nochmals erheben sich in Spanien die Söhne des Pompeius und Cäsars früherer Legat Labienus; Cäsar siegt nach hartnäckigem Widerstande in der

45.

Schlacht bei Munda (in der südlichen Provinz, zwischen Cordŭba und Gades), setzt dann in Rom als Dictator und Imperator (letzterer Titel früher nur zeitweise von siegreichen Feldherren bis zum Tage des Triumphes geführt) sein großartiges Reformwerk fort. Die alten Formen der republikanischen Verfassung behält er bei, in der Tat aber waltet Cäsar als Alleinherrscher. Als Pontifex maximus hat er die Oberaufsicht über das Religionswesen, als Inhaber der tribunicia potestas das Vorschlagsrecht bei der Gesetzgebung und das Ansehen eines unverletzlichen Vertreters und Beschützers des Volkes. Den Komitien bleibt die Bestätigung der Gesetze als ein nur formelles Recht; ihr Wahlrecht wird durch das Vorschlagsrecht des Dictators sehr beschränkt. Der Senat, auf 900 Mitglieder vermehrt, wird wieder, wie zur Königszeit, zu einem nur beratenden Reichsrat. Die oberste Gerichtsgewalt steht, ebenfalls wie in der Königszeit, dem Alleinherrscher zu (Prozesse des Ligarius und Deiotărus, bei welchen Cicero als Anwalt auftritt).

Großartige Bauten in Rom (Basilica Iulia an der Südseite des Forums; die Nordseite wird erweitert durch das Forum Iulium mit dem Tempel der Venus Genetrix). Gründung einer öffentlichen Bibliothek. Neue Provinzialordnung zum Schutz der Provinzen gegen die Willkür der Statthalter; Gründung von Kolonien in den Provinzen, Karthago und Korinth hergestellt. Luxusgesetze, Kriminalgesetzgebung.

Durch weitgehende Ehrenbeschlüsse (Bildsäulen von ihm in allen Tempeln, seine Statue neben denen der sieben Könige, Münzen mit seinem Bildnis (S. 74, Anm.), Feier seines Geburtstages am 12. des Monats Quinctilis, der nun Iulius genannt wurde, alle fünf Jahre Spiele ihm zu Ehren u. a.) wird Cäsars Alleinherrschaft beim Volke unbeliebt. Das von M. Antonius am Lupercalienfeste (15 Februar 44) ihm öffentlich angebotene Königsdiadem weist er zurück. Während der Vorbereitungen zu einem Rachekrieg gegen die Parther (S. 113), welcher die Ostgrenze des Reichs sichern soll, bildet sich unter den Senatoren eine Verschwörung (C. Cassius Longinus, M. Iunius Brutus, C. Trebonius, Decimus Brutus, L. Tillius Cimber, P. Servilius Casca u. a.).

44. (15. März.)

Ermordung Cäsars in der Senats-Sitzung,

die an jenem Tage zufällig in der an das Theater des Pompeius anstoßenden Curia Pompeia gehalten wurde. Cäsar fällt, von 23 Stichen durchbohrt, an der Bildsäule des Pompeius nieder.

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Yaş sınırı:
18+
Litres'teki yayın tarihi:
10 ekim 2024
Hacim:
690 s. 1 illüstrasyon
ISBN:
4064066115579
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Telif hakkı:
Bookwire
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