Kitabı oku: «Weihnachtliches aus der Geschichtenküche»

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Weihnachtliches aus der Geschichtenküche
Charlie Hagist

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Impressum:
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2020 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstr. 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2018.
Cover + Illustrationen: A. Hagist
Herstellung und Lektorat: Redaktions- und Literaturbüro MTM
ISBN: 978-3-86196-762-0 – Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-336-1 – E-Book
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Inhalt
Oh Tannenbaum
Das sage ich dem Weihnachtsmann …
Der arme Weihnachtsmann
Die Kirchturmuhr
Die Sache mit dem Schnee
Engel dringend gesucht!
Hatschiii!
Pyramidonal
Schlittenfahrt mit Schneemann
Der Tag, an dem Opa in einem Netz gefangen war
Vom Himmel hoch
Der ist echt!
Weihnachtsgeschenke
Im Weihnachtswald
Post zu Weihnachten
Der Stern von Bethlehem
Die Weihnachts(mann)kiste
Im Kaufhaus
Der Anführer
Knallerbsen
Der verschwundene Weihnachtsmann
Traumhaft
Weihnachtsessen
Der Weihnachtsmann hat einen Unfall
Streik! Oder: Eine tolle Nachricht
Merkwürdige Spuren
Immer einen kleinen Schritt voraus
Oh je ...
Oh je ... Gute Besserung
Das Weihnachtswunderwasser
Lena, Lasse und die Blockflöte
Strupp
Strupps erster Weihnachtsfeiertag
Strupps kleines Weihnachtsunglück
Strupps erster Weihnachtsbesuch
Zu guter Letzt ... Hasenaufstand
Der Autor
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Oh Tannenbaum
Es ist nun schon eine liebe Gewohnheit geworden, dass es zu Weihnachten eine kleine Geschichte von mir gibt. So sollte es auch in diesem Jahr sein. Also schaltete ich den Computer an, rief eine neue weiße Seite auf, machte kurz Finger-Lockerungsübungen und wollte loslegen. Aber worüber sollte ich in diesem Jahr schreiben? Der Bildschirm glotzte mich blendend an und schien zu rufen: „Nun schreib’ doch schon los!“
Es fiel mir schwer, die verschiedensten Gedanken zu ordnen und die Geschichte, deren grober Inhalt schon in meinem Kopf war, zu einem guten Ende zu führen. Es haperte hier und da. Das Einfachste wäre dann, den Computer wieder auszuschalten und das Ganze auf einen späteren Termin zu verlegen. Irgendwann musste doch der rettende Einfall kommen. Aber der ließ auf sich warten. Was aber nicht auf sich warten ließ, war Weihnachten. Das Fest kam immer näher. Andere Dinge gewannen an Bedeutung. Zum Beispiel der Weihnachtsbaum.
Die Scheiben am Auto waren zugefroren. Ehe ich sie abgetaut oder abgekratzt hätte, wäre ja Weihnachten vorbei. Es war furchtbar kalt. Also dann schnell zur U-Bahn. Der Bahnhof, den ich erreichen wollte, war nicht allzu weit und die Fahrzeit dorthin betrug auch nur etwa fünfzehn Minuten. Die Nordmanntannen sollten dort am billigsten sein.
Das Aussuchen des Baumes dauerte nicht lange, nur zehn Minuten. Der Baum war etwa 1,70 Meter groß und sollte 12 Euro 50 Cent kosten. Nachdem sich der Verkäufer mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hatte, das Netz kostenlos dazuzugeben – er verdiene ja bei dem niedrigen Preis sowieso nichts, es sei für ihn nur ein Zuschussgeschäft, behauptete er – legte ich noch 50 Cent für das Netz drauf.
Nun wurde der Baum in ein Metallrohr geschoben und erschien auf der anderen Seite wieder. Eingepackt wie ein Schweinerollbraten im Netz. Ich schnappte mir den Baum und lief flinken Schrittes zum Bahnhof zurück. Dort kaufte ich mir noch eine Fahrkarte, entwertete sie und wartete auf den Zug. Dabei ging mir so durch den Kopf, dass die Kosten für den Baum, also mit Netz, Hin- und Rückfahrkarte, insgesamt gar nicht so niedrig waren. Aber gut, die Zeit bis Heiligabend war inzwischen zu kurz, um Ausflüge zur Baumbeschau in anderen Gegenden zu machen.
Nachdem die Wagen angehalten hatten, stellte ich fest: Mit dem kannst du nicht fahren. Viel zu voll. In sieben Minuten kommt ja wieder einer. Und so war es auch. Pünktlich hielt der nächste Zug. Er öffnete die Türen und …. genauso voll. Aber jetzt musste ich mit, es wäre sonst zu spät geworden.
„Machen Sie doch bitte mal etwas Platz“, sagte ich und drängelte mich mit dem Ungetüm hinein. Kaum hatte ich den Wagen betreten, schlossen sich auch schon die Türen. Ich war drinnen – aber mein Baum mit seinem letzten Drittel draußen!
Draußen war das Signal zur Abfahrt des Zuges zu hören. Die Türen, die jetzt noch offen standen, schlossen sich selbsttätig, die Signallampe auf dem Bahnhof blinkte mehrmals kurz auf und die Fahrt begann.
Der Zug gewann an Fahrt und da ich im letzten Wagen war, hatte er beim Verlassen des Bahnhofs schon eine beachtliche Geschwindigkeit. Das, was sich jetzt abspielte, dauerte genau zwei Minuten und zwölf Sekunden. Genau die Zeit von einem Bahnhof zum anderen. Am Ende des Bahnhofes gab es ein kurzes knackendes Geräusch und die Spitze des Baumes, also ein Drittel der Nordmanntanne, war ab. Aber der Baum ließ sich noch nicht herein ziehen. Die Tür hielt ihn wie mit Krallen fest.
Innen ging der Zank auch schon los. „Steigen Sie jetzt aus?“, wurde ich gefragt. Ich verneinte. „Dann gehen Sie mit Ihrer Palme doch zur Seite.“
„Geht nicht“, entgegnete ich „der klemmt fest.“ Dabei deutete ich mit meinem Gesicht auf den Baum.
Es wurde ungemütlich.
Einer, der das Halten des Zuges kaum erwarten konnte, kletterte über den querliegenden Baum. Er blieb mit seinem Absatz im Netz hängen. Der Mann, bestimmt zwei Zentner schwer, verlor das Gleichgewicht und trampelte nun auch noch mit seinem anderen Fuß auf den Baum. Dabei brach ein unterer Ast ab und das Netz riss ein. Da der Mann mit seinen Händen die Haltestangen nicht erreichen konnte, griff er kurzer Hand nach einem anderen Fahrgast. Dabei klammerte er sich so fest, dass dem anderen Fahrgast der Karton mit den Weihnachtsbaumkugeln herunter zu fallen drohte. Konnte er aber nicht, weil es so voll war. Gott sei Dank!
Der Fahrgast, der unter dem Gewicht des zwei Zentner Mannes bald zusammenzubrechen drohte, schimpfte nun mit mir. Dabei zerrte er mit all seiner noch zur Verfügung stehenden Kraft am Baum, um diesen endlich aus dem Klammergriff der Türen zu befreien. Schließlich gelang dies auch, aber … das Netz zerriss dabei vollständig. Der Weihnachtsbaum spreizte nun seine Zweige sofort auf wie ein Regenschirm mit Aufspann-Automatik. Dabei kratzten die Nadeln seiner Zweige um die Beine und Taschen der anderen Fahrgäste. Es war urplötzlich eine Bewegung im Abteil, als wenn eine Maus aus einem Karton gehuscht wäre.
Am nächsten Bahnhof musste ich aussteigen. Kaum hatten sich die Türen geöffnet, verließ ich den Wagen mit dem aufgeklappten Baum. Na, der Baum sah aus! So voll gestreuselt von Tannennadeln wie hier auf dem Bahnhof, so muss es jetzt auch im Zug ausgesehen haben. War mir aber inzwischen auch egal. Hauptsache ich hatte dieses Zwei-Minuten-zwölf-Sekunden-Irrenhaus verlassen.
Da ich mit diesem Baum ohne Netz nicht mehr weiterfahren konnte, blieb mir nur noch übrig, den Fußmarsch mit dem Ungetüm anzutreten. Auf die Schilderung der Einzelheiten, wie ich ihn unter dem Arm trug, will ich hier lieber verzichten.
Zu Hause angekommen, wurde ich als Erstes gefragt, warum es so lange gedauert habe, bis ich mit dem „Besen“, wie er bezeichnet wurde, nach Hause kam. Ich schilderte dann meinen Kampf mit Baum, Bahn und Fahrgästen und erwartete eigentlich ein kleines Lob, dass ich mich all dieser Gefahren ausgesetzt hatte und dass der Baum dafür doch noch ganz hübsch aussähe. Aber nein.
„Typisch Mann. Da schickt man ihn mal allein los, einfach nur einen Baum zu kaufen, und dann kann er damit noch nicht mal anständig Bahn fahren. Ich muss jeden Tag mit meinem vollen Einkaufsnetz Bahn fahren, während du (damit war ich gemeint) mit dem Auto fahren kannst, um so einen läppischen Weihnachtsbaum zu kaufen. Und, ist mir jemals das Netz in der Zugtür eingeklemmt und sind dabei die Apfelsinen gleich ausgepresst worden, sodass ich hier nur mit den Schalen angekommen bin?“, spöttelte meine Frau.
Was sollte ich dazu sagen?
Tja, nun kennt ihr die Geschichte unseres diesjährigen – leicht demolierten – Weihnachtsbaumes und, wie ich sehe, ist auch die leere Seite meines Computers vollgeschrieben. Dann höre ich doch am besten gleich auf, nasche noch einen Spekulatius, trinke eine Tasse Tee und warte auf Weihnachten.
*

*
Das sage ich dem Weihnachtsmann …
Nur noch eine Woche bis Heiligabend. Die ersten drei Adventssonntage sind vorbei und alle Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte sitzen perfekt. Alexander, Mia und Pia haben fleißig gelernt. Und für die Schule war ebenfalls allerhand zu tun.
Aber wegen des intensiven Lernens haben sie manchmal vergessen, ihr Zimmer aufzuräumen. Da liegen dann schon mal die Jeans zusammen mit dem vollkommen verknautschten T-Shirt auf der Erde. Schmutzwäsche ist mit frischer Wäsche vereint in einem Knäuel. In den Zimmern von Alexander, Pia und Mia hat Mama dieses Durcheinander überhaupt nicht gestört. Da sagt sie immer: „Kommt nicht heulend angerannt, wenn ihr über euren Dreck stolpert und hinfallt. Euer Problem.“ Wenn sich aber das Chaos bis ins Wohnzimmer ausbreitet, dann gibt das Ärger. Papa ist das egal, der kriegt davon nichts mit, der ist arbeiten.
Abends, wenn er nach Hause kommt, ist im Wohnzimmer alles wieder wie von Geisterhand aufgeräumt. Aber Mama wird dann richtig ungemütlich. Wenn sie sich so richtig ärgert, dann sagt sie zu uns: „Na wartet ab, das sage ich heute Abend Papa, da wird’s aber was geben.“ Gibt es dann auch. Manchmal heißt es: einmal Mithilfe beim Autowaschen, oder: diese Woche lassen wir das Fernsehen ausfallen. Seit dem ersten Advent aber sagt Mama etwas Anderes, sie sagt: „Das sage ich dem Weihnachtsmann.“
Das sage ich dem Weihnachtsmann
„Pia, weißt du, warum Mama das sagt?“, fragt Mia ihre Schwester.
„Lass mich raten“, antwortet Pia, „sie weiß sich sicher keinen Rat mehr mit uns. Sie weiß nicht, wie sie mit uns schimpfen soll, damit wir hören.“
„Würde ich auch nicht wissen, bei euch Beiden“, hakt sofort Alexander ein.
„Du bist ja doof“, giftet Pia zurück, „und vor allen Dingen, was kann der Weihnachtsmann denn da helfen? Soll der sagen, dass er jeden Tag vorbeikommt, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist und wenn nicht, dass er dann mit uns schimpft?“
„Und außerdem ist es ja so, dass durch das Herbeirufen des Weihnachtsmannes Mama zugeben würde, dass sie uns nicht mehr richtig unter Kontrolle hat. Na das würde Mama doch nicht zugeben“, steuert Mia bei. Sofort donnert Alexander los: „Na du bist ja auch nicht unter Kontrolle zu bringen, so wie du immer rumläufst und wie du dich anziehst. Manchmal muss ich mich ja bald in der Schule für dich schämen.“
Nur weil Pia dazwischen stürmt wird eine größere tätliche Auseinandersetzung verhindert. Sonst würde einiges zu Bruch gehen.
„Also nun mal zurück zu dem Satz Das sage ich dem Weihnachtsmann, den Mama immer sagt. Was will sie damit bei uns bezwecken? Will sie uns nur Angst machen, weil sie mit dem alten, bösen Mann droht, der uns zu Strafen verdonnern kann, die sie sich nicht traut zu sagen? Und weil wir Angst oder Respekt vor ihm haben, werden wir uns die Strafe auch zu Herzen nehmen? Meint sie jedenfalls, vielleicht?“, versucht Pia ihre Streithähne wieder einzufangen.
Wie erreiche ich den Weihnachtsmann?
„Jetzt stellt euch mal vor, überall im Land sind Eltern, die ihren Kindern mit dem Satz drohen ‚Das sage ich dem Weihnachtsmann’. Und die würden tatsächlich den Weihnachtsmann auf irgendeine Art und Weise erreichen, dann … .“ Weiter kommt Alexander nicht, denn Mia fährt dazwischen: „Kannst du, mein lieber Alexander, denn sagen, wie Mama den Weihnachtsmann erreichen kann? Ruft sie ihn an, wenn ja, unter welcher Telefonnummer? Oder schreibt sie ihm einen Brief?“
„Wie altmodisch, einen Brief. Da kann man ja beinah fragen, ob sie eine Postkutsche auf die Reise schickt. Ist ja albern!“, prustet Pia.
„Oder sie schickt ihm eine WhatsApp-Nachricht. Da müssten wir ja in ihrem Smartphone Kontaktdaten finden. Lass mich nachsehen, das Handy liegt dort auf dem Tisch.“
Mia flitzt zum Tisch, greift sich Mamas Handy und schaut auf das Gerät. Keine Adresse des Weihnachtsmannes. Und auch keine Telefonnummer. Na gut, also weder eine WhatsApp-Nachricht noch eine E-Mail noch einen Anruf. So kann Mama den Weihnachtsmann nicht erreichen. Aber wie macht sie das bloß? Da bleibt nur eins: warten, bis der Weihnachtsmann kommt, und ihn dann einfach fragen.
Da nun aber erst noch ein paar Tage bis Weihnachten vergehen müssen, beschließen die drei Ratlosen, immer dann, wenn Mama etwas macht, das ihnen nicht gefällt, auch einfach zu sagen: „Das sage ich dem Weihnachtsmann.“ Mal sehen, was sie dann sagt.
Und kaum hatten sie das verabredet, kommt auch schon Mama ins Zimmer und nörgelt, weil sich die drei Ratlosen noch nicht die Hände gewaschen haben. Es gibt doch gleich Abendbrot. Mama hat noch nicht das letzte Wort ausgesprochen, da sagen die drei wie aus einem Mund: „Das sage ich dem Weihnachtsmann.“ Dazu machen sie ein bitterböses Gesicht.
Mama scheint davon überhaupt nicht beeindruckt zu sein. Das Einzige, was sie den Kindern erwidert, ist die Frage: „Und wie wollt ihr das machen, ihr Schlauberger? Wie erreicht ihr ihn denn? Wollt ihr zu ihm laufen? Dann lauft mal los! Wollt ihr ihn anrufen? Hier ist das Telefon. Wollt ihr ihm schreiben? Da liegen Papier und Stift. Wollt ihr ihm eine E-Mail senden? Ran an den Computer. Na, wie?“
Mia, Alexander und Pia stehen, sich gegenseitig groß anschauend, ratlos da. „Das ist aber auch ein Mist“, beginnt Alexander nach einer endlos erscheinenden Überlegungspause. „Wir müssen einfach warten, warten, warten. Irgendwie kriegen wir das raus“, ist er überzeugt.
Und so machen es die drei Geschwister auch. Sie warten.
Heiligabend
Dann sind sie da, der Heilige Abend und der Weihnachtsmann. Bepackt mit vielen kleinen und großen Paketen kommt der bärtige, mit einem roten Mantel bekleidete Mann ins Haus. Er prustet und scheint vor Erschöpfung bald im Wohnzimmer umzufallen. Damit dies nicht geschieht, bietet ihm Alexander den Sessel an, auf dem bis eben noch Papa gesessen hatte. Der Weihnachtsmann rückt seine Brille auf der Nase zurecht und fragt die Kinder, ob sie seit seinem letzten Besuch, der ist ja nun auf den Tag genau ein Jahr her, auch immer schön brav gewesen waren. Pia, Mia und Alexander nicken und damit der alte Mann das auch hörbar wahrnimmt, wird zusätzlich gesagt: „Aber immer doch“, von Alexander, „natürlich“, von Pia, und „na logisch“, von Mia. So ganz wohl ist ihnen dabei jedoch nicht, schließlich hörten sie seit dem dritten Advent des Öfteren: „Das sage ich dem Weihnachtsmann.“ Der Weihnachtsmann wirft ihnen einen leicht zweifelnden Blick zu und kramt im vor ihm auf dem Boden stehenden Weihnachtssack. Er brummt leise vor sich hin. Nach – den Kindern endlos erscheinenden – Minuten holt er ein dickes, großes Buch hervor. Ein eingelegtes Lesezeichen lässt ihn schnell die Seite finden, die die Aufzeichnungen über die Kinder Alexander, Pia und Mia beinhalten.
Nun wird’s ernst
Nun wird’s ernst, denken die Kinder, denen ihre Knie nun etwas weicher und ihre Stimmen etwas leiser werden.
„Hier lese ich aber“, setzt jetzt der Weihnachtsmann an, „dass es mit der Sorgfalt in den Schulheften schlimm aussieht, lieber Alexander. Und über dich, meine liebe Pia, lese ich, dass du das Wort ‚Aufräumen’ wohl noch nie gehört hast und deshalb auch nicht weißt, was mit dieser Aufforderung verbunden ist.“ Jetzt zittert Mia. Was hat er über sie gehört? „Ja und bei dir, mein junges Fräulein, lese ich, dass du gern und oft deinen Eltern widersprichst. Das ist nicht gut, nicht gut.“ Der Weihnachtsmann sagt dies alles in ruhigem Ton, aber mit einem ernsten Gesicht. Jedes Kind wird von ihm angeschaut, als erwarte er eine Erklärung für das von ihm genannte Verhalten.
Mia fasst sich ein Herz, tritt ganz dicht an den Weihnachtsmann heran, zupft am Ärmel des roten Mantels und fragt ihn: „Sag mal, lieber Weihnachtsmann, woher weißt du denn das alles. Ich meine, du wohnst doch nicht hier und ich habe noch nie gehört, dass dich Mama angerufen hat.“
„Ja“, ist jetzt auch Alexander mutig, „und Papa sagt immer, dass er so viel zu tun hat auf der Arbeit, da wird er doch keine Zeit haben, mit dir zu telefonieren. Oder?“
„Und WhatsApp hast du doch bestimmt noch nicht, in deinem Alter?“, setzt Pia noch dazu. Kaum hat sie den Satz gesagt, merkt sie, dass der Satz doch ganz schön frech war, von wegen in deinem Alter. Sie erschrickt und hält sich schnell ihre Hand vor den Mund, gerade so, als wolle sie verhindern, dass sie noch mehr solcher frechen Sätze sagt. Der Weihnachtsmann hat derartige Fragen bisher von keinem Kind gehört. Er ist ein wenig erschrocken und zunächst still.
Dieses Schweigen des Weihnachtsmannes wird von Alexander genutzt, die Frage zu seinem dicken Buch zu stellen.
Alexander fragt
„Wenn du so viel über die gehorsamen und die ungehorsamen Kinder hörst und in dein Buch schreiben willst, von allen Kindern die es gibt und die du besuchst, dann müsste ja dein Buch so unheimlich viele Seiten haben, dass du es gar nicht tragen kannst.“
Pia bohrt mit ihrer Frage gleich weiter. „Und wenn die Kinder das ganze Jahr über ungehorsam sind und die Eltern dich informieren, woher weißt du, welches Böse du gerade an Weihnachten vorlesen sollst?“
Pia, die sich inzwischen ebenfalls zum Weihnachtsmann auf die andere Seite gestellt hat, setzt ihr spitzbübisches Gesicht auf und kommt damit ganz dicht an sein Ohr heran: „Du, Weihnachtsmann, sag mal ehrlich, wie kommst du an all die Informationen über die Kinder und wie ist das mit deinem dicken Buch? Steht da wirklich alles drin? Steht da alles von allen Kindern der Welt?“ Pia hat den Weihnachtsmann mit ihrer zu diesen Fragen ganz ruhigen, flüsternden Stimme in sein Ohr einzulullen und zu beeinflussen versucht. Sie hat es so gemacht, wie sie es immer mit ihrem Papa macht, wenn sie etwas haben will, von dem sie weiß, dass es der Papa ihr nicht so gern gestatten oder geben oder sagen würde.
Und der Weihnachtsmann? Der bittet jetzt die neugierigen Kinder, sich auf den Boden zu setzen und einfach zuzuhören. Alle drei folgen neugierig dieser Aufforderung und sehen den Weihnachtsmann gespannt an. Wie wird er ihnen das alles erklären?
Der Weihnachtsmann erklärt
„Also das ist so“, beginnt er, „ich sitze nicht das ganze Jahr über am Telefon und höre mir an, wo wieder ein Kind oder ein Erwachsener“, dabei schaut er zur Mutter hinüber, „nicht artig war. Da hätte ich viel zu tun. Ich könnte mich überhaupt nicht ausruhen von der Heilig-Abend-Arbeit. Aber ich habe fleißige Helferlein. Die erspüren, ohne dass das Telefon klingelt oder dass eine E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht eingeht, wo etwas nicht so läuft, wie es eigentlich laufen sollte. Dort, wo es nicht in Ordnung ist, da sind die Eltern traurig. Und dieses Traurigsein sehen und merken meine fleißigen Helferlein. Dann notieren sie genau, wer irgendwo unartig oder ungehorsam war. Wenn das nur einmalig war, dann wird es im Laufe des Jahres wieder gestrichen. Wenn es allerdings sehr, sehr schlimm oder böse war oder öfter vorkam, dann notiert sich das Helferlein, wer das war und wo das geschah. Und wenn ich dann zu den Kindern gehe, dann macht es mir hier in diesem Weihnachtsbuch, in dem alle Kinder mit Namen und Adresse stehen, einen roten Haken.“
Der Weihnachtsmann schlägt das dicke Buch auf und dreht es kurz zu den Kindern. Sie können so schnell nicht erkennen, ob bei ihnen auch ein roter Haken angebracht ist.
„Bei den anderen Kindern“, fährt er fort, „ist ein grüner Haken.“
„Jetzt wissen wir aber noch nicht, wie es kommt, dass du weißt, was das Kind angestellt hat, das den roten Haken bekommen hat“, stellt Mia fest.
Der Weihnachtsmann, der in seinem ganzen, langen Leben noch nie derartige Fragen gestellt bekommen hatte, bleibt ganz ruhig. Er ist selbst gespannt, was die drei Ratlosen noch alles wissen wollen.
„Pass auf Mia, wenn ich am Weihnachtsabend zur Bescherung bei den Familien läute oder an der Tür klopfe, öffnet mir meistens die Mutti oder der Vati die Tür. Schnell und leise flüstert mir dann Mutti oder Vati zu, welches böse Verhalten im Laufe des Jahres von mir genannt werden soll. Und so weiß ich dank der Erwachsenen und meiner Helferlein, wo ich mit den Kindern ein ernstes Wort reden muss.“
Na gut, die Sache mit dem dicken Buch ist geklärt, aber wie verhält es sich mit den Wunschzetteln? Woher weiß der Weihnachtsmann, was sich die drei Ratlosen gewünscht haben?
Und wie ist das mit den Geschenk-Wünschen?
„Weihnachtsmann“, fängt Mia jetzt an, „jetzt wissen wir, wie das ist mit deinem dicken Buch, aber wie läuft denn das mit den Wunschzetteln? Wie kommen die denn zu dir?“ Dabei umschnurrt sie ihn, wie sie es sonst nur bei ihrem Papa tut, wenn sie etwas Außergewöhnliches von ihm will. Na ebenso, wie es auch Pia bei ihm meist erfolgreich macht.
Nun wird’s für den Weihnachtsmann schwierig. Bisher scheint er die Kinder mit seinen Antworten zufriedengestellt zu haben. Aber bei der Suche nach einer Erklärung auf diese Frage kommt er doch leicht ins Schwitzen. Er atmet einmal tief durch, rückt sich seine Mütze gerade, schiebt die Brille auf der Nase nach oben und sagt dann:
„Bei einigen Geschenken ist das so, dass meine fleißigen Helferlein, so ähnlich wie bei den Bosheiten der Kinder, über das Gefühl erspüren, welchen Wunsch die Kinder haben. Das sind Wünsche, die man nicht im Geschäft kaufen oder im Internet bestellen kann. Nicht, weil sie zu groß sind oder zu teuer …“, weiter kommt er nicht, weil ihn Alexander unterbricht.
„Sondern, weil sie zu blöd sind“, beendet er den Satz des Weihnachtsmannes.
„Nein, mein Junge, das nicht. Es handelt sich dabei um sogenannte immaterielle Wünsche, Wünsche, die man nicht kaufen, einpacken und mitnehmen kann.“
„Was können denn das für Wünsche sein, Wünsche, die man nicht kaufen und einpacken kann?“, fragt Pia.
„Das sind Wünsche zum Beispiel nach mehr Freizeit, nach besseren Noten in der Schule. Oder das sind Wünsche nach einer Mama oder einem Papa dort, wo eine Mama oder Papa im Haushalt fehlen, weil ein Elternteil verstorben ist oder die Eltern sich getrennt haben. Da kann ich nur meine guten Ratschläge oder lieben, vielleicht tröstenden Worte mitbringen und die kann man nicht kaufen und einpacken. Stimmt’s?“
Mia, Pia und Alexander sind ganz ruhig geworden. Daran hatten sie gar nicht gedacht. Sie hatten nur ihre Wünsche im Kopf. Ihre Wünsche nach einem Mikroskop, nach Büchern und Spielen. Und die kann man bekanntlich kaufen, einpacken und mitnehmen.
Mia hakt noch einmal nach. Jetzt lächelt auch der Weihnachtsmann wieder.
Das ist jetzt geklärt
„Du willst es aber ganz genau wissen, kleines Fräulein. Na gut. Wenn die Kinder sich Dinge wünschen, die es zu bestellen und zu kaufen gibt, dann informieren meine fleißigen Helferlein die Eltern, wo es die Dinge gibt und dann schicken sie sie los. Das klappt meistens sehr gut. Es kommt auch mal vor, dass das Geschenk nicht zu bekommen ist, dann geben die fleißigen Helferlein auch Vorschläge, was stattdessen infrage kommen könnte. Dann packen sie, also die Eltern, die Dinge hübsch ein. Und wenn ich dann am Heiligen Abend komme, dann stecken sie schnell und von den Kindern unbemerkt die Geschenke in meinen mitgebrachten Weihnachtssack. Und weil auf den kleinen Geschenkanhängern steht, für wen das Päckchen sein soll, weiß ich auch, wem ich das Geschenk geben soll. Ja, so ist das mit den Geschenken, nun wisst ihr’s.“
Jetzt wird Papa neugierig
Der Weihnachtsmann ist erleichtert. Er scheint eine Erklärung gefunden zu haben, die die Kinder verstehen. Er will sich aus dem Sessel erheben, aber sofort stellt sich der Papa der drei Ratlosen vor ihn und bietet ihm etwas zu Trinken und zu Essen an. Immerhin ist er bei der Familie schon so lange, dass es Abendbrotzeit geworden ist. Der Weihnachtsmann lehnt das Essen ab, freut sich aber über ein Getränk und während Papa einen Saft ins Glas füllt, fragt er:
„Weihnachtsmann, eine Frage möchte ich aber noch gerne von dir beantwortet haben. Eine Frage, über deren Lösung ich mir schon so viele Gedanken gemacht habe, ich aber bisher zu keiner vernünftigen Erklärung gekommen bin.“
„Lass mich Raten: Es ist die Frage nach der Zeit, stimmt’s?“, fragt der Weihnachtsmann. „Du willst wissen, wie ich es mache, dass ich an einem Abend bei der Mehrzahl der Kinder vorbeikomme und das schon über viele, viele Jahre? Du meinst, ich bin zu alt und zu langsam dazu?“
„Genau, Weihnachtsmann. Wie geht das?“
„Ich mache euch einen Vorschlag: Wenn ich das nächste Mal zu euch komme, also nächstes Jahr Weihnachten, dann erkläre ich euch das in aller Ruhe. Für heute aber muss ich los, die anderen Kinder warten schon lange genug.“
Da die Familie einverstanden ist, verabschiedet sich der Weihnachtsmann mit einem kräftigen: „Ho, ho, ho. Frohe Weihnachten!“ und geht.
Unterwegs denkt er ständig an sein Versprechen, die Sache mit der Zeit zu erklären. Ist aber auch schwer. Er hat jetzt ein Jahr lang Zeit, über eine Erklärung nachzudenken. In diesem einen Jahr werden aber auch Pia, Mia und Alexander schlauer und dann eine Erklärung finden, die diese drei Ratlosen zufrieden stellt, das wird schwer.
Schwerer als heute.
Weihnachtsmann strenge dich an und denke nach. Aber erst nach dem Heiligen Abend, heute sind erst einmal die Kinder dran, die warten doch schon ganz ungeduldig.
Frohes Fest lieber Weihnachtsmann! Frohes Fest allen Kindern und Erwachsenen!
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Der arme Weihnachtsmann
Der Weihnachtsmann hat es bekanntlich sehr schwer. Was hat er in den Weihnachtswochen nicht alles zu tun. Er muss dem Petrus rechtzeitig Bescheid sagen, dass dieser so etwa ab 10. Dezember Schnee vom Himmel fallen lässt. Die Menschen lieben es, wenn zum Heiligabend alles mit einer Schneeschicht bedeckt ist. Es sieht dann alles so aus, als hätte Bäckermeister Kreibaum auf sein Pfefferkuchenhaus Puderzucker gestreut. Und nicht zuletzt wollen ja auch die Kinder, die einen Schlitten bekommen haben, am ersten Feiertag rodeln.
Aber der rechtzeitige Schnee ist nicht alles, woran der Weihnachtsmann denken muss. Die Engel müssen frühzeitig informiert werden, dass sie ihre weißen Hemdchen bügeln und mit kleinen Goldsternchen versehen. Einige müssen sich ihre Haare neu kräuseln lassen, andere wiederum müssen sich daran machen, Geschenkpapier und rotes Band zu besorgen. Ein Engelchen, die etwas kräftigere Sarah, hat stets die Aufgabe, eine gut gewachsene Tanne zu besorgen und diese hübsch mit Kerzen, Kugeln und goldenen Schleifchen zu schmücken.
Da sich diese Aufgaben alljährlich stellen, haben die Engelchen schon eine gewisse Übung. Sie finden deshalb noch Zeit, die Wunschzettel der Kinder und der Erwachsenen einzusammeln. Es ist immer wieder erstaunlich, wo diese Wunschzettel zu finden sind.
Die einen haben ihn, wie es sich gehört, auf das Fensterbrett gelegt. Dort, so ist es die Gewohnheit schon seit 50 Jahren, gehört er hin. Am Nikolaustag um 5 Uhr sollen alle ihre Zettel links auf dem Fensterbrett abgelegt und mit einem kleinen Steinchen beschwert haben, damit sie nicht vom Wind fortgetragen werden. Aber leider halten sich nicht alle daran. Einige Kinder haben ihre Zettel unter ihre Kopfkissen gelegt. Andere haben den Wunschzettel in der Spielkiste verkramt. Entsprechend sieht er aus. Verknüllt und schwer lesbar. Bei den Erwachsenen ist es ein wenig einfacher. Entweder er befindet sich im Schreibfach der Kommode oder in der Brieftasche vom Vater.
Im letzten Jahr geschah nun Folgendes:
Als alle Zettel eingesammelt waren, begann das Ordnen. Nicht nach Größe, sondern nach Wünschen. An und für sich wollten der Weihnachtsmann und seine Helfer für jedes Geschenk, das mehr als ein Mal gewünscht wurde, ein Zettel-Häufchen bilden, also je eins für Spielzeug, Wolle, Einrichtungsgegenstände, Bücher, Schallplatten usw. Aber ihr glaubt ja nicht, auf welch ausgefallene und riesige Wünsche Große und Kleine kamen. Er merkte bald, dass es mit der seit 50 Jahren geübten Praxis nun endgültig sein Ende haben musste. Immer neue Ideen hatte er, wie er Herr der ganzen Zettel werden könne, aber es half alles nichts. Er konnte einfach kein System der Ordnung finden. Da fiel ihm ein, dass in der Bergengasse 10 ein Mann wohnte, der wohl mal was mit Rechnern zu tun gehabt hatte. Das schien ihm die einzige Möglichkeit zu sein, die Sache mit den Geschenken in den Griff zu bekommen.
Er ließ kurzerhand zwei Rentiere vor seinen Schlitten spannen, legte sich seine wollene Decke über die Knie, schwang die Peitsche, und ab ging’s. Nach etwa einer Stunde Fahrt hielt er vor der Nummer 10 in der Bergengasse. Seine Wangen waren ebenso krebsrot wie seine Nase. Väterchen Frost hatte ihm ganz schön zugesetzt. Den Rentieren stellte er zwei Eimer Futter hin. Als Leckerbissen hatte er dem Hafer eine kleine Rentierdelikatesse beigemengt.
Auf das stürmische Klingeln des Weihnachtsmannes öffnete Frau Krehling die Tür. Sie bat ihn in die gute Stube und rief ihren Mann, der gerade dabei war, einen Kessel Wasser aufzusetzen.
„Mensch Weihnachtsmann, ist das eine Freude! Du in unserem Haus! Das ist ja nett, komm, setz dich!“
Der Weihnachtsmann nahm Platz und rieb sich seine kalten, klammen Hände. Gefragt, warum er komme, berichtet der Weihnachtsmann, dass er unbedingt Hilfe brauche.
„Du hast doch irgendwas mit großen Rechnern zu tun. Schreib mir bitte ein Programm und lass es in deinem Betrieb laufen. Ich brauche eine Liste, auf der vermerkt ist, wer sich wo was wünscht und wo ich diese Wünsche in Auftrag geben kann.“
„Nichts leichter als das“, sagte Herr Krehling. „Lass nur alles hier, ich mach das schon. Ich melde mich, wenn ich alles fertig habe. Wir werden schnell zusammen die Liste durchgehen. Doch zuvor trinkst du mit uns zusammen einen Grog, das wärmt dich auf. Das Wasser ist gleich heiß und die Rumflasche steht auch schon auf dem Tisch.“
Der Weihnachtsmann war einverstanden.
Doch leider blieb es nicht bei einem Gläschen. Es wurden immer mehr. So langsam verloren alle drei den Ordnungssinn. Und da muss es dann passiert sein: Bei der Vorbereitung der Unterlagen müssen sie etwas vertauscht haben. Sie haben die Namensliste mit Nummern versehen, und zwar von Seite 1 Nr. 1 bis Seite 12 Nr. 4. Die Wunschliste haben sie allerdings von der letzten zur ersten Seite nummeriert, also genau entgegengesetzt.
In ihrer beschwingten Fröhlichkeit merkten sie es gar nicht. Der Weihnachtsmann taumelte zu seinem Schlitten und hätten die Rentiere nicht allein gewusst, wohin sie fahren sollen, er wäre vielleicht heut noch unterwegs. Er schlief nämlich mit glühendem Kopf auf seinem Schlitten ein.
Herr Krehling erstellte ein Programm, erstellte eine Liste und bestellte die Geschenke. Als alles beisammen war, schickte er Liste und Geschenke dem Weihnachtsmann und den Engelchen. Sie packten alles hübsch ein und hängten kleine Namensschildchen daran. Keinem fiel etwas auf.
Der 24. Dezember begann mit viel Schnee, wie bestellt. Die Engelchen zogen sich hübsch an, der Weihnachtsmann schlüpfte in seinen dicken roten Mantel und trank, weil es ihm bei Herrn Krehling so gut geschmeckt hatte, noch schnell einen Grog. Er hoffte, er friere dann nicht so schnell. Die Säcke wurden in den Schlitten geladen, die Rentiere eingespannt, und ab ging die Post, oder besser gesagt, ab fuhr der Weihnachtsmann.
Er hielt zuerst bei Klaus Ratmann, einem sechsjährigen Jungen, in der Karlsstraße. Dreimal klopfte der Weihnachtsmann an die Tür, wurde eingelassen und sah in das doch etwas ängstliche Gesicht von Klaus. Nachdem Klaus sich beruhigt hatte, sagte er ein Gedicht auf und erhielt ein Paket, das ziemlich groß war.
Dann verteilte der Weihnachtsmann noch Pfefferkuchen, Nüsse und Obst, verabschiedete sich und machte sich auf die Socken bzw. auf den Schlitten.
Klaus öffnete den Kasten und bekam große Augen. Schaut doch da aus der Schachtel eine etwa 30 cm große Puppe. Sie kann zwar Kullertränchen laufen lassen und sogar trinken, aber gewünscht, gewünscht hatte er sich einen Fußball und Torwarthandschuhe.
Die Eltern schauten sich erstaunt an. Sie hatten doch extra mit dem Weihnachtsmann gesprochen, damit auch nichts schief gehe.
Und nun das! Die Eltern waren ebenso enttäuscht wie Klaus.
Anders erging es den vielen anderen Kindern und Eltern auch nicht. Überall lieferte der Weihnachtsmann falsche Päckchen ab. Manchmal gab es heitere Gesichter, etwa, wenn Oma Martens zum Beispiel Hosenträger bekam und Opa dafür eine Kittelschürze. Meistens aber war die Enttäuschung groß.
Ja ja, wenn der Weihnachtsmann die Technik zu Hilfe nimmt!
Allen aber, die in diesem Jahr enttäuscht werden, lässt der Weihnachtsmann ausrichten, dass es ja genau in einem Jahr wieder Weihnachten gibt, und dass er bis dahin bestimmt eine bessere Lösung gefunden haben wird. So etwas soll gewiss nicht noch einmal vorkommen. Und noch etwas lässt der Weihnachtsmann ausrichten: Diejenigen, die gerne tauschen wollen, sollen sich am ersten Feiertag um 11 Uhr auf dem Marktplatz einfinden. Der Weihnachtsmann wird auch da sein. Er wird dann eine große Umtauschaktion leiten. Und er hat versprochen, vorher keinen Grog zu trinken, auch wenn es noch so kalt wird!
*
Die Kirchturmuhr
Der Weihnachtsmann hat in diesem Jahr wieder alle Hände voll zu tun. Er hat den Eindruck, als wünschten sich die Kinder in jedem Jahr immer mehr Geschenke oder es werden immer mehr Kinder. An irgendetwas muss es doch liegen, dachte er, dass von Jahr zu Jahr die Menge an Geschenken, die er zu transportieren hat, steigt. Seine Helferinnen stellten alle Geschenke, die bei der folgenden Tour an die Kinder zu verteilen waren, in eine Reihe. Der Weihnachtsmann nahm seine Liste mit den Wünschen und Anschriften der Kinder und verglich vorsichtshalber nochmals die Adressen der Kinder auf den Wunschzetteln mit den auf den Päckchen vermerkten Anschriften. Alles stimmte überein.
Jetzt packte er Päckchen für Päckchen sorgfältig in seinen großen Sack und lud den Sack auf seinen Weihnachtsschlitten. Das war für ihn eine anstrengende Sache. Gott sei Dank hatte er mit dieser Arbeit rechtzeitig angefangen.
„Weihnachtsmann“, sagte ihm eine Helferin, „du hast noch ein wenig Zeit. Die Kinder werden jetzt noch einen kleinen Mittagsschlaf machen, damit sie heute Nachmittag und heute Abend nicht zu müde sind, denn sie hatten ja vor Aufregung heute Morgen nicht besonders lange geschlafen. Lege dich doch auch noch ein wenig hin und ruhe dich aus. Ich wecke dich dann rechtzeitig.“
„Das ist ein guter Vorschlag“, erwiderte der Weihnachtsmann, „nur ein wenig Dösen, ich will ja gar nicht schlafen, nur Ausruhen.“
Die Rentiere scharrten schon mit den Hufen im Schnee und zeigten dem Weihnachtsmann damit an, dass es nun aber Zeit wäre, abzufahren. Der Weihnachtsmann rief den Tieren zu, dass er nur noch schnell seine Handschuhe von drinnen holen müsse und dass es dann sofort losgehe. Er lief schnell ins Haus, griff seine fellbesetzten Handschuhe und setzte sich dann auf den Schlitten. Eine Helferin nannte ihm auch noch die Zeit, es war genau fünf Uhr. Nach einem kurzen Peitschenknall liefen die Rentiere los, der Weihnachtsmann rief den Helferinnen noch ein donnerndes „Danke schön“ und „Hohohooo“ zu und bald war er nicht mehr zu sehen.
Nach kurzer Fahrt blickte er auf seinen Zettel, auf dem vermerkt war, welches Kind in welcher Stadt das erste sein würde, das auf dieser Tour besucht und beschenkt werden sollte. Es war Isabel. Isabel wohnte in einer kleinen Stadt, zu der außer einer Kirche, einem Einkaufsladen und drei Häusern nur noch ein Bauernhof gehörte. Und weil in dieser kleinen Stadt, also eigentlich könnte man besser sagen diesem kleinen Dorf, wenig Menschen unterwegs waren, lag auf den Straßen und Gehwegen überall dick der Schnee. Nichts war geräumt. Die Rentiere, die durch das energische Ziehen des Weihnachtsmannes an den Zügeln wussten, dass sie in diesem kleinen Dorf zum Stehen kommen mussten, hatten große Mühe, nicht wegzurutschen. Spiegelglatt war der zugefrorene kleine See am Anger gleich neben der Kirche. Sie glitten beim Bremsen über den See hinaus und kamen erst zwei Meter vor der Kirchenmauer zum Stehen.
„Das war aber knapp, meine Freunde“, sagte der Weihnachtsmann zu seinen Rentieren und wischte sich dabei die Schweißperlen, die er vor lauter Angst bekommen hatte, von seiner Stirn.
Dann stieg er vom Schlitten und stapfte im Schnee einige Meter zurück, um auf die Kirchturmuhr zu schauen. „Na Donnerwetter“, dachte er sich, „da bin ich aber schnell gewesen. Meine Helferinnen sagten mir doch, dass es fünf Uhr sei, als ich mich verabschiedet hatte. Und nun ist es hier vier Uhr, also eine Stunde früher. Da bin ich ja schneller als die Zeit gewesen. Wie ist denn so was möglich?“
Und weil er es nicht glauben konnte, lief er um den Kirchturm und entfernte sich in der nächsten Straße so weit vom Turm, bis er die Kirchturmuhr sehen konnte. Er schaute nach oben und traute seinen Augen nicht. Die Uhr zeigte sechs Uhr an. Das ist zwar eine Stunde später als die Zeit, zu der er abgefahren war, aber andererseits zwei Stunden später als die Uhrzeit auf der anderen Kirchturmseite. „Potztausend“, entfuhr es ihm. „Also nun will ich’s wissen. Ein Kirchturm hat vier Seiten, also auch vier Kirchturmuhren“, dachte er sich. Er machte sich auf den Weg zur dritten und vierten Seite des Kirchturms. Zu seiner vollkommenen Verblüffung zeigten die Uhren Nummer drei und vier jeweils eine ganz andere Zeit an. Die Uhr Nummer drei nämlich 11 Uhr und die Uhr Nummer vier zeigte 1 Uhr.
Der Weihnachtsmann nahm trotz der Kälte und des einsetzenden erneuten Schneefalls seine Mütze ab und kratzte sich am Kopf. Welche Zeit mochte wohl stimmen? Er schob den linken Ärmel seines dicken roten Mantels zurück und wollte auf seine Armbanduhr schauen. Aber er hatte seine Armbanduhr nicht um gemacht. Er erinnerte sich, dass seine Helferinnen ihm gesagt hatten, dass ein Weihnachtsmann am Heiligen Abend keine Armbanduhr trägt. Das gehört sich nicht. Aber wie spät ist es nun wirklich?
Dann fiel ihm ein, dass es doch das Einfachste wäre, an einer Haustür zu klingeln und nach der Uhrzeit zu fragen. Das wollte er auch sofort machen. Er musste unbedingt wissen, wie spät es inzwischen war, denn Isabel wartete doch auf ihn. Und Kinder am Weihnachtsabend unnötig lange auf den Weihnachtsmann warten zu lassen, gehört sich nicht!
Er klingelte bei Familie Bernhauer. Vater Bernhauer öffnete die Tür und bat den Weihnachtsmann sofort ins Haus. Der Weihnachtsmann hatte große Mühe, Herrn Bernhauer zu erklären, dass er sicherlich keine Zeit habe, da er ja auf dem Weg zu Isabel sei und nur wissen wolle, wie spät es ist, denn ... Und dann erklärte er ihm seine Schwierigkeiten mit den angezeigten Zeiten an der Kirchturmuhr und seiner nicht vorhandenen Armbanduhr.
„Lieber Weihnachtsmann“, begann Herr Bernhauer, nachdem der Weihnachtsmann seinen Redefluss beendet hatte. „Lieber Weihnachtsmann, keine Aufregung. Es ist genau zwanzig Minuten nach fünf Uhr. Und ...“, er machte eine kurze Pause, „du bist hier bei Isabel. Auf die Minute pünktlich. Du kannst nun den Weihnachtssack vom Rentierschlitten holen und die kleine Isabel beschenken. Sie ist in ihrem Zimmer und schon ganz aufgeregt.“
Der Weihnachtsmann stapfte zu seinem Schlitten, holte den großen Sack und nannte den Rentieren die Hausnummer, wohin er nun den Geschenkesack bringen werde.
Als er die kleine Isabel ganz glücklich gemacht hatte, fragte er Herrn Bernhauer, weshalb die Kirchturmuhren denn so unterschiedliche Zeiten anzeigten.
„Das ist ganz einfach“, erklärte Herr Bernhauer, „die Kirchturmuhren sind alle eingefroren. Jede zu einer anderen Zeit. Aber da das jedes Jahr passiert, stört sich keiner im Dorf mehr daran. Hier hat jeder Bewohner eine Uhr in seiner Wohnung und das reicht doch.“
Der Weihnachtsmann wollte sich gerade von Isabel verabschieden, als er merkte, dass ihn irgendetwas am linken Ärmel zog. Er versuchte, mit seiner rechten Hand das störende Etwas abzustreifen. Dann schüttelte er sich kurz. Aber es zog erneut an ihm. Davon nun ... wurde der Weihnachtsmann wach. Er blickte um sich und sah, dass die Helferinnen noch um ihn standen und ihn mahnten, doch endlich aufzuwachen und loszufahren. Er hatte von den eingefrorenen Kirchturmuhren doch nur geträumt. Es sei doch schon fünf Uhr und die Kinder warteten.
Na, da schreckte der Weihnachtsmann aber hoch. Er hatte keine Zeit mehr, seinen Helferinnen zu erzählen, was er soeben Schlimmes geträumt hatte. Ganz schnell zog er seinen Mantel an, setzte seine Mütze auf, griff den Weihnachtssack, bestieg den Schlitten und rief noch ein schallendes „Hohohooo!“ Dann machte er sich auf den Weg zu den Kindern. Schließlich wollte er nicht zu spät kommen. „Hoffentlich“, dachte er flehentlich, „hoffentlich sind keine Kirchturmuhren eingefroren. Es ist doch so bitterkalt.“
Wenn ihr aus dem Fenster schaut, könnt ihr ihn bestimmt schon in der Ferne mit seinem Rentierschlitten kommen sehen. Und wenn ihr das Fenster öffnet, könnt ihr die Glöckchen am Zaumzeug und den Zügeln der Rentiere schellen hören. Klingt das nicht schön am Weihnachtsabend?
*
Die Sache mit dem Schnee
In der Werkstatt des Weihnachtsmannes wird fleißig gearbeitet. Während in einem Raum einige Weihnachtswichtel sägen, schrauben und feilen, sind in einem anderen Raum die Weihnachtswichtel dabei, aus Stoffen kleine Puppenkleider zu schneidern. Wieder andere sitzen in dicke Bücher vertieft schweigend und manchmal kopfschüttelnd in einem weiteren Raum.
Der Weihnachtsmann geht von Zimmer zu Zimmer und erkundigt sich, wie weit die Weihnachtswichtel mit der Arbeit sind und ob sie es schaffen, bis zum heiligen Abend die Stücke fertigzustellen. Überwiegend nicken die Wichtel und zeigen damit an, dass es für sie kein Problem sein wird, pünktlich die ordentlich hergestellte Arbeit abzuliefern.
Nur bei den Weihnachtswichteln, im sogenannten Bücherzimmer, geht es nicht recht voran. Sie sitzen da und stöhnen, reiben sich die vom vielen Lesen schmerzenden Augen und ab und zu sagt auch einer, dass er sich einfach keinen Rat mehr weiß. Dann erkundigen sich die anderen Wichtel nach dem Problem und bieten ihre Hilfe an. Aber in einigen Fällen wissen auch sie keine Antwort.
Gerade als der Weihnachtswichtel Nummer 14 erneut stöhnt, kommt der Weihnachtsmann in das Zimmer.
„Na. Wichtel Nummer 14, was hast du denn da für einen schwierigen Wunsch, dass du so stöhnen musst?“, erkundigt er sich.
„Was die Kinder sich aber auch alles wünschen. Weihnachtsmann, höre bitte mal. Hier schreibt ein Kind auf seinen Wunschzettel: Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir ein Echo. Meine Eltern waren mit mir im Sommerurlaub in den Bergen und da war ein Echo zu hören, als sie ganz laut riefen. Das war so toll! Bitte schenke mir auch ein Echo! Deine Lea. Aber wie mache ich das? Ich kann doch nicht das ganze Jahr über bei Lea sein und immer dann, wenn Lea etwas ruft, zurückechoen.“
„Da hast du recht, Wichtel. Schenk ihr doch eine CD mit Liedern aus den Bergen, wo auch ein Echo oder Jodler drauf zu hören sind. Bestimmt wird sie sich auch darüber freuen.“ Weihnachtswichtel Nummer 14 pustet erleichtert, schreibt diesen Vorschlag auf den Wunschzettel von Lea hinter den Echo-Wunsch und reicht ihn weiter zu den Wichteln im nächsten Raum. Die dort arbeitenden Wichtel haben die Aufgabe, die Geschenke zu besorgen oder zu basteln.
Der Weihnachtsmann könnte sich eigentlich die letzten Tage vor Heiligabend gemütlich ausruhen und sich Gedanken über die Reihenfolge der Lieferung machen, wenn da nicht …, ja wenn da nicht die Sache mit dem Wetter wäre. Es hat bisher noch nicht geschneit. Auf der Erde ist noch alles grün. Die niedrige Temperatur lädt zwar nicht zum Besuch des Freibades ein, aber von Schnee ist keine Spur. Wenn aber die Rentiere den Schlitten mit den Geschenken ziehen sollen, dann brauchen sie unbedingt Schnee.
Der Weihnachtsmann überlegt, was er machen kann, um die Geschenke pünktlich bei den Kindern abzuliefern. Mit dem Lieferauto zu den Kindern fahren? Nein, meint er, das gehe nicht. Und mit einem Motorrad fahren wäre vollkommen falsch, denn da könnte er immer nur einen leichten Geschenkesack mitnehmen und müsste sehr, sehr oft hin- und herfahren.
Es bleibt ihm nichts anderes übrig, er muss zu seinem Freund Petrus gehen. Petrus ist bekanntermaßen für das Wetter zuständig.
„Hallo Petrus“, begrüßt er ihn.
„Hallo Weihnachtsmann“, grüßt Petrus zurück.
„Petrus, sag bitte, wann willst du es auf der Erde bei den Kindern schneien lassen? Morgen ist Weihnachten und es ist dort unten alles staubtrocken. Meine Rentiere schauen den ganzen Tag mit großen, traurigen Augen auf die Erde und scharren mit ihren Hufen in ihrem Stall. Sie wollen unbedingt mit auf die Erde zu den Kindern und die Geschenke verteilen.“
Petrus blickt über seine Brille und macht ein verzweifeltes Gesicht. „Wenn du wüsstest, mein lieber Freund, was ich schon alles versucht habe. Ich habe Wolken verschoben, ich habe versucht, die Temperatur zu senken, ich habe sogar Regen heruntergeschickt und dabei gehofft, dass er beim Herunterfallen wegen der gesunkenen Temperaturen zu Schnee wird. Aber nichts da. Da haben die Menschen dies und das erfunden. Und immer werden zur Herstellung Rohstoffe wie Holz oder Kohle oder Wasser benötigt. Da holzen sie ganze Wälder ab, um Pappe für Kartons herzustellen. Kartons, die einfach nur um einen Artikel gepackt werden, damit das nutzlose Ding zum Verschenken hübsch aussieht. Das nutzlose Ding braucht dann keiner und den Karton schon gar nicht. Der wird achtlos in die Ecke gefeuert. Du hast in deinem Weihnachtssack bestimmt mehrere dieser nutzlosen Kartons, mein lieber Weihnachtsmann.
Und außerdem werden bei dieser Entwicklung und Herstellung von immer mehr – teilweise überflüssigen und nutzlosen – Artikeln Rohstoffe und Energie gebraucht. Dazu werden, wie ich schon sagte, Wälder abgeholzt, werden riesige Kohlenmengen aus der Erde nach oben geholt und in Kraftwerken verbrannt, wird das Wasser gestaut, um in Wasserkraftwerken Turbinen anzutreiben und so weiter und so weiter. Das alles beeinflusst das Klima derartig, dass ich hier oben meine Probleme habe, ein der Jahreszeit gemäßes und den Menschen gefälliges Wetter auf der Erde zu machen.“
„Und ich, was mache ich?“, will der Weihnachtsmann nun wissen. „Eine Möglichkeit ist natürlich, das Weihnachtsfest ausfallen zu lassen. Aber das kann ich doch den erwartungsvollen Kindern nicht antun. Die haben Gedichte und Weihnachtslieder gelernt, die haben Geschenke gebastelt und die Gesichter von ihnen glühen vor lauter Erwartung fast wie kleine Kohlen im Gartengrill. Manche von ihnen können vor Aufregung schon gar nicht mehr schlafen.“
Petrus sitzt an seinem Tisch und ist der Verzweiflung nahe.
Doch plötzlich hat er einen – hoffentlich rettenden – Einfall. Er nimmt einen Bogen Papier und schreibt darauf:
Liebe Engel und Wichtel,
bitte kommt am 24. Dezember, Heiligabend, mit dicken schweren Schuhen oder Stiefeln zur Arbeit. Pünktlich um 7 Uhr morgens versammelt ihr euch alle, ich betone alle, auf Wolke vierundzwanzig. Ich werde auch anwesend sein und euch sagen, was zu tun ist. Geht heute Abend bitte rechtzeitig zu Bett, damit ihr morgen früh alle ausgeschlafen und pünktlich seid.
Am nächsten Tag, also Heiligabend, stehen alle Engel und Wichtel dicht gedrängt auf Wolke vierundzwanzig. Alle betrachten sich gegenseitig und können sich ein Prusten, Grinsen oder Lächeln nicht verkneifen. Es sieht auch zu komisch aus, Engel mit Engel-Flügelchen, weißen Kleidchen, Wichtelmännchen mit weißen Hemden, blauen Westen und roten Zipfelmützen und alle mit dicken Stiefeln oder schweren Schuhen bekleidet.
„Achtung!“, ruft Petrus lauthals. „Wenn ich bis drei gezählt habe, dann stampft ihr alle ganz kräftig mit euren Füßen auf den Boden. Ich denke, nein ich bin mir sicher, dass dann zumindest aus Wolke vierundzwanzig Schnee herabfällt. Und wenn dann der erste Schnee auf dem Weg zur Erde ist, dann werden auch die anderen Wolken endlich ihren Schnee auf die Reise zur Erde schicken. Und jetzt aufgepasst: eins, zwei, drei.“ Kaum hat Petrus „Drei“ gesagt, hüpfen alle Engel und Wichtel zusammen mit Petrus und dem Weihnachtsmann wie ausgelassene Kinder auf und nieder.
Und tatsächlich, es schneit zuerst aus Wolke vierundzwanzig und anschließend aus allen anderen Wolken. Die Erde droht nun bald im Schneechaos zu versinken. Der Weihnachtsmann ist über den vielen Schnee außer sich vor Freude. Schnell läuft er zu seinen Rentieren und verkündet die frohe Schneebotschaft. Und auch die Rentiere jubeln und wollen sofort losrennen.
Der Weihnachtsmann, der bis eben ein Schneeproblem hatte, weil kein Schnee auf der Erde lag, hat nun das Problem, dass seine Rentiere es gar nicht erwarten können, zu den Kindern zu traben.
Schnell beladen alle Wichtel und Engel den Weihnachtschlitten und spannen die Rentiere an. Der Weihnachtsmann besteigt den Schlitten, prüft, dass sein roter Mantel bis oben hin zugeknöpft ist, zieht sich die Kapuze über den Kopf, greift die Zügel und schaut mit freundlichem Gesicht zur dick verschneiten Erde hinunter. Es kann losgehen.
Dann wollen wir sie nicht lange aufhalten, sondern wir rufen ihnen ganz einfach den Weihnachts-Befehl zum Laufen zu: „Rentiere, jetzt aber los, ho, ho, ho!!“
*
Engel dringend gesucht!
Während der Weihnachtsmann gerade die Schleife des letzten Weihnachtsgeschenkesacks band, bemerkte er, dass sein Engelchen, das ihn Jahr für Jahr begleitete, noch nicht da waren.
„Engelchen, Engelchen, wo bleibst du denn? Engelchen, wir müssen bald los. Kommst du bitte, um mir zu helfen, die Namensschilder an die letzten Weihnachtssäcke zu binden!“
Aber kein Engelchen kam.
Stattdessen antwortete ihm eine Stimme aus dem Nebenraum: „Weihnachtsmann, dein Engelchen kann heute nicht kommen, es ist nicht da!“
„Na gibt’s denn sowas? Nicht da, was soll das heißen?“
Jetzt kam eine ältere Dame in sein Zimmer. Sie brachte einen Schreibblock und einen Stift mit und sagte mit ernster Miene: „Weihnachtsmann, von den vielen, vielen Engelchen, die im letzten Jahr geholfen hatten, ist heute nicht ein einziges erschienen. Alle sind zu Hause geblieben. Und nun rate mal, warum? Da kommst du bestimmt nicht drauf“, setzte sie noch hinzu.
„Da hast du recht, da komme ich nicht drauf. Sag’ schon, warum ist heute kein Engelchen hier?“
„Weihnachtsmann, die Engelchen streiken heute. Die Engelchen haben sich darüber beklagt, dass sie für ihre anstrengende Arbeit viel zu wenig Anerkennung bekommen.“
Der Weihnachtsmann machte ein ernstes Gesicht und schnaufte erregt: „Die können doch das ganze Jahr über streiken. Sie können das ganze lange Jahr über mit Schildern umherlaufen und allen Weihnachtsmännern und Menschen ihre Forderung nach Beachtung und Anerkennung zeigen. Aber warum gerade heute, wo sie so gebraucht werden? Das kann ich nicht verstehen!“
„Ich kann das schon verstehen“, versuchte die ältere Dame, ihn zu beruhigen. „Schau mal, Weihnachtsmann, wenn die Engelchen im Laufe eines Jahres streiken, wenn gerade nicht Weihnachten ist, dann interessiert es doch überhaupt keinen Menschen oder irgendeinen Weihnachtsmann. Das wäre so, als ob die Nachtwächter tagsüber streiken würden, weil sie nachts so viel Arbeit haben. Oder ein anderes Beispiel: Das wäre so, als ob die Lehrer in den Schulferien, also in ihrem Urlaub, streiken würden. Keinen Schüler und keinen Erwachsenen würde das interessieren. Also, was bleibt den Leuten übrig? Richtig: Dann zu streiken, wenn sie am Dringendsten gebraucht werden. Und für die Engelchen bedeutet dieses am Dringendsten gebraucht werden eben heute. So ist das, ob es dir gefällt oder nicht, lieber Weihnachtsmann.“
„Das sehe ich ja ein.“ Er wollte noch ein Aber nachschieben, als die ältere Dame ihren Block anhob, ihre Brille auf der Nase hochschob und meinte: „Ich habe aber schon etwas unternommen. Ich habe viele, viele junge Mädchen eingeladen, die sich bereit erklärt haben, heute als Engelchen auszuhelfen. Ich habe sie per Mail und per Telefon zu uns gebeten und fast alle sind gekommen. Während du die Weihnachtssäcke befüllt hast, habe ich mit ihnen gesprochen. Dabei stellte sich heraus, dass leider die meisten für diese Aufgabe nicht geeignet waren. Bis auf drei Mädchen. Diese drei Mädchen stehen in meinem Zimmer und warten darauf, mit dir zu sprechen.“
Der Weihnachtsmann beruhigte sich dank dieser guten Nachricht wieder und bat die ältere Dame, die drei jungen Mädchen in sein Zimmer zu bringen. Er wollte die Entscheidung treffen, welches von ihnen in diesem Jahr sein Begleitengel sein würde.
Die drei jungen Mädchen hatten alle eine schlanke Figur und blonde, schulterlange, leicht gelockte Haare. Sie trugen die Alltagskleidung, wie sie jedes gleichaltrige Mädchen trug. Die Augen aller drei Mädchen leuchteten.
„Nun“, begann der Weihnachtsmann in ruhigem Ton, „eine von euch darf in diesem Jahr mit mir zu den Kindern gehen, um mit ihnen zu sprechen, ihre Gedichte und Geschichten zu hören und die Geschenke zu verteilen. Ich glaube schon, dass ihr alle drei dazu geeignet seid, aber zwei von euch kann ich leider nicht mitnehmen. Ich werde euch jetzt eine Frage stellen. Wer von euch sie richtig beantworten kann, der kommt in die nächste Auswahlrunde. Einverstanden?“
Die drei Mädchen waren einverstanden und nickten eifrig.
„Ihr kennt doch sicherlich alle die Bibelstelle Lukas 2, Absatz 1 bis 17?“
Das Gesicht eines jungen Mädchens wurde ernst, während bei den beiden anderen Mädchen das Strahlen der Augen weiterhin den Weihnachtsmann begeisterte.
„Weihnachtsmann, es tut mir leid, ich kenne diese Stelle nicht“, flüsterte das ernste Mädchen.
„Dann kann ich dich leider nicht zu den Kindern mitnehmen, schade“, sagte der Weihnachtsmann zu ihm. Er drückte ihm zum Abschied die Hand und steckte ihm noch als Dank für seine Bereitschaft, helfend einzuspringen, einen kleinen Glitzerstern zu, dessen Leuchten nie aufhören würde, solange sie lebe, und an seinen Besuch beim Weihnachtsmann erinnern würde.
Dann wandte er sich wieder den verbliebenen zwei Mädchen zu. Nachdem das erste Mädchen den ersten Teil der Geschichte erzählt hatte, setzte das zweite Mädchen die Geschichte fort. Alles war richtig. Es konnte den Text fast wörtlich, wie er in der Bibel steht, wiedergeben.
Der Weihnachtsmann lehnte sich zufrieden zurück. Die Beantwortung seiner nächsten Frage sollte die Entscheidung ermöglichen, welches der Mädchen ihn als Engel in diesem Jahr begleiten durfte. Die Frage musste also wohl überlegt sein.
„Weshalb brauche ich, weshalb brauchen die Menschen überhaupt einen Engel? Weshalb sollte mich eine von euch beiden begleiten?“
„Ich glaube“, begann das erste Mädchen, „die Kinder wollen einfach einen Engel sehen. Besonders die Mädchen finden es toll, wenn eine Gestalt im weißen, langen Kleid vor ihnen steht. Und außerdem“, jetzt schaute es den Weihnachtsmann ernst an, „haben sie vor dir, lieber Weihnachtsmann, nicht so viel Angst, wenn ein Engel dabei ist. Sie denken, dass ich schon aufpassen werde, dass du nicht zu böse zu ihnen schaust und sie zu mehr Ordnung ermahnst.“
„Du meinst also, dass ich zu den Kindern manchmal zu streng bin und dass ein Engel härtere Strafen und Anweisungen für das neue Jahr verhindern könnte?“
„Ja, das ist die Aufgabe eines Engels. So sehe ich das jedenfalls“, antwortete das Mädchen.
Der Weihnachtsmann sagte dazu nichts. Er wollte erst die Antwort des zweiten Mädchens hören. Er war sehr gespannt, wie es seine Frage beantworten würde.
„Lieber Weihnachtsmann“, begann das zweite Mädchen, „ja, ein wenig hat sie recht. Die Kinder möchten gerne ein wenig Beistand haben. Sie denken, wenn ein Engel in der Nähe ist, also ganz dicht bei ihnen im Zimmer steht, dann kann es nicht so schlimm werden. Der Engel wird darauf achten, dass der Weihnachtsmann nicht zu hart bestraft. Und dass er schließlich auch den Geschenkesack auspackt. Das ist das eine.
Das andere ist, dass jeder Mensch, ob Kind oder Erwachsener, ob groß oder klein, jemanden braucht, auf den er vertrauen kann. Alle brauchen jemanden, dem sie ihre Sorgen und Nöte mitteilen können, jemanden, der ihnen zuhört, der für sie da ist. Das sind Kinder, die vor einer Aufgabe im Kindergarten oder später in der Schule ängstlich sind und aus dieser Ängstlichkeit heraus ganz aufgeregt meinen, die gestellte Aufgabe nicht richtig lösen zu können. Da ist dann eine Kindergärtnerin oder in der Schule die Lehrerin oder der Lehrer der Engel, auf den sie vertrauen können, weil sie oder er beruhigend und vertrauensvoll mit dem Kind spricht und die Angst nimmt und Mut zur Antwort macht.
Oder nimm einen Kranken, der im Bett liegt und starke Schmerzen hat. Wenn derjenige dann eine Schwester oder einen Arzt hat, die oder der zuhört und sich Zeit für ihn nimmt, dann empfindet es der Kranke als hilfreich, als wohltuend, als beruhigend. Da wird die Schwester oder der Arzt zum Engel.
Oder, lieber Weihnachtsmann, nimm irgendwelche Situationen, in denen du selbst nicht weiterwusstest, aber als dir dann der sogenannte rettende Einfall oder die rettende Person zur Lösung des Problems kam, hast du gesagt: Dich schickt der Himmel. Du bist mein rettender Engel. Stimmt’s?“
Der Weihnachtsmann war zunächst sprachlos. Das junge Mädchen hatte die Aufgabe eines Engels richtig erkannt und mit guten Beispielen deutlich gemacht. „Das war gut, sehr gut. Du hast mit deinen wenigen Sätzen genau richtig gesagt, warum Engel so wichtig sind. Du hast recht mit deiner Feststellung, dass jeder Mensch jemanden braucht, auf den er sich jeder Zeit verlassen kann, jemanden, der jeder Zeit, wenn man ihn braucht, hilfreich zur Seite steht. Und weil die Kinder auf diesen hilfreichen Freund auch an Heiligabend vertrauen und an ihrer Seite Unterstützung haben wollen, deshalb ist es so wichtig, dass mich ein Engel gerade an diesem Abend begleitet. Und wenn, wie in diesem Jahr, die Engel streiken, dann, ja dann muss mich ein Ersatzengel begleiten. Und dieser Ersatzengel bist du. Ich freue mich, dass du mich begleiten wirst.“
Der Weihnachtsmann verabschiedete noch das andere junge Mädchen und übergab auch ihm einen kleinen Glitzerstern als Andenken an seinen Besuch bei ihm.
Dann ließ er das dritte junge Mädchen in ein weißes Gewand mit einem weißen Mantel einkleiden, holte noch ein wenig Goldstaub, den er über ihr blondes Haar rieseln ließ, und zeigte ihr auf einer großen Landkarte, wohin sie heute reisen würden.
Nachdem er seinen Mantel zugeknöpft und die Kapuze übergestülpt hatte, griff er nach dem ersten Weihnachtssack und stapfte zu seinem Weihnachtsschlitten. Die Weihnachtswichtel hatten diesen inzwischen mit vielen, vielen prall gefüllten Geschenkesäcken beladen.
Der Weihnachtsmann rief ein schallendes „Ho, ho, ho“ und die Rentiere zogen den Weihnachtsschlitten an.
Weihnachtsmann und Weihnachtsengel sind auf dem Weg zu den Menschen. Bald werden sie auch bei euch sein.
Anmerkung:
Bei der abgefragten Bibelstelle Lukas 2, Absatz 1-17 handelt es sich um die Schilderung der Geburt Jesu. Dieser Teil ist allgemein auch als Weihnachtsgeschichte bekannt.
*
Hatschiii!
Also, wie es einem ergeht, der so einen richtigen Schnupfen hat, das wisst ihr bestimmt. Aber wenn ein Weihnachtsmann am 24. Dezember Schnupfen hat, dann ist das für einen Weihnachtsmann doppelt schlimm.
Im Gegensatz zu unserer Gegend, in der man im Dezember in manchen Jahren kurze Hosen oder Röcke anziehen könnte, herrscht zur Winterzeit in der Heimat des Weihnachtsmannes strenger Frost. Dicke Schneeflocken fallen dort vom Himmel. Der Weihnachtsmann zieht sich dann seinen dicken roten Mantel an, zieht sich seine Kapuze über den Kopf, legt sich den weißen Schal um den Hals und stapft in seinen schwarzen Stiefeln zu den Engeln, um die Geschenke einzusacken.
Ich erinnere mich noch an den 20. Dezember. An diesem Tag wollte er von den Engelchen Claudia und Cornelia eine große Kiste abholen. Aber die war so groß und so schwer, dass er seinen Mantel ablegen musste. Er wollte sich beim Anheben nicht die Ärmel ausreißen. Und da es bitterkalt war, muss er sich in diesen wenigen Augenblicken erkältet haben. Kopfschmerzen, Heiserkeit und eine niesende und laufende Nase war die Folge. Er hoffte, dass er mit einem Dampfbad, Medikamenten, Apfelsinensaft und heißer Zitrone die Erkältung schnell zum Verschwinden bringen konnte. Jedoch braucht eine Erkältung auch beim Weihnachtsmann genau so lange wie bei dir oder bei mir.
An Heiligabend ging es ihm nicht gut. Aber er wollte die Kinder nicht enttäuschen. Und so machte er sich mit seinem Schlitten auf den Weg. Auf eine für ihn dieses Mal beschwerliche Fahrt zu den Menschen. Immer wieder musste er zum Taschentuch greifen, um seine laufende Nase zu Schnäuzen.
Er hatte fast alle Geschenke verteilt, als er den Karton mit dem Anhängekärtchen Für den kleinen Thomas in den Händen hielt. Zur Gerberstraße war es nicht mehr weit und so ließ er die Peitsche knallen. Die Tiere liefen noch schneller und schon nach fünf Minuten war er bei Thomas. Er klopfte an die Tür. Es dauerte nicht lange und die Tür öffnete sich. „Sieh mal, wer hier ist“, sagte der Vater zu Thomas.
„Hach, der Weihnachtsmann“, rief Thomas. Dabei winkte er mit seiner Hand so ab, als wenn er sagen wollte, na, wer sollte es heute sonst sein. „Komm ruhig rein, du alter Weihnachtsmann.“ Er fasste den Weihnachtsmann an seine linke Hand und führte ihn in das Weihnachtszimmer. Dort waren alle versammelt: Tante Hetti, Onkel Rolf, Herr Klinke, Oma und Opa, Mama und Brüderchen Klaus. Es war richtig voll. Opa hatte sich gerade eine Zigarre angesteckt und die anderen naschten vom bunten Teller. Als sie den Weihnachtsmann ins Zimmer treten sahen, wurden sie ganz still. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten und es wurde richtig feierlich. „Hier ist der Weihnachtsmann“, rief Thomas fröhlich, „es kann losgehen, nun pack mal schön aus, Weihnachtsmann!“
Doch so schnell ließ sich der Weihnachtsmann nicht zum Auspacken bewegen. Er stellte den Sack ab und nieste kräftig. Es folgte ein donnernder Husten, wobei ihm fast seine Brille von der Nase fiel. Alle schauten erschrocken den armen kranken Mann an. Nachdem er sich geschnäuzt hatte, bat er Thomas um ein Gedicht.
„Lieber guter Weihnachtsmann ...“ Weiter kam er nicht, denn erneut nieste der Weihnachtsmann. „... hatschiii!!“
Thomas musste lachen. Nicht, weil er sich über den Schnupfen des Weihnachtsmannes lustig machte, sondern weil er glaubte, Onkel Franz als Weihnachtsmann verkleidet erkannt zu haben.
„Na, Onkel Franz, du bist wohl erkältet?“, fragte er keck.
„Ich bin nicht dein Onkel Franz, hatschiii!! Ich bin der Weihnachtsmann, hatschiii.“
„’nen Weihnachtsmann mit Schnupfen hab ich aber noch nicht gesehen. Du bist Onkel Franz.“
Dem Weihnachtsmann fiel ein, dass Onkel Franz ein Telefon hat. „Ruf doch Onkel Franz an, wenn du meinst, dass ich dein Onkel Franz bin. Er kann ja dann n i c h t ans Telefon kommen.“ Er nannte ihm die Telefonnummer und Thomas wählte.
„Hier Franz Lagenstein, frohe Weihnachten.“
Erschrocken und ohne ein Wort zu sagen, legte Thomas den Hörer wieder auf. Er kannte die Stimme von Onkel Franz. Und die Stimme am anderen Ende der Leitung w a r die Stimme von Onkel Franz. Allewetter, da stimmt was nicht, meinte Thomas still zu sich. Er drehte sich wieder zum Weihnachtsmann. Noch genauer als vorhin schaute er ihn sich an. Der muss doch etwas an sich haben, woran man erkennt, wer das ist. Denn an den Weihnachtsmann glaubte er seit November nicht mehr.
November, richtig. Im November sprach Mutti mit der Nachbarin über das Fest. Dabei hat sie irgendetwas vom Weihnachtsmann erzählt. Und wenn sich Thomas richtig erinnerte, sagte die Mutti damals „... der Thomas ist manchmal richtig böse. Da müsste der Weihnachtsmann mal ein ernstes Wort mit ihm reden.“
Er konnte jedoch nichts entdecken, was ihn an irgendeinen Onkel oder Bekannten erinnerte. Es blieb nichts weiter übrig, als aufs Ganze zu gehen. Nachdem der Weihnachtsmann einen kräftigen Nieser herauspruschte, griff Thomas kurzerhand an den weißen Bart und zog mit einem kräftigen Ruck an ihm. Aber wenn ihr denkt, dass Thomas den weißen Bart nun in der Hand hielt, dann irrt ihr. Nichts da! Kein einziges Härchen hat er abgerissen. Das Einzige, was er damit erreichte, war, dass sich das Funkeln und Leuchten in den Augen des Weihnachtsmannes verfinsterte. Denn das war ihm in diesem Jahr nun doch ein wenig zu viel. Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen, Heiserkeit und nun noch ein Kind, das ihm am Bart zieht, weil es meint, es gäbe keinen Weihnachtsmann.
Der Mutti und allen anderen im Zimmer war das alles sehr, sehr unangenehm. Thomas war aber auch zu ungezogen. Gerade hatte der Vater dem Weihnachtsmann gesagt, er solle doch alles wieder mitnehmen, da hatte Thomas es sich doch anders überlegt. Er entschuldigte sich beim Weihnachtsmann, sagte sein Gedicht auf und versprach, nicht mehr so böse zu sein. Das ganze folgende Jahr wolle er lieb und artig sein. Der Weihnachtsmann hörte das ebenso gern, wie die Eltern. Und Thomas hatte gerade gesagt „... das verspreche ich dir“, da nieste der Weihnachtsmann dreimal hintereinander. Und ihr wisst ja, wenn man etwas beniest, dann stimmt das, was man gesagt hatte und ein abgegebenes Versprechen wird eingehalten. Ob der Weihnachtsmann an dieser Stelle wirklich niesen musste, oder ob er nur so getan hatte, das weiß nur er selbst.
Ich aber weiß, dass er, nachdem er zu seinen Helferinnen und Helfern zurückgekehrt war, einen heißen Tee von seinen Engelchen zubereitet bekam und schnell wieder in sein dickes, weiches Bett gekrochen ist und die Bettdecke bis an die Nasenspitze gezogen hat. „Gute Besserung, lieber Weihnachtsmann!“
*
Pyramidonal
„Gerd, bitte, bitte, bitte. Guck doch mal die hübsche Weihnachtspyramide.“
„Wo denn?“
„Na da, vor dir. Solch eine möchte ich haben.“
„Was sollen wir denn damit? Wir haben doch gar keinen Platz mehr.“
„Ich finde doch immer einen Platz. Ach Gerd, wir kaufen die. Ich möchte gern die dreistöckige Pyramide.“
„Also gut, wenn’s unbedingt sein muss. Aber dann ist endgültig Schluss mit der Kauferei. Das Weihnachtsgeld ist sowieso schon lange alle. Wir verbrauchen gerade das Geld vom Februar des kommenden Jahres. Versprochen?“
„Versprochen.“
Gerd und Anne betreten das Geschäft und beäugen nochmals die Weihnachtspyramide. Gerd sieht nicht nur den Preis, sondern auch das kleine, unten angeklebte Schild.
Made in Taiwan. Nicht bei geöffnetem Fenster benutzen. Bei vier Kerzen = zwei PS, bei sechs Kerzen = vier PS.
„Du, Anne, das hab’ ich ja noch nie gesehen.“
„Ich auch nicht, aber ich will sie trotzdem haben. Den Zettel haben sie bestimmt versehentlich daran geklebt. Der gehört da nicht dran. Komm, da vorn ist die Kasse. Du bist mit Bezahlen dran.“ Gerd bezahlt und das ziemlich schwere Ding wird nach Hause getragen.
Heiligabend, abends um sechs. Das ist die Zeit, zu der bei Abels traditionell Bescherung ist. Und es ist seither auch bei Abels üblich, dass Oma, Opa, Söhnchen Carlo und Hund Fritz erwartungsvoll im Weihnachtszimmer sitzen. Die Lichter des Weihnachtsbaumes leuchten und Carlo packt gerade sein Geschenk aus, als der Mutter die neue Pyramide einfällt. Sie geht ins Schlafzimmer, holt die Pyramide aus dem Schrank, greift sich eine Schachtel Streichhölzer und zündet alle sechs Kerzen an.
„Die ist aber schön“, begeistert sich Oma.
„Und wie schön schnell sie sich dreht“, fügt Opa hinzu.
„Ja, ja erstaunlich schnell“, ergänzt Gerd. Der Propeller oben auf der Pyramide dreht sich schneller und schneller.
„Ist ja Wahnsinn“, kann Söhnchen Carlo gerade noch sagen, als der Propeller seine Höchstdrehzahl erreicht hat und die Pyramide wie eine Rakete auf der Startrampe von Cape Kennedy abhebt.
„Hier meldet sich Cape Abel“, spaßt Carlo und macht dabei die Reporterstimme nach, wie sie bei Raketenstarts aus Amerika zu hören ist. „Sie erleben gerade den Start der dreistufigen Rakete mit drei Personen an Bord. Es handelt sich dabei um die Pyramidonauten Maria, Joseph und erstmals ein Kind, es trägt den Namen Jesus.“
„Hör’ sofort auf, Carlo. Der Spaß ist gar kein Spaß. Das Ding ist gefährlich!“
Carlo findet das trotzdem lustig. Die Pyramide gewinnt Geschwindigkeit und kreist im Zimmer umher. Erst zweimal um den Weihnachtsbaum, dann kurz und knapp über die Köpfe aller Anwesenden. Carlo springt umher und will das Wunderding einfangen, verfehlt es aber immer wieder. Oma lässt ihr Geschenk fallen. Es ist eine Porzellan-Vase. Kaputt, schade. Opa zieht den Kopf ein, kann sich aber ein Lächeln nicht verkneifen und Anne sitzt mit weit aufgerissenen Augen auf einem Stuhl. Sie kann sich vor Schreck überhaupt nicht bewegen.
„Da gibt’s nur eins, Fenster auf. Der Luftzug wird die Kerzen ausblasen und der Spuk hat ein Ende“, schlägt Gerd aufgeregt vor.
„Au ja“, ruft Carlo, „vielleicht saust die Rakete zum Mond.“
Der Vater öffnet das Fenster, aber die Kerzen brennen weiter. Sie scheinen ihre vier PS, also die volle Kraft, entwickelt zu haben, denn jetzt befindet sich der Propeller schon an der Zimmerdecke. Er schneidet wie ein Bohrmaschinenvorsatz ein kreisrundes Loch in die Zimmerdecke. Es dauert nur wenige Augenblicke und die Pyramiden-Rakete ist bei Abels verschwunden und befindet sich nun im Wohnzimmer des Rentnerehepaares Wernecke. Dort umkreist sie erneut die beiden Personen und entschwindet dann durch das offene Fenster. Zunächst kriegen die beiden alten Leute das gar nicht richtig mit. Aber als sie sich aus der Küche etwas zu essen holen wollen, gerät Herr Wernecke mit seinem rechten Fuß in das Loch. Er bückt sich und schaut bei Abels in die Wohnung.
„Hallo, Herr Abel, warum bohren Sie denn heute so ein großes Loch in Ihre Zimmerdecke, ist Ihr Baum denn so groß?“
„Aber Herr Wernecke, haben Sie denn unsere Pyramide nicht fliegen sehen?“
„Sie haben auch ’ne schöne Ausrede, fliegende Pyramiden. Wir haben das Fenster offen, ich hatte nur kurz etwas Helles bemerkt. Ich dachte, die fangen aber früh mit dem Silvesterfeuerwerk an.“
„Gehen Sie doch mal auf Ihren Balkon und sehen Sie nach, ob das Feuerwerk noch da ist.“
Herr Wernecke schaut nach und tatsächlich, da steht eine Pyramide auf seinem Balkontisch. Die Kerzen sind erloschen. Das Gestell ist ziemlich heiß. „Herr Abel, hier steht tatsächlich eine Pyramide. Ich stecke sie hier durch das Loch.“
„Nein, nein, lassen Sie bloß das Ding bei sich. Wir wollen sie nicht mehr.“
„Ist gut und vielen Dank.“ Herr Wernecke legte sich in seinem Sessel etwas zurück, zündete sich sein Pfeifchen an und ... außerdem die sechs Kerzen ... oder besser gesagt die vier PS. Das gleiche Spiel beginnt von vorn.
Und da sich auch hier die Weihnachtspyramide durch die Zimmerdecke bohrt und dies auch in allen anderen Stockwerken darüber, hatten nach etwa zwei Stunden alle elf Stockwerke kurzfristig eine vier PS starke Pyramide im Zimmer und langfristig ein Loch im Fußboden und eins direkt darüber in der Zimmerdecke. Sie können sich nun im kommenden Jahr einen größeren Weihnachtsbaum kaufen. Die Spitze eines großen Baumes kann dann immer in das Loch in der Decke gesteckt werden.
Dann sind die Löcher teilweise geschlossen und sie könnten zumindest sicher sein, dass da keine Weihnachtspyramide mehr durchgeflogen kommt.
Aber wer weiß, was die Taiwaner bis zum nächsten Jahr erfinden.
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