Kitabı oku: «Pflanzliche Urtinkturen und homöopathische Heilmittel selbst herstellen»

Yazı tipi:

Pflanzliche

Urtinkturen und

homöopathische

Heilmittel

selbst herstellen


Christian Sollmann

Pflanzliche Urtinkturen und homöopathische Heilmittel selbst herstellen

AT Verlag

Dieses Buch möchte einen Einblick in die traditionellen und modernen Herstellungsmethoden homöopathischer Mittel geben. Es handelt sich nicht um eine Anleitung zur gewerbs- und berufsmäßigen Herstellung von homöopathischen Mitteln.

Wer Tinkturen und homöopathische Potenzen selbst herstellt, tut dies in eigener Verantwortung. Die in diesem Buch beschriebenen Ratschläge, Dosierungsangaben, Formeln und Techniken wurden von Autor und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Es sollen jedoch weder Indikationen oder Diagnosen gestellt noch Therapieempfehlungen gegeben oder zur Einnahme von Mitteln geraten werden. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr und muss in jedem Fall heilkundlich geprüft werden.

Autor und Verlag übernehmen keine Verantwortung für Schäden, die durch unrichtige, unzulängliche und nicht gesetzeskonforme Methoden oder Anwendungen entstehen. Auch wird jede Haftung für Verstöße gegen örtlich geltende Sammel- bzw. Anpflanzungsverbote abgelehnt. Wer die beschriebenen Pflanzen sammelt, tut dies auf eigene Gefahr; auf die Giftigkeit der Pflanzen wird hingewiesen. Die hier dargestellten Verfahren sollten mit Vorsicht und Umsicht gebraucht werden.

© 2014

AT Verlag, Aarau und München

Lektorat: Ralf Lay, Mönchengladbach

Gestaltung: Vorbereitungskurs auf die Berufsprüfung Typografische Gestalter und

Gestalterinnen an der Schule für Gestaltung Bern und Biel

Dozenten: Christian Moser und Roger Spindler, Bern

Typografische Gestalterinnen und Gestalter: Isabelle Affolter, Irene Aregger,

Markus Bader, Eliane Büttler, Sarah Christener, Thomas Fahrni, Aleksander

Hatunsek, Lukas Kummer, Regina Lötscher, Karina Mani, Daniel Menet,

Erika Moser, Annette Roulier, Viviane Schmid, Anita Sterchi, Marc Zuberbühler

Ausgewählt und realisiert wurde die Arbeit von Sarah Christener und Erika Moser

Umschlaggestaltung: Sarah Christener und Erika Moser

Satz: Giorgio Chiappa, Zürich

Bildaufbereitung: Vogt-Schild Druck, Derendingen

Druck und Bindearbeiten: Firmengruppe APPL, aprinta druck, Wemding

ISBN 978-3-03800-119-5

www.at-verlag.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Inhaltverzeichnis

Vorwort

EINLEITUNG

Zur Lage

Heilpflanzen woher?

Utensilien für die Pflanzensammlung

Auswahl des Sammelgebietes

Auswahl und Ernte der Pflanzen

Anbau im eigenen Garten

Welche Herstellungsmethode?

Wasser- oder Alkoholtinkturen?

Tinkturen

Das Herstellen von Urtinkturen für homöopathische Mittel

Löslichkeit von Wirkstoffen in Ethanol

Alkohol

Eine Auswahl wichtiger Heilpflanzen

Ablaufschema der Vorgehensweise

PFLANZENPORTRÄTS

BEARBEITUNGSMETHODEN UND TECHNIKEN

Abfiltrierung

Die Herstellung homöopathischer Potenzen

Sachgerechter Umgang nach der Herstellung

Überlegungen zur Wirkung homöopathischer Mittel – Ein Erklärungsversuch

Weitere Anregungen

ANHANG

Rechtliches

Erntekalender und Potenziertabelle

Übersicht der pflanzlichen Wirkstoffgruppen

Sortierhilfe für fertig potenzierte homöopathische Mittel

Adressen und Bezugsquellen

Liste der Pflanzenporträts

Glossar

Literaturverzeichnis

Anmerkungen (Quellen)

Bildnachweis

Index

»Nun ist die Alchymie eine Kunst, welche lehrt, die Astra von den Corporibus zu sondern, so daß dann die Astra dem Gestirn und Firmament gehorsam sind im Dirigieren. Denn das Dirigieren ist nicht in den Corporibus, sondern nur im Firmament«1

Vorwort

Die Abwesenheit von Krankheit beginnt im Kopf. Und Gesundheit ist die Vermeidung krankmachender Vorstellungen und Lebensumstände. Am Anfang dieses Buches standen daher der Wunsch, einmal gut verständlich darzustellen, was die auf tiefster Ebene wirkenden homöopathischen Mittel eigentlich sind, sowie das Bedürfnis, eigenverantwortlich und in Anpassung an die individuellen Gegebenheiten für die eigene Gesundheit zu sorgen. Dabei geht es vor allem darum, den Heilsversprechen der pharmazeutischen Interessenverbände bzw. gesundheitspolitischen Modetrends kritisch gegenüberzustehen und nicht ausschließlich auf industriell hergestellte Standardmittel angewiesen zu sein, vor allem auch deswegen, weil das Angebot hier immer weiteren Restriktionen unterzogen wird.

Gesund an Körper und Geist bleibt der, der sich nicht selbst entmündigt und die Verantwortung für die Gesundheit an andere delegiert. Im Zweifelsfall steht die Gesundheit des Patienten nämlich nicht zuoberst auf der Prioritätenliste von Unternehmen und Personen, die im Medizinbetrieb ihren Lebensunterhalt verdienen bzw. lukrativste Geschäfte machen.

Aus diesen Gedanken und dem Wunsch heraus, die Beschaffenheit und Wirkungsweise ganzheitlich heilender Mittel besser zu begreifen, ist hier eine Art Arbeitshandbuch entstanden, bei dem es sich aber nicht um eine exakte wissenschaftliche Abhandlung im herkömmlichen Sinne handelt. Dieses Buch ist vielmehr ein praxisorientiertes Kompendium der wichtigsten technischen Grundlagen, Formeln, Instrumente und Bezugsadressen, das Ihnen bei der Herstellung Ihrer eigenen Arzneien eine wertvolle Anleitung und Hilfe sein soll. So etwas wie »Vollständigkeit« habe ich dabei nicht angestrebt. Denn zum einen wäre das wenig realistisch, zum anderen bleibt jetzt der individuelle Weg für den Leser unverstellt, eigene Erfahrungen zu machen und, durch sachkundige Informationen und die eigene Intuition und Kombinationsgabe geleitet, die richtigen Arzneien für sich zu bestimmen und selbst herzustellen. Auch wenn der Einzelne nicht annähernd den gleichen Aufwand wie Großlabors betreiben kann, sollte er sich dabei nicht weismachen lassen, dass nur die im großen Stil und industriell keimfrei und perfekt nach der Norm hergestellten homöopathischen Mittel wirksam wären.

Auf die Beschreibung spagyrischer Bearbeitungsvorgänge oder die Herstellung von Tinkturen aus Mineralien, Metallen oder Bestandteilen tierischer bzw. menschlicher Herkunft werde ich allerdings verzichten, weil deren Zubereitung zum Teil problematisch oder um ein Vielfaches aufwendiger wäre und über den selbstgesteckten Rahmen dieser Darstellung hinausginge. Außerdem wird hier keine bestimmte Lehrmeinung, keine Potenzier-Ideologie, nicht ausschließlich die klassische bzw. komplexe Homöopathie und keine wie auch immer geartete andere dogmatische Verschüttelungsnorm vertreten.

Und wenn Sie zur Tat schreiten – lassen Sie sich hinreichend Zeit. Ein wesentlicher Aspekt bei der Auswahl und Herstellung homöopathischer Mittel und auch während der Therapie, der heutzutage immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, ist nämlich die erforderliche Muße und Geduld für das Reifen eines Gedankens, für einen Entstehungsprozess und für die Heilung einer Erkrankung. Nehmen Sie sich also die Zeit, die nötig ist, um »sanft und mit großer Vorsicht« (Paracelsus) vorzugehen, und auch die Zeit für das Durchleben der Krankheit sowie für den Prozess einer wirklich tiefgreifenden Gesundung, die immer den ganzen Menschen umfasst, also gleichermaßen Körper, Geist und Seele betrifft.

Christian Sollmann Germering, im Frühjahr 2014


EINLEITUNG

»Hinsichtlich der Gesundheit ist das Urbild, das jeder in sich trägt, sein unverletzlicher, jenseits der Zeit und ihrer Fährnisse geschaffener Körper, in die leibliche Erscheinung ausstrahlt und der auch in der Heilung wirksam wird. In jede Heilung spielen schöpferische Kräfte ein.« 2

Zur Lage

Seit mindestens 2500 Jahren besteht ein Bewusstsein für das altbewährte Prinzip der Homöopathie. Schon die Menschen im Altertum wandten sich an Apollon, wenn sie Hilfe bei Krankheit oder Verletzung benötigten. Eine seiner Botschaften lautete: »Wer verwundet, der heilt auch.«3 Dieser Grundgedanke des Simile-Gesetzes (»Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt«) hatte sich in vielen Variationen jahrhundertelang in der Heilkunde bewahrt, begann aber im Zuge der Verwissenschaftlichung in den letzten zweihundert Jahren sein heilendes Wesen zu verlieren.

Ganz im Zeichen der sich durchsetzenden Industrialisierung schematisierte Samuel Hahnemann (1755–1843) die Errungenschaften der Alchemie. Offensichtlich nimmt Hahnemann viele der Grundgedanken von Paracelsus (1493–1541) mit in seine Lehre auf, wobei er jedoch dessen wichtigste Denksäulen – Religion, Philosophie und Astrologie unbeachtet lässt. Arzneimittelgesetz und Homöopathisches Arzneibuch unterbinden heute endgültig den Grundgedanken des Paracelsus, dass Arznei und Krankheit identisch sind. Sie trennen die Heilkunst für den Menschen aus dem schicksalsbezogenen Zusammenhang heraus.

Und seitdem die 10. Gesetzesnovelle des Arzneimittelgesetzes am 1. August 2001 rechtskräftig ist, sind weitere gravierende Einschränkungen bei der Herstellung wie auch der Therapie mit homöopathischen Mitteln durchgesetzt worden. Die massivsten Eingrenzungen stelle ich nachfolgend kurz dar:

 Alle homöopathischen Mittel tierischen bzw. menschlichen Ursprungs unterliegen in verstärktem Maße der Sterilisation. Die im HAB 78 vorgeschriebene Autoklavierung bei 121 °C wurde im HAB II vom November 1998 auf eine Temperatur von 133 °C erhöht. Mittlerweile wird eine Hocherhitzung tierischen Materials allerdings nicht mehr gefordert, sondern durch eine Risikobewertung von Fall zu Fall ersetzt. Dennoch – auch wenn die Autoklavierung nun um diese 12 °C nicht nach oben gesetzt wurde: Die Temperatur von 121 °C ist eindeutig zu hoch. Das bedeutet, dass der Nachweis der Freiheit von pathogenen Stoffen bei homöopathischen Mitteln tierischen und menschlichen Ursprungs nicht erbracht werden kann, ohne die Form ihres stofflichen Prinzips in ihrem gewachsenen Aufbau und damit in ihrer heilenden Wirkung zu zerstören. Demnach entspricht die Denaturierung von tierischen bzw. menschlichen Organteilen, Körperflüssigkeiten und so weiter bei der Herstellung von Nosoden durch die angewandten Sterilisationsverfahren faktisch einem Verbot klassisch hergestellter Mittel. Wenn ein Ausgangsstoff – eine Pflanze oder ein komplexes Eiweiß – widernatürlich, das heißt technisch verändert wird, verliert dieser Stoff seine Gestalt, sein ihm innewohnendes, heiles Prinzip.

 Infolge einer drastischen Anhebung der Registrierkosten und des weitgehenden Wegfalls von Ausnahmeregelungen für kleine Produktionsmengen können viele individuelle Mittel nicht mehr wirtschaftlich hergestellt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verlangt für die Zulassung einer neuen Substanz mittlerweile 59 400 Euro. Die Registrierung eines traditionellen pflanzlichen Arzneimittels kostet allein schon 15700 Euro. Für ein traditionelles homöopathisches Einzelmittel in allen Darreichungsformen belaufen sich die Registrierungskosten auf 14 800 Euro (Stand Anfang 2014).4 Nach dieser Anhebung entstand eine Marktbereinigung, eine Schmälerung der Produktpalette und somit der Therapiemöglichkeiten zugunsten billig herstellbarer Massenwaren, die wiederum stark vom Original und seiner geprüften Wirkung abweichen.

 Die folgenschwerste Attacke zur Ausschaltung der homöopathischen Therapie kommt inzwischen jedoch von einem »Nebenkriegsschauplatz«, dem Tierarzneimittelrecht. »Wer seine landwirtschaftlichen Nutztiere eigenverantwortlich mit Globuli, homöopathischen Einzelpräparaten oder nach den Regeln der klassischen Homöopathie behandelt – und das tun im südostbayerischen Raum immerhin mindestens 700 Landwirte –, macht sich strafbar.«5 Immer mehr Menschen, die Homöopathie erfolgreich in eigener Verantwortung anwenden, konfrontierten sich dann mit dem Gesetz und werden auf diese Weise gezwungen, stattdessen künftig wieder Chemie zu konsumieren.

 Man versucht, alle Nichtärzte als inkompetent zu erklären. Durch eine öffentliche Diskussion wird Stimmung gemacht gegen die Verabreichung von homöopathischen Mitteln an Kinder unter fünfzehn Jahren durch Vertreter der Heilberufe und Privatpersonen, die nicht als Ärzte zugelassen sind.

 Es droht die Verschreibungspflicht für homöopathische Mittel. Dazu schreibt Marco Bischof über die Vorreiterrolle der USA: »Die Situation in den Vereinigten Staaten sieht noch düsterer aus. Auch hier sind nach neuesten Erhebungen unkonventionelle Heilmethoden weit verbreitet; jeder vierte Patient, der ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt, nutzt gleichzeitig alternative Heilmethoden. Im Jahr 1990 überstieg die Zahl der Konsultationen von Anbietern unorthodoxer Verfahren mit 425 Millionen sogar diejenige der Besuche bei Hausärzten (mit nur 388 Millionen). Trotzdem hat die Food and Drug Administration (FDA, amerikanische Nahrungs- und Arzneimittel-Zulassungsbehörde) den rezeptfreien Verkauf von 218 homöopathischen und pflanzlichen Mitteln (darunter Ginseng) verboten. Sie dürfen jetzt nur noch von Ärzten verschrieben werden – die meisten Homöopathen sind aber keine Ärzte. Strafrechtlich werden auch all jene von der FDA verfolgt, die unkonventionelle, energetische Therapiemethoden anwenden oder entsprechende Produkte verkaufen, einschließlich der Reformhäuser, mit der Begründung, dass eine Lebensenergie nicht existiere.«6

Insgesamt schätzt die Branche die Zahl der in den letzten zwölf Jahren verlorengegangenen Naturheilmittel auf rund 30000.7 Schon im März 2004 machte der Verband klassischer Homöopathen eine telefonische Umfrage bei einigen Herstellern homöopathischer Einzelmittel. Die arzneimittelrechtlichen Verschärfungen zeigten folgende Auswirkungen:

 Staufen Pharma veröffentlichte bereits im April 2001 eine Liste mit 565 Arzneispezialitäten und 122 weiteren als gefährdet eingestuften Nosoden, auf deren Produktion die Firma in Zukunft verzichten würde.

 Gudjons stellt überhaupt keine Nosoden mehr zur Verfügung.

 Arcana verzichtet auf etwa 250 Mittel.

 Wala hat insgesamt 478 Potenzen, Komposita, tierische bzw. menschliche Gewebspräparate und so weiter gestrichen.8

 Und Weleda hat zum 30. Juni 2003 bereits 290 Potenzen, Dilutionen und Triturationen aus ihrem Sortiment genommen.9

Gesetzliche Regelungen erschweren eine wirkungsvolle Homöopathie. Man begründet dies einerseits mit der Gefahr durch Aids, Maul- und Klauenseuche oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und andererseits mit einer Inkompetenz der Patienten beim Umgang mit der Homöopathie. Diese Argumentation widerspricht aber genau der seit etwa 200 Jahren gepflegten »Beweisführung« gegen diese Therapieform. Schon zur Zeit Hahnemanns wurde nämlich – ohne es belegen zu können – behauptet, dass die Homöopathie ein Produkt der Fantasie und eigentlich wirkungslos wäre. Nun unterstellt aber der gleiche Interessentenkreis, der eine Wirkung von homöopathischen Heilkräften bisher als Aberglaube bezeichnet hat, die Bürger wären nicht befähigt, mit dieser seit Jahrhunderten gepflegten Erfahrungsheilkunde umzugehen, und könnten dadurch Schaden an Leib und Leben anrichten. Es ist ein Widerspruch in sich und spricht gegen jeden gesunden Menschenverstand, der Homöopathie wegen fehlender Materie Wirkungslosigkeit vorzuwerfen und zugleich ein Gesundheitsrisiko durch diese Mittel zu behaupten!10 Obwohl seit dem standardisierten Beginn der Homöopathie durch Hahnemann keine einzige Erkrankung aufgrund der Einnahme von homöopathischen Mitteln bekannt geworden ist, schränkt man diese unschädliche und dennoch erfolgreiche Therapierichtung Schritt für Schritt so sehr ein, dass sich ihr Wirkungsspektrum drastisch verringern muss.


In der Grafik habe ich an einigen Beispielen den Unterschied zwischen der von Hahnemann so bezeichneten Allopathie (siehe linker unterer Quadrant) und der Erfahrungsheilkunde (siehe rechter oberer Quadrant) aufzuzeigen versucht. Ich will damit nicht moralisieren, sondern nur die Gegensätze aufzeigen. Mit den links aufgeführten Mitteln und Methoden der Schulmedizin ist eine echte Heilung – je tiefer man hineingerät – ab einem bestimmten Punkt nicht mehr möglich, und man wird immer abhängiger von bestimmten Medikamenten und therapeutischen Maßnahmen. Rechts ist dargestellt, auf welche Weise eine ganzheitlich orientierte Heilung möglich ist.

Dazu muss gesagt werden, dass jeder Mensch auch einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt und Gesundheit natürlich ein relativer Begriff ist. Ebenso ist mir die Not bewusst, in die man bei einem Unfall oder einer akuten Krankheit geraten kann. Hier leistet die konventionelle Medizin durchaus wertvolle, oft lebensrettende Hilfe. Dabei hat diese Art von Geschehen – also zum Beispiel der Unfall – sehr wohl immer etwas mit der Lebensführung des Menschen zu tun (das ist allerdings nicht als Schuldzuweisung gemeint). Bei Anwendung der alternativen Heilkunde sind aber nicht nur eine größere Eigenständigkeit und individuell angepasste Therapieformen möglich, sondern man wirkt allgemein an einem initiatorischen Heilungsprozess mit, der das Leben und die Umwelt fördert.

In unser Trinkwasser dürfen Nitrate und Nitrite, Hormone, Dioxin, Kolibakterien, landwirtschaftliche Pestizide und auch radioaktive Stoffe eingeleitet werden, solange nur die sogenannten unschädlichen Grenzwerte dafür eingehalten werden. Das Gleiche gilt für Verschmutzungen in Lebensmitteln durch die Rückstände von Auto- und Industrieabgasen sowie den Emissionen von Atom- oder Heizkraftwerken. Trotz der jährlich »16 000 medikamentenbedingten Todesfälle und 120 000 ernsten Nebenwirkungen«,11 die durch Medikamente verursacht und in Kauf genommen werden müssen, haben dagegen die Ausgangsstoffe für homöopathische Mittel den Nachweis der absoluten Keimfreiheit zu erbringen. Um es noch einmal zu betonen: Homöopathische Arzneimittel sind sicher. Weltweit ist kein einziger Fall von Erregerübertragung durch homöopathische Mittel bekannt.

Ein weiterer Grund, sich von der industriellen Herstellung homöopathischer Mittel unabhängiger zu machen, ist die Beibehaltung sämtlicher Wirkstoffe der einzelnen Mittel aufgrund der schonenderen Herstellung. Sicherlich wird der Einzelne allein aus technischen Gründen es nicht bewerkstelligen, Arzneimittel so herzustellen wie die alchemistisch-spagyrisch arbeitenden Firmen Soluna und Pekana oder die anthroposophisch orientierten Firmen Wala und Weleda. Aber die hohe Qualität der hausgemachten Einzelmittel gilt als gesichert. Selbst hergestellte Mittel tragen das Qualitätssiegel der eigenen Hand. Bei pflanzlichen oder mineralischen Ausgangssubstanzen, bei den Trägersubstanzen Wasser oder Alkohol, eventuell auch bei tierischen Substanzen wie zum Beispiel Bienengift oder Kreuzspinne kann man so arbeiten, dass es zu keiner Zerstörung ihres »Spiritus Vitae« kommt, des der Substanz innewohnenden Lebensgeistes. Hierbei können die Destillationsmethoden weicher und länger vorgenommen oder die Lösung der Ausgangssubstanzen in Glycerol neu überdacht werden. (Bei einer Vermischung bestimmter Ausgangsstoffe mit Glycerol entstehen hygroskopisch neue, aber eigentlich ungewollte Präparate.) Auch sei hier darauf hingewiesen, dass durch eine Erhitzung über 42 °C, direkte Sonneneinstrahlung und die Autoklavierung komplexe organische Moleküle, vor allem Eiweiße, unwiderruflich ihre Struktur und damit ihre Wirksamkeit verändern.

Dazu möchte ich Erich Unseld zitieren, der zum Thema Erhitzen Folgendes schreibt: »Aus der Kolloidlehre sind Wirkungen thermischer Einflüsse sowohl im Sinne der Koagulation feindisperser flüssiger Systeme, zum Beispiel von Eiweißlösungen durch Kochen, wie auch im Sinne einer Steigerung der Dispersion, zum Beispiel Auflösung von Agar oder Gelatine beim Erhitzen, bekannt (C. Haebler: Physikochemische Medizin nach Heinrich Schade). Im vorliegenden Phänomen des Wirkungsverlustes potenzierter Arzneisubstanzen durch Erhitzen auf 100 °C liegt nach dem Gesagten die Vermutung nahe, eine grobe Veränderung des Dispersionsgrades anzunehmen.«12

Auch Carl Claasen formuliert seine Erfahrungen hierzu: »Da (abgesehen von unserer Fehlbarkeit als Therapeuten) die individuelle Empfänglichkeit eines Patienten gegenüber der Arzneiwirkung stark variieren kann (›1 zu 1000‹ nach Samuel Hahnemann, Organon § 281), wird es im Einzelfall nicht so leicht sein, eine unzureichende Arzneiwirkung mit ausreichender Sicherheit auf das verwendete Präparat zurückzuführen. Ob ja und wenn, wie viele Patienten durch die bereits nach HAB 1987 praktizierte Erhitzung der Nosoden-Ausgangsstoffe auf 120 °C ungeheilt blieben, werden wir nie genau wissen (…) Doch Kollegen, die Gelegenheit hatten, mit lege artis Hahnemanni hergestellten Arzneien zu arbeiten, berichten sehr wohl von erheblichen Unterschieden zwischen diesen Mitteln und solchen, die lege HAB (…) hergestellt sind.«13

Die seinerzeit beschriebenen Arzneimittelbilder sind unter Anwendung der damaligen Methoden, mit den gesunden Wildpflanzen und in einer sauberen Umwelt erstellt worden. Dazu kommt zwar der Kritikpunkt, dass nicht alle Symptome eines Prüfers während der damaligen Arzneimittelprüfung ursächlich in dem zu prüfenden Mittel liegen. Aber es ist auffällig, dass die Wirkungen vieler homöopathischer Mittel in zunehmendem Maße nicht mehr mit den ehemals erstellten Arzneimittelbildern übereinzustimmen scheinen. Dies alles sind, gemeinsam mit dem Ultrahocherhitzen der Ausgangssubstanzen, weitere Gründe, warum manche Mittel keine oder eine verminderte Heilung bewirken.

Die Substanzen werden heutzutage mithilfe des elektrischen Stromes mechanisch zerkleinert, maschinell im Mörser verrieben, mittels mechanischer Schüttelmaschinen den Dynamisationsschlägen und auf dem Laufband wiederum elektrischem Smog ausgesetzt. Dass aber elektrischer Strom und Maschinen jeden Organismus schädigen, hat Rudolf Steiner schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschrieben. »Wenn man also Elektrizität verwendet in der Weise, dass man die Nahrungsmittel durchelektrisiert, dann erzeugt man Nahrungsmittel, die allmählich dazu führen müssen, das Tier, das sie genießt, zu sklerotisieren. Das ist ein langsamer Prozeß – man wird es zunächst nicht gleich bemerken –, daß in irgendeiner Weise diese Tiere früher verenden, als sie es sollten.«14

Und Dr. Rudolf Hauschka wird zu dem gleichen Thema von Apotheker Harald Csallner zitiert: »Die Wandlung der Erde ist das Ziel unseres Daseins – und nur der Mensch kann sie vollbringen. Er – der Mensch – ist das einzig hierarchische Wesen der Zukunft, das so tief in die Finsternis der Materie hinabsteigen konnte, um sie zu verwandeln. Wenn dieses ernst genommen wird, dann ist es auch selbstverständlich – wie eingangs erwähnt –, daß man zwischen dem Menschen – dem Träger der Wandlung – und der zum Heilmittel werdenden Substanz nicht etwa Maschinen einschaltet. Dies gilt nicht nur für die oben geschilderten Vorgänge, sondern das gilt ganz besonders für den Akt des Potenzierens.«15 (Dr. Rudolf Hauschka erhielt von Rudolf Steiner und Ita Wegmann den Auftrag, Methoden zu entwickeln, die es ermöglichen, die Heilkräfte der Pflanzen zu gewinnen und über längere Zeit wirksam zu erhalten, ohne sie in ihrer Wesensstruktur durch Konservierungsmittel, wie zum Beispiel Alkohol, zu beeinträchtigen. Es entstand die Firma Wala.)

Auch Roger Kalbermatten16 berichtet über seine Erfahrungen bei der Herstellung seiner Urtinkturen: »Zunächst wurden die Pflanzen mit Schneidemaschinen mit unterschiedlicher Frequenz geschnitten. Die resultierenden Tinkturen wurden chemisch analysiert und vor allem mit der Hochfrequenzfotografie nach Kirlian untersucht. Diese Methode erzeugt unter bestimmten Bedingungen ein Bild für die Ordnung der Struktur einer Flüssigkeit. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Zunahme der Schneidefrequenz zu einer Abnahme der Ordnung der Flüssigkeitsstruktur führt. Es wurde somit eine Korrelation gefunden zwischen der oben erwähnten Abnahme der Wirksamkeit und der Abnahme der Ordnung der Flüssigkeitsstruktur in dem Maße, wie die Frequenz des Schneideprozesses erhöht wurde.«

Viele Krankenkassen ersetzten die Kosten für bestimmte Komplexmittel nicht mehr, weil diese Bestandteile enthielten, die mit der Krankheit nichts zu tun haben sollten. Damit die Kosten für das Medikament von den Kassen wieder ersetzt werden, nahmen die Hersteller diese Bestandteile daraufhin aus der Rezeptur – aber diese Komplexmittel wirken nun nicht mehr so treffend. Es werden vermehrt vereinfachte Fertigarzneimittel, das heißt entweder nur aus einer Pflanze oder homöopathische Kombinationen ohne die Ergänzung durch phytotherapeutische Wirkstoffe, auf den Markt gebracht.

Ein weiterer Effekt der Komplexmittel ist ihre bessere Verträglichkeit gegenüber Monopräparaten. Hier möchte ich noch einmal Roger Kalbermatten zitieren: »Durch pharmakologische Studien können Wirkstoffe ermittelt werden, Stoffe also, die einen Teilbetrag zur Wirksamkeit des Gesamtextrakts leisten. Teilbetrag deshalb, weil sich generell zeigt, dass die Wirksamkeit nicht auf einzelne Stoffe zurückgeführt werden kann. Die Heilkraft einer Heilpflanze ist das Resultat aus vielen zusammenwirkenden Faktoren. Dazu gehören unter anderem die Wirkstoffe, die bei jeder Pflanze recht komplex zusammengesetzt sind, da sie immer aus zahlreichen Substanzen verschiedener chemischer Klassen bestehen. Dazu gehören auch die Koeffektoren, das sind Stoffe ohne eigene Wirkung, welche aber die Wirkung der aktiven Stoffe modifizieren.«17

Letztlich kommt, im Zuge der allgemeinen Veränderungen, die bei der Herstellung von homöopathischen Mitteln schleichend eingeführt wurden, noch ein ganz gravierender Punkt hinzu, den Csallner recht treffend beschreibt: »In den Jahren 1923 und 1932 erschienen ungefähr gleichzeitig die verschiedenen Arbeiten von Junker (Hamburg) und Kolisko (Stuttgart). Während Junker Mikroben als Testobjekt benutzt, prüft Kolisko die Wirksamkeit von Verdünnungen und Potenzreihen an Pflanzen. Beide stellen einwandfrei fest, daß Potenzen – also rhythmisch dynamisierte Substanzen – einen von gewöhnlichen Verdünnungen völlig verschiedenen Wert haben, trotzdem sie an Milligrammprozenten Substanz gleichwertig sind. (…) Beide Forscher stellen fest, dass – wenn sie ihre Resultate in Wirkungskurven bringen – ein gesetzmäßiges Abfallen und Wiederansteigen der Kurven zu beobachten ist. Während aber Junker diese Gesetzmäßigkeit als eine allgemeine ansieht, stellt Kolisko erstmals fest, daß diese Potenzkurven für jede Substanz spezifisch sind. Jede Substanz hat also, so wie sie ihr spezifisches Gewicht, ihr Atomvolumen und Molekulargewicht hat, ihre spezifische Potenzkurve. (…) Im Verlaufe dieser Arbeiten wurde auch eines Tages Benzoesäure potenziert und ihre Potenzkurve ermittelt. Die Benzoesäure wurde aus Benzoeharz hergestellt und durch Umkristallisieren gereinigt, bis die Reinheitsprobe durch den Schmelzpunkt von 121 °C erfüllt war. Die Potenzkurve hatte einen lebhaften Verlauf mit charakteristischen Maxima und Minima. Gleichzeitig wurde Benzoesäure aus der Apotheke potenziert und die Kurve ermittelt. Die gekaufte Benzoesäure war rein (Smb. 121 °C), aber aus Steinkohlenteer synthetisch hergestellt. Die Benzoesäure ist chemisch identisch mit der natürlichen Benzoesäure, gehört aber eben dem Spiegelbereich der Teerchemie an. Die Potenzkurve dieser synthetischen Benzoesäure ist nun in der Tat eine Gerade. Das bedeutet, daß die synthetische Benzoesäure in Verdünnungen nicht mehr auf die Hefe [des Versuches] wirkt. Sie tut es nur, solange sie grobstofflich ist, etwa bis zur 4. Potenz.«18


Vergleich der Potenzkurven von Benzoesäure aus Benzoeharz und synthetischer Benzoesäure aus der Apotheke (aus Zimmermann 1984).

Csallner schlussfolgert daraus, »dass synthetische Substanzen der Teerzwischenprodukte nur allopathisch wirksam sind, potenziert, das heißt homöopathisch sind sie unwirksam. Ein homöopathisches Aspirin oder Phenacetin wäre demnach ein Unding! Die Teersubstanzen werden durch den rhythmischen Prozeß des Potenzierens nicht mehr aufgelockert und aufgelöst. Sie sind aus allen Rhythmen zwischen Kosmos und Erde herausgefallen und antworten infolgedessen nicht mehr, wenn man sie durch Rhythmen anspricht.«

Hauschka kommentiert dies wie folgt: »Von dieser Warte aus gesehen, bedeuten die Substanzen der heutigen Chemotherapie etwas ganz anderes. – Hier bringt der menschliche Intellekt unausgesetzt neue Substanzen hervor, auf die der menschliche Organismus in der verschiedensten Weise reagiert. Diese Substanzen tragen Fremdwirkungen in den Organismus hinein; sie setzen sich an die Stelle der Tätigkeiten der eigenen Wesensglieder und bedeuten daher in vielen Fällen ein Ablähmen bestimmter eigener Lebensvorgänge, so daß zum Beispiel vorübergehend ein Wahrnehmen des Schmerzes verhindert wird, was aber keine wahre Heilung darstellt. Außerdem bleiben diese Substanzen als Schlacken im menschlichen Organismus und versteifen seinen Lebensleib. Es tritt allmählich eine Entfremdung des physischen Leibes gegenüber der Einwirkung seiner höheren Glieder ein, der physische Leib verselbständigt sich, und der geschulte Beobachter bemerkt eine beginnende Wesensveränderung, da den höheren Wesensgliedern der Boden entzogen wird. Alle diese Substanzen stammen aus dem Bereich des Steinkohlenteers und verwandter Sphären. Sie gehören eigentlich keinem der Naturreiche an, sondern bilden eine Sphäre, die weder zu den Naturreichen noch zum menschlichen Organismus einen unmittelbaren Bezug hat.«19

Es gibt eine wirkungsvolle Ausnahme beim Einsatz homöopathisch hergestellter Mittel aus synthetischen Grundsubstanzen, nämlich bei der Ausleitung von Antibiotika, Giften, Narkosemitteln oder Drogenrückständen sowie bei der Nikotinentgiftung. Diese Vorgehensweise kann man auch als »abgewandelte Isopathie« bezeichnen.

An die beiden Zitate möchte ich noch die folgende Überlegung anschließen. Nicht nur die Teerzwischenprodukte, sondern auch andere aus den Rhythmen herausgefallene Substanzen sind nicht mehr dynamisierbar. Hier stellen sich nun ein paar Fragen zu den Produktionsmethoden der großen Herstellerfirmen:

 Sind die Grundsubstanzen der homöopathischen Mittel auf dem Markt synthetisch oder durch chemische Umwandlung gewachsener, fertiger Stoffe hergestellt worden? Wie wurden die Mittel Kreosotum, Acidum benzoicum, Tartarus emeticus, Kalium carbonicum und andere zubereitet?

 Woher beziehen die großen Herstellerfirmen für homöopathische Mittel ihre Pflanzen? Kommen die Pflanzen aus Monokulturen neben den Autobahnen oder aus Treibhäusern; wurden diese chemisch gedüngt?

 Was ist mit den pflanzlichen Hybriden, den chemisch hergestellten ätherischen Ölen, den genmanipulierten Pflanzen?

 Was ist mit den Pflanzen, die eigentlich nicht genmanipuliert waren, aber mit den in der Nachbarschaft wachsenden genmanipulierten Pflanzen eine ungewollte Kreuzbefruchtung eingehen mussten, siehe Maisbrand, Hafer, Mutterkorn (Secale cornutum), Ginseng oder Kaffee? Sind diese nicht auch aus den Rhythmen herausgefallen und nicht mehr ansprechbar?

Seit Einführung des HAB sind unbemerkt noch weitere »vereinfachende« Maßnahmen durch die Deutsche Homöopathische Arzneibuch-Kommission beschlossen worden (und die Vorschriften zu den Urtinkturen 1a, 2a, 3a, b, c, 4a und zu der Verreibung, Vorschrift 8a, befinden sich nicht mehr explizit im Homöopathischen, sondern im Europäischen Arzneibuch):

 Viele traditionell mit Ethanol zu einer feuchten Masse verriebenen und dann ausgepressten Ausgangsstoffe werden heutzutage pauschal nur noch der alkoholischen Mazeration unterworfen (zum Beispiel bei Thuja20).

 Anstatt der klassischen Verwendung nur des Presssaftes (zum Beispiel bei Belladonna21, Dulcamara22 oder Pulsatilla23) werden pauschal die ganze Pflanze bzw. einzelne Pflanzenteile extrahiert.

 Die Zeitspannen für die verschiedenen Auszugsvarianten wurden auf rentable Mindestzeiträume standardisiert. Pflanzenansätze, die einen 40 Tage währenden philosophischen Monat, viele Monate oder bis zu einem Jahr Zeit hatten, ihre Wirkstoffe freizusetzen, erweisen sich heutzutage als unlukrativ.

 Das Ausziehen der Pflanzen mittels eines Perkolators geht zwar schneller, und man kann größere Mengen herstellen, aber das, was Zeit zum Ausziehen braucht, was nicht gezogen werden will, sondern freiwillig übergehen möchte, der »Spiritus Vitae«, die Gestalt der Pflanze, verbleibt in den Pflanzenteilen und geht gar nicht oder nur eingeschränkt in den Alkohol über.

 Bei diesem Punkt geht es um den Leitsatz der Homöopathie: »Similia similibus curantur.« Aschner hat in seiner Gesamtausgabe des Paracelsus auf die Herkunft dieses Satzes hingewiesen. Die zahlreich vorkommende Formulierung des Paracelsus »… wird Ähnliches zu Ähnlichem gegeben und Ähnliches durch Ähnliches geheilt« kommentierte Aschner mit den Worten, dass der »… bei Paracelsus häufig wiederkehrende Grundsatz ›Similia similibus curantur‹ zur Grundlage der Homöopathie geworden ist«.24

 Hier hat sich nun aber durch das amerikanische Institut der Homöopathie25 eine Umformulierung eingeschlichen. Anstatt »curantur« legte man den Modus des Verbs auf »curentur« fest. Das ergibt jedoch einen völlig anderen Sinn. »Similia similibus curantur« bedeutet sinngemäß übersetzt: »Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt.« Das ist die Wirklichkeitsform, der Indikativ Präsens. Es ist also so, dass es heilt. Hier steckt die Gewissheit aus der Erfahrung über das Wirkende dahinter, dass es so sein wird. »Similia similibus curentur« jedoch bedeutet sinngemäß übersetzt: »Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.« Das ist die Möglichkeitsform, der Konjunktiv Präsens: Es kann vielleicht so sein. Hier steckt der Ausdruck der Vermutung oder Hoffnung dahinter.

 Insgesamt wird durch diese sprachliche Umformulierung suggeriert, Homöopathie sei vielleicht doch nicht wirksam. Die Bedeutung des Originals von Hippokrates und in der Folge dann Paracelsus wird subtil so abgeändert, dass Homöopathie nur noch hoffentlich heilen wird, somit ist die »Curentur-Formulierung« eher eine Bitte, ein Glaube. Allein durch die oberflächlich betrachtet minimale Veränderung des Wortes kann der heutigen Homöopathietherapie in massiver Weise das Bewusstsein ihrer Wahrheit geraubt werden.

Homöopathische Mittel sind Gestalten der Wirklichkeit. Sie sind wirksam und kommen aus dem Wirkenden. Eine Genesung wird durch die heilkundige Vermittlung eines geistigen Prinzips bewirkt. Homöopathie ist eine Art »Mysterienmedizin« (Dr. Edward C. Whitmont). Dieses Leben bewirkende geistige Prinzip wird aber nun von Vorschriften der chemischen Pharmazie in die Verwaltung genommen, die eigentlich nur den Umgang mit chemisch-physikalischen, aus dem Leben herausgefallenen, »toten« Substanzen festsetzen können.

Regelungen und Gesetze schieben sich zwischen die Heil- sowie Bildekräfte und den Menschen. Die Menschen können die Ordnung des Himmels nicht mehr nachleben, nachahmen und in sich abbilden. (»Die Ahmung ist Abbildung eines Ähnlichen oder Gleichen.«26) Schicksal wird durch Vorschriften absorbiert.

Das alles sind Gründe, die für den Umstieg auf die Eigenproduktion der homöopathischen Mittel sprechen!

»Wer sich selbst heilt, wird ich-aktiver, lässt sich immer weniger vorschreiben, wird unbequemer, verzichtet immer mehr auf die belastenden schulmedizinischen Maßnahmen, solange die Selbsthilfe ausreicht.« 27

»Von menschen und gestirnen ungesehn, ungesprochen und ungegessen, soll der sammler sich den heiligen Kräutern nahen.« 28

Heilpflanzen woher?

Die Drogen aus Apotheken oder Drogerien stammen meistens aus teilweise chemisch gedüngten Monokulturen. Die Heilkräuter werden gegen Keime besprüht; und damit der Konsument keine Vergiftungen davonträgt, werden die toxischen Substanzen dann wiederum mit chemischen Mitteln herausgewaschen. Da die gesammelten Kräuter nach der Ernte auch vielmals maschinell und bei bis zu 70 °C zu schnell und zu heiß getrocknet der industriellen Verarbeitung ausgesetzt waren, lange Zeit lagerten und die Tinkturen oftmals schon nach ein paar Tagen abfiltriert worden sind, ist das Sammeln oder der Selbstanbau zu empfehlen.

Getrocknete Pflanzen von einem guten Kräuterladen oder kompetenten, kundigen und seriösen privaten Anbietern sind grundsätzlich vorzuziehen. Hier bestätigt der Homöopath John Henry Clarke die Empfehlung, frische Pflanzen aus jungen Trieben oder nichtgetrocknete Präparationen tierischer bzw. menschlicher Ausgangsstoffe zu verwenden, und auch Hahnemann schreibt: »Die Substanzen des Thier- und Pflanzen-Reiches sind in ihrem rohen Zustande am arzneilichsten.«29 Der getrockneten Pflanze fehlt das blühende Leben – oder nach Paracelsus: Es fehlt der »grüne Pflanzengeist«.

Gerhard Madaus hat in seinem Werk unterschiedliche Versuche mit Frischpflanzen und getrockneten Pflanzen durchgeführt und kommt zu sehr interessanten Ergebnissen. So schreibt er: »In den getrockneten Drogen sind manche Inhaltsstoffe der frischen Pflanzen zum Teil völlig vernichtet, zum Teil geschädigt oder vermindert.«30 Auch die Frischpflanzentinkturen weisen einen nachlassenden Auszug verschiedener Inhaltsstoffe aus. Erst bei der Verreibung der Pflanzen mit Zucker übernimmt und konserviert der Zucker zuverlässig nahezu alle Inhaltsstoffe nicht nur in vollem Umfang, sondern auch noch über Jahrzehnte hinweg.

Die Verarbeitung von Pflanzen war schon in der Antike bekannt. Auch Paracelsus beschreibt bei der Verarbeitung der Christrose folgende Vorgehensweise: »Sie soll im Schatten in trockener Luft gut gedörrt, dann aufs kleinste gestoßen und mit wenig Zucker vermengt werden.«31


Links

Frischpflanzenauszug in Ethanol


Rechts

Frischpflanzenverreibung in Zucker

Die Blätterzeichnungen zeigen in »stark schematischer Darstellung« (Madaus) die Verluste der Inhaltsstoffe. Links ist der Frischpflanzenauszug im Ethanol, rechts die Darreichungsform der Pflanzen als Frischpflanzenverreibung in Zucker – Madaus bezeichnet es als »Teep«. Tees und Trockenpflanzen haben noch verlustreichere Auszugswerte.

Zudem kommentiert er im Hinblick auf die linke Zeichnung die Verwendung der Presssäfte im HAB, das diese Methode von Hahnemann übernommen hat: »Wird jedoch nur der frische Saft der Pflanze zur Herstellung der Tinktur angewendet, wie dies § 1 des Homöopathischen Arzneibuches vorschreibt, so gehen noch sehr viel Wirkstoffe verloren, die nicht eingezeichnet sind.«

Madaus bestätigt, was die Heilkundigen seit Jahrtausenden praktizieren, dass die gesunde frische Pflanze dem getrockneten Kraut erst einmal vorzuziehen ist. Trotzdem greift die Erfahrungsheilkunde sehr wohl auch, wenn es die Umstände erfordern, auf getrocknete Pflanzen zurück. Bei maximal 30 °C schonend getrocknete Heilkräuter sind im Winter oder wenn ein Heilmittel akut benötigt wird, trotz allem eine ideale Bevorratungsmöglichkeit.

Utensilien für die Pflanzensammlung

 Das Allerwichtigste ist ein, wenn nicht sogar ein zweiter handlicher, sehr guter Pflanzenführer. Diese sollten eventuell auch Hinweise für die weitere Verarbeitung der Pflanzen zu Tinkturen enthalten (siehe Seite 277).

 Eine kleine, sehr stabile Schaufel, eine Stofftasche, eine scharfe Schere, Arbeitshandschuhe und eine Paketschnur für die Bündelung von Pflanzen sind die Grundausrüstung. Hierzu sei noch erwähnt, dass möglichst alles mit der Hand eingesammelt werden sollte. Wenn man schon darauf achtet, dass die Pflanzen mit keinen Chemikalien oder anderen Schadstoffen in Berührung kommen, sollten sie auch möglichst wenig mit Metall oder elektrischem Strom bearbeitet werden.

 Wer die Heilpflanzen nicht nur für die Homöopathie, sondern für Salben, Tees und Tinkturen verwendet und somit größere Mengen benötigt, kann in einer Wanderkarte kennzeichnen, wo man die Pflanzen wiederfindet.

 Eine Flasche mit 30-prozentigem (m/m) Ethanol (entspricht 35-prozentigem [v/v] Ethanol), ein Wiegemesser, ein Teller, eventuell ein Mörser mit Pistill und ein paar kleine Glasfläschchen mit weiter Halsöffnung sind für die Blütensammlung erforderlich.

Auswahl des Sammelgebietes

 Der geeignete Ort ist dort, wo sich die Pflanze zu Hause fühlt. Sie ist dann in Fülle vorhanden, wirkt gesund und hat eine vielfältige Pflanzennachbarschaft. Sie sollte zum vorhandenen botanischen Milieu gehören, zum Gefüge der sie umgebenden Pflanzenwelt. Viburnum opulus zum Beispiel wächst am liebsten in Gebüschen und an Waldrändern. Er kann auf einem Schuttberg zwar vegetieren, aber seine charakteristische Eigenart und einen gesunden Pflanzengeist nicht voll entwickeln. Viele andere Pflanzen hingegen lieben karge Böden. Zu empfehlen sind auch Standorte mit nicht zu fettem, humosem Erdreich. Alte Kiesgruben oder Magerflächen bieten reiche Fundstätten. Paracelsus meinte hierzu, »dass jedes Gewächs unter seinem Einfluss an dem Ort, wo die Natur selbst es gepflanzt hat, genommen werden soll«.32

 Auch bei einer Erholungsreise ins Ausland oder einer Bergtour kann man daran denken, ein paar Tinkturengläser und Ethanol zum Sammeln und Konservieren mitzunehmen.

 Die ungeeignetsten Stellen zum Sammeln befinden sich neben Straßen (Abstand mindestens 200 Meter), Müllkippen, Orten der Massentierhaltung, Eisenbahntrassen, auf und neben Äckern sowie Industrieanlagen oder in Natur- und Landschaftsschutzgebieten.

 Wo nur wenige oder verkümmerte Pflanzen existieren, fühlen sich die Pflanzen nicht wohl und sind deshalb als Grundlage für Urtinkturen auch ungeeignet.

 Sonnenbedürftige Pflanzen sollten an sonnigen Standorten und Pflanzen, die viel Wasser benötigen, in Feuchtgebieten gesammelt werden.

 Wenn man eine spezielle Pflanze sucht, dann findet man sie oft nicht. Das ist eine vielfach bestätigte Erfahrung. Häufig findet man dann aber eine andere, nach der man auch schon lange vergeblich Ausschau gehalten hat, und die Suche ist trotzdem erfolgreich.

 Ein weiterer Erfahrungswert ist, dass man mit den Sonnenstrahlen in die Natur hineinwandern sollte. Zum einen würde man von den Strahlen in entgegengesetzter Richtung viel zu sehr geblendet, auf der anderen Seite sorgt die Sonne in unserem Rücken offenbar dafür, dass sich die Pflanzen ihr und somit uns entgegenstrecken, sie also besser sichtbar werden. Und manchmal möchte ich auch gern glauben, dass die Sonne den vorsichtigen Sammler leitet.

Auswahl und Ernte der Pflanzen

 Die Pflanzen, die Sie sammeln, sollten Sie kennen!

 Sammeln Sie nur so viel, wie Sie benötigen. Wenn man nicht die ganze Pflanze braucht, werden nur die erforderlichen Pflanzenteile abgenommen, und man lässt den Rest stehen. Pauschal gesagt ist eine ökologisch vertretbare Ernte von etwa 10 Prozent des Pflanzenbestands unschädlich. Haben Sie Wurzeln ausgegraben, verschließen Sie die Löcher wieder und achten Sie darauf, den übrigen Pflanzenbestand nicht unnötig zu zertrampeln. Raubbau gilt es auf jeden Fall zu vermeiden, denn wenn eine Pflanzengestalt erst einmal aus unserer Welt verschwunden ist, kann die ihr entsprechende Krankheit auch nicht mehr geheilt werden. (Die naturheilkundliche Erfahrung kommt ja aus der Erkenntnis, dass nur eine ganz bestimmte Pflanze beim Gesunden je nach Dosierung markante Krankheitssymptome hervorruft. Folglich kann wiederum die gleiche Pflanze nun beim Kranken mit diesen gleichen Symptomen die Krankheit heilen. Es ist also nur dann möglich, bestimmte Symptomenkomplexe zu heilen, wenn die ihnen entsprechende Pflanze verwendet wird. Obwohl es für jede ein Äquivalent gibt, hat dieses dann eine »verminderte Zuständigkeit« für das entsprechende Krankheitsbild und muss durch weitere Kräuter ergänzt werden. Statt einer Pflanze müssen dann mehrere andere Pflanzen mit einbezogen werden. Viele andere Pflanzen heilen zwar auch einen Teil der Krankheitssymptome, aber ein Rest, für den eigentlich spezifisch nur diese eine Pflanze zuständig war, bleibt eventuell ungeheilt.)

 Gesammelte Pflanzen werden in Flechtkörben, in einem stabilen Rucksack oder Stofftaschen transportiert. Plastiktaschen und -tüten sind unbedingt zu vermeiden, es entsteht ein sauerstoffloses, schwitziges Milieu – die Pflanzen verderben.

 Es sollte nicht an feuchten Tagen gesammelt und die Pflanze darf nicht gewaschen werden – außer natürlich die Wurzel. Der Morgentau sollte weggetrocknet sein. Wurzeln werden an sogenannten Wurzeltagen geerntet, am besten während des abnehmenden Monds abends, da dann die Kräfte von oben nach unten gehen.33 Auch verwendet man nur saubere, gesunde und nicht von Insekten, Vogelkot, Tierfraß oder Pilzen geschädigte Pflanzenteile.

 Sammeln Sie giftige Pflanzen und Pilze nur, wenn Sie mit ihnen umzugehen verstehen.

 Geschützte Pflanzen werden natürlich nicht gesammelt. Hier ist der Anbau im eigenen Garten oder der Kauf im Kräuterladen oder in einer spezialisierten Gärtnerei zu empfehlen.

 Die Pflanzen sollten unmittelbar vor dem Höhepunkt der Reife, zu Beginn oder während der Blütezeit eingesammelt werden. Welche Pflanzenteile zu welcher Tages- und Jahreszeit ihre heilkräftigste Wirkung entfalten, sollte man im Voraus aus pflanzlichen Fachbüchern entnommen haben.

 Da der Mond den Säftestand und somit auch den Reichtum an Wirkstoffen der Pflanzen beeinflusst, ergeben die Erfahrungen aus der traditionellen Kräuterheilkunde folgende Erntezeitpunkte: – Bei zunehmendem Mond werden oberirdische Teile geerntet. – Bei Vollmond pflückt man Blüten und Früchte. – Bei Neumond ist das Graben der Wurzeln sinnvoll. Aber auch hier bestimmen das Wetter, die Jahreszeit oder der persönliche Zeitrahmen die Ernte mit. Alles sollte undogmatisch und gelassen geschehen.

 Die Ernte oberirdischer Pflanzen und Pflanzenteile müsste bis zum Herbstäquinoktium abgeschlossen sein, also vor der Tagundnachtgleiche um den 23. September. Ab diesem Zeitpunkt werden Wurzeln gegraben.

 Geben Sie Blüten möglichst unmittelbar nach der Absammlung in Ethanol, am besten an Ort und Stelle verlesen und gequetscht.

 Pflanzen mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen – zum Beispiel Pfefferminze, Melisse oder Salbei – sind, um einen zu starken Verlust zu vermeiden, vorerst mit dem Stängel zu ernten und zum Bündel zu fassen. Erst bei der Feinlese zu Hause, unmittelbar vor der Einkonservierung, wird der Stängel dann abgetrennt.

Anbau im eigenen Garten

 Der Anbau im eigenen Garten ist besonders für giftige oder geschützte Pflanzen die beste Lösung. Wenn man bedenkt, dass nicht einmal die im Wald gesammelten Kräuter völlig schadstofffrei sind, viele wichtige Pflanzen unter Naturschutz stehen und der Beruf uns zeitlich wenig Freiraum lässt, um tagelang in der Natur umherzustreifen, ist dies eine Möglichkeit, um mit deutlich weniger Aufwand an recht gesunde Heilpflanzen zu gelangen.

 Zudem kann man die Pflanze beim Aufwachsen beobachten sowie den richtigen Zeitpunkt der Ernte in Ruhe abwarten. Darüber hinaus hat man die Möglichkeit, die Heilkräuter schon während des Gedeihens speziell zu ernähren. Weleda zum Beispiel düngt manche in der eigenen Gärtnerei wachsenden Pflanzen mit metallhaltigem Urdünger. Dieser Kompost wird mit homöopathischen Mitteln angereichert, die aus mit der Pflanze korrespondierenden Planetenmetallen bestehen. Thuja wird also mit Silber gedüngt, das dem Mond zugeordnet ist, Johanniskraut mit Gold (Sonne) oder die Brennnessel mit Eisen (Mars). Weitere Verfahren der Heilpflanzendüngung sind Silizium für Equisetum, Kupfer für Kakteen, Fetthenne oder Melisse und Quecksilber für Bryophyllum. (Letztere wurden bei einer Apotheker-Besprechung mit Steiner am 8. Februar 1923 genannt.34) In einem Zeitraum von über drei Pflanzengenerationen werden die Metalle sozusagen vegetabilisiert, also von den Pflanzen aufgenommen und dadurch wiederum potenziert. Der menschliche Körper nimmt diese Metalle dann, welche die Heilwirkung der Pflanze noch verstärken, in einem lebendigeren Zustand auf. Für diesen Bereich gilt, dass es weniger um die Pflanze selbst geht, sondern um das Metall im Pflanzenorganismus, das über den Weg durch den Kreislauf der Pflanze hindurch eine Subtilisierung erfährt. Die Pflanze wirkt als eine Art spagyrischer Helfer.

 Pflanzen, die in der freien Natur nicht gesammelt werden dürfen, wie Arnika, Wurmfarn, Hirschzunge oder Küchenschelle, können Sie zum Teil im Handel erwerben und im eigenen Garten jederzeit anpflanzen, ernten und für Tinkturen oder dann für die Homöopathie aufbereiten. Und woher bekommt man die vielen anderen, manchmal handelsunüblichen Pflanzen? Zum einen kann man sie natürlich, solange sie nicht zu den bedrohten Arten gehören, sorgfältig ausgraben und im Garten weiterhegen. Manche Pflanzen erhält man aber auch im nachbarschaftlichen Verhältnis geschenkt – vielfach weiß der Nachbar gar nicht, welch homöopathischen Schatz als Pflanze er spendet –, oder man geht auf die Suche in Gärtnereien (siehe Seite 269). Es gibt allerdings eine neuere Vorschrift der EU. Seit dem 1. Mai 201135 ist der Tausch von Saatgut unter Hobbygärtnern untersagt. Hier sollte jeder Interessierte selbst entscheiden, ob er autark bleiben bzw. werden will oder ob er die Macht der Konzerne weiter stärken möchte.


Eine Vielzahl von Pflanzen gedeiht schon auf einem Platz von etwa sechs Quadratmetern.

1 Eisenhut

2 Knoblauch

3 Herzgespann

4 Majoran

5 Arnika

6 Stiefmütterchen

7 Mönchspfeffer

8 Rainfarn

9 Schnittlauch

10 Melisse

11 Digitalis

12 Mädesüß

13 Kapuzinerkresse

14 Salbei

15 Walderdbeere

16 Fingerkraut

17 Löwenzahn

18 Eisenkraut

 Alle Pflanzen sollten mindestens ein Jahr, noch besser wären zwei Jahre, Zeit haben, sich zu akklimatisieren. Dies besonders aus dem Grund, damit die Pflanze eventuelle chemische Düngerreste der Gärtnerei abbauen und ausscheiden kann. Geduld und das Nichteingreifen pflegen und hegen die Pflanzen mehr als jedes geschäftige Unkrautzupfen drum herum. Die Vorbereitung für eine Sammlung im eigenen Garten kann Jahre dauern. Manche Pflanzen verschwinden an der zuerst gesetzten Stelle und tauchen entweder an einer anderen Stelle wieder auf oder beginnen erst nach Jahren der Unscheinbarkeit mit prächtigem Wachstum. Nicht jeder Standort im Garten lässt also die Pflanzen gedeihen, und erst wenn man sicher ist, dass die Pflanze gern im Garten wächst, sich gut verwurzelt sowie vermehrt und auch kräftig ins Kraut schießt, kann die Ernte erwogen werden. Auch merkt man erst nach einem oder zwei Jahren, ob der Boden oder die Nachbarschaftskräuter für die Pflanze überhaupt geeignet sind. Manche Pflanzen wie die Haselwurz oder der Schachtelhalm wollen überhaupt nicht anwachsen, das Veilchen gedeiht am prächtigsten gemeinsam mit Roggen, die Belladonna wird vorzüglich mit Geißklee, oder der Augentrost wiederum ist ein Halbschmarotzer, der sehr wählerisch beim Einvernehmen mit der umgebenden Pflanzenvielfalt ist. Auch scheinen Alkaloidpflanzen das Wachstum anderer Pflanzen zu hemmen. Eine wahllose Vermischung im Garten sollte also vermieden werden; denn Conium etwa vermindert das Wachstum von Weizen oder der Gartenwolfsmilch den Ertrag von Weinreben. Auf keinen Fall dürfen Heilpflanzen chemisch gedüngt werden. Die Vielfalt eines naturbelassenen Kräutergartens benötigt keinen Dünger. Besonders die sogenannten Unkräuter wie Spitzwegerich, Löwenzahn, Wegwarte sollten eher auf kargem Boden wachsen dürfen.

 Das Setzen, Ausgraben, Ernten und Verarbeiten der Pflanzen unterliegt, wie alles hier auf diesem Planeten, dem Einfluss der Gestirne. Aber über die Wahl des richtigen Zeitpunkts (am Tag oder in der Nacht, im Herbst oder im Frühjahr), die zugehörigen Pflanzenanteile und Planetenstände mit passenden Konjunktionen gibt es viele unterschiedliche Auffassungen. Paracelsus36, Steiner37 oder Maria Thun38, sie alle weichen in diesen Fragen voneinander ab. Welche Wahrheit hier die besten Früchte und Pflanzen heranwachsen lässt, lehrt wohl die Erfahrung im eigenen Garten. Im Anhang habe ich im Erntekalender (siehe Seite 259) die traditionellen Sammelzeitpunkte und die zu sammelnden Pflanzenteile tabellarisch zusammengefasst. Spezielle Sammelzeitpunkte stehen gesondert bei den jeweiligen Pflanzen (ab Seite 57).

»Ihr sollet wissen, daß jeder Stern im Himmel nichts anderes ist als ein geistig gewachsenes Kraut. Jeder Stern kann mit einem Kraut auf unserer Erde verglichen werden, und die Sterne stehen wie ein Chaos. Dies ist so zu verstehen, wie wenn ein Arzt und Destillator den Spiritus aus Wermut destilliert. Die Blätter, Wurzeln und alles, was greifbar und materiell ist, werden durch die Kunst der Scheidung davon geschieden, doch der Spiritus behält nichtsdestoweniger die Form und das Bild des Krautes, aber nur geistig, so daß sich die Blätter, Äste, Zweige und Wurzeln von Wermut geistig zeigen.« 39

Welche Herstellungsmethode?

Theophrastus von Hohenheim, auch Paracelsus genannt, begründete zwar nicht die spagyrische Heilmittelherstellung, er fasste aber am schlüssigsten und tiefgründigsten die Erkenntnisse der Natur des Hermes Trismegistos aus seinen umfassenden praktisch-alchemistischen Erkenntnissen in seinen Büchern zusammen. Paracelsus schreibt, dass Heilung nur durch solche alchemistisch hergestellten Arzneimittel geschehen kann, die in einem religiösen, philosophischen und astrologischen Verständnis über die Zusammenhänge der Welt begründet sind. Er formulierte als einer der Konsequentesten die Grundgedanken der Spagyrik mit der Trennung und Reinigung der gewachsenen Dinge in ihre Prinzipien Sal, Sulphur und Merkur hin zur Wiedervereinigung zur Medizin.

Paracelsus legte den Grundstein für die Anwendung, der von allen »zeitlichen Schlacken« befreiten Gestalt als »winziges Fünklein« zum Arcanum. In seinen Schriften wiederholte er den jahrhundertealten Grundsatz des »Similia similibus curantur«: »In keiner Weise wird eine Krankheit durch entgegengesetzte Mittel geheilt, sondern nur durch ihr ähnliche.«40 Heute hingegen richtet sich die Therapie eher an der juristischen Absicherung aus.

Die vereinfachte Form der Arzneimittelherstellung, die aus der Alchemie entstand, ist die Homöopathie. Sie steht wie gesagt ganz im Zeichen der damals beginnenden Industrialisierung. Zweckdienlichkeit, niedrige Kosten, geringer Zeitaufwand, phänomenistische Symptomenschau und der bloße Einblick in den Gemütszustand des Kranken verdrängen den geistigen und religiösen Zugang zum Urgrund einer jeden Krankheit. Aber unabhängig vom intellektuell vereinfachten Umgang mit Arznei und Patient bleibt das heilende Prinzip im homöopathischen Mittel erhalten: Der Grundgedanke durch Paracelsus kommt aus dem Schöpferischen, die Herstellung und Anwendung von Hahnemann ist phänomenistische Berechnung, aber die Wirkung wiederum geschieht durch die Gestalt aus der Schöpfung, und nur diese gibt einen Anstoß zur Heilung.

Wasser- oder Alkoholtinkturen?

Das wirkungsvollste Medium für Heilkräfte ist das Quell- oder Regenwasser. Manche Alchemisten verwendeten sogar nur Tauwasser für bestimmte Heilmittel. Wasser hat ein Erinnerungsvermögen und ist in der Lage, Frequenzmuster bzw. Wellenlängen zu übermitteln. Es ist bei 37°C in seinem Richtungsverhalten am labilsten und kann in diesem Zustand das Prinzip der Pflanzengestalt am leichtesten aufnehmen sowie weitergeben. Auf Wasserbasis hergestellte homöopathische Mittel sind besonders für Kinder und Alkoholkranke geeignet und sollten bei akuten Krankheitszuständen immer am Körper getragen werden. Zum einen wegen der dem Organismus angepassten Temperatur, und zum anderen wird der Kranke dem Mittel angenähert, er kann sich an das Heile zurückbesinnen. Der Körper und besonders die Psyche fangen an, sich nach dem homöopathischen Mittel hin auszurichten. Durch ständige Berührung des Heilmittels und Wiederholung der Gabe über unterschiedlichste Kontaktstellen – also die Haut, den Geruch, den Geist, die Zunge oder den Verdauungstrakt – wird seine Wirkung immer eigendynamischer.

Die Firma Wala rhythmisiert die wässrige Tinktur bei unterschiedlichen Temperaturen. Diese Tätigkeit wird nur von bestimmten Personen und an bestimmten Tagen und in genau definierten Monatszyklen durchgeführt. Hierzu schreibt der Homöopath P. M. Pfeiffer: »Abgesehen vom Konservator Alkohol (einem Relikt überholbarer Vergangenheit) ist in der Homöopathie das Wasser wichtigster Informationsträger. Das Wasser – homöopathisch – vermittelt unmittelbar die Information der Substanz in den organischen Wasserhaushalt eines lebenden Wesens, wobei eine weitere extreme Verdünnung stattfindet. Die Informationsübertragung ist umso effizienter, je reiner das Wasser ist, umso besser sind Transparenz und Lichtfähigkeit, das ist die lebenstragende Komponente, besonders in Organismen.«41

Dr. Hartmut Rembges lässt beiden Varianten ihren Platz: »Gegen die Annahme einer abträglichen Wirkung des Alkohols, etwa bei der Herstellung pflanzlicher Heilmittel, spricht nicht nur das Fehlen entsprechender stichhaltiger Untersuchungen, sondern auch die mit solchen Präparaten gesammelte positive Erfahrung von Generationen. Zu Zeiten der Alchemie galt der Weingeist sogar für sich allein als Medikament, und wenn man seiner damaligen Wertschätzung in der Heilkunst, die auch in der Bezeichnung Aqua Vitae zum Ausdruck kam, einen Sinn zugesteht, so liegt die Annahme nahe, daß bei vorsichtiger Dosierung die Herausforderung von Überwindungskräften im Organismus den therapeutischen Wert ausmachte. Man kann sich fragen, ob dem Alkohol dann nicht auch heute noch in diesem Sinne eine über die Hilfsfunktion hinausgehende Bedeutung zukommt. So betrachtet, muß es nicht nur an äußerlich-technischen Gründen liegen, wenn sich die Verwendung von Alkohol in vielen Dilutionen und anderen häufig verwendeten Flüssigarzneimitteln trotz aller Vorbehalte und Bemühungen um alternative Hilfsmittel und Verfahren bis heute nicht erübrigt hat. Abschließend läßt sich also sagen, daß Alkohol – genau genommen – weder im täglichen Leben völlig vermeidbar noch in wichtigen Bereichen auch der anthroposophisch orientierten Pharmazeutik entbehrlich ist. Bei Licht besehen, besteht aber kein zwingender Grund, sich damit nur widerwillig abzufinden, denn man kann die vielfältige Rolle des Alkohols in Natur und Medizin angesichts seiner altbekannten therapeutischen Potenz auch noch mit anderen Augen anschauen.«42

Clarke schreibt zur Frage nach dem passendsten Medium: »Einige behaupten, daß Essigsäure ein besseres Lösungsmittel für die natürlichen Alkaloide der Pflanzen sei als Alkohol.«43 An anderer Stelle zitiert er den Homöopathen Burnett mit den Worten, dass das Mittel Pyrogenium direkt und ohne Glycerin angefertigt werden sollte.44

Es gibt also viele Meinungen und viele verschiedene Vorgehensweisen. Ich denke, Wasser ist das beste Medium, weil es mit einer Gedächtnisfähigkeit ausgestattet ist. Das Wasser ist der Vermittler von Sternenordnungen (Rudolf Hauschka), aber auf den Alkohol kann, der besseren Konservierfähigkeit wegen, nicht verzichtet werden. Auch ist es so, dass viele Wirkstoffe nur mithilfe des Alkohols aus der Pflanze gelöst werden können. Alkohol mumifiziert zwar, aber ein Lösungsvorgang ist da, wo sich Wasser befindet, also auch im Ethanol, nie ganz abgeschlossen. Die Tinkturen reifen trotzdem weiter.

Zu klären bleibt darüber hinaus, ob ein so hoher wie im Europäischen Arzneibuch vorgeschriebener Alkohol-Prozentsatz überhaupt notwendig ist. Ab etwa 20 Prozent Alkoholgehalt ist eine Keimentwicklung nahezu nicht mehr möglich. Ein Auszug mit 40- bis 50-prozentigem Alkohol genügt also für die meisten Substanzen. Paracelsus destillierte mit normalem Wein, und Hahnemann »stellte mit einfachem Branntwein und Brunnenwasser vermutlich bessere Arzneien her, als dies heute mit destilliertem Wasser und Ethanol nach Arzneibuch möglich ist«.45

Tinkturen

Abschließend möchte ich kurz drei Herstellungsvarianten für Tinkturen vorstellen. In der ersten beschreibt Paracelsus, wie er eine seiner Extraktionen vornahm, in der zweiten steht der aufwendige Vorgang, wie die Firma Zimpel heutzutage ihre spagyrischen Urtinkturen herstellt, und als Letztes folgt ein Auszug aus dem Europäischen Arzneibuch.

Wie Quinta Essentia aus den wachsenden Dingen extrahiert wird

»Wachsende Stoffe sind Dinge, die abfallen und wieder wachsen, wie Kräuter und ihresgleichen.

Nimm die wachsenden Dinge, wohl gestoßen und behalte sie in einem Standtner [siehe Glossar]. Setze sie für vier Wochen in Pferdemist und dann destilliere sie durch ein Bad. Die Quinta Essentia tritt per Alembicum über, und der Körper bleibt am Boden. Wenn mehr Quinta Essentia am Boden bleiben sollte, lasse es noch mehr faulen und behandle es wie früher. Dann nimm das Wasser, das destilliert ist, und setze es wieder zu dem wachsenden Dinge. Lasse es per Pelicanum sechs Tage digerieren, so entsteht eine dicke Farbe. Diese scheide durch ein Bad, so geht der Körper über, während die Quinta Essentia am Boden bleibt. Diese scheide durch den retortischen Presser von den Schlacken und lasse Quintam Essentiam vier Tage digerieren. Dann sind der Geruch, der Geschmack, der Saft und die Kraft vollkommen, und eine dicke Substanz ist da.«46

Spagyrik nach Zimpel

»Spagyrik leitet sich vom griechischen span (= trennen, scheiden) und ageirein (= zusammenfügen, vereinigen) ab. Diese Trennung und Wiedervereinigung läuft während des spagyrischen Herstellungsprozesses ab. Die Herstellung der spagyrischen Urtinkturen nach [Dr. Carl-Friedrich] Zimpel [1801–1879] umfaßt die drei Schritte Gärung, Destillation und Veraschung. Frische Pflanzen, bei regional nicht verfügbaren Pflanzen auch die getrockneten Pflanzenteile, werden zerkleinert, angefeuchtet und vergoren. Die vergorene Masse, die bereits den spezifischen Duft der Essenz erkennen läßt, wird einer schonenden Wasserdampfdestillation unterworfen. Der verbleibende Rückstand wird getrocknet, verascht und die Asche in dem Destillat, soweit möglich, gelöst. Die in der Pflanze enthaltenen Mineralsalze werden dadurch Bestandteil der spagyrischen Urtinktur.

Spagyrische Urtinkturen enthalten wasserdampfflüchtige Pflanzeninhaltsstoffe und die löslichen Salze der Asche. Sie sind in der Regel farblos bis gelblich gefärbt und haben meist einen intensiven, aromatischen Geruch. Trotz der Toxizität von Ausgangspflanzen kann gewöhnlich bereits die Urtinktur zur Therapie eingesetzt werden, da die meisten giftigen Pflanzeninhaltsstoffe aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nicht ins Destillat übergehen. Durch das besondere Herstellungsverfahren wird bereits der Urtinktur ein energetisches Potential zugesprochen, so daß eine homöopathische Potenzierung nicht unbedingt erforderlich ist.«47

Tinkturen nach dem Europäischen Arzneibuch

»Tinkturen werden üblicherweise aus 1 Teil Droge und 10 Teilen Extraktionsflüssigkeit oder aus 1 Teil Droge und 5 Teilen Extraktionsflüssigkeit hergestellt. Tinkturen sind üblicherweise klar. Bei der Lagerung kann sich ein geringfügiger Niederschlag bilden, der zulässig ist, solange sich die Zusammensetzung nicht wesentlich verändert.«48

Abschließend sei nochmals bemerkt, dass in diesem Buch vorrangig die Herstellungsmethoden nach dem Homöopathischen Arzneibuch oder dem Europäischen Arzneibuch besprochen werden. Das wiederum versteht sich aber nur als »roter Faden«. Selbstverständlich können in die individuellen Herstellungsmethoden des Einzelnen auch spagyrische Aufbereitungen nach Paracelsus oder der Anthroposophie mit einfließen. Dem Privatmann steht es frei, die persönlichen Arzneimittel so herzustellen, wie sie ihm am wirksamsten erscheinen. Hier gibt es Entwicklungsmöglichkeiten und somit Heilungschancen, die noch nicht bürokratisch absorbiert werden konnten.

Es sei daran gedacht, dass bei der Herstellung der Urtinktur nicht nur die im HAB vorgeschriebenen, sondern speziell auf Krankheit und Therapie bezogene Pflanzenteile verwendet werden. Oder dass ein Auszugsprozess ja auch über ein ganzes Jahr stattfinden kann, also ein ganzer astrologischer Tierkreis durchlaufen wird. Bei der Firma Ceres reifen die abgepressten Urtinkturen sogar zwei bis drei Jahre. »Während dieser Reifung entwickeln die Tinkturen ihre volle Heilkraft.«49

»Soll eine Veränderung möglichst in die Tiefe gehen, so gebe man das Mittel in den kleinsten Dosen, aber unablässig auf weite Zeitstrecken hin!« 50

Das Herstellen von Urtinkturen für homöopathische Mittel

Hahnemann beschreibt folgende Vorgehensweise bei der Erstellung seiner Urtinkturen: »Obwohl gleiche Theile Weingeist und frisch ausgepreßter Saft gewöhnlich das angemessenste Verhältnis bilden, um die Absetzung des Faser- und Eiweiß-Stoffes zu bewirken, so hat man doch für Pflanzen, welche viel zähen Schleim (zum Beispiel Beinwellwurzel, Freisam-Veilchen usw.) oder ein Übermaß an Eiweißstoff enthalten (zum Beispiel Hundsdill-Gleiß, Schwarz-Nachtschatten usw.), gemeiniglich ein doppeltes Verhältniß an Weingeist zu dieser Absicht nöthig. Die sehr saftlosen, wie Oleander, Buchs und Eibenbaum, Porst, Sadebaum usw., müssen zuerst für sich zu einer feuchten, feinen Masse gestoßen, dann aber mit einer doppelten Menge Weingeist zusammengeführt werden, damit sich mit letzterm der Saft vereinige, und so ausgezogen, durchpreßt werden könne; man kann letztere aber auch getrocknet, (wenn man gehörige Kraft beim Reiben in der Reibeschale verwendet) zur millionenfachen Pulver-Verreibung mit Milchzucker bringen, und dann nach Auflösung eines Grans davon, die fernern flüssigen Dynamisationen verfertigen (s. § 271).«51

Im Folgenden wird nun die einfachste Form der Herstellung homöopathischer Urtinkturen beschrieben. Wie gesagt – Quellwasser ist sicher der natürlichste Träger für die Bildekräfte der Pflanzen. Im Alltagsleben ist es aber nahezu unmöglich, unentwegt zu einer stillen, radiästhetisch rechtsdrehenden Quelle zu wandern. Außerdem werden inzwischen immer mehr der regionalen Quellen durch Vertreter diverser esoterischer Gruppierungen »besetzt« und von irgendwelchen Personen »besungen«. Auch Chemikalien oder Bakterien haben schon viele Quellen zum Umkippen gebracht. Nur die Firma Wala hat es bisher zustande gebracht, Wasser so zu rhythmisieren, dass es sogar über viele Jahre hinweg nicht umkippt und verjaucht. Somit ist das zweckmäßigste Medium für die eigene Mittelherstellung im privaten Rahmen der Ethanolalkohol.

»Ethanol wird inzwischen hauptsächlich durch Gärung aus Biomasse gewonnen, man kann es aber auch durch rein chemische Synthese aus Wasser und Ethen unter Zugabe von Schwefelsäure als Katalysator herstellen, auf welche Weise es lange Zeit im 20. Jahrhundert aus Erdöl hergestellt wurde.«52 Wenn man es also genau nimmt, ist das handelsübliche Ethanol aus der Apotheke mit den Informationen einer unbekannten Biomasse besetzt. Und was da verwendet wird, kann informationsmäßig – chemisch, elektromagnetisch oder gentechnisch – hochgradig verseucht sein. Hierzu schreibt Peter Hochmeier: »Kein ernsthaft arbeitender Spagyriker wird zur Herstellung von ›Heilmitteln‹ auf zweifelhafte Flüssigkeiten zurückgreifen, die bloß durch ein Etikett als ›Weingeist‹ ausgezeichnet werden, in Wahrheit aber nie mit echtem Wein in Berührung gekommen sind.«53


Radiästhetische Prüfung des Quellwassers.

Industrie-Ethanol, ein hochprozentiger Wein aus dem Bio-Markt oder nur destilliertes Wasser – keine dieser Flüssigkeiten ist wirklich informationsfrei. Es gibt keinen absolut neutralen Informationsträger. Also ist es auch nicht schädlicher, wenn man zur Streckung bzw. zur ersten Konservierung Grappa oder einen regionalen Kartoffelschnaps verwendet. Biologisch hergestellte Ware sollte natürlich schon bevorzugt werden. Hildegard von Bingen (1098–1179) und Paracelsus verwendeten Branntwein, der aus Wein hergestellt wird, und auch heute verwendet Soluna für ihre Präparate nur den Weingeist, der aus Burgunderwein hochdestilliert wurde.

Die gesamte Verarbeitung sollte so einfach und natürlich wie möglich, also in Handarbeit ohne elektrische Geräte (Erhitzen, Zerkleinern, Pressen und so weiter), Kontakt mit Metall und Ähnlichem geschehen. Durch eine möglichst schonende Verarbeitung der Pflanze wird ihre Eiweißstruktur nicht denaturiert, und sie bleibt in ihrer wirksamen Gestalt erhalten. Das Wesen und die Eigenart der Pflanze, ihr Astrum – also ihr astrologisches Prinzip –, kann hierdurch im noch lebendigen Zustand in ein neutrales Medium überführt werden. Man scheidet den Geist der Pflanze von seiner Hülle.

Um Urtinkturen herzustellen, gibt es wie gesagt viele Vorgehensweisen. Man kann spagyrisch oder anthroposophisch, schamanisch oder magisch, nach Hahnemann oder Paracelsus vorgehen oder auch ganz einfach mit einem Kräuterbuch anfangen und auf eigene Art Tinkturen zubereiten. Wichtig ist, das heilende Prinzip der Pflanze nicht zu zerstören und stimmig zu potenzieren. Man kann sich ja bei der Erstellung der Mittel für den privaten Bereich einen eigenen Stil erarbeiten, der sollte auch beibehalten werden, braucht dabei aber weitere Entwicklungen und Erfahrungen nicht auszuschließen.

Sind also die Pflanzen sauber und alle Insekten entfernt, auch die welken und kranken Teile, dann geht es ans Zerkleinern. Auch hier ist wie immer darauf zu achten, dass die Pflanzen so selten wie möglich mit Metall in Kontakt kommen. Nun ist das in diesem Fall sehr schwierig. Eine andere Möglichkeit, als mit dem Wiegemesser oder einem Fleischwolf Pflanzen zu zerkleinern, scheint es nicht zu geben.

Wie aber kommt man zum Beispiel an den Saft von Belladonna? Sicherlich gibt es Keramikmesser, -reiben oder mechanische Steinmühlen, aber ob der Aufwand – finanziell oder hygienisch – hierfür durch das Ergebnis gerechtfertigt wird, ist eine individuelle Entscheidung. Und wer eine Steinmühle nach jedem Gebrauch komplett zerlegen und alle mit dem Saft oder den Pflanzenteilen in Berührung gekommenen Teile abkochen muss, weiß, wie aufwendig so etwas ist.


Zum Zerkleinern und Aufschließen des Pflanzenguts genügt bereits ein einfacher Tonmörser mit Holzpistill.

Als vorzügliche Alternative für die Aufschließung der Pflanzen eignet sich ein Tonmörser mit Holzpistill. Die Zellstrukturen werden aufgebrochen und nicht durch Metall zerstört. Der körperliche Aufwand ist zwar höher, aber je mehr natürliche Kraft für die Öffnung der Pflanzen aufgewendet wird, desto umfangreicher wird ihre eigentümliche Kraft frei.

Schon hier beginnt die unterscheidende feine Heilmittelherstellung. Man kann also die Pflanzen in einem Tonmörser aufschließen, tierische oder menschliche Produkte in einem Porzellanmörser, Kalke oder überhaupt alle Mineralien und Edelsteine in einem Granitmörser, und wenn man noch die Signatur der Planetenbeziehung subtil hervorholen möchte, dann verreibt man Brennnessel, Kardamom oder Senf – als Beispiel für das Prinzip Mars – in einem Eisenmörser. Nebenbei bitte ich trotzdem immer sorgfältig abzuwägen, ob es unbedingt notwendig ist, ein Tier zu töten. Man muss grundsätzlich die Tierschutzgesetze beachten und sollte zuvor immer abwägen, ob ein pflanzliches oder mineralisches Präparat nicht eine vergleichbare Hilfestellung leisten kann.

Die Wirkung eines Mittels richtet sich hauptsächlich danach, dass man fachmännisch so weit wie möglich korrekt und sauber arbeitet, gedanklich sollte man dabei aber nicht dogmatisch und verbissen sein. Sicherlich ist es wichtig, dass keine Insekten und dergleichen mitverarbeitet werden, dass die Hände und der Arbeitsplatz sauber sind, keine offenen ätherischen Öle bzw. chemischen Putzmittel mit im Raum stehen, und die verschiedenen Füllmengen und Verhältnisse müssen stimmen. Schlampigkeit ist nicht erlaubt, die gewählte Herstellungsmethode sollte man so gut wie möglich einhalten – das Ganze soll aber kein Erbsenzählwerk werden. Ein technisches Korsett für die Verarbeitung und Mittelgabe, das somit nur die Form regelt, aber dem Inhalt, dem Gestalthaften, nicht gerecht wird, erstickt das Lebendige – in den Tinkturen sowie in der Therapie.

Man darf sich immer fragen, wie viel Menschlichkeit und Güte in einem Heilmittel stecken: Will man ein Medikament strikt im Geiste des Europäischen Arzneibuchs herstellen oder Heilkunst betreiben? Das Quantum satis – »So viel als nötig« – gilt nicht nur für die Mengenangabe des zu verwendenden Stoffes, sondern ist auch bei der Geisteshaltung des Herstellers zu suchen, der den rechten Umgang mit den Dingen der Natur pflegt – der dies überhaupt als künstlerisch-initiatorisches Kriterium für ein Heilmittel voraussetzt. Nur die Mächtigkeit einer heilen Gestalt kann erkranktes Leben heilen – durch ihre zeugende Fähigkeit Leben orientieren. Die jeweiligen Gestalten der Pflanzen wesen in den Tinkturen weiter, und sie wesen in dem Maße und so kräftig weiter, wie man sie nicht durch wesenheitsabtötende Bearbeitungsrichtlinien vertreibt.

»Die Bereitung der Arznei soll also in der Weise erfolgen, dass die vier Corpora [siehe Glossar] von den Arcana genommen werden, und dann soll man wissen, welches Astrum in diesem Arcanum, welches das Astrum der betreffenden Krankheit ist und welches Astrum es in der Arznei wider die Krankheit gibt.«54

Eine Essentia wird frei durch Läutern, aber nicht durch brutales Sterilisieren der Ausgangssubstanz mittels Erhitzen auf 121°C oder durch das selektive Herausbrechen von Einzelstoffen aus seinem Wirkstoffgefüge mit 90-prozentigem Ethanol. Je mehr man daran herumdoktert und raffiniertere technische Verfahren anwendet, die Pflanzenmoleküle gezielt auszusondern, um spezielle chemische Gruppen zu isolieren, desto amorpher wird dann die Urtinktur. Ihr fehlt die Quinta Essentia. Das Wichtigste in der Tinktur ist nicht die erreichte Höhe der gewünschten chemisch nachweisbaren Bestandteile, sondern dass das heilende religiöse Pflanzenprinzip in seiner Ganzheit so unverletzt wie möglich in die Erscheinungsform der Trägersubstanz Wasser, Zucker oder Alkohol, übergeht. Die Heilkraft in solcherart selbsthergestellten Tinkturen ist allen Industrieprodukten überlegen.

Das Ansetzen der Urtinkturen sollte bei frischen Pflanzen zügig geschehen, am besten noch während derselben Tageshälfte des Pflückens. Manche Pflanzen welken sehr schnell, somit verweht auch rasch der Pflanzengeist. Ziel ist es aber, das Prinzip der Pflanze, ihre Gestalt, in lebendiger Verfassung in ein Medium zu überführen. Entweder man mörsert sie sofort, oder man zerschneidet sie auf einem Teller, Holzbrett (Holzbretter sind unbedenklich, siehe hierzu auch die Erläuterung auf Seite 237), Keramikteller oder einer Glasplatte so klein wie möglich. Danach werden die kleinen Pflanzenstücke im Mörser nochmals bearbeitet und zu Brei gequetscht. Hierdurch wird die Zellmembran geöffnet, die Pflanze wird sozusagen aufgeschlossen, und der Übertritt des Pflanzenprinzips hinein in die Lösung durch Vergrößerung der Pflanzenoberfläche, der Grenzstrecke zwischen Pflanze und Medium, wird erleichtert.

Nun füllt man den Pflanzenbrei locker in ein sauberes Konservierungsglas. Die zerkleinerten Pflanzenteile werden mit einem Glasstab noch etwas nachgestopft, um eventuelle Luftbläschen aufzutreiben. Hier ist es dann sinnvoll, mit durchsichtigen Gläsern zu arbeiten. Während der Auszugszeit können die Tinkturen beobachtet und der Farbton betrachtet werden. Ich empfehle die handelsüblichen Einweckgläser. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich und gut zu reinigen. Selbstverständlich können auch ausrangierte Marmeladenoder Gurkengläser benutzt werden. In diesem Fall ist es empfehlenswert, zwischen Deckel und Füllgut eine kleine zurechtgeschnittene Plastikfolie zu legen. Die einmal gebrauchten Deckel dieser Gläser werden nämlich nie wieder richtig sauber.

Nach der Abfiltrierung wird die fertige Urtinktur in Braungläsern an einem dunklen, kühlen Ort verwahrt. Frische Pflanzenteile füllen das Glas fast vollständig, getrocknete nur etwa zu drei Vierteln. (Achtung bei getrockneten Pflanzenteilen: Viele Wirkstoffe zerfallen beim Trocknungsvorgang oder erhalten sich nur bei schonendster Trocknung, zum Beispiel die ätherischen Öle im Rosmarin, die Bitterstoffe des Wegerichs oder das Saponin in der Vogelmiere. Solche Pflanzen werden auf keinen Fall getrocknet, sondern gleich als Urtinktur angesetzt.)

Der Rest des Glases wird mit Ethanol unbedingt bis zum Glasrand aufgefüllt. Wenn man sich vorgenommen hat, Urtinkturen nur für homöopathische Mittel zu erstellen, dann reichen kleine Mengen. Wer Tinkturen, Salben und so weiter herstellen möchte, wird selbstverständlich größere Mengen ansetzen. 50- bis 100-ml-Gäser genügen als Grundlage für die Homöopathie vollauf. Nach dem Abfiltern ergibt das dann zwischen 30 und 80 ml Urtinktur. Diese ist ausreichend für die nächsten fünfzig Jahre. Die Gläser werden mit dem Pflanzennamen, den verwendeten Pflanzenteilen, dem Fundort, dem Datum und dem Ethanolgehalt beschriftet. Auch sollte eine eventuelle Giftigkeit vermerkt sein und ob die Ernte vor, während oder nach der Blüte erfolgte. Die Gläser bleiben nun mindestens 4 bis 6 Wochen – einen philosophischen Monat also, lieber länger – in einem trockenen, dunklen und nicht zu kühlen Raum stehen. Zwischendurch wird immer wieder einmal das Glas geschüttelt und umgedreht hingestellt.

Die Vorgehensweise ist vor allem für die Pflanzenauswahl in diesem Buch geeignet. Daneben gibt es andere Pflanzen oder Substanzen, die ausgeglüht (Rotbuche), destilliert (Buchenholz) oder wie die Austernschale gleich mit Milchzucker verrieben werden (siehe Seite 231).


Eine eindeutige Beschriftung der Gläser schützt vor Verwechslungen.

Max Amann hat über die Höhe des zu verwendenden Ethanolgehalts anhand seiner vierzigjährigen Erfahrung mit der Tinkturenherstellung eine Tabelle über die »Löslichkeit von Wirkstoffen in Ethanol« zusammengestellt, die er in seinen Seminaren vermittelt.55 Darin wird anschaulich, welche Wirkstoffe hauptsächlich wasserlöslich sind und welche eher durch Ethanol herausgelöst werden. (Eine detaillierte Übersicht der biochemischen Wirkstoffe der Pflanzen befindet sich auf Seite 263ff.)

Löslichkeit von Wirkstoffen in Ethanol


Bei der Extraktion ist es wichtig, dass sowohl wasser- als auch alkohollösliche Stoffe ausgezogen werden. Ein hoher Ethanolgehalt lässt aber hauptsächlich nur die ätherischen Öle und ein niedriger Ethanolgehalt vor allem die wasserlöslichen Verbindungen wie Schleime oder Saponine in Lösung gehen. Hier scheint ein Kompromiss manchmal schwierig zu sein.

Es können also von einer Pflanze parallel mehrere Tinkturen mit unterschiedlichem Ethanolgehalt angesetzt werden. Somit befinden sich in der einen Tinktur eher die ätherischen Öle und in der anderen überwiegend die Saponine aus der gleichen Pflanze. Beide Fraktionen schüttet man zusammen und verarbeitet sie gemeinsam weiter (Formel siehe Seite 227). Beim teuren Ginseng empfiehlt es sich, im Anschluss an die erste Mazeration noch einen zweiten oder sogar dritten Auszug zur gründlicheren Erschöpfung des Ausgangsmaterials vorzunehmen.

Auch ist es manchmal überlegenswert, von einer Pflanze die Wurzel im Frühjahr und von einer anderen Pflanze der gleichen Art die Wurzel im Herbst zu sammeln. Die Wurzel vom Löwenzahn zum Beispiel (Ähnliches gilt auch für den Beinwell) enthält im Frühjahr mehr Taraxerin (das hat eher einen Bezug zur Leber), und im Herbst ist der Inulingehalt höher (Inulin pflegt die Milz). Nach der Auszugszeit werden auch hier beide Wurzelextrakte zu einer Tinktur vereinigt.

Alkohol

Welcher Alkohol wird verwendet? Für allgemeine Pflanzentinkturen kann man sich an das Deutsche oder das Europäische Arzneibuch halten und mischt in den meisten Fällen pauschal 5 oder 10 Teile Ethanol mit dem dort angegeben Prozentsatz und 1 Teil frische Pflanze im Verhältnis 1 : 5 oder 1 : 10, je nach Giftigkeit der Pflanze. Paracelsus arbeitete alchemistisch und verwendete wahrscheinlich hauptsächlich 40- bis 50-prozentigen Weingeist. In Heilpflanzenbüchern wie denen des Apothekers Pahlow,56 Maria Trebens,57 Andrew Chevalliers58 oder anderer steht, dass für Tinkturen pauschal 70- bzw. 25- bis 30-prozentiger Alkohol verwendet wird.

Für die Zubereitung der Urtinkturen in diesem Buch habe ich mich an den »roten Faden« des Europäischen Arzneibuchs, 7. Ausgabe, 2. Nachtrag gehalten. Dort gibt es spezielle Herstellungsvorschriften für Urtinkturen, Salben und Tabletten. Die gebräuchlichsten für die hier verwendeten Pflanzen sind in den Einzeldarstellungen (ab Seite 57) aufgeführt und im Anhang (siehe Seite 251) noch einmal zusammengestellt.

Um im richtigen Moment den Alkohol mit dem benötigten Prozentgehalt auch parat zu haben, ist es sinnvoll, schon vor der Pflanzensammlung 3 oder 4 verschiedene Alkohol-Wasser-Mischungen vorzubereiten.

Der Ethanolalkohol, den man in der Apotheke erhält, wird immer mit (v/v), also in Volumenprozent angegeben. Um verschiedene Ethanolstufen durch Mischen des gekauften Ethanols mit destilliertem Wasser herzustellen, wird das Volumenprozent (v/v) in Masseprozent (m/m) umgerechnet. Ethanol und Wasser haben dann die gleiche Maßeinheit. Die entsprechenden Prozente sind in der Ethanoltabelle aufgelistet.

Auszug aus der Ethanoltabelle des Deutschen Arzneibuchs


Ethanol 96 % (v/v)=93,0 % (m/m) – für ätherische Öle
Ethanol 94,7 % (v/v)=92,0 % (m/m)
Ethanol 90 % (v/v)=85,6 % (m/m) – für organische Substanzen, harte Samen und Harze
Ethanol 80 % (v/v)=73,4 % (m/m)
Ethanol 77 % (v/v)=70,0 % (m/m)
Ethanol 70 % (v/v)=62,4 % (m/m) – für härtere Blätter, Rinden oder Wurzeln
Ethanol 67,8 % (v/v)=60,0 % (m/m)
Ethanol 52,8 % (v/v)=45,0 % (m/m)
Ethanol 50,6 % (v/v)=43,0 % (m/m) – ist die gebräuchlichste Dilutionsgrundlage
Ethanol 36,3 % (v/v)=30,1 % (m/m) – für Blüten und weiche Blätter
Ethanol 30,5 % (v/v)=25,0 % (m/m) – ist die gebräuchlichste Reihenpotenzierungsgrundlage
Ethanol 18,6 % (v/v)=15,0 % (m/m)

Die Bereitstellung dieser Alkoholgemische wird pauschal nach der folgend beschriebenen Kreuzregel vorgenommen. Als Grundlage kann 70- oder 90-prozentiges Ethanol (v/v) aus der Apotheke und zum Verdünnen destilliertes Wasser verwendet werden. Als Alternative bietet sich auch die Möglichkeit der eigenen Alkohol- und Wasserdestillation an.

Für den gewünschten Alkohol kann ein guter ökologischer Rotwein hochdestilliert werden oder auch ein Grappa aus dem Handel. Dieser wird entweder pur verwendet oder zuerst gereinigt. Das heißt, das »schlechte« destillierte Wasser wird mit einer Destillation vom puren Alkohol wegdestilliert. Man hat dann in etwa 73-prozentigen Alkohol aus dem Grappa. Diesen kann man dann wieder mit »gutem« selbst hergestelltem destilliertem Wasser vermengen, um den gewünschten Ethanolgehalt für die weitere Verwendung zu erhalten.

Um destilliertes Wasser herzustellen, wird Regenwasser gesammelt, das an sich schon nahezu mineralfrei ist, und noch einmal destilliert. Auch hier gilt, dass – wegen der Luftverschmutzung – nicht das Regenwasser der ersten Stunde zu verwenden ist, sondern erst danach in Keramik- oder Glasbehältern aufgefangen wird.


Das Destillieren des Quellwassers erhöht die Qualität.

Kreuzregel

Herstellung von 30-prozentigem (m/m) Ethanol für Blüten und weiche Blätter

Wie viele Teile destilliertes Wasser gebe ich zu wie vielen Teilen 70-prozentigem (v/v) Ethanol (= 62 Prozent [m/m]) hinzu, um 30-prozentiges (m/m) Ethanol zu erhalten?


Ergebnis:


Wenn ich 30 Teile eines 62-prozentigen Ethanols (m/m) mit 32 Teilen destilliertem Wasser mische, erhalte ich 62 Teile eines 30-prozentigen Ethanols (m/m). Oder in ml ausgedrückt: Wenn ich 30 ml des 70-prozentigen (v/v) Ethanols (= 62 Prozent [m/m]) mit 32 ml destilliertem Wasser mische, erhalte ich insgesamt 62 ml des 50,6-prozentigen (v/v) Ethanols (= 43 Prozent [m/m]).

Herstellung von 62-prozentigem (m/m) Ethanol für härtere Blätter, Rinden oder Wurzeln

Wie viele Teile destilliertes Wasser gebe ich zu wie vielen Teilen 90-prozentigem (v/v) Ethanol (= 86 Prozent [m/m]) hinzu, um 62-prozentiges (m/m) Ethanol zu erhalten?


Ergebnis:


Wenn ich 62 Teile eines 86-prozentigen Ethanols (m/m) mit 24 Teilen destilliertem Wasser mische, erhalte ich 86 Teile eines 62-prozentigen Ethanols (m/m). Oder in ml ausgedrückt: Wenn ich 62 ml des 90-prozentigen (v/v) Ethanols (= 86 Prozent [m/m]) mit 24 ml destilliertem Wasser mische, erhalte ich insgesamt 86 ml des 70-prozentigen (v/v) Ethanols (= 62 Prozent [m/m]).

90-prozentiges (v/v) Ethanol

Das 90-prozentige (v/v) Ethanol entspricht 86 Prozent (m/m) und ist so verwendbar, wie es gekauft wird. Mit ihm als Grundlage können niedrigere Ethanolstufen angemischt werden. Man benötigt es recht selten. Es kann selbstverständlich jederzeit als Ausgangsethanol ein anderer Prozentgehalt verwendet werden. Man muss nur die gewünschten Werte an die richtige Stelle in die Kreuzregel einsetzen.

Umrechnungstabelle


Beispiel: Gesucht ist ein Zielethanol von 43 Prozent (m/m) aus einem Ausgangsethanol von 62 Prozent (m/m).


Ergebnis: 43 Teile eines 62-prozentigen (m/m) Ethanols, vermischt mit 19 Teilen destillierten Wassers, ergeben 62 Teile eines 43-prozentigen (m/m) Ethanols.

»Was ist Höheres an einem Arzt als das Wissen um die Übereinstimmung der Astra? Denn da liegt der Grund aller Krankheiten.« 60

Eine Auswahl wichtiger Heilpflanzen

Der Einfachheit halber habe ich bei dem folgenden kleinen Spektrum wichtiger Pflanzen »für den Hausgebrauch« darauf geachtet, dass die meisten in etwa auf die gleiche Art wie im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) beschrieben verarbeitet werden. Weiterführende Literatur ist aber trotzdem zu empfehlen. Wahrscheinlich werden Sie dort je nach aktuellem Stand oder ideologischer Orientierung andere Empfehlungen finden. Mit geht es hier jedoch in der Hauptsache um ein schlüssiges Verständnis für die Herstellung homöopathischer Mittel nach pragmatischen Gesichtspunkten.

Auch halte ich es für wichtig, Paracelsus zu folgen. Der empfiehlt erwartungsgemäß zuerst einmal, einheimische Pflanzen und nicht sofort exotische zu verwenden, obwohl er Letzteres nicht ausdrücklich ablehnt, ganz im Gegenteil. Wer seinen Mittelschatz erweitern möchte, sollte auf keinen Fall auf Pflanzen und mineralische Substanzen aus anderen Gegenden verzichten.

Wollen Sie homöopathische Mittel exakt nach dem Ph. Eur. herstellen, besorgen Sie sich am besten die dazugehörigen Handbücher (siehe Seite 277). Für diejenigen, die homöopathische Mittel nur für den privaten Gebrauch herstellen, ist das Homöopathische oder Europäische Arzneibuch allerdings nicht ausschlaggebend. Jeder kann sich die Urtinkturen und Potenzen nach seiner Erfahrung und Intuition zusammenstellen, solange er nicht gegen die gültige Rechtsprechung verstößt. Das HAB und das Ph. Eur. richten sich hauptsächlich nach der reproduzierbaren Norm sowie einer sogenannten höchstmöglichen Sicherheit.

Manchmal kommt es vor, dass die verschiedenen Hersteller homöopathischer Mittel nicht die gleichen Pflanzenteile verwenden. Hahnemann nahm andere als Paracelsus, Wala und Weleda verarbeiten von einer Pflanze unterschiedliche Teile für die Urtinktur sowie für verschiedene Heilverfahren, und das Ph. Eur. schreibt bei der Herstellung der Urtinkturen andere Mischungsverhältnisse vor bzw. verwendet oftmals ganz andere Pflanzenteile als Hahnemann (zum Beispiel bei Belladonna). Auch die deutschen und englischen Zubereitungen weichen voneinander ab. Es ist ebenso zu berücksichtigen, dass die ersten homöopathischen Arzneimittelbilder sehr oft durch Erfahrungen mit Tinkturen entstanden sind, die aus getrockneten Pflanzenteilen hergestellt wurden. Es ist also nicht immer sinnvoll, homöopathische Mittel ausschließlich aus Frischpflanzen herzustellen, zumal sich manche Wirkstoffe erst nach der Trocknung der Pflanze entwickeln. Manchmal ist es somit notwendig, die Mittel aus getrockneten sowie frischen Pflanzen gleichzeitig herzustellen. Ich habe in diesem Fall bei den betreffenden Pflanzen einen Hinweis gegeben.

Die folgende Auswahl der Heilpflanzen ist nur als Anregung gedacht und beschreibt traditionell bzw. aktuell verwendete Pflanzen sowie Pflanzenteile und Verarbeitungsmethoden. Für den Anfang kann man sich erst einmal an den »roten Faden«, das Ph. Eur., halten und erarbeitet sich dann je nach Pflanzenverfügbarkeit, Signatur, Jahreszeit, Erfahrung, Therapie, Elementelehre oder astrologischer Zuordnung seinen eigenen Stil.

Auch bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts für das Graben der Wurzeln gehen die Meinungen auseinander. Die gängige Meinung ist, die Wurzeln im Frühjahr oder im Herbst aus der Erde zu holen. Ich denke, sollte es sich nicht um einen Spezialfall handeln (zum Beispiel die Mistelwurzel), wird die der Genesung förderlichste Kraft der Pflanzen im Herbst am stärksten sein: Die Wurzel ist reif, alle Inhaltsstoffe stehen auf dem Höhepunkt ihrer Wirkfähigkeit.

Geht man davon aus, dass es das Prinzip einer Pflanze ist, das die Heilung einleitet, dann müsste für eine Urtinktur eigentlich nur eine einzige, gesunde Pflanze genügen.

Über die Konzentration des Pflanzenauszugs schreibt Roger Kalbermatten: »Die Urtinkturen unterscheiden sich von gewöhnlichen Tinkturen in zwei Punkten: Erstens werden Urtinkturen meistens aus frischen Pflanzen hergestellt (Tinkturen aus getrockneten), und zweitens sind aufgrund eines verdünnteren Ansatzverhältnisses die Wirkstoffe in den Urtinkturen nur halb so konzentriert. Diese Unterschiede haben zur Folge, daß die Wirkstoffe in den Urtinkturen noch stärker gelöst sind als in den Tinkturen. Denn der Trocknungsprozeß, den die Arzneipflanze vor der Herstellung einer gewöhnlichen Tinktur durchschritten hat, ist das Gegenteil einer Lösung, es ist ein Verdichtungs-, ein Konzentrierungsprozeß. Der Weg zur Urtinktur geht nicht über diesen Verdichtungsprozeß der Trocknung, weshalb ihre Wirkstoffe stärker gelöst sind. Dadurch wird noch mehr Raum für die Information geschaffen, was sich darin bestätigt, daß Urtinkturen nur etwa in der halben Dosis eingenommen werden müssen.«61

Der Gehalt einer Lösung an gelöstem Stoff scheint also auch noch eine Rolle zu spielen. Die Allopathie versucht, eine Reaktion im Organismus mit hochkonzentrierten Dosen auszulösen, das homöopathische Mittel aber orientiert das Bewusstsein, was dann automatisch zu einer Wiederbelebung der betroffenen Organeinschränkung führt. Beides wird in der Heilkunde benötigt.

Die Allopathie spricht das Organ direkt an, aktiviert unter anderem sozusagen die Eigenmotorik des Organs. Die Homöopathie wiederum, und besonders natürlich die Spagyrik, wirken wie ein heilendes Vorbild für »verquälte« Bewusstseinsprozesse – die ja eigentlich erst zur organischen Fehlleistung geführt haben. Man behandelt bzw. belebt und orientiert das »entgleiste« Organ sozusagen von zwei Seiten – einmal das Organ selbst und dann dasjenige, das für das Körperteil zuständig ist: das Astrum. Ein Kompositum aus Pflanzentinktur und homöopathischem Mittel stellt somit in vielen Fällen einen unverzichtbaren Synergismus dar.

Für die Homöopathie ist nicht unbedingt der hochkonzentrierte Pflanzenauszug wichtig, sondern einerseits, dass die Gestalt der Pflanze unverletzt in das Medium übergegangen ist, und andererseits, dass potenziert wurde. Deshalb genügen tatsächlich nur ein paar qualitativ hochwertige frische Pflanzen oder Pflanzenanteile für den Auszug.

Die Homöopathie versöhnt den isolierten Menschen wieder mit seinem Firmament. Es ist auch nicht ein sogenannter Reiz, der hier gesetzt wird, sondern Homöopathie ist eine Art Handreichung, ein Wegweiser, der in der Situation der gesundheitlichen Ausweglosigkeit auf den eigenen Weg zurückführt. Der Einzelne erhält wieder eine himmlische Orientierung und Führung, oft so sanft, dass es fast nicht zu bemerken ist. Das richtige homöopathische Mittel, sprich die entsprechende Pflanzengestalt, und dann die passende Potenz, beide gemeinsam leiten erst die Gesundung ein.

Auch wissenschaftlich ist die Notwendigkeit zweier sich ergänzender Faktoren von Ross Adey bestätigt worden. Peter Schumacher zitiert den Biophysiker Wolfgang Ludwig, den Entwickler der Magnetfeldtherapie, der über Adey schreibt: »Der amerikanische Physiker R. Adey entdeckte bei Versuchen an Hirnzellen von Küken, daß diese einerseits nur auf eine bestimmte Frequenz (ca. 10 Hz) selektiv ansprechen, gleichzeitig muß aber auch die Intensität in einem ganz bestimmten (ultraschwachen) Bereich liegen. Unterhalb dieses Intensitätsbereiches und darüber sind keine Reaktionen mehr registrierbar. Für diesen begrenzten Bereich der Ansprechbarkeit eines biologischen Systems auf elektromagnetische Informationssignale hat sich der Begriff Adey-Fenster eingebürgert. Nur wenn Frequenz und Intensität des Signals innerhalb dieses engen Fensters liegen, ist offenbar eine Weiterleitung in sog. Molekülkettenleitern möglich. Ist die Signalintensität zu schwach, liegt sie unter der Ansprechschwelle und bleibt wirkungslos, ist sie zu groß, brechen Proteinketten auf, und das Signal wird blockiert.«62

Frequenz und Intensität entsprechen hier, auf die Homöopathie übertragen, der Heilpflanze sowie der Potenz des homöopathischen Mittels. Das bedeutet, wenn Symphytum in der D8 genommen wird, kann es sein, dass es keine oder nur ungenügende Wirkung zeigt, obwohl es die passende Pflanze wäre. Wird es aber in der D30 eingenommen, weil ein chronischer Prozess vorliegt, dann stellt sich die Heilung ein.

Jede Pflanze hat bei unterschiedlichen Krankheitsgeschehen ihre eigene individuelle Potenz mit dem höchsten Wirkungsgrad. Es taucht auch sicherlich die Frage auf: »Sind Pflanzen aus dem Garten – oder notfalls auch nur aus einem Blumentopf – überhaupt heilkräftig?« Das möchte ich ausdrücklich mit Ja beantworten. Solange die Pflanze sich fortpflanzt, ist das schöpferische Prinzip erhalten, und auf den Erhalt dieser Pflanzengestalt kommt es ja in der Homöopathie hauptsächlich an. Sicherlich sind Kräuter aus Schrebergärten oder Monokulturen wenig geeignet. Ich bevorzuge es auch, Kräuter in der Natur zu sammeln, aber wo ist tatsächlich noch unbelastete Natur? Wo sind noch irgendwelche schadstofffreie Naturreservate, in denen man sorglos sammeln kann?

Auch die großen Firmen wie Weleda, Staufen-Pharma oder Wala haben ihre Pflanzengärten in der Nähe von Städten. In deren Nachbarschaft bearbeiten die Bauern ihre Felder genauso konventionell mit hormonell verseuchtem Kuhmist und Phosphaten wie in allen Gegenden Europas. Jeder kann in seinem Garten die Pflanzen fast ebenso unbelastet aufwachsen lassen wie Soluna bei San Pellegrino oder Wala in Bad Boll. Auch bei Weleda wird in Treibhäusern gezüchtet. Oder Alcea und Phylak Sachsen, sie hegen die Kräuter ebenfalls – natürlich fürsorglicher als die industriellen Monokulturen – auf großen Feldern oder in Glashäusern. Selbstverständlich werden dort eine bestimmte Wasserqualität oder biologisch-dynamischer Dünger verwendet, aber die Pflanzen im eigenen Garten sind, solange sie üppig wachsen und wenn kein chemischer Dünger verwendet wird, genauso verwendbar wie die aus der freien Natur.

Selbstverständlich ist mir auch bewusst, dass zum Aufwachsen einer heilen Pflanze eine ganze Landschaft gehört. Aber die Pflanzenteile einer selbst gezogenen Topfpflanze, wie zum Beispiel des Spanischen Pfeffers oder des Kaffees, sind im Zweifel erst einmal einer bedenklichen handelsüblichen Trockenaufbereitung vorzuziehen. Die Pflanze kann ja nach der ersten Zeit des Aufwachsens in die Erde gesetzt und in einem »mobilen« Glashaus gesondert gepflegt werden. Wenn die Aufzucht aber zu kompliziert, zu teuer, nur mit Kunstdünger und ausschließlich im Treibhaus möglich ist, degeneriert die Pflanze und somit ihr Heilwert.

Empfindliche exotische Kräuter, die bei uns weder die klimatischen Bedingungen noch den Boden vorfinden, werden in Europa auch nicht wachsen und sollten für heilkundliche Zwecke tatsächlich weder gehegt noch verwendet werden.

Dasjenige, was heilt, ist nicht das, woraus die Pflanze besteht – also nicht der chemische Stoff. Im homöopathischen Mittel ist das Wesenhafte aufbewahrt, das Wirkende, das, was die Pflanze sich entwickeln und heil sein lässt. Die Gesundung des Menschen wird mittels dieser Pflanzengestalt erwirkt – »durch die Orientierung am Geist«, wie Rudolf Hauschka sagt.

Dieses Prinzip – das Numen der Pflanze –, das durch das Kalkül des Menschen nicht erreichbar ist, was durch ihn weder zerstört noch manipuliert werden kann, das bewirkt wahre Heilung.

Die Pflanzengestalt kann vertrieben werden, indem man ihr die Herberge zerstört, die Lebensgrundlage und das Gefüge auf diesem Planeten. In dem Fall wächst die Pflanze ganz einfach nicht mehr. Sie geht ein und stirbt letztendlich aus, weil ihr die schöpferische Entfaltung genommen wurde.

Auf die Berechnung des Trocknungsverlustes bei der Herstellung von Urtinkturen wird in diesem Buch nicht eingegangen. Zum einen ist der Aufwand für den privaten Bereich zu hoch. Zum anderen ist diese Regelung an sich schon absurd, da der Übergang eines Wesens, des Pflanzenprinzips, in eine alkoholische Tinktur nicht anhand seiner getrockneten Hülle geregelt werden kann.

Als Faustregel kann gelten: Frischpflanzen haben ungefähr 30 Prozent Wasser. Bei der Verwendung von Frischpflanzen wird also die Menge der Pflanzenanteile höher gewählt als bei getrockneten Pflanzen.

Frischpflanzen: 1 Teil Pflanze : 3 Teile Alkohol

Trockenpflanze: 1 Teil Pflanze : 5 Teile Alkohol

Die Pflanzenteile müssen immer komplett mit Alkohol bedeckt sein. Die Anteile des Alkohols sollten auch mit der Giftigkeit der Pflanze ansteigen. Beim Knollenhahnenfuß wird also 1 Teil Pflanze auf 6 Teile Alkohol und bei Aconitum oder Colchicum 1 Teil Pflanze auf 9 Teile Alkohol verwendet. Der Prozentsatz des Alkohols ist vorgegeben und steht bei der Beschreibung der jeweiligen Pflanze.

Bei manchen Pflanzen wie zum Beispiel Grindelia oder Hopfen, deren phytotherapeutisch-arzneiliche Wirkung aus den getrockneten Anteilen resultiert, habe ich diese auch mit aufgeführt. In diesen Pflanzenteilen fehlt zwar der frische Pflanzengeist, aber der Trocknungsvorgang hat im Pflanzengerüst einen transformatorischen Prozess bewirkt. Hier wird die alchemistische Wirkung der »Exsikkation« (Trocknung oder Austrocknung) mit einbezogen.

Die Urtinkturen sind selbstverständlich alle auch als arzneiliche Tinkturen verwendbar. Eine Calendula- oder Arnika-Urtinktur ist jederzeit als phytotherapeutische Tinktur oder als Grundlage für Salben und Öle anwendbar, vorausgesetzt, man beachtet auch hier wiederum das Arzneimittelgesetz, medizinische Behandlungsverbote, eine eventuelle Pflanzengiftigkeit oder sonstige juristische Vorschriften. Wenn man es genau nimmt, dann ist die Verwendung von niedrigen Potenzen bis einschließlich der D24 sowieso noch keine echte Homöopathie, sondern Phytotherapie, da sich rein rechnerisch immer noch Pflanzenmoleküle in der Dilution befinden.

Wer nicht nur nach jahreszeitlichen, sondern auch nach astrologischen Gesichtspunkten sammelt – »denn das Gestirn wird geheilt durch das Gestirn«63 –, also zum Beispiel die Blüten zu einem anderen Zeitpunkt als die Wurzeln, wird diese einzelnen Fraktionen separat ernten sowie ansetzen und nach der Abfiltrierung zu gleichen Teilen wiedervereinen. Astrologisch orientierte Homöopathen können das Wurzelgraben, Pflanzensammeln oder das Ansetzen der Tinkturen noch zusätzlich nach dem Sonnen- oder Mondstand, dem zur Pflanze passenden Planeten, Aszendenten oder Medium Coeli ausrichten.

Die bei den hier aufgeführten Pflanzen angegebenen Erntezeitpunkte sind Empfehlungen aufgrund meiner Erfahrungen und Überlegungen. Auch kann es sein, dass man sich zwar wochenlang auf einen bestimmten Termin vorbereitet, aber dann regnet es, oder ein anderer wichtiger Termin macht das Einhalten des Zeitpunktes unmöglich. Also auch hier ist es eher wichtig, zu sammeln, wenn die Pflanze reif ist.

Die im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) vorgeschriebenen Regelungen der Tinkturenherstellung für die Pflanzen sind im Anhang (siehe Seite 252ff.) noch einmal ausführlich wiedergegeben.

Da Hahnemann kein einzelnes Buch verfasst hat, in dem die verwendeten Pflanzenteile vollständig aufgelistet stehen, habe ich seine Empfehlungen aus folgenden Werken zusammengetragen: Apothekerlexikon, Organon der Heilkunst, Reine Arzneimittellehre und Die chronischen Krankheiten. Bei den einzelnen Pflanzen wird nicht noch einmal explizit auf die genaue Quelle hingewiesen.

Es war mir wichtig herauszufinden, welcher Arzt oder Heilkundige welche Pflanzenteile verwendet. Ich wollte feststellen und bestätigen, dass Hahnemann oder die aktuelle Homöopathie tatsächlich die Pflanzenteile nennen, die auch Paracelsus, Dioskurides oder Leonhard Fuchs ausgewählt hatten. Alle Autoren konnte ich nicht berücksichtigen, aber anhand des Spektrums der ausgewählten Referenzen ist zu erkennen, welche Pflanzenteile nun sinnvoll sind. Bei Gerhard Madaus wird nicht immer seine eigene Stellungnahme zitiert, sondern auch er hat wiederum die Erfahrungen anderer gemeinsam mit seinen eigenen zu einer Empfehlung zusammengefasst. Im Zweifel kann entweder, wenn es machbar ist, die ganze Pflanze oder, bei großen Pflanzen wie Holunder, Belladonna oder Königskerze, nur Teile davon geerntet werden. Also werden Blüten, Rinde, Blätter oder Wurzeln separat geerntet, wenn machbar, gemeinsam angesetzt, ansonsten einzeln. Später können alle Fraktionen zu einer zusammengefasst werden und noch einmal eine Zeit lang miteinander ausziehen.

Metalle, Minerale oder Quarze bilden eine Ausnahme bei der Herstellung homöopathischer Mittel. Man kann natürlich nicht einfach ein Stück davon schlucken. Als Vorbereitung muss sehr sorgfältig eine kolloidale Verteilung durchgeführt werden, um die Aufnahme in den Körper zu ermöglichen, und zwar mittels Verreibung dieser Stoffe im Mörser in einem neutralen Medium, meistens Milchzucker.

Die Fotos der Pflanzen, Laborgerätschaften und Bearbeitungsmethoden sind alle privat aufgenommen und dokumentieren somit die Reichhaltigkeit der eigenen Möglichkeiten.

Manche große Pflanzen für homöopathische Mittel sind für unseren Garten zu exotisch (Nux vomica, Gelsemium oder Sabal serrulata), manche für die Bearbeitung zu giftig (Rhus toxicodendron), einige unterliegen dem Rauschmittelgesetz (Cannabis oder Papaver somniferum), andere kann man in der freien Natur nicht ernten, weil sie strengstens geschützt sind (Ledum palustre, Drosera oder Veratrum album). Diese Pflanzen gibt es zum Teil beim Kräuterhändler in getrockneter Form. Daneben besteht die Möglichkeit, geschützte Pflanzen käuflich zu erwerben (Arnika, Sonnentau, Ledum palustre und andere) und im eigenen Garten anzusiedeln. Diese privaten, selbstgehegten Pflanzen unterliegen nicht den Vorgaben des Naturschutzes und dürfen nach Belieben verarbeitet werden.

Auch habe ich noch eine kurze Zusammenfassung erstellt, welche Wirkstoffe sich hauptsächlich in einer Pflanze befinden, und für die Mazeration den passenden Alkohol dazu bestimmt.

Es ist mir bewusst, dass die aufgelisteten biochemischen Wirkstoffe vorrangig in der Phytotherapie benötigt werden. Da die in den Pflanzen befindlichen Wirkstoffe aber mit einem niedrigen Ethanol ausgezogen werden können, möchte ich dadurch aufzeigen, dass ein hoher Ethanolgehalt auf die Pflanze eher wie eine Peitsche wirkt und deren schöpferische Wirkung kontraproduktiv beeinflussen dürfte. Tatsächlich genügt es, aus den Pflanzen mit dem im Anhang (siehe Seite 259ff.) empfohlenen niedrigeren Ethanolgehalt einen Auszug herzustellen. Die Spagyrik geht noch vorsichtiger vor. »Die Auflösung und Trennung soll so vorzunehmen sein, daß die Seele des natürlichen Dinges dabei keinen Schaden nimmt (…), daß der König im roten Meer die Krone nicht verliert.«64

Auch möchte ich noch einmal erwähnen, dass sich die private Herstellung nach der Praktikabilität und nicht nach der Einhaltung exakt aller Vorschriften richten sollte. Natürlich wäre selbsthergestelltes destilliertes Wasser optimal. Und wenn ich vom Mondstand schreibe oder die Ernte nur tautrocken und vormittags durchgeführt werden sollte, dann sind das Ergänzungen und kein Muss. Wichtig ist, das Grundgerüst verstanden zu haben und durchzuführen. Vieles ist wegen des Zeitaufwands für den privaten Anwender auch gar nicht zu schaffen und nicht unbedingt immer notwendig. Der richtige Zeitpunkt für die Ernte ist genau dann, wenn die Pflanze reif ist, und das entscheidet die Pflanze und nicht der eigene Terminkalender.

Da die homöopathischen Mittel nur ein Bereich der therapeutisch einsetzbaren Heilmittel sind, ist es manchmal sinnvoll, Urtinkturen so herzustellen, dass sie auch für eine spagyrische Weiterverarbeitung verwendbar bleiben. Man kann somit, parallel zur homöopathischen Urtinktur, gleich die entsprechende spagyrische Tinktur zusammen mit der folgenden Veraschung produzieren. Da dieser Gedanke aber über das hier Beschriebene hinausreicht, möchte ich ihn nur als weiterführende Idee kurz angesprochen haben.

Die Herstellung homöopathischer Mittel hat einen starken künstlerischen Aspekt – sie soll lebendig und assoziativ bleiben, und eine Weiterentwicklung sollte jederzeit möglich sein. Wenn es allzu ernst, penibel oder auch magisch-esoterisch wird, verflüchtigt sich der schöpferische Geist genauso, wie wenn man den Vögeln eine Landebahn vorschreiben wollte.

»Die Sterne sind nichts anderes, sondern wie die Form zur Büchsenkugel ein Modell ist, nach dem die Kugel oder das Lot geformt wird, so sind die Sterne ein Modell, Patronen, Formen und Matrices aller Kräuter etc.: So zieht jeder Stern durch die anziehende Kraft sein Kraut aus der Erde hervor. Jedes Kraut ist also ein irdischer Stern und gehört zum Himmel. Jeder Stern ist ein himmlisches Kraut in geistiger Weise und Form, das sich nicht von diesen Kräutern, die auf der Erde sind, unterscheidett.«65

Ablaufschema der Vorgehensweise


1

Pflanzeninformation

– Welche Pflanze?

– Welche Pflanzenteile?

– Geschützt?

– Sammlung wann?

– Wo?


2

– Alkohol vorbereiten

– Gläser vorbereiten

– Sammelwerkzeug


3

Pflanzenernte

– Ort

– Zeitpunkt

– Menge


4

Pflanze verarbeiten

– Unverzüglich/frisch

– Stromlose Verarbeitung

– Passender Alkohol

– Einlagerung kann vorerst in Weißgläsern erfolgen

– Beschriftung


5

Lagerung

– Etwa ein Jahr lang

– Dunkel und kühl

– Ab und zu bewegen


6

Abfiltern

– Ohne mechanischen Druck

– Frei von Schwebstoffen

– Einfüllen in Braungläser

– Pflanzenreste für eine eventuelle Spagyrikveraschung aufbewahren


7

Potenzieren

– Vorbereitung: Ablauf, Alkohole, Formeln, Fläschchenanzahl, Pipette, Buch für Potenzierstöße

– Ruhe und Konzentration

– Vermischen: 1 Teil Urtinktur mit 9 Teilen Ethanol

– Potenzieren: 10 mal auf ein Buch aufstoßen


8

Erstellung homöopathischer Globuli

– Vorbereitung: Gläser, Tüten, Etiketten, Deckel

– Globulimenge abmessen und mit etwa 15 Tropfen beträufeln

– Drei bis vier Stunden gut trocknen lassen

– Abfüllen


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Türler ve etiketler

Yaş sınırı:
0+
Hacim:
444 s. 308 illüstrasyon
ISBN:
9783038001195
Yayıncı:
Telif hakkı:
Bookwire
İndirme biçimi:

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