Kitabı oku: «Gelassen erziehen - In 16 Schritten zu einer entspannten Elternrolle»

Yazı tipi:

Ein Mensch wird sich nicht daran erinnern, was Sie gesagt haben.

Ein Mensch wird sich nicht daran erinnern, was Sie getan haben.

Ein Mensch wird sich daran erinnern, wie er sich in Ihrer Nähe gefühlt hat.

Maya Angelou

Csilla Kenessey Landös

GELASSEN ERZIEHEN

IN 16 SCHRITTEN ZU EINER ENTSPANNTEN ELTERNROLLE

Das Elterntagebuch

2021


Reihengestaltung und Satz: Nicola Graf, Freinsheim, www.nicola-graf.com

Umschlaggestaltung: Heinrich Eiermann

Umschlagbild: cc pixabay

Illustrationen: Marco Bascio

Redaktion: Dr. med. Nicola Offermanns

Printed in Poland

Druck und Bindung: Dimograf Sp.z.o.o.

Erste Auflage, 2021

ISBN (Printausgabe) 978-3-8497-0383-7

ISBN (ePUB) 978-3-8497-8272-6

© 2021 Carl-Auer-Systeme Verlag und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg

Alle Rechte vorbehalten

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INHALT

VORWORT

EINLEITUNG

Beginnen wir mit der guten Nachricht

Misslungene Lösungsversuche

Zum Umgang mit diesem Arbeitsbuch

1.WOCHE: GANZ AM ANFANG

Die Welt des Neugeborenen

Die Realität des Kindes

Ganz am Anfang – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

2.WOCHE: DIE FAMILIE ALS MIKROSYSTEM FÜR DAS KIND

Eltern und Erwachsene als Modell für das Kind

Seien Sie bloß nicht perfekt!

Kongruenz

Die Familie – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

3.WOCHE: BINDUNG

Das Band der Beziehung

ERziehung geht NUR über BEziehung!

Zuhören ist DER Weg zur emotionalen Verbindung

Bindung – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

4.WOCHE: ERZIEHUNG – WAS FÜR EINE AUFGABE

»Liebe« – ein leicht missverständlicher Begriff

Vier Säulen der Erziehung

Wie viel Eltern braucht das Kind?

Erziehung – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

5.WOCHE: PLÄNE UND IHRE SINNHAFTIGKEIT

Recht auf Glück

Pläne – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

6.WOCHE: KONFLIKTE – FLUCH ODER CHANCE

Streit schadet jeder Beziehung

Alle Gefühle sind erlaubt

Gefühlserziehung – wichtiger als Leistung

Konflikte – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

7.WOCHE: FEHLVERHALTEN – WIESO GEHORCHT MEIN KIND NICHT?

Fehlverhalten richtig verstehen

Fehlverhalten neurobiologisch erklärt

Verletzende Ehrlichkeit

Fehlverhalten – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

8.WOCHE: VERÄNDERUNG – WIE OFT MUSS ICH DENN NOCH …?

Veränderungen brauchen Zeit, aber wie viel?

Veränderungen sind möglich, aber wie?

Veränderungen sind möglich, aber wann?

Veränderungen – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

9.WOCHE: MOTIVATION

Jedes sichtbare Verhalten basiert auf einer Motivation

Motivation als Kraftmittel für Veränderungen

Motivation – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

10.WOCHE: KOMMUNIKATION

Worte kreieren Wirklichkeit

Wo liegt die Wahrheit?

Kommunikation – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

11.WOCHE: ANERKENNUNG – DAS EXISTENZIELLE BEDÜRFNIS

Jeder Mensch sehnt sich nach Aufmerksamkeit

Finden Sie die richtige »Sprache« für die Anerkennung

Anerkennung – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

12.WOCHE: WIE SETZE ICH LEITPLANKEN?

Umgang mit Kritik und Tadel

Umgang mit Provokationen

Manipulation als Zeichen von Intelligenz

Leitplanken – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

13.WOCHE: LERNEN – EIN LEBENSLANGER PROZESS

Wie wir lernen

Was lernt das Kind?

Verkörperung der Erfahrungen

Lernen – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

14.WOCHE: FEHLER SIND UNSERE FREUNDE UND HELFER

Umgang mit Fehlern

Hirn und Herz

Ups and downs

Fehler – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

15.WOCHE: GEHEIMTIPPS

Humor erleichtert das Leben – somit auch die Erziehung

In der Ruhe liegt die Kraft

Geheimtipps – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

16.WOCHE: SELBSTFÜRSORGE – WUSSTEN SIE SCHON …?

Selbstfürsorge

Ein einziger Erwachsener

Der Bauch regiert

Selbstfürsorge – weiterführende Gedanken und Beobachtungen

SCHLUSSWORT

ANMERKUNGEN

ÜBER DIE AUTORIN

Vorwort

Bei meiner Arbeit als Kinder- und Jugendpsychologin begegnen mir viele Eltern, die in der Erziehung ihrer Kinder an Grenzen stoßen: ihre eigenen, die ihrer Kinder, manchmal auch die der Umwelt, z. B. der Schule. Bei aller Liebe erleben sie Tage, an denen sie ihre eigenen Kinder »auf den Mond schießen« könnten – welche Mutter, welcher Vater kennt dieses Gefühl nicht?

Meine Haltung bzw. das Menschenbild, das ich vertrete, geht davon aus, dass jeder Mensch in jeder Millisekunde sein bestes Verhalten zeigt. Könnte er es besser, dann würde er es machen! Ich gehe davon aus, dass jeder Mensch in jeder Millisekunde über folgende Fähigkeiten verfügt: Denken, Fühlen, Verhalten und Körperwahrnehmung. Dieses Menschenbild und die hier vermittelten Werte fußen auf den UNO-Menschenrechten und der UNICEF-Deklaration für die Kinderrechte, und sie entsprechen den Grundsätzen der Demokratie. Um diesem Globus zukünftig eine Chance einzuräumen, benötigen wir gestärkte und mutige Kinder, die tatkräftig sind und mit ihrem Anderssein Lösungen für all jene Schwierigkeiten finden werden, mit denen die Menschheit aktuell konfrontiert ist. Und gerade deshalb ist es von großer Wichtigkeit, die Einzigartigkeit jedes einzelnen Kindes zu berücksichtigen, das Kind zu stärken und es in seiner Einmaligkeit zu unterstützen. Dieses Ziel verfolgt das vorliegende Buch.

Vielleicht fragen Sie sich: Wieso ein Elterntagebuch? Was soll das bringen? Ist es den Aufwand wert? Ich sage: Ja! Es rechtfertigt nicht nur den Aufwand, es ist sogar absolut nötig. Wenn wir Erwachsene von den Kindern Reife erwarten, dann müssen wir als positive Vorbilder vorausgehen. Reife bedeutet, dass wir die eigenen Gefühle und Bedürfnisse kennen und dadurch bewusst auf etwas reagieren können – bewusst im Sinne der vollumfänglichen Bereitschaft, die Konsequenzen zu tragen, die unser Verhalten nach sich zieht. Wir müssen den Kindern vorleben, dass wir bereit sind, mit einem geschärften Bewusstsein auch selber Verantwortung für uns und für unsere Mitmenschen zu übernehmen.

Ich möchte Sie anhand dieses Buches durch Ihren eigenen Prozess begleiten, damit es Ihnen und Ihren Kindern im Alltag besser geht. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine Sammlung all jener Methoden, Inputs und Tipps, die sich in meiner jahrelangen Tätigkeit bewährt haben. Sie werden bei der Lektüre keine Ratschläge erhalten, denn die Lösung, die für Sie und Ihre Familie passt, liegt in Ihnen – und ich kenne Ihre Lösung nicht. Deshalb nenne ich dieses Buch auch keinen Erziehungsratgeber. In der Erziehung gibt es im engeren Sinne kein richtig oder falsch. Es gibt lediglich passend und machbar bzw. unpassend und nicht umsetzbar. Um herauszufinden, was passt und machbar ist, müssen Sie sich nur täglich ein wenig mit sich selbst und den eigenen Gedanken und Gefühlen auseinandersetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß auf Ihrem individuellen Erkundungsweg zu sich und dadurch auch näher zu Ihrem Kind!

Csilla Kenessey Landös

Einleitung
Beginnen wir mit der guten Nachricht

Entwicklung findet statt – ob wir das wollen oder nicht. Mir ist seit Längerem kein erwachsener Mensch mehr aufgefallen, der sich an der Kasse auf den Boden wirft, weil er keinen Kaugummi gekauft bekommt. Also: Wir alle haben bereits viel gelernt und lernen und entwickeln uns von Tag zu Tag weiter. Dies gilt auch für unsere Kinder. Das ist eine gute Nachricht, bedeutet jedoch auch, dass Sie sich tagtäglich auf die Expedition begeben müssen, Ihr Kind neu kennenzulernen!

Nun wissen wir also, dass Entwicklung kontinuierlich stattfindet. Weshalb zeigen wir uns dann immer wieder ungeduldig und verständnislos? Weil wir meinen, dieser und jener Schritt sollten bereits möglich sein. Aber, ganz nach dem Motto »Nur, weil ich am Gras ziehe, wächst es nicht schneller« gilt es, das individuelle Tempo des Kindes anzuerkennen. Wie gelingt uns das? Indem wir beobachten. Wir überlegen uns, was der nächste Entwicklungsschritt ist, den das Kind bewältigen muss, und wie wir es darin unterstützen können. Wichtig ist zu wissen: Gewisse Entwicklungsschritte erfordern, dass wir die eigene Komfortzone verlassen. Das bedeutet weiter, dass gewisse Erfahrungen nicht ohne Verletzungen stattfinden werden. Mit dem Blick auf das Kind gilt es also zu beachten, wie es einen konstruktiven Umgang mit Verletzungen erlernen kann.

Jeder Mensch, der ausreichend gestärkt ist und sich nicht so leicht in der Persönlichkeit bedroht fühlt, kann lernen, mit emotionalen Verletzungen umzugehen.

Misslungene Lösungsversuche

Haben Sie mehrfach, das heißt öfters als dreimal, eine Intervention versucht und das gewünschte Ziel nicht erreicht, so können Sie diese »Lösung« fallenlassen und die Energien, die Sie da reingesteckt haben, bei sich behalten. Nichts zu tun wirkt manchmal Wunder!

Notieren Sie sich, welche Verhaltensweisen Ihrerseits nicht zum erwünschten Ziel geführt haben, und nehmen Sie sich vor, auf dieses spezifische Verhalten zu verzichten. Sie würden lediglich das Misslingen zementieren, was für keinen der Beteiligten eine lösungsorientierte Strategie darstellt.

Im Idealfall gelingt es Ihnen, Ihren Einsatz positiv anzuerkennen und das »Scheitern« lediglich als eine Lektion aufzufassen – eine Lektion, die Sie lehrt, in dieser Situation nicht mehr so zu reagieren. Dies ist eine wertvolle Erfahrung.

Manchmal ist Nichtstun und Abwarten genau das Richtige!

Zum Umgang mit diesem Arbeitsbuch

Erfolge stellen sich oft leichter ein, wenn man sie nach einem gewissen Plan verfolgt. Die 16 Kapitel dieses Buches werden Ihnen zu jeweils einem Thema allgemeines Fachwissen kurz und prägnant vermitteln. Diese Inhalte sollen Sie anregen, sich anschließend eigene Gedanken dazu zu machen, die Sie jeweils in dem Abschnitt »Weiterführende Gedanken und Beobachtungen« eintragen können.

Es ist sinnvoll, sich während einer Woche nur mit einem Thema zu beschäftigen, damit die Erkenntnisse aus einem Kapitel nicht sofort wieder mit Neuem überschrieben werden. Deshalb ist jedes Kapitel einer Woche zugeordnet und mit jeweils 7 Tagebuchseiten für Ihre Notizen versehen.

Auf den folgenden Seiten haben Sie nun die Möglichkeit, pro Kapitel die vorgegebenen Fragen für die jeweilige Woche jeden Tag kurz zu beantworten. Das Ziel dieser Fragen ist, Sie in Ihrem eigenen Bewusstwerden zu unterstützen und zu begleiten. Wahrscheinlich werden Sie über die Wochen hinweg Zusammenhänge entdecken, die Ihnen bis jetzt noch nicht so klar waren. Und je mehr Klarheit Sie mit sich erleben, desto klarer können Sie Ihre eigenen Grenzen setzen – und somit sich selbst ernst nehmen.

»Es gibt zwei Tage im Leben, an welchen Du nichts ändern kannst: gestern und morgen.«

Dalai Lama


1. Woche
GANZ AM ANFANG

Wenn wir den Homo sapiens als Tier betrachten – und ich erlaube mir hier diesen Vergleich –, so kommen unsere Kinder gut zwei Jahre zu früh auf die Welt. In der Tierwelt muss ein Neugeborenes nach wenigen Minuten aufstehen und mit der Herde mitziehen können. Wir hingegen müssen unsere neugeborenen »Babys« pflegen, wärmen, ernähren und behüten. Wir müssen ihnen ein Umfeld schaffen, das dem jeweiligen Entwicklungsstand gerecht wird und genug Herausforderung ohne Überforderung bietet. Wir müssen uns darum kümmern, dass unser Baby sich in den ersten drei Jahren gesund entwickelt, damit es anschließend in seinem Tempo mit der »Herde«, also der Familie, mithalten kann.

Die Welt des Neugeborenen

Luis Angel Diaz schreibt in seinem Buch Das intelligente Bewusstsein der Zellen1 sehr treffend:

»Die ursprüngliche Ausstrahlung des Babys (…) ist formbar wie Ton, bevor er gebrannt wird. Das Kleinkind passt sich an jeden äußeren Stimulus an, beispielsweise an die Erlebnisse mit der Familie oder mit Menschen aus seiner Umgebung. Alles beginnt im Mutterleib. Es gibt keine innigere Beziehung als die mit der Mutter, bevor wir auf die Welt kommen. Wir haben uns in den neun Monaten aufgehoben und beschützt gefühlt – besonders, wenn wir ein Wunschkind waren. (…)

Der Fötus spürt und erlebt alles, was die Mutter erlebt. Wie könnte es auch anders sein, befindet er sich doch in ihrem Energiefeld. Es ist tatsächlich so, dass in dieser primären und entscheidenden Phase des Lernens die emotionalen Muster und Verhaltensweisen zugrunde gelegt werden, die der heranwachsende Fötus in seinem späteren Leben entwickeln wird. (…)

Pränatale Psychologen betonen, dass der ›Schwerpunkt‹ der Persönlichkeit im Mutterleib geformt wird. Nicht nur das, was die Mutter einatmet, isst oder trinkt, sondern auch ihre Gedanken und Emotionen werden vom Baby im Mutterleib aufgenommen. (…)

Überall wird das Baby unweigerlich mit der Erfahrung der Trennung konfrontiert. (…)

Eigentlich versuchen wir unbewusst, unser vorgeburtliches Erlebnis bedingungsloser Liebe und Freude später wieder zu aktivieren, etwas, das uns allein schon aufgrund der Tatsache zusteht, dass wir auf die Welt gekommen sind« (S. 41 ff.).

Ist es möglich, dass Sie als Mutter/als Vater diese Erfahrung der bedingungslosen Liebe mit Ihrem Kind aufbauen und dadurch wieder erleben wollen?

Die Realität des Kindes

In seinem Buch Der Neurochirurg, der sein Herz vergessen hatte2 schreibt James Doty:

»Jeder von uns entscheidet, was wir im Leben zulassen wollen und was nicht. Als Kinder haben wir keine Wahl. Wir werden in bestimmte Familien und Zusammenhänge hineingeboren und haben darauf so gut wie keinen Einfluss« (S. 94).

»Das ist vermutlich, was einen als Kind am meisten schmerzt: Unser Leben hängt völlig von anderen Menschen ab und entzieht sich unserer Kontrolle. Häufig verursachen die Entscheidungen anderer bei uns tiefe Wunden und hinterlassen bleibende Narben« (S. 133).

»Kinder, genau wie Erwachsene, können sich am besten entfalten, wenn sie in einer Umgebung leben, die ihnen Stetigkeit und Verlässlichkeit bietet. Das menschliche Gehirn sehnt sich nach beidem« (S. 34 f.).

Joachim Bauer erläutert in seinem Buch Wie wir werden, wer wir sind3, dass das Selbst eines Menschen die Entstehung und Grundstruktur jenen Bezugspersonen verdankt, die uns – vor allem in den ersten Lebensjahren – als eine Art externe Leitstelle dienen. Das Kind bedürfe, um ein Selbst ausbilden zu können, interessanter Angebote, die ihm das Material für seine lebenslange Selbstkonstruktion biete. Dazu benötige der Mensch in der Zeit der Kindheit und Jugend Mentorinnen und Mentoren.

Vergessen wir nicht: Wenn wir Erwachsene uns in einem System befinden – im Arbeitsumfeld, Freundeskreis etc. –, wo wir uns nicht wohlfühlen und keine positive Resonanz erhalten, dann kündigen wir, suchen uns neue Freunde, ziehen um etc. Kinder können aber nicht »einfach« gehen. Sie sind in direkter Abhängigkeit von der Familie, in die sie hineingeboren wurden.

In der systemischen Anschauung und auch gemäß den Forschungsergebnissen aus den Neurowissenschaften und der Bindungslehre benötigt jeder Mensch ein Gegenüber, um sich entwickeln zu können. Wir alle, egal in welchem Alter, sind auf Rückmeldungen und Resonanz angewiesen. Ohne ein Gegenüber wüssten wir nicht einmal, dass wir existieren. Wir wollen uns entwickeln und benötigen dabei die Spiegelung durch unsere wohlwollende Umgebung, sodass sich eventuelle Kritik nicht als Angriff, sondern als wohlgemeinte Rückmeldung verstehen lässt. Kinder können nicht einfach raus aus der Familie, wenn es ihnen dort nicht gut geht.

Wir, die Erwachsenen, haben die Verantwortung, eine Umgebung für das Kind zu schaffen, in der es sich seinen individuellen Fähigkeiten entsprechend entwickeln und ausprobieren kann. Das ist die Realität des Kindes: maximale Abhängigkeit von uns Erwachsenen in sämtlichen Belangen.

Ganz am Anfang – weiterführende Gedanken und Beobachtungen


ALLGEMEINE FRAGEN


•Wer war für mich, als ich so alt war wie mein Kind heute, die wichtigste Bezugsperson?

•Was hat diese Person für mich gemacht, dass sie für mich so wichtig war?

•Was denke ich: Wer ist für mein Kind, neben mir als Mutter/Vater, eine wichtige Bezugsperson?

•Mit wem tausche ich mich aktuell aus, wenn ich meine Gedanken gespiegelt bekommen will?

•Würde sich mein Kind an mich wenden, wenn es sich eine Resonanz erwünschen würde?

TAGEBUCH-FRAGEN 1. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 2. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 3. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 4. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 5. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 6. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 7. TAG


•Welche Rückmeldung habe ich heute meinem Kind gegeben?

•Mit welchem Ziel habe ich meinem Kind diese Rückmeldung gegeben?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:


2. Woche
DIE FAMILIE ALS MIKROSYSTEM FÜR DAS KIND

Die Familie ist für das Kind die Repräsentanz der Welt. In der Vorstellung des Kindes gilt: So, wie man zu Hause miteinander umgeht, so geht man auch sonst miteinander um. So, wie Mama und Papa miteinander agieren, so agieren alle Eltern miteinander. So, wie Mama und Papa sich gegenüber anderen Erwachsenen verhalten, verhalten sich alle Erwachsenen. Im Klartext: Das, was Ihr Kind bei Ihnen zu Hause erlebt, steht in seinen Augen für die ganze Welt. Es lernt über das Beobachten und Erkennen von Regeln und Abläufen. Denn:

»Es gibt niemanden auf der Welt, der uns Erwachsene besser kennt als unsere Kinder!«

(Michael von Aster 2018)

Eltern und Erwachsene als Modell für das Kind

Es gilt das Motto: Vorleben statt erwarten.

Erwarten Eltern von den Kindern ein bestimmtes Verhalten, lernen die Kinder, sich diese Erwartungshaltung anzueignen, statt sich um das erwünschte Verhalten zu bemühen. Streiten Eltern oft zu Hause, so lernen die Kinder, dass man sich als Erwachsene mit den Personen, mit denen man zusammenlebt, streitet. Das Kind erfährt sein näheres Umfeld – also die Familie – als stellvertretend dafür, wie das Leben so läuft, wie die Gesellschaft tickt. Das nennt man Modell-Lernen. Das Prinzip der Erziehung ist grundsätzlich einfach: Der Erwachsene lebt vor, welches Verhalten er sich wünscht, und das Kind macht es automatisch nach.

Als Eltern dürfen Sie Ihre eigene Befindlichkeit kommunizieren: Heute bin ich müde; ich habe Kopfschmerzen; mein Arbeitstag war richtig anstrengend. Sie können danach die Familie fragen, wer bereit ist, Ihnen zu helfen – im Sinne von: Wer kann mich heute beim Kochen unterstützen? Wer hilft mir beim Aufräumen etc.? Dieses Vorleben fördert die Empathiefähigkeit aller Familienmitglieder!

Eine einfache Art, um von den Kindern zu erfahren, wie ihr Alltag war, ist es, am Tisch auch ungefragt vom eigenen Tag zu erzählen. Kinder lernen, dass das Sichmitteilen in Ordnung ist, und werden im weiteren Verlauf auch von ihrem Tag erzählen.

Gerald Hüther4 schreibt sinngemäß: Damit ein Kind jene Erfahrungen machen kann, auf die es im Verlauf des Lebens besonders ankommt, muss das Interesse des Kindes auf die spielerische Entdeckung und Erprobung eben dieser Fähigkeiten und Fertigkeiten gelenkt werden. Das einfachste Verfahren, um das zu erreichen, besteht darin, den Funken der eigenen Begeisterung über das, was man selbst für wichtig hält, auf das Kind überspringen zu lassen. Er erläutert weiter, dass Kinder erwachsene Vorbilder brauchen, an deren Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Haltungen sie sich orientieren können. Das müssen Vorbilder sein, die sie schätzen und mögen, die sie achten und die ihnen wichtig sind, mit denen sie sich also emotional verbunden fühlen.

Manche Erfahrungen während der Entwicklung bleiben unbewusst, weil die Gefühle, Verhaltensweisen oder Beziehungsbedürfnisse des Kindes innerhalb der Familie nie ernst genommen und beachtet wurden. Cozolino5 beschreibt, welche Auswirkungen es hat, wenn man die Erfahrungen eines Kindes ernst nimmt, bzw. was passiert, wenn sie keine Beachtung finden:

»Wenn Eltern sich um ihre Kinder kümmern und ein Interesse an ihren Erlebnissen zeigen, werden die Kinder sich dessen gewahr, dass sie ein eigenes inneres Erleben haben. (…) Wenn diese innere Erfahrung durch ein ko-konstruiertes Narrativ verstanden, diskutiert und organisiert wird, steht sie einer bewussten Betrachtung zur Verfügung. (…) Ein Kind, das in einem Umfeld des Schweigens leben muss, weil Eltern nicht in der Lage sind, innere Erfahrungen zu verbalisieren, kann nicht die Fähigkeit entwickeln, seine Welt zu verstehen und in ihr zurechtzukommen. (…) Wenn in das Miteinandersprechen Körperempfindungen, Gefühle, Verhaltensweisen und Gedanken einbezogen sind, wird Sprache zu einem Medium, das es dem kindlichen Gehirn ermöglicht, die verschiedenen Aspekte seiner Erfahrung auf kohärente Weise zu integrieren« (S. 232).

Seien Sie bloß nicht perfekt!

Sollte das Kind den Eindruck erhalten, dass die Eltern perfekt sind und keine Defizite haben, so kann sich das Kind nur im Defizit erleben, was sich negativ auf sein Selbstwertgefühl auswirkt.

Machen Sie Fehler – und wenn Sie welche machen, dann stehen Sie dazu, thematisieren Sie es im familiären Rahmen und zeigen Sie dem Kind auf, wie man aus Fehlern lernen und einen adäquaten Umgang damit finden kann. Denn:

Fehler sind grundsätzlich unsere Freunde: Ohne sie würden wir nichts dazulernen.

»Erfahrung ist die Summe der Fehler, die man gemacht hat.«

Arthur Wellesley Herzog von Wellington, 1769–1852

Ein Fehler ist nur dann »sinnlos«, wenn man nichts daraus lernt. Fehler passieren allen Menschen, jeden Tag. Vermitteln Sie Ihren Kindern, dass genau dies den Menschen ausmacht. Jede Person muss die Erfahrungen selber machen, um daraus lernen zu können.

Kongruenz

Für die gesunde Entwicklung des Kindes ist es von großer Wichtigkeit, dass es Vorbilder um sich herum erlebt, welche kongruent und authentisch sind. Kongruentes Verhalten bedeutet, dass verbale und nonverbale Signale übereinstimmen. Authentisches Verhalten bringt die innere Haltung unverfälscht zum Ausdruck. Darüber hinaus ist damit gemeint, dass die Eltern ein Bewusstsein über ihre eigenen Defizite haben und dies auch thematisieren.

Die Hirne der Kinder sind schließlich noch nicht ausgereift, weshalb wir dafür sorgen müssen, dass sie sich auf die zwischenmenschlichen, unausgesprochenen Informationen verlassen können. Ist eine erwachsene Person inkongruent, sind diese unterschiedlichen Informationen für das Kind nachvollziehbarerweise verwirrend. Wie gesagt benötigen Kinder Vorbilder, die nicht perfekt sind und die zeigen, dass auch sie in einem Prozess stecken und sich weiterentwickeln. Durch dieses transparente Auftreten leben Sie Ihrem Kind modellhaft vor, dass das Leben nicht statisch ist, dass manche Dinge noch nicht klappen und dass Sie selbst auch tagtäglich dazulernen.

Die Familie – weiterführende Gedanken und Beobachtungen


ALLGEMEINE FRAGEN


•Welche positiven Aspekte der Erziehung durch meine Eltern möchte ich meinem Kind weitergeben?

•Wieso ist mir dies so wichtig?

•Entsprechen diese Vorstellungen noch der heutigen Zeit?

•Möchte ich, dass mein Kind später ein solches Leben führt, wie ich es gerade führe?

•An was bemerke ich, ob ich ausgeglichen bin oder nicht?

TAGEBUCH-FRAGEN 8. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 9. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 10. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 11. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 12. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 13. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 14. TAG


•Habe ich heute jenes Verhalten vorgelebt, das ich mir von meinem Kind wünsche?

•Welches Verhalten war das?

•Wie hat mein Kind darauf reagiert?

•Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

•Was habe ich heute über mich gelernt?

•Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:


3. Woche
BINDUNG

Die Bindungstheorie ist eine psychologische Theorie, die auf der Annahme beruht, dass Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen.

Das Band der Beziehung

Die Eltern-Kind-Beziehung sollte der dickflüssigen, weltumspannenden Magma gleichen: egal, ob oben auf der Erdkruste Gewitter, Tornados, Tsunamis etc. wüten, die dicke flüssige Magma darunter bleibt bestehen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass es nur einen einzigen wohlwollenden Erwachsenen im Leben eines Kindes braucht, der bereit ist, mit dem Kind auch in schwierigen Zeiten einen Weg zu gehen, es zu unterstützen, für das Kind da zu sein, dann wird deutlich, wie wichtig Bindungen, d. h. gute Beziehungen, für unsere Entwicklung sind. Und auch ein Erwachsener kann darin Glück empfinden, denn aus der Glücksforschung ist bekannt:

Wenn man jemand anderem etwas Gutes tut, löst dies in einem selbst ein Glücksgefühl aus.

Somit gilt das Motto von Michelle Hunziker, die richtigerweise jeweils vor der Werbepause im TV folgende Aufforderung moderierte: »Dranne bliibe, dranne bliibe, dranne bliibe!«

ERziehung geht NUR über BEziehung!

»Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender. Dabei beinhaltet der Begriff sowohl den Prozess als auch das Resultat dieser Einflussnahme.«6

Wie wir bereits wissen, findet Entwicklung sowieso statt. Um die Werte einer Gesellschaft, in der man lebt und in der die Kinder aufwachsen, vermitteln zu können, bedarf es einer sicheren Beziehung. Nur wer sich in einer Beziehung sicher, angenommen, akzeptiert und geliebt fühlt, ist in der Lage, das eigene Verhalten gemäß den Gesellschaftsnormen angstfrei anzupassen. Die Grundhaltung muss deshalb sein: »Du bist einmalig, einzigartig, und ich schätze und liebe dich dafür, wie du bist.« Das Kind muss fühlen, dass jegliche Kritik oder Ermahnung und jeder sonstige Hinweis stets auf der Grundhaltung basiert: »Du bist wundervoll – nur noch dies und das gilt es einzuüben.«

Trotzdem müssen wir den Kindern selbstverständlich ihre Grenzen aufzeigen. Ihr Hirn ist noch nicht so reif, dass sie beispielsweise eine adäquate Risikoeinschätzung vornehmen könnten. Wichtig dabei ist jedoch, dem Kind zu vermitteln, dass es als Mensch, als Persönlichkeit seit Geburt einmalig und perfekt ist und dass lediglich dieses eine Verhalten in dieser spezifischen Situation unangebracht ist. Wir zeigen dem Kind somit, dass es als Persönlichkeit voll und ganz geschätzt wird und lediglich auf der Verhaltensebene noch einiges dazulernen darf.

Ein einfacher Zugang zum Kind, das ein »Fehlverhalten« zeigt, liegt darin herauszubekommen, welche Motivation das Kind zu diesem Fehlverhalten angetrieben hat. Fragen wie »Interessant, wie du das versucht hast … was war dein Ziel?« oder »Ich bin sehr gespannt, welches Ziel du mit deinem Verhalten verfolgst?« zeigen dem Kind, dass wir ernsthaftes Interesse an ihm haben. Da wir ja davon ausgehen, dass kein Kind ein Fehlverhalten mit bewusster Absicht zeigt, fühlt es sich durch die Fragen dazugehörig – und dies ist der Beweis für eine tragbare Beziehung.

Diese Unterscheidung zwischen situativem Fehlverhalten und einem »Angriff« auf die kindliche Persönlichkeit ist nicht zu unterschätzen. Kinder tendieren dazu, Rückmeldungen zu verallgemeinern. Dadurch kann ein negatives Selbstbild entstehen, was der Ursprung für verschiedenste psychische sowie psychosomatische Probleme und der Nährboden für weiteres Fehlverhalten sein kann.


Als kleines anschauliches Beispiel dazu nehme ich gerne das Bild eines dicken, festen Taus. Wenn ich jemanden kennenlerne, dann werfe ich ihm/ihr ein dickes, festes Beziehungstau zu. Im Verlauf der Beziehung geschehen auch Verletzungen, und immer wieder reißt einer der feinen Fäden, die jedoch zusammen die Festigkeit des Taus ausmachen. Derjenige, der dem anderen das Tau zugeworfen hat, ist ebenso in der Verantwortung, allfällige Reparaturen am bereits gerissenen Faden vorzunehmen, sonst ist der Beziehungsschaden beinahe nicht mehr wettzumachen – wie bei dem Sprichwort: »Wenn der letzte Faden gerissen ist« – der bisherige, fließende Ablauf eines Tuns oder Geschehens ist unterbrochen.

Zuhören ist DER Weg zur emotionalen Verbindung

Doty7 schreibt sehr treffend:

»Ein Kinderherz ist ganz offen. Kinder erzählen einem, wovor sie Angst haben, was sie glücklich macht, was sie an einem mögen und was nicht. Sie sind wie ein offenes Buch, und man muss nicht erst mühsam herausfinden, was sie wirklich denken.«

Zeigt ein Kind ein Fehlverhalten, so signalisiert es, dass es ihm emotional nicht gut geht. Neurobiologisch gesehen gibt es eine Überreaktion in der rechten Hirnhälfte, was sich in Ausrastern, Anfällen, Weinen etc. äußert. In solchen Momenten ist die linke Hirnhälfte, die für logische Zusammenhänge zuständig ist, nicht aktiv. Wir können das Kind dabei unterstützen, sich zu beruhigen, indem wir die ausgedrückten Gefühle wie Wut, Trauer oder Aggression (teilweise lauthals und mit Türenknallen etc.) verbal spiegeln und sie benennen. Dies bedeutet, sich zuerst emotional mit dem Kind zu verbinden. Dieses Konzept stammt aus dem Buch Achtsame Kommunikation mit Kindern8 von Dan Siegel und Tina Bryson (S. 43 ff.).

Die rechte Seite unseres Gehirns verarbeitet unsere Emotionen und autobiografische Erinnerungen, aber es ist die linke Seite, die diesen Gefühlen und Erinnerungen einen Sinn gibt (ebd., S. 48).

•Verbinden und Umleiten – auf den emotionalen Wellen surfen: Wenn ein Kind wütend ist, wird die Logik oft nicht funktionieren, wenn wir nicht zuvor auf die emotionalen Bedürfnisse eingegangen sind, für die eher die rechte Hirnhälfte zuständig ist.

-Schritt 1 – sich mit der rechten Hirnhälfte verbinden: Es ist wichtig zu bedenken, dass für unser Kind seine Gefühle real und bedeutsam sind – egal, wie sinnlos und frustrierend sie sich für uns anfühlen. Wir sollten unbedingt entsprechend auf diese Gefühle eingehen.

-Schritt 2 – mit der linken Hirnhälfte umleiten: Wenn das Kind in einer emotionalen Flut der rechten Hirnhälfte ertrinkt, tun Sie sich selbst einen großen Gefallen, wenn Sie sich zunächst emotional mit dem Kind verbinden, bevor Sie umleiten, also Ihr Verhalten korrigieren. Das Ziel besteht also darin, den Kindern dabei zu helfen, beide Seiten des Gehirns zu nutzen, also die linke und die rechte Hirnhälfte zu integrieren (ebd., S. 40). Dieser Ansatz kann lebensrettend sein, denn Sie halten den Kopf Ihres Kindes über Wasser und bewahren sich selbst davor, mit ihm nach unten gezogen zu werden. Das bedeutet, dass sowohl die Logik (linke Hirnhälfte) als auch die Emotionen (rechte Hirnhälfte) verbunden und aktiv sind, denn nur dann ist das Gehirn horizontal integriert. Mit diesem Konzept des integrierten Gehirns verstehen wir, dass es im Allgemeinen angebracht ist, falsche Verhaltensweisen und deren Konsequenzen erst zu besprechen, nachdem sich das Kind beruhigt hat. Denn Phasen der emotionalen Überflutung sind nicht die besten Momente, um etwas zu lernen.

•Benennen, um es zu zähmen – Geschichten erzählen, um starke Gefühle zu beruhigen: Wenn ein Kind schmerzhafte, enttäuschende oder angstauslösende Momente erlebt, kann es das als überwältigend empfinden, weil große Emotionen und Körperempfindungen seine rechte Hirnhälfte überschwemmen. Wenn das geschieht, können wir Erwachsene helfen, indem wir die linke Hirnhälfte ins Spiel bringen, damit das Kind verstehen kann, was geschieht. Eine der besten Möglichkeiten, um diese Form der Integration zu fördern, ist es, dass Sie dem Kind helfen, die Geschichte der angstauslösenden oder schmerzvollen Erfahrung noch einmal zu erzählen. Die Emotionen werden benannt und somit bezähmt.

Es gibt viele Situationen, in denen unser Kind die Geschichte nicht erzählen will, wenn wir es darum bitten. Nicht drängen! Stattdessen können wir es sanft unterstützen, indem wir mit der Geschichte beginnen und das Kind bitten, die Einzelheiten hinzuzufügen.

Heilung bei einer schwierigen Erfahrung tritt dann ein, wenn die linke Seite mit der rechten zusammenarbeitet, um unsere Lebensgeschichte zu erzählen.

Wenn wir unsere angstauslösenden und schmerzvollen Erfahrungen benennen können – wenn wir sie wirklich in Worte fassen können –, werden sie oft weniger furchterregend und schmerzhaft.

Zeigt Ihr Kind ein Fehlverhalten, so befindet es sich in einer emotionalen Dysbalance. Teilt das Kind ein Gefühl mit – wie beispielsweise »Ich habe Angst« – und hört es dann als Reaktion »Du musst keine Angst haben«, so ist es zu Recht verwirrt. Erstens hat Angsthaben nichts mit Müssen zu tun – denn wer will schon Angst haben müssen. Zweitens erfährt das Kind, dass seine eigene Selbstwahrnehmung – nämlich, Angst zu haben – falsch ist. Es ist, wie wenn Sie mir sagen würden: »Ich habe Hunger«, und ich antworten würde: »Das stimmt nicht, Sie haben keinen Hunger.«

Es ist gerade für Kinder eine äußerst wichtige und elementare Erfahrung, dass sie in ihrer Selbstwahrnehmung ernst genommen werden. Ernst genommen werden heißt nicht »nur«, gehört und gesehen zu werden, sondern auch gefühlt zu werden.

Bindung – weiterführende Gedanken und Beobachtungen


ALLGEMEINE FRAGEN


•Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie stark würde ich die Bindung zu meinem Kind aktuell einschätzen (0 = keine Bindung, 10 = äußerst starke Bindung)?

•Was müsste sich an der Beziehung ändern, um einen Punkt höher zu kommen?

•Wie könnte ich dies erreichen?

•Zu wem habe ich aktuell die engste Bindung?

•In welchen Momenten fühle ich die tiefe Bindung zwischen mir und meinem Kind?

TAGEBUCH-FRAGEN 15. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 16. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 17. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 18. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 19. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 20. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

TAGEBUCH-FRAGEN 21. TAG


•Wie konnte ich heute die Bindung zu meinem Kind stärken?

• In welcher Situation war das?

• Wie hat mein Kind darauf reagiert?

• Was habe ich heute über mein Kind gelernt?

• Was habe ich heute über mich gelernt?

• Was ist mir heute gut gelungen?

Weitere Gedanken:

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