Kitabı oku: «Kreisläufe des Klimawandels», sayfa 2
Ein großes Unbehagen
Starke gesellschaftliche Kräfte waren zu Beginn des Jahres 2021 im Spiel und bildeten die Kulisse für diese Begegnung. Die COVID-19-Pandemie verbreitete weltweit Leid und Tod und verursachte massive Störungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Darüber hinaus erlebten viele Nationen eine schmerzhafte und dennoch aufrüttelnde Reaktion auf die Grausamkeiten, den Verrat und die Ungerechtigkeiten, die wir Menschen einander zufügen, zu oft aufgrund von Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Besitz. Darüber hinaus war am 25. Mai 2020 mit der Ermordung von George Floyd durch die Polizei in Minneapolis ein Funke übergesprungen. Demonstranten gingen in vielen Ballungsräumen der USA und auf der ganzen Welt auf die Straße. Dann, nur drei Tage vor der Begegnung, am 6. Januar 2021, überfiel ein Mob, der das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl kippen wollte, das Kapitol in Washington.
Gleichzeitig verbreitete sich als Folge der Intensität und der Ausmaße der COVID-19-Krise die Hoffnung, wir Menschen könnten uns und unsere Verhaltensmuster womöglich schnell ändern, wenn wir davon überzeugt wären, dass wir keine andere Wahl haben. Was umso wichtiger war, als die wissenschaftlichen Erkenntnisse mittlerweile unwiderlegbar gemacht haben, dass sich die Weltgemeinschaft angesichts der Klimanotlage viel schneller und radikaler ändern muss, als es bisher möglich schien.
Die Zukunft allen Lebens auf dem Planeten Erde befindet sich in unmittelbarer Gefahr. Entscheidungen, die wir jetzt und in den nächsten zehn Jahren treffen, werden für Jahrhunderte, sogar Jahrtausende Konsequenzen haben.
Das ist schwer zu akzeptieren. Deshalb sehen wir lieber weg. Wie lenken uns lieber ab. Wir geben uns falschen Hoffnungen hin. Hinzusehen erfordert Mut. Würden wir tief in die Bedrohungen unseres einzigen Zuhauses schauen und sie wirklich begreifen, wäre es unsere einzige Option, uns sofort grundlegend und weitreichend zu verändern.
Die Reaktion der Erde auf die globale Erwärmung durch die Emissionen fossiler Brennstoffe beschleunigt dramatisch den Anstieg der Temperatur in Zyklen, die drohen, außer Kontrolle zu geraten. Das ist das Problem. Die Lösung? Wenn wir mit Dringlichkeit und Intelligenz zusammenarbeiten, können wir Emissionen reduzieren und dazu beitragen, die besten Technologien der Natur zu erneuern, um Kohlenstoff dort zu speichern, wo er hingehört: im Boden.
Eine historische Begegnung: Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama und Greta Thunberg
Die Moderatorin eröffnete das Programm mit einer persönlichen Begrüßung des Dalai Lama. Viele Jahre waren vergangen, seit sie sich die beiden zum ersten Mal begegnet waren, in den USA und in Dharamsala sowie in Mundgod, der tibetischen Siedlung im Süden Indiens. Zusammen mit dem Mind & Life Institute veranstaltet Seine Heiligkeit schon seit Jahrzehnten Dialoge zwischen Wissenschafts- und Weisheitstraditionen. Und manchmal erzählt er seine Geschichte. Wie er 1959 aus seiner Heimat Tibet vertrieben wurde und seither sein Volk im Exil führt. Ein Flüchtling, der alles zurücklassen musste, was er kannte, so wie es jetzt Klimaflüchtlinge tun müssen. Vierzig Millionen Menschen mussten bereits ihre Heimat verlassen, weil sie zur Wüste wurde, und bis 2050 könnten es bis zu eine Milliarde sein. Die Geschichte, die Seine Heiligkeit erzählt und die er mit Mut und Anmut gelebt hat, kann uns viel darüber beibringen, wie wir einander unterstützen können und wie wir unsere Menschlichkeit, auch in Zeiten der Dunkelheit, des Traumas und der Verzweiflung, bewahren können.
Für das von ihm vermittelte Bewusstsein der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Menschen und allen Lebewesen erhielt der Dalai Lama 1989 den Friedensnobelpreis. Er war der erste Preisträger, dessen Erkenntnisse die Arbeit zum Schutz der Umwelt hervorhoben. Das Nobelpreiskomitee betonte, dass er »seine buddhistische Friedensphilosophie auf der Ehrfurcht vor allen Lebewesen und der Idee einer universellen Verantwortung gründet, die Mensch und Natur umfasst«. Diese und verwandte Themen sind nun allgegenwärtige Lehren und Schriften, die sich auf der ganzen Welt verbreitet haben.
Bei der Veranstaltung im Januar 2021 betraf unsere erste Frage an Seine Heiligkeit seinen Brief, den er vor einiger Zeit an Greta geschickt hatte, und den Sie im folgenden Kapitel nachlesen können. Was hat ihn dazu inspiriert, Greta zu schreiben? Warum wollte er mit ihr in Kontakt treten, sie kennenlernen und wie sieht er die Bedeutung ihrer Arbeit für die Zukunft?
Nach seiner herzerwärmenden Reaktion begrüßten wir Greta mit Dank für ihr Engagement, ihre Arbeit und die Zeit, die sie sich genommen hatte, um bei uns zu sein. Mitten in der Nacht. Greta hatte kurz davor, am 3. Januar, ihren 18. Geburtstag gefeiert und würde am darauffolgenden Montag nach langer Abwesenheit wieder zur Schule gehen. In öffentlichen Interviews und Statements macht sie oft deutlich, dass sie viel lieber zur Schule gehen würde, statt ihre Ausbildung und ihre Kindheit zu opfern, um »Erwachsene aufzuwecken«. Sie sollen, verlangt sie, »nicht zu uns sagen, was Sie in der von Ihnen geschaffenen Gesellschaft für politisch möglich halten, (…) sondern Ihre Differenzen beilegen und anfangen, sich so zu verhalten, wie man es in einer Krise tun würde. Wir Kinder tun das, weil wir unsere Hoffnungen und Träume zurückhaben wollen«.
Nach dem Austausch zwischen den beiden neuen Freunden war es Zeit, uns den wissenschaftlichen Grundlagen der Feedback-Loops zu widmen. Denn wir müssen tun, worauf sowohl der Dalai Lama als auch Greta Thunberg bestehen: auf die Wissenschaft hören. Gerade in Anbetracht der Klarheit, mit der sie der Menschheit die Herausforderung zeigt.
Nachrichten aus der Wissenschaft
Zwei renommierte Wissenschaftler, die ihr Leben dem Problem des Klimawandels gewidmet haben, waren vor Ort, um uns die Dringlichkeit unserer Situation vor Augen zu führen. Dr. Susan Natali ist eine Inspiration dank ihres Fachwissens, ihres Engagements und ihres Mitgefühls, das sie antreibt. Sie arbeitet derzeit im vielleicht herausforderndsten Gebiet der Welt, der schmelzenden Arktis. Herausfordernd ist das sowohl auf körperlicher, als auch auf intellektueller und emotionaler Ebene. Am Woodwell Climate Research Center in Falmouth, Massachusetts, leitet sie das Arctic Program, ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern, das die Triebkräfte und Folgen des schnellen arktischen Wandels untersucht. Dr. Natali untersucht die Auswirkungen von auftauenden Permafrostböden und Bränden auf die Speicherung oder Freisetzung von Kohlenstoff und damit auf das globale Klima. Ihre Arbeit umfasst, auf lokaler und globaler Ebene, prozessorientierte Feldforschung, Fernerkundung und computergestützte Modellierung. Wir wollten unbedingt mehr von ihr lernen.
Bill Moomaw hat bahnbrechende Beiträge zu vielen Umweltstudien verfasst. Es geht um nachhaltige Entwicklung, erneuerbare Energien, politische Auswirkungen auf den Klimawandel und vieles mehr. Heute ist er emeritierter Professor für Internationale Umweltpolitik an der Fletcher School of Law and Diplomacy der Tufts University und war unter anderem koordinierender Hauptautor des Kapitels des Weltklimarates (IPCC) von 2001 über Treibhausgasemissionen und Hauptautor von drei weiteren IPCC-Berichten (1995, 2005 und 2007). Die Arbeit des IPCC wurde 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Diese beiden hochrangigen Wissenschaftler, Sue und Bill, diskutierten während des Zusammentreffens als Beispiele für Feedback-Loops zwei Arten von natürlichen Ökosystemen: Wälder und Permafrost in der Arktis und wie sie interagieren. Bill sprach darüber, wie das Schicksal der Wälder auf der ganzen Welt das Schicksal der Arktis beeinflusst und umgekehrt. Und das Schicksal der Menschen. Wir müssen die Arktis wieder einfrieren, um sie zu retten, sagte er. Um die Arktis wieder einzufrieren, müssen wir die Erde abkühlen. Um die Erde abzukühlen, müssen wir die Feedbacks stoppen und dafür müssen wir die bereits in der Atmosphäre vorhandenen wärmespeichernden Gase reduzieren.
Jüngste Studien zeigen, dass, wenn wir unserer Wälder wieder wachsen lassen, sie das Potenzial haben, doppelt so viel Kohlenstoff zu speichern wie heute. Wir müssen uns die Tatsache zunutze machen, dass größere Bäume den meisten Kohlenstoff ansammeln und speichern. Wir müssen Bäume weiterwachsen lassen, damit sie den Kohlenstoff speichern können, der so dringend gespeichert werden muss. Das Pflanzen neuer Bäume ist hilfreich, aber es dauert lang, bis das bedeutende Auswirkungen hat.
Wir müssen handeln
Wir sehen, dass wir einer unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt sind, die mit der Art und Weise zusammenhängt, wie wir Menschen unsere Industriegesellschaft, unsere Wachstumswirtschaft, unsere Landwirtschafts- und Verkehrssysteme, unsere Glaubenssysteme und unsere Lebensweise organisiert haben. Das spüren die meisten von uns schon lange. Nachdem wir diese Realität erkannt haben, können wir nicht anders, als uns zu fragen: Was müssen wir tun? Wer müssen wir sein? Wie leben wir mit diesem Wissen heute und morgen und für den Rest unserer Tage?
Es ist eine positive Entwicklung, wie der Dalai Lama und Greta Thunberg betont haben, dass junge Aktivisten von Politikern fordern, gegen den Klimawandel vorzugehen, auch im Zusammenhang mit mehr sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit. Das ist der einzige Weg. Und so liegt es nun an uns, diesen Weg ebenfalls zu gehen. Nicht einmal zu handeln, sondern immer wieder.
Wir müssen handeln, um unserer selbst willen und für alle, die wir kennen und lieben und jemals gekannt haben, für alle, die wir nicht kennen, von denen wir wenig oder nichts wissen, wir müssen es zum Wohle aller Menschen und aller Lebewesen tun, für eine gemeinsame Zukunft, in der unsere Schicksale miteinander verbunden sind.
Wachen Sie morgens auf und fragen Sie sich: Was werde ich heute gegen den Klimawandel tun? Gehen Sie ins Bett undfragen Sie sich: Was habe ich heute gegen den Klimawandel getan und was werde ich morgen tun? Wie kann ich anderen helfen, zu sehen, was ich sehe und was ich nicht länger ignorieren kann? Wen kann ich dabei als meinen Partner finden, und wen können wir beide gewinnen, um sich uns anzuschließen, bis wir eine Menge bilden?
Wenn wir unsere Arbeit gut machen, können wir hoffen, einen positiven sozialen Feedback-Loop zu aktivieren. Einen, der sich zu einer globalen Kraft aufbaut, die der Bedrohung angemessen ist. Doch um damit anzufangen, müssen wir erst einmal Verständnis für die Feedback-Loops und ihre Auswirkungen schaffen. Wir hoffen, dass dieses Buch Ihnen helfen wird, damit »Wir, das Volk«, wie Greta sagt, unsere Führer dazu bewegen können, so zu handeln, als ob unser Haus in Flammen steht. Weil wir wissen, dass es so ist.
*Diana Chapman Walsh fungierte während des Aufeinandertreffens von Dalai Lama und Greta Thunberg als Moderatorin und führte Millionen von Menschen durch die Veranstaltung. Die ehemalige Professorin und emeritierte Präsidentin des amerikanischen Wellesley College identifiziert sich mit AktivistInnen wie Greta Thunberg und scheut nicht davor zurück, auch selbst auf die Straße zu gehen und gemeinsam mit Gleichgesinnten gegen die Klimapolitik zu demonstrieren.
**Der Filmemacher Barry Hershey leistet einen erheblichen Beitrag zur Vermittlung von Wissen über die Klimakrise an eine breite Öffentlichkeit. Gekonnt verpackt er die Wissenschaft der Feedback-Loops, die Situation des Planeten oder auch das Leben des Dalai Lama in Bewegtbilder, die berühren und um Nachdenken anregen.

BRIEF DES DALAI LAMA AN GRETA THUNBERG
Liebe Greta,
ich schreibe dir, um meine tiefe Wertschätzung für deine Bemühungen auszudrücken, ein Bewusstsein für die Klimakrise zu schaffen, die uns alle betrifft. Es ist sehr ermutigend zu sehen, wie du andere junge Menschen dazu inspiriert hast, gemeinsam mit dir ihre Stimme zu erheben.
Du weckst Menschen auf und führst ihnen den wissenschaftlichen Konsens und die Dringlichkeit zu handeln vor Augen.
Auch ich bin ein glühender Verfechter des Umweltschutzes. Wir Menschen sind die einzige Spezies, die die Macht hat, die Erde, wie wir sie kennen, zu zerstören. Doch wenn wir die Fähigkeit haben, sie zu zerstören, so haben wir auch die Fähigkeit, sie zu schützen.
Es ist ermutigend zu sehen, wie du die Augen der Welt geöffnet hast für die Dringlichkeit, unseren Planeten zu schützen, der unser einziges Zuhause ist. Gleichzeitig hast du so viele junge Brüder und Schwestern angeregt, sich deiner Bewegung anzuschließen.
Ich biete dir von ganzem Herzen meine Unterstützung für deine Bemühungen an.
Mit meinen Gebeten und guten Wünschen,
Hochachtungsvoll
Dalai Lama

Alle unsere Hoffnungen hängen von dieser neuen Generation ab. Es ist das Glück der Menschheit, dass diese neue Generation bewusster, aufgeklärter und mutiger ist und sich wirklich um die Gesundheit unseres Planeten kümmert.
ALLE WESEN WOLLEN GLÜCKLICH SEIN
Wir leben in einer besonders materialistischen Zeit. Deshalb fand bisher eher selten jemand klare Worte über den Zustand der Welt, unserer Umwelt und über all die Dinge, die den Fortbestand des Planeten als Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen sichern. Als ich Greta Thunberg zum ersten Mal sprechen hörte und sie ihre Art offenbarte, über die Probleme, vor denen wir als Menschheit stehen, zu denken, war ich voller Bewunderung für sie. Gleichzeitig empfand ich ihre Worte und Gedanken als ausgesprochen ermutigend. Sie weckte in mir echte Hoffnung, weil sie zeigte, dass unsere junge Generation über unsere Umwelt und die Probleme, die wir verursacht haben, ernsthaft nachdenkt.
Meine Generation und überhaupt alle älteren Generationen haben eine Menge Probleme geschaffen, das ist so.
Und wenn es darum ging, sich um die Umwelt zu kümmern, war meine eigene Generation überhaupt nicht gut. Die heutige Klimakrise ist Teil der Vergangenheit, die wir, die ältere Generation, geschaffen haben. Jetzt ist es an der Zeit, Lösungen für dieses schwerwiegende Problem zu suchen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass meine eigene Generation einen innovativen inhaltlichen Beitrag zur Lösungsfindung leisten kann. Tatsache ist, dass viele von uns bald weg sein werden. Deshalb hat vor allem die jüngere Generation die Zukunft unseres Planeten in der Hand. Alle unsere Hoffnungen hängen von dieser neuen Generation ab. Es ist das Glück der Menschheit, dass diese neue Generation bewusster, aufgeklärter und mutiger ist und sich wirklich um die Gesundheit unseres Planeten kümmert. Diese neue Generation versteht, dass wir Menschen die moralische Verantwortung haben, die Gesundheit der Erde zu gewährleisten, ein Zuhause, das wir mit so vielen Tierarten teilen.
Deshalb tut es so gut, eine Stimme wie die Greta Thunbergs zu hören. Eine Stimme aus der Gemeinschaft der jungen Menschen. Eine, in der ein ehrlich empfundenes Gefühl der Sorge um die Zukunft unseres Planeten und um die der gesamten Menschheit liegt.
Dass Greta ihre Stimme in diesem Sinn erhebt, ist ein Zeichen der Hoffnung in einer Zeit, in der die Sorge um die Zukunft alle Wesen erfasst. Denn tatsächlich wollen alle Wesen ein glückliches Leben führen. Der Sinn des Lebens ist es, glücklich zu sein. Nicht nur wir, die Menschen, sondern auch die Tiere, sogar die Insekten, alles Lebendige will glücklich sein. Angst steht dem entgegen.
Aber bleiben wir bei uns Menschen und sprechen wir über unser Gehirn. Es ist im Vergleich zu dem aller anderen Lebewesen etwas ganz Besonderes. Es macht uns intelligent, kreativ und erfinderisch. Doch das ist nicht alles. Wenn wir den Planeten von oben betrachten, erkennen wir leicht, dass uns dieses Gehirn auch zu seinen größten Unruhestiftern macht.
Andere Lebewesen verbringen ihre Zeit mit Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung und Schlafen. Doch uns reicht das nicht. Wir haben viele verschiedene Arten von Anliegen und Bedürfnissen, von Wünschen und Sehnsüchten, von Verlangen und Gelüsten, und von Gefühlen. Trauer zum Beispiel können andere Lebewesen nicht im gleichen Ausmaß fühlen wie wir Menschen. Sie können nicht von einer fernen Zukunft träumen, so wie wir Menschen es können. Und sie wenden nicht viel Zeit dafür auf, sich über die Bedeutung der Existenz Gedanken zu machen, so wie wir Menschen es tun.
Was bedeutet nun also diese Einzigartigkeit unserer Spezies und was sind ihre Konsequenzen? Die Antwort auf diese Frage gibt ein Blick auf die menschliche Geschichte. Wir Menschen sind unter den Spezies auf diesem Planeten die einzige, die auf vielfältige Weise und im großen Stil gute Dinge hervorbringen kann. Gleichzeitig sind wir auch die einzige, die auf vielfältige Weise und im großen Stil Probleme schaffen kann. Wir haben zum Beispiel als einzige Spezies die Kraft, diesen Planeten und sein Klima zu zerstören. Genau das tun wir auch. Die meisten der Umweltprobleme, mit denen wir zu kämpfen haben, sind unsere eigene Schöpfung.
Warum ist das so? Wie kann es sein, dass unser Gehirn so besonders, so wunderbar ist, und wir in einem bestimmten Punkt trotzdem so beschränkt in unserem Denken sind? Warum denken wir überwiegend egozentrisch, immer in Bezug auf »mich«, »mein« und »unser«? Warum denken wir immer in diesen kleinen Kreisen? Warum denken wir eher an das Kurzfristige, das Unmittelbare und das Offensichtliche und entscheiden uns, nicht an das Langfristige und die zugrunde liegenden Bedingungen zu denken?
Das Verwirklichen von Eigeninteressen war eindeutig von Vorteil für das Überleben unserer Spezies, und Biologen sagen uns, dass dies ein wichtiger Teil unserer evolutionären Eigenschaften ist. Aber es ist an der Zeit, einem anderen Teil unserer Eigenschaften Aufmerksamkeit zu schenken und Bedeutung zu verleihen, unserer Natur als soziale Tiere. Wir hätten irgendwann lernen müssen, dass ausschließliches Streben nach Eigeninteresse unserem eigenen Wohlbefinden sogar schadet. Dagegen ist die Sorge um das Wohlergehen anderer für unser persönliches Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung, denn es ist unsere empathische Natur, die es uns ermöglicht, soziale Verbindungen aufzubauen, die für das Glück so entscheidend sind. Tatsache ist: Das Leben, das Glück und der Erfolg eines jeden Menschen hängen von anderen und von der Gemeinschaft ab. Wir alle sind aufeinander angewiesen, ob als Einzelpersonen, Familien oder Länder.
Das war nicht immer so. Über die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg, also viele, viele Jahrtausende lang, bildeten wir Menschen kleine Kreise. Wir lebten und dachten in kleinen Kreisen, die nicht miteinander vernetzt waren und keine größere Einheit bildeten. Doch das Denken, das sich an kleinen Gemeinschaften orientiert, ist angesichts unserer heutigen Weltbevölkerung sinnlos geworden. Unser Denken muss sich neu ausrichten. Daran, dass wir nur noch gemeinsam etwas bewirken können.
Schon früher, in der Antike, und bis herauf in die Gegenwart haben wir uns mit Ost und West, Nord und Süd, und auch da jeweils mit unterschiedlichen Religionen, Hautfarben und Sprachen auseinandergesetzt. All dies ist jetzt nebensächlich. Es hat keine Bedeutung mehr. Heute, in unserer tief verflochtenen Welt und insbesondere angesichts der Klimakrise, sind solche Spaltungen von keiner großen Bedeutung. Was wir dringend brauchen, ist ein Gefühl der Einheit der Menschheit, ein Gefühl des kollektiven »Wir«, das die gesamte Menschheit umfasst. Bis heute erinnere ich mich an die starken Emotionen, die ich verspürte, als ich zum ersten Mal das Foto der Erde aus dem Weltraum sah. Gefühle des Staunens, der Schönheit, der Einheit der Menschheit sowie der Zerbrechlichkeit unseres Planeten stürmten auf mich ein, als würden sie miteinander konkurrieren.
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