Kitabı oku: «30 Minuten Schreibblockaden lösen»
Daniel Fitzke
30 Minuten
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Umschlagkonzept: Martin Zech Design, Bremen
Lektorat: Eva Gößwein, Berlin
Grafiken: Daniel Fitzke/gutekommunikation.net
Autorenfoto: Foto Gehring, Lennestadt
© 2018 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem 2018 erschienenen Buchtitel "30 Minuten Schreibblockaden lösen" von Daniel Fitzke, © 2018 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.
Hinweis:
Das Buch ist sorgfältig erarbeitet worden. Dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gemachten Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-881-8
ISBN epub: 978-3-95623-796-6
In 30 Minuten wissen Sie mehr!
Dieses Buch ist so konzipiert, dass Sie in kurzer Zeit prägnante und fundierte Informationen aufnehmen können. Mithilfe eines Leitsystems werden Sie durch das Buch geführt. Es erlaubt Ihnen, innerhalb Ihres persönlichen Zeitkontingents (von 10 bis 30 Minuten) das Wesentliche zu erfassen.
Kurze Lesezeit
In 30 Minuten können Sie das ganze Buch lesen. Wenn Sie weniger Zeit haben, lesen Sie gezielt nur die Stellen, die für Sie wichtige Informationen beinhalten.
Alle wichtigen Informationen sind blau gedruckt.
Zahlreiche Zusammenfassungen innerhalb der Kapitel erlauben das schnelle Querlesen. | |
Ein Fast Reader am Ende des Buches fasst alle wichtigen Aspekte zusammen.
Inhalt
Vorwort
1. Schreibblockaden gibt es gar nicht
Prokrastination ist Arbeit
Der kreative Prozess
Druck macht Diamanten
2. Angstblockaden und Erwartungsmanagement
Angst blockiert
Eigene Erwartungen
Erwartungen des Umfelds
Vertrauen ist gut! Punkt.
3. Kreative Prozesse gestalten
Intensität und Bewusstseinsaktivität
Expedition: Es geht los!
Inkubation: War da was?
Illumination: Feuerwerk im Cortex
Evaluation: Präzisionsarbeit auf den letzten Metern
4. Blockadefrei schreiben
Vertrau dir selbst, sonst tut es keiner
Fütter die Aliens
Spiel mit deinem inneren Kind
Du bist okay!
Den inneren Monolog anhalten
Fast Reader
Das letzte Wort …
Der Autor
Weiterführende Literatur
Vorwort
Hey, du! Ja, du, liebe Leserin. Und natürlich auch du, lieber Leser. Darf ich „du“ sagen? Nur für dieses Buch? Danach können wir gern wieder förmlich werden. Aber jetzt wollen wir ja gemeinsam an einer Sache arbeiten. Und da soll es doch ein bisschen lockerer zugehen. Schließlich geht es um Kreativität, oder nicht?
Ja, du hast richtig gelesen: Wir werden uns mit Kreativität beschäftigen. Denn du bist auf jeden Fall ein kreativer Typ. Sonst hättest du nicht zu diesem Buch gegriffen. Schreibblockaden, oder wie immer du sie nennen willst, gehören nämlich zu kreativen Prozessen dazu. Darum haben wir kreativen Schreiber alle damit zu tun. Nur wer lieblos Worte aneinanderreiht, kennt keine Schreibblockaden.
Also einigen wir uns darauf, vorerst beim „Du“ zu bleiben? Super, ich danke dir! Dafür verspreche ich dir auch, dass wir gemeinsam eine Menge Spaß haben werden. Du wirst feststellen, dass du mit deinen Schreibblockaden nicht allein bist und dass mit dir alles in Ordnung ist. Schon allein dadurch wird dieses Buch dich ganz persönlich weiterbringen und dir bei deiner Arbeit helfen.
Du wirst außerdem konkrete Modelle und Vorgehensweisen kennenlernen, für die es auch eine wissenschaftliche Grundlage gibt, und du bekommst Checklisten, die dir deine Arbeit erleichtern. Vor allem aber wirst du in Zukunft bei deiner kreativen Schreibarbeit noch mehr Spaß haben und dich besser fühlen. Denn du wirst entspannter bei der Sache sein, deinen Zug zum Ziel bewahren und dich nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Diese Worte sprudeln gerade nur so aus mir heraus. Sie läuten das Ende einer langen Inkubationsphase ein. Was das ist, erfährst du in diesem Buch. Wie du damit umgehst, auch.
Ach ja, solltest du gerade in diesem Augenblick eine Schreibblockade haben, mach dich ganz locker. Das ist nämlich ein gutes Zeichen. Du brauchst gar nicht viel zu tun, lass einfach dein Unterbewusstsein arbeiten. Lies dabei ruhig ein bisschen weiter, dann bist du wenigstens beschäftigt. Bald werden die Ideen nur so sprudeln. Ganz bestimmt. Wahrscheinlich wird es dann wieder einmal eine Punktlandung …
Jetzt lass uns aber zur Sache kommen. Ich freue mich, dass du da bist, und wünsche dir viel Spaß beim Lesen.
Daniel
1.Schreibblockaden gibt es gar nicht
Schreibblockaden hatten wir alle schon mal. In der Schule, an der Uni, als Hobby- oder Berufsschreiber. Bei Projekt- oder Abschlussarbeiten, beim Texten für Presse oder Internet, beim Vorbereiten von Reden, Konzepten oder Präsentationen. Beim Bloggen, beim Dichten, bei der Hochzeitszeitung und vielleicht sogar beim Liebesbrief. Gerade wenn es gut werden soll, passiert es: Plötzlich geht es nicht weiter und nichts ergibt mehr einen Sinn. Produktivität: scheinbar null. Nur der Papierkorb sieht nach Arbeit aus.
Eine Schreibblockade? Nein! Eine Phase im kreativen Prozess! Dieser läuft etwa so ab: Voller Schwung geht es an eine Aufgabe. Schnell sind erste Ideen skizziert. Dann lässt die Energie nach. Lange passiert scheinbar gar nichts. Am Rande des Nervenzusammenbruchs vollendest du dein Werk schließlich kurz vor Torschluss.
Alles okay. Kreativität braucht Zeit. Wenn du den Prozess kennst, kannst du ihn bewusst gestalten. Und schon wird dein Leben leichter.
1.1Prokrastination ist Arbeit
„Die Leute glauben, ich sitze hier und arbeite. Dabei gehe ich 80 Prozent der Zeit nur um den Tisch herum und esse einen Apfel, während ich an nichts denke.“ Dieser Satz stammt von Miranda July. Die US-amerikanische Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Filmemacherin und Performance-Künstlerin ist hochproduktiv. Chris Köver bezeichnet sie im WIRED Magazin als „vielseitigste Künstlerin der Welt“. Unter anderem hat sie etliche Kurzgeschichten und mehrere Romane verfasst. Sie schreibt auch Drehbücher, produziert Filme und programmiert Apps. Umso mehr überrascht ihre Aussage im Interview mit Chris Köver. Weiter erklärt Miranda July: „Das Gefühl, verloren oder gelangweilt zu sein, das ist meins, das will ich benutzen.“
Langeweile? Verlorenheit? Benutzen? Ja! Miranda July beschreibt eine ganz wesentliche Erfahrung im kreativen Schaffensprozess: Ein bisschen Langeweile und Prokrastination gehören immer dazu. Es geht nicht ohne. Prokrastination ist Arbeit.
Wenn du das begriffen hast, kannst du wie Miranda July die Langeweile kultivieren und als Teil des Schaffensprozesses annehmen. Dadurch lebt es sich leichter. Sicher, es braucht schon etwas Mut und großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, 80 Prozent des Tages um einen Tisch herumzulaufen und an gar nichts zu denken. Doch es ist deutlich angenehmer, als vor einem leeren Blatt oder Monitor zu sitzen und wegen scheinbar mangelnder Produktivität zu verzweifeln.
Mut zur Langeweile
Mit etwas Selbstbewusstsein und Mut zur Langeweile lösen sich Schreibblockaden von ganz allein auf. Langeweile und Orientierungslosigkeit nicht auszuhalten bedeutet dagegen, weitere Blockaden aufzubauen. Zu Phasen der Prokrastination kommt es sowieso. Ganz bestimmt.
Ideen benötigen Zeit, um zu wachsen und zu reifen. In dieser Zeit brauchen sie Ruhe und Geduld. Hab also einfach etwas Geduld. Das zarte Pflänzchen der Inspiration wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst.
Das ist keine Entschuldigung für chronisches Prokrastinieren oder für Faulheit. Am Ende braucht es immer einen Zug zum Ziel. Aber der Umgang mit der Langeweile macht einen entscheidenden Unterschied im Schreibprozess. Autoren wie Miranda July haben das verstanden und die Langeweile als festen Bestandteil ihres Schaffens akzeptiert. Dagegen sind viele professionelle und erfahrene Schreiber wie Douglas Adams, J. R. R. Tolkien oder Jack London an der Langeweile zutiefst verzweifelt – denn sie glaubten, unter Schreibblockaden zu leiden. Stephen King hat mit „Shining“ dieses Leiden sogar zum Thema eines ganzen Romans gemacht.
Mach du es dir leichter: Hab Mut zur Langeweile!
| Ideen reifen in unproduktiven Phasen. Etwas Langeweile und Orientierungslosigkeit gehören zum Schreiben immer dazu. | |
1.2Der kreative Prozess
1926 legte der Mitbegründer der London School of Economics, Graham Wallas (1858–1932), eine erste systematische Theorie des kreativen Denkens vor. In seinem Werk „The Art of Thought“ beschreibt er ein Modell des kreativen Prozesses, das bis heute Gültigkeit besitzt. Er identifiziert die vier Phasen:
1. Präparation (hier: Expedition)
2. Inkubation
3. Illumination
4. Verifikation (hier: Evaluation)

Abb. 1: Der kreative Prozess
Dem Modell von Wallas liegen Beobachtungen von Hermann von Helmholtz und Henri Poincaré zugrunde. Ein Physiker und ein Mathematiker haben also Pate für eine Theorie der Kreativität gestanden. Warum nicht? Denn auch die Lösung wissenschaftlicher Probleme erfordert kreatives Denken.
Phase 1: Expedition
Wallas verwendet für die erste Phase den Begriff „Preperation“, üblicherweise übersetzt als „Präparation“. Auch „Exploration“ findet sich als Bezeichnung für Phase 1, was wörtlich ins Deutsche übertragen auch im Sinne einer Ausbeutung (üblicherweise von Rohstoffen) verstanden werden kann.
Um den stark expeditiven, dynamischen Charakter dieser Phase zu unterstreichen, wird hier der Begriff der „Expedition“ verwendet. Also, auf zum Aufbruch ins Unbekannte. Packen wir‘s an!
Je präziser eine Aufgabe definiert ist, desto bessere Lösungsansätze finden sich am Ende. Das klingt einfacher, als es ist. Gerade bei stark konzeptionell getriebenen Arbeiten ist eine exakte Aufgabenbeschreibung unerlässlich.
Leitfragen im Bereich PR und Marketing:
Typische Leitfragen bei PR-Aktivitäten oder in der Marketing-Kommunikation lauten:
Wo stehen wir?
Was wollen wir erreichen?
Was kann die geplante Arbeit dazu beitragen?
Was sind die Botschaften?
Wen wollen wir erreichen bzw. wer sind die Zielgruppen der Botschaft?
Wie ticken diese Zielgruppen? Das heißt, was sind ihre Interessen und mit welcher Sprache erreichen wir sie?
Leitfragen bei einer wissenschaftlichen Arbeit:
Bei einer wissenschaftlichen Arbeit stehen zu Anfang andere, teilweise aber ähnliche Fragen im Vordergrund:
Was ist der Untersuchungsgegenstand?
Welche Aspekte sollen genau beleuchtet werden?
Was ist ein möglicher Erkenntnisgewinn?
Für wen kann das interessant sein?
Die Antworten auf diese Fragen führen zum eigentlichen Thema. Es folgen Recherche und ggf. ein Literaturstudium. Ein Arbeitstitel kristallisiert sich heraus. Möglicherweise gibt es schon eine erste Gliederung.
Vielleicht hast du das alles schon so oder ähnlich erlebt. Gerade diese Anfangsphase bringt oft scheinbar schnelle Resultate und die Zuversicht, die Aufgabe sicher und ohne größere Probleme bewältigen zu können. Die Zeit für ein Projekt scheint mehr als ausreichend und am Ende der Expedition sind schon die wesentlichen Pflöcke eingerammt. Das wird mal ein ganz entspannter Job. Bestimmt, wenigstens dieses eine Mal. Denkste!
Phase 2: Inkubation
Auf einmal zieht es sich. Irgendwie scheint nichts mehr zu gelingen. Es lief doch alles so gut, warum geht es denn nicht mehr weiter? Bitte, nicht schon wieder! Immer mehr lustlose Entwürfe werden verworfen. Das Thema scheint insgesamt unglücklich gewählt. Die Metaphern sind schief, Bilder und Argumente tragen nicht. Vielleicht hast du auf einmal sogar das Gefühl, dass du eigentlich gar nichts Substanzielles zu sagen hast. Das alles sind sichere Anzeichen, dass Phase 2 begonnen hat, die Inkubation.
Nur Mut!
Jetzt geht der kreative Prozess erst richtig los, denn hier übernimmt das Unterbewusstsein. Der Input aus Phase 1 sinkt aus dem Tagbewusstsein in tiefere Sphären ab und dort wird weitergearbeitet. Eigentlich ein gutes Zeichen. Nur blöd, dass du gerade gar nicht das Gefühl hast, dass überhaupt irgendetwas arbeitet.
Prokrastination gehört in dieser Phase ebenso dazu wie das Gefühl, überhaupt nichts zustande zu bekommen. Leere und Langeweile machen sich breit. Gerade schien das Ziel schon in Reichweite und auf einmal steht alles infrage. Alles okay. Dieser Zustand kann lange anhalten. Wie gesagt, Prokrastination ist Arbeit.
Phase 3: Illumination
Auf den letzten Metern kommt er dann, der heiß ersehnte, zündende Gedanke. Die verbindende Klammer, die Idee, mit der auf einmal alles einen Sinn ergibt. „Gerade noch mal Glück gehabt“, hast du dir dann vielleicht so manches Mal gesagt. Nein, das ist kein Glück. Das ist die Illumination. Das Unterbewusstsein hat seine Arbeit geleistet und es entsteht ein neuronales Feuerwerk im Cortex. „Dass ich da nicht gleich drauf gekommen bin“, ist ein typischer Gedanke an dieser Stelle. Denn meistens ist die Lösung bestechend einfach.
Sehr oft kommt die Illumination völlig unerwartet. Die eine geht mit ihrem Hund spazieren, dem anderen fällt ein Apfel auf den Kopf. Beim Joggen, beim Duschen, beim Bügeln – irgendwann funkt es. Wer nachts mit dem erlösenden Gedanken aus dem Schlaf hochfährt, hat hoffentlich einen Notizblock neben dem Bett liegen. Kennst du das? Sicher hast du deine eigenen, ganz persönlichen Beispiele.
Die verbleibende Zeit dürfte verdammt knapp sein. Wahrscheinlich wächst du jetzt über dich hinaus und entfesselst eine ungeheure Produktivität – begleitet von Blut, Schweiß und Tränen.
Phase 4: Evaluation
Jetzt kommt der Feinschliff: ein sorgfältiger Faktencheck. Stimmt der rote Faden? Sind alle Aspekte ausreichend, aber nicht zu ausschweifend beleuchtet? Tragen die gewählten Bilder wirklich? Sind die Argumente wasserdicht? Das nennt sich Evaluation. Nach der emotionalen Achterbahn zuvor brauchst du jetzt einen kühlen Kopf.
Es gibt keine Abkürzung
Nicht immer gibt es den einen kreativen Prozess. Bei größeren Projekten können innerhalb des Gesamtprozesses mehrere Mikroprozesse ablaufen. Und nicht immer ist die Aufgabe so groß, dass alle Phasen deutlich zutage treten. Im Kern ist das Muster aber den meisten Schreibenden bekannt und mehr oder weniger bewusst. Journalisten, die tagesaktuell berichten, reicht mitunter der ritualisierte Toilettengang als Inkubationszeit.
In jedem Fall gilt: Kreativität braucht Zeit. Eine Abkürzung gibt es nicht. Es ist eine Illusion, zu glauben, man könnte dauerhaft so produktiv sein wie in der Hochphase der Illumination. Das glauben nur Betriebswirte. Aber die glauben auch, dass neun Frauen gemeinsam innerhalb eines Monats ein Kind gebären können.
Auch der kreative Prozess mündet regelmäßig in eine Geburt. Und von Sturzgeburt bis Kaiserschnitt ist alles drin. Doch wer den Prozess als Ganzes kennt und akzeptiert, kann ihn bewusst steuern und die richtigen Trigger setzen. Den Geburtsschmerz wird dir niemand nehmen. Aber wenn alles gut läuft, hältst du zum Stichtag ein gesundes Baby im Arm.
| Der kreative Prozess lässt sich in vier Phasen unterteilen: Expedition, Inkubation, Illumination und Evaluation. Es gibt keine Abkürzung. Aber der Prozess lässt sich bewusst gestalten und ein Stück weit steuern. | |
1.3Druck macht Diamanten
Der vielleicht wichtigste Stimulus im kreativen Prozess ist die Deadline. Sie ist gefürchtet, aber sie ist viel besser als ihr Ruf. Denn Druck macht Diamanten. Ohne die Deadline würden viele kreative Prozesse endlos dahinplätschern und irgendwann versiegen. Die Deadline diszipliniert. Ihre Druckwellen reichen bis ins Unterbewusstsein.
Das ist der Grund, warum Referate, Hausarbeiten, Konzepte, Pressetexte, Reden, Präsentationen und die meisten anderen kreativen Arbeiten so oft kurz vor Torschluss fertig werden. Die Deadline ist der Auslöser für die Illumination. Das Unterbewusstsein liefert.
Die Deadline hilft Schreibenden über die Ziellinie. Sie hat dafür Liebe und Respekt verdient. Und sie sollte nicht als Damoklesschwert über dir schweben, sondern einen festen Platz in deiner strategischen Planung haben. Denn Deadlines lassen sich mit etwas Weitblick, Erfahrung und Verhandlungsgeschick ganz bewusst setzen.
Was häufig irrtümlich für eine Schreibblockade gehalten wird, ist in den meisten Fällen Teil eines ganz normalen kreativen Prozesses. Phasen von Langeweile, Frust und Ziellosigkeit gehören zum Schreiben dazu. Oft sind sie ein zuverlässiges Indiz dafür, dass das Unterbewusstsein bei der Arbeit ist. Graham Wallas hat bereits 1926 ein Vier-Phasen-Modell der Kreativität aufgrund von Beobachtungen der Wissenschaftler Hermann von Helmholtz und Henri Poincaré entwickelt. Die vier Phasen im kreativen Prozess sind Expedition, Inkubation, Illumination und Evaluation. Der kreative Prozess kennt keine Abkürzung, aber er lässt sich bewusst gestalten. Deadlines sind ein Katalysator für Kreativität. Wir dürfen sie lieben! | |
2.Angstblockaden und Erwartungsmanagement
Menschen neigen dazu, Angst vor dem zu haben, was sie nicht kontrollieren können. Kreative Prozesse entziehen sich in weiten Teilen der bewussten Kontrolle, deshalb können sie Angst auslösen. Angst blockiert. Aus der Blockade wächst Versagensangst. Schnell entsteht ein Teufelskreis.
Hohe eigene Erwartungen und Erwartungen des Umfelds verstärken das Gefühl, zu versagen, und halten Schreibende davon ab, der Kreativität freien Lauf zu lassen.
Eine wichtige Erkenntnis, um mit diesen Blockaden umzugehen, lautet: Die meisten Ängste beim Schreiben sind unbegründet. Es lohnt sich, ihnen mutig zu begegnen, bevor sie sich zu einer Blockade auswachsen. Denn Angst ernährt die Angst.
Auch zu hohe oder unerfüllte Erwartungen produzieren Ängste und Stress. Ein bewusstes, systematisches Erwartungsmanagement nimmt Druck aus dem Schreibprozess.
2.1Angst blockiert
Während Mathematik, Physik und andere exakte Wissenschaften bis zu einem gewissen Punkt eindeutige Lösungswege und Verfahren kennen, ist das Schreiben schon beim ersten Schritt eine Reise auf unbekanntem Gebiet. Professionelle Schreiber kennen zwar mehr oder weniger feste Strukturen und Verfahren. Es hat sich auch bewährt, den Einstieg über klare Gliederungen zu suchen. Und doch begegnet den Schreibenden wieder und wieder die Herausforderung des unbeschriebenen Blattes.
Das leere Blatt weckt diffuse Ängste. Die Angst als Affekt, als unbestimmtes Gefühl angesichts einer offenen Aufgabenstellung wirkt wie eine Einladung für negative Glaubenssätze, die den meisten Menschen im Laufe ihrer Sozialisation eingeimpft wurden. Wie eine Anklage ruft das leere Blatt sie in Erinnerung: Wie soll ich das bloß schaffen? Wie komme ich überhaupt auf die Idee, dass ich etwas zu sagen habe? Ich bin nicht gut genug! Versagensängste machen sich breit.
Das Gute an der Angst ist, dass sie eine gewisse Wachsamkeit hervorruft. Sie bewahrt vor Leichtfertigkeit bei der Bewältigung der Aufgabe. Aber sie kann auch davon abhalten, sich der Aufgabe überhaupt zu stellen. Durch Ängste getriebenes Vermeidungsverhalten und Ausreden haben nichts mit Kreativität zu tun. Angst blockiert und ist ein Kreativitätskiller.
Studierende berichten immer wieder über Einstiegsblockaden. Es fällt ihnen schwer, sich auf ein Thema für eine Hausarbeit oder vielleicht sogar für ihre Abschlussarbeit festzulegen. Natürlich ist es verständlich, dass die Wahl eines solchen Themas nicht immer leichtfällt. Aber wenn durch mangelnde Entschlussfreudigkeit ganze Semester verloren gehen, ist das ein sicheres Indiz für Vermeidungsverhalten.
Das Perfide an Ängsten ist, dass sie durch Vermeidung immer größer werden. Angst nährt die Angst. Sie lässt sich auch nicht abschalten. Der Trick ist, zu lernen, mit der Unbestimmtheit und Unsicherheit zu leben. Die Angst anzunehmen, ihr aber nicht zu viel Raum zu geben.
Feier auch kleine Erfolge!
Schreiben braucht Mut. Kleine Erfolge im Schreibprozess können mutiger machen und Ängste nehmen. Darum ist es klug, sich diese kleinen Erfolge bewusst zu machen und Meilensteine zu feiern.
Objektbezogene Ängste
Neben unbestimmten angstbesetzten Gefühlen gibt es auch konkrete Ängste, die sich auf Objekte oder Personen richten: Was ist, wenn ich durchfalle? Was werden Lehrer, Prüfer, Professoren, Vorgesetzte oder die Leserschaft sagen? Was ist, wenn ich die Eltern enttäusche?
Auch diese Ängste lassen sich kaum ausblenden. Aber es ist möglich, sie anzunehmen und auszuhalten. Und mit wachsendem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und zunehmender Erfahrung lebt es sich immer besser mit ihnen.
Ängste durch Erwartungen
Oft sind es die eigenen Erwartungen oder die antizipierten Erwartungen anderer, die zu den verheerendsten Entscheidungen im Schreibprozess führen. Überzogene Ansprüche an sich selbst erfüllen zu wollen, schürt Versagensängste. Und wer seinem Umfeld Erwartungen unterstellt, die es vielleicht gar nicht hat, macht sich das Leben unnötig schwer. Durch ein systematisches Erwartungsmanagement lässt sich ausloten und verhandeln, was andere erwarten können und erwarten dürfen. So lassen sich mit ein bisschen Mut und klarer Kommunikation aktuelle oder potenzielle Angstblockaden vermeiden oder aus dem Weg schaffen.
| Angst blockiert den Schreibprozess. Sie kann als unbestimmtes Gefühl auftreten oder sich konkret auf Personen oder Situationen richten. Durch einen bewussten Umgang mit Ängsten und Erwartungen lassen sich Angstblockaden vermeiden. | |
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