Kitabı oku: «Baba Wanga - Auf den Spuren der blinden Prophetin»
Daniela Mattes
BABA WANGA
AUF DEN SPUREN DER BLINDEN PROPHETIN
„Baba Wanga”
Neuauflage März 2022
1. Auflage 2016
Ancient Mail Verlag Werner Betz
Europaring 57, D‐64521 Groß‐Gerau
Tel.: 00 49 (0) 61 52/5 43 75, Fax: 00 49 (0) 61 52/94 91 82 www.ancientmail.de
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Inhalt
Vorwort und Danksagung in einem
TEIL 1: Kurze Biografie von Wanga
1. Zur Person
2. Heim und Umfeld
3. Ihre Erblindung
4. Erste berühmte Visionen
5. Staatliche Einmischung
6. Wangas letzte Tage
TEIL 2: Prominente Besucher, prominente Vorhersagen
TEIL 3: Wie hat Wanga geholfen?
TEIL 4: Überprüfung von Wangas Fähigkeiten
TEIL 5: Wanga und die Außerirdischen
TEIL 6: Weitere Vorhersagen damals und heute
TEIL 7: Skeptische Stimmen
Fazit Quellenangaben Über die Autorin
Vorwort und Danksagung in einem … Wie es zu diesem Buch kam
Die „blinde Prophetin“ Baba Wanga ist in Ihrer Heimat längst eine
Kultfigur, die sogar nach Ihrem Tod im Jahr 1996 mit einem Staatsbe‐ gräbnis geehrt wurde. Leider sind die meisten Unterlagen und Doku‐ mente sowie Videos über sie nur in ihrer Muttersprache erhältlich.
Doch die Dame war im Dezember 2015 plötzlich wieder in aller Munde. Was war geschehen? Der weltweite Kampf gegen den Terror und die IS sowie die Feindseligkeiten gegen die Moslems köchelten immer höher und die Zeitungen griffen alte Vorhersagen von Baba Wanga auf und wiesen darauf hin, dass sie bereits vor vielen Jahren einen großen Krieg gegen die Moslems für das Jahr 2016 vorhergese‐ hen hat. Außerdem war die Rede von einem Kalifat, das 2043 in Rom entstehen wird. Gründe genug, die Ängste der Menschen zu schüren und sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Immer mehr Menschen interessierten sich für die Vorhersagen und welche davon bislang eingetroffen waren und welche noch kom‐ men sollten. Es wird sogar noch reichlich futuristisch, wenn über die Ansiedlung der Menschen auf fremden Planeten und von Begegnun‐ gen mit Gott die Rede ist. Sogar das Datum für das Ende der Mensch‐ heit steht fest – sowohl auf der Erde als auch insgesamt, also eigent‐ lich zwei Daten.
Baba Wanga soll eine Trefferquote von 80% gehabt haben. Wie bei allen Prophezeiungen ist meist das genaue Datum des Eintreffens ein Problem, da die Hellseher Bilder empfangen und die Ereignisse zeit‐ lich nicht ganz genau einordnen können. Der Fehler liegt dann aber nicht darin, dass sie keine „richtigen“ Hellseher sind, sondern an dem
Interpretationsspielraum. Ein weiteres Problem bei Vorhersagen ist auch, dass man zukünftige Dinge, die man sieht, noch gar nicht kennt und daher keinen Eigennamen nennen kann, man muss dann auf Um‐ schreibungen ausweichen. Wie wenn ein Indiostamm ein Flugzeug als Donnervogel bezeichnet.
Es gibt auch Skeptiker, die grundsätzlich Vorhersagen als Humbug ablehnen oder eine 100% wissenschaftlich verbürgte Trefferquote ver‐ langen. Das ist nicht möglich. Es gibt keine 100%‐Trefferquote bei gar nichts. Auch industrielle Fertigungen streben zwar 0 ppm an, aber diese sind trotz bester Kameraüberprüfung dennoch nicht einzuhal‐ ten. Wie also kann man von einem Wahrsager verlangen, dass 100% stimmen müssen, weil er ansonsten gleich als Versager, Lügner oder Betrüger gilt? Es gibt hier nicht nur schwarz oder weiß. Ein Mathe‐ matiker, der sich verrechnet, ist ja auch nicht sofort deswegen kein Mathematiker oder ein Betrüger, wenn Sie verstehen, was ich meine
…
Ist also Baba Wanga keine „richtige“ Hellseherin, weil sie nur eine Trefferquote von 80 statt 100% hatte? Oder hat man tatsächlich, wie auch behauptet wird, nachträglich einige Vorhersagen gefälscht, pas‐ send gemacht oder uminterpretiert, damit es aussieht, als hätte sie alles gesehen? Nun, das werden wir natürlich in den nächsten Jahren sehen, denn schon für 2016 steht ja der große Krieg bevor. Wäre zu wünschen, dass sich die Dame irrt …
Aufgrund der vielen schlimmen Vorhersagen, die durchs Internet geisterten und noch immer unterwegs sind, habe ich beschlossen, mich dieses Themas anzunehmen und weiter nachzuforschen. Da ich aber weder russisch noch bulgarisch spreche, war es mir nicht mög‐ lich, die entsprechenden Webseiten überhaupt zu suchen (kyrillische Schrift!) geschweige denn zu lesen oder zu übersetzen.
Daher habe ich mir zunächst das einzige deutschsprachige Buch über sie, das ich finden konnte, bestellt. „WANGA. Das Phänomen. Die Seherin von Petritsch“. Es wurde von ihrer Nichte Krasimira Stojanowa geschrieben, die 30 Jahre bei Baba Wanga gelebt hat. Im
Buch hat sie viele eigene Berichte sowie Zeugenberichte gesammelt und niedergeschrieben. In ihrer Heimat hat sie noch viel mehr Mate‐ rial veröffentlicht und auch im Fernsehen über Baba Wanga berichtet.
Anschließend habe ich mich intensiv im Netz belesen und zusätz‐
lich noch zwei Kollegen zurate gezogen, die mich unterstützt haben:
Mein Autorenkollege Alexander Popoff, der des Russischen mächtig ist, hat mir bei der Recherche geholfen und das Internet nach Berichten abgesucht, um mir dann die notwendigen Informationen zukommen zu lassen. Großzügigerweise hat er mir auch gleich Teile aus seinem aktuellen Buch „The Fermi Paradox: They are here and con‐ trol us“ (ISBN 978‐1514392768 Create Space) überlassen, in dem er sich mit übersinnlichen und außerirdischen Phänomenen sowie Vorher‐ sagen beschäftigt, damit ich weitere Hintergründe dort entnehmen kann.
Außerdem konnte er mir den Augenzeugenbericht einer befreun‐ deten Familie mitteilen, die bei Baba Wanga war und sich eine Vor‐ hersage hat machen lassen. Auch ihm gebührt natürlich mein Dank für die wunderbare, schnelle und unkomplizierte Hilfe.
Da auch Gerüchte umgingen, dass sich sogar Hitler bei Baba Wanga Vorhersagen hat machen lassen, habe ich mich zudem noch an meinen Autorenkollegen Abel Basti gewandt, der für sein Buch
„Hitler überlebte in Argentinien“ (ISBN 978‐3938656204, Amadeus Verlag) jahrelang jedes Wort und Bild, das es über Hitler gab, recher‐ chiert hat. Auch von ihm habe ich umgehend Unterstützung erhalten.
Aufgrund dieser Unterstützung und der umfangreichen Pressebe‐ richte, die natürlich keine so direkte Quelle darstellen, wie die eigene Familie der Wanga, ist es nun möglich, viele richtige und falsche In‐ formationen zu sammeln, präsentieren und bewerten. Vielleicht kön‐ nen wir dann klären, wie gut Baba Wanga war und welche Vorhersa‐ gen wir noch erwarten dürfen.

Baba Wanga, die bulgarische Prophetin. (Foto: Пакко, CC BY‐SA 3.0
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vanga.jpg)
TEIL 1:
Kurze Biografie von Wanga
1. Zur Person
Baba Wanga oder auch Baba Vanga („Großmutter Vanga“) hieß mit bürgerlichem Namen Ewangelia Pandewa Guschterowa, geb. Di‐ mitrowa und wurde am 31. Januar 1911 in Ostromdscha (im heutigen Strumica in Mazedonien) geboren. Sie ist am 11. August 1996 in Sofia gestorben.
Sie hat hauptsächlich in der Stadt Rupite gewirkt, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Petritsch (daher der Name „Die Seherin von Petritsch“) im heutigen südwestlichen Bulgarien.
In Rupite befinden sich eine Thermal‐ und Heilquelle sowie eine Kirche („Die Kirche der Heiligen Petka“), die 1994 der Berühmtheit des Ortes, Baba Wanga, geweiht wurde. Rupite ist noch immer das Ziel vieler Pilger.
Baba Wanga war in ihrer Heimat eine große Berühmtheit, nicht nur als Seherin und Prophetin, sondern auch als Heilerin, die Men‐ schen mit vielerlei seltsamen Medikamenten und Hausmittelchen helfen konnte. Besonders beliebt war sie in Bulgarien, Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion.

Abb. 1: Obwohl er nicht sehr hoch ist,
erhebt sich der Berg Kozhuh dominierend über die Umgebung
Petritsch ist historisch bedeutend, da es sich bis auf die Thraker zurückverfolgen lässt. Die gebirgige Umgebung in der Nähe der grie‐ chischen Grenze wurde von den Maedern bewohnt und dort ist auch die Felsenstadt Petra zu finden, die einigen Lesern bekannt sein dürfte. Nach der Zeit der Thraker folgte die Übernahme durch die Sla‐ wen, bevor es zur Herrschaft durch die Osmanen kam. Erst nach 500
Jahren wurde das Gebiet wieder bulgarisch, bevor es kurz erneut un‐ ter türkischer Herrschaft stand. Erst seit 1912 ist Ruhe eingekehrt. Während des Zweiten Weltkriegs waren deutsche Truppen dort sta‐ tioniert, in neuerer Zeit ist die Stadt ein wichtiger Handelsort.
Die historische Stadt hat viel Krieg erlebt und Baba Wanga hatte die Begabung, auch weitere Vorfälle dieser Art genau vorherzusagen und die Menschen davor zu warnen, damit sie sich in Sicherheit brin‐ gen konnten. Dazu später mehr, wenn es um einige Beispiele der Vor‐ hersagen geht.
Wanga zog nach ihrer Heirat 1942 zunächst von Strumica nach Petritsch, wo sie erst 1962 nach dem Tod ihres Mannes (er starb an Leberzirrhose) wieder auszog, um in Rupite zu leben, wo ihrer Fähig‐ keiten von staatlicher Seite her geprüft wurden (siehe Unterabschnitt
5).

Abb. 2: Wangas Wohnhaus in Petritsch
2. Heim und Umfeld

Abb. 3: Straßenszene in Strumica, Ende des 19. Jahrhunderts
Die kleine Wangelina („Engel“) wurde als kränkliches Baby zweier armer Bauersleute in Ostromdscha (heute: Strumitza) geboren und hatte Glück, dass sie überhaupt überlebt hat. Als sie drei Jahre alt war, starb die Mutter, der Vater heiratete erneut und auch die Stiefmutter starb bei der Geburt des vierten Kindes (nachdem sie zwei Jungen und ein Mädchen zur Welt gebracht hat).
Die kleine Prophetin war nicht von Geburt an blind, aber ihre Nichte Krasimira Stojanowa berichtet in ihrem Buch, dass Wanga be‐ reits als Siebenjährige „spielte“ blind zu sein. Außerdem liebte sie Doktorspiele. Beides möglicherweise ein frühes Omen für das, was noch kommen sollte: einerseits blind, andererseits mit der Gabe ge‐ segnet, anderen Menschen die Zukunft vorherzusagen und sie zu hei‐ len.
Als Wanga 12 Jahre alt war, verarmte der Vater und sie wurde zu ihrem Onkel nach Nowo Selo (Novo Selo) geschickt, der sehr reich war und viele Schafe besaß, mit denen sie ihm helfen konnte. Dort nahm das Schicksal seinen Lauf. (Novo Selo liegt lt. Google maps ca.
21 km von Strumica entfernt).
3. Ihre Erblindung

Abb. 4: Blick auf die Kleinstadt Novo Selo (Opština Novo Selo)
in Mazedonien
In Novo Selo wurde sie auf dem Nachhauseweg von einem schlim‐ men Sturm erfasst und von der Windhose auf ein Feld geschleudert, wo man sie später unter Steinen und Dreck fand – mit völlig verkleb‐ ten Augen. Es gelang niemandem aus der Familie, die Augen zu spü‐ len oder zu heilen. Sie bluteten, färbten sich dann über Nacht weiß. Wanga war blind. Mehrere OPs brachten keinen dauerhaften Erfolg, sie konnte nur schattenhaft sehen und wurde schließlich endgültig blind, woraufhin man sie 1925 in Semun in einer Blindenschule unter‐ richtete. Als die Stiefmutter starb, musste sie aus der Schule nach Hause kommen und sich trotz ihrer Blindheit um ihre drei Geschwis‐ ter kümmern, während der Vater als Schafhirte sein Geld verdiente.
Später unterstützten ihn ihre Brüder und Wanga blieb mit ihrer klei‐
nen Schwester Ljubka allein zu Hause.
Um zu überleben, stickten und webten sie für ihre Nachbarn im Austausch gegen Nahrung. Wanga betete zu Gott, dass er ihr helfen möge … und er half ihr auf seine eigene Weise. Denn kurz darauf hatte Wanga ihre ersten vorhersehenden Träume und Visionen, die zu‐ nächst ihre Familie verwunderten, aber noch nicht allzu sehr für Auf‐ regung sorgten. Ein vorhergesehener Besuch, das Auffinden eines ver‐ lorenen Schafes, es waren zunächst Kleinigkeiten.
4. Erste berühmte Visionen
1940 sah Wanga zum ersten Mal in Begleitung ihrer Schwester ei‐ nen Reiter an der Quelle, an der sie immer Wasser holten. Sie unter‐ hielt sich mit ihm, während Ljubka allerdings weder etwas sehen noch hören konnte, sie bemerkte nur, dass Wanga seltsam abwesend war. Diese merkwürdigen Erlebnisse häuften sich und Anfang 1940 machte Wanga ihre Vision, die sie als „Traum“ ausgab, öffentlich. Sie erzählte ihren Nachbarn, dass am 6. April deutsche Soldaten einmarschieren würden.
Die Leute glaubten ihr kein Wort. Man ahnte aber bereits, dass es Krieg geben würde und die Leute deckten sich mit Lebensmitteln ein, doch Wanga sagte den Beginn des Krieges Anfang 1941 erneut voraus. Angeblich war ihr wieder ein blonder Reiter auf einem weißen Pferd erschienen, den keiner sonst sehen konnte. Und der Reiter hatte ihr prophezeit, dass viele Menschen sterben oder sich verlieren würden und sie würde vor Ort den Lebenden und den Toten weissagen und er würde ihr beistehen … Und bereits eine Woche später, am 6. April
1941 nahmen die deutschen Soldaten Strumiza ein und ihre erste Pro‐
phezeiung hatte sich taggenau erfüllt.
Die Menschen im Dorf versteckten sich vor den Soldaten, und als sie nach zwei Tagen wieder kamen, um nach Wanga und ihrer Schwester zu sehen, die im Haus geblieben waren, war Wanga verän‐
dert. Sie wirkte entrückt und sprach mit tiefer Stimme zu den Men‐ schen. Zielsicher zählte sie auf, wer lebend aus dem Krieg zurückkom‐ men würde und wer nicht. Sie konnte in ihrer „Trance“ die Schlachten detailliert beschreiben und damit die Menschen in Angst und Schre‐ cken versetzen. Die Zuhörer hatten nach der Rückkehr der Überle‐ benden dann die Möglichkeit, die Aussagen von Baba Wanga mit de‐ ren Erzählungen abzugleichen und es stellte sich heraus, dass alles zutreffend gewesen war.

Abb. 5: Propagandameldung der deutschen Wehrmacht über den erfolgten Angriff der Luftwaffe auf Belgrad vom 6. April 1941.
Der Adler No. 9, 29. April 1941
1942 konnte sie genauso zutreffend auch vorhersehen, dass ein Soldat, der sie wegen einer Auskunft besucht hatte, zurückkehren und sie heiraten würde. Auch das traf ein. Ihr Ehemann Dimiter Gu‐ schterow kam ein Jahr nach dem ersten Besuch zu Wanga zurück und hielt um ihre Hand an.
Nach ihren ersten großen „Erfolgen“, sprachen sich ihre Fähigkei‐ ten langsam herum und es blieb nicht aus, dass auch berühmte Men‐ schen sie aufsuchten. Während ihrer gesamten Tätigkeit zog es Pro‐ minente, die wir hier im Westen gar nicht alle kennen, zu ihr. Sie konnte nicht nur treffende Vorhersagen über vermisste Personen und zukünftige Ereignisse erteilen, sondern auch viele Erfolge bei der Hei‐ lung vermeintlich unheilbarer Krankheiten vorweisen. Dies erreichte sie mit seltsamen Rezepten und „Hausmittelchen“. Doch davon später mehr.

Abb. 6: Zar Boris III.
Ein berühmter Vorhersage‐erfolg, der sich kurz nach den beiden an‐ deren erwähnten Prophezeiungen ereignete, fand im April 1942 statt, als Wangas Großmutter Tina mit einem berühmten Mann eintrat, dem sie eindringlich nahelegte: „… Und gib Acht, dass du dieses Datum nicht vergisst: 28. August!“
Bei dem berühmten Mann handelte es sich um den bulgarischen Za‐ ren Boris III, der ein Jahr nach der Vorhersage am 28. August 1943 verstarb.
Boris wurde am 30.01.1894 in Sofia geboren und war ein Zar aus dem Hause Sachsen‐Coburg und Gotha. Er verbündete sich 1941 mit den Achsenmächten im Krieg gegen Griechenland und Jugoslawien, weigerte sich aber 1943 die Deportation von 48.000 bulgarischen Ju‐ den ins KZ Auschwitz zuzulassen. Das passte Hitler natürlich über‐ haupt nicht. Und noch wütender wurde er, als Boris sich außerdem weigerte, den Krieg gegen die Sowjetunion zu erklären, wovon sich Hitler versprach, die drohende Kriegsniederlage noch abwenden zu können.
Im August 1943 bestellte Hitler daher den Zaren nach Berlin, doch er konnte ihn nicht umstimmen, denn Boris wollte nicht gegen die Russen kämpfen, die Bulgarien aus der 500 Jahre andauernden türki‐ schen Herrschaft befreit hatten. Nach seiner Rückkehr nach Bulgarien starb Boris bei einer Wanderung im Rila‐Gebirge plötzlich und uner‐ wartet. Es wurde vermutet, dass der Grund ein Herzversagen war, doch der Polizeibericht schloss damals nicht aus, dass man den Zaren vorsätzlich vergiftet hatte. Er starb am 28. August 1943, genau wie Wanga es vorhergesehen hatte.

Abb. 7: Blick auf das Rila‐Kloster vom Goljam Mramorec (2602 m), in dem Boris beigesetzt wurde.
Auf weitere Vorhersagen, die sich bewahrheitet haben oder noch bewiesen werden müssen, werde ich später eingehen.
Was im Zusammenhang mit dem Besuch berühmter Personen noch interessant ist, ist auch die Tatsache, dass im Nachhinein viel‐ fach behauptet wird, dass Personen wie Hitler, Stalin, Jacky Kennedy und andere auch bei uns bekannte Prominente die Dienste der Wanga in Anspruch genommen hätten. Vielfach gibt es dafür keine Belege. Man muss deswegen deren Besuch vielleicht nicht ausschließen, denn es ist davon auszugehen, dass ein solcher Besuch von der Weltpresse zerpflückt worden wäre und daher natürlich tunlichst in höchster Heimlichkeit abgelaufen sein musste. Wer könnte es diesen Promis auch verdenken?
5. Staatliche Einmischung
„Im Kommunismus wurde der Glaube an Esoterik in Bulgarien offi‐ ziell verboten, doch das Regime hat Vanga oft für Ziele der Partei in‐ strumentalisiert. Die Menschen, die sie besuchen durften, wurden von den Parteifunktionären und von der Staatssicherheit gründlich über‐ prüft und ausgesucht.“
(Todor Ovtcharov, http://fm4.orf.at/stories/1765426/)
Nachdem Wanga zunächst nur für ihre Nachbarn und Freunde, dann auch für Prominente ihre Dienste angeboten hatte, wurde auch das Regime auf sie aufmerksam. Wie Todor Ovtcharov bereits in sei‐ nem Bericht anmerkte, waren Dinge, die mit Esoterik zu tun hatten, nicht nur nicht gerne gesehen, sondern sogar verboten. Wanga hielt sich selbst eigentlich auch nicht für eine Esoterikerin, sondern war streng gläubig, dennoch stieß ihre Tätigkeit bei den höheren Stellen nicht auf Begeisterung. Sie würde also überwacht und kontrolliert.
Unter diesem Druck, berichtet Wikipedia, verkündete sie den Menschen „unkontrollierbare Prophezeiungen“, die sich erst wieder besserten, nachdem der Druck nachließ.
Nach dem Tod ihres Mannes und aufgrund ihrer Berühmtheit, zog sie nicht nur die einfachen Bauern aus der Gegend, sondern auch In‐ tellektuelle, Promis und Schriftsteller an, die sich von ihr nicht nur Vorhersagen machen ließen, sondern sich mit ihr sogar anfreundeten.
Die größten Vorteile zog die Parteielite aus Wangas Fähigkeiten, denn sie wurde auf ihre Treffsicherheit untersucht und es wurde ge‐ filtert, wer zu ihr vorgelassen wurde. Dadurch musste man mit sehr langen Wartezeiten rechnen. Die bulgarische Akademie der Wissen‐ schaften richtete ein „Institut für Suggestologie“ ein, das ihre Fähig‐ keiten analysierte und dabei herausfand, dass die Trefferquote bei
„nur“ 80% lag. Abgesehen von der Untersuchung verlangte der Staat aber von den Besuchern auch Gebühren für die Prophezeiung, woraus sich eine nette Einnahmequelle ergab. Viele Parteiangehörige zeigten sich in der Öffentlichkeit auch gerne mit der „Seherin von Petritsch“.
6. Wangas letzte Tage
Wanga war eine sehr religiöse Frau, die außerdem mehrere Tau‐ send Ehrenpatenschaften für Kinder übernommen hatte. Daraus er‐ wuchs der Wunsch, eine kleine Kapelle oder Kirche zu bauen, in der solche Zeremonien abgehalten werden konnten. Durch eigene Mittel und extra dafür erhaltene Spenden ließ sie schließlich eine Kirche bauen, die 1994 unter dem Namen „Sweta Petka Balgarska“ geweiht wurde. Wie Krasimira Stojanowa in ihrem Buch jedoch hervorhebt, war das Endergebnis überhaupt nicht das, was sich Wanga vorgestellt hatte und sogar die Einheimischen mieden die Kirche, weil sie ihnen nicht gefiel. Selbst der Klerus erkannte die Kirch nicht an, sodass dort auch keine religiösen Zeremonien abgehalten wurden. Die Kirche zieht heute lediglich Touristen an.

Abb. 8: Die Kirche Sweta Petka Balgarska in Rupite
Baba Wanga litt an Brustkrebs, der letztendlich jedoch nicht zu ihrem Tod führte, dafür schritt er zu langsam voran. Sie wurde am
03.08.1996 erschöpft, dehydriert und unterernährt ins Krankenhaus eingeliefert und diese Mangelerscheinungen waren es schließlich, die ihren Tod verursachten. Sie selbst sah den Tod stets nur als Übergang in eine andere Wirklichkeit an und war deshalb nicht so beunruhigt wie ihre Angehörigen. Viele Menschen jeglicher Religion beteten für ihre Genesung, die leider nicht eintraf.
Am 10. August ging es ihr schließlich sogar etwas besser und sie bat darum, gewaschen und parfümiert zu werden. Dann berichtete sie ihren Angehörigen von den bereits verstorbenen Verwandten, die sich um ihr Krankenlager herum eingefunden hatten. Sie war regel‐ recht aufgeblüht und verkündete dann, dass sie am nächsten Morgen bei ihrem Vater sein würde. Am 11. August um 10:10 Uhr, gerade als man ihr einen Luftröhrenschnitt machen musste, fiel der Strom im Krankenhaus aus – und Wanga starb. Ihre Aufbahrung am 12. August wurde ein Massenereignis, weil sich unzählige Menschen von ihr ver‐ abschieden wollten. Überall waren schwarze Flaggen aufgehängt. Ganz Bulgarien trauerte um seine Heilige.

Abb. 9: Petar Stojanow (22.01.1997 bis 21. 01.2002 Präsident der Repub‐
lik Bulgarien)
Bei der Beerdigung am 13. August, die sogar im bulgarischen Fern‐ sehen übertragen wurde, waren etliche hochrangige Politiker aus In‐ und Ausland sowie die internationale Presse anwesend. Der damalige Präsidentschaftskandidat Peter Stojanow war unter den Gästen, Wanga hatte ihm im Mai prophezeit, dass er Präsident werden würde und tatsächlich wurde er am 03.11.1996 gewählt. Ein Punkt, den die Presse gerne aufgriff und berichtete.
Wanga wurde daraufhin bei „ihrer Kirche“ begraben. Ihr Haus ist seit Mai 2008 ein Museum, das einen großen Besucherstrom anlockt.
TEIL 2:
Prominente Besucher, prominente Vorhersagen
Es gibt sehr viele Augenzeugenberichte von berühmten und weni‐ ger berühmten Menschen, denen Wanga etwas prophezeit hat. Im Ostblock konnte praktisch jeder Zeitzeuge damals von sich oder ei‐ nem Verwandten berichten, der die Prophetin zwecks einer Auskunft oder einer Heilung besucht hat. Viele Anwesende wurden bei der Be‐ erdigung von der Presse zu ihren Erfahrungen mit Wanga befragt und unzählige Berichte darüber veröffentlicht. Es gibt auf YouTube sogar Videos und Dokumentationen, die leider nicht auf deutsch und im schlimmsten Fall sogar ohne Untertitel eingestellt wurden, sodass wir im deutschen Sprachraum einige Schwierigkeiten haben, wenn wir uns intensiver damit beschäftigen möchten.
Dennoch sind natürlich Vorhersagen, die für Prominente getroffen wurde, immer ein wenig spannender als wenn die Vorhersage für ei‐ nen ihrer Nachbarn eingetroffen ist. Leider werden ihr auch viele be‐ rühmte Besucher angedichtet, die sie überhaupt nie aufgesucht ha‐ ben, andere hat sie in ihren Vorhersagen erwähnt, ohne sie persönlich getroffen zu haben. Ein Beispiel haben wir vorhin bereits gesehen, als es um den Zaren Boris III ging.
Wanga war von vielen Sportlern und vor allem von vielen Schrift‐ stellern besucht worden. Auch Schauspieler und Regisseure waren da‐ runter. Ihnen hat sie sogar Vorhersagen bezüglich ihrer Freunde ge‐ macht, darunter Juri Gagarin, der Astronaut und Gandhi.
Hier zunächst eine Auswahl der von Krasimira Stojanowa in ihrem
Buch erwähnten prominenten Besucher:
Ewtim Ewtimov (Schriftsteller) Stefan Gezow (Schauspieler) Wjatscheslaw Tichonow (Schauspieler) John Cheever (Schriftsteller)
William Sarojan (Schriftsteller)
John Colombo (Schriftsteller) Edi Buraui
Sergej Michalkow Rasul Gamsatov Ewgeni Ewtuschenko
Aldo de Iaco (Schriftsteller)
Nikolaj Gjaurew (Opernsänger) Ana Tomowa‐Sintewa (Sängerin) Iljana Paewa (Sportlerin)
Borislaw Velitschkow (Ringer)
Margarita Martinova (Journalistin) Boris Goschunow (Schlagersänger) Guna Iwanowa (Folklore‐Sängerin) Christo Bojadschiew (Gewichtheber) Alexander Towow (Ringer)
Abdel Amir Abdala (Journalist, der in der Zeitung Al‐Kifah Al‐
Arabi über Wanga berichtete)
Sie wurde unterstützt von wichtigen Personen aus der Politik, her‐
vorzuheben zwei Damen:
Galina Breschnewa, Tochter von Leonid Breschnew (von 1964 bis
1982 Parteichef der KPdSU)
Ljudmilla Schiwkowa, Tochter von Todor Schiwkow (von
04.03.1954 – 10.11.1989 Staatschef von Bulgarien und erster Sekretär der Bulgarischen Kommunistischen Partei)
Mit vielen Dichtern und Schriftstellern war sie sogar gut befreun‐
det:
Ljubomir Lewtschew (Dichter und einer der bedeutendsten Ge‐ genwartsschriftsteller Bulgariens, bekannt ist seine Gedichtesamm‐ lung „Magnolie – verliebte Worte“) Er hielt bei der Trauerfeier in Sofia eine bewegende Rede auf Baba Wanga.
Leonid Maximowitsch Leonow (31. Mai 1899 – 8. August 1994, war ein russischer Schriftsteller und Dramatiker, der über 20 Jahre eng be‐ freundet war mit Baba Wanga. Er erhielt für seinen Roman „Der Rus‐ sische Wald“ 1957 den Leninpreis.
Kommen wir jetzt kurz zu den Vorhersagen, die sie ihren
Freunden gegenüber über dritte, prominente Personen machte.
Indira Gandhi

Abb. 10: Indira Gandhi (war von 1966 bis 1977 und von 1980 bis 1984
Premierministerin Indiens. Sie starb durch ein Attentat.
Krasimira Stojanowa berichtet in ihrem Buch auf Seite 119:
Im Sommer 1969 traf Baba Wanga auf den esoterischen Schriftstel‐ ler Walentin Sidorow, der seinerseits mit Indira Gandhi befreundet war, und sagte ihm vorher, dass Indira Gandhi bald wieder an die
Macht kommen würde. Zum Zeitpunkt der Vorhersage war Indira Gandhi jedoch gerade aus der Haft entlassen worden und zudem ein Mitglied der Opposition. Außerdem sagte Wanga gleich noch voraus, dass sie nicht lange an der Macht bleiben würde, denn die Regierungs‐ zeit würde durch ihren Tod rasch beendet werden.
Ergänzend weist sie darauf hin, dass 1979 drei Abgesandte von In‐ dira Gandhi mit einem schönen Sari zu Baba Wanga kamen und sie ihnen gegenüber die Vorhersage wiederholte, dass sie bald die Parla‐ mentswahlen gewinnen würde. „Bekanntlich starb die Ministerpräsi‐ dentin Indiens Indira Gandhi bei einem Kamikaze‐Attentat eines Sikh‐ Terroristen im Jahr 1988.“
Indira Gandhi wurde im Mai 1964 Ministerin im Kabinett von Pre‐ mierminister Lal Bahadur Shastri, zuständig für Informations‐ und Rundfunkwesen. Im Mai 1965 kam es zu Unruhen und anschließend zum Krieg zwischen Indien und Pakistan. Während Shastri die Unru‐ hen eher aussitzen wollte, schaltete sich Indira aktiv ein und das gefiel Shastri nicht. Bevor es jedoch zum Eklat kommen konnte, starb Shastri plötzlich und Indira kandidierte als Nachfolgerin. Sie wurde am 18. Januar 1966 zur ersten Fraktionsvorsitzenden der Kongresspar‐ tei gewählt und am 24. Januar als Premierministerin vereidigt.
Nach weiteren Unruhen wurde sie Mitte Juni 1975 wegen Miss‐ brauchs eines Staatsbeamten zu Wahlkampfzwecken verurteilt. Sie und andere Politiker wurden unter Hausarrest gestellt. Sie verschob
1976 die notwendigen Wahlen auf 1977, wo sie Morarji Desai unterlag. Damit endete auch der Ausnahmezustand.
Danach versuchte sie, sich mit ihren Feinden und Gegnern zu ver‐ söhnen, gründete eine neue Partei, den „Indian National Congress I“. Mit dieser neuen Partei gewann sie 1980 die Wahlen.
Am 31. Oktober 1984 wollte die BBC ein Interview mit Indira Gandhi aufzeichnen, das Peter Ustinov mit ihr machen sollte. Wäh‐ rend man auf sie wartete, ertönten plötzlich Schüsse – Indira war von ihren Sikh‐Leibwächtern Satwant Singh und Beant Singh erschossen worden.
Wenn man allerdings die Vorhersage nach der Beschreibung von Krasimira Staojanowa und dem Ablauf der Ereignisse laut Wikipedia und anderen Quellen vergleicht, so hat sich 1969 Indira Gandhi ei‐ gentlich nicht in Haft befunden. Der Arrest dauerte genaugenommen nur einen Tag, am 03./04. Oktober 1977 wie Maps of India online be‐ richtet:
„On 4 October 1977, a day after she was dramatically placed under arrest on charges of political corruption by the Janata Party govern‐ ment, Congress leader Indira Gandhi was released unconditionally by a judicial magistrate, marking the beginning of the road that would take her back to the prime minister’s chair. “ (Quelle: Maps of India)
Der Hausarrest war erst 1977 und die erneute Machtübernahme fand 1980 statt. Ein Arrest im Sommer 1969 zum Zeitpunkt der Vor‐ hersage kann also nicht sein. War da irgendwo ein Zahlendreher ent‐ halten? Grundsätzlich stimmte es allerdings, dass sie zweimal an der Macht war und durch das Attentat ihre kurze zweite Amtszeit been‐ det wurde.
Auch das Kamikaze‐Attentat eines Sikh‐Terroristen ist nicht kor‐ rekt, was Zeitpunkt und Täter betrifft. Wie der SPIEGEL in seiner Aus‐ gabe 45/1984 berichtet, wurde sie von ihren Leibwächtern erschossen:
„Die ersten Schüsse auf Indira Gandhi hatte Unterinspektor Beant Singh, 33, ein Sikh wie sein Mitverschwörer, aus einem Revolver abge‐ feuert. Dann hob der Leibwächter Satwant Singh, 21, seine Maschinen‐ pistole vom Typ „Sten“: Zahlreiche Schüsse trafen die Ministerpräsiden‐ tin in Unterleib, Brust und Hüfte.“ (Quelle: http://www.spie‐ gel.de/spiegel/print/d‐13510700.html)
Juri Gagarin

Abb. 11: Juri Gagarin, russischer Kosmonaut und erster Mensch im All
Faszinierend ist auch ihre Information über den Astronauten Juri Gagarin. Krasimira Stojanowa berichtet auf Seite 66 ihres Buches, dass sich Baba Wanga im Jahr 1979 mit dem berühmten russischen Schauspieler Wjatscheslaw Tichonow und dem Regisseur Julian Semjonow traf. (Anmerkung: Im Buch steht in einem Satz Regisseur im nächsten Schriftsteller. Laut Wikipedia war Julian Semjonowitsch Semjonow Schriftsteller und Drehbuchautor, kein Regisseur.)
Tichonow war mit Juri Gagarin befreundet und das Gespräch der Gäste drehte sich hauptsächlich um den Film „Siebzehn Augenblicke des Frühlings“, zu dem Semjonow das Drehbuch geschrieben hatte.
Plötzlich sprach Wanga jedoch von etwas völlig anderem und fragte Tichonow, warum er seinem Freund Gagarin nicht die verspro‐ chene Uhr gekauft hatte. Sie erklärte ihm, dass Gagarin, bevor er zum letzten Aufklärungsflug startete, Tichonow darum bat, eine Uhr zu
kaufen, da er selbst während der letzten Vorbereitungen nicht dazu gekommen war. Tichonow sollte diese Uhr dann bei sich aufstellen, als hätte Gagarin sie gekauft und sollte jedes Mal, wenn er darauf blickte, an Gagarin denken. Tichonow war sichtlich betroffen und be‐ stätigte das Treffen und das Gespräch.
Wanga fügte dann hinzu: „Ihr alle müsst aber wissen, Juri Gagarin ist nicht im Flugzeug gestorben, er ist abgeholt worden.“ Eine nähere Erklärung dazu hatte sie nicht abgegeben.
1960 wurde Gagarin unter 20 möglichen Kandidaten als Kosmo‐ naut ausgewählt und durfte am 12. April 1961 mit dem Raumschiff Wostok 1 einmal die Erde umrunden. Er kam im Wolga‐Gebiet nahe der Stadt Saratow wieder herunter, wo heute ein Denkmal steht.
Am 27. März 1968 absolvierte Gagarin im Rahmen seiner Ausbil‐ dung zum Kampfpiloten einen Übungsflug mit einer MiG‐15UTI und kam dabei ums Leben. Sein Kopilot und Ausbilder war ein erfahrener und routinierter Kommandeur mit über 4.000 Flugstunden.
Der Absturz mit diesem als sicherstes Kampfflugzeug der UdSSR geltenden Flugzeugs sind bis heute nicht konkret aufgeklärt worden. Nach dem Unglück hielt sich die Regierung mit Äußerungen zurück und der Untersuchungsbericht würde erst über 40 Jahre später veröf‐ fentlicht.
1985 konnte jedoch einer seiner Kollegen, Alexei Leonow, aufgrund seiner hohen Position einen Blick in die Unterlagen werfen und fest‐ stellen, dass der Absturz aufgrund einer Reihe von Sicherheitsverlet‐ zungen zustande gekommen war. Anscheinend hatten sich noch wei‐ tere Abfangjäger in der Luft befunden, die Gagarin zu nahe gekom‐ men waren, woraufhin er ins Trudeln kam und im freien Fall ab‐ stürzte.
Leonow selbst war Ohrenzeuge von zwei lauten Knallen, da er an diesem Tag ein Fallschirmtraining absolvierte. Die zwei Knalle hatten sich seiner Meinung nach im Abstand von 1 bis 2 Sekunden ereignet, doch seine Angaben waren in dem Bericht, den er jetzt einsah, auf 15
– 20 Sekunden geändert worden. Nach dem Zusammenstoß funktio‐ nierten Höhenmesser und Höhenradar von Gagarins Flugzeug nicht richtig und weder er noch sein Kopilot hatten die Chance, das Flug‐ zeug zu stabilisieren.
Experten bezweifeln diesen Ablauf und vermuten Kollisionen mit einem Wetterballon bzw. grobe Fahrlässigkeit der Piloten. Als im Ap‐ ril 2011 die vollständigen Berichte offiziell freigegeben wurden, war dort zu lesen, dass Gagarin einfach ein höchst unerfahrener Pilot war, der zu scharf manövriert hatte, um einem Wetterballon auszuwei‐ chen.
Und wie passt Wangas Kommentar hierher, dass Gagarin nicht ge‐ storben sei, sondern abgeholt wurde? Wir werden es wohl nicht er‐ fahren.
Adolf Hitler
Besonders spektakulär ist die Behauptung, dass sie sogar Hitler etwas vorhergesagt habe und dieser betrübt ihr Haus verlassen hätte. („Many a statesman visited Vanga. Adolf Hitler called on her one day. He left her house looking rather upset.“ Quelle: http://www.pravdare- port.com/science/mysteries/03-02-2006/75360-vanga-0/). Zuzu‐ trauen wäre es dem an Esoterik interessierten Hitler sicherlich, dass er eine berühmte Prophetin nach seinem Schicksal befragt, er könnte sich sogar bei Zar Boris III nach ihr erkundigt haben, den er ja im Au‐ gust 1943 kurz vor dessen Tod noch zu Besuch hatte. Aber gibt es auch Beweise dafür?

Abb. 12: Adolf Hitler 1933
Mein Autorenkollege Abel Basti, der für sein Buch „Hitler über‐ lebte in Argentinien“ seit Jahren jeden Fetzen Papier und jedes Bild zehnmal untersucht hat, sagt zu diesem Thema eindeutig: Es handelt sich nur um ein Gerücht. Es gibt keinerlei Beweis, der einen Besuch bei Wanga belegen würde. Auch die Nichte der Wanga hat in ihrem Buch keinen Besuch von Adolf Hitler erwähnt – und sie hätte sich be‐ stimmt daran erinnert, denn sie hat ja 30 Jahre bei ihrer Tante gelebt und ein derart berühmter Besucher hätte bestimmt für Furore ge‐ sorgt!
Wie Krasimira Stojanowa außerdem berichtet, hielt sich Anfang der 1970er Jahre ganz hartnäckig das Gerücht, dass sich die Kennedy‐ Witwe Jacky O. Kennedy mit Wanga getroffen hätte. Dies sei aber ausdrücklich nicht der Fall gewesen.
Ein interessanter Ausnahmefall war, dass Baba Wanga 1995 den Sekretär von Präsident Boris Jelzin (dem ersten demokratisch ge‐ wählten Staatsoberhaupt Russlands von 1991 bis 1999) zu sich rufen ließ, um Sergei Medvedev ihm dringende Informationen über den Präsidenten und die Zukunft Russlands zukommen zu lassen. Die
Lage war nicht gut. Wirtschaftskrise, Tschetschenienkrieg, Gerüchte über eine Alkoholkrankheit … 1999 trat Jelzin zurück und übergab an Wladimir Putin. 2007 starb Jelzin an einem Herzinfarkt.
In dem Film „Vanga ‐ the visible and invisible world” kommen Zeu‐ gen wir Medvedev zu Wort und äußern sich im Interview zu ihrem Verhältnis und den Vorhersagen Baba Wangas.
Alle 12 Folgen (je ca. 1 Stunde) sind in guter Qualität und mit eng‐ lischen Untertiteln bei YouTube zu sehen. Die erste Episode findet man, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, unter dem Link:
https://www.youtube.com/watch?v=evyxPXcwpes
Gleich im ersten Teil geht es um Boris Jelzin. Serge Medvedev kommt zu Wanga und bringt eine Uhr mit, die Jelzin gehört. Sie fasst die Uhr an und sagt, sie hätte mehr sehen können, wenn er selbst ge‐ kommen wäre. Dann prophezeit sie, dass er die Präsidentschaftswah‐ len gewinnen wird und dass er auf sein Herz achten soll, es sei sehr schwach. Mit beidem hatten sie recht, wie oben bereits erklärt.
TEIL 3:
Wie hat Wanga geholfen?
Wie wir gesehen haben, hat Wanga viele Menschen durch ihre Fä‐ higkeiten beeindruckt, so sehr, dass das gesamte Land bei ihrem Tod trauerte und ihr ein Staatsbegräbnis zuteilwurde. Doch wie genau konnten sie den Menschen überhaupt helfen?
Die verzweifelten Menschen haben sich aus verschiedenen Grün‐ den an Wanga gewandt. Sie konnte helfen, verschwundene Menschen oder Tiere (aus den Herden der Dorfbewohner) wieder zu finden, sie konnte mit Toten sprechen (wie am Beispiel von Juri Gagarin gezeigt), um Botschaften an die Lebenden zu übermitteln, sie konnte wichtige Vorhersagen treffen und Menschen vor Unglücken warnen und sie konnte auch in aussichtslosen Fällen Heilungen erzielen.
Sie heilte aber nicht alle Menschen persönlich, sondern verwies sie oft an geeignete Ärzte oder Kliniken, wo man ihnen schließlich helfen konnte – und das, obwohl die blinde Prophetin die Ärzte und Kran‐ kenhäuser selbst überhaupt nicht kannte. Dies erinnert stark an den
„schlafenden Propheten“ Edgar Cayce, der hauptsächlich in den Ver‐ einigten Staaten einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte durch die Medizin, die er den Patienten verschrieb – ohne selbst einschlägige medizinische Kenntnisse zu besitzen.
Wie Krasimira Stojanowa berichtet, hatte Baba Wanga einige all‐ gemeine Tipps und Ratschläge, an die sich sich auch selbst hielt: Nicht rauchen, kein Alkohol, ausreichend Bewegung, nicht zu viel Fett es‐ sen, abends duschen und am besten von 22/23 Uhr bis 5/6 Uhr schla‐ fen. Am meisten hielt sie von Heilpflanzen, die sie den Menschen ganz individuell empfahl, genau wie alle ihre Mittel und Tricks. Über die Pflanzen sagte sie: „Die Welt begann mit Heilpflanzen und sie wird mit ihnen enden. Die größte Heilkraft haben Heilpflanzen eines be‐ stimmten Landes jedoch, wenn sie bei den Bewohnern eben dieses Lan‐
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