Kitabı oku: «Geheimnisvolle Unterwelten»

Yazı tipi:

Daniela Mattes und Roland Roth

Geheimnisvolle Unterwelten

Mythos, Legende, Forschung

„Geheimnisvolle Unterwelten“ 1. Auflage Printausgabe Oktober 2021

Ancient Mail Verlag Werner Betz

Europaring 57, D-64521 Groß-Gerau

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öffentliche Zugänglichmachung.

Covergrafik: Martina Nowak

Covergestaltung: Werner Betz

»Erst zweifeln, dann untersuchen, dann entdecken!«

Henry Thomas Buckle (1821 – 1862), englischer Kulturhistoriker

Inhalt

Einleitung: Unerforschte Welten, El Dorado und Löcher

in der Erde

Teil 1 Der Aufbau der Erde: Scheibe, rund oder hohl?

Teil 2 Leben in der Erde – Wie tief ist „in“ der Erde und wer oder was lebt dort?

Leben in der Erde

Die Existenz im Untergrund

Moderne Städteplanung – im Untergrund!

Faszinierende Höhlenwelten

Risiken des unterirdischen Lebens

Unterwelten in Österreich: Die rätselhaften Erdställe

Teil 3 Begegnung mit unterirdischen Völkern –

gibt es Zugänge in England?

Edward Bulwer-Lytton – „Das Geschlecht der Zukunft“

Gewöhnliche Eingänge oder Portale in eine andere Zeit?

Alec McLellan und die verlorene Welt von Agharti

Die grünen Kinder von Woolpit

Feen und Elfen im Keltischen Raum – Entführung in

die Berge

Teil 4 Die Innere Erde in der fantastischen Literatur

und im Film

Jules Verne: Die phantastische Welt eines Visionärs

Die cineastische Reise zum Mittelpunkt der Erde

Plutonien: Ein Land im Inneren der Erde

Die Zeitmaschine: Von den Eloi und den Morlocks aus der Tiefe

Edgar Rice Burroughs‘ „Bohrmaschine in das Innere

der Erde“

Teil 5 Zugänge in die Innere Welt in Österreich,

Tschechien und in der Arktis

Zeitverlust am Untersberg

Monster in Houska

Das geheime Tagebuch des Admiral Richard E. Byrd

The Smoky God

Teil 6 Der Zugang zur inneren Erde in Märchen und

Legenden

Liegt der Eingang zur inneren Welt in Transsylvanien?

Die Kyffhäuser-Connection

Die blaue Blume – Im Inneren des Berges

Frau Holle und das Portal in die Unterwelt

Zwerge aus dem Untergrund: Das rätselhafte

Bergbau-Volk

Teil 7 Die Mutter der Legenden über die Innere Erde: Shambala

Eingänge in die Innere Erde in Tibet

Zugänge in die Innere Erde nach Lobsang Rampa

Drei Arten von Zugängen: real, astral oder durch Zeitreise

Teil 8 Unglaubliche Berichte über das Innere der Erde – Fake oder Verschwörungstheorie?

Telos – das Volk aus der unterirdischen Stadt unterhalb von Mount Shasta

Leben außerirdische Reptiloide „unter“ uns?

Das Echsenwesen gibt ein Interview: Die Lacerta-Files

Quellenangaben

Abbildungsverzeichnis

Die Autoren

Einleitung:

Unerforschte Welten, El Dorado und

Löcher in der Erde

Hat die Welt noch weiße Flecken? Im Internet-Zeitalter von Google Earth gibt es immer noch geheimnisvolle Orte und unentdeckte Plätze, zudem zwar bereits dokumentierte, aber in der Öffentlichkeit kaum bekannte Plätze, die kaum ein Mensch gesehen hat.

Heute glauben viele, die Welt wäre längst vermessen und bis in den hintersten Zipfel bekannt, die Zeiten, wo auf den alten Landkarten „Terra incognita“ stand, wären längst vorbei, doch weit gefehlt. Zwar sind alle Kontinente bekannt, alle Flüsse, Berge, Hochplateaus und Seen mit Namen versehen und die Welt ist dank Internet und Medien zu einem Dorf geschrumpft. Doch es gibt sie, die noch unbekannten, unerforschten Orte.

Ein Beispiel sind die Tafelberge, die von Menschen oftmals noch unbetreten sind. Aus dem venezolanischen Regenwald ragen schroffe Felswände empor, tausend Meter hoch, oben abgeflacht. Niemand weiß wirklich genau, welche unbekannten Tier- und Pflanzenarten auf ihren Plateaus beheimatet sind.

Roraima-Tepui heißt ein Plateau, welches unter Indianern in Venezuela schon immer als Ort galt, wo die Toten hingehen. Das riesige Felsmassiv liegt im Dreiländereck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana.

Roraima-Tepui ist ein Hochplateau, das sich über 15 Kilometer erstreckt und sich bis zu 700 m über den tropischen Regenwald erhebt. Viele solcher durch Erosion entstandene Tafelberge gibt es in dieser Region, so auch der Zwillingstepui Kukenam westlich vom Mt. Roraima. Die ansässigen Indianer versuchten nie, den Roraima-Tepui zu besteigen, und auch die Entdecker des 18. und Anfang des 19. Jahr-hunderts konnten nur spekulieren, was sich auf dem Hochplateau befindet.


Abb. 1: Roraima-Tepui (1876)

Die Landschaft auf Roraima-Tepui ist ein Felslabyrinth mit vielen Schluchten, die mehrere hundert Meter tief reichen. Der Sandstein besteht zu 95 Prozent aus reinem Quarz und ist durchzogen von vielen hydrothermalen Quarzgängen.

Heute ist man sich zumindest sicher, dass auf der Hochebene des Tepuis hauptsächlich Flechten, Gräser und verschiedene Orchideen wachsen. Der nährstoffarme Sandsteinboden ist aber auch ideal für fleischfressende Pflanzen. Die Tierwelt besteht aus Insekten, Vögeln, Lurchen und kleineren Reptilien wie Schlangen und Echsen.

Den Schriftsteller Arthur Conan Doyle (1859-1930) inspirierten allerdings die Berichte dieser faszinierenden Welten zu seinem Roman The Lost World, einer lebendigen prähistorischen Welt voller Saurier und urzeitlicher Pflanzen. Schreckliche Dinosaurier, die solche frühen Abenteuerromane so gerne beschrieben, findet man dort allerdings vergeblich.


Abb. 2: Arthur Conan Doyle 1890, aufgenommen von Herbert Rose Barraud

Das Plateau beherbergt dennoch eine einzigartige, nur auf dem Tepui vorkommende Tier- und Pflanzenwelt, die man an keinem anderen Ort der Welt findet. Das liegt nicht zuletzt an der mehrere hundert Meter hohen Steilwand, die eine schier unüberwindbare Barriere darstellt. Darüber hinaus ist das Klima gegenüber dem Regenwald isoliert. Unten ist das Klima feucht und tropisch, während auf dem Plateau dagegen ein eher gemäßigtes Klima mit verschiedenen Wetterverhältnissen herrscht.

Eine weitere unerforschte Welt ist die Cueva de Villa Luz, eine Höhle in der Nähe von Tapijulapa im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco. Bereits vor der Höhle wird man vom fauligen Geruch des Schwefelwasserstoffs empfangen. Das Gas ist ein starkes Gift für die Atemwege, dennoch existiert hier extremophiles Leben, ebenso wie in der tiefen Lechuguilla-Höhle, eine Tropfsteinhöhle bei Carlsbad in New Mexico, über die wir in diesem Buch noch einiges lesen werden. (Als „extremophil“ bezeichnet man Organismen, die sich sogar lebensfeindlichen Umgebungsbedingungen angepasst haben. Das Gegenteil wären mesophile Organismen.)

Auch weite Teile der Arktis, Antarktis und Sahara haben bisher lediglich die elektronischen Augen von Satelliten gesehen. Im Himalaja sind vielen nur die Achttausender bekannt, doch die Gipfel der 250 Sechstausender in Ost-Tibet sind noch immer weitgehend unberührt und Menschen waren zumeist noch nicht einmal in der Nähe dieser Regionen.

Forscher stoßen oft nur durch Zufall auf ein Wegenetz unter dem Blätterdach eines Urwalds oder auf riesige Flächen von Steilwänden im Hochgebirge. Im Nordosten Perus, in der Provinz Chachapoyas und rund 700 km von der Hauptstadt Lima entfernt, entdeckte beispielsweise der deutsche Entwicklungshelfer Stefan Ziemendorff im Jahr 2002 so ein Hochgebirge, in dem sich zahlreiche Flüsse von den Anden zum Amazonas hinunter schlängeln.

Die Indios erzählten dem Entwicklungshelfer von einer weißhaarigen Sirene, die unterhalb des gewaltigen Gocta-Wasserfalls einen Goldschatz bewache und jeden in einen Felsen verwandle, der sich ihr nähert. Man solle der Stelle in jedem Fall fern bleiben, denn Juan Mendoza, einen der ihren, habe es schon erwischt. Der Entwicklungshelfer ging der gruseligen Geschichte trotzdem nach und entdeckte im Jahre 2002 im Urwald der östlichen Anden schließlich den Felsen, der einst Juan Mendoza gewesen sein soll und zudem einen gigantischen Wasserfall mit 771 m Fallhöhe.

Viele denken bei vergessenen Welten und unentdeckten Orten sofort auch an El Dorado, die sagenhafte Goldstadt der Inkas. Der Traum vom Inkagold trieb im 16. Jahrhundert Hunderte von Abenteurern in die dünne Luft der Anden und in die dampfende Hölle des Amazonas. Für viele von ihnen war der Lohn nur der Tod. Auch mit modernsten Mitteln ist es bislang nicht gelungen, nennenswerte Schätze zu bergen, als sei die Suche nach dem Gold für alle Zeit verflucht.

El Dorado bleibt für die Europäer offensichtlich unerreichbar. Einer von vielen war Francisco de Orellana (1511-1546). Er stieg 1541 von Quito aus mit seinem Tross über die Berge hinab in dampfende Dschungelwälder, fuhr acht Monate lang auf einem riesigen Strom, fast 6.000 km bis zur Mündung und entdeckte so zwar nicht EI Dorado, wohl aber den Amazonas.

Dem Konquistador verdankt der Strom auch seinen Namen, denn sein mitreisender Dominikaner-Mönch Gaspar de Carvajal (1500-1584) berichtete in seinen Aufzeichnungen über eine seltsame Begegnung:

„Als wir dem Ufer immer näher kamen, begannen die Indios mit Pfeilen nach uns zu schießen, und da es zahlreiche Krieger waren, schien es, als regne es Pfeile. Aber unsere Arkebusiere und Armbruster waren auch nicht träge. Obwohl sie viele töteten, schienen es die Indios gar nicht zu merken, denn trotz des Schadens, der ihnen zugefügt wurde, machten sie unermüdlich weiter, indem die einen kämpften, die anderen Kriegstänze vollführten ...

Ich will, dass man erfährt, warum diese Indios sich auf solche Weise verteidigten. Es muss erklärt werden, dass sie tributpflichtige Untertanen der Amazonen sind. Als sie von unserem Kommen erfahren hatten, wandten sich die Indios mit der Bitte um Hilfe an diese, und es kamen so etwa zehn bis zwölf von ihnen, denn wir selbst sahen diese Frauen, die als weibliche Hauptleute in vorderster Front von allen Indios kämpften. Die Frauen sind sehr hellhäutig und groß und tragen langes Haar, das sie geflochten und um den Kopf gewickelt haben. Sie sind sehr kräftig und gehen ganz nackt, wobei allerdings ihre Schamteile bedeckt sind.“

Orellana berichtete neben seinen Kontakten mit den Amazonen in den Aufzeichnungen auch über Millionen Menschen, welche die Ufer des Amazonas in großen Städten besiedelten. Spätere Expeditionen fanden jedoch nichts als Regenwald, daher nahm man an, dass Orellana gelogen habe. Allerdings ergaben moderne Forschungen eine erhebliche menschliche Siedlungstätigkeit im Amazonasbecken. Diese Behauptung wird durch das massive Vorkommen von Terra preta gestützt, die portugiesische Bezeichnung für „schwarze Erde“.

Terra preta bedeutet nicht mehr und nicht weniger als im Amazonasbecken anzutreffenden anthropogenen Boden, also die durch Menschen verursachten Rückstände, so beispielsweise Asche, Biomasse, Küchenabfälle, Verkohlungsrückstände, Knochen, Dung oder menschliche Fäkalien.

Die Verwitterung schreitet in den Tropen relativ rasch voran und die geografischen Abschätzungen lassen darauf schließen, dass das Amazonasbecken einst 5 bis 10 Millionen Menschen beherbergt haben könnte. Hierbei entstanden die meisten dunklen Böden zwischen 700 und 1000 n. Chr., andere sind allerdings weitaus älter. Wo sind sie alle hin, diese Menschen? Möglicherweise fielen sie den Epidemien zum Opfer, die von den europäischen Eroberern eingeschleppt worden waren.

Fast 30 Jahre nach Orellana versuchte es Pedro de Ursúa (1526-1561) auf einer südlicheren Route, wurde aber bei einer Meuterei umgebracht. Der Anführer der Rebellen, ein gewisser Lope de Aguirre (1510-1561), auch in Werner Herzogs brillantem Film-Epos „Aguirre – der Zorn Gottes“ von Ausnahmeschauspieler Klaus Kinski (1926-1991) im meisterhaften Wahnsinn dargestellt, schrieb nach einer monatelangen Odyssee und kurz vor seiner Ermordung in der grünen Hölle Amazoniens seiner Katholischen Majestät: „Ich schwöre bei meinem christlichen Glauben, keiner kommt hier mehr raus, denn all diese Geschichten sind falsch.“ Doch die Legende vom EI Dorado vergiftete noch eine lange Zeit die europäischen Köpfe.

In der modernen Welt gehen Forscher schon nüchterner an die Sache heran. Im Vordergrund stehen Wissenschaft und Forschung, nicht mehr die Entdeckung unermesslicher Reichtümer oder die Rettung einer schönen Prinzessin aus den Fängen blutgieriger Menschenfresser.

Im Südwesten von Slowenien liegt beispielsweise der Zirknitzer See, ein geheimnisvolles Gewässer, dessen Wasser auf mehrere Mo-nate in unterirdischen Gängen versickert, die bis heute nicht vollständig erforscht sind. Der Historiker und Topograph Johann Weichard von Valvasor (1641-1693) erforschte den mysteriösen Sickersee 1689. Am Beckenrand fließt der See auch durch zwei Höhlen in das Innere der Erde ab.

Der periodisch verschwindende See, im ehemaligen Herzogtum Krain, in den der Wörthersee zweimal hineinpassen würde, war stets von Geheimnissen umgeben. Auf alten Übersichtskarten finden sich seltsame Beschreibungen wie „hexen zusammenkhunft“ oder „ungewitter loch“. Durch das nahegelegene Tal Rakov Skocjan fließt der Fluss Rak, heute oberirdisch, vor Millionen von Jahren noch unterirdisch. Die urtümliche Landschaft von Rakov Skocjan war 1964 Filmkulisse für Szenen in „Winnetou 2. Teil“ mit Pierre Brice (1929-2015) in der Hauptrolle.

Ferner haben Forscher von der Durham University in England in 2007 auf dem Grund des Atlantiks ein gewaltiges Loch in der Erdkruste gefunden. Wo sich Gestein der Kruste kilometerdick auftürmen müsste, liegt der Erdmantel quasi völlig frei. Es befindet sich auf halber Strecke zwischen Teneriffa und Barbados, den Angaben zufolge 5 km unter der Wasseroberfläche. Zudem hat er einen Durchmesser von 3 bis 4 km.

Am Mittelatlantischen Rücken, wo zwei tektonische Platten auseinanderdriften und sich eine Reihe von Untersee-Vulkanen erstreckt, sind solche Löcher in der Erdkruste keine Seltenheit. Allerdings füllen sie sich normalerweise von unten wieder mit Lava auf. Hier kann man direkt auf den Fels des Erdmantels blicken, der grün schimmert, weil er aus dem Mineral Olivin besteht.

Die Entdeckung ist spektakulär, weil sich hier die einmalige Gelegenheit bietet, mit relativ geringem Aufwand an große Mengen Erdmantel-Material zu gelangen. Hat eine Verwerfung ein großes Stück der Erdkruste weggerissen oder wurde das Gebiet von den Vulkanen, die zur Entstehung der Kruste beitragen, aus rätselhaften Gründen ausgelassen? Das Loch in der Kruste am Mittelatlantischen Rücken gibt Rätsel auf. Spannend ist es allemal, immerhin ist es wie ein Fenster in das Innere der Erde.

Es gibt nun mal auch in unseren Zeiten spannende Welten und interessante Orte, die nicht jeder kennt, die teilweise ein karges Schattendasein neben unserer industrialisierten Welt fristen. Und manchmal sind diese Orte nicht an der Oberfläche zu finden. Es sind besondere Orte in der Unterwelt, mit einer unwiderstehlichen Anziehungskraft und einer besonderen Wirkung auf jene, die es zulassen.

Diese Welten, abseits von der Zivilisation oder von geschäftigen Stadtzentren, haben nicht selten ihre eigene, jahrtausendealte Geschichte. Sie entstammen nicht selten einer Zeit in ferner Vergangenheit und gerieten im Laufe der Generationen in eine ungewollte Vergessenheit, weil sie nicht mehr in das Konzept der Menschen des 21. Jahrhunderts zu passen scheinen.

Doch immer wieder suchen einzelne Menschen nach diesen Orten, um mehr über die Vergangenheit und vielleicht über sich selbst zu erfahren. Dabei sind es nicht immer bekannte touristische Pfade, die beschritten werden. Von diesen seltsamen, aber faszinierenden Unterwelten berichten wir in diesem Buch.

Teil 1

Der Aufbau der Erde:

Scheibe, rund oder hohl?

Tatsächlich ist es ein großer Diskussionspunkt, der beim Thema Leben in der Erde immer wieder aufkommt: Ist denn die Erde nicht hohl und leer, sodass dort keiner wohnen kann? Oder befindet sich dort nicht heißes Magma oder Lava, in dem man gar nicht existieren kann? Oder ist die Erde etwa eine Scheibe, sodass sich Diskussionen darüber, ob man „in“ der Erde wohnen kann, ohnehin erübrigen? Daher stellen wir den Aufbau der Erde dem gesamten Thema voran.

Der Aufbau der Erde

Wenn man über das Innere der Erde schreibt, sollte man sich zunächst mit dem Aufbau und den Gegebenheiten befassen – natürlich nur rudimentär, da dies kein geologisches Werk sein soll.

Über die Erde gibt es im Allgemeinen drei unterschiedliche Auffassungen: die einen sehen die Erde als mehr oder weniger runde Kugel mit einem wahlweise festen oder flüssigen Kern an, die andere Fraktion tendiert zu der Annahme, dass die Erde ein Hohlkörper ist und eine dritte Gruppe geht davon aus, dass die Erde eine Scheibe ist. Alle drei Meinungen sollen hier kurz vorgestellt werden.

Aktuell gültiges Schulwissen

Heutzutage geht man davon aus, und so wird es auch an den Schulen gelehrt, dass die Erde zu Beginn eine heiße und flüssige Gesteinskugel war. Hier waren sowohl Metalle als auch Gesteine sowie Gase und Wasser zusammengemischt. Die schwereren Bestandteile dieser Mischung sanken mit der Zeit nach unten und die leichteren nach oben, wo sie an der Oberfläche abkühlten und erstarrten.

Daher besitzt die Erde einen inneren Erdkern, der unter hohem Druck (rund 3,5 Millionen bar) zusammengepresst wird und sehr fest ist (im Gegensatz zur Annahme derer, die sagen, dass der Kern flüssig sei). Zudem ist der Kern ungefähr 6.000° C heiß. Dieser feste Kern besteht aus Nickel und Eisen, die eine rotierende Metallkugel bilden. (Bei einer Temperatur von 6.300° C und einem Druck von 1 bar wäre das Eisen gasförmig.)

Die nächste Schicht bildet der äußere Erdkern mit einer rund 2.200 km dicken Schicht aus geschmolzenem Metall, der über 5.000° C heiß ist. Dieser Erdkern besteht ebenfalls hauptsächlich aus den Metallen Eisen und Nickel. Dieses flüssige Metall ist elektrisch leitend und kaum zähflüssiger als Wasser. Hier liegt der Ursprung des Erdmagnetfeldes.

Dieser Kern wird von einem ca. 3.000 km dicken und teilweise heißen Erdmantel umschlossen, der aus schwerem und zähflüssigem Gestein (Peridotit) besteht. Dabei handelt es sich um Gesteine mit einer mittleren Dichte wie Magnesium-Eisen-Silikate.

Darüber kommt nach einer Übergangszone die Erdkruste, die nur maximal 35 km dick ist und aus leichtem und festem Gestein bzw. Material besteht, beispielsweise aus Aluminium, Calcium, Natrium, Sauerstoff und Silizium. Diese Kruste schwimmt sozusagen auf dem Erdmantel und betrifft die Ozeanische Platte, die Kontinentale Platte und das Grundgebirge, aus dem die Kontinente bestehen.

Aufgrund der Plattentektonik und vulkanischen Tätigkeiten arbeitet und brodelt es in der Erde, sodass es zu Rissen und Verwerfungen sowie der Bildung von neuem Gestein kommen kann. In der Erde befinden sich daher viele natürliche Hohlräume, unterirdische Flüsse, Edelsteine, Gase, Öl, Metalle etc. Von der Oberfläche bis zum Mittelpunkt der Erde sind es 6.370 km.

Seismologischer Nachweis für den Erd-Aufbau

Da eine „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ nur in Romanen wie dem von Jules Verne (1828-1905) möglich ist, mussten die Forscher auf anderem Weg zu diesen Ergebnissen kommen. Diese Prüfung fand mithilfe von Erdbebenwellen statt, die von den unterschiedlichen Gesteinsschichten in unterschiedlichem Maße weitergeleitet oder zurückgespiegelt werden. Diese Wellen sind in dichtem, hartem Material besonders schnell, manche Wellen kommen nur durch zähe Gesteinsschichten hindurch und werden von flüssigen Schichten komplett ausgebremst.

Auch Bohrungen werden an vielen Stellen durchgeführt, um Gesteinsproben zu entnehmen. Beispielsweise in der Arktis geben diese Aufschluss über Fauna und Flora unterhalb der Eisdecke. Problematisch sind extrem tiefe Bohrungen, da die Bohrgeräte und die Messtechnik mit zunehmender Tiefe und Hitze nicht zurechtkommen. 1994 musste leider mangels finanzieller Möglichkeiten eine Bohrung in Windischeschenbach (im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab) nach 9000 m und einer Temperatur von 265°C gestoppt werden, obwohl die Ausrüstung bis 14 km und 300°C funktionstüchtig gewesen wäre.

Tiefer konnten die Forscher bei Bohrungen auf der skandinavischen Halbinsel Kola vordringen, wo die Erdkruste mehr als 3 Milliarden Jahre alt ist. Obwohl sie 1989 eine Tiefe von 12 km erreicht hatten (bei 200° C), mussten sie das Projekt abbrechen, da die Bohrgeräte weich wurden und die Elektronik versagte. Mit stolzen 12.262 m ist es jedoch das tiefste Bohrloch der Welt, aus dem mehr als 45.000 Gesteinsproben entnommen und ausgewertet werden konnten – diese Arbeit ist jedoch immer noch im Gange.

Zusätzlich können Vergleiche mit anderen Himmelskörpern helfen, die ähnlich aufgebaut sind. Dabei handelt es sich nicht um andere Planeten, aber um Asteroiden, die immer wieder als Meteoriten auf die Erde fallen. Diese haben einen ähnlichen Aufbauprozess (Kern, Mantel, Kruste) hinter sich und können daher zu Vergleichen herangezogen werden.

Aktuellste Infos

Nach einem Bericht von Sciencealert vom 4. März 2021 hat ein Forscherteam der Australian National University bei seinen Forschungen Beweise dafür gefunden, dass der innere Erdkern aus zwei Schichten bestehen könnte.

Wie Joanne Stephenson, die beteiligte Geophysikerin, erklärt, wurde das Wissen über die Erdkruste bisher aus vulkanischen Aktivitäten abgeleitet und die Temperaturen des Erdkerns durch indirekte Beobachtungen berechnet. Aufgrund der neuen Beweise könnte es nun sein, dass der innere Kern doch anders aussieht, als vermutet. Hier darf man gespannt sein, ob nach diesen Entdeckungen die Lehrbücher angepasst werden müssen.

Die Theorie der hohlen Erde

Die Verfechter dieser Theorie waren zunächst Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts. Anders als unser heutiges Schulwissen besagt, gingen die damaligen Wissenschaftler davon aus, dass die Erde zwar rund, aber eben hohl ist. In diesem Fall gibt es also keinen Erdkern oder Erdmantel, sondern nur die Erdkruste. Das Innere der Erde ist über verschiedene Öffnungen zu erreichen, die man damals an den Polen vermutete.

Neben dieser Annahme („Hohlwelttheorie“) existiert noch eine weitere Theorie, die sich mit dem „Innenweltkosmos“ beschäftigt. Auf diesen gehen wir etwas später ein.

Tatsächlich war der berühmte Astronom Edmond Halley (1656-1742) der erste, der diese Theorie 1692 postulierte. Dabei wurde er von seinem Freund Isaac Newton (1643-1727) mathematisch unterstützt, der die Dichte der Planeten berechnete und verglich und in seine Theorie auch das schwankende Erdmagnetfeld mit einbezog. Dazu kam die Annahme, dass nicht nur alle Planeten, sondern auch die Erde sowohl außen als auch innen besiedelt wären.

Diese Idee wurde danach von weiteren Wissenschaftlern und Mathematikern unterstützt und weiter ausgebaut. Darunter der Schweizer Leonhard Euler (1707-1783) und der Schotte Sir John Leslie (1766-1832), der außerdem zwei Sonnen in die hohle Erde setzte und Pluto und Proserpina taufte.

Auf die Polzugänge kam der amerikanische Hauptmann John Cleves Symmes jun. (1780-1829) Anfang des 19. Jahrhunderts zurück und ergänzte die Theorie durch die Idee, dass man mit Schiffen an den Polen ins Innere der Erde reisen könnte. Sein Werk „Symmes's theory of concentric spheres: demonstrating that the earth is hollow, habitable within, and widely open about the poles“ ist auch heute noch in Online-Bibliotheken wie beispielsweise archive.org abrufbar.

Sein Fan und Anhänger Joseph Reynolds (1785-1864) übernahm die Idee, sammelte Spenden und überzeugte den Navy Befehlshaber Samuel Lewis Southard (1787-1842) sowie den damaligen Präsidenten John Quincy Adams (1767-1848) von der Idee einer Polexpedition, um die Thesen endlich zu überprüfen. Präsident Adams dachte tatsächlich darüber nach, doch dann endete seine Amtszeit und Nachfolger Andrew Jackson (1767-1845) verwarf diese Pläne. Die (mit Spenden) selbstfinanzierte Mission startete mit zwei Schiffen am 29.10.1829, kam jedoch nie an (vermutlich wegen Meuterei).

Expeditionen und Berichte

Beleuchtet wird dieser innere Lebensraum angeblich durch eine „künstliche Sonne“, die in den einen Berichten als „rote Sonne“ beschrieben wird (z. B. vom norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen, 1861-1920), wobei andere betonen, dass das Licht in dieser Innenwelt grünlich ist. Genau wie die Polarlichter, die über den Polen gesehen werden und die von dem Licht aus der inneren Erde kommen sollen.

Angestachelt wird dieser Gedanke vor allem durch den bekannten Bericht des Admiral Byrd (1888-1957), der bei seinem Flug über die Arktis zufällig in diese Innenwelt gelangt. Sein Tagebuch wurde nach seiner Rückkehr vom Militär konfisziert und unter Verschluss gehalten. Er wurde zu Stillschweigen verpflichtet.

Auch der Seemann Olaf Jansen hat seine Erlebnisse, für die er verspottet wurde, von dem bekannten Schriftsteller Willis George Emerson (1856-1918) niederschreiben lassen, dem er alle Aufzeichnungen darüber anvertraut hatte. Die Veröffentlichung des Buches „The Smoky God. A Voyage to the Inner World from an account by Olaf Jansen” (1908) erlebte der alte Mann leider nicht mehr.

Diese Berichte schienen die Idee zu belegen, dass im Zentrum der hohlen Erde eine zweite Sonne vorhanden ist, die Licht und Wärme gibt. Daher findet sich im Inneren der Erde ein lebensfreundliches Klima sowie eine Atmosphäre, die den Bewohnern, die dort seit Urzeiten leben, eine komfortable Existenz ermöglichen.

Die Innenwelttheorie

Diese Innenwelttheorie führt die Theorie der hohlen Kugelgestalt der Erde weiter aus und verweist speziell auf die Vorstellung, dass der Hohlraum von Menschen bewohnt wird. Sie sollen in dem Innenraum mit einem Durchmesser von knapp 12.800 km leben.

Der erste, der die Idee äußerte, war der amerikanische Arzt, Physiker und Alchemist Cyrus Reed Teed (1839-1908), der sich selbst „Koresh“ nannte. Er entwickelte seine Ideen im Jahr 1870, in dem er außerdem eine religiöse Gemeinschaft (The Koreshan Unity) gründete, der er selbst als religiöser Führer und selbsternannter Messias vorstand. 1894 baute er in der Stadt Estero in Florida sein „Neues Jerusalem“, in dem bis zu 250 Anhänger lebten. Nach seinem Tod löste sich die Gemeinschaft langsam auf und verschwand 1961 komplett.

Seine Ideen hinterließ er unter anderem in den Werken “The Immortal Manhood: The Laws and Processes of Its Attainment in the Flesh” (1902), “The Cellular Cosmogony; or, The Earth a Concave Sphere” (1905) sowie „The Flaming Sword“, einer Zeitung, die die Gemeinschaft regelmäßig herausbrachte und die später auch in Buchform erschien.

Ein weiterer bekannter Vorreiter des letzten Jahrhunderts war der amerikanische Autor Charles Hoy Fort (1874-1932), der die „Fortean Society“ gründete und seine Forschungsergebnisse (über paranormale Phänomene) in mehreren Büchern wie „The book of the damned“ (1919), „New Lands“ (1923) oder „Wild Talents“ (1932) näher erörterte. Er ging davon aus, dass die Völker, die im Erdinneren wohnen, ehemalige Bewohner von Atlantis oder Mu sind, die ins Innere der Erde geflohen sind.

Im weiteren Forschungsverlauf der damaligen Wissenschaft stellte sich heraus, dass die früheren Dichteberechnungen nicht stimmen konnten. Stattdessen müsste die Dichte mit zunehmender Tiefe ebenfalls zunehmen, was die heutige Annahme des komprimierten, heißen und rotierenden Kerns stützt. Die Idee von einer hohlen Welt war daher ad acta gelegt.


Abb. 3: Dr. Cyrus R. Teed, alias „Koresh”

Tipp: Wer sich intensiv mit der Idee beschäftigen möchte, findet unzählige historische und moderne Werke, die diese Idee aufgreifen und viele Berichte zitieren, die diese Ideen belegen. Klassiker in diesem Bereich sind beispielsweise William Reeds „The Phantom of the Poles“ (1906) oder „A Journey to the Earth’s Interior“ von Marshall B. Gardener (1920). Das Material bietet eine riesige Fülle historischer Vorfälle und Versuche, die Existenz der Hohlwelttheorie und Innerwelttheorie zu belegen.

Heutige Forschung

Obwohl diese Berechnungen die Theorie eigentlich widerlegt haben, hat sie auch heute noch ihre Anhänger, die unermüdlich weiter forschen, um den Nachweis zu erbringen und ins Erdinnere vorzudringen.

Diese Anhänger werden von streng Wissenschaftsgläubigen gerne als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet. Einen zusätzlich seltsamen Beigeschmack bekommt die ehemals streng wissenschaftliche Theorie auch durch die Hinweise, dass mögliche UFOs aus dem Inneren der Erde stammen könnten, da die Bewohner des Erdinnern technisch hoch entwickelt sind.

Hinzu kommt, dass auch Adolf Hitler, der bekanntermaßen esoterisch interessiert war, diese Theorie interessiert verfolgte. Damals las ein gewisser Peter Bender das Buch „The flaming sword“ von Cyrus Teed, dem Begründer der Innenwelttheorie.

Als enger Freund von Hermann Göring bekam Peter Bender (Autor des Werkes „Die Hohlwelttheorie“) die Chance, persönlich mit Hitler zu sprechen, um ihm die Theorie näher zu erläutern. Die Idee hatte damals einen wichtigen kriegstechnischen Hintergrund, da die Ortung von Feinden mittels Radar dadurch erleichtert werden sollte. Entsprechende von Hitler eingeleitete Experimente auf der Insel Rügen (mittels Infrarotpeilung) scheiterten jedoch.

Hitler war damals an der Hohlen Erde aus mehreren Gründen interessiert, da er durch entsprechende Studien auch von anderen Zugängen Kenntnis erhielt, und Expeditionen nach Tibet durchführte, um dort in das unterirdische Königreich vorzudringen.

Auch am österreichischen Untersberg hielt er sich auf, wo nach den Romanen von Stan Wolf (die mehrbändige Reihe „Steine der Macht“) der ehemalige Obergruppenführer Hans Kammler noch immer im Untersberg stationiert sein soll. Dort hatten Versuche zu Zeitverschiebungen und „Portalen“ stattgefunden.

Auch im tschechischen Houska besetzten die Nazis die Burg Houska, obwohl ihr Standort keinerlei strategische Vorteile bot. Dafür besagte die Legende jedoch, dass die Burg direkt über dem „Tor zur Hölle“ erbaut wurde, um zu verhindern, dass irgendetwas von dort herauskommen könnte … Befand sich hier möglicherweise ebenfalls ein vermuteter Zugang in die Unterwelt?

Einige dieser Ideen werden wir später im Buch nochmals aufgreifen. Der Abriss hier soll lediglich der generellen Übersicht dienen.

Und warum glauben heute noch Menschen daran, dass die Welt hohl sein könnte?

Erklärt wird dies hauptsächlich mit der Zentrifugalkraft. Da die Erde ständig rotiert, würden Mineralien, Gesteine und flüssiges Material durch diese Kraft nach außen gedrückt werden, wodurch sich ein Hohlraum im Inneren bildet. Vergleichbar mit der Wäschetrommel einer laufenden Waschmaschine oder auch einem Kettenkarussell.

Dazu kommen viele Berichte über seltsame Erlebnisse von Menschen, die in Höhlen auf unterschiedlichen Kontinenten mysteriöse Dinge gesehen haben oder tatsächlich fremdartigen Personen begegnet sind.

Die Erde ist eine Scheibe

Dass die Erde eine Scheibe ist, ist eine uralte Vorstellung, die sich in verschiedenen Mythologien und sogar in der Bibel findet. Die nordische Mythologie beschrieb die Welt als eine vom Meer umgebende Scheibe, in der die Midgardschlange lebt. Homer beschrieb sie ebenfalls als eine Scheibe, die von einem Ozean umgeben und von der himmlischen Halbkugel überspannt wird.

Doch bereits im Altertum vertrat Pythagoras (im 6. Jahrhundert vor Christus) die Ansicht, dass die Erde eine Kugel sei. Auch Platon und Aristoteles nannten in ihren Schriften Gründe dafür, dass die Erde eine Kugel sein musste. Spätantike Autoren beharrten auf der Scheibenform, vor allem die christlichen.

Erst im Mittelalter, als auch die ersten Globen entstanden, ging die Wissenschaft zunehmend von der Kugelform aus. Sogar der Theologe Thomas von Aquin (1225-1274) unterstützte die Idee der Kugelform der Erde. Und als Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan und Francis Drake Ende des 15. Jahrhunderts die Erde umsegelten, bestätigten sie die Kugelform.


Abb. 4: Illustration aus: Camille Flammarion, L'Atmosphère:

Météorologie Populaire, (Paris, 1888)

Vor allem durch die heutigen technischen Möglichkeiten gilt es als unumstritten, dass die Erde rund ist und eben KEINE Scheibe. Dennoch hat sich in Amerika im Jahr 1956 eine Bewegung etabliert, die sich „Flat Earth Society“ nennt und die den Glauben an die flache Erde vehement vertritt. Diese „Flacherdler“ erklären die runde Form der Erde zur „Desinformation“ und beharren auf der Scheibenform.

Samuel Rowbotham – der erste „Flat-Earthler“

Initiator der ersten „Scheiben“-Bewegung war Samuel Rowbotham (1816-1884), der als Beleg für die Scheibenform die Bibel heranzog. Seiner Meinung nach war die Erde eine Scheibe, deren Mittelpunkt der Nordpol ist. Umgeben ist die Erde von einem Wall aus Eis. Außerdem behauptete er, dass die Sonne nur weniger als 4.000 Meilen von London entfernt sei. Er und seine Anhänger lieferten sich heftige Diskussionen mit den damaligen Wissenschaftlern. Die Idee wurde dann von weiteren Organisationen übernommen und fortgeführt.

Erstaunlicherweise findet diese Theorie immer mehr Anhänger, obwohl eine flache Erde Probleme mit der Schwerkraft erzeugen würde, in deren Folge sich an den „Rändern“ nur noch Wüsten befänden, während sich im Zentrum Salz- und Süßwasser mischen würden. Auch der Bau von Gebäuden wäre viel schwieriger, da die Fundamente entsprechend anders ausgerichtet werden müssten.

Beliebte Argumente sind auch:

Drei bekannte Argumente führt eine Kabel Eins Doku*1 auf, die gleichzeitig versucht, diese zu widerlegen (Zitat):

1 Der Horizont ist gerade (man sieht keine Wölbung). Die kann man aber auch nicht sehen, da die Erde so groß ist. Erst ab 11.000 km Höhe kann man das vom All aus sehen.

2 Niemand hat die Wand in der Arktis bisher durchbrochen. Wenn die Erde flach ist, muss es eine Grenze geben, damit wir nicht am Ende der Welt in die Tiefe stürzen. Bei mehreren Expeditionen wurde die Arktis erforscht.

3 Wir sehen Venus und Mars. Theoretisch sollte man sie nicht sehen, da sie sich zwischen Sonne und Erde befinden. Jeder Planet hat aber eine eigene Umlaufbahn und bewegt sich mit einer eigenen Geschwindigkeit. Daher sind sie nicht genau zwischen Erde und Sonne und sind eben doch immer wieder zu sehen.


Abb. 5: Die Planeten

Tödlicher Selbstversuch

Ein selbsternannter Astronaut (Michael „Mad Mike“ Hughes, Jahrgang 1956) hatte sich vorgenommen, mit einer selbstgebauten Rakete ins All zu fliegen, um sich von dort aus ein Bild davon zu machen, ob die Erde rund ist oder nicht. Er schoss sich an einem warmen Februartag in den Himmel über der Mojave-Wüste, während er von unten gefilmt wurde. An Bord der Rakete hatte er ebenfalls ein Mikrofon und eine Kamera.

Wenige Sekunden nach dem Start am 22.02.2020 löste sich der Fallschirm von der Rakete und segelte zur Erde zurück, während die Rakete höher stieg und später rund 800 m vom Startplatz entfernt auf dem Wüstenboden zerschellte. Leider war Michael immer noch an Bord der Rakete und kam bei dem Absturz ums Leben.

TEIL 2

Leben in der Erde –

Wie tief ist „in“ der Erde und wer oder was lebt dort?

Wenn man über das Leben in der Erde spricht, winken die meisten gleich ab mit der Begründung, dass es „dort unten“ doch zu heiß sei und nicht genügend Luft gäbe und dass „ganz weit unten“ doch nur Lava/Magma ist und die Umgebung lebensfeindlich wäre. Doch muss jeder, der „in“ der Erde wohnt, so tief unten hausen? Nein! …

Leben in der Erde

Wenn man das Leben innerhalb der Erde betrachtet, dann muss man zunächst Missverständnisse ausschließen. „In“ der Erde bedeutet nicht zwangsläufig „im Mittelpunkt“ oder „im Erdkern“ oder „im Hohlraum“ (falls man an die hohle Erde glaubt).

„In“ der Erde ist ein völlig legitimer Begriff, der nichts mit einer enormen Tiefe zu tun hat. Immerhin befinden sich Luftschutzbunker, Regierungsbunker, militärische Einrichtungen und Höhlendörfer unter der Erde oder innerhalb von Bergen. Und das sind gar nicht so wenige, wie man denken möchte.

Dazu kommen die unterirdischen Bunker für Kunstschätze oder Getreide sowie etliche Fluchttunnel und unterirdische Anlagen wie separate Verkehrsadern neben den vorhandenen offiziellen U-Bahn-Gleisen, beispielsweise in Berlin. Faktisch spielt sich also tatsächlich einiges unter unseren Füßen ab!

Bunker und militärische Einrichtungen

Bunker dienen gleich mehreren Zwecken. Zum einen sollen sie sicherstellen, dass die Regierung im Falle eines Angriffs in Sicherheit gebracht werden kann und zum anderen können auch Privatpersonen oder Geräte in unterirdischen Bunkern vor Luftangriffen sicher verborgen werden. Selbst einfachere Luftschutzräume oder Keller sind bekannt, die teilweise sogar von Privatpersonen auf den eigenen Grundstücken installiert und ausgestattet wurden.

Deutsche Luftschutzbunker wurden in großer Zahl in allen größeren deutschen Städten ungefähr ab den 1930er Jahren gebaut und konnten tatsächlich viele Menschenleben retten. Damit diese Bunker auch sicher und zuverlässig vor den Bomben und Detonationen schützen konnten, waren sie mit meterdicken Stahlbetonwänden (bis zu 3,50 m) ausgestattet. Da eine Entfernung viel zu aufwendig und auch kostspielig gewesen wäre, sind sie heute noch erhalten und werden zum Teil für andere Zwecke genutzt. Einige stehen unter Denkmalschutz und dürfen auch besichtigt werden.

Es gibt sowohl Bunker, die in die Tiefe gebaut sind (Tiefbunker), als auch oberirdische Anlagen (Hochbunker), die selbstverständlich getarnt sind, damit sie den Eindruck eines normalen Wohngebäudes erwecken. Früher gab es darin richtige Toilettenanlagen mit Wasserspülung, während in den modernen Varianten mit Trockenklosetts gearbeitet wird. Daneben sind alle wichtigen Bereiche darin untergebracht wie Vorräte, Küchen, Arzträume und selbstverständlich auch Vorräte sowie Luftfilteranlagen.

Bunker sind also beinahe mit kleinen unterirdischen Städten zu vergleichen, in denen das Leben im Kriegsfall fortgeführt werden kann. Militärische Bunker sind gleichzeitig Verteidigungsanlagen, in denen notwendige Kriegsfahrzeuge oder Waffen untergebracht sind und die gleichzeitig als Kommandozentrale fungieren. Hier wird deshalb im Kriegsfall die Regierung in Sicherheit gebracht, während in den zivilen Bunkern nur die „normale“ Bevölkerung geschützt ist. Diese Zivilbunker haben häufig mehrere Zwecke, sodass im Ernstfall aus einer Tiefgarage oder einer U-Bahn-Station ein Schutzraum werden kann.

Bekannte Bunker sind der historische Führerbunker in Berlin sowie im Obersalzberg und der ehemalige Bunker der Bundesrepublik Deutschland in Bad Neuenahr-Ahrweiler. In den USA sind es die Einrichtungen des NORAD (Nordamerikanische Luftverteidigung und Führwarnung). Es gibt mehrere Zentralen und Kontrollzentren für unterschiedliche Zwecke, die sich auf der Peterson Air Force Base, im Cheyenne Mountain (beide in Colorado), sowie der Elmendorf Air Force Base (Alaska), Tyndall Air Force Base (Florida) und der Canadian Forces Base North Bay (Kanada) befinden.

Zu den militärischen Anlagen gehört auch die berüchtigte Area 51 in Nevada, wo neue Experimentalflugzeuge getestet werden. In den unterirdischen Anlagen dieser Air Force Base am Groom Lake sollen angeblich auch Aliens leben und UFOs getestet werden.


Abb. 6: Bunker für Atomwaffen in der Area One, Fischbach bei Dahn, (Foto: Roland Roth)

Ähnlich wie Luftschutzbunker, Flugzeugbunker oder U-Boot-Bunker sind auch Atomschutzbunker angelegt, die teilweise recht luxuriös aussehen können, wenn man der Zeitschrift Business Insider glaubt. Denn diese berichtet vom Luxusbunker des nordkoreanischen Oberhaupts Kim Jong-un, der sich rund 500 Meter unter der Erde befindet und auch mit Produktionsstraßen und Büros ausgestattet ist.

In dieser Tiefe ist er selbst vor einer Wasserstoffbombe gut geschützt. Viele Bunker, nicht nur in Nordkorea, sind auch durch unterirdische Verkehrsnetze miteinander verbunden. Es sieht also so aus, als würde es unter der Erde mehrere kleinere Städte geben, die denen an der Oberfläche durchaus ähneln.

Versteckt werden in Bunkern übrigens auch Kunstschätze (Historischer Kunstbunker in der Nürnberger Kaiserburg) sowie wertvolles Saatgut, aus denen sich im Ernstfall wieder Nachzuchten von Getreide, Obst oder Gemüse reproduzieren ließen. Spannend ist die Besichtigung der Berliner Unterwelten, in denen die Besucher einen Einblick in das Leben im Atomschutzbunker erhalten können. Hier sind viele Ausstellungsstücke erhalten, die bei einem geführten Rundgang besichtigt werden können.

Dieser Samenbunker (Global Seed Vault) befindet sich seit 2008 in einer Höhle im norwegischen Spitzbergen, rund 80 m tief im Berg und mit Spritzzement ausgekleidet. Hier lagern rund 4,5 Millionen Arten der unterschiedlichsten Kulturpflanzen, allerdings keine gentechnisch veränderten Pflanzen! Hier haben fast alle Staaten der ganzen Welt Samen von Früchten, Getreide und Gemüse hinterlegt wie in einem Bankdepot.

Katakomben

Außer den militärischen Einrichtungen, die dauerhaft unter der Erde versteckt sind, sind die anderen Bunker nur im Katastrophenfall wichtig oder als reine Lagerstätte wenig stark frequentiert. Ebenso ist es auch in den Katakomben, in denen sich nur Touristen oder vielleicht Obdachlose aufhalten – von den Toten, die dort ihre letzte Ruhe gefunden haben, einmal abgesehen.

Die Katakomben sind riesige unterirdische Gewölbekomplexe, die sich über eine Fläche von mehreren Kilometern ausdehnen können. Sie sind allerdings nicht als Städte für die Lebenden oder Schutzräume angelegt worden, sondern als Grabstätte für Verstorbene.

Darin gibt es dennoch mehrere Stockwerke und verschiedene Grabkammern oder Nischen. Im Gegensatz zu der Bestattung auf einem Friedhof oder in einem Mausoleum befinden sich in den Katakomben aber nur die Gebeine (Knochen und Schädel) der verstorbenen, die aus den Friedhöfen exhumiert und dann in die Katakomben gebracht werden.


Abb. 7: Katakomben in Paris (© Pixabay, chiefhardy)

Bekannte Katakomben befinden sich in

 Lyon

 Malta (drei unterirdische antike Anlagen, die meist jedoch für familiäre Bestattungen genutzt wurden)

 Neapel

 Odessa (60 m tief, 3 Stockwerke, 2.500 km langes Tunnelsystem. Nur ein Teil kann überhaupt besichtigt werden, da das Betreten gefährlich und die Anlage nicht einmal vollständig kartografiert ist).

 Palermo (Kapuzinergruft, eine weitläufige Gruftanlage in der in 5 Bereichen Mumien aufbewahrt werden. Männer und Frauen lagern getrennt, außerdem Kinder, Jungfrauen, Priester und hochrangige Bürger. Hier liegt die gut erhaltene zweijährige Rosalia Lombardo, die so lebensecht mumifiziert wurde, dass Menschen manchmal behaupten, sie hätte ihre Augen geöffnet)

 Paris (Die Katakomben von Paris sind das Städtische Beinhaus, in dem aufgrund der Schließung der Pfarrfriedhöfe rund 6 Millionen Pariser bzw. deren Gebeine zur letzten Ruhe gebettet sind)

 Rom (von den über 60 Katakomben sind nur wenige für Besucher zugänglich)

 Syrakus (diese Katakomben sind die nächstgrößten nach den römischen. Insgesamt gibt es drei Anlagen (Santa Lucia, Vignia Cassia, San Giovanni). Die Katakomben sind für Besucher zugänglich, allerdings können nur die der Heiligen Lucia und des Heiligen Johannes regelmäßig besichtigt werden, für die anderen ist eine Sondergenehmigung notwendig.

Leben in der Kanalisation in Las Vegas

Weniger komfortabel und nicht ganz freiwillig leben in den USA Menschen in der Kanalisation unter der Metropole Las Vegas. Gescheiterte Existenzen, obdachlose Glücksritter, die ihr Hab und Gut beim Spielen verzockt haben, haben sich dort, unten dem Sunset Strip und anderen Straßen eine Existenz aufgebaut.

Leben kann man nicht sagen, denn sie vegetieren in den dunklen, miefigen und gefährlichen Kanälen zwischen Ratten und Ungeziefer dahin, sind zum Teil drogen- oder alkoholabhängig und wissen kaum, wie sie sich ernähren sollen.

Die Behörden haben seit 2006 verboten, dass Lebensmittel an diese Bedürftigen gespendet werden dürfen, denn die Stadt will diese Obdachlosen möglichst von den Touristen fernhalten. Das Leben in den Tunneln ist sehr gefährlich, denn wenn es regnet, was zum Glück selten der Fall ist, steigt das Wasser in der Kanalisation so hoch, dass die Leute darin ertrinken. Das Risiko gehen sie trotzdem ein, denn sie haben oft keine andere Wahl.

Höhlendörfer

Im Gegensatz zu den Toten, den Obdachlosen, der Regierung oder der Zivilbevölkerung im Katastrophenfall gibt es auch Menschen, die völlig freiwillig und ganzjährig in unterirdischen Dörfern oder Höhlendörfern leben. Einige berühmte, wie beispielsweise Göbekli Tepe, sind bereits verlassen, andere jedoch noch bewohnt und häufig ganz besondere Touristenattraktionen.

Höhlendörfer sind nicht unbedingt eine Notlösung, denn das Leben in Höhlen bietet einen hervorragenden Schutz vor schlechter Witterung und isoliert die Bewohner vor allem vor zu heißen oder zu kalten Temperaturen. So herrscht ganzjährig ein trockenes und angenehmes Wohnklima im gesamten Dorf.

Beispiele für bekannte historische und moderne Anlagen

(in alphabetischer Reihenfolge):

Alte Straßen, Neapel, Italien. Hier liegen ca. 40 m unter der Stadt die Reste alter römischer und griechischer Städte, samt gepflasterten Straßen, Marktständen, eines römischen Theaters und eines Aquädukts.

Barranco de Guayadeque, Schlucht von Guayadeque bei Agüimes, Gran Canaria. Manche Menschen leben hier dauerhaft, einige kommen nur am Wochenende in die Höhlenwohnungen. Hier herrscht eine angenehme gleichbleibende Temperatur von rund 20°C. Es gibt hier außerdem eine Kirche, in der regelmäßig Gottesdienste stattfinden, sowie ein Höhlenmuseum, in dem antike Gegenstände der früheren Bewohner aus der Zeit um 830 n. Chr. ausgestellt sind. Das Höhlendorf Cuevas Bermejas besitzt sogar zwei gut besuchte Restaurants, in denen sich nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische häufig und gerne aufhalten.

Coober Pedy, Australien, ist seit ca. 1916 von Bergarbeitern bewohnt, die sich wegen des Abbaus von Opalen dort ansiedelten. Das Schürfen von Opal und der Verkauf ist auch der Hauptwirtschaftszweig neben dem Tourismus. Die Einwohner haben sich wegen der hohen Temperaturen von über 40°C in den unterirdischen Wohnhöhlen niedergelassen, wo sie eine angenehme und gleichbleibende Temperatur haben.

Die Eingänge der Wohnungen liegen oberirdisch an der Straße, dahinter oder darunter sind typischerweise Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Küche in den Felsen geschlagen. Die Erde besteht dort hauptsächlich aus Ton und kann gut von Hand bearbeitet werden, er wird aber teilweise auch herausgesprengt und ganz modern mit „tunneling machines“ neu aus der Erde gefräst.

Auf diese Weise kann auch der bestehende Wohnraum leicht erweitert werden. Hier wurden sogar bekannte Filme wie Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel oder Pitch Black – Planet der Finsternis gedreht.

Derinkuyu, Türkei (Kappadokien). Ganz Kappadokien ist von unterirdischen Städten durchzogen, die bereits seit 800 v. Chr. existieren. In Derinkuyu war Platz für 20.000 Einwohner in 18 Stockwerken. Sie ist neben Kaymakli die berühmteste der mehr als 50 unterirdischen Städte in dieser Gegend. Der Zugang zu der gut ausgerüsteten Stadt erfolgte über Rollsteintüren, die die Bewohner von innen vor den Eingang rollen konnten. Es ist unklar, ob die Stadt aufgrund der stark schwankenden und extremen Temperaturen unterirdisch angelegt wurde oder zum Schutz vor Verfolgern.

Derinkuyu, Kappadokien: Menschen unter Tage

Derinkuyu bedeutet in der türkischen Sprache „tiefer Brunnen“

oder „Schacht“. Diese spannende Unterwelt ist eine der berühmtesten der unterirdischen Städte in Kappadokien und befindet sich im gleichnamigen Ort, der in der türkischen Provinz Nevşehir 29 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt liegt.

Derinkuyu ist dabei nur die bekannteste der Höhlenstädte: in Kappadokien vermutet man über 50 unterirdische Städte. 36 wurden bislang erst entdeckt, aber der Öffentlichkeit zugänglich sind sie meist nicht. Derinkuyu ist die größte, touristisch zugängliche Anlage.

Die Entstehungszeit dieser Städte und auch von Derinkuyu ist nicht ganz eindeutig. Archäologen sind der Auffassung, in den Hethitern vor über 4.000 Jahren die Erbauer identifizieren zu können. Es folgten um 800 v.Chr. die Phryger, die Perser und später die Christen. Sie sollen den Anlagen zwischen dem 6. und dem 10. Jahrhundert ihre heutige Form gegeben haben, richteten unterirdische Gotteshäuser ein. Die eigentlichen Erbauer waren sie aber nicht.

Die früheste Erwähnung findet sich in dem Geschichtswerk Anabasis von Xenophon (um 430-354 v.Chr.). Der antike griechische Schriftsteller spricht von Menschen in Anatolien, die ihre Häuser unter der Erde gebaut haben:

„Die Häuser waren unter der Erde, am Eingang (eng) wie ein Brunnenloch, unten aber weit. Die Eingänge für das Zugvieh waren gegraben, die Menschen aber stiegen auf Leitern hinab. In den Wohnungen fand man Ziegen, Schafe, Rinder und Federvieh nebst den Jungen derselben.“ (Xenophon, IV/5.25)

Der Autor Walter-Jörg Langbein ist Experte für die uralten Städte tief unter der Erde. Mehrmals nahm er Derinkuyu in Augenschein, von unerträglicher Hitze an der Oberfläche stieg er hinab in angenehm kühles Klima. Ideal, um Nahrungsmittel zu lagern. Langbein folgte den Gängen tief hinab in die Unterwelt, schaute in 30 oder 40 Meter tiefe Schächte. Neben niedrigen Gängen, die kaum einen Meter hoch sind, gelangte er auch in riesige Räume. Monströse Steinkolosse dienten einst als unüberwindbare Türen. Bis in tiefsten Etagen herrscht gute Luft. Langbein konstatiert: „Wer auch immer die unterirdische Stadt angelegt hat, muss ein Meister seines Fachs gewesen sein.“

Welchem Zweck dienten diese Anlagen? Langbein vermutet, dass die Menschen damals panische Angst vor Angriffen von oben gehabt haben. Tausende Räume wurden angelegt. Städte wie Derinkuyu und Kaymakli sind unterirdisch miteinander verbunden. Vor welchem Feind hatten die Bewohner solche Angst? Zumal solche Bauprojekte viele Jahre in Anspruch genommen haben, vor einem plötzlich auftauchenden Feind können die Erbauer wohl nicht geflohen sein.


Abb. 8: Eindrücke von Derinkuyu (Fotos: Walter-Jörg Langbein,

mit freundlicher Genehmigung)

Gegen eine Belagerung einer herkömmlichen Armee wäre die Unterwelt ebenfalls hoffnungslos verloren, denn Nahrungsmittelknappheit und Wasserversorgung machten die Anlagen eher zu einer Mausefalle und damit ungeeignet für gewöhnliche Schutzsuchende. Versteckten sie sich eher vor ganz anderen, übermächtigen Feinden, die jene unterirdischen Stätten nicht kannten?

Letztendlich sind die Hintergründe der unterirdischen Städte in Kappadokien bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, ein großer Teil der Anlagen wurde bis heute nicht erkundet. Es gibt sie also noch: Unterirdische Rätsel, die ihrer Lösung harren.

Dixia Cheng, Peking, China. Diese Stadt wurde bereits in den 1970er Jahren gebaut und ist über 77 km² groß. Zunächst war diese Stadt als Luftschutzbunker konzipiert und umfasst alles, was eine Stadt benötigt, bis hin zu Schulräumen und Friseurgeschäften. Heute ist die Stadt allerdings lediglich eine Touristenattraktion.

Edinburgh Vaults, Edinburgh, Schottland. Hier gab es Ende des 18. Jahrhunderts knapp 20 Kammern, in denen sich Lager und Werkstätten der oberirdischen Geschäfte befanden. Aufgrund der hohen Feuchtigkeit mussten sie jedoch aufgegeben werden. Daraufhin quartierten sich Obdachlose und Arme ein. Doch als die Kammern zunehmend unbewohnbar wurden, wurde der komplette Bereich verschlossen.

Guadix, Spanien, seit rund 2.000 Jahren bewohnt. Die Bewohner werden auch „Troglodyten“ genannt.

Göreme, Türkei (Kappadokien), seit rund 1800 v. Chr. bewohnt

Grotta Mangiapane, Sizilien, wurde erst in den 1800er Jahren als Dorf angelegt und bereits in den 1950er Jahren wieder verlassen. Es ist heute ein Museum.

Kandowan, Iran, vor rund 700 Jahren gegründet

Matmata, Tunesien. Diese Stadt ist seit rund 3.000 Jahren bewohnt und wurde von Berbern besiedelt, die sich dort vor den östlichen Stämmen in den Felsspalten und Höhlenwohnungen versteckten. Noch immer leben hier Menschen, die von der perfekten Klimatisierung der Höhlenwohnungen profitieren. Denn Tagsüber wird es hier sehr heiß und nachts extrem kalt. Das Dorf zieht besonders viele Touristen an, seit es als Filmkulisse für Teile von Star Wars diente.

Maymand, Kerman, Iran. Dieses Höhlendorf wird schon seit rund 3.000 Jahren bewohnt. Heute leben dort ungefähr 140 Einwohner. Dabei handelt es sich um Halbnomaden, die auch Ackerbau betreiben. Ein Teil des Dorfes ist als Museum für Touristen zugänglich. Seit 2005 gehört die Kulturlandschaft Maymand zum UNESCO Weltkulturerbe.

Rochemenier, Doué-la-Fontaine, Frankreich. Das Bauerndorf besteht aus einer Vielzahl Wohnungen, die in den Muschelsandstein hineingebaut wurden. Das Dorf entstand um das 17. Jahrhundert herum, beinhaltet aber eine sehr viel ältere unterirdische Kapelle aus dem 13. Jahrhundert. Im Dorf gibt es mehr Wohnungen unter als über der Erde. Es wurde im 20. Jahrhundert komplett aufgegeben und ist heute bei Touristen sehr beliebt.

Zhongdong, Ziyun, Chinas letztes Höhlendorf. Hier leben 18 Familien in einer Grotte in den Bergen. Anscheinend war die Grotte bis zur Gründung der Volksrepublik China ein Unterschlupf für Banden, danach sind auch andere Familien hergezogen.

Die Häuser dort sind kunterbunt zusammengesetzt, doch die Menschen besitzen sogar ein Basketballfeld und Waschmaschinen, da sie ans chinesische Stromnetz angeschlossen sind. Sogar eine Schule hat es dort gegeben.

Bislang war diese Höhle nur über einen langen und schmalen Fußweg erreichbar, doch seit 2017 führt auch eine Seilbahn dort hinauf. So können sich die Bewohner viel leichter mit Nahrung versorgen. Außerdem bringt die Seilbahn auch Touristen in das Dorf. Der Regierung wäre es allerdings recht, die Familien umzusiedeln. Sie hat extra am Fuß des Berges Häuser gebaut, doch die Dorfbewohner weigern sich, die Höhle zu verlassen.

In China gibt es sehr viele weitere solcher Höhlen.

Die Existenz im Untergrund

Höhlen sind der Eingang in ein faszinierendes Reich. Sie versprechen einen Blick in finstere Unterwelten. Noch immer sind sie weitgehend unerforscht, doch hofft man ausgerechnet hier besondere Schätze zu finden. Mikroorganismen aus der unbekannten Tiefe geben möglicherweise sogar Aufschluss über die Existenz von Lebensformen auf anderen Planeten und Monden.

Spätestens seit der Entdeckung von Arsen-absorbierenden Bakterien aus dem Mono Lake in Zentralkalifornien hat sich unsere Auffassung von Leben im Universum grundlegend geändert. Tiefe Höhlensysteme waren bislang ebenfalls nicht gerade auf der „Bestseller“-Liste, wenn es um Orte mit extremen Bedingungen geht. Das Interessante an Höhlen ist die Tatsache, dass diese verborgenen Welten umso rätselhafter werden, je tiefer man in Höhlen vordringt. Jede Erkundung ist eine spannende Entdeckungsreise in Richtung Mittelpunkt der Erde. So am Beispiel der faszinierenden Unterwelt der Carlsbad Caverns:

Der Nationalpark in New Mexiko, USA, beherbergt eines der spektakulärsten Höhlensysteme der Welt. Der „Big Room“, der große Saal, 230 Meter unter dem Besucher-Zentrum gelegen, ist etwa einen halben Kilometer lang und 25 Stockwerke hoch. Tausende von Stalagmiten, Stalaktiten und anderen Formationen finden sich in seinem Inneren.

Im Jahre 1960 waren die Höhlensysteme idealer Schauplatz des Hollywood-Films Reise zum Mittelpunkt der Erde („Journey to the Center of the Earth“) mit James Mason, über den wir hier noch berichten werden. Hier fand man perfekte Bedingungen, um den Jules-Verne-Klassiker auf die Leinwand zu bringen.

Doch für die Wissenschaft waren die Höhlensysteme in New Mexiko ebenfalls interessant. Hier entdeckten Forscher 1986 die Lechuguilla-Höhle. Sie ist eine der längsten und tiefsten Höhlen der Welt. Derzeit sind lediglich 200 Kilometer des bizarren Labyrinths kartiert, doch das gesamte Höhlensystem ist vermutlich viel größer. Die Höhle gab den Wissenschaftlern Rätsel auf, denn sie wurde offensichtlich nicht vom Wasser geschaffen.


Abb. 9: Carlsbad Cavern, Tropfsteinhöhle (© Pixabay, 12071)

Viele Höhlen haben sich im Kalkstein gebildet. Ihr Baumeister war zum einen die Erosionskraft des Wassers. Zum anderen nimmt das versickernde Regenwasser dabei im Boden Kohlendioxid auf. Es entsteht Kohlensäure. Die Säure löst den Kalkstein auf und so bilden sich im Laufe der Zeit gigantische Hohlraumsysteme, unterirdische Labyrinthe mit bizarren Formen, die sich stetig verändern. Eine beeindruckende, aber auch eine lebensfeindliche Welt. So dachte man bisher jedenfalls.

In der Lechuguilla-Höhle dominieren weiße Kristalle, die aus Gips bestehen. Gips entsteht aber nur in Verbindung mit Schwefelsäure. Die Forscher vermuteten, dass die Baumeister lebende Organismen waren: Bakterien. Doch wie könnten winzige Bakterien Höhlensysteme von solchen Ausmaßen herstellen?

Durch bestimmte chemische Reaktionen steigt Schwefelwasserstoff aus der Tiefe hoch, von dieser Schwefelverbindung ernähren sich die Bakterien und scheiden Schwefelsäure aus. Doch zunächst war noch unklar, was aus den Bakterien geworden ist, die diese gigantischen Unterwelten geschaffen hatten.

Die Antwort fand sich in den größeren Tiefen der Höhle, denn hier entdeckten die Forscher nicht nur die Urheber der Schwefelsäurestrukturen, sondern stießen auch auf einen unerwarteten Artenreichtum an Bakterien und Pilzen. Einige Wissenschaftler vermuten sogar, dass sich hier, ähnlich wie in den Tiefen der Weltmeere, ein weitaus größerer biologischer Reichtum verbirgt, als auf der Oberfläche unseres Planeten.

Mit Blick auf die aktuelle Planetenforschung zeigt uns der vielfältige Artenreichtum an Leben in diesen unterirdischen Welten, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, in tiefen Höhlensystemen wie auf dem Planeten Mars oder auf den Top-Favoriten für extraterrestrisches Leben, den Monden Europa oder Titan, auf extraterrestrisches biologisches Leben zu stoßen.

Höhlen dienen als Zuflucht und Biotope für Lebensformen, die an der Oberfläche der Erde längst ausgestorben sind. Auf den Planeten und Monden in unserem Sonnensystem besteht daher ebenfalls die Möglichkeit, dass die tiefen Kavernen und Höhlen auf diesen Welten als Zuflucht und Schutz vor der kosmischen Strahlung dienen.

Im Laufe von Jahrmillionen hat sich in den Tiefen unseres Planeten ungestört eine einzigartige Lebenswelt entwickelt. Welche Lebensformen haben sich wohl während dieser Zeitspanne auf den Monden des Jupiter und Saturn oder in den Höhlensystemen des Mars entwickelt?

Doch in den Höhlen herrscht ewige Dunkelheit. Wie kann Leben unter diesen Bedingungen überhaupt existieren, und woher kommt die Nahrung für ihre Bewohner? Wer im Dunkeln lebt, muss über spezielle Sinne verfügen. Fledermäuse beispielsweise senden Ultraschall-Laute zur Orientierung aus.

Das Muster der Reflektionen vermittelt ihnen ein genaues Bild der Umgebung. Und die Fledermäuse können damit sogar ihre Feinde orten, wie eine Schlange, die auf Beutezug ist. Doch auch die Schlange schnappt im Dunkeln nicht blind zu. Ein Rezeptor in ihrem Kopf registriert die Körperwärme ihrer Beute, zielsicher stößt sie auf ein Tier zu.

Die Evolution hat auf der Erde Lebensformen hervorgebracht, die glatt als Aliens durchgehen könnten. Selbst Wirbeltiere, wie der Cave Angle Fish („Cryptotora thamicola”), haben die Unterwelt erobert. Er lebt in den Wasserfällen von Höhlen, wo er sich mit winzig kleinen Haken an der abgeflachten Flosse am Fels festhält. Seine Nahrung besteht aus Bakterien, die ihm das Wasser heranschafft.

Ein anderer Überlebenskünstler der Unterwelt ist ein weißer Salamander. Wie alle echten Höhlenbewohner in diesem Dunkel ist er blind. Im Gegensatz zu seinen Verwandten an der Erdoberfläche bildet er keine Pigmente, denn im Finsteren haben sie keine Bedeutung. Optische Tarnung ist hier nicht gefragt.

Aber die unwirtlich anmutende Umgebung bietet den Bewohnern den wichtigen Vorteil der Kontinuität. Die Temperatur in der Lechuguilla-Höhle liegt ständig bei etwa acht Grad, die Luftfeuchtigkeit konstant bei 95 Prozent. Der weiße Salamander musste also nie flexibel auf sich verändernde Bedingungen reagieren. Dadurch spart er Energie in seinem Stoffwechsel. Das ist überlebenswichtig, denn er ist oft gezwungen, mehrere Monate lang zu hungern. Im Extremfall kann der Salamander bis zu sechs Jahre von einer ordentlichen Mahlzeit zehren.

Welten, die für die Wissenschaft bisher als lebensfeindlich galten, gewinnen so wieder mehr Aufmerksamkeit, denn Leben findet seinen Weg und hat überall im Kosmos die gleichen Absichten: Es ist expansiver Natur, es breitet sich aus und vermehrt sich, und das an den schier unmöglichsten Orten. Man denke in diesem Zusammenhang an die „Oasen der Tiefsee“, wo Bakterien an 350 Grad heißen Quellen in der Tiefsee existieren.

Das Erstaunliche dabei ist, dass diese Mikroorganismen Photosynthese betreiben - und das an einem Ort, zu dem niemals auch nur ein einziger Sonnenstrahl vordringt. Sie nutzen als Energiequelle das schwache „Glimmen“, das von heißen Quellen des Meeresgrundes ausgeht. Diese für das Auge unsichtbare Strahlung, das sogenannte geothermische Licht, gibt der Wissenschaft allerdings immer noch Rätsel auf.

Auf das geheimnisvolle Licht der Tiefsee ist Ende der achtziger Jahre die amerikanische Biologin Cindy Lee Van Dover aufmerksam geworden. Sie hatte bei Krebsen, die an Thermalquellen auf dem dunklen Meeresboden leben, eigenartige Lichtsinnesorgane entdeckt. Sie befinden sich auf dem Rücken. Bei der Suche nach dem biologischen Sinn dieser „Augen“ stieß die Forscherin auf das geothermische Licht.

Es handelt sich dabei um Strahlung vorwiegend im tiefroten bis nahezu infraroten Bereich. Das heiße Wasser, auch wenn es mit mehr als 300 Grad aus dem Boden schießt, kommt nicht als alleinige Strahlungsquelle in Betracht.

Die Intensität bei manchen Wellenlängen ist viel zu hoch, als dass sie mit Wärmestrahlung erklärt werden könnte. Möglicherweise entsteht „Licht“, wenn das heiße Wasser auf das kalte Meerwasser, dessen Temperatur nur zwei Grad beträgt, trifft und dabei Mineralien auskristallisieren. Zu den weiteren Erklärungsversuchen gehören Sonolumineszenz, hervorgerufen durch kollabierende Bläschen, und bei chemischen Reaktionen auftretende Lumineszenz.

Die Entdeckung von Leben tief unter der Erde bricht derweil nicht ab. Anfang 2021 entdeckten Forscher erstmals Lebensformen unter 800 m dickem Schelfeis. Unter dem antarktischen Filchner-Ronne-Schelfeis (benannt nach Wilhelm Filchner und Finn Ronne) leben diese schwammartigen Lebewesen putzmunter auf Felsblöcken, sogenannte sessile (festsitzende) Filtrierer-Organismen. Diese Entdeckung beweist, wie sich Leben auf unglaublich spezielle Weise an das Leben unter gefrorenen Welten anpassen kann.

Polarforscher Huw Griffiths vom British Antarctic Survey ist begeistert von dieser Terra incognita. Bereits der 1996 unter einem 3.600 m dicken Eispanzer entdeckte Wostoksee in der Nähe der russischen Station Wostok sorgte für Aufsehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in diesen tieferen Wasserschichten ebenfalls Leben befindet. Auch die subglazialen Seen Lake Whillans und Mercer Lake im Marie-Byrd-Land wurden untersucht. Bei diesen Beprobungen fand man unter der rund 1.000 m dicken Eisschicht ein überraschend komplexes Ökosystem an Krebstieren und Bakterien, die sich von Methan ernähren.

Mikroorganismen aus den unbekannten Tiefen der Weltmeere, der Antarktis oder den phantastischen Höhlensystemen im Carlsbad Caverns Nationalpark geben so neben den Möglichkeiten von Leben in der Unterwelt möglicherweise auch Aufschluss über die vielfältige Existenz und Überlebensfähigkeit von Lebensformen auf anderen Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Doch dieses Rätsel werden wohl nicht unsere Robotersonden lösen, sondern erst künftige bemannte Missionen zu diesen faszinierenden Welten, die mit entsprechendem Equipment ausgestattet sind und die menschliche Fähigkeit nutzen, eine gewisse Sensibilität für Ungewöhnliches einsetzen zu können.

Moderne Städteplanung – im Untergrund!

Nicht aus Temperaturgründen, sondern aus Platzmangel wird häufig in Asien und den Vereinigten Staaten auch im Untergrund gebaut. Hier entstehen moderne Städte mit Einkaufszentren und Wohnmöglichkeiten.

Beispiele für solche Städte sind:

Crysta Nagahori, Osaka, Japan. Dies ist eine weltberühmte Shopping-Stadt mit mehr als 100 ober- und unterirdischen Geschäften, einem gläsernen Atrium und Wasserläufen.

Hongkong, Stadterweiterung. Die Stadt baut nicht aus Temperatur- oder Schutzgründen in den Untergrund, sondern wegen des extremen Platzmangels. Hier entstehen in den Bergen verschiedene Laboratorien, Rechenzentren und auch Freizeitanlagen.

Lowline, New York, USA. Hier laufen Planungen für einen Ausbau der verlassenen Zugtunnel auf der Lower East Side. Es soll sogar ein Wald bzw. ein Park angelegt werden.

Moose Jaw Tunnels, Kanada. In diesen Tunnelanlagen mussten früher chinesische Bürger leben, die ihre Steuern nicht bezahlen konnten. Insofern hat diese unterirdische Stadt einen sehr traurige Geschichte.

Path, Toronto, Kanada. Hier verbindet ein 30 km langes Tunnelsystem Bahnhöfe, Geschäfte und Restaurants miteinander.

Réso, Montreal, Kanada. Diese Stadt ist ebenfalls modern, wurde aber aufgrund der harten winterlichen Wetterbelage in den Untergrund gebaut. Viele Städte sind aus diesem Grund in Kanada ebenfalls in die Erde verlegt worden. Hier befinden sich alle notwendigen Geschäfte sowie Hotels und Restaurants und auch Verkehrsanbindungen wie die U-Bahn. Es gibt sogar kulturelle Einrichtungen wie ein Kino und eine Bibliothek.

Shanghai-Tunnel (Portland Underground), Portland, USA. Dieses komplexe Tunnelnetzwerk verbindet Chinatown mit der restlichen Stadt. Früher konnten hier problemlos Waren transportiert oder in Zeiten der Prohibition vor allem Alkohol an Bars geliefert werden. Heute sind viele Tunnel leider aufgrund von Bauarbeiten und Schutt unzugänglich.

Verkehrsadern künftig unterirdisch?

Offenbar gab (und gibt!) es zu allen Zeiten und in allen Gegenden der Welt Gründe dafür, unterirdische Städte und Wohnungen zu bauen. Und auch künftig soll sich dieser Trend eher noch verstärken als reduzieren. Beispielsweise überlegt die Schweiz, künftig ein unterirdisches Verkehrsnetz zur Entlastung der Straßen einzurichten. So sollen unbemannte Elektrofahrzeuge unterirdisch Waren transportieren.

Das Ganze soll in 20 bis 50 m Tiefe abgewickelt werden und ein erster Streckenabschnitt soll bereits 2030 fertig sein. Ein positiver Nebeneffekt dieser Idee wäre auch der reduzierte CO2-Ausstoß und damit eine geringere Umweltbelastung. Über dieses „Cargo sous terrain“ berichtete Logistik aktuell am 06.12.2016 online.

Die Schweiz ist aber nicht die einzige Nation, die sich Gedanken darüber gemacht hat. Denn bereits 2009 wurden diesbezügliche Ideen in Graz gewälzt. Dort bezog sich die Forschung wiederum auf die Stadt Madrid, wo die Verlagerung von Streckenabschnitten unter die Erde dazu geführt haben, dass oberirdisch Raum für Parks und Grünanlagen geschaffen wurde.

Elon Musk, der berühmte Tesla-Gründer, arbeitet ebenfalls an Plänen zur Verkehrsentlastung. Dieser soll in ein unterirdisches Tunnelsystem verlegt werden. Hierzu hat Musks „Boring Company“ 2018 bereits einen knapp 2 km langen Tunnel in Los Angeles eröffnet.

Auf den Leitschienen in den Tunneln sollen die Fahrzeuge dann mit mehr als 240 km/h unterwegs sein können. Die erste Testfahrt mit einem Tesla war mit nur 80 km/h zwar noch nicht so schnell und auch die Anwohner äußerten Bedenken gegen die vorliegenden Pläne, doch hier bleibt abzuwarten, was Elon Musk aus seiner Idee noch macht. Bei seiner Kreativität dürfte dies noch nicht das Ende seiner Ideen sein.

Weitere Länder wie Mexiko und China haben ähnliche Pläne und besonders China ist aufgrund der großen Bevölkerungszahl darauf angewiesen, mehr Wohn- und Lebensraum zu schaffen – und das eben auch unterirdisch!

Faszinierende Höhlenwelten

Wer sich für Höhlen und Höhlenforschung interessiert, freut sich über verschiedene verwinkelte Gänge und die häufig anzutreffenden Tropfsteine (Stalagmiten und Stalaktiten). Viele unterirdische Höhlensystem liegen auch im Meer oder stehen zumindest unter Wasser. Sie sind nur von Tauchern zu erforschen, die allerdings häufig in den gefährlichen Sogen den Tod finden.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Blautopf in Ulm oder der bereits erwähnte Carlsbad Cavern Nationalpark in den USA (Mexiko). Das Höhlensystem mit über 80 Einzelhöhlen in fast 500 m Tiefe ist ungefähr 200 km² groß und gehört seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Geschützt ist das gesamte Gebiet allerdings bereits seit 1923 als „National Monument“. In Mexiko gibt es auch ein faszinierendes Unterwasser-Höhlensystem auf der Halbinsel Yucatán.

Bewohnbar sind solche Unterwasserhöhlen selbstverständlich nicht. Und für Touristen sind die meisten Höhlen wegen der Gefahren, die dort lauern, ohnehin nicht zugänglich. Zudem können sie nur von Tauchern besucht werden – und nicht jeder Tourist hat eine entsprechende Ausbildung. Es gibt aber sehr schöne Höhlen, die nicht unter Wasser liegen und ihren Besuchern einiges zu bieten haben.

In Frankreich gehört beispielsweise die berühmte Höhle von Lascaux mit ihren beeindruckenden Höhlenmalereien aus dem Jungpaläolithikum dazu. Diese Malereien sind auf die Zeit um 15.000 bis 17.000 v. Chr. datiert.

Sơn-Đoòng-Höhle

Noch spektakulärer und fantastischer ist jedoch die Sơn-Đoòng-Höhle („Bergflusshöhle“), die sich im vietnamesischen Nationalpark Phong Nha-Ke Bang befindet. Sie wurde erst 1991 entdeckt und ist seit 2013 auch für Besucher geöffnet. Seit 2003 gehört sie zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Hier fühlt sich der Tourist nicht nur in eine andere Zeit, sondern auch in eine andere Welt versetzt, denn in dem riesigen Höhlensystem mit über 150 Einzelhöhlen gibt es sowohl Seen, Flüsse als auch einen eigenen Dschungel. Über zwei große Dolinen (Fenster) kommt Sonnenlicht herein und bietet somit optimale Wachstumsbedingungen für Flora und Fauna innerhalb der Höhlen.

Hier wuchern über 1.000 unterschiedliche Pflanzenarten – darunter seltene Orchideenarten und andere seltene Pflanzen – und leben bislang unbekannte Tierarten. Viele Arten von Amphibien, Säugetieren, Fischen, Vögeln und Fledermäusen tummeln sich hier, aber auch die neu entdeckte Saola-Antilope hat hier ihren festen Lebensraum. Außerdem wurden uralte Fossilien hier gefunden, die über 300 Millionen Jahre alt sind.

Man wäre kaum überrascht, wenn man hier auf Menschen treffen würde, die sich dem ungewöhnlichen Klima angepasst haben. Denn das Ökosystem in dieser Höhle ist anders als an der Oberfläche.

Die Temperaturen in der Höhle sind viel niedriger als außerhalb und auch die Luftfeuchtigkeit ist viel höher. Flora und Fauna in der Höhle mussten sich daher im Laufe der Zeit anpassen. Daher sind die seltenen Pflanzen und Tiere auch ausschließlich hier angesiedelt. Touristen haben hingegen häufig mit diesen Klimaverhältnissen zu kämpfen.

Risiken des unterirdischen Lebens

Der Mensch höhlt nach und nach die Erde aus. Auf der Suche nach Bodenschätzen oder zum Bau von U-Bahnen und unterirdischen Städten oder Anlagen. Und nicht immer bleibt dieses Verhalten folgenlos. Denn wie viele Berg- und Minenarbeiter wurden dabei schon verschüttet?

Eine große Gefahr stellen auch die spontanen Erdfälle oder Sinkholes dar, die immer häufiger auftauchen. Meist handelt es sich dabei um relativ begrenzte Flächen, auf denen die Erde ein Stück weit absackt. Da es nur Großereignisse mit tiefen Löchern und leider häufig auch Todesopfern in die Nachrichten schaffen, werden diese Vorkommnisse für seltene Einzelfälle gehalten. Doch in Wirklichkeit gibt es mehrere hundert solcher plötzlichen Einbrüche der Erdkruste pro Jahr.

Sie kommen dort vor, wo die Menschen auf wasserlöslichen Gesteinsformationen wie Gips, Karst oder Muschelkalk gebaut haben. Diese porösen Gesteine werden mit der Zeit durch das einsickernde Regen-/Tauwasser ausgehöhlt und werden dadurch schwächer und instabil. An solchen Stellen können sich wassergefüllte Hohlräume bilden, in die sich die darüberliegende Erdschicht langsam absenkt. Im schlimmsten Fall befinden sich solche Trichter ausgerechnet unter vielbefahrenen Straßen oder dicht besiedelten Wohngebieten.

Neben diesen Lösungsdolinen genannten trichterförmigen Bodeneinsenkungen gibt es auch sogenannte Einsturzdolinen, bei denen die Höhlendecke des Hohlraums ganz plötzlich einbricht. In beiden Fällen sind die ausgeschwemmten Höhlen ziemlich nahe an der Erdoberfläche. Bei Erdfällen hingegen brechen tiefer liegende Höhlensysteme zusammen. Dies kann auch in Zusammenhang mit Erdbeben geschehen.

Gründe für den Einsturz sind aber, vor allem in den USA, schwere Bauten, die sich an diesen Stellen befinden. Beispielsweise werden dort häufig große Pools von solchen Sinkholes verschluckt. Auch das Abpumpen von Grundwasser in generell gefährdeten Gegenden kann eine Veränderung der Tragfähigkeit zur Folge haben und zu Sinkholes führen. Dies ist beispielsweise in Florida ein häufiger Einsturzgrund.

Eine weitere Gefahr ist allerdings nicht nur das eindringende Wasser, sondern – wie im berühmten Fall der amerikanischen Stadt Centralia (ehemals Centreville) in Pennsylvania – auch Feuer. Genauer gesagt: Kohle. Denn diese kleine Stadt liegt auf einem großen Kohlevorkommen, das leider 1962 in Brand geriet und seither immer noch brennt und die gesamte Region unbewohnbar macht. Von den ursprünglich 2,500 Einwohnern waren im Jahr 2017 nur noch 5 dort.

Der Bergbau wurde bis zum Kohlebrand dort betrieben und auch in der Nähe der brennenden Stadt noch einige Zeit als wilder Bergbau (bis in die 1980er Jahre) weitergeführt. Vereinzelt ist dort auch noch wilder Bergbau im Gange.

Centralia ist leider nicht die einzige Stadt, unter der es brennt, denn es gibt noch über 100 weitere Kohlebrände in den USA, die auch heute noch aktiv sind. Diese Feuer werden, speziell in Centralia, nicht mehr bekämpft, da das vorhandene Kohlevorkommen das Feuer noch bis zu 200 Jahre anheizen kann. Die Stadt war übrigens die Filmvorlage für Silent Hill, einem Horrorfilm, der sich von einem Videospiel ableitet.

Wer also unter der Erde lebt, muss theoretisch damit rechnen, dass über ihm alles zusammenbricht und er in der Erde begraben wird. Im Idealfall sollten sich die Anlagen also in einem nicht porösen Gestein befinden oder in einer sehr stabilen, tiefen Erdschicht. Und er sollte keine brennbaren Stoffe wie Kohle oder Erdöl in seinem Wohnraum haben.

Ob die Bebauer aller Zeiten und Kulturen diese Problematik auch berücksichtigt haben? Oder finden wir irgendwann bei Ausgrabungen zufällig tiefe verschüttete Orte aus uralten Zeiten?

Fazit:

In der gesamten Weltgeschichte hatten verschiedene Völker gute Gründe, das Leben unter die Erde zu verlagern. Vielleicht aus Angst vor Kometen oder vor feindlichen Angriffen, möglicherweise auch vor den Witterungsbedingungen. Und heute sind die Verkehrsdichte und die Überbevölkerung nur zwei der Gründe, warum viele Anlagen am besten unter der Erde aufgehoben sind. Hier ist auch ein besonderer Schutz geben, wenn es beispielsweise um die Bunker oder Kunstschätze sowie Getreidesamen geht. In Schoß der Erde können wichtige Dinge lange überdauern.

Die vorangegangenen Beispiele zeigen deutlich, dass es unter diesen Voraussetzungen nicht gerade abwegig ist, wenn Menschen davon berichten, dass sie auf unterirdisch lebenden Menschen getroffen sind, denen sie in Höhlen, Tunneln oder Bergen begegnen.

Dabei ist immer zu beachten, dass nicht jeder, der „in der Erde“ lebt, gleich „im Mittelpunkt der Erde“ lebt, wie häufig übertrieben dargestellt wird, wenn die Idee einer Bevölkerung im Inneren der Erde aufkommt. Genügend Menschen leben oder arbeiten (Minen, Bergwerke, Regierungsbunker) unter der Erde. Diesen Gedanken sollte der Leser bei der Lektüre der im Buch vorgestellten Fälle immer im Hinterkopf behalten.

Unterwelten in Österreich:

Die rätselhaften Erdställe

Vor mehr als 10.000 Jahren sind in Europa künstliche unterirdische Gangnetze geschaffen worden, die seit dem 16. Jahrhundert aus bisher ungeklärten Gründen wieder verschlossen und versiegelt wurden. Nur wenige Überreste, heute meist als „Erdställe“ benannt, blieben zugänglich.

Erst vor wenigen Jahren konnten in der Steiermark die Zugänge zu den unterirdischen Anlagen aus der Vorzeit offengelegt werden. Meh-rere Hundert unterirdische Anlagen wurden in der Oststeiermark bereits erforscht und teilweise wissenschaftlich bearbeitet. Untersuchungen der Karl-Franzens-Universität in Graz und der PURDUE-Universität in den USA errechneten durch TCN-Datierungen ein Richtalter von über 10.000 Jahren für diese Anlagen. Dabei handelt es sich nicht um ein regional begrenztes Phänomen.

Bei ihren zahlreichen Forschungsreisen haben das Paläontologen-Ehepaar Heinrich und Ingrid Kusch unzählige prähistorische Kultplätze wiederentdeckt. Seit 1992 befassen sie sich mit den Phänomen der Erdställe, jenen mysteriösen in Europa weit verbreiteten unterirdischen Anlagen. Was die beiden Forscher in der Unterwelt der Steiermark entdeckten, veränderte ihr Leben grundlegend. In über 900 Forschungseinsätzen wurden unzählige Relikte ferner Vergangenheit zum Vorschein gebracht.

Vor allem die unterirdischen Anlagen um Vorau und Pöllau in der Steiermark sind auffällig häufig vorhanden. Dabei handelt es sich um Felsgänge, Bergwerke und Stollen sowie aus Trockenmauern errichtete unterirdische Räume und Schächte. Prof. Kusch schätzt die Anzahl auf weit über 1.000 künstlich geschaffene unterirdische Anlagen allein in der Steiermark.

Leider sind die Funde in diesen Anlagen eher spärlich, da Plünderungen in frühzeitlichen Hohlräumen ebenso an der Tagesordnung waren wie die Plünderungen der frühen Grabanlagen bei alten Hochkulturen. Bei diversen Freilegungen wurde dahingehend archäologisches Material aus allen Zeiträumen gefunden. Darunter waren auch viele Steinwerkzeuge aus prähistorischer Zeit. Archäologische Datierungen von Funden und organischem Material gehen vorschnell von einer mittelalterlichen oder neuzeitlichen Entstehung aus, allerdings haben die Funde offensichtlich mit der Entstehung der Anlagen generell nichts zu tun.

Es war längst Zeit, diese alten Anlagen mit echter wissenschaftlicher Methodik und bestmöglicher Präzision zu untersuchen und zu be-urteilen, selbst dann, wenn wir unser Denken ändern und die Geschichte der Menschheit neu schreiben müssen. Die hierbei angewendete TCN-Datierung durch Spezialisten in den USA gibt unwiderruflich Aufschluss über das tatsächliche Alter dieser Anlagen von über 10.000 Jahren. Bei einer TCN-Datierung (= terrestrial cosmogenic nuclids) werden in Gesteinsschichten durch kosmische Strahlung Kernreaktionen ausgelöst, wobei langlebige radioaktive Isotope und stabile Isotope entstehen.

Diese Datierung bedeutet, dass die Entstehung der Anlagen in das Mesolithikum, also in die mittlere Steinzeit vor etwa 11.600 bis 8.000 Jahre vor heute, verlegt werden muss. Das bedeutet, dass die ursprünglichen Erdställe möglicherweise über 10.000 Jahre alt sein könnten. Dadurch ist nachgewiesen, dass die wenigen Funde aus Erdställen, die bisher mit Hilfe der C14-Methode (Altersdatierungen von organischen Substanzen wie z. B. Holzkohle) auf etwa 1.400 Jahre datiert wurden, tatsächlich nur Sekundärfunde sind und nichts mit der weitaus älteren Entstehung zu tun haben können.

Eingänge, Löcher und Schächte zu diesen Anlagen wurden im Laufe der Jahrhunderte nicht nur durch natürliche Einflüsse verschlossen, sondern zumeist wurde die Zugänglichkeit auch durch Menschenhand unmöglich gemacht. Auf Anweisung der Kirche wurden die Hohlräume mit Schwemmsand und tonnenweise mit Steinen und Müll verfüllt.

Im Jahre 1859 schrieb der deutsche Germanist Theodor Vernaleken (1812-1907) in seinem Buch „Mythen und Bräuche des Volkes in Österreich“ u.a.:

„Jetzt wird das Fenesloch nur noch benützt um die Steine der nahe gelegenen Äcker hineinzuwerfen, aber im Munde des Volkes leben die Sagen von den Fenesleuten fort.“

Wer waren diese ominösen „Fenesleute“, nach denen die Höhle benannt ist?

Vernaleken beschreibt in seinem Buch diese Wesen, die dem Menschen zwar nichts zuleide taten, aber laut den Erzählungen durch das Austauschen ihrer eigenen Kinder mit den Kleinstkindern der Menschen bei der Bevölkerung auf verständlichen Unmut stießen und letztlich vertrieben wurden:

„Im nördlichen Schlesien, bei dem Dorfe Heinzendorf, ist ein Berg, auf dessen Gipfel sich das s.g. Fenesloch befindet. Dort im Inneren des Berges wohnten vor langer Zeit die Fenesleute; sie waren nicht größer als ein fünf oder sechsjähriges Kind, aber ihr Kopf, den sie mit einem großen, breitkremprigen Hut bedeckten, war von unförmlicher Größe und ihre Züge waren unschön.“

Potzblitz, möchte man da rufen. Diese ominösen Fenesleute waren also klein von Wuchs und hatten große, unförmige Schädel, die im Auge des Betrachters auch noch „unschön“ waren? Die vielfältigen Zwergensagen und die Erzählungen vom Wechselbalg kommen da ins Gedächtnis, sowie die Berichte von den seltsamen „kleinen Grauen“, Wesen, die klein vom Wuchs sind, mit einem schmächtigen Körper und überdimensionalen Köpfen ausgestattet noch heute Menschen nachts aus ihren Betten entführen, um sie mit offensichtlichen Experimenten zu dranglasieren.

Interessanterweise haben Untersuchungen zwischen heutigen Siedlungsgebieten und dem nicht verbauten Freiland ergeben, dass sich lediglich 20,5 % der unterirdischen Anlagen bei Häusern bzw. in einem Umkreis von 100 m um diese herum befinden, während sich der Großteil in Wäldern auf Berggipfeln oder Wiesenhängen befinden und somit auf heute noch unbewohntem Gebiet, oft Hunderte von Metern vom nächsten Gehöft entfernt.

Zudem waren die meisten Erdstallanlagen im Mittelalter bereits vorhanden und wurden auch nur durch Zufall entdeckt, wenn Gehöfte oder Burgen gebaut wurden. Viele dieser entdeckten Hohlräume wurden dann in den Bau integriert und als Lagerräume oder Abfalldepots verwendet. Heute werden solche Erdställe beim Straßen- und Hausbau wiederentdeckt, zum Beispiel durch Erdfälle oder Einbrüche von schweren landwirtschaftlichen Maschinen.

Prof. Kusch und sein Team forschen seit Jahren nach dem wahren Alter der alten Gänge, die für die aus Trockenmauerwerk errichteten Stein- und Felsgänge durch die aktuellen Richtwerte ein Mindestalter von über 10.000 Jahren vermuten lassen, also eher dem prähistorischen Zeitraum zuzuordnen sind.

Vor allem auch die Werkzeugnutzung verblüfft dabei, besonders die so genannten Schrämspuren, also das Abziehen von zumeist weichem Gesteinsmaterial, die an den Wänden zu finden sind. Allerdings findet man solche Bearbeitungsspuren auch an konglomeratähnlichen Gesteinsverbindungen und vor allem auch auf quarzhaltigem Felsgestein, was das Abziehen, also Schrämen, per Hand schier unmöglich macht.

Hammer und Meißel scheiden ebenfalls aus, da diese sogleich größere oder kleinere Gesteinsbrocken herausbrechen würden. Überraschungen brachte die Entnahme von mikroskopisch kleinen Metallresten an den Arbeitsspuren, die mittels einem starken Industriemagneten entnommen wurden. Diese zeigten anhand von Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen durch das Institut für Erdwissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz, dass die Innenseite der Werkzeugspuren an den Stollenwänden einst verglast (versintert) gewesen sind, das bedeutet, das Gestein (Augengneis) wies eine verglaste Oberfläche auf.

Eine solche Verglasung kann nur bei relativ hohen Temperaturen von über 1.200 bis 1.400 Grad Celsius während des Arbeitsprozesses entstehen. Das bedeutet, dass an der Werkzeugspitze während des Arbeitsprozesses Temperaturen von weit über 1.200 Grad vorhanden gewesen sein müssen, die das Gestein verflüssigt haben. Selbst an Quarzkristallen fanden sich diese Verglasungen.

Was für ein Werkzeug kann eine so hohe Temperatur an seiner Spitze erzeugen? Handelt es sich um maschinelle Arbeitsspuren von einem stark rotierenden Gesteinsfräskopf? Die Spuren verlaufen an einigen Stellen der Felswände bis zu 3 cm tief und etwa 40 cm lang. Erkennbar an den Arbeitsspuren ist, dass die Werkzeugspitzen stumpf und dreieckig waren. Ein normaler Eisenmeißel scheidet für die Herstellung des Ganges daher aus. Ungeachtet der Tatsache, dass es Eisen, respektive Stahl, schon tausende Jahre früher als bislang angenommen gegeben haben müsste.

Laser-Präzisionsmessungen in einem Gangabschnitt zeigten auch gleichmäßig durchgezogene Schrämspuren mit vielen abrupten Enden, die auf Wand- und Deckenbereichen lediglich eine Abweichung von 14 mm aufweisen. Die Lasermessungen wurden durchgeführt von der Firma Surphaser–3D Laser Scanners (England) in Zusammenarbeit mit den Firmen GEOs3D – Geoddetic and Industrial Surveying in Oberhofen (Tirol) und Energie Burgenland Geoservice.

Eine solche Präzision ist von Hand aus unmöglich zu erreichen, vor allem durch die bemerkenswert einheitliche Arbeitsrichtung des Vortriebes. Darüber hinaus zeigte sich anhand von Mikrosondenanalysen, dass es sich bei den Eisenspuren nicht um natürliche im Gestein vorkommende Eisenreste (Eisenoxid) handelt, sondern um Eisen, das technisch hergestellt worden ist.

Die mit dem Rasterelektronenmikroskop durchgeführte Analyse ergab im Detail eine Legierung aus Fe (Eisen), O (Sauerstoff), Mn (Mangan), Al (Aluminium), Si (Silizium), K (Kalium), Ca (Calzium) sowie Ti (Titan) und Cr (Chrom). In einer Probe war noch Mo (Molybdän) enthalten.

Wer oder was diese hergestellt hat, bleibt völlig unklar. Wohlgemerkt handelt es sich um jene Proben eines Felsenganges, der vor über 10.000 Jahren aus dem Gestein geschrämt worden ist. Hier stimmt also etwas nicht mit unserem Wissensstand vom frühen Vorkommen von Eisen in den vergangenen Kulturräumen. Hatte es schon vor der Eisenzeit Eisenwerkzeuge in der Steinzeit gegeben?

Es stellt sich zudem die Frage nach dem pragmatischen Sinn für den Bau solcher Anlagen und in welcher Epoche das geschah. Bis heute gibt es darauf keine zufriedenstellenden Antworten, denn dazu müssen diese unterirdischen Gänge erst einmal genauer untersucht werden. Die alleinige Nutzungsform als Versteck oder Zufluchtsort scheidet aus, da solche Anlagen nur Schutz für ganz wenige Personen bot und es belegte Zeugnisse von Todesfällen von Personen in diesen Erdställen gibt, da die Menschen in den unterirdischen Anlagen schlicht und ergreifend erstickt sind.

Viele Zeitzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg bezeugen, dass man sich nur kurzfristig in diesen Hohlräumen aufhalten konnte, weil es einfach nicht genug Atemluft für tagelange Aufenthalte gab.

Ein weiteres Phänomen sind die Menhire und Lochsteine, also bearbeitete Hinkelsteine, die sich ebenfalls in den Regionen der Erdställe befinden und auf den ersten Blick rein gar nichts mit diesen subterranen Gängen zu tun haben. Weit gefehlt: Forschungen des Ehepaars Kusch zufolge könnten Menhire und Lochsteine auch als Wegweiser zu Eingängen in die Unterwelten gedient haben.


Abb. 10: Weisen Menhire auf die Position subterraner

Gangsysteme hin? (Foto: Roland Roth)

Nach aktuellem Forschungsstand konnten weit über 400 solcher Steinsetzungen allein in der Steiermark registriert werden. Hinzu kommen die vielen Menhire in anderen Ländern, vor allem auch in Deutschland. Man vermutet, dass diese in der Jungsteinzeit errichteten Steine die Ahnen repräsentierten und die Seelen der Toten beherbergten. Man sagt, sie wurden einst durch magische Riten zum Sprechen gebracht, weshalb sie heute noch als sprechende Steine bekannt sind.

Die Verehrung dieser Megalithen muss bis in historische Zeit durchgeführt worden sein. Das Konzil von Tours in Frankreich im Jahre 567 verbot in seinen Beschlüssen unter anderem jenen das Betreten von Kirchen, die immer noch heidnische Gebete und Riten bei den Menhiren verrichteten. Die Kirchenversammlung von Toledo 681 verurteilte die immer noch gebräuchlichen heidnischen und kultischen Handlungen an den Steinen auf Schärfste. Es nützte aber nicht viel.

Wenig Auswirkungen hatte auch ein weiser Satz, den Jahrhunderte zuvor der Heilige Aurelius Augustinus von Hipp0, der von 354 bis 430 lebte, seiner Kirche empfahl:

„Man zerstört nicht die Tempel, man zerbricht nicht die Götzenbilder, man haut nicht nieder die heiligen Haine, man macht es besser. Man widmet und weihet sie Jesus Christus.“

Das Volk verehrte die heiligen Ahnensteine heimlich weiter. Der Kult war lange Zeit nicht auszurotten. Das Konzil zu Nantes im Jahre 687 griff nun zu radikalen Mitteln. Die Zeugnisse alter Riten und Bräuche wurden umgeworfen, oft auch zerschlagen. An den Kultplätzen wurden zudem christliche Kapellen errichtet.

Da der Steinkult immer noch ausgeübt wurde, befasste sich am 01.03.743 die Synode von Estinnes in der belgischen Provinz Hennegau ebenfalls mit der Abschaffung dieser heidnischen Sitte und stellte ein Verzeichnis der von der Kirche verbotenen und als heidnisch bezeichneten Gebräuche auf.

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