Kitabı oku: «Die Musik stirbt nie (solange Ich lebe)»
Danky Cigale
Die Musik stirbt nie
(solange ICH lebe)
Biografie
Impressum
©NIBE Media ©Danky Cigale
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Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Mein Vater
Die erste Band: Roxy Heart
Erster TV-Auftritt
Oberkrainermusik
Die neue Band: Kristall
Der zweite Keyboarder
Tanzbrunnen
Vorgruppe der Münchener Freiheit
1986
Das erste Solo-Projekt
Eifersuchtsdramen
Eine große Enttäuschung
3’s a Crowd
Bernardo Pasbrig Who’s that Girl
„3’s a Crowd“ – Erster öffentlicher Auftritt
Neue Wege: Physical Motion
Rhonda & Physical Motion
Die Jackson Brüder und die Jackson 5
Bei Warner Music in Hamburg
Zum Saarländischen Rundfunk nach Saarbrücken
Cigale Galerie
Die zwei Seiten der Medaille
1994 „Macarena“
In der Königsburg mit Marianne Rosenberg
Der Tag danach und Popkomm 1996
Chaoten
Erfolgreiche Remixe
Jens Kufahl
Wie dieses Business funktioniert
Anpassung
Helmus
Nur 18 geworden
Noch eine wahre Begebenheit – Polizei, dein Freund und Helfer
Der erste Videodreh
Helmus der Große
Die totale Eskalation
Hinter’m Horizont geht’s weiter
Die Zeit mit Wolfgang
Der Tod von Barry 2003
Romano
„2 cl“
Wo ist mein Goldzahn?
Thorsten Schlösser
Mein Vater
Janine Cigale
Xenia Kruse
Toni Cigale
Frank Wiese (Vincent Price)
DANKE!
„Music was my first love, and it will be my last“. Mit diesem Satz hat John Miles alles ausgedrückt, was ein Musiker empfindet, der sein Leben mit all seiner Energie und Leidenschaft der Musik widmet.
Treffender könnte auch eine Kurzbeschreibung des Autors und Musikers Danky Cigale nicht sein.
Über eine Zeitungsannonce begegnete ich ihm im Alter von 16 Jahren, da er wie ich auf der Suche nach Musikern war, die den damaligen Synthesizer Sound aus England machen wollten.
Von nun an hatten wir 20 Jahre vor uns, in denen wir Songs schrieben, in Studios produzierten, und remixten. Mit allen Höhen und Tiefen, die das Musicbusiness zu bieten hatte. Wir folgten dem unbändigen Traum den großen Hit zu landen und rafften uns nach jedem Misserfolg, immer wieder auf. Mit dem festen Glauben, es noch zu schaffen. Diesen Weg und auch die Zeit nach meinem Ausscheiden beschreibt er mit all den unglaublichen Erlebnissen und Anekdoten in diesem Buch.
Auch wenn es nie zum großen Megahit gekommen ist, so sind die Geschichten nicht weniger spektakulär wie die, der großen Stars. Eines war und ist bis heute jedoch über die ganze Zeit geblieben. Eine tiefe Freundschaft, die mehr Wert hat als jeder Nr. 1 Hit.
Wolfgang Sommer
Vorwort
Musik ist ein so fester Teil der Menschen, wie es seine Sprache ist. Meines Wissens gibt, oder gab es keine Kultur, die nicht in irgendeiner Form musizierte. Sei es zu religiösen Riten, oder einfach, um sich auszudrücken.
’Rhythmus steckt uns im Blut’ ist eine weit tiefgreifendere Aussage, als wir es vermutlich glauben. Ich glaube sogar, dass der Mensch schon musizierte, bevor er Höhlenwände bemalte.
Musik ist eine universelle Sprache, die praktisch überall auf der Welt verstanden wird. Es gibt einen Takt, der uns von unserem ersten Lebensmoment an begleitet hat.
Der Herzschlag der Mutter, zu dem irgendwann der eigene Herzschlag hinzukommt. Zwei Impulse in gemeinsamer Harmonie. Dieser Herzschlag des Kindes wird auch als der Beginn des Lebens bezeichnet. Vermutlich begründet dieses rhythmische Miteinander, unsere ausgeprägte Verbundenheit zur Musik! Mindestens so sehr, wie der ebenso weit auf der Welt verbreitete Glauben, an eine übergeordnete Kraft.
In Frankreich gibt es Weinbauer, die in ihren Weingütern, Lautsprecher aufhängen und Weinreben, die den ganzen Tag mit Musik beschallen. In diesem Fall, mit klassischer Musik. Und was hat das bewirkt? Sie haben ihre Erträge nachweislich, im zweistelligen Prozentbereich verbessert.
Doch was bedeutet Musik für uns?
Sie macht etwas mit uns. Sowohl mit demjenigen der sie hört als auch mit dem Musiker, der die Musik macht.
Denkt nur zum Beispiel an Grönemeyers „Der Weg“ oder Claptons „Tears in Heaven“. Womit sonst, hätte man seine Gefühle derart ausdrücken, oder für andere fühlbar machen können.
Musik kann Freude bereiten und Trauer hervorrufen. Sie kann sowohl Lebensfreude widerspiegeln als auch Trauer zum Ausdruck bringen. Musik kann alle Arten von Gefühlen in einem Menschen hervorrufen. Jeder von uns denkt mit Sicherheit an eine bestimmte Situation oder an eine besondere Zeit, wenn man einen bestimmten Song hört. Sei es, wenn man eine tolle Jugendzeit verbracht hat, einen tollen Urlaub erlebt hat, seine erste Liebe kennenlernte, seinen ersten Sex hatte, oder was auch immer. Man hört dann nicht einfach Musik, sondern erfühlt sie mit allen Sinnen. Man wandert mit der Musik, durch Zeit und Raum.
Jeder von uns assoziiert einen bestimmten Song mit einer bestimmten Zeit und weckt so Erinnerungen an sein vergangenes Leben. Das Gleiche gilt für Gerüche, Orte, Kleidung etc. aber nichts anderes lässt uns so sehr träumen, hoffen, lachen, leiden, weinen oder verzweifeln wie Musik. Ich habe, ebenso wie viele die diese Zeilen lesen, alle Facetten dieser Gefühle seit meinem 5. Lebensjahr kennengelernt. Musik hat mich die ganze Zeit, in sich immer wiederholenden Zeitabständen, dabei begleitet. In einem anderen Rhythmus, dem Lebensrhythmus.
Ich durchlebe, seitdem ich denken kann, alle hier beschriebenen Arten von Gefühlen und das nur weil ich immer Musik machen wollte und immer noch mache. Weil ich erfolgreich Musik machen will.
Musik bestimmte schon immer mein Leben. Oft positiv, aber auch negativ. Wenn man sich den Erfolg so sehr ersehnte wie ich, bleiben Enttäuschungen nicht aus. So ist das immer mit der Liebe. Auch die Liebe zur Musik, ist mitunter ein zweischneidiges Schwert, oder eine strenge Regentin, denn hat man diese Liebe gefunden, lässt man sie nicht einfach fallen.
Doch die Liebe zur Musik gab mir auch die Kraft, immer wieder den Schritt über die Enttäuschungen und Niederlagen hinaus zu machen und nie stehenzubleiben.
Hätte ich meine Musik nicht gehabt, wäre mein Leben um ein so vielfaches ärmer gewesen. Ich habe so viele tolle Menschen durch sie kennenlernen dürfen.
Sie richtete mich immer wieder auf, gab mir Kraft und Mut und machte mich zu dem Menschen, der ich bin. Genau das ist es, worüber ich gerne reden würde und wer es möchte, den nehme ich mit, auf meine Reise, voller Musik.
Mein Vater
Bevor ich mit meinem Leben beginne, muss ich erst über meinen Vater reden und über seine Wurzeln, wie er gelebt hat. Nur so ist nachvollziehbar, was alles zwischen uns geschah.
Um zu verstehen, wie dieses Buch beginnt und warum es so beginnt, ist es wichtig zu wissen, wieso mein Vater war, wie er war. Er wurde 1930 geboren und war das drittälteste Kind, von 9 Geschwistern. Mein Vater wuchs irgendwo in den Bergen, nicht weit weg von der Stadt Celje, auf. Er war damals schon total musik-verrückt und damit der Einzige in der Familie, der so verrückt war. Außerdem wollte er immer Akkordeon spielen, und lieh sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Akkordeon der Nachbarn aus. So brachte er sich das Spielen dann selber bei. Es war ein diatonisches Akkordeon, das mit vier Fingern, ohne Daumen gespielt wird. Beim Ziehen und Drücken ertönen unterschiedliche Töne. Es zu spielen bedeutete viel Übung, aber er wollte dieses Spiel unbedingt lernen. Die später als Oberkrainer Musik bekanntwerdende Musik war sein Traum.
(Diatonische Akkordeons werden häufig von Volks- und Tanzgruppen benutzt, wegen ihres tollen und wunderschönen Klangs. Das macht sie zu einem der populärsten Akkordeons weltweit und es ist seit einigen Jahren wieder beliebt, dieses Instrument zu erlernen. Wenn man bedenkt, dass heute alle jungen Leute in Slowenien, die ein Akkordeon spielen wollen, sich dieses Instrument aussuchen, dann weiß man welche Bedeutung es mittlerweile hat.)
Mein Vater wollte auch zur Schule gehen. Er wollte nicht in diesen Bergen bleiben. Doch sein Vater sagte, dass das für ihn nicht infrage käme.
Tatsächlich besuchte er nur vier Jahre die Schule, was damals nichts Besonderes in den ländlichen Gegenden war. In den slowenischen Bergen wurde in der Einsamkeit der kleinen Siedlungen und der kleinen Gehöfte jede hilfreiche Hand gebraucht und seine Familie konnte sich keine Tagelöhner leisten. Da blieben nur die Kinder, denn sie kosteten außer ihrem Essen kein zusätzliches Geld. Sie mussten helfen und Geld dazuverdienen. Vor, während und nach dem 2. Weltkrieg konnte man sich sein Leben nicht aussuchen und somit gab es keine allzu großen Alternativen. Damals ging es in diesen Gegenden manchmal nur ums nackte Überleben.
Dagegen war das Leben in Deutschland schon damals nahezu feudal. Die Familie war alles und dieser wurden die eigenen Interessen untergeordnet. So lernte es mein Vater. Harte kalte Winter wechselten sich mit durchwachsenen Sommern ab, wie das raue Klima der Berge eben war.
In wenigen Gemeinden gab es eine Kanalisation, Strom oder fließend Wasser. Alles musste man sich erarbeiten. So musste ein simples Plumpsklo reichen. Das Wasser wurde aus einer Quelle abgeleitet oder mit Eimern aus einem Brunnen geholt. Außerdem wurde das Holz für den Ofen und zum Kochen mit der Axt geschlagen. Licht im Dunkeln gaben selbstgemachte Kerzen oder Öllampen, wobei das Öl aber selbst besorgt werden musste. Das Geld dafür wurde durch harte Arbeit verdient und Essen wurde teilweise selber angebaut oder durch Fallen in den umliegenden Wäldern selber gefangen. Man verbrachte viel Zeit in den Sommern damit, sich auf den Winter vorzubereiten, um diesen zu überleben. Die Familien hielten zusammen, und auch die Kinder mussten die Familie mit unterstützen.
Daher sagte mein Großvater nach vier Jahren Schule: „Es reicht, jetzt gehst du arbeiten.“, denn so hatte er weniger Zeit, diese mit so etwas wie Musik zu verplempern. So sah es mein Großvater wohl.
Also musste er ab seinem 10./11. Lebensjahr auf anderen Bauernhöfen und in verschiedenen Handwerksbetrieben als Tagelöhner arbeiten, um so die Familie unterstützen, und damit war seine Schulzeit beendet. Dieses harte Leben prägte ihn und es brannte sich ein fester Entschluss in ihm ein.
Seine Kinder sollten ein anderes Leben haben, ein besseres Leben und er würde dafür sorgen, dass sie einen besseren Weg beschreiten. Da er wusste, wie hart das Leben sein konnte, würde er sie dorthin führen und ihnen alle Flausen aus dem Kopf treiben, egal ob sie es wollten oder nicht. Denn dann würden sie ihm dafür, wenn sie selber erwachsen wären, einmal sehr dankbar sein. Er wusste was richtig war! Er wusste, dass sie ein solches Leben, wie seines nicht erleben wollten! Er würde sie führen!
Mein Vater hat mir später einmal erzählt, wie traurig er darüber war, dass er nicht mehr in die Schule gehen durfte und kein Instrument lernen konnte. Damals hat er sich dann tatsächlich ein wenig Geld erspielt, indem er durch verschiedene Kneipen tingelte und dieses Geld verdiente er sich mit seiner Musik! Trotz allem war das möglich. Es werden sicher keine Reichtümer gewesen sein, doch es weckte einen neuen Geist in ihm und ich vermute, er wollte mehr.
Er zeigte mir auch die Kneipe, in der er an einem letzten Abend spielte, denn am nächsten Morgen machte er sich zu Fuß auf den Weg nach Deutschland. Nur mit dem, was er am Leibe trug, wobei er nicht wusste, wohin es ihn genau bringen würde. Er wollte nur einfach nach Deutschland, um diesem kommunistischen Elend zu entfliehen.
Aber warum wollte er nach Deutschland?
Während des 2. Weltkrieges kamen deutsche Soldaten, bei einer Verfolgung von Partisanenkämpfern, bei ihm zu Hause vorbei. Sie waren freundlich und schenkten ihm Schokolade, die er nie zuvor aß und von da an liebte er Deutschland.
In den frühen 50er Jahren dann, also lange vor meiner Geburt, gründete sich die Oberkrainer Musik. Damals gründeten sich die ersten erfolgreicheren Oberkrainer Musikgruppen in denen sie häufig als Quintett in der Zusammensetzung, Akkordeon, Kontrabass, Gitarre und Klarinette auftraten. Manche von ihnen feierten international große Erfolge, wobei der bekannteste sicher Slavko Avsenik ist. Dieser spielte Schifferklavier und ich glaube, mein Vater hätte es gerne gesehen, wäre ich in dessen Fußspuren getreten.
Damals begann sicher sein eigener Traum und trotz allem war für ihn klar, dass er diesen Traum später mit seinen Kindern verwirklichen wollte. Denn das war doch das Beste, das ihnen passieren konnte.
Später kamen mein Bruder und ich.
Auch wenn das jugoslawische kommunistische System nicht so extrem war wie im restlichen Ostblock, hasste er es aus tiefstem Herzen, und schon bevor er in Deutschland ankam, wusste er, dass seine Kinder, die in Deutschland zur Welt kommen, alle deutsche Namen bekämen. Meinen Bruder, der 1962 auf die Welt kam, nannte er Anton.
Ich selber betrat 1964 das Licht der Welt und bekam den undankbaren Namen Dankfried, was eine echte Strafe für mich war.
Sie fanden diesen Namen, als sie ein Stammbuch mit germanischen Namen durchgingen, und somit war er sein Protest gegen das jugoslawische Regime und gegenüber dem Kommunismus, den er so gehasst hat.
Als wir dann in die Grundschule kamen, haben die Kinder aus Kroatien, Serbien und Jugoslawien jeden Samstag Spezialunterricht bekommen. Also jugoslawischen Unterricht. Dort konnten sie auch die kyrillische Schrift lernen. Ich vermute, dass damals der Bezug zur Heimat erhalten bleiben sollte.
Darauf ist mein Vater angesprochen worden. Etwa so wie „Hey, deine Kinder kommen ja aus Jugoslawien, dann gehen die da ja auch hin.“
Seine Antwort lautete immer: „Meine Kinder gehen da auf gar keinen Fall hin. Keines meiner Kinder geht in einen kommunistischen Unterricht! Die gehen da nicht hin und fertig!“
Damit waren mein Bruder und ich von allen jugoslawischen Kindern die einzigen an dieser Schule, die nicht mitmachten. Weil unser Vater es nicht wollte. Zudem waren wir seit der Geburt ohnehin Deutsche, so hat er dann später auch noch seinen Pass abgegeben. Er ist Deutscher geworden und das schon sehr früh, und zwar gegen Ende der 60er Jahre.
Ich bin in Baesweiler geboren, woran ich mich noch erinnern kann. Die ersten Bilder von mir, zumindest die ich kenne, zeigen mich, wie ich mit einer Gitarre auf dem Schoß auf dem Töpfchen sitze.
Da die Gitarre größer war als ich, ist auf dem Bild nicht viel von mir zu sehen. Meine Mutter erzählte immer, dass ich ein quicklebendiges Kind war. Und damals haben meine Eltern schon gesagt ’das ist ein Musiker, das wird ein Musiker.’
Früh galt meine Liebe dem Keyboard und der Orgel und später dann auch dem Synthesizer, da ich seine Tasten als so faszinierend empfand. Das war aber nicht das, woran mein Vater für mich dachte und wie sich herausstellte war das Instrument, das ich spielen sollte, für ihn überaus wichtig, was Grund und Anlass für einige Überwerfungen zwischen ihm und mir werden sollte. Oberkrainermusik spielte bei uns immer eine große Rolle.
Mein Onkel (Marian) spielte in so einer bekannten Oberkrainerband, die Trompete und wurde ein immer größeres Vorbild für mich, was aber zunehmend zu einem Problem wurde. Zum einen war mein Vater nicht sehr überzeugt davon und zum anderen war es das falsche Instrument. Dieses war nicht das Instrument, an das mein Vater für mich dachte. Er hatte ein anderes Instrument im Kopf, jedoch sollte man nicht den Dickkopf eines 8-Jährigen unterschätzen. Denn er hat mir trotzdem eine Trompete für 220,-DM gekauft, was damals sehr viel Geld war. Für die Trompete habe ich nie Unterricht bekommen. Das war ein echter Nachteil, aber anders als heute war es damals mit dem Unterricht für ein solches Instrument, nicht so einfach.
Für praktisch jedes Instrument, bekommt man heute schnell einen Lehrer, doch damals war das noch anders und für die Trompete gab es so etwas kaum, außer zu sehr hohen Preisen. Mein Vater war, neben seinem Hauptjob in den Aluminiumwerken in Grevenbroich, Hausmeister in einem Hochhaus. Dort gab es einen großen Keller, in dem ich nachmittags üben konnte. So bin ich, mit meiner Trompete, immer wieder in diesen Keller gegangen und habe genau das getan. Ich habe Trompete spielen geübt, aber wenn man keine Ergebnisse bekommt, geht die Lust schnell verloren und ich hatte schon Schwierigkeiten überhaupt einen Ton aus diesem Gerät herauszubekommen, der diese Bezeichnung auch verdient. So geschah das, worauf mein Vater vermutlich setzte, ich verlor die Lust an der Trompete.
Daher bin ich zu meinem Vater gegangen und habe zu ihm gesagt: „Papa ich möchte etwas anderes Spielen!“ und seine Antwort lautete „Mach Akkordeon, mach Akkordeon.“ So stand ich dort mit meiner Trompete in der Hand und sagte nur „Ja Papa, ich mach Akkordeon“. Das schien mir auch leichter zu sein, zumindest von der Handhabung.
Nachdem das Interesse an der Trompete verflogen war, wollte ich dann also doch, Akkordeon lernen.
Mein Vater kaufte mir ein 3-stimmiges Hohner-Tastenakkordeon. Es war ein älteres und gebrauchtes Instrument, aber es erfüllte seinen Zweck. Dafür hat mein Vater viel getan, denn trotz zweier Jobs war es für ihn nicht leicht, dieses Instrument zu bekommen, aber damit wir gut über die Runden kamen, ging meine Mutter zusätzlich putzen.
Unsere Eltern sorgten, wie schon gesagt, gut für uns. Man muss wirklich sagen, sie haben uns sehr, sehr viel ermöglicht. Mein Vater hat lieber auf ein Hemd für sich verzichtet, denn für ihn war die Hauptsache, dass mein Bruder und ich anständig angezogen waren.
Damals wurde sich sonntags – besonders wenn wir zur Kirche gingen – immer herausgeputzt, so waren wir sonntags immer die am besten angezogenen Jungs in der Straße. Darauf haben meine Eltern immer Wert gelegt.
Mit dem Akkordeon lief alles ganz anders als mit der Trompete. Zum einen war es wesentlich leichter, einen Lehrer zu finden, und zum anderen waren diese nicht so teuer. Ja, aber vor allem war es meinem Vater absolut wichtig, dass ich klassischen Akkordeonunterricht bekomme.
Täglich habe ich zwei bis drei Stunden geübt, und da ein Akkordeon nicht so laut ist wie eine Trompete, konnte ich auch in der Wohnung, und vor allem, in meinem Zimmer bleiben.
Von Anfang an habe ich mit einem Schellentambourin oder einem Metronom gespielt und wenn man bei den Metronomen nicht den Takt hält, zeigen die das gnadenlos auf. So habe ich neben dem Instrument, auch gelernt, den Takt zu halten. Wenige lernen heute so das Musizieren, wobei ich es dadurch bis tief in mein Blut gelernt habe. Deswegen kann ich es auch auf die Millisekunde genau hören, wenn etwas aus dem Takt gerät, und wenn diejenigen, denen das passiert, es nicht merken, erleide ich körperliche Qualen. Ich stelle leider immer wieder fest, dass ich höre, was die wenigsten hören, und wenn ich dann auf den Aufnahmen im Studio die Wellen sehe, habe ich immer recht. Selbst wenn andere sagen: „Was du immer hast! Das läuft doch total rund!“
„Nein hörst du denn nicht, dass es nicht rund ist?“ Musik hört man nicht nur, Musik fühlt man.
Und wenn man es sich, wie heute möglich, in den Wellenformen anschaut, kann jeder genau sehen, wie sie verschoben sind und wie alles aus dem Takt geraten ist. Aber die wenigsten hören es. Doch fühlen können es die Meisten.
Ich habe damals mit dem Metronom und Schellen Tambourin das Takt halten geübt, bis zum Erbrechen. Das war auf jeden Fall eine gute Schule!
Und irgendwann, sogar in den Ferien, habe ich dann dagesessen und angefangen, mir selber Melodien auszudenken, somit habe ich auf einem Notenblatt welche geschrieben.
Zumindest, soweit ich damals Noten schreiben konnte.
Zu Noten gibt es ebenfalls eine Geschichte über meinen Vater. Ich war noch 5 oder 6 Jahre alt und hatte mit Musik noch nicht so viel zu tun. Ich fand es toll, ein Instrument zu spielen und hatte auch Spaß daran. Aber was es wirklich bedeutete, Musik zu machen, davon hatte ich noch keine Ahnung, da die Zeit mit dem Metronom und so weiter ja erst später kam.
Das wollte mein Vater aber schnellstmöglich ändern. Er besorge eine Standtafel für Kinder und schnitt dann aus irgendeiner Zeitung seine Noten aus. Auf der Tafel zeichnete er dann fünf Linien und befestigte sie darauf, denn so wollte er sie uns beibringen. Das kuriose an dieser Sache ist: Er hat selber nie Noten lesen gelernt. Er hat einfach irgendwas hin gekritzelt, immer wieder gesagt, das sind Noten und das ist die Melodie, das ist ein Bassschlüssel und das ist ein Melodieschlüssel!
Das was er konnte, versuchte er uns zu vermitteln. Nur wussten wir überhaupt nicht, was er von uns wollte. Wir konnten das alles überhaupt nicht nachvollziehen. Wir saßen einfach da wie zwei Fragezeichen und sahen uns schulterzuckend immer wieder an.
Wir wussten überhaupt nicht, was das alles bedeutete und fragten uns nur, was er da wohl malte. Für uns war das wie ein Spiel, doch mein Vater hatte da ganz andere Ambitionen. Es ist klar, dass ihm das nicht immer besonders Spaß gemacht hat. Richtige Noten lernten wir später zum Glück doch noch.
Sicher ist das eine von vielen Anekdoten auf meinem Weg, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass ich froh bin, dass uns keiner, der was davon versteht, dabei gesehen hat. Versteht mich nicht falsch, denn nicht jeder der Noten lesen und schreiben kann, macht auch automatisch gute Musik und nicht jeder, der das nicht kann, macht zwangsläufig schlechte Musik.
B. B. King zum Beispiel. Er brachte sich das Gitarre spielen selber bei. Zeit seines musikalischen Schaffens spielte er am liebsten die Sologitarre, aber mit Akkorden hatte er es nicht so, wie er selber sagte. Beispielsweise in dem Film von U2 „Rattle and hum“ zu hören.
Mit dem Tag, an dem ich anfing, dem Wunsch meines Vaters zu entsprechen, und Akkordeon spielte, befand ich mich in seinem Würgegriff. Er kontrollierte, wie viel ich wann übte und oft kam er von der Spätschicht nach Hause, und wusste immer, ob ich nachmittags geübt hatte oder nicht. Zwischenzeitlich dachte ich immer, er könnte Hellsehen oder hatte an irgendeiner Stelle eine Kamera verbaut, denn er wusste es einfach immer und das war für mich unerklärlich. Natürlich übte ich auch mal nicht.
Ich war ein kleiner Junge, der auch noch andere Interessen hatte, und dann musste ich mir immer was anhören. Ich habe häufig meine Mutter gefragt, ob sie mich verraten hat, ob ich gelernt habe oder nicht. Doch sie sagte dann immer, dass sie so etwas niemals machen würde, weil sie im Haus schlicht und einfach ihre Ruhe haben wollte. Sie konnte nur schwer ertragen, welchen Druck mein Vater wegen der Musik und dem Akkordeonlernen auf mich ausübte.
Mein Bruder Toni hatte mit dem Druck überhaupt nichts zu tun, da er „nur Gitarre“ spielte und nicht Akkordeon so wie ich, und somit stand er nicht im Fokus unseres Vater und konnte im Großen und Ganzen machen, was er wollte. Erst viel später habe ich nach und nach erkannt und verstanden, warum ich so in seinem Fokus stand und Vater so einen Druck ausübte. Er brauchte, um selber vernünftig Akkordeon zu spielen, immer einen, an dem er sich orientieren konnte. Er konnte zeitlebens nie einen Song von Anfang bis Ende alleine durchspielen, weil er nie selber Noten lesen lernte. Vater erarbeitete sich alles mit seinem Gehör und brachte sich alles alleine bei, was an sich eine bewundernswerte Leistung war. Jedoch war er dadurch so sehr auf die Melodie fixiert, dass er einem Arrangement nicht mehr folgen konnte.
Meine Mutter schimpfte deswegen immer wieder mit ihm und sagte: „Spiel doch mal ein einziges Lied von Anfang bis Ende durch! Bitte! Nur ein einziges Lied! Du fängst jedes Lied an und nach einer Minute ist Schluss!“
Wenn ich mit ihm zusammen gespielt habe, konnte er es, weil er sich eben an mir orientierte. Ich war quasi sein Führungsspieler, und er hat mich einfach gebraucht, um richtig Musik machen zu können!
Er hat mir alle Noten von Slavko Avsenik und seine Original Oberkrainer gekauft, dann habe ich sie ewig gelernt und gespielt, und egal wie sehr ich auch lernte, er hatte nie ein lobendes Wort für mich übrig.
Sonntags musste mein Vater nicht arbeiten und war dementsprechend immer zu Hause. Ich erinnere mich noch daran, dass ich einmal seine Lieblingslieder von den Oberkrainern für ihn lernte. Die ganze Woche lernte ich dafür sehr hart. Stundenlang habe ich Akkordeon gespielt und mir dabei extra sehr schwere Titel ausgesucht. Das waren meistens Songs, die in der Tonart Es-As-Des gespielt wurden. Ich habe diese Tonarten gehasst, weil sie überwiegend auf den schwarzen Tasten gespielt wurden.
Es kam der Sonntagmorgen.
Ich packte das Akkordeon aus und sagte zu meinem Vater voller Stolz: „Papa, setz dich mal hin und hör mal, was ich die ganze Woche geübt habe!“ Dann spielte ich die 3 – 4 Lieder völlig fehlerfrei runter und habe dabei alle Techniken angewandt, die ich größtenteils von ihm gelernt habe. Eine Technik bei der Oberkrainermusik ist die, dass nur selten ein Schlagzeug zum Einsatz kommt. Trompete und Klarinette sind meistens die melodieführenden Instrumente und der Gitarrist schlägt nur die Akkorde auf der Gitarre an und lässt diese nicht ausklingen. Es klingt dann immer wie ein Schlag, weshalb man die Gitarristen oft mit den Worten „… und an der Schlaggitarre…“ begrüßt hat. Zwischendurch kommt dann meistens ein Part, wo das Akkordeon eine Melodie spielt und während des restlichen Songs werden auf dem Akkordeon immer nur die Akkorde angeschlagen. Teilweise in 16tel Noten. Mein Vater sagte immer zu mir: „Du musst mehr zittern“. Das heißt, ich musste die Noten schneller anschlagen, was wiederum heißt, dass das Akkordeon dann auch einen rhythmischen Part übernimmt, der sehr wichtig für das gesamte Klangbild der Oberkrainermusik war. Das war nicht immer einfach.
Auf jeden Fall zeigte ich alles, was ich gelernt hatte und auch das Zittern auf dem Akkordeon. Nachdem ich mein Privatkonzert gegeben hatte, fragte ich voller Stolz: „Na, was sagst du? War ich nicht fleißig?“
Er kam nur zu mir, klappte das Notenheft zu und sagte zu mir ohne eine Regung: „Und, kannst du das auch auswendig?“, drehte sich herum und ging aus dem Wohnzimmer. Ich konnte gar nicht glauben, was er da sagte. Ich war total enttäuscht, denn es kam kein einziges Wort des Lobes oder Anerkennung.
Mein Vater konnte einfach nicht loben. Er lernte das von zu Hause aus nicht und so zeigte er auch keine Liebe, obwohl Vater immer stolz auf seine beiden Söhne war, wie er es zumindest den anderen Leuten immer gesagt hat. Nur zu uns sagte er das nie, oder zeigte es uns nicht.
Alles was er uns nicht geben oder zeigen konnte, hat meine Mutter für ihn mit gezeigt und sie war das genaue Gegenteil von unserem Vater. Eigentlich ist sie zu gut für diese Welt. Sie hatte noch 6 weitere Geschwister und jeder von ihnen war ein herzensguter Mensch.
Unsere Eltern waren voller Liebe und Zuneigung, beide im Juli geboren und beide im Sternzeichen Krebs. Krebsen sagt man ja nach, sie würden als Paar nicht funktionieren, es sei denn, einer ist der oder die Dominierende in der Beziehung und der andere der oder die Untergebene und genauso war es bei unseren Eltern.
Mein Vater war der Dominator und unsere Mutter die Untergebene. Sie hat alles für uns gemacht und wenn es sein musste, auch gegenüber unserem Vater geflunkert, wenn es der Ruhe im Hause diente. Mein Vater war ein 1,65m – 1,70m großer Mann, leicht untersetzt, mit vollem Haar.
Er war ein Mann, der sich nie etwas gefallen ließ, ein Gerechtigkeitsfanatiker, und wenn er das Gefühl hatte, ihm würde Unrecht getan, dann ging er voll auf die Barrikaden und scheute sich nicht, demjenigen die Meinung zu sagen. Wenn es sein musste, dann ging er bei seiner Firma, für die er arbeitete, bis zum Direktor und hat ihm erzählt, was seiner Meinung nach falsch lief. Das habe ich von ihm mitbekommen und mir geht es heute genauso. Da bin ich so wie er, denn man soll ja aus seinem Herzen keine Mördergrube machen.
Anderseits war mein Vater, ein herzensguter Mensch.
Da mein Bruder nur 15 Monate älter war als ich, waren wir beide ähnlich groß und das konnte ein echtes Problem für meine Eltern werden. Denn wir waren nicht nur etwa gleich groß, sondern wuchsen auch gleich schnell. Daher brauchten wir fast immer gleichzeitig neue Klamotten, was für meine Eltern oft nicht einfach war. Wenn einer eine neue Lederjacke brauchte, mussten immer gleich zwei gekauft werden. Ebenso bei den Jeans, Schuhen und weiterer Kleidung, und da kamen dann schon mal auf einen Schlag mehrere hunderte DM zusammen. Wir konnten nie die Klamotten von älteren Geschwistern auftragen, so wie viele, die ältere Geschwister hatten. So etwas gab es bei uns nicht. Diesbezüglich gab es nichts zu sparen, obwohl ich mir sicher bin, dass meine Eltern das sowieso nicht gemacht hätten. Aber wie gesagt, diese Frage stellte sich bei uns beiden nicht. Mein Vater hat lieber selbst auf alles verzichtet, damit wir nicht das Gefühl bekamen, selber auf etwas verzichten zu müssen.
Aber etwas, das mir sehr wichtig ist, muss ich noch sagen: Wir bekamen keine Prügel so wie andere Mitschüler. Wenn ich manchmal von anderen Schulkameraden hörte, wie sie mit Schuhanziehern oder Kochlöffeln von ihren Eltern verprügelt wurden, da wusste ich immer, wie gut wir es hatten und wie schön unsere Kindheit doch war.
Nur wenn es um Musik ging und das Akkordeon spielen, da kannte Vater keine Gnade. Da war er teilweise fast schon skrupellos und irgendwann, der Verzweiflung nahe, passte ich auf, was er machte, bevor er zur Spätschicht fuhr. Da fiel mir auf, dass er immer einen Blick in die Ecke warf, wo der Koffer mit dem Akkordeon stand, und so fragte ich mich, ob er sich wirklich merkte, wie der Koffer dort stand. Ich machte einen Versuch, hob den Koffer einfach an, und stellte ihn wieder ein wenig um. Nur so viel, dass man erkennen konnte, dass jemand den Koffer bewegt hatte. An diesem Abend hatte ich meine Ruhe und auch sonst wurde es ab da leichter. Meine Mutter hat mir Jahre später erzählt, dass sie den Akkordeonkoffer oft auch bewegt, bzw. versetzt hatte, weil ich nicht geübt hatte, nur damit mein Vater abends nach der Schicht nichts zu meckern und sie ihre Ruhe hatte. Wenn mein Vater davon ausging, dass ich geübt hatte, war er zufrieden und ich insofern auch, da ich dann in Ruhe ein Instrument lernen konnte, das meinen Vater stolz machte.
Aber zurück zu meiner Geschichte.
Ich war also 8 Jahre alt, als ich mit meiner Trompete scheiterte und zu meinem ersten Akkordeon kam. Es war schon alt und gebraucht, als ich es bekam und dennoch begleitete es mich einige Zeit, aber irgendwann hatte es seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Es war alt und schlecht gestimmt und ich bekam ein flammend neues Gerät. Auch in diesem Fall war das für meinen Vater, oder für meine Eltern, absolut keine Selbstverständlichkeit, da er es in zwei bis drei Jahren mit kleinen Raten abbezahlen musste. Alleine das war schon eine erhebliche Verpflichtung für mich meinem Vater gegenüber, denn ich war mir über dieses Opfer sehr wohl im Klaren. Das muss ich immer wieder ganz deutlich sagen. Er hat das auch gerne gemacht, ohne Wenn und Aber. Natürlich vor allem dann, wenn er bekam, was er wollte, oder anders gesagt, wenn ich tat, was er wollte. Jedenfalls bekam ich ein neues Akkordeon: und zwar eine Hohner Verdi V.
Mein Bruder und ich wurden älter und waren auch öfter mal im Alter von 10 bis 12 mit unseren Kumpels und in der Schule unterwegs. Dann haben wir natürlich im Radio oder von den Kassetten unserer Freunde einiges an Musik gehört, die wir so noch nicht kannten. Die Beatles, Sailer, Kiss, The Kinks, Boney M., The Sweet und so weiter. Die Disco mit Ilia Richter habe ich total gerne geguckt. Im Grunde hat mir jede Musik gefallen, aber es war doch eine ganz andere Musik, die ich da hörte, und besonders gefielen mir die kommerziellen Sachen.
Aber da gab es auch so Sachen wie Nazareth, Deep Purple oder AC/DC, was man so nebenbei gehört hat. Das war aber nicht unbedingt meine Musik. Meine Musik war mehr der Glam- oder Pop Rock ala Sailor oder The Sweet.
Der Wunsch meines Vaters war immer, dass er mit seinen Jungs Oberkrainermusik spielt, und um dies zu verwirklichen war er immer knallhart! Mein Bruder und ich wir hatten nicht wirklich Lust darauf und haben Kassetten gesammelt und diese mit Pop und Rockmusik bespielt.
Meine Eltern kamen an irgendeinem Abend von einem Fest, vielleicht ein slowenisches Fest der Partnerstadt von Grevenbroich, und dort war ein anderer Vater mit seinen zwei Jungs aufgetreten. Mein Vater war so begeistert und auf der anderen Seite so enttäuscht, weil nicht er derjenige war, der da oben mit seinen Söhnen stand, sondern ein anderer. Wir waren aber nicht dabei und wussten nichts davon.
Dann kamen sie so gegen 22 – 23 Uhr nach Hause und wir hatten uns schon bettfertig gemacht. Die Zwei kamen rein und haben nicht gesprochen, wobei wir uns nichts dabei gedacht haben. Meine Mutter ging ins Bad, um sich ebenfalls bettfertig zu machen, und mein Vater war im Wohnzimmer.
Den haben wir auch nicht gehört, aber auf einmal kam er in unser Kinderzimmer und fing an zu schimpfen.
„Ihr seid Arschlöcher, mit eurer Drogenmusik. Immer diese scheiß Rockmusik diese Drogenmusik“, fing er an, und wir wussten überhaupt nicht, was los ist und dachten, er macht Spaß, denn so kannten wir ihn gar nicht.
Damals gab es so ein Kassetten-Karussell. Ich hatte eins und es war mein ganzer Stolz. So konnte man alle Kassetten einsortieren, und ich hatte sie alle mit dem, was so auf ihnen zu hören war, beschriftet. Unser Vater nahm es hoch, schmiss es auf den Boden und es flog in tausend Teile. Meinen Bruder Toni hat er gepackt und wollte ihn schlagen, und mein Bruder riss ihm den Plattenspieler weg, den mein Vater an der Wand zertrümmern wollte, während ich angefangen habe, meine Sachen zu beschützen.
Dann kam unsere Mutter schreiend aus dem Badezimmer gerannt und rief: „Was ist denn hier los? Was ist hier los?“
Worauf er schrie: „Meine Jungs sind scheiße! Die hören nur Drogenmusik.“
Nur mit Mühe und Not hat meine Mutter es geschafft, ihn zu beruhigen. Alles was man in unserem Kinderzimmer greifen konnte, lag zertrümmert in tausend Teilen auf dem Boden. Kassetten, Platten, was er so in die Hand bekam, flog durch das ganze Zimmer. Unser ganzer Stolz. Wir mussten danach alles zusammenkehren und in den Mülleimer schmeißen. Mein Vater wusste davon am nächsten Morgen gar nichts mehr, weil er einen totalen Blackout hatte.
Nach zwei Tagen habe ich meinen ganzen Mut zusammengefasst und habe zu ihm gesagt: „Hör mal Papa. Meinst du nicht, du müsstest uns neue Sachen kaufen?“
Da sagte er zu mir: „Halt bloß deinen Mund“, und das war es.
Leider war das nicht die einzige schlechte Erfahrung mit meinem Vater und dem Thema Musik, und es ist nicht schön, das sagen zu müssen, aber so war es nun einmal, und es gehört zu meiner Geschichte dazu.
Also ein anderes Mal, mit 14 bis 15 Jahren zeltete ich mit mehreren Freunden auf einem großen Rasenfeld vor unserem Wohnblock. Es war ein Samstag und da kam abends ab 19.30 Uhr eine neue Musik-Sendung im ZDF, die „Rock-Pop“ hieß und von Christian Simon moderiert wurde. Diese neue Sendung war etwas völlig anderes als vorher „Disco“ mit „Ilja Richter”, die von 1978 bis 1982 im TV lief. Da traten Bands wie AC/DC, Jethro Tull, April Wine, den Scorpions, Chris de Burgh, Santana, Georg Danzer und so weiter auf. Die Creme de la Creme der Rockszene und was ich immer an der Moderation von Christian Simon mochte, war, dass er zu jedem Act Hintergrundinformationen lieferte.
Ich fand das toll. Mein Wissenshunger wurde immer weitestgehend gestillt, und noch heute lese ich am liebsten Biographien von interessanten Menschen. Leider konnte ich das aber immer nur schauen, wenn mein Vater Spätschicht hatte. So schaffte ich es immer, mir die Sendung wenigstens ca. 30 min anzuschauen, bevor er dann nach Hause kam. Mein Vater mochte im Allgemeinen solche Sendungen überhaupt nicht, ebenso wenig wie diese Musik, was er immer wieder sehr deutlich machte. Was nicht Oberkrainer war, taugte nichts, wie er sagte.
Ich hatte oft schlicht und ergreifend Angst diese Sendung anzumachen, denn immer dieses Theater mit meinem Vater war mir einfach zu viel! Meine Mutter schimpfte oft mit ihm, dass er uns unsere Musiksendungen ansehen lassen solle, denn ihr war es zu viel, immer nur Oberkrainermusik hören zu müssen. Den ganzen Tag, ohne Pause, lief bei uns Oberkrainermusik. Und egal welche TV-Sendung lief, wenn dort Oberkrainermusik zu hören war, machte mein Vater lauter, und er war nicht mehr ansprechbar.
Bei diesem Thema interessierte es meinen Vater überhaupt nicht, was meine Mutter sagte.
An diesem Samstag hatte ich aber den Mut gefasst und wollte die Sendung unbedingt sehen. Erstens war mein Onkel mit meinem Cousin Thomas, der gerade mal acht Jahre alt war, zu Besuch und zweitens brachte ich Andreas, meinen besten Freund aus alten Kindertagen mit. So saßen wir dann alle verteilt auf der Couch und ich machte den Fernseher an. Mein Vater saß in seinem Sessel direkt vor dem Fernseher, und rechts davon saß meine Mutter auf der 3er Couch mit meinem Onkel und Thomas. Parallel zum Fernseher saßen Andreas und ich auf der 2er Couch. Ich schaltete den Fernseher an und sagte, Andreas möchte gerne die Sendung sehen. Ich schob ihn einfach vor, da ich dachte, dass Vater ja wohl dann nichts dagegen sagen würde. Ich sah schon, wie er weiß um die Nase wurde, aber er sagte nichts. Die Sendung lief ca. 10 min und war an diesem Samstag sehr rock lastig.
Mein Vater unterhielt sich seelenruhig mit meinem Onkel. Ich dachte noch „Cool, es läuft! Alles bleibt ruhig! Endlich kann ich mir mal in Ruhe die Sendung anschauen. Ich habe ja genug Verbündete im Wohnzimmer sitzen!“, und während mein Vater sich mit meinem Onkel unterhielt, stand er einfach auf und trat mit voller Wucht gegen den Fernseher, sodass alle Programmknöpfe wegflogen. Der Fernseher war ausgeschaltet, und wir waren alle so verdutzt, dass wir gar nichts sagen konnten.
Es war einige Sekunden still im Raum, bis meine Mutter zu ihm sagte: „Sag mal, bist du verrückt geworden? Was soll das? Muss das sein? Kannst du das die Jungs nicht schauen lassen? Immer nur diese Scheiß Oberkrainermusik!“
Er erwiderte nur: „So ein Mist wird hier nicht geschaut. Nicht, solange ich lebe!“
Mein Onkel sagte: „Ok, ich glaube, ich muss auch langsam gehen.“
Darauf erwiderte mein Vater seelenruhig: „Aber warum? Bleib doch noch ein wenig. Du hast ja noch gar nicht ausgetrunken.“
Mein Cousin Thomas fing an zu weinen und mein Vater sagte zu ihm beruhigend: „Thomas, du musst keine Angst haben. Ich tue dir doch gar nichts!“
Die Situation war sehr beklemmend für mich, und ich habe mich vor Andreas für das Verhalten meines Vaters sehr geschämt.
Mein Vater trank während des Besuchs eine Flasche Bier, wobei er Alkohol nicht gut vertragen konnte, denn dann machte er schon mal Dinge, die er hinterher bereute. Aber wie gesagt, er hatte ein Riesenherz, und bloß, wenn es um Musik ging, schaltete er sein Gehirn radikal aus.
Andreas und ich verabschiedeten uns und sagten, wir würden wieder zum Zelt gehen. Ich wollte in diesem Moment einfach nur raus aus der Wohnung, weg von meinem Vater. Ich wollte diese eiskalte Stimmung nicht mehr ertragen müssen. Meine Mutter bat mich noch, dass ich heute zu Hause schlafe und nicht im Zelt, denn anscheinend hatte sie Angst, dass er noch mehr durchdrehen würde, aber ich sagte nur, dass das nicht ginge, weil ich das Zelt nicht alleine lassen könne. Dass dann beim Zelten natürlich keine gute Stimmung aufkam, war klar. Andreas sagte nicht viel. Sicher musste er das auch erst einmal verarbeiten.
Am nächsten Tag kam ich erst zum Mittagessen zurück und ich fragte meine Mutter direkt, ob noch etwas vorgefallen wäre. Sie sagte nur, dass mein Onkel kurz nach uns ebenfalls gefahren wäre und mein Vater daraufhin sofort ins Bett ging. Danach war es ruhig im Haus.
Ich dachte nur: „Gott sei Dank!“, und machte mir die ganze darauffolgende Nacht Vorwürfe, dass ich meine Mutter im Stich gelassen hatte.
Die erste Band: Roxy Heart
Ich kann mich noch an eine andere Episode aus meiner Schulzeit erinnern. Ich war in der 5. Klasse der Hauptschule, und die Schulen fingen an, mit uns Klassenfahrten in irgendwelche Schullandheime zu machen. Wir waren alle so etwa zehn bis zwölf Jahre alt und es stand eine Klassenfahrt an. Unser Klassenlehrer, Herr Schmidt, sagte, dass jeder, der ein Instrument zuhause hätte, dieses doch bitte mitbringen sollte, dann wollten wir zusammen Spielchen und ein bisschen Musik machen. Von damals gibt es tatsächlich noch ein Foto, auf dem wir alle zu sehen sind, und alle die ein Instrument dabeihatten, waren mit diesem auf dem Bild.
Einer hatte eine Trompete, ich mein Akkordeon, ein paar Blockflöten, eine Gitarre, eine Triangel und ein Tamburin. Damals habe ich gemerkt, wie schön es ist, zusammen mit anderen Musik zu machen, denn es ist egal, wer man ist und was man kann. Aber wer die Musik versteht, versteht eine Sprache, mit der man sich immer verständigen kann. Sehr viel später habe ich mit Leuten Musik gemacht und habe noch nicht mal deren Sprache verstanden, aber ein C-Dur ist überall ein C-Dur. Das versteht jeder, auch mit den unterschiedlichsten Instrumenten, und so haben wir Musik gemacht!
Damals habe ich das erste Mal verstanden, dass man sich mit Musik verständigen kann. Das fand ich total schön, interessant und spannend und dann schon mit elf Jahren wurde mir klar, wenn ich nach Hause käme, gründe ich eine Band. Trotzdem habe ich mich dafür, dass ich Akkordeon gespielt habe, teilweise auch geschämt. Ich habe es oft noch nicht einmal gesagt. Das war eben kein cooles Instrument. Die coolen Jungs spielten beispielsweise Gitarre.
Irgendwann trat bei Ilja Richter die Band Sailor mit ihrem Hit „Glass of Champain“ auf. Das Besondere an der Band war, dass sich 2 Keyboarder gegenüberstanden. Jeder auf seiner Seite mit einem eigenen Keyboard, aber aufgebaut als ein Instrument. Das fand ich so faszinierend!
Auf so eine Idee wäre ich bis dahin nie gekommen, und da wurde mir bewusst, dass man in der Musik vieles ausprobieren kann, und dass ich so was auch machen will. Das ist mein Leben. Es war meine Erleuchtung.
Ich wollte so gerne Keyboard spielen, dass ich als elfjähriger Junge manchmal zwei bis drei Mal die Woche mit dem Fahrrad, alleine bei Wind und Wetter, nach Bergheim zum Musikhaus Michels gefahren bin, nur, um eine Stunde auf den Orgeln und Keyboards zu spielen. Natürlich immer nur, wenn mein Vater Spätschicht hatte und meine Mutter nachmittags arbeiten war, denn dass ich insgesamt knapp 40 km durch die Gegend fuhr, durften meine Eltern nicht wissen. Damals habe ich mir von meinem Taschengeld das rote Album der Beatles gekauft und es mir fast durchgehend über die Jahre angehört, weil es mich so sehr fasziniert hatte, wie die Beatles mit den Harmonien umgegangen sind und wie sie damit gearbeitet haben. Das ist mir schon als Kind aufgefallen, weil mich diese Musik einfach gepackt hat.
Ich wollte einfach ohne eine Vorstellung mit wem, eine Band gründen. Ich hatte keine Ahnung, wie das aussehen würde, aber das war mir egal.
Ich kam also von dieser Klassenfahrt nach Hause und machte mich sofort an die Arbeit, um eine eigene Band zu gründen. Mein Bruder Toni, unser bester gemeinsamer Freund Jürgen Koegler und ich wollten unbedingt Gitarre spielen lernen. Das war ein cooles Instrument und so haben wir dann bei dem Gitarrenlehrer Udo Holländer, den wir über ein Zeitungsinserat gefunden haben, unsere ersten Gitarrenstunden gehabt.
Nach den ersten gemeinsamen Gitarrenstunden bin ich dann auf die Bassgitarre gewechselt und habe meinen Bruder und unseren Freund alleine weiterlernen lassen, da ich der Meinung war, für die Bassgitarre keinen Lehrer zu brauchen. Also habe ich, neben dem Akkordeon, alleine für mich mit dem Bass weiter geübt.
Es war total toll, in einer Band zu spielen und dann auch noch als zwölfjähriger. Mit der Gitarre, Bass, oder auch, wenn man gesungen hat, fanden die Mädchen das ziemlich interessant aber nicht, wenn du Akkordeon gespielt hast. Damit konntest du bei Mädels nicht punkten! Nein, nicht mit dem Akkorden.
Wir wollten also unbedingt eine komplette Band gründen und hatten noch einen Klassenkameraden, der in Frage kam: der Theo. Er spielte in einem Tambourkorps die Trommel und hatte Lust, das Schlagzeug zu spielen.
Wir konnten also eigentlich loslegen, aber da gab es ein anderes großes Problem. Wir hatten keine Instrumente oder einen Proberaum und keiner von uns hatte Eltern, die für so etwas Geld hatten. Auch meine Eltern wollten dafür kein Geld ausgeben.
Schon damals waren wir als Messdiener sehr aktiv in der katholischen Kirche, und in unserer Not haben wir mit dem Pastor gesprochen, denn Not macht ja bekanntermaßen erfinderisch.
Der wollte sich etwas überlegen und hatte dann auch schnell eine Idee. In dem zweiten katholischen Kindergarten musste alle ein bis zwei Jahre der Spielsand wegen den kleinen Kindern ausgewechselt werden, und so sagte er: „Ihr könntet doch den alten Sand rausschippen und den neuen Sand wieder rein und diese Arbeit würden wir euch bezahlen. Also könnte ich euch das Geld für Instrumente vorschießen, und ihr könntet dann so eure Schuld begleichen.”
Und das war dann der Deal.
Damals gab es einen koreanischen Instrumentenhersteller, der bei Dormagen einen Generalvertrieb für Deutschland hatte. Aria hießen die. Zu diesem nahm der Pastor Kontakt auf, rief in der Firma an, und weil er als Pastor für die katholische Kirche dort anrief, durfte er zum Einkaufspreis Instrumente kaufen. Also lud er uns in sein großes Auto, und wir fuhren zusammen dorthin; mein Vater, der Pastor, mein Bruder, unser zukünftiger Schlagzeuger Theo und ich.
Wer sich für Instrumente interessiert, kann nachvollziehen, was es für ein unglaubliches Gefühl war, das Lager voller nagelneuer Instrumente zu betreten. Gitarren, Bassgitarren und Schlagzeuge in Hülle und Fülle und alles weitere Equipment: Mikrophone und die entsprechenden Ständer, Kabel, Mischpulte, Lautsprecherboxen und so weiter, sogar ein Klavier.
Wir betrachteten jedes Detail, die Mechaniken an den Gitarren, die Technik an den Verstärkern und sahen uns die einzelnen Teile eines Schlagzeugs an. Alles glänzte und war noch neu, und wir probierten das eine oder andere aus.
Es war wie in einem Zauberland. Staunend und begeistert gingen wir die Gänge ab und konnten uns eine Zeitlang nicht entscheiden, aber schließlich und endlich suchte sich mein Bruder eine Gitarre aus: Einen schwarzen Gibson Les Paul Nachbau, die er heute noch besitzt, und Theo bekam sein Schlagzeug mit Grundausstattung. Der Pastor bezahlte, wir packten unsere Heiligtümer ein und fuhren überglücklich wieder nach Hause.
Eigentlich kann ich überhaupt nicht sagen, wie glücklich wir waren, weil es einfach unbeschreiblich war. Träume wurden war, aber es zeigte auch: Beharrliches arbeiten an seinen Zielen zahlt sich aus.
Dann hat der Pastor uns noch in dem alten Jugendheim die Disco als Proberaum zur Verfügung gestellt, in dem wir zwei-, dreimal pro Woche üben konnten, und unsere Welt war perfekt.
Am Anfang spielten wir „Love Hearts” von Nazareth und wir haben ewig geübt, manchmal immer nur die Melodie und manchmal 2 Stunden lang. Immer und immer wieder, ohne das einer gesungen hätte, immer denselben Rhythmus, immer dieselben Harmonien. Einfach, weil wir es so toll fanden, gemeinsam mit vier Mann zu spielen und weil wir es so nachspielen konnten, wie das Original, wie unsere Stars.
Zusätzlich, um noch etwas zu üben und dazuzulernen, haben wir mit dem Pastor gesprochen, ob wir nicht während der Jugendmesse, die alle zwei Wochen freitagsmorgens um 8 Uhr war, auftreten könnten, was wir dann tatsächlich durften.
Wenn nach der Messe die Hostien verteilt wurden, haben wir immer „Danke für diesen schönen Morgen“ gespielt. Manchmal 15 Minuten lang, immer und immer wieder.
Das wiederum fand der Pastor ganz toll. Während unserer Hauptschulzeit sind wir dann freitags während der Schulmesse immer wieder aufgetreten. Da konnte sich der Pastor immer sicher sein, dass die Schulmesse zu seiner Freude immer gut besucht war, wenn wir spielten. Dadurch wurden wir auch immer bekannter. Heute nennt man das eine win win Situation!
Natürlich gab es noch andere tolle Bands in der Szene, die um ein vieles besser waren als wir damals. Vor allem, weil sie älter und erfahrener waren. Einige haben Fusionsrock gespielt, also Bands, die den klassischen Rock mit anderen Musikrichtungen verbanden. Berühmte Bands, die für diese Musik standen, waren z. B. Santana, Pink Floyd, oder Mils Davis. Am bekanntesten ist sicher der Jazzrock oder Funkrock und Blues gewesen, aber wir waren von so einer Musik weit entfernt.
Jürgen Kögler war damals in der Band als Gitarrist, mein Bruder ebenfalls als Gitarrist, ich am Bass, Theo am Schlagzeug und Jürgen hat dann auch gleichzeitig, weil es sonst niemand wollte oder konnte, angefangen zu singen.
Mittlerweile waren wir alle so um die 12 bis 13 Jahre alt und sind dann nach zwei Jahren harter Proben in diversen Jugendheimen im ganzen Kreis, so gut wir es konnten, aufgetreten und wir fanden unser Publikum. Oder das Publikum fand uns, aber darauf komme ich noch, beziehungsweise wie wir dort hingekommen sind.
In diesen Anfangszeiten habe ich etwas gelernt, und zwar, dass es nicht immer nur auf die Perfektion ankommt. Auch, aber nicht immer! Was zählt, ist vor allem das Herz, das man in seine Musik legt und davon hatte und habe ich jede Menge. Aber es mangelte mir nach und nach auch nicht mehr an der nötigen Technik, um Musik zu machen.
Wir übten stundenlang in unserem Proberaum und spielten oft wie im Rausch, weil es uns so sehr Spaß machte. Und wir wurden nach und nach immer variantenreicher, eben immer besser und routinierter und stellten fest, dass wir einen Lichtjockey brauchten.
Dietmar, den wir immer Lewan nannten, wegen seines Nachnamens „Lewandowski“, ein weiterer Klassenkamerad, hörte das und war dazu bereit. So wurde er unser Lichtjockey. Wir haben uns einen Kasten mit Holz und Schaltern gebaut, damit wir die kleinen Lampen, die bei Auftritten vor unseren Füssen aufgestellt wurden, im Takt bedienen zu können! Wie bei unseren großen Vorbildern. Nur in klein! Aber das war dem Dietmar irgendwann nicht mehr genug. Er wollte auch in die Band. Wir wussten bloß nicht als was, denn drei Gitarren und einen Schlagzeuger hatten wir ja und mehr brauchten wir nicht.
Aber Dietmar kam irgendwann mit einer Bassgitarre an. Ich besaß damals schon einen roten Rickenbacker Bass von Aria und er kam dann mit einem schwarzen Bass an, sogar einem Stereobass.
Da stand er also und sagte: „Ey, ich hab eine Bassgitarre gekauft.“
„Ja toll, was willst du damit denn machen?“
„Ja, ich steig bei euch in der Band ein!“
„Was, wie? Wir haben dir doch gesagt, dass es so nicht geht!“
„Nönönö, alles cool.“
„Aber wir haben auch keinen Platz mehr am Verstärker.“
„Kein Problem, ich besorg mir einen.“
Eine Woche später fuhr er zum Musikhaus Michels in Bergheim und kam mit einem Bassverstärker der Marke „Fender“ an. Vier Zwölfzöller und der Verstärker obendrauf. Für die meisten ein unerfüllter Traum, da er unfassbar teuer war. Und die Entscheidung war gefallen. Wir hatten ab sofort einen Bassmann und waren keine Band mehr mit drei Gitarristen, sondern eine mit zwei Bassisten und ich glaube, wir waren zu diesem Zeitpunkt, die einzige Band auf der Welt mit zwei Bassisten. Aber es ist natürlich möglich, dass es irgendwo noch so Verrückte wie uns gab, von denen ich nichts wusste oder weiß.
Dann ging es los. Wir haben unsere Songs geübt und hatten schon die ersten eigenen.
Theo kam aus dem Grevenbroicher Örtchen Allrath, in dem es ein Jugendzentrum gab. Dort wurden wir angesprochen, ob wir nicht mal auftreten wollten, und da habe ich zu den Jungs gesagt, dass wir nicht immer nur im Keller bleiben könnten. Wir müssten endlich auch mal auftreten und das ging von heute auf morgen. Wir hatten noch kein Programm entwickelt. Wir waren nur 12 bis 13 Jahre alt, genau wie das Publikum.
Trotzdem sind wir einfach so aufgetreten, haben gemacht was wir konnten und das gleichaltrige Publikum war total begeistert. Die fanden es super, genau wie die Jungs!
Das war der Moment, an dem wir angefangen haben, Blut zu leckten. Und wir wollten mehr.
Natürlich wurden wir gefragt, warum wir mit zwei Bassisten spielen und wir antworteten einfach, weil wir es toll fänden. Denn es gab ja kein Argument dafür. Der Zweite wollte einfach in die Band rein, und bei dem Equipment, was er mitbrachte, konnten wir nicht nein sagen.
Ich habe mir in unserer Mitarbeiterwohnung mit meinem Bruder ein Zimmer geteilt und war schon damals ein begeisterter Bravo-Leser. Ich hatte sogar ein Bravo-Abonnement und sammelte auch Starschnitte, jedoch ohne sie aufzuhängen.
Irgendwann wurde er mitten in der Nacht wach, kam zu mir ans Bett und weckte mich.
„Hör mal, Hör mal! Ich hab da irgendwas gelesen in der Bravo. Wir müssen noch was gucken!“
Dann hat er die Bravo rausgeholt.
„Guck mal hier! Die Bravo sucht für die ZDF-Serie „Schüler-Express“ eine junge Rockband. Sollen wir uns da bewerben?“ und ich antworte „Komm das machen wir!“
Wir haben dann ein paar Songs auf eine Kassette aufgenommen, einen Brief dazu geschrieben, Fotos beigelegt und weggeschickt. Den Brief habe ich sogar noch, denn den habe ich mir in ein Album eingeklebt.
So haben wir uns bei Bravo beworben und Bravo hat unsere Bewerbung an das ZDF weitergeleitet. Nach nur zwei Wochen haben wir tatsächlich Post bekommen, und wir waren die Auserwählten. Die wollten das mit uns machen!
Das war für uns ein Erdbeben. Wir haben uns zusammen ausgemalt, was das für uns bedeutet und sahen uns schon selbst in der Bravo als Starschnitt. In diesen Tagen fanden wir vor Aufregung kaum Ruhe. Wir konnten es kaum glauben. Dann setzte sich der Produzent vom ZDF mit uns telefonisch in Verbindung und der hatte natürlich einen Plan.
Erster TV-Auftritt
Geplant war, dass sie sonntags zum Drehen kämen und dienstags wieder gingen.
Sonntags bei Drehbeginn war Schützenfest in Allrath, wo Theo, der Schlagzeuger, herkam. Wir haben gefragt, ob wir am Ende des Umzugs im Schützenzelt spielen dürften, und so wurde es dann auch gemacht. Ich glaube, das war das erste Mal in der Geschichte des Schützenfestes von Allrath, dass an einem Sonntagnachmittag so viele Jugendliche im Zelt waren und das ZDF-Kamerateam hat das ganze Konzert gedreht. Allen, die dabei waren hat es gefallen. Und wir fühlten uns wie kleine Stars.
Die ganze Schule war da und vorher gab es schon Zeitungsartikel in den örtlichen Zeitungen. Die nächsten zwei Tage wurde, unter anderem, an der Schule gedreht. Für diese Drehs bekamen wir sonderfrei. In den Pausen und dazwischen kamen immer wieder vor allem Mädels. Dann mussten wir Autogramme geben. Auf die Arme, die Schulter, auf das T-Shirt oder die Jacke, wo auch immer, aber nur auf anständigen Stellen.
Mein Bruder Toni war schon immer ein Mädchenschwarm. Dunkle Haare und stahlblaue durchdringende Augen. Die anderen Jungs, muss ich ehrlich sagen, waren da schon etwas hintendran. Das meiste drehte sich um meinen Bruder Toni und um mich, denn uns mochten die Mädchen besonders, und wir fühlten uns immer mehr wie Stars. Wir waren die Größten! Ja, in diesen Momenten, waren wir die absolut Größten und wir haben das absolut genossen, vor allem ich. Wir dachten: Jetzt geht es richtig los. Plattenverträge, Topplätze in den Hitlisten, das volle Programm.
Zum Schluss sind wir zum Rathaus gefahren, um noch ein paar letzte Drehs zu machen. Das alles spielte sich, wenn ich mich richtig erinnere, Anfang Oktober ab. All diese Szenen, also der Bericht, wurde dann im November gesendet, was uns genug Zeit gab, uns alles, also unsere Karriere, so richtig auszumalen. Wir sahen uns schon ganz weit oben.
Im Anschluss an den Beitrag war dann noch eine Diskussionsrunde mit uns geplant. Unter anderem mit Jürgen Drews und noch einer anderen Band, die Highway hieß. Und noch zwei Mädels die Geige spielten. Das Thema war Hausmusik, doch dann wurde diese Diskussionsrunde aber gestrichen und somit auch unsere Teilnahme daran. Nur der Beitrag kam ins Fernsehen.
Aber das war nicht das Einzige, was unseren Durchbruch verhinderte, auf den wir so sehr hofften. Wir waren so 13 bis 14 und plötzlich kam eine Band aus Berlin, The Teens und die wurden total gepusht. Die Teens machten Karriere, und wir waren weg vom Fenster, was für uns eine riesige Enttäuschung war.
Das alles war so nach der Bay City Rollers-Zeit, die ich auch gut fand und die Teens haben sich auf diese Welle draufgesetzt. Die Rollers waren eine Mädchenband, aber ich fand die trotzdem gut.
In diesen drei Tagen des Drehs und des möglichen Erfolges kam plötzlich der Lebensgefährte von Jürgens Mutter ins Spiel, und meinte auf einmal, er müsste unseren Manager spielen.
Das hat meinem Vater natürlich überhaupt nicht gepasst. Er sagte: „Ich fahr euch die ganze Zeit hin und her, und jetzt will der hier Manager spielen“.
Das gab Ärger. Wir haben das überhaupt nicht verstanden und das war uns auch ziemlich egal. Heute weiß ich natürlich, dass keiner von den beiden das hätte machen können. Um das zu machen, gehören ganz andere Sachen als das, was die beiden draufhatten. Aber ehrlich, mein Vater hatte kein Interesse daran. Er wollte nur nicht, dass ein anderer das macht. Aber das war schon ein Ding.
Der Stiefvater, der uns die ganze Zeit nicht ein bisschen unterstützt hat, kauft dem Jungen auf einmal eine neue Gitarre und einen neuen Verstärker.
Jahrelang hatten wir gesagt, dass er eine neue Gitarre bräuchte und einen eigenen Verstärker, denn er hat immer auf unserem gespielt und plötzlich nimmt der Geld in die Hand und es geht. Da klappte es, und während der Dreharbeiten fuhr er vor, wie ein großer und holt alles aus dem Auto.
Mein Vater war sauer, weil sich der Stiefvater plötzlich reindrängte und dieser wiederum war dann sauer, weil mein Vater sich so massiv querstellte, und er nahm meinen Vater nicht wirklich ernst. Durch dieses Gemenge gab es dann richtig Stress.
Natürlich haben mein Bruder und ich, zu unserem Vater gehalten, der ja auch von Anfang an da war und uns unterstützt hat. Jürgen aus unserer Band hat natürlich zu seinem künftigen Stiefvater gehalten. Dann aber haben wir deutlich gemacht, dass es unsere Band ist, und das wir entscheiden, wer unser Manager ist und wer nicht. Es kann da nicht einer daherkommen, und sich selber zum Manager bestimmen. Der Stiefvater, der sich da mehr erhoffte, wollte das nicht gleich einsehen. Wir wären zu jung, hätten keine Erfahrung, würden nur über den Tisch gezogen, und sowas erzählte er. Aber irgendwann hat sich das Thema dann verlaufen und es kehrte wieder Ruhe ein. Wir haben uns auch auf niemanden geeinigt, weil dazu einfach keiner in der Lage war, und Bedarf herrschte ja leider auch keiner. Denn es ergab sich ja nichts weiter aufgrund des Fernsehberichtes. Wir waren eine Jugendband. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Fernsehen, oder sonst was, oder wer, meldete sich weiter. Es waren auch keine Ambitionen von den anderen da und wir wussten auch nicht, wen wir hätten ansprechen sollen. Das wäre sicher etwas anderes gewesen, wenn sich da mehr vom Fernsehen oder ähnlichem ergeben hätte. Dann wären die Rahmenbedingungen andere gewesen, aber wir blieben, was wir waren: Eine kleine Teenierockband irgendwo in Deutschland. Das war eine wirklich traurige Erfahrung, die einige von uns sehr demotiviert hat. Mich hat es eher motiviert.
Danach haben wir uns nicht mehr so gut verstanden und Theo, der Schlagzeuger, ist aus der Band ausgetreten. Ja, auch das gehört zu Roxy Heart!
Irgendwann wurde neben dem alten Jugendzentrum, in dem wir unseren Proberaum hatten, ein neues gebaut. Wir mussten also aus dem alten Raum ausziehen, weil die da ein italienisches Zentrum draus gemacht haben, und da wir nicht wussten, wo wir nun proben sollten, gingen wir wieder zum Pastor und fragten ihn, wo wir jetzt üben könnten.
„Ihr könntet ja erst mal in dem neuen Kindergarten proben“, sagte er.
Dafür mussten wir durch die Haupteingangstür und den Hauptraum. Wir durften nur während der Hauptkindergartenzeit proben, aber es wurde ja auch manchmal später, und dann musste einer zwischen 18 bis 19 Uhr abends zur Pfarrei und zum Pfarrbüro und den Schlüssel holen. Wir hatten ja keinen, damit wir abschließen konnten, nachdem die Putzfrau weg war. Irgendwann sind wir einfach hingegangen und haben den Schlüssel nachgemacht. Jetzt konnten wir ein und ausgehen, wann wir wollten.
Die ganze Zeit war einer unserer damaligen besten Freunde dabei, der nie bei uns mitgespielt hat, aber wie ein Schatten immer dabei war, und das war Drago. Er wollte auch unbedingt in der Band mitspielen. Den wollten wir aber nicht, weil er einfach zu schlecht war. Er hat uns aber immer überallhin begleitet, also war irgendwie immer so eine Art Schattenmitglied. Er hat zwar selber nie in einer Band mitgespielt, aber hat mitgeholfen, alles ab- und aufzubauen und wieder ein und auszupacken und so weiter.
Er hat dann auch schon mal die ersten Mädels abgegriffen und es gab ein Mädchen, das ich heute immer noch gut kenne, das damals verliebt in mich war, worauf ich aber keine Lust hatte.
Drago sagte dann: „Ich bringe die mal mit in den Proberaum und dann sag ich ihr, dass ich sie für dich erst mal checken muss, bevor du die nimmst! Irgendwie muss ich die doch weich kriegen!“
Ich kann mich noch dran erinnern. Wir waren wieder im Keller in unserem Proberaum, der eigentlich der Wäschetrockenraum vom Kindergarten war und unser Freund kam dann mit dem Mädchen herein. Sie blieben und sahen uns beim Proben zu. Irgendwann nach der Probe gingen die Jungs dann nach und nach, nach Hause. Nur Toni, ich und Drago blieben zusammen mit dem Mädchen. Irgendwann gingen wir zu dritt hoch in den Turnraum des Kindergartens und haben ein wenig rumgealbert und Spaß gehabt. Dann haben wir erst mal so zwei bis drei Turnmatten ausgelegt, Licht ausgemacht und legten uns auf diese Matten. Drago fing an, sie zu küssen. Sie hat sich am Anfang gewehrt und wollte nicht so richtig. Er hat dann immer wieder gesagt, ich wäre doch dabei und ich hätte gesagt, dass er sie erstmal checken müsse. Erst danach würde ich sie zur Freundin nehmen. Irgendwann ließ sie es geschehen und lag schließlich in der Mitte auf der Matte. Unser Kumpel zog ihr die Bluse hoch und während ich dann ein wenig an den Brüsten herumgespielt habe, war er mehr auf die tiefer gelegenen Zonen fixiert! Er hat ihr die Hose aufgemacht und diese dann leicht heruntergezogen und dann ein wenig mit seinen Fingern herumgetastet!
Das Ganze dauerte keine fünf Minuten, und das Spiel war wieder beendet. Sie hatte dazu überhaupt keine Lust. Es war ihr sehr unangenehm. Mir persönlich auch, da ich noch nicht bereit dazu war!
Aber das war erst der Anfang der Geschichte.
Tage später kam Drago mit ihr wieder in den Proberaum und sagte zu mir, dass sie mich unbedingt gerne wiedersehen wollte. Er sagte mir dann zwischendurch ins Ohr, dass er sie unbedingt haben wollte und ich mitspielen solle.
„Hör mal!“, sagte er zu ihr. „Danky hat gesagt, ich müsse dich erst mal testen. Dann, wenn das ok ist, erst dann geht er mit dir. Aber erst muss ich dich testen.“
Ich stand also da an der Eingangstür vom Keller, der ja eigentlich der Wäscheraum vom Kindergarten war.
Unsere Instrumente und Geräte waren aufgebaut wie zu einem Konzert. Man muss sich unseren Bühnenaufbau vorstellen wie bei einer klassischen Band: In der Mitte das Schlagzeug, links und rechts die beiden Verstärkertürme, links sogar zwei, und einen für den Bass.
Ich stand also angelehnt an der Kellerwand, und Toni stand neben dem Lichtschalter und sollte das Licht auf Zuruf von Drago an- oder ausschalten. Der verschwand mit ihr hinter einem Verstärkerturm und hat sich erst einmal entsprechend vorbereitet. Er hatte ein Paket Kondome aus der Tasche geholt und sie auf dem Verstärkerturm abgelegt. Sie lag mittlerweile mit heruntergelassener Hose breitbeinig und voller Erwartung auf dem Boden. Sie hatte sich in ihrer jugendlichen Naivität wohl auch gedacht, dass sie es über sich ergehen lassen müsste, und dann gehöre ich ihr, denn eigentlich ging es ja um mich.
Er holte also ein Kondom raus und zog es sich drüber.
Dann rief er: „Toni, mach mal das Licht aus!“ und Toni machte das Licht aus. Er fing an zu fummeln und nach einigen Sekunden rief er: „Toni mach mal das Licht an!“
Und Toni machte das Licht an. Drago schaute runter und fluchte: „Scheiße, Kondom kaputt!“
Er zog sich das Kondom ab, schmiss es in die Ecke, nahm sich ein neues, zog es drüber und rief erneut: „Toni, mach mal das Licht aus!“
Und Toni machte das Licht aus.
Wieder konnte man ein paar Geräusche und Gemurmel hören und er rief Toni wieder zu: „Toni, mach mal das Licht an“, und Toni machte das Licht an. Er schaut runter und es war schon wieder kaputt. Was er da genau mit machte, kann ich nicht mehr sagen, da wir ja nichts sehen konnten, aber ich konnte mir das Lachen da schon nicht mehr verkneifen.
Diese Show ging dann noch so vier bis fünfmal, denn er hatte ein ganzes Paket dabei.
Und irgendwann sagte er: „So, dat ist jetzt dat letzte Kondom. Toni mach mal Licht aus!“
Anscheinend hatte es wohl geklappt und er war dann zugange. Er stöhnte und hechelte leicht vor sich hin. Von ihr haben wir nichts gehört, kein Wort.
Nach ca.1 – 2 Minuten sagte sie dann plötzlich zu ihm: „Duu, sag mal.“
„Was ist.“
„Du musst dich ein wenig beeilen, ich muss um 20 Uhr zu Hause sein!“
Er so: „Waaas? Toni mach mal Licht an!“
Drago stand auf, zog sich das Kondom ab, schmiss es in die Ecke und schrie: „Verpiss dich du Schlampe, du kannst mich am Arsch lecken.“
Sie wusste überhaupt nicht, was da los war, zog sich an und ging aus der Tür nach draußen.
„Hau ab, und lass dich hier nie mehr blicken!“, rief er ihr hinterher.
Das tat mir damals total leid, denn sie konnte ja überhaupt nix dafür, aber manche Geschichten, die damals passiert sind, waren schon ziemlich grenzwertig. Das waren eben so Zeiten. Jahre später noch, wenn wir auf Partys waren und diese Geschichten dann erzählt wurden, lachten wir uns immer noch halbtot.
Noch einmal zurück zu unserem etwas verunglückten Fernsehauftritt beim ZDF, denn nach dieser Aktion war die Stimmung nicht mehr die allerbeste in unserer Band und schließlich stieg Theo, der Schlagzeuger, aus.
In unserer Straße wohnte aber noch ein anderer Schlagzeuger. Der war zwei Jahre älter als wir, hatte lange gelockte Haare und sah aus wie ein Engel: Freddy Nikischin.
In eine Band einzusteigen, war sein größter Traum. So hat er dann angefangen, bei uns Schlagzeug zu spielen, und er war richtig gut. Er war bekannt dafür, dass er mit richtig Wumms spielen konnte … kraftvoll, hart und groovy!
Nach drei vier Wochen wollte Theo, der alte Schlagzeuger, aber wieder mitmachen, und wir haben Freddy dann wieder abgeschoben. Das hat er mir bis heute nicht verziehen, so scheint es, denn ich hab ihn dann nach 10/15 Jahren einmal wiedergetroffen, noch einmal mit ihm gesprochen und er hatte das ganze Thema immer noch auf der Zunge. Er musste darüber reden und hatte es immer noch nicht verarbeitet, obwohl er, als wir miteinander sprachen, selber in einer anderen Band erfolgreich gespielt hat. Er wusste schon damals, dass er ein guter Schlagzeuger war, und wir hatten ihn einfach so abgeschossen, aber das war irgendwie der Anfang vom Ende.
Das wirklich tragische bei Freddy war, dass er sich eines Tages mit Drogen so sehr abgeschossen hat, dass er nie mehr in das normale Leben zurückgefunden hat. Es soll damals 2 – 3 Tage im Drogenrausch im Keller seines Wohnhauses gelegen haben, bis man ihn gefunden hat. Das war das Ende vom hochtalentierten Schlagzeuger. Mittlerweile lebt er teilweise auf der Straße, oder ab und an in einer geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses. Es zerreißt mir manchmal wirklich das Herz, wenn ich drüber nachdenke, was aus ihm geworden ist.
Ich hab dann parallel dazu immer noch Oberkrainermusik gemacht, obwohl ich da ein paar schöne und auch unschöne Erfahrungen hatte, aber erst kam noch ein anderes Kapitel.
Oberkrainermusik
Nach dem Bericht im ZDF-Schüler-Express waren wir ziemlich bekannt in unserer Gegend und es gab immer wieder Auftrittsanfragen. Da ich mir damals eine 2-reihige Orgel mit kleiner Synthesizer-Einheit gekauft und wir ohnehin zwei Bassisten hatten, verlagerte ich mich immer mehr aufs Keyboard spielen.
Was meinem Vater wiederum überhaupt nicht passte, weil ich fortan das Akkordeon spielen vernachlässigte und nur noch Zeit mit dem Keyboard spielen verbrachte.
Es gab dann ein großes Konzert im Alten Schloss in Grevenbroich und dort traten neben uns zwei wirklich großartige Bands auf. Einmal die Band Wy mit einem riesigen Equipment. Die waren wirklich großartig. Ich weiß allerdings nicht, was aus denen geworden ist. Bei Vanishing Point spielte der Bassist Mike, der heute Zahnarzt ist und auch bis heute mein persönlicher Zahnarzt ist, dem ich mich anvertraue. Aber vorher ist er bei uns in meiner Folgeband Kristall eingestiegen, denn Roxy Heart würde es bald nicht mehr geben.
Also wir waren damals die Vor-Vor-Vorband im Vorprogramm, doch mit unserer Teenie Musik konnten wir die Leute nicht unbedingt begeistern, denn die kamen vor allem wegen Vanishing Point, die schon eine große Nummer in Grevenbroich waren und ebenso die neue Band Wy.
Die beiden Bands waren technisch so gut, die hätten auch größere Hallen füllen können und dementsprechend ist unser Auftritt sehr mau verlaufen. Uns wurden sehr deutlich die Grenzen aufgezeigt, und so war es dann der letzte Auftritt der Band Roxy Heart.
Aber wie ging es damals bei mir weiter?
Unser Sänger und Gitarrist Jürgen fing eine Lehre als Schreiner an, Theo, der Schlagzeuger, verlor das Interesse an der Musik und stieg dann doch aus der Band aus. Der 2. Bassist, Lewan, entdeckte seine Begeisterung für das Moped und hat auch aufgehört und alles verkauft.
Somit waren Toni und ich die einzigen Verbliebenen aus der Band, die auf jeden Fall weiter Musik machen wollten. Da unsere Rockband erst mal Geschichte war und es nichts Neues gab, konzentrierten wir uns wieder auf unsere Parallelband, nämlich die Oberkrainer-Band mit unserem Vater. Eigentlich wollte ich das nicht, aber was blieb uns erst einmal anderes übrig? Irgendwie waren wir es unserem Vater auch schuldig.
Damit habe ich natürlich schöne Erfahrungen gemacht, aber auch einige sehr prägende, unschöne. Denn mein Vater änderte sich bezüglich dieser Musik nicht. Er machte immer weiter diesen Druck, aber ich konnte nicht anders und wollte ihn auch weiterhin stolz machen.
Das Drama spielte sich dann hoch, als er uns damals ein paar Oberkrainer-Westen nähen ließ. Ich musste also Musik machen, die ich nicht wirklich machen wollte, und dann musste ich auch noch Klamotten tragen, die absolut nicht gut aussahen und in denen ich mich absolut unwohl gefühlt habe. Ich war nach jedem Auftritt immer froh, wenn ich keinen Bekannten im Publikum gesehen hatte.
Die Spitze war dann ein Auftritt in einer Turnhalle in einem Nachbarort. Dort fand eine Karnevalssitzung statt. Wir sollten dort auftreten, und mir wurde auf einmal so schlecht, dass ich nicht mehr konnte. Damals vermutete ich, dass es einfach Lampenfieber war, aber es wurde immer schlimmer. Ich bekam Schweißausbrüche und Fieber. Ich wollte diese Weste partout nicht anziehen.
Heute glaube ich, dass es keineswegs einfach nur Lampenfieber war. Ich vermute, dass mein Körper und meine Psyche sich mit allem dagegen wehrte, so sehr verabscheute ich das alles. Alles in mir hat einfach nein gesagt und mein Körper hat darauf reagiert. Ich wollte das einfach nicht mehr.
Und wie reagierte mein Vater? So wie es nicht anders zu erwarten war. So sehr ich meinen Vater liebte, aber das war damals einfach nicht in Ordnung.
„Neiiin! Du ziehst diese Weste an! Wir müssen auftreten! Das geht so nicht! Du musst, du musst!!”
Irgendwann habe ich mich diesem Druck dann gebeugt und bin, auch mit Weste, aufgetreten. Trotz alledem. Ich habe aber von diesem Auftritt nicht allzu viel mitbekommen. Wir haben ein paar Songs gespielt und ich kam mir vor wie ein Zombie. Vier bis fünf Stücke, die Songs, die wir konnten und das war es dann.
Trotz allem habe ich immer versucht, meinem Vater mit dem, was ich tue, zu gefallen. Ich habe aber irgendwie auch immer das Gefühl gehabt, das es nie gereicht hat. Irgendetwas hatte er immer, was ihm nicht gefiel. Hatte ich ein Stück besonders gut einstudiert, vor allem wenn es eins war, das ihm besonders gefiel, war die erste Frage: „Und? Was ist mit den anderen Stücken?” Was Musik anging, war er hart. Härter als alle anderen, die ich kannte.
In einem Artikel in der Bildzeitung stand etwas über eine Bootsausstellung, für die RTL eine musikalische Darbietung suchte und natürlich habe ich sofort eine Bewerbung dafür geschrieben. Auch den Artikel über diese Ausstellung habe ich tatsächlich noch. Da ist mein Kopf abgebildet und wir wurden für einen Liveauftritt angekündigt, denn für die Ausstellung wurde eine Livesendung von RTL produziert. Direkt aus der Bootsausstellung aus Düsseldorf, live im Radio und wir waren als Ober-krainerband mit dabei.
Wir haben damals jeden Sonntag beim Mittagessen RTL im Radio gehört. Jeden Sonntag hörten wir Jochen Pützenbacher, die Radiolegende bei RTL.
Also, wir kamen bei der Bootsausstellung an, erhielten einen Passierschein und sind überall durch die Halle gefahren. Wir mussten uns dann in der Nähe der Liveshow melden, und als wir zur Bühne kamen, stand dort Jochen Pützenbacher vor uns. Ein kurzes Gespräch über unseren Auftritt als Oberkrainer und das war es. Er war ein supernetter Typ.
Als meine Mutter hörte, dass er bei dieser Veranstaltung dabei war, war sie wie in sich versunken, denn sie liebte diesen Radiomoderator abgöttisch. Mitkommen wollte sie aber auf keinem Fall. Wir jedenfalls waren sehr, sehr beeindruckt von ihm. Für uns war es das erste Mal, das ein Prominenter vor uns stand, den wir auch kannten und wir haben ihn geliebt, es geliebt jeden Sonntag zusammenzusitzen, und seine Stimme gemeinsam im Radio zu hören, eben die Stimme von Radio RTL.
Nach diesem kurzen, aber beeindruckenden Small-Talk sollten wir uns umziehen, in unsere Oberkrainerkluft.
Wir wurden in einen Nebengang geschickt und fingen an, uns umzuziehen. Als ich mich umsah, sah ich eine Tür, öffnete sie und fand eine Garderobe, offensichtlich die eines anderen Künstlers. Jack Chevallier, hieß er, glaube ich. Er war wahrscheinlich damals ein bekannterer Schlagersänger, also zumindest hatte er eine ganze Garderobe für sich allein, während wir fünf uns draußen auf dem Gang umziehen mussten. In der Garderobe hing auch noch so ein protziger teurer Pelzmantel.
Das konnte ich nicht fassen, und ich ging wütend zu den anderen und sagte, dass das doch wohl nicht sein könnte. Wir fünf standen hier halbnackt auf dem Gang, und dieser Mann hatte eine ganze Garderobe für sich allein und war vor allem noch nicht einmal da!
Da habe ich seinen teuren Pelz und sein edles Schminkköfferchen genommen und auf den Gang vor die Tür geschmissen, habe ich die anderen in die Garderobe geholt, und wir haben uns dort weiter umgezogen.
Kurz bevor wir fertig waren, kam der „Schlagersänger“ durch eine zweite Tür und hat seine Klamotten gesucht.
„Wer hat hier meine Sachen rausgeschmissen?“
Und wir: „Keine Ahnung. Uns wurde gesagt, wir sollen uns hier umziehen und genau das machen wir jetzt.“
Eine nette kleine Anekdote.
Wir fühlten uns eben immer noch wie kleine Stars, oder immer mehr, denn wir waren hier wegen der EXPRESS-Düsseldorf, RTL und so.
Dadurch wurden wir mit dieser Musik natürlich etwas bekannter, haben dann auch verstärkt Tanzmusik gemacht und hatten bei diversen Events Auftritte. Auf Marktplätzen und Turnhallen etc. Aber trotzdem konnte man damit auch nicht tingeltangeln. Das war damals nicht genug gefragt. Mein Vater hat natürlich auch immer weiter versucht, uns mit der Oberkrainermusik mit Auftritten zu versorgen.
Einer dieser Auftritte hatte es wirklich in sich.
Ich kann mich noch erinnern, dass es bei uns in der Nähe eine Eckkneipe gab. Die Südstadtklause, und mein Vater kannte den Wirt. Er saß da wohl auch öfter an der Theke und hatte dort auch schon mal gespielt. Auf die Frage meines Vaters sagte der Wirt: „Ey, klar könnt ihr hier spielen. Am Rosenmontag brauchen wir noch eine Band, für die Stimmung und so!"
Also gingen wir da hin und begannen morgens um elf und spielten bis nachts um zwölf. Mein Vater und ich mit unseren Akkordeons, Toni an der Gitarre, Jürgen am Bass und Thomas, ein Ersatzschlagzeuger. Wir haben so eine Mischung aus Volksmusik und klassischen Schlagern und Karnevalsliedern gespielt.
Mein Vater hat sich seine Pausen genommen, wie er sie brauchte. So wie alle anderen auch. Doch ich konnte das nicht, denn ich war mit meinem Akkordeon Führungsinstrument. Ich musste mit meinem schweren Instrument (ca. 20/25 kg) die ganze Zeit dastehen. Von 11 bis 0 Uhr. Abgesehen von den kleinen Zwischenpausen, die den Kohl auch nicht fett machten, und bei denen es sich schon fast nicht lohnte, das Ding überhaupt abzuschnallen. Also habe ich die ganze Zeit Akkordeon gespielt. Man darf nicht vergessen, ich war damals ja gerade mal 14 Jahre alt, schmächtig und nicht gerade muskulös gebaut und musste dieses schwere Instrument 13 Stunden lang bearbeiten. Das war unmenschlich!
Ich stand da wirklich die ganze Zeit und habe damals ohne Gesang, also rein Instrumental gespielt. Das ging so lange, bis ich immer schlimmere Rückenschmerzen bekam und schließlich meinen linken Arm nicht mehr gespürt habe, bzw. nicht mehr heben konnte. Alles wurde taub. Irgendwann so zwischen 23 und 0 Uhr war es dann endlich vorbei.
Wir haben dann eingepackt und jeder bekam 70 – 100 DM, was damals viel Geld war, aber ich konnte mein Akkordeon nicht mehr tragen. Ich konnte nicht mehr stehen. Die Jungs, Jürgen mein Bruder und Thomas, haben dann die Instrumente eingeladen. Ich merkte schnell, dass ich auch nicht mehr laufen konnte, so haben die anderen mich stützend nach Hause getragen. Gott sei Dank waren es zur Wohnung nur ca. 300 m. Es ging einfach nicht mehr, und ich habe von dem ganzen Akkordeonspielen bis heute meine Rückenprobleme behalten.
Am nächsten Tag habe ich mich von der Schule krankgemeldet, so wie die anderen auch. Aber alle wussten natürlich, dass ich den ganzen Abend gespielt hatte.
Es gab dann ein Riesenpalaver in der Schule, aber dank meiner Eltern konnte ich mich rechtfertigen. Im Nachhinein betrachtet, wäre das ja auch noch schöner gewesen, wenn mich mein Vater da hätte hängen lassen. Mit einem Attest, oder einer Entschuldigung meiner Eltern, dass ich krank war, zu müde und Rückenschmerzen von dem langen Spielen hatte. So oder so, ich war auch wirklich zu müde, denn wegen den Rückenschmerzen dauerte es, bis ich endlich eingeschlafen war.
Wir mussten beim Rektor antanzen und uns rechtfertigen, aber ich konnte mich gerade noch vor einer Abmahnung retten. Gibt es so etwas heute eigentlich noch?
So war das damals mit der Oberkrainermusik.
Ich habe dann weiter versucht, Fuß zu fassen und wollte noch mehr Tanzmusik machen. Damals gab es ja kein Internet oder so etwas, sondern nur die Stadtzeitungen mit ihrem Anzeigenteil. Da haben irgendwelche Leute inseriert und Bands für Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Firmenfeste und so weiter gesucht.
Also haben wir dort angerufen und unsere Tanzmusik angeboten. Die Leute haben sich gefreut und man hat sich verabredet, um alles genauer zu besprechen.
„Kommt mal vorbei, dann reden wir!“
Ja, wenn das mal so einfach gewesen wäre. Tja, wir waren eben erst 15 bis 16 und immer, wenn wir bei den Leuten klingelten, fragten die erstaunt, was wir denn wollten.
„Ja, wir kommen wegen der Musik. Wir haben doch miteinander telefoniert. Wir sind die Band!“
Manche haben dann wenigstens noch freundlich irritiert gesagt, dass es sich erledigt hätte und die Tür zugemacht. Andere haben auch einfach nur die Tür wieder zugemacht, weil keiner es Jungs in unserem Alter zugetraut hat. Jungs in dem Alter glaubt man doch nichts, denen traut man doch nichts zu, und vor allem macht man sich bei der Organisation eines großen Festes nicht von denen abhängig.
Wir haben das nicht verstanden. Wir wussten ja, was wir können und wir fühlten uns gut! Wir waren eine tolle Tanzkapelle! Das war sehr frustrierend, aber hat mich nicht davon abgehalten, einen anderen Weg zu suchen.
Ende der 70er bekam ich mit, dass immer neue elektronische Bands auftauchten. Bei Jean Michelle Jarre, der Oxygene herausbrachte und Kraftwerk wurde ich von elektronischer Musik das erste Mal angefixt.
Anfang der 80er kam dann der Synthipopsound auf, und da war es um mich geschehen. Visage, The Human League, Depeche Mode, Tears for Fears, Heaven 17, ABC und auch Frankie goes to Hollywood sowie Buggles mit „Video killed the Radiostar“ waren damals bekannte Vertreter dieser Musikrichtung, und es kamen die ersten Moog-Synthesizer auf den Markt. Das fand ich total spannend, ebenso wie die Disco Zeit.
Es passierte so viel damals.
Schon vorher hatte ich auf der Orgel, die ich mir mit 13 oder 14 gekauft hatte, stundenlang gespielt und mein Vater saß in seinem Sessel und guckte Fernsehen. Ich hatte meine Kopfhörer aufgehabt und Vangelis nachgespielt, und das wiederum hat meinem Vater überhaupt nicht gepasst. Er war der Meinung, dass es das falsche Instrument sei, auf dem ich übe, ganz zu schweigen von der falschen Musik. Irgendwann kam dann meine Mutter zu mir und meinte, dass Vater total traurig und enttäuscht wäre, und manchmal sogar wütend.
„Es ist, weil du immer weniger Akkordeon übst.“
„Aber Mama schau doch mal. Ich spiele doch Orgel, das sind doch auch Tasten, Papa muss das doch sehen. Ich interessiere mich doch für die Musik und es geht doch um Musik“
„Ja, aber um die falsche.“
„Sie ist doch meine Leidenschaft. Es ist doch egal, welches Instrument ich spiele, Hauptsache es befriedigt mich, und ich habe meinen Spaß daran.“
„Papa sieht das völlig anders. Er wünscht sich sehr, du würdest Akkordeon spielen.“
Um dem ganzen Stress ein Ende zu bereiten und ihm und diesen Diskussionen zu entgehen, bin ich gegangen und habe die Orgel wieder verkauft. Schweren Herzens habe ich meine Leidenschaft wieder einmal für meinen Vater geopfert, damit ich Ruhe zuhause hatte. Wirkliche Ruhe und Frieden, denn ich wollte meinen Vater nicht enttäuschen was das betraf, und ich wollte nicht in Versuchung geraten, der Orgel doch den Vorzug gegenüber dem Akkordeon zu geben.
Wir haben dann noch mehr Oberkrainer und Volksmusik geübt und uns immer weiter darauf verstärkt, und ich spielte immer weniger Schlager.
Parallel bin dann aber doch in eine Fusion Rockband eingestiegen. Als Ausgleich und auch, um den Anschluss an Musik, die mich interessierte, nicht zu verpassen. Mein Bruder war damals noch bei der Oberkrainer-Band dabei. Er hatte keine andere Band nebenher.
Ich aber habe als Bassist in dieser Fusionrock-Band gespielt, und das war ziemlich gute Musik und rein instrumental, also kein Gesang. Der Gitarrist spielte aktiv mit einem Roland-Bandecho, was sich unglaublich anhörte. Die Musik war so gut, dass man nur ihm zuhören wollte.
Das alles war toll, und ich erinnere mich sehr gerne daran zurück, weil es für mich sehr außergewöhnliche und interessante Musik war, doch irgendwann ist diese Band dann leider auch auseinandergebrochen.
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