Kitabı oku: «Seewölfe Paket 33», sayfa 4

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Um seine Lippen stand ein hartes Lächeln.

5.

Von der „Isabella“ aus sah das „Stimmungsbild“ ganz anders aus.

Kaum hatten sie sich freigesegelt und Fahrt aufgenommen, da hing ihnen der dicke Brocken unvermittelt im Genick.

An der Hektik und Aufregung erkannte Jean Ribault eindeutig, daß es jetzt gleich zur Sache gehen würde, denn alle Dons waren auf Gefechtsstationen.

Jeder Fetzen Tuch war gesetzt, aber die Lady hatte ihr eigentliches Tempo bei diesem Wind noch nicht drauf. Dazu würde sie noch etliche Minuten brauchen.

Die malerische Bucht verschwand achteraus. Karl von Hutten legte Ruder und jagte unter vollem Preß weiter.

Minuten schleppten sich wie Stunden dahin. Noch immer schien die Kriegsgaleone aufzuholen.

„Jetzt müßten sie feuern“, sagte Roger Lutz. „Ich würde es jedenfalls tun, wenn ich der Don wäre. Oder wollen die unsere Nerven bis zum Äußersten strapazieren?“

„Sie wollen ganz sichergehen“, erwiderte Tom Coogan und strich über seinen gepflegten Bart. „Wenn ich an die unteren Brocken denke, dann wird mir ganz heiß.“ Er zeigte mit der Hand zu dem unteren Batteriedeck der Galeone, wo riesige Rohre hervorlugten.

In dem Dunkel dahinter waren undeutlich Dons zu erkennen, die an den schweren Stücken hantierten.

Der Profos wollte auch noch seinen Senf dazugeben, doch als er den Mund öffnete, blitzte es drüben auf. Trotz des gleißenden Sonnenlichts war das grelle Feuer deutlich zu erkennen – und danach natürlich der dicke, fast schwarze Qualm, der aus den Stückpforten drang.

Das Rohr brüllte auf, spie einen langen Strahl aus und verschwand dann wie von Geisterhänden zurückgezogen im Leib des Schiffes.

Als der Profos noch blinzelte, zuckten drei weitere Blitze auf wie lange Feuerzungen aus der Tiefe der Hölle.

„Verdammt noch mal“, murmelte er, „die lassen aber gleich richtig die Kuh fliegen.“

Hinter dem Achterkastell der „Isabella“ schlug es ein. Das Klatschen der Kugel war überlaut zu hören.

Das Meer schien vor Zorn zu brüllen, als es aus seiner Ruhe gerissen wurde. Es erhob sich in der Form baumdicker Säulen und stieg gischtend und brausend zum Himmel. Aus dem Nichts entstand eine Wasserwand, die einen Teil der nachsegelnden Galeone unsichtbar werden ließ.

Weitere Säulen wuchsen mit ungeheurer Wucht hervor und standen wie hingezaubert auf dem Wasser.

„Jetzt müßte man den Arsch einziehen können“, wetterte Carberry, „aber das geht bei einem Schiff leider nicht.“ Er bereitete sich sehr sonderbare Sorgen, der Profos.

Seine Worte verstand ohnehin niemand. Das Tosen der See und die brüllenden Abschüsse überlagerten jedes andere Geräusch.

Hinter ihnen, etwa achtzig Yards entfernt, gab es einen kuriosen Wasserfall, der fast lieblich anzusehen war, brächte er nicht den Tod mit sich.

Anfangs in kleinen Punkten, dann in riesigen Säulen, brachen Wassermassen aus dem Meer. Wie Perlen an der Schnur sahen sie aus, wenn sie wieder in sich zusammenfielen.

Aus dem Riesenleib des Verfolgers zuckten die Blitze jetzt in rascher Folge. Dröhnen und wütende Hammerschläge schüttelten die Luft. Ein Vierfrontengewitter war ein Klacks dagegen. Der Donner grollte weit über die See und wurde meilenweit getragen.

Die Vierzig-Pfünder richteten keinen Schaden an, denn sie lagen ausnahmslos zu kurz. Aber jetzt wurde es bedrohlicher, als die Schiffsartillerie kleinere Stücke einsetzte, die weitertrugen.

Aus den Rohren knallte es jetzt. Da war auch kein Dröhnen und Grollen mehr, es war ein Belfern, das wie Eisen auf Eisen klang, obwohl die Dons nur Steinkugeln verwendeten.

Ein wüster, unglaublich greller Blitz ließ die Männer zusammenfahren. Der Eindruck entstand, als sei im mittleren Deck ein Faß Schießpulver hochgegangen.

Sie warten auf den berstenden Einschlag und hatten das Gefühl, als habe der Spanier die dreifache Pulvermenge genommen.

Eine schwarze Fahne wehte aus der offenen Stückpforte. Dahinter war für lange Augenblicke absolut nichts zu erkennen. Für eine Weile schwiegen auch die Geschütze.

Dann zerfaserte der Wind den Pulverdampf, und da war deutlich zu sehen, daß eins der Geschütze krepiert war. Neben der Stückpforte klafften gezackte Löcher im Rumpf. Alles war dunkel und schwarz verkohlt. Das Schreien verwundeter Männer war zu hören.

Die schwimmende Festung, deren brüllende Ungeheuer sekundenlang den wilden Atem angehalten hatten, begann erneut Feuer zu speien. Diesmal fast aus allen Rohren.

Die „Isabella“ wurde mit weiteren Kugeln eingedeckt, die diesmal höllisch dicht lagen. Ein paar Schauer überbrausten das achtere Deck bis fast zum Ruder.

Ribault, von Hutten und der Schwarze Dogon wurden durchnäßt. In ihren Ohren klang lautes Gebrüll auf, und sie zogen unwillkürlich das Genick ein, als etwas pfeifend an ihnen vorbeistrich.

„Sie holen nicht mehr auf!“ schrie der Franzose durch den Höllenlärm. „Wir haben fast die gleiche Geschwindigkeit, werden aber langsam schneller als sie. Hoffentlich haben wir Glück.“

„Daumen halten!“ brüllte von Hutten zurück.

Die Dons luden nach. Zum Glück konnten sie die andere Breitseite nicht einsetzen. Sie sahen nur die schmale Silhouette, die Ribault ihnen bot und hielten aus allen Rohren drauf, bis sich der Winkel veränderte. Noch härter nach Backbord konnten sie nicht ablaufen, ohne einen beträchtlichen Zeitverlust in Kauf zu nehmen.

Das war der Augenblick, als es auf der „Isabella“ einschlug. Ein Zehn-Pfünder orgelte heran und bohrte sich mit überlautem Krach ins Schanzkleid des Quarterdecks.

Holzsplitter regneten durch die Luft. Die Männer, die in unmittelbarer Nähe standen warfen sich instinktiv auf die Planken. Eine zweite Kugel heulte dicht an ihnen vorbei.

Carberry vergrub das Gesicht in den Händen, als um ihn herum die Fetzen flogen. Es hörte sich sehr übel an. Heiß fuhr es ihm knapp über den Kopf, und er fluchte laut.

Neben dem Rumpf stiegen weitere Säulen aus dem Wasser. Sie lagen so knapp, daß Jean Ribault befürchtete, es werde gleich noch einmal mit berstender Gewalt einschlagen.

Doch inzwischen hatte die „Isabella“ an Fahrt gewonnen, und die Säulen blieben langsam als gischtende Punkte in der See zurück. Sie wanderten immer weiter achterlich aus, bis der Franzose aufatmete.

Der Don versuchte sein Glück mit Fünf-Pfündern, doch auch die erreichten ihr Ziel nicht mehr und verschwanden wirkungslos im brodelnden Kielwasser. Nur noch eine Kugel lag ganz nahe.

Unter vollem Preß segelten sie nach Norden, verfolgt von dem wütenden Don, der sein Geballer noch nicht aufgab, obwohl er erkennen mußte, daß es immer sinnloser wurde.

Sie schossen nur noch aus Wut und Enttäuschung und vergeudeten Kugeln und Pulver.

Sie setzten auch noch Musketen ein, deren wildes Geknatter Jean Ribault und seinen Mannen nur ein höhnisches Lachen entlockte.

„Das war’s, Freunde!“ rief er trocken, als sich der Abstand zwischen den beiden Schiffen weiter vergrößerte. „Jetzt werden wir uns mal das Andenken der Dons ansehen.“

Auf der Kuhl lag eine pechschwarze Steinkugel vom Gewicht eines Zehn-Pfünders. Sie war es, die das Schanzkleid durchschlagen hatte.

Reste von sandartigem groben Pulver klebten noch an ihr, und sie rauchte ein wenig. Es war nur ein dünner Faden Rauch, der von ihr aufstieg. Der Geruch des Pulvers war unangenehm.

Der fett wirkende Koch Eric Winlow starrte das qualmende Gebilde angewidert an, strich mit der Hand über seine Glatze und schickte sich an, die Steinkugel aufzuheben.

„Du willst dir wohl deine Gräten versengen, was, wie?“ fragte der Profos. „Das Ding ist glühend heiß, Mann. Faß es bloß nicht an.“

Carberry schnappte sich wortlos eine Pütz, hievte sie außenbords und zog sie wieder hoch. Seelenruhig leerte er sie über der hin und her rollenden Kugel aus.

Weißlicher Dampf stieg auf, und es zischte laut. Auf den Planken breitete sich ein schmieriger, schwarzer Fleck aus, den der Profos angewidert anstarrte.

Eine zweite Pütz wurde gehievt und ausgeleert. Das Ding rauchte noch immer, konnte jetzt aber keinen Schaden mehr anrichten.

Edwin Carberry hob die Kugel auf und warf sie von einer Hand in die andere, weil sie immer noch verdammt heiß war.

„Da, die schenk ich dir“, sagte er großzügig zu dem glatzköpfigen Koch. „Du solltest sie künftig mit einer Schnur um den Hals als Amulett tragen, in Erinnerung an eine siegreiche Schlacht.“

„Bißchen schwer“, meinte der Koch trocken. „Die würde mir beim Kochen immer in der Suppe baumeln.“

„Sei froh, daß es kein Vierzig-Pfünder war, sonst kriegst du nämlich einen steifen Hals. Willst du sie nun oder nicht? Aber nur unter der Bedingung, wenn das Deck gleich gesäubert wird. Ich kann den schwarzen Scheiß nicht sehen.“

Die Kerle um sie herum lachten erleichtert, seit die Gefahr vorbei war. Sie hatten während der Beschießung nur einmal gelacht, als der Kapitän der Kriegsgaleone auf dem Achterdeck herumtanzte, seinen Degen über den Kopf hielt und laut brüllte. Das hatte sehr lustig ausgesehen, doch danach war ihnen das Lachen vergangen, als die heißen Brocken ihnen nur so um die Ohren flogen.

Jetzt besahen sie sich den Schaden, und Tom Coogan, der sich auf die Technik des Schiffszimmermanns verstand, winkte nach der ersten Besichtigung ab.

„Das kriegen wir wieder hin“, versprach er. „Höchstens einen Tag Arbeit. Ferris Tucker würde nur einen halben Tag brauchen. Holz haben wir noch genug an Bord.“

Sie sammelten die Splitter auf, und Fred Finley, der mit seiner Augenklappe wie ein echter Pirat aussah, trug sie zur Kombüse, wo die Reste unter dem Kessel später noch Verwendung finden würden.

Das Schanzkleid war auf einer Länge von eineinhalb Yards zertrümmert worden, aber die Decksplanken waren nicht beschädigt. Der Handlauf war ebenfalls nur noch Bruch. Aber da konnte mühelos ein größeres Stück eingesetzt werden.

Ribault und der Profos gingen wieder nach achtern.

Die Negersklaven standen an Deck und fingen wieder mit ihrem Herumgehüpfe an. Sie benahmen sich wie Kinder und drehten den Dons lange Nasen, wobei sie laut lachten.

Nur Dogon, ihr Anführer, war ernst und blickte zurück.

„Keine Sorge“, sagte Ribault zu ihm. „Die können jetzt schießen und feuern, wie sie wollen, sie kriegen uns nicht mehr. Die Gefahr ist wirklich vorbei.“

„Aber wir sind wieder auf dem Rückzug“, sagte der Neger in seinem holprigen spanisch. „Die Spanier werden uns Tag und Nacht folgen, bis die mauretanische Küste verschwunden ist. Was tun wir dann? Wir können nicht mehr an Land gehen.“

„Ihr könnt an Land gehen“, versprach Ribault. „Wir werden den dicken Brocken schon abschütteln, und dann bringen wir euch wieder zurück, wie wir es versprochen haben.“

„Ich glaube es“, sagte Dogon einfach. „Anfangs habe ich euch nicht getraut, aber jetzt weiß ich es besser. Ihr mögt die Spanier auch nicht. Wollen sie euch auch versklaven?“

„Das wird ihnen kaum gelingen. Wir haben eine andere Rechnung mit den Dons zu begleichen.“ Jean Ribault zeigte kurz zu Karl von Hutten. „Die Dons haben seine Eltern ermordet, einfach so, ohne jeden Grund. Daher hat er eine ganz persönliche Rechnung zu begleichen. Aber wir haben noch mehr Gründe, die du vielleicht nicht verstehst.“

„Es gibt immer viele Gründe“, antwortete der Schwarze.

Vor der „Casco de la Cruz“ hatten sie jetzt so viel Vorsprung, daß sich der Einsatz der Kanonen für die Dons nicht mehr lohnte. Sie hatten ihr Feuer auch eingestellt, folgten aber beharrlich dem Kurs der ranken „Isabella“, die jetzt schnell durch die See klüste.

Die Mannen an Deck begannen jetzt unverzüglich damit, das lädierte Schanzkleid auszubessern. Das entsprechende Werkzeug wurde bereits nach oben gebracht.

Jean Ribault sah den Schwarzen forschend an.

„Kennst du dich an dieser Küste gut aus?“ fragte er.

Dogon nickte eifrig und zeigte seine weißen Zähne.

„Sehr gut, ich bin hier geboren.“

„Das ist gut, sehr gut.“

„Was hast du vor?“ fragte Karl von Hutten aufmerksam.

„Rache, mein Freund, Hugenottenrache auf meine Art. Rache muß sein, sprach der Herr, und ich habe mein Schiff damals nicht umsonst ‚Le Vengeur‘ der Rächer, genannt. Ich habe allen die Zähne gezeigt, die mir zu dicht auf den Leib gerückt sind, und mit diesem Don werde ich nicht anders verfahren. Er soll seine Freude haben. Ganz davon abgesehen, kann er auch weiterhin für uns zur tödlichen Gefahr werden. Er braucht nur eins seiner großen Beiboote abfieren und es als Fühlungshalter hinter uns herzuschicken.“

„Das stimmt. Damit rechne ich eigentlich immer noch. Aber um der Ironie die Spitze zu nehmen, mein Freund Jean. Willst du ihn mit dem Degen angehen, diesen riesigen Feuerspucker? Ich weiß, daß du einer der exzellentesten Degenkämpfer bist, die ich kenne. Du bist ebenbürtig mit dem Seewolf. Was hast du also vor?“

„Ihn aufbrummen zu lassen“, erwiderte der Franzose mit einem feinen Lächeln. „Das wäre doch ein Spaß, oder? Stellt euch mal vor, Don Julio sitzt mit seiner Kriegsgaleone auf dem Schlick.“

„Er ist nicht Old Donegal“, wandte der Profos ein. „Der ist von Natur ein alter Aufbrummer und auch noch darauf spezialisiert, hauptsächlich, wenn er einen gegluckert hat. Aber diesem Don traue ich das nicht zu, das ist ein ausgebuffter Bursche.“

„Sein Zorn wird ihn leiten“, sagte Ribault. Er grinste auf eine ganz infame Art.

6.

Die Kerle starrten ihn erwartungsvoll an, als Ribault zum Land deutete. Da war nur Wasser zu sehen, aber keine Untiefen. Auch kein Kräuseln der See verriet, daß es hier sanft ansteigende Sandbänke gab.

Ribault kannte sich nur nicht an dieser Küste aus.

„Daß der Kerl stinkwütend auf uns ist, dürfte klar sein“, sagte Jean. „Er hat uns erkannt und unter Feuer genommen, aber er hat keine Ahnung, was hier wirklich passiert ist. Außerdem ist er seinen wertvollen Geleitzug los, und so wird er alles dransetzen, um uns zu erwischen. Er muß das einfach tun, und ihm bleibt keine andere Wahl, als uns Tag und Nacht zu folgen, wenn er uns haben will. Natürlich weiß er auch, daß wir schneller sind. Ich selbst würde vor Wut platzten, wäre ich an seiner Stelle, und ich würde die Scharte auswetzen.“

Er stemmte sich mit der Hüfte so an das Schanzkleid, daß er das nördliche Land und einen Teil des Meeres dicht unter der Küste gut überblicken konnte.

„Wie sieht der Küstenverlauf hier unter Wasser aus?“ fragte er den Schwarzen, der unmerklich zu grinsen begann.

„Oh, das ist ganz einfach“, erwiderte Dogon, der Karl von Hutten laufend zeigte, wie er den Kurs anzulegen hatte, um nicht über die Untiefen zu schrammen. „Hier verläuft ein langer Rücken von Sandbänken, der sich tief vom Süden nach Norden hochzieht. Man kann auf der äußeren oder inneren Seite gut entlangsegeln, aber in kurzer Zeit müssen wir entscheiden, auf welcher Seite wir segeln, sonst gelangen wir nicht mehr hinaus, wenn wir innen bleiben. Es gibt dazwischen nur noch ein paar schmale Durchfahrten.“

„Kennst du die Durchfahrten?“

Der Schwarze reckte die Brust raus und lachte dröhnend.

„Dogon kennt alle Durchfahrten. Ich habe hier gefischt. Ich finde sie sogar bei Dunkelheit.“

„Und wo segeln wir augenblicklich?“

„Innen natürlich, aber nicht mehr lange.“

„Aber wir gelangen jederzeit wieder hinaus?“

„Allein nicht“, meinte der Schwarze grinsend. „Dann geht es immer weiter unter Land, und die Rinne wird enger. Und dann – bummrummsrumms – ist Schluß.“

Er zeigte mit der Hand an, daß sich das Schiff überschlagen würde, und wollte sich kranklachen. Für ihn und die anderen Schwarzen war das offenbar ein ganz toller Spaß.

„So schlimm wird es wohl nicht“, meinte Jean und stimmte in das belustigende Gelächter ein. „Aber wenn sich ein Kasten von dieser Größe auf eine Sandbank schiebt, dann sitzt er erbarmungslos fest, denn das gewaltige Gewicht und die Fahrt schieben ihn immer höher hinauf.“

„Was dann?“ fragte Dogon neugierig.

„Dann sitzt er fest und kann uns nicht mehr folgen. Die Spanier haben tagelang zu tun, ihr Schiff wieder flott zu kriegen. Womöglich passiert aber noch mehr, ich habe da so eine Idee.“

„Bis jetzt folgt er uns noch fast im Kielwasser“, sagte von Hutten. „Und er hat auch alle Rohre wieder ausgerannt. Ich glaube, er wird seinen Kurs auch nicht mehr ändern.“

„Dann beginnen wir damit, ihn ein bißchen zu nerven“, meinte Jean. „Wir markieren den Flügellahmen. Soll er annehmen, wir hätten etwas ins Ruderblatt gekriegt, sozusagen als Spätfolge seines Beschusses. Wir werden ein bißchen im Zickzackkurs segeln, als hätten wir Schwierigkeiten.“

Er ließ sich von Dogon noch einmal ganz genau die Untiefen erklären.

„Wenn etwas schiefgeht dabei“, kündigte er dem Schwarzen an, „dann holt nicht nur uns der Teufel. Er holt euch dann auch, wenn du dich geirrt hast und wir plötzlich festsitzen.“

Dogon hieb sich vor Lachen auf die Schenkel. So fröhlich wie heute hatten sie ihn noch nie gesehen.

„Nichts geht schief, Masterkapitän, nichts. Dogon kennt ganz genau alle Sandbänke.“

„Gut, dann lassen wir uns noch etwas Zeit, bis sich unser Vorsprung weiter vergrößert hat, damit es wirklich keine Pleite gibt. Aber mit dem Zickzackkurs können wir ganz allmählich beginnen. Die Kerle werden uns sowieso pausenlos durch den Kieker beobachten.“

Der erste wohlberechnete Schlenker zur Küste hin erfolgte ein paar Augenblicke später. Die „Isabella“ brach aus, gierte nach Osten und wurde wieder auf Kurs gebracht. Das Schauspiel wiederholte sich in unregelmäßigen Abständen.

Der Viermaster folgte unter vollem Preß. Auch die Dons hatten jeden Fetzen Tuch gesetzt, um den Gegner nicht aus den Augen zu verlieren. Allerdings lag sie jetzt schon fast um eine Meile zurück.

Jean Ribault löste von Hutten am Ruder ab und beobachtete das Wasser. Von den Sandbänken war absolut nichts zu sehen. Das Wasser schien auf der inneren Rinne ziemlich tief zu sein. Die „Isabella“ hatte auch nicht viel Tiefgang, die schwerarmierte Galeone lag aber gut und gern ihre acht Yards tief im Wasser.

Später, als sich der Abstand noch mehr vergrößert hatte, ließ Jean Ribault Vorbram- und Vormarssegel wegnehmen. Auch das Großbramsegel mußte schließlich dran glauben. Der Besan stand voll und bei, um bei den Dons den Eindruck zu erwecken, sie steuern die Galeone mit zusätzlicher Hilfe des Besans.

Die „Casco“ hatte inzwischen auch wieder den Besan angeschlagen. Sie hatten in aller Eile geflickt und repariert.

Der Vorsprung verkleinerte sich, und prompt ließ Jean wieder auftuchen, als ginge er dabei ein Risiko ein. Erneut gierten sie auf die Untiefe an Backbord zu.

Der Durchschlupf befand sich nach Dogons Worten etwas weiter nördlich. Es war der letzte. Wenn die Kriegsgaleone ihn verpaßte, dann rannte sie sich hoffnungslos fest.

„Es muß wieder nach einem Schlenker zur offenen See hin aussehen“, sagte der Schwarze, der jetzt ganz angespannt war. „Wir rutschen dicht über die Sandbank und sind draußen. Ich werde scharf aufpassen.“

„Tu das, in eurem eigenen Interesse“, riet Jean.

„Jetzt zum Meer abbiegen“, sagte Dogon etwas später. „Wir müssen auf der Außenseite ganz scharf über den Grund segeln, sonst merken die Spanier was.“

Der Schlenker sah wiederum so aus, als hätte die „Isabella“ große Schwierigkeiten. Sie fiel nach Backbord hin ab, und da hielten sie unwillkürlich den Atem an.

Nur der Profos stieß pfeifend die Luft aus.

„Da saust doch was“, sagte er unbehaglich.

Die Blasen im Kielwasser schienen kleiner zu werden. Der Bart, den die Galeone vor sich herschob, wurde für Augenblicke noch gewaltiger.

Sie hörten es leise knirschen, als streiche jemand mit feinem Schmirgel über den Kiel.

„Mann, o Mann“, sagte der Profos. „Das ist wie bei einem wunden Affenarsch, auf den man Salz streut.“ Dabei griff er sich unwillkürlich an den Achtersteven, als sei der bereits am Qualmen.

„Wieder dort hinüber“, sagte Dogon heiser, „aber ganz schnell. Wir sind gleich durch.“

Es war eine Nervenprobe, als erneut ein Knirschen hörbar wurde und sie dicht über Grund schrammten. Eine Wolke von Sand wurde aufgewirbelt, von der Ribault hoffte, der Spanier würde sie nicht bemerken. Aber das war bei dem gleißenden Wasser nicht anzunehmen.

Einmal riskierte er einen Blick durch den Kieker und sah, daß die Lotgasten auf dem Kriegsschiff emsig beschäftigt waren. Früher oder später mußten sie die Untiefe loten. Diese Bedenken teilte er auch dem Schwarzen mit.

Aber der lachte schon wieder und hieb sich auf die glänzenden Oberschenkel.

„Zu spät“, sagte er grinsend, „viel zu spät. Aber du solltest jetzt zum Meer hin abdrehen, Masterkapitän, sonst ist es für uns auch bald zu spät.“

Ribault schluckte und legte eilig Ruder.

Sie waren draußen und hatten es geschafft. Don Julio jedenfalls stand noch ein schmerzlicher Tag bevor.

Der Kommandant war längst wieder an Deck erschienen und beobachtete mit einem immer hämischer werdenden Grinsen die Galeone. Er vermutete genau das, was Jean Ribault ihm unterstellt hatte, als er die Segelmanöver bemerkte.

„Sie haben Schwierigkeiten“, sagte er zu Pergoza. „Offenbar ist sein Ruder angeschlagen, sonst würde er nicht mit dem Besan steuern. Ein kleiner Treffer von den Fünf-Pfündern vielleicht. Na, jetzt schnappen wir sie wahrscheinlich doch noch.“

„Ja, sie scheinen große Schwierigkeiten zu haben“, bestätigte der Erste. „Daher segeln sie auch so dicht unter Land, um sich jederzeit absetzen zu können, falls das Ruder ausfällt.“

Er, der sich sonst so etwas nie erlaubte, rieb sich kichernd die Hände. Er vergaß allerdings nicht, sich laufend von den Lotgasten die Tiefe melden zu lassen und hörte sehr aufmerksam zu.

Das Wasser war tief genug. Es bestand nicht der geringste Anlaß zur Sorge, und so segelten sie unter vollem Preß hinterher und freuten sich über jeden Schlenker der Galeone, die mitunter flügellahm und leicht angeschlagen durch die See trieb. Einmal nach Backbord, dann wieder nach Steuerbord.

Als sich der Abstand unmerklich verringerte, setzten die Kerle in ihrer Angst wieder alle Segel und torkelten nur noch schlimmer durch die See.

In Don Julio kehrte so etwas zurück, was er als gute Laune bezeichnete. Sein Blick wurde wieder gallig und bösartig, und die Lippen verzogen sich zu einem boshaften Grinsen. Er rieb mit der Linken aufgeregt seine rechte Hand und trat weiter aufs Achterdeck vor, damit er die Galeone gut im Blickfeld hatte.

„Nicht mehr lange, dann ist der Tag für sie zu Ende“, sagte er optimistisch. „Immer auf Kurs bleiben, genau im Kielwasser.“

Mit dem Spektiv nahm er wieder seine Beobachtungen auf. Er sah die Männer an Deck einigermaßen deutlich. Sie schienen aufgeregt zu sein, doch das war schließlich kein Wunder. Sie waren angeknackst und nicht mehr voll manövrierfähig mit ihrem Schiffchen, und natürlich saß ihnen auch gewaltige Angst im Nacken, doch noch von den Kanonen zusammengeschossen zu werden.

Wieder registrierte er mit einem bösen Grinsen, daß die Galeone nach Backbord ausschor und alle Mühe hatte, auf ihren Kurs zurückzukehren.

Sie brauchte eine ganze Weile, bis sie etwas versetzt auf ähnlichem Kurs weitersegelte.

Seltsamerweise schienen damit die Schwierigkeiten vorerst überwunden zu sein, denn jetzt gierte sie nicht mehr so hin und her. Aber sie nahmen wieder ein paar Segel weg, also war der Druck auf das beschädigte Ruderblatt wohl doch etwas zu stark.

Don Julio de Vilches hatte nicht die geringste Ahnung, daß er quasi in einen unsichtbaren Schlauch segelte, der sich bedrohlich verjüngte und aus dem es für ihn keinen Ausweg mehr gab.

Sie lagen noch fast im Kielwasser der „Isabella“.

Pergoza lauschte indessen aufmerksam den Lotgasten. Die Tiefe betrug immerhin fast achtzehn Faden. Also bestand nicht der geringste Anlaß zur Sorge.

Genau das war der Schlauch, in den sie jetzt segelten. An seinem Ende lief eine langgestreckte Sandbank in einer Krümmung zur Küste hin. Da war der Schlauch zu Ende, und vor ihnen endete er in einer Untiefe von knapp fünf Yards, tiefer war die Lücke nicht. In diese Lücke hinein wies auch das Kielwasser der Galeone. Es war nur noch ein schmaler, kaum sichtbarer Schaumstreifen.

Die „Casco de la Cruz“ lief unter vollem Preß auf die Sandbank, die unvermittelt auftauchte. Ein paar winzige Wirbel zeigten wohl noch etwas an, aber die sahen selbst die Ausgucks nicht, weil das Sonnenlicht auf dem Wasser sie blendete. Es wäre auch viel zu spät gewesen.

Die ungeheure Masse des Schiffes wälzte sich auf die Sandbank und blieb abrupt stehen. Sie lag so plötzlich fest, als hätte sie eine Riesenfaust in voller Fahrt gestoppt.

Die Kerle, die in den Webeleinen der Wanten hingen, verloren übergangslos den Halt, weil niemand mit einem Aufprall gerechnet hatte. Sie flogen mit einem erstaunten Aufschrei wie große Spinnen aus einem Netz und gingen brüllend über Bord.

Das war aber nicht alles, was über Stag ging.

Der baumlange, schlappe und dürre Don Julio de Vilches, der keinen festen Halt auf den Planken hatte und sich neugierig vorbeugte, um die Galeone besser sehen zu können, fühlte sich ebenso plötzlich von einer unwiderstehlichen Gewalt nach vorn getrieben.

Er ruderte mit den Armen und sah das Quarterdeck auf sich zurasen, aber davor war noch die große Balustrade mit den kunstvoll gedrechselten Streben und Hölzern.

Er krachte der Länge nach auf die Planken, rutschte darüber hinweg und landete vierkant vor der mittleren Schmuckbalustrade. Sehr schmerzhaft prallte er mit dem Kreuz dagegen. Seine Nase war gleichfalls lädiert und fing an zu bluten, denn auf ihr war er zuerst entlanggeschrammt.

Pergoza wurde ebenfalls jäh von den Beinen gerissen und leistete seinem Kapitän unfreiwillig Gesellschaft.

Sie lagen noch auf den Planken, während ein nervtötendes Krachen und Bersten den gesamten Rumpf der Galeone erbeben ließ.

Der Fockmast hielt dem mörderischen Anprall nicht stand. Er schwang zweimal hin und her und brach dann wie ein morscher Besenstiel ab. Dabei nahm er das stehende und laufende Gut mit und schlug auf dem vorderen Deck alles kurz und klein.

Viele der großen Geschütze waren dem stürmischen Anprall ebenfalls nicht gewachsen. Zwei Vierzig-Pfünder-Stücke rissen sich los, polterten durch das Batteriedeck und zertrümmerten durch ihr enormes Gewicht etliche Schotten.

Das Rumoren nahm kein Ende. Die „Casco“ schien sich noch einmal gewaltig aufzubäumen. Ihr Rumpf knirschte und krachte entsetzlich laut, und durch die starke Belastung barsten ein paar Planken.

In den Quartieren geriet alles in Unordnung. Was nicht niet- und nagelfest war, verselbständigte sich.

Die Hölle war los an Bord. Niemand wußte so recht, was eigentlich geschehen war. Das Aufbrummen hatte sie alle überrascht.

Don Julio erhob, sich schniefend und mit blutiger Nase. Er begriff die Welt nicht mehr und sah sich fassungslos um.

Sein Schiff glich einem erbärmlichen Trümmerhaufen. Viele Segel waren aus dem Liek gefetzt worden und baumelten wie Leichentücher an den Spieren. Vorn sah es ganz besonders schlimm aus. Der Fockmast ragte nur noch als splittriger Stumpf aus dem Deck. Die Segel, Spieren, Rahen und das Gut waren bis über die Kuhl verstreut.

Er hörte das entsetzte Wimmern von Männern, die sich verzweifelt abmühten, unter den Trümmern hervorzukriechen. Manche irrten unter riesigen Segelfetzen wie Maulwürfe herum und fanden nicht mehr heraus.

Pergoza berappelte sich und stand benommen auf. Über dem linken Auge hatte er eine Platzwunde. Er sah Don Julio kläglich an.

Dem Alten tat das Genick erbärmlich weh, und sekundenlang verschlug es ihm die Sprache. Er fühlte eine heiße Welle des Zorns und der Ohnmacht in sich aufsteigen und lief knallrot an.

„Madre Maria!“ schrie er gequält in den blauen Himmel. „Laß es nicht wahr sein, bitte!“

Er sank langsam auf die Knie und faltete die Hände. Seine Augen schimmerten feucht, bis ihn der Zorn hochriß. Da brüllte er seine hilflose Wut hinaus.

„Was sind das hier für Arschlöcher von Offizieren!“ keifte er anklagend. „Ihr habt mir mein schönes Schiff ruiniert, ihr erbärmlichen Versager. Zur Hölle mit euch! Ich lasse euch alle vor ein Kriegsgericht stellen. Aufhängen wird man euch Bastarde.“

Pergoza taumelte quer über das Achterdeck. Er hatte die Orientierung verloren, fand sie aber sehr schnell wieder, als er Don Julios greinende Stimme hörte.

„Furchtbar“, stammelte er. „Furchtbar, der Satan hat sich an Bord eingeschlichen, ich habe es gewußt.“

„Der Satan? Ja, es muß wohl der Satan gewesen sein.“

Don Julio tappte davon, schreiend und immer wieder auf brüllend, als er die Verwüstungen sah.

Jetzt war alles ruiniert, der Konvoi war verschwunden, und die große Kriegsgaleone war so gut wie beim Teufel. Wie ein Gebirge lag sie auf einer Sandbank. Don Julio wußte noch nicht, daß sie ausgerechnet bei Flut aufgelaufen waren, was alles noch verschlimmerte.

Unter dem herabgefallenen Segeltuch befanden sich immer noch Männer, die über die Planken krochen und nicht herausfanden. Dort robbten Körper entlang und suchten einen Ausweg.

Sein Zorn war unendlich und riesengroß. Einer der kriechenden Beulen unter dem Tuch gab er voller Wut einen Tritt. Die Beule zuckte zusammen und bewegte sich vor Schreck nicht mehr weiter.

Er gab alles und jedem einen Tritt, was seinen Kurs kreuzte. Unter seinen Schuhen flogen Trümmerstücke davon, und dann ließ er sich dazu herab, einen verstörten Kerl zu ohrfeigen, der sich mit offenem Mund ungläubig nach allen Seiten umsah. Der Mann war so verblüfft, daß er keinen Ton hervorbrachte und seinen Kapitän völlig entgeistert anglotzte. Und weil er so dämlich stierte, gab Don Julio ihm noch eine Ohrfeige, ehe er zum Vorschiff ging.

Hier waren die Verwüstungen am schlimmsten. Es sah aus wie nach einem schweren Gefecht. Mitunter lagen die Trümmer so hoch herum, daß er sie nicht übersteigen konnte.

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